Freitag, 27. März 2026

Blinde Hühner und gesundheitspolitische Luftbuchungen

 

Mein Gewicht heute früh nach vier aufeinanderfolgenden Tagen: 73,2 Kilogramm. Das ist auch nach meinen heruntergeschraubten Erwartungen ziemlich enttäuschend, da braucht man nicht lange drum herumzureden. Auf der positiven Seite habe ich die vier Wochen mit je vier Fastentagen ansonsten gut überstanden und bin auch froh, daß sie vorbei sind, denn es hat meinen Wochenrhythmus schon ein wenig durcheinandergebracht und auch beim Einkaufen mußte ich höllisch aufpassen, daß ich nicht zu viel einkaufe für die wenigen Tage, an denen ich gegessen habe. 

Jetzt muß ich bloß wieder imstande sein, in meiner Küche auch wirklich zu kochen. Immerhin, es gibt einen Lichtblick: Das Spülbecken wurde provisorisch installiert und ich kann es wieder benutzen. Mein Mann hätte mich wahrhaftig noch bis zum Einpassen der Arbeitsplatte ohne Spüle gelassen, aber als er vorgestern damit daherkam und so tat, als wäre ein Provisorium - das er mir zuvor noch versprochen hatte - gar nicht möglich, habe ich ihm verdeutlicht, daß er dann bis zum fraglichen Zeitpunkt sein Essen nebenan beim Bäcker holen müsse und den Kaffee auch, weil ich in einen Küchenstreik treten werde. Und siehe da, auf einmal ging es dann doch. 

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Die Agitation für eine Zuckersteuer nimmt einfach kein Ende, und eigentlich habe ich gar keine Lust mehr, mich damit zu befassen. Sollen sie den Blödsinn halt einführen, daran hindern kann ich sie ja doch nicht. Interessant diesmal fand ich aber diese Anmerkung im Ärzteblatt: 

In Großbritannien habe sich nach der Einführung einer Zuckersteuer auf Softdrinks vor allem bei Kindern und Jugendlichen und dabei vor allem bei jungen Mädchen ein Einfluss auf das Körpergewicht gezeigt, der Anstieg der Adipositas-Prävalenz sei abgeflacht, sagte Karl Emmert-Fees, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Professur für Public Health und Prävention der TU München, kürzlich dem Science Media Center. Man könne diese Ergebnisse aber immer auf zwei Arten lesen, sagte er mit Blick auf Stimmen, die die Steuer aufgrund der Entwicklung der Zahlen in Großbritannien als wirkungslos beschrieben.

Wer außer meiner Wenigkeit könnten diese Stimmen gewesen sein? Ich kenne nämlich keine einzige. Oder ist der Herr Emmert-Fees womöglich ein Leser meines Blogs und spricht hier von mir im Pluralis majestatis? ;-) 

Wie auch immer, die Zuckersteuer hat ausweislich der aktuellsten Zahlen jedenfalls keinen Einfluß auf die Adipositas-Prävalenz gehabt, und die Kurve ist mitnichten dadurch abgeflacht. Wer das Gegenteil behauptet, der betet ohne Überprüfung Behauptungen Dritter nach oder lügt absichtlich. Im ersten Fall ist er aus wissenschaftlicher Sicht nicht satisfaktionsfähig, und im zweiten gehört er, falls er sich mit wissenschaftlichen Ehren schmücken kann, in seiner Dienststelle fristlos entlassen. Ich verliere wirklich die Geduld mit dieser toxischen Mischung aus Inkompetenz und militantem Nichtwissenwollen angesichts der Tatsache, daß die Betroffenen unter Adipositas ja wirklich physisch, psychisch und sozial zu leiden haben. Es ist fahrlässige Körperverletzung, sich nicht mit dem gebotenen Ernst mit dieser Thematik zu befassen, und das vor allem dann, wenn man für gesundheitspolitische Maßnahmen agitiert, die dann wie bei der Zuckersteuer bloß "richtig" aussehen sollen, damit man sich als furchtloser Kämpfer wider die Zuckerlobby aufspielen kann, obwohl die Maßnahmen keinerlei Wirkung erbringen und vermutlich aus Perspektive der Kämpfer für die Zuckersteuer auch gar nicht erbringen müssen. 

Das haben die Betroffenen nun wirklich nicht verdient, als wohlfeiler Vorwand für gesundheitspolitische Profilierung mit bloßen Luftbuchungen herhalten zu müssen. Ich bitte mir aus, daß dieses Thema endlich einmal ernsthaft behandelt wird, nicht mit diesen sinnlosen So-tun-als-ob-Aktivitäten. 

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In all dem Wust von Empörung über nahezu alle von der Bundesregierung angestrebten Maßnahmen muß man echt aufpassen, nicht zu übersehen, daß ein paar richtige Sachen bislang dabei waren und auch unter den debattierten Punkten dabei sein werden. Das bedeutet natürlich nicht, daß sie jedermann gefallen müssen. Wer persönlich negativ von einer Gesetzesänderung betroffen wäre, der beschwert sich darüber natürlich. Das muß aber nicht heißen, daß die Maßnahmen unbedingt falsch sein müssen. 

Hier gilt es also genau hinzusehen, um in all dem Wehgeschrei nicht alles gleichermaßen für berechtigt oder im Gegenteil alles für unberechtigt zu halten. Auch ein so blindes Huhn wie unsere aktuelle Bundesregierung findet das eine oder andere Korn. 

Das sprichwörtliche Körnchen, das das blinde Huhn Bundesregierung in meinem eigenen Fall gefunden hat, ist die Streichung des § 71l im bisherigen GEG, künftig GMG - falls dies wirklich so verabschiedet werden sollte, was ich erst glaube, wenn es dies noch enthält, wenn der Bundestag der Gesetzesänderung zustimmt. Der war wirklich falsch: juristisch fragwürdig (weil es der WEG in puncto Heizung Eingriffsmöglichkeiten in das jeweilige Sondereigentum gab, was unter Umständen von Gerichten wieder einkassiert worden wäre), benachteiligend gegenüber Besitzern von Eigentumswohnungen nach WEG im Vergleich zu Gebäuden mit einem Besitzer, und noch dazu unsinnig, wo die Wärmeplanung der Kommune mindestens in den nächsten zehn Jahren noch keinerlei Alternativen zum Gas bieten kann, während es gleichzeitig davon abschreckt, innerhalb einer Wohnung die Heizung zu modernisieren. 

Diese Negativwirkung sollte niemand unterschätzten. Von den 43,8 Millionen Wohnungen in Deutschland sind nämlich 9,3 Millionen Eigentumwohnungen in nach WEG aufgeteilten Häusern. Das sind mehr als zwanzig Prozent aller Wohnungen, in denen nach dem bisherigen Gesetz niemand, der bei Verstand war, irgendetwas an seiner bestehenden Gasetagenheizung veränderte, wenn sie nicht irreparabel defekt war. Dabei entwickeln sich ja mittlerweile immer mehr für Einzelwohnungen taugliche Einzellösungen, die kostenmäßig schon jetzt zum Teil günstiger sind, als sich mit einer Zentralheizung herumärgern zu müssen, die dann sowieso noch zehn Jahre lang oder noch länger mit Gas laufen würde. Kürzlich sah ich das brandaktuelle Video von einer Heizungsmesse, in dem zwei weitere Varianten von "Etagen-Wärmepumpen" gezeigt wurden. Da tut sich in den nächsten Jahren bestimmt noch mehr. Es war weder zielführend noch erforderlich, WEGs in die Verlegenheit zu bringen, sich über Jahrzehnte hinweg mit aller Gewalt aktiv gegen einen versehentlich ausgelösten Zwang zur Zentralheizung stemmen zu müssen. 

Der wichtigste Fehler des GEG lag in der Kommunikation, das gilt für den beschriebenen Fall, obwohl oder gerade deshalb, weil er in der öffentlichen Debatte bis heute gar nicht vorkommt. Ich kenne außer mir niemanden, der darüber schreibt, obwohl in allen mir bekannten WEGs die Leute dreiviertel der Zeit während der Miteigentümerversammlung sich darüber die Köpfe heißreden. Wahrscheinlich ist er auch unter dem Radar der aktuellen Bundesregierung geblieben, weil alle immer nur von der Denkschablone "Ein Haus = ein Besitzer" ausgehen. Erleichtert bin ich natürlich trotzdem, aber ich sehe wenig Grund, zu vermuten, daß diesmal die Bundesregierung WEGs wirklich auf dem Schirm hatte. Der § 71l steckt halt zwischen den Paragraphen 71a bis 71p und wird nach dem Prinzip "Mitgefangen, mitgehangen" wieder gestrichen. Daß und warum er falsch war, hat wahrscheinlich bis heute kein Mensch in der Bundesregierung verstanden. Also war es wirklich ein Fall von "Auch ein blindes Huhn findet einmal ein Korn". 

Aber auch dort, wo im Bereich der enegetischen Gebäudesanierung aktiv kommuniziert wurde, nicht nur durch Totschweigen, haben auch die letzte Bundesregierung und der federführende Minister Robert Habeck  nichts von dem, was deren Vorgängerregierung Merkel durch falsche Kommunikation bereits versaut hatte, zu verbessern versucht. Daraus läßt sich ableiten, daß sie das, was ihre Art der Kommunikation auslöst, auch nicht verstanden hatten. Daß auch die aktuelle Regierung dies nicht versteht, erkennt man an den Wählerreaktionen und daraus, daß sich trotzdem nichts am Kommunikationsstil verändert. 

Katrin Göring-Eckardt erwähnte in einem TAZ-Interview, daß in ihrer ostdeutschen dörflichen Nachbarschaft die Leute ziemlich panisch auf das GEG reagierten. Das ist auch sehr begreiflich. Jahrelang wurde uns eingehämmert, eine Wärmepumpe sei nur mit einem superdupergedämmten Gebäude sinnvoll. Kaum jemand in ostdeutscher dörflicher Umgebung wohnt aber in superdupergedämmten Gebäuden. Was soll so jemand anders annehmen, als daß von ihm gerade verlangt werde, die Kosten für die Superduperdämmung UND die Wärmepumpe UND die diversen anderen gebäudeertüchtigenden Maßnahmen, die wir ja auch noch machen sollten, ginge es nach der Politik, hintereinanderweg zu stemmen? 

Sogar die Minderheit, die imstande wäre, Kosten in sechsstelliger Höhe für ein solches energetisches Gesamtkonzept aufzubringen, sieht es natürlich nicht ein, das tun zu müssen. Aber die Mehrheit kann das von vornherein nicht aufbringen. Völlig klar, daß die Leute hyperventilieren, wenn ihnen der Eindruck vermittelt wird, das Gesetz werde sie über kurz oder lang zum Einbau einer Wärmepumpe zwingen. Es ist nicht die Wärmepumpe, vor der sie die meiste Angst haben, es ist das gesamte Drumherum. 

