Donnerstag, 30. April 2026

Große Äpfel und kleine Birnen im Vergleich. Oder: Bullshitting für Kapitalanleger

Mein Gewicht heute früh nach dem zweiten von zwei nicht zusammenhängenden Fastentagen diese Woche: 75 Kilogramm exakt. Das ist okay und wäre sogar sehr gut, wenn ich nicht meine beiden Fastentage diese Woche um jeweils einen Tag vorverlegt hätte, weil ich heute zu einer Veranstaltung muß, bei der es Essen gibt und bei der ich essen möchte. Und morgen ist ja Feiertag, also konnte ich auch nicht in die andere Richtung verlegen, wenn ich an Feiertagen nur im äußersten Notfall einen Fastentag einlegen will. So habe ich natürlich aber vor Beginn des nächsten langen Fastenintervalls entsprechend einen Eßtag mehr, also muß ich am Montag mit einem Startgewicht von um die 79 Kilogramm rechnen, wie gehabt. 

Wegen meiner Küchenbaustelle habe ich bislang nicht mit dem Flohsamenexperiment begonnen. Es ist mir ja fast peinlich, aber das passiert mir in letzter Zeit mit vielen Dingen, die gerade noch nicht so aufgeräumt werden können, daß man eine Chance hat, sich zu merken, wo sie sind, und die außerdem zum Teil nur durch aufwendiges Ausräumen und Wegschieben von davorgestelltem Zeug zugänglich wären: Ich finde die nach dem Ende der Low-Carb-Phase zu gut aufgeräumten Flohsamenschalen gerade nicht und bin zu "schwäbisch", um mir deswegen kurzerhand neue zu kaufen. Da meine Verdauung im Moment aber zufriedenstellend ist, ist das auch nicht weiter tragisch. Ich hoffe zuversichtlich, nach dem Ende des langen Fastenintervalls nächste Woche damit loslegen zu können. 

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Die Gesundheitsreform scheint nun zu stehen, und sie soll sowohl die Zuckersteuer als auch die Erhöhung der Tabaksteuer enthalten, und angesichts der vielen Punkte, über die man wie die Kesselflicker gestritten hat, waren natürlich beide Maßnahmen viel zu unstrittig, um sie nicht zu beschließen. Das war mir auch von Beginn an klar, obwohl ich das erste für wirkungslos, aber immerhin ohne gravierende schädliche Nebenwirkungen halte und das zweite sogar für eine besonders schlechte Idee mit vielen Nebenwirkungen, die sich niemand im Ernst wünschen kann.

Das sollte ich wohl begründen, also hier eine Erläuterung:  

Die steuernde Wirkung von künstlichen Verteuerungen führt, wenn man es damit übertreibt, zu Nebenwirkungen, die jeden positiven Effekt übertreffen können. Im vorliegenden Fall wird sie die Gewinne des organisierten Verbrechens, das schon jetzt mit Tabakprodukten besser verdient als mit Heroin, unnötig in die Höhe treiben und damit ihre Handlungsmöglichkeiten weiter verbessern. Wenn an anderer Stelle darüber gerätselt wird, wie man der steigenden Kriminalität nur Herr werden soll: eine Steuerlast von 75 Prozent für ein eigentlich sehr billig herzustellendes Produkt (eine Schachtel Zigaretten läßt sich für 50 Cent herstellen) ist natürlich ein enormer Anreiz, dieses Produkt an der Steuer vorbei herzustellen und pro Schachtel das Drei- bis Vierfache der Kosten für Herstellung und Vertrieb als Gewinn einzustreichen. Daß mit diesem Gewinn Dinge finanziert werden, über die kein Grund zum Frohlocken besteht, darf man getrost voraussetzen. 

Die TAZ überraschte mich damit, daß sie mich bezüglich des Zuckers zur Verschwörungstheoretikerin erklärte, obwohl die Zahlen zur Entwicklung der Adipositas in Ländern mit Zuckersteuer doch frei im Web zugänglich sind und eindeutiger nicht ausfallen könnten, vor allem in Großbritannien, aber dafür Bedenken gegen die Tabaksteuer anmeldete, die in eine andere Richtung als mein obiger Einwand zielen, aber genauso berechtigt sind. 

Ich erinnere mich noch dunkel daran, daß ich schon vor zwanzig Jahren stutzte, als das DKFZ davon schrieb, daß Studien zufolge bei einer Erhöhung der Tabaksteuer um einen Betrag x, den ich nicht mehr genau weiß, zehn Prozent der armen Raucher mit dem Rauchen aufhören würden, und deshalb sei dies zu empfehlen. Anders ausgedrückt: Zwingt man arme Raucher, sich zwischen Rauchen und Essen zu entscheiden, dann entscheiden sich zehn Prozent, aufs Rauchen zu verzichten. Was aber essen dann eigentlich die anderen 90 Prozent? Und wieso findet das DKFZ diese Frage unwichtig? 

Die Sache ist halt die, und auch das habe ich irgendwann schon einmal im Blog ausführlicher beschrieben, daß es in Politik, Medizin und Gesellschaft eine unausgesprochene Einigkeit darüber zu geben scheint, daß arme Raucher gar nicht arm genug sein können. Das ist keine Fehlsteuerung, sondern wohl - allerdings höchstens halb bewußt - tatsächlich so gewollt. Niemanden juckt es außerdem, ob Raucher durch eine Maßnahme gesünder oder kranker werden, solange sie so verstockt sind, nicht mit dem Rauchen aufzuhören. Jedem von uns ist ja seit Jahrzehnten ständig eingehämmert worden, daß Raucher sowieso alle eines vorzeitigen und gräßlichen Todes sterben werden, wenn sie nicht aufhören, zu sündigen. Und da kommt es für die verstockten Sünder, die nicht aufhören wollen zu sündigen, auf ein paar Jährchen hin oder her anscheinend in den Augen vieler auch nicht mehr an. Das ist auch der eigentliche Grund dafür, warum nahezu jeder Raucher ständig ungefragt davon anfängt, daß er eigentlich gerne mit dem Rauchen aufhören würde. 

Der Einwand des einsamen Rufers in der gesundheitspolitischen Wüstenei ist also ehrenwert und durchaus realistisch, wird aber natürlich unbeachtet bleiben. 

Die Gesundheitsreform hat freilich auch gar nicht den Sinn, irgendwen gesünder zu machen, sie soll nur die Krankenkassenfinanzen in Ordnung bringen, und das ist an sich ja ein unterstützenswertes Ziel, sogar wenn man Raucher ist und weiß, daß man in den Augen von Gesundheitspolitikern eigentlich am besten sofort tot umfallen sollte, damit sie einen Raucher weniger in der Statistik haben. Dabei flüchtete man sich aber leider in die üblichen Flickschustereien, anstatt sich endlich einmal an einen systemischen Umbau zu wagen. Für ein paar Jahre wird es jetzt möglicherweise wieder halbwegs funktionieren. Aber wir dürfen sicher sein: Die nächste Gesundheitsreform ist nur um die zehn Jahre herum von uns entfernt. 

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Man muß sich schon wundern, mit welcher Vehemenz Experten Menschen mit Warnungen erschrecken zu müssen glauben, wo dies nicht oder zumindest nicht in dieser Absolutheit gerechtfertigt ist, und warum dies teils mit Begründungen tun, die von denjenigen, die Erfahrung mit dem haben, wovor gewarnt wird, leicht als absurd erkannt werden können. So ganz sicher bin ich mir auch nicht, ob solche Leute das, was sie sagen, wirklich selbst glauben. Zum Glück bin ich ambiguitätstolerant genug, um keinen Druck zu spüren, dies zweifelsfrei mit einem Ja oder einem Nein beantworten zu müssen. Anders als der Durchschnittsverschwörungstheoretiker kann ich mir schon vorstellen, daß es auch einfach ein Ausdruck von Zahlengläubigkeit aus ehrlicher Überzeugung ist, die sich zwar für wissenschaftlich fundiert hält, es aber nicht ist. Meistens geht es ja um Zahlenspielereien, die in sich logisch sind und deshalb, wenn keine persönliche Erfahrung hinzukommt, erst mal plausibel wirken. Weil sie aber am Kern der Frage vorbeizielen, bekommt man auf diese Weise aber trotzdem Antworten, die, wenn man Glück hat, nur irrelevant sind, im ungünstigen Fall aber auch Schaden anrichten können.  

Das beschränkt sich nicht nur auf Gesundheitsfragen, obwohl die Kritik in diesem Themenbereich bei mir am häufigsten vorkommt. Ich habe längst aufgehört, irgendetwas ungeprüft zu glauben, wenn mit Statistiken oder modellhaften Annahmen argumentiert wird, allerdings ist es natürlich unmöglich, alles selbst zu überprüfen, wenn man sich bei einem Thema nicht auskennt. Und vieles interessiert mich dann doch nicht so dringend, daß ich dafür eine Ausnahme machen würde. Deshalb enthält die innere Landkarte meines Wissens mehr weiße Flächen als eine Afrikakarte des 16. Jahrhunderts. 

Aber mit Immobilien kenn ich mich nun wirklich gut genug aus, also habe ich eine ziemlich klare Meinung zu der Antwort, die auf der Tagesschau-Website am 22.2.26 auf die Frage "Ist es besser, Wohnraum zu kaufen oder zu mieten?" gefunden wurde. Im Wortlaut: 

Die Kosten, die für die Zahlung der Miete aufgewendet werden müssen, sind in aller Regel geringer als das, was der Käufer monatlich für Kredit und Instandhaltung aufwenden muss. 

Dabei wird auf den "Finanztipp-Rechner" verwiesen, der von folgender Modellberechnung ausgeht: 

Der Käufer zahlt monatlich 2.181 Euro für Kredit und Instandhaltung. Und der Mieter, der monatlich nur eine Belastung von 1.000 Euro für die Miete hat, investiert die übrigen 1.181 Euro. Das Ergebnis fällt bei diesem Beispiel zugunsten des Mieters aus: Der ist nach 25 Jahren rund 200.000 Euro reicher als der Käufer.

Das ist Bullshit von so spektakulären Ausmaßen, daß man erst mal gar nicht so recht weiß, wo man mit der Kritik überhaupt anfangen soll. 

Klammern wir zunächst aber mal einige Variablen aus, die in der Realität eigentlich wichtig wären, aber hier von der Frage wegführen würden, auf die ich eine Antwort geben möchte. Setzen wir also voraus, daß der Mieter in dem Vergleich diszipliniert jeden Monat den genannten Betrag spart (was in Wirklichkeit die wenigsten tun würden, auch, weil die wenigsten in der Lage sind, jeden Monat für Miete, Nebenkosten und Sparleistung 2500 Euro einzuplanen) und daß er dabei tatsächlich im Durchschnitt eine Rendite von 6 Prozent voraussetzen kann (was durchaus auch anders laufen kann). Setzen wir außerdem voraus, daß der Eigentümer das nötige Eigenkapital für einen Immobilienerwerb aufbringt und von seiner Bank eine Finanzierungszusage bekommt, obwohl mir klar ist, daß diese beiden Punkte die eigentlichen Hürden sind, wenn jemand ein Haus oder eine Eigentumswohnung kaufen will.  

Vielleicht wäre es in so einem Fall, wenn man glaubt oder erlebt hat, daß man an dieser Hürde nur scheitern kann, dann ja sogar ein kleiner Trost, wenn man glauben könnte, als Mieter sei man sowieso besser dran, also müsse man sich nicht grämen, wenn man sich Wohneigentum von vornherein nicht leisten kann. Bloß, diese zitierte Berechnung ist Kokolores, völliger und ziemlich haarsträubender Blödsinn. Das kann ich auch beweisen. 

Bullshit verbreitet die Tagesschau unter obigem Link erstens deshalb, weil der Vermögensstand nach 25 Jahren ein willkürlich gewählter Endpunkt des Vergleichs ist, obwohl das Leben des Käufers wie des Mieters danach ja noch weitergehen wird. Und zwar ist es noch dazu ein Endpunkt, in dem der Mieter in dem obigen Vergleich gerade den Moment erlebt, in dem er den maximalen Vorteil genießt, während die angenehmsten Zeiten des Eigentümers jetzt erst kommen werden. 

Angenommen, die beiden Vergleichspersonen waren zu Beginn des Vergleichs 40 Jahre alt, dann sind sie nun nämlich 65, stehen also kurz vor dem Ruhestand, und der Eigentümer hat sein Objekt wahrscheinlich gerade  abbezahlt. Gemäß der Beispielberechnung würden bei ihm nun also 1781 Euro Finanzierungskosten im Monat wegfallen. Der Mieter hingegen müßte bei Renteneintritt von seinem halbierten Einkommen weiterhin eine Miete von 1000 Euro plus 25 Jahre mal 2,2 Prozent Mietsteigerung aufbringen, das wären 1550 Euro laufende Kosten nur für die Kaltmiete, also zusammen mit den Nebenkosten an die 2000 Euro. Damit wäre nicht einmal mit einer Maximalrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung (ca. 2500 Euro netto) der laufende Bedarf gedeckt. Gut also, daß Vermögen vorhanden ist! Es wird aber von nun an nicht mehr weiter steigen, sondern stagnieren oder sinken, je nachdem, wie sich die Märkte entwickeln und was für einen Lebensstil man im Ruhestand pflegen will, denn nun ist eine weitere Kapitalanlage nicht mehr möglich. Das alles ist aber nicht weiter tragisch, denn das Vermögen bleibt voraussichtlich dauerhaft hoch genug, um dem Mieter einen sorgenfreien Lebensabend zu bieten. 

Theoretisch könnte der Eigentümer nun aber anfangen, auch Geld anzulegen, um den Mieter doch noch zu übertrumpfen. Nur, warum sollte er das eigentlich tun, wenn er stattdessen sich auch seinen Ruhestand einfach nur angenehm und komfortabel machen kann? Sowohl der Mieter als auch der Eigentümer haben unter Annahme der im Zitat vorgegebenen Bedingungen im Alter ein Vermögen in sechsstelliger Höhe, womit sie zu den reichsten zwanzig Prozent der Bevölkerung gehören. Einen inneren Drang zu dieser Art von finanziellem "Schwänzemessen", wie er solchen Vergleichen als vermeintliche Selbstverständlichkeit zugrunde liegt, würde ich eher für ein alarmierendes Signal falsch gesetzter Lebensprioritäten halten. Es gibt eine unausgesprochene Grundannahme in diesem Berechnungsmodell, und die lautet, daß derjenige, der am Ende mehr Geld hat, es auch besser hat als der andere. Daß der endgültige Endpunkt nicht so gesetzt werden kann, wie es im Beispielfall geschieht, ist das eine, daß der Tod diesen Endpunkt setzen wird und beide nichts von ihrem Vermögen mitnehmen können, das andere. Das gilt noch mehr, falls keine Nachkommen da sind, was ja heute keine Seltenheit mehr ist. Dann fließt bei beiden halt das, was am Ende noch übrig ist, an den Fiskus. Dafür muß man nun wirklich nicht den Ehrgeiz entwickeln, einen noch Reicheren, als man es selbst sowieso auch ist, noch übertrumpfen zu wollen. 

