Freitag, 16. Januar 2026

Die Luftbuchungen der American Cancer Society

Mein Gewicht heute früh: 74,9 Kilogramm. Verflixt nochmal. Das ist mehr, als ich erwartet hatte, auch mit Beton im Gedärm, der sich erst nachmittags löste. Es bedeutet, daß meine Abnahme im langen Fastenintervall gerade mal fünf Kilogramm betragen hat. Normal liegt außerhalb der Low-Carb-Phasen die Abnahme irgendwo zwischen "über fünf" und "unter sechs" Kilogramm, Ausreißer nach oben und unten gibt es zwar, aber sie sind eher selten. Heute hatte ich ein solches Ergebnis, und das leider in der falschen Richtung. 

Nun ja. Da es nun einmal so ist, wie es ist, mache ich halt mit diesem unbefriedigenden Ergebnis weiter. Es sieht also immer mehr nach einem Endspurt im Anschluß an LC aus. Mein Mann weiß davon auch immer noch nichts - es hat sich irgendwie nicht ergeben. Er ist im Moment nicht so oft ansprechbar, wenn ich daran denke, weil er sich die meiste Zeit in der Werkstatt aufhält, um die Bretter für die selbstentworfene Küchenzeile zu sägen.  

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Die Medien bringen Jubelberichte über die tollen Fortschritte bei den Krebstherapien, basierend auf der Krebsstatistik 2026 der American Cancer Society, und die Follow-the-Science-Fraktion auf Bluesky und Twitter jubelt mit. Sieben von zehn Krebspatienten, heißt es darin, überleben heute (gemeint sind die Jahre zwischen 2015 und 2021) fünf Jahre oder länger ihre Krebsdiagnose. Das sei eine gewaltige Verbesserung, denn in den 1970er-Jahren seien es nur fünfzig Prozent gewesen und Mitte der Neunziger 63 Prozent.

Ich erlaube mir, mich durch solchen Blödsinn nur veralbert zu fühlen. Die American Cancer Society spricht nämlich mit gespaltener Zunge. 

Eine Menge Krebsarten werden heute in einem viel früheren Stadium als in den Siebzigern diagnostiziert. Früherkennung macht's möglich. In den Siebzigern begann die Uhr also vor allem bei den häufigsten Krebsarten - Brust und Prostata - oft ein, zwei, drei oder sogar noch mehr Jahre später zu ticken, an der diese fünf Jahre heruntergezählt werden. Wie groß die Differenz beim durchschnittlichen Diagnosezeitpunkt ist, kann ich natürlich nicht exakt sagen, weil ich gar nicht wüßte, wo ich die Daten dazu finden sollte. Aber ich gehe davon aus, daß die heutigen fünf Jahre im Durchschnitt höchstens drei Jahren entsprechen. Bei Anpassung an diesen Faktor ergibt sich zwangsläufig, daß die 70 Prozent nicht mehr stimmen können. Ob das Ergebnis ein "Außer Spesen nichts gewesen" ist, oder vielleicht doch ein kleiner Vorteil, darüber kann höchstens spekuliert werden, aber der Anstieg um 20 Prozentpunkte ist jedenfalls wegen der nicht vergleichbaren Fünf-Jahres-Zeiträume eine klare Luftbuchung. 

Das durchschnittliche Sieben-Jahres-Überleben, das ich mit dem damaligen Fünf-Jahres-Überleben vergleichen würde, kennt aber keiner. Für das Zehn-Jahres-Überleben fand ich auf Anhieb keinen Durchschnittswert für alle Krebsarten in den USA. In Großbritannien wird er mit 50 Prozent angegeben. Interessanterweise ist bei Cancer UK wiederum das Fünf-Jahres-Überleben überhaupt nicht angegeben. Das deutet darauf hin, daß das Fünf-Jahres-Überleben heute erheblich weniger über die Chancen auf ein krebsfreies Weiterleben aussagt als noch 1975. Nehme ich an, daß die UK-Angaben realistisch sind, ist anzunehmen, daß die USA auch nicht erfolgreicher sein können, denn daß deren Gesundheitssystem dem in UK überlegen sein soll, kann ich mir kaum vorstellen. Das aber würde bedeuten, daß 40 Prozent aller Fünf-Jahres-Überlebenden in den USA innerhalb der darauffolgenden fünf Jahre doch noch sterben. Das ergibt auch einen Sinn  Das Risiko eines erneuten Krebsausbruchs ist innerhalb der ersten fünf Jahre am höchsten, das war wohl - neben der Tatsache, daß ursprünglich nur eine Minderheit der Krebspatienten fünf Jahre überlebte - der damalige Grund, diesen Fünf-Jahres-Zeitraum zu wählen.  Die fünf Jahre eines Patienten des Jahres 1975 sind aber im Jahre 2015 oft noch gar nicht rum. 

Da ich die Zahlen für das Zehn-Jahres-Überleben im Jahr 1975 in den USA nicht ermitteln konnte, weiß ich nicht, ob 50 Prozent Überlebende im Vergleich zu 1975 - die ich jetzt einfach mal als gegeben annehme - überhaupt eine Verbesserung bedeuten. Vermutlich schon (speziell bei sehr früh erkannten Krebserkrankungen dürfte ein Überlebensvorteil schon tatsächlich gegeben sein), aber der Vorteil gegenüber 1975 wird natürlich sehr viel niedriger liegen als bei Betrachtung der Fünf-Jahres-Überlebenden. Vielleicht will die American Cancer Association ja mit den Zehn-Jahres-Werten deshalb nicht hausieren gehen, weil man mit ihnen nicht renommieren kann? 

Die Epidemiologie hat bei Krebs überhaupt einen unschönen Hang zu verfälschenden Statistiktricks, mit denen die Entwicklung ein wenig aufgehübscht werden kann. Das fängt damit an, daß ein Durchschnittswert für alle Krebsarten im Grunde wenig Sinn ergibt, weil die Überlebensaussichten bei verschiedenen Krebsarten so unterschiedlich ausfallen. Speziell bei Brustkrebs und Prostatakrebs erfolgt die Diagnose oft sogar so früh, daß einiges darauf hindeutet, daß ein Teil der Diagnosen nie zu einem behandlungsbedürftigen Krankheitsausbruch geführt hätte. Das ist auch einer der Gründe, warum die Zahl der Krebsdiagnosen ständig steigt. 

Der Bericht der American Cancer Society erweckt bei flüchtigen Lesern genau den entgegengesetzten Eindruck, etwa in dieser Grafik: 

 Details are in the caption following the image

Klammern wir an dieser Stelle die Mortalität vorerst einmal aus, die für den flüchtigen Betrachter bestimmt ganz ansehnlich wirken wird. Die Inzidenz bietet von vornherein ein weniger positives Bild. Auch wenn der erste flüchtige Blick eine positive Entwicklung ab den neunziger Jahren zu zeigen scheint, gilt das jedoch nur für Männer - und auch bei ihnen liegt der Wert je 100.000 Einwohner höher als 1975. Aber bei Frauen ist die Rate in diesem Zeitraum immer nur zwar leicht, aber bis heute kontinuierlich angestiegen. 

Da es sich um altersstandardisierte Werte handelt, muß das in einer alternden Gesellschaft aber ständig steigende absolute Zahlen bedeuten. Die wurden im Bericht nicht grafisch dargestellt, aber die Schätzwerte für das laufende Jahr (die zweifellos irgendwie auf den belegbaren tatsächlichen Werten der Vorjahre basieren) fanden sich im Text: 

 In total, there will be approximately 2,114,850 new cancer diagnoses, the equivalent of about 5800 cases each day. In addition, there will be about 122,680 new cases of melanoma in situ of the skin and 60,730 new cases of ductal carcinoma in situ diagnosed in women in 2026.

Um die Zahlen für das Jahr 1975 herauszufinden, habe ich zum ersten Mal auf die Google-KI zurückgegriffen und hoffe, sie sind zuverlässig, da immerhin eine Quellenangabe erfolgte, die zuverlässig aussah. 1975 waren es laut dieser Quelle zwischen 600.000 und 700.000 Fälle. Das scheint mir zwar etwas zu niedrig, denn laut der Grafik weiter unten starben 1975 380.000 Krebspatienten. Wenn die Hälfte aller Erkrankten fünf Jahre nicht überlebte, würde ich die Zahl der pro Jahr Erkrankten an sich für etwas höher halten - aber nur, wenn die Zahl einige Jahre lang konstant gewesen ist, denn es geht ja jedes Jahr um Todesfälle von Erkrankten aus einem Zeitraum von fünf Jahren (die den Löwenanteil aller Krebstoten ausmachen). Es scheint aber - wieder gemäß Google-KI -, daß die Zahl der Krebsfälle sich zwischen 1965 und 1975 ebenfalls ungefähr verdoppelt hatte. Bleiben wir also bei diesem Wert und wählen vorsichtshalber lieber gleich den niedrigeren, also 600.000. In absoluten Zahlen hat in den USA zwischen 1975 und 2026 also eine Vervierfachung der Krebsdiagnosen stattgefunden. Das wird durch die Altersstandardisierung vertuscht, in der man nur einen moderaten Anstieg erkennen kann.

Und wie sieht es nun mit den Krebstodesfällen aus? Das läßt sich überschlagen: Von 600.000 Krebspatienten von 1975 überlebten 50 Prozent, also 300.000, die ersten fünf Jahre nach der Diagnose nicht. Von den 2,1 Millionen heute überlebten 30 Prozent die ersten fünf Jahre nicht, also 210.000. Knapp 1,9 Millionen überleben den Stichtag. 

Sieht doch eigentlich ganz überzeugend aus, oder? Was paßt mir denn eigentlich an diesen 90.000 zusätzlichen Fünfjahresüberlebenden im Vergleich zu den Siebzigerjahren nicht? 

Die Antwort habe ich schon weiter oben gegeben. Sie lautet, daß das Fünf-Jahres-Überleben heute etwas ganz anderes bedeutet als zu Zeiten, als es die Früherkennung nicht gab. Die 90.000 Überlebenden mehr erklären sich höchstwahrscheinlich vor allem daraus, daß es heute eher dem Drei-Jahres-Überleben im Jahr 1975 entspricht

Dazu ein paar weitere Zahlen.  

Brust- und Prostatakrebs machen zusammengenommen knapp über 650.000 der 2,1 Millionen Krebsfälle aus, also fast ein Drittel. 91 Prozent aller Brustkrebspatientinnen (alle Stadien der Erkrankung mit eingeschlossen) überleben diese fünf Jahre heutzutage. Bei Prostatakrebs ist das Fünf-Jahres-Überleben sogar noch höher als bei Brustkrebs und liegt bei 97 %. Das bedeutet, von diesen 650.000 Patienten mit einer der beiden Diagnosen leben nach fünf Jahren noch ein bißchen über 600.000. Das ist ungefähr ein Drittel aller Krebsüberlebenden. Von den Verstorbenen machen die 50.000 Pechvögel ein knappes Viertel aus. Zwei Drittel der Krebsüberlebenden haben hingegen andere Krebs-Varianten. Bei den Verstorbenen umfassen die anderen Krebsarten aber mehr als drei Viertel. Es liegt also auf der Hand, daß sie durchschnittlich eine schlechtere Prognose haben müssen. 

Betrachtet man die Sache aus einer anderen Richtung, wird noch deutlicher, daß die so stürmisch gefeierte Verbesserung mit guten Gründen für nicht so toll gehalten werden kann. Das gilt nämlich, wenn man nicht das Fünf-Jahres-Überleben und -Nichtüberleben, sondern die Entwicklung in absoluten Zahlen sieht. 

In absoluten Zahlen sterben heute pro Jahr nämlich etwa 600.000 Amerikanerinnen und Amerikaner an Krebs. 1975 waren es der folgenden Grafik nach etwa 380.000 (bei zwischen 600.000 und 700.000 Diagnosen), also sind es heute pro Jahr 220.000 mehr. Das sind roundabout 600 Krebstote pro Tag, den es in den USA mehr gibt als 1975. Trotz der gesunkenen Mortalität, also der Krebstoten je 100.000 in einer altersstandardisierten Betrachtung.

Sehen so Erfolge aus? 

Die blaue Linie ist in der Grafik übrigens die maßgebliche. Die rote Linie ist eine erneute reine Luftbuchung. Angeblich hätte sich die Zahl der Krebstoten ohne die supererfolgreichen Präventionsstrategien u.a. von der American Cancer Society so wie durch die rote Linie dargestellt entwickelt. Beweisen läßt sich das zwar nicht, aber es schien den Autoren wohl ausreichend, daß im Gegenzug auch niemand das Gegenteil beweisen kann.  

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Das erste Mal gehört habe ich von Prof. Seyfried, daß die Zahl der Krebserkrankungen in den USA ständig steige. Gemeint ist bei ihm die absolute Zahl, die natürlich bei einer Alterskrankheit auch das steigende Durchschnittsalter widerspiegelt, weshalb ich anfangs diesen Punkt gar nicht für stichhaltig hielt. Überzeugt hat es mich aber, als er in einem der Podcasts oder Vorträge außerdem anmerkte, einen Durchbruch bei der Krebsbekämpfung würde man an einem Rückgang der Krebstodesfälle in absoluten Zahlen erkennen. Das brachte mich zum Nachdenken. Auch unter den Pestärzten des 15. Jahrhunderts gab es bestimmt Fortschritte, wenn sie Maßnahmen, die nichts besser machten, sondern alles verschlimmerten, wegließen und kleinere Anpassungen in der Behandlungsmethodik oder den hygienischen Bedingungen das Leiden etwas lindern konnten. Alle diese Fortschritte zusammengenommen, die es zweifellos gegeben hat und vielleicht ja ebenfalls bestimmten Personenkreisen mehr als anderen zugute kamen, werden aber zu einem Nichts, wenn man sie mit denen vergleicht, die mit der Entdeckung des Pesterregers und der Entwicklung von Antibiotika verbunden waren. Erst dies brachte einen wirklichen Durchbruch und führte dazu, daß der Schrecken einer Pestepidemie nur noch als ein historisches Ereignis gesehen wird, vor dem sich heutzutage niemand mehr fürchten muß. Vorher mühte man sich auf einer unzureichenden Wissensbasis ab, weil die Ursachen der Erkrankung an der falschen Stelle gesucht wurden. 

Genau dasselbe gilt auch für Krebs. Ein wirklicher Durchbruch müßte auch bei Krebs ganz anders aussehen als die Erfolge, für die die American Cancer Society sich so selbstgefällig selbst auf die Schulter klopft. Wir werden ihn auch bestimmt rasch sogar als Laien mit bloßem Auge erkennen, wenn er einmal eintritt. 

Bei Krebs im metastasierten Stadium rühmt die amerikanische Krebsgesellschaft sich besonders spektakulärer Erfolge: Das Fünf-Jahres-Überleben sei bei Patienten in diesem Stadium am stärksten überhaupt  gestiegen, nämlich von 16 auf 35 Prozent. Die schlechte Nachricht in der guten bekommen Sie jetzt von mir, da niemand sonst sie ausspricht oder auch nur wahrzunehmen scheint: Dies bedeutet, daß immer noch knapp zwei Drittel aller Patienten mit metasasiertem Krebs weniger als fünf weitere Lebensjahre zu erwarten haben. Das Ziel, für das seit den siebziger Jahren Unsummen in die Krebsforschung hineingesteckt wurden, hatte eigentlich eine bedeutend höhere Meßlatte. 