Nur, in Wirklichkeit ist vieles von dem Drumherum überhaupt nicht nötig. Das sagt einem aus den Reihen der von Beruf Klimabeflissenen bloß keiner. Warum? Weil aus dieser Sicht weniger als hundert Prozent möglicher Planerfüllung aus ideologischen Gründen ein Fall von "Ziel verfehlt" sind. Daß man mit zehn Prozent der Kosten bereits mindestens achtzig Prozent der angestrebten Wirkung erreichen kann, ist aus deren Sicht Begünstigung der Klimakatastrophe und strikt abzulehnen. Für mich beweist das lediglich, daß solche Leute nicht rechnen können. Denn wenn man zehn Prozent der Eigentümer sanierungswürdiger Häuser durch die übliche Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche dazu bringen kann, diese Hundert-Prozent-Leistung zu erbringen, dann ist die Klimaschutzwirkung nur halb so hoch, als wenn fünfzig Prozent durch einen erheblich kleineren finanziellen Einsatz ihr Gebäude um achtzig Prozent verbessern. Und von dem Nutzen des dafür erforderlichen erheblich niedrigeren finanziellen Einsatzes lassen sich sehr viel mehr Leute überzeugen, sogar dann, wenn man sich auf das Zuckerbrot Förderung beschränkt und die Peitsche gesetzliche Pflichten wegläßt. 

Ein weiterer zu beachtender Faktor ist, daß von zehn Prozent eine viel geringere Sogwirkung auf Nachbarn ausgeht als von 50 Prozent. Außerdem gehe ich davon aus, daß die fünfzig Prozent um einiges zufriedener mit ihrer Investition sein werden und ihren Nachbarn überzeugendere Kosten-Nutzen-Rechnungen vorrechnen werden. Denn letzten zwanzig Prozent Energieoptimierung rechnen sich finanziell für den, der sie umsetzt, überhaupt nicht. 

Vor einem Zwang, der sie zu teils komplett unrentablen Mitteln zwingt, haben die Leute Angst - und zwar völlig zu Recht. Denn in anderen Bereichen hat man das ja schon vielfach erlebt, daß jede mit Moral unterfütterte Kampagne dieser Art früher oder später zur Zwangsmaßnahmen führte, und zwar immer mit der Begründung, daß die Erfolge der freiwilligen Lösungen nicht ausreichend gewesen seien. Stichworte etwa Dosenpfand, Rauchverbot oder Plastiktütenverbot. Wer eine erwünschte Entwicklung mit "Nudging"-Maßnahmen vorantreiben will, etwa den Veggie-Day oder eben den Umstieg auf strombasierte Heizungen, der braucht über ablehnende bis fuchsteufelswilde Reaktionen wirklich nicht erstaunt zu tun. Das nunmehr geplante Umsteuern durch die aktuelle Bundesregierung ist wahrscheinlich sogar das Beste, was aus Blickwinkel der Klimaschützer passieren konnte, zumal es auch noch mit einer Energiekrise durch den Irankrieg zusammenfällt. Niemand ist doch wild darauf, unbedingt fossile Energie zu verheizen, wenn er seine Heizwärme auf andere Weise günstiger bekommen kann - jedenfalls dann, wenn sich herauskristallisiert, daß dafür keine ruinöse Anfangsinvestition erforderlich ist. Es ist völlig ausreichend, dafür zu sorgen, daß allgemein bekannter wird, daß dies auch in der Tat gar nicht nötig ist. 

Ein weiterer Bereich, in dem auf den zweiten Blick eine vermeintliche sozialpolitische Grausamkeit vermutlich eine positive Wirkung auf die Frage der Altersarmut bei Frauen haben wird:  

Im Moment kursieren Meldungen über die Streichung der kostenlosen Mitversicherung von Ehefrauen, es sei denn, es liegen spezifische Voraussetzungen vor (kleine Kinder, Pflege von Angehörigen). Klingt erst einmal wie eine der üblichen Grausamkeiten, aber näher betrachtet, würde dies über die Bande vermutlich dazu führen, daß ein wichtiger Anreiz für Minijobs wegfiele. Wenn man schon anscheinend mal wieder nicht die Traute hat, die Minijobregelung und/oder das Ehegattensplitting abzuschaffen, wäre dies tatsächlich die drittbeste Maßnahme zur Verringerung von Altersarmut bei Frauen. 

Eine öffentliche Debatte ist natürlich notwendig, um dahinterzukommen, welche weiteren Voraussetzungen zu den beiden genannten noch ergänzt werden müßten, um die kostenlose Mitversicherung in Fällen weiter aufrechtzuerhalten, in denen das erforderlich ist. Aber grundsätzlich ist das eine Maßnahme, die die jungen Mütter von heute davor bewahren kann, im Alter einmal aufstockend Grundsicherung beantragen zu müssen. Auch dann, wenn es für sie heute erst mal zu einer Einbuße beim verfügbaren Einkommen führt. 

Genau so müßte man das aber auch kommunizieren. Es muß anschließend immer noch nicht jedem gefallen, vor allem denen nicht, die ad hoc erst einmal mit einer höheren finanziellen Belastung rechnen müssen. Aber es ist ein Kunstfehler, dies in dieser rein negativ argumentieren Form zu fordern, die aus Perspektive der Betroffenen für sie nicht nur nachteilig, sondern auch beleidigend ist. 

Lars Klingbeil findet anscheinend, daß man nach 45 Berufsjahren aus dem Berufsleben ausscheiden können müßte. Für jemanden wie mich, die mit 16 ins Berufsleben eingestiegen ist, würde das heißen, daß ich auf eine Rente mit 61 pochen können müßte. Ist Klingbeil sich WIRKLICH sicher, daß er mich gerne schon zum ersten Juli dieses Jahres in den Ruhestand verschwinden sehen möchte? Ich hätte nichts dagegen, aber ich bin trotzdem der Meinung, dieser verwirrte Mensch weiß nicht, was er da fordert. Mehr als die Hälfte der Berufstätigen in der Altergruppe Ü50 hat eine geringe bis mittlere Qualifikation, ist also mit Haupt- oder Realschulabschluß und typischerweise, so wie ich, mit 16 Jahren ins Berufsleben eingestiegen. Hinzu kämen aber auch noch diejenigen, die bei demselben frühen Berufseinstieg später durch Qualifizierung beruflich aufgestiegen sind. Will der Klingbeil das wirklich, daß die Mehrheit der 61jährigen sich in die Rente verabschiedet, nur damit er die Minderheit derjenigen, die erst mit 25 nach Studienabschluß ins Berufsleben eingestiegen sind, dazu zwingen kann, erst später in den Ruhestand zu gehen?

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Endlich habe ich es geschafft, im Staatsarchiv einmal nach der Geschichte unseres Häuschens zu suchen. Ein Erbauungsjahr ließ sich zwar nicht ermitteln, aber es ist mindestens zweihundert Jahre alt, denn im Jahre Anno domini 1826 wurde es nach dem Tod des Eigentümers vererbt und im "Güterbuch", so hieß damals das Grundbuch, auf seine Witwe eingetragen. Kinder waren nach damaligem Erbrecht erst Nacherben, wenn beide Elternteile verstorben waren, und im 19. Jahrhundert war dieser Nacherbe für gewöhnlich der älteste überlebende Sohn. Seine Geschwister mußte er wahrscheinlich auszahlen. Das wird nicht jedem leichtgefallen sein, und vielleicht ist das die Erklärung dafür, daß im Fall unseres Hauses nach dem Tod der Witwe des Hauseigentümers nicht dessen ältester Sohn, sondern sein jüngerer Bruder das Haus bekam. Womöglich hatte er bislang vergeblich auf sein Erbteil gewartet und der gesetzliche Erbe des Hauses, ein noch junger Mann, hatte auch nicht die Mittel, um ihn auszuzahlen. Die Übertragung des Hauses auf seinen Onkel war vielleicht dann die günstigste Lösung für alle Beteiligten, und der junge Mann konnte wiederum vom Onkel Geld verlangen und sich anderswo eine Existenz schaffen.

Keine Ahnung, ob es wirklich so gewesen ist, aber es ist eine Möglichkeit, die die ungewöhnliche Erbfolge des Hausbesitzes erklären könnte.   

Es kann auch sein, daß das Haus sogar noch viel älter ist, denn im achtzehnten Jahrhundert werden die Güterbücher ziemlich undurchsichtig. Wir fanden noch zwei mögliche Kandidaten, die schon sehr viel früher in unserem Haus gewohnt haben könnten, nämlich um 1700 herum, aber in ihrem Fall läßt sich nicht nachvollziehen, ob ihre "Behausung" (so das selbstgenutzte Haus im damaligen Amtsdeutsch) nun dieses Haus oder ein anderes war. Der Erblasser von1826 hat nämlich neben diesem Haus noch ein zweites vererbt, das in einer anderen Straße und näher an der Kirche lag. Es ist also möglich, daß unser Haus noch relativ neu war (es lag im Ortsplan von 1832 auch noch direkt am Ortsrand) und das andere, zentraler im Ortskern gelegene der alte Familiensitz, in dem auch die beiden Mitglieder der Familie um das beginnende 18. Jahrhundert herum gelebt haben könnten.Ich bin gespannt, ob ich dazu noch etwas herausfinden kann. Zwischen 1826 und 1989 war das Haus durchgehend von derselben Familie bewohnt, also will ich jetzt noch die Eltern- und Großelterngeneration der ältesten bekannten Eigentümer ermitteln und dann recherchieren, was im Stadtarchiv über sie bekannt ist, vielleicht ergibt sich daraus ja ein Hinweis auf dieses Haus und, was mich besonders interessieren würde, dessen einstigen Neubau und damit auch ein Erbauungsjahr.


Mittwoch, 25. März 2026

Die SPD und ihre Suche nach einer neuen Zielgruppe

Mein Gewicht heute früh nach dem zweiten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 74,8 Kilogramm. Das ist nicht berauschend, aber auch kein Grund, sich zu entsetzen. Ich habe jetzt bis Ostern Urlaub (um mich im Garten auszutoben), in so einer Situation zu fasten, ist ziemlich ungewohnt, aber von Montag bis heute um die Mittagszeit, als es dann leider zu regnen begann, war ich praktisch den gesamten Tag im Garten, und an Essen habe ich nicht einmal gedacht. 

Ab nächster Woche mache ich mit meinem gewohnten Fastenrhythmus weiter, also in meines Mannes Frühschichtwochen zwei nicht zusammenhängende und in seinen Spätschichtwochen drei oder vier zusammenhängende Fastentage - je nachdem, wie es sich am sinnvollsten einrichten läßt. Ob ich in der Woche nach Ostern mit nur vier Werktagen wirklich viermal fasten will, bin ich mir gerade noch nicht ganz schlüssig, aber das wird sich schon finden. 

Mein Mann ist gerade dabei, die Unterzeile der neuen Küche einzubauen, und das Stadium, in dem wir in der Küche eine nahezu unbenutzbare Baustelle haben, was er anfangs auf "idealerweise zwei bis drei Tage" einschätzte, dauert inzwischen den zehnten Tag. Das liegt vor allem an der Spüle, auf deren Lieferung wir immer noch warten - für morgen wurde sie jetzt endlich angekündigt, und ich hoffe, sie kommt dann auch wirklich. Die alte Spüle provisorisch wieder einbauen wollte er nicht. Auch insofern war es nicht schlecht, daß ich einen so großen Teil der Zeit gefastet habe, denn auf diese Weise zu kochen hat nun wirklich einen Spaßfaktor unter dem Gefrierpunkt. Das Kochen ist im Moment also auch an Eßtagen ziemlich auf Sparflamme. Ein zweiter nicht erwarteter Faktor war, daß beim Gaskochfeldnach dem Anschließen Gasgeruch wahrnehmbar war. Also mußte ein neues Gaskochfeld her, aber das muß zunächst von einem Fachbetrieb auf Dichtigkeit geprüft werden. Das Kochfeld ist heute glücklich eingetroffen (vor der Spüle, die weit früher bestellt worden war, grummel), aber den Installateur erreicht man nachmittags kaum, also werde ich morgen früh bei ihm anrufen, und dann kommt es darauf an, wann er Zeit hat. Mit etwas Pech dauert das bis nächste Woche. 

