Freitag, 24. April 2026

Die Abnehm-Verstopfung. Und: Was mir bei "Bares für Rares" so durch den Kopf geht

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier Fastentagen: 73,6 Kilogramm. Mir ging heute morgen durch den Kopf, daß ich darüber eigentlich enttäuscht sein müßte, denn im Herbst war ich mir ja noch sicher gewesen, in einem halben Jahr dieses Gewicht schon zu Beginn des Fastens zu haben. Aber zu meinen Stärken gehört es, nicht sinnlos herumzuhadern, sondern Fakten als Fakten zu akzeptieren, und auf Basis meines Startgewichts am Montag von 80,3 Kilogramm kann ich wirklich zufrieden sein. Eine Abnahme von 6,7 Kilogramm ist so spektakulär - falls es nicht meine allerhöchste Abnahme in vier Tagen überhaupt sein sollte, zählt sie jedenfalls zu den Top 5 -, daß ich ja sehe, irgendein Sondereffekt hatte mir mein Gewicht am Montag weiter nach oben getrieben, als es normal war. 

Nachdem die letzten Wochen und sogar Monate, mindestens seit Weihnachten, mir wenig Anlaß zur Euphorie geboten haben - immerhin stehe ich gerade, und das kam ziemlich unerwartet, bei einem Gewicht, das vor Fasten wie festgetackert bei 78 bis 79 Kilogramm stehengeblieben ist - habe ich aber netterweise auch mal wieder eine kleine Erfolgsmeldung zu berichten: Gestern habe ich damit begonnen, im Kleiderschrank auszusortieren, damit demnächst die Sommerkleidung wieder einsortiert werden kann. Einige Kleidungsstücke wollte ich noch anprobieren, bevor ich die Entscheidung traf, ob ich sie behalten wollte oder nicht. Dabei stellte sich heraus, daß das einzige Kleidungsstück, das mir vor einem halben Jahr noch zu klein war, eine buntgeblümte Hose in Größe 38 aus dünnerem Jeansstoff, jetzt auf einmal paßt. Nun gut, die Hose sitzt ziemlich knapp, aber ich bekomme jetzt immerhin den Knopf zu, und im Herbst ging das bei aller Anstrengung noch nicht. Ich hatte sie eine Stunde lang an, damit sie sich noch etwas dehnen konnte, und fand sie dann auch nicht mehr unbequem. Irgendwas läuft also doch in meinem Körper ab, das die Waage nicht zum Ausdruck bringt.  

Der Hose hat das den Verbleib in meinem Kleiderschrank gerettet, denn eigentlich war ich entschlossen gewesen, sie auszusortieren. Weil es mit meinem Gewicht neuerdings so gar nicht mehr runtergehen will, hatte ich nämlich entschieden, daß ich keine Kleidungsstücke weiter aufheben werde, die mir zu klein sind. Kleidung zu kaufen, die mir zu klein ist, war sinnvoll, solange ich mit ausreichender Sicherheit und innerhalb absehbarer Zeit mit Gewichtsabnahmen rechnen konnte, und es war toll, daß das jahrelang so gut funktionierte und ich alle zu kleinen Klamotten früher oder später wirklich anziehen konnte. Denn eigentlich warnt ja jeder davor, und das normalerweise auch zu Recht, früher hat das bei mir auch nie funktioniert. 

Und jetzt läuft da vermutlich auch nicht mehr viel. Bis zu meinem Zielgewicht fehlen mir ja nur noch um die fünf Kilogramm. Gut, bei meinem jetzigen Gewicht könnte das eine Kleidergröße hin oder her sein, aber ich muß außerdem erst herausfinden, warum diese fünf Kilos soviel  hartnäckiger als die anderen knapp 70 sind, die sich nicht mehr auf meinen Rippen befinden, und wie ich sie trotzdem noch loskriege. Bis dahin lautet die strikte Regel: Nur Kleidung kaufen, die auch wirklich paßt. 

Die Zeiten, in denen ich auf Flohmärkten auf Verdacht ein Kleidungsstück, das mir gefiel, ohne Anprobieren mitnehmen konnte, wie ich mir das zeitweise angewöhnt hatte, sind vorbei. Das ist mir in der Zeit vor meinem Umzug klargeworden, weil ich irre Mengen Kleidung teils auf eBay verscherbelt, teils in den Altkleidercontainer gebracht, teils in den Müll geworfen habe. Etwa die Hälfte war mir zu groß geworden, vom Rest konnte ich mich im Alltag irgendwie doch nicht an meinen Anblick im Spiegel gewöhnen oder ich hätte, um das Stück tragen zu können, andere Kleidungsstücke ergänzend kaufen müssen. Relativ häufig habe ich bei langärmligen Stücken auch mit zu kurzen Ärmeln zu tun - alleine das ist schon ein guter Grund, unbedingt jedes Kleidungsstück, das ich kaufe, zuvor auch anzuprobieren. Das mache ich schon seit fast zwei Jahren so, aber diese geblümte Hose war eine Ausnahme, Hosen anprobieren ist bei Flohmärkten ja immer besonders lästig. 38 paßt mir normalerweise außerdem. Aber auf Kleidergrößen kann man sich halt nicht verlassen, also war das nicht sonderlich intelligent von mir, sie ohne Anprobieren mitzunehmen. Zumal ich mir das ja eigentlich bereits abgewöhnt hatte. 

Eigentlich ist der Klamottenkauf bei Flohmärkten ja nur deshalb zu meiner bevorzugten Bezugsquelle geworden, weil ich in der Zeit, in der ich ständig kleinere Kleidergrößen benötigt habe, nicht eingesehen habe, für Teile, die mir vielleicht in einem Vierteljahr schon zu groß sein würden, einen Haufen Geld auszugeben. Aber so ein bißchen bin ich auf den Geschmack gekommen. Die Basic-Teile, die ich wirklich brauche, kaufe ich überwiegend neu, weil man das, was man wirklich benötigt, ja auf Flohmärkten grundsätzlich nie findet. (Erst nachdem man es angeschafft hat, sieht man es plötzlich ständig.) Aber Kleiderständer bei Flohmärkten schaue ich mir wirklich gerne an, seit ich wieder damit rechnen darf, dort etwas zu finden, das mir nicht nur gefällt, sondern auch paßt. Mit dem Einkaufen habe ich es deshalb zeitweise doch übertrieben, so kam es zu den Klamottenbergen in meinem Schrank. Aber ich bin ja lernfähig und möchte es künftig so weit nicht mehr kommen lassen. Da wir in der Nachbarschaft einen Altkleidercontainer haben, ist es auch kein Staatsakt mehr, ein einzelnes Stück spontan auszusortieren und aus dem Haus zu bekommen. Denn ich nehme  an, daß auch künftig das eine oder andere Stück, das mir beim Kauf so gut gefallen hat, im Alltag dann doch nicht getragen wird. Das geht, glaube ich, fast allen so. 

Aber zurück zur Frage, was sich da eigentlich gerade in meinem Innenleben abspielt. Bekanntlich glaube ich ja fest an Ursachen und Wirkungen. Ich erlebe also gerade an der Hartnäckigkeit, mit der mein Gewicht nicht weiter runtergehen will, eine Wirkung, deren Ursache ich nicht kenne. Das macht es natürlich schwierig, eine Herangehensweise zu finden, um die Ursache zu beseitigen. Ich werde dafür experimentieren müssen, und es kann durchaus sein, daß ich eine Weile brauche, bis ich die Lösung gefunden habe. Nachdem ich mir die Sache schon seit etlichen Wochen durch den Kopf gehen lasse, wird mein erster Versuch darin bestehen, daß ich mich mit der latenten Verstopftheit befasse, die seit der Antikörpertherapie mein unerwünschter Begleiter geworden ist und mal dezenter, mal aufdringlicher auftritt. Einfach wegen des zeitlichen Zusammenhangs - das ist etwas, das sich verändert hat, und vielleicht besteht ein Zusammenhang mit der Veränderung, daß mein Gewicht nicht mehr weiter runter will. 

Zu wenige Ballaststoffe, zu wenig Trinken und zu wenig Bewegung können in meinem Fall kaum die Ursache sein, also bietet das auch keinen Ansatzpunkt für die Lösung. Aber ich werde es jetzt zunächst mal mit täglicher Einnahme von Flohsamenschalen oder Leinsamen probieren, denn die habe ich ja sowieso im Haus. Was ich noch auf mich zukommen lassen werde, ist, ob ich das, wenn ich mich verstopft fühle, auch an Fastentagen tun werde. Das entscheide ich nach Bauchgefühl und erkennbarer Wirkung auf die Verstopfung. Ob ich das dauerhaft beibehalte, hängt nicht davon ab, ob das dazu führt, daß ich wieder abnehmen kann (auch wenn dies der Auslöser für den Test war und als Wirkung freudig willkommen geheißen würde), sondern ob es das bewirkt, was es bewirken soll. Ich habe jetzt, glaube ich, lange genug abgewartet, ob die Trastuzumab/Pertuzumab-Verstopfung - das war meiner Meinung nach der Auslöser, und so schien es durchaus möglich, daß es mit zeitlichem Abstand nachlassen würde - von alleine wieder vergeht. Jetzt werde ich da aktiv, und vielleicht habe ich ja Glück und beseitige auch die Abnehm-Verstopfung.

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Als Nachklapp zu meiner Analyse dessen, was die neuen Leitlinien zur Ernährung bei Krebs über ketogene Ernährung und Fasten enthalten, habe ich in deren Quellen immerhin drei mir bislang nicht bekannte Studien zur Thematik der ketogenen Ernährung vorgefunden, von denen immerhin bei zweien der Volltext ohne Bezahlschranke zugänglich war, und fand nun Zeit, mal einen Blick auf sie zu werfen. Denn immerhin wurden sie deshalb als Quellen zitiert, weil die Autoren der Leitlinie, federführend dabei meine spezielle Freundin Jutta Hübner, sie als Beweis dafür betrachteten, daß ketogene Ernährung etwas ist, wovon abgeraten werden müsse. 

Diejenige, die mich am meisten interessiert hätte, weil es bei ihr immerhin um Brustkrebs geht (lokal fortgeschrittener oder metastasierter Brustkrebs in diesem Fall), war dummerweise die eine, von der ich nur den Abstract zu Gesichte bekam. In der Leitlinie wird sie als Beleg für eine kalorienunabhängige Gewichtsabnahme durch ketogene Ernährung präsentiert, und in der Tat haben die 30 Patientinnen in der Interventionsgruppe nach Aussage der Autoren tatsächlich Gewicht verloren, was die Autoren - anders als die Frau Prof. - aber offenbar nicht alarmierend fanden, sondern im Gegenteil eine verbesserte Körperszusammensetzung und niedrigere Blutzuckerwerte als positiv erachteten. Sie befürworten den Einsatz ketogener Ernährung, weil a) keine gravierenden Nebenwirkungen auftraten und b) das Gesamtüberleben der Patientinnen das der normal ernährten Kontrollgruppe übertroffen hat. Warum Jutta Hübner sich in dieser Studie auf den von ihr für negativ gehaltenen Faktor der Gewichtsabnahme stützt, aber ein verbessertes Überleben für unbedeutend hält, bleibt wohl weiter ihr Geheimnis. 

Studie Nummer 2 betraf Frauen mit Krebserkrankungen der Eierstöcke und Gebärmutterschleimhaut, und untersucht wurde dabei die Lebensqualität der Patientinnen, die im Anschluß an eine Operation zwölf Wochen lang einer sehr strikten ketogenen Ernährung (unter 20 Gramm KH/Tag - meiner Erfahrung nach relativ leicht machbar, wenn auch durchaus einschränkend, aber dafür ohne Kalorienvorgabe) folgen sollten und entsprechend angeleitet wurden. Das heißt, hier war die Frage des längeren Überlebens nicht das Thema. Am Rande wurde erwähnt, daß zwei Patientinnen während des Zwölf-Wochen-Zeitraums starben, aber nicht, welcher der beiden Gruppen (Intervention und Kontrollgruppe) sie angehörten. Auch las ich nichts darüber, in welchem Stadium der Erkrankung sie waren, aber ich habe die Sache auch nur flüchtig überflogen. Zwei Todesfälle innerhalb von zwölf Wochen sprechen aber eher für Krebserkrankungen in einem fortgeschrittenen Stadium. 

Von 73 Patientinnen, die die Studie beginnen, streckten sage und schreibe 16 sofort die Waffen, weil sich die Zeitpläne ihrer konventionellen Behandlung nicht mit denen der Studie in Deckung bringen ließen. Sowohl in der Interventions- wie auch in der Kontrollgruppe brachen sechs Patientinnen während der zwölf Wochen die Sache wieder ab, darunter waren drei, die die Ernährungsweise nicht fortsetzen wollten, also augenscheinlich der Interventionsgruppe angehörten. Beendet haben sie 20 Patientinnen in der Interventions- und 25 in der Kontrollgruppe.

Die Ergebnisse sprechen bezüglich der subjektiv empfundenen Lebensqualität jedenfalls nicht gegen eine ketogene Ernährung, denn tatsächlich hatten die Patientinnen in der Keto-Gruppe weniger Hunger als die in der Kontrollgruppe, und das Verlangen nach bestimmten Arten von Essen war in etwa gleich wie bei der Kontrollgruppe, obwohl die Kontrollgruppe ja keine Ernährungsvorschriften bekam. Ob auch diese Patientinnen abgenommen haben, wurde nicht dokumentiert, ist aber nicht ganz unwahrscheinlich. 

Studie Nummer 3 befaßte sich mit Männern mit Prostatakrebs, die im Anschluß an die konventionelle Behandlung (OP und Bestrahlung) sechs Monate lang eine ebenfalls sehr kohlenhydratarme (unter 20 Gramm pro Tag) ketogene Ernährung einhalten sollten. 57 Patienten wurden in eine Interventionsgruppe (30 Personen) und eine Kontrollgruppe unterteilt, allerdings beendet, nachdem 45 von ihnen die Studie durchlaufen hatten, weil sich keine signifikanten Vorteile durch die ketogene Ernährung ergeben hatten. Bemerkenswert fand ich, daß es in der Kontrollgruppe mehr Dropouts als in der Interventionsgruppe gegeben hatte (8 vs. 4). 

Auch an dieser Studie erschreckte die Autoren der Leitlinien vor allem die hohe Gewichtsabnahme der Patienten in der Interventionsgruppe, 12,3 Kilogramm innerhalb von sechs Monaten. Nicht erwähnt wurde von ihnen, daß der durchschnittliche BMI dieser Patienten vor Beginn bei 29,3 gelegen hatte und im Mittel nach den sechs Monaten bei zwischen 25 und 26 lag, also unter anderen Umständen für eine erfreuliche Verbesserung gehalten worden wäre. Was sich aus der Studie nicht ergibt, aber aufgrund von Erfahrungswerten anzunehmen wäre, ist, daß die Abnahme von durchschnittlich ungefähr zwei Kilogramm im Monat sich wahrscheinlich bereits erheblich verlangsamt hatte und sich auch nicht mehr allzu stark erhöht hätte. Ungefähr zwei Kilo sofortig Wasser-Wiederzunahme haben die Patienten außerdem unmittelbar nach der Rückkehr zur Normalernährung sowieso zu erwarten. 

