Donnerstag, 16. Juli 2026

Diet Doctor ist pleite, die Zuckersteuer unwirksam und die Höhe der Übersterblichkeit ein Rätsel

Mein Gewicht heute früh am Morgen des vierten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 76,1 Kilogramm. Kein Grund, in Jubel auszubrechen, aber doch auch nicht das demoralisierende Ergebnis, das am Montag zu erwarten schien, denn das ist im Rahmen dessen, was ich vor zwei Wochen auch hatte. Morgen werde ich vermutlich beim gleichen Gewicht landen wie vor zwei Wochen, plusminus hundert bis zweihundert Gramm. Am Montag wog ich 1,7 Kilogramm mehr als am Montag vor zwei Wochen, also will ich mich darüber mal nicht beschweren. 

Normalerweise poste ich ja immer im Anschluß an ein langes Fastenintervall, aber morgen fahre ich für zehn Tage zu meiner Mutter, und da will ich mich morgen nicht durch einen Blogbeitrag unnötig unter Zeitdruck setzen. Ich freu mich schon darauf, es mir mit ihr zusammen gemütlich zu machen, und ich werde vorsichtshalber sogar eine Jacke mitnehmen, denn die vorhergesagten Temperaturen sind für Juli vergleichsweise frisch, vor allem morgens. Einen Schirm werde ich auch brauchen, denn es wird vermutlich mehr Regen- als Sonnentage geben. Aber es ist ja gut, wenn es mal wieder regnet. Ich bin schon gespannt, wie der Garten aussieht, wenn ich wieder heimkomme, vermutlich sind unsere Pflanzen gewachsen wie verrückt, und mein Mann wird der erntereifen Zucchinis nicht mehr Herr. Nach der langen Verzögerung durch den versuchten Totschlag durch die Schnecken haben sich die Zucchinipflanzen gut berappelt und haben es nun offenbar ziemlich eilig, die Produktion von Früchten nachzuholen, mit der sie einen vollen Monat später als letztes Jahr begonnen hatten. 

Ein Gurke von eindrucksvollen Ausmaßen habe ich gestern schon geerntet, die erste im Prinzip "fertige" Zucchini heute. Beides kommt mit zu meiner Mutter, und dazu auch der erste Kohlrabi und ich pflücke morgen früh auch noch die größeren der Mangoldblätter, denn ich bezweifle, daß mein Göttergatte sie ernten und während meiner Abwesenheit selbst verspeisen wird. Ach ja, und bei den Nachbarn pflücke ich einige Mirabellen zum Mitnehmen, sie sind noch ziemlich fest, aber bereits genießbar. Keine Ahnung, ob die Mirabellen-Herrlichkeit schon vorbei ist, wenn ich wiederkomme, das wäre natürlich sehr schade, denn ich hatte ja große Pläne mit denen, weil die Nachbarn sie gar nicht so richtig mögen. Ob es auf dem Weg zum Lidl dann immer noch Brombeeren gibt, weiß ich auch nicht so genau. Eigentlich hatte ich ursprünglich ja vorgehabt, erst am Sonntag zu meiner Mutter zu fahren, und dann hätte ich morgen nochmal eine Ladung gepflückt. die allerersten, die reif waren, erwiesen sich nämlich vor einer Woche als sehr gut. Aber nun fahre ich ja schon morgen, also reicht mir das nicht mehr. 

Letzte Woche entdeckte ich außerdem am Flußufer einen Baum mit Früchten, die ich erst für Mirabellen hielt, und pflückte ein paar davon. Es handelt sich aber um Kirschpflaumen. Sie sollen laut Wikipedia geschmacklich nicht besonders sein, aber wir fanden sie gar nicht schlecht. Aber vermutlich hat sich ein weiterer Überfall auf den Baum in zehn Tagen, wenn ich wiederkommen, auch schon erledigt. So ist das halt, wenn man wegfährt, wenn um einen herum alles mögliche zu reifen beginnt. Den Schnittlauch habe ich noch schnell geerntet, bevor ich abreise, aber weil meine Mutter ebenfalls Schnittlauch im Garten hat, wurde er gehackt und eingefroren. Letzten Sommer habe ich das regelmäßige Abernten überzähligen Schnittlauchs bis in den Herbst hinein verpeilt, aber diesen Winter wird er mir kaum vorzeitig ausgehen, wie mir das im letzten passiert ist. Basilikumblätter aus dem Garten habe ich auch eingefroren. Alles andere sieht mir so aus, als könne es noch bis zu meiner Rückkehr stehenbleiben.  

Sehr gespannt bin ich aber, wie weit mein Mann mit der Küche gekommen sein wird, wenn ich wieder daheim bin. Immerhin hat er jetzt zwei volle Wochenenden und fünf Frühschicht-Nachmittage, an denen er sich vorrangig mit der Küche befassen will. Daß er ganz fertig sein wird, ist nicht zu erwarten, aber vielleicht sieht man ja endlich einmal, wie lange der Rest noch dauern wird. Daß das gesamte Haus seit März eine Baustelle ist, zermürbt mich ohne Ende. Das Wohnzimmer sieht aus wie eine Müllkippe, weil mein Mann überall Halden von Werkzeug und Baumaterial und teilweise auch nicht als solchen sicher identifizierbaren Abfall herumliegen gelassen hat. Das ist überhaupt ärgerlich, daß er immer alles irgendwo fallen läßt und ich nicht einmal weiß, braucht er das noch für irgendwas oder kann das doch weggeschmissen werden. Fragt man ihn, dann fühlt er sich aber belästigt. Also bleibt es meistens liegen, denn auch scheinbar eindeutige Fälle von Müll sind es manchmal nicht, und dann mault er mich natürlich an. 

Also, Baustellen sind nicht gerade beziehungsfördernd. Es wird höchste Zeit, daß wir weniger davon im Haus haben.  

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Dr. Eenfeldts Konzept der Satiety per Calorie, mit dem er vor einigen Jahren in Konkurrenz zur von ihm bis dahin propagierten ketogenen Ernährung gegangen ist, hat ihm leider kein Glück gebracht: Sein zugehöriges Unternehmen ist pleite. Trotz all meiner Kritik an dem Ansatz, der meiner Meinung nach in die falsche Richtung führte: Es tut mir aufrichtig leid um ihn. Er machte auf mich immer einen seriösen und von seinen Konzepten ehrlich überzeugten Eindruck. Um seine Seite Diet Doctor, deren Fortbestand damit fraglich geworden ist oder von dem Investment-Unternehmen, das sie erworben hat, jedenfalls bis zur Unkenntlichkeit verändert werden wird, tut es mir vor allem  leid. Auf ihr bin ich seinerzeit erstmals auf Jason Fung gestoßen. Neun Jahre ist das nun schon her. Und es ist keine Übertreibung: Es hat mein Leben verändert. 

Noch gibt es die Diet-Doctor-Seite aber, also wer sie schon immer mal anschauen wollte, aber ständig Wichtigeres zu tun hatte: Jetzt ist der richtige Moment, das noch schnell nachzuholen. 

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Wie erfolgreich die Zuckersteuer in Großbritannien (gilt seit 2018) gegen Adipositas bei Kindern gewirkt hat, läßt sich hier bestaunen: 

 

Bei Kindern bis sechs Jahre kann man davon ausgehen, daß sie die Art von Getränken konsumieren, die ihre Eltern kaufen, und die Zuckersteuer führte kaum dazu, daß sie ihr Einkaufsverhalten geändert haben. Es waren ja dieselben Getränkemarken, die Plörre enthielt nur weniger Zucker als vorher.  

Der Ausreißer nach oben waren die Corona-Lockdowns und danach ging es mehrere Jahre lang wieder runter mit den Werten. Aber die Kurve ging nicht wieder auf den Vor-Corona-Wert zurück und wie man sieht, setzt sich der schleichende Anstieg mittlerweile von einem höheren Ausgangsniveau aus weiter fort. Die Zuckersteuer hatte, anders, als das all diese lautstarken Gesundheitströten behaupten, nachweislich nicht den positiven Einfluß, von dem sie immer sprechen. Ich wette um ein Kilo Stevia, daß die Zuckersteuer sich bei uns als genau derselbe Schuß in den Ofen erweisen wird. Wer setzt dagegen? 

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Ein Update zur Übersterblichkeit während der Hitzewelle: 

Das Statistische Bundesamt hat inzwischen die Zahlen der Todesfälle für die KW 27 publiziert und dabei auch die (vorläufigen) Werte der Vorwoche noch mal ein gutes Stück nach oben korrigiert. Mehr als 3000 Todesfälle pro Tag (was in früheren Hitzewellen vielleicht zwei- oder dreimal hintereinander als Maximum vorkam) gab es in KW 26 und 27 an sage und schreibe sieben Tagen, darunter waren zwei Tage mit zuvor niemals - nicht einmal bei Corona - in Deutschland auch nur annähernd an einem einzelnen Tag erreichten Zahlen. Für die abgebildeten Tage bedeutet das, grob überschlagen, mehr als 8000 Todesfälle mehr als in früheren Jahren.   

25.06. 26.06. 27.06. 28.06. 29.06. 30.06. 01.07.
 3 145  3 458  4 311  4 724  4 832  3 521  3 116
 2 589  2 701  2 516  2 482  2 497  2 514  2 619
 2 722  2 858  2 945  2 865  2 624  2 514  2 453
 2 305  2 570  2 399  2 436  2 558  2 490  2 356
 2 614  2 628  2 668  2 651  2 656  2 964  2 693
 2 344  2 411  2 317  2 573  2 481  2 424  2 339

Die Werte für 2026 sind in der obersten Zahlenreihe unter dem jeweiligen Datum, die Zeilen darunter geben die Werte der fünf vorausgegangenen Jahre an. Der Tag mit den meisten Todesfällen als Folge der Hitzewelle war also gar nicht der Sonntag, sondern der Montag. Womöglich wird auch diese Zahl aber noch einmal nach oben korrigiert, und falls die Korrektur so hoch ausfallen sollte wie bei der vom Sonntag, würde sogar ein Wert von 5000 Todesfälle überschritten werden. 

Kompliment an Gereon Asmuth von der TAZ. Diese Zahlen wurden vom Statistischen Bundesamt am 14.7. irgendwann morgens vor halb zehn publiziert, und am 14.7. um 12 Uhr war sein Bericht dazu schon online. Aber diesmal kann ich immerhin beweisen, daß ich noch schneller war, ich hatte meinen Datenfreak-Kollegen von der TAZ, der mir wegen seiner Datenfreakerei ja per se sympathisch sein muß, nämlich schon morgens um halb zehn bei Bluesky auf diese Daten hingewiesen

 

Nun habe ich mich ja in meinem letzten Beitrag über den ständigen "Lärm" um die Hitze beschwert. Das hat aber neben allem, was ich beim letzten Mal erwähnte, auch damit zu tun, daß in einem solchen Getöse immer der Teil unterzugehen droht, der wirklich von Bedeutung ist - falls es einen solchen gibt. Und dies hier IST von Bedeutung. Nicht nur, um durch besseren Hitzeschutz insbesondere in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen künftig solche Todesfallzahlen wie dieses Jahr nicht mehr zu erleben. Der Vergleich mit den Todesfallzahlen durch die Hitzewelle im August 2003 bietet aber auch keine so richtig befriedigende Erklärung dafür, warum 2026 so viel mehr Todesfälle als 2003 zu verzeichnen waren, und die Frage ist, ob das irgendwem außer mir überhaupt aufgefallen ist. Ich sprach das ja schon im letzten Beitrag an, und mich beschäftigt es immer noch. 

Hier die Todesfallzahlen von 2003: 

 

 Zum Vergleich der entsprechende 15-Tages-Zeitraum im Juni 2026:

 

Das markierte Datum entspricht jeweils dem Höhepunkt der Hitzewelle. Was mir sofort auffiel: 2003 dauerte es nach dem Höhepunkt der Hitze gerade mal drei Tage, bis die Todesfälle wieder im Bereich des Normalen lagen. 2026 dauerte es eine volle Woche. 