Tja, das kommt davon, wenn man sich keinen Fachmann leistet, weil der Göttergatte so wild darauf war, die Küche selbst zu bauen. Eine Arbeitsplatte hat er auch noch nicht bestellt, bis auf weiteres werden wir also mit einem Provisorium arbeiten müssen - sobald das Arbeiten in dieser Küche generell wieder möglich ist, denn im Moment habe ich keinerlei Arbeitsflächen übrig. Bis die Küche *wirklich* fertig ist - also auch die Oberschränke ersetzt wurden und auf der Gegenseite das von mir ersehnte schöne alte Küchenbuffet steht -, das wird noch geraume Zeit dauern. Fragt mich also lieber nicht nach meiner Laune. Ich zehre gerade von Durchhalteparolen, denn auch die längste Baustelle wird ja irgendwann ein Ende finden, und dann habe ich eine Küche, in der das Arbeiten viel mehr Spaß machen wird als in der alten. 

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Schon klar: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und zwei Studien, die sich mit den ungewollten Nebenwirkungen politischer Maßnahmen befassen, die den Menschen - mit besten Absichten - eigene Entscheidungsspielräume beschneiden und zu genau den betrüblichen Ergebnissen kommen, die ich qua gesundem Menschenverstand von vornherein erwartet hätte, bedeuten noch kein Umdenken in Wissenschaft und Politik. Trotzdem ist es eine Erwähnung wert, daß ein gewisser Patrick Bernau in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 22. März 26 so ausführlich über die Problematik berichtet hat, die sich aus diesen Studien ergab. Kein Link, sorry. Ich fand den Artikel seltsamerweise nicht online. Der Titel lautete "Ein bißchen Hilfe für die anderen."

Eine dieser Studien, aus Dänemark, untersuchte die Zufriedenheit junger Ehepaare mit der Arbeitsverteilung nach Geburt eines Kindes, nachdem qua Gesetz festgelegt worden war, daß ein Teil der Elternzeit - elf Wochen - verfällt, falls er nicht vom Vater des Kindes genommen wird. Obwohl alle anderen Ergebnisse der Veränderung (etwa die Verringerung von Ungleichheit der Geschlechter in beruflicher und finanzieller Hinsicht) zur Zufriedenheit derjenigen, die sich die Sache ausgedacht hatten, ausgefallen waren, ergab sich, daß im Vergleich zur vorherigen Regelung die Zufriedenheit beider Geschlechter überraschenderweise erheblich gesunken war, und zwar bei den Müttern noch stärker als bei den Vätern: von 90 auf nur noch 50 Prozent. 

Es ehrt die Autoren der Studie, daß sie empfiehlt, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob dieser Preis für die angestrebten Ziele in Form von geringerer Zufriedenheit der Betroffenen die Sache wirklich wert ist, denn das ist gerade heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Ich jedenfalls rechne von vornherein nicht damit, daß irgendwer in der Wissenschaft meine Zufriedenheit für einen anzustrebenden Wert halten könnte. 

Die zweite Studie ist noch interessanter, weil sie eine Frage untersucht, die ich sehr wichtig finde, nämlich ob und wenn ja wie hoch die Bedeutung der Möglichkeit ist, uneingeschränkt über eine Sache selbst entscheiden zu können. Dazu wurde eine Methode ausgetüftelt, in der sich dies in Euros und Cents ausdrückte, die man mehr zu bezahlen bereit war, wenn man dies nach eigenem Gutdünken tun konnte. Es ergab sich, daß dieser Wert bei 8,9 Prozent liegt - wobei es aber Unterschiede gibt: Etwa ein Fünftel möchte die Entscheidung am liebsten gar nicht selbst treffen, ebensovielen ist es egal, ob die Wahl selbst- oder fremdbestimmt ist, solange sie nur für vorteilhaft gehalten wird. Aber mehr als die Hälfte mißt der Möglichkeit, selbst entscheiden zu können, einen Eigenwert bei ("intrinsischer Wert"), der davon unabhängig ist. Das bedeutet, die eigene Wahlmöglichkeit ist ihnen ggf. höhere Kosten - oder höhere Unsicherheit bei den Kosten - wert.

Wahlmöglichkeiten zu haben ist meiner Überzeugung nach der am häufigsten noch nicht einmal unterschätzte, sondern sogar ganz übersehene wichtige Bestandteil der Menschenwürde. Wahlmöglichkeiten auf dem gesetzgeberischen Weg zu verringern, ist per se eine heikle Sache, aber unangenehmerweise gerade in der Politik schwer in Mode. Niemand findet etwas dabei, dieses Instrument auch dann einzusetzen, wenn man damit absehbar kaum etwas bewirken kann. Es wird davon ausgegangen, daß dies über die angestrebte positive Wirkung hinaus keine Nebenwirkungen hätte.Wie man an den beiden Studien sieht, wäre es aber ratsam, sich mit möglichen Nebenwirkungen zu befassen, die aus der beschnittenen Selbstbestimmung entsteht. Ich hoffe deshalb, das Thema findet wenigstens so viel Beachtung, daß es wissenschaftlich weiterverfolgt wird und politisch zu einer Anpassung der Entscheidungskriterien führt. 

Irgendwann jedenfalls. 

So schnell darf man damit nämlich wohl noch nicht rechnen, denn wenn es einen Kardinalfehler gibt, den alle Parteien teilen, dann ist es dieses dumpfbackige Ignorieren von Emotionen, die ihre Maßnahmen erzeugen, sowie mögliche eigentlich unerwünschte Wirkungen, die sich aus dieser Gefühlslage ergebem. Wahrscheinlich deshalb, weil sie sich nur schwer messen und zählen und insbesondere als Wirkung einer bestimmten Ursache zuordnen lassen und damit unter dem Radar der meisten Experten liegen - deshalb freute ich mich auch über diese Studien, denen es gelungen ist, sie einzufangen.  

Einstweilen hat ausgerechnet die SPD mit der Präzision eines falsch programmierten Computers auf die Wahlschlappe in BW und RLP reagiert. Künftig, so war nun zu lesen, wolle man sich auf Arbeitnehmer mit einem Einkommen zwischen 3000 und 4000 Euro fokussieren. Für sie wolle man das Leben besser machen. Als Reaktion auf die Wahrnehmung in großen Teilen der Öffentlichkeit - die sich bei beiden Wahlen auch in Umfragen ergabe -, die SPD kümmere sich vor allem noch um Transferleistungesempfänger. 

Ich fürchte, wir können langsam anfangen, Nachrufe auf die gute alte Tante SPD zu schreiben. Klar, die SPD muß darauf reagieren, daß ihre Performance in der Bundesregierung sie ein weiteres Mal in der Wählergunst abrutschen lassen hat. Aber das ist noch lange kein Grund, es sich nun auch noch mit der letzten gesellschaftlichen Gruppe zu verscherzen, die der SPD weitergehend als alle anderen die Treue gehalten haben. Und das sind laut Tagesschau-Umfragen die Rentner. Die haben überhaupt kein Erwerbseinkommen und sehr selten eine Rente, die einem Nettoeinkommen aus 3000 brutto oder mehr entspricht. 

 Umfrage, Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026, SPD-Stimmanteile in Altersgruppen im Vergleich zu 2021, in % | Alle 26,0 ([Vgl. 2021] 36,0) | 18 - 24 Jahre 19,0 ([Vgl. 2021] 24,0) | 25 - 34 Jahre 19,0 ([Vgl. 2021] 25,0) | 35 - 44 Jahre 20,0 ([Vgl. 2021] 31,0) | 45 - 59 Jahre 23,0 ([Vgl. 2021] 36,0) | 60 - 69 Jahre 31,0 ([Vgl. 2021] 40,0) | 70 und älter 34,0 ([Vgl. 2021] 45,0) | Infratest-dimap. 23.03.2026, 08:51 Uhr

Genau wie schon in Baden-Württemberg hat die Tagesschau darauf verzichtet, Arbeitslose zu befragen und leider ebenso auf eine Einkommensverteilung, deshalb hat es keinen Sinn, auch die Grafik zu den beruflichen Verteilungen zu posten. Das ist auch deshalb bedauerlich, weil es mich brennend interessiert hätte, was eigentlich diejenigen, die angeblich am meisten von SPD-Politik profitieren, nämlich die Bürgergeldempfänger, gewählt haben. Es würde mich nämlich sehr überraschen, wenn die SPD bei denen nicht noch mehr Wähler verloren haben würde als bei allen anderen Gruppen. Egal, wieviele Wähler die SPD irrtümlich für Wohltäter der Bezieher von leistungslosen Transfereinkommen halten, die Betroffenen sind in den letzten Monaten ständig von der SPD beleidigt worden. Es ist nämlich beleidigend, jemandem, der seine Arbeit verloren hat, zu unterstellen, wenn man ihn nicht pausenlos schurigelt, würde er nicht bereit sein, seinen Lebensunterhalt mit eigenen Händen zu verdienen. Eine Kommunikationskatastrophe fand ich vor allem den Satz von Bärbel Bas, die sich ja sogar noch damit brüstete, bei den geplanten Maßregelungen bis an die Grenze des verfassungsrechtlich Zulässigen gegangen zu sein. Vermutlich wollte sie damit ihre Bereitschaft ausdrücken, der CDU so weit wie möglich entgegenzukommen, also eine gute Kompromißbereitschaft und damit die Koalitionstauglichkeit der SPD bewiesen zu haben. Aber hat sich diese Frau gar nicht vorzustellen versucht, wie ihr Satz für jemanden klang, der gerade Bürgergeld bezieht? Denn selbstverständlich muß das so verstanden werden, als sei sie so scharf darauf, Arme zu sanktionieren, daß sie alles dafür tun würde, um dies möglichst häufig tun zu können. 

Nein, ich glaube nicht, daß besonders viele Arbeitslose SPD gewählt haben. Aber warum interessiert das Wahlverhalten Arbeitsloser - insbesondere im Vergleich zur letzten Wahl - außer mir eigentlich niemanden? Ich verstehe das wirklich nicht. 

Die neue Zielgruppe der SPD wird wegen ein paar steuerlicher Erleichterungen (sofern die SPD überhaupt imstande ist, sie durchzusetzen) kaum anfangen, SPD zu wählen, für die Ärmeren fühlt sie sich nach eigenem Bekunden nicht mehr zuständig und ihre letzte verbleibende Hauptwählergruppe interessiert sie dem Augenschein nach auch nicht mehr, und wird bestimmt nicht erfreut darauf reagieren. Aber sogar wenn sämtliche Arbeitnehmer mit dem passenden Einkommen SPD wählen würden (und dafür alle anderen es nicht täten), würde das unter dem Strich ziemlich genauso viele Wähler wie bei der letzten Bundestagswahl bedeuten, also was wäre damit gewonnen? 