Unter dem Vorbehalt, daß ich den Volltext der ersten Studie nicht gesehen habe: Keine dieser drei Studien ergab irgendwelche echten (nicht nur behaupteten) gesundheitlichen Nachteile für die Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe, tendenziell waren es sogar eher leichte Vorteile, wenn auch nicht im sogenannten "signifikanten" Bereich. Das könnte bedeuten, daß der Vorteil bei allen geringfügig war (aber was spricht gegen geringfügige Vorteile, die man nahezu kostenlos mitnehmen kann?), für wahrscheinlicher halte ich es aber (weil das auch bei dem Einsatz bei Diabetes so ist), daß die Vorteile ungleich verteilt waren und man also bei den Ergebnissen näher hinsehen müßte, um herauszufinden, ob es Patientengruppen gibt, denen man das besonders empfehlen oder bei denen man von vornherein darauf hinweisen könnte, daß es vermutlich nur geringe oder keine Wirkung zeigen wird - was aber nicht davon abhalten muß, es dennoch zu versuchen, weil das Zusammenspiel der Stoffwechseleinflußfaktoren so komplex ist, daß es im individuellen Fall doch anders sein wird. Keine dieser Studien enthält eine nachvollziehbare Begründung, warum von ketogener Ernährung pauschal abgeraten werden sollte. Außer natürlich diese komischen kabbalistischen Zahlenmagiespielchen mit der Waage, die manche Leute mit Wissenschaft verwechseln. 

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Wer hier schaut sich auch - manchmal oder regelmäßig - die Sendung "Bares für Rares" an, in der normale Leute Wertsachen, Kuriositäten und sonstige möglicherweise gut verkäufliche Sachen von einem Experten schätzen und, sofern es sich nicht als wertlos oder gefälscht herausstellt, meistbietend an einen von fünf bis sechs teilnehmenden Händlern verkaufen können? Ich kenne das von den Besuchen bei meiner Mutter, die das gerne sieht, und so hat es sich ergeben, daß ich auch auf YouTube gelegentlich darauf klicke und mich dann manchmal auch durch mehrere Folgen hangle - oder einzelne herausgeschnittene Geschäfte -, aber das hält selten allzu lange an, weil sich ja doch die Situationen, in die man als Verkäufer und Händler gelangen kann, schnell zu wiederholen beginnen und man anfängt, bestimmte Muster zu erkennen, worauf die Sache für mich an Reiz verliert. 

Bei den erstaunlich wenigen Fällen, in denen Verkäufer in der Sendung etwas verkaufen wollen, das sie einmal selbst erworben haben, fiel mir immer wieder auf, daß es Leute gibt, bei denen der Geldbeutel auch bei hochpreisigen Objekten wie Schmuck oder Antiquitäten sehr locker sitzt. Das sind Leute, die sich an den Gedanken gewöhnt haben, sich um Geld keine ernsthaften Sorgen machen zu müssen. Diese Fälle sind es aber auch häufig, in denen die Preisvorstellung des Verkäufers nicht erreicht werden kann, der beim Verkauf natürlich seinen damaligen Kaufpreis in Erinnerung hat und vielleicht auch noch auf eine Wertsteigerung hofft, und dann erweisen sich gerade diese Leute häufiger als eher kleinlich; aus diesem Teil kommt die Mehrheit derjenigen, die am Ende ihr gutes Stück wieder nach Hause tragen, weil die Angebote ihnen zu niedrig waren. Der Marktwert kann zum Verkaufszeitpunkt aber auch niedriger liegen als zum Zeitpunkt des Erwerbs. Das kann passieren, denn Moden kommen und gehen und das hat selbstverständlich Auswirkungen auf den Marktpreis. Möglich ist es aber auch, daß der Verkäufer von vornherein einen überhöhten Preis bezahlt hat oder zusätzlich sogar falsche Informationen über das Alter, die Herkunft und den Wert bekam. 

Der typischste Fall ist der Verkauf eines Erbstücks, meistens aus der Familie. Irgendwo las ich, die Sendung sei ein Ausdruck unserer Erbengesellschaft, und da ist in der Tat etwas dran. Erben sind heutzutage meistens schon um das Renteneintrittsalter herum, sie haben sich in ihrem Leben und ihrer Behausung längst eingerichtet und fangen mit den meisten Einrichtigungsgegenständen des Erblassers nicht viel an, auch nicht mit Gemälden oder Schmuck oder anderen Wertsachen. Es liegt deshalb nahe, sie zu versilbern, und sei es, nachdem das Erbstück zehn Jahre im Keller oder Dachboden stand, weil man es dem Erblasser schuldig zu sein glaubte, sie nicht einfach zu verscherbeln. Nur, wenn es wertvolle Dinge sind, dann ist es natürlich andererseits auch eine Mißachtung des Erblassers, sie im Keller verschimmeln zu lassen. Insofern ist der Verkauf in diesen Fällen am häufigsten  nachvollziehbar die bestmögliche Entscheidung. 

Das Nächsthäufigste sind Geschenke, und das ist schon heikler, jedenfalls wenn der Schenker noch lebt und womöglich ebenfalls gerne Bares für Rares schaut. Aber zu der Sendung kommen auch Leute mit Sachen vom Sperrmüll oder Flohmarkt, und nur die wenigsten geben, meist etwas verklausuliert, zu, daß die Jagd nach einem unerkannten Wertgegenstand, den man für einen Appel und ein Ei bekommt und zu Geld machen kann, der Grund ist, warum sie überhaupt Flohmärkte besuchen. Das ist natürlich legitim, hat aber schon etwas leicht Anrüchiges, da ja die Unkenntnis oder die Gutmütigkeit des Flohmarktverkäufers ausgenutzt wurde, um selbst einen Reibach machen zu können. Wenn in solchen Fällen der Wunschpreis deutlich unterschritten wird, verspüre ich immer so eine kleine Genugtuung, sozusagen in Solidarität mit dem unbekannten Flohmarktverkäufer. 

Beim Sperrmüll oder Verschenkkisten ist die Sache unkomplizierter, ebenso, wenn man Freunden beim Entrümpeln hilft oder mit Gebäudesanierungen zu tun hat und dabei etwas vor der Entsorgung bewahrt hat. Es fliegt sowieso viel zu viel in den Müll, da spielt es keine Rolle, ob jemand das Teil, das er davor bewahrt, selbst brauchen kann oder hofft, es zu Geld machen zu können. 

Manchmal zielen die Gründe, warum es abgegeben wird, oder der Zweck, für den der Erlös bestimmt ist, ersichtlich darauf ab, noch ein paar Euro mehr, als andernfalls geboten würden, bei den Händlern herauszuschinden, und das funktioniert auch recht häufig. Komischerweise kann ich mich aber an keinen einzigen Verkäufer bei Bares für Rares erinnern, der offen zugab, daß er seinen Wertgegenstand verkauft, weil er das Geld dringend braucht. Für mich wäre dies in vielen Fällen aber der einzige Grund, den ich für einen Verkauf nachvollziehen könnte. Das gilt etwa in den Fällen, in denen der Verkäufer sich am Ende nur erkennbar widerstrebend von dem verkauften Gegenstand trennt. Warum sollte man denn etwas verkaufen, das man eigentlich nicht gerne hergeben will, wenn man nicht das Geld nötig braucht? 

Pi mal Augenmaß in jedem zehnten Fall kommt das Geschäft nicht zustande. Meistens deshalb, weil der Wunschpreis zu weit unterboten wurde, aber es ist auch schon passiert, daß ein Käufer sich plötzlich doch nicht mehr dazu überwinden konnte, sein Objekt herzugeben, auch nicht zu einem angemessenen oder sogar überdurchschnittlichen Preis. Beeindruckt war ich von einem außergewöhnlichen Fall. Ein Mann erfuhr, daß das Objekt, das er geerbt hatte, von einer Freimaurerloge stammt, die heute noch existiert. Schon von dem Moment an, als er das erfahren hatte, merkte man, daß er anfing, sich unwohl zu fühlen. Aus seiner Sicht war damit sein Eigentumsrecht in Frage gestellt, obwohl er sich natürlich nichts vorzuwerfen hatte. Von den Ursprüngen des Objekts hatte er ja keine Ahnung gehabt. 

Die Expertenschätzung von um die 2000 Euro führte doch noch dazu, daß der zu erwartende Erlös verlockend genug war, daß er das Objekt den Händlern anbot. Der Schätzpreis war bereits übertroffen und wäre vermutlich noch sehr viel deutlicher übertroffen worden. Aber dann brach er die Sache auf einmal ab. Er haben sich anders entschieden und wolle nicht mehr verkaufen. Er werde die Loge anrufen, der das Objekt ja in Wirklichkeit gehöre, und sie könne es bei ihm abholen. Die Händler brauchten einen Moment und zwei, drei Rückfragen, bis sie begriffen hatten, daß er keineswegs selbst direkt an die Loge verkaufen (und noch mehr Geld herausschlagen) wollte, sondern der früheren und seiner Meinung nach rechtmäßige Besitzer es vielmehr kostenlos zurückerhalten sollte. Und wie hätten sie das auch sofort kapieren sollen, da sie sich ja während des Bietergefechts auch darüber unterhalten hatten, daß die Loge sicherlich interessiert sein würde, es vom Meistbietenden zurückzubekommen? Eine solche Transaktion schien ihnen ganz normal. Aber dem Verkäufer offenbar nicht, denn genau dieses Gespräch zwischen den Händlern hat wohl dazu geführt, daß der moralische Kompaß des Verkäufers ihm deutlich signalisierte, daß das, was er tat, seinen Vorstellungen von Richtig und Falsch widersprach. Und das bedeutete ihm mehr als ein Erlös von 2500 Euro aufwärts. 

Interessant an dieser kleinen Szene finde ich vor allem, weil es sehr schön illustriert, wie auch das Verhalten von "Mitläufern" in Diktaturen von einem Moment zum nächsten umschlagen kann. Jeder Mensch hat irgendwo eine persönliche Schmerzgrenze beim "Mitschwimmen im Strom" und Mittragen von Dingen, die eigentlich seinem Gerechtigkeitsgefühl widersprechen. Sogar dann, wenn man vieles mit gemischten Gefühlen hinnimmt, das einem eigentlich nicht gefällt, kann das beim Überschreiten dieser Grenze auf einmal in aktiven Widerstand umschlagen. Bei den meisten Leuten ist freilich das persönliche Gerechtigkeitsgefühl um einiges flexibler. Mir gefiel es, daß dieser Schwabe im Berliner Exil zu der Minderheit der anderen gehörte und lieber auf den vierstelligen Betrag verzichtete, den er andernfalls hätte bekommen können, als sich seinem Empfinden nach unberechtigt zu bereichern. 

Vermutlich ist das, worüber ich bei Bares für Rares so nachdenke, nicht das, was dazu führte, daß die Sendung schon seit fast anderthalb Jahrzehnten läuft und sich nach wie vor nicht totgelaufen zu haben scheint, denn mit meiner Motivation wäre schon längst eine Übersättigung eingetreten und die Einschaltquoten würden die Sache für den Sender immer weniger rentabel machen. Vermutlich ist es der Kitzel, daß man gefahrlos bei anderen Leuten miterleben kann, wie sie Erfolg haben und manchmal auch scheitern, ohne sich selbst dabei einem Risiko (aber auch nicht der Gewinnmöglichkeit) auszusetzen, der die Leute an den Fernseher treibt, wenn diese Sendung kommt. Es ist, so betrachtet, die perfekte Mischung aus Gameshow, Wrestling und Lottozahlen. 

Ich sehe das Konzept der Sendung auch deshalb etwas zwiespältig, weil ich den Leuten nicht immer ihre Geschichten abkaufe, vor allem, wenn es um die Begründung für den Verkauf geht, und weil sie nicht nur dadurch etwas ziemlich Voyeuristisches hat. Auch das oberflächliche Süßholzgeraspel von Horst Lichter wird mir manchmal zuviel. Und dann, wie erwähnt, wiederholen sich halt bestimmte Konstellationen immer wieder, und so verliert für mich auch der Spannungsfaktor, wenn es um die Gebote der Händler geht, seinen Reiz. Das Salz in der Suppe und was mich dann doch, meist nach Monaten, doch wieder neu verlockt, sind die Kuriositäten, also Dinge, die man noch nie gesehen hat und sich oft nicht einmal vorstellen kann, wofür sie gut sein sollen, nicht die Sachen, die jeder auf Anhieb als wertvoll erkennt, und die sind auch der Grund, warum ich immer mal wieder doch einen Bares-für-Rares-Anfall bekomme. Derselbe Faktor triggert mich auf Flohmärkten genauso, diese "Was zum Teufel soll das das sein und wofür ist es gut?"-Momente. Meine Wohnung ist voll mit Objekten, die ich gekauft habe, weil ich sie einfach ungewöhnlich und deshalb reizvoll fand. Das führt leider auch dazu, daß bei mir Dinge nur sinnlos herumfahren, und deshalb ist es gut, daß ich einmal im Jahr einen Flohmarktstand habe, dem ich das, was jahrelang nur in Schubladen herumlag, wieder zuführen kann. Das können Sachen sein, von denen ich irrtümlich glaubte, sie würden sich als nützlich erweisen, solche, an denen ich mich sattgesehen habe, aber eben auch Kuriositäten, die für mich weder nützlich sind noch irgendwo dekorativ zur Geltung kommen, die ich aber in einem Moment der Kauflust unbedingt haben zu müssen glaubte. Es dauert übrigens für gewöhnlich ein paar Jahre, bis ich das eingesehen habe und das Objekt in die Flohmarktkiste wandert.

Aber ein Fall für Bares für Rares ist bei mir sehr wahrscheinlich nicht dabei, und falls es beim Kauf unerkannt doch einer wäre, dann bleibt er das vermutlich nicht. Was ich kaufe, muß für mich nämlich alltags- oder dekorationstauglich sein, sprich: Es wird benutzt, es wird staubig und wird gelegentlich - viel zu selten - gesäubert, es bekommt Gebrauchsspuren oder fällt mal herunter und wird dann geklebt. Das ist in Ordnung für mich, so etwas müssen die Dinge, die ich kaufe, abkönnen, denn ich kaufe nichts als Wertanlage oder Sammlerobjekt. Ich verfüge über kein Sammler-Gen, und ich fände es eher unangenehm, teuren Schmuck zu tragen oder ein Objekt zu besitzen, das so wertvoll ist, daß ich es von vornherein nicht riskieren dürfte, daß es versehentlich beschädigt wird. Von all den Schutzmaßnahmen, mit denen ich mich vor Diebstahl oder Beschädigung schützen müßte, würde ich mich viel zu sehr in meiner Handlungsfreiheit eingeschränkt fühlen. 

Außerdem sind Billigkopien oft genauso schön wie die Originale. Ich besitze zum Beispiel eine goldfarbene Kaminuhr, die auf unserem Wohnzimmerbüffet steht, im Empire-Stil, aber mit einem chinesischen Batterie-Uhrwerk, also in jedem Fall eine Replik aus jüngerer Zeit. Außerdem hatte sie schon eine reparierte Beschädigung, als ich sie für einen Euro auf dem Flohmarkt kaufte, und das unmögliche Umzugsunternehmen, das unseren Hausstand transportierte, hat dem noch eine weitere hinzugefügt, die aber glücklicherweise ebenfalls nach Reparatur nur noch zu sehen ist, wenn man ganz genau hinschaut. Ich mag diese Uhr, weil ich sie schön finde. Sie zeigt eine entrückt lächelnde junge Frau in einem langen, faltenreichen Kleid vor zwei antiken Säulen, die das Uhrgehäuse tragen, als antikisierendes Requisit. Das Gehäuse wird von zwei Putten rechts und links gestützt. Die Frau spielt auf einer Laute, zwei nackte Kinder begleiten sie auf einer Flöte und einer Trompete. 

Was würde diese Uhr besser geeignet machen, auf unserem Büffet zu stehen, wenn sie ein Original wäre und mich, sagen wir, dreitausend Euro gekostet hätte? Genießt man den Dekorationswert dieses Stücks während seines normalen Aufenthalts im Wohnzimmer, fällt der Unterschied gar nicht auf, auch wenn man, hätte man Original und Imitation direkt nebeneinander, vermutlich Unterschiede erkennen würde. Wenn ich mir vorstelle, ein Kenner käme bei mir ins Wohnzimmer herein und würde bei dieser Uhr als erstes checken, ob sie "echt" ist, und sie anschließend keines Blickes mehr würdigen, weil sie halt aus seiner Sicht Schrott ist, dann hat er meiner Meinung nach auch keine Originale verdient, die ja auch schön sind, weil der Gestalter eine schöne Uhr gestalten wollte, nicht, damit sie einen möglichst hohen Sammlerwert bekommt - was am besten gelingt, indem man sie von vornherein nicht auspackt und sich damit auch nicht an ihr erfreuen kann. 

Wie der typische Bares-für-Rares-Verkäufer habe ich versucht, mich im Internet über meine Uhr schlau zu machen, aber ich fand kein Gegenstück, weder vom wahrscheinlich teuren Original noch von der chinesischen Billigkopie, die ich habe. Vermutlich läge mir die Sendung "Kunst und Krempel" mehr als "Bares für Rares", bei der geht es nur darum, sich ein Objekt aus dem eigenen Besitz von einem Experten erklären zu lassen, nicht um einen meistbietenden Verkauf. Und eigentlich wüßte ich tatsächlich gerne mehr - über die Billigkopie wie auch über das Original, das ihr als Vorlage diente. Aber sogar dann, wenn ich das billige nachgemachte Objekt, das ja anscheinend auch nicht mehr am Markt aufzutreiben ist, wenn man danach sucht, mit Gewinn verkaufen könnte - und bei einem Euro Kaufpreis gehört dazu ja auch nicht viel - würde ich es halt nicht hergeben wollen. Ich suche auf dem Flohmarkt keine Wertanlagen, sondern Dinge, die praktisch einsetzbar sind oder mein Auge erfreuen ... und manchmal kann ich auch dem nicht widerstehen, was ich kurios oder skurril finde. 

Was mir noch zu "Bares für Rares" in den Sinn kam: Es handelt sich meistens um Objekte, die schon den Erstbesitzer eine ziemliche Stange Geld gekostet hatten. In den meisten Familien würde man kein einziges vorfinden, das ein Fall für diese Sendung sein könnte. Das gilt sogar für viele dieser Kursiositäten oder Spielzeug. Die meisten Spielsachen in einem durchschnittlichen Kinderzimmer würde man nie im Leben für mehr als ein paar Euro verkaufen können. Altes Spielzeug, das heute etwas wert ist, war schon damals teuer. Die Sammlerlogik führt zu der Absurdität, daß ein Spielzeug, mit dem wirklich gespielt wurde und das dabei die eine oder andere Schramme abgekriegt hat, drastisch an Wert verliert, während "unbespielte" Spielsachen, die womöglich nie ihrer Originalverpackung entnommen wurden, den höchsten Sammlerwert haben. Das hat schon etwas Perverses. Ein Spielzeug, mit dem nicht gespielt wird, verfehlt seinen Sinn. Eine Puppe in einer Vitrine hat weniger echten Wert als eine, deren Anblick einen noch mit sechzig daran erinnert, wie man als Kind einst mit ihr gespielt hat. 

Meine alten Puppen liegen in einem Wandschrank in meinem früheren Kinderzimmer im Haus meiner Mutter. Aber mein Teddybär Hansi hat mich bis heute begleitet und sitzt jetzt in meinem Arbeitszimmer im Regal. Er ist vielfach repariert, hat abgeschabte Stellen im Fell und einmal mußte ich ihn gegen Motten behandeln. Man kann es nicht abstreiten, ein Sammlerstück ist er nicht, obwohl er um die sechzig Jahre alt ist. Dafür ist er viel zu ramponiert. Wahrscheinlich wird er im Müll landen, wenn ich einmal gestorben bin, es sei denn, ich ergänze in meinem Testament, daß er mit mir ins Grab  mitgegeben werden soll. Und vielleicht sollte ich das wirklich machen, denn ich finde, das hat mein Hansi nicht verdient. Wenn ich einmal im Sarg liege, werde ich ja auch einigermaßen ramponiert sein, also passen wir dann gut zusammen. Außerdem gefällt mir der Gedanke, künftigen Archäologen damit eine Rätselaufgabe zu stellen. 

Schade, daß es bestattungsrechtlich nicht zulässig ist, zu verfügen, daß aus der persönlichen Habe ein Scheiterhaufen errichtet werden solle, der mit einem verbrannt wird. Das, finde ich, hätte Stil. Mir ist nämlich schon klar, daß all diese Sachen, die ich auf Flohmärkten zusammengekauft habe, weil ich sie schön fand, und die ich immer noch so schön finde, daß sie weiter meine Wohnräume zieren, ohne den inneren Zusammenhang zwischen ihnen und mit meinem Leben in den Augen anderer einmal ziemlich glanz- und reiz- sowie natürlich auch ziemlich wertlos erscheinen werden. Und nach meinem Tod wird dieser Zusammenhang halt wegfallen, dann kommt vermutlich der Entrümpler, und der wird auch nur einen Bruchteil davon noch für verkäuflich halten. Aber dieser Teil landet dann eher wieder auf den Flohmarkt als im Antiquitätengeschäft, und das finde ich eigentlich ganz tröstlich, denn da kam vieles davon ja auch her, also tritt es wieder in einen Kreislauf ein. 

Zurück zu Bares für Rares: Die Leute, die ein Objekt aus Familienbesitz anbieten, müssen also aus Familien kommen, die bereits mindestens wohlhabend waren, als es angeschafft wurde. Jeder leistet sich ja zuweilen Dinge, die er sich eigentlich gar nicht leisten kann, aber die Spielräume, innerhalb derer man das tun kann, hängen halt doch sehr von den Lebensverhältnissen ab. Wenn zum Beispiel ein Arbeiter der sechziger Jahre sich für ein Objekt der Begierde finanziell zu übernehmen bereit war, hat er vielleicht von einem Ferrari oder Porsche geträumt, aber dabei heraus kam am Ende ein Opel, der eine Klasse besser war, als es seine finaziellen Verhältnisse zuließen, oder im höchsten Fall eine der günstigeren Daimler-Varianten. Die meisten der bei Bares für Rares angebotenen Dinge hätten diese Spielräume für die meisten Menschen zum Angebotszeitpunkt gesprengt. Mir geht es öfter durch den Kopf, wenn ich die Sendung sehe, daß dann auch unter den Verkäufern in der Sendung eine gewisse Ungleichverteilung bestehen müßte, daß nämlich Leute, die aus reichen Familien stammen, überrepräsentiert sind, auch dann, wenn sie selbst es nicht mehr sein sollten. 

Ich bin gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis das Konzept von Bares für Rares nicht mehr funktionieren wird. Denn die heutige Erbengesellschaft ist ja noch gar nichts gegen das, was in dieser Hinsicht noch auf uns zukommt. Die Erben der geburtenstarken Jahrgänge werden es einmal viel schwerer haben, die Hinterlassenschaft ihrer Eltern zu versilbern, wenn sie das versuchen wollen, weil ihr Abtreten nicht nur bei Immobilien, sondern auch bei den Dingen, die sich darin befinden, zu einem Überangebot führen wird. Ähnlich, wie heute Bauernschränke und anderes historisches Mobiliar - von bestimmten Stücken abgesehen - nicht mehr die Preise der achtziger und neunziger Jahre erzielen (dasselbe gilt für Klaviere, bemalte Milchkannen, alte Nähmaschinen und noch so manches andere, die früher teuer waren, einem heute aber mehr oder weniger nachgeworfen werden), wird wohl auch für die meisten andere Arten von Antiquitäten und Sammlerstücken aller Art ein Überangebot entstehen. Da muß ein Objekt schon sehr bedeutend und sehr selten sein, daß es davon die Ausnahme ist. Bares für Rares würde dann wohl so, wie es heute ist, nicht mehr funktionieren. 

Aber wer weiß, welche anderen Variablen sich außerdem noch verändern werden. Ich staune ja immer wieder, wie billig Dinge auf Flohmärkten angeboten werden, die ich selbst einmal neu gekauft und für sie den vielfachen Preis bezahlt habe. Nimmt man an, daß das Gesetz von Angebot und Nachfrage hier eine Rolle spielt, dann muß man festhalten, daß es für gebrauchte Artikel nur im tiefsten Niedrigpreissektor überhaupt eine Nachfrage gibt - es sei denn, es handelt sich um Sammlerobjekte oder andere Dinge, die eine speziell interessierte Zielgruppe haben. Diese Relationen können sich aber dann wieder verändern, wenn irgendetwas dazu führen sollte, daß der Überfluß an Waren aller Art sich verknappt. Für den Moment spart man jedenfalls einen Haufen Geld, wenn man Dinge, die man im Alltag benötigt, auf Flohmärkten kauft, falls es sich ergibt, daß man dort genau das Passende findet. Dafür braucht man freilich den Genossen Zufall als Verbündeten, denn meiner Erfahrung nach ist es sinnlos, sich den Kauf eines bestimmten Artikels auf dem Flohmarkt vorzunehmen, weil man ihn dann sowieso nicht findet. 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Dienstag, 21. April 2026

Die Onko-Astrologin

Mein Gewicht heute früh nach dem ersten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 77,7 Kilogramm. Gestern früh habe ich ärgerlicherweise die 80-Kilo-Marke gerissen. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet, und ich muß mir folglich für dieses Sommerhalbjahr irgendetwas einfallen lassen, denn so kann das natürlich nicht weitergehen, daß mein Gewicht weiter nach oben schleicht, statt runterzugehen, wie ich das eigentlich nach zwei LC-Phasen und einem zweiten "Endspurt" erwartet hatte. Leider habe ich aber im Moment noch keinen Schimmer, was das sein könnte, das ich machen kann. Aber kommt Zeit, kommt Rat. 

Sorry außerdem, daß ich mich so lange nicht gemeldet habe. Es gibt keinen "vernünftigen" Grund dafür, außer, daß ich nie genug Muße hatte, um mich mal ein Stündchen intensiv genug mit einem Blogartikel zu befassen. Unsere Küchenbaustelle macht meinen Alltag nach wie vor ein bißchen mühsam, wir haben 8 Kubikmeter Erde für den Garten vor die Gartentür geliefert bekommen und in einem Gewaltakt binnen drei Tagen mit Schaufel, Eimer und Schubkarre durch die Terrasse hindurch und die vier Treppenstufen hinauf an insgesamt drei Zwischenlagerplätze im Garten geschafft (über zu wenig Bewegung in letzter Zeit konnte ich mich echt nicht beklagen), und zwischendurch saß ich an eiligen Projekten, und dazu kam noch allerhand sonstiger Kleinkram, oft solcher, für den ich kurzfristig alles fallenlassen mußte, was ich in der Hand hatte, und mich sofort darum kümmern. 

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Meine spezielle Freundin, die Frau Professorin Jutta Hübner, tingelt mal wieder durch die Medien, um alle Welt vor Krebsdiäten zu warnen. Anlaß sind die aktualisierten Leitlinien zur Ernährung bei Krebs (hier außerdem die ausführlichere Langversion). Es ist keine sonderliche Überraschung, daß sie in diese Warnung auch ketogene Ernährung und Fasten mit einschließt, und ebensowenig, daß sie dies mit denselben Risiken begründet, die schon bei ihren früheren Publikationen aufgezählt wurden, sich aber näher betrachtet (insbesondere hier und hier) nicht im Entferntesten als stichhaltig erwiesen, und manches davon sogar unfreiwillig komisch wäre, wenn es nicht real existierende Patienten schädigen würde. Das gilt vor allem für die ach so rührende Besorgnis um eine mögliche und nach Meinung von Jutta Hübner um beinahe jeden Preis unbedingt zu vermeidende Gewichtsabnahme von Krebspatienten. Dies nämlich ist ihr Hauptargument nicht nur gegen das Fasten, sondern auch bei ketogener Ernährung. 

Man würde sich wirklich wünschen, daß Hübner sich einmal in einen fachlichen Austausch mit Adipositasmedizinern begibt. Denen ist das nämlich überwiegend völlig neu, daß es kalorienunabhängige Gewichtsabnahmen wirklich gibt, obwohl genau dies der Punkt ist, in dem Hübner tatsächlich richtig liegt. Falsch liegt sie dafür mit der Annahme, daß das von ihr heraufbeschworene Risiko einer Mangelernährung an der Bewegung abgelesen werden kann, die der Zeiger einer Personenwaage beim Patienten macht. Tatsächlich sind bei Krebserkrankungen im nicht metastasierten Stadium die meisten Gewichtsabnahmen entweder neutral (bei Normalgewicht) oder positiv zu werten (bei Übergewicht). Bei von vornherein untergewichtigen Patienten ist es richtig, vorsichtiger zu sein, jedenfalls was das Fasten betrifft. Daß mit ketogener Ernährung dies verschlimmert werden könnte, ist dagegen nur schwer vorstellbar. 

Das gilt alleine schon deshalb, weil die vergleichsweise hohen Abnahmen innerhalb von zwei bis drei Wochen, über die die Frau Professorin sich bei den Angaben in einer Studie so sehr entsetzt, ja zu einem großen Teil rein wasserbedingt sind. Das wiederum ist eine Sache, die nicht nur Adipositasmediziner und Onkologen nicht wissen, sondern die auch unter Keto-Profis viel zu wenigen bewußt ist. Das liegt daran, daß ketogene Ernährung für gewöhnlich als dauerhafte Ernährungsumstellung behandelt wird und damit meist unter dem Radar bleibt, daß die sehr schnelle Abnahme zu Beginn und die ebensoschnelle Zunahme am Ende etwa ein bis zwei Kilogramm Wasser enthält, die einen Einfluß von exakt null auf die sonstige Körperzusammensetzung haben, sondern sozusagen ein durchlaufender Posten sind. Jahrelang konnte ich das Phänomen, das zu Beginn und Ende meiner Low-Carb-Phasen grundsätzlich immer auftritt, nur beschreiben, wußte aber nicht, was es bedeutet, bis ich davon las, daß der Grund die Leerung der Glykogenspeicher in der Muskulatur sei. 

Irgendwie werden Fachleute der medizinischen Sparten immer nur von Teilen der bekannten Fakten erreicht. So weiß Frau Professorin Hübner über Adipositas etwas, das für einen Adipositasmediziner wichtig zu wissen wäre, aber in diesem Bereich nur einer Minderheit bekannt ist. Sie wiederum weiß offenbar nicht, daß Gewichtsabnahmen sich sehr unterschiedlich zusammensetzen können, was wiederum in der Ernährungsmedizin im Grundsatz bekannt ist. Die Gründe für die hohe anfängliche Abnahme wiederum wissen beide nicht ausreichend nach dem Prinzip Ursache und Wirkung einzuordnen. Das wirft die Frage auf, auf welche Weise medizinisch relevante Fakten denen vermittelt werden müßten, die sie kennen sollten, denn im Moment funktioniert das ja offenbar nicht so richtig, und das wirkt sich natürlich hemmend auch auf mögliche darauf aufbauende wissenschaftliche Erkenntnisse aus. Den Schaden - durch die verzögerte Forschung wie auch durch in sich widersprüchliche und fehlerhafte medizinische Anwendungen - haben natürlich wir als Patienten. Und eigentlich ist das nicht einzusehen. 

Nichts an diesem Wasserphänomen ist jedenfalls für einen Krebspatienten gefährlich, und es ist schon irritierend, wenn eine Persönlichkeit, die so großen Einfluß auf das hat, was Onkologen ihren Patienten empfehlen oder ihnen verbieten wollen, offenbar so wichtige Dinge nicht weiß. Wobei mich noch mehr stört, daß diese Persönlichkeit, also die Frau Professorin Hübner, nicht von alleine merkt, wie unwissenschaftlich sie dabei argumentiert. Wenn alleine die Veränderung der Zahl, die von der Waage angezeigt wird, als Risikofaktor behandelt wird, dann hat das nämlich gar nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern eher mit Zahlenmagie, und wer dies spontan für zielführend bei der Behandlung von Krankheiten hält, der hat seinen Beruf verfehlt und sollte es vielleicht mal stattdessen als Astrologe versuchen. 

Gewichtsabnahme als ein in der Tat alarmierendes Symptom für einen Krebspatienten ist ja immer die Gewichtsabnahme, die ohne eigenes Zutun erfolgte, nicht eine, die sich durch bestimmte Ernährungsveränderungen ergeben hat. Eine nicht aktiv angestrebte und auch nicht durch Therapienebenwirkungen (Übelkeit/Erbrechen/Durchfall) erklärbare Gewichtsabnahme bei einem Krebspatienten deutet auf eine metastasierte Erkrankung hin - und darauf, daß der Krebs sich am körpereigenen Protein bedient und dadurch Muskelschwund auslöst - die sogenannte Tumorkachexie. Alle anderen Arten von Gewichtsabnahmen kann man unbesorgt so lange für harmlos halten, wie sich keine Symptome für negative Wirkungen einstellen - was natürlich beobachtet und ggf. behandelt werden sollte. Die Tumorkachexie wiederum läßt sich kaum abmildern und gar nicht beseitigen. Nur indem die Grunderkrankung, also der Krebs, beseitigt wird, läßt sich auch die Kachexie beseitigen, was aber bei metastasiertem Krebs keine typische Entwicklung ist. Auch wenn die durchschnittliche weitere Lebenserwartung in diesem Erkrankungsstadium erfreulicherweise höher geworden ist, die Chancen für Patienten, die von dieser Kachexie betroffen sind, liegen weiterhin erheblich schlechter. 

Zu einem makaberen Witz würden die Leitlinien des Jahres 2026 aber, falls Thomas Seyfrieds Krebsentstehungstheorie wie auch die darauf basierenden in Entwicklung befindlichen Therapien sich durchsetzen sollten, wie ich das mittelfristig für wahrscheinlich halte, obwohl dieser Prozeß unangenehm zäh ist und noch verdammt lange dauern kann. Diese Therapien enthalten ketogene Ernährung und/oder Fasten als eines der Elemente, das für den Erfolg der Therapie erforderlich, aber keineswegs hinreichend ist. Damit steht diese Theorie außerdem nicht im Widerspruch dazu, daß die Erfolge von ketogener Ernährung und Fasten in Studien zugegebenermaßen bescheiden ausgefallen sind und beides also nicht den von manchen erhofften großen Durchbruch brachte. Ketogene Ernährung und/oder Fasten für sich alleine genommen ist natürlich kein Wundermittel gegen Krebs. Das ist die bescheidene Schnittmenge, in der sich meine Annahmen zur Ernährungsfrage bei Krebs mit denen von Jutta Hübner in Deckung bringen lassen. 

Was schwerer wiegt, ist aber, daß die Frau Professorin nicht nur voreingenommen ist, sondern außerdem mit gespaltener Zunge spricht, wenn die Fakten sich mit ihren Überzeugungen beim besten Willen nicht vereinbaren lassen. Die Einzelheiten kann man den weiter oben verlinkten Blogbeiträgen entnehmen. 

Ich fand nur einen einzigen kleinen Fortschritt in den Leitlinien bezogen auf ketogene Ernährung und Fasten. Denn irgendwem ist es gelungen, der Frau Professorin zu vermitteln, daß es völlig absurd ist, eine Gewichtsabnahme im Verlauf einer Krebsbehandlung auch bei übergewichtigen Patienten für besorgniserregend zu halten. Und vielleicht hat dieser Irgendwer sie auch darauf hingewiesen, daß bei nichtmetastasiertem Brustkrebs während der Chemotherapie eher eine Gewichtszunahme zu erwarten ist, und daß dies insbesondere bei bereits Übergewichtigen keineswegs geeignet ist, sie gesünder zu machen. Denn nunmehr rät sie "nur" noch bei normal- und untergewichtigen Patienten vor ketogener Ernährung mit aller Vehemenz ab, und ich bin mir ziemlich sicher, daß sie nicht von alleine draufgekommen ist, wie absurd es ist, Übergewichtige vor Gewichtsabnahme zu warnen. Dem Unbekannten für seine Überzeugungsarbeit meinen ehrlich gemeinten Dank. 

Ich fand noch einen zweiten Kritikpunkt aus meinem Blogartikel zur Stellungnahme zum Fasten, auf den die Frau Prof. immerhin diesmal eingegangen ist, wenn sie sich auch nicht dazu überwinden konnten, auch den nächsten Schritt vorzunehmen, nämlich sich logisch zu durchdenken, was die Sache in der Praxis bedeutet. Im Fall einer Studie war nämlich bei der Interventionsgruppe (die gefastet hatte), auf die Gabe von Dexamethason verzichtet worden.  Dexa wird ausdrücklich gegeben, um die Nebenwirkungen der Chemotherapie zu verringern. Wenn also die Fastengruppe kein Dexa bekam, die nicht fastende Kontrollgruppe hingegen schon, dann finde ich es ziemlich anmaßend, zu behaupten, Fasten hätte keinen positiven Effekt auf die Nebenwirkungen gehabt, nur weil die nebenwirkungsreduzierende Wirkung von Dexa nicht übertroffen wurde. Tatsächlich ist es, was die Nebenwirkungen betrifft, ein eindrucksvoller Erfolg, daß Fasten offenbar im Durchschnitt Dexa ebenbürtig gewesen ist. Dieses Zeug wird ja nicht zum Spaß verabreicht, und ich entsinne mich noch einer Mitpatientin, die mir ziemlich drastisch beschrieben hat, was passierte, als sie das Dexa nach einem Chemotag vergessen hatte. 

Das läßt vermuten, daß die Kombiniation Dexa plus Fasten noch erheblich wirksamer sein müßte - wie das ja immerhin in meiner persönlichen Anekdote auch tatsächlich gewesen ist, auch wenn das für sich genommen natürlich nichts beweist. Denn ich hatte zu jenem Zeitpunkt noch keine Ahnung, daß Dexa, legt man die Annahmen von Professor Seyfried zugrunde, kontraproduktiv wirken soll, was die Entwicklung der Größe des Tumors betrifft, also verwendete ich es auch, und zum Glück erwies sich das bei mir auch nicht als schädlich - ob ich die erhoffte pCR andernfalls vielleicht schon ein, zwei Zyklen früher erlebt hätte, werde ich genausowenig erfahren wie ich jemals eine Anwort auf die Frage finden werde, ob mein Tumor stärker geschrumpft wäre, wenn ich mich nicht dazu entschlossen hätte, meine Fastenintervalle während der ersten vier Zyklen auschließlich auf die Tage um die Infusionen herum zu beschränken. 

Der feindseligen Haltung zum Fasten der Frau Professorin habe ich es mitzuverdanken, daß ich bei meinen Vor-Chemotherapie-Recherchen, für die ich ja noch dazu entsetzlich wenig Zeit hatte, zu keinem Ergebnis kommen konnte, das mir hinreichende Sicherheit beim Urteil hätte erbringen können. Nur aufgrund meiner langjährigen Fastenerfahrungen konnte ich mir logisch erschließen, daß das Fasten um die Chemosessions herum jedenfalls kaum einen Schaden bewirken konnte, egal, was verwirrte Angehörige der Wissenschaftlerzunft sich dazu zusammenfabuliert hatten. Zwischen den Zyklen zu fasten, habe ich mich wegen widersprüchlicher Informationen und Unsicherheit, ob die Wirkung gut oder schlecht sei für das Ziel, den Tumor wegzukriegen, aber nicht getraut. Mit dem Wissensstand von heute hätte ich das anders gemacht. Die pathologische Komplettremission hatte ich zum Glück trotzdem. 

Danke für gar nichts dabei an Sie, Frau Prof. Hübner, denn Ihr Verdienst ist das nicht. Vermutlich eher im Gegenteil. Hätte ich mich vollständig an Ihre Empfehlungen gehalten, wäre es dazu meiner Meinung nach auch nicht gekommen. 

Es war ja noch bei der letzten Mammographie vor der OP nicht völlig eindeutig, ob sich noch überlebende Krebszellen finden würden. Gut möglich, daß die letzten Krebszellen erst in den Tagen vor der OP ihren letzten Seufzer gemacht haben. Daß Low Carb und Fasten den Tumor vor der Therapiewirkung schützen könnten, behauptet aber niemand, nicht einmal Jutta Hübner. Es gibt also nur zwei Möglichkeiten, entweder hatten Fasten/LC gar keinen Einfluß oder einen positiven - und egal, wie geringfügig dieser positive Einfluß gewesen wäre, er hat dann wahrscheinlich den Ausschlag gegeben. Es geht mir vollständig über den Horizont, wie jemand verbohrt genug sein kann, Risiken, die teils unbedeutend, teils gar nicht existent sind, als Popanz zu benutzen, um eine Sache zu verhindern, die im schlimmsten Fall keinen Einfluß auf den Behandlungserfolg hat, aber vielleicht ja auch - und sei es nur in manchen Fällen - einen echten Nutzen hat. Und ja, das nehme ich übel. 

Bluesky erfreute mich parallel zu Hübners Märchenstunde mit so etwas

 

Na, wer hat den Denkfehler gleich entdeckt? Er besteht darin, daß "Wissenschaftler" mit "Wissenschaft" gleichgesetzt werden. Wissenschaftler verhalten sich aber nicht immer wissenschaftlich, sondern manchmal auch wie Astrologen. Siehe weiter oben. 

Einstweilen ist nicht zu erwarten, daß es beim Verständnis von Krebs die erforderlichen Veränderungen geben wird, um die therapeutische Ketose gezielt therapiebegleitend einsetzen zu können. Vielleicht hört aber wenigstens diese irrationale Verteufelung von ketogener Ernährung und Fasten auf, wenn die Frau Professorin Hübner in den Ruhestand geht (das sollte in ca. zwei Jahren geschehen) und das, was sie glaubt, nicht mehr die Leitlinien so vollständig dominiert. In ihrem Ruhestand darf sie von mir aus glauben, was sie will, solange sie sich dann darauf beschränkt, dies ihrer Küchenwand zu erzählen. Diese Frau ist jedenfalls für sich alleine genommen schon ein guter Grund, Forderungen nach längeren Lebensarbeitszeiten für Akademiker abzulehnen. 

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Wir haben für unsere Küche auch ein schönes altes Küchenbuffet gekauft, das nun an der Stelle steht, wo bislang Schränke der vorherigen Einbauküche plus eine Arbeitsplatte (aus dem Billigmöbelhaus Poco, vom Vorgänger aus zweiter Hand erworben) das Auge sehr viel weniger erfreut hatten. Das Problem mit diesem linken Teil der Einbauküche (gegenüber der Küchenzeile mit den Geräten): Sie war zu lang und zu tief. Die Arbeitsplatte verdeckte einen großen Teil des Heizkörpers, der nun endlich frei zugänglich ist. Die gesamte Küche wirkt jetzt viel größer, und trotzdem paßt mehr in das Buffet, als ich zuvor in den Schränken der Einbauküche hatte unterbringen können. Mal abgesehen davon, daß es außerdem viel schöner ist. 

Die Küchenbaustelle wird uns aber noch geraume Zeit weiter begleiten, obwohl das Schlimmste nun fast geschafft ist. Aktuell kann die endlich eingepaßte neue Arbeitsplatte aus Kirschbaumholz (nobel geht die Welt zugrunde, gell?) noch nicht benutzt werden, weil mein Mann sie noch zweimal ölen muß. Bis zum Wochenende sollte ich dann aber endlich wieder vernünftig kochen können - in den letzten Wochen machte das überhaupt keinen Spaß, weil zeitweise keine Spüle vorhanden war, zeitweise kein Kochfeld und nach wie vor fehlen mir Arbeitsflächen. Was auch zum Wochenende noch weiter fehlen wird, ist das Innenleben von zwei Unterschränken, das mein Mann auch selber machen will, und die Türen der Unterschränke, die zuvor noch furniert werden müssen. Keine Ahnung, wie lange es dauern wird, bis das fertig ist, aber danach kommen dann endlich die Obeschränke an die Reihe. Ich hoffe, das passiert bald, damit ich endlich den Sperrmüll bestellen kann.

Langweilig wird es mir also so schnell nicht werden. Im Moment wird die neu beschaffte Erde strategisch in unserem steinigen Äckerle verteilt, damit wir endlich die Kartoffeln legen können. Die anderen angezogenen Pflanzen brauchen noch ein, zwei Wochen, bis sie nach draußen können, und ich hoffe, bis dahin sind wir soweit mit der Erde. Und haben wir die Küchenbaustelle einmal abgehakt, sind die Split-Klimaanlagen und das Balkonkraftwerk an der Reihe. Ach ja, und irgendwann müssen wir auch noch die letzte der dafür vorgesehenen Eigentumswohnungen verkaufen. Das hatte ich ja verschieben wollen, bis der Gesetzentwurf für die Änderungen am Gebäudeenergiegesetz vorliegt, was ursprünglich bis Ende März der Fall sein sollte. Aber unsere Bundesregierung kommt auch damit mal wieder nicht zu Potte. Jetzt bin ich mir unschlüssig, ob ich loslegen soll oder ob es sinnvoller ist, noch ein bißchen abzuwarten. 

 

 

 


Freitag, 27. März 2026

Blinde Hühner und gesundheitspolitische Luftbuchungen

 

Mein Gewicht heute früh nach vier aufeinanderfolgenden Tagen: 73,2 Kilogramm. Das ist auch nach meinen heruntergeschraubten Erwartungen ziemlich enttäuschend, da braucht man nicht lange drum herumzureden. Auf der positiven Seite habe ich die vier Wochen mit je vier Fastentagen ansonsten gut überstanden und bin auch froh, daß sie vorbei sind, denn es hat meinen Wochenrhythmus schon ein wenig durcheinandergebracht und auch beim Einkaufen mußte ich höllisch aufpassen, daß ich nicht zu viel einkaufe für die wenigen Tage, an denen ich gegessen habe. 

Jetzt muß ich bloß wieder imstande sein, in meiner Küche auch wirklich zu kochen. Immerhin, es gibt einen Lichtblick: Das Spülbecken wurde provisorisch installiert und ich kann es wieder benutzen. Mein Mann hätte mich wahrhaftig noch bis zum Einpassen der Arbeitsplatte ohne Spüle gelassen, aber als er vorgestern damit daherkam und so tat, als wäre ein Provisorium - das er mir zuvor noch versprochen hatte - gar nicht möglich, habe ich ihm verdeutlicht, daß er dann bis zum fraglichen Zeitpunkt sein Essen nebenan beim Bäcker holen müsse und den Kaffee auch, weil ich in einen Küchenstreik treten werde. Und siehe da, auf einmal ging es dann doch. 

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Die Agitation für eine Zuckersteuer nimmt einfach kein Ende, und eigentlich habe ich gar keine Lust mehr, mich damit zu befassen. Sollen sie den Blödsinn halt einführen, daran hindern kann ich sie ja doch nicht. Interessant diesmal fand ich aber diese Anmerkung im Ärzteblatt: 

In Großbritannien habe sich nach der Einführung einer Zuckersteuer auf Softdrinks vor allem bei Kindern und Jugendlichen und dabei vor allem bei jungen Mädchen ein Einfluss auf das Körpergewicht gezeigt, der Anstieg der Adipositas-Prävalenz sei abgeflacht, sagte Karl Emmert-Fees, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Professur für Public Health und Prävention der TU München, kürzlich dem Science Media Center. Man könne diese Ergebnisse aber immer auf zwei Arten lesen, sagte er mit Blick auf Stimmen, die die Steuer aufgrund der Entwicklung der Zahlen in Großbritannien als wirkungslos beschrieben.

Wer außer meiner Wenigkeit könnten diese Stimmen gewesen sein? Ich kenne nämlich keine einzige. Oder ist der Herr Emmert-Fees womöglich ein Leser meines Blogs und spricht hier von mir im Pluralis majestatis? ;-) 

Wie auch immer, die Zuckersteuer hat ausweislich der aktuellsten Zahlen jedenfalls keinen Einfluß auf die Adipositas-Prävalenz gehabt, und die Kurve ist mitnichten dadurch abgeflacht. Wer das Gegenteil behauptet, der betet ohne Überprüfung Behauptungen Dritter nach oder lügt absichtlich. Im ersten Fall ist er aus wissenschaftlicher Sicht nicht satisfaktionsfähig, und im zweiten gehört er, falls er sich mit wissenschaftlichen Ehren schmücken kann, in seiner Dienststelle fristlos entlassen. Ich verliere wirklich die Geduld mit dieser toxischen Mischung aus Inkompetenz und militantem Nichtwissenwollen angesichts der Tatsache, daß die Betroffenen unter Adipositas ja wirklich physisch, psychisch und sozial zu leiden haben. Es ist fahrlässige Körperverletzung, sich nicht mit dem gebotenen Ernst mit dieser Thematik zu befassen, und das vor allem dann, wenn man für gesundheitspolitische Maßnahmen agitiert, die dann wie bei der Zuckersteuer bloß "richtig" aussehen sollen, damit man sich als furchtloser Kämpfer wider die Zuckerlobby aufspielen kann, obwohl die Maßnahmen keinerlei Wirkung erbringen und vermutlich aus Perspektive der Kämpfer für die Zuckersteuer auch gar nicht erbringen müssen. 

Das haben die Betroffenen nun wirklich nicht verdient, als wohlfeiler Vorwand für gesundheitspolitische Profilierung mit bloßen Luftbuchungen herhalten zu müssen. Ich bitte mir aus, daß dieses Thema endlich einmal ernsthaft behandelt wird, nicht mit diesen sinnlosen So-tun-als-ob-Aktivitäten. 

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In all dem Wust von Empörung über nahezu alle von der Bundesregierung angestrebten Maßnahmen muß man echt aufpassen, nicht zu übersehen, daß ein paar richtige Sachen bislang dabei waren und auch unter den debattierten Punkten dabei sein werden. Das bedeutet natürlich nicht, daß sie jedermann gefallen müssen. Wer persönlich negativ von einer Gesetzesänderung betroffen wäre, der beschwert sich darüber natürlich. Das muß aber nicht heißen, daß die Maßnahmen unbedingt falsch sein müssen. 

Hier gilt es also genau hinzusehen, um in all dem Wehgeschrei nicht alles gleichermaßen für berechtigt oder im Gegenteil alles für unberechtigt zu halten. Auch ein so blindes Huhn wie unsere aktuelle Bundesregierung findet das eine oder andere Korn. 

Das sprichwörtliche Körnchen, das das blinde Huhn Bundesregierung in meinem eigenen Fall gefunden hat, ist die Streichung des § 71l im bisherigen GEG, künftig GMG - falls dies wirklich so verabschiedet werden sollte, was ich erst glaube, wenn es dies noch enthält, wenn der Bundestag der Gesetzesänderung zustimmt. Der war wirklich falsch: juristisch fragwürdig (weil es der WEG in puncto Heizung Eingriffsmöglichkeiten in das jeweilige Sondereigentum gab, was unter Umständen von Gerichten wieder einkassiert worden wäre), benachteiligend gegenüber Besitzern von Eigentumswohnungen nach WEG im Vergleich zu Gebäuden mit einem Besitzer, und noch dazu unsinnig, wo die Wärmeplanung der Kommune mindestens in den nächsten zehn Jahren noch keinerlei Alternativen zum Gas bieten kann, während es gleichzeitig davon abschreckt, innerhalb einer Wohnung die Heizung zu modernisieren. 

Diese Negativwirkung sollte niemand unterschätzten. Von den 43,8 Millionen Wohnungen in Deutschland sind nämlich 9,3 Millionen Eigentumwohnungen in nach WEG aufgeteilten Häusern. Das sind mehr als zwanzig Prozent aller Wohnungen, in denen nach dem bisherigen Gesetz niemand, der bei Verstand war, irgendetwas an seiner bestehenden Gasetagenheizung veränderte, wenn sie nicht irreparabel defekt war. Dabei entwickeln sich ja mittlerweile immer mehr für Einzelwohnungen taugliche Einzellösungen, die kostenmäßig schon jetzt zum Teil günstiger sind, als sich mit einer Zentralheizung herumärgern zu müssen, die dann sowieso noch zehn Jahre lang oder noch länger mit Gas laufen würde. Kürzlich sah ich das brandaktuelle Video von einer Heizungsmesse, in dem zwei weitere Varianten von "Etagen-Wärmepumpen" gezeigt wurden. Da tut sich in den nächsten Jahren bestimmt noch mehr. Es war weder zielführend noch erforderlich, WEGs in die Verlegenheit zu bringen, sich über Jahrzehnte hinweg mit aller Gewalt aktiv gegen einen versehentlich ausgelösten Zwang zur Zentralheizung stemmen zu müssen. 

Der wichtigste Fehler des GEG lag in der Kommunikation, das gilt für den beschriebenen Fall, obwohl oder gerade deshalb, weil er in der öffentlichen Debatte bis heute gar nicht vorkommt. Ich kenne außer mir niemanden, der darüber schreibt, obwohl in allen mir bekannten WEGs die Leute dreiviertel der Zeit während der Miteigentümerversammlung sich darüber die Köpfe heißreden. Wahrscheinlich ist er auch unter dem Radar der aktuellen Bundesregierung geblieben, weil alle immer nur von der Denkschablone "Ein Haus = ein Besitzer" ausgehen. Erleichtert bin ich natürlich trotzdem, aber ich sehe wenig Grund, zu vermuten, daß diesmal die Bundesregierung WEGs wirklich auf dem Schirm hatte. Der § 71l steckt halt zwischen den Paragraphen 71a bis 71p und wird nach dem Prinzip "Mitgefangen, mitgehangen" wieder gestrichen. Daß und warum er falsch war, hat wahrscheinlich bis heute kein Mensch in der Bundesregierung verstanden. Also war es wirklich ein Fall von "Auch ein blindes Huhn findet einmal ein Korn". 

Aber auch dort, wo im Bereich der enegetischen Gebäudesanierung aktiv kommuniziert wurde, nicht nur durch Totschweigen, haben auch die letzte Bundesregierung und der federführende Minister Robert Habeck  nichts von dem, was deren Vorgängerregierung Merkel durch falsche Kommunikation bereits versaut hatte, zu verbessern versucht. Daraus läßt sich ableiten, daß sie das, was ihre Art der Kommunikation auslöst, auch nicht verstanden hatten. Daß auch die aktuelle Regierung dies nicht versteht, erkennt man an den Wählerreaktionen und daraus, daß sich trotzdem nichts am Kommunikationsstil verändert. 

Katrin Göring-Eckardt erwähnte in einem TAZ-Interview, daß in ihrer ostdeutschen dörflichen Nachbarschaft die Leute ziemlich panisch auf das GEG reagierten. Das ist auch sehr begreiflich. Jahrelang wurde uns eingehämmert, eine Wärmepumpe sei nur mit einem superdupergedämmten Gebäude sinnvoll. Kaum jemand in ostdeutscher dörflicher Umgebung wohnt aber in superdupergedämmten Gebäuden. Was soll so jemand anders annehmen, als daß von ihm gerade verlangt werde, die Kosten für die Superduperdämmung UND die Wärmepumpe UND die diversen anderen gebäudeertüchtigenden Maßnahmen, die wir ja auch noch machen sollten, ginge es nach der Politik, hintereinanderweg zu stemmen? 

Sogar die Minderheit, die imstande wäre, Kosten in sechsstelliger Höhe für ein solches energetisches Gesamtkonzept aufzubringen, sieht es natürlich nicht ein, das tun zu müssen. Aber die Mehrheit kann das von vornherein nicht aufbringen. Völlig klar, daß die Leute hyperventilieren, wenn ihnen der Eindruck vermittelt wird, das Gesetz werde sie über kurz oder lang zum Einbau einer Wärmepumpe zwingen. Es ist nicht die Wärmepumpe, vor der sie die meiste Angst haben, es ist das gesamte Drumherum. 

Nur, in Wirklichkeit ist vieles von dem Drumherum überhaupt nicht nötig. Das sagt einem aus den Reihen der von Beruf Klimabeflissenen bloß keiner. Warum? Weil aus dieser Sicht weniger als hundert Prozent möglicher Planerfüllung aus ideologischen Gründen ein Fall von "Ziel verfehlt" sind. Daß man mit zehn Prozent der Kosten bereits mindestens achtzig Prozent der angestrebten Wirkung erreichen kann, ist aus deren Sicht Begünstigung der Klimakatastrophe und strikt abzulehnen. Für mich beweist das lediglich, daß solche Leute nicht rechnen können. Denn wenn man zehn Prozent der Eigentümer sanierungswürdiger Häuser durch die übliche Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche dazu bringen kann, diese Hundert-Prozent-Leistung zu erbringen, dann ist die Klimaschutzwirkung nur halb so hoch, als wenn fünfzig Prozent durch einen erheblich kleineren finanziellen Einsatz ihr Gebäude um achtzig Prozent verbessern. Und von dem Nutzen des dafür erforderlichen erheblich niedrigeren finanziellen Einsatzes lassen sich sehr viel mehr Leute überzeugen, sogar dann, wenn man sich auf das Zuckerbrot Förderung beschränkt und die Peitsche gesetzliche Pflichten wegläßt. 

Ein weiterer zu beachtender Faktor ist, daß von zehn Prozent eine viel geringere Sogwirkung auf Nachbarn ausgeht als von 50 Prozent. Außerdem gehe ich davon aus, daß die fünfzig Prozent um einiges zufriedener mit ihrer Investition sein werden und ihren Nachbarn überzeugendere Kosten-Nutzen-Rechnungen vorrechnen werden. Denn letzten zwanzig Prozent Energieoptimierung rechnen sich finanziell für den, der sie umsetzt, überhaupt nicht. 

Vor einem Zwang, der sie zu teils komplett unrentablen Mitteln zwingt, haben die Leute Angst - und zwar völlig zu Recht. Denn in anderen Bereichen hat man das ja schon vielfach erlebt, daß jede mit Moral unterfütterte Kampagne dieser Art früher oder später zur Zwangsmaßnahmen führte, und zwar immer mit der Begründung, daß die Erfolge der freiwilligen Lösungen nicht ausreichend gewesen seien. Stichworte etwa Dosenpfand, Rauchverbot oder Plastiktütenverbot. Wer eine erwünschte Entwicklung mit "Nudging"-Maßnahmen vorantreiben will, etwa den Veggie-Day oder eben den Umstieg auf strombasierte Heizungen, der braucht über ablehnende bis fuchsteufelswilde Reaktionen wirklich nicht erstaunt zu tun. Das nunmehr geplante Umsteuern durch die aktuelle Bundesregierung ist wahrscheinlich sogar das Beste, was aus Blickwinkel der Klimaschützer passieren konnte, zumal es auch noch mit einer Energiekrise durch den Irankrieg zusammenfällt. Niemand ist doch wild darauf, unbedingt fossile Energie zu verheizen, wenn er seine Heizwärme auf andere Weise günstiger bekommen kann - jedenfalls dann, wenn sich herauskristallisiert, daß dafür keine ruinöse Anfangsinvestition erforderlich ist. Es ist völlig ausreichend, dafür zu sorgen, daß allgemein bekannter wird, daß dies auch in der Tat gar nicht nötig ist. 

Ein weiterer Bereich, in dem auf den zweiten Blick eine vermeintliche sozialpolitische Grausamkeit vermutlich eine positive Wirkung auf die Frage der Altersarmut bei Frauen haben wird:  

Im Moment kursieren Meldungen über die Streichung der kostenlosen Mitversicherung von Ehefrauen, es sei denn, es liegen spezifische Voraussetzungen vor (kleine Kinder, Pflege von Angehörigen). Klingt erst einmal wie eine der üblichen Grausamkeiten, aber näher betrachtet, würde dies über die Bande vermutlich dazu führen, daß ein wichtiger Anreiz für Minijobs wegfiele. Wenn man schon anscheinend mal wieder nicht die Traute hat, die Minijobregelung und/oder das Ehegattensplitting abzuschaffen, wäre dies tatsächlich die drittbeste Maßnahme zur Verringerung von Altersarmut bei Frauen. 

Eine öffentliche Debatte ist natürlich notwendig, um dahinterzukommen, welche weiteren Voraussetzungen zu den beiden genannten noch ergänzt werden müßten, um die kostenlose Mitversicherung in Fällen weiter aufrechtzuerhalten, in denen das erforderlich ist. Aber grundsätzlich ist das eine Maßnahme, die die jungen Mütter von heute davor bewahren kann, im Alter einmal aufstockend Grundsicherung beantragen zu müssen. Auch dann, wenn es für sie heute erst mal zu einer Einbuße beim verfügbaren Einkommen führt. 

Genau so müßte man das aber auch kommunizieren. Es muß anschließend immer noch nicht jedem gefallen, vor allem denen nicht, die ad hoc erst einmal mit einer höheren finanziellen Belastung rechnen müssen. Aber es ist ein Kunstfehler, dies in dieser rein negativ argumentieren Form zu fordern, die aus Perspektive der Betroffenen für sie nicht nur nachteilig, sondern auch beleidigend ist. 

Lars Klingbeil findet anscheinend, daß man nach 45 Berufsjahren aus dem Berufsleben ausscheiden können müßte. Für jemanden wie mich, die mit 16 ins Berufsleben eingestiegen ist, würde das heißen, daß ich auf eine Rente mit 61 pochen können müßte. Ist Klingbeil sich WIRKLICH sicher, daß er mich gerne schon zum ersten Juli dieses Jahres in den Ruhestand verschwinden sehen möchte? Ich hätte nichts dagegen, aber ich bin trotzdem der Meinung, dieser verwirrte Mensch weiß nicht, was er da fordert. Mehr als die Hälfte der Berufstätigen in der Altergruppe Ü50 hat eine geringe bis mittlere Qualifikation, ist also mit Haupt- oder Realschulabschluß und typischerweise, so wie ich, mit 16 Jahren ins Berufsleben eingestiegen. Hinzu kämen aber auch noch diejenigen, die bei demselben frühen Berufseinstieg später durch Qualifizierung beruflich aufgestiegen sind. Will der Klingbeil das wirklich, daß die Mehrheit der 61jährigen sich in die Rente verabschiedet, nur damit er die Minderheit derjenigen, die erst mit 25 nach Studienabschluß ins Berufsleben eingestiegen sind, dazu zwingen kann, erst später in den Ruhestand zu gehen?

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Endlich habe ich es geschafft, im Staatsarchiv einmal nach der Geschichte unseres Häuschens zu suchen. Ein Erbauungsjahr ließ sich zwar nicht ermitteln, aber es ist mindestens zweihundert Jahre alt, denn im Jahre Anno domini 1826 wurde es nach dem Tod des Eigentümers vererbt und im "Güterbuch", so hieß damals das Grundbuch, auf seine Witwe eingetragen. Kinder waren nach damaligem Erbrecht erst Nacherben, wenn beide Elternteile verstorben waren, und im 19. Jahrhundert war dieser Nacherbe für gewöhnlich der älteste überlebende Sohn. Seine Geschwister mußte er wahrscheinlich auszahlen. Das wird nicht jedem leichtgefallen sein, und vielleicht ist das die Erklärung dafür, daß im Fall unseres Hauses nach dem Tod der Witwe des Hauseigentümers nicht dessen ältester Sohn, sondern sein jüngerer Bruder das Haus bekam. Womöglich hatte er bislang vergeblich auf sein Erbteil gewartet und der gesetzliche Erbe des Hauses, ein noch junger Mann, hatte auch nicht die Mittel, um ihn auszuzahlen. Die Übertragung des Hauses auf seinen Onkel war vielleicht dann die günstigste Lösung für alle Beteiligten, und der junge Mann konnte wiederum vom Onkel Geld verlangen und sich anderswo eine Existenz schaffen.

Keine Ahnung, ob es wirklich so gewesen ist, aber es ist eine Möglichkeit, die die ungewöhnliche Erbfolge des Hausbesitzes erklären könnte.   

Es kann auch sein, daß das Haus sogar noch viel älter ist, denn im achtzehnten Jahrhundert werden die Güterbücher ziemlich undurchsichtig. Wir fanden noch zwei mögliche Kandidaten, die schon sehr viel früher in unserem Haus gewohnt haben könnten, nämlich um 1700 herum, aber in ihrem Fall läßt sich nicht nachvollziehen, ob ihre "Behausung" (so das selbstgenutzte Haus im damaligen Amtsdeutsch) nun dieses Haus oder ein anderes war. Der Erblasser von1826 hat nämlich neben diesem Haus noch ein zweites vererbt, das in einer anderen Straße und näher an der Kirche lag. Es ist also möglich, daß unser Haus noch relativ neu war (es lag im Ortsplan von 1832 auch noch direkt am Ortsrand) und das andere, zentraler im Ortskern gelegene der alte Familiensitz, in dem auch die beiden Mitglieder der Familie um das beginnende 18. Jahrhundert herum gelebt haben könnten.Ich bin gespannt, ob ich dazu noch etwas herausfinden kann. Zwischen 1826 und 1989 war das Haus durchgehend von derselben Familie bewohnt, also will ich jetzt noch die Eltern- und Großelterngeneration der ältesten bekannten Eigentümer ermitteln und dann recherchieren, was im Stadtarchiv über sie bekannt ist, vielleicht ergibt sich daraus ja ein Hinweis auf dieses Haus und, was mich besonders interessieren würde, dessen einstigen Neubau und damit auch ein Erbauungsjahr.


Mittwoch, 25. März 2026

Die SPD und ihre Suche nach einer neuen Zielgruppe

Mein Gewicht heute früh nach dem zweiten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 74,8 Kilogramm. Das ist nicht berauschend, aber auch kein Grund, sich zu entsetzen. Ich habe jetzt bis Ostern Urlaub (um mich im Garten auszutoben), in so einer Situation zu fasten, ist ziemlich ungewohnt, aber von Montag bis heute um die Mittagszeit, als es dann leider zu regnen begann, war ich praktisch den gesamten Tag im Garten, und an Essen habe ich nicht einmal gedacht. 

Ab nächster Woche mache ich mit meinem gewohnten Fastenrhythmus weiter, also in meines Mannes Frühschichtwochen zwei nicht zusammenhängende und in seinen Spätschichtwochen drei oder vier zusammenhängende Fastentage - je nachdem, wie es sich am sinnvollsten einrichten läßt. Ob ich in der Woche nach Ostern mit nur vier Werktagen wirklich viermal fasten will, bin ich mir gerade noch nicht ganz schlüssig, aber das wird sich schon finden. 

Mein Mann ist gerade dabei, die Unterzeile der neuen Küche einzubauen, und das Stadium, in dem wir in der Küche eine nahezu unbenutzbare Baustelle haben, was er anfangs auf "idealerweise zwei bis drei Tage" einschätzte, dauert inzwischen den zehnten Tag. Das liegt vor allem an der Spüle, auf deren Lieferung wir immer noch warten - für morgen wurde sie jetzt endlich angekündigt, und ich hoffe, sie kommt dann auch wirklich. Die alte Spüle provisorisch wieder einbauen wollte er nicht. Auch insofern war es nicht schlecht, daß ich einen so großen Teil der Zeit gefastet habe, denn auf diese Weise zu kochen hat nun wirklich einen Spaßfaktor unter dem Gefrierpunkt. Das Kochen ist im Moment also auch an Eßtagen ziemlich auf Sparflamme. Ein zweiter nicht erwarteter Faktor war, daß beim Gaskochfeldnach dem Anschließen Gasgeruch wahrnehmbar war. Also mußte ein neues Gaskochfeld her, aber das muß zunächst von einem Fachbetrieb auf Dichtigkeit geprüft werden. Das Kochfeld ist heute glücklich eingetroffen (vor der Spüle, die weit früher bestellt worden war, grummel), aber den Installateur erreicht man nachmittags kaum, also werde ich morgen früh bei ihm anrufen, und dann kommt es darauf an, wann er Zeit hat. Mit etwas Pech dauert das bis nächste Woche. 

Tja, das kommt davon, wenn man sich keinen Fachmann leistet, weil der Göttergatte so wild darauf war, die Küche selbst zu bauen. Eine Arbeitsplatte hat er auch noch nicht bestellt, bis auf weiteres werden wir also mit einem Provisorium arbeiten müssen - sobald das Arbeiten in dieser Küche generell wieder möglich ist, denn im Moment habe ich keinerlei Arbeitsflächen übrig. Bis die Küche *wirklich* fertig ist - also auch die Oberschränke ersetzt wurden und auf der Gegenseite das von mir ersehnte schöne alte Küchenbuffet steht -, das wird noch geraume Zeit dauern. Fragt mich also lieber nicht nach meiner Laune. Ich zehre gerade von Durchhalteparolen, denn auch die längste Baustelle wird ja irgendwann ein Ende finden, und dann habe ich eine Küche, in der das Arbeiten viel mehr Spaß machen wird als in der alten. 

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Schon klar: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und zwei Studien, die sich mit den ungewollten Nebenwirkungen politischer Maßnahmen befassen, die den Menschen - mit besten Absichten - eigene Entscheidungsspielräume beschneiden und zu genau den betrüblichen Ergebnissen kommen, die ich qua gesundem Menschenverstand von vornherein erwartet hätte, bedeuten noch kein Umdenken in Wissenschaft und Politik. Trotzdem ist es eine Erwähnung wert, daß ein gewisser Patrick Bernau in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 22. März 26 so ausführlich über die Problematik berichtet hat, die sich aus diesen Studien ergab. Kein Link, sorry. Ich fand den Artikel seltsamerweise nicht online. Der Titel lautete "Ein bißchen Hilfe für die anderen."

Eine dieser Studien, aus Dänemark, untersuchte die Zufriedenheit junger Ehepaare mit der Arbeitsverteilung nach Geburt eines Kindes, nachdem qua Gesetz festgelegt worden war, daß ein Teil der Elternzeit - elf Wochen - verfällt, falls er nicht vom Vater des Kindes genommen wird. Obwohl alle anderen Ergebnisse der Veränderung (etwa die Verringerung von Ungleichheit der Geschlechter in beruflicher und finanzieller Hinsicht) zur Zufriedenheit derjenigen, die sich die Sache ausgedacht hatten, ausgefallen waren, ergab sich, daß im Vergleich zur vorherigen Regelung die Zufriedenheit beider Geschlechter überraschenderweise erheblich gesunken war, und zwar bei den Müttern noch stärker als bei den Vätern: von 90 auf nur noch 50 Prozent. 

Es ehrt die Autoren der Studie, daß sie empfiehlt, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob dieser Preis für die angestrebten Ziele in Form von geringerer Zufriedenheit der Betroffenen die Sache wirklich wert ist, denn das ist gerade heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Ich jedenfalls rechne von vornherein nicht damit, daß irgendwer in der Wissenschaft meine Zufriedenheit für einen anzustrebenden Wert halten könnte. 

Die zweite Studie ist noch interessanter, weil sie eine Frage untersucht, die ich sehr wichtig finde, nämlich ob und wenn ja wie hoch die Bedeutung der Möglichkeit ist, uneingeschränkt über eine Sache selbst entscheiden zu können. Dazu wurde eine Methode ausgetüftelt, in der sich dies in Euros und Cents ausdrückte, die man mehr zu bezahlen bereit war, wenn man dies nach eigenem Gutdünken tun konnte. Es ergab sich, daß dieser Wert bei 8,9 Prozent liegt - wobei es aber Unterschiede gibt: Etwa ein Fünftel möchte die Entscheidung am liebsten gar nicht selbst treffen, ebensovielen ist es egal, ob die Wahl selbst- oder fremdbestimmt ist, solange sie nur für vorteilhaft gehalten wird. Aber mehr als die Hälfte mißt der Möglichkeit, selbst entscheiden zu können, einen Eigenwert bei ("intrinsischer Wert"), der davon unabhängig ist. Das bedeutet, die eigene Wahlmöglichkeit ist ihnen ggf. höhere Kosten - oder höhere Unsicherheit bei den Kosten - wert.

Wahlmöglichkeiten zu haben ist meiner Überzeugung nach der am häufigsten noch nicht einmal unterschätzte, sondern sogar ganz übersehene wichtige Bestandteil der Menschenwürde. Wahlmöglichkeiten auf dem gesetzgeberischen Weg zu verringern, ist per se eine heikle Sache, aber unangenehmerweise gerade in der Politik schwer in Mode. Niemand findet etwas dabei, dieses Instrument auch dann einzusetzen, wenn man damit absehbar kaum etwas bewirken kann. Es wird davon ausgegangen, daß dies über die angestrebte positive Wirkung hinaus keine Nebenwirkungen hätte.Wie man an den beiden Studien sieht, wäre es aber ratsam, sich mit möglichen Nebenwirkungen zu befassen, die aus der beschnittenen Selbstbestimmung entsteht. Ich hoffe deshalb, das Thema findet wenigstens so viel Beachtung, daß es wissenschaftlich weiterverfolgt wird und politisch zu einer Anpassung der Entscheidungskriterien führt. 

Irgendwann jedenfalls. 

So schnell darf man damit nämlich wohl noch nicht rechnen, denn wenn es einen Kardinalfehler gibt, den alle Parteien teilen, dann ist es dieses dumpfbackige Ignorieren von Emotionen, die ihre Maßnahmen erzeugen, sowie mögliche eigentlich unerwünschte Wirkungen, die sich aus dieser Gefühlslage ergebem. Wahrscheinlich deshalb, weil sie sich nur schwer messen und zählen und insbesondere als Wirkung einer bestimmten Ursache zuordnen lassen und damit unter dem Radar der meisten Experten liegen - deshalb freute ich mich auch über diese Studien, denen es gelungen ist, sie einzufangen.  

Einstweilen hat ausgerechnet die SPD mit der Präzision eines falsch programmierten Computers auf die Wahlschlappe in BW und RLP reagiert. Künftig, so war nun zu lesen, wolle man sich auf Arbeitnehmer mit einem Einkommen zwischen 3000 und 4000 Euro fokussieren. Für sie wolle man das Leben besser machen. Als Reaktion auf die Wahrnehmung in großen Teilen der Öffentlichkeit - die sich bei beiden Wahlen auch in Umfragen ergabe -, die SPD kümmere sich vor allem noch um Transferleistungesempfänger. 

Ich fürchte, wir können langsam anfangen, Nachrufe auf die gute alte Tante SPD zu schreiben. Klar, die SPD muß darauf reagieren, daß ihre Performance in der Bundesregierung sie ein weiteres Mal in der Wählergunst abrutschen lassen hat. Aber das ist noch lange kein Grund, es sich nun auch noch mit der letzten gesellschaftlichen Gruppe zu verscherzen, die der SPD weitergehend als alle anderen die Treue gehalten haben. Und das sind laut Tagesschau-Umfragen die Rentner. Die haben überhaupt kein Erwerbseinkommen und sehr selten eine Rente, die einem Nettoeinkommen aus 3000 brutto oder mehr entspricht. 

 Umfrage, Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026, SPD-Stimmanteile in Altersgruppen im Vergleich zu 2021, in % | Alle 26,0 ([Vgl. 2021] 36,0) | 18 - 24 Jahre 19,0 ([Vgl. 2021] 24,0) | 25 - 34 Jahre 19,0 ([Vgl. 2021] 25,0) | 35 - 44 Jahre 20,0 ([Vgl. 2021] 31,0) | 45 - 59 Jahre 23,0 ([Vgl. 2021] 36,0) | 60 - 69 Jahre 31,0 ([Vgl. 2021] 40,0) | 70 und älter 34,0 ([Vgl. 2021] 45,0) | Infratest-dimap. 23.03.2026, 08:51 Uhr

Genau wie schon in Baden-Württemberg hat die Tagesschau darauf verzichtet, Arbeitslose zu befragen und leider ebenso auf eine Einkommensverteilung, deshalb hat es keinen Sinn, auch die Grafik zu den beruflichen Verteilungen zu posten. Das ist auch deshalb bedauerlich, weil es mich brennend interessiert hätte, was eigentlich diejenigen, die angeblich am meisten von SPD-Politik profitieren, nämlich die Bürgergeldempfänger, gewählt haben. Es würde mich nämlich sehr überraschen, wenn die SPD bei denen nicht noch mehr Wähler verloren haben würde als bei allen anderen Gruppen. Egal, wieviele Wähler die SPD irrtümlich für Wohltäter der Bezieher von leistungslosen Transfereinkommen halten, die Betroffenen sind in den letzten Monaten ständig von der SPD beleidigt worden. Es ist nämlich beleidigend, jemandem, der seine Arbeit verloren hat, zu unterstellen, wenn man ihn nicht pausenlos schurigelt, würde er nicht bereit sein, seinen Lebensunterhalt mit eigenen Händen zu verdienen. Eine Kommunikationskatastrophe fand ich vor allem den Satz von Bärbel Bas, die sich ja sogar noch damit brüstete, bei den geplanten Maßregelungen bis an die Grenze des verfassungsrechtlich Zulässigen gegangen zu sein. Vermutlich wollte sie damit ihre Bereitschaft ausdrücken, der CDU so weit wie möglich entgegenzukommen, also eine gute Kompromißbereitschaft und damit die Koalitionstauglichkeit der SPD bewiesen zu haben. Aber hat sich diese Frau gar nicht vorzustellen versucht, wie ihr Satz für jemanden klang, der gerade Bürgergeld bezieht? Denn selbstverständlich muß das so verstanden werden, als sei sie so scharf darauf, Arme zu sanktionieren, daß sie alles dafür tun würde, um dies möglichst häufig tun zu können. 

Nein, ich glaube nicht, daß besonders viele Arbeitslose SPD gewählt haben. Aber warum interessiert das Wahlverhalten Arbeitsloser - insbesondere im Vergleich zur letzten Wahl - außer mir eigentlich niemanden? Ich verstehe das wirklich nicht. 

Die neue Zielgruppe der SPD wird wegen ein paar steuerlicher Erleichterungen (sofern die SPD überhaupt imstande ist, sie durchzusetzen) kaum anfangen, SPD zu wählen, für die Ärmeren fühlt sie sich nach eigenem Bekunden nicht mehr zuständig und ihre letzte verbleibende Hauptwählergruppe interessiert sie dem Augenschein nach auch nicht mehr, und wird bestimmt nicht erfreut darauf reagieren. Aber sogar wenn sämtliche Arbeitnehmer mit dem passenden Einkommen SPD wählen würden (und dafür alle anderen es nicht täten), würde das unter dem Strich ziemlich genauso viele Wähler wie bei der letzten Bundestagswahl bedeuten, also was wäre damit gewonnen? 

Tatsächlich macht die SPD sich gerade selbst bei fast allen unwählbar. Bei der nächsten Wahl wird sie noch ein weiteres Stück abrutschen, wenn sie die neue Strategie wirklich umsetzt. 

Hätte die SPD sich die Daten etwas genauer angesehen, wäre ihr aufgefallen, daß die SPD dort besonders abgeschmiert ist, wo die AfD besonders erfolgreich war: Je kleiner der Ort, desto weniger SPD-Wähler. Jede Strategie, wieder in der Wählergunst zu steigen, müßte also eigentlich in den Dörfern anfangen. Erst einmal Präsenz zeigen und mit den Leuten sprechen und einen Eindruck zu gewinnen versuchen, was diese Leute umtreibt und wie man sie von der SPD überzeugen könnte. Erst in meinem letzten Blogartikel hatte ich darüber schon gesprochen.

Es wäre außerdem klug von der Bundes-SPD, sich die vergleichsweise seltenen Erfolge auf kommunaler Ebenen näher anzuschauen, da gab es nämlich einen in Schweinfurt, wo der SPD-Kandidat gewonnen hat. Wie er sich seinen Erfolg gegen den sonstigen Trend bei der SPD auf allen politischen Ebenen erklärt, das kann man in der TAZ nachlesen. Die Bundes-SPD sollte das ebenfalls tun, anstatt sich von irgendwelchen neunmalklugen Zahlenschubsern die Welt nach dem Prinzip "Malen nach Zahlen" erklären zu lassen - diese Erklärungen stimmen meiner Erfahrung nach sowieso so gut wie nie.

Mir ist schon klar, daß nichts dergleichen passieren wird. Aber dann hat die SPD den Abstieg zur Splitterpartei auch wirklich verdient. 

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Neues aus meinem Garten, über den gerade der Frühling mit aller Macht hereinbricht, weshalb ich es eilig habe mit dem destruktiven Teil meiner Arbeit: Ich bin dabei, die allerletzten noch zu beseitigenden Baumwurzeln zu entfernen - jetzt sind nur noch drei oder vier Ahornwurzeln übrig, dann verbleiben nur noch die Stümpfe von den dicken Bäumen, die ich natürlich mit meinen Mitteln nicht rauskriegen kann. Mein Mann findet diese Aktion eigentlich überflüssig, aber vor allem Ahornbäume sind ziemlich renitente Gesellen und kommen immer wieder, wenn man sie nicht mit Stumpf und Stiel beseitigt. Und wie schnell der Efeu dabei ist, den kompletten Garten übernehmen zu wollen, sehe ich an dem einstweilen weiter geduldeten Efeu am Zaun neben dem Gartentor. Gestern hat er von mir den ca. alle halbes Jahr erforderlichen Haircut bekommen und das alleine war schon eine große Gartenabfall-Tasche voll. 

Endlich haben wir außerdem den "hohlen Zahn" sowie einen zweiten abgestorbenen Baum sowie zwei überlebensgroße Zypressen gefällt. Nun ist neben der Eibe nur noch ein weiteres Nadelgehölz im Garten. Die Eibe werden wir wahrscheinlich stehen lassen, aber das andere Teil wird nächstes Jahr wohl auch gefällt. Dieses Jahr brauchen wir es aber noch, um an dieser Stelle Schatten zu haben. Bis nächstes Jahr wird der - ebenfalls ziemlich radikal gestutzte - Holunder wohl diese Funktion wieder erfüllen können.  

Von den vier gefällten Bäumen (zwei aus dem Ruder gelaufene Koniferen und zwei tote Bäume, die schon vor zehn Jahren nur noch als Efeu-Unterlage dienten, was die Vor-Vorgängerin offenbar pittoresk fand), sind bis auf die Stämme die meisten Äste und Zweige gehäckselt und werden teils zum Auffüllen des Bodens mitverwendet. Die Äste, die zum Häckseln zu dick waren, werden wir in einem Ungetüm von Feuerschale in Rauch aufgehen lassen, die sich mein Mann letzte Woche in den Kopf gesetzt und sofort bestellt hatte. Nun ja, noch ein Teil, das wir irgendwo unterstellen müssen, und kein Platz, um dies zu tun. Aber nächstes Wochenende gibt es zur Feier der Feuerschale bei uns jedenfalls Stockbrot. ;-) Und die Stämme dienen dazu, das abfallende Gelände hinter der Gartenhütte zu terrassieren. So findet alles noch seine Verwendung. 

Unser im letzten Herbst umgestürzter und wieder aufgerichteter hundertjähriger Quittenbaum soll allerdings leben -und das tut er auch unübersehbar: Er bekommt gerade viele, viele Blätter, und wir freuen uns mordsmäßig darüber. Ob wir auch Blüten bekommen werden, bleibt einstweilen noch abzuwarten. Unter dem gestutzten Haselstrauch kommt dafür gerade der Bärlauch heraus - eigentlich mag Bärlauch es aber schattig, und so haben wir ihm wohl keinen Gefallen getan, als wir den Hasel so radikal gestutzt haben. Ich bin deshalb am Überlegen, ob ich nicht einen Teil ausgraben und an die nunmehr geeignetere Stelle beim Feigenbaum umsiedeln sollte. Aber einstweilen warte ich noch darauf, daß die Blätter noch ein bißchen größer werden, damit ich anfangen kann, zu pflücken. 

Ansonsten haben wir - nachdem die Winterlinge, die Schneeglöckchen, die Alpenveilchen und der einzelne Krokus, der sich zu uns verirrt hatte, bereits abgeblüht sind - Tulpen, Osterglocken, Veilchen und eine Menge Traubenhyazinthen, die gerade blühen. Die Pfingstrose, die letztes Jahr sehr zeitige im Frühjahr nur eine einzelne riesige Blüte mit duftigen weißen Blättern um eine gelbe Mitte herum bekam - wir nannten sie deshalb "Spiegeleiblume" -, wirkt dieses Jahr entschlossen, erheblich mehr Blüten zu produzieren, die Knospen sind riesig und können jetzt jeden Tag aufgehen. Auch der Kirschbaum steht in den Startlöchern, das erste Weiß blitzt aus den Knospen heraus. Bei den Apfelbäumen wiederum kommen bereits die ersten Blätter, was mich ein bißchen wundert, ich dachte eigentlich, das beginne erst, wenn die Kirschblüten schon da sind. Sie wachsen jedenfalls schnell, und es sieht so aus, als würden beide Bäume auch mit viel Nachdruck blühen wollen. Im Moment sehen sie aus wie auf dem Foto des "Grünknospenstadiums". In den nächsten Tagen soll es nachts ja Minusgrade geben, aber vorhergesagt sind aktuell als niedrigster Wert minus zwei Grad - das müßten die Blüten eigentlich aushalten. Trotzdem, jetzt wünsche ich mir natürlich doch, daß der Kirschbaum sich noch bis Anfang nächster Woche Zeit läßt mit dem Aufblühen. Die Apfelblüten kommen, wenn ich nach der verlinkten Quelle gehe, sowieso erst in ca. zwei Wochen. 

Nur eine Kleinigkeit, aber ich habe mich total darüber gefreut: Letzten Herbst habe ich sämtlichen Schnittlauch geerntet, der bis dahin noch übrig war, und eingefroren. Den Topfinhalt habe ich im Garten einfach aus dem Topf herausgenommen und lose auf den Boden aufgesetzt, weil ich dachte, nun ja, schlimmstenfalls passiert eben gar nichts, dann habe ich nicht viel verloren. Jetzt habe ich an dieser Stelle einen kleinen Erdhügel, aus dem gerade sehr munter eine Menge neuer Schnittlauch herauskommt. Wegen des Hügels ist eine Verwechslung mit Unkraut nicht möglich. Das finde ich super, ich glaube, das probiere ich künftig mit allen Topfkräutern. Rieseneinsparungen bringt das beim Einkaufen zwar nicht, aber trotzdem. 

Am Sonntag setzte sich ein - meinem Empfinden nach - riesiger Greifvogel auf den Hühnerstall und ließ sich ein Weilchen von mir anschauen, obwohl ich ihn gleich diplomatisch darauf hinwies, daß er in dem Hühnerstall keine Hühner finden würde, nur Gartengeräte. Ich glaube, das war ein Rotmilan, die haben wir hier nämlich massenhaft. Für einen Mäusebussard, den wir ebenfalls ständig sehen (und vor allem hören), war dieser Vogel nämlich viel zu groß. Mäusebussarde sind kleiner als Krähen, das weiß ich, weil ich einmal mitverfolgt habe, wie ein halbes Dutzend Krähen einen Mäusebussard attackierten. Anscheinend brütet in Ortsnähe auch ein Wanderfalkenpärchen, aber das wird vermutlich eher nicht direkt in den Ort kommen. Also war es wohl wirklich der rote Milan. Sonst sehe ich die immer nur im Flug, dann leicht erkennbar an dem gegabelten Schwanz. Ich war begeistert über diesen seltenen Besucher auf unserer bescheidenen Hütte. Der darf gerne wiederkommen. 

Ansonsten sind unsere Nistkästen leider wieder nicht angenommen worden. Das lag vermutlich daran, daß wir in der kritischen Phase zu aktiv im Garten waren und die Meisen verschreckt haben. Einmal haben wir ein Kohlmeisenpärchen beobachtet, wie es einen der Kästen inspizierte. Das war am Tag, bevor wir unser Bäume geschnitten haben - womöglich haben sie den Baum nicht mehr wiedererkannt. Hübsch ist es aber, daß manche der Meisen - eine Kohlmeise und eine Blaumeise - ans Futterhaus kommen, auch wenn ich gerade auf  der Terrasse sitzen - jedenfalls, wenn ich ganz still sitze und möglichst noch das Atmen einstelle. Sie setzt sich dann immer auf unsere Teppichstange und wirkt ein bißchen mit sich uneins, ob sie es riskieren soll oder nicht, manchmal schimpft sie mich auch aus. Ab und und zu fliegt sie dann doch wieder weg, aber meistens kommt sie jetzt heran, um sich am Futterhaus eine Erdnuß oder einen Sonnenblumenkern zu holen. Mal sehen, wieviele Sonnenblumen uns die Meisenbesuche bescheren werden. 

Das Rotschwänzchenmännchen - seine Allerliebste habe ich bis jetzt freilich noch nicht gesehen - ist auch aus seinem Winterdomizil zurückgekommen und ständig zu hören und manchmal auch zu sehen. Vermutlich ist es derselbe wie letztes Jahr, denn er ist sehr unerschrocken. Heute vormittag hat er unsere Terrasse inspiziert und sich nicht durch meine Anwesenheit dabei stören lassen.

Das Amselpärchen - mindestens das Männchen ist ein anderes als letztes Jahr, es singt nämlich anders - hat uns heute auch im Garten beehrt. Der Amselhahn inspizierte den Rand des Gartenwegs, wo ich gerade das Unkraut entfernt hatte, und die Menge der Insekten und Würmer fiel offenbar zu seiner Zufriedenheit aus, denn später kam er samt Gattin noch einmal, und sie machten eine kleine Runde zu Fuß durch den vorderen Garten.  

Die Mausefallen habe ich jetzt weggeräumt, da wir nun seit fast vier Wochen keine Mäuse mehr gehabt haben. Die fühlen sich jetzt alle im Freien so wohl, daß sie wohl vor dem späteren Herbst nicht mehr nach einem Dach über dem Kopf suchen werden. An unserem Dachspitz ist für so ein Mäuschen ja nur der Schutz vor Kälte interessant. Im Herbst werden die Fallen dann wieder scharfgestellt. 


Freitag, 20. März 2026

Sozialdemokraten an die Zapfhähne?

Mein Gewicht heute früh nach dem dritten von vier viertägigen Fastenintervallen in vier Wochen: 72,8 Kilogramm. Das ist so na ja, aber erfreulich ist, daß ich vom Körpergefühl her tatsächlich weniger geworden sein muß. Mittlerweile ist es nämlich oft nicht mehr ganz leicht, hier Unterschiede festzustellen, weil meine Verdauung seit der Chemo häufig so langsam geworden ist, daß ich oft das Gefühl habe, um den Bauch herum mehr zu sein, als ich es in Wirklichkeit bin. Ich habe ja das Gefühl, daß es inzwischen wieder normaler wird, also für immer längere Phasen normal ist, aber dazwischen habe ich halt doch immer noch öfter, als es mir lieb ist, diese Beton-im-Gedärm-Phasen. Wie soll man damit ein normales Körpergefühl haben?

Nächste Woche ist das letzte der vier langen Fastenintervalle, die ich eigentlich wieder als Endspurt geplant hatte, mir das Erreichen des Zielgewichts dann aber - gegen jede Erwartung - doch wieder abschminken mußte. Grund ist, daß die Low-Carb-Phasen diesmal eine deutlich geringe Wirkung gezeigt haben. Ich werde mir also etwas Neues ausdenken müssen, um mein Zielgewicht doch noch zu erreichen, aber das habe ich jetzt, glaube ich, oft genug wiederholt und werde nun damit aufhören, es immer wieder vorzubeten. Was das sein soll, weiß ich im Moment noch nicht genau, aber das wird sich wohl früher oder später finden. 

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So viel Neues gab es in meinen Interessenbereichen gar nicht.  

Eine interessante Meldung fand ich aber den ntv-Bericht über eine Studie, nach der schwere Covid-Verläufe auch das Lungenkrebsrisiko erhöhen. Das ist ein Indiz dafür, daß mein Verdacht, daß Infektionen (aller Art) bei Krebserkrankungen (aller Art) nach wie vor unterschätzte Risikofaktoren sind, nicht so ganz unberechtigt ist. Für Grippe soll es ganz ähnlich sein - aber nur bei schweren Verläufen. 

Aus Blickwinkel der Seyfriedschen Mitochondrien-Theorie ergibt beides sogar noch viel mehr Sinn als wenn man die aktuell für wahr gehaltenen Krebstheorien für richtig hält, da einfache Infektionen weniger Schäden innerhalb der Zelle an den Mitochondrien anrichten sollten als schwere Infektionen. Glaubt man an die aktuellen Krebsentstehungsmodelle, ist der Zusammenhang hingegen ein rein statistischer, einen naheliegenden Kausalzusammenhang gibt es für Mutationen des Zellkerns nicht, darauf wies auch der ntv-Bericht hin. 

 

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Aber wenn ich schon gerade beim Lungenkrebs bin ... ein aktueller Anlaß legt es mir nahe, mal wieder das Thema Rauchen aufzugreifen, in einer Weise, die vermutlich ein bißchen überraschend ist. 

Für einen Raucher wie mich ist das zwar kein allzu überraschendes Bekenntnis, auch wenn viele Raucher mittlerweile das Gegenteil behaupten: Ich habe das Rauchverbot in der Gastronomie seinerzeit - das ist nun auch schon wieder fast zwanzig Jahre her - für eine bemerkenswert schlechte Idee gehalten und bin dieser Meinung immer noch. Aber nicht deshalb, weil ich mich als Raucher damit diskriminiert oder unterdrückt fühlte.Obwohl ich Nichtrauchergastronomie nach wie vor meide, wenn es nicht die Höflichkeit gebietet, sie mit anderen zusammen aufzusuchen. Aber es gibt ja keine Gaststättenbesuchspflicht, und schon vorher galt ja das Prinzip: Wenn ich mich in einem Lokal nicht wohlfühle, dann gehe ich halt nicht hin. Die Gastronomie verdient an mir deshalb seit etlichen Jahren viel weniger als vor dem Rauchverbot, aber falls sie an meiner Stelle einen Haufen zusätzliche nichtrauchende Gäste gewonnen haben sollte, dann sei ihr das, was mich betrifft, von Herzen gegönnt. Ich muß ja nicht unbedingt dauernd auswärts essen. Immerhin koche ich ja selbst gut und gerne. 

Meine damaligen Einwände gegen ein gesetzliches Rauchverbot in der Gastronomie hatten etwas mit der erwähnten Freiwilligkeit von Gaststättenbesuchen zu tun, die ja für Raucher wie für Nichtraucher gleichermaßen gilt. Aus Perspektive des Geschäftsinhabers, der mit Leuten seinen Lebensunterhalt verdient, die (absolut freiwillig) seine Gaststätte aufsuchen und dort konsumieren, fand ich die Veränderung der zugehörigen Geschäftsgrundlage mit dem damit verbundenen Risiko eines Gästeschwunds eine ziemliche Zumutung, und zwar in meiner Eigenschaft als Selbständige, die das bei ihrer eigenen Geschäftsgrundlage auch nicht sonderlich angenehm fände. Der Gesetzgeber hätte außerdem eine Reihe anderer Möglichkeiten gehabt. Eine davon wäre ein Bestandsschutz für bestehende Lokale (und die Möglichkeit sowie ggf. Anreize, freiwillig selbst Nichtraucherbereiche einzurichten) und ein Rauchverbot als Regelfall für neu eröffnende Lokale gewesen. Das hätte die wirtschaftlichen Turbulenzen für die Gastronomie wegen der Umstellung erheblich verringert und damit auch die eine oder andere Pleite verhindert, aber wegen der hohen Fluktuation im Gastgewerbe relativ schnell dazu geführt, daß der Anteil der Lokale, in denen geraucht werden darf, immer geringer geworden wäre. 

Die Gastronomie als Ganzes hatte sich natürlich innerhalb einiger Jahre gut an die Gegebenheiten angepaßt, und statistisch würde sich ein Gaststättensterben in der Breite nicht nachweisen lassen. Das liegt daran, daß die Fluktuation in der Gastronomie, wie erwähnt, generell hoch ist und mit dem Rauchverbot unrentablere Geschäftsmodelle bei Betriebsaufgaben durch besser an diese Gegebenheit angepaßte ersetzt wurden. 

Jedenfalls war das in Innenstädten und viel von Touristen frequentierten Gebieten so. 

In (untouristischen) Dörfern und sogar schon in unscheinbareren Vorstädten - überall dort, wo ein Lokal nicht mit viel Laufkundschaft rechnen kann -  ist es aber anders. Das Gaststättensterben auf dem Land, über das auch die Medien regelmäßig berichten, habe ich schon vor zehn Jahren beobachtet, wenn ich, wie ich das viele Jahre lang tat, auf mehrtägige Wanderungen ging, bei denen ich unterwegs zwei bis drei Übernachtungen einplante. Daß ich fast immer in gähnend leeren Lokalen mein Abendessen einnehmen mußte, fand ich schon auffallend. In einem Lokal war außer mir nur noch ein stark angetrunkener Mann anwesend, der am Tisch saß, der der Theke am nächsten lag, und die Bedienung entschuldigte sich ununterbrochen bei mir für diesen unpassenden Gast. Aber gerade dieser Mann zeigte mir, was in diesem Lokal nicht stimmte. Innerhalb einer fröhlichen Stammtischgruppe mit unterschiedlichem Alkoholpegel wäre er nämlich gar nicht weiter aufgefallen. Aber das Lokal war natürlich überhaupt nicht mehr auf Stammtische ausgelegt, sondern verstand sich als reines Speiselokal - am Essen war auch tatsächlich nichts auszusetzen. Aber wo findet man auf dem Dorf eine ausreichend große Zielgruppe, um ein solches Lokal rentabel zu führen? Ich sehe das bei uns am Ort, wo die letzte traditionelle Dorfwirtschaft vor acht Jahren aus Altersgründen der Inhaber geschlossen wurde. Jahrelang stand das Lokal leer, vor drei Jahre versuchte es dann ein Restaurant, mußte aber nach zwei Jahren wieder aufgeben. Vor ein paar Wochen hat jetzt ein Asiate aufgemacht. Ob er sich halten kann, wird man sehen. 

Ein Dorf bräuchte halt eine Dorfwirtschaft, und eine Dorfwirtschaft braucht alle Arten von Gästen, von den Essensgästen von innerhalb und außerhalb des Orts über die Stammtische und Kartenspielrunden bis zu denen, die nur an der Theke ein Feierabendbier trinken wollen. Dann reicht es auch, um von so einem Lokal leben zu können. Dieses Konzept hat bis zum Rauchverbot auch noch funktioniert. Danach tat es das nicht mehr. Die Stammtischrunden wurden weniger, hielten sich weniger lang auf und konsumierten weniger. Sogar dort, wo Raucherbereiche eingerichtet werden konnten, funktionierten sie häufig nicht, wenn Raucher auf Nichtraucher in der Runde Rücksicht nehmen wollten und man sich im Nichtraucherbereich traf und nur ab und zu auf eine schnelle Zigarette in den Raucherbereich ging. Für den Wirt waren Raucherbereiche dann umsatzlose Zonen und die Runde machte den Beteiligten weniger Spaß. 

Bis so etwas zu Schließungen führt, das dauert auf dem Dorf aber viel länger als in Städten. Viele Dorfwirtschaften waren etwa in der Hand der Besitzer des betreffenden Gebäudes, manchmal immer noch in Verbindung mit einer Metzgerei und häufig in Kombination mit einfachen Übernachtungsgelegenheiten. Da geht man so schnell nicht pleite. Daß sich die Sache eigentlich schon lange nicht mehr gerechnet hatte, zeigt sich oft erst, wenn aus Alters- oder Gesundheitsgründen ein Nachfolger gefunden werden müßte, aber wegen der fehlenden Rentabilität nicht zu finden ist. Also sind mittlerweile nicht mehr allzu viele Dorfwirtschaften zu finden, und denjenigen, die es noch gibt, haben seitdem zusätzlich noch Corona, steigende Lebensmittelpreise, gestiegene Energiekosten und fehlendes Personal zugesetzt, was den Prozeß weiter beschleunigt hat. Schon vor dem Rauchverbot eingesetzt hatten außerdem veränderte Ausgehgewohnheiten und generell sinkender Alkoholkonsum. Das Rauchverbot ist also nur einer von zahlreichen Faktoren, die zu dieser Entwicklung geführt haben.

Wenn bei einem komplexen System wie den typischerweise ebenfalls zahlreichen Auslösern einer Krebserkrankung die Prävention bei der Vermeidung aller einigermaßen leicht vermeidbaren Risikofaktoren ansetzt, dann hätte man einem Gaststättensterben auf dieselbe Weise entgegenwirken können, wenn man es nur für wichtig gehalten hätte, so etwas zu verhindern. Corona ließ sich nicht verhindern. Die Preisanstiege für Lebensmittel und Getränke auch oder jedenfalls nur bedingt.  Beim Rauchverbot hätte man aber auch das Überleben der betroffenen Gastronomie mit zu einer der Zielstellungen machen können (und, siehe oben, dafür auch praktikable Lösungen finden können), und hat dies unterlassen. Ob man gar nicht auf die Idee kam, eine Gefährdung zu vermuten, oder ob es der Politik einfach egal und als Kollateralschaden einkalkuliert war, kann ich nicht sagen. 

Daß dies zur Destabilisierung des Gefüges der Gesellschaft mit beigetragen hat, dafür gibt es Hinweise. Das ist kein Witz. Es gibt wissenschaftliche Ergebnisse, die dies belegen können. 

In Frankreich nämlich wurde ein Zusammenhang zwischen schließenden sogenannten "Bar-Tabac"-Kneipen und einer Zunahme von Wählern rechtspopulistischer Parteien in einer Studie ermittelt. Die Stammtische mit ihrem notorisch schlechten Ruf waren wohl insgeheim doch ein ganz gutes Korrektiv - man mußte die Meinungen anderer Leute am Tisch aushalten und sich mit ihnen auseinandersetzen. Die neuen Online-Stammtische in den sozialen Medien hingegen kann man mit lauter Gleichgesinnten bestücken und alle anderen blockieren. Wir haben mit unserem Dorf noch Glück gehabt: Ein Verein ist eingesprungen und dort trifft man sich einmal die Woche, um Neues zu erzählen und zu hören - und nebenbei anderer Leute Meinungen zu ertragen, die man nicht teilt. Aber ein Verein muß auch keine Gewinne machen, die einem Wirt die Existenz sichern. Auf diese Weise geht die Sache dann doch wieder, jedenfalls solange man ehrenamtlich Engagierte findet, die bereit sind, Zeit und Energie in diese Tätigkeit zu stecken. 

Nun stellt sich aber außerdem heraus, daß das Wirtshaussterben für die AfD zu einem strategischen Faktor geworden ist. Denn es wurde jedenfalls in der AfD Rheinland-Pfalz mittlerweile die Strategie entwickelt, sich in leerstehende Wirtshaus- und vergleichbare Gebäude einzumieten und sie wieder zum - nunmehr AfD-geführten - dörflichen Dreh- und Angelpunkt zu machen, der sie früher einmal gewesen sind. Die TAZ berichtete im Zusammenhang mit dem Wahlkampf in Rheinland-Pfalz darüber. Als Normalisierungsstrategie ist dieses Vorgehen der AfD geradezu genial, wenn und wo sie aufgeht, sie also nicht an Protesten scheitert, wie sie in den beschriebenen Beispielfall am Ende zur Kündigung des Mietverhältnisses führten. Damit füllt die AfD eine Lücke im dörflichen Gefüge, die zu ihrem Erfolg selbst mit beigetragen hatte und die man alleine schon deshalb niemals hätte aufreißen lassen dürfen. 

Ob dort geraucht werden darf oder nicht, spielt übrigens keine große Rolle mehr, denn erstens ist das Thema Rauchen in der Gastronomie sowieso schon lange gegessen - ich bin nahezu die einzige, die nachtragend genug ist, um immer noch darüber zu sprechen -, und zweitens muß eine parteistrategische Maßnahme sich ja genau wie ein Vereinsangebot auch nicht nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten rentieren. Jedenfalls nicht vor der Machtergreifung, danach werden die AfDler genauso die Sau rauslassen wie alle, die sich in den USA durch Donald Trump bereichern können, an der Spitze Trump selbst und seine verkommene Familie.

Mit dem Rauchverbot ist es wie mit der neuen Rechtschreibung: Es wäre sinnlos, es wieder rückgängig zu machen, obwohl die konkrete Ausgestaltung in beiden Fällen echt keine Glanzleistung gewesen ist. Aber es spräche nichts dagegen, von dieser Initiative der AfD etwas zu lernen: Die haben die Bedeutung der Dorfgaststätten erkannt. Niemand würde die anderen Parteien daran hindern, dies ebenfalls zu erkennen und sich ein paar eigene Weichenstellungen zu überlegen. Gerade die mittlerweile ja aus dem vorletzten Loch pfeifende SPD hätte außerdem allen Grund, den "normalen Leuten" wieder häufiger aus der Nähe zu begegnen, zu hören, was für Themen sie umtreiben, und daraus zu lernen, anstatt sich nur noch im eigenen Biotop zu tummeln und dort den guten alten Zeiten nachzutrauern. In diesen guten alten Zeiten haben die Sozialdemokraten Vergleichbares ja auch gemacht, von Arbeitersportvereinen bis zu Arbeiterbildungsstätten. Kneipen gab es damals hingegen genug. Heute ist es umgekehrt, wer sich bilden will, braucht keine SPD. Aber vielleicht würde man bei ihr ja ein Feierabendbier trinken, wenn es dieses Angebot gäbe? 

Ich bin nun wirklich kein Fan der SPD. Aber einer feindlichen Übernahme der wegen mangelnder Rentabilität geschlossenen Gastronomie durch die AfD wäre sie allemal noch vorzuziehen.