Hier die Temperaturen vom August 2003: 

 

 Zum Vergleich der Verlauf im Juni 2026:

 ... sowie im Juli 2026, der ja noch bis zum 5. Juli bei den Todesfällen mitverzeichnet ist, obwohl die Tagesmittel der Temperaturen sich schon am Letzten des Juni normalisiert hatten: 

 

Was war 2026 anders? Die Maximaltemperatur lag drei Grad höher, aber nur einen Tag lang. Ansonsten kommt mir das ziemlich vergleichbar vor, und vor dem Höhepunkt des Dramas lagen die Mittelwerte 2003 auch ein wenig höher. Ich habe ein Weilchen herumgehirnt, bis bei mir der Groschen gefallen ist, daß ich die Sache von der völlig falschen Seite her zu durchdenken versuchte, und über mich selbst den Kopf geschüttelt. Da lästere ich ständig über den schiefen Blick der Statistiker, die Menschen nur noch in Form von Nachkommastellen ihrer Statistiken wahrnehmen, und dann falle ich selber auf den Quatsch mit den Durchschnittswerten herein! Denn natürlich drücken die Tagesmittel im Durchschnitt Deutschlands nicht das aus, was sich an den einzelnen Orten abspielte und das ganz unterschiedlich gewesen sein kann. Natürlich war es überall sehr heiß, aber mancherorts eben doch noch heißer als anderswo, und das wird auch bei den Todesfällen einen Unterschied gemacht haben.

Nur, auf diesem örtlichen Level einen Vergleich zwischen Temperatur und Sterbefällen zu ziehen, wird wohl für einen Nichtwissenschaftler wie mich nur in Ausnahmefällen möglich sein, auch wenn sich die Temperaturen von vielen Städten problemlos ermitteln lassen. Was beim Statistischen Bundesamt aber zeitverzögert noch kommen wird, sind die Zahlen für die einzelnen Bundesländer, da kann man jedenfalls sehen, wie gleichmäßig oder ungleichmäßig die Todesfälle regional verteilt sind und ob es Häufungen vor allem dort gibt, wo die Temperaturen überall oder in Teilen des Lands besonders hoch waren.

Weil Baden-Württemberg 2003 zu den stärker hitzebetroffenen Bundesländern gehörte, habe ich mir die damaligen Daten speziell für BW noch einmal näher angeschaut, und schau an: Das Maximum des Tagesmittels für Deutschland gesamt wurde hier jedenfalls überschritten und liegt plötzlich nur noch knapp über 2 Grad niedriger als 2026. 

Diagramm

Wenn ich auf Basis der bundesweiten Tagesmittelwerte davon ausgehe, daß eine Übersterblichkeit bei einem Wert von über 24 Grad einzusetzen beginnt (so jedenfalls lese ich das beim Vergleich der Temperaturen und den Todesfallzahlen heraus), waren es in BW anno 2003 elf aufeinanderfolgende Tage, an denen dieser Faktor gegeben war, vom 3. bis zum 13. August. Hier die zugehörigen Todesfallzahlen, zweite Zeile von 2003 und dritte Zeile zum Vergleich von 2002. 

 

Was sofort auffällt: Der Höhepunkt der Sterblichkeit lag wie 2026 am Tag, der auf den heißesten Tag folgte, und es dauerte in BW tatsächlich auch länger als deutschlandweit, bis die Sterblichkeit wieder auf dem Niveau des Vorjahres lag, das war in etwa am 19.8. der Fall. Was aber nicht stattfand, war die Beinahe-Verdoppelung der Todesfallzahlen, die sich aus den Todesfallzahlen von 2026 deutschlandweit für drei Tage ergab, nämlich vom 27. bis zum 29.6. Am 29.6. liegt die Zahl tatsächlich sogar noch ohne die zu erwartenden späteren Ergänzungen fast genau doppelt so hoch wie der Vorjahreswert. Am 14.8.2003 in BW sprechen wir hingegen von einem Anstieg zwischen 60 und 70 Prozent, was ja auch schon verdammt viel gewesen ist, aber eben trotzdem eine Lücke von um die 30 Prozent im Vergleich zu den Deutschland-Zahlen von 2026 unerklärt lassen würde. Zumal die höchsten Tagesmittelwerte in BW erheblich näher dran waren an denen von 2026 und in der anfänglichen Hitzephase, bevor die Hitze noch einmal für kurze Zeit noch stärker anstieg, höhere Tagesmittelwerte aufgewiesen hatte. 

Die spannende Frage, die nur die zugehörige Statistik beantworten kann, ist, wie es in BW im Juni 2026 mit den Todesfällen ausgesehen hat. Bislang habe ich für BW nur die Temperaturkurve, die zeigt, daß es ebenfalls elf Tage mit Tagesmittelwerten von mehr als 24 Grad gegeben hat, eine Vergleichbarkeit also gegeben ist: 

 Diagramm

Einen Anstieg wird es in jedem Fall gegeben haben, aber entsprach der eher den Werten von 2003 oder war er im Vergleich zu jenem Jahr ebenfalls noch höher? Falls nämlich letzteres der Fall gewesen sein sollte, dann würde ich weiterhin behaupten, neben der Hitze müßte auch nach weiteren auslösenden Faktoren gesucht werden, die jetzt vorliegen, aber 2003 nicht vorlagen. Und ich verwette mein letztes Hemd darauf, daß auch dann, wenn die Daten diesen Schluß nahelegen sollten, kein Mensch nach diesen weiteren Faktoren suchen wird, weil das Politikum, bei dem man das Eisen unbedingt so lange schmieden will, wie es den Leuten heiß ist, nun einmal der Klimawandel ist. So ist das nämlich in Wirklichkeit mit der dick aufgetragenen Besorgnis um die Gesundheit der Menschen. Dieses Thema wird regelmäßig nur instrumentalisiert, da gebe ich mich überhaupt keinen Illusionen hin. Für unsere jeweilige Gesundheit müssen wir uns weiterhin alleine interessieren, auch bezüglich der Hitze. 

Beweisen Sie mir wenigstens für Ihre Person und Ihre Zeitung das Gegenteil, Gereon Asmuth. Wer mit solcher Leidenschaft Daten selbst auswertet, anstatt sich mit dem zu begnügen, was Ihnen von den Urhebern mundgerecht vorgekaut worden ist, kann doch eigentlich kein schlechter Mensch sein. ;-)

Ich will aber auch nicht ausschließen, daß es einige Hotspots mit einem dermaßen hohen Tagesmittel gegeben haben kann, daß die zu erklärenden dreißig Prozent durch sehr viel mehr Todesfälle in diesen Hitzezonen als anderswo erklärbar sind. Immerhin, es kann Regionen gegeben haben, in denen das Tagesmittel höher ist als das für Deutschland insgesamt und auch für Baden-Württemberg als Durchschnittswert verzeichnet sind. Das waren 28,95 Grad am Samstag. Schließlich war das Tagesmittel für Baden-Württemberg 2003 ja auch höher als für ganz Deutschland. Da müßte man die Regionen, in denen die Maximaltemperaturen gemessen wurden, unter die Lupe nehmen. 

Ich glaube, das hatte ich schon erwähnt: Ich selbst bin sogar am heißesten Tag, dem Samstag, 27.6., ziemlich problemlos mit den Temperaturen klargekommen, weil es eine trockene Hitze war. Erst den Sonntag und fast noch mehr den Montag, als die hohe Luftfeuchtigkeit hinzukam, fand ich ziemlich unanangenehm.  

***

Auch beim Heizungstausch ist die Wärmepumpe 2025 die bevorzugte Wahl der Gebäudeeigentümer geworden, das ist die gute Nachricht. Die schlechte lautet, daß 2025 weniger Heizungen getauscht wurden, das heißt, es wurden mehr defekte Altgeräte repariert und auf einen Austausch gegen ein neues verzichtet. Genau was ich kommen gesehen habe. Es lohnt sich für Interessierte, den Volltext vom IW zu lesen, die haben nämlich in vielen Einzelpunkten zur Entwicklung des letzten Jahres genau die Dinge herausgefunden, auf die ich schon wiederholt hier im Blog hingewiesen habe, weil es mir naheliegend schien, damit zu rechnen. 

Eine gute Nachricht ist es bestimmt trotzdem, daß der Anteil der Wärmepumpen beim Heizungstausch jedenfalls nicht zurückgegangen ist. Ich riskiere die Behauptung, daß ihr Anteil 2026 gleich geblieben sein wird und 2027 - gerade wegen des Gebäudemodernisierungsgesetzes - ansteigen wird. Jeder, der seine Gastherme reparieren läßt, weiß ja, daß das keine befriedigende Dauerlösung sein kann, aber als Miteigentümer in einer WEG hatte man ja bislang kaum eine andere Wahl, als sich damit zu behelfen, wenn es sich möglich machen ließ. Und je älter die Therme, desto eher ist es laut meinem Installateur möglich. Ich bleibe dabei, das neue Gesetz wird sich rückblickend als vorteilhafter als das alte erweisen, weil es den Besitzern von Eigentumswohnungen endlich vernünftige Handlungsspielräume gibt, während zeitgleich ja immer mehr an für einzelne Wohnungen nutzbaren Lösungen geboten wird, von dem Gebrauch zu machen bislang eine Art finanzielles russisches Roulette gewesen wäre.  

Unklar blieb mir leider, ob unter "Wärmepumpe" beim IW nur das verstanden wird, was der Herr Reimer von der TAZ als Wärmepumpe erkennt, oder ob da auch Split-Klimaanlagen mit enthalten sind.  Ich vermute, eher nicht, da der Autor wie Herr Reimer darauf hinwies, daß moderne Wärmepumpen jetzt auch im Sommer kühlen können. Split-Klima konnte das schon die ganze Zeit, also wäre das eine überflüssige Bemerkung gewesen. Ich bin ja mal gespannt, ob diese Art des Heizens auch noch in Mode kommt, bislang hat das ja weiterhin einen Geheimtip-Status. 

Der Einbau unserer Split-Klimaanlage wurde nun für KW 32 angekündigt. Mein Mann hatte mich ja ein bißchen ausgelacht, weil ich die Stelle, wo das Truhengerät im Arbeitszimmer hin muß, schon so akribisch ausgeräumt hatte. Aber ich bin ganz froh, daß ich mir darum jetzt keine Gedanken mehr machen muß, und nicht zuletzt habe ich die weggeräumten Möbelstücke an anderer Stelle so gut untergebracht, wie ich mir das vorgestellt hatte. Komplizierter wird es mit dem Balkonkraftwerk, denn der Handwerker, den der Klimatechniker kennt, hat keine Zeit für uns. Dafür hat er wiederum einen anderen Betrieb empfohlen, bei dem wir uns auf ihn berufen sollen. Na, vor meiner Abfahrt kann ich da nichts mehr unternehmen, aber das probiere ich nach meiner Rückkehr noch aus, und falls das auch ein Schuß in den Ofen werden sollte, wenden wir uns ohne lange Zeitverzögerung an Hornbach. Ich möchte auch das demnächst mal vom Tisch haben. 

Es ist unglaublich, zu was für Zeitfressern sich jede einzelne Sache entwickelt hat, die ich dieses Jahr in die Hand genommen habe. Und nichts scheint jemals fertig zu werden. Eigentlich hätte ich heute die fertig genähten Vorhänge abholen sollen, jetzt stellte sich heraus, daß der Stoff nicht für vier Fenster ausreicht. Dabei hatte ich alles vorher noch akribisch abgemessen. Den Vorhangstoff hatte ich für 20 Euro auf dem Flohmarkt gekauft. Beim Versuch, noch mehr davon aufzutreiben, stellte sich nun heraus, daß wir ein unglaubliches Schnäppchen mit diesem Stoff gemacht haben, bei dem der laufende Meter einen Neupreis von sage und schreibe 104 Euro hat. Meine Güte. So schön der Stoff ist, ich glaube, die zwei weiteren Meter verkneife ich mir doch. Statt dessen mache ich das, was die Schneiderin mir empfohlen hat, nämlich die Sache mit einem Uni-Stoff in einem dunkleren Rot zu kombinieren. 