Ich will nicht abstreiten, daß der Gewinn von ein, zwei, drei zusätzlichen Lebensjahren für einen todkranken Patienten eine Menge ausmacht. Aber ich bezweifle, daß Patienten eine erfolgreiche Behandlung so definieren würden, wie das die Wissenschaft gerade tut, um eigentlich enttäuschende Zahlen mit einer erfreulicher wirkenden Girlande zu versehen. (Übrigens erinnert mich das sehr an die "Erfolge" bei der Adipositasbekämpfung, die vor allem auf einer Umdefinierung dessen beruhen, was als Erfolg zu betrachten sei - ebenfalls in völligem Gegensatz zu dem, was die Patienten erreichen wollen.) Eine erfolgreiche Behandlung aus Sicht des Patienten würde dazu führen, daß er an seiner Krankheit nicht stirbt, weil sie geheilt werden kann. Dem gleichzusetzen aus dieser Perspektive ist es - jedenfalls beinahe -, wenn sie über einen so langen Zeitraum gemanagt werden kann, daß es nicht einem baldigen Todesurteil gleichgesetzt werden muß - auch dann, falls sie am Ende dennoch seine Todesursache sein sollte. Eine Menge Menschen sterben ja auch an Herz- und Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Diese Diagnosen lösen aber längst kein solches Entsetzen und keine Todesängste aus wie eine Krebsdiagnose. Warum? Weil man als Patient guten Grund hat, zu erwarten, trotzdem noch viele gute Lebensjahre vor sich zu haben. 

Das wäre also das Ziel, das man erreichen wollen müßte. Aber da die American Cancer Society so zufrieden mit ihren viel bescheideneren Erfolgen zu sein scheint, habe ich nicht den Eindruck, daß es von ihr überhaupt angestrebt wird. 

Zufälligerweise sah ich nach längerer Zeit mal wieder eines von Thomas Seyfrieds Videos. Weil er darin sehr leicht verständlich erklärt, wie seiner Forschung nach eine Metastasierung abläuft und wie sie wegen dieses Ablaufs behandelt werden sollte, hier der Link zu dem mit 22 Minuten relativ kurzen Video. Für mich klingt das absolut plausibel, aber ich bin bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen, falls es fundierte Einwände geben sollte. Bislang habe ich aber noch keine gehört. Falls Seyfrieds Forschungsergebnisse irgendwo einen Haken haben sollten, dann würde ich aber vor allem von einer Organisation wie der American Cancer Society erwarten, daß sie sich mit der Sache befaßt und ihre Einwände zu Papier bringt, falls sie welche haben sollte, damit man sich damit auseinandersetzen kann. Immerhin handelt es sich ja nicht um die Ausgeburten der Phantasie eines selbsternannten Wunderheilers, bei dem das Zeitverschwendung wäre, sondern die Sache wird ja wissenschaftlich untermauert. Sollte sie aber keine schwachen Punkte finden, dann wäre es ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die Theorie samt der bisher daraus entwickelten Therapieansätze aufzugreifen und herauszufinden zu versuchen, was ein praktischer Einsatz für ein Verbesserungspotential bietet. Genau das wäre im Interesse der Patienten, in deren Interesse zu arbeiten diese Institution behauptet. Stattdessen ignoriert sie sie aber einfach und klopft sich stattdessen pausenlos selbst auf die Schulter, weil sie ja mit allem, was sie tut, so sagenhaft erfolgreich sei. 

Donald Trump macht das genauso, nebenbei bemerkt. 

Käme die American Cancer Society ihren Aufgaben wirklich nach, dann hätte vielleicht auch Scott Adams, der Autor der weltweit populären Dilbert-Cartoons, der vor wenigen Tagen an metastasiertem Prostatakrebs gestorben ist, eine echte Chance gehabt. Daß er keine Berührungsängste gegenüber den Methoden hatte, die auf Basis von Seyfrieds Theorie entwickelt wurde, zeigt sich, weil er erwähnte, er hätte Fenbendazol und Ivermectin genommen - es hätte bei ihm aber nicht gewirkt. Da er auch erwähnte, bestrahlt worden zu sein, kann ich mir nicht recht vorstellen, daß die Therapie bei ihm dem Seyfriedschen Press-Pulse-Konzept wirklich ähnlich war. Es ist also wahrscheinlicher, daß er konventionell behandelt wurde und seine Hoffnungen in ein vermeintliches Wundermittel setzte, das er parallel einsetzte (ob mit oder ohne Mitwirkung seines Onkologen), das aber freilich für sich alleine genommen natürlich keine Wunder wirken kann. Keines der Elemente der Press-Pulse-Therapie kann das alleine, auch nicht die ketogene Ernährung, jedenfalls nicht bei so weit fortgeschrittener Erkrankung. Das Konzept ist ein Gesamtkunstwerk, aber gleichzeitig auch ein Work in Progress. Es kann noch gar nicht perfekt sein, dazu gibt es zu wenige Gelegenheiten, es einzusetzen, weil viele Onkologen es entweder nicht kennen oder davor zurückschrecken. Wo es eingesetzt wird, dann meiste in Form einer Kompromißlösung. Das alles erschwert die Feinjustierung der einzelnen Komponenten. Das Press-Pulse-Verfahren ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber das sind die konventionellen Krebstherapien ja auch nicht. Wäre es anders, gäbe es auch die kleinen Fortschritte nicht, auf die die American Cancer Society so stolz ist. Ein Fortschritt bedeutet ja, daß das vorherige Verfahren verbessert werden konnte, also davor schlechter war, als es eigentlich hätte sein können. Es kann ja eigentlich nicht sein, daß von jedem Verfahren, daß auf einer Theorie fußt, die die aktuellen Grundlagen der Krebsbehandlung in Frage stellt, von Vornherein Perfektion verlangt wird. 

Es gibt also gar keinen Grund zur Überheblichkeit gegenüber den von Adams eingesetzten Medikamente, wie ich das Twitter rauf und Bluesky runter überall lese. Adams' Tod beweist keineswegs ihre Untauglichkeit im Einsatz gegen Krebs. Wäre es anders, dann müßte man schließlich auch sämtliche Chemo-Präparate von Epirubicin aufwärts auf den Kehricht werfen, weil sie den Tod jedes zweiten Behandelten innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren ja auch nicht verhindern können. 

Tatsächlich sind beide Mittel sogar ohnehin nur eine Ausweichmöglichkeit, weil dasjenigen mit den besten Erfolgsaussichten, DON, bislang gar nicht eingesetzt werden darf, und daß sich das ändert, ist so schnell wohl nicht zu erwarten. Also das populärste unter mehreren vergleichsweise unzureichenden Ersatzmitteln für DON hat bei Adams nicht gewirkt. Aber hat es das wirklich nicht? Immerhin, Adams hatte letzten Mai damit gerechnet, nicht länger als bis zum Sommer zu überleben. Vielleicht war dieses halbe Jahr ja doch dem unzureichenden Ersatzmittel zu verdanken. Und warum sollte dieses halbe Jahr weniger wert sein als eines, das man mit Hilfe von für den Patienten extrem strapaziösen Chemotherapien und Bestrahlungen herausgeschunden hat und wofür man dann natürlich gerne gelobt werden möchte. 

Wer herausfinden will, ob Seyfrieds neu entwickeltes Verfahren vielleicht tatsächlich der Gamechanger ist, auf den alle Krebskranken warten, und wie man ihn bestmöglich einsetzt, der bräuchte vor allem mehr Daten. Mehr Daten müßte man aber haben wollen. Die American Cancer Society will das offensichtlich nicht. Sie scheint völlig zufrieden damit zu sein, daß jetzt nicht mehr jeder sechste, sondern nur noch jeder dritte Krebspatient den fünften Jahrestag seiner Diagnose nicht mehr erlebt, und sogar dabei ist viel statistische Schummmelei mit im Spiel. Man würde sich von so einer Organisation wirklich nicht nur mehr Klartext statt Selbstbeweihräucherung, sondern auch ein bißchen mehr fachlichen Ehrgeiz wünschen. Und vielleicht ja auch ein bißchen Bewußtsein für ethische Verantwortung. 

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Ab Montag essen wir wieder sechs Wochen lang Low Carb, und die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Gestern war ich einkaufen und habe mich mit diversen Basics bevorratet und ein paar vereinzelte, die ich nirgends fand, online bestellt. Eines davon waren Kartoffelfasern, die gehen mir langsam zur Neige, und obwohl sie vorübergehend wenigstens in den größten Supermärkten erhältlich waren, fand ich sie jetzt nicht mehr vor. Das zweite ist das Süßungsmittel Allulose. Gehört hatte ich davon schon länger, aber als ich zuletzt darüber las, war es noch nicht zugelassen. Daß sich das geändert hat, leitete ich daraus ab, daß sie plötzlich Low-Carb-Rezeptvideos vorkamen. Also habe ich das auch mal bestellt und lasse mich überraschen, ob es mir mehr zusagt als die bisherige Xylit-Erythrit-Stevia-Mischung, die ich bislang verwende. 

Die Videos gehörten natürlich auch zu den Vorbereitungen, ich habe nach neuen Rezepten gesucht, um mich davon zu kulinarischen Neuentdeckungen inspirieren zu lassen. 

Einen YouTube-Fund habe ich gleich heute getestet und muß sagen: ein voller Erfolg. Und zwar "Carnivore-Brötchen", die nur aus 3 Eiern, ca. 160 Gramm Milchpulver, einem Eßlöffel Backpulver und ein bißchen Salz bestehen. Daß das funktioniert, leuchtete mir spontan ein, denn die Keto-Waffeln aus Eiern und Käse funktionieren ja auch, und Käse ist nun mal ein Milchprodukt. Milchpulver ist aber gar nicht so leicht zu bekommen. Im größten Supermarkt in der Nähe hatten sie es glücklicherweise, allerdings nur Magermilchpulver. Eigentlich hätte ich lieber Vollmilchpulver genommen. Da ich nur eine 250-Gramm-Packung gekauft habe, werde ich jetzt online Vollmilchpulver bestellen. Damit dürfte der Kauf von Milch im Discounter für mich Geschichte sein. Für alles, was Milch erfordert, vom Pudding bis zum Kartoffelbrei, finde ich Milchpulver ideal. Und natürlich auch für diese erstaunlichen Brötchen. 

Damit bin ich, auch wenn ich keine Rohmilch im Haus habe, jederzeit mit Milch versorgt. Ich kaufe zwar gelegentlich auch die normale Vollmilch im Hofladen, aber ich habe bislang auch immer eine Packung haltbare Milch aus dem Discounter im Haus gehabt, denn weil wir diese Milch nicht trinken (ich bekomme von Vollmilch, anders als von Rohmilch, ziemlich fiese Blähungen, und zwar auch von der nicht haltbaren frischen) muß ich immer aufpassen wie ein Schießhund, daß sie mir nicht verdirbt, weil ich sie doch weniger einsetze als z. B. Creme fraiche oder andere Milchprodukte. 

Der Preis des Produkts, das ich bestellen will, ist zwar doppelt so hoch wie für einen Liter Vollmilch im Discounter, wenn man den Kaufpreis auf einen Liter mit dem Pulver angerührte Vollmilch herunterbricht, aber der Vorteil besteht auch in der nahezu unbegrenzten Haltbarkeit von Milchpulver. Im Sommer ist mir zu meinem Verdruß tatsächlich mehrere Male ein mehr oder weniger großer Rest Milch auch von der haltbaren Discountermilch trotz Kühlung in der angebrochenen Packung verdorben. Das wird mir künftig nicht mehr passieren. Und natürlich kaufe ich weiter gelegentlich auch meine Rohmilch direkt aus dem Milchtank beim Bauern zum Trinken. 

Sieht man einmal davon ab, daß ich das nächste Mal den Backofen nur auf 170 statt auf 180 Grad einstellen werde, damit sie nicht gar so dunkel werden, war ich vom Ergebnis dieses Brötchenbackens nämlich richtig beeindruckt. Aus der angegebenen Menge konnte ich sechs Brötchen machen, die mir zwar arg klein vorkamen, als ich sie in den Backofen schob, aber als sie fertig waren, war ich mit ihrer nunmehrigen Brötchen-Normalgröße sehr zufrieden. Auch der Geschmack und die Konsistenz sind verblüffend brötchenartig - nicht aber die Farbe, denn bei der dachte ich spontan an Maismehl - ein recht intensives Gelb. Ich habe experimenthalber drei der sechs Brötchen noch mit geraspeltem Gouda vermengt, und erst sahen diese Brötchen genauso perfekt aus wie die anderen, sind dann aber deutlich in sich zusammengesunken, während die anderen ihre Brötchenform behielten. Dafür fand ich sie geschmacklich sogar noch etwas besser, also werde ich beim nächsten Mal vielleicht einfach ein bißchen Gouda obendrüberstreuen und hoffe, dann behalten die Brötchen ihre Form.

Es ist mal wieder eine Brötchenart, die superschnell zu machen ist: Backofen anschalten, drei Eier verquirlen, die restliche Zutaten nach und nach zugeben, Brötchen formen, und in den aufgeheizten Backofen geben. Das dauert mit ein bißchen Übung - der Teig ist nämlich sehr klebrig, was mir am Anfang etwas Schwierigkeiten machte - keine zehn Minuten. Die Backzeit war bei mir 14 Minuten. 

Weil ich ein Weilchen suchte, um online das passende Produkt zu finden, stieß ich zufällig darauf, daß es auch Sahnepulver gibt. Das ist ein völlig andersartiges Produkt. Als ich die Liste der Zusatzstoffe las ("Getrockneter Glukosesirup, gehärtetes pflanzliches Öl, Zucker, Emulgatoren (Essigessenz Ester von Ölsäure Monound Diglycerid E472 a, Mono und Diglycerid von Ölsäure E471), Natrium-Caseinat, Stabilisator (Dikaliumphosphat E340), Konsistenzerhöher (Hydroxy Propyl Cellulose)"), war mir klar, das gehört zu der Art von Lebensmitteln, vor denen ich meine Leser schon immer gewarnt habe. Das Milchpulver enthält dagegen nichts als Milch, der das Wasser entzogen wurde, ein Verfahren, das schon seit 150 Jahren angewandt wird und nichts mit dem zu tun hat, was in den letzten Jahrzehnten in der Industrie an komplexen Verfahren entwickelt wurde, um Geschmack, Konsistenz und Farbe frischer Lebensmittel imitieren zu können sowie die Haltbarkeit zu verlängern. 

Unglaublich eigentlich, daß man nach Jahren in jeder Low-Carb-Phase nicht nur neue Gerichte entdeckt, sondern auch neue Zutaten. 


Montag, 12. Januar 2026

Der Tanz mit dem Low-Carb-Teufel: gute oder schlechte Idee?

Mein Gewicht heute früh zu Beginn des ersten viertägigen Fastenintervalls des Jahres: 79,9 Kilogramm. Gerade nochmal davongekommen - denn über eine 80 heute hätte ich echt abgekotzt. Aber es hätte ins Bild gepaßt, denn schon nach der Low-Carb-Phase war ich ja enttäuscht, weil ich mit einer höheren Abnahme gerechnet hatte. Meine Überlegung, daß ich etwas anders machen muß, war offenbar richtig, und ich probiere es nach einem "normalen" Anfang mit Low Carb ab Woche drei damit, an den Eßtagen meine erste Mahlzeit erst um 15 Uhr einzuplanen. 

