Montag, 13. Juli 2026

Mein (Un-)Glaubensbekenntnis

Mein Gewicht zu Beginn des nächsten langen Fastenintervalls: 81,6 Kilogramm. Eine herbe Enttäuschung. Dazu kommt aber auch noch, daß ich in der Woche nach dem Ende des langen Fastenintervalls gar nicht fasten werde, weil ich meine Mutter besuche. Eigentlich war dieser Besuch von Sonntag bis Sonntag geplant, aber ich werde meine Abfahrt auf den Freitag vorverlegen müssen, meinen ersten Eßtag also, und das mache ich eher ungern. Das lange Fastenintervall verkürzen möchte ich andererseits aber auch nicht. Was ich tun werde, weiß ich noch nicht so genau, die Notwendigkeit der Vorverlegung kam vorgestern ziemlich überraschend. 

Also, es läuft gerade nicht so, wie es eigentlich laufen sollte, und ich kann im Moment nichts dagegen tun. Also finde ich mich damit ab. Vorerst jedenfalls. 

Die positive Nachricht lautet, daß meine Verdauung nach wie vor auf "Vor-Chemo-Stand" geblieben ist. Daß ein Dulcolax-Zäpfchen im richtigen Moment so viel bewirken kann, hätte ich mir ja nicht träumen lassen.  

***

Ich weiß ja, es ist eigentlich irreführend, wenn ich über etwas meckere, das "die TAZ" geschrieben hat. Die TAZ hat ja - ebenso wie andere Medien - keine Einheitsmeinung. Trotzdem steht die TAZ natürlich für eine bestimmte weltanschauliche Ausrichtung. Sie ist "links", also für einen Interessenausgleich, der in der Gesellschaft Benachteiligten zugutekommen, ob nun finanziell, sozial, gesundheitlich oder kulturell benachteiligt, und der soll normalerweise dann von den in der Gesellschaft Bevorteilten erbracht werden. Und "grün", also mit Fokus auf Umwelt und Klima. Alle ihre Ziele möchte sie aktiv promoten, das heißt, mittels Aufklärung dafür sorgen, daß jeder halbwegs vernünftige sowie halbwegs anständige Mensch durch das Mittel der Einsicht dazu gelangt, die Richtigkeit dieses Ziels einzusehen und die dafür angewandten Mittel zu akzeptieren. Und an den Zielen einer gerechten Gesellschaft und einer intakten Umwelt kann eigentlich ja niemand etwas auszusetzen haben. Das gilt allerdings nicht für die Mittel, von denen angenommen wird, mit ihnen erreiche man sie am besten. 

Eines dieser Mittel ist die nervtötende Gewohnheit, die zugehörigen Botschaften so häufig wie möglich zu wiederholen. Ich bin mir nie ganz sicher gewesen, was der Hauptgedanke dabei ist. Wird angenommen, daß man auf diese Weise wirklich die meisten Leute überzeugen kann? Oder geht es doch eher darum, sie so zu zermürben, daß sie bereit sind, alles zu tun, nur damit der Lärm endlich nachläßt? Denn es handelt sich um Lärm, und der Gedanke ist nicht abwegig, daß er ähnlich einen ungünstigen Einfluß auf das Wohlbefinden hat, als wäre man im Alltag permanent einer lauten Geräuschkulisse ausgesetzt.  

Ein Beispiel aus persönlicher Erfahrung, wie ich auf dieses spezielle Mittel reagiere. Das war während der neunziger Jahre und betraf das Thema Zahngesundheit bei Kindern. Das erste Mal hörte ich den üblichen belehrenden Vortrag, was man tun und was unterlassen sollte, um sein Kind vor Zahnschäden zu bewahren, wenn ich das noch richtig im Kopf habe, als mein Kind zwei Jahre alt war. Vermutlich im Tagheim. Ich fand es bei diesem ersten Mal auch wichtig zu wissen und habe genau zugehört. Aber das galt nur für dieses erste Mal, und es gab zwischen ihm und dem Schulabschluß des zugehörigen Kinds jährlich mehrmals Wiederholungen unterschiedlicher Vortragenden, immer in der "Version für Anfänger", und mit jedem weiteren Mal wurde ich immer gereizter. Alles, was mir beim ersten Mal eingeleuchtet hatte, das hatte ich ja bereits umgesetzt. Was ich nicht umsetzte, das setzte ich deshalb nicht um, weil es mir nicht einleuchtete oder nicht praktikabel schien. Über diesen Teil hätte ich tatsächlich gerne ein "Gespräch für Fortgeschrittene" geführt. Aber das hat nie so funktioniert, wie ich das wollte, denn es bringt die Vortragenden aus dem Konzept, von der Anfängerversion abweichen zu müssen, und etwas anderes als nichtssagendes Blabla bekam ich nie zu hören, wenn ich meine Einwände gegen dieses oder jenes Detail vorzubringen versuchte. Also hörte ich damit nach einigen vergeblichen Anläufen wieder auf und bemühte mich, die Anfängervorträge widerspruchslos auszusitzen, damit sie schneller vorbei waren. 