Wir haben sogar mit den Vorhängen aus der alten Wohnung einen Stoff, der farblich ausgezeichnet passen würde, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es eine gute Idee ist, sie zu verwenden, weil es ein dicker Wärmeschutz-Stoff mit einer ausgeprägteren Struktur ist. Wenn ich von meiner Mutter zurückgekehrt bin, werde ich den Stoff ausmessen, wieviel das überhaupt ergeben würde, und dann die Schneiderin fragen, was sie meint. Falls sie mir abrät, suche ich einen Stoff aus demselben Material wie der fruchtige auf dem Bild, aber in dem gleichen schönen Rot wie die alten Vorhänge. Und natürlich in der richtigen Menge. 

Eine weitere unendliche Geschichte ist die Reparatur unserer schönen, aber defekten alten Wanduhr, die ist nun auch schon zwei Monate aus dem Haus. Vor September wird da nichts passieren, und wie lange es danach noch dauern mag ...? 


Montag, 13. Juli 2026

Mein (Un-)Glaubensbekenntnis

Mein Gewicht zu Beginn des nächsten langen Fastenintervalls: 81,6 Kilogramm. Eine herbe Enttäuschung. Dazu kommt aber auch noch, daß ich in der Woche nach dem Ende des langen Fastenintervalls gar nicht fasten werde, weil ich meine Mutter besuche. Eigentlich war dieser Besuch von Sonntag bis Sonntag geplant, aber ich werde meine Abfahrt auf den Freitag vorverlegen müssen, meinen ersten Eßtag also, und das mache ich eher ungern. Das lange Fastenintervall verkürzen möchte ich andererseits aber auch nicht. Was ich tun werde, weiß ich noch nicht so genau, die Notwendigkeit der Vorverlegung kam vorgestern ziemlich überraschend. 

Also, es läuft gerade nicht so, wie es eigentlich laufen sollte, und ich kann im Moment nichts dagegen tun. Also finde ich mich damit ab. Vorerst jedenfalls. 

Die positive Nachricht lautet, daß meine Verdauung nach wie vor auf "Vor-Chemo-Stand" geblieben ist. Daß ein Dulcolax-Zäpfchen im richtigen Moment so viel bewirken kann, hätte ich mir ja nicht träumen lassen.  

***

Ich weiß ja, es ist eigentlich irreführend, wenn ich über etwas meckere, das "die TAZ" geschrieben hat. Die TAZ hat ja - ebenso wie andere Medien - keine Einheitsmeinung. Trotzdem steht die TAZ natürlich für eine bestimmte weltanschauliche Ausrichtung. Sie ist "links", also für einen Interessenausgleich, der in der Gesellschaft Benachteiligten zugutekommen, ob nun finanziell, sozial, gesundheitlich oder kulturell benachteiligt, und der soll normalerweise dann von den in der Gesellschaft Bevorteilten erbracht werden. Und "grün", also mit Fokus auf Umwelt und Klima. Alle ihre Ziele möchte sie aktiv promoten, das heißt, mittels Aufklärung dafür sorgen, daß jeder halbwegs vernünftige sowie halbwegs anständige Mensch durch das Mittel der Einsicht dazu gelangt, die Richtigkeit dieses Ziels einzusehen und die dafür angewandten Mittel zu akzeptieren. Und an den Zielen einer gerechten Gesellschaft und einer intakten Umwelt kann eigentlich ja niemand etwas auszusetzen haben. Das gilt allerdings nicht für die Mittel, von denen angenommen wird, mit ihnen erreiche man sie am besten. 

Eines dieser Mittel ist die nervtötende Gewohnheit, die zugehörigen Botschaften so häufig wie möglich zu wiederholen. Ich bin mir nie ganz sicher gewesen, was der Hauptgedanke dabei ist. Wird angenommen, daß man auf diese Weise wirklich die meisten Leute überzeugen kann? Oder geht es doch eher darum, sie so zu zermürben, daß sie bereit sind, alles zu tun, nur damit der Lärm endlich nachläßt? Denn es handelt sich um Lärm, und der Gedanke ist nicht abwegig, daß er ähnlich einen ungünstigen Einfluß auf das Wohlbefinden hat, als wäre man im Alltag permanent einer lauten Geräuschkulisse ausgesetzt.  

Ein Beispiel aus persönlicher Erfahrung, wie ich auf dieses spezielle Mittel reagiere. Das war während der neunziger Jahre und betraf das Thema Zahngesundheit bei Kindern. Das erste Mal hörte ich den üblichen belehrenden Vortrag, was man tun und was unterlassen sollte, um sein Kind vor Zahnschäden zu bewahren, wenn ich das noch richtig im Kopf habe, als mein Kind zwei Jahre alt war. Vermutlich im Tagheim. Ich fand es bei diesem ersten Mal auch wichtig zu wissen und habe genau zugehört. Aber das galt nur für dieses erste Mal, und es gab zwischen ihm und dem Schulabschluß des zugehörigen Kinds jährlich mehrmals Wiederholungen unterschiedlicher Vortragenden, immer in der "Version für Anfänger", und mit jedem weiteren Mal wurde ich immer gereizter. Alles, was mir beim ersten Mal eingeleuchtet hatte, das hatte ich ja bereits umgesetzt. Was ich nicht umsetzte, das setzte ich deshalb nicht um, weil es mir nicht einleuchtete oder nicht praktikabel schien. Über diesen Teil hätte ich tatsächlich gerne ein "Gespräch für Fortgeschrittene" geführt. Aber das hat nie so funktioniert, wie ich das wollte, denn es bringt die Vortragenden aus dem Konzept, von der Anfängerversion abweichen zu müssen, und etwas anderes als nichtssagendes Blabla bekam ich nie zu hören, wenn ich meine Einwände gegen dieses oder jenes Detail vorzubringen versuchte. Also hörte ich damit nach einigen vergeblichen Anläufen wieder auf und bemühte mich, die Anfängervorträge widerspruchslos auszusitzen, damit sie schneller vorbei waren. 

Es ist mir nicht entgangen, daß die meisten anderen Eltern weniger negativ als ich reagiert haben, wobei: In die Köpfe schauen konnte ich ihnen natürlich nicht. Zu meinem Ärger - weil ich diese Vorträge ja nur rasch hinter mich bringen wollte - fanden sich fast immer ein paar Klassenstreber, die meinten, mit einigen zustimmenden Bemerkungen positiv auffallen zu müssen. Ich erinnere mich noch, da war mal eine Mutti, die sich als Ernährungsberaterin outete und überhaupt nicht mehr aufhören wollte, über das, was sie dazu beizutragen hatte, zu schwadronieren. Ihr gingen die Empfehlungen nicht weit genug. Die Zielgruppe, die die "Version für Anfänger" noch nie gehört hatte, wären vermutlich diejenigen gewesen, die bei solchen Anlässen durch Abwesenheit glänzten. Sie wurden also, ebenso wie diejenigen, die die Sache nicht verstanden, gar nicht erreicht Mich hat es immer erstaunt, daß außer mir niemand das Beleidigende in diesen Wiederholungen zu empfinden schien. Denn das drückte ja aus, daß man uns für zu vernagelt hielt, um eine Sache spätestens nach der dritten Wiederholung verstanden zu haben, und/oder für zu träge, um ohne ständiges Schubsen dabei zu bleiben, es umzusetzen.

Aber vielleicht irre ich mich ja, und diejenigen, die ähnlich genervt waren wie ich, hatten auch nur keine Lust, sich in einer Sache zu exponieren, gegen die niemand irgendwelche Einwände zu haben schien. 

Wie auch immer, ich empfinde das Beleidigende daran auch heute, wenn ich einer solchen Dauerbeschallung ausgesetzt bin. Dies macht es mir auch nicht einfacher, generell oder ggf. auch in Teilbereichen so zu handeln, wie es von mir verlangt wird, falls ich mal zufälligerweise unabhängig von den Predigten sowieso eigentlich so handeln wollte. Es ist nämlich gar nicht so einfach, in so einem Fall über den Schatten des eigenen Ärgers zu springen. Ich fühle mich immer unheimlich erwachsen, wenn es mir gelingt, aber jedes Mal ist mein erster Impuls eigentlich der, das Gegenteil des Verlangten zu tun. Ich kann es deshalb gut verstehen, daß eine Menge Leute in solchen Situtationen aus einer bockigen Gesamt-Verweigerungshaltung nicht herausfinden. 

Die selten hinterfragte und ebenso selten direkt ausgesprochene Grundannahme, daß man mit so häufigen und so dringlichen Botschaften wie möglich Zweifler am ehesten überzeugen kann, hat gleich mehrere Haken, insbesondere, wenn die Sache schon so lange läuft wie im Fall des Klimawandels. Einer davon besteht darin, daß die Leute, die man am dringendsten überzeugen möchte, sich längst nicht mehr im Prozeß der Meinungsbildung befinden, sondern ihn abgeschlossen haben. Der zweite, daß man sich bei der Überzeugungsarbeit unweigerlich auf Autoritäten berufen muß, die von manchen dieser Leute für Lügner gehalten werden. Wer sich auf sie beruft, überzeugt sie nur davon, daß man selbst ebenfalls ein Lügner ist. Der dritte Haken besteht darin, daß die vermeintliche Wahrheit vielleicht ja doch falsch ist - und diese Gefahr sollte niemals unterschätzt werden, denn ich kenne mindestens zwei allgemein geglaubte vermeintliche Wahrheiten aus dem Gesundheitsbereich, die eigentlich schon lange fällig gewesen wären, als Irrtümer erkannt zu werden. Der vierte Haken besteht darin, daß auch Wahrheiten, denen dies nicht droht, in der Regel mit einem mehr oder weniger starken Spin verbreitet werden. Es wird also nicht "die Wahrheit, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit" verbreitet, sondern es wird gewichtet und gewertet, übertrieben und heruntergespielt und manchmal auch etwas weggelassen, das man eigentlich nicht weglassen dürfte. Der fünfte Haken besteht darin, daß auch ein richtiges Ziel mit falschen Mitteln verfolgt werden kann, die entweder nicht wirksam sein werden oder zu Kollateralschäden jenseits des in den Augen von Kritikern Akzeptablen führen. 

Kurz und gut, bei denen, die aus einem der aufgezählten Gründe - oder mehreren von ihnen - die Botschaft nicht akzeptieren wollen, bewirkt das Konzept "Mehr Aufklärung" höchst selten ein Umdenken, führt dafür aber häufig zu immer mehr Verärgerung. 

Die Annahme, man müsse Zweifler an der selbst geglaubten guten Sache nur lange und intensiv genug "aufklären", und dann würden sie begreifen und selbst auch glauben, ist ein Irrtum, auf den man in allen Medien stoßen kann, aber nirgends so häufig wie in der TAZ, ironischerweise gerade deshalb, weil die TAZ weniger als andere Medien von Zynismus angekränkelt ist.  Und so denke ich halt doch "Na klar, die TAZ", wenn ich dies hier lese. 

Kostprobe: 

Für die nächsten Tage sind die Temperaturprognosen wieder ins Aushaltbare abgesunken. Das löst bei uns, die sich nicht nur mit beispiellosen Hitzewellen, sondern ganzjährig mit dem Klima beschäftigen, paradoxerweise Stress aus. Denn jetzt sehen wir, wie sich das Zeitfenster schließt, in dem endlich gesamtgesellschaftlich über Klimawandel und -folgen gesprochen wird. 

Ich habe spontan erst einmal aufgestöhnt. Reicht nicht das nichtendenwollende Gezeter während jeder Hitzephase der letzten mehr als zwanzig Jahre sowie nach jeder Meldung, die von den Medien in Aufregernachrichten verwandelt werden kann, wie jetzt die Daten zur Übersterblichkeit während der KW 26? Diejenigen, die über den Klimawandel und dessen Folgen sprechen möchten, tun das ja die ganze Zeit, aber in Hitzewellen und bei anderen Meldungen zum Thema mit Sensationspotential werden sie immer hyperaktiv, zumal dann auch die Medien, auch die von Zynismus angekränkelten, auf den Zug aufspringen Man bekommt das Gefühl, im Chor angegrölt zu werden, und das nervt mich praktisch immer, aber am meisten, wenn es sich um Botschaften handelt, zu denen ich von vornherein nie etwas anders als "Nein" sagen wollte. 