Daneben würde eine Bewertung über die rein monetären Faktoren hinaus, quasi das "Bruttosozialglück", im Vergleich zwischen Eigentümer und Mieter deutliche lebenspraktische Nachteile für den Mieter ergeben. Er ist es, den weiterhin die Eigenbedarfskündigung mit allen damit verbundenen Streßfaktoren erwischen kann - und je älter man ist, desto geringer der Spaßfaktor daran. Er ist es auch, der weiter Mieterhöhungen bekommen wird oder sich vielleicht mit einem unkooperativen Vermieter über Reparaturbedarf herumärgern muß. Der Eigentümer kann einfach die Maßnahme in Auftrag geben und aus seinem nach 25 Jahren vermutlich gut gefüllten Rücklagenkonto für Instandhaltungen (siehe weiter unten) bezahlen, und zwar in der Qualität und in dem Zeitrahmen und bei dem Handwerker, der ihm selbst am besten in den Kram paßt. Finanzielle oder geldwerte Vorzüge gegenüber dem Mietobjekt hat Wohneigentum außerdem dann, wenn man beim Erwerb genau wußte, was man brauchen würde, und nicht einfach das erstbeste Objekt nehmen mußte, das man bekommen konnte, wie das bei Mietwohnungen ja nicht selten unvermeidlich ist. Größere Nähe zum Arbeitsplatz bedeutet einen Gewinn an Lebenszeit, niedrigere Fahrtkosten und je nachdem ist sogar ein Verzicht aufs Auto möglich, womit man die damit verbundenen Kosten und Kostenrisiken auch noch vermeiden kann. Auch in Sachen Energieeffizienz hat man als Eigentümer größere eigene Handlungsspielräume, wenn sie auch je nach Art des Objekts (Eigentumswohnung vs. Einfamilienhaus) begrenzter oder weniger begrenzt sein können. Das alles müßte in einem Vergleich zu einem bezifferbaren Vorteil für den Eigentümer führen, der ebenfalls mehrere hundert Euro pro Monat ausmachen kann. Ich sehe allerdings ein, daß der möglichen Variablen hier zu viele sind, um dies auch in eine solche Berechnungsformel einfließen lassen zu können. 

Das, wie gesagt, ist die Analyse, wenn man die Vorgaben des Beispielfalls als richtig akzeptiert. Aber das mache ich nicht, denn der Vergleich ist so falsch wie der zwischen einer zwischen einem großen Boskoop-Apfel und einer Gaishirtle-Birne.  

Zum zweiten ist es nämlich Bullshit, eine Mietwohnung, für die 1.000 Euro Kaltmiete bezahlt werden, mit einer Eigentumswohnung zu vergleichen, für die ein Kaufpreis von 400.000 Euro bezahlt wird. Das ist, als würde man so tun, als wären die Kosten für eine 60-qm-Wohnung typischerweise dieselben wie die für eine 90-qm-Wohnung - in meiner Stadt würde ich bei der Miethöhe einerseits und dem Kaufpreis andererseits nämlich diese beiden Wohnungsgrößen vermuten. Es mag regionale Unterschiede bei Miethöhen und Kaufpreisen geben, aber den Fall, daß dieses Beispiel zwei gleichwertige Wohnungen vergleicht, gibt es im Jahre 2026 meiner Meinung nach nirgends in Deutschland. Für eine Wohnung mit einem solchen Kaufpreis blättert man als Mieter in meiner Stadt jedenfalls aktuell Minimum 1500 Euro Kaltmiete hin, wenn man Pech hat, können es auch 2000 sein. Umgekehrt betrachtet: 1000 Euro, das wird in meinem hochpreisigen früheren Stadtteil typischerweise für Wohnungen mit um die 60 Quadratmetern bezahlt, und für die ist ein Kaufpreis von 400.000 Euro wiederum völlig utopisch. Wohnungen, die für 1000 Euro kalt vermietet werden, kosten bei durchschnittlicher Ausstattung und ohne Sanierungsstau in einem guten Wohnviertel um die 300.000 Euro, Tendenz eher ein bißchen weniger. 

Ich könnte mich mit der Tagesschau noch darauf einigen, daß ein Mieter, der 1.000 Euro Kaltmiete bezahlt, unbedingt abwinken sollte, falls sein Vermieter ihm seine Wohnung für einen Kaufpreis von 400.000 Euro zum Kauf anbieten sollte, denn das wäre für ihn ein sehr unvorteilhaftes Geschäft. Aber das gibt keine Antwort auf die Frage, welche Preise zur Debatte stünden, wenn der Mieter stattdessen selbst auf die Suche ginge und eine seiner Mietwohnung vergleichbare Wohnung zu einem marktüblichen Preis erwerben würde. Tut der Mieter das und wird mit einem Objekt, das 300.000 Euro zzgl. Kaufnebenkosten kostet, zum Wohnungseigentümer - eine durchaus realistische Option und leichter zu finden als eine Mietwohnung für 1.000 Euro kalt -, dann ist es aber laut dem Finanztipp-Rechner von vornherein der Käufer, der bereits nach 25 Jahren eindeutig finanziell die Nase vorn hat. Dasselbe gilt in noch sehr viel höherem Maße, wenn man dem Kaufpreis von 400.000 Euro eine realistische Kaltmiete von 1500 Euro gegenüberstellt. 

Bullshit, zum dritten, sind auch die im Rechner voreingestellten Kosten für Instandhaltung. Bei dem utopischen Kaufpreis werden 400 Euro monatlich dafür angenommen, bei dem realistischen, den ich gegenübergestellt habe, sind es 300. Diese Kosten sind natürlich nicht vom Kaufpreis abhängig, sondern von der Wohnungsgröße 

Aber auch den niedrigeren Wert finde ich noch überhöht. 

Unterscheiden muß man hier die Instandhaltungskosten für das Gemeinschaftseigentum. Dafür ist im Hausgeld eine Instandhaltungsrücklage vorgesehen. Die macht bei meinen vermieteten Wohnungen, Größe zwischen 40 und 85qm, zwischen knapp 40 und ca. 80 Euro monatlich aus. Für unvorhergesehene hohe Ausgaben für Instandhaltungsarbeiten im Sondereigentum, also innerhalb der Wohnung, fände ich bei einer 60-qm-Wohnung eine Rücklage von 80 Euro monatlich völlig ausreichend. Für kleinere Reparaturen - sagen wir, mindestens für alles bis zum mittleren dreistelligen Bereich - muß man nämlich nicht unbedingt diese Rücklage einsetzen, sondern so etwas kann man auch aus dem laufenden Einkommen bezahlen. Die Rücklage ist eine notwendige finanzielle Reserve für kostspielige Instandhaltungen, die den Rahmen dessen sprengen, was man im Monat für allerhand Sonderausgaben im privaten Bereich übrig hat, also den vier- und fünfstelligen Bereich. Sagen wir: Neue Fenster, Einbau einer Fußbodenheizung ... whatever. Dafür braucht man selbstverständlich eine Rücklage, um nicht ins Schleudern zu kommen. Es könnte zwar seinen Sinn haben, für den Anfang ein oder zwei Jahre lang etwas mehr anzusparen, weil hohe Ausgaben ja unerwartet früh auf einen zukommen können, aber ansonsten sind die meisten Großausgaben planbar und lassen sich auch erforderlichenfalls ein oder zwei Jahre verschieben. Hat man einmal 3000 bis 4000 Euro in Reserve, dann reicht es völlig, pro Jahr einen Tausender zu ergänzen. Es braucht schon gewaltiges Pech, um dann jemals in die Verlegenheit zu geraten, die gesamte Rücklage verbraten zu müssen. 

Hinzu kommen aber natürlich noch die Verwaltungskosten des Gemeinschaftseigentums, die gar nicht erwähnt werden. Dafür muß man um die 30 Euro dazurechnen. Aufgerundet komme ich also auf 200 Euro monatlich für Instandhaltung plus Hausverwaltung. Der Nutzen von noch mehr jahrelang brachliegendem Kapital leuchtet mir gerade dann nicht ein, wenn man dieses Geld stattdessen auch dazu nutzen könnte, seine Finanzierung schneller voranzubringen und dadurch Zinsausgaben zu sparen. 

Bullshit Nr. 4 ist dies hier: 

Wer ein Haus kauft und einen Kredit abbezahlen muss, kann das nicht einfach pausieren wie einen ETF-Sparplan. Die Kreditrate wird jeden Monat abgebucht, über 20, 25, oder 30 Jahre. Ob man will oder nicht: Man spart - und hat am Ende der Laufzeit ein abbezahltes Haus, das einen Vermögenswert darstellt.
Klammern wir hier mal aus, daß mit Selbstverständlichkeit ein Einfamilienhaus zur Grundlage wird, was eigentlich nicht der häufigste Fall ist. In Städten wird es fast immer eine Eigentumswohnung sein. Abgesehen davon ist ein Einfamilienhaus auch nur in bestimmten Familienkonstellationen einer Eigentumswohnung vorzuziehen. Warum sollte etwa ein Single gleich ein ganzes Haus kaufen wollen? 

Aber sei's drum. Argumentieren wir trotzdem am zitierten Beispielfall. 

Niemand wird auch beim Erwerb eines Einfamilienhauses gezwungen, eine Darlehenslaufzeit von 25 Jahren zu wählen, und das ist in dem Rechner außerdem auch gar nicht vorgesehen. Vielmehr wird eine zehnjährige anfängliche Zinsbindung vorausgesetzt, das heißt, das Beispiel setzt voraus, daß für das Restdarlehen noch zweimal Anschlußfinanzierungen benötigt werden, die dann zu dem dann geltenden Zinssatz sein werden - und niemand kann sicher sagen, in welche Richtung sich die Höhe der Zinsen entwickeln wird. Das ist im Beispielfall also nicht gerade planungssicher gelöst worden. Der im Beispielfall voreingestellte Zinssatz ist für ein Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung aber außerdem zu hoch, typischer sind 3,8 Prozent. 4 Prozent werden in etwa bei 15jähriger Zinsbindung verlangt. 

Aber diese 15jährige Variante fände ich sowieso besser. Dann ist der Zinssatz zwar ein wenig höher, bietet einem aber durch die Möglichkeit von Sondertilgungen die m. E. bestmöglichen Gestaltungsspielräume bei gleichzeitig hoher Planungssicherheit, deshalb würde ich das jederzeit einer Finanzierung mit 3 oder 4 Prozent jährlicher Tilgung anstelle der üblichen 2 Prozent vorziehen, denn dann muß man wirklich diese höheren Kosten Monat für Monat aufbringen. Pro Jahr kann man bei fast allen Anbietern von Baufinanzierungen bis zu 5 Prozent des Darlehensbetrags pro Jahr an Sondertilgungen leisten. Wenn man kann und wenn man will. In diesem Teil  ist man also genauso flexibel wie der Mieter mit seinen ETFs oder anderen Geldanlagen, mit denen er pausieren oder den Betrag verringern kann, wenn ihm andere Kosten in die Quere kommen. Es ist also möglich, eine beliebige Zahl von Sondertilgungen pro Jahr bis zur Obergrenze von 5 Prozent der Darlehenssumme leisten. Im günstigsten Fall, wenn man jedes Jahr das maximal Mögliche an Sondertilgungen leistet, ist das Darlehen bereits vor Ablauf der 15 Jahre vollständig getilgt und der Zinsanteil ist unter dem Strich besonders niedrig. Aber das dürfte nicht gar so häufig vorkommen. Falls der Zufall es fügen sollte, daß man es doch könnte, sollte man es tun, denn dann spart man eine Menge Zinskosten und könnte dem Mieter samt seinen ETFs außerdem schon nach 15 Jahren aus einem belastungsfreien Eigenheim zuwinken. 

Natürlich sind auch Sondertilgungen in niedrigerer Höhe und in unregelmäßigen Abständen möglich und empfehlenswert, wenn die Einkommenssituation es zuläßt. Alle Sondertilgungen verringeren den Restbetrag, für den man nach 15 Jahren noch einmal eine Anschlußfinanzierung zum in 15 Jahren dann geltenden Zinssatz vereinbaren muß. Das erhöht die Planungssicherheit im Vergleich zu zehnjährigen Zinsbindung, denn je höher das Restdarlehen, desto stärker würde ein kräftigerer Zinsanstieg zu Buche schlagen. Das, glaube ich, unterschätzen viele. Wie viele, das wird sich in vier bis fünf Jahren aufgrund der Entwicklung von Quadratmeterpreisen und Zinssätzen herausstellen. Dann nämlich enden die zehnjährigen Zinsbindungen der Jahre 2020 und 2021, in denen Niedrigstzinsen mit Höchstpreisen verbunden waren, und ich stelle mich schon jetzt darauf ein, daß Anfang der Dreißiger sehr wahrscheinlich darob ein großes Heulen und Zähneklappern anheben wird, gefolgt ein paar Jahre später von einer Zwangsversteigerungswelle, weil diejenigen, die zu leichtsinnig finanziert haben, die Mehrkosten für das Anschlußdarlehen nicht mehr stemmen können werden, während die seinerzeit bezahlten Preise bei einem Verkauf aber natürlich auch nicht mehr erzielbar sind. Wer begriffen hat, was da auf ihn zurollt, wird wahrscheinlich täglich auf Knien um ein Sinken der Hypothekenzinsen beten, was gleichzeitig auch dazu führen würde, daß die Kaufpreise wieder steigen. 

Im umgekehrten Fall, wenn also die Zinsen sinken sollten und es absehbar ist, daß die Anschlußfinanzierung günstigere Konditionen aufweisen wird als das ursprüngliche Darlehen, kann man auch die Sondertilgungen bleiben lassen und einfach die Anschlußfinanzierung zu günstigeren Kosten wählen. Oder man kann den Betrag, den man für Sondertilgungen verwendet hätte, anderweitig anlegen.  

So ein Darlehen kann mal also sehr wohl so ausgestalten, daß es einem gute Spielräume bietet, um auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. 