Es ist mir nicht entgangen, daß die meisten anderen Eltern weniger negativ als ich reagiert haben, wobei: In die Köpfe schauen konnte ich ihnen natürlich nicht. Zu meinem Ärger - weil ich diese Vorträge ja nur rasch hinter mich bringen wollte - fanden sich fast immer ein paar Klassenstreber, die meinten, mit einigen zustimmenden Bemerkungen positiv auffallen zu müssen. Ich erinnere mich noch, da war mal eine Mutti, die sich als Ernährungsberaterin outete und überhaupt nicht mehr aufhören wollte, über das, was sie dazu beizutragen hatte, zu schwadronieren. Ihr gingen die Empfehlungen nicht weit genug. Die Zielgruppe, die die "Version für Anfänger" noch nie gehört hatte, wären vermutlich diejenigen gewesen, die bei solchen Anlässen durch Abwesenheit glänzten. Sie wurden also, ebenso wie diejenigen, die die Sache nicht verstanden, gar nicht erreicht Mich hat es immer erstaunt, daß außer mir niemand das Beleidigende in diesen Wiederholungen zu empfinden schien. Denn das drückte ja aus, daß man uns für zu vernagelt hielt, um eine Sache spätestens nach der dritten Wiederholung verstanden zu haben, und/oder für zu träge, um ohne ständiges Schubsen dabei zu bleiben, es umzusetzen.

Aber vielleicht irre ich mich ja, und diejenigen, die ähnlich genervt waren wie ich, hatten auch nur keine Lust, sich in einer Sache zu exponieren, gegen die niemand irgendwelche Einwände zu haben schien. 

Wie auch immer, ich empfinde das Beleidigende daran auch heute, wenn ich einer solchen Dauerbeschallung ausgesetzt bin. Dies macht es mir auch nicht einfacher, generell oder ggf. auch in Teilbereichen so zu handeln, wie es von mir verlangt wird, falls ich mal zufälligerweise unabhängig von den Predigten sowieso eigentlich so handeln wollte. Es ist nämlich gar nicht so einfach, in so einem Fall über den Schatten des eigenen Ärgers zu springen. Ich fühle mich immer unheimlich erwachsen, wenn es mir gelingt, aber jedes Mal ist mein erster Impuls eigentlich der, das Gegenteil des Verlangten zu tun. Ich kann es deshalb gut verstehen, daß eine Menge Leute in solchen Situtationen aus einer bockigen Gesamt-Verweigerungshaltung nicht herausfinden. 

Die selten hinterfragte und ebenso selten direkt ausgesprochene Grundannahme, daß man mit so häufigen und so dringlichen Botschaften wie möglich Zweifler am ehesten überzeugen kann, hat gleich mehrere Haken, insbesondere, wenn die Sache schon so lange läuft wie im Fall des Klimawandels. Einer davon besteht darin, daß die Leute, die man am dringendsten überzeugen möchte, sich längst nicht mehr im Prozeß der Meinungsbildung befinden, sondern ihn abgeschlossen haben. Der zweite, daß man sich bei der Überzeugungsarbeit unweigerlich auf Autoritäten berufen muß, die von manchen dieser Leute für Lügner gehalten werden. Wer sich auf sie beruft, überzeugt sie nur davon, daß man selbst ebenfalls ein Lügner ist. Der dritte Haken besteht darin, daß die vermeintliche Wahrheit vielleicht ja doch falsch ist - und diese Gefahr sollte niemals unterschätzt werden, denn ich kenne mindestens zwei allgemein geglaubte vermeintliche Wahrheiten aus dem Gesundheitsbereich, die eigentlich schon lange fällig gewesen wären, als Irrtümer erkannt zu werden. Der vierte Haken besteht darin, daß auch Wahrheiten, denen dies nicht droht, in der Regel mit einem mehr oder weniger starken Spin verbreitet werden. Es wird also nicht "die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit" verbreitet, sondern es wird gewichtet und gewertet, übertrieben und heruntergespielt und manchmal auch etwas weggelassen, das man eigentlich nicht weglassen dürfte. Der fünfte Haken besteht darin, daß auch ein richtiges Ziel mit falschen Mitteln verfolgt werden kann, die entweder nicht wirksam sein werden oder zu Kollateralschäden jenseits des in den Augen von Kritikern Akzeptablen führen. 

Kurz und gut, bei denen, die aus einem der aufgezählten Gründe - oder mehreren von ihnen - die Botschaft nicht akzeptieren wollen, bewirkt das Konzept "Mehr Aufklärung" höchst selten ein Umdenken, führt dafür aber häufig zu immer mehr Verärgerung. 

Die Annahme, man müsse Zweifler an der selbst geglaubten guten Sache nur lange und intensiv genug "aufklären", und dann würden sie begreifen und selbst auch glauben, ist ein Irrtum, auf den man in allen Medien stoßen kann, aber nirgends so häufig wie in der TAZ, ironischerweise gerade deshalb, weil die TAZ weniger als andere Medien von Zynismus angekränkelt ist.  Und so denke ich halt doch "Na klar, die TAZ", wenn ich dies hier lese. 

Kostprobe: 

Für die nächsten Tage sind die Temperaturprognosen wieder ins Aushaltbare abgesunken. Das löst bei uns, die sich nicht nur mit beispiellosen Hitzewellen, sondern ganzjährig mit dem Klima beschäftigen, paradoxerweise Stress aus. Denn jetzt sehen wir, wie sich das Zeitfenster schließt, in dem endlich gesamtgesellschaftlich über Klimawandel und -folgen gesprochen wird. 