Die Hyperaktiven lauern übrigens auch während einer Kältewelle ständig auf Äußerungen aus dem "Feindlager", die einen Vorwand bieten, um die Pointe anzubringen, jener Feind sei sogar zu doof, um Wetter und Klima unterscheiden zu können. Während einer Hitzewelle ist dann aber natürlich alles Klima und gar nichts Wetter, und wehe dem, der auch nur andeutet, es könne nicht so sein ...

Eine Anmerkung aber noch zu dieser Übersterblichkeit. Es ist dabei dauernd von der KW 26 die Rede, einer ganzen Woche also. Aber näher betrachtet, fand das eigentlich Alarmierende erst auf dem Höhepunkt der Hitzewelle, dem Samstag, 27. Juni, und Sonntag, 28, Juni statt. Jeweils mehr als 4000 Todesfälle an einem einzigen Tag, das hat es noch in keinem Sommer, jedenfalls nicht seit dem Jahr 2000 gegeben, und diesmal geschah es an zwei Tagen hintereinander, daß fast doppelt so viele Menschen starben wie bei einem Tag mit normalen Temperaturen. Mittlerweile ist das auch der TAZ aufgefallen, also: Ehre, wem Ehre gebührt. Gereon Asmuth fiel mir schon öfter dadurch auf, daß er genauso wie ich gerne Daten, die publik gemacht werden, selbst noch einmal anschaut. Trotzdem ärgert es mich jetzt, daß ich diesen Blogartikel nicht schon gestern abgeschickt habe, denn herausgefunden habe ich die Sache schon am Samstag, und ich wäre gerne mal wieder Erste gewesen. ;-) 

Daß Asmuth sich so sehr auf den Sonntag mit der Rekordzahl an Todesfällen fokussiert, obwohl schon der Samstag ungewöhnlich war, finde ich freilich wieder ein bißchen zu sensationshascherisch, ebenso auch, daß er erklärtermaßen keine Ursachen außer der Rekordhitze erkennen konnte. Es starben an beiden Tagen aber jeweils um die 1000 Menschen mehr, als es bei früheren Hitzewellen maximal in den Statistiken verzeichnet ist. Die Todesfallzahlen der Restwoche von KW 26 waren hingegen in etwa dem vergleichbar, was bei früheren Hitzewellen ebenfalls verzeichnet wurde. Und mindestens die vom August 2003 war von den Temperaturen und der langen Dauer her durchaus mit der vom Juni 2026 vergleichbar. Die damaligen Maximaltemperaturen an den heißesten Tagen im August 2003 lagen in meiner Stadt kaum niedriger als am 27. und 28. Juni 2026, und anderswo wird es nicht viel besser gewesen sein. Trotzdem blieben die Todesfallzahlen der einzelnen Hitzetage aber weit unter denen, die am 27./28.6.26 verzeichnet wurden. 

Daß hochsommerliche Temperaturen einen Anstieg bei den Todesfällen bewirken, ist grundsätzlich keine Überraschung. Dasselbe passiert auch bei Kälteeinbrüchen im Winter und ebenso bei starken Temperaturschwankungen in anderen Jahreszeiten, das kann man den Daten ebenfalls entnehmen, wenn man solche Dinge nur wissen will (Klimaschützer interessieren sich allerdings nur für die Todesfälle, die mit Hitze zu tun haben - das gehört zu dieser Sache mit der "ganzen Wahrheit", siehe oben), und ich halte es auch für unmöglich, das ganz zu vermeiden. Es zu verringern, ist dagegen erstens möglich und zweitens auch wünschenswert. 

Aber zurück zum Jahr 2003, denn weil ich die Hitzewellen jenes Jahres noch so gut in Erinnerung habe, haben mich auch die Daten zur Übersterblichkeit interessiert, und zwar diejenigen des Gesamtjahrs. Denn das Jahr 2003 hatte ja nicht nur die Hitzewelle im August, der komplette Juni und Juli waren auch heiß, und im Juni gab es auch schon eine Phase, in der es SEHR heiß war. Aber sogar in den zweiten Septemberhälfte, nominell bereits Herbst, gab es noch Tage mit Temperaturen über 30 Grad. 

Und tatsächlich: Übers Jahr gepeilt, lag die Gesamtzahl der Todesfälle 2003 höher im Vergleich zu den Vorjahren, und in Zusammenhang damit dürfte es auch stehen, daß im Jahr darauf, 2004, bei den Todesfällen ein ungefähr ebenso großer Ausreißer nach unten stattgefunden hat. 2003 gab es also insgesamt eine kleine fünfstellige Zahl mehr Todesfälle, als auf Basis der Vorjahreswerte zu erwarten gewesen wäre. Im Jahr darauf war es genau umgekehrt. Das läßt darauf schließen, daß die vorzeitig Verstorbenen im Durchschnitt nicht lediglich einige Lebenstage oder -wochen, sondern etliche Monate an Lebenszeit verloren hatten. Es irritiert mich, daß so viel Zahlenabrakadabra von der Wissenschaft™ getrieben wird, aber dieses Detail meiner Erinnerung nach nie erwähnt wurde. Vielleicht ist es Insidern ja bekannt, aber so richtig an die große Glocke gehängt wurde es gegenüber der Öffentlichkeit nicht. Bis ich für das Jahr 2026 einen solchen Vergleich mit 2027 führen kann, wird es allerdings noch bis 2028 dauern. 

Unabhängig davon fände ich es aber auch wichtig, herauszufinden, was genau den enormen Ausreißer nach oben bei den Todesfallzahlen an jenem Wochenende Ende Juni 2026 ausgelöst hat. Wurde also mit diesen geringfügig höheren Temperaturen dieses Jahr im Vergleich zum August 2003 tatsächlich eine Grenze des physiologisch Erträglichen überschritten, oder war die Ursache vielleicht doch, daß es ein Wochenende war, unter Umständen ja verbunden mit dünneren Personaldecken in Kliniken und Pflegeeinrichtungen (dünner als 2003?) und damit tendenziell Zeitverzögerungen beim Erkennen und Behandeln von hitzebedingten Problemen? Oder hat es etwas mit der zunehmenden Vereinsamung älterer Menschen ohne Partner oder nahe Angehörige zu tun, daß also mehr Menschen als vor 23 Jahren alleine in ihrer Wohnung kollabierten? Ich befürchte, die aktuelle Berichterstattung führt eher nicht dazu, daß etwas anderes als der reine Hitzeschutz diskutiert wird - der natürlich wichtig und sinnvoll ist -, obwohl die Todesfallzahlen pro einzelnen Tag des letzten Juniwochenendes so ungewöhnlich waren, daß ich daran zweifle, daß dafür alleine die hohen Temperaturen verantwortlich gemacht werden können. Ich glaube, da war noch irgendwas anderes mit im Spiel, und ich würde gerne wissen, was es gewesen ist. Aber ich bin mir ziemlich sicher, daß sich außer mir kein Mensch dafür interessiert. Warum? Weil diese Übersterblichkeit ins politische Konzept derjenigen paßt, die den Kampf gegen den Klimawandel für das vordringliche Thema der Zeit halten. Man könnte sagen, sie instrumentalisieren dies und überhaupt alles, das als Argument für ihre Sache tauglich scheint und um das man medialen Lärm machen kann. 

Nur daß das mit dem Lärm so, wie sie glauben, halt doch nicht funktioniert.  

Wir leiden seit ich weiß nicht genau wann doch sowieso längst an einer Katastrophenalarm-Übersättigung. Kein psychisch gesunder Mensch ist imstande, sich über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg permanant in dem Alarmzustand zu halten, in dem uns alle möglichen Interessengruppen - darunter auch die Klimaforscher - gerne dauerhaft haben möchten. Normal ist, daß man im Laufe der Zeit gegen Alarm abstumpft. Wenn wir uns aber beeinflussen lassen, dann selektiv in den Bereichen, die uns persönlich etwas anzugehen scheinen. 

So gesehen, ist es natürlich logisch, alles publik zu machen, das dazu führen könnte, daß möglichst viele die Überzeugung erlangen, der Klimawandel ginge sie persönlich eine Menge an. Aber, der Klimawandel ist in dieser Hinsicht für die meisten Leute trotzdem zu weit weg von den Sorgen, die sie unmittelbar berühren, etwa die Massenentlassungen und Betriebsschließungen bei Volkswagen, Daimler, Porsche und Bosch - vor allem in Verbindung mit den Änderungen bei der Grundsicherung, von denen sich diejenigen, die jetzt die Kündigung bekommen haben oder befürchten, sie demnächst zu kriegen, ja durchaus persönlich bedroht fühlen können. Der Klimawandel hat derzeit als Angst-Thema überhaupt keine Chance, gegen die Angst vor den Maßnahmen der Bundesregierung anstinken zu können, von denen sich ja eine Menge Leute - und viele von ihnen mit gutem Grund - persönlich und akut bedroht fühlen. Soviel nüchternen Realismus sollten auch Klimaschützer aufbringen, daß sie begreifen, daß sie im Moment nur diejenigen beeindrucken können, die sowieso schon das Klima zu ihrem persönlichen Anliegen gemacht haben. Die Frage ist freilich, ob das nicht eher eine negative Wirkung haben wird, viele von den Beeindruckten stehen meinem Eindruck nach, etwa auf Bluesky, längst am Rande der Hysterie. 

Was mich außerdem so irritiert, ist, daß das Einfordern von Glaubensbekenntnissen in dieser Klimasache immer so viel wichtiger genommen wird, als konkrete Handlungen auszulösen. Das gilt gerade beim Heizen. Mir ist schon klar, warum so viele Hausbesitzer sich gegen Wärmepumpen wehren: Weil vor der Wärmepumpe erst einmal eine energetische Grundsanierung zu stemmen ist, und damit reden wir von Kosten im sechsstelligen Bereich. Das findet nicht jeder einfach in seiner Portokasse. Hausbesitzer sind aber überdurchschnittlich häufig bereits im Rentenalter, und dann bekommt man von seiner Bank auch dann nicht mehr ohne weiteres ein Darlehen in benötigter Höhe, wenn man es eigentlich gerne haben wollte, um das Häuschen energetisch zu sanieren. Aber einzusehen ist es natürlich auch, wenn jemand überhaupt keine Lust hat, sich für eine Sache für den Rest seines Lebens in Schulden zu stürzen und dabei zu wissen, daß sich dies zu eigenen Lebzeiten sowieso nicht mehr amortisieren kann. Jüngere Hausbesitzer befinden sich wiederum meist noch in der Abzahlungsphase und können über diese Kosten hinaus finanziell selten noch große Sprünge machen. 

Und bitteschön, die Förderung ist bei dermaßen hohen Kosten gar kein Argument, denn die Förderung erhält man ja erst im nachhinein, wenn die Kosten bereits bezahlt sind, und deshalb muß man das nötige Geld dafür erst einmal haben, bevor man die Sache in Auftrag gibt. Banken sind aber mittlerweile so risikoavers, daß das Risiko, daß die Förderung vielleicht verweigert werden könnte, bei ihnen bestimmt auch gesehen und in die Risikokalkulation mit einbezogen wird. Außerdem kommen solche Verweigerungen tatsächlich vor

Hier hat meiner Meinung nach die Klimakommunikation ganz einfach versagt. Es war inhaltlich falsch, immer die Maximallösung als die einzig sinnvolle und moralisch vertretbare Handlung eines Hausbesitzers durchsetzen zu wollen, und es war die falsche Methode, uns mit diesbezüglicher Propaganda so lange zuzuschütten, bis auch eigentlich Gutwillige nur noch schreiend davonlaufen wollen, weil sie eigentlich ja gerne täten, was man von ihnen verlangt, aber einfach nicht wissen, wo sie das Geld dafür hernehmen sollen. Hinzu kommt: Je teurer die Maßnahme, desto höher der mögliche Schaden. Solche Sanierungen bergen ja auch ihre Risiken. Schäden durch Fehlplanung oder Pfuscharbeit waren bei den Idealisten, die sich für energetische Komplettsanierung ihres Altbaus entscheiden hatten, noch nie auszuschließen. Energieberatung neigt außerdem dazu, einem Konzepte zu empfehlen, die für den eigenen Bedarf eher überdosiert sind. Das alles wirkt abschreckend, vor allem dann, wenn man selbst jemanden kennt, der sich mit einer energetischen Vollsanierung in enorme Unkosten gestürzt und dabei tief ins Klo gegriffen hat. 

6500 Euro brutto für eine Wärmepumpe fürs gesamte Haus - so lautet das Angebot unseres Klimatechnikers für den Einbau von zwei Single-Split-Klimaanlagen, mit denen wir ab dem nächsten Winter im Idealfall für das Heizen gar kein Gas mehr benötigen und in jedem anderen Fall mindestens unseren Gasverbrauch drastisch reduzieren werden. Die Gasheizung wird für uns künftig schlimmstenfalls noch eine Zusatzheizung für besonders kalte Tage sein. Je stärker das unseren Gasverbrauch senkt, umso interessanter wird es für uns aber auch werden, auch für das Warmwasser eine andere Lösung zu finden, etwa einen strombetriebenen Durchlauferhitzer. Das einzige, wo ich gar nicht auf Gas verzichten will, ist das Kochfeld. Mit Gas kochen will ich weiterhin, und wenn ich dafür irgendwann doch noch selbst eine Biogasanlage erfinden muß, mit der ich meine eigenen Fäkalien dafür nutzbar machen kann. 

Für uns ist es auch nicht nötig, dafür das komplette Haus in Styropor einzupacken oder die meisten Heizkörper auszutauschen bzw. durch eine Fußbodenheizung zu ersetzen. Allenfalls noch ratsam, sofern ohne viel Aufwand umsetzbar, um neben dem Gasverbrauch auch den Stromverbrauch für die neue Heizung teilweise abzudecken, ist die Anschaffung eines Balkonkraftwerks, und das erhöht die Kosten nicht sonderlich. Alles, was man sonst noch tun könnte, um den Energieverbrauch noch weiter zu reduzieren - Dach dämmen und mit Photovoltaik ausstatten, Fenster austauschen, Kellerdecke dämmen - kann man auch auf einen Zeitpunkt verschieben, wenn eine Maßnahme, mit der man es kostengünstiger kombinieren kann, aus anderen Gründen sowieso erforderlich wird. 

 

Eine aktuelle Umfrage unter Vermietern zeigte, daß der Anteil der energetisch komplettsanierten Altbau-Gebäude nach wie vor sehr überschaubar ist, aber Teilsanierungen etwa so häufig sind wie der Verzicht auf Sanierungen. Das gilt aber nur für komplette Gebäude. Daß die Sanierungsrate bei Eigentumswohnungen so viel niedriger ist, liegt daran, daß Sanierungen für WEGs erstens aus sich selbst heraus vor höheren Hürden stehen und zweitens der Gesetzgeber es außerdem unnötig kompliziert für sie macht. Würde das kostengünstige Split-Klimaanlagen-Modell promotet, sähen die Zahlen zu den unsanierten Gebäuden bestimmt längst ganz anders aus, und das würde bei Eigentumswohnungen besonders stark zu Buche schlagen. Als Maßnahme im Sondereigentum muß ihr Einbau zwar von der WEG genehmigt werden, aber ansonsten ist es die Entscheidung von dessen Eigentümer. Da es weniger kostet, als eine neue Gastherme einzubauen, ist es außerdem für Eigentümer eine attraktive Lösung. Und ganz nebenbei wäre auch das Problem mit dem Hitzeschutz in den zugehörigen Wohnungen mitgelöst. 

Aber die Meinungs-Multiplikatoren haben ja nicht einmal eine Ahnung, daß es das überhaupt gibt. Also werden gerade die eigentlich Gutwilligen von einer Anschaffung der kostengünstigsten und simpelsten Wärmepumpen-Lösung sogar noch mit ökobewegter Begründung abgeschreckt. Da bekommt man  den Eindruck, es gehe überhaupt nicht um den Klimawandel, sondern maßgeblich seien alleine die richtigen Glaubensbekenntnisse als eine Art Unterwerfungsgeste. Daran ist rein gar nichts wissenschaftlich begründbar, und einen praktischen Nutzen hat es auch nicht. 

Fast auf der Stelle stieß ich in der TAZ nämlich auch noch auf ein Beispiel für den oben erwähnten Fall, daß "die vermeintliche Wahrheit sich vielleicht ja doch als falsch herausstellen könnte": Der Kommentator Nick Reimer offenbarte in einem anderen Meinungsartikel eine geradezu erschütternde Ahnungslosigkeit über Split-Klimaanlagen. Er schreibt über sie, als könnten sie nichts anderes, als im Sommer zu kühlen, und findet, sie seien deshalb ein ökologisches No-Go. Schließlich verbrauchen sie ja Strom, den man irgendwo herkriegen muß. Herr Reimer kann sich nichts anderes vorstellen, als daß das dann diese Gaskraftwerke sein werden, die Frau Reiche unbedingt haben möchte. Er empfiehlt statt dessen, Wärmepumpen in den neuesten Versionen zu kaufen, denn, oh staunenswerte Errungenschaft, die könnten auch kühlen. Diese Zusatzfunktion bei herkömmlichen Luft-Wasser-Wärmepumpen nachzurüsten oder eines der Hightech-Geräte, die das von vornherein bieten, zu kaufen, erzeugt Mehrkosten, die kaum niedriger sind als die Kosten aus dem Angebot meines Klimatechnikers. Zusätzlich zum ohnehin hohen Anschaffungspreis für Wärmepumpen, die auch ein Herr Reimer als Wärempumpe erkennen kann, wohlgemerkt. Wer noch keine dieser Wärmepumpen hat, für den spricht aus Kostensicht alles dafür, stattdessen eine Luft-Luft-Wärmepumpe, nämlich eine Split-Klimaanlage einzubauen. Und die Effizienz dieser Lösung spricht auch nicht dagegen. 

Reimer hat natürlich ein Recht auf eine eigene Meinung, aber bei den dieser Meinung zugrundeliegenden Fakten liegt er in praktisch jedem Punkt falsch, und so hätte er besser darauf verzichtet, sie zu artikulieren. Tatsächlich ist sogar der Strombedarf der Klimaanlagen im Sommer in Wirklichkeit eine nützliche Sache und kein Schaden. Heult uns die Energiewirtschaft denn nicht neuerdings dauernd die Ohren voll, weil wir im Sommer viel zu viel selbsterzeugten Solarstrom ins Netz einspeisen und es dadurch überlasten? Das geschieht aber gerade zu den Zeiten, wenn Klimaanlagen auf Hochtouren laufen. Mit ihnen kann jeder Kleinerzeuger von Strom einen Teil dieses ungeliebten Stroms innerhalb seines eigenen Stromkreises sofort wieder verbrauchen, ohne damit das Betreibernetz belästigen zu müssen. Haushalte, die selbst keinen Strom erzeugen, haben gute Verwendung für diese Überschüsse im Stromnetz bei heißem Sommerwetter, falls sie Klimaanlagen laufen lassen. Daß solche Haushalte mitten im Hochsommer ausgerechnet Strom aus Gaskraftwerken benötigen würden, ist eine mehr als abenteuerliche Behauptung. 

Das alles weiß Nick Reimer nicht bzw. hat sich darüber keine Gedanken gemacht, deswegen findet er Klimaanlagen auch total "uncool". Die Dinge, die er weiß oder zu wissen glaubt, sind wiederum zusätzlich mit dem oben ebenfalls erwähnten Spin versehen, der die Uncoolness untermauern soll. 

Er selbst hatte mit Klimaanlagen nämlich offenbar das eine oder andere traumatisierende Erlebnis am Arbeitsplatz, deshalb kann er sich auch nicht vorstellen, daß sie keineswegs bedeuten müssen, ständig in der Zugluft zu sitzen, wie das dann passiert, wenn es am Arbeitsplatz niemanden interessiert, ob man Zugluft abkann oder nicht. Die Kosten des Einbaus, siehe das Angebot meines Klimatechnikers, übertreibt er maßlos und bildet sich wahrhaftig auch noch ein, für dieses Geld bekäme man nichts weiter als eine Kühlfunktion geboten. In Wirklichkeit erhält man eine vollwertige Wärmepumpe, verbraucht im Winter viel weniger Gas oder Öl und im optimalen Fall sogar überhaupt keines mehr. Bei einem SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) von 4,5 bis 6 spielt es auch gar keine Rolle, wieviel von dem Strom, der verbraucht wird, im Winter nur nicht aus regenerativen Energien erzeugt werden konnte, denn das im Gegenzug eingesparte Gas oder Öl hätte bei gleichem Heizverhalten in jedem Fall einen höheren Verbrauch an fossiler Energie bedeutet. Wieviel von dem Tagesverbrauch beim Heizen mit Split-Klimaanlage im Winter durch ein Balkonkraftwerk mit Speicher abgedeckt wird, kann ich erst nach dem nächsten Winter sagen, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß jedenfalls in den Übergangsmonaten der eigene Strom locker ausreichen wird, um das Heizen komplett abzudecken. 

Ahnungslos ist Nick Reimer außerdem auch über die enorm weite Verbreitung von Klimaanlagen in anderen europäischen Ländern, insbesondere Norwegen. Das mag damit zu tun haben, daß sie in Statistiken für gewöhnlich unter der Bezeichnung "Wärmepumpen" laufen, weil Split-Klimaanlagen dies in Wirklichkeit ja auch sind. Das könnte man wissen, wenn man sich vor dem Texten eines solchen Textes ein bißchen informiert

Man verzeihe mir, wenn ich jetzt mal provokativ weiterfrage: Wenn jemand von einer Sache, die ich beurteilen kann, so wenig Ahnung hat wie Nick Reimer, aber mit so viel Selbstbewußtsein so viel tief überzeugte Meinung zu Papier bringt: Warum sollte ich ihm denn in einer Frage, die ich selbst nicht beurteilen kann, mehr Sachverstand zutrauen, als er hier bewiesen hat? Beispielsweise in der Frage, ob es den Klimawandel wirklich gibt und welche Maßnahmen dazu führen würden, ihn zu verhindern oder wenigstens zu dämpfen?

Ich sehe keinen Grund, warum ich Klimawissenschaftlern mehr vertrauen sollte als Ernährungswissenschaftlern, und letzteren zu trauen fehlt mir jeder Grund - mein kompletter Blog legt für die Gründe Zeugnis ab. Kein Grund aber, nun in Schnappatmung zu verfallen. Darauf, wie vertrauenswürdig Klimaprognosen sind, kommt es glücklicherweise nämlich sowieso nicht an. Nichts ist daran falsch, die bloße Möglichkeit, das sie stimmen könnten, zur Grundlage von Anpassungsstrategien zu machen, wenn sie sich nebenbei noch als ein so vorteilhaftes Geschäft wie die Anschaffung einer Split-Klimaanlage herausstellen. Daß fossile Energieträger eine endliche Ressource sind, kommt ja noch hinzu, eine Sache, über die merkwürdigerweise kein Mensch mehr spricht und die auch dann für erneuerbare Energien spräche, falls der Klimawandel von A bis Z erfunden wäre. Die Überschneidung zwischen den Zielen der Klimabewegten und dem, was ich rein aus schnödem Eigennutz tun werde, damit wird man sich in meinem Fall zufriedengeben müssen. Die Wirkung entsteht nämlich auch ganz ohne Glaubensbekenntnisse. Und von mir wird sowieso niemand ein Glaubensbekenntnis zum Klimawandel bekommen. 

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Daß der vermaledeite Paragraph 71n seit Freitag Geschichte ist, weil in einem Überraschungsangriff die geänderte Fassung des Gebäudemodernisierungsgesetzes doch noch vor der Sommerpause auf die Tagesordnung kam (wo diese Abstimmung bis zum Donnerstag noch nicht mit angegeben war) und am Freitag durch den Bundestag und den Bundesrat gepeitscht wurde, war am Freitag für mich die überraschende gute Nachricht des Tages. Das Damoklesschwert ist weg, ich kann also in die Heizung meiner Eigentumswohnungen investieren und dort, sofern die Performance unserer Split-Anlage mich überzeugt, nächstes Jahr ebenfalls welche einbauen lassen. Auf Basis des Angebots, das wir für die Anlage für unser Haus bekommen haben, schätze ich, die Kosten werden etwas weniger als das Doppelte dieser Kosten ausmachen, wenn ich als Grobeinschätzung mit zwei Single- und einer Multisplit mit drei angeschlossenen Geräten kalkuliere. Förderung spielt in diesem Fall noch weniger als im eigenen Haus eine Rolle, da diese Kosten ja komplett als Sanierungskosten absetzbar sind. Wahrscheinlich verzichte ich ganz darauf, dafür Förderung zu beantragen, damit die Sache nicht unnötig kompliziert wird. Von unseren beiden Anlagen bei uns im Haus wird übrigens eine förderfähig sein und die andere nicht. Die Förderregeln sind nämlich nicht in jeder Hinsicht so richtig logisch. Eine der beiden Single-Split-Anlagen hätte mit einem förderfähigen Modell längst nicht so gut funktioniert wie mit dem nicht förderfähigen, und so ist es ein Glück, daß die Kosten eine Förderung nicht zu zwingenden Voraussetzung machen, damit man nicht an den Bettelstab kommt. 

Meine Mieter werden sich bestimmt freuen, vor allem die im Dachgeschoß, die von der Kühlfunktion im Sommer besonders profitieren werden. 

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Mein Mann hat für die Terrasse aus einer alten Pflanzschale, diversen Steinen aus unserem "steinigen Äckerle" und einer kleinen Pumpe (Kaufpreis acht Euro) einen kleinen Springbrunnen gebastelt. Eigentlich war ich ja nie ein Freund solches Dekorations-Chichis im Garten. Womöglich ändert sich das ja gerade, siehe den "Gänseberg" im Bildhintergrund. Ich muß außerdem zugeben, ich mag das Geplätscher sehr und finde den Brunnen auch dekorativ. Und mir gefällt daran, daß fast alles, was dafür gebraucht wurde, sowieso vorhanden gewesen war und bislang nur sinnlos herumlag. 

 


Die Vögel trauen sich da natürlich nicht ran, jedenfalls nicht, wenn wir uns auf der Terrasse aufhalten, aber die Wespen haben ihn sofort genutzt, um sich mit Wasser für die Kühlung ihrer Nester bei der Hitze zu versehen. Ich fand es ganz interessant, wie unterschiedlich sie mit den Gegebenheiten umgehen. Die Feldwespen holen sich das Wasser kopfunter vom Rand der Pflanzschale, sie vermeiden die Steine und finden sie ja vielleicht zu glitschig. Dann haben wir noch schwarze Grabwespen, die haben eine besonders ausgeprägte Untergliederung. Sie finden die Steine bequemer, fremdeln aber trotzdem noch ein bißchen mit dem Konzept und holen sich lieber feuchte Erde, wenn sie vorhanden ist. Und dann gibt es noch die normalen Wespen, die viel weniger wasserscheu sind, was auch einleuchtet, da sie sich ja auch unter Lebensgefahr in Bier- und Limogläser stürzen. Eine einzelne Wespe tauften wir "Grautvornix", denn die stürzt sich immer auf einen besonders glitschigen, weil ständig von Wasser überspülten Stein, um sich dort zu versorgen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß das immer dieselbe war. Alle Wespen haben ja ihre bevorzugte Wasserstelle in ihrem Navi gespeichert und fliegen immer die gleiche Stelle an. 

Unsere Vogeltränken werden vor allem, wenn es auf den Abend zugeht, rege genutzt. Gestern sah ich drei von den Jungamseln auf einmal an der Tränke. Unser Amselpärchen hat offenbar sehr erfolgreich gebrütet, mein Mann behauptet sogar, das wären mindestens vier oder fünf Jungtiere. Seit er beobachtet hat, daß die Amseln so scharf auf Rosinen sind, daß sie sie aus einer ziemlich kippeligen Futterstation holen, streue ich abends immer ein paar in der Nähe der Terrasse aus. Frau Amsel kommt dann immer ziemlich schnell (und verblüffend lautlos), um sie zu holen. Manchmal ist freilich eines von ihren halbstarken Kindern schneller. 

Nachdem wir geraume Zeit um unsere Zucchinipflanzen zittern mußten, haben sie mittlerweile eine eindrucksvolle Größe erreicht und eine davon entwickelt gerade die ersten Früchte. Wenn ich am Freitag zu meiner Mutter fahre, werde ich wohl die erste mitnehmen können. Gurken haben wir schon mehrere geerntet, und auch davon bringe ich ihr eine mit, und wahrscheinlich auch unsere erste Kohlrabi. Die Nachbars-Mirabellen sollten dann auch soweit sein, daß ich ein paar als Kostprobe mitnehmen kann. Eigentlich könnte man jetzt auch die ersten Mangoldblätter ernten, aber ob ich auch davon welche mitnehme, entscheide ich am Freitag ad hoc. Das kommt darauf an, wie stark sie bis dahin wachsen und ob ich das Gefühl habe, man täte ihnen keinen Gefallen, sie zehn weitere Tage lang weiterwachsen zu lassen. Daß mein Mann sie in meiner Abwesenheit nicht ernten und verspeisen wird, bin ich mir nämlich ziemlich sicher. 

Aber auch alles andere, bei dem die Erntezeit noch länger hin ist, wächst gerade gewaltig, Tomaten, Bohnen, Paprika und Spitzkraut, die Feigen natürlich, die Äpfel, und ein paar Quitten werden wir auch dieses Jahr ernten können, freilich sehr viel weniger als im letzten. Aber immerhin, der umgestürzte Baum lebt nicht nur, der hat auch ein paar Früchte produziert, darüber freue ich mich sehr. 

 


 

 

Freitag, 3. Juli 2026

Das elfte Gebot: "Du sollst so lange wie möglich leben wollen" vs. das "Schicksal, schlimmer als der Tod"

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 75,3 Kilogramm. Das macht schon ein bißchen autsch, in vier Tagen habe ich damit nur 4,6 Kilogramm verloren, das ist weit unter Durchschnitt. Aber das werde ich wohl sportlich nehmen müssen, denn wenn es mal über 6 Kilo sind, was auch weit vom Durchschnitt abweicht, nehme ich das ja auch gerne mit. Über die Gründe von Ausreißern sowohl nach oben wie auch nach unten kann man ja immer nur spekulieren. Vielleicht liegt's ja daran, daß die Temperaturen zwar im Vergleich zur letzten Woche runtergegangen, aber immer noch ziemlich hoch sind. Die Wasserspeicher in mir sind wohl nicht so richtig geleert worden. 

Mein Mann macht mir aber gerade ein bißchen mehr Sorgen. Er müßte zum Arzt, sich ein neues Rezept für seine Medikamente holen, will das aber nicht machen. Sie sind ihm schon vor über einer Woche ausgegangen, und er behauptet, so gut habe er sich schon lange nicht mehr gefühlt wie jetzt. Er sei trotz der Hitzewelle viel weniger schlapp gewesen und das Nasenbluten sei fast ganz verschwunden. Das Nasenbluten war im Prinzip schon vorher gelegentlich aufgetaucht, aber seit er das halbe Dutzend Medikamente nehmen mußte, hatte er es nahezu täglich, manchmal auch mehrere Male an einem Tag. Der Arzt sagte, das käme davon, daß eines der Medikamente die Gefäße brüchig mache. Da kann man sich natürlich schon ein paar Gedanken machen, ob das nicht im Widerspruch zu dem steht, was mit der Behandlung erreicht werden soll.

Mein Mann sagt jedenfalls, wenn er sein Befinden seit Beginn der Einnahme mit seinem jetzigen vergleicht, dann stellt sich ihm schon die Frage, ob er ungeachtet solcher Fragen und auch dann, wenn er ohne Medikamente riskanter lebt als mit ihnen, nicht doch lieber das Risiko der Nichteinnahme eingehen sollte, anstatt sich für denRest seiner Tage mit diesem ständigen Unwohlsein abzufinden. Das finde ich im Prinzip zwar auch einleuchtend, aber mir gefällt daran nicht, daß er sich darüber nicht mit einem Arzt auseinandersetzen will, denn ich an seiner Stelle würde das wollen. Ich kann verstehen, daß ihm der Gang zu seinem (und meinem früheren eigenen) Hausarzt ziemlich verleidet ist, aber er sollte dann halt zu einem anderen Arzt gehen und sich beraten lassen. Niemand kann ihn ja zwingen, diese Medikamente einzunehmen, wenn er die Vorteile der Einnahme für geringer als die Nachteile hält und sie deshalb nicht haben will. Aber vielleicht gibt es ja dazwischen einen Mittelweg. Mindestens fände ich es gut, wenn ein Arzt da wäre, der weiß, daß er eigentlich Medikamente nehmen müßte und es nicht tut und wenigstens ein Auge darauf hat und es merken würde, wenn sich bei ihm irgendwelche Alarmzeichen auftun würden. 

Aber zwingen kann ich ihn natürlich zu nichts, und ich würde das auch nicht wollen, wenn ich es könnte. Mein Mann ist erwachsen und es ist sein eigenes Leben, über das nur er entscheidungsbefugt ist. Ich sag ihm, was ich an seiner Stelle täte, und das nur, wenn er mich fragt oder es im Kontext naheliegt, daß ich meine Meinung äußere. Es ist nicht meine Art, zu drängeln, auch in so einem Fall nicht. Deswegen halte ich mich auch bezüglich Krebs mit Ernährungsempfehlungen stärker zurück, als es der Sache nach eigentlich naheliegen würde. Will heißen, wer mich fragt, was ich von dieser oder jener Meinung halte, dem sage ich es und wenn es im Kontext naheliegt, erkläre ich auch, was ich gemacht habe, warum ich es gemacht habe und was die wissenschaftlichen Grundlagen dafür sind. Mehr kann ich meinem Empfinden nach nicht tun, und alles, was zuviel ist, bleibt im besten Fall wirkungslos und wirkt im ungünstigeren Fall sogar kontraproduktiv. 

Immer noch bin ich mir außerdem nicht sicher, ob die Behandlung meines Mannes, die ja der eines Herzinfarktpatienten entspricht, nicht vielleicht von Anfang an falsch gewesen ist, unabhängig von der Frage, ob auch eine richtige Behandlung einem den Rest des Lebens spürbar beeinträchtigen kann. Denn der Herzinfarkt war ja immer eher eine Art Verdachtsdiagnose, das ergab sich aus den Arztbriefen der Klinik, auch wenn der Hausarzt so tut, als stünde die Sache völlig fest. Ich bin mir nicht sicher, ob die Sache richtig interpretiert ist, wenn dieser Verdacht als Tatsache gewertet wird, weil mein Mann ja unter sich verschlimmernden Erkältungssymptomen, darunter begleitend zu einem heftigen Husten auch zunehmende Atemnot, gelitten hatte. Ich fand es von Anfang an irritierend, daß man das den Ärzten so oft erklären konnte, wie man wollte, ohne daß es jemals auch nur ansatzweise in die Beurteilung mit eingeflossen ist. Aber die Infektionserkrankung war genauso real wie die Atemnot, die ohne dies sicherlich ein Symptom für einen möglichen Pumpenschaden ist und dies vielleicht auch mit Erkältungssymptomen sein kann. Mir fehlte aber von Anfang an eine Begründung dafür, warum die Atemnot nicht auch darauf zurückzuführen sein könne, denn mir leuchtet das nicht ein. Solange ich diese Begründung nicht habe, kann ich aber auch nicht sicher sein, daß die Symptome nicht doch auf die Infektionskrankheit zurückzuführen waren. 

Aber worauf muß ich mich jetzt eigentlich bei meinem Mann gefaßt machen?  

Es gibt eine Studie, die zeigte, daß Patienten, die sechs Monate nach einem Herzinfarkt mindestens ein Medikament abgesetzt hatten, im Lauf der nächsten zwölf Monate kein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko aufwiesen. Setzten sie aber alle Medikamente ab, dann stieg es eindeutig an. In Zahlen: Von 1000 Patienten, die alle Medikamente nahmen, ebenso wie von 1000, die nur ein Medikament absetzten, starben innerhalb von 18 Monaten 93 Patienten - und von denen, die nur die Betablocker abgesetzt hatten, lag sie sogar mit 91 um zwei Zehntelprozentpunkte niedriger. Unter denen, die alle Medikamente abgesetzt hatten, waren es aber 143 Todesfälle. Das ist prozentual betrachtet ein Anstieg um 50 %. 

Es klingt aber nach mehr, als es in Wirklichkeit ist. Denn von 1000 Patienten überlebten in den ersten beiden Fällen 907 bzw. 909, aber im dritten immer noch 857, für die sich das Risiko, die Medikamente abzusetzen, doch gelohnt hatte. Und es gab immerhin 93 auch unter den vorbildlich complianten Patienten, für die sich auch die Vorsicht gar nicht gelohnt hatte, denn sie starben trotzdem. Das legt nahe, daß auch von den 143 risikobereiten nicht mehr als 50 zum Opfer ihrer Entscheidung geworden sind, während weitere 93 auch dann gestorben wären, wenn sie die ärztliche Anweisung vorbildlich befolgt hätten. 

Das ist also die Risikogröße, mit der es auch mein Mann zu tun hat. Fünf Prozentpunkte rechnerisches Todesfallrisiko hin oder her. Und klar, es macht einen Unterschied, ob sich dann herausstellt, daß man zu den 95 oder zu den 5 Prozent gehört. 

Die OP meines Mannes ist allerdings schon fast zwei Jahre her. Ob die Risiken eines Absetzens zu diesem Zeitpunkt vergleichbar oder höher oder niedriger sind, weiß offenbar niemand, jedenfalls fand ich dazu nichts. Angenommen aber, es war überhaupt kein Herzinfarkt, und die Medikamente laufen damit ins Leere und erst sie machen meinen Mann wegen der Nebenwirkungen unnötigerweise krank, dann wäre sein Risiko gerade durch die Einnahme letztlich höher, als wenn er die Medikamente absetzen würde. Diese Möglichkeit macht mir auch schon seit einer Weile zu schaffen. Wären die Nebenwirkungen nicht, spräche nichts dagegen, vorsichtshalber die Medikamente halt weiterzunehmen. Aber diese Nebenwirkungen haben sie. Sie stehen der Schutzwirkung auch dann gegenüber, wenn ihre Einnahme eindeutig sinnvoll ist. Aber wir können uns nicht einmal sicher sein, ob sie sinnvoll ist. 

Ein Kompromiß wäre es vielleicht, die Medikation zu verändern, um die Nebenwirkungen zu verringern. Aber der Hausarzt hat sich auf dem Ohr als taub erwiesen, und so würde ich meinen Atem ebenfalls nicht darauf verschwenden, mit ihm weiter herumzudiskutieren. Aber einen anderen Arzt, vielleicht auch zwei, würde ich in dieser Frage jedenfalls noch zu Rate ziehen, wäre ich an meines Mannes Stelle. Dabei ist mir freilich klar, daß das Risiko enorm ist, bei beiden Zweitmeinungen dieselbe Art von Niete zu ziehen. Ich täte es trotzdem, nur um mir selbst sagen zu können, daß ich es immerhin versucht habe, die Nadel im Heuhaufen der Ärzte doch zu finden. 

Vielleicht überlegt mein Mann es sich ja doch noch anders. Aber wenn nicht, unterstütze ich ihn bei seiner Entscheidung, mag sie sich nun als falsch oder als richtig erweisen. Es bleibt mir sowieso kaum etwas anderes übrig. 

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Im Moment wird ja ein weiteres Mal über die Einführung einer Widerspruchslösung bei der Organspende im Bundestag debattiert. Daß und warum ich dagegen bin, habe ich schon wiederholt erwähnt und auch begründet. Eine Bestätigung meiner Annahme, daß bei einer Widerspruchslösung Organe von Menschen, die niemals aktiv zugestimmt hätten, sich aber aus psychischer Unfähigkeit, über diesen Schatten zu springen, davor drücken, ausdrücklich "Nein" zu sagen, durch eine bloße Zustimmungsfiktion abgegriffen werden sollen, erhielt auf unerwartete Weise eine Bestätigung.

Nämlich im Podcast "Machtwechsel" von Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander. Die brachten nämlich eine komplette Podcastfolge zum Thema Organspende. In einer späteren Folge erwähnten sie dann ganz en passant, daß es regelmäßige Podcast-Hörer gegeben habe, die ausdrücklich kundgetan hatten, diese spezielle Folge ausgelassen zu haben, weil dies ein Thema sei, mit dem sie sich nicht befassen wollten. Das erstaunt dann im ersten Moment doch ein wenig, denn als politisches Thema wurde es ja von den Podcastern genauso behandelt wie andere Themen auch, und der Blick hinter die Kulissen des Politikbetriebs hatte in dieser  Podcastfolge auch genauso viel Erkenntnis- und Unterhaltungswert. Hinter diesem spontanen Nichtanhörenwollen steckt also genau derselbe spontane Reflex, der auch dafür verantwortlich ist, daß jemand einer Entscheidung über Organspende ausweicht. 

Das sind meiner Meinung nach alles Leute, die die Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Sterblichkeit nicht ertragen. Genau diesen Leuten will man nun aber mit Hilfe der Widerspruchsregelung Organe entnehmen können, und zwar nicht deshalb, weil irgendwer im Ernst annehmen würde, sie hätten dem implizit ja durch das Fehlen eines ausdrücklichen Widerspruchs wirklich zugestimmt. Sie wollen über sie verfügen, weil das Potemkinsche Dorf der Zustimmungsfiktion dazu führt, daß niemand sie daran hindern wird.

Niemand interessiert sich in Wirklichkeit dafür, ob ein Organspender zugestimmt hätte oder nicht, es reicht völlig, diesen Anschein erwecken zu können. Es ist klassisches "So tun, als ob". In einer Frage, in der es um das Verfügungsrecht über den eigenen Körper geht, ist diese scham- und hemmungslose Trickbetrügerei auf eine so grundlegende Weise falsch, daß auch gerettete Menschenleben den damit angerichteten Schaden an der Würde der "Spender" (die in Wirklichkeit nicht gespendet haben, sondern ausgeplündert wurden) nicht aufwiegen. Damit setzt man nämlich - quasi als Strafe für eine Unterlassung, die mit einer Zustimmung zur Organentnahme eigentlich nicht verwechselt werden kann - fest, daß ein Mensch, der den Gedanken an seinen eigenen Tod nicht ertragen kann und ihn so weit wie möglich von sich selbst wegschiebt, das Recht auf Selbstbestimmung über seinen Körper verliert, sofern er im Fall des Hirntods noch als Ersatzteillager verwertet werden kann. Es geht hier nicht um eine Zustimmung im aktuell gemeinten Sinne des Wort, sondern um eine Orwellsche Verdrehung der Bedeutung von "Zustimmung" rein aus Nützlichkeitserwägungen heraus. Und: es geht ums Ausnutzen einer subjektiven psychischen Zwangslage. Das ist, als würde man die Vergewaltigung einer Person, die vor Angst erstarrt und subjektiv bewegungsunfähig ist, für akzeptabel halten, weil sie sich ja hätte wehren können und müssen. 

Das ist ein sehr grundsätzlicher Einwand, und ich finde es immer wieder erstaunlich, daß außer mir auch unter Gegnern der Widerspruchslösung niemand diesen Punkt wichtig zu finden scheint. Tatsächlich käme ich mit einer allgemeinen Organspendepflicht sogar noch eher klar als mit diesem scheinheiligen Konstrukt. Wenn halb Europa das scheinheilige Konstrukt bereits anwendet, zeigt das nur, wie leicht es ist, solche Verkorkstheiten durchzusetzen, weil das Denken in Machbarkeits- und Optimierungskriterien uns alle mehr oder weniger stark verkorkst hat. Sogar ich habe oft Schwierigkeiten, mich aus diesem Denkschema zu lösen, und muß mir das aktiv erarbeiten. Wenn mir eine Sache wichtig genug ist, mache ich aber so lange daran herum, bis ich den Knoten aufgedröselt habe und klar benennen kann, warum ich die Sache so und nicht anders sehe. 

Vor längerer Zeit unterhielt ich mich mal mit meinem Bruder über das Thema Organspende, und da stellte er mir eine Frage, die bei dieser Thematik gerne dann gestellt wird, wenn man den Gefragten als Heuchler entlarven möchte: Und was, wenn du selbst ein Spenderorgan brauchen würdest? Damit kann man nämlich eine Menge Leute gedanklich ins Schleudern bringen. Fast jeder setzt ja unausgesprochen voraus, daß der Tod das Allerschlimmste ist, was einem passieren kann, und daß man alles tun würde, um dies zu verhindern. Bloß, ich sehe das anders. Das, was ich tun würde, um meinen Tod zu verhindern, hat gewisse Grenzen und ein Spenderorgan liegt jenseits dieser Grenze. Mit einer Widerspruchslösung sogar noch mehr, denn ich fände den Gedanken unerträglich, Profiteur einer Regelung zu sein, die die Menschenwürde des Organ-"Spenders" mit Füßen tritt. Ich kannte aber auch mal einen Mann, der sein Leben durch ein Spenderherz verlängern konnte. Immerhin um ca. 15 Jahre. Die persönlichkeitsverändernde Wirkung der Medikamente, die er diese 15 Jahre lang nehmen mußte, hatte allerdings ein paar Auswirkungen, die ein Preis wären, den ich selbst niemals fürs Weiterleben bezahlen wollen würde. 

Mir wäre es aber auch alleine schon unerträglich, für den Rest meines Lebens in der medizinischen Maschinerie festzustecken, die die transplantierten Organe weiter am Laufen hält. Denn von alleine tun sie das ja nicht. Der Körper erkennt sie ja weiter als fremd und möchte sie am liebsten abstoßen. Ich müßte also für den Rest meines Lebens ständig gegen den eigenen Körper kämpfen. Daß ich diesen Preis bezahle, dafür müßte ich schon Grund haben, mich zum Weiterleben verpflichtet zu fühlen, etwa, weil ich Angehörige habe, die auf mein Weiterleben existentiell angewiesen sind. 

Wir leben ein Leben, in dem man sich ständig das Schienbein blauschlagen kann, weil man dauernd über irgendwelche Widersprüchlichkeiten stolpert. Einerseits sollen wir in einer Art biographischem Langstreckenlauf so lange wie möglich durchhalten können, bevor wir schließlich doch am Streckenrand in die Knie gehen (und das passiert ja unweigerlich jedem von uns), und es wird uns zu einer Art Pflicht gemacht, alles uns Menschenmögliche dafür zu tun, daß wir nicht früher als gerade noch möglich aus diesem Rennen auscheiden. Andererseits bringt die aktuelle Lebenserwartung die Rentenkasse ja schon jetzt ins Schleudern (sollen wir also möglichst viele Lebensjahre in Armut und Dürftigkeit verbringen wollen?) und wenn wir einmal Pflege benötigen, dann wird uns die Pflegeversicherung dafür garantiert keinen Dank wissen (und die Qualität der Pflege ist ebenfalls schon jetzt durch dünne Personaldecken arg strapaziert). Wenn unsere Organe versagen, dann geht jeder davon aus, daß wir mit Selbstverständlichkeit ein Ersatzteil haben wollen, für das freilich erst einmal eine andere Person den Hirntod erleiden müßte und womöglich zu dem Personenkreis derjenigen gehörte, die es vor ihrem Lebensende so gegruselt hat, daß sie den Gedanken an diese Situation immer aus Leibeskräften von ihrem Bewußtsein fernzuhalten versucht hat. Das wiederum wird geradezu ohrenbetäubend laut beschwiegen. Trotz dieses unausgesprochenen elften Gebots "Du sollst so lange wie möglich leben wollen" wissen aber immer mehr Menschen gar nicht mehr so recht, warum und wofür sie eigentlich weiterleben sollten. Das legt der Anstieg der Zahl diagnostizierter Depressionen nahe. Die Suizidraten zeigen einen umso dramatischeren Anstieg, je höher das Lebensalter ist. Die Zahl der Suizidversuche ist schwieriger zu ermitteln, liegt aber noch einmal ungefähr zehnmal so hoch. 

 

Was ich nicht herausbekommen konnte, ist, ob das alles "wilde" Suizide waren oder auch assistierte Suizide in den Zahlen mit enthalten sind. Die Zahlen der assistierten Suizide sind aber sehr niedrig im kleinen dreistelligen Bereich. Das kann sich freilich noch ändern, da die Zahl der Mitglieder einschlägiger Vereine in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Es ist gut möglich, daß die Zahl der assistierten Suizide in einigen Jahren ungefähr genauso hoch liegen wird wie die der Empfänger von Spenderorganen. In der Schweiz, wo die Sterbehilfe schon länger als bei uns möglich ist, ist das jedenfalls der Fall: Link 1, Link 2.   

Der assistierte Suizid für Menschen, die glaubhaft darlegen können, daß und warum das Weiterleben ihnen nicht mehr lebenswert erscheint, ist meiner Meinung nach das Gegenmodell zur Organspende als ein Mittel, um jeden Preis weiterleben zu wollen. Solange in beidem der freie Wille entscheidet, ist das eine Widersprüchlichkeit in unserer Gesellschaft, die man aushalten können sollte. Genau wie die Organspende hat es aber eine dunkle Seite, denn es gibt genügend Hinweise darauf, daß der Grund für den Todeswunsch derjenigen, die assistiert aus dem Leben scheiden wollen, gar nicht so selten die Angst davor ist, von anderen Menschen in allen Alltagsverrichtungen abhängig zu werden und "ihnen nur zur Last zu fallen". Ist man einmal nicht mehr imstande sich selbst zu helfen, ist man den damit verbundenen Risiken für das eigene Wohlergehen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Wer präventiv aus dem Leben scheiden will, um keinesfalls in diese Lage zu kommen (und das ist sicherlich bei Älteren häufig der Fall), hat wahrscheinlich vorher immer kontrollieren können, wie sein Leben verläuft und war dabei risikoavers. Garantiert sind manche hinfälligen älteren Menschen bereits jetzt damit konfrontiert, daß ihre Angehörigen offen oder subtil sie zu einem assistierten Suizid bewegen wollen. Das ist eine kaum vermeidbare Nebenwirkung der Legalisierung dieses Modells. 

Assistierter Suizid ist nicht in jedem Fall das selbstbestimmte Sterben als Akt der eigenen Würde, womit die Legalisierung ja immer begründet wurde. Auch hier fehlt mir eine Debatte darüber, wie man damit umgeht. Mit etwas Glück käme dann auch der unausgesprochene gesellschaftliche Faktor zu Sprache, daß an sich jeder Bürger dieser Gesellschaft in einem Sinne der optimalen wirtschaftlichen Verwertbarkeit so nützlich wie möglich sein soll. In hohem Alter und bei schlechter Gesundheit ist das nicht mehr der Fall. Das macht etwas mit dem davon Betroffenen, und es macht etwas mit den Menschen, die sich um ihn kümmern, jedenfalls dann, wenn sie diesem Primat der Wirtschaftsinteressen grundsätzlich zustimmen, wie das im Moment ja die Grundlage des Verständnisses einer funktionierenden Gesellschaft zu sein scheint. 

Eine bessere wirtschaftliche Verwertbarkeit der Bürger bei möglichst kostengünstiger Aufrechterhaltung der Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse, soweit sie sich sie nicht selbst verschaffen können, ist aus Perspektive der Bürger der einzige rote Faden, der in den Reformbemühungen unserer Bundesregierung erkennbar ist. Der Blickwinkel von Unternehmen mag wohlgefälliger sein, denn ihre Interessen scheinen als denen von Menschen übergeordnet zu gelten. Ob und wie weit es in Regierungkreise allmählich durchdringt, daß es dies ist, was von den Bürgern negativ aufgenommen wird, weiß ich nicht. Dem jüngsten Ergebnis der Koalitionspartner kann man aber in jedem Fall ansehen, daß es ein Kompromiß ist, um den hart gerungen wurde und bei dem alle Beteiligten ein paar Federn gelassen haben. Und vielleicht ist es ja schon an sich positiv, daß es trotzdem am Ende ein Ergebnis gab und sich die Herrschaften im Kampf um die Partikularinteressen ihrer jeweiligen Fraktion nicht heillos zerstritten haben. Heutzutage muß man ja schon für so etwas dankbar sein. Freilich, einen roten Faden erzeugt man auf diese Weise nicht, und nichts, worin unsereins das wiederfinden könnte, was ihm selbst am Leben wichtig ist. 

Hinter den Kulissen scheint es nicht harmonisch zugegangen zu sein, und das letzte Wort ist in manchen Bereichen außerdem wohl noch nicht gesprochen. Ich habe mir die Pressekonferenz komplett angesehen und fiel fast vom Stuhl, als Markus Söder ganz nebenbei, als wäre das selbstverständlich, die Minijobs so erwähnte, als würden sie doch aus dem Rentenpaket rausgenommen und fortbestehen. Würde das geschehen, könnte man sich die Arbeit mit der Rentenreform meiner Meinung nach einfach sparen. Zum Glück - und auch das ist heute nicht mehr selbstverständlich - hakte in der Fragerunde eine Journalistin nach, der die Sache auch aufgefallen war, und zwar mit einer Frage an Friedrich Merz, der zu Beginn der PK ja noch davon gesprochen hatte, daß die Vorschläge der Rentenkommission vollständig umgesetzt werden sollten. Der Bundeskanzler wies in seiner Antwort darauf hin, daß über das Rentenpaket erst im September verhandelt würde und es hier lediglich um den Pauschalsteuersatz bei den Minijobs gegangen sei, der angehoben weden solle. 

Wenn es keine Minijobs mehr geben sollte, wird es diese Pauschalsteuer aber natürlich auch nicht geben. Daß diese Regelung überhaupt getroffen wurde, macht mich mißtrauisch. An eine Abschaffung der Minijobs glaube ich erst wieder, wenn sie wirklich beschlossen ist. Zumal es jetzt offenbar wirklich zu einer Verschiebung auch beim Gebäudemodernisierungsgesetz kommen wird. Die Sache soll jetzt im Herbst über die Bühne gehen. Falls dieses Gesetz nicht doch ganz gekippt wird, denn es wurden ja schon vor Monaten Zweifel an ihrer verfassungsrechtlichen Zulässigkeit artikuliert. Auf nichts kann man sich also bei dieser Regierung verlassen. Es kann also auch sein, daß das gesamte Rentenkonzept durch Nacharbeiten verdorben wird.

Sehr wahrscheinlich ist außerdem, daß im Fall der Minijobs eine Menge Leute erleichtert aufatmen, dazu stürmisch applaudieren und dann zur Tagesordnung übergehen werden. Der Preis dafür wäre das Fortbestehen von Fehlsteuerungen, die schon meine Generation teuer genug zu stehen gekommen ist und für die nächste auch nicht billiger wird, und wann sich wieder jemand traut, das in Angriff zu nehmen, steht in den Sternen. 

Was mir sonst noch erwähnenswert vorkam: Handwerkerleistungen können künftig nur noch zu 15 Prozent steuerlich geltend gemacht werden. Gut also, daß wir dieses Jahr noch unsere letzten großen Sachen erledigen lassen. Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft und - aber das war möglicherweise unklar formuliert, denn da scheinen Teile der Bundesregierung gerade wieder zurückzurudern - die ärztliche Krankschreibung soll schon am ersten Krankheitstag erfolgen.  Ach ja, und Özdemirs Ankündigung, wie er in BW den Bürokratieabbau angehen wird, hat die Bundesregierung anscheinend beim Ehrgeiz gepackt, denn sie will es jetzt auf dieselbe Weise angehen, also alle Berichtspflichten, die nicht auf EU-Recht beruhen, auslaufen lassen und nur verlängern, wenn die Notwendigkeit überzeugend begründet wird. Ansonsten war auch viel Pipifax dabei, etwa daß Bäckereien, Konditoreien und Bibliotheken sonntags länger öffnen dürfen, also Dinge, für die es sich meines Erachtens innerhalb einer Koalition nicht zu streiten gelohnt hätte, weil das Überleben der Wirtschaft daran garantiert nicht hängt. 

Offenbar hat die Union aber immerhin endlich eingesehen, daß es unmöglich ist, Besserverdiener nicht ebenfalls zu belasten, da ja außer den Reichen durch dieses wie auch alle vorherigen Pakete praktisch jeder belastet wird. Der bisherige Spitzensteuersatz soll deshalb künftig bei einem etwas niedrigeren Jahreseinkommen als bislang gelten, nämlich ab 250.000 Euro, und es gibt einen neuen, noch höheren Spitzensteuersatz, der bei Einkommen ab 280.000 Euro anfallen wird. Freilich, das ist nur eine einzelne Maßnahme, die sich speziell auf Besserverdiener auswirkt. Dem gegenüber steht eine große Zahl an Maßnahmen, die sich auf Normalverdiener und/oder Geringverdiener und/oder die Allerärmsten auswirken, plus solche, die alle gleich treffen, was bedeutet: Je niedriger das Einkommen, umso härter wird man davon getroffen. Ich würde deshalb sagen: Das ist ein Fall von "Zu wenig und zu spät". Falls damit die Umfragewerte ein Stückchen nach oben gepusht werden sollten, bin ich mir sicher, daß dieses Ziel nicht erreicht werden wird.  

Das Gesamtkonzept, aber das gilt für die meisten Kompromisse, ist eine Art Patchworkdecke, in die alles mögliche eingenäht wurde, das nichts miteinander zu tun hat und nicht miteinander harmoniert, sagen wir, um im Bild zu bleiben: vom Samtkleid über den Jeansstoff bis zum Mehlsack oder vielleicht sogar die eine oder andere Plastiktüte, durch die das Werk von vornherein zu einem baldigen Reißen verurteilt wäre.  

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Die Erklärung für die Wirkung des kalten Duschens für einen guten Nachtschlaf bei Hitze fand ich jetzt selbst heraus. Der Schlafforscher Dr. Michael Feld erwähnte bei NTV, daß der Körper sich abends auf das Schlafen vorbereitet, indem er die Körpertemperatur etwas herunterkühlt. An sehr heißen Tagen funktioniert das aber nicht gut genug und man muß dem aktiv Vorschub leisten. Die Tipps von Dr. Feld, diese Abkühlung auf andere Weise selbst vorzunehmen, waren Lüften, Ventilatoren und feuchtkalte Wickel. Das sorgt dafür, daß die physischen Voraussetzungen fürs Einschlafenkönnen geschaffen werden, die sich bei weniger ungünstigen Wettervoraussetzungen der Körper von alleine schaffen würde. 

Die Sache mit dem kalten Duschen erwähnte Dr. Feld nicht (wieso eigentlich nicht?), aber es liegt nahe, daß die von mir und meinem Mann erlebte Wirkung des kalten Duschens vor dem Schlafengehen plus der Verzicht aufs anschließende Abtrocknen genau auf dem von ihm beschriebenen Mechanismus des Herunterkühlens als Schlafvorbereitung beruhen muß. Nachtragen kann ich dazu übrigens, daß mein Mann dafür plädiert, beim Duschen lauwarm zu beginnen und die Temperatur dann langsam zu senken. Und: mehrere Minuten duschen. Ich mach das freilich anders. Das allererste Wasser, das aus der Dusche kommt, ist an heißen Tagen sowieso nicht richtig kalt, weil es in den Leitungen stehend ja wärmer geworden ist. Die Abkühlung des Wassers erfolgt dann von ganz alleine und ist für mich nicht unangenehm und sogar kaum wahrnehmbar, wenn ich das Wasser erst anstelle, wenn ich schon unter der Dusche stehe. Meine Duschzeit ist auch kürzer, meistens so um eine Minute herum. Für die beschriebene Wirkung reicht das bei mir auch locker aus. Also, man kann das Konzept nach persönlichem Gusto und je nach erlebter Wirkung auch variieren. 

Im Moment machen wir das mit dem Duschen vor dem Einschlafen aber beide nicht. Ich habe meinen Mann nicht gefragt, aber ich mache das nur dann, wenn ich abends vor dem Zubettgehen schwitze. Bei den aktuellen Temperaturen passiert das nicht.