Mein Mann hat noch keine Ahnung davon, daß ich im Anschluß an die nächste Low-Carb-Phase, die heute in einer Woche beginnt und bis Ende Februar dauern soll, außerdem wieder einen Endspurt plane. Das werde ich ihm noch schonend beibringen müssen.  

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Es ist ja nicht so, daß ich sonderlich zuversichtlich gewesen wäre, was die weitere politische Großwetterlage betrifft. Daß das neue Jahr 2026 keine vier Tage andauern würde, bis ich mir das Vorjahr 2025 zurückgewünscht habe, hätte ich mir aber doch nicht träumen lassen. Trotzdem gibt es gerade jetzt auch einen kleinen Lichtblick, wenn er auch ein paar Schattenseiten aufweist: Die Ernährungspyramide wurde vom US-Gesundheitsministerium mit den aktualisierten Ernährungsempfehlungen quasi auf den Kopf gestellt und der Slogan dazu lautet "Eat real food". Abgeraten wird nun primär von hochverarbeiteten Lebensmitteln, Zucker, "ungesunden" Fetten (die zugehörige Definition fehlt mir noch, aber es dürften die minderwertigen Öle und Streichfette sein, die in den USA üblich sind) sowie Weizenmehl. Der Ernährungs-Mainstream hyperventiliert prompt und wie an der Schnur gezogen und ist - vermutlich ehrlich - überzeugt davon, diese Empfehlungen seien so schlecht, daß die Leute, die sich daran halten, in kürzester Zeit tot umfallen werden. 

Ein paar der Mediziner aus der Low-Carb-Bubble bei Twitter haben an der Erstellung dieser neuen Ernährungsempfehlungen mitgewirkt. Das ist meiner Meinung nach einerseits eine gute Nachricht, denn bei aller Fehlbarkeit, die ich an ihnen ja schon wiederholt kritisiert habe, sind sie ein gutes Stück näher an der Wahrheit dran als diejenigen, die seither den Amerikanern vorbeteten, wie sie essen sollten. Die zugehörige schlechte Nachricht lautet, daß sie nun natürlich nicht nur den Gesundheitsminister Robert Kennedy jr., sondern auch seinen Chef Donald Trump wie einen Helden verehren.

Daß die Low-Carb-Community und die nachweislichen Erfolge dieser Ernährungsform bei Adipositas und Diabetes unter allen bisherigen sehr viel fachkundiger geführten US-Gesundheitsministerien ignoriert wurde, weil die Wissenschaft, auf die man sich dort verläßt, sie ebenfalls ignoriert, ist ja traurig genug. Daß die schlechteste Regierung, die die USA jemals hatten, das nun ändert, hat seine Ironie, zeigt aber auch, daß die Amerikaner nicht einfach nur bescheuert waren, als sie einem Donald Trump, noch dazu zum zweiten Mal, eine Mehrheit verschafften. Es lag vieles im argen, und das nicht nur im Gesundheitsbereich, und zwar etwas, das eigentlich nur strukturell bedingt sein kann und wofür das System keine ausreichenden Selbstheilungskräfte zu haben scheint. Ich bin weit entfernt davon, von Politik oder Wissenschaft Unfehlbarkeit zu verlangen, aber daß vieles gerade im Gesundheitsbereich nur "richtig" aussehen, aber keineswegs unbedingt die behauptete positive Wirkung bringen muß, kann ja niemanden zufriedenstellen. Wahrscheinlich läuft das in allen anderen Bereichen ganz ähnlich. Die Leute hatten zu Recht einen Rochus auf die Politik, wie sie in den letzten Jahrzehnten üblich war, in der immer vor allem viel Theaterdonner fabriziert wurde, aber die Wirkungen zu oft negativ ausfielen. 

Ob sie mit den Geisteskranken, die sie nun regieren, glücklich werden, darf aber bezweifelt werden. Wahrscheinlich nicht einmal dann, falls die neuen Ernährungsempfehlungen lange genug Bestand haben sollten, um ihre praktische Wirksamkeit beweisen zu können. Denn ich gebe mich keinen Illusionen hin: Sobald die Regierung Trump endet, sind auch diese Ernährungsempfehlungen wieder Geschichte. Aus dieser Perspektive müßte man sich wünschen, daß sie kein vorzeitiges Ende findet - obwohl man aus allen anderen genau das Gegenteil herbeisehnen muß, denn falls Trump den Dritten Weltkrieg heraufbeschwören sollte, kann es gut sein, daß die Ernährungsrisiken einer Überflußgesellschaft sich von alleine erledigen, und das zu einem Preis, den niemand sich wünschen kann. 

Was für ein Schlamassel. Ich wünschte mir, diese Kurskorrektur in der Ernährung wäre von einer auch ansonsten halbwegs vernünftigen Regierung vorgenommen worden. Aber halbwegs vernünftig zu sein, hat dafür leider nicht ausgereicht. 

Ich frage mich, was Leute wie Dr. Tro über alle anderen Aspekte der Regierung Trump außerhalb des Ernährungsbereichs wirklich denken. Falls ihre unkritische Begeisterung für den "geliebten Führer" echt sein sollte, wäre das mal wieder eine praktische Demonstration, daß jemand, der an einer Stelle fundiert urteilt und adäquat handelt, deshalb trotzdem an anderen Stellen keinerlei Urteilsvermögen haben kann. Das ist etwas, was vielen über den Horizont geht: Auch bei Einstein lassen sich vermutlich ziemlich dumme Irrtümer und Fehlschlüsse nachweisen, sobald er über etwas außerhalb seines Fachgebiets urteilte - weshalb mich Zitate von solchen Leuten, die nichts mit ihrer eigentlichen Arbeit zu tun haben, aber uns demonstrieren sollen, wie wirklich kluge Menschen diese oder jene Sache sehen und wie wir sie also ebenfalls sehen sollten, selten so richtig beeindrucken. 

Vielleicht sind die Low-Carbler insgeheim ja von manchen Teilen der US-Regierungslinie gar nicht so begeistert, nur behalten sie das für sich, um die Freude über das, was in ihrem Bereich geschieht, nicht zu trüben. Und wer kann es denen schließlich verdenken, die seit Jahren mit Low Carb in der medizinischen Praxis arbeiten, den Erfolg ihrer Arbeit nachweisen können und trotzdem immer nur ignoriert wurden, daß sie nun erst einmal begeistert davon sind, von der aktuellen US-Regierung endlich nicht mehr ignoriert zu werden? 

In gewisser Weise ist ihr Verhalten geistesverwandt mit der Arschkriecherei von Staatsoberhäuptern aus aller Herren Länder, insbesondere auch Europa und leider Gottes auch durch unseren Bundeskanzler, nur eben aus der umgekehrten Richtung. Hier stand man bislang hilflos den Mechanismen in der Wissenschaft und ihrer Kommunikation gegenüber, in der man nicht durchdrang, dort steht man jetzt hilflos der Tatsache gegenüber, daß die jetzige US-Regierung sich so verhält, wie sich das jede vorherige auch hätte leisten können, es aber nicht tat, nämlich in einer knallharten Interessenpolitik das Recht des Stärkeren durchzusetzen. Das ist noch nicht einmal die Schuld von Friedrich Merz, so gerne ich sie ihm auch in die Schuhe schieben würde. Spätestens in Trumps erster Amtszeit hätte die damalige Regierung Merkel das wissen können und handeln müssen. Und da sie es nicht tat, wäre es anschließend Aufgabe der darauffolgenen Regierung Scholz gewesen. Trumps Abwahl hin, Joe Biden her: Niemand konnte sich nach einmal Trump darauf verlassen, daß so etwas nie wieder passieren würde, also hätte man eine Strategie der Reduzierung von Abhängigkeiten entwickeln müssen. 

Trotzdem wünsche ich den Low-Carb-Leuten, daß sich die geänderten Ernährungsrichtlinien in den USA als Erfolg erweisen und vielleicht in zwanzig, dreißig Jahren rückblickend als eine entscheidende Weichenstellung für die Gesundheit der Amerikaner eingeschätzt werden. Ob es dann aber überhaupt noch eine Rolle spielen wird, was für Änderungen die Regierung Trump an der Ernährungspyramide vorgenommen hat? Man kann es nur hoffen, daß der Fallout an anderen, ebenfalls lange nachwirkenden und noch viel schlimmeren Problemen nicht so schlimm ist, daß diese Sache kaum noch eine Fußnote wert ist. 

Weil vorhin auch das Stichwort "hochverarbeitete Lebensmittel" gefallen ist:  

In einem Artikel über hochverarbeitete Lebensmittel, in dem ich ansonsten wenig fand, das mich interessiert hätte - für jemanden, der sich für das Suchtpotential dieser Art von Ernährung interessiert, mag das anders sein - stieß ich auf eine Definition, die mir sehr brauchbar vorkommt: Hochverarbeitete Lebensmittel im gesundheitlich bedenklichen Sinne sind diejenigen, die mit Mitteln und Methoden verarbeitet wurden, die man in der eigenen Küche nicht anwenden würde bzw. könnte. Das finde ich ein recht gutes Unterscheidungsmerkmal. Denn es stellt sich ja öfter mal die Frage, ob eigentlich Wurst oder Brühwürfel nicht ebenfalls hochverarbeitet seien, weil das manchmal einfach so behauptet wird. Die Antwort auf die Frage ist aber ein "Kommt darauf an", nämlich wie genau man das definiert. Nach der Definition "Alles, was mehr als x Zutaten enthält" wäre fast jede aus frischgekochten selbstgekochte Mahlzeit ja auch als hochverarbeitet zu betrachten.

Wurst aus dem Discounter ist typischerweise unter Schutzatmosphäre verpackt, beim Öffnen der Packung kann man das riechen. Das ist etwas, was man in der eigenen Küche nicht könnte. Wurst, wie sie bei einem handwerklichen Metzger hergestellt wird, ließe sich fast immer auch zu Haus herstellen. Auf YouTube finden sich Videos dazu, und irgendwann will ich das selbst auch mal probieren. Was die Brühwürfel betrifft, bin ich mir gerade nicht sicher, wie die industrielle Herstellung abläuft. Aber auch die kann man an sich auch zu Haus selber machen. Milchprodukte wie Schlagsahne oder Creme fraiche im Discounter enthalten dagegen immer Carragene. Die sind also allesamt ebenfalls hochverarbeitet nach obiger Definition, denn im traditionellen Produkt, das ich glücklicherweise über diverse Hofläden bekommen kann, gehört das nicht mit rein. 

Wenn man Low Carb ißt, wird die Definition aber komplizierter, denn es gibt mittlerweile eine Masse LC-Rezepte, in denen dasselbe Zeug, das man sonst nur auf Fertiggericht-Inhaltsangaben liest, extra hinzugefügt werden muß, damit sie funktionieren. Meistens sind das Rezepte, die ein kohlenhydratlastiges Lieblingsgericht imitieren sollen. Dem soll dann mit Hilfe von Xanthan, Guarkernmehl oder Johannisbrotkernmehl oder dergleichen abgeholfen werden. Wenn ich in einem Low-Carb-Rezept eine dieser Bezeichnungen lese, klicke ich es sofort weg. Low Carb hat bei mir entweder mit normalen Zutaten zu funktionieren oder gar nicht, einzige Ausnahme dabei sind die Süßungsmittel Xylit, Erythrit und Stevia, die ich in der Regel mische.

Am Rande sollte außerdem noch erwähnt werden, daß Robert Kennedy jr. ausdrücklich angesprochen hat, daß Diabetes vom Typ 2 auch durch Ernährungsumstellung geheilt werden kann. Bei den Therapieoptionen scheint jetzt ein Low-Carb-Ernährung als eine von mehreren möglichen mit aufgenommen zu werden. Das ist eine weitere gute Nachricht in diesen trübseligen Zeiten. Low Carb wird bis auf weiteres Bestandteil des Ernährungs-Mainstreams, auch wenn das vielleicht bei einem Ende der jetzigen Regierung ebenfalls wieder ein abruptes Ende nehmen kann. Und jeder Tag, an dem das weiter gilt, bietet immerhin die Chance, daß Ärzte sich ein Bild davon machen, ob das was bringt und wenn ja, wieviel, und dieses Instrument weiter einsetzen wollen, einfach deshalb, weil es häufiger und besser funktioniert als das, was sie vorher verordnet haben. 

Ob es möglich ist, Kennedy auch für Prof. Seyfrieds Arbeit zu interessieren? Und sollte ich mir das überhaupt wünschen? Auch wenn ich Kennedy nicht dämoniseren möchte, es hat schon etwas von einem Pakt mit dem Teufel, sich von Trumps Mannschaft - und zwar jedem einzelnen davon - nicht weitestmöglich fernhalten zu wollen. An Kennedy würde ich ja keinen zweiten Gedanken verschwenden, wenn der Wissenschaftapparat so funktionieren würde, wie er es der Theorie nach eigentlich tun sollte. Gerade im Fall von Krebs käme ich aber ernsthaft in Versuchung, doch ein Tänzchen mit diesem Teufel zu wagen. 

Das ist ja immer so eine Sache, etwas Böses für eine gute Sache instrumentalisieren zu wollen. Wer nicht nur Goethes Faust, sondern auch Stephen King gelesen hat und die Geschichte vom Ende der Weimarer Republik kennt, der ahnt natürlich, daß so etwas fast immer ein böses Ende nimmt. 

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Der tagelange Stromausfall in Berlin zeigt, daß es keine sinnlose Gedankenspielerei ist, so etwas als Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Dieses Jahr müssen wir unbedingt ran an diese Baustelle, erst einmal mit dem Balkonkraftwerk, und dann beobachten wir das erst mal ein Jahr lang, bevor wir über die nächsten Schritte entscheiden. 

Irgendwo las ich, daß wir schon jetzt ernährungstechnisch besser für etwaige Notfälle ausgerüstet sind als die meisten, weil wir einen Gaskocher haben und bei Stromausfall also ohne Dosenfutter nicht völlig aufgeschmissen wären. Der Kocher ist noch nie benutzt worden, also wird es alleine schon ein Abenteuer werden, ihn in einem Notfall zum Einsatz zu bringen. Wenn alle Stricke reißen, werden wir wohl den Grill auf der Terrasse einetzen müssen. Mein Mann möchte im Garten außerdem einen Holzbackofen bauen. Das hat nichts mit Notfallvorsorge zu tun, aber dann könnte man in Notfällen auch backen. 

Neuerdings stolpere ich auf Bluesky auch immer wieder über Bemerkungen zu den Notfallvorräten an Lebensmitteln, die man im Haus haben sollte. Das hat mich neugierig gemacht und ich habe mal die zugehörigen Empfehlungen des Landwirtschaftministeriums überflogen. Meiner Meinung nach sind wir in diesem Punkt schon jetzt sehr gut ausgestattet, und wenn ich den Inhalt des Gefrierschranks und der Gefriertruhe mitrechne sogar ausgezeichnet. Kurios finde ich freilich die Zusammenstellung. Abgepacktes Vollkornbrot, für zwei Personen 1,5 Kilogramm, dazu fällt mir nur eines ein: pfuideibel. Das hält sich außerdem ja auch nicht endlos, also müßte man das ständig im Alltag verbrauchen und für den Notfall neue Vorräte kaufen. Keine verlockende Vorstellung, ständig abgepacktes Brot essen zu müssen! Dafür fehlen in der Auflistung Mehl und Hefe ganz. Davon habe ich immer einen Vorrat von drei bis vier Kilo im Haus, Weizen, Dinkel und Roggen zusammengerechnet. Zwieback braucht niemand unbedingt, Knäckebrot habe ich hingegen - mein Mann mag das überhaupt nicht, aber ich esse das ganz gern - wenn kein Brot im Haus ist und ich keine Lust habe, schnell ein paar Pfannenbrötchen zu machen - für die ich ja auch den Gaskocher einsetzen könnte.

700 Gramm Kartoffeln für zehn Tage pro Person finde ich lächerlich wenig, dafür die Obstkonserven lächerlich viel. Zucker kam wiederum gar nicht vor - womöglich dachten die Autoren, daß das typischerweise stark gezuckerte Dosenobst ja ausreicht. Unter Ideologieverdacht steht bei mir auch die recht geringe Menge an Fetten und Ölen - 180 Gramm Streichfett wie z. B. Butter und 150 ml Speiseöl finde ich ziemlich wenig für zehn Tage. Mindestens bei Öl bin ich da immer wesentlich besser ausgestattet, ich verwende ja überwiegend Olivenöl und kaufe das in 3- bis 5-Liter-Kanistern im türkischen Lebensmittelmarkt. Einen neuen Kanister kaufe ich spätestens dann, wenn ich den Rest des alten in meine schöne Halbliterflasche umgefüllt habe, die für den Alltagsgebrauch besser als so ein Riesenkanister tauglich ist. 

Alles in allem müßten wir eine Situation ganz gut überstehen können, in denen wir zehn Tage lang von unseren Vorräten leben müßten. Alleine schon, weil ich die Kartoffeln immer im 12,5-Kilo-Sack kaufe und im Gewölbekeller erfreulich lange lagern kann. 

Aber angenommen, es kommt wirklich einmal zu einem Stromausfall, der zehn Tage lang anhält, dann werde ich wohl wenig Gelegenheit haben, auf diese Vorräte zurückzugreifen, weil ich sicherlich zehn Tage lang damit beschäftigt wäre, den Inhalt der Gefriertruhe aufzubrauchen, damit möglichst wenig davon verdirbt. Der wichtigere Teil der Vorsorge scheint es also doch zu sein, dafür zu sorgen, daß im Notfall die Gefriergeräte weiter funktionieren. 

 

 

Dienstag, 23. Dezember 2025

Denken wie ein Mühlenbach, aussehen wie ein Idiot und handeln wie ein Erdbeben

Mein Gewicht heute früh zu Beginn des letzten Fastentags vor Weihnachten (und des vorletzten im Jahr 2025): 77,4 Kilogramm. Das ist okay, wenn auch nicht superdupertoll, und falls ich ungefähr in diesem Bereich sein sollte, wenn es Mitte Januar in die zweite Low-Carb-Runde geht, will ich's zufrieden sein, obwohl ich vor Beginn der ersten Low-Carb-Runde eigentlich gehofft hatte, bei 75 bis 76,x herauszukommen. Klar ist jedenfalls, daß vier Kilo minus bis zum Zielgewicht doch mehr sind, als in sechs Wochen erreichbar ist. Ich muß mich mit der Tatsache auseinandersetzen, daß sich die Abnahme stärker verlangsamt hat, als mir das in den Kram paßt. Offenbar bin ich so kurz vor dem Ziel also doch noch einmal an den Punkt gelangt, an dem ich mir eine neue Komponente ausdenken muß. 

Ich habe deshalb entschieden, daß ich im Januar ein wenig anders vorgehe als geplant, vielleicht auch mit der Option, einen neuen "Endspurt" doch vermeiden oder, wenn's dafür doch nicht reicht, jedenfalls auf zwei, drei Wochen verkürzen zu können: Von den sechs Wochen Low Carb werde ich die ersten beiden wie immer gestalten, und die folgenden vier Wochen esse ich an Nichtfastentagen in den Frühschichtwochen meines Mannes erst zur Kaffeezeit, wenn er heimkommt, meine erste Mahlzeit. An Wochenenden verändere ich nichts, da essen wir ja sowieso erst um 12 Uhr. Oder mal sehen, vielleicht einige ich mich mit meinem Mann ja auch zur Abwechslung mal auf eine Hauptmahlzeit am frühen Nachmittag. 

Mal sehen, ob mir das die erforderlichen zwei Kilo minus zusätzlich verschaffen wird, aber wenn nicht, schließe ich an LC einen Endspurt an, der so lange dauern wird, bis ich sie weg habe. Ich will jetzt echt endlich mal Vollzug melden können.  

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Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther, scheint sich innerparteilich profilieren zu wollen. Das schließe ich daraus, daß er am gleichen Tag nicht nur die Wirtschaftsministerin so scharf angegriffen hat, im Radio hörte ich außerdem von seiner Forderung nach einer Zuckersteuer. Dabei berief er sich auch auf Vorbilder in Mexiko und Großbritannien. Blöd nur, daß beide Länder zwar in der Tat erfolgreich darin gewesen sind, den Zuckerkonsum zu reduzieren, aber dies keinerlei gesundheitliche Vorteile für sie nach sich zog. Das Adipositasproblem bei Kindern insbesondere konnte damit nicht reduziert werden. Es ist schon zwei Jahre her, daß ich die zugehörigen Zahlen für einen Blogartikel recherchiert habe, also dachte ich, es wäre doch interessant, zu erfahren, wie es in UK seitdem weitergegangen ist. Die Antwort kann man hier nachlesen. Spoiler: Sie ist ziemlich trostlos. 

Rational ist das nicht, wenn ein Politiker sich dazu aufschwingt, mit Verweis auf andere Länder eine Maßnahme umsetzen zu wollen, die dort keine erkennbare positive Wirkung hatte. Trostlosigkeit können wir ja auch einfacher haben. Fragt sich nur noch: Ist sich Günther dieser Mißerfolge einfach nicht bewußt oder kommt sein Vorschlag wider besseres Wissen? Am Rand erwähnenswert ist dazu, daß im Moment auch ein Vorschlag einer Expertenkommission vorliegt,  Adipositas neu zu definieren. Das hätte unter den gegebenen Vorzeichen zur Folge, daß bei Start mit der Neudefinition mit einem Hochschnellen der Adipositas-Betroffenen um sage und schreibe 60 Prozent zu rechnen wäre.Und, hurra, es würde eine neue Diagnosekategorie erfunden, die uns irgendwie bekannt vorkommt. Unterteilt würde nämlich in "klinische" und "präklinische" Adipositas. 

Ich glaube keinen Moment daran, daß es sich um einen ehrlichen Versuch handelt, ein Problem, das bislang unlösbar war, jetzt wirklich mal in den Griff zu bekommen. Es wäre zu hoffen, daß dieser Vorschlag recht schnell auf dem Friedhof vergessener Ideen landet, aber wo Gesundheitspolitik gerade eine Pirouette nach der anderen dreht, kann man sich darauf wohl nicht verlassen.Was beide Vorstöße gemeinsam haben, ist, daß mit viel Selbstbewußtsein auf Basis von nie hinterfragten Grundannahmen weitreichende Maßnahmen verlangt werden, die sich unweigerlich als unwirksam im erhofften Sinne erweisen werden, sofern in diesen Grundannahmen ein Fehler steckt. Bekanntlich gehe ich davon aus, daß dies der Fall ist. Außerdem bin ich der Meinung, alleine schon der gesunde Menschenverstand würde es gebieten, eine Herangehensweise, die seit Jahrzehnten nie die Ergebnisse gebracht hat, die sie hätte bringen müssen, kritisch zu hinterfragen. Ich bin es schon so gewöhnt, daß das niemals passiert, daß mich das Lösungsrepertoire der Experten und Gesundheitspolitiker an eine Stubenfliege erinnert, die immer wieder gegen dieselbe Fensterscheibe prallt. Daß Stubenfliegen, Gesundheitspolitiker und Wissenschaftler im einschlägigen Bereich aus Mißerfolgen lernen, damit kann man leider nicht rechnen. Der Stubenfliege kann ich aber immer noch das Fenster aufzumachen. Gegen die dickfellige Lernunfähigkeit von Gesundheitspolitikern und Wissenschaftlern kann ich nichts tun, außer mich entweder heimlich zu ärgern oder mir gelegentlich im Blog Luft darüber zu machen. 

Mir ist schon klar, warum Daniel Günther sich gerade so hyperaktiv aufführt. Er bringt sich offenbar für eine Post-Merz-CDU in Stellung, und dafür versucht er Mittel zu nutzen, die innerparteilich vielleicht nützlich sein könnten. Dafür braucht man erstens ein gewisses Ansehen in der Bevölkerung, das sich alleine schon durch höhere Bekanntheitsgrade bildet, und es schadet auch nichts, gesellschaftliche Gruppierungen wie in vorliegenden Fall diejenigen, in denen sich die Präventions- und Behandlungsindustrie zusammenfindet, auf seiner Seite zu haben. Dabei kommt es Günther aber offenbar nicht in den Sinn, daß er sich in unserem längst scherbenübersäten gesellschaftlichen Porzellanladen möglichst auf Zehenspitzen bewegen müßte, damit das, was noch nicht zerdeppert ist, weiter heil bleibt. Sogar ein Politiker könnte ja langsam mal auf den Gedanken kommen, daß der Liebesentzug der Wähler für das altvertraute Parteienspektum auch eine Reaktion auf die Entnormalisierung ihrer vertrauten Lebensgewohnheiten durch jene Parteien sein könnte, die vor allem in der Gesundheits- und der Umweltpolitik eine Art Lieblingszeitvertreib geworden zu sein scheint. 

Daß jeder dieser Aspekte für sich genommen nur eine Kleinigkeit ist, macht die Sache nicht unriskanter, wenn man dabei ständig auf eine Stelle draufhaut, die von den letzten paar Dutzend Malen immer noch schmerzt. Da kann es sogar schon reichen, wenn eine Stubenfliege immer wieder aggressivem Nachdruck gegen die Stelle mit dem schmerzenden blauen Fleck fliegt. Was die Sache noch bitterer macht, ist, daß es mal wieder lupenreiner gesundheitspolitischer Populismus ist, das übliche "So tun, als ob", der überhaupt nichts bewirken muß, weil er aus ganz anderen Gründen angezettelt wird. Daß Daniel Günther im Ernst glaubt, uns mit solchen Maßnahmen gesünder zu machen, kann er nämlich seiner Großmutter erzählen. 

Die Engländer sind übrigens auch nicht gescheiter. Dort will man jetzt als Reaktion auf die bestürzenden neuen Zahlen über die Entwicklung von Adipositas bei Kindern und Jugendlichen Lösungen nach dem Prinzip "Mehr vom Gleichen". Wer soll diesen Leuten eigentlich noch glauben, daß sie ernsthaft das zugrundeliegende Problem lösen wollen? Entweder es interessiert sie gar nicht oder sie handeln ohne jede Überlegung nach der Ambrose Bierceschen Definition einer Notlage, die es erfordere, daß man "denke wie ein Mühlenbach, aussehe wie ein Idiot und handle wie ein Erdbeben". Irgendwie wundert es mich da nicht, daß Nigel Farages Reform UK anscheinend gute Aussichten hat, die nächsten Wahlen zu gewinnen. Farage war auch maßgeblich daran beteiligt, daß der Brexit seinerzeit eine Mehrheit bekam, nur hieß seine Partei damals noch anders, nämlich UKIP. Ehrlich gesagt, ich weiß nicht einmal, ob seine jetzige Partei dieselbe unter neuem Namen ist oder eine andere. 

Trotzdem habe ich eine Schwäche für Nigel Farage. Er ist einer von ganz wenigen Politikern auf dieser Welt, die sich nach wie vor trauen, vor laufenden Kameras eine Zigarette zu rauchen - vielleicht ist er mittlerweile sogar der einzige, erklärt man Kim Jong-un als Diktator mit Sonderrechten, die er seinen Untertanen nicht zubilligen würde, für eine grundsätzlich andere Kategorie. Das unterscheidet Farage aber auch von anderen rauchenden Rechtspopulisten, etwa Giorgia Meloni oder Marine Le Pen - die achten recht genau darauf, möglichst nicht beim Rauchen fotografiert zu werden. Vermutlich verheimlichen nicht wenige Politiker ihr Rauchen überhaupt, so gut sie können. Das gilt auch ausdrücklich nicht nur für Populisten. Schon Obama hat als Präsident weitergeraucht, nur eben heimlich, nachdem er ja mit viel Tschingerassabum im Wahlkampf über seinen Rauchstopp getönt hatte. 

So etwas läßt mich von einem Moment zum nächsten jeden Respekt auch vor einem Staatsmann verlieren. Da blasen sie sich auf vor lauter angeblicher Wichtigkeit. Und dann müssen sie sich zum Rauchen aufs Klo schleichen. Ich hätte das schon mit 15 für unter meiner Würde gehalten. 

Wie auch immer, das ist der Grund, warum mir Farage trotz allem, was man politisch gegen ihn für Einwände haben könnte, imponiert, denn das ist an ihm auffallend anders. Ich glaube nicht, daß ich ihn wählen würde, wenn er bei uns zur Wahl stünde. Aber mit ihm zusammen ein Bier trinken - ja, ich glaube, das würde ich tatsächlich machen. Mit Daniel Günther täte ich weder das eine noch das andere. Nicht einmal dann, wenn er mir dabei wider Erwarten auch eins vorrauchen würde. Ich sehe die Absicht seiner aktuellen Initiativen und bin darob verstimmt, weil es davon zeugt, daß er auch keine Ideen hat, sondern nur nach den üblichen "low hanging fruits" zu greifen versucht. Bestimmt wird er demnächst auch mit dem kalten Kaffee vom Rauchverbot in Autos oder der Widerspruchslösung bei Organspenden daherkommen. Nichts daran wird irgendetwas in diesem Land zum Positiven verändern. Wir brauchen sogar ein bißchen Glück, damit es nicht im Gegenteil das eine oder andere verschlechtert. 

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Was mir nach dem knappen Jahr Donald Trump als US-Präsident immer wieder durch den Kopf geht: Trumps USA verhält sich in aller Offenheit genauso, wie man es den USA als heimliche finstere Absicht hinter den geheuchelten guten Absichten in allen außenpolitischen Bezügen seit Jahrzehnten wieder und wieder unterstellt hat. Ich vermisse in den letzten Monaten zunehmend Aufschreie über die USA auf unseren Straßen, die wenigstens halb so laut und empört sind wie diejenigen, die ich in der Vergangenheit mitbekommen habe. Wo sind die Demonstranten mit dem Slogan "Kein Blut für Öl!" eigentlich jetzt, da es um das Öl von Venezuela geht? Wer protestiert auf unseren Straßen dagegen, daß Dänemark von den USA mit der Annexion Grönlands bedroht wird? All das muß sich niemand aus irgendwelchen obskuren Indizien zusammenreimen, die Amis machen das in aller Offenheit. Nur, auf einmal interessiert das anscheinend niemanden mehr. 

Die US-Politik hatte bessere und schlechtere Phasen, aber sie waren nie nur edel und gut und nie nur brutal und/oder heimtückisch, sondern immer eine Mischung aus beidem. Bis zur Amtsübernahme Trumps zu seiner zweiten Amtszeit, denn ab da wurden die schlimmsten Vorurteile gegen die USA ständig durch die Praxis mindestens bestätigt, oft auch überboten. Gemessen daran finde ich die Stille unter den üblichen US-Kritikern ohrenbetäubend. Finden wir uns damit ab: US-Kritik war wesentlich populärer, als man sie noch mit  Verschwörungstheorien begründen mußte. 

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Endlich haben wir Zeit gefunden, eine erste größere Bestellung bei den Jagdpächtern eines Reviers im näheren Umland zu tätigen. Wir haben 4,2 Kilogramm Fleisch (Keule, Rücken und Gulasch von Reh und Wildschwein, tiefgekühlt), 1 knappes Kilogramm Bratwürste (tiefgekühlt), 1,5 Kilogramm Räucherwürste (vier verschiedene Sorten), einen kleinen geräucherten Wildschweinschinken und drei Dosen Wurst frei Haus geliefert bekommen. Wir wollen die angebotene Palette mal komplett durchprobieren, um entscheiden zu können, wovon wir künftig schwerpunktmäßig bestellen.  

Am Samstagabend haben wir die klassischen Bratwürste zusammen mit Ofenkartoffeln probiert und sie waren ausgezeichnet. Auf die zweite Sorte mit Bärlauch, die es an Heiligabend mit Kartoffelsalat gibt, sind wir schon gespannt. Wenn der Urlaub meines Mannes zu Ende ist, werden wir nämlich eine größere Bestellung für Würste aufgeben (einer der Gründe, warum wir die Gefriertruhe jetzt gekauft haben), denn mein Mann kauft bislang immer die Bauernwürste von Aldi für seine Spätschichten, wenn wir nicht zusammen zu Abend essen. Ich bin davon nicht sonderlich begeistert, also möchte ich gerne etwas Besseres als diesen Discounter-Kram ständig im Haus haben. Mit dem Fleisch werden wir länger auskommen. Das Rehgulasch gibt es zu Weihnachten, wenn wir Familienbesuch bekommen. Der Rest wird den einen oder anderen Sonntagsbraten für uns ergeben. 

Was mir an diesem Lieferanten besonders gefällt, ist, daß die Tiere, von denen das Fleisch kommt, nicht mit einer speziellen Fütterung für die kommerzielle Verwertung optimiert werden, sondern das fressen, was ihnen am besten schmeckt, und daß sie außerdem in einem Umkreis von zehn Kilometern von unserem Wohnort gelebt haben. Außerdem werden die Würste ebenfalls im unmittelbaren Umkreis des Orts hergestellt, und der Jäger selbst wirkt dabei mir - sein Großvater war Metzger und er selbst hat Fachkenntnisse und natürlich auch die Verbindungen im Metzgerhandwerk. Außerdem finde ich es in vieler Hinsicht vernünftig, möglichst viele Arten von Lebensmitteln, die wir kaufen, aus lokaler bis regionaler Herstellung bekommen zu können. Je näher, desto besser. Tatsächlich sind das mittlerweile eine ganze Menge, neben Obst und Gemüse, Kartoffeln und Eiern, Honig und Milch sowie Crème fraiche kaufen wir auch Mehl aus einer Mühle im Nachbarort und Wurst bei einem Metzger aus der näheren Umgebung, der in erreichbarer Nähe auf einem Wochenmarkt erreichbar ist. Fleisch beziehe ich auch nur noch zum Teil im Discounter.  

Aber das Allerwichtigste für uns ist und bleibt: Wir wollen Lebensmittel essen, die wirklich schmecken. Es ist uns dabei egal, ob sie billig oder teuer sind und ob sie als gesund oder ungesund gelten. 

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Und beinahe hätte ich es noch vergessen: Frohe Weihnachten allen Lesern dieses Blogs.  :-)

Freitag, 19. Dezember 2025

Der eigentliche Grund, warum Millennials sich keine Immobilien leisten können

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier Fastentagen: 71,9 Kilogramm. Das sind  5,9 Kilogramm weniger als am Montag und ein ausgesprochen zufriedenstellendes Ergebnis nach dem eher enttäuschenden Anfang. Aber das zeigt auch mal wieder: Die Waage zeigt nie die vollständige Wahrheit an. Ich habe mal in meiner Tabelle nachgesehen: Als ich wärend der Low-Carb-Phase nach vier Tagen Fasten bei diesem Gewicht herausgekommen bin, wog ich zu Beginn 76,1 Kilogramm. Damit kann man den Faktor Wasser - während LC wiegt man wegen weniger Körperwasser ja generell ein bißchen weniger - für mich bei 1,7 Kilogramm sehen - plusminus ein bißchen was, denn Magen-Darm-Inhalt spielt ja auch eine gewisse Rolle bei Gewichtsschwankungen und kann zwei- bis dreihundert Gramm hin oder her ausmachen. 

Damit gehe ich jetzt recht beruhigt in die Phase ohne lange Fastenintervalle bis zur KW 3 im nächsten Jahr.  

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Irgendwie war nicht viel los in meinen Stammthemen, also dachte ich: Langweile ich meine Leserschaft also mal wieder mit Immobilien. Schuld daran ist das Kieler Institut für Weltwirtschaft (ja, ich habe gesehen, daß die sich mittlerweile "Kiel Institut" nennen, ich finde diese Bezeichnung aber sprachlich zu unseriös, um mich umzugewöhnen). Ihm ist bei der Immobilienproblematik eine Sache aufgefallen, die ich gelegentlich auch bereits nebenbei gestreift hatte: Woran junge Leute beim Immobilienkauf heutzutage scheitern, das sind nämlich nach deren Darstellung nicht Zins und Tilgung und daß sie sich die nicht mehr leisten könnten. Vielmehr sei es das geforderte Eigenkapital. Den Beweis dafür glaubt man in Kiel gefunden zu haben: Zwischen 1980 und 1990 entsprach nach der verlinkten Untersuchung die Höhe des verlangten Eigenkapitals 2 Jahresgehältern. Zwischen 2015 und 2024 waren es durchschnittlich 3 Jahresgehälter. 

Freilich, von mir kommt dazu mal wieder ein "Aber ...!". Das liegt daran, daß ich zwar die erhobenen Daten und deren rechnerische Aufarbeitung nicht bezweifle, aber näher betrachtet innerhalb beider Zeiträume erhebliche Verschiebungen teils vermute, teils selbst miterlebt habe, und speziell im zweiten Zehnjahreszeitraum eine besonders ungünstige Entwicklung, die fehlendes bzw. zu geringes Eigenkapital für immer mehr Leute zu einer schwer überwindbaren Hürde machte, erst ab dem Jahr 2022 diagnostizieren kann. 

Über den ersten Zehnjahreszeitraum freilich kann ich nicht viel sagen, da ich meine erste Wohnung erst Anfang 1992 erworben habe. Was ich weiß, ist, daß ich beinahe zum Zeitpunkt des damaligen Preishöchststands gekauft habe, der etwa ein Jahr später überschritten wurde. Das heißt, gegen Ende der achtziger Jahre werden die Einkommen mit der Preissteigerung auch schon nicht mehr mitgehalten haben, und das wiederum bedeutet, es gab Ende der Achtziger vermutlich schon eine Entwicklung, in der die Eigenkapitalforderungen jedes Jahr mehr den Durchschnittswert übertroffen haben. 

Dafür war ich zwischen 2015 und 2024 aber die ganze Zeit "mittendrin", also hier meine Nahperspektive: Der Preisanstieg bei Wohnimmobilien hatte 2015 gerade erst seit zwei, drei Jahren eingesetzt, war da noch relativ langsam und nahm jedenfalls bei uns herum erst in den Jahren darauf so richtig Fahrt auf. Das gilt noch mehr für Randlagen und das Umland meiner Stadt. Ich glaube, es war um 2015 herum, als ein Kollege meines Mannes sich eine Eigentumswohnung knapp außerhalb des Stadtgebiets in einer angrenzenden, aber so perfekt mit Öffis verbundenen Nachbargemeinde kaufte, daß es eigentlich erstaunte, daß die Preise der dortigen Eigentumswohnungen wie aus der Zeit gefallen wirkten: als wäre die Entwicklung des Immobilienmarkts dort zwei oder drei Jahre zuvor stehengeblieben. Der Preisanstieg in den weniger beliebten Stadtteilen, wo man vorher nicht hinziehen wollte, ging dort im Vergleich zu den begehrteren Wohnlage etwas früher als in den Nachbarorten los, hatte meiner Erinnerung nach aber 2015 auch noch nicht so richtig eingesetzt. Dafür war der dortige Preisanstieg aber meinem Gefühl nach sogar noch steiler, und ich argwöhne, im Umland war das, als es auch dort schließlich losging, noch schlimmer. 

Etwa um 2015 muß es auch damit losgegangensein, daß es auf dem Immobilienmarkt plötzlich keine Ladenhüter mehr zu geben schien. Kleine Kapitalanlagewohnungen, auch solche in schlechter Lage und/oder mit schlechter Ausstattung, für die sich wenige Jahre zuvor noch kein Mensch interessiert hatte, verschwanden auf einmal ruckzuck aus Immoscout. 2017 war ich mal bei einer Besichtigung einer Wohnung, bei der ich mich aber nicht zum Kauf entschließen konnte, und dabei bekam ich von der redseligen Maklerin zum ersten Mal erzählt, daß solche Wohnungen meistens von Käufern erworben wurden, die möbliert vermieten wollten. Auch bei diesem Objekt, eine eigentlich schnuckelige 2-Zimmer-Wohnung in einem Jahrhundertwende-Altbau in einem innenstadtnahen einstigen Arbeiterviertel, hatte sie überwiegend solche Interessenten. Der Witz dabei ist, daß auch die Möbliert-Pauschalmieten, über deren Höhe ich mich damals insgeheim entrüstete, aus heutiger Perspektive ausgesprochen günstig wären. Aber eine Wohnung, deren Erwerb ich mit meinem konservativen Vermietungsmodell ebenfalls noch für rentabel gehalten hätte, erforderte natürlich für die um einiges höhere Rendite x, die für Möbliert-Vermieter Kalkulationsbasis ist, angesichts der damals noch viel niedrigeren Kaufpreise noch längst keine so hohen Mieten wie später. Ich hätte die Wohnung gerade deshalb eigentlich gerne gekauft, abgesprungen bin ich aber, weil es beim Gemeinschaftseigentum Unklarheiten gab, die ich für potentiell rechtssteitverdächtig hielt. 

Wie lange der Preisanstieg für Immobilien dauern würde, hätte ich mir allerdings da noch nicht träumen lassen. Für Kapitalanleger wurde der Kauf von ETWs ja mit jedem Jahr unrentabler. Schon 2019 kaufte ich die beiden Wohnungen bei mir im Haus ohne sonderliche Renditeerwartungen und ging sogar davon aus, daß ich bei einem etwaigen Verkauf einen Verlust machen würde. Das spielte für mich nur deshalb keine Rolle, weil ich diese Wohnungen dauerhaft behalten wollte. Ich kaufte sie auch nicht wegen der Rendite, sondern um mir mein nachbarschaftliches Umfeld zu erhalten. Die Leute, die sich damals bei uns noch hätten einkaufen können und wollen, wollte ich ums Leben nicht als neue Nachbarn. Damals dachte ich ja noch, daß man mich aus meiner Wohnung nur mit den Füßen voraus jemals rauskriegen würde. Deshalb reichte es mir, zu wissen, daß ich die Finanzierung stemmen konnte, bei Beibehalt der Mietverhältnisse jedenfalls eine schwarze Null zu haben und perspektivisch irgendwann auch wieder in den positiven Bereich rutschen würde. 

Ich brauchte also zum Glück nicht unbedingt Maximalrendite. Trotzdem hätte ich mein Geld nicht für ein solches Objekt ausgegeben, wenn nicht persönliche Gründe - immerhin wohnte ich langjährig in diesem Haus - mich dazu motiviert hätten. Wer aber eine anständige Rendite haben wollte oder benötigte, damit die Finanzierung überhaupt funktioniert, fand bei Immobilien zur Kapitalanlage ab ca. 2018 wegen der plötzlich immer heftiger werdenden Ausschläge nach oben bei den Quadratmeterpreisen bei gleichzeitig schwindender Zahl von Angeboten kaum mehr geeignete Objekte. Dafür kamen nun immer stärker diese Möbliertvermietungen nicht nur in kleinen Wohnungen, sondern auch in Form von WGs in größeren, familientauglichen Wohnungen auf, das einzige Modell, mit dem man immer noch auf Gewinne hoffen konnte. Als Folge wurde das Angebot familientauglicher Wohnungen immer knapper. Auf einmal bestand das Problem nicht mehr in der Frage, was man sich leisten konnte, sondern ob man überhaupt etwas geeignetes finden würde. Denn die Kaufpreise, die bei Möbliertvermietern immer noch die angestrebte Rendite x ermöglichten, mußte eine Familie auf dem umkämpften Markt überbieten, um überhaupt zum Zuge zu kommen. Das war meiner Meinung nach der wichtigste Grund für die rasch steigenden Kaufpreise. 

Ohne die Niedrigzinsen wäre diese Preisexplosion gar nicht vorstellbar gewesen, aber sie bewirkten, daß teurere Wohnungen trotzdem Darlehensnehmer nicht finanziell überforderten. Dieser Faktor ließ auch die Banken ihre Eigenkapitalvorgaben etwas entspannter interpretieren, denn wenn eine 80qm-Dreizimmerwohnung in gefragter Lage  für um die 500.000 Euro angeboten wird (wie das in meinem Wohnviertel ab ca. Mitte 2021 tatsächlich für einige Monate zu beobachten war), Zins und Tilgung von dem Kaufinteressenten aber gut getragen werden können, dann hätte die Bank, wäre sie wie üblich vorgegangen, ein Eigenkapital von 100.000 Euro plus ca. 50.000 Euro für die Kaufnebenkosten verlangen müssen. Das konnten aber mehrheitlich auch die Interessenten nicht, bei denen ansonsten die Finanzierung unproblematisch aussah. 

Als die gestiegenen Zinsen plötzlich Immobilien zu den Anfang 2022 als normal empfundenen Kaufpreisen nahezu unfinanzierbar machten, war es auch damit aber schnell vorbei. Der Faktor Eigenkapital wurde wieder wichtig. Und deshalb sanken auch die Kaufpreise seit 2022, weil es immer weniger Nachfrage für das Angebot gab, und deshalb die Anbieter mit den Preisen runtergehen mußten, um Käufer zu finden. Die Kaufinteressenten hätten sie vermutlich mehrheitlich immer noch genommen, aber die neuen Rahmenbedingung bewirkten, daß ihre Banken ihnen das benötigte Darlehen gar nicht mehr oder nur noch für kleinere Objekte gaben, als sie es eigentlich geplant hatten. 

Wegen dieser Entwicklung, die den Zehnjahreszeitraum 2015 bis 2024 in drei voneinander abgrenzbare Phasen mit sehr verschiedenen Rahmenbedingungen unterteilt, von denen lediglich in der letzten Phase, 2022 bis 2024, ein Immobilienerwerb für einen wachsenden Teil der Kaufinteressenten immer schwieriger zu finanzieren wurde, halte ich es für falsch, ihren Durchschnittswert mit dem von 1980 bis 1990 zu vergleichen.

Das liegt aber, und hier gebe ich den Kielern wieder recht, nicht daran, daß sich immer weniger Leute Wohneigentum leisten könnten, was die monatliche Belastung durch Zins und Tilgung des Darlehens betrifft. Ein beträchtlicher Teil derjenigen, die von ihrer Bank kein Geld für eine Immobilie bekommen, wäre in Wirklichkeit sehr wohl imstande, einen solchen Kauf zu stemmen. Beispiel ist der Mieter meiner im Sommer verkauften kleinen Wohnung: Wie gerne hätte er sie selbst gekauft, und er hätte sich die Finanzierung auch leisten können, denn er hätte für ein Hypothekendarlehen weniger als hundert Euro Mehrkosten monatlich gehabt im Vergleich zu seiner Kaltmiete, eine monatliche Belastung ungefähr in dem Bereich, in den ihn auch eine Mieterhöhung um den maximal möglichen Betrag gebracht hätte. Eigenkapital brachte er keines mit, aber meine Kalkulation galt für eine 100%-Finanzierung. Alle Banken haben ihn aber abblitzen lassen. 

So was ist nach deren Risikominimierungslogik vielleicht unverzichtbar, müßte aber eigentlich trotzdem nicht sein. Deshalb fände ich staatliche Bürgschaften für Familien, die eine Wohnung zur Selbstnutzung erwerben wollen, als möglichen Ersatz für die derzeit unrealistisch hohen Eigenkapitalforderungen der Banken eine gute Lösung, wenn die Finanzierung ansonsten gut machbar erscheint. Für die Bank geboten würde dabei, wenn die Finanzierung doch schiefgeht, eine Übernahme der finanziellen Verpflichtungen des Käufers bei gleichzeitigem Eigentumsübergang an den Bürgen, idealerweise die Kommune, der auf diese Art und Weise nebenbei einen Bestand an Wohnraum gewinnt, den er vom Mietwohnungsmarkt entkoppeln und perspektivisch später auch an auf dem Wohnungsmarkt benachteiligte Gruppen vermieten kann. 

Blöd nur, daß solche Ideen nicht einmal in der öffentlichen Debatte zu finden sind und somit keine Chance haben, aufgegriffen zu werden. Nun ja, einstweilen sehe ich in meiner Stadt noch keine Indizien für einen Preisanstieg bei Immobilien, die Einkommen hingegen gehen nach oben, das heißt, die Möglichkeiten werden besser, wenn auch langsam. Wenn jetzt noch jemand den Millennials das Geheimnis verrät, daß es noch nie allzu vielen Leuten möglich war, heute zu beschließen eine Immobilie zu kaufen, und dies dann innerhalb weniger Monate umzusetzen, sondern schon immer die Mehrheit einige Jahre im Voraus darauf hinplanen mußte, dann sollten die Möglichkeiten nach und nach besser werden. 

Ich habe übrigens mal die Sache mit dem Eigenkapital für unseren Hauskauf überschlagen. Ein Eigenkapital von 20 Prozent des Kaufpreises plus Kaufnebenkosten hätte für uns etwa 1,6 oder 1,7 Jahreseinkommen ausgemacht. Wir hatten aber mehr als das, nämlich den gesamten Kaufpreis in Form anderer Immobilien und mußten es nur noch flüssig machen. Aber auch aus der einkommensbezogenen Sicht kann ich über unsere Bank nur den Kopf schütteln. Was für Flaschen sind eigentlich nötig gewesen, um in unserem Fall lieber den Kauf als solchen zu gefährden, als flexibel genug zu sein, über die Formulare der üblichen 10-Jahre-Zinsfestschreibungs-Finanzierungen hinauszudenken und pragmatische, aber für die Bank trotzdem dieselbe Sicherheit bietende Lösungen zu finden? Es wird höchste Zeit, daß ich mich von denen verabschiede. Zu meinem Bedauern wird es aber doch mindestens noch bis Ende 2026 dauern, bis wir alle unsere Konten in die Volksbank am Ort transferieren können. Die Wohnung meines Mannes ist noch nicht verkauft, und er will den Wechsel erst, wenn das alles über die Bühne gegangen ist. 

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Sonst breche ich das Fasten nach vier Tagen ja immer mit Keto-Waffeln, aber heute lüstete es mich nach Brötchen aus Mandel-Mozzarella-Teig, und weil ich gerade keinen Mozzarella habe, wäre Gouda als Ersatz perfekt gewesen. Es zeigte sich aber, daß mir - Weihnachtsgebäck macht's möglich - auch die gemahlenen Mandeln ausgegangen waren. Also ersetzte ich die Mandeln durch gemahlene Haselnüsse. Und was soll ich sagen? Die Brötchen waren richtig klasse. Mandeln und Mozzarella sind vergleichsweise geschmacksneutral, Haselnüsse und Gouda schmecken deutlich intensiver. Eine Hälfte habe ich nur mit Butter gegessen, und ich muß sagen, mehr als das braucht es eigentlich nicht. 

Danach war ich freilich bis zum Abendessen satt.  

 

 

Montag, 15. Dezember 2025

Einschüchterungsvokabeln für Fortgeschrittene: der "invasive" Brustkrebs

Mein Gewicht heute früh zu Beginn des letzten langen Fastenintervalls dieses Jahr: 77,8 Kilogramm. Ein bißchen enttäuschend, aber die zwei Kilo plus im Vergleich zu vor zwei Wochen liegen im Rahmen des Erwartbaren - zumal ich gestern abend Chili con Carne gemacht habe und die roten Bohnen noch in meinem Magen-Darm-Trakt Cha-Cha-Cha tanzen. Enttäuscht war ich außerdem schon von den 75,8 zu Beginn des langen Fastenintervalls direkt zum Abschluß der Low-Carb-Phase. Mal sehen, wo ich am Freitag gelandet sein werde. Die nächste Woche läutet ja die Feiertagssaison ein, und drei Wochen lang geht fastentechnisch nicht sonderlich viel. Wenn ich in vier Wochen das lange Fastenintervall vor Beginn der zweiten Low-Carb-Phase des Winters anfange, hoffe ich, ebenfalls ungefähr das heutige Gewicht auf die Waage zu bringen. Wohin mich das bis Ende Februar bringen wird, das werde ich dann sehen. Falls es mich nicht zufriedenstellt, werde ich es eben noch einmal mit einem Endspurt versuchen. 

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Frauen unter 50 erkranken in den letzten drei Jahrzehnten immer häufiger an Brustkrebs, das ergibt sich aus immer mehr einschlägigen Untersuchungen und auf mindestens eine davon bin ich bereits irgendwo früher ausführlicher eingegangen, deshalb hier nur der zugehörige Medienbericht, der aber immerhin die betreffenden Links zu den Studien enthält. 

Brustkrebserkrankungen bei jüngeren Frauen sind außerdem auffallend häufiger aggressive Varianten und häufiger "invasiv", so der Bericht. Na, verstanden, was dieser letzte Begriff bedeutet? Ein vielleicht etwas peinliches Geständnis: Ich kapierte es zunächst nicht. Eine kurze Google-Recherche belehrte mich aber, daß damit gemeint sei: Es ist schlicht ein "echter" Krebs im Gegensatz zu einer Krebsvorstufe. Ich weiß ja, daß es diese Vorstufen gibt, und sicherlich ist der Begriff auch fachlich korrekt - ich bin bloß kein Fachmann -, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß diese Begrifflichkeit den typischen ahnungslosen Leser doppelt so bedrohlich klingt wie einfach nur "Krebs". War das der Autorin nicht bewußt oder machte sie das mit Absicht? Es entspricht ja dem Zeitgeist, pausenlos Ängste aller Art wissentlich zu schüren, und das ärgert mich praktisch jeden Tag bei einem anderen Thema. Angesichts dessen ist es kein Wunder, wenn jüngere und leichter zu beeindruckende Menschen immer mehr mit Depressionen zu kämpfen haben. 

Ich bin mir ziemlich sicher, daß Ärzte das Schüren von Ängsten ebenfalls als Stilmittel nutzen, und dabei ist es wohl mindestens zum Teil nur vorgeschoben, wenn sie glauben, der Schock werde heilsame Verhaltensänderingen auslösen. Dagmar Stöckle, die Journalistin aus meinem letzten Beitrag, wurde in jeder ihrer Abnehm-Dokus geschockt und änderte ihr Verhalten, nur verhalf ihr das trotzdem nicht zu einer dauerhaften Gewichtsreduktion, und irgendwie scheint das ihren Arzt im Adipositaszentrum auch gar nicht zu überraschen. Warum er ihr trotzdem jedes Mal in etwa dieselben Diät-und-Bewegung-Programme verordnet, kann dann eigentlich nicht so erklärt werden, daß er ernsthaft an einen Erfolg glauben würde. Irgendwie muß es Ärzte auch befriedigen - oder wenigstens ihren Frust verringern -, ihren Patienten ordentlich eins reinwürgen zu können, mindestens dann, wenn sie glauben, sie seien selbst mitschuldig an ihrer Krankheit. Das gilt dann natürlich auch für Krebs, denn die Präventionsratschläge dafür sind denjenigen gegen Adipositas ja gar nicht so unähnlich. 

Patienten, bei denen sich "nur" eine Krebsvorstufe gezeigt hat, kann man, quasi als Bonus, zusätzlich zu den "echten" Krebspatienten in dieselbe Sorte Existenzangst versetzen, die auch eine "echte" Krebsdiagnose immer auslöst. Irgendwie erinnern mich die Krebsvorstufen deshalb an die Sache mit Prädiabetes, der plötzlich den "echten" Diabetes auch zu einer subjektiv viel schlimmeren Sache gemacht hat, als er es vorher gewesen ist. Vielleicht ist es ja doch ein Vorurteil von mir, aber ich kann mir nicht helfen: Meiner Meinung nach befriedigt es viele Ärzte tatsächlich insgeheim, bei ihren Patienten Angst auszulösen, jedenfalls bei denjenigen, denen sie unterstellen, selbst an ihrer Krankheit schuld zu sein. Wenige sind dabei so unverblümt wie der Arzt in diesem Fall oder der unverschämte Bereitschaftsarzt, der letzten Herbst notfallmäßig zu meinem Mann kam. Die Mediziner des Jahres 2025 sind in dieser Hinsicht so rückständig wie Pädagogen im finstersten neunzehnten Jahrhundert.

Aber ich schweife ab. Back to topic.  

Natürlich sind Krebsvorstufen und Prädiabetes trotzdem ernst zu nehmen. Aber was genau daran so alarmierend sein soll, wenn Brustkrebserkrankungen in Altersgruppen, in denen noch kein Mensch, auch Ärzte nicht, ernsthaft mit einer solchen Diagnose rechnet, erst nach dem Vorstufen-Stadium entdeckt werden, hat sich mir zugegebenermaßen nicht erschlossen. Vorstufen werden bei diesen Altersgruppen ja allenfalls als "Beifang" zufällig - und deshalb nur selten - gefunden, wenn eigentlich etwas anderes gesucht wird. Ein Knoten in der Brust, den eine Patientin oder ihr Arzt bereits ertasten kann und der natürlich bedeutet, daß das Vorstufenstadium bereits überschritten wurde, ist für gewöhnlich das erste, das auffällt. Selbstverständlich sind die allermeisten Krebsdiagnosen in jüngeren Altersgruppen also die von "invasivem" Brustkrebs. Was denn sonst? Alarmierend ist es aber in der Tat, daß diese Diagnosen in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich mehr geworden sind, und das gemeinerweise in Altersgruppen, in denen sie trotzdem immer noch Ausnahmefälle darstellen und damit die Frage nach Früherkennungs-, aber auch Präventionsmaßnahmen kniffelig machen. 

Wer Krebs bei unter 40jähigen als Folge von irgendwelchem Fehlverhalten deutet, der tut den Betroffenen damit nämlich fast sicher Unrecht. Man muß diesem Fehlverhalten, wo es besteht, meiner Meinung nach schon die üblichen vier, fünf Jahrzehnte Zeit geben, um ernsthaft dem sündigen Patienten eine Mitschuld an seinem Krebs in die Schuhe schieben zu wollen. Es müßte für diese Altersgruppe generell eine Unschuldsvermutung gelten, egal ob und wieviel sie rauchen, saufen und fressen. Wenn in so einem Alter Krebs auftritt, müssen ganz einfach Faktoren hauptverantwortlich dafür sein, die von dem Patienten nicht beeeinflußt werden konnten, das gilt für die sportlichen Gesundköstler wie auch für die übergewichtigen Couch-Potatos - und natürlich auch für alle, die weder das eine noch das andere sind, sondern, wie fast jeder, irgendein Mittelding dazwischen. 

Interessant fand ich in der verlinkten Tabelle aus einer der Studien aus dem Artikel, daß HER2-positive Brustkrebserkrankungen - also "mein" Krebs - nicht nur bei besonders jungen Patienten, sondern bei allen Altersgruppen auffallend deutlich häufiger geworden sind (am stärksten bei den unter 50- und den über 75jährigen), während der hormonelle in fast allen Altersgruppen leicht zurückging. Bei triple-negativ gab es in den Altersgruppen zwischen 40 und 75 Rückgänge, bei den Jüngeren und Älteren Anstiege, die aber im Vergleich zu HER2-positiv recht gering ausfielen. Das Seltsame ist, daß im Medienbericht auf diese unterschiedlichen Entwicklungen bei den verschiedenen Arten von Brustkrebs überhaupt nicht eingegangen wurde, obwohl das die auffälligste Entwicklung gewesen ist. Daß es HER2-positiv überhaupt gibt, wird im Artikel sogar nicht einmal erwähnt. 

Der Artikel erschien in Österreich, und dort beginnt die Kernzielgruppe für das Screening nicht wie bei uns mit 50, sondern mit 45, empfohlen wird es aber bereits mit 40 Jahren. Damit ist es natürlich klar, daß eine Ausweitung in noch jüngere Altersgruppen nicht sinnvoll sein kann und nach anderen Wegen gesucht werden müßte, bestimmte Risikogruppen jüngeren Alters gezielter für Früherkennungsmaßnahmen auszuwählen. Es gibt mit dem Screening als eine solche Früherkennungsmaßnahme aber ein Problem, das gegen diesen Lösungsvorschlag spricht.  "Sprintkrebs" (meine Bezeichnung für das, was im Artikel als "besonders aggressiver Krebs" vorkommt) ist natürlich besonders häufig das, was Hanna Heikenwälder, über die ich kürzlich schrieb, als "Intervallkrebs" bezeichnet, also Tumore, die nach einem Screening ohne Befund noch vor der nächsten regulären Screening-Mammografie auf andere Weise entdeckt werden. Intervallkrebs ist auch gar nicht so selten. Sogar in den USA, wo nicht alle zwei Jahre, sondern jährlich gescreent wird, macht er immerhin 15 % aller Brustkrebserkrankungen aus. 

Es wird aber noch problematischer: Mindestens 40 Prozent aller Intervallkrebse waren Diagnosen in den fortgeschritteneren Stadien 2 bis 4. Eigentlich wird ja immer gerne so getan, als wäre eine Brustkrebs-Diagnose im fortgeschritteneren Stadium eine Sache, die hauptsächlich bei Screeningerverweigerern zu erwarten wäre. Das Screening dient ja dazu, möglichst viele Tumore in einem frühen Stadium zu finden. Ich habe mal recherchiert und fand diese Aufstellung aus Niedersachsen, genauer gesagt,  der Screening-Regionen Hannover und Niedersachsen-Nordwest,  mit 285.634 anspruchsberechtigten Frauen im (deutschen) Screeningalter zwischen 50 und 69 Jahren. In einem entsprechenden Zeitraum traten 1115 Brustkrebsfälle auf, verteilt auf 562, die beim Screening entdeckt wurden, 417 bei Nichtteilnehmerinnen am Screening sowie 136 Intervallkrebsen. 698 Krebsfällen von Screeningteilnehmerinnen stehen also nur 417 von Nichtteilnehmerinnen gegenüber, obwohl jede der beiden Gruppen ungefähr die Hälfte der Teilnahmeberechtigten ausmachte. Auch hier waren bei den Intervallkrebsen HER2-positiv sowie triple-negativ etwa doppelt so häufig vertreten wie bei den durch das Screening gefundenen.

Wenn bei jüngeren Frauen der Anteil der Sprintkrebse - bei gleichzeitig viel niedrigerer Gesamtzahl der Krebsfälle als bei den älteren - deutlich höher sein sollte, stellt sich die Frage, inwiefern das Screenen von wirklichen oder vermeintlichen Risikogruppen ihnen viel bringen soll. Schleichkrebse (also langsam wachsende Tumore, tpyischerweise eher hormonaktiv) sind die Art von Brustkrebs, bei denen Screening am nützlichsten ist, und der ganze Ansatz beim Screening beruht ja auf einer Annahme, die nur auf die Schleichkrebse zutrifft: daß so ein Krebs nämlich langsam und gemächlich wächst und durch die regelmäßig alle zwei Jahre stattfindenden Mammographien deshalb gefunden werden kann, solange er noch klein und leichter zu bekämpfen ist. Sprintkrebse findet man auf diese Weise wegen ihres schnellen Wachstums aber augenscheinlich nur dann in einem frühen Stadium, wenn der Zeitpunkt zufällig besonders günstig liegt. Deshalb fände ich das obligatorische Abtasten der Brust beim Frauenarzt eigentlich ausreichend, wenn es um Altersgruppen außerhalb des Screening-Alters geht, bei denen mit enormem Aufwand sowieso nur sehr wenige Krebsverdachtsfälle gefunden werden könnten. Damit der Krebs auch in diesen Altersgruppen wenigstens gefunden wird, bevor er streut, wäre es vor allem wichtig, für die Wichtigkeit der Tastuntersuchung ein Bewußtsein zu wecken. Vielleicht könnte man sich zur Abwechslung ja dazu entschließen, dies nicht mit einer gruseligen Drohkulisse zu verknüpfen, sondern mit einer positiven Botschaft, nämlich der, daß gerade diese Sprinter im Fall von Brustkrebs keineswegs ein Todesurteil sind, sondern richtig gute Heilungschancen haben. Man muß ihnen nur rechtzeitig ein Bein stellen. 

Eine Ausweitung des Screenings finde ich auch deshalb problematisch, weil Überdiagnosen - dies dürfte vor allem die Krebsvorstufen betreffen - auch ein in Fachkreisen kontrovers diskutiertes Phänomen sind, das dazu führt, daß das Screening auch der derzeit gescreenten Altersgruppen auch von manchen Fachleuten kritisch gesehen wird. Es ist ja allgemein bekannt - oder könnte jedenfalls allgemein bekannt sein -, daß die Gesamtzahl der Brustkrebsfälle durch das Screening nicht sank, sondern dauerhaft höher blieb, als sie vor dem Beginn des Screenens im Jahr 2005 gewesen war. 

 

Farbcode: 

Blau: Stadium 0 (Krebsvorstufe), Grün: Stadium 1, Gelb: Stadium 2, Rot: Stadium 3 und 4

Aus Gründen, die sich mir nicht erschließen, wurden die Stadien 3 und 4 nicht einzeln ausgewiesen - obwohl doch das Stadium 4 dasjenige ist, das man am allerdringendsten vermeiden wollen sollte, weil es eine qualitative Veränderung der Erkrankung und nach wie vor erheblich schlechtere Überlebenschancen bedeutet. Wie man sieht, gab es bei diesen beiden zusammengefaßten spätesten Stadien in der Screening-Altersgruppe einen Rückgang, der allerdings längst nicht so deutlich ausgefallen ist wie der drastische Anstieg bei den Frühstadien 0 und 1 und außerdem nur geringfügig unter dem Wert von um das Jahr 2000 herum liegt. Unter dem Strich waren zehn Jahre nach Einführung des Screenings etwa 80 Brustkrebsfälle pro 100.000 Frauen der Altersgruppe im Jahr mehr zu verzeichnen als zwanzig Jahre zuvor, und davon waren nur etwa die Hälfte Vorstufen, und die andere Hälfte bestand aus "invasivem" Brustkrebs. Das sind eine ganze Menge zusätzliche Behandlungen, und auch wenn die Überlebensaussichten viel besser als zwanzig Jahre davor sind, wird m. E. zu wenig darüber gesprochen, was das eigentlich  zu bedeuten hat. Sollte das Stadium 4 aber deutlicher als 3 zurückgegangen sein, wäre das m. E. ein stichhaltiges Kriterium, um den Nutzen von Screenings einzusehen. 

Der Sinn des Screenings kann nicht damit begründet werden, daß damit Krebs in Stadium 1 anstelle Stadium 2 gefunden wird, denn das ist, wie man sieht, gar nicht der Fall, da ja das Stadium 2 ungefähr ebenso häufig geblieben ist wie im Anfangsjahr der Grafik. Der Sinn kann aber darin liegen, zu verhindern, daß Brustkrebs so spät gefunden wird, daß die Aussichten auf erfolgreiche Behandlung dramatisch schlechter werden. Deshalb finde ich es merkwürdig, daß das Stadium 4, auf das dies weit stärker als auf 3 zutrifft, nicht extra ausgewiesen wurde. Dieser Faktor  wäre es auch, der es m. E. als einziges rechtfertigen könnte, daß seit der Einführung des Screenings die Gesamtzahl der Brustkrebs-Diagnosen dauerhaft so stark gestiegen ist. Denn das kann eigentlich ja fast nur bedeuten, daß beim Screening auch eine relativ große Zahl von Fällen (vermutlich überwiegend im Bereich der Krebs-Vorstufen) erfaßt und behandelt werden, die, wären sie unentdeckt geblieben, auch ohne Behandlung nicht zu einem späteren Krankheitsausbruch geführt hätten. Unglücklicherweise kann niemand vorhersagen, welche gefundenen Vorstufen einem den Gefallen tun werden, sich von alleine wieder in Wohlgefallen aufzulösen (laut Link in der nächsten Zeile müßten das immerhin zwei Drittel sein), also bleibt nichts weiter übrig, als sie alle gemäß den aktuellen Leitlinien zu behandeln, was, sagen wir es mal so, auch wenn es eine "Light-Version" der normalen Brustkrebs-Therapie ist,  nur einen begrenzten Spaßfaktor hat. Sollte Thomas Seyfried recht mit seinen Warnungen vor Bestrahlung haben, dann ginge man damit aber sogar zusätzliche Risiken ein. 

Mit diesen Überdiagnosen könnte man sich viel besser abfinden, wenn für Krebsvorstufen optional als Behandlungsvariante "Beobachten plus Einsatz therapeutischer Ketose", entweder in Eigenverantwortung der Patientin und/oder durch Fachleute begleitet, angeboten würde, natürlich mit der Maßgabe, daß genau beobachtet und, sofern erforderlich, auf der Stelle reagiert wird. Ob dieses Mittel die üblichen Operationen und Bestrahlungen vielleicht mittelfristig mehrheitlich oder sogar ganz überflüssig machen kann, ließe sich mit einem so geringen Risiko für die Patientinnen herausfinden, daß möglicherweise das Risiko durch die Leitlinienbehandlung sogar etwas höher ausfällt. Es ist ein echter Jammer, daß der Feldzug gewisser Professorinnen mit Sachverständigenstatus mit dem Ziel, Ketose als Mittel in der Onkologie möglichst dauerhaft zu unterbinden, bislang so erfolgreich gewesen ist und die Berührungsängste von Onkologen deshalb so groß sind. 

Aber zurück zu den Intervallkrebsen bei Patientinnen, die das Screening-Alter noch nicht erreicht haben, womit für den Fall Österreich Patientinnen unter 40 gemeint sind. Auf die Schnelle habe ich nur die Inzidenz nach Altersgruppen für Deutschland gefunden, aber in Österreich wird es nicht viel anders aussehen: 

 

Pro 100.000 Gescreente würde man also für die Altersgruppe 35-39 Jahre maximal um die 50 Brustkrebsfälle aufspüren können - minus die Intervallkrebse, die aber gerade in dieser Altersgruppe einen höheren Anteil an allen Fällen ausmachen dürften, da ja aggressive Tumore in ihr häufiger sind. 

Ehrlich gesagt wüßte ich sowieso nicht, wie man solche Risikogruppen aus dieser Altersgruppe herausfiltern sollte. Dafür müßte man erst einmal herausfinden, was sie miteinander gemeinsam haben. Die Autorin wußte das augenscheinlich nicht, sonst hätte sie nicht den ganzen kalten Kaffee mit den üblichen Risikofaktoren vorgebracht, denen landläufig immer ein Einfluß auf Krebs jedweder Art nachgesagt wird. In dieser Altersgruppe ergibt das aber gar keinen Sinn - siehe meine  Erläuterungen zur Frage, ob der Lebensstil für Krebsfälle bei jungen Leuten hauptverantwortlich sein kann, weiter oben. 

Wie sehr die aufgezählten Risikofaktoren nur ein stumpfsinniges Daherbeten von Faktoren sind, von denen die Autorin zu glauben scheint, mit ihnen können man niemals völlig falsch liegen, zeigt, daß auch das Rauchen mit aufgezählt wird. Rauchen, mal ganz langsam zum Mitmeißeln, mag vielleicht furchtbar böse sein und damit ein tauglicher Verdächtiger für jede Krankheit eines Rauchers sowie seiner Ehegattin, seiner Kinder und Kindeskinder, von Fußpilz aufwärts. Aber für einen Anstieg an Sprint-Brustkrebsen in Frankreich (dies war Inhalt eines Links im Medienbericht) kann er zum Beispiel nicht verantwortlich sein. Warum nicht? Weil auch die Französinnen immer seltener rauchen, also die Zahl der Raucherinnen nicht angestiegen, sondern zurückgegangen ist. Wenn ein Zusammenhang bestehen würde, dann müßte er genau andersherum ausfallen, das heißt also, der Rückgang beim Rauchen hätte für den Anstieg beim Brustkrebs mitverantwortlich gemacht werden können. Allerdings bin ich der Meinung, ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Brustkrebs besteht ohnehin nicht in erwähnenswertem Umfang und wird immer nur an den Haaren herbeigezogen. 

 Usage quotidien de tabac par sexe, à 17 ans Évolution depuis 2000

Eigentlich ist es aber wirklich wichtig, darüber zu sprechen, daß Brustkrebs bei jüngeren Frauen häufiger wird - nach einer Quelle hat sich die Zahl in den letzten dreißig Jahren verdoppelt -, und die Gründe dafür zu suchen. Daß die Sprintkrebse dabei besonders häufig vertreten sind und außerdem ständig noch häufiger werden, läßt darauf schließen, daß im Lauf der letzten dreißig Jahre irgendwelche Krebsauslöser häufiger geworden oder vielleicht auch ganz neu hinzugekommen sein könnten, die speziell diese aggressiven Varianten auslösen, nicht die gemütlicheren Schleichkrebse. Es wäre auch wirklich wichtig, diese Ursachen herausfinden zu wollen und nicht dauernd die langweiligen alten Arien vom bösen Rauchen, Saufen, Fressen und Faulenzen abzusingen, wie das ja immer am bequemsten ist, weil man auf diese Weise den Patientinnen die Schuld an ihrem Krebs in die Schuhe schieben kann. Auf diese Art funktioniert Wahrheitsfindung generell nicht, aber in der Wissenschaft schon gleich dreimal nicht. 

Trägheit und Völlerei zählen traditionell zu den sieben Todsünden. Eine Bezichtigung aus diesem Themenkreis in Verbindung mit Krebs ist niemals wertneutral, sondern immer auch eine Schuldzuweisung. Die Annahme, daß diese Anstiege beim Brustkrebs unter jüngeren Frauen genauso herbeigesündigt wurden, wie das auch den alterstypischeren Krebspatienten nachgesagt wird, halte ich für reine Denkfaulheit. 

Der Autorin Karin Kirchmayr, ihres Zeichens Wissenschaftsjournalistin, und so ganz jung ist sie auch nicht mehr, sollte man ihr eine gewisse Erfahrung unterstellen. An einer solchen Meßlatte gemessen fand ich den Artikel ziemlich schlecht: nicht besonders gut recherchiert, aber auch nach allgemeiner Logik mangelhaft durchdacht. Die Autorin hat wahrscheinlich mit Brustkrebs vorher noch keine persönlicheren Berührungspunkte gehabt und offenbar gar nicht gemerkt, daß das, was sie schreibt, teils unlogisch oder in sich widersprüchlich ist. 

Die Ursachenforschung für die zunehmende Häufigkeit speziell von Sprintkrebs bei Frauen vor Beginn des Screening-Alters wurde im Artikel etwa kurioserweise ausgerechnet mit Risikofaktoren in Verbindung gebracht, die der Mitverantwortung bei hormonaktivem Brustkrebs verdächtigt werden, obwohl die ja kaum dafür verantwortlich sein können, wenn hormonnegative Brustkrebsarten häufiger geworden sind. Darüber, daß die Medikamente, mit denen man "Schleichkrebs"-Varianten behandelt, bei HER2-positiv nicht eingesetzt werden können, wie das in dem Artikel merkwürdigerweise problematisiert wurde, braucht man auch keine Tränen vergießen. Das Problem bei Sprintkrebsen besteht nicht in schlechteren Therapiemöglichkeiten, im Gegenteil. Hat man einen solchen gefunden, bevor er Zeit zum Metastasieren hatte, dann sind die Überlebensprognosen ja mindestens bei HER2-positiv (bei triple-negativ wird noch nicht lange genug mit Immuntherapie gearbeitet, um das sicher sagen zu können) längst besser als beim Schleichkrebs, und man hat die Behandlung, sofern er außerdem hormonnegativ ist, noch dazu ein paar Jahre früher abgeschlossen. Kam das Übel nicht innerhalb der ersten drei Jahre zurück, hat man außerdem nach aktuellen Behandlungsleitlinien ein dauerhaft niedrigeres Risiko auf Wiederkehr des Krebses als die hormonpositiven Leidensgenossinnen. Irgendwo im Blog hatte ich dazu schon eine Grafik gepostet, aber die finde ich gerade auf die Schnelle nicht.

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Drei Jahre ist meine OP noch nicht her. Heute vor drei Jahren befand ich mich noch in der EC-Phase meiner Chemotherapie, aber daß ich damals keine Zukunftspläne verfolgte, hatte mehr damit zu tun, daß eine Chemo auch immer ein anspruchsvolles Beschäftigungsprogramm ist, das in meinem Fall noch dazu nicht durch eine Krankschreibung abgefedert wurde. Nebenbei beschäftigte ich mich außerdem intensiv mit der Frage, wer mein Feind überhaupt ist und wie ich sinnvollerweise vorgehe, um ihm für immer den Garaus zu machen. Aber zwischen meiner OP im April 2023 und der Entdeckung unseres Traumhäuschens verging nur knapp über ein Jahr, und das fanden wir natürlich nur, weil ich auch während der Chemo nie aufgehört hatte, mit einem Auge den einschlägigen Immobilienmarkt zu verfolgen - ohne daß ich allerdings damit gerechnet hätte, das perfekte Objekt zu finden. Noch dazu so schnell. Ich wollte nur ein Gefühl für den Markt behalten. Aber wie das Leben manchmal so spielt, es fand uns, unser Häusle, und hat unser Leben total umgekrempelt. Und das war auch gut so. :-)

Perfekt an dem Haus ist auch, daß wir einerseits mit nur wenig Renovierungsarbeit alles hatten, um dort zu wohnen, andererseits aber noch sehr viele Gestaltungsspielräume, die uns noch jahrelang beschäftigt halten werden. Vor allem im Garten, aber auch im Bereich der energetischen Sanierung. Eigentlich hatten wir ja schon dieses Jahr unsere ersten Experimente mit einem Balkonkraftwerk starten wollen, mit denen wir vor allem erst mal ein Gefühl für das Mögliche und das Unrealistische bekommen wollen. Aber es zeigte sich, daß andere Dinge vordringlicher waren und wir den Zeitaufwand für unsere Vorhaben zu optimistisch eingeschätzt hatten. Zum Glück haben wir ja Zeit. 

Vor ein paar Tagen habe ich mich dazu hinreißen lassen, mich auf Bluesky mit kontroversen Ansichten zum Wärmepumpen-Hype unbeliebt zu machen - wobei es mir dabei weniger um die Wärmepumpe als solche ging, sondern um den Hype als solchen. Es wurde nicht gerne vernommen, daß ich diesen Hype mit einem früheren verglich, nämlich dem um die Pellet-Heizung, die vor etwa zwanzig Jahren als das ökologische Nonplusultra galt. Mir hat das schon damals nicht so recht eingeleuchtet, weil ich mir nicht vorstellen konnte, daß man das Heizmaterial für mehr als eine relativ kleine Nische problemlos und kostengünstig beschaffen können sollte. Und, richtig: Das Heizmaterial verteuerte sich im Lauf der Zeit erheblich. Ich habe mal nachgelinst: Im Vergleich mit unseren Gaskosten wäre es vermutlich bei einem Haus wie unserem sogar teurer. Bei einem Effizienzhaus läge es ein wenig günstiger, aber in Relation zu den Kosten, die die energetische Sanierung plus Anschaffung der Heizung bedeuten, wäre man trotzdem nicht auf seine Kosten gekommen. Das habe ich gleich geahnt. Was damals aber noch niemand ahnen konnte, ist, in welchen schlechten Ruf das Heizen mit Holz und Holzpellets trotz der schadstoffmindernden Vorschriften für die zugehörigen Schornsteine so schnell geraten würde. Wer sich damals von dem Hype anstecken lassen hat, der muß sich heute von geifernden Eiferern als Umweltsau beschimpfen lassen. Obwohl man damals glauben sollte - und viele das auch geglaubt hatten -, zu den Speerspitzen des fortschrittlichen und klimafreundlichen Heizens zu gehören. 

Die geifernden Eiferer von heute wider die Holzheizungen sind natürlich viel zu selbstgerecht, um wahrhaben zu können, daß sie vor zwanzig Jahren genauso geifernd auf diejenigen losgegangen wären, die es wagten, irgendwelche Einwände gegen die damals angesagte Heizungsumstellung vorzubringen. Die Konstante in all den wechselnden Umwelt-, Klima und Energiesparmoden sind nämlich die Eiferer. Vor zwanzig Jahren war es die Pelletheizung, vor 15 das Einpacken des Hauses in Styropor, vor zehn die Solaranlagen auf dem Dach und heute ist es die Wärmepumpe. Und wieder werden die zugehörigen Fanatiker unweigerlich hysterisch, wenn man irgendwelche Einwände äußert oder nicht auf der Stelle die maximal mögliche Lösung anschaffen will. 

Mit den Wärmepumpen habe ich dabei aber viel weniger grundsätzliche Probleme als mit der Pelletheizung: Mir ist die Investition eben zu groß, um sie im Blindflug nur im Vertrauen auf die Vertrauenswürdigkeit und Kompetenz des Einbaubetriebs vornehmen zu wollen. Im Moment wird damit zu gut verdient, um nicht befürchten zu müssen, daß die Beratung dann nullachtfünfzehn, also nicht den Bedürfnissen unseres Haushalts entsprechend, und die Einbauqualität suboptimal sein würde. Wir bleiben für unser Haus bis auf weiteres lieber bei der kleinen Lösung Split-Klimaanlage plus Balkonkraftwerk. Wenn wir zwei, drei Jahre Erfahrungswerte mit beidem haben, sehen wir es ja, ob wir eine größere Lösung haben wollen, wie sie ausfallen und wie groß sie werden soll. Ich finde nämlich nicht, daß "So groß wie möglich" die richtige Antwort wäre. Ich möchte die Sache lieber "so groß wie nötig". 

"Nötig" definiere ich für mich selbst so, daß ich jederzeit über genügend selbsterzeugten Strom verfügen will, daß mich das "notfallautark" macht. Will heißen: Ich möchte im Fall eines längeren Stromausfalls einige wichtige Stromverbraucher mit selbsterzeugtem Strom am Laufen halten können. Das wären etwa Kühlschrank und Gefriertruhe, Telefon, Radio und in gewissem Umfang Internetzugang. Ach ja, und mindestens einen Raum möchte ich angemessen warm bekommen können. Es wäre angesichts des Holzstapels bei uns im Garten durchaus nachdenkenswert, sich dafür, falls die Stromausbeute nicht überzeugend für diese Aufgabe ausfallen sollte, doch noch einen Holzofen zuzulegen. 

Für mich war es schon immer eine völlig reizlose Vorstellung, mit einer Photovoltaikanlage Strom zu erzeugen, nur um ihn ins Netz einzuspeisen. Den Strom, den ich erzeuge, will ich auch selbst verbrauchen. Ich kaufe doch keine Solaranlage, um anderen Leuten ihren Strom liefern zu dürfen, noch dazu zu einem Verkaufspreis, der nur einen Bruchteil meiner eigenen Stromkosten ausmacht, während die anderen Leute wiederum genausoviel wie ich dafür bezahlen müssen. Die Differenz fließt an deren Stromversorger, der irgendwie mit meinem Stromversorger - der von mir zum Schleuderpreis mit Strom versorgt worden ist -, ausmauschelt, wie beide den Differenzbetrag, den sie dem Verbraucher abgeknöpft haben, unter sich aufteilen. Was genau soll ich als der Stromerzeuger daran eigentlich attraktiv finden? Mir ist das schon über den Horizont gegangen, als ich als Bewohnerin einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus sowieso noch keine Möglichkeit hatte, eigenen Strom zu erzeugen, und so verfolgte ich auch einschlägige Förderdebatten mehr oder weniger mit Unverständnis. 

So wenig ich von der Kompetenz unserer aktuellen Wirtschaftsministerin also halten mag, aber den einen Kritikpunkt an ihren Weichenstellungen kann ich deshalb nicht so ganz nachvollziehen, nämlich den zur Abschaffung der festen Einspeisevergütung für Solaranlagen. Wer ist denn so bekloppt, nach wie vor scharf auf diese lächerlichen acht Cent pro Kilowattstunde zu sein? Wer Strom erzeugt, ist auf die Abnahme seines Stroms nur angewiesen, wenn er nicht über Batteriespeicher verfügt. Die haben sich deutlich verbilligt und es wird angenommen, daß das Sinken der Preise noch nicht beendet ist. 

 

 

Die Abschaffung der Einspeisevergütung erzeugt also einen Anreiz, in Batteriespeicher zu investieren und den Eigenverbrauch damit zu optimieren. Unter dem Strich werden Privathaushalte von dieser Veränderung höchstwahrscheinlich profitieren.

In die falsche Richtung dagegen zielt die Entlastung von privaten Gaskunden einerseits bei Verzicht auf die Entlastung von privaten Stromkunden andererseits. Heizen mit Gas billiger zu machen, während heizen auf Strombasis durch Wärmepumpen teuer bleibt, führt natürlich dazu, daß der Anreiz zum Wechseln sich verringert. Die Frage ist allerdings, wieviel das im Moment überhaupt noch ausmacht, jedenfalls in den immer häufiger werdenden Fällen, in denen das Heizen mit Strom mit der Stromerzeugung durch Solaranlagen kombiniert werden kann. Es kann aber sein, daß in diesem Bereich längst der Point of no Return erreicht wurde und sich niemand von ausbleibenden Anreizen mehr davon abhalten läßt.

Was mich wirklich gefreut hat, ist, daß ein Startup aus Heilbronn jüngst eine Etagen-Wärmepumpe entwickelt und gerade eben, tatsächlich erst in den letzten Tagen, auf den Markt gebracht hat, die eine Gas-Etagenheizung in einem Mehrfamilienhaus für eine einzelne Wohnung ersetzen kann und auch von der Größe her in etwa der einer Therme entsprich. Auch dann, wenn man seinen Strom nicht selbst erzeugt und die aktuell üblichen Strompreise bezahlt, heizt man mit ihr nach Angaben des Herstellers auch in Altbauwohnungen etwa 20 % preisgünstiger als mit einer Gasheizung. Das ist die erste mir bekannte Lösung, die eine echte Chance hat, sich als Ersatz für eine defekte Gastherme in einer Wohnung mit Etagenheizung durchzusetzen, weil tatsächlich nur die Therme ersetzt und ein einzelnes Außengerät angebracht werden muß. Vorausgesetzt natürlich, das Gerät hält, was die Entwickler von ihm versprechen. 

Die Sache hat aber einen Haken: Damit sich so etwas durchsetzen kann, müßte die Pflicht zum Umstieg auf Zentralheizung abgeschafft werden, die im Moment allen WEGs droht, wenn eine Gas-Therme im Haus durch eine neue ersetzt wird. Damit schwebt das Damoklesschwert einer kostspieligen Fehlinvestition natürlich auch über den Häuptern derer, die sich eine solche Etagen-Wärmepumpe anschaffen. Falls die aktuelle Bundesregierung also mehr vorhaben sollte, als das GEG (Gebäudeenergiegesetz) lediglich in GMG (Gebäudemodernisierungsgesetz) umzubenennen, fände ich es verdienstvoll, wenn sie die Umstellungspflicht auf Zentralheizung streichen würde, und wäre bereit, ihr im Gegenzug ein paar Klöpse in anderen Bereichen zu verzeihen. Ich habe nämlich in zwei meiner Wohnungen schon recht betagte Thermen stehen. Falls eine davon den Geist aufgibt, muß ich meinen Mietern rasch einen Ersatz beschaffen. Egal ob Gastherme oder Etagen-Wärmepumpe, das kostet einen Haufen Geld. Deshalb werde ich die beiden alten Thermen so lange in Betrieb halten, wie es irgend möglich ist, solange die Zentralheizungspflicht nach einer Thermen-Neuanschaffung in einer der Wohnungen automatisch greift, falls nicht zwei Drittel der Miteigentümer dagegen stimmen. 

Diese absurde Forderung einer Grundgesetz-Änderungsmehrheit, wenn man als WEG Etagenheizungs-Lösungen beibehalten will, ist geistesverwandt mit der Widerspruchslösung bei der Organspende: Sie zielt darauf ab, eine unter normalen Voraussetzungen nicht durchsetzbare, weil unattraktive Lösung durchzudrücken, indem sie die Dümmsten, die Schlechtinformiertesten und natürlich vor allem die am schlechtesten Verwalteten unter den WEGs mit faulen Tricks dazu bringt, sie nicht zu verhindern, weil einem die Konsequenzen nicht bewußt sind. Ich mochte Robert Habeck, aber mit diesem Teil des GEG blieb er erstens unter seinem eigenen Anspruch und hat außerdem wirksam dafür gesorgt, daß speziell WEGs im Zweifelsfall lieber gar nichts machen als irgendwas an ihren aktuellen Heizungen zu ändern. Die vielen Gasetagenheizungen, die immer noch verkauft werden, sind in der Regel Ersatzkäufe für defekte Thermen in Mehrfamilienhäusern mit Etagenheizung. Das wird hauptsächlich von denen gemacht, denen schlicht nichts anderes übrigbleibt, weil man eine Wohnung ja nicht ganz ohne Heizung lassen kann. 

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Nach dem Ende der Low-Carb-Phase haben wir die ganze Woche lang wunderbar und carblastig gespeist, aber mein Weihnachtsgebäck habe ich auch dieses Jahr, wie das gute Tradition hat, in der Low-Carb-Version gebacken. Auch den Rest meines Quittensafts habe ich in Low Carb in Gelee verarbeitet, und davon ist noch eine Menge übrig für die nächste Low-Carb-Phase, und es wird mir dann gute Dienste leisten, denn es schmeckt ausgezeichnet. Wo die Low-Carb-Version aber gar nicht funktioniert hat, das war das Quittenbrot. Gestern habe ich endlich wieder eine "normale" Version gemacht, ebenfalls für Weihnachten, und siehe da: Es wurde genauso köstlich wie beim ersten Mal. Zwei Anläufe mit Gelier-Birkenzucker hatten dagegen ein ziemlich enttäuschendes Ergebnis. Also weiß ich das jetzt auch, daß ich das gar nicht mehr anfangen muß, weil es sowieso nicht klappt. 

Gestern habe ich außerdem das erste Mal Chilis aus dem eigenen Garten - die bis vor kurzem unter dem Dach neben der Therme zum Trocknen aufgehängt waren - fürs Essen verwendet. Ganz vorsichtig freilich, denn die Pflanzen waren von meiner Schwester, die aber keine Ahnung hatte, was für einen Schärfegrad wir zu erwarten hatten - und es gibt Varianten, die können einem das Essen komplett ungenießbar machen, wenn man unvorsichtig dosiert. Es stellte sich heraus, daß ich nicht ganz so vorsichtig hätte sein müssen, wie ich war, und ich würzte dann noch einmal mit etwas mehr Chili nach, aber jetzt weiß ich für die Zukunft, wie ich dosieren muß. Die Schärfe der Chilis entwickelte sich langsam, erreichte auf ihrem Höhepunkt eine Intensität, die knapp unterhalb der Grenze zum Unangenehmen blieb, und sorgte noch eine ganze Weile nach dem Ende der Mahlzeit für ein wohliges Wärmegefühl, das aus dem Bauch heraufstieg. Ich glaube, mit diesen Chilis kann ich mich anfreunden. Das ist gut so, denn ich will demnächst mal ein Rezept von meiner Oma aus ihrer serbischen Heimatregion ausprobieren, das ziemlich scharf sein muß, wenn es stilecht werden soll.