Ich habe spontan erst einmal aufgestöhnt. Reicht nicht das nichtendenwollende Gezeter während jeder Hitzephase der letzten mehr als zwanzig Jahre sowie nach jeder Meldung, die von den Medien in Aufregernachrichten verwandelt werden kann, wie jetzt die Daten zur Übersterblichkeit während der KW 26? Diejenigen, die über den Klimawandel und dessen Folgen sprechen möchten, tun das ja die ganze Zeit, aber in Hitzewellen und bei anderen Meldungen zum Thema mit Sensationspotential werden sie immer hyperaktiv, zumal dann auch die Medien, auch die von Zynismus angekränkelten, auf den Zug aufspringen Man bekommt das Gefühl, im Chor angegrölt zu werden, und das nervt mich praktisch immer, aber am meisten, wenn es sich um Botschaften handelt, zu denen ich von vornherein nie etwas anders als "Nein" sagen wollte. 

Die Hyperaktiven lauern übrigens auch während einer Kältewelle ständig auf Äußerungen aus dem "Feindlager", die einen Vorwand bieten, um die Pointe anzubringen, jener Feind sei sogar zu doof, um Wetter und Klima unterscheiden zu können. Während einer Hitzewelle ist dann aber natürlich alles Klima und gar nichts Wetter, und wehe dem, der auch nur andeutet, es könne nicht so sein ...

Eine Anmerkung aber noch zu dieser Übersterblichkeit. Es ist dabei dauernd von der KW 26 die Rede, einer ganzen Woche also. Aber näher betrachtet, fand das eigentlich Alarmierende erst auf dem Höhepunkt der Hitzewelle, dem Samstag, 27. Juni, und Sonntag, 28, Juni statt. Jeweils mehr als 4000 Todesfälle an einem einzigen Tag, das hat es noch in keinem Sommer, jedenfalls nicht seit dem Jahr 2000 gegeben, und diesmal geschah es an zwei Tagen hintereinander, daß fast doppelt so viele Menschen starben wie bei einem Tag mit normalen Temperaturen. Mittlerweile ist das auch der TAZ aufgefallen, also: Ehre, wem Ehre gebührt. Gereon Asmuth fiel mir schon öfter dadurch auf, daß er genauso wie ich gerne Daten, die publik gemacht werden, selbst noch einmal anschaut. Trotzdem ärgert es mich jetzt, daß ich diesen Blogartikel nicht schon gestern abgeschickt habe, denn herausgefunden habe ich die Sache schon am Samstag, und ich wäre gerne mal wieder Erste gewesen. ;-) 

Daß Asmuth sich so sehr auf den Sonntag mit der Rekordzahl an Todesfällen fokussiert, obwohl schon der Samstag ungewöhnlich war, finde ich freilich wieder ein bißchen zu sensationshascherisch, ebenso auch, daß er erklärtermaßen keine Ursachen außer der Rekordhitze erkennen konnte. Es starben an beiden Tagen aber jeweils um die 1000 Menschen mehr, als es bei früheren Hitzewellen maximal in den Statistiken verzeichnet ist. Die Todesfallzahlen der Restwoche von KW 26 waren hingegen in etwa dem vergleichbar, was bei früheren Hitzewellen ebenfalls verzeichnet wurde. Und mindestens die vom August 2003 war von den Temperaturen und der langen Dauer her durchaus mit der vom Juni 2026 vergleichbar. Die damaligen Maximaltemperaturen an den heißesten Tagen im August 2003 lagen in meiner Stadt kaum niedriger als am 27. und 28. Juni 2026, und anderswo wird es nicht viel besser gewesen sein. Trotzdem blieben die Todesfallzahlen der einzelnen Hitzetage aber weit unter denen, die am 27./28.6.26 verzeichnet wurden. 

Daß hochsommerliche Temperaturen einen Anstieg bei den Todesfällen bewirken, ist grundsätzlich keine Überraschung. Dasselbe passiert auch bei Kälteeinbrüchen im Winter und ebenso bei starken Temperaturschwankungen in anderen Jahreszeiten, das kann man den Daten ebenfalls entnehmen, wenn man solche Dinge nur wissen will (Klimaschützer interessieren sich allerdings nur für die Todesfälle, die mit Hitze zu tun haben - das gehört zu dieser Sache mit der "ganzen Wahrheit", siehe oben), und ich halte es auch für unmöglich, das ganz zu vermeiden. Es zu verringern, ist dagegen erstens möglich und zweitens auch wünschenswert. 

Aber zurück zum Jahr 2003, denn weil ich die Hitzewellen jenes Jahres noch so gut in Erinnerung habe, haben mich auch die Daten zur Übersterblichkeit interessiert, und zwar diejenigen des Gesamtjahrs. Denn das Jahr 2003 hatte ja nicht nur die Hitzewelle im August, der komplette Juni und Juli waren auch heiß, und im Juni gab es auch schon eine Phase, in der es SEHR heiß war. Aber sogar in den zweiten Septemberhälfte, nominell bereits Herbst, gab es noch Tage mit Temperaturen über 30 Grad. 