Tatsächlich macht die SPD sich gerade selbst bei fast allen unwählbar. Bei der nächsten Wahl wird sie noch ein weiteres Stück abrutschen, wenn sie die neue Strategie wirklich umsetzt. 

Hätte die SPD sich die Daten etwas genauer angesehen, wäre ihr aufgefallen, daß die SPD dort besonders abgeschmiert ist, wo die AfD besonders erfolgreich war: Je kleiner der Ort, desto weniger SPD-Wähler. Jede Strategie, wieder in der Wählergunst zu steigen, müßte also eigentlich in den Dörfern anfangen. Erst einmal Präsenz zeigen und mit den Leuten sprechen und einen Eindruck zu gewinnen versuchen, was diese Leute umtreibt und wie man sie von der SPD überzeugen könnte. Erst in meinem letzten Blogartikel hatte ich darüber schon gesprochen.

Es wäre außerdem klug von der Bundes-SPD, sich die vergleichsweise seltenen Erfolge auf kommunaler Ebenen näher anzuschauen, da gab es nämlich einen in Schweinfurt, wo der SPD-Kandidat gewonnen hat. Wie er sich seinen Erfolg gegen den sonstigen Trend bei der SPD auf allen politischen Ebenen erklärt, das kann man in der TAZ nachlesen. Die Bundes-SPD sollte das ebenfalls tun, anstatt sich von irgendwelchen neunmalklugen Zahlenschubsern die Welt nach dem Prinzip "Malen nach Zahlen" erklären zu lassen - diese Erklärungen stimmen meiner Erfahrung nach sowieso so gut wie nie.

Mir ist schon klar, daß nichts dergleichen passieren wird. Aber dann hat die SPD den Abstieg zur Splitterpartei auch wirklich verdient. 

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Neues aus meinem Garten, über den gerade der Frühling mit aller Macht hereinbricht, weshalb ich es eilig habe mit dem destruktiven Teil meiner Arbeit: Ich bin dabei, die allerletzten noch zu beseitigenden Baumwurzeln zu entfernen - jetzt sind nur noch drei oder vier Ahornwurzeln übrig, dann verbleiben nur noch die Stümpfe von den dicken Bäumen, die ich natürlich mit meinen Mitteln nicht rauskriegen kann. Mein Mann findet diese Aktion eigentlich überflüssig, aber vor allem Ahornbäume sind ziemlich renitente Gesellen und kommen immer wieder, wenn man sie nicht mit Stumpf und Stiel beseitigt. Und wie schnell der Efeu dabei ist, den kompletten Garten übernehmen zu wollen, sehe ich an dem einstweilen weiter geduldeten Efeu am Zaun neben dem Gartentor. Gestern hat er von mir den ca. alle halbes Jahr erforderlichen Haircut bekommen und das alleine war schon eine große Gartenabfall-Tasche voll. 

Endlich haben wir außerdem den "hohlen Zahn" sowie einen zweiten abgestorbenen Baum sowie zwei überlebensgroße Zypressen gefällt. Nun ist neben der Eibe nur noch ein weiteres Nadelgehölz im Garten. Die Eibe werden wir wahrscheinlich stehen lassen, aber das andere Teil wird nächstes Jahr wohl auch gefällt. Dieses Jahr brauchen wir es aber noch, um an dieser Stelle Schatten zu haben. Bis nächstes Jahr wird der - ebenfalls ziemlich radikal gestutzte - Holunder wohl diese Funktion wieder erfüllen können.  

Von den vier gefällten Bäumen (zwei aus dem Ruder gelaufene Koniferen und zwei tote Bäume, die schon vor zehn Jahren nur noch als Efeu-Unterlage dienten, was die Vor-Vorgängerin offenbar pittoresk fand), sind bis auf die Stämme die meisten Äste und Zweige gehäckselt und werden teils zum Auffüllen des Bodens mitverwendet. Die Äste, die zum Häckseln zu dick waren, werden wir in einem Ungetüm von Feuerschale in Rauch aufgehen lassen, die sich mein Mann letzte Woche in den Kopf gesetzt und sofort bestellt hatte. Nun ja, noch ein Teil, das wir irgendwo unterstellen müssen, und kein Platz, um dies zu tun. Aber nächstes Wochenende gibt es zur Feier der Feuerschale bei uns jedenfalls Stockbrot. ;-) Und die Stämme dienen dazu, das abfallende Gelände hinter der Gartenhütte zu terrassieren. So findet alles noch seine Verwendung. 

Unser im letzten Herbst umgestürzter und wieder aufgerichteter hundertjähriger Quittenbaum soll allerdings leben -und das tut er auch unübersehbar: Er bekommt gerade viele, viele Blätter, und wir freuen uns mordsmäßig darüber. Ob wir auch Blüten bekommen werden, bleibt einstweilen noch abzuwarten. Unter dem gestutzten Haselstrauch kommt dafür gerade der Bärlauch heraus - eigentlich mag Bärlauch es aber schattig, und so haben wir ihm wohl keinen Gefallen getan, als wir den Hasel so radikal gestutzt haben. Ich bin deshalb am Überlegen, ob ich nicht einen Teil ausgraben und an die nunmehr geeignetere Stelle beim Feigenbaum umsiedeln sollte. Aber einstweilen warte ich noch darauf, daß die Blätter noch ein bißchen größer werden, damit ich anfangen kann, zu pflücken. 

Ansonsten haben wir - nachdem die Winterlinge, die Schneeglöckchen, die Alpenveilchen und der einzelne Krokus, der sich zu uns verirrt hatte, bereits abgeblüht sind - Tulpen, Osterglocken, Veilchen und eine Menge Traubenhyazinthen, die gerade blühen. Die Pfingstrose, die letztes Jahr sehr zeitige im Frühjahr nur eine einzelne riesige Blüte mit duftigen weißen Blättern um eine gelbe Mitte herum bekam - wir nannten sie deshalb "Spiegeleiblume" -, wirkt dieses Jahr entschlossen, erheblich mehr Blüten zu produzieren, die Knospen sind riesig und können jetzt jeden Tag aufgehen. Auch der Kirschbaum steht in den Startlöchern, das erste Weiß blitzt aus den Knospen heraus. Bei den Apfelbäumen wiederum kommen bereits die ersten Blätter, was mich ein bißchen wundert, ich dachte eigentlich, das beginne erst, wenn die Kirschblüten schon da sind. Sie wachsen jedenfalls schnell, und es sieht so aus, als würden beide Bäume auch mit viel Nachdruck blühen wollen. Im Moment sehen sie aus wie auf dem Foto des "Grünknospenstadiums". In den nächsten Tagen soll es nachts ja Minusgrade geben, aber vorhergesagt sind aktuell als niedrigster Wert minus zwei Grad - das müßten die Blüten eigentlich aushalten. Trotzdem, jetzt wünsche ich mir natürlich doch, daß der Kirschbaum sich noch bis Anfang nächster Woche Zeit läßt mit dem Aufblühen. Die Apfelblüten kommen, wenn ich nach der verlinkten Quelle gehe, sowieso erst in ca. zwei Wochen. 

Nur eine Kleinigkeit, aber ich habe mich total darüber gefreut: Letzten Herbst habe ich sämtlichen Schnittlauch geerntet, der bis dahin noch übrig war, und eingefroren. Den Topfinhalt habe ich im Garten einfach aus dem Topf herausgenommen und lose auf den Boden aufgesetzt, weil ich dachte, nun ja, schlimmstenfalls passiert eben gar nichts, dann habe ich nicht viel verloren. Jetzt habe ich an dieser Stelle einen kleinen Erdhügel, aus dem gerade sehr munter eine Menge neuer Schnittlauch herauskommt. Wegen des Hügels ist eine Verwechslung mit Unkraut nicht möglich. Das finde ich super, ich glaube, das probiere ich künftig mit allen Topfkräutern. Rieseneinsparungen bringt das beim Einkaufen zwar nicht, aber trotzdem. 

Am Sonntag setzte sich ein - meinem Empfinden nach - riesiger Greifvogel auf den Hühnerstall und ließ sich ein Weilchen von mir anschauen, obwohl ich ihn gleich diplomatisch darauf hinwies, daß er in dem Hühnerstall keine Hühner finden würde, nur Gartengeräte. Ich glaube, das war ein Rotmilan, die haben wir hier nämlich massenhaft. Für einen Mäusebussard, den wir ebenfalls ständig sehen (und vor allem hören), war dieser Vogel nämlich viel zu groß. Mäusebussarde sind kleiner als Krähen, das weiß ich, weil ich einmal mitverfolgt habe, wie ein halbes Dutzend Krähen einen Mäusebussard attackierten. Anscheinend brütet in Ortsnähe auch ein Wanderfalkenpärchen, aber das wird vermutlich eher nicht direkt in den Ort kommen. Also war es wohl wirklich der rote Milan. Sonst sehe ich die immer nur im Flug, dann leicht erkennbar an dem gegabelten Schwanz. Ich war begeistert über diesen seltenen Besucher auf unserer bescheidenen Hütte. Der darf gerne wiederkommen. 

Ansonsten sind unsere Nistkästen leider wieder nicht angenommen worden. Das lag vermutlich daran, daß wir in der kritischen Phase zu aktiv im Garten waren und die Meisen verschreckt haben. Einmal haben wir ein Kohlmeisenpärchen beobachtet, wie es einen der Kästen inspizierte. Das war am Tag, bevor wir unser Bäume geschnitten haben - womöglich haben sie den Baum nicht mehr wiedererkannt. Hübsch ist es aber, daß manche der Meisen - eine Kohlmeise und eine Blaumeise - ans Futterhaus kommen, auch wenn ich gerade auf  der Terrasse sitzen - jedenfalls, wenn ich ganz still sitze und möglichst noch das Atmen einstelle. Sie setzt sich dann immer auf unsere Teppichstange und wirkt ein bißchen mit sich uneins, ob sie es riskieren soll oder nicht, manchmal schimpft sie mich auch aus. Ab und und zu fliegt sie dann doch wieder weg, aber meistens kommt sie jetzt heran, um sich am Futterhaus eine Erdnuß oder einen Sonnenblumenkern zu holen. Mal sehen, wieviele Sonnenblumen uns die Meisenbesuche bescheren werden. 

Das Rotschwänzchenmännchen - seine Allerliebste habe ich bis jetzt freilich noch nicht gesehen - ist auch aus seinem Winterdomizil zurückgekommen und ständig zu hören und manchmal auch zu sehen. Vermutlich ist es derselbe wie letztes Jahr, denn er ist sehr unerschrocken. Heute vormittag hat er unsere Terrasse inspiziert und sich nicht durch meine Anwesenheit dabei stören lassen.

Das Amselpärchen - mindestens das Männchen ist ein anderes als letztes Jahr, es singt nämlich anders - hat uns heute auch im Garten beehrt. Der Amselhahn inspizierte den Rand des Gartenwegs, wo ich gerade das Unkraut entfernt hatte, und die Menge der Insekten und Würmer fiel offenbar zu seiner Zufriedenheit aus, denn später kam er samt Gattin noch einmal, und sie machten eine kleine Runde zu Fuß durch den vorderen Garten.  

Die Mausefallen habe ich jetzt weggeräumt, da wir nun seit fast vier Wochen keine Mäuse mehr gehabt haben. Die fühlen sich jetzt alle im Freien so wohl, daß sie wohl vor dem späteren Herbst nicht mehr nach einem Dach über dem Kopf suchen werden. An unserem Dachspitz ist für so ein Mäuschen ja nur der Schutz vor Kälte interessant. Im Herbst werden die Fallen dann wieder scharfgestellt. 


Freitag, 20. März 2026

Sozialdemokraten an die Zapfhähne?

Mein Gewicht heute früh nach dem dritten von vier viertägigen Fastenintervallen in vier Wochen: 72,8 Kilogramm. Das ist so na ja, aber erfreulich ist, daß ich vom Körpergefühl her tatsächlich weniger geworden sein muß. Mittlerweile ist es nämlich oft nicht mehr ganz leicht, hier Unterschiede festzustellen, weil meine Verdauung seit der Chemo häufig so langsam geworden ist, daß ich oft das Gefühl habe, um den Bauch herum mehr zu sein, als ich es in Wirklichkeit bin. Ich habe ja das Gefühl, daß es inzwischen wieder normaler wird, also für immer längere Phasen normal ist, aber dazwischen habe ich halt doch immer noch öfter, als es mir lieb ist, diese Beton-im-Gedärm-Phasen. Wie soll man damit ein normales Körpergefühl haben?

Nächste Woche ist das letzte der vier langen Fastenintervalle, die ich eigentlich wieder als Endspurt geplant hatte, mir das Erreichen des Zielgewichts dann aber - gegen jede Erwartung - doch wieder abschminken mußte. Grund ist, daß die Low-Carb-Phasen diesmal eine deutlich geringe Wirkung gezeigt haben. Ich werde mir also etwas Neues ausdenken müssen, um mein Zielgewicht doch noch zu erreichen, aber das habe ich jetzt, glaube ich, oft genug wiederholt und werde nun damit aufhören, es immer wieder vorzubeten. Was das sein soll, weiß ich im Moment noch nicht genau, aber das wird sich wohl früher oder später finden. 

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So viel Neues gab es in meinen Interessenbereichen gar nicht.  

Eine interessante Meldung fand ich aber den ntv-Bericht über eine Studie, nach der schwere Covid-Verläufe auch das Lungenkrebsrisiko erhöhen. Das ist ein Indiz dafür, daß mein Verdacht, daß Infektionen (aller Art) bei Krebserkrankungen (aller Art) nach wie vor unterschätzte Risikofaktoren sind, nicht so ganz unberechtigt ist. Für Grippe soll es ganz ähnlich sein - aber nur bei schweren Verläufen. 

Aus Blickwinkel der Seyfriedschen Mitochondrien-Theorie ergibt beides sogar noch viel mehr Sinn als wenn man die aktuell für wahr gehaltenen Krebstheorien für richtig hält, da einfache Infektionen weniger Schäden innerhalb der Zelle an den Mitochondrien anrichten sollten als schwere Infektionen. Glaubt man an die aktuellen Krebsentstehungsmodelle, ist der Zusammenhang hingegen ein rein statistischer, einen naheliegenden Kausalzusammenhang gibt es für Mutationen des Zellkerns nicht, darauf wies auch der ntv-Bericht hin. 

 

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Aber wenn ich schon gerade beim Lungenkrebs bin ... ein aktueller Anlaß legt es mir nahe, mal wieder das Thema Rauchen aufzugreifen, in einer Weise, die vermutlich ein bißchen überraschend ist. 

Für einen Raucher wie mich ist das zwar kein allzu überraschendes Bekenntnis, auch wenn viele Raucher mittlerweile das Gegenteil behaupten: Ich habe das Rauchverbot in der Gastronomie seinerzeit - das ist nun auch schon wieder fast zwanzig Jahre her - für eine bemerkenswert schlechte Idee gehalten und bin dieser Meinung immer noch. Aber nicht deshalb, weil ich mich als Raucher damit diskriminiert oder unterdrückt fühlte.Obwohl ich Nichtrauchergastronomie nach wie vor meide, wenn es nicht die Höflichkeit gebietet, sie mit anderen zusammen aufzusuchen. Aber es gibt ja keine Gaststättenbesuchspflicht, und schon vorher galt ja das Prinzip: Wenn ich mich in einem Lokal nicht wohlfühle, dann gehe ich halt nicht hin. Die Gastronomie verdient an mir deshalb seit etlichen Jahren viel weniger als vor dem Rauchverbot, aber falls sie an meiner Stelle einen Haufen zusätzliche nichtrauchende Gäste gewonnen haben sollte, dann sei ihr das, was mich betrifft, von Herzen gegönnt. Ich muß ja nicht unbedingt dauernd auswärts essen. Immerhin koche ich ja selbst gut und gerne. 

Meine damaligen Einwände gegen ein gesetzliches Rauchverbot in der Gastronomie hatten etwas mit der erwähnten Freiwilligkeit von Gaststättenbesuchen zu tun, die ja für Raucher wie für Nichtraucher gleichermaßen gilt. Aus Perspektive des Geschäftsinhabers, der mit Leuten seinen Lebensunterhalt verdient, die (absolut freiwillig) seine Gaststätte aufsuchen und dort konsumieren, fand ich die Veränderung der zugehörigen Geschäftsgrundlage mit dem damit verbundenen Risiko eines Gästeschwunds eine ziemliche Zumutung, und zwar in meiner Eigenschaft als Selbständige, die das bei ihrer eigenen Geschäftsgrundlage auch nicht sonderlich angenehm fände. Der Gesetzgeber hätte außerdem eine Reihe anderer Möglichkeiten gehabt. Eine davon wäre ein Bestandsschutz für bestehende Lokale (und die Möglichkeit sowie ggf. Anreize, freiwillig selbst Nichtraucherbereiche einzurichten) und ein Rauchverbot als Regelfall für neu eröffnende Lokale gewesen. Das hätte die wirtschaftlichen Turbulenzen für die Gastronomie wegen der Umstellung erheblich verringert und damit auch die eine oder andere Pleite verhindert, aber wegen der hohen Fluktuation im Gastgewerbe relativ schnell dazu geführt, daß der Anteil der Lokale, in denen geraucht werden darf, immer geringer geworden wäre. 

Die Gastronomie als Ganzes hatte sich natürlich innerhalb einiger Jahre gut an die Gegebenheiten angepaßt, und statistisch würde sich ein Gaststättensterben in der Breite nicht nachweisen lassen. Das liegt daran, daß die Fluktuation in der Gastronomie, wie erwähnt, generell hoch ist und mit dem Rauchverbot unrentablere Geschäftsmodelle bei Betriebsaufgaben durch besser an diese Gegebenheit angepaßte ersetzt wurden. 

Jedenfalls war das in Innenstädten und viel von Touristen frequentierten Gebieten so. 

In (untouristischen) Dörfern und sogar schon in unscheinbareren Vorstädten - überall dort, wo ein Lokal nicht mit viel Laufkundschaft rechnen kann -  ist es aber anders. Das Gaststättensterben auf dem Land, über das auch die Medien regelmäßig berichten, habe ich schon vor zehn Jahren beobachtet, wenn ich, wie ich das viele Jahre lang tat, auf mehrtägige Wanderungen ging, bei denen ich unterwegs zwei bis drei Übernachtungen einplante. Daß ich fast immer in gähnend leeren Lokalen mein Abendessen einnehmen mußte, fand ich schon auffallend. In einem Lokal war außer mir nur noch ein stark angetrunkener Mann anwesend, der am Tisch saß, der der Theke am nächsten lag, und die Bedienung entschuldigte sich ununterbrochen bei mir für diesen unpassenden Gast. Aber gerade dieser Mann zeigte mir, was in diesem Lokal nicht stimmte. Innerhalb einer fröhlichen Stammtischgruppe mit unterschiedlichem Alkoholpegel wäre er nämlich gar nicht weiter aufgefallen. Aber das Lokal war natürlich überhaupt nicht mehr auf Stammtische ausgelegt, sondern verstand sich als reines Speiselokal - am Essen war auch tatsächlich nichts auszusetzen. Aber wo findet man auf dem Dorf eine ausreichend große Zielgruppe, um ein solches Lokal rentabel zu führen? Ich sehe das bei uns am Ort, wo die letzte traditionelle Dorfwirtschaft vor acht Jahren aus Altersgründen der Inhaber geschlossen wurde. Jahrelang stand das Lokal leer, vor drei Jahre versuchte es dann ein Restaurant, mußte aber nach zwei Jahren wieder aufgeben. Vor ein paar Wochen hat jetzt ein Asiate aufgemacht. Ob er sich halten kann, wird man sehen. 

Ein Dorf bräuchte halt eine Dorfwirtschaft, und eine Dorfwirtschaft braucht alle Arten von Gästen, von den Essensgästen von innerhalb und außerhalb des Orts über die Stammtische und Kartenspielrunden bis zu denen, die nur an der Theke ein Feierabendbier trinken wollen. Dann reicht es auch, um von so einem Lokal leben zu können. Dieses Konzept hat bis zum Rauchverbot auch noch funktioniert. Danach tat es das nicht mehr. Die Stammtischrunden wurden weniger, hielten sich weniger lang auf und konsumierten weniger. Sogar dort, wo Raucherbereiche eingerichtet werden konnten, funktionierten sie häufig nicht, wenn Raucher auf Nichtraucher in der Runde Rücksicht nehmen wollten und man sich im Nichtraucherbereich traf und nur ab und zu auf eine schnelle Zigarette in den Raucherbereich ging. Für den Wirt waren Raucherbereiche dann umsatzlose Zonen und die Runde machte den Beteiligten weniger Spaß. 

Bis so etwas zu Schließungen führt, das dauert auf dem Dorf aber viel länger als in Städten. Viele Dorfwirtschaften waren etwa in der Hand der Besitzer des betreffenden Gebäudes, manchmal immer noch in Verbindung mit einer Metzgerei und häufig in Kombination mit einfachen Übernachtungsgelegenheiten. Da geht man so schnell nicht pleite. Daß sich die Sache eigentlich schon lange nicht mehr gerechnet hatte, zeigt sich oft erst, wenn aus Alters- oder Gesundheitsgründen ein Nachfolger gefunden werden müßte, aber wegen der fehlenden Rentabilität nicht zu finden ist. Also sind mittlerweile nicht mehr allzu viele Dorfwirtschaften zu finden, und denjenigen, die es noch gibt, haben seitdem zusätzlich noch Corona, steigende Lebensmittelpreise, gestiegene Energiekosten und fehlendes Personal zugesetzt, was den Prozeß weiter beschleunigt hat. Schon vor dem Rauchverbot eingesetzt hatten außerdem veränderte Ausgehgewohnheiten und generell sinkender Alkoholkonsum. Das Rauchverbot ist also nur einer von zahlreichen Faktoren, die zu dieser Entwicklung geführt haben.

Wenn bei einem komplexen System wie den typischerweise ebenfalls zahlreichen Auslösern einer Krebserkrankung die Prävention bei der Vermeidung aller einigermaßen leicht vermeidbaren Risikofaktoren ansetzt, dann hätte man einem Gaststättensterben auf dieselbe Weise entgegenwirken können, wenn man es nur für wichtig gehalten hätte, so etwas zu verhindern. Corona ließ sich nicht verhindern. Die Preisanstiege für Lebensmittel und Getränke auch oder jedenfalls nur bedingt.  Beim Rauchverbot hätte man aber auch das Überleben der betroffenen Gastronomie mit zu einer der Zielstellungen machen können (und, siehe oben, dafür auch praktikable Lösungen finden können), und hat dies unterlassen. Ob man gar nicht auf die Idee kam, eine Gefährdung zu vermuten, oder ob es der Politik einfach egal und als Kollateralschaden einkalkuliert war, kann ich nicht sagen. 

Daß dies zur Destabilisierung des Gefüges der Gesellschaft mit beigetragen hat, dafür gibt es Hinweise. Das ist kein Witz. Es gibt wissenschaftliche Ergebnisse, die dies belegen können. 

In Frankreich nämlich wurde ein Zusammenhang zwischen schließenden sogenannten "Bar-Tabac"-Kneipen und einer Zunahme von Wählern rechtspopulistischer Parteien in einer Studie ermittelt. Die Stammtische mit ihrem notorisch schlechten Ruf waren wohl insgeheim doch ein ganz gutes Korrektiv - man mußte die Meinungen anderer Leute am Tisch aushalten und sich mit ihnen auseinandersetzen. Die neuen Online-Stammtische in den sozialen Medien hingegen kann man mit lauter Gleichgesinnten bestücken und alle anderen blockieren. Wir haben mit unserem Dorf noch Glück gehabt: Ein Verein ist eingesprungen und dort trifft man sich einmal die Woche, um Neues zu erzählen und zu hören - und nebenbei anderer Leute Meinungen zu ertragen, die man nicht teilt. Aber ein Verein muß auch keine Gewinne machen, die einem Wirt die Existenz sichern. Auf diese Weise geht die Sache dann doch wieder, jedenfalls solange man ehrenamtlich Engagierte findet, die bereit sind, Zeit und Energie in diese Tätigkeit zu stecken. 

Nun stellt sich aber außerdem heraus, daß das Wirtshaussterben für die AfD zu einem strategischen Faktor geworden ist. Denn es wurde jedenfalls in der AfD Rheinland-Pfalz mittlerweile die Strategie entwickelt, sich in leerstehende Wirtshaus- und vergleichbare Gebäude einzumieten und sie wieder zum - nunmehr AfD-geführten - dörflichen Dreh- und Angelpunkt zu machen, der sie früher einmal gewesen sind. Die TAZ berichtete im Zusammenhang mit dem Wahlkampf in Rheinland-Pfalz darüber. Als Normalisierungsstrategie ist dieses Vorgehen der AfD geradezu genial, wenn und wo sie aufgeht, sie also nicht an Protesten scheitert, wie sie in den beschriebenen Beispielfall am Ende zur Kündigung des Mietverhältnisses führten. Damit füllt die AfD eine Lücke im dörflichen Gefüge, die zu ihrem Erfolg selbst mit beigetragen hatte und die man alleine schon deshalb niemals hätte aufreißen lassen dürfen. 

Ob dort geraucht werden darf oder nicht, spielt übrigens keine große Rolle mehr, denn erstens ist das Thema Rauchen in der Gastronomie sowieso schon lange gegessen - ich bin nahezu die einzige, die nachtragend genug ist, um immer noch darüber zu sprechen -, und zweitens muß eine parteistrategische Maßnahme sich ja genau wie ein Vereinsangebot auch nicht nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten rentieren. Jedenfalls nicht vor der Machtergreifung, danach werden die AfDler genauso die Sau rauslassen wie alle, die sich in den USA durch Donald Trump bereichern können, an der Spitze Trump selbst und seine verkommene Familie.

Mit dem Rauchverbot ist es wie mit der neuen Rechtschreibung: Es wäre sinnlos, es wieder rückgängig zu machen, obwohl die konkrete Ausgestaltung in beiden Fällen echt keine Glanzleistung gewesen ist. Aber es spräche nichts dagegen, von dieser Initiative der AfD etwas zu lernen: Die haben die Bedeutung der Dorfgaststätten erkannt. Niemand würde die anderen Parteien daran hindern, dies ebenfalls zu erkennen und sich ein paar eigene Weichenstellungen zu überlegen. Gerade die mittlerweile ja aus dem vorletzten Loch pfeifende SPD hätte außerdem allen Grund, den "normalen Leuten" wieder häufiger aus der Nähe zu begegnen, zu hören, was für Themen sie umtreiben, und daraus zu lernen, anstatt sich nur noch im eigenen Biotop zu tummeln und dort den guten alten Zeiten nachzutrauern. In diesen guten alten Zeiten haben die Sozialdemokraten Vergleichbares ja auch gemacht, von Arbeitersportvereinen bis zu Arbeiterbildungsstätten. Kneipen gab es damals hingegen genug. Heute ist es umgekehrt, wer sich bilden will, braucht keine SPD. Aber vielleicht würde man bei ihr ja ein Feierabendbier trinken, wenn es dieses Angebot gäbe? 

Ich bin nun wirklich kein Fan der SPD. Aber einer feindlichen Übernahme der wegen mangelnder Rentabilität geschlossenen Gastronomie durch die AfD wäre sie allemal noch vorzuziehen. 

 

Mittwoch, 11. März 2026

Zahnweh, Bruttosozialglück und Robert Bosch. Gedanken zum Gender Pay Gap

Mein Gewicht heute früh nach zwei von vier Fastentagen: 74,9 Kilogramm. Das ist okay nach der Umstellung von Low Carb auf Normalkost, aber fast in Ohnmacht gefallen bin ich am Montag, begonnen habe ich nämlich mit 79,2 Kilogramm. Das war eine Art Überreaktion auf die Ernährungsveränderung, glaube ich, dafür habe ich in zwei Tagen so viel Gewicht verloren wie während Low Carb innerhalb von vier Tagen - so viel macht das Wasser aus, das man mehr als mit Low Carb gespeichert hat. Trotzdem beißt die Maus keinen Faden ab: Die Wirkung von Low Carb war diesmal unter dem Strich beinahe gleich null, und darüber bin ich schon enttäuscht. Damit ist außerdem absehbar, daß ich nicht damit rechnen kann, bis Ende März mein Zielgewicht zu erreichen.

Das ist aber auch wie verhext. Alle emotional bedeutenden Schallmauern wehren sich besonders hartnäckig. Die 100-Kilo-Grenze und die 90-Kilo-Grenze haben sich auch ziemlich energisch gewehrt. Aber diesmal hätte ich eigentlich am Ziel ankommen müssen, wenn nur, tja, die Wirkung von Low Carb nicht ausgeblieben wäre. 

Ich weiß noch nicht, was ich genau aus dieser Erkenntnis machen werde. Aber kommt Zeit, kommt Rat. Jetzt ist jedenfalls einer dieser Momente, in denen ich froh sein kann, daß mir Fasten so leicht fällt und das kleine Teufelchen keine Munition hat, um mich in Versuchung zu führen, es doch einfach bleibenzulassen. 

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David Ludwig gehört zu der Minderheit der Wissenschaftler, die in der Ernährungsfrage auf der "richtigen" Seite stehen, also das Kohlenhydrat/Insulin-Modell für richtig halten, und dazu auch schon wiederholt Studien publiziert haben. Ihm scheint es aber ein bißchen wie Prof. Seyfried zu gehen, man versucht ihn angestrengt zu ignorieren. Jetzt hat Ludwig dem ernährungswissenschaftlichen Mainstream eine Breitseite auf der Metaebene verpaßt, nämlich in einem Fachjournal eine Abhandlung dazu publiziert, wie wissenschaftliche Erkenntnisse sich verbreiten - nämlich nicht, wie sich viele das vorstellen, linear, sondern in Erkenntnissprüngen, der eine mehr oder weniger lange Phase vorausgeht, in der sich der Mainstream erfolgreich gegen eine Veränderung seines Weltbilds zur Wehr setzt. Zusätzlich zum Fachartikel publizierte Ludwig auch noch eine andere Version auf Medium, anscheinend eine Vor-Version mit leichten Abweichungen. 

Ob er damit mehr Aufmerksamkeit auf seine Arbeit lenken kann, wird man sehen. Neu ist, daß nun auch Ludwig in einer Studie eine positive Wirkung ketogener Ernährung auf Krebs gefunden hat und darauf bei Twitter aufmerksam machte. Von Prof. Seyfried hat er bestimmt auch schon gehört, aber dies hier scheint davon unabhängig zu sein. 

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Aber heute möchte ich mich mal wieder zu einem ganz anderen Thema ausgiebiger auslassen, das allerdings auch etwas mit populären Lebenslügen zu tun hat, die man teils deshalb nicht aufgeben will, weil sie einem so schön ins eigene Konzept passen, teils aber wohl einfach die falschen Werte betrachtet und daraus nur falsche Schlußfolgerungen ziehen kann. 

Zum Equal-Pay-Day brachte ver.di nämlich einen Bericht über den Gender Pay Gap. Das Besondere daran, ist, daß in diesem Bericht ausnahmsweise mal ein sonst gerne übersehener Elefant im Raum angesprochen wurde: In der freien Kulturbranche (und wie ich vermute in den meisten anderen Formen der Selbständigkeit) ist die Differenz zwischen den Einkommen von Männern und Frauen nämlich noch ein gutes Stück höher als bei Angestellten in Unternehmen. Darüber wird nur ziemlich selten gesprochen. Mir ist es seit fast zwei Jahrzehnten bekannt und es irritiert mich schon länger, daß darüber kaum gesprochen wird. 

ver.di nun zu dieser Sache:  

Im Bereich Wort/Literatur und damit auch in der Berufsgruppe der Journalistinnen sind die durchschnittlichen Einkommen am höchsten.  Dennoch liegt der Gender Pay Gap auch hier bei 21 Prozent – Frauen verdienen durchschnittlich 21.629 Euro, Männer 27.360 Euro. Insgesamt sind die Einkommen oft so niedrig, dass viele Frauen zusätzliche Jobs benötigen. Studien zeigen: Nur eine Minderheit erzielt ein auskömmliches Einkommen, wenige Spitzenverdienende stehen einer großen Zahl prekär Arbeitender gegenüber.

Ich bin so frei, beide Werte mal zu aktualisieren: Aktuell sind es laut Künstlersozialkasse bei Frauen 22.586 und bei Männern 28.325 Euro. Diese Einkommen sind für beide Geschlechter trotzdem so niedrig, daß ich erwähnen sollte, daß ich die Werte bei der Künstlersozialkasse, und zwar bei beiden Geschlechtern, nicht vollständig glaubwürdig finde. Ich spreche aus persönlicher Erfahrung als KSK-Versicherte mit einem Jahreseinkommen, das fast doppelt so hoch liegt wie das des männlichen Durchschnitts, obwohl meine Stundensätze nach meinem Kenntnisstand nur durchschnittlich sind. 

Leider verrät die KSK nicht den zeitlichen Umfang der Tätigkeit ihrer Versicherten, vermutlich, weil sie ihn einfach nicht kennt. Die Frage ist: Wieviele der dort Versicherten versuchen wirklich, ihren Lebensunterhalt damit vollständig zu bestreiten? Einen Hinweis gibt, daß ver.di der Meinung ist, wegen ihres niedrigen Verdienstes müßten viele von ihnen etwas in anderen Bereichen hinzuverdienen. Es könnte aber auch umgekehrt sein. Im Jahr nach der Flüchtlingskrise fingen nämlich aus dem Bereich Wort viele an, auch Deutschkurse zu geben - damals wurden Lehrkräfte so händeringend gesucht, daß man Quereinsteiger aus sprachlastigen Bereichen gerne genommen hat. Ein Teil davon wird auch dauerhaft dabei geblieben sein und hatte logischerweise nun weniger Kapazitäten für ihr freiberufliche Tätigkeit. Gut möglich, daß auch der Schwund an Freiberuflerin im Bereich Wort damit zusammenhängt, daß manche ganz beim Lehrberuf geblieben sind. Es sind in den letzten zehn Jahren nämlich im Bereich Wort jedes Jahr weniger Versicherte geworden. 2015 waren es noch mehr als 43.000. Davon sind 2025 gerade mal 37.000 übriggeblieben. 

Es wäre aber sonderbar, wenn diejenigen, die weiter bei ihrer Beschäftigung blieben, ausgerechnet diejenigen gewesen sein sollten, die die größten Probleme damit hatten, sich damit über Wasser zu halten. Mir fällt aber generell auf, daß die Freiberuflichkeit immer weniger Leute zu verlocken scheint. Ich habe noch keine Ahnung, wem ich meine Kunden anvertrauen soll, wenn ich einmal in den Ruhestand gehe. Freiberuflichen Nachwuchs gibt es mittlerweile nämlich kaum noch.

Ich nehme an, die niedrigen durchschnittlichen Jahreseinkommen lassen sich teils so erklären, teils aber auch durch strukturelle Anreize bei der Künstlersozialversicherung, sein Einkommen zu niedrig anzugeben. Die Differenz zwischen Männern und Frauen dürfte mit Familienphasen zusammenhängen, in denen gerade Freiberuflerinnen bessere Möglichkeiten als andere haben, ihren Arbeitsumfang so anzupassen, daß sie sich nicht unnötig im Alltag abhetzen müssen. 

ver.di formuliert die Sache natürlich ein bißchen anders. Gewerkschaften suchen natürlich immer nach Schuldigen - und finden sie für gewöhnlich auch. So auch dieses Mal: 

Mögliche Ursachen der Einkommenslücke, so ver.di, sind fehlende Honortransparenz, unsichere Verhandlungen, Teilzeitstrukturen durch ungleiche Sorgearbeit sowie sexistische Branchenstrukturen. Öffentliche Kulturkürzungen verschärfen den Konkurrenzdruck überdies und schwächen die Verhandlungspositionen – insbesondere von Frauen.

Das finde ich alles wenig beeindruckend. Zum in Wirklichkeit nichtexistenten Konkurrenzdruck jedenfalls in meinem Bereich habe ich mich ja bereits geäußert. Fehlende Honorartransparenz liegt in der Natur der Sache, wo immer Honorare frei ausgehandelt werden und ich wüßte nicht, warum das verkehrt sein sollte. Die Teilzeitstrukturen werden hier implizit negativ gewertet, was sie keineswegs verdient haben - jedenfalls, wenn es um Halbtagsbeschäftigung oder mehr geht. Irgendwann werde ich dazu vielleicht mal einen ganzen Blogartikel schreiben müssen. Auf Verhandlungen und Verhandlungspositionen werde ich weiter unten noch ausführlicher eingehen. 

An dieser Stelle befindet sich aber noch ein zweiter Elefant im Raum. Und zwar der, daß das männliche Honorar als Norm gesetzt wird, an der sich das, was Frauen ausgehandelt haben, messen muß. Wobei Frauen gemessen an dieser Norm im Durchschnitt schlechter abschneiden. 

Rundheraus: Ich halte das für üble sexistische Scheiße. 

Die sexistische Scheiße zusätzlich noch mit Paternalismus würzen, macht die Sache nicht besser, sondern schlimmer. Es ist übergriffig, wenn es mir ständig als angebliche Selbstverständlichkeit vorgesetzt wird, das, was ein Mann an meiner Stelle täte, sei die Norm, und wenn ich die nicht erfülle, stimme etwas an den Kriterien nicht, mit denen ich über meine Honorarangebote entschieden habe. 

Machen wir doch mal eine Logikprobe: 

Bitte alle mal melden, die der Meinung sind, ich sollte meinen Mietern den maximal möglichen Betrag als Miete abverlangen, anstatt mich an die Vorgaben des Mietspiegels zu halten, um bei den erzielten Quadratmetermieten auf Augenhöhe mit dem zu sein, was andere Vermieter verlangen. 

...

Komisch, ich hör gar nix. Wenn das gegenüber Mietern nicht so gesehen wird, warum sollte ich es dann aber bei meinen Kunden anders machen? 

Ich kalkuliere das, was ich von ihnen haben will, nämlich bei beiden, Mietern wie Kunden, nach demselben Prinzip: Ich möchte preislich in der Nähe des Durchschnitts liegen. Dafür habe ich eigennützige Gründe, denn dabei komme ich unter dem Strich beim für mich bestmöglichen Ergebnis heraus. Der Unterschied zur finanziellen Optimierung mittels Maximalpreisen besteht bei meiner Art der Optimierung darin, daß mein "bestmögliches Ergebnis" nicht den maximal möglichen Betrag je Quadratmeter oder Arbeitsstunde bedeutet, sondern das optimale Verhältnis von Jahreseinkommen und Lebensqualität. Will heißen: Ich möchte die Stundenhonorare und Quadratmetermieten, die mir das bestmögliche Jahreseinkommen bei geringstmöglichen unbezahlten Nebenarbeiten und bei maximaler Nervenschonung verschaffen. Durch die zusätzlichen Faktoren, die ich mit einbeziehe, unterscheidet sich meine Kalkulation von der Art der Optimierung, die allen Gender-Pay-Gap-Kalkulationen zugrundeliegt, ungefähr so, wie sich auch Bhutans "Bruttosozialglück" von unserem Bruttosozialprodukt unterscheidet. 

Der Gender Pay Gap besteht in meinem Fall, nehme ich die Durchschnittszahlen der KSK wörtlich, übrigens, wenn überhaupt, dann nur beim Stundenhonorar, nicht aber beim jährlichen Betriebsgewinn.  Mein Betriebsgewinn würde auch den durchschnittlichen männlichen KSK-Versicherten vor Neid erblassen lassen ... falls sein angegebener Betriebsgewinn tatsächlich stimmt und dem Bestreben nach einer Arbeitsbelastung stammt, die einem Vollzeitjob entsprechen soll. 

Bei der Höhe des Honorars weder auffallend billig noch auffallend teuer zu sein, lohnt sich nämlich. Niedrighonorare, also Honorare, die auffallend weit unter dem Branchendurchschnitt liegen, sind für die meisten Kunden eher verdächtig als verlockend. Wer vernünftige Qualität haben will, läßt von so etwas von vornherein die Finger. Diejenigen, die zugreifen, sind dann aber nicht selten sogar überdurchschnittlich nervtötend im Umgang, weil sie bei dem verdächtigen Dienstleister alles besonders kritisch überprüfen und natürlich dann immer auch Kritikpunkte finden werden, und zwar auch dann, wenn die Qualität an sich auf Augenhöhe mit mir sein sollte. Aber die Kollegen mit den Maximalhonoraren haben ein ganz ähnliches Problem. Sie bekommen häufig Kunden, die, weil sie ja bereit sind, für beste Qualität beste Honorare zu bezahlen, Qualitätsvorstellungen haben, die gar nicht erreichbar sind, und sie erwarten ein nach unerreichbaren Maßstäben perfektes Arbeitsergebnis, wobei Qualitätssicherung aber nicht ihr Bier ist und oft genug sogar durch ihre eigene Wurstigkeit sabotiert wird. Sie erwarten außerdem, daß man auf Zuruf alles andere fallen läßt, was man gerade an anderen Arbeiten (für ganz ähnliche Kunden, wie sie selbst es sind) in der Hand hat, und auch ihre Zeitvorgaben sind oft nicht realistisch. Das alles führt dazu, daß gerade bei ihnen das Risiko, daß etwas schiefläuft, überdurchschnittlich hoch ist, und dann hat man ungünstigenfalls das Honorar vor Gericht einzuklagen, weil sie nicht zahlen wollen. Sowohl bei besonders niedrigen als auch bei besonders hohen Honorarforderungen kommt deshalb einiges an unbezahltem Mehraufwand zusammen, der im ersten Fall das gesamte Geschäftsmodell unrentabel macht und im zweiten Fall das höhere Honorar doch wieder relativiert. Die ramponierten Nerven bezahlt einem sowieso niemand. 

Bei Mietverhältnissen ist es ungefähr genauso. Man macht sich nur unglücklich, wenn man gar zu sozial denkt, weil Mieter das gar zu häufig keineswegs honorieren, sondern einen vielmehr für blöd halten und entsprechend mit einem umgehen. Aber wer besonders teuer vermietet, riskiert nicht nur häufigere und längere Leerstände, sondern hat auch Mieter, die für ihre überdurchschnittliche Miete natürlich auch etwas Überdurchschnittliches verlangen. Ersteres verringert die Rendite, letzteres erhöht den erforderlichen Zeitaufwand. Auch hier kann man durch eine unklug gewählte Quadratmetermiete seine Nerven mehr strapazieren, als es ein ein, zwei Euro pro Quadratmeter hin oder her wert sind. Wer als privater Vermieter nebenbei auch noch einem Beruf nachgeht, der merkt schnell, daß das Beste, was ihm passieren kann, Mieter sind, die sich nur an einen wenden, wenn es sich wirklich um etwas handelt, wofür sie ihren Vermieter brauchen, und sich ansonsten selbst zu helfen wissen, etwa wenn der Wasserhahn tropft. Und Mieter, die wissen, daß sie eine faire Miete bezahlen, sind da meistens durchaus aufgeschlossen. 

Die überwiegend männlichen Kollegen, für die möglichst hohe Honorare eine Frage der Ehre sind, machen meiner Meinung nach einen schlechteren Schnitt als ich und sich außerdem das Leben saurer, als es nötig wäre. Über Gebühr anspruchsvolle Kunden sind nämlich ungefähr so angenehm wie Zahnweh. Ich denke gar nicht daran, möglichst viel Geld so wichtig zu finden, daß ich dafür täglich Zahnweh aushalten muß. Wenn männliche Kollegen das typischerweise eher andersherum machen, dann ist das ihr gutes Recht, aber keinesfalls ein Vorbild, dem ich nachzueifern gedenke. Und ich ärgere mich deshalb jedes Mal, wenn solche Gender-Pay-Gap-Parolen mit solcher Selbstverständlichkeit suggerieren, ich müsse eigentlich das haben wollen, was diese männlichen Kollegen haben. Nein, will ich nicht! Ich bin meiner Lebtag noch nie scharf auf Zahnweh gewesen. 

Aber das ist natürlich auch nur die halbe Geschichte. 

Wahr ist nämlich ebenso, daß Verhandlungen um Geld Frauen wirklich oft merklich schwerer fallen - vor allem, wenn sie in einer schwachen Verhandlungsposition sind - und sie sich deshalb häufiger mit weniger als dem zufriedengeben, als sie eigentlich auch bei Anpeilen eines durchschnittlichen Ergebnisses verlangen könnten. Gleichzeitig gibt es einen Typus Mann, der so etwas gnadenlos bei Verhandlungen auszunutzen bereit ist. Außerdem entspricht es der Gewinnmaximierungslogik von Unternehmen, sich Verhandlungsschwächen zunutze zu machen. Deshalb werden Frauen auch in Honorarverhandlungen meinem Eindruck nach tatsächlich mit höherer Wahrscheinlichkeit übervorteilt als Männer. Die Frage ist freilich, wie man es verhindern soll, daß Frauen häufiger bereit sind, sogar unverschämt niedrige Angebote zu akzeptieren. Solche Angebote werden ja auch Männern gemacht, und die nehmen sie dann halt nicht an. Hier sehe ich, sofern es nicht in den Bereich des Sittenwidrigen gelangt, wenig Möglichkeiten, etwas zu verändern. 

Selbst erlebt habe ich etwas in dieser Art zum Beispiel bei den Kaufpreisverhandlungen der Wohnung meiner einstigen Nachbarin (für schon länger hier Mitlesende: die mit der Katze). Ich war gebeten worden, die finalen Kaufpreisverhandlungen zu führen, weil sie selbst sich das nicht zutraute. Tatsächlich haben der Käufer und ich uns schriftlich auf einen meiner Meinung nach auch fairen Preis geeinigt. Bei der  Besichtigung mit den Handwerkern ergab sich dann allerdings ein nicht vorhergesehener Faktor, der für den Käufer von beiden Seiten nicht erwartete und deshalb auch nicht eingepreiste Zusatzkosten bedeutete und deshalb ein Grund war, ihm im Preis noch einmal entgegenzukommen. Daß er ein neues Angebot machte, das niedriger war als das vorherige, war also eigentlich in Ordnung. Nicht in Ordnung war aber, daß er seinem neuen Angebot einen von vornherein niedrigeren Ausgangspreis zugrundelegte, als wir das schriftlich vereinbart hatten. Später, als die ganze Sache vorbei war, habe ich es diesem Mann klipp und klar gesagt: Wäre das meine Wohnung gewesen, dann hätte ich das Gespräch, als er seine neue Kalkulation darlegte, abgebrochen und die Suche nach einem Käufer noch einmal aufgenommen. So etwas tut man einfach nicht. Aber es war halt nicht meine Wohnung, sondern die der Nachbarin. Mir war klar, daß sie keinen neuen Käufer suchen wollte, sofern der, den sie hatte, nicht ganz absprang. Also riß ich mich zusammen und nahm den Mann stattdessen noch einmal in die Zange. Ich bin mir sicher, ich hätte wenigstens 10.000 Euro von den 20.000, die sein Gebot nun niedriger lag, als es auf Basis des zuvor vereinbarten Preises hätte sein müssen, noch gerettet. Aber die Nachbarin hat es mir dann selbst verdorben, indem sie mich auf einmal ohne Vorwarnung unterbrach und sagte, sie sei mit dem niedrigeren Gebot einverstanden. Der Käufer hat die Chance natürlich sofort genutzt und einen Vorvertrag mit ihr auf dieser Basis geschlossen. Da saß ich nun und fühlte mich wie ein Idiot. Es war aber wohl trotzdem sinnvoll, daß ich dabei war. Wäre die Nachbarin mit dem Typ alleine gewesen, wer weiß, was dann passiert wäre. 

Letztlich ging es aber nicht um mein Geld, sondern um das der Nachbarin. Der Kaufpreis lag immer noch innerhalb eines Rahmens, der akzeptabel war, wenn auch am unteren Ende. Was mich so irritierte, war etwas anderes, nämlich, daß sie die Begleitumstände einer aus meiner Sicht indiskutablen Verhandlungsstrategie des Käufers so bereitwillig zu akzeptieren bereit war, und das, obwohl sie sogar in einer ausgezeichneten Verhandlungsposition gewesen wäre - einen anderen Käufer für ihre Wohnung hätte ich ihr nämlich innerhalb von maximal zwei Wochen auftreiben können . Das ist ziemlich typisch weiblich, und es auszunutzen ist ziemlich typisch männlich, bzw. männlich geprägte Unternehmenslogik, falls ein Unternehmen im Spiel ist. Und so etwas nicht zu akzeptieren, ist der Punkt, an dem die Sache wiederum für mich immer, wenn jemand solche Spielchen mit mir versucht, zu einer Frage der Ehre wird. Ich kann es nun einmal auf den Tod nicht ausstehen, wenn jemand mich zu linken versucht. 

Wenn jemand mit Drucksituationen aber so schlecht klarkommt, daß er oder sie einen solchen Drang hat, sie sich schnellstmöglich wieder vom Hals zu schaffen, daß er/sie lieber dabei Geld verliert, als sie noch länger ertragen zu müssen, hat der Gesetzgeber keine Chance, ihm irgendwie zu helfen. Aus seiner/ihrer subjektiven Sicht ist das Ende der Drucksituation einfach mehr wert als das verlorene Geld. Gesetzliche Vorgaben ändern daran oft wenig: Wo kein Kläger, da nämlich kein Richter. und wer sich lieber über den Tisch ziehen läßt, als eine Drucksituation durchzustehen, der klagt ganz bestimmt nicht, weil er damit eine neue Drucksituation für sich selbst erzeugen würde. 

Die fünf Prozentpunkte hin oder her, die die Kluft zwischen Einkommen von Männern und Frauen bei Freiberuflern tiefer ist als bei Angestellten, könnte in etwa die Differenz beziffern, die dieser Faktor ausmacht.  

Die gesetzlichen Vorgaben, um jedenfalls schwerwiegende Benachteiligungen aus solchen Konstellationen heraus zu verhindern, sind natürlich trotzdem erforderlich und vernünftig. Einen Menschen vor sich selbst schützen zu wollen, mag sinnlos sein, aber vor allem in schwerwiegenderen Fällen (was bei meiner Nachbarin zum Glück nicht vorlag) müssen immerhin dessen Angehörige geschützt werden - oder eventuell auch die Allgemeinheit, falls jemand durch so etwas sogar in der Grundsicherung landen würde. Also, es ist gut, richtig und vernünftig, daß es Regeln gibt, die greifen, wenn ein Vertrag einen der Vertragspartner so sehr benachteiligt, daß ein Gericht es als sittenwidrig einkassiert, falls der Benachteiligte von der Möglichkeit, es einzuklagen, Gebrauch macht. Aber klar ist eben auch, daß eine Menge Betroffene diesen Weg nicht nutzen, weil er ihnen unerträglicher ist, als sich mit ihrer Benachteiligung abzufinden. Damit sind sie natürlich bei Verhandlungen von vornherein im Nachteil. Und wie sollte der Gesetzgeber daran etwas ändern können? Weil das meinem Eindruck nach so viel häufiger Frauen als Männer betrifft, behaupte ich: Der Teil des Gender Pay Gap, der wirklich auf Benachteiligung beruht, wird sich unter anderem aus diesem Grund niemals ganz schließen, egal wie viele gesetzliche Regelungen man einführt. Es ärgert mich immer, wenn so getan wird, als wäre das anders, wenn nur der Gesetzgeber das Richtige dagegen tun würde. 

Aber es gibt außerdem einen - meiner Vermutung nach größeren - Teil des Gender Pay Gaps, der nichts mit Benachteiligung zu tun hat, sondern mit rational kalkulierten unterschiedlichen Präferenzen bei Männern und Frauen. Wie läßt sich das aber beziffern? Vielleicht hilft ein Blick auf die Miete weiter, die ich bei meiner letzten Neuvermietung von meinen Mietern für eine 3-Zimmer-Wohnung verlangt habe: 990 Euro kalt. Diese Miethöhe halte ich für die optimale. Gerade habe ich Immoscout nach Vergleichsobjekten gleicher Größe in einem Radius von einem Kilometer zu meiner Wohnung befragt. Die Kaltmieten für unmöblierte Wohnungen dieser Größe fangen dort, Tauschwohnungen und ein Objekt mit Sonderfaktoren ausgenommen, bei 1150 Euro an. 

Der Gender Pay Gap in meiner Eigenschaft als Vermieterin entspricht, wenn ich meine Wohnung mit der nächstpreisgünstigsten vergleiche, also um die 160 Euro. Das sind fast genau 14 Prozent. Das spricht meiner Meinung nach dafür, daß ein großer Teil der 16 Prozent Gender Pay Gap in Anstellungsverhältnissen nicht auf Benachteiligung, sondern auf die beschriebenen unterschiedlichen Präferenzen zurückzuführen ist, die rational begründet werden können und meiner persönlichen Meinung auch einen Mehrwert gegenüber der rein monetären Optimierung bieten können, und ich sehe keinen Grund, diesen Mehrwert dann nur deshalb nicht wahrzunehmen, weil einem Mann an der Stelle einer Frau ein paar Euro mehr im Monat lieber wären. Gleichzeitig sehe ich ja im Beruf, daß mein Jahreseinkommen das des Branchendurchschnitts bei Männern mit dieser Herangehensweise sogar übersteigt. Ich wäre nicht sonderlich überrascht, wenn ich auch in meiner Eigenschaft als Vermieter mit meinen moderaten Quadratmetermieten bei der Nettorendite die Nase vorn hätte. "Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle", brachte einst Robert Bosch dieselbe Philosophie auf den Punkt. 

Ich finde, solche Errungenschaften sollte frau sich nicht von irgendwelchen männlichen Rechenkünstlern wegreden lassen und dafür Zahnweh, das auch vermeidbar wäre, als alltägliche Begleiterscheinung der Arbeit akzeptieren müssen. Genauso, wie man sich als Vermieter den Umgang mit seinen Mietern nicht unangenehmer als nötig machen muß. Robert Bosch würde mir bestimmt zustimmen. 

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Die SPD wäre bei der Landtagswahl in BW mit gerade mal 5,5 Prozent beinahe nicht einmal mehr in den Landtag eingezogen. Nun war die SPD zwar im Ländle schon immer chancenlos, aber ich bin alt genug, um mich an Zeiten zu erinnern, als sie noch über 30 Prozent der Stimmen bekam. Das Absinken auf unter 30 Prozent in den Neunzigern war erkennbar dem Aufstieg der Grünen geschuldet, aber inzwischen hat die SPD, fürchte ich, eher ein AfD-Problem in ihrer einstigen Stammwählerschaft. 

 

Tatsächlich ist die AfD in den Altersgruppen, die sich größtenteils im Erwerbsleben befinden, gegenüber Jüngeren (unter 25) und Älteren (ab 60) auch deutlich überrepräsentiert, und würde man innerhalb der betreffenden Altersgruppen noch einmal nach Tätigkeit unterteilen, wäre der Wert bei den Arbeitern wