Freitag, 23. Oktober 2026

Der Papst, der König, der Präsident und ich

Mein Gewicht heute früh nach allen vier Tagen meines viertägigen Fastenintervalls: 77,2 Kilogramm, das sind 400 Gramm mehr als vor zwei Wochen am Freitag. Am Montag habe ich mich noch über 83,3 Kilo geärgert und sie auf das Konto einer unangenehmen Verstopfung verbucht, das erste Mal seit dem Dulcolax-Zäpfchen vor ein paar Monaten, daß ich das wieder erlebe. Aber irgendein Sondereffekt muß doch mit im Spiel gewesen sein, sonst würde ich nicht - immer noch verstopft - heute 6,1 Kilogramm weniger wiegen. 6 Kilo plus x in vier Fastentagen, das kommt nur bei einzelnen Ausreißern vielleicht ein- oder zweimal im Jahr vor. Auch das Tragegefühl bei meinen Hosen paßte nicht zu diesem Gewicht (erstaunlich, wie viel ein bis zwei Kilo hin oder her in meinem aktuellen Gewichtskorridor ausmachen). 

Aber wie auch immer, ich möchte endlich wieder dauerhaft unterhalb der 80-Kilo-Grenze bleiben. 

Ab heute geht es jetzt endlich wieder los mit Low Carb, und zwar diesmal bis Ende der ersten Dezemberwoche - weil ich mit einer Woche Verspätung damit anfange, nachdem ich letzte Woche noch zu viele Nicht-LC-Lebensmittel verbrauchen mußte, um es zum geplanten Zeitpunkt zu tun. Das sollte mich jedenfalls vorübergehend an mein Ziel bringen. Wie es danach weitergeht, wird man sehen. 

Freilich, schon jetzt zeichnen sich beunruhigend viele Unterbrechungen in meiner diesjährigen LC-Phase ab. Meine Mutter wird 90, das heißt, diesmal werde ich zweimal zum Feiern gehen, einmal am Geburtstag selbst in der Wochenmitte und dann noch einmal am Wochenende, wenn die große Familienfeier steigt, und dies diesmal mit Übernachten, also zwei Tage. Zwei Tage nach ihrem Geburtstag feiert aber auch eine Nachbarin ihren Neunzigsten und ich sollte dort auch ein kurzes Besüchle machen. Und einer weiteren Nachbarin - sie ist schon 95 - habe ich einen Besuch versprochen, den ich irgendwie entweder vor oder nach dem Geburtstag meiner Mutter unterbringen muß. Natürlich werde ich dann auch jeweils den selbstgemachten Kuchen und sonst das, was man mir vorsetzt, essen, wie ich das auch in früheren Jahren immer gemacht habe. 

Alles in allem kommen diesmal aber mehr schon jetzt absehbare Situationen als sonst vor, in denen ich Low Carb unterbrechen werde. Eine weitere ist der Adventskaffee am ersten Advent, und möglicherweise werde ich auch bei einer leider anstehenden Beerdigung am Ort anschließend zum Kaffee eingeladen. Ich hoffe trotzdem zuversichtlich, daß die Wirkung diesmal besser ausfällt als im letzten Jahr, weil ich entschieden habe, ungefähr zur Halbzeit, also nach den ersten drei Low-Carb-Wochen, wieder in den Frühschichtwochen meines Mannes die erste Mahlzeit erst nach 13 Uhr zu mir zu nehmen. Für den Anfang mache ich das aber noch nicht. Mich interessiert nämlich, ob es auf die zweite Weise unter dem Strich besser oder gleich oder schlechter klappt als Low Carb nach meiner gewohnten Methode. Typisch ist es ja, daß die Abnahme im Laufe der sechs Wochen anfangs höher liegt und gegen Schluß hin nachläßt. Vielleicht gelingt es mir ja, diesen Verlauf umzukehren oder wenigstens eine gleichmäßigere Abnahme zu erreichen.

Das Schöne ist, daß ich mich auf Low Carb immer auch freue. Zum Beispiel auf die Big-Mac-Rolle am Samstag, mit der wir die Low-Carb-Phase traditionell einleiten. Danach gibt es unsere vorletzte Zucchini als mit gemahlenen Schweinekrusten panierte gebratene Zucchinischeiben mit Kartoffel-Kohlrabi-Püree und anschließend das erste Mal Blumenkohlreis, vermutlich mit Hähnchenleber. Low-Carb-Krautsalat muß ich auch dringend mal wieder machen. Und was ich unbedingt gleich am ersten Wochenende zum Frühstück machen muß, sind die tollen Brötchen aus Milchpulver und Ei. Endlich weiß ich jetzt auch, wo ich das Milchpulver kaufen kann: Im Bioladen am Bahnhof haben sie es. Ursprünglich fand ich es beim Kaufland, aber dort haben sie es seitdem nie wieder gehabt. Aus dem Programm genommen, nehme ich mittlerweile an. Einerseits ärgerlich, aber andererseits habe ich damit vermutlich nur noch in absoluten Ausnahmefällen einen Grund, dort hinzugehen, und das finde ich positiv. Vor allem im Sommer finde ich den Kaufland unangenehm, weil die dermaßen drastisch runterkühlen, daß man vor allem vor dem Kühlregal sich eine Erkältung zuziehen kann. Aber zu allen Jahreszeiten finde ich an diesem Supermarkt unangenehm, wie voll es dort immer ist. 

Natürlich werde ich auch wieder eine Menge Videos zu LC-Rezepten anschauen, um mir neue Inspirationen zu suchen. Über die überzeugendsten Experimente werde ich natürlich berichten. :-)  

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Mal sehen, wie lange mein Blog die neuen Inhaltsrichtlinien von Blogger überleben wird. 

Irreführende Inhalte in Bezug auf schädliche medizinische Verfahren: irreführende gesundheitliche oder medizinische Inhalte, die andere dazu auffordern oder ermutigen, Dinge zu unternehmen, die das physische oder geistige Wohlbefinden von Personen oder die öffentliche Gesundheit beträchtlich schädigen können.

Vielleicht sollte ich alles, was ich hier geschrieben habe, mal vorsichtshalber auf meinem Rechner abspeichern. Immerhin schreibe ich ja über persönliche Erfahrungen gesundheitlicher Art, die nach Meinung von Experten schädliche medizinische Verfahren enthalten und deshalb überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen können, also im Umkehrschluß glatt gelogen sein müßten. 

Ich stelle mich mal darauf ein, daß sich irgendwelche Wichtigtuer vielleicht dazu berufen fühlen könnten, Blogger vermeintlich irreführende gesundheitliche Inhalte zu melden und dann irgendwelche Praktikanten bei Blogger den Job bekommen, vorsichtshalber alles zu beseitigen, was vielleicht Anstoß erregen könnte. Dergleichen ist mir früher, als ich noch in den Kommentarbereichen von ZEIT oder Spiegel Online mitdiskutierte, mit meinen Beiträgen ja auch oft genug passiert, bis ich die Lust verloren habe, meine Zeit für gut durchdachte und sorgfältig ausgearbeitete Texte zu vergeuden, die mir jederzeit aus heiterem Himmel unter dem Hintern weggelöscht werden können. 

Falls mein Blog aber irgendwann mal verschwunden sein sollte, liegt das nicht daran, daß ich keine Lust mehr hatte, ihn weiterzuführen. Ich lege Wert darauf, das vorauseilend klarzustellen.

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Das hier ist aber bestimmt unstrittig.  

Die besten Genesungswünsche an Papst Leo XIV, der nun auch dem Club angehört, in dem niemand Mitglied sein möchte. Noch dazu mit der Sorte Krebs, die jeden spontan dazu bringt, darüber nachzugrübeln, ob der Erkrankte eigentlich Raucher sei. Man kann den Medien kaum vorwerfen, daß sie nicht versucht hätten, diese Frage zu beantworten, aber anscheinend fanden sich bislang keinerlei Indizien dafür, daß Leo jemals geraucht hätte. 

Ob irgendwelche besonders verpeilten Wirrköpfe unter den Evangelikalen, vor allem solche, die dem Trump-Fanclub angehören, die Sache ebenfalls genauso spontan als eine Bestrafung eines Sünders, also in diesem Fall als Strafe Gottes dafür, daß der Papst kein Unterstützer der MAGA-Bewegung ist, interpretiert haben, weiß ich nicht, aber ich bin überzeugt davon, ich würde so etwas finden, wenn ich ernsthaft danach suchen würde. Aber Gottes Eingriff könnte auch darin bestanden haben, daß die Sache so früh entdeckt wurde, und das ist bei Lungenkrebs ja nicht selbstverständlich. Was Lungenkrebs so tödlich macht, ist, daß er meistens erst diagnostiziert wird, wenn er längst metastasiert hat. Vorausgesetzt, daß hier keine häßlichen Überraschungen mehr nachkommen, sollte der Papst also gute Genesungsaussichten haben, da inzwischen bekannt geworden ist, daß dies bei ihm nicht der Fall ist. 

Übrigens ist es ein komisches Gefühl, als frühere Katholikin, der es unmittelbar bei Erreichen der Volljährigkeit zum dringendsten Bedürfnis wurde, schnellstmöglich aus der katholischen Kirche auszutreten, sich plötzlich irgendwie mit dem Oberhaupt derselben verbunden zu fühlen - auch wenn meine militant atheistische Phase schon ein paar Jahrzehnte vorbei ist, komme ich mir dabei echt merkwürdig vor. Aber dann sage ich mir halt wieder: Nun ja, mit mit König Charles von England und Joe Biden ging es mir ja genauso und ich fand es genauso kurios, und die sind beide ja nicht katholisch, sondern haben nur dieselbe Arschkarte gezogen wie der Papst und ich. 

In meinem Umfeld gab es in den letzten Monaten einen Fall von Krebs (glücklicherweise in sehr frühem Stadium) und einen von Krebsvorstufe und der Möglichkeit, daß sich doch schon Krebs entwickelt hat. Beim letzteren steht die gute oder schlechte Nachricht im Moment noch aus (wir hoffen auf die gute), aber in beiden Fällen habe ich mich gefragt, was ich zu den Leuten sagen soll bezüglich meiner Annahmen zur Wirkung von Fasten und Keto auf die Heilungschancen. Daß ich mich dabei nicht auf zwei bis drei kurze Sätze beschränken kann, macht die Sache auch nicht einfacher. 

Im ersten Fall ist eine vollständige Heilung sehr wahrscheinlich, es gab nicht mal eine Chemo. Im zweiten könnte das im ungünstigen Fall aber anders sein. Wie kann ich dann wirksam dazu beitragen, daß es auch in diesem Fall ein gutes Ende nimmt, solange jeder Onkologe, wenn er von den beiden nach seiner Meinung zu meinen Theorien gefragt wird, mich zu einem Verschwörungstheoretiker erklären wird? Ich habe kein Talent zum eifernden Missionar, ich kann nur sagen, was ich gelesen, gehört und am eigenen Leib erfahren habe. Und wenn die Leute mich dann für verdreht halten, nachdem sie ihren Arzt gefragt haben, und meine Empfehlung ignorieren, ist es halt so. Aber nichts sagen, geht ja erst recht nicht. Nicht, wenn es um jemanden geht, der mir etwas bedeutet. 

Die Situation ist also vielleicht bald da, vor der ich mich noch mehr gefürchtet habe als vor einem eigenen Rückfall. Und dafür, daß ich nun zusehen muß, wie ich sie bewältige, ohne mir danach selbst Vorwürfe machen zu müssen, mache ich die Lerute verantwortlich, die jeden Erkenntnisgewinn zu diesen Fragen in der Wissenschaft wie auch Aufgeschlossenheit in der Onkologie für offensichtlich unschädliche experimentelle Eigeninitiativen durch den Patienten so aktiv und eifrig sabotieren, als würden sie dafür bezahlt. Leute wie diese Professorin Jutta Hübner. Ich stehe ziemlich hilflos vor der Tatsache, daß diese Sabotage gerade onkologischer Alltag ist, wenn es um Menschen geht, deren Wiedergenesung und langes Leben mir etwas bedeutet. Helfen kann ich im Zweifelsfall am ehesten mir selbst, nicht optimal unter solchen Rahmenbedingungen, aber immerhin in gewissem Maße. Bei meinem Mann würde es vielleicht auch noch klappen. Aber sonst? 

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Auch wenn die Sommerhitze vorbei ist, die Hitzetoten poppen als Thema immer mal wieder neu auf, hier zum Beispiel. Das erinnerte mich daran, daß ich dazu auch noch etwas zu erwähnen hatte: Unsere Lokalzeitung hat im Landkreis recherchiert und zu ihrem eigenen Erstaunen keinen statistischen Anstieg der Todesfälle während der Hitzewelle in den Daten finden können. Die Zahlen in der Region bewegten sich auch in den größeren Städten im Landkreis im Rahmen der Schwankungsbreite der letzten fünf Jahre. Es gab auch ein Städtchen, das erstaunlich deutlich weniger Todesfälle als in den Vorjahren meldete. 

Eine höhere Inanspruchnahme der Notaufnahmen ließ sich dagegen eindeutig nachweisen. Und auch ein Teil der Bestatter meldete etwas anderes, sie haben sehr wohl einen zwar nicht extremen, aber doch merklichen Anstieg bei den Todesfällen registriert. Andere befragte Bestatter sahen keinen Unterschied zu früheren Jahren. Mehrere Bestatter merkten außerdem an, daß sie schon seit Jahren eine Verschiebung der Häufigkeiten von Todesfällen aus dem Winterhalbjahr in den Sommer registrierten - es gäbe kein "Sommerloch" mehr, dafür sei die Lage zwischen Oktober und Februar jetzt weniger angespannt. Das entspricht meinen Annahmen, denn wir hatten ja nicht nur heiße Sommer, sondern auch milde Winter in den letzten Jahren, und es irritiert mich maßlos, daß diese Wirkung von milden Wintern in den Medien sonst praktisch nie vorkommt. Außerdem sprachen mehrere Bestatter das an, was ich schon immer aus den Schwankungen bei der Zahl der Todesanzeigen in der Zeitung abgeleitet hatte und was in den Hitzetote-Debatten auch immer eisern ignoriert wird: Größere Temperaturschwankungen führten bei ihnen eigentlich zu jeder Jahreszeit zu einem Anstieg der Bestattungsaufträge. 

Ich habe ja das Glück, eine der wenigen Lokalzeitungen lesen zu können, die noch in einem unabhängigen Verlag erscheinen, und genau solche Recherchen bestätigen mir, daß es wichtig ist, solche Zeitungsredaktionen zu haben, denn dieser Bericht füllte eine komplette Seite, in der nichts einfach von anderen abgeschrieben, sondern selbst viel Recherchearbeit auf regionaler Basis geleistet wurde. Und offenbar hat in der Redaktion niemand das Gefühl gehabt, dieses sicherlich unerwartete Ergebnis sei etwas, das man vielleicht doch nicht an die große Glocke hängen sollte, weil es irgendwelchen für übergeordnet gehaltenen Zielen zuwiderlaufe. Das nämlich, hatte ich schon öfter den Eindruck, ist bei Gesundheitsthemen gar nicht so selten der Fall. 

Was aber folgt aus dieser Information? Mein Verdacht bestätigt sich, daß man die Zahlen wohl wirklich auf regionaler und lokaler Ebene konkretisieren müßte, und da ja manche Bestatter wirklich einen Effekt merkten, obwohl andere am selben Ort nichts dergleichen hatten, vielleicht sogar noch auf Stadtteilebene. Denn irgendwo ist die Übersterblichkeit ja hergekommen, und wenn sie nicht gleichmäßig verteilt ist, dann muß es ja möglich sein, die Regionen, Orte oder Ortsteile, in denen die Häufungen besonders auffällig waren, einzukreisen und herauszufinden, was sie von denen unterscheidet, in denen es geringere oder gar keine Anstiege bei den Todesfällen gab. Das ist die einzig vernünftige Basis für Hitzeschutzmaßnahmen mit einer Reduktion der Übersterblichkeit als oberste Priorität und dabei verfolgtes Ziel. 

Merkwürdigerweise erwähnte gerade heute ein Artikel, in dem die Hitzetoten gar nicht das Thema waren, sondern vielmehr der Versuch einer Analyse, was dazu führt, daß die Menschen immer massenhafter Populisten auf den Leim gehen, ein Beispiel für Hitzetote und deren Verteilung aus dem USA, das schon um die dreißig Jahre alt ist: 

Der US-Soziologie Eric Klinenberg hat vor einigen Jahren in seinem Buch „Palaces for the People“ beschrieben, was solidarische Gesellschaften zusammenhält. Ausgangspunkt seiner Studien war eine außergewöhnliche Hitzewelle in Chicago in den neunziger Jahren, die zu extremer Übersterblichkeit führte. Auf den ersten Blick schien alles den erwartbaren Mustern zu folgen: In den Reichenvierteln war die Übersterblichkeit gering, in den Armenvierteln war sie dramatisch.

Aber sobald er sich die Daten genauer ansah, stellte er fest: In manchen Armenvierteln war die Übersterblichkeit krass, in anderen wiederum überhaupt nicht nachweisbar. Und diese Differenz machte ihn neugierig. Bald stellte Klinenberg fest: Die Resilienz, die Fähigkeit, sich wechselseitig zu helfen, war in jenen unterprivilegierten Gegenden hoch, in denen die soziale Infrastruktur funktionierte. In denen es lokale Geschäfte gab, in denen sich die Menschen kannten. In denen es soziales Vertrauen gibt, in denen man um Hilfe bittet oder sich auch um andere kümmert. Wo die soziale Infrastruktur nicht funktionierte, starben die Menschen allein daheim.

Wäre das übertragbar (und warum sollte das eigentlich nicht der Fall sein?), hätten wir bei uns im Landkreis also neben anderem auch eine funktionierende soziale Infrastruktur, die anderswo vielleicht fehlt. 

Ein Einkreisen der Hitzetoten-Hotspots würde es den logisch zu Ende gedachten Annahmen des Berichts zufolge gleichzeitig vermutlich auch möglich machen, die Orte und Regionen aufzuspüren, in denen man ansetzen muß, um die vom gesellschaftlichen Wagen gefallenen Menschen wieder zurückzugewinnen, indem man ihnen die Mittel verschafft, sich "rezusozialisieren", also das durch die zunehmende Vereinzelung verlernte solidarische Verhalten neu zu lernen, und zwar, indem man ihnen bei einer Verbesserung der sozialen Infrastruktur oberste Priorität gibt. Die Chancen stehen gut, daß dies das Gefühl ohnmächtiger Wut verringert, das offenbar derzeit am leichtesten zu lindern ist, indem man die Parteien wählt, vor denen unsere Eltern und Lehrer und sämtliche Autoritäten sämtlicher staatstragenden Institutionen uns immer gewarnt hatten. (Und vor denen ich auch warne.) 

Ansätze solcher Forderungen nach sozialer Infrastruktur gibt es ja mittlerweile auch durch Fachleute, immer wieder geistern Vorschläge dieser Art zu den heute gerne als "dritten Orten" bezeichneten Örtlichkeiten (an denen sich Menschen in einem Wohngebiet niedrgeschwellig treffen können) durch die Medien. Meine eigenen Ideen dazu waren etwas, ähem, unorthodox, gefallen mir aber trotzdem immer noch. 

Allein, mir fehlt der Glaube, daß irgendwer eine solche tiefgreifende Analyse der Hitzetod-Hotspots vornehmen wird, geschweige denn, daß Analysen anderer zur Grundlage solcher Maßnahmen genutzt werden. Die einen finden die Hitzetoten meinem Eindruck nach sowieso nur wichtig, weil sie sie für ihre Klimaziele instrumentalisieren können, haben also insgeheim gar kein ernsthaftes Interesse daran, sie zu verhindern.Und die anderen sind damit beschäftigt, die Bevölkerung mit ein paar symbolpolitischen Maßnahmen zufriedenzustellen, deren Ziel auch nicht darin besteht, zielgenau wirksame Mittel einsetzen zu können. 

An dieser Stelle stand gerade eben noch ein Wutausbruch über die Verpeiltheit unserer Politiker im allgemeinen, den ich aber wieder gelöscht habe, weil er im Grunde nur viele Male Geschriebenes noch einmal wiederholt. Ich will ja niemanden mit ermüdenden Wiederholungen langweilen. Erinnert sich hier aber noch jemand an meinen Blogartikel über das Narrenschiff-Orakel? Heute abend ist es mal wieder soweit, daß die SWR-Hitparade endet. Wird Reinhard Meys ätzende Abrechnung mit der Polit-Elite der späten Neunziger als Abrechnung der Bürger mit der aktuellen Polit-Elite den letztjährigen Platz 4 toppen? Falls die Entwicklung der Beliebtheitswerte von Friedrich Merz damit korrelieren würden, dann müßte er diesmal eigentlich auf Platz 1 landen. Ich will hoffen, daß es trotzdem weiterhin "Bohemian Rhapsody" sein wird. 

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Die Kartoffelernte dieses Jahr liegt in Deutschland laut Statistischem Bundesamt etwa ein Viertel unter der des Vorjahres. Bei uns im Garten aber nicht! Wir hatten letztes Jahr durch die zwei bis drei wild gewachsenen Kartoffelpflanzen etwa ein Kilo eigene Kartoffeln. Die acht kleinsten Kartöffelchen (kleiner als eine Glasmurmel) hatten wir über den Winter im Gewölbekeller gelagert und im Frühjahr im Garten eingepflanzt. Sie brachten uns nun sage und schreibe fünf Kilo Kartoffeln, darunter mindestens zwanzig Kartöffelchen in derselben Mini-Größe, die nun wieder im Keller auf ihren Einsatz nächstes Jahr warten. Das fasziniert mich schon. Wenn wir wollten, könnten wir nur mit dem Einsatz der Minikartoffeln, die zu kochen sich gar nicht lohnen würde, im Lauf der nächsten zwei bis drei Jahre vermutlich nahezu auf Selbstversorger-Mengen bei den Kartoffeln komme, wenn wir das wirklich wollten. Das ist, als hätte man eine Gelddruckmaschine im Keller, nur besser, denn im Bedarfsfall kann man Kartoffeln essen, aber Geld nicht.  

Mein Mann fand die Ernte pro Pflanze übrigens sogar noch ein bißchen enttäuschend. Er behauptet, er sei aus Brandenburg viel größere Erträge gewöhnt. Nun ja, wir sind natürlich keine LPG und haben bei den Kartoffeln eigentlich kaum etwas gemacht außer sie zu wässern. 

Zusammen mit dem einen Kilo Kartoffeln im vorderen Gartenteil an der Terrasse hatten wir immerhin sechs Kilo Kartoffeln. Es läßt sich nicht abstreiten, die Bewässerung durch Perlschläuche im hinteren Gartenteil hat einen Riesenunterschied gemacht. Deshalb werde ich nächstes Jahr vor allem die Minikartoffeln der Sorte Alexandra im hinteren Gartenteil versenken. Denn die waren zwar weniger, aber geschmacklich genauso gut wie die vom Bauernhof - und wegen der Trockenheit haben wir deutlich mehr Minikartoffeln ausgegragben. Die anderen schmecken recht durchschnittlich und sind außerdem mehlig, nicht festkochend. Eher was für Kartoffelbrei als für Bratkartoffeln, wie ich gemerkt habe, als ich sie für letzteres genutzt habe. Aber immerhin: Eßbare Kartoffeln. Das ist schon toll, so was selbst erzeugen zu können. 

Das Angebot für die Solaranlage liegt jetzt auch endlich vor, der Auftrag ist erteilt und wird irgendwann im Lauf der nächsten Wochen ausgeführt. Inklusive Speicher und Montage wird uns unsere Steckeranlage um die 5000 Euro kosten. Kein Schnäppchen wie die Discounter-Angebote, aber dafür bekommen wir eine solide, auf weiteren Ausbau angelegte Anlage und einen großzügig dimensionierten Speicher, wie wir ihn haben wollten, samt einer fachgerechten Montage, und außerdem optimiert darauf, den Eigenverbrauch zu maximieren, damit so wenig Strom wie möglich ins Netz abgegeben werden muß. Genau das war mir ja besonders wichtig. Der Aufwand, um echte Autarkie zu erreichen, wäre - jedenfalls im Moment - unverhältnismäßig, aber eigentlich gönne ich dem Netzbetreiber nicht eine einzige von unserer Anlage erzeugte Kilowattstunde Strom. Ziel ist also, so wenig wie möglich ins Netz, wie es möglich ist, ohne sich selbst unnötige Kosten damit aufzubürden. 

Noch können wir nicht einschätzen, wie stark unser Stromverbrauch sich im Winter durch das Heizen mit der Klimaanlage erhöhen wird, denn bislang hatte ich diese Heizung erst an vier Tagen in Betrieb, davon an dreien nur für ein bis zwei Stunden. Spannend ist außerdem die Frage, wie hoch in den Wintermonaten der Ertrag durch die Steckeranlage sein wird und ob das einen erwähnenswerten Teil unseres höheren Stromverbrauchs abdecken wird oder kaum ins Gewicht fällt. Wenn ich den letztjährigen Gasverbrauch pro Tag mit Wirkungsgrad 4,5 auf den zu erwartenden Stromverbrauch fürs Heizen in diesem Winter umrechne, dann komme ich für die Monate November bis Februar in der letzten Heizperiode zusammengenommen mit dem anderen Strombedarf auf 26 bis 30 kWh Strom pro Tag. Das bekommen wir über eine Steckeranlage natürlich nicht abgedeckt. Es ist außerdem mehr als doppelt so viel wie bisher und dem wird nicht allzuviel an eigener Stromerzeugung gegenüberstehen, aber das gilt natürlich nur für diese vier Monate. Aber ich gehe davon aus, daß diesem Mehrverbrauch an Strom im Winter eine Stromerzeugung im Sommer gegenübersteht, die unter Umständen sogar schon mit einer Balkonanlage mit Speicher ausreichend ist, um unseren kompletten Bedarf außerhalb der Heizperiode zu decken. 

Gegenrechnen können wir für Gas einen voraussichtlichen künftigen Bedarf von großzügig geschätzt 5000 kWh pro Jahr für Warmwasser, Kochen und mögliche sehr kalte Tage, an denen wir die Split-Anlage nicht ausreichend finden - falls dies der Fall sein sollte. Dieser Verbrauch entspräche etwa 35 Prozent unseres letzten (im September abgerechneten) Jahresverbrauchs, und dies würde uns eine Ersparnis von 780 Euro per anno beim Gas bringen. Und eine Stromrechnung, die übers Jahr gerechnet wahrscheinlich zwar nicht sinkt, aber auch nicht steigt, sondern in etwa gleich hoch bleibt. 

Dieses Projekt läuft bei uns nicht unter der Überschrift "CO2-Fußabdruck", sondern unter "Abhängigkeiten verringern". Es ist ein Beitrag zu unserer höchstpersönlichen Sicherheit. Und ich habe bereits vereinbart, nach einem Jahr Nutzung dieser Kombination einen Vortrags- und Diskussionsabend über unsere Erfahrungen im Vereinsheim zu machen. Die Leute interessieren sich für so was nämlich sehr, wenn man es nicht mit einer dicken Schicht Ideologie zukleistert und von ihnen Rieseninvestitionen fordert, sondern wenn es um ihren eigenen Vorteil oder Nachteil beim Heizen geht. 

Im Moment wird mir den ganzen Tag bei Bluesky Wärmepumpen-Content reingespült, nachdem der WWF, glaube ich, eine Studie publiziert hatte, nach dem Wärmepumpen sich auch bei Altbauten meistens rechnen, und das vor allem durch die Förderung. Da die Förderung weniger werden soll, profitiere man also umso mehr, je schneller man reagiert. Dabei werden Anschaffungskosten von um die 40.000 Euro minus Förderung zugrunde gelegt. Wieviel mehr lohnt sich die Sache aber, wenn man die Anschaffungskosten auf - für ein durchschnittliches Einfamilienhaus, das also 50 % mehr Wohnfläche hat als unseres -  auf ungefähr 10.000 Euro beschränken kann, wie das bei der Split-Anlage hochgerechnet von unseren Kosten aus der Fall ist. Und auch hier greift ja die Förderung, wenn man förderfähige Geräte wählt. Den Hitzeschutz im Sommer hat man nebenbei auch gleich miterschlagen. 

Ab demnächst werden wir voraussichtlich auch Gelegenheit bekommen, uns bei einem Bauern Rindfleisch vorzubestellen, wenn geschlachtet wird, was ein- bis zweimal im Monat via Handzettel angekündigt wird und deshalb unterhalb meines bisherigen Radars lag. Wenn man nur alle zwei, drei Monate dort vorbeischaut, ist es vom Zufall abhängig, ob man so einen Handzettel zu sehen bekommt, und der Zufall wollte es nicht, daß ich sie sah. Was mich dabei aufhorchen ließ: Manche offenbar wenig begehrten Teile, etwa die Zunge, mag ich besonders gerne und bin dafür jedenfalls ein Abnehmer, den man einplanen kann - die kann man nämlich auch gut einfrieren. Auch Leber sei nicht sonderlich gefragt und sehr preisgünstig zu haben. Leber ist etwas, wobei noch mehr mein Mann glänzende Augen bekommt. So werden wir also auch den Anteil des Discounterfleischs, der sowieso nicht mehr so hoch ist, nahezu komplett aus unserem Speiseplan eliminieren können. Aktuell ist die zu überwindende Hürde vor allem der Mehraufwand bei den Einkaufswegen. Wenn ich fürs Abendessen Fleisch brauche und nur begrenzt Zeit habe, dann nehme ich es halt bei Lidl oder Aldi mit, wo ich den Rest einkaufe, der vom Wochenmarkt und den Hofläden nicht abgedeckt ist, aber wenn ich es einfach aus der Gefriertruhe holen kann, ist es natürlich noch besser. 

Auch dies läuft für uns natürlich unter "Versorgungssicherheit", nicht unter "tugendhafterer Fleischkonsum". Geschmacklich finde ich am Fleisch bei Lidl eigentlich nicht viel auszusetzen, aber mir fällt schon auf, daß das immer viel mehr Flüssigkeit beim Braten abgibt als das Fleisch vom Metzger. Das relativiert übrigens auch die höheren Preise beim Metzger. Aber es deutet halt auch auf eine optimierte Tieraufzucht hin, mit Fokus auf möglichst schnelle Schlachtreife, und damit liegt der Verdacht nahe, daß manche der dafür eingesetzten Mittel solche sind, die ich eigentlich lieber vermeiden würde. Daneben weiß ich bei diesem Bauern auch, daß es die Tiere dort gut haben, und Astrid Lindgrens schöner Buchtitel "Meine Kuh will auch Spaß haben" klingt für mich in dieser Hinsicht überzeugender als jede Moralpredigt. 

In unserem Garten nähert sich die Ernte ihrem endgültigen Ende, aber noch ist es nicht ganz soweit. Eine Zucchini wird vielleicht doch noch erntereif, dann ist der Tabak noch nicht komplett abgeerntet und ein paar Paprikafrüchte sind auch noch am Reifen. Der Feigenbaum ist aber noch über und über voll mit unreifen Feigen, nachdem ich am Wochenende nochmal ungefähr zwei Kilo der bereits reifen gepflückt habe. Der Baum scheint den heißen Sommer richtig genossen zu haben. Ein Kuriosum sind die zwei noch grünen, aber ziemlich großen Früchte an einer unserer Erdbeerpflanzen, die außerdem zusätzlich mittlerweile zwei noch sehr kleine Früchte und eine weitere Blüte gebildet hat. Ob die eine Woche mit einigermaßen konstantem Wetter ausreichen wird, daß wenigstens die beiden großen Erdbeeren noch rot werden? Das hätte ich ja echt nicht zu hoffen gewagt, als ich Anfang des Monats zu meinem Erstaunen die verspäteten Blüten an der Erdbeerpflanze entdeckte. Eigentlich war ich im Sommer von unseren Erdbeerpflanzen ziemlich enttäuscht, wir hatten an allen Pflanzen zusammen kaum mehr Erdbeeren, als sie jetzt unsere fleißige verspätete Erdbeerpflanze mitten im Herbst noch zu produzieren versucht. Jetzt noch reife Erdbeeren, das wäre schon ein versöhnlicher Abschluß. 

Alles in allem bin ich zufrieden mit unserem Gartenjahr, allerdings bin ich sehr gespannt auf unsere Wasserrechnung, denn trotz der wassersparenden Perlatorschläuche waren der Hitzetage so viele, daß ich vermute, wir haben unseren vorjährigen Wasserverbrauch dennoch getoppt. Nächstes Jahr will ich mal die Nutzung unserer Regentonnen optimieren, das hat mich dieses Jahr geärgert, daß vorne am Haus die Tonne bei fast jedem Regen überläuft und das Wasser ungenutzt durch das Gartentor auf die Straße rausläuft. Wir brauchen dort unbedingt eine zweite, und wir sollten uns ihre regelmäßigere Nutzung angewöhnen. Hinten am Hühnerstall haben wir ja sogar drei mit Schlauchstücken miteinander verbunden Regentonnen, und hinten ist auch mehr zu gießen. Die Bewässerungsoptimierung im hinteren Gartenteil hat diesen Aufwand natürlich verringert, und mein Mann will diese Perlschlauchbewässerung nächstes Jahr auch auf den vorderen Gartenteil ausweiten. Aber um die Terrasse herum kann ich eigentlich weiterhin mit der Kanne gießen, und dafür werde ich nächstes Jahr konsequent unsere vordere Regentonne nutzen. 

Freitag, 9. Oktober 2026

Wir Kostenfaktoren.

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier Fastentagen: 76,8 Kilogramm. 800 Gramm weniger als vor zwei Wochen. Die Richtung stimmt also immer noch. Gleichzeitig nähern wir uns nun der nächsten Low-Carb-Phase, also mal sehen, mit welchem Vorher-Gewicht ich in neun Tagen in sie starten werde. 

Eigentlich hatte ich ja schon jetzt am Montag mit LC beginnen wollen, aber das habe ich um eine Woche verschoben, weil ich zuvor noch ein paar Kohlenhydratbomben verbrauchen will, die ich auf andere Weise vergammeln lassen müßte, und so was kann ich gar nicht leiden. Ob ich vielleicht schon am Wochenende starte, muß ich noch mit meinem Mann besprechen. Das hängt auch davon ab, ob wir dann noch irgendwelche aufzufutternden Restbestände vertilgen müssen. Dafür werden wir aber in jedem Fall die erste Dezemberwoche mit dazunehmen. Ich werde auch nächste Woche darauf achten, daß ich meine erste Mahlzeit möglichst erst nach 13 Uhr zu mir nehme.

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Traurig sein hat keinen Sinn
Die Sonne scheint auch weiterhin
Das ist ja grad die Schweinerei
Die Sonne scheint, als wäre nichts dabei

(Farin Urlaub)

Das ging mir durch den Kopf, als ich auf Bluesky die Reaktionen auf die Wahl des AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt las, ein Vorbote auf das, was bei der Wahl des Ministerpräsidenten wahrscheinlich auch passieren wird. Und am Morgen danach werden sich viele Leute wundern, weil um sie herum immer noch alles so normal aussieht, obwohl es das in Wirklichkeit nicht mehr ist. Wo habe ich etwas ähnliches wie bei Farin Urlaub noch gleich in einer Prosa-Variante gelesen, war das Marina Weisband? Es wird im Alltag erstaunlich vieles ganz normal aussehen, sich anhören und anfühlen. Die Veränderungen kommen schleichend und zunächst für kaum jemanden wahrnehmbar oder gar mit praktischen Folgen. 

Ich frage mich, ob das den furchtlosen Kämpfern gegen den Faschismus, die gerade in den sozialen Medien unterwegs sind, nicht ziemlich schnell die Luft herauslassen wird. Unsere Gesellschaft hat nur noch eine so kurze Aufmerksamkeitsspanne, erkennbar an der üblichen Dauer von aufgeregten Medienkampagnen, an die man sich nach einem halben Jahr kaum noch erinnert. Wir sind es aus dem Kino gewöhnt, daß die Auflösung im Guten wie im Bösen innerhalb von anderthalb Stunden zu erwarten ist, und zum Lesen einen 500-Seiten-Thrillers braucht man auch nur ein paar Tage. Sogar einen Netflix-Mehrteiler hat man in ein bis zwei Wochen konsumiert. In allen Fällen macht man die Erfahrung, daß irgendwann der Knoten sich auflöst. 

Nur, daß das in diesem Fall aller Voraussicht nach nicht passieren und dies von den meisten unbemerkt bleiben wird. Es ist für die Mehrheit zu wenig, was ich verändert. 

Außer natürlich für diejenigen, die von vornherein wußten, daß sie persönlich gefährdet sind. Die werden vermutlich genau wie seinerzeit Hannah Arendt oder Sebastian Haffner merken, wie sich um sie ein leerer Raum zu bilden beginnt, weil andere Leute von dieser Gefährdung natürlich auch wissen und sich von einer Gefährdung für sie persönlich, eventuell auch für ihre Angehörigen oder Freunde fernzuhalten versuchen. Viktor Klemperer hat dieses nahezu lautlose Abbröckeln sozialer Beziehungen in allen Lebensbereichen beginnend mit der sehr frühen Zeit der Naziherrschaft in seinen Tagebüchern sehr kleinteilig beschrieben. Es erstaunt mich immer wieder, wie wenig über diesen Teil der Klemperer-Tagebücher gesprochen wird. Ich fand ihn immer den gruseligsten Teil des gesamten Buches. Ohne dieses anfängliche Abbröseln 1933 und dessen schleichendes Fortschreiten wäre nichts von dem, was er 1944 mitmachen mußte, möglich gewesen. 

Was kann ich aus all dem für mich selbst mitnehmen? 

Erstens einmal, daß die AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kommen wird. Daran hatte ich aber schon vorher keinen Zweifel. Die Russen finanzieren sowohl die AfD als auch das BSW, also war es für mich klar, daß beide zusammenarbeiten würden, weil das den Wünschen ihrer Geldgeber entspricht. Alles, was dagegenzusprechen schien, waren Nebelkerzen und sicherlich auch ein bißchen Wunschdenken von Seiten derer, die grundsätzlich bereit wären, auch mit dem BSW zusammenzuarbeiten, wie das ja auch in Thüringen bereits gemacht wird, was mir von vornherein aberwitzig vorkam. Das BSW, das ist der eindeutig undemokratische Teil der Linkspartei gewesen. Man muß die Linkspartei nicht mögen, um den Kopf zu schütteln, wenn mit ihr nach Meinung der CDU keine Koalitionen eingegangen werden dürfen, aber mit dem BSW dann doch wieder. 

Zweitens, daß Sonne und Regen, Sommer und Winter sich trotzdem wie gewohnt abwechseln werden und mir auch sonst fast alles weiterhin wie vorher vorkommen wird. Drittens, daß ich trotzdem nicht vergessen sollte, daß etwas sehr unnormal geworden ist und daß diese Unnormalität sich vielleicht von Sachsen-Anhalt aus weiter ausbreiten wird. Auch dann, wenn die AfD-Regierung für die Mehrheit bereits eine gewohnte Alltagsnormalität geworden ist und man anfängt, sich auch mit ihr wieder halbwegs sicher zu fühlen und eine Ausbreitung deshalb gar nicht mehr so schlimm findet.

Es ist natürlich nicht gesagt, daß Sachsen-Anhalt sich als der Dammbruch erweist, als der er sich anfühlt. Es kann auch eine Gegenbewegung geben, die alles wieder auf den Kopf stellt. Aber brenzlig ist es schon, daß Friedrich Merz seinen CDU-Laden so wenig im Griff hat, daß die CDU-Abgeordneten bei der Abstimmung nicht das getan haben, was ihr Chef angekündigt hatte, nämlich sich geschlossen enthalten. Laut TAZ haben acht der an der Abstimmung beteiligten CDU-Abgeordneten ihr gegenüber behauptet, sie hätten sich enthalten. Es gab aber nur fünf Enthaltungen. Drei dieser acht Leute haben also gelogen, nichts anderes ist rechnerisch möglich: 

Chris Schulenburg, Guido Heuer, Lars-Jörn Zimmer, Daniel Sturm, Stefan Ruland, Karin Tschernich-Weiske, Marco Tullner, Carsten Borchert. 

Vertrauen erwirbt man sich so natürlich nicht. Brandenburg wird wohl nicht das einzige Bundesland bleiben, in dem die CDU aus dem Landtag herausgeflogen ist, falls der Bundeskanzler sich nicht noch etwas total Schlaues einfallen läßt - was ich ihm aber nicht zutraue. Unerwarteterweise kam die richtige Geste in so einem Moment von der SPD, präziser gesagt, vom immer noch mit Abstand beliebtesten Bundesminister Boris Pistorius, seines Zeichens Verteidigungsminister. Auch seine Popularität hat Federn gelassen in der neuen Regierung, aber er ist der einzige, mit dem noch keine Bevölkerungmehrheit unzufrieden ist. 

Noch unpopulärer als Friedrich Merz ist übrigens nur eine Person aus seinem Kabinett, nämlich Katherina - nur echt mit dem falschen "e" in der Mitte - Reiche.

Gedankenspielerei: Was, wenn die SPD endlich das einzig Vernünftige tun würde, nämlich Boris Pistorius zum nächsten Kanzlerkandidaten aufbauen? Ich glaube zwar nicht, daß sie das tun wird - bei der SPD interessiert sich ja kein Mensch dafür, wie man unser Land vor einem Rückfall in autoritäre Zeiten rettet, wenn einen das ein interessantes Pöstchen kosten würde -, aber ich glaube, das könnte tatsächlich funktionieren, also der SPD die Stimmen verschaffen, die frustrierte und mißtrauisch gewordene CDU-Wähler ihrer bisherigen Partei nicht mehr geben wollen. Das könnte dann nach der nächsten Bundestagswahl vielleicht noch einmal zu einer funktionsfähigen Regierung führen. Es wäre mir auch eine persönliche Erleichterung, dann wüßte ich, wo ich mein Kreuzchen hinmachen kann, anstatt es einfach ins Blaue hinein bei irgendeiner Partei zu setzen.  

Aber im Grunde halte ich die SPD auch schon für zu abgehalftert, um sich zu so einer Leistung aufzuraffen. Uns rettet dann allenfalls noch die Neugründung einer staatstragenden Partei, die strukturell NICHT aus dem bisherigen Polit-Betrieb kommt.  

***

Vor Jahrzehnten bereits, irgendwann in den neunziger Jahren, sah ich eine Karikatur eines Büroangestellten mit seinem Chef. Der Chef - die ganze Körpersprache symbolisierte Führungsanspruch - sagte: "Nehmen Sie Platz, Kostenfaktor Maier", und der Angestellte - dazu passende demütige Körperhaltung - antwortete: "Danke, mein Arbeitsplatzgewährer." 

Das Bild geht mir immer wieder durch den Kopf, wenn ich mich mit der Frage befasse, was zum Teufel eigentlich der grundsätzliche Fehler ist, der uns in diese gefährliche politische Schieflage gebracht hat. Denn ich bin der Meinung, das neoliberale Menschenbild hat uns den drohenden Rückfall in Zeiten mit autoritiären Regimes eingebrockt. Es ist ein Menschenbild, das aus der Wirtschaft stammt und in deren innerer Logik auch einen Sinn ergibt. Wirtschaft muß sich nicht dafür interessieren, was ein Mensch braucht, sondern dafür, wie es ihm Produkte und Dienstleistungen verkaufen kann, und zwar so viele wie möglich zu den höchstmöglichen Kosten und produziert mit den geringstmöglichen Kosten, damit für das nichtmenschliche Konstrukt, das sie produziert, der maximale Gewinn erzielt werden kann. 

Als innere Logik eines Unternehmens, das nur dann seinen Zweck erfüllt, wenn es Gewinne erzielt, leuchtet mir diese Zielsetzung ein. Wirtschaftspolitik kann sich das aber nicht einfach zu eigen machen. Wirtschaftspolitik hat nämlich nicht das Ziel einer Gewinnmaximierung für Unternehmen, sondern deren Steuerung in einer Weise, die dazu dient, die Gesellschaft am Laufen zu halten. Daß dieses Ziel nicht erreicht werden kann, wenn die Unternehmen wegen politischer Fehlentscheidungen pleite gehen, begreift sogar die Linkspartei spätestens dann, wenn sie diese Erfahrung im politischen Geschäft einmal selbst gemacht hat - wobei es für uns alle besser wäre, wenn man es ihr so lange langsam und geduldig erklärt, bis sie es kapiert hat, ohne zuvor erst einmal ihrer eigenen Klientel massiv geschadet zu haben. 

Für Wirtschaftspolitik sind Unternehmen und das, was sie produzieren, ein Mittel, nicht der Zweck. Der Zweck sind die Menschen - einmal als Gesamtheit aller Bürger, aber ebenso der jeweils einzelne als Bestandteil dieser Gesamtheit. Es ergibt keinen Sinn, so wie unsere aktuelle Bundesregierung zu argumentieren, als wäre es unsere Staatsbürgerpflicht, im maximal möglichen Maß zu konsumieren, auf daß die Wirtschaft wächst und gedeiht, aber uns gleichzeitig das Recht absprechen, dem nachzukommen, wenn wir der Wirtschaft nicht im Gegenzug etwas Teures, etwa spezielles Wissen oder besondere Fertigkeiten, anbieten können, das sie uns dann gegen entsprechend hohe Entlohnung samt unserer Arbeitskraft abkaufen will. 

Es ergibt auch deshalb keinen Sinn, weil ja Konsum immer mit Ressourcenverbrauch verbunden ist, und viele dieser Ressourcen sind endlich oder längst übernutzt. Was wir bräuchten, ist also keine Wirtschaft, die deshalb erfolgreich ist, weil sie möglichst viel und jedes Jahr immer mehr von ihren Erzeugnissen verkaufen kann, sondern weil sie die Dinge produziert, die zu kaufen für uns wirklich einen Sinn ergibt, weil sie von uns gebraucht werden oder unser Leben angenehmer machen. 

Aber das nur am Rande, denn mich irritiert auch die Gewinnmaximierungslogik nach dem Prinzip "So viel wie möglich ist das Minimum dessen, worauf wir Anspruch erheben" der Interessenvertreter derjenigen, die wirklich zu wenig haben - aber teils auch deshalb, weil sie zu viel vom Falschen für unverzichtbar halten, von dem ihnen die Unverzichtbarkeit nur eingeredet wurde. Grob gesagt, sind das all die Dinge, die man nicht für sich selbst konsumiert, sondern um vor den Nachbarn, Freunden, der Familie nicht blöd dazustehen. Auch hier fehlt mir eine ehrliche gesellschaftliche Debatte, denn die Interessenvertreter der Ärmsten hüten sich natürlich, so etwas zuzugeben, und das kann ich sogar verstehen, denn so, wie heute Kommunikation funktioniert, würde ihnen niemand das danken, sondern vielmehr zum Anlaß nehmen, den Ärmsten Dinge wegzunehmen, auf die sie tatsächlich nicht verzichten können. 

Ich muß mich bremsen, denn schweife zu viel ab.

Wir haben mehrere Verständnisprobleme in der Bundesregierung: Einmal das fehlende Bewußtsein für die eigene Fehlbarkeit beim Entwickeln von Vorgaben, die sich als falsch herausstellen können, und dann noch das fehlende Bewußtsein dafür, wie diejenigen, denen durch diese Fehler wirklich oder vermeintlich Unrecht geschieht, erstens dies aufnehmen und zweitens darauf reagieren, wenn man versucht, die Sache trotzdem irgendwie als einen Erfolg zu verkaufen. Zum dritten hat in dieser Regierung offenbar niemand darüber nachgedacht, ob man wirklich das richtige Ziel verfolgt, wenn sie die Stützung der Wirtschaft als den Endzweck behandelt. 

Richtig ist das nämlich nur, wenn die Regierung es richtig findet, uns alle zum "Kostenfaktor Maier" zu degradieren. 

In dem Fall braucht sie sich aber nicht zu wundern, wenn sie von uns Kostenfaktoren durch Entzug unserer Unterstützung bestraft wird. Denn das hat sie dann ja wohl auch verdient. 

Ja, ja, ich komme mir langsam auch so vor wie einer von den beiden da: 

 Statler und Waldorf Portrait Print The Muppets - Etsy.de

 

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Im Privaten ist es uns nun - im immerhin fünften (!) Anlauf - gelungen, einen Fachmann zu uns ins Haus zu bekommen, der sich unser Werkstattdach angeschaut hat und dem wir unser Solaranlagen-Vorhaben beschreiben konnten. Für nächste Woche wurde uns das zugehörige Angebot angekündigt, und zwar haben wir darum gebeten, gleich beides anzubieten, nämlich einmal eine Steckeranlage (vulgo "Balkonkraftwerk") mit ausreichend Speicher, auf eine "große" Anlage erweiterbar, und zum zweiten die "große" Anlage selbst. 

Über die große Anlage haben wir jetzt auch schon einiges erfahren: 

Zwölf Solarpaneele passen auf unser Werkstattdach. Im Jahresmittel können sie (bei unserem günstigen Standort) 30 kWh am Tag erzeugen - im Sommer natürlich erheblich mehr, aber auch im Winter können wir mit je nach Witterung mit um die 10 kWh rechnen. Das entspricht ungefähr unserem durchschnittlichen monatlichen Stromverbrauch heute ohne Heizung mit Klimaanlage. Es gibt außerdem auch die Möglichkeit, unsere Warmwasserbereitung damit zu verknüpfen, der Techniker meinte, dafür werde der Stromertrag in jedem Fall zu jeder Jahreszeit ausreichend sein. An diese Möglichkeit hätte ich selbst gar nicht gedacht. 

Das Fragezeichen besteht nun darin: Wieviel Strom mehr als bislang benötigen wir für das Heizen mit der Klimaanlage? 

Fürs Kühlen haben wir für die erste Anlage, die Anfang August anlief, durchschnittlich um die 4 kWh pro Tag benötigt. Die Installation von Anlage 2 im Wohnzimmer erfolgte erst deutlich später, da war die schlimmste Hitzewelle schon vorbei. Obwohl an manchen Tagen mindestens eine, manchmal auch beide Anlagen durchliefen, habe ich im September dann keinen Mehrverbrauch im Vergleich zum Vorjahr mehr feststellen können. Ich schätze also, fürs Kühlen benötigen wir pro 30-Grad-plus-x-Tag bei zwei 24 Stunden lang durchlaufenden Klimageräten allerhöchstens um die 10 kWh. Dieser Mehrverbrauch erfolgt aber in einer Jahreszeit mit einer so hohen Produktion, daß wir den erzeugten Strom sowieso nie selbst verbrauchen könnten, und außerdem in diesem Rahmen noch dazu an den Tagen, in der wir sowieso auch für Sommertage überdurchschnittlich Strom erzeugen. Da sehe ich noch nicht mal ein Problem darin, ab den Abendstunden trotz laufender Anlage großzügig zu lüften. Ich bin absolut nicht scharf darauf, Strom ins Netz einzuspeisen, egal, ob es dafür eine Vergütung gibt oder nicht. Das ist mein Strom, ich will eigentlich am liebsten keine einzige Kilowattstunde davon hergeben und mache das nur, wenn mir gar keine andere Art, ihn zu verwenden, einfallen sollte.  

Über den Strom, den wir künftig zum Kühlen brauchen, müssen wir uns also gar keine Gedanken machen. Auch schon bei einer Balkonanlage nicht. Aber natürlich werden wir mit einer Balkonanlage höchstens während der Sommermonate unseren kompletten Strombedarf decken können, und vielleicht ja noch nicht mal das. Das lassen wir jetzt mal auf uns zukommen. 

Wieviel zusätzlichen Stromverbrauch wir pro Tag fürs Heizen einkalkulieren müssen, das werden wir aber erst im Lauf der nächsten Monate herausfinden, denn bis jetzt mußten wir noch kein einziges Mal heizen. Ebenso haben wir im Moment noch keine Antwort auf die Frage, ob wir künftig die Gasheizung gar nicht mehr benötigen, und falls wir nicht ganz auf sie verzichten können, wie hoch die Gasersparnis ausfallen wird. Ziemlich sicher bin ich mir, daß wir auch künftig in Winter auf Strom aus dem Netz nicht verzichten können. Aber wieviel das unter dem Strich noch sein wird, darauf bin ich gespannt. 

Mein Mann liebäugelt nunmehr damit, doch auf der Stelle die "große" Anlage zu nehmen, aber ich möchte aus mehreren Gründen lieber bei unserem ursprünglichen Plan bleiben. Erstens wäre die "große" Anlage mit einer weiteren Baustelle im Haus verbunden, wegen der Leitungen, die gelegt, und der Veränderungen, die am Verteilkasten vorgenommen werden müssen, und ebenso mit mehr bürokratischem Aufwand. Zweitens möchte ich erst einmal Erfahrungen mit der Steckeranlage sammeln. Drittens möchte ich das Angebot vor allem deshalb haben, um schon mal die Größenordnung der Investition zu kennen, die wir damit tätigen. Falls es in zwei Jahren mehr kostet, dann ist es halt so. Wobei der Techniker sagte, bei Solaranlagen könne es auch umgekehrt laufen, weil die Preise für das Material möglicherweise noch weiter fallen.  

Endlich konkretisiert sich diese Sache jedenfalls mal. Jetzt hoffe ich mal, daß mit dem Angebot und der Umsetzung auch alles klappt. Ich finde es auch gar nicht schlecht, erst einmal mit der am wenigsten ertragreichen Jahreszeit zu beginnen. 



Dienstag, 6. Oktober 2026

Ein paar Schnipsel, nur so als Lebenszeichen

Mein Gewicht heute früh nach dem ersten von vier Fastentagen: 79,6 Kilogramm. Gestern vor dem ersten Fastentag lag ich bei 81,5 Kilogramm, immerhin 1,4 Kilogramm weniger als vor zwei Wochen. Die Richtung stimmt also immer noch, aber da es nur noch zwei Wochen bis zum Start der nächsten LC-Phase sind, werde ich wohl noch mit einem Gewicht geringfügig über 80 Kilogramm starten müssen.

Seit etwa einer Woche bin ich malad, und die üblichen Hausmittel bewirkten leider keine Besserung, so daß ich letzte Woche endlich erstmals bei meiner neuen Hausärztin vorsprach, die mir ein Antibiotikum verschrieben hat. Das hat die gewünschte Wirkung gezeigt, ich glaube, jetzt bin ich über den Berg. Am Mittwoch letzte Woche war ich wahrhaftig mit einer heftig angeschwollenen linken Backe aufgewacht. Offenbar eine bakterielle Infektion, aber ich kann nicht sicher sagen, ob der Übeltäter zu Beginn im Zahnfleisch oder in den Nebenhöhlen rumorte - das hängt ja beides am gleichen Nerv und tut unweigerlich beides zugleich weh. Wie auch immer, jetzt scheint es überstanden zu sein. Ich fühle mich endlich wieder halbwegs fit und arbeite peu a peu alles auf, was seit einer Woche liegengeblieben ist, weil ich einfach mit nichts mehr vorwärtskam. Dieser Blogbeitrag gehört auch dazu, aber ich muß ihn gerade so ein bißchen zwischen Tür und Angel schreiben, deshalb enthält er nur ein paar Informationsschnipsel, die ich bitte, bei Interesse selbst weiterzuverfolgen. 

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Schnipsel 1 ist eine Studie, die belegen soll, daß eine Low-Carb-Ernährung mitnichten das Risiko von Herzerkrankungen erhöht, sondern im Gegentum. Ich bekam sie gerade erst zu sehen und habe dummerweise nicht die Zeit, um mich heute noch genauer mit ihr zu befassen, deshalb erst mal nur der Link. 

Schnipsel 2 ist ein Ärzteblatt-Bericht über eine Studie, die belegen soll, daß Patienten mit einer Diagnose aus dem autistischen Spektrum wesentlich früher sterben. Hier hatte ich einen kurzen prüfenden Blick auf die Studie geworfen und grüble nun darüber, warum ausgerechnet bei Influenza/Lungenentzündung und Mangelernährung die Todesfälle so auffällig häufiger sind, während Krebs so ziemlich die einzige Diagnose ist, die bei Autisten seltener auf dem Totenschein steht. Offenbar sind bei Autisten die eigentlich leicht behandelbaren Sachen gefährlicher als das, was uns Normalsterbliche am ehesten unter die Erde bringt. Das kann am medizinischen System liegen, das voraussetzt, daß wir alle willens und in der Lage sind, uns bei jedem Arztbesuch mit dem Onkel Doktor um die Dinge herumzustreiten, die er eigentlich besser wissen müßte als wir - etwas, was ich so ungern mache, daß ich mit Arztbesuche, bei denen mir so etwas blühen könnte, zu vermeiden versuche. Auch diesmal habe ich mich erst für den Arztbesuch entschieden, als mir klar war, daß ich Antibiotika brauche, die ich nun einmal nur von einem Arzt bekommen kann. Dazu überwinde ich mich nicht, solange ich noch eine andere Lösungsmöglichkeit sehe. Möglich, daß das US-Gesundheitssystem solches Verhalten noch riskanter machen würde und Irrtümer bei der Selbsteinschätzung schlimmere Folgen haben. 

Schnipsel 3 ist eine neue Publikation "Die demografische Lage der Nation" mit einer auf regionale Entwicklungen konzentrierten Prognose der demographischen Entwicklung bis 2045, also in den nächsten zwanzig Jahren. Mich hat sie vor allem deshalb interessiert, weil ich zum Thema Mietwohnungen ja ebenfalls einen Einfluß der demographischen Entwicklung sehe und man annehmen kann, daß aus Mangel in 20 Jahren anfängt, Überfluß zu werden. 

Wobei, in zwanzig Jahren sind meine Altersgenossen gerade mal um die 80 herum, das ist heute ja kein Alter mehr. Daß ihre Wohnungen frei werden, das wird zu dieser Zeit gerade erst allmählich einsetzen, und zwar am stärksten in den Regionen, wo das Durchschnittsalter besonders hoch ist, also im Osten, aber ebenso wird es in ländlichen Regionen schon spürbar sein, aber in den meisten Großstädten vermutlich noch nicht. Das wird aber trotzdem auch noch kommen, nur eben erst während des darauffolgenden Jahrzehnts, also zwischen 2046 und 2055, und teils auch erst später. Wie groß dieser Teil sein wird, hängt davon ab, was mit der Lebenserwartung und dem Anteil der Pflegebedürftigen mit meiner Generation weiter passiert. Im Jahr 2055 werde ich zum Beispiel 90 Jahre alt, so alt, wie meine Mutter es diesen Monat noch wird. Sie lebt noch im eigenen Haus.

In BW scheint man mit Wohneigentum jedenfalls für die nächsten zwanzig Jahre noch keine leise vor sich hintickende Zeitbombe zu haben, im Gegensatz zu großen Teilen der Bundesländer im Osten (minus ein großes Einzugsgebiet um das wohnungstechnisch ja katastrophal überfüllte Berlin).

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Apropos Wohneigentum: Mit unserem Wohnungsverkauf mußten wir schon wieder die Notbremse auslösen, weil es in der Wohnung einen Wasserschaden in der Küche gab, ausgelöst durch ein Leck in der Steigleitung in der Wohnung über ihr drüber. Es stellte sich dann auch noch heraus, daß die Bewohnerin jener Wohnung einen Stock drüber, eine ältere Dame, ziemlich heftig am Messie-Syndrom leidet, weshalb sich die Handwerker erst einmal weigerten, ihre Wohnung zu betreten, bevor dort die Zustände weniger unhygienisch geworden waren. Das ist für mich auch in einem Vierteljahrhundert Vermieten ein erstes Mal, daß ich so was erlebe. Wasserschäden hatte ich bislang zwei Mal gehabt, davon einmal in der von mir bewohnten Wohnung. Aber statistisch gesehen ist man früher oder später wohl einfach fällig, auch mal ein Messie-Problem zu bekommen. Zum Glück betraf es wenigstens nicht unseren Mieter. 

Inzwischen ist das Leck geschlossen, und die Versicherung hat die Sanierung zugesagt, aber im Moment dröhnt in der Küche noch das Trocknungsgerät. Ich habe also die Verkaufsanzeige deaktiviert und aktiviere sie erst wieder, wenn das alles erledigt ist, weil so was ja jeden Kaufinteressenten in die Flucht schlagen würde. Das wird noch mindestens einen Monat lang dauern, bis wir den Faden wieder aufnehmen können. Irgendwie paßt das in dieses gesamte Jahr, in dem rein gar nichts, das wir angefangen haben, einigermaßen normal und störungsfrei gelaufen ist.  

Immerhin scheint jetzt endlich mal Bewegung in die Sache mit unserem Balkonkraftwerk gekommen zu sein, jedenfalls habe ich, weil der Handwerker sich nun schon einen Monat lang nicht mehr gemeldet hat, einen anderen Betrieb am Ort kontaktiert, und der will jetzt übermorgen kommen und sich die Sache vor Ort anschauen. Er klang erstens bodenständig und zweitens ziemlich dynamisch, also hoffe ich mal, wir werden das Ding dieses Jahr noch bekommen. Auch einen Termin bei der Steuerberaterin habe ich jetzt endlich. Was aber nach wie vor aussteht, ist die Rechnung für die Split-Anlage, das irritiert mich ein bißchen. Mir wäre es lieber, wenn ich diese Sache endlich mal abschließen könnte, aber andererseits käme ich mir doof dabei vor, darüber zu meckern, daß ich eine Rechnung in vierstelliger Höhe noch nicht bezahlen konnte. 

Sicher sagen kann ich jetzt aber schon, daß meine Gasrechnung (Ablesetermin ist immer Anfang November) in jedem Fall um eine kleinere vierstellige Zahl an Kilowattstunden niedriger als im Vorjahr ausfallen wird, prozentual wird die Ersparnis zum Vorjahr irgendwo zwischen 10 und 20 Prozent liegen. Noch ganz unabhängig von der Split-Anlage. Aktuell ist Heizen ja noch nicht nötig, aber ich bin wirklich gespannt, wie es im Winterhalbjahr mit dem Heizen klappt. Und mir liegt was daran, daß ich die Stromkosten für die Split-Anlage wenigstens zum Teil durch das Steckerkraftwerk wieder reinkriege. 

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Die Erntesaison nähert sich bei uns langsam ihrem Ende. Die Quitten sind gepflückt, entsaftet und in Gelee verarbeitet, die Äpfel des einen Baums auch. Die am anderen brauchen noch zwei, drei Wochen, glaube ich, aber dieser Baum hat nur noch drei Äpfel, die anderen sind den Unbilden der Witterung zum Opfer gefallen. Dafür sind die Äpfel des ersten Baums zwar auch nicht viele, aber besonders schöne und große geworden. Das war der Baum, der so drastisch beschnitten worden war, also spekuliere ich darauf, daß das nächstes Jahr schon wieder erheblich mehr werden kann. Wie die Apfelsorten heißen, weiß ich leider immer noch nicht. 

Was jetzt noch geerntet werden muß, sind zum einen die allerletzte Gurke, bei der ich noch bis morgen warten will (danach wird das Wetter schlecht), zwei Zucchini, die vielleicht noch ein wenig weiterwachsen werden, die letzten reifenden Paprikaschoten (die Mehrheit hatte ich schon geerntet), den restlichen Mangold will ich am Wochenende pflücken und zu Mangold-Feta-Blätterteigschnecken verarbeiten.  Und dann bin ich supergespannt auf unsere Kartoffeln im hinteren Gartenbereich. Die Alexandras vorne an der Terrasse habe ich bereits geernet, und Menge wie Größe waren so lala, ungefähr ein Kilo waren es. Die kleinsten (alles was kleiner als eine große Glasmurmel ist) bewahre ich im Gewölbekeller mäusesicher auf, um sie nächstes Jahr im hinteren Gartenteil zu stecken, denn die dortigen Kartoffelpflanzen haben viel mehr hergemacht als die vorne, und ich tippe darauf, daß wir da eine wesentlich bessere Ernte bekommen werden. Auch die Tabakpflanzen, die wir ja erst mit einem Monat Verspätung einsetzen konnten, haben sich in den knappen drei Monaten noch hervorragend gemacht. Sie sind zwar nicht so hochgewachsen wie letztes Jahr, aber die Blätter sind keineswegs kleiner. Ein Teil hängt inzwischen auf der Terrasse zum Trocknen. Und was die Bohnen betrifft: Wir haben insgesamt um die 5 Kilogramm grüne Bohnen geerntet, davon habe ich dreieinhalb Kilo eingefroren. 

Die Kartoffeln will ich dann morgen ausbuddeln. Ab übermorgen soll das Wetter ja kühler und regnerisch werden, und das Kraut ist jetzt auch bei diesen Kartoffeln verwelkt, also hat es keinen Sinn mehr, zu warten. Ich bin schon supergespannt auf das Ergebnis. 

Freitag, 25. September 2026

Die Widerspruchslösung: eine Orwellsche Verdrehung von Willensäußerungen

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier Fastentagen: 77,6 Kilogramm. Nicht berauschend, aber die Richtung stimmt schon wieder. Ich habe letzte Woche an allen Nicht-Fastentagen meine erste Mahlzeit auf 13 Uhr plus x verschoben und werde das wohl bis auf weiteres beibehalten, weil ich die Wirkung sehr deutlich gemerkt habe, und das nicht nur auf der Waage, sondern auch an der Paßform meiner Hosen, und zwar schon vor Beginn des langen Fastenintervalls. Ausnahmen sind die Wochenenden und der Tag direkt nach einem vierstelligen Fastenintervall. Ich möchte nämlich am liebsten schon unter 80 Kilogramm vor dem Fasten liegen, wenn ich in drei Wochen mit Low Carb beginne. Vielleicht klappt es, vielleicht nicht - mal sehen. 

Ob ich auch in der LC-Phase so weitermache, habe ich noch nicht entschieden. 

Zum Glück ist jetzt die Zeit wieder vorbei, in der ich mehrmals das Fasten reisebedingt unterbrechen, lange Fastenintervalle verkürzen und während des Urlaubs meines Mannes ganz ausfallen lassen mußte, denn die letzten drei Monate haben mich dadurch locker vier Kilo plus gekostet, und ich hatte schon vor dem Sommer Unheil dieser Art geahnt, auch wenn ich natürlich gehofft hatte, so schlimm werde es doch nicht kommen. 

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Das Ärzteblatt berichtete am Freitag, 11.9., über eine Studie mit einem Ergebnis, das man im "wissenschaftlichen Mainstream" selten liest, nämlich daß eine ketogene Ernährung im Vergleich zu einer fettarmen pflanzenbasierten Diat und der Mittelmeerdiät bei gleicher Gewichtsabnahme den Leberstoffwechsel deutlicher verbessert hatte. Das ist schon fast ein Grund, das obige Datum im Kalender rot anzustreichen. 

Im Wortlaut, wie im Ärzteblatt zitiert: „Unsere Daten deuten darauf hin, dass bei Menschen mit einem hohen Leberfettgehalt und Prädiabetes eine Verringerung der Kohlenhydratzufuhr wichtige therapeutische Effekte auf den Stoffwechsel haben kann, die über die Effekte der Gewichtsabnahme allein hinausgehen.“ Ebenso ergab sich bei 50 % der ketogen Ernährten, daß sich der vorherige Prädiabetes zurückgebildet hatte, während es bei den beiden anderen Ernährungsweisen deutlich weniger waren. Am schlechtesten schnitt dabei die pflanzenbasierte Ernährung ab, bei der nur 7 Prozent den Prädiabetes losgeworden waren.  

Gemessen wurden bei allen drei Diätvarianten die Werte, nachdem eine Gewichtsabnahme von mindestens zehn Prozent des Körpergewichts erfolgt war (meistens lag die Abnahme ganz geringfügig höher). Da das Ausgangsgewicht zwischen 112 und 114 Kilogramm lag, sind 10 Prozent auch eine respektable Abnahme von jeweils zwischen 11 und 12 Kilogramm. Maßgeblich war übrigens nicht, wie lange es bis zu diesem Moment gedauert hatte, aber alle drei Gruppen schafften das in weniger als einem halben Jahr. Fürs Protokoll: Die Keto-Gruppe erreichte diese Abnahme durchschnittlich nach 4,6 Monaten, die Mediterran-Gruppe nach 5,4 und die Pflanzenbasiert-Gruppe nach 5,1 Monaten.

Ich möchte kein Urteil über die dauerhafte Anwendbarkeit der beiden anderen Ernährungsweisen fällen, aber die Keto-Variante fand ich mit nur 20 Gramm Kohlenhydrate deutlich zu radikal, um damit rechnen zu können, sie dauerhaft aufrechtzuerhalten. Keine Ahnung, was der Grund dafür war, dieses Modell zu wählen, denn ich gehe davon aus, daß bei Patienten mit einem BMI knapp unter 40 auch eine relaxtere Variante ähnlich erfolgreich gewesen wäre, da die Insulinresistenz als wichtigstes Hindernis einer Gewichtsabnahme auch bei 100 Gramm Kohlenhydraten schon beseitigt worden wäre. Es hätte allenfalls sein können, daß der zeitliche Vorteil der Keto-Gruppe im Vergleich zu den anderen dann nicht mehr bestanden hätte.

Der schwerwiegendste Haken an der Studie besteht wieder einmal darin, daß sie mit ca einem halben Jahr (auch die abschließende Wiederholung der Tests drei bis vier Wochen mit hinzugerechnet) viel zu kurz war, um irgendwelche Prognosen über die Chance darauf, das erreichte Gewicht zu halten, abgeben zu können. Erfreulicherweise fand ich aber in den Quellen dieser Studie noch eine andere, die erstaunlicherweise bereits aus dem Jahr 2008 stammt und die ebenfalls die drei verglichenen Ernährungsweisen zum Thema hatte und zumindest mal über zwei Jahre ging. Netterweise enthielt sie auch einen Gewichtsverlauf über diesen Zeitraum. 

 

Was hier erwähnt werden muß: Bei der Keto-Diät fingen die Patienten ebenfalls mit zwanzig Gramm Kohlenhydraten an, aber nach zwei Monaten wurde das sukzessive auf schließlich 120 Gramm gesteigert. Die Kalorienmenge war nur bei dieser Ernährungsform aber nicht begrenzt, im Gegensatz zur Low-fat- und der mediterranen Diät, bei der die Kalorienmenge bei 1500 bzw. 1800 Kalorien lag. Man beachte, daß die Gewichtsabnahme trotzdem bei den beiden anderen Varianten geringer war und die Ketos zwar im zweiten Jahre eine schnellere Gewichtswiederzunahmen hatte, die aber wegen der sich steigernden Kohlehydratmenge sehr wahrscheinlich zum Teil auf die sich wieder füllenden Glykogenspeicher in der Muskulatur, also auf Wasser, zurückzuführen war und außerdem nicht verhinderte, daß sie am Ende von Jahr 2 mit um die 5 Kilogramm mehr von ihrem Gewichtsverlust hatten halten können als die beiden anderen Gruppen. Bei einem Ausgangs-BMI von nur um die 31 (ca 91 kg) heißt das, daß von den Ketos nach zwei Jahren mehr als in den beiden anderen Gruppen weiterhin südlich des Adipositas-Äquators gewesen sein sollten.  Am schnellsten stabilisierte sich das Gewicht nach der Abnahme bei der mediterranen Diät. Die am schlechtesten über zwei Jahre hinweg wirksame war die Low-fat-Diät. 

Eigentlich das, was ich von vornherein erwartet hätte. Aber da sich das alles innerhalb von 18 Jahren irgendwie nie bis in den ernährungswissenschaftlichen Mainstream herumgesprochen hat und es außerdem einen Fingerzeig gibt, wie es mit den Patienten der oberen Studie in den folgenden 1,5 Jahren weitergegangen ist, fand ich es eine Erwähnung wert. 

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Der nächste Anlauf zur Durchsetzung der Widerspruchslösung steht an, und deren Befürworter trommeln wie verrückt, um ihre Mehrheit diesmal endlich zusammenzubekommen. Vielleicht gelingt es ihnen, aber es ist genausogut möglich, daß sie ein weiteres Mal abwarten müssen, um nach einer gewissen Frist einen neuen Anlauf zu nehmen. 

Situation wie die sind es, in denen auch ich immer mal wieder einen schwachen Moment habe und glaube, daß es vielleicht gar nicht so verkehrt wäre, wenn unsere aktuelle politische Welt in nächster Zeit mit einem solchen Karacho gegen die Wand fährt, daß alles erst mal wieder in Trümmern liegt. Ist der Spuk vorbei und ein Neuanfang möglich, kann man beim Wiederaufbau die gesellschaftlichen Fundamente neu gießen und kriegt sie vielleicht ein bißchen besser als vorher hin. Denn mit Fundamenten, die ein so inakzeptables Verständnis vom Menschen in der Gesellschaft enthalten, ist etwas Grundsätzliches verkehrt. Und da dieses Verständnis von so gut wie niemandem in Frage gestellt wird, scheint es unmöglich, daran etwas zu ändern, solange man das ächzende Räderwerk des aktuellen Systems noch weiter in Gang halten kann. Vielleicht wäre es ja doch für alle besser, würde man es aktiv sabotieren und das Ende mit Schrecken dann so gut es geht durchstehen. 

Das speziell Inakzeptable an der Widerspruchslösung habe ich schon wiederholt beschrieben. Ich gebe der Versuchung trotzdem nach, es noch einmal in anderen Worten aus einer anderen Richtung zu tun. Was juristisch wie ethisch meines Erachtens nämlich überhaupt nicht geht, ist, daß die Widerspruchslöung vom Einzelnen Leistungen als Voraussetzung für seine Rechtsfähigkeit im Falle der Frage, wie bei seinem Tod mit seinen Organen verfahren wird, abverlangt, die eine Menge Leute einfach nicht leisten können, und zwar deshalb, weil sie den Gedanken an ihren eigenen Tod so unterträglich finden,daß sie ihn so weit wie möglich von sich wegschieben. Wer dagegen einwendet, dann seien sie halt selber schuld, wenn ihnen Organe entnommen werden, obwohl sie das eigentlich nicht gewollt hätten, der argumentiert ähnlich wie jemand, der findet, jemand mit einer leichten geistigen Beeinträchtigung, aber noch oberhalb der Schwelle zu einer anerkannten geistigen Behinderung, hätte erkennen müssen, daß er von dem Versicherungsvertreter abgezockt wird, der ihm gerade ein Dutzend Versicherungsverträge angedreht hat, von denen er keinen einzigen wirklich braucht, anstatt sich ein paar Gedanken darüber zu machen, ob und aus welchen Gründen so etwas vielleicht sittenwidrig sein könnte. 

Das Kernproblem besteht hier aber nicht beim unfreiwilligen "Organspender" (der in Wirklichkeit gar nichts gespendet hat, sondern vielmehr ausgeplündert wurde), sondern darin, daß gesellschaftlich weit und breit niemand etwas dabei zu finden scheint, bei Leuten, die implizit - nämlich durch Nichthandeln - Nein zur Organspende gesagt haben, so zu tun, als wären sie im Gegenteil gerade durch ihr Nichthandeln zu behandeln, als wären sie mit allem einverstanden. Das berührt, finde ich, den Kern der menschlichen Würde, wenn ein Nein einfach ignoriert oder, noch schlimmer, behauptet wird, man habe in Wirklichkeit Ja gesagt. Es gibt einen Bereich, in dem das nicht für zulässig gehalten wird, nämlich die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen. Absurde Vorstellung, daß dieselben Leute bei der Organspende oft genau entgegengesetzt argumentieren. 

Es ist eine gesellschaftliche Fehlsteuerung, daß diese Art von Orwellschen Verdrehungen der Bedeutung von Willensäußerungen für normal gehalten wird - und zwar sogar von den allermeisten Gegnern der Widerspruchslösung. Daß nicht einmal mehr erkannt wird, worin das Problem in Wirklichkeit besteht, zeigt, daß wir ein sehr grundsätzliches Problem mit dem Menschenbild nicht nur der Bundesregierung oder der Medien, sondern der gesamten Gesellschaft haben. 

Und das weltweit. Daß immer so viel damit herumargumentiert wird, daß in den meisten europäischen Ländern inzwischen die Widerspruchslösung gilt (also könne das doch nicht verkehrt sein), zeigt im Grunde ja nur, daß es sich bei diesem Menschenbild um ein globales Phänomen handelt. 

Genauso wie der Aufstieg des Rechtspopulismus, über den nun alle so entsetzt sind. Etwaige Zusammenhänge mit einem menschenverachtenden Menschenbild darf jeder, der darauf neugierig ist, selbst suchen. 

Daß der Zweck, also die Absichten im Fall der Organspende gut sind, stelle ich auch nicht in Frage, allerdings liegt den guten Absichten auch bei der Zielvorstellung ein fragwürdiges neoliberales Menschenbild zugrunde, das die gesamte heutige Medizin durchseucht, nämlich die unausgesprochene Grundannahme, daß alles, was einem Menschen sein Leben verlängert, allem zu bevorzugen ist, das diese Verlängerung nicht bewirkt, auch wenn es für den davon Betroffenen einen subjektiv höheren Wert hat oder man dafür anderen Menschen eine subjektiv wertvolle Sache wegnehmen muß. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob man selbst diese Sache für wertlos hält. Der subjektive Wert für die betreffende Person ist, zumal wenn es um Leben und Tod eines einzelnen Menschen geht, in Wirklichkeit da einzige, was wirklich zählt. Und was für diesen speziellen Menschen welchen Wert oder Nichtwert hat, darf niemand über den Kopf des Betroffenen hinweg entscheiden. 

Damit sich diese Einsicht durchsetzt, bräuchte man ein anderes Menschenbild. Das aber würde in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen grundlegende Dinge in Frage stellen, und deshalb scheint es mir unmöglich, daß es sich auf Basis der heutigen Gesellschaft irgendwie durchsetzen könnte. Offenbar brauchen wir also den großen Knall, um das, was grundlegend falsch ist an dem, was wir für wichtig und für unwichtig halten, von uns abschütteln zu können. Nein, ich würde ihn auch viel lieber nicht erleben. Aber vielleicht sollte ich mich langsam damit abfinden, daß er sowieso nicht mehr zu vermeiden ist, und mich daran festhalten, daß im Schlechten, das dadurch zu erwarten ist, immerhin auch das Potential zu etwas Besserem steckt, als wir sonst zu erwarten hätten. 

***

Solange ich mich von der Politik fernhalte, bin ich längst nicht so deprimäßig drauf, wie das Obige vielleicht klingt. Deshalb zum Abschluß ein positives Erlebnis aus meinem Alltag.  

Bei Bluesky sah ich eine Zeitlang häufig Fotos vom Inhalt der Rettertüten von Lidl. Dort verkaufen sie nämlich auf diese Weise Obst und Gemüse, das nicht mehr allzu lange haltbar ist, zum Preis von 3 Euro für eine große und üppig gefüllte Papiertüte. Für Leute mit wenig Geld bietet das viel gesunde Ernährung für kleinen Einsatz, und es ist außerdem noch eine Art Wundertüte, weil in keiner dieser Tüten genau dasselbe enthalten ist. Deshalb auch die Fotos, die Inhalte unterschieden sich zum Teil sehr voneinander. Wenn man die Sache mit dem Kochen als eine Knobelaufgabe auffaßt und ein bißchen spontan ist, kann man mit so etwas seinen Kochplänen auch einen spielerischen Faktor hinzufügen. Und, wie gesagt, Obst und Gemüse ist ja auch gesund, und zu diesem Preis sollte sich das auch jeder leisten können. 

Letzte Woche habe ich solche Rettertüten zum ersten Mal selbst bei Lidl gesehen und weil bei einer ein Paket frische Champignons ganz oben lag, fühlte ich mich so getriggert, daß ich eine mitgenommen habe.Im Grunde war das eine Riesendummheit von mir, damit habe ich meine gesamte Wochenplanung beim Essen geschreddert. Aber ich konnte einfach nicht widerstehen, und ich habe es mir auch verkniffen, den Inhalt weiter zu inspizieren, bevor ich zu Hause angekommen war, und ich kam mir unterwegs wahrhaftig vor wie ein Kind, das auf die Weihnachtsbescherung wartet.

Ein Foto gemacht habe ich zwar nicht, aber meine Rettertüte enthielt folgendes: 

  • 2 x 400 Gramm frische Champignons, einmal weiß, einmal braun
  • 1 abgepackter Romana-Salat 
  • 2 Paprika, einmal gelb, einmal rot
  • 3 Karotten 
  • 1 Kilogramm Weinbergpfirsiche, abgepackt  
  •  3 Nektarinen

Es war kein einziges Stück dabei, das schon verdorben gewesen wäre, und die meisten sahen sogar noch genauso frisch aus wie das Zeug, das man normal zu bezahlen hat. Und mit drei Euro, den Kosten für die ganze Tüte, wären alleine schon die Weinbergpfirsiche normalerweise zu bezahlen gewesen. Das ist also ein richtiges Schnäppchen gewesen. Und wie es der Zufall wollte, Karotten waren mir sowieso gerade am Ausgehen. 

Die Weinbergpfirsiche waren übrigens besonders köstlich, gerade weil sie schon ein bißchen überreif waren. Den größten Teil habe ich wegen meines langen Fastenintervalls trotzdem zusammen mit einem Kilo Feigen aus meinem Garten zu Marmelade verkocht, und zwar mit Birkengelierzucker. In der Low-Carb-Phase möchte ich ja auch Marmelade beim Weihnachtsgebäck und dergleichen verarbeiten können. Ich habe das Ergebnis noch nicht probiert, aber ich werde dann berichten. 

Als ich diese Woche wieder bei Lidl war, fand ich keine Rettertüten vor, sondern an der Stelle, wo sie gewesen waren, wie sonst auch immer reduzierte Backwaren vom Vortag. Keine Ahnung, an welchen Tagen und Uhrzeiten man kommen muß, um sie vorzufinden. Vielleicht gibt es da auch gar kein Schema. Aber jedenfalls, das Konzept hat wirklich Charme.   

 

 

 

Donnerstag, 10. September 2026

Die ewige, flache mathematische Gegenwart der Epidemiologen und die üblichen vier Todsünden der Präventionsideologie

Mein Gewicht heute früh nach zwei von drei Fastentagen: 79,6 Kilogramm. Morgen werde ich wohl ungefähr wieder im gleichen Bereich sein wie nach drei Fastentagen vor zwei Wochen (77,8 Kilogramm). Vielleicht ein kleines bißchen höher. Das ist jetzt halt so. Übrigens habe ich es während meiner Reise bemerkt, daß die Hosen und engere Oberteile ein wenig strammer sitzen, also kann ich die Zunahme um den Bauch herum lokalisieren. Ob mir dazu eine vernünftige Idee kommt, darüber denke ich nach, sobald ich wieder Zeit habe, denn im Moment ist das nicht der Fall. Von morgen bis zum Sonntag wird es bei mir sehr hektisch, das ist auch der Grund, warum ich den Blogartikel heute schon schreibe. 

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Eli Lilly und Novo Nordisk, die Hersteller der beiden wichtigsten GLP1-Agonisten (vulgo: "Abnehmspritzen"), haben laut der Washington Post seit 2018 mehr als einer Viertelmillion (!) Ärzten mindestens einmal eine finanzielle Zuwendung zukommen lassen. Kann das wirklich USA-weit gemeint sein, nicht weltweit? Gibt es in den USA überhaupt 250.000 Ärzte? Freilich, damit sind nicht alleine Geld-Zuwendungen gemeint, sondern auch andere Arten von materiellen Vergünstigungen, etwa auch Einladungen in ein Restaurant für individuelle Ärzte. Erwähnen sollte man außerdem, daß die Abnehmspritzen damit zwar besonders engagiert promotet wurden, aber dasselbe auch bei anderen Arten von Medikamenten üblich ist, etwa bei Migräne-Medikamenten, von deren Herstellern 200.000 Ärzte Zuwendungen bekamen. Aber auch für Beiträge in wissenschaftlichen Zeitschriften über die Abnehmspritzen werden Ärzte von den Pharmakonzernen bezahlt. Kritische Stimmen sind in solchen Fällen natürlich eher nicht zu erwarten, also dürfte die gesamte wissenschaftliche Debatte eine Schlagseite haben, in der Erfolge eher übertrieben und Nebenwirkungen eher heruntergespielt werden. Die Zuwendungen sind in den letzten zwei, drei Jahren erheblich mehr geworden. Die Abnehmspritze als solche bräuchte eigentlich diese Art von Werbung längst nicht mehr. Das Zeug funktioniert bei den meisten ja erheblich besser als die sonst so beworbenen Abnehmmethoden und das macht sie zu einem Selbstläufer. Aber natürlich will jeder Pharmakonzern, daß Ärzte sein Mittel verschreiben, nicht das der Konkurrenz. Darauf zielen die Werbemaßnahmen bei den Ärzten augenscheinlich ab. 

Jedenfalls ist es kein Wunder, daß inzwischen jeder fünfte Amerikaner bereits Erfahrungen mit der Abnehmspritze hat. Aber weil 80 Prozent von ihnen innerhalb von maximal zwei Jahren mit der Verwendung wieder aufhören - was zwangsläufig eine Wiederzunahme bedeutet -, ist der Markt noch weit davon entfernt, gesättigt zu sein. An einer Stelle wird im Artikel erwähnt, daß nur 11 Prozent aller Amerikaner mit einem BMI über 40 aktuell mit der Abnehmspritze behandelt werden. Die restlichen 89 Prozent sind somit ein heiß umkämpfter Markt, auch wenn man mehr als genug Patienten hat, die von vornherein mit einem niedrigeren BMI beginnen. 

Neuerdings, nämlich seit Juli diesen Jahres, scheint in den USA Medicare, die dortige Krankenversicherung, die Kosten für die Abnehmspritze bei Diabetes-Patienten zu übernehmen (für privatzahlende Nichtdiabetiker zwischen 900 und 1200 Dollar im Monat, aber bestimmt bekommen Krankenversicherungen sie etwas günstiger). Da haben bei den Herstellerkonzernen bestimmt die Sektkorken geknallt, da immerhin zwölf Prozent der US-Bevölkerung Diabetes haben. Da werden die bislang vergleichsweise niedrigen Krankenversicherungsbeiträge auf Einkommen bestimmt ein Stück nach oben gehen. 

Stichwort "Selbstläufer": Meine Reise nach Tschechien bot mir als Gruppenreise mal wieder interessante Einblicke, daß jedenfalls unter Frauen nahezu jede in irgendeiner Weise aktiv darum bemüht ist, mindestens das Gewicht zu halten. Die Methoden sind dabei ganz verschieden, es gab auch Intervallfasten-Varianten und Kohlenhydrat- bzw. Zucker-Reduzierer darunter. Überwogen haben allerdings diejenigen, die über große Portionen stöhnten und sich vor dem Gang auf die Waage nach der Heimkehr fürchteten oder die Hälfte des Fleischs oder der Knödel liegenließen (was ein Jammer ist, denn beides war überall ausgezeichnet). In jedem Fall taten sich manche der Damen ausgesprochen schwer damit, sich selbst die Erlaubnis zu geben, das ausgezeichnete und alles andere als kalorienarme tschechische Essen wirklich zu genießen. Die etwas spannenden Hosen bei mir schon vor Beginn der Reise habe ich ja erwähnt, aber das hat mich natürlich nicht daran gehindert, nach dem Lustprinzip zu essen und zu trinken. Da ich das immer so mache, war ich auch nicht sonderlich überrascht darüber, daß ein etwaiger Einfluß auf mein Gewicht, als ich wieder daheim war, so gut wie gar nicht wahrnehmbar gewesen ist.

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Die anderen Damen repräsentierten das Übliche, ich bin eine Ausnahme. Das Körpergewicht und Bemühungen um dessen Kontrolle sind der rote Faden im Leben der meisten Frauen und immer mehr Männer. Trotzdem muß man nach Experten für Ernährung, die sich darauf einen Reim zu machen versuchen, warum all die gut gemeinten Ratschläge das statistisch gemessene Übergewicht ums Verrecken nicht reduzieren zu können scheinen, immer noch mit der Laterne suchen. Üblich ist es, daran zu glauben, daß die 90 Prozent aller Abnehmenden, denen es nicht gelingt, ein Wunschgewicht zu erreichen oder es dauerhaft zu halten, entweder selbst daran schuld sind oder Opfer der Heimtücke der Lebensmittelindustrie, die sie süchtig gemacht hätte. Eine dritte Variante des wissenschaftlichen Mainstreams zu dieser Frage, die Überzeugun, wir seien immer noch nicht aufgeklärt genug über die Gesundheitsrisiken des Übergewichts, sonst wären wir alle miteinander gertenschlank (merkt eigentlich niemand, daß sich diese drei Annahmen in Teilbereichen widersprechen?), repräsentiert auch ein Epidemiologe, der kürzlich in der TAZ seine Vorstellung davon zu Papier brachte, daß wir Deutschen etwas für unsere Lebenserwartung tun müßten und was das seiner Meinung nach wäre. Natürlich soll das durch Prävention geschehen, und natürlich bezog er sich dabei auf die üblichen vier Todsünden des Lebensstils nach Meinung der Präventionsreligion: Ernährung, Bewegung, Alkohol, Rauchen. Herr Professor Zeeb in einem TAZ-Interview: 

 Die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ist der Treiber dieser etwas geringeren Lebenserwartung. Da geht es ja im Vergleich nur um halbe oder einzelne Jahre. Aber auf die Gesamtbevölkerung bezogen ist das natürlich viel verlorene Lebenszeit.

Mit anderen Worten: Wer das Rauchen, Saufen und Fressen bleibenläßt und sich neben allen unvermeidbaren Aufgaben im Alltag, die um die Erwerbstätigkeit einerseits und die Familie andererseits kreisen, anstelle von dem, was man mit dem Rest seiner Zeit gerne anfangen würde, durch Bewegungsprogramme und sportliche Aktivitäten quält, gewinnt wenig für sich selbst, aber wenn alle das machen, poliert das mindestens die Statistik seines Vaterlandes auf. So jedenfalls könnte man das lesen. Aber gemeint war hier wohl eher (weil nämlich nur das einen Sinn ergibt), daß im internationalen Vergleich der Durchschnittswert der Lebenserwartung in Deutschland niedriger liegt als in anderen Ländern. Nur um ein paar Monate, und dem Herrn Prof. scheint bewußt zu sein, daß das auf viele Menschen harmlos wirken könnte. Tatsächlich sind die Unterschiede in den individuellen Fällen zwischen den Viel- und den Wenig-Sündern aber schon etwas größer. 

Daß es keine Gar-nicht-Sünder gibt, versteht sich eigentlich von selbst, aber unausgesprochen ist die Annahme, es sei anders, trotzdem immer mit im Spiel, wenn an unseren Lebensstil-Entscheidungen herumkritisiert wird. Das wird von Präventionsideologen offenbar für ziemlich praktisch gehalten. Ein chronisch schlechtes Gewissen sorgt für mehr Compliance, das ist dabei wohl der Grundgedanke. Ob es Menschen mit einem chronisch schlechten Gewissen gleichzeitig gutgehen kann, danach fragt keiner. Ich kann als Fazit meiner Reise bestätigen, daß es an der Compliance mindestens bei den Frauen nur bei wenigen stärker hapert (zum Beispiel bei mir, aber als verstockte Ernährungssünderin darf ich das auch), und daß sie sich pausenlos dafür entschuldigen, wenn sie doch mal nicht widerstehen können. Ich kann außerdem bestätigen, daß es sich bei diesen "Sünden" um Kleinigkeiten handelt, die eigentlich gar nicht ins Gewicht fallen sollten. Und es ärgert mich sehr, mit ansehen zu müssen, wie sehr das das Leben von Millionen Menschen alleine hierzulande pausenlos überschattet, obwohl das eigentlich gar nicht sein müßte. Denn auch wenn meine Methode gerade auch nicht die Wirkung zeigt, die ich haben möchte, bin ich doch immer noch weniger weit von einer Lösung entfernt als die meisten Experten. 

Klammern wir hier die Frage aus, daß bei der Ernährung falsche Grundannahmen über die Rolle der Nahrungsenergie vermutlich eine Schlüsselrolle dabei spielen, warum sich die Leute mit ihrem Körpergewicht so sehr quälen, weil ich darüber nicht nur ständig schriebe, sondern weil ich auch ein übergreifendes Problem mit sämtlichen aufs Korn genommenen Todsünden habe.  

Die Frage, die ich mir stelle, ist, warum andauernd so ein Theater um die möglichen Gründe für ein vorzeitiges Ableben gemacht wird, die man den Verstorbenen selbst in die Schuhe schieben kann, und warum so wenig über die meinem Eindruck nach nicht weniger häufigen Fälle gesprochen wird, in denen falsche Diagnosen und/oder falsche Behandlungen und/oder eine fehlerhafte wissenschaftliche Grundlage für Diagnosen und Therapien einen vorzeitig ins Grab bringen. 

Danach zu fragen ist auch kein Whataboutism. Ich finde es wirklich unheimlich, wie eisern diese von mir aufgezählten und meinem Eindruck nach nicht gerade seltenen Beschleuniger eines vorzeitigen Ablebens meistens beschwiegen werden, obwohl es sie tatsächlich gibt. Jeder kennt zum Beispiel Fälle im eigenen Umfeld, in denen jemand vom Arzt eine falsche Diagnose bekommen hat, die lebensgefährlich war, und die Mehrheit hat das sogar schon selbst erlebt. Mir ist das auch schon passiert, und zwar mehr als einmal. Böse ausgehen können hätte vor allem die freitägliche Fehldiagnose des Allgemeinmediziners, der eine Bauchhöhlenschwangerschaft bei mir für Streßsymptome gehalten hatte. Da ich ihm glaubte, unternahm ich anschließend ein Wochenende lang nichts, obwohl es nicht besser wurde (allerdings auch nicht schlimmer). Mein Gynäkologe raufte sich, als ich montags zu ihm hineinwankte, das spärliche Haupthaar und ich wurde noch am gleichen Tag notfallmäßig operiert. Als er nach der OP zu mir ins Zimmer kam, war er grün im Gesicht und sprach davon, daß das eine "haarige Sache" gewesen sei. 

Ich nehme an, meistens gehen solche Dinge am Ende, so wie bei mir, doch noch gut aus, aber wenn es durchschnittlich jeden im Lauf seines Lebens mindestens einmal trifft, daß also ein Fehldiagnose lebensbedrohlich gewesen ist (und das ist vermutlich noch konservativ gerechnet und umfaßt außerdem nur die Fehldiagnosen, die als solche überhaupt erkannt wurden), dann würde das bei 80 Millionen Einwohnern immerhin 800.000 potentielle vorzeitige Todesfälle im Lauf von deren Leben bedeuten. Gehen wir von einer Lebenserwartung von 80 Jahren aus, wären das also 10.000  pro Jahr. 

Diejenigen, bei denen die Sache nach der Fehldiagnose tödlich endete, können nicht mehr selbst darüber berichten. Man darf aber getrost davon ausgehen, daß ein Teil dessen, was Angehörige von Verstorbenen erzählen, die ihrer Meinung nach vom behandelnden Arzt unter die Erde gebracht wurden, durchaus berechtigte Kritik enthält, auch wenn man nicht alles und in jedem Detail für bare Münze nehmen kann und Ärzten außerdem zugestehen muß, daß sie wie alle Menschen fehlbar sind und deshalb Fehldiagnosen nie völlig vermeidbar sind. Trotzdem stimmt es mich sehr unzufrieden, daß man erstaunlích wenig über Bestrebungen hört und liest, die Zahl der solchermaßen ausgelösten vermeidbaren Todesfälle zu reduzieren, indem man die häufigsten Ursachen für Fehldiagnosen analysiert und ihnen mit geeigneten Mitteln gegenzusteuern versucht. Schlimmer noch, man hört ja schon wenig über das Phänomen als solches. 

Fehlbehandlungen bei richtiger Diagnose geraten noch am ehesten in den Fokus medialer Kritik, aber auch da darf man vermuten, daß die Dunkelziffer gewaltig ist. Denn ich kann mich an keinen Fall in meinem Umfeld erinnern, in dem nach einem Todesfall, in dem das mit im Spiel war, die trauernden Angehörigen eine Aufarbeitung verlangt hätten, die ja grundsätzlich möglich ist. Ich nehme an, die meisten Angehörigen, die den Verdacht einer Fehlbehandlung haben, würden es sich nicht zutrauen, sie gegenüber Fachleuten nachzuweisen, die ja außerdem als Angehörige derselben Zunft eher als Verbündete des Arztes betrachtet werden müssen. Aber neben diesen Fällen gibt es noch eine riesige Grauzone in denen die Behandlung dem State of the Art entspricht, aber dieser erkennbar verbesserungswürdig wäre. Das gilt für viele Bereiche aus den sogenannten nichtübertragbaren Krankheiten, und bei denen kommt noch hinzu, daß möglicherweise falsche Behandlungsmethoden einem auch dann aufgedrängt werden, wenn man selbst eigentlich das Risiko einer Nichtbehandlung auf sich zu nehmen bereit wäre. 

Tatsächlich will ich auch gar nicht deshalb länger leben, nur um diesem Herrn Professor nicht seine verdammte Statistik zu versauen, denn das ist ja das einzige, was ihn an einem etwaigen längeren Leben der bisherigen verstockten Lebensstil-Sünder interessiert. Dafür lebe ich mein Leben nicht. Wenn es nur um diese Sache ginge, hätte ich überhaupt kein Problem, morgen einen Spaten zu schultern, mir auf dem Gottesacker selbst mein Grab auszuheben und mich sofort hineinzulegen. Ich lebe gerne und möchte das noch zwei, drei Jahrzehnte lang weiter tun, aber halt nicht um jeden Preis. Wenn ich wählen könnte, dann würde ich ein kürzeres Leben, das wirklich lebenswert ist, allemal einem längeren Leben vorziehen, in dem ich dreiviertel der Zeit damit beschäftigt bin, Dinge zu tun, die ich hasse, und mir andere Dinge zu verkneifen, die nicht zu tun ich ebenfalls hasse, wenn die Belohnung dafür darin bestehen soll, diese Strafarbeit einige Monate oder Jahre länger als andernfalls ausüben zu müssen. Egal, wie viele Leute das anders sehen (was ebenfalls legitim ist): Das wäre mir die Mühe, die Verzichtleistungen und die Trübseligkeit einfach nicht wert. 

Zu dem Geist, der in der Präventionsideologie verborgen ist, habe ich in dem Buch, das ich gerade gelesen habe - nämlich Hermann Hesses "Das Glasperlenspiel" (diese Lektüre hatte ich schon seit mehreren Jahrzehnten vor mir hergeschoben) - ein treffendes Zitat gefunden:

Ihr Mathematiker und Glasperlenspieler ... behandelt die Weltgeschichte wie ein Mathematiker, die Mathematik, wo es nur Gesetze und Formeln gibt, aber keine Wirklichkeit, kein Gut und Böse, keine Zeit, kein Gestern, kein Morgen, nur eine ewige, flache, mathematische Gegenwart. ... Jede Wissenscxhaft ist, unter anderem, ein Ordnen, ein Vereinfachen, ein Verdaulichmachen des Unverdaulichen für den Geist. ... Wenn der Anatom aber nur noch sein Schema sieht und die einmalige, individuelle Wirklichkeit seines Objekts darüber vernachlässigt, dann ist er ein Kastalier, ein Glasperlenspieler, er treibt Mathematik am ungeeigneten Objekt. 

(Hesse, GPS, S. 179/180 der Taschenbuchausgabe)

Dieses Zitat, in dem es um die Herangehensweise an das Fach Geschichte geht, paßt perfekt auch auf die Zahlenspielereien des Herrn Professor Zeeb. Das Erschütternde daran ist, daß solche Dinge in den Medien nicht einmal hinterfragt werden, wenn sie darüber berichten. Man findet dort nichts daran falsch, daß der Mensch nichts weiter ist als die ihm am besten (aber immer nur unvollkommen) entsprechende Nachkommastelle in einer Statistik. Und weil niemand es falsch zu finden scheint, glauben so viele ebenfalls, daß es nicht falsch sein könne. 

Aber es geht ja außerdem in der Epidemiologie immer um eine Statistik, die nur einen Teilaspekt der flachen mathematischen Gegenwart der Epidemiologen umfaßt. Da kann es dann aber passieren, daß die verschiedenen untersuchten Faktoren Ergebnisse erbringen, die nicht so recht zusammenpassen. 

Die Wirkung von Salz auf den Blutdruck und die Wirkung eines hohen Blutdrucks auf die Sterblichkeit lassen die Schlußfolgerung logisch erscheinen lassen, man könne folglich die Sterblichkeit durch möglichst geringen Salzkonsum reduzieren. Nur, warum gibt es dann auch Studien, in denen beispielsweise bei älteren Menschen die Sterblichkeit bei denen mit dem geringsten Salzkonsum am höchsten war? In der Salzfrage fehlt es augenscheinlich an der Kenntnis des einen oder anderen Einflußfaktors, die ebenfalls berücksichtigt werden müßten, um einem Patienten eine Empfehlung geben zu können, bei der man halbwegs sicher sein kann, daß der wohlmeinende Herr Doktor ihn nicht aus Versehen mit seinem Rat umbringt. Und ich bestehe darauf, daß es die Sache nicht besser macht, wenn derselbe Rat manchen anderen Patienten halt doch hilft, länger am Leben zu bleiben. Etwas mehr Demut vor der irrsinnigen Menge der Dinge, die die Epidemiologie nicht weiß und vielfach auch gar nicht wissen kann, fände ich im Umgang mit dem einzelnen Patienten wirklich angebracht. 

Etwas weniger Respektlosigkeit vor dem freien Willen gegenüber denjenigen, die sich aus Zeebs Perspektive gesundheitlich unvernünftig verhalten, wäre darüber hinaus auch angebracht. Es ist gut, richtig und wichtig, über Gesundheitsrisiken zu informieren. Ebenso ist es richtig, vermeidbare Risiken zu verringern, die außerhalb der Entscheidungsmöglichkeiten der Patienten liegen. Wenn diese Weißkittel aber ständig so tun, als wären wir eine beliebig formbare und auf einen fremddefinierten Pfad der Tugend zu schubsende Masse, die nicht imstande sei, selbst eine Abwägung zu treffen, welche gesundheitlichen Risiken man wissentlich eingehen will und welche nicht, dann ist das ein Frontalangriff auf die Würde jedes einzelnen Betroffenen - und da es kaum jemanden geben wird, der nicht von einem dieser Bereiche betroffen ist, ist es ein Angriff auf die Würde des Menschen generell. Wir werden mit diesen Angriffen aber tagtäglich dauerbeschallt, es gibt allenfalls punktuell in Einzelaspekten Widerspruch, und niemand scheint zu begreifen, daß am Grundgedanken etwas verkehrt sein könnte. 

Genau deshalb unterstütze ich es auch, daß mein Mann sich entschieden hat, diese absurde Menge an Medikamenten abzusetzen, obwohl ich nicht ausschließen kann, daß er damit sein Leben verkürzen wird. Er sagt, er lief, seit er das Zeug nahm, den ganzen Tag wie im Halbschlaf herum, schaffte es morgens kaum aus dem Bett, bekam mehrmals am Tag Nasenbluten und hatte nach hundert Metern Schmerzen beim Laufen. Er ist bereit, das Risiko eines eventuell verfrühten Todes zu akzeptieren, weil er jetzt endlich wieder das Gefühl hat, wirklich lebendig zu sein, das er anderthalb Jahre lang nicht hatte. Sich im Hier und Jetzt lebendig fühlen ist ein Wert, den man sehr wohl gegen die Möglichkeit abwägen kann und darf, länger zu existieren und dabei seine Existenz dauernd als wenig lebenswert zu empfinden.

In diesen mit Zahlen unterlegten Debatten läuft einiges ganz schrecklich falsch, und das gilt nicht nur für den Gesundheitsbereich. Man sagt von manchen Leuten, sie kennen von allem den Preis und von nichts den Wert, und dies hier geht in dieselbe Richtung. Meiner Meinung nach besteht der eigentliche Grund für die schwindende Bereitschaft, die Demokratie für eine Grundlage guten Lebens zu halten, darin, daß wir seit mindestens zwei oder drei Jahrzehnten immer von allen Seiten implizit vermittelt bekommen, es sei für uns ausreichend, überhaupt zu leben, Spaß, Genuß und Lebensqualität müßten wir dabei nicht auch noch haben. Weil auf diese Weise mittlerweile in allen Lebensbereichen argumentiert wird, steigt die Zahl derer, die in so vielen Bereichen betroffen sind, daß es unnatürlich wäre, wenn das bei ihnen keine Existenzängste auslösen würde, Ängste, in denen es nicht um das Überleben an sich, sondern um ein lebenswertes Weiterexistieren geht. 

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Am Wahlabend befand ich mich gerade auf der Abschiedsfeier der Reisegruppe in einem Lokal, als die Wahllokale schlossen. Ungefähr um 19 Uhr ging ich auf eine Zigarette hinaus und checkte nebenbei auf dem Handy, das ich ja mittlerweile doch angeschafft habe, wie es in Sachsen-Anhalt gerade mit den Hochrechnungen aussah. Danach ging ich wieder rein und bestellte mir erst mal einen Schnaps. Nicht, daß ich sonderlich optimistisch gewesen war - und sogar die optimistischsten Überlegungen aus meinem letzten Beitrag hätten eine sehr unangenehme Situation bedeutet -, aber das war noch übler, als ich es erwartet hatte. Lediglich der allerschlimmstmögliche Fall, nämlich eine AfD-Alleinregierung, ist ausgeblieben. Dafür reicht es jetzt AfD plus BSW locker, und ich würde mein letztes Hemd darauf verwetten, daß sie sich einigen werden. Jedenfalls dann, wenn Putin nicht inzwischen völlig pleite sein sollte. 

Umgekehrt kann nur ein Zusammenschluß aller Parteien einschließlich BSW gegen die AfD regieren. Nur, wie sollte das funktionieren, da ja die CDU sich weiterhin weigert, mit den Linken zusammen zu regieren? 

Vermutlich ist das letztere auch der Grund dafür, daß die CDU eine noch schlimmere Vollklatsche bekommen hat, als die Umfragen es befürchten ließen. Die AfD wollte sie halbieren, hatte Merz versprochen. Jetzt hat sie sich selbst mehr als halbiert. Die AfD hatte dafür in absoluten Zahlen (wenn auch nicht prozentual, wegen der hohen Wahlbeteiligung) fast dreimal so viele Wähler wie beim letzten Mal. Alleine durch den Anteil ihrer jetzigen Wähler, die bei der letzten Landtagswahl zu Hause geblieben waren, hätte sie ihren Stimmenanteil beinahe verdoppeln können. Aber es sind ja auch den Parteien des "Nicht-AfD-Blocks" (nicht meine Wortwahl, siehe Abbildung) Wähler davon- und zur AfD übergelaufen.  

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Eigentlich müßte sogar unsere vernagelte Politikerriege da doch endlich einmal begreifen, daß das, was sie verändern muß, um ihre Wähler zurückzugewinnen, etwas viel Grundsätzlicheres ist als sachpolitische Entscheidungen. Es muß endlich einmal Abschied genommen werden von einigen bislang immer bequemen Lebenslügen, wenn man das Land nicht endgültig gegen die Wand fahren will.Wir brauchen eine Grundsatzdebatte über die Rolle des Bürgers in der Gesellschaft. Und wir brauchen einen respektvollen Umgang mit ihm. Wir brauchen keine Gouvernanten, die einem immer mehr persönliche Entscheidungen qua Gesetz oder mittels Nudging abnehmen, wenn es darum geht, uns vor möglichen Fehlentscheidungen zu schützen, mit denen wir uns selbst schaden. Wir brauchen das auch nicht, wenn ein potentieller Schaden für andere nur marginal ist. Kein Pädagoge würde empfehlen, einem Kind möglichst alles, was es vielleicht noch nicht kann, aus der Hand zu nehmen und selbst zu machen. Irgendwann und irgendwo habe ich mal geschrieben, wenn man die Leute wie Kleinkinder behandelt, fangen sie ziemlich schnell auch an, sich wie Kleinkinder benehmen. Genau das können wir gerade auch besichtigen, und damit meine ich nicht nur die AfD-Wähler (die aber natürlich auch). Die Leute verlieren die Befähigung, eigene Entscheidungen zu treffen (analog zur "Käfigverblödung", die Konrad Lorenz einst bei Vögeln feststellte), aber nicht nur das. Sie entwickeln auch eine ungesunde Anspruchshaltung, und das nicht nur gegenüber dem Staat, weil sie auch immer weniger selbst entscheiden wollen und nach einer Mama rufen, die ihnen das abnimmt. 

Dieses Stimmungsbild aus einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt fand ich interessant, weil ich im Anschluß an diese Wahl tatsächlich schon zweimal in Debatten mit "normalen Leuten" kam, die es gut fanden, daß die AfD gewonnen hat, und sich dies auch anderswo bzw. auf Bundesebene wünschen würden. Beide Debatten verliefen dem Anlaß angemessen hitzig und kontrovers, aber am Ende haben wir uns trotzdem noch in die Augen sehen und die Hände schütteln können. Vermutlich ist es das, was es viel mehr geben müßte. Wo die AfD noch eine eindeutige Minderheit ist, haben diejenigen, die sie (zu Recht) für gefährlich halten, SO eine große Klappe und man wird schon angefeindet, wenn man zugibt, einen von "denen" auf der Straße freundlich zu grüßen. Aber genau dies führt dazu, daß die demokratische Mehrheit an den Rändern immer mehr abbröselt, weil es weltfremd, arrogant und selbstgerecht ist, und auf eine unangenehme Weise selbstbezogen außerdem, und weil es die Leute zu häufig dazu zwingt, zu heucheln, was dem menschlichen Charakter selten sonderlich guttut. 

Auf ein Stimmungsbild bei Bluesky kann ich hier, glaube ich, verzichten. Das Wehgeschrei ist ohrenbetäubend, die Schuldzuweisungen auch, die verlinkten Medienberichte bringen einen bei der eigentlich wichtigen Frage, nämlich wie mit der Sache jetzt umzugehen ist, überwiegend keinen Schritt weiter. Es spielt nämlich überhaupt keine Rolle, ob die AfD-Wähler alles Faschisten sind, wie der von mir eigentlich geschätzte Robert Misik in der TAZ schrieb, oder ob es anders ist. Viel wichtiger ist die Feststellung, daß ungefähr die Hälfte von ihnen noch vor fünf Jahren nicht die AfD gewählt hat, es aber jetzt tut. Vielleicht waren sie insgeheim ja schon immer verkappte Faschisten, aber auch das bringt einem einer Antwort auf die Frage nicht näher, was jetzt damit zu tun ist. Auch wenn sie Faschisten sein sollten, wie sehen dann eigentlich die zugehörigen Vorschläge aus? An die Wand stellen? Deportieren? (Nur, wohin?) Ins Umerziehungslager stecken? 

Etwaige Reparaturmaßnahmen, falls irgendwer sich zu diesen bequemen sollte, müssen an der Frage ansetzen, was in diesen fünf Jahren aus Nicht-AfD-Wählern AfD-Wählern gemacht hat. Egal, ob man dafür normale Bürger zur Vernunft bringen oder offene Faschisten wieder in verkappte Faschisten verwandeln muß oder wie auch immer man es sonst bezeichnen möchte, AfD-Wähler dazu zu bringen, ihr Kreuz nicht mehr bei der AfD zu setzen: Es ist völlig egal, wie man es nennt, solange es nur geschieht. Es hätte schon viel früher geschehen müssen, aber es lohnt sich nicht, sich darüber zu ereifern. Der richtige Zeitpunkt, um etwas zu tun, was früher versäumt wurde, ist immer genau jetzt. 

"Wer gestern diese AfD wählte, der will das Schiff untergehen sehen, weil er glaubt, dass er nicht darauf sitzt", faßte Christian Bangel in der ZEIT in einem ansonsten vorhersehbar mittelmäßigen Kommentar, wie er in der ZEIT so häufig ist, sehr prägnant zusammen. Das ist es, was man AfD-Wählern in diesen oder anderen Worten klarmachen muß. Die sind sich nämlich wirklich überwiegend sicher, daß es für sie selbst kein Risiko enthält, eine AfD-Regierung zu bekommen. Die meisten blicken nämlich keineswegs über den Tellerrand ihrer eigenen Befindlichkeiten hinaus. Mit Moral und dem, was die AfD für andere Leute, etwa den pakistanischen Nacharn, bedeuten würde, braucht man denen gar nicht zu kommen. Das ungute Bauchgefühl müssen sie schon aus Besorgnis um ihre eigene kostbare Person bekommen. 

Belegbare Risiken, die mir spontan einfallen, die man auch einem AfD-Wähler mal aufs Butterbrot schmieren kann: 

1)  Die ersten Gratulanten in Sachsen-Anhalt waren deren Fans Donald Trump und Elon Musk. Wer die Verhältnisse, wie sie gerade in den USA herrschen, nicht im eigenen Land haben möchte, der sollte die AfD nicht wählen. Es herrscht ausgerechnet unter Wählern populistischer Parteien oder Kandidaten ein naiver Glaube daran, daß die Demokratie eine Selbstverständlichkeit ist und daß man die AfD, wenn sie sich im Amt nicht bewährt, ja einfach wieder abwählen könne. Nun, Donald Trumps Regierung macht es live und in Farbe vor, daß man, wenn man sich das Ziel setzt, nicht mehr abgewählt werden zu können, erschreckend weit dabei kommen kann. Die Midterms werden es zeigen, ob man, um das Ziel zu erreichen, doch ein bißchen mehr Kreide hätte fressen müssen. Wie auch immer, wenn man nach der Wahl feststellt, daß man die Geister, die man rief, nun doch nicht mehr loswird, dann wird es zu spät sein. 

2) Für Leute, die von "Putins billigem Gas" schwärmen (so ein Wundertier ist mir nämlich wahrhaftig auch über den Weg gelaufen): Putin ist auch nicht der Freund derer, die sich in Deutschland für ihn als nützliche Idioten einsetzen. Putins Gas ist außerdem keineswegs billig, sondern ein trojanisches Pferd: eine Waffe, die er bereits vor dem Krieg (und das nicht zum ersten Mal) gegen uns eingesetzt hat. In den zwölf Monaten, bevor Rußland die Ukraine überfallen hat, haben die Russen uns nachweislich schon im Frühjahr kein Gas mehr geliefert, augenscheinlich mit dem Ziel, uns mit möglichst wenig Gas in die Heizperiode starten zu lassen und uns dann, wenn der Angriff auf die Ukraine kommen würde, mit leergelaufenen Tanks leicht unter existenziellen Druck setzen zu können. Putin hatte lediglich das Pech, daß der Winter 21/22 ziemlich mild war, andernfalls wären wir durch ihn kinderleicht erpreßbar gewesen. 

Darüber wird in der öffentlichen Debatte merkwürdig wenig gesprochen, und das ist ein Fehler. Wer uns alle wissentlich so etwas auszusetzen bereit ist, dem wäre es ganz recht geschehen, wenn er im Februar 2022 in seiner Wohnung erfroren wäre, wie das ja in Putins Plan allermindestens billigend in Kauf genommen wurde. Aber ich bin mir ziemlich sicher, die wenigsten AfD-Fans wissen das, da es von den Wählern des "Nicht-AfD-Blocks" ja ebenfalls nur wenige wissen. Und außerdem hätten die AfD-Fans, wenn ihnen das klar gewesen wäre, schon vor 2022 allesamt ihre Häuser auf Wärmepumpe umgestellt. Die wollen nicht erfrieren. Sie sind einfach nur blöd. Aber in diesem Punkt urteilen sie auch wegen eines Informationsdefizits falsch.  

Die Liste ist beliebig erweiterbar und sollte nach nachweisbarer Faktenlage erweitert werden, und zwar nicht durch dystopische Szenarien, sondern durch Fakten, die sich als bereits geschehen nachweisen lassen.

Erreicht man damit alle AfD-Wähler? Nein. Natürlich nicht. Aber diejenigen, denen die AfD vor fünf Jahren noch kein Kreuzchen auf dem Stimmzettel wert war, die sollten zu einem großen Teil erreichbar sein. Unter ihnen sind eine Menge, die deshalb die AfD wählen, weil die Bundesregierung genauso inkompetent ist wie die AfD auch, aber anders als sie keine Ahnung davon hat, wie man die Aufgabe angeht, einer verunsicherten Bevölkerung ein Gefühl zu geben, man sei bei ihr in guten Händen.