Bullshit Nr. 5 besteht darin, daß der Online-Rechner den Anlagebetrag des Mieters je nach den Vorgaben der beim Käufer eingestellten Eckwerte erhöht oder verringert. So flexibel ist man als Mieter allerdings auch wieder nicht, daß man die Höhe seiner Sparleistung von der Darlehenshöhe und den Darlehensbedingungen seines Nachbarn abhängig machen kann, nur weil der die Wohnung nebenan nicht gemietet, sondern gekauft hat. Überhaupt fehlten mir in der Modellberechnung auch ein paar Eckdaten zu den angenommenen Käufern, Familiengröße, Einkommen, Perspektiven der Einkommensentwicklung und so weiter. Im Beispielfall finde ich eine regelmäßige Sparleistung von 1181 Euro jeden Monat 25 Jahre lang ziemlich ambitioniert, wenn man Wohnkosten von 1000 Euro kalt sowie die Nebenkosten dazurechnet. Alleine für Wohnen und Sparen muß dieser Mieter anfangs monatlich 2500 Euro übrig haben, und gegen Ende des Vierteljahrhunderts wird er dafür wegen der vorausgesetzten Mieterhöhungen 3000 Euro aufbringen müssen. Was für eine Berufslaufbahn muß man bei diesem Mieter denn voraussetzen? Bankräuber? 

Daß der Eigentümer vor dem Erwerb Eigenkapital hatte und der Mieter erst in dem Moment, in dem der Eigentümer den Kauf abschließt mit Geldanlagen begonnen hat, ist Bullshit Nr. 6. Anzunehmen wäre, daß der Eigentümer in den Jahren davor ebenfalls das nötige Vermögen mittels Geldanlagen geschaffen hat. Hat der Mieter das nicht getan, sind die beiden Fälle von vornherein nicht vergleichbar. 

Was in dem Tagesschau-Bericht gänzlich fehlt, ist eine Antwort auf die Frage, wie man sich überhaupt in den Stand setzen kann, Wohneigentum erwerben zu können, wenn man nicht gerade geerbt hat oder aus einem vermögenden Elternhaus kommt. Das ist bedauerlich, denn es bedeutet, daß implizit genau diese Botschaft vermittelt wird, die so viele heute verbreiten und die von den meisten Leuten - außer mir natürlich - auch geglaubt wird: Daß junge Leute ohne reiche Familie sich heutzutage kein Wohneigentum mehr leisten könnten. Das stimmt natürlich nicht, denn wie könnte der Mieter in der Modellberechnung am Ende ein höheres Vermögen als der Eigentümer haben, wenn er sich Wohneigentum nicht ab einem gewissen Punkt auch hätte leisten können? Das nur mal als Denkanstoß für alle, die überzeugt davon sind, ihr ganzes Leben lang Mieter bleiben zu müssen. 

Richtig ist, daß ein reiches Elternhaus oder eine größere Erbschaft (im mindestens hohen fünfstelligen Bereich) sehr hilfreich ist, um sofort Wohneigentum zu erwerben, wenn einem spontan der Gedanke gekommen ist, dies tun zu wollen. Für alle, die einen längeren Planungshorizont ertragen können, ist es kein Fehler, einfach selbst die Voraussetzungen zu schaffen, um in einem Zeitraum von, sagen wir, zehn Jahren eine Wohnung kaufen zu können, falls man das dann wollen sollte. Dies lohnt sich auch dann, wenn man sich am Ende doch dagegen entscheidet - dann muß man nämlich nicht, wie der Mieter im Beispiel, mit der Kapitalanlage komplett von vorne anfangen, sondern hat schon eine Grundlage und etliche Jahre an Erfahrungswerten. 

Es mag eine Menge Gründe geben, sich mit Wohneigentum nicht abgeben zu wollen, und die sind auch alle legitim und tatsächlich gibt es Konstellationen, in denen ich selbst vom Erwerb einer Immobilie abraten würde, aber ein finanzieller Vorteil, wenn man Mieter bleibt, zählt nicht dazu. Trotzdem ist diese Behauptung wie ein roter Faden Bestandteil meiner eigenen Immobiliengeschichte gewesen. Ich weiß noch, wie ich 2009 wieder und wieder mein Vorhaben durchrechnete, nachdem die Bank mir bestätigt hatte, daß sie bereit war, mir ein Darlehen zu geben, und schließlich entschied, meinen Berechnungen mehr zu trauen als den Warnungen der Experten vor Immobilienerwerb, die damals mal wieder im Chor zu hören waren.  

*** 

Inzwischen habe ich erfahren, daß unser Haus, das wir als "Baujahr 1820" erworben haben, sogar noch wesentlich älter zu sein scheint. Wie alt die Bausubstanz ist, kann ich zwar nicht sagen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg etwa stand im Ort kaum noch ein intaktes Haus, und das Haus kann auch wegen Baufälligkeit ein- oder mehrmals erneuert worden sein. Aber schon davor, um 1550 herum, stand laut den alten örtlichen Grundbüchern an der Stelle, wo heute unser Haus sich befindet, auch schon ein Haus, Eigentümer war bereits damals dieselbe Familie, der unser jetziges Haus bis 1989 gehörte. Ich nehme an, mindestens der imposante und sehr hohe Gewölbekeller unter unserem Haus (das in den Wohnräumen nur knapp über 2 Meter Raumhöhe aufweist) ist auch in der Bausubstanz wirklich um einiges älter als 1820, und er kann sogar noch wesentlich älter als von Mitte 16. Jahrhundert sein, denn da fing man bloß zum ersten Mal damit an, die hiesigen Grundbesitzverhältnisse in Grundbüchern zu dokumentieren. Das heißt also nicht, daß die Leute vorher nicht auch schon in Häusern gewohnt hatten. Die Familie, der das Haus jahrhundertelang gehörte, ist jedenfalls bereits im Jahr 1353 erstmals als Bewohner des Orts genannt worden. Das ist schon ein ganz besonderes Gefühl, als nunmehrige Besitzer dieses Hauses an eine so lange Geschichte anknüpfen zu können. 

Nachdem lange Zeit nichts mehr von der Reform des Gebäudeenergiegesetzes gehört ward, scheint sich da nun endlich wieder etwas zu bewegen. Das wird aber auch Zeit, denn wir warten auf den Gesetzentwurf als Startschuß, um endlich unseren letzten Wohnungsverkauf erneut in Angriff zu nehmen, da nun die Verhältnisse in der Hausverwaltung geordnet sind. Ich bin allerdings skeptisch, ob der Kaufpreis, den mein Mann sich immer noch vorstellt und von dem er auch nicht abrücken möchte, erzielbar sein wird. Meiner Einschätzung nach liegt er nach aktuellen Marktpreisen um etwa 20.000 Euro zu hoch. An solchen Dingen merke ich, wie unterschiedlich Männer und Frauen in Geldangelegenheiten ticken. Ich finde es zwar schade, daß die Marktpreise gesunken sind, aber meine Ehre hängt nicht an dem ursprünglich erwarteten Kaufpreis, da er nun einmal im Moment nicht mit vertretbarem Aufwand erzielbar ist. Es war halt Pech, daß wir nicht schon im ersten Anlauf einen Käufer gefunden haben, der Mieter dann eine halbe Ewigkeit abwesend war und dann auf einmal eine Hausverwaltungskrise sich so zuspitzte, daß es besser war, den Verkauf zu verschieben. 

Da sich die Koalition jetzt darauf geeinigt zu haben scheint, Vermieter an den Energiekosten zu beteiligen, falls sie eine neue fossil betriebene Heizung einbauen, wäre es vielleicht sogar sinnvoll, noch ein Jahr länger abzuwarten und die Wohnung vor dem Verkauf noch mit einer Split-Klimaanlage auszustatten und dazu die Verbrauchsdaten eines Winters vorweisen zu können. Eigentlich haben wir den Verkaufserlös ja längst anderweitig verplant, also ist das erst mal nur unser Plan B, falls es diesen Sommer mit dem Verkauf ebenfalls nicht klappen sollte. Das kann dummerweise wirklich passieren, wenn der Kaufpreis den Marktwert zu weit übersteigt. Also, mal sehen, wie das weitergeht. 

 

Freitag, 24. April 2026

Die Abnehm-Verstopfung. Und: Was mir bei "Bares für Rares" so durch den Kopf geht

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier Fastentagen: 73,6 Kilogramm. Mir ging heute morgen durch den Kopf, daß ich darüber eigentlich enttäuscht sein müßte, denn im Herbst war ich mir ja noch sicher gewesen, in einem halben Jahr dieses Gewicht schon zu Beginn des Fastens zu haben. Aber zu meinen Stärken gehört es, nicht sinnlos herumzuhadern, sondern Fakten als Fakten zu akzeptieren, und auf Basis meines Startgewichts am Montag von 80,3 Kilogramm kann ich wirklich zufrieden sein. Eine Abnahme von 6,7 Kilogramm ist so spektakulär - falls es nicht meine allerhöchste Abnahme in vier Tagen überhaupt sein sollte, zählt sie jedenfalls zu den Top 5 -, daß ich ja sehe, irgendein Sondereffekt hatte mir mein Gewicht am Montag weiter nach oben getrieben, als es normal war. 

Nachdem die letzten Wochen und sogar Monate, mindestens seit Weihnachten, mir wenig Anlaß zur Euphorie geboten haben - immerhin stehe ich gerade, und das kam ziemlich unerwartet, bei einem Gewicht, das vor Fasten wie festgetackert bei 78 bis 79 Kilogramm stehengeblieben ist - habe ich aber netterweise auch mal wieder eine kleine Erfolgsmeldung zu berichten: Gestern habe ich damit begonnen, im Kleiderschrank auszusortieren, damit demnächst die Sommerkleidung wieder einsortiert werden kann. Einige Kleidungsstücke wollte ich noch anprobieren, bevor ich die Entscheidung traf, ob ich sie behalten wollte oder nicht. Dabei stellte sich heraus, daß das einzige Kleidungsstück, das mir vor einem halben Jahr noch zu klein war, eine buntgeblümte Hose in Größe 38 aus dünnerem Jeansstoff, jetzt auf einmal paßt. Nun gut, die Hose sitzt ziemlich knapp, aber ich bekomme jetzt immerhin den Knopf zu, und im Herbst ging das bei aller Anstrengung noch nicht. Ich hatte sie eine Stunde lang an, damit sie sich noch etwas dehnen konnte, und fand sie dann auch nicht mehr unbequem. Irgendwas läuft also doch in meinem Körper ab, das die Waage nicht zum Ausdruck bringt.  

Der Hose hat das den Verbleib in meinem Kleiderschrank gerettet, denn eigentlich war ich entschlossen gewesen, sie auszusortieren. Weil es mit meinem Gewicht neuerdings so gar nicht mehr runtergehen will, hatte ich nämlich entschieden, daß ich keine Kleidungsstücke weiter aufheben werde, die mir zu klein sind. Kleidung zu kaufen, die mir zu klein ist, war sinnvoll, solange ich mit ausreichender Sicherheit und innerhalb absehbarer Zeit mit Gewichtsabnahmen rechnen konnte, und es war toll, daß das jahrelang so gut funktionierte und ich alle zu kleinen Klamotten früher oder später wirklich anziehen konnte. Denn eigentlich warnt ja jeder davor, und das normalerweise auch zu Recht, früher hat das bei mir auch nie funktioniert. 

Und jetzt läuft da vermutlich auch nicht mehr viel. Bis zu meinem Zielgewicht fehlen mir ja nur noch um die fünf Kilogramm. Gut, bei meinem jetzigen Gewicht könnte das eine Kleidergröße hin oder her sein, aber ich muß außerdem erst herausfinden, warum diese fünf Kilos soviel  hartnäckiger als die anderen knapp 70 sind, die sich nicht mehr auf meinen Rippen befinden, und wie ich sie trotzdem noch loskriege. Bis dahin lautet die strikte Regel: Nur Kleidung kaufen, die auch wirklich paßt. 

Die Zeiten, in denen ich auf Flohmärkten auf Verdacht ein Kleidungsstück, das mir gefiel, ohne Anprobieren mitnehmen konnte, wie ich mir das zeitweise angewöhnt hatte, sind vorbei. Das ist mir in der Zeit vor meinem Umzug klargeworden, weil ich irre Mengen Kleidung teils auf eBay verscherbelt, teils in den Altkleidercontainer gebracht, teils in den Müll geworfen habe. Etwa die Hälfte war mir zu groß geworden, vom Rest konnte ich mich im Alltag irgendwie doch nicht an meinen Anblick im Spiegel gewöhnen oder ich hätte, um das Stück tragen zu können, andere Kleidungsstücke ergänzend kaufen müssen. Relativ häufig habe ich bei langärmligen Stücken auch mit zu kurzen Ärmeln zu tun - alleine das ist schon ein guter Grund, unbedingt jedes Kleidungsstück, das ich kaufe, zuvor auch anzuprobieren. Das mache ich schon seit fast zwei Jahren so, aber diese geblümte Hose war eine Ausnahme, Hosen anprobieren ist bei Flohmärkten ja immer besonders lästig. 38 paßt mir normalerweise außerdem. Aber auf Kleidergrößen kann man sich halt nicht verlassen, also war das nicht sonderlich intelligent von mir, sie ohne Anprobieren mitzunehmen. Zumal ich mir das ja eigentlich bereits abgewöhnt hatte. 

Eigentlich ist der Klamottenkauf bei Flohmärkten ja nur deshalb zu meiner bevorzugten Bezugsquelle geworden, weil ich in der Zeit, in der ich ständig kleinere Kleidergrößen benötigt habe, nicht eingesehen habe, für Teile, die mir vielleicht in einem Vierteljahr schon zu groß sein würden, einen Haufen Geld auszugeben. Aber so ein bißchen bin ich auf den Geschmack gekommen. Die Basic-Teile, die ich wirklich brauche, kaufe ich überwiegend neu, weil man das, was man wirklich benötigt, ja auf Flohmärkten grundsätzlich nie findet. (Erst nachdem man es angeschafft hat, sieht man es plötzlich ständig.) Aber Kleiderständer bei Flohmärkten schaue ich mir wirklich gerne an, seit ich wieder damit rechnen darf, dort etwas zu finden, das mir nicht nur gefällt, sondern auch paßt. Mit dem Einkaufen habe ich es deshalb zeitweise doch übertrieben, so kam es zu den Klamottenbergen in meinem Schrank. Aber ich bin ja lernfähig und möchte es künftig so weit nicht mehr kommen lassen. Da wir in der Nachbarschaft einen Altkleidercontainer haben, ist es auch kein Staatsakt mehr, ein einzelnes Stück spontan auszusortieren und aus dem Haus zu bekommen. Denn ich nehme  an, daß auch künftig das eine oder andere Stück, das mir beim Kauf so gut gefallen hat, im Alltag dann doch nicht getragen wird. Das geht, glaube ich, fast allen so. 

Aber zurück zur Frage, was sich da eigentlich gerade in meinem Innenleben abspielt. Bekanntlich glaube ich ja fest an Ursachen und Wirkungen. Ich erlebe also gerade an der Hartnäckigkeit, mit der mein Gewicht nicht weiter runtergehen will, eine Wirkung, deren Ursache ich nicht kenne. Das macht es natürlich schwierig, eine Herangehensweise zu finden, um die Ursache zu beseitigen. Ich werde dafür experimentieren müssen, und es kann durchaus sein, daß ich eine Weile brauche, bis ich die Lösung gefunden habe. Nachdem ich mir die Sache schon seit etlichen Wochen durch den Kopf gehen lasse, wird mein erster Versuch darin bestehen, daß ich mich mit der latenten Verstopftheit befasse, die seit der Antikörpertherapie mein unerwünschter Begleiter geworden ist und mal dezenter, mal aufdringlicher auftritt. Einfach wegen des zeitlichen Zusammenhangs - das ist etwas, das sich verändert hat, und vielleicht besteht ein Zusammenhang mit der Veränderung, daß mein Gewicht nicht mehr weiter runter will. 

Zu wenige Ballaststoffe, zu wenig Trinken und zu wenig Bewegung können in meinem Fall kaum die Ursache sein, also bietet das auch keinen Ansatzpunkt für die Lösung. Aber ich werde es jetzt zunächst mal mit täglicher Einnahme von Flohsamenschalen oder Leinsamen probieren, denn die habe ich ja sowieso im Haus. Was ich noch auf mich zukommen lassen werde, ist, ob ich das, wenn ich mich verstopft fühle, auch an Fastentagen tun werde. Das entscheide ich nach Bauchgefühl und erkennbarer Wirkung auf die Verstopfung. Ob ich das dauerhaft beibehalte, hängt nicht davon ab, ob das dazu führt, daß ich wieder abnehmen kann (auch wenn dies der Auslöser für den Test war und als Wirkung freudig willkommen geheißen würde), sondern ob es das bewirkt, was es bewirken soll. Ich habe jetzt, glaube ich, lange genug abgewartet, ob die Trastuzumab/Pertuzumab-Verstopfung - das war meiner Meinung nach der Auslöser, und so schien es durchaus möglich, daß es mit zeitlichem Abstand nachlassen würde - von alleine wieder vergeht. Jetzt werde ich da aktiv, und vielleicht habe ich ja Glück und beseitige auch die Abnehm-Verstopfung.

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Als Nachklapp zu meiner Analyse dessen, was die neuen Leitlinien zur Ernährung bei Krebs über ketogene Ernährung und Fasten enthalten, habe ich in deren Quellen immerhin drei mir bislang nicht bekannte Studien zur Thematik der ketogenen Ernährung vorgefunden, von denen immerhin bei zweien der Volltext ohne Bezahlschranke zugänglich war, und fand nun Zeit, mal einen Blick auf sie zu werfen. Denn immerhin wurden sie deshalb als Quellen zitiert, weil die Autoren der Leitlinie, federführend dabei meine spezielle Freundin Jutta Hübner, sie als Beweis dafür betrachteten, daß ketogene Ernährung etwas ist, wovon abgeraten werden müsse. 

Diejenige, die mich am meisten interessiert hätte, weil es bei ihr immerhin um Brustkrebs geht (lokal fortgeschrittener oder metastasierter Brustkrebs in diesem Fall), war dummerweise die eine, von der ich nur den Abstract zu Gesichte bekam. In der Leitlinie wird sie als Beleg für eine kalorienunabhängige Gewichtsabnahme durch ketogene Ernährung präsentiert, und in der Tat haben die 30 Patientinnen in der Interventionsgruppe nach Aussage der Autoren tatsächlich Gewicht verloren, was die Autoren - anders als die Frau Prof. - aber offenbar nicht alarmierend fanden, sondern im Gegenteil eine verbesserte Körperszusammensetzung und niedrigere Blutzuckerwerte als positiv erachteten. Sie befürworten den Einsatz ketogener Ernährung, weil a) keine gravierenden Nebenwirkungen auftraten und b) das Gesamtüberleben der Patientinnen das der normal ernährten Kontrollgruppe übertroffen hat. Warum Jutta Hübner sich in dieser Studie auf den von ihr für negativ gehaltenen Faktor der Gewichtsabnahme stützt, aber ein verbessertes Überleben für unbedeutend hält, bleibt wohl weiter ihr Geheimnis. 

Studie Nummer 2 betraf Frauen mit Krebserkrankungen der Eierstöcke und Gebärmutterschleimhaut, und untersucht wurde dabei die Lebensqualität der Patientinnen, die im Anschluß an eine Operation zwölf Wochen lang einer sehr strikten ketogenen Ernährung (unter 20 Gramm KH/Tag - meiner Erfahrung nach relativ leicht machbar, wenn auch durchaus einschränkend, aber dafür ohne Kalorienvorgabe) folgen sollten und entsprechend angeleitet wurden. Das heißt, hier war die Frage des längeren Überlebens nicht das Thema. Am Rande wurde erwähnt, daß zwei Patientinnen während des Zwölf-Wochen-Zeitraums starben, aber nicht, welcher der beiden Gruppen (Intervention und Kontrollgruppe) sie angehörten. Auch las ich nichts darüber, in welchem Stadium der Erkrankung sie waren, aber ich habe die Sache auch nur flüchtig überflogen. Zwei Todesfälle innerhalb von zwölf Wochen sprechen aber eher für Krebserkrankungen in einem fortgeschrittenen Stadium. 

Von 73 Patientinnen, die die Studie beginnen, streckten sage und schreibe 16 sofort die Waffen, weil sich die Zeitpläne ihrer konventionellen Behandlung nicht mit denen der Studie in Deckung bringen ließen. Sowohl in der Interventions- wie auch in der Kontrollgruppe brachen sechs Patientinnen während der zwölf Wochen die Sache wieder ab, darunter waren drei, die die Ernährungsweise nicht fortsetzen wollten, also augenscheinlich der Interventionsgruppe angehörten. Beendet haben sie 20 Patientinnen in der Interventions- und 25 in der Kontrollgruppe.

Die Ergebnisse sprechen bezüglich der subjektiv empfundenen Lebensqualität jedenfalls nicht gegen eine ketogene Ernährung, denn tatsächlich hatten die Patientinnen in der Keto-Gruppe weniger Hunger als die in der Kontrollgruppe, und das Verlangen nach bestimmten Arten von Essen war in etwa gleich wie bei der Kontrollgruppe, obwohl die Kontrollgruppe ja keine Ernährungsvorschriften bekam. Ob auch diese Patientinnen abgenommen haben, wurde nicht dokumentiert, ist aber nicht ganz unwahrscheinlich. 

Studie Nummer 3 befaßte sich mit Männern mit Prostatakrebs, die im Anschluß an die konventionelle Behandlung (OP und Bestrahlung) sechs Monate lang eine ebenfalls sehr kohlenhydratarme (unter 20 Gramm pro Tag) ketogene Ernährung einhalten sollten. 57 Patienten wurden in eine Interventionsgruppe (30 Personen) und eine Kontrollgruppe unterteilt, allerdings beendet, nachdem 45 von ihnen die Studie durchlaufen hatten, weil sich keine signifikanten Vorteile durch die ketogene Ernährung ergeben hatten. Bemerkenswert fand ich, daß es in der Kontrollgruppe mehr Dropouts als in der Interventionsgruppe gegeben hatte (8 vs. 4). 

Auch an dieser Studie erschreckte die Autoren der Leitlinien vor allem die hohe Gewichtsabnahme der Patienten in der Interventionsgruppe, 12,3 Kilogramm innerhalb von sechs Monaten. Nicht erwähnt wurde von ihnen, daß der durchschnittliche BMI dieser Patienten vor Beginn bei 29,3 gelegen hatte und im Mittel nach den sechs Monaten bei zwischen 25 und 26 lag, also unter anderen Umständen für eine erfreuliche Verbesserung gehalten worden wäre. Was sich aus der Studie nicht ergibt, aber aufgrund von Erfahrungswerten anzunehmen wäre, ist, daß die Abnahme von durchschnittlich ungefähr zwei Kilogramm im Monat sich wahrscheinlich bereits erheblich verlangsamt hatte und sich auch nicht mehr allzu stark erhöht hätte. Ungefähr zwei Kilo sofortig Wasser-Wiederzunahme haben die Patienten außerdem unmittelbar nach der Rückkehr zur Normalernährung sowieso zu erwarten. 

Unter dem Vorbehalt, daß ich den Volltext der ersten Studie nicht gesehen habe: Keine dieser drei Studien ergab irgendwelche echten (nicht nur behaupteten) gesundheitlichen Nachteile für die Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe, tendenziell waren es sogar eher leichte Vorteile, wenn auch nicht im sogenannten "signifikanten" Bereich. Das könnte bedeuten, daß der Vorteil bei allen geringfügig war (aber was spricht gegen geringfügige Vorteile, die man nahezu kostenlos mitnehmen kann?), für wahrscheinlicher halte ich es aber (weil das auch bei dem Einsatz bei Diabetes so ist), daß die Vorteile ungleich verteilt waren und man also bei den Ergebnissen näher hinsehen müßte, um herauszufinden, ob es Patientengruppen gibt, denen man das besonders empfehlen oder bei denen man von vornherein darauf hinweisen könnte, daß es vermutlich nur geringe oder keine Wirkung zeigen wird - was aber nicht davon abhalten muß, es dennoch zu versuchen, weil das Zusammenspiel der Stoffwechseleinflußfaktoren so komplex ist, daß es im individuellen Fall doch anders sein wird. Keine dieser Studien enthält eine nachvollziehbare Begründung, warum von ketogener Ernährung pauschal abgeraten werden sollte. Außer natürlich diese komischen kabbalistischen Zahlenmagiespielchen mit der Waage, die manche Leute mit Wissenschaft verwechseln. 

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Wer hier schaut sich auch - manchmal oder regelmäßig - die Sendung "Bares für Rares" an, in der normale Leute Wertsachen, Kuriositäten und sonstige möglicherweise gut verkäufliche Sachen von einem Experten schätzen und, sofern es sich nicht als wertlos oder gefälscht herausstellt, meistbietend an einen von fünf bis sechs teilnehmenden Händlern verkaufen können? Ich kenne das von den Besuchen bei meiner Mutter, die das gerne sieht, und so hat es sich ergeben, daß ich auch auf YouTube gelegentlich darauf klicke und mich dann manchmal auch durch mehrere Folgen hangle - oder einzelne herausgeschnittene Geschäfte -, aber das hält selten allzu lange an, weil sich ja doch die Situationen, in die man als Verkäufer und Händler gelangen kann, schnell zu wiederholen beginnen und man anfängt, bestimmte Muster zu erkennen, worauf die Sache für mich an Reiz verliert. 

Bei den erstaunlich wenigen Fällen, in denen Verkäufer in der Sendung etwas verkaufen wollen, das sie einmal selbst erworben haben, fiel mir immer wieder auf, daß es Leute gibt, bei denen der Geldbeutel auch bei hochpreisigen Objekten wie Schmuck oder Antiquitäten sehr locker sitzt. Das sind Leute, die sich an den Gedanken gewöhnt haben, sich um Geld keine ernsthaften Sorgen machen zu müssen. Diese Fälle sind es aber auch häufig, in denen die Preisvorstellung des Verkäufers nicht erreicht werden kann, der beim Verkauf natürlich seinen damaligen Kaufpreis in Erinnerung hat und vielleicht auch noch auf eine Wertsteigerung hofft, und dann erweisen sich gerade diese Leute häufiger als eher kleinlich; aus diesem Teil kommt die Mehrheit derjenigen, die am Ende ihr gutes Stück wieder nach Hause tragen, weil die Angebote ihnen zu niedrig waren. Der Marktwert kann zum Verkaufszeitpunkt aber auch niedriger liegen als zum Zeitpunkt des Erwerbs. Das kann passieren, denn Moden kommen und gehen und das hat selbstverständlich Auswirkungen auf den Marktpreis. Möglich ist es aber auch, daß der Verkäufer von vornherein einen überhöhten Preis bezahlt hat oder zusätzlich sogar falsche Informationen über das Alter, die Herkunft und den Wert bekam. 

Der typischste Fall ist der Verkauf eines Erbstücks, meistens aus der Familie. Irgendwo las ich, die Sendung sei ein Ausdruck unserer Erbengesellschaft, und da ist in der Tat etwas dran. Erben sind heutzutage meistens schon um das Renteneintrittsalter herum, sie haben sich in ihrem Leben und ihrer Behausung längst eingerichtet und fangen mit den meisten Einrichtigungsgegenständen des Erblassers nicht viel an, auch nicht mit Gemälden oder Schmuck oder anderen Wertsachen. Es liegt deshalb nahe, sie zu versilbern, und sei es, nachdem das Erbstück zehn Jahre im Keller oder Dachboden stand, weil man es dem Erblasser schuldig zu sein glaubte, sie nicht einfach zu verscherbeln. Nur, wenn es wertvolle Dinge sind, dann ist es natürlich andererseits auch eine Mißachtung des Erblassers, sie im Keller verschimmeln zu lassen. Insofern ist der Verkauf in diesen Fällen am häufigsten  nachvollziehbar die bestmögliche Entscheidung. 

Das Nächsthäufigste sind Geschenke, und das ist schon heikler, jedenfalls wenn der Schenker noch lebt und womöglich ebenfalls gerne Bares für Rares schaut. Aber zu der Sendung kommen auch Leute mit Sachen vom Sperrmüll oder Flohmarkt, und nur die wenigsten geben, meist etwas verklausuliert, zu, daß die Jagd nach einem unerkannten Wertgegenstand, den man für einen Appel und ein Ei bekommt und zu Geld machen kann, der Grund ist, warum sie überhaupt Flohmärkte besuchen. Das ist natürlich legitim, hat aber schon etwas leicht Anrüchiges, da ja die Unkenntnis oder die Gutmütigkeit des Flohmarktverkäufers ausgenutzt wurde, um selbst einen Reibach machen zu können. Wenn in solchen Fällen der Wunschpreis deutlich unterschritten wird, verspüre ich immer so eine kleine Genugtuung, sozusagen in Solidarität mit dem unbekannten Flohmarktverkäufer. 

Beim Sperrmüll oder Verschenkkisten ist die Sache unkomplizierter, ebenso, wenn man Freunden beim Entrümpeln hilft oder mit Gebäudesanierungen zu tun hat und dabei etwas vor der Entsorgung bewahrt hat. Es fliegt sowieso viel zu viel in den Müll, da spielt es keine Rolle, ob jemand das Teil, das er davor bewahrt, selbst brauchen kann oder hofft, es zu Geld machen zu können. 

Manchmal zielen die Gründe, warum es abgegeben wird, oder der Zweck, für den der Erlös bestimmt ist, ersichtlich darauf ab, noch ein paar Euro mehr, als andernfalls geboten würden, bei den Händlern herauszuschinden, und das funktioniert auch recht häufig. Komischerweise kann ich mich aber an keinen einzigen Verkäufer bei Bares für Rares erinnern, der offen zugab, daß er seinen Wertgegenstand verkauft, weil er das Geld dringend braucht. Für mich wäre dies in vielen Fällen aber der einzige Grund, den ich für einen Verkauf nachvollziehen könnte. Das gilt etwa in den Fällen, in denen der Verkäufer sich am Ende nur erkennbar widerstrebend von dem verkauften Gegenstand trennt. Warum sollte man denn etwas verkaufen, das man eigentlich nicht gerne hergeben will, wenn man nicht das Geld nötig braucht? 

Pi mal Augenmaß in jedem zehnten Fall kommt das Geschäft nicht zustande. Meistens deshalb, weil der Wunschpreis zu weit unterboten wurde, aber es ist auch schon passiert, daß ein Käufer sich plötzlich doch nicht mehr dazu überwinden konnte, sein Objekt herzugeben, auch nicht zu einem angemessenen oder sogar überdurchschnittlichen Preis. Beeindruckt war ich von einem außergewöhnlichen Fall. Ein Mann erfuhr, daß das Objekt, das er geerbt hatte, von einer Freimaurerloge stammt, die heute noch existiert. Schon von dem Moment an, als er das erfahren hatte, merkte man, daß er anfing, sich unwohl zu fühlen. Aus seiner Sicht war damit sein Eigentumsrecht in Frage gestellt, obwohl er sich natürlich nichts vorzuwerfen hatte. Von den Ursprüngen des Objekts hatte er ja keine Ahnung gehabt. 

Die Expertenschätzung von um die 2000 Euro führte doch noch dazu, daß der zu erwartende Erlös verlockend genug war, daß er das Objekt den Händlern anbot. Der Schätzpreis war bereits übertroffen und wäre vermutlich noch sehr viel deutlicher übertroffen worden. Aber dann brach er die Sache auf einmal ab. Er haben sich anders entschieden und wolle nicht mehr verkaufen. Er werde die Loge anrufen, der das Objekt ja in Wirklichkeit gehöre, und sie könne es bei ihm abholen. Die Händler brauchten einen Moment und zwei, drei Rückfragen, bis sie begriffen hatten, daß er keineswegs selbst direkt an die Loge verkaufen (und noch mehr Geld herausschlagen) wollte, sondern der früheren und seiner Meinung nach rechtmäßige Besitzer es vielmehr kostenlos zurückerhalten sollte. Und wie hätten sie das auch sofort kapieren sollen, da sie sich ja während des Bietergefechts auch darüber unterhalten hatten, daß die Loge sicherlich interessiert sein würde, es vom Meistbietenden zurückzubekommen? Eine solche Transaktion schien ihnen ganz normal. Aber dem Verkäufer offenbar nicht, denn genau dieses Gespräch zwischen den Händlern hat wohl dazu geführt, daß der moralische Kompaß des Verkäufers ihm deutlich signalisierte, daß das, was er tat, seinen Vorstellungen von Richtig und Falsch widersprach. Und das bedeutete ihm mehr als ein Erlös von 2500 Euro aufwärts. 

Interessant an dieser kleinen Szene finde ich vor allem, weil es sehr schön illustriert, wie auch das Verhalten von "Mitläufern" in Diktaturen von einem Moment zum nächsten umschlagen kann. Jeder Mensch hat irgendwo eine persönliche Schmerzgrenze beim "Mitschwimmen im Strom" und Mittragen von Dingen, die eigentlich seinem Gerechtigkeitsgefühl widersprechen. Sogar dann, wenn man vieles mit gemischten Gefühlen hinnimmt, das einem eigentlich nicht gefällt, kann das beim Überschreiten dieser Grenze auf einmal in aktiven Widerstand umschlagen. Bei den meisten Leuten ist freilich das persönliche Gerechtigkeitsgefühl um einiges flexibler. Mir gefiel es, daß dieser Schwabe im Berliner Exil zu der Minderheit der anderen gehörte und lieber auf den vierstelligen Betrag verzichtete, den er andernfalls hätte bekommen können, als sich seinem Empfinden nach unberechtigt zu bereichern. 

Vermutlich ist das, worüber ich bei Bares für Rares so nachdenke, nicht das, was dazu führte, daß die Sendung schon seit fast anderthalb Jahrzehnten läuft und sich nach wie vor nicht totgelaufen zu haben scheint, denn mit meiner Motivation wäre schon längst eine Übersättigung eingetreten und die Einschaltquoten würden die Sache für den Sender immer weniger rentabel machen. Vermutlich ist es der Kitzel, daß man gefahrlos bei anderen Leuten miterleben kann, wie sie Erfolg haben und manchmal auch scheitern, ohne sich selbst dabei einem Risiko (aber auch nicht der Gewinnmöglichkeit) auszusetzen, der die Leute an den Fernseher treibt, wenn diese Sendung kommt. Es ist, so betrachtet, die perfekte Mischung aus Gameshow, Wrestling und Lottozahlen. 

Ich sehe das Konzept der Sendung auch deshalb etwas zwiespältig, weil ich den Leuten nicht immer ihre Geschichten abkaufe, vor allem, wenn es um die Begründung für den Verkauf geht, und weil sie nicht nur dadurch etwas ziemlich Voyeuristisches hat. Auch das oberflächliche Süßholzgeraspel von Horst Lichter wird mir manchmal zuviel. Und dann, wie erwähnt, wiederholen sich halt bestimmte Konstellationen immer wieder, und so verliert für mich auch der Spannungsfaktor, wenn es um die Gebote der Händler geht, seinen Reiz. Das Salz in der Suppe und was mich dann doch, meist nach Monaten, doch wieder neu verlockt, sind die Kuriositäten, also Dinge, die man noch nie gesehen hat und sich oft nicht einmal vorstellen kann, wofür sie gut sein sollen, nicht die Sachen, die jeder auf Anhieb als wertvoll erkennt, und die sind auch der Grund, warum ich immer mal wieder doch einen Bares-für-Rares-Anfall bekomme. Derselbe Faktor triggert mich auf Flohmärkten genauso, diese "Was zum Teufel soll das das sein und wofür ist es gut?"-Momente. Meine Wohnung ist voll mit Objekten, die ich gekauft habe, weil ich sie einfach ungewöhnlich und deshalb reizvoll fand. Das führt leider auch dazu, daß bei mir Dinge nur sinnlos herumfahren, und deshalb ist es gut, daß ich einmal im Jahr einen Flohmarktstand habe, dem ich das, was jahrelang nur in Schubladen herumlag, wieder zuführen kann. Das können Sachen sein, von denen ich irrtümlich glaubte, sie würden sich als nützlich erweisen, solche, an denen ich mich sattgesehen habe, aber eben auch Kuriositäten, die für mich weder nützlich sind noch irgendwo dekorativ zur Geltung kommen, die ich aber in einem Moment der Kauflust unbedingt haben zu müssen glaubte. Es dauert übrigens für gewöhnlich ein paar Jahre, bis ich das eingesehen habe und das Objekt in die Flohmarktkiste wandert.

Aber ein Fall für Bares für Rares ist bei mir sehr wahrscheinlich nicht dabei, und falls es beim Kauf unerkannt doch einer wäre, dann bleibt er das vermutlich nicht. Was ich kaufe, muß für mich nämlich alltags- oder dekorationstauglich sein, sprich: Es wird benutzt, es wird staubig und wird gelegentlich - viel zu selten - gesäubert, es bekommt Gebrauchsspuren oder fällt mal herunter und wird dann geklebt. Das ist in Ordnung für mich, so etwas müssen die Dinge, die ich kaufe, abkönnen, denn ich kaufe nichts als Wertanlage oder Sammlerobjekt. Ich verfüge über kein Sammler-Gen, und ich fände es eher unangenehm, teuren Schmuck zu tragen oder ein Objekt zu besitzen, das so wertvoll ist, daß ich es von vornherein nicht riskieren dürfte, daß es versehentlich beschädigt wird. Von all den Schutzmaßnahmen, mit denen ich mich vor Diebstahl oder Beschädigung schützen müßte, würde ich mich viel zu sehr in meiner Handlungsfreiheit eingeschränkt fühlen. 

Außerdem sind Billigkopien oft genauso schön wie die Originale. Ich besitze zum Beispiel eine goldfarbene Kaminuhr, die auf unserem Wohnzimmerbüffet steht, im Empire-Stil, aber mit einem chinesischen Batterie-Uhrwerk, also in jedem Fall eine Replik aus jüngerer Zeit. Außerdem hatte sie schon eine reparierte Beschädigung, als ich sie für einen Euro auf dem Flohmarkt kaufte, und das unmögliche Umzugsunternehmen, das unseren Hausstand transportierte, hat dem noch eine weitere hinzugefügt, die aber glücklicherweise ebenfalls nach Reparatur nur noch zu sehen ist, wenn man ganz genau hinschaut. Ich mag diese Uhr, weil ich sie schön finde. Sie zeigt eine entrückt lächelnde junge Frau in einem langen, faltenreichen Kleid vor zwei antiken Säulen, die das Uhrgehäuse tragen, als antikisierendes Requisit. Das Gehäuse wird von zwei Putten rechts und links gestützt. Die Frau spielt auf einer Laute, zwei nackte Kinder begleiten sie auf einer Flöte und einer Trompete. 

Was würde diese Uhr besser geeignet machen, auf unserem Büffet zu stehen, wenn sie ein Original wäre und mich, sagen wir, dreitausend Euro gekostet hätte? Genießt man den Dekorationswert dieses Stücks während seines normalen Aufenthalts im Wohnzimmer, fällt der Unterschied gar nicht auf, auch wenn man, hätte man Original und Imitation direkt nebeneinander, vermutlich Unterschiede erkennen würde. Wenn ich mir vorstelle, ein Kenner käme bei mir ins Wohnzimmer herein und würde bei dieser Uhr als erstes checken, ob sie "echt" ist, und sie anschließend keines Blickes mehr würdigen, weil sie halt aus seiner Sicht Schrott ist, dann hat er meiner Meinung nach auch keine Originale verdient, die ja auch schön sind, weil der Gestalter eine schöne Uhr gestalten wollte, nicht, damit sie einen möglichst hohen Sammlerwert bekommt - was am besten gelingt, indem man sie von vornherein nicht auspackt und sich damit auch nicht an ihr erfreuen kann. 

Wie der typische Bares-für-Rares-Verkäufer habe ich versucht, mich im Internet über meine Uhr schlau zu machen, aber ich fand kein Gegenstück, weder vom wahrscheinlich teuren Original noch von der chinesischen Billigkopie, die ich habe. Vermutlich läge mir die Sendung "Kunst und Krempel" mehr als "Bares für Rares", bei der geht es nur darum, sich ein Objekt aus dem eigenen Besitz von einem Experten erklären zu lassen, nicht um einen meistbietenden Verkauf. Und eigentlich wüßte ich tatsächlich gerne mehr - über die Billigkopie wie auch über das Original, das ihr als Vorlage diente. Aber sogar dann, wenn ich das billige nachgemachte Objekt, das ja anscheinend auch nicht mehr am Markt aufzutreiben ist, wenn man danach sucht, mit Gewinn verkaufen könnte - und bei einem Euro Kaufpreis gehört dazu ja auch nicht viel - würde ich es halt nicht hergeben wollen. Ich suche auf dem Flohmarkt keine Wertanlagen, sondern Dinge, die praktisch einsetzbar sind oder mein Auge erfreuen ... und manchmal kann ich auch dem nicht widerstehen, was ich kurios oder skurril finde. 

Was mir noch zu "Bares für Rares" in den Sinn kam: Es handelt sich meistens um Objekte, die schon den Erstbesitzer eine ziemliche Stange Geld gekostet hatten. In den meisten Familien würde man kein einziges vorfinden, das ein Fall für diese Sendung sein könnte. Das gilt sogar für viele dieser Kursiositäten oder Spielzeug. Die meisten Spielsachen in einem durchschnittlichen Kinderzimmer würde man nie im Leben für mehr als ein paar Euro verkaufen können. Altes Spielzeug, das heute etwas wert ist, war schon damals teuer. Die Sammlerlogik führt zu der Absurdität, daß ein Spielzeug, mit dem wirklich gespielt wurde und das dabei die eine oder andere Schramme abgekriegt hat, drastisch an Wert verliert, während "unbespielte" Spielsachen, die womöglich nie ihrer Originalverpackung entnommen wurden, den höchsten Sammlerwert haben. Das hat schon etwas Perverses. Ein Spielzeug, mit dem nicht gespielt wird, verfehlt seinen Sinn. Eine Puppe in einer Vitrine hat weniger echten Wert als eine, deren Anblick einen noch mit sechzig daran erinnert, wie man als Kind einst mit ihr gespielt hat. 

Meine alten Puppen liegen in einem Wandschrank in meinem früheren Kinderzimmer im Haus meiner Mutter. Aber mein Teddybär Hansi hat mich bis heute begleitet und sitzt jetzt in meinem Arbeitszimmer im Regal. Er ist vielfach repariert, hat abgeschabte Stellen im Fell und einmal mußte ich ihn gegen Motten behandeln. Man kann es nicht abstreiten, ein Sammlerstück ist er nicht, obwohl er um die sechzig Jahre alt ist. Dafür ist er viel zu ramponiert. Wahrscheinlich wird er im Müll landen, wenn ich einmal gestorben bin, es sei denn, ich ergänze in meinem Testament, daß er mit mir ins Grab  mitgegeben werden soll. Und vielleicht sollte ich das wirklich machen, denn ich finde, das hat mein Hansi nicht verdient. Wenn ich einmal im Sarg liege, werde ich ja auch einigermaßen ramponiert sein, also passen wir dann gut zusammen. Außerdem gefällt mir der Gedanke, künftigen Archäologen damit eine Rätselaufgabe zu stellen. 

Schade, daß es bestattungsrechtlich nicht zulässig ist, zu verfügen, daß aus der persönlichen Habe ein Scheiterhaufen errichtet werden solle, der mit einem verbrannt wird. Das, finde ich, hätte Stil. Mir ist nämlich schon klar, daß all diese Sachen, die ich auf Flohmärkten zusammengekauft habe, weil ich sie schön fand, und die ich immer noch so schön finde, daß sie weiter meine Wohnräume zieren, ohne den inneren Zusammenhang zwischen ihnen und mit meinem Leben in den Augen anderer einmal ziemlich glanz- und reiz- sowie natürlich auch ziemlich wertlos erscheinen werden. Und nach meinem Tod wird dieser Zusammenhang halt wegfallen, dann kommt vermutlich der Entrümpler, und der wird auch nur einen Bruchteil davon noch für verkäuflich halten. Aber dieser Teil landet dann eher wieder auf den Flohmarkt als im Antiquitätengeschäft, und das finde ich eigentlich ganz tröstlich, denn da kam vieles davon ja auch her, also tritt es wieder in einen Kreislauf ein. 

Zurück zu Bares für Rares: Die Leute, die ein Objekt aus Familienbesitz anbieten, müssen also aus Familien kommen, die bereits mindestens wohlhabend waren, als es angeschafft wurde. Jeder leistet sich ja zuweilen Dinge, die er sich eigentlich gar nicht leisten kann, aber die Spielräume, innerhalb derer man das tun kann, hängen halt doch sehr von den Lebensverhältnissen ab. Wenn zum Beispiel ein Arbeiter der sechziger Jahre sich für ein Objekt der Begierde finanziell zu übernehmen bereit war, hat er vielleicht von einem Ferrari oder Porsche geträumt, aber dabei heraus kam am Ende ein Opel, der eine Klasse besser war, als es seine finaziellen Verhältnisse zuließen, oder im höchsten Fall eine der günstigeren Daimler-Varianten. Die meisten der bei Bares für Rares angebotenen Dinge hätten diese Spielräume für die meisten Menschen zum Angebotszeitpunkt gesprengt. Mir geht es öfter durch den Kopf, wenn ich die Sendung sehe, daß dann auch unter den Verkäufern in der Sendung eine gewisse Ungleichverteilung bestehen müßte, daß nämlich Leute, die aus reichen Familien stammen, überrepräsentiert sind, auch dann, wenn sie selbst es nicht mehr sein sollten. 

Ich bin gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis das Konzept von Bares für Rares nicht mehr funktionieren wird. Denn die heutige Erbengesellschaft ist ja noch gar nichts gegen das, was in dieser Hinsicht noch auf uns zukommt. Die Erben der geburtenstarken Jahrgänge werden es einmal viel schwerer haben, die Hinterlassenschaft ihrer Eltern zu versilbern, wenn sie das versuchen wollen, weil ihr Abtreten nicht nur bei Immobilien, sondern auch bei den Dingen, die sich darin befinden, zu einem Überangebot führen wird. Ähnlich, wie heute Bauernschränke und anderes historisches Mobiliar - von bestimmten Stücken abgesehen - nicht mehr die Preise der achtziger und neunziger Jahre erzielen (dasselbe gilt für Klaviere, bemalte Milchkannen, alte Nähmaschinen und noch so manches andere, die früher teuer waren, einem heute aber mehr oder weniger nachgeworfen werden), wird wohl auch für die meisten andere Arten von Antiquitäten und Sammlerstücken aller Art ein Überangebot entstehen. Da muß ein Objekt schon sehr bedeutend und sehr selten sein, daß es davon die Ausnahme ist. Bares für Rares würde dann wohl so, wie es heute ist, nicht mehr funktionieren. 

Aber wer weiß, welche anderen Variablen sich außerdem noch verändern werden. Ich staune ja immer wieder, wie billig Dinge auf Flohmärkten angeboten werden, die ich selbst einmal neu gekauft und für sie den vielfachen Preis bezahlt habe. Nimmt man an, daß das Gesetz von Angebot und Nachfrage hier eine Rolle spielt, dann muß man festhalten, daß es für gebrauchte Artikel nur im tiefsten Niedrigpreissektor überhaupt eine Nachfrage gibt - es sei denn, es handelt sich um Sammlerobjekte oder andere Dinge, die eine speziell interessierte Zielgruppe haben. Diese Relationen können sich aber dann wieder verändern, wenn irgendetwas dazu führen sollte, daß der Überfluß an Waren aller Art sich verknappt. Für den Moment spart man jedenfalls einen Haufen Geld, wenn man Dinge, die man im Alltag benötigt, auf Flohmärkten kauft, falls es sich ergibt, daß man dort genau das Passende findet. Dafür braucht man freilich den Genossen Zufall als Verbündeten, denn meiner Erfahrung nach ist es sinnlos, sich den Kauf eines bestimmten Artikels auf dem Flohmarkt vorzunehmen, weil man ihn dann sowieso nicht findet. 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Dienstag, 21. April 2026

Die Onko-Astrologin

Mein Gewicht heute früh nach dem ersten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 77,7 Kilogramm. Gestern früh habe ich ärgerlicherweise die 80-Kilo-Marke gerissen. Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet, und ich muß mir folglich für dieses Sommerhalbjahr irgendetwas einfallen lassen, denn so kann das natürlich nicht weitergehen, daß mein Gewicht weiter nach oben schleicht, statt runterzugehen, wie ich das eigentlich nach zwei LC-Phasen und einem zweiten "Endspurt" erwartet hatte. Leider habe ich aber im Moment noch keinen Schimmer, was das sein könnte, das ich machen kann. Aber kommt Zeit, kommt Rat. 

Sorry außerdem, daß ich mich so lange nicht gemeldet habe. Es gibt keinen "vernünftigen" Grund dafür, außer, daß ich nie genug Muße hatte, um mich mal ein Stündchen intensiv genug mit einem Blogartikel zu befassen. Unsere Küchenbaustelle macht meinen Alltag nach wie vor ein bißchen mühsam, wir haben 8 Kubikmeter Erde für den Garten vor die Gartentür geliefert bekommen und in einem Gewaltakt binnen drei Tagen mit Schaufel, Eimer und Schubkarre durch die Terrasse hindurch und die vier Treppenstufen hinauf an insgesamt drei Zwischenlagerplätze im Garten geschafft (über zu wenig Bewegung in letzter Zeit konnte ich mich echt nicht beklagen), und zwischendurch saß ich an eiligen Projekten, und dazu kam noch allerhand sonstiger Kleinkram, oft solcher, für den ich kurzfristig alles fallenlassen mußte, was ich in der Hand hatte, und mich sofort darum kümmern. 

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Meine spezielle Freundin, die Frau Professorin Jutta Hübner, tingelt mal wieder durch die Medien, um alle Welt vor Krebsdiäten zu warnen. Anlaß sind die aktualisierten Leitlinien zur Ernährung bei Krebs (hier außerdem die ausführlichere Langversion). Es ist keine sonderliche Überraschung, daß sie in diese Warnung auch ketogene Ernährung und Fasten mit einschließt, und ebensowenig, daß sie dies mit denselben Risiken begründet, die schon bei ihren früheren Publikationen aufgezählt wurden, sich aber näher betrachtet (insbesondere hier und hier) nicht im Entferntesten als stichhaltig erwiesen, und manches davon sogar unfreiwillig komisch wäre, wenn es nicht real existierende Patienten schädigen würde. Das gilt vor allem für die ach so rührende Besorgnis um eine mögliche und nach Meinung von Jutta Hübner um beinahe jeden Preis unbedingt zu vermeidende Gewichtsabnahme von Krebspatienten. Dies nämlich ist ihr Hauptargument nicht nur gegen das Fasten, sondern auch bei ketogener Ernährung. 

Man würde sich wirklich wünschen, daß Hübner sich einmal in einen fachlichen Austausch mit Adipositasmedizinern begibt. Denen ist das nämlich überwiegend völlig neu, daß es kalorienunabhängige Gewichtsabnahmen wirklich gibt, obwohl genau dies der Punkt ist, in dem Hübner tatsächlich richtig liegt. Falsch liegt sie dafür mit der Annahme, daß das von ihr heraufbeschworene Risiko einer Mangelernährung an der Bewegung abgelesen werden kann, die der Zeiger einer Personenwaage beim Patienten macht. Tatsächlich sind bei Krebserkrankungen im nicht metastasierten Stadium die meisten Gewichtsabnahmen entweder neutral (bei Normalgewicht) oder positiv zu werten (bei Übergewicht). Bei von vornherein untergewichtigen Patienten ist es richtig, vorsichtiger zu sein, jedenfalls was das Fasten betrifft. Daß mit ketogener Ernährung dies verschlimmert werden könnte, ist dagegen nur schwer vorstellbar. 

Das gilt alleine schon deshalb, weil die vergleichsweise hohen Abnahmen innerhalb von zwei bis drei Wochen, über die die Frau Professorin sich bei den Angaben in einer Studie so sehr entsetzt, ja zu einem großen Teil rein wasserbedingt sind. Das wiederum ist eine Sache, die nicht nur Adipositasmediziner und Onkologen nicht wissen, sondern die auch unter Keto-Profis viel zu wenigen bewußt ist. Das liegt daran, daß ketogene Ernährung für gewöhnlich als dauerhafte Ernährungsumstellung behandelt wird und damit meist unter dem Radar bleibt, daß die sehr schnelle Abnahme zu Beginn und die ebensoschnelle Zunahme am Ende etwa ein bis zwei Kilogramm Wasser enthält, die einen Einfluß von exakt null auf die sonstige Körperzusammensetzung haben, sondern sozusagen ein durchlaufender Posten sind. Jahrelang konnte ich das Phänomen, das zu Beginn und Ende meiner Low-Carb-Phasen grundsätzlich immer auftritt, nur beschreiben, wußte aber nicht, was es bedeutet, bis ich davon las, daß der Grund die Leerung der Glykogenspeicher in der Muskulatur sei. 

Irgendwie werden Fachleute der medizinischen Sparten immer nur von Teilen der bekannten Fakten erreicht. So weiß Frau Professorin Hübner über Adipositas etwas, das für einen Adipositasmediziner wichtig zu wissen wäre, aber in diesem Bereich nur einer Minderheit bekannt ist. Sie wiederum weiß offenbar nicht, daß Gewichtsabnahmen sich sehr unterschiedlich zusammensetzen können, was wiederum in der Ernährungsmedizin im Grundsatz bekannt ist. Die Gründe für die hohe anfängliche Abnahme wiederum wissen beide nicht ausreichend nach dem Prinzip Ursache und Wirkung einzuordnen. Das wirft die Frage auf, auf welche Weise medizinisch relevante Fakten denen vermittelt werden müßten, die sie kennen sollten, denn im Moment funktioniert das ja offenbar nicht so richtig, und das wirkt sich natürlich hemmend auch auf mögliche darauf aufbauende wissenschaftliche Erkenntnisse aus. Den Schaden - durch die verzögerte Forschung wie auch durch in sich widersprüchliche und fehlerhafte medizinische Anwendungen - haben natürlich wir als Patienten. Und eigentlich ist das nicht einzusehen. 

Nichts an diesem Wasserphänomen ist jedenfalls für einen Krebspatienten gefährlich, und es ist schon irritierend, wenn eine Persönlichkeit, die so großen Einfluß auf das hat, was Onkologen ihren Patienten empfehlen oder ihnen verbieten wollen, offenbar so wichtige Dinge nicht weiß. Wobei mich noch mehr stört, daß diese Persönlichkeit, also die Frau Professorin Hübner, nicht von alleine merkt, wie unwissenschaftlich sie dabei argumentiert. Wenn alleine die Veränderung der Zahl, die von der Waage angezeigt wird, als Risikofaktor behandelt wird, dann hat das nämlich gar nichts mit Wissenschaft zu tun, sondern eher mit Zahlenmagie, und wer dies spontan für zielführend bei der Behandlung von Krankheiten hält, der hat seinen Beruf verfehlt und sollte es vielleicht mal stattdessen als Astrologe versuchen. 

Gewichtsabnahme als ein in der Tat alarmierendes Symptom für einen Krebspatienten ist ja immer die Gewichtsabnahme, die ohne eigenes Zutun erfolgte, nicht eine, die sich durch bestimmte Ernährungsveränderungen ergeben hat. Eine nicht aktiv angestrebte und auch nicht durch Therapienebenwirkungen (Übelkeit/Erbrechen/Durchfall) erklärbare Gewichtsabnahme bei einem Krebspatienten deutet auf eine metastasierte Erkrankung hin - und darauf, daß der Krebs sich am körpereigenen Protein bedient und dadurch Muskelschwund auslöst - die sogenannte Tumorkachexie. Alle anderen Arten von Gewichtsabnahmen kann man unbesorgt so lange für harmlos halten, wie sich keine Symptome für negative Wirkungen einstellen - was natürlich beobachtet und ggf. behandelt werden sollte. Die Tumorkachexie wiederum läßt sich kaum abmildern und gar nicht beseitigen. Nur indem die Grunderkrankung, also der Krebs, beseitigt wird, läßt sich auch die Kachexie beseitigen, was aber bei metastasiertem Krebs keine typische Entwicklung ist. Auch wenn die durchschnittliche weitere Lebenserwartung in diesem Erkrankungsstadium erfreulicherweise höher geworden ist, die Chancen für Patienten, die von dieser Kachexie betroffen sind, liegen weiterhin erheblich schlechter. 

Zu einem makaberen Witz würden die Leitlinien des Jahres 2026 aber, falls Thomas Seyfrieds Krebsentstehungstheorie wie auch die darauf basierenden in Entwicklung befindlichen Therapien sich durchsetzen sollten, wie ich das mittelfristig für wahrscheinlich halte, obwohl dieser Prozeß unangenehm zäh ist und noch verdammt lange dauern kann. Diese Therapien enthalten ketogene Ernährung und/oder Fasten als eines der Elemente, das für den Erfolg der Therapie erforderlich, aber keineswegs hinreichend ist. Damit steht diese Theorie außerdem nicht im Widerspruch dazu, daß die Erfolge von ketogener Ernährung und Fasten in Studien zugegebenermaßen bescheiden ausgefallen sind und beides also nicht den von manchen erhofften großen Durchbruch brachte. Ketogene Ernährung und/oder Fasten für sich alleine genommen ist natürlich kein Wundermittel gegen Krebs. Das ist die bescheidene Schnittmenge, in der sich meine Annahmen zur Ernährungsfrage bei Krebs mit denen von Jutta Hübner in Deckung bringen lassen. 

Was schwerer wiegt, ist aber, daß die Frau Professorin nicht nur voreingenommen ist, sondern außerdem mit gespaltener Zunge spricht, wenn die Fakten sich mit ihren Überzeugungen beim besten Willen nicht vereinbaren lassen. Die Einzelheiten kann man den weiter oben verlinkten Blogbeiträgen entnehmen. 

Ich fand nur einen einzigen kleinen Fortschritt in den Leitlinien bezogen auf ketogene Ernährung und Fasten. Denn irgendwem ist es gelungen, der Frau Professorin zu vermitteln, daß es völlig absurd ist, eine Gewichtsabnahme im Verlauf einer Krebsbehandlung auch bei übergewichtigen Patienten für besorgniserregend zu halten. Und vielleicht hat dieser Irgendwer sie auch darauf hingewiesen, daß bei nichtmetastasiertem Brustkrebs während der Chemotherapie eher eine Gewichtszunahme zu erwarten ist, und daß dies insbesondere bei bereits Übergewichtigen keineswegs geeignet ist, sie gesünder zu machen. Denn nunmehr rät sie "nur" noch bei normal- und untergewichtigen Patienten vor ketogener Ernährung mit aller Vehemenz ab, und ich bin mir ziemlich sicher, daß sie nicht von alleine draufgekommen ist, wie absurd es ist, Übergewichtige vor Gewichtsabnahme zu warnen. Dem Unbekannten für seine Überzeugungsarbeit meinen ehrlich gemeinten Dank. 

Ich fand noch einen zweiten Kritikpunkt aus meinem Blogartikel zur Stellungnahme zum Fasten, auf den die Frau Prof. immerhin diesmal eingegangen ist, wenn sie sich auch nicht dazu überwinden konnten, auch den nächsten Schritt vorzunehmen, nämlich sich logisch zu durchdenken, was die Sache in der Praxis bedeutet. Im Fall einer Studie war nämlich bei der Interventionsgruppe (die gefastet hatte), auf die Gabe von Dexamethason verzichtet worden.  Dexa wird ausdrücklich gegeben, um die Nebenwirkungen der Chemotherapie zu verringern. Wenn also die Fastengruppe kein Dexa bekam, die nicht fastende Kontrollgruppe hingegen schon, dann finde ich es ziemlich anmaßend, zu behaupten, Fasten hätte keinen positiven Effekt auf die Nebenwirkungen gehabt, nur weil die nebenwirkungsreduzierende Wirkung von Dexa nicht übertroffen wurde. Tatsächlich ist es, was die Nebenwirkungen betrifft, ein eindrucksvoller Erfolg, daß Fasten offenbar im Durchschnitt Dexa ebenbürtig gewesen ist. Dieses Zeug wird ja nicht zum Spaß verabreicht, und ich entsinne mich noch einer Mitpatientin, die mir ziemlich drastisch beschrieben hat, was passierte, als sie das Dexa nach einem Chemotag vergessen hatte. 

Das läßt vermuten, daß die Kombiniation Dexa plus Fasten noch erheblich wirksamer sein müßte - wie das ja immerhin in meiner persönlichen Anekdote auch tatsächlich gewesen ist, auch wenn das für sich genommen natürlich nichts beweist. Denn ich hatte zu jenem Zeitpunkt noch keine Ahnung, daß Dexa, legt man die Annahmen von Professor Seyfried zugrunde, kontraproduktiv wirken soll, was die Entwicklung der Größe des Tumors betrifft, also verwendete ich es auch, und zum Glück erwies sich das bei mir auch nicht als schädlich - ob ich die erhoffte pCR andernfalls vielleicht schon ein, zwei Zyklen früher erlebt hätte, werde ich genausowenig erfahren wie ich jemals eine Anwort auf die Frage finden werde, ob mein Tumor stärker geschrumpft wäre, wenn ich mich nicht dazu entschlossen hätte, meine Fastenintervalle während der ersten vier Zyklen auschließlich auf die Tage um die Infusionen herum zu beschränken. 

Der feindseligen Haltung zum Fasten der Frau Professorin habe ich es mitzuverdanken, daß ich bei meinen Vor-Chemotherapie-Recherchen, für die ich ja noch dazu entsetzlich wenig Zeit hatte, zu keinem Ergebnis kommen konnte, das mir hinreichende Sicherheit beim Urteil hätte erbringen können. Nur aufgrund meiner langjährigen Fastenerfahrungen konnte ich mir logisch erschließen, daß das Fasten um die Chemosessions herum jedenfalls kaum einen Schaden bewirken konnte, egal, was verwirrte Angehörige der Wissenschaftlerzunft sich dazu zusammenfabuliert hatten. Zwischen den Zyklen zu fasten, habe ich mich wegen widersprüchlicher Informationen und Unsicherheit, ob die Wirkung gut oder schlecht sei für das Ziel, den Tumor wegzukriegen, aber nicht getraut. Mit dem Wissensstand von heute hätte ich das anders gemacht. Die pathologische Komplettremission hatte ich zum Glück trotzdem. 

Danke für gar nichts dabei an Sie, Frau Prof. Hübner, denn Ihr Verdienst ist das nicht. Vermutlich eher im Gegenteil. Hätte ich mich vollständig an Ihre Empfehlungen gehalten, wäre es dazu meiner Meinung nach auch nicht gekommen. 

Es war ja noch bei der letzten Mammographie vor der OP nicht völlig eindeutig, ob sich noch überlebende Krebszellen finden würden. Gut möglich, daß die letzten Krebszellen erst in den Tagen vor der OP ihren letzten Seufzer gemacht haben. Daß Low Carb und Fasten den Tumor vor der Therapiewirkung schützen könnten, behauptet aber niemand, nicht einmal Jutta Hübner. Es gibt also nur zwei Möglichkeiten, entweder hatten Fasten/LC gar keinen Einfluß oder einen positiven - und egal, wie geringfügig dieser positive Einfluß gewesen wäre, er hat dann wahrscheinlich den Ausschlag gegeben. Es geht mir vollständig über den Horizont, wie jemand verbohrt genug sein kann, Risiken, die teils unbedeutend, teils gar nicht existent sind, als Popanz zu benutzen, um eine Sache zu verhindern, die im schlimmsten Fall keinen Einfluß auf den Behandlungserfolg hat, aber vielleicht ja auch - und sei es nur in manchen Fällen - einen echten Nutzen hat. Und ja, das nehme ich übel. 

Bluesky erfreute mich parallel zu Hübners Märchenstunde mit so etwas

 

Na, wer hat den Denkfehler gleich entdeckt? Er besteht darin, daß "Wissenschaftler" mit "Wissenschaft" gleichgesetzt werden. Wissenschaftler verhalten sich aber nicht immer wissenschaftlich, sondern manchmal auch wie Astrologen. Siehe weiter oben. 

Einstweilen ist nicht zu erwarten, daß es beim Verständnis von Krebs die erforderlichen Veränderungen geben wird, um die therapeutische Ketose gezielt therapiebegleitend einsetzen zu können. Vielleicht hört aber wenigstens diese irrationale Verteufelung von ketogener Ernährung und Fasten auf, wenn die Frau Professorin Hübner in den Ruhestand geht (das sollte in ca. zwei Jahren geschehen) und das, was sie glaubt, nicht mehr die Leitlinien so vollständig dominiert. In ihrem Ruhestand darf sie von mir aus glauben, was sie will, solange sie sich dann darauf beschränkt, dies ihrer Küchenwand zu erzählen. Diese Frau ist jedenfalls für sich alleine genommen schon ein guter Grund, Forderungen nach längeren Lebensarbeitszeiten für Akademiker abzulehnen. 

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Wir haben für unsere Küche auch ein schönes altes Küchenbuffet gekauft, das nun an der Stelle steht, wo bislang Schränke der vorherigen Einbauküche plus eine Arbeitsplatte (aus dem Billigmöbelhaus Poco, vom Vorgänger aus zweiter Hand erworben) das Auge sehr viel weniger erfreut hatten. Das Problem mit diesem linken Teil der Einbauküche (gegenüber der Küchenzeile mit den Geräten): Sie war zu lang und zu tief. Die Arbeitsplatte verdeckte einen großen Teil des Heizkörpers, der nun endlich frei zugänglich ist. Die gesamte Küche wirkt jetzt viel größer, und trotzdem paßt mehr in das Buffet, als ich zuvor in den Schränken der Einbauküche hatte unterbringen können. Mal abgesehen davon, daß es außerdem viel schöner ist. 

Die Küchenbaustelle wird uns aber noch geraume Zeit weiter begleiten, obwohl das Schlimmste nun fast geschafft ist. Aktuell kann die endlich eingepaßte neue Arbeitsplatte aus Kirschbaumholz (nobel geht die Welt zugrunde, gell?) noch nicht benutzt werden, weil mein Mann sie noch zweimal ölen muß. Bis zum Wochenende sollte ich dann aber endlich wieder vernünftig kochen können - in den letzten Wochen machte das überhaupt keinen Spaß, weil zeitweise keine Spüle vorhanden war, zeitweise kein Kochfeld und nach wie vor fehlen mir Arbeitsflächen. Was auch zum Wochenende noch weiter fehlen wird, ist das Innenleben von zwei Unterschränken, das mein Mann auch selber machen will, und die Türen der Unterschränke, die zuvor noch furniert werden müssen. Keine Ahnung, wie lange es dauern wird, bis das fertig ist, aber danach kommen dann endlich die Obeschränke an die Reihe. Ich hoffe, das passiert bald, damit ich endlich den Sperrmüll bestellen kann.

Langweilig wird es mir also so schnell nicht werden. Im Moment wird die neu beschaffte Erde strategisch in unserem steinigen Äckerle verteilt, damit wir endlich die Kartoffeln legen können. Die anderen angezogenen Pflanzen brauchen noch ein, zwei Wochen, bis sie nach draußen können, und ich hoffe, bis dahin sind wir soweit mit der Erde. Und haben wir die Küchenbaustelle einmal abgehakt, sind die Split-Klimaanlagen und das Balkonkraftwerk an der Reihe. Ach ja, und irgendwann müssen wir auch noch die letzte der dafür vorgesehenen Eigentumswohnungen verkaufen. Das hatte ich ja verschieben wollen, bis der Gesetzentwurf für die Änderungen am Gebäudeenergiegesetz vorliegt, was ursprünglich bis Ende März der Fall sein sollte. Aber unsere Bundesregierung kommt auch damit mal wieder nicht zu Potte. Jetzt bin ich mir unschlüssig, ob ich loslegen soll oder ob es sinnvoller ist, noch ein bißchen abzuwarten. 

 

 

 


Freitag, 27. März 2026

Blinde Hühner und gesundheitspolitische Luftbuchungen

 

Mein Gewicht heute früh nach vier aufeinanderfolgenden Tagen: 73,2 Kilogramm. Das ist auch nach meinen heruntergeschraubten Erwartungen ziemlich enttäuschend, da braucht man nicht lange drum herumzureden. Auf der positiven Seite habe ich die vier Wochen mit je vier Fastentagen ansonsten gut überstanden und bin auch froh, daß sie vorbei sind, denn es hat meinen Wochenrhythmus schon ein wenig durcheinandergebracht und auch beim Einkaufen mußte ich höllisch aufpassen, daß ich nicht zu viel einkaufe für die wenigen Tage, an denen ich gegessen habe. 

Jetzt muß ich bloß wieder imstande sein, in meiner Küche auch wirklich zu kochen. Immerhin, es gibt einen Lichtblick: Das Spülbecken wurde provisorisch installiert und ich kann es wieder benutzen. Mein Mann hätte mich wahrhaftig noch bis zum Einpassen der Arbeitsplatte ohne Spüle gelassen, aber als er vorgestern damit daherkam und so tat, als wäre ein Provisorium - das er mir zuvor noch versprochen hatte - gar nicht möglich, habe ich ihm verdeutlicht, daß er dann bis zum fraglichen Zeitpunkt sein Essen nebenan beim Bäcker holen müsse und den Kaffee auch, weil ich in einen Küchenstreik treten werde. Und siehe da, auf einmal ging es dann doch. 

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Die Agitation für eine Zuckersteuer nimmt einfach kein Ende, und eigentlich habe ich gar keine Lust mehr, mich damit zu befassen. Sollen sie den Blödsinn halt einführen, daran hindern kann ich sie ja doch nicht. Interessant diesmal fand ich aber diese Anmerkung im Ärzteblatt: 

In Großbritannien habe sich nach der Einführung einer Zuckersteuer auf Softdrinks vor allem bei Kindern und Jugendlichen und dabei vor allem bei jungen Mädchen ein Einfluss auf das Körpergewicht gezeigt, der Anstieg der Adipositas-Prävalenz sei abgeflacht, sagte Karl Emmert-Fees, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Professur für Public Health und Prävention der TU München, kürzlich dem Science Media Center. Man könne diese Ergebnisse aber immer auf zwei Arten lesen, sagte er mit Blick auf Stimmen, die die Steuer aufgrund der Entwicklung der Zahlen in Großbritannien als wirkungslos beschrieben.

Wer außer meiner Wenigkeit könnten diese Stimmen gewesen sein? Ich kenne nämlich keine einzige. Oder ist der Herr Emmert-Fees womöglich ein Leser meines Blogs und spricht hier von mir im Pluralis majestatis? ;-) 

Wie auch immer, die Zuckersteuer hat ausweislich der aktuellsten Zahlen jedenfalls keinen Einfluß auf die Adipositas-Prävalenz gehabt, und die Kurve ist mitnichten dadurch abgeflacht. Wer das Gegenteil behauptet, der betet ohne Überprüfung Behauptungen Dritter nach oder lügt absichtlich. Im ersten Fall ist er aus wissenschaftlicher Sicht nicht satisfaktionsfähig, und im zweiten gehört er, falls er sich mit wissenschaftlichen Ehren schmücken kann, in seiner Dienststelle fristlos entlassen. Ich verliere wirklich die Geduld mit dieser toxischen Mischung aus Inkompetenz und militantem Nichtwissenwollen angesichts der Tatsache, daß die Betroffenen unter Adipositas ja wirklich physisch, psychisch und sozial zu leiden haben. Es ist fahrlässige Körperverletzung, sich nicht mit dem gebotenen Ernst mit dieser Thematik zu befassen, und das vor allem dann, wenn man für gesundheitspolitische Maßnahmen agitiert, die dann wie bei der Zuckersteuer bloß "richtig" aussehen sollen, damit man sich als furchtloser Kämpfer wider die Zuckerlobby aufspielen kann, obwohl die Maßnahmen keinerlei Wirkung erbringen und vermutlich aus Perspektive der Kämpfer für die Zuckersteuer auch gar nicht erbringen müssen. 

Das haben die Betroffenen nun wirklich nicht verdient, als wohlfeiler Vorwand für gesundheitspolitische Profilierung mit bloßen Luftbuchungen herhalten zu müssen. Ich bitte mir aus, daß dieses Thema endlich einmal ernsthaft behandelt wird, nicht mit diesen sinnlosen So-tun-als-ob-Aktivitäten. 

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In all dem Wust von Empörung über nahezu alle von der Bundesregierung angestrebten Maßnahmen muß man echt aufpassen, nicht zu übersehen, daß ein paar richtige Sachen bislang dabei waren und auch unter den debattierten Punkten dabei sein werden. Das bedeutet natürlich nicht, daß sie jedermann gefallen müssen. Wer persönlich negativ von einer Gesetzesänderung betroffen wäre, der beschwert sich darüber natürlich. Das muß aber nicht heißen, daß die Maßnahmen unbedingt falsch sein müssen. 

Hier gilt es also genau hinzusehen, um in all dem Wehgeschrei nicht alles gleichermaßen für berechtigt oder im Gegenteil alles für unberechtigt zu halten. Auch ein so blindes Huhn wie unsere aktuelle Bundesregierung findet das eine oder andere Korn. 

Das sprichwörtliche Körnchen, das das blinde Huhn Bundesregierung in meinem eigenen Fall gefunden hat, ist die Streichung des § 71l im bisherigen GEG, künftig GMG - falls dies wirklich so verabschiedet werden sollte, was ich erst glaube, wenn es dies noch enthält, wenn der Bundestag der Gesetzesänderung zustimmt. Der war wirklich falsch: juristisch fragwürdig (weil es der WEG in puncto Heizung Eingriffsmöglichkeiten in das jeweilige Sondereigentum gab, was unter Umständen von Gerichten wieder einkassiert worden wäre), benachteiligend gegenüber Besitzern von Eigentumswohnungen nach WEG im Vergleich zu Gebäuden mit einem Besitzer, und noch dazu unsinnig, wo die Wärmeplanung der Kommune mindestens in den nächsten zehn Jahren noch keinerlei Alternativen zum Gas bieten kann, während es gleichzeitig davon abschreckt, innerhalb einer Wohnung die Heizung zu modernisieren. 

Diese Negativwirkung sollte niemand unterschätzten. Von den 43,8 Millionen Wohnungen in Deutschland sind nämlich 9,3 Millionen Eigentumwohnungen in nach WEG aufgeteilten Häusern. Das sind mehr als zwanzig Prozent aller Wohnungen, in denen nach dem bisherigen Gesetz niemand, der bei Verstand war, irgendetwas an seiner bestehenden Gasetagenheizung veränderte, wenn sie nicht irreparabel defekt war. Dabei entwickeln sich ja mittlerweile immer mehr für Einzelwohnungen taugliche Einzellösungen, die kostenmäßig schon jetzt zum Teil günstiger sind, als sich mit einer Zentralheizung herumärgern zu müssen, die dann sowieso noch zehn Jahre lang oder noch länger mit Gas laufen würde. Kürzlich sah ich das brandaktuelle Video von einer Heizungsmesse, in dem zwei weitere Varianten von "Etagen-Wärmepumpen" gezeigt wurden. Da tut sich in den nächsten Jahren bestimmt noch mehr. Es war weder zielführend noch erforderlich, WEGs in die Verlegenheit zu bringen, sich über Jahrzehnte hinweg mit aller Gewalt aktiv gegen einen versehentlich ausgelösten Zwang zur Zentralheizung stemmen zu müssen. 

Der wichtigste Fehler des GEG lag in der Kommunikation, das gilt für den beschriebenen Fall, obwohl oder gerade deshalb, weil er in der öffentlichen Debatte bis heute gar nicht vorkommt. Ich kenne außer mir niemanden, der darüber schreibt, obwohl in allen mir bekannten WEGs die Leute dreiviertel der Zeit während der Miteigentümerversammlung sich darüber die Köpfe heißreden. Wahrscheinlich ist er auch unter dem Radar der aktuellen Bundesregierung geblieben, weil alle immer nur von der Denkschablone "Ein Haus = ein Besitzer" ausgehen. Erleichtert bin ich natürlich trotzdem, aber ich sehe wenig Grund, zu vermuten, daß diesmal die Bundesregierung WEGs wirklich auf dem Schirm hatte. Der § 71l steckt halt zwischen den Paragraphen 71a bis 71p und wird nach dem Prinzip "Mitgefangen, mitgehangen" wieder gestrichen. Daß und warum er falsch war, hat wahrscheinlich bis heute kein Mensch in der Bundesregierung verstanden. Also war es wirklich ein Fall von "Auch ein blindes Huhn findet einmal ein Korn". 

Aber auch dort, wo im Bereich der enegetischen Gebäudesanierung aktiv kommuniziert wurde, nicht nur durch Totschweigen, haben auch die letzte Bundesregierung und der federführende Minister Robert Habeck  nichts von dem, was deren Vorgängerregierung Merkel durch falsche Kommunikation bereits versaut hatte, zu verbessern versucht. Daraus läßt sich ableiten, daß sie das, was ihre Art der Kommunikation auslöst, auch nicht verstanden hatten. Daß auch die aktuelle Regierung dies nicht versteht, erkennt man an den Wählerreaktionen und daraus, daß sich trotzdem nichts am Kommunikationsstil verändert. 

Katrin Göring-Eckardt erwähnte in einem TAZ-Interview, daß in ihrer ostdeutschen dörflichen Nachbarschaft die Leute ziemlich panisch auf das GEG reagierten. Das ist auch sehr begreiflich. Jahrelang wurde uns eingehämmert, eine Wärmepumpe sei nur mit einem superdupergedämmten Gebäude sinnvoll. Kaum jemand in ostdeutscher dörflicher Umgebung wohnt aber in superdupergedämmten Gebäuden. Was soll so jemand anders annehmen, als daß von ihm gerade verlangt werde, die Kosten für die Superduperdämmung UND die Wärmepumpe UND die diversen anderen gebäudeertüchtigenden Maßnahmen, die wir ja auch noch machen sollten, ginge es nach der Politik, hintereinanderweg zu stemmen? 

Sogar die Minderheit, die imstande wäre, Kosten in sechsstelliger Höhe für ein solches energetisches Gesamtkonzept aufzubringen, sieht es natürlich nicht ein, das tun zu müssen. Aber die Mehrheit kann das von vornherein nicht aufbringen. Völlig klar, daß die Leute hyperventilieren, wenn ihnen der Eindruck vermittelt wird, das Gesetz werde sie über kurz oder lang zum Einbau einer Wärmepumpe zwingen. Es ist nicht die Wärmepumpe, vor der sie die meiste Angst haben, es ist das gesamte Drumherum. 

Nur, in Wirklichkeit ist vieles von dem Drumherum überhaupt nicht nötig. Das sagt einem aus den Reihen der von Beruf Klimabeflissenen bloß keiner. Warum? Weil aus dieser Sicht weniger als hundert Prozent möglicher Planerfüllung aus ideologischen Gründen ein Fall von "Ziel verfehlt" sind. Daß man mit zehn Prozent der Kosten bereits mindestens achtzig Prozent der angestrebten Wirkung erreichen kann, ist aus deren Sicht Begünstigung der Klimakatastrophe und strikt abzulehnen. Für mich beweist das lediglich, daß solche Leute nicht rechnen können. Denn wenn man zehn Prozent der Eigentümer sanierungswürdiger Häuser durch die übliche Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche dazu bringen kann, diese Hundert-Prozent-Leistung zu erbringen, dann ist die Klimaschutzwirkung nur halb so hoch, als wenn fünfzig Prozent durch einen erheblich kleineren finanziellen Einsatz ihr Gebäude um achtzig Prozent verbessern. Und von dem Nutzen des dafür erforderlichen erheblich niedrigeren finanziellen Einsatzes lassen sich sehr viel mehr Leute überzeugen, sogar dann, wenn man sich auf das Zuckerbrot Förderung beschränkt und die Peitsche gesetzliche Pflichten wegläßt. 

Ein weiterer zu beachtender Faktor ist, daß von zehn Prozent eine viel geringere Sogwirkung auf Nachbarn ausgeht als von 50 Prozent. Außerdem gehe ich davon aus, daß die fünfzig Prozent um einiges zufriedener mit ihrer Investition sein werden und ihren Nachbarn überzeugendere Kosten-Nutzen-Rechnungen vorrechnen werden. Denn letzten zwanzig Prozent Energieoptimierung rechnen sich finanziell für den, der sie umsetzt, überhaupt nicht. 

Vor einem Zwang, der sie zu teils komplett unrentablen Mitteln zwingt, haben die Leute Angst - und zwar völlig zu Recht. Denn in anderen Bereichen hat man das ja schon vielfach erlebt, daß jede mit Moral unterfütterte Kampagne dieser Art früher oder später zur Zwangsmaßnahmen führte, und zwar immer mit der Begründung, daß die Erfolge der freiwilligen Lösungen nicht ausreichend gewesen seien. Stichworte etwa Dosenpfand, Rauchverbot oder Plastiktütenverbot. Wer eine erwünschte Entwicklung mit "Nudging"-Maßnahmen vorantreiben will, etwa den Veggie-Day oder eben den Umstieg auf strombasierte Heizungen, der braucht über ablehnende bis fuchsteufelswilde Reaktionen wirklich nicht erstaunt zu tun. Das nunmehr geplante Umsteuern durch die aktuelle Bundesregierung ist wahrscheinlich sogar das Beste, was aus Blickwinkel der Klimaschützer passieren konnte, zumal es auch noch mit einer Energiekrise durch den Irankrieg zusammenfällt. Niemand ist doch wild darauf, unbedingt fossile Energie zu verheizen, wenn er seine Heizwärme auf andere Weise günstiger bekommen kann - jedenfalls dann, wenn sich herauskristallisiert, daß dafür keine ruinöse Anfangsinvestition erforderlich ist. Es ist völlig ausreichend, dafür zu sorgen, daß allgemein bekannter wird, daß dies auch in der Tat gar nicht nötig ist. 

Ein weiterer Bereich, in dem auf den zweiten Blick eine vermeintliche sozialpolitische Grausamkeit vermutlich eine positive Wirkung auf die Frage der Altersarmut bei Frauen haben wird:  

Im Moment kursieren Meldungen über die Streichung der kostenlosen Mitversicherung von Ehefrauen, es sei denn, es liegen spezifische Voraussetzungen vor (kleine Kinder, Pflege von Angehörigen). Klingt erst einmal wie eine der üblichen Grausamkeiten, aber näher betrachtet, würde dies über die Bande vermutlich dazu führen, daß ein wichtiger Anreiz für Minijobs wegfiele. Wenn man schon anscheinend mal wieder nicht die Traute hat, die Minijobregelung und/oder das Ehegattensplitting abzuschaffen, wäre dies tatsächlich die drittbeste Maßnahme zur Verringerung von Altersarmut bei Frauen. 

Eine öffentliche Debatte ist natürlich notwendig, um dahinterzukommen, welche weiteren Voraussetzungen zu den beiden genannten noch ergänzt werden müßten, um die kostenlose Mitversicherung in Fällen weiter aufrechtzuerhalten, in denen das erforderlich ist. Aber grundsätzlich ist das eine Maßnahme, die die jungen Mütter von heute davor bewahren kann, im Alter einmal aufstockend Grundsicherung beantragen zu müssen. Auch dann, wenn es für sie heute erst mal zu einer Einbuße beim verfügbaren Einkommen führt. 

Genau so müßte man das aber auch kommunizieren. Es muß anschließend immer noch nicht jedem gefallen, vor allem denen nicht, die ad hoc erst einmal mit einer höheren finanziellen Belastung rechnen müssen. Aber es ist ein Kunstfehler, dies in dieser rein negativ argumentieren Form zu fordern, die aus Perspektive der Betroffenen für sie nicht nur nachteilig, sondern auch beleidigend ist. 

Lars Klingbeil findet anscheinend, daß man nach 45 Berufsjahren aus dem Berufsleben ausscheiden können müßte. Für jemanden wie mich, die mit 16 ins Berufsleben eingestiegen ist, würde das heißen, daß ich auf eine Rente mit 61 pochen können müßte. Ist Klingbeil sich WIRKLICH sicher, daß er mich gerne schon zum ersten Juli dieses Jahres in den Ruhestand verschwinden sehen möchte? Ich hätte nichts dagegen, aber ich bin trotzdem der Meinung, dieser verwirrte Mensch weiß nicht, was er da fordert. Mehr als die Hälfte der Berufstätigen in der Altergruppe Ü50 hat eine geringe bis mittlere Qualifikation, ist also mit Haupt- oder Realschulabschluß und typischerweise, so wie ich, mit 16 Jahren ins Berufsleben eingestiegen. Hinzu kämen aber auch noch diejenigen, die bei demselben frühen Berufseinstieg später durch Qualifizierung beruflich aufgestiegen sind. Will der Klingbeil das wirklich, daß die Mehrheit der 61jährigen sich in die Rente verabschiedet, nur damit er die Minderheit derjenigen, die erst mit 25 nach Studienabschluß ins Berufsleben eingestiegen sind, dazu zwingen kann, erst später in den Ruhestand zu gehen?

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Endlich habe ich es geschafft, im Staatsarchiv einmal nach der Geschichte unseres Häuschens zu suchen. Ein Erbauungsjahr ließ sich zwar nicht ermitteln, aber es ist mindestens zweihundert Jahre alt, denn im Jahre Anno domini 1826 wurde es nach dem Tod des Eigentümers vererbt und im "Güterbuch", so hieß damals das Grundbuch, auf seine Witwe eingetragen. Kinder waren nach damaligem Erbrecht erst Nacherben, wenn beide Elternteile verstorben waren, und im 19. Jahrhundert war dieser Nacherbe für gewöhnlich der älteste überlebende Sohn. Seine Geschwister mußte er wahrscheinlich auszahlen. Das wird nicht jedem leichtgefallen sein, und vielleicht ist das die Erklärung dafür, daß im Fall unseres Hauses nach dem Tod der Witwe des Hauseigentümers nicht dessen ältester Sohn, sondern sein jüngerer Bruder das Haus bekam. Womöglich hatte er bislang vergeblich auf sein Erbteil gewartet und der gesetzliche Erbe des Hauses, ein noch junger Mann, hatte auch nicht die Mittel, um ihn auszuzahlen. Die Übertragung des Hauses auf seinen Onkel war vielleicht dann die günstigste Lösung für alle Beteiligten, und der junge Mann konnte wiederum vom Onkel Geld verlangen und sich anderswo eine Existenz schaffen.

Keine Ahnung, ob es wirklich so gewesen ist, aber es ist eine Möglichkeit, die die ungewöhnliche Erbfolge des Hausbesitzes erklären könnte.   

Es kann auch sein, daß das Haus sogar noch viel älter ist, denn im achtzehnten Jahrhundert werden die Güterbücher ziemlich undurchsichtig. Wir fanden noch zwei mögliche Kandidaten, die schon sehr viel früher in unserem Haus gewohnt haben könnten, nämlich um 1700 herum, aber in ihrem Fall läßt sich nicht nachvollziehen, ob ihre "Behausung" (so das selbstgenutzte Haus im damaligen Amtsdeutsch) nun dieses Haus oder ein anderes war. Der Erblasser von1826 hat nämlich neben diesem Haus noch ein zweites vererbt, das in einer anderen Straße und näher an der Kirche lag. Es ist also möglich, daß unser Haus noch relativ neu war (es lag im Ortsplan von 1832 auch noch direkt am Ortsrand) und das andere, zentraler im Ortskern gelegene der alte Familiensitz, in dem auch die beiden Mitglieder der Familie um das beginnende 18. Jahrhundert herum gelebt haben könnten.Ich bin gespannt, ob ich dazu noch etwas herausfinden kann. Zwischen 1826 und 1989 war das Haus durchgehend von derselben Familie bewohnt, also will ich jetzt noch die Eltern- und Großelterngeneration der ältesten bekannten Eigentümer ermitteln und dann recherchieren, was im Stadtarchiv über sie bekannt ist, vielleicht ergibt sich daraus ja ein Hinweis auf dieses Haus und, was mich besonders interessieren würde, dessen einstigen Neubau und damit auch ein Erbauungsjahr.