Und tatsächlich: Übers Jahr gepeilt, lag die Gesamtzahl der Todesfälle 2003 höher im Vergleich zu den Vorjahren, und in Zusammenhang damit dürfte es auch stehen, daß im Jahr darauf, 2004, bei den Todesfällen ein ungefähr ebenso großer Ausreißer nach unten stattgefunden hat. 2003 gab es also insgesamt eine kleine fünfstellige Zahl mehr Todesfälle, als auf Basis der Vorjahreswerte zu erwarten gewesen wäre. Im Jahr darauf war es genau umgekehrt. Das läßt darauf schließen, daß die vorzeitig Verstorbenen im Durchschnitt nicht lediglich einige Lebenstage oder -wochen, sondern etliche Monate an Lebenszeit verloren hatten. Es irritiert mich, daß so viel Zahlenabrakadabra von der Wissenschaft™ getrieben wird, aber dieses Detail meiner Erinnerung nach nie erwähnt wurde. Vielleicht ist es Insidern ja bekannt, aber so richtig an die große Glocke gehängt wurde es gegenüber der Öffentlichkeit nicht. Bis ich für das Jahr 2026 einen solchen Vergleich mit 2027 führen kann, wird es allerdings noch bis 2028 dauern. 

Unabhängig davon fände ich es aber auch wichtig, herauszufinden, was genau den enormen Ausreißer nach oben bei den Todesfallzahlen an jenem Wochenende Ende Juni 2026 ausgelöst hat. Wurde also mit diesen geringfügig höheren Temperaturen dieses Jahr im Vergleich zum August 2003 tatsächlich eine Grenze des physiologisch Erträglichen überschritten, oder war die Ursache vielleicht doch, daß es ein Wochenende war, unter Umständen ja verbunden mit dünneren Personaldecken in Kliniken und Pflegeeinrichtungen (dünner als 2003?) und damit tendenziell Zeitverzögerungen beim Erkennen und Behandeln von hitzebedingten Problemen? Oder hat es etwas mit der zunehmenden Vereinsamung älterer Menschen ohne Partner oder nahe Angehörige zu tun, daß also mehr Menschen als vor 23 Jahren alleine in ihrer Wohnung kollabierten? Ich befürchte, die aktuelle Berichterstattung führt eher nicht dazu, daß etwas anderes als der reine Hitzeschutz diskutiert wird - der natürlich wichtig und sinnvoll ist -, obwohl die Todesfallzahlen pro einzelnen Tag des letzten Juniwochenendes so ungewöhnlich waren, daß ich daran zweifle, daß dafür alleine die hohen Temperaturen verantwortlich gemacht werden können. Ich glaube, da war noch irgendwas anderes mit im Spiel, und ich würde gerne wissen, was es gewesen ist. Aber ich bin mir ziemlich sicher, daß sich außer mir kein Mensch dafür interessiert. Warum? Weil diese Übersterblichkeit ins politische Konzept derjenigen paßt, die den Kampf gegen den Klimawandel für das vordringliche Thema der Zeit halten. Man könnte sagen, sie instrumentalisieren dies und überhaupt alles, das als Argument für ihre Sache tauglich scheint und um das man medialen Lärm machen kann. 

Nur daß das mit dem Lärm so, wie sie glauben, halt doch nicht funktioniert.  

Wir leiden seit ich weiß nicht genau wann doch sowieso längst an einer Katastrophenalarm-Übersättigung. Kein psychisch gesunder Mensch ist imstande, sich über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg permanant in dem Alarmzustand zu halten, in dem uns alle möglichen Interessengruppen - darunter auch die Klimaforscher - gerne dauerhaft haben möchten. Normal ist, daß man im Laufe der Zeit gegen Alarm abstumpft. Wenn wir uns aber beeinflussen lassen, dann selektiv in den Bereichen, die uns persönlich etwas anzugehen scheinen. 

So gesehen, ist es natürlich logisch, alles publik zu machen, das dazu führen könnte, daß möglichst viele die Überzeugung erlangen, der Klimawandel ginge sie persönlich eine Menge an. Aber, der Klimawandel ist in dieser Hinsicht für die meisten Leute trotzdem zu weit weg von den Sorgen, die sie unmittelbar berühren, etwa die Massenentlassungen und Betriebsschließungen bei Volkswagen, Daimler, Porsche und Bosch - vor allem in Verbindung mit den Änderungen bei der Grundsicherung, von denen sich diejenigen, die jetzt die Kündigung bekommen haben oder befürchten, sie demnächst zu kriegen, ja durchaus persönlich bedroht fühlen können. Der Klimawandel hat derzeit als Angst-Thema überhaupt keine Chance, gegen die Angst vor den Maßnahmen der Bundesregierung anstinken zu können, von denen sich ja eine Menge Leute - und viele von ihnen mit gutem Grund - persönlich und akut bedroht fühlen. Soviel nüchternen Realismus sollten auch Klimaschützer aufbringen, daß sie begreifen, daß sie im Moment nur diejenigen beeindrucken können, die sowieso schon das Klima zu ihrem persönlichen Anliegen gemacht haben. Die Frage ist freilich, ob das nicht eher eine negative Wirkung haben wird, viele von den Beeindruckten stehen meinem Eindruck nach, etwa auf Bluesky, längst am Rande der Hysterie. 

Was mich außerdem so irritiert, ist, daß das Einfordern von Glaubensbekenntnissen in dieser Klimasache immer so viel wichtiger genommen wird, als konkrete Handlungen auszulösen. Das gilt gerade beim Heizen. Mir ist schon klar, warum so viele Hausbesitzer sich gegen Wärmepumpen wehren: Weil vor der Wärmepumpe erst einmal eine energetische Grundsanierung zu stemmen ist, und damit reden wir von Kosten im sechsstelligen Bereich. Das findet nicht jeder einfach in seiner Portokasse. Hausbesitzer sind aber überdurchschnittlich häufig bereits im Rentenalter, und dann bekommt man von seiner Bank auch dann nicht mehr ohne weiteres ein Darlehen in benötigter Höhe, wenn man es eigentlich gerne haben wollte, um das Häuschen energetisch zu sanieren. Aber einzusehen ist es natürlich auch, wenn jemand überhaupt keine Lust hat, sich für eine Sache für den Rest seines Lebens in Schulden zu stürzen und dabei zu wissen, daß sich dies zu eigenen Lebzeiten sowieso nicht mehr amortisieren kann. Jüngere Hausbesitzer befinden sich wiederum meist noch in der Abzahlungsphase und können über diese Kosten hinaus finanziell selten noch große Sprünge machen. 

Und bitteschön, die Förderung ist bei dermaßen hohen Kosten gar kein Argument, denn die Förderung erhält man ja erst im nachhinein, wenn die Kosten bereits bezahlt sind, und deshalb muß man das nötige Geld dafür erst einmal haben, bevor man die Sache in Auftrag gibt. Banken sind aber mittlerweile so risikoavers, daß das Risiko, daß die Förderung vielleicht verweigert werden könnte, bei ihnen bestimmt auch gesehen und in die Risikokalkulation mit einbezogen wird. Außerdem kommen solche Verweigerungen tatsächlich vor

Hier hat meiner Meinung nach die Klimakommunikation ganz einfach versagt. Es war inhaltlich falsch, immer die Maximallösung als die einzig sinnvolle und moralisch vertretbare Handlung eines Hausbesitzers durchsetzen zu wollen, und es war die falsche Methode, uns mit diesbezüglicher Propaganda so lange zuzuschütten, bis auch eigentlich Gutwillige nur noch schreiend davonlaufen wollen, weil sie eigentlich ja gerne täten, was man von ihnen verlangt, aber einfach nicht wissen, wo sie das Geld dafür hernehmen sollen. Hinzu kommt: Je teurer die Maßnahme, desto höher der mögliche Schaden. Solche Sanierungen bergen ja auch ihre Risiken. Schäden durch Fehlplanung oder Pfuscharbeit waren bei den Idealisten, die sich für energetische Komplettsanierung ihres Altbaus entscheiden hatten, noch nie auszuschließen. Energieberatung neigt außerdem dazu, einem Konzepte zu empfehlen, die für den eigenen Bedarf eher überdosiert sind. Das alles wirkt abschreckend, vor allem dann, wenn man selbst jemanden kennt, der sich mit einer energetischen Vollsanierung in enorme Unkosten gestürzt und dabei tief ins Klo gegriffen hat. 

6500 Euro brutto für eine Wärmepumpe fürs gesamte Haus - so lautet das Angebot unseres Klimatechnikers für den Einbau von zwei Single-Split-Klimaanlagen, mit denen wir ab dem nächsten Winter im Idealfall für das Heizen gar kein Gas mehr benötigen und in jedem anderen Fall mindestens unseren Gasverbrauch drastisch reduzieren werden. Die Gasheizung wird für uns künftig schlimmstenfalls noch eine Zusatzheizung für besonders kalte Tage sein. Je stärker das unseren Gasverbrauch senkt, umso interessanter wird es für uns aber auch werden, auch für das Warmwasser eine andere Lösung zu finden, etwa einen strombetriebenen Durchlauferhitzer. Das einzige, wo ich gar nicht auf Gas verzichten will, ist das Kochfeld. Mit Gas kochen will ich weiterhin, und wenn ich dafür irgendwann doch noch selbst eine Biogasanlage erfinden muß, mit der ich meine eigenen Fäkalien dafür nutzbar machen kann. 

Für uns ist es auch nicht nötig, dafür das komplette Haus in Styropor einzupacken oder die meisten Heizkörper auszutauschen bzw. durch eine Fußbodenheizung zu ersetzen. Allenfalls noch ratsam, sofern ohne viel Aufwand umsetzbar, um neben dem Gasverbrauch auch den Stromverbrauch für die neue Heizung teilweise abzudecken, ist die Anschaffung eines Balkonkraftwerks, und das erhöht die Kosten nicht sonderlich. Alles, was man sonst noch tun könnte, um den Energieverbrauch noch weiter zu reduzieren - Dach dämmen und mit Photovoltaik ausstatten, Fenster austauschen, Kellerdecke dämmen - kann man auch auf einen Zeitpunkt verschieben, wenn eine Maßnahme, mit der man es kostengünstiger kombinieren kann, aus anderen Gründen sowieso erforderlich wird. 

 

Eine aktuelle Umfrage unter Vermietern zeigte, daß der Anteil der energetisch komplettsanierten Altbau-Gebäude nach wie vor sehr überschaubar ist, aber Teilsanierungen etwa so häufig sind wie der Verzicht auf Sanierungen. Das gilt aber nur für komplette Gebäude. Daß die Sanierungsrate bei Eigentumswohnungen so viel niedriger ist, liegt daran, daß Sanierungen für WEGs erstens aus sich selbst heraus vor höheren Hürden stehen und zweitens der Gesetzgeber es außerdem unnötig kompliziert für sie macht. Würde das kostengünstige Split-Klimaanlagen-Modell promotet, sähen die Zahlen zu den unsanierten Gebäuden bestimmt längst ganz anders aus, und das würde bei Eigentumswohnungen besonders stark zu Buche schlagen. Als Maßnahme im Sondereigentum muß ihr Einbau zwar von der WEG genehmigt werden, aber ansonsten ist es die Entscheidung von dessen Eigentümer. Da es weniger kostet, als eine neue Gastherme einzubauen, ist es außerdem für Eigentümer eine attraktive Lösung. Und ganz nebenbei wäre auch das Problem mit dem Hitzeschutz in den zugehörigen Wohnungen mitgelöst. 

Aber die Meinungs-Multiplikatoren haben ja nicht einmal eine Ahnung, daß es das überhaupt gibt. Also werden gerade die eigentlich Gutwilligen von einer Anschaffung der kostengünstigsten und simpelsten Wärmepumpen-Lösung sogar noch mit ökobewegter Begründung abgeschreckt. Da bekommt man  den Eindruck, es gehe überhaupt nicht um den Klimawandel, sondern maßgeblich seien alleine die richtigen Glaubensbekenntnisse als eine Art Unterwerfungsgeste. Daran ist rein gar nichts wissenschaftlich begründbar, und einen praktischen Nutzen hat es auch nicht. 

Fast auf der Stelle stieß ich in der TAZ nämlich auch noch auf ein Beispiel für den oben erwähnten Fall, daß "die vermeintliche Wahrheit sich vielleicht ja doch als falsch herausstellen könnte": Der Kommentator Nick Reimer offenbarte in einem anderen Meinungsartikel eine geradezu erschütternde Ahnungslosigkeit über Split-Klimaanlagen. Er schreibt über sie, als könnten sie nichts anderes, als im Sommer zu kühlen, und findet, sie seien deshalb ein ökologisches No-Go. Schließlich verbrauchen sie ja Strom, den man irgendwo herkriegen muß. Herr Reimer kann sich nichts anderes vorstellen, als daß das dann diese Gaskraftwerke sein werden, die Frau Reiche unbedingt haben möchte. Er empfiehlt statt dessen, Wärmepumpen in den neuesten Versionen zu kaufen, denn, oh staunenswerte Errungenschaft, die könnten auch kühlen. Diese Zusatzfunktion bei herkömmlichen Luft-Wasser-Wärmepumpen nachzurüsten oder eines der Hightech-Geräte, die das von vornherein bieten, zu kaufen, erzeugt Mehrkosten, die kaum niedriger sind als die Kosten aus dem Angebot meines Klimatechnikers. Zusätzlich zum ohnehin hohen Anschaffungspreis für Wärmepumpen, die auch ein Herr Reimer als Wärempumpe erkennen kann, wohlgemerkt. Wer noch keine dieser Wärmepumpen hat, für den spricht aus Kostensicht alles dafür, stattdessen eine Luft-Luft-Wärmepumpe, nämlich eine Split-Klimaanlage einzubauen. Und die Effizienz dieser Lösung spricht auch nicht dagegen. 

Reimer hat natürlich ein Recht auf eine eigene Meinung, aber bei den dieser Meinung zugrundeliegenden Fakten liegt er in praktisch jedem Punkt falsch, und so hätte er besser darauf verzichtet, sie zu artikulieren. Tatsächlich ist sogar der Strombedarf der Klimaanlagen im Sommer in Wirklichkeit eine nützliche Sache und kein Schaden. Heult uns die Energiewirtschaft denn nicht neuerdings dauernd die Ohren voll, weil wir im Sommer viel zu viel selbsterzeugten Solarstrom ins Netz einspeisen und es dadurch überlasten? Das geschieht aber gerade zu den Zeiten, wenn Klimaanlagen auf Hochtouren laufen. Mit ihnen kann jeder Kleinerzeuger von Strom einen Teil dieses ungeliebten Stroms innerhalb seines eigenen Stromkreises sofort wieder verbrauchen, ohne damit das Betreibernetz belästigen zu müssen. Haushalte, die selbst keinen Strom erzeugen, haben gute Verwendung für diese Überschüsse im Stromnetz bei heißem Sommerwetter, falls sie Klimaanlagen laufen lassen. Daß solche Haushalte mitten im Hochsommer ausgerechnet Strom aus Gaskraftwerken benötigen würden, ist eine mehr als abenteuerliche Behauptung. 

Das alles weiß Nick Reimer nicht bzw. hat sich darüber keine Gedanken gemacht, deswegen findet er Klimaanlagen auch total "uncool". Die Dinge, die er weiß oder zu wissen glaubt, sind wiederum zusätzlich mit dem oben ebenfalls erwähnten Spin versehen, der die Uncoolness untermauern soll. 

Er selbst hatte mit Klimaanlagen nämlich offenbar das eine oder andere traumatisierende Erlebnis am Arbeitsplatz, deshalb kann er sich auch nicht vorstellen, daß sie keineswegs bedeuten müssen, ständig in der Zugluft zu sitzen, wie das dann passiert, wenn es am Arbeitsplatz niemanden interessiert, ob man Zugluft abkann oder nicht. Die Kosten des Einbaus, siehe das Angebot meines Klimatechnikers, übertreibt er maßlos und bildet sich wahrhaftig auch noch ein, für dieses Geld bekäme man nichts weiter als eine Kühlfunktion geboten. In Wirklichkeit erhält man eine vollwertige Wärmepumpe, verbraucht im Winter viel weniger Gas oder Öl und im optimalen Fall sogar überhaupt keines mehr. Bei einem SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) von 4,5 bis 6 spielt es auch gar keine Rolle, wieviel von dem Strom, der verbraucht wird, im Winter nur nicht aus regenerativen Energien erzeugt werden konnte, denn das im Gegenzug eingesparte Gas oder Öl hätte bei gleichem Heizverhalten in jedem Fall einen höheren Verbrauch an fossiler Energie bedeutet. Wieviel von dem Tagesverbrauch beim Heizen mit Split-Klimaanlage im Winter durch ein Balkonkraftwerk mit Speicher abgedeckt wird, kann ich erst nach dem nächsten Winter sagen, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß jedenfalls in den Übergangsmonaten der eigene Strom locker ausreichen wird, um das Heizen komplett abzudecken. 

Ahnungslos ist Nick Reimer außerdem auch über die enorm weite Verbreitung von Klimaanlagen in anderen europäischen Ländern, insbesondere Norwegen. Das mag damit zu tun haben, daß sie in Statistiken für gewöhnlich unter der Bezeichnung "Wärmepumpen" laufen, weil Split-Klimaanlagen dies in Wirklichkeit ja auch sind. Das könnte man wissen, wenn man sich vor dem Texten eines solchen Textes ein bißchen informiert

Man verzeihe mir, wenn ich jetzt mal provokativ weiterfrage: Wenn jemand von einer Sache, die ich beurteilen kann, so wenig Ahnung hat wie Nick Reimer, aber mit so viel Selbstbewußtsein so viel tief überzeugte Meinung zu Papier bringt: Warum sollte ich ihm denn in einer Frage, die ich selbst nicht beurteilen kann, mehr Sachverstand zutrauen, als er hier bewiesen hat? Beispielsweise in der Frage, ob es den Klimawandel wirklich gibt und welche Maßnahmen dazu führen würden, ihn zu verhindern oder wenigstens zu dämpfen?

Ich sehe keinen Grund, warum ich Klimawissenschaftlern mehr vertrauen sollte als Ernährungswissenschaftlern, und letzteren zu trauen fehlt mir jeder Grund - mein kompletter Blog legt für die Gründe Zeugnis ab. Kein Grund aber, nun in Schnappatmung zu verfallen. Darauf, wie vertrauenswürdig Klimaprognosen sind, kommt es glücklicherweise nämlich sowieso nicht an. Nichts ist daran falsch, die bloße Möglichkeit, das sie stimmen könnten, zur Grundlage von Anpassungsstrategien zu machen, wenn sie sich nebenbei noch als ein so vorteilhaftes Geschäft wie die Anschaffung einer Split-Klimaanlage herausstellen. Daß fossile Energieträger eine endliche Ressource sind, kommt ja noch hinzu, eine Sache, über die merkwürdigerweise kein Mensch mehr spricht und die auch dann für erneuerbare Energien spräche, falls der Klimawandel von A bis Z erfunden wäre. Die Überschneidung zwischen den Zielen der Klimabewegten und dem, was ich rein aus schnödem Eigennutz tun werde, damit wird man sich in meinem Fall zufriedengeben müssen. Die Wirkung entsteht nämlich auch ganz ohne Glaubensbekenntnisse. Und von mir wird sowieso niemand ein Glaubensbekenntnis zum Klimawandel bekommen. 

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Daß der vermaledeite Paragraph 71n seit Freitag Geschichte ist, weil in einem Überraschungsangriff die geänderte Fassung des Gebäudemodernisierungsgesetzes doch noch vor der Sommerpause auf die Tagesordnung kam (wo diese Abstimmung bis zum Donnerstag noch nicht mit angegeben war) und am Freitag durch den Bundestag und den Bundesrat gepeitscht wurde, war am Freitag für mich die überraschende gute Nachricht des Tages. Das Damoklesschwert ist weg, ich kann also in die Heizung meiner Eigentumswohnungen investieren und dort, sofern die Performance unserer Split-Anlage mich überzeugt, nächstes Jahr ebenfalls welche einbauen lassen. Auf Basis des Angebots, das wir für die Anlage für unser Haus bekommen haben, schätze ich, die Kosten werden etwas weniger als das Doppelte dieser Kosten ausmachen, wenn ich als Grobeinschätzung mit zwei Single- und einer Multisplit mit drei angeschlossenen Geräten kalkuliere. Förderung spielt in diesem Fall noch weniger als im eigenen Haus eine Rolle, da diese Kosten ja komplett als Sanierungskosten absetzbar sind. Wahrscheinlich verzichte ich ganz darauf, dafür Förderung zu beantragen, damit die Sache nicht unnötig kompliziert wird. Von unseren beiden Anlagen bei uns im Haus wird übrigens eine förderfähig sein und die andere nicht. Die Förderregeln sind nämlich nicht in jeder Hinsicht so richtig logisch. Eine der beiden Single-Split-Anlagen hätte mit einem förderfähigen Modell längst nicht so gut funktioniert wie mit dem nicht förderfähigen, und so ist es ein Glück, daß die Kosten eine Förderung nicht zu zwingenden Voraussetzung machen, damit man nicht an den Bettelstab kommt. 

Meine Mieter werden sich bestimmt freuen, vor allem die im Dachgeschoß, die von der Kühlfunktion im Sommer besonders profitieren werden. 

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Mein Mann hat für die Terrasse aus einer alten Pflanzschale, diversen Steinen aus unserem "steinigen Äckerle" und einer kleinen Pumpe (Kaufpreis acht Euro) einen kleinen Springbrunnen gebastelt. Eigentlich war ich ja nie ein Freund solches Dekorations-Chichis im Garten. Womöglich ändert sich das ja gerade, siehe den "Gänseberg" im Bildhintergrund. Ich muß außerdem zugeben, ich mag das Geplätscher sehr und finde den Brunnen auch dekorativ. Und mir gefällt daran, daß fast alles, was dafür gebraucht wurde, sowieso vorhanden gewesen war und bislang nur sinnlos herumlag. 

 


Die Vögel trauen sich da natürlich nicht ran, jedenfalls nicht, wenn wir uns auf der Terrasse aufhalten, aber die Wespen haben ihn sofort genutzt, um sich mit Wasser für die Kühlung ihrer Nester bei der Hitze zu versehen. Ich fand es ganz interessant, wie unterschiedlich sie mit den Gegebenheiten umgehen. Die Feldwespen holen sich das Wasser kopfunter vom Rand der Pflanzschale, sie vermeiden die Steine und finden sie ja vielleicht zu glitschig. Dann haben wir noch schwarze Grabwespen, die haben eine besonders ausgeprägte Untergliederung. Sie finden die Steine bequemer, fremdeln aber trotzdem noch ein bißchen mit dem Konzept und holen sich lieber feuchte Erde, wenn sie vorhanden ist. Und dann gibt es noch die normalen Wespen, die viel weniger wasserscheu sind, was auch einleuchtet, da sie sich ja auch unter Lebensgefahr in Bier- und Limogläser stürzen. Eine einzelne Wespe tauften wir "Grautvornix", denn die stürzt sich immer auf einen besonders glitschigen, weil ständig von Wasser überspülten Stein, um sich dort zu versorgen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß das immer dieselbe war. Alle Wespen haben ja ihre bevorzugte Wasserstelle in ihrem Navi gespeichert und fliegen immer die gleiche Stelle an. 

Unsere Vogeltränken werden vor allem, wenn es auf den Abend zugeht, rege genutzt. Gestern sah ich drei von den Jungamseln auf einmal an der Tränke. Unser Amselpärchen hat offenbar sehr erfolgreich gebrütet, mein Mann behauptet sogar, das wären mindestens vier oder fünf Jungtiere. Seit er beobachtet hat, daß die Amseln so scharf auf Rosinen sind, daß sie sie aus einer ziemlich kippeligen Futterstation holen, streue ich abends immer ein paar in der Nähe der Terrasse aus. Frau Amsel kommt dann immer ziemlich schnell (und verblüffend lautlos), um sie zu holen. Manchmal ist freilich eines von ihren halbstarken Kindern schneller. 

Nachdem wir geraume Zeit um unsere Zucchinipflanzen zittern mußten, haben sie mittlerweile eine eindrucksvolle Größe erreicht und eine davon entwickelt gerade die ersten Früchte. Wenn ich am Freitag zu meiner Mutter fahre, werde ich wohl die erste mitnehmen können. Gurken haben wir schon mehrere geerntet, und auch davon bringe ich ihr eine mit, und wahrscheinlich auch unsere erste Kohlrabi. Die Nachbars-Mirabellen sollten dann auch soweit sein, daß ich ein paar als Kostprobe mitnehmen kann. Eigentlich könnte man jetzt auch die ersten Mangoldblätter ernten, aber ob ich auch davon welche mitnehme, entscheide ich am Freitag ad hoc. Das kommt darauf an, wie stark sie bis dahin wachsen und ob ich das Gefühl habe, man täte ihnen keinen Gefallen, sie zehn weitere Tage lang weiterwachsen zu lassen. Daß mein Mann sie in meiner Abwesenheit nicht ernten und verspeisen wird, bin ich mir nämlich ziemlich sicher. 

Aber auch alles andere, bei dem die Erntezeit noch länger hin ist, wächst gerade gewaltig, Tomaten, Bohnen, Paprika und Spitzkraut, die Feigen natürlich, die Äpfel, und ein paar Quitten werden wir auch dieses Jahr ernten können, freilich sehr viel weniger als im letzten. Aber immerhin, der umgestürzte Baum lebt nicht nur, der hat auch ein paar Früchte produziert, darüber freue ich mich sehr. 

 


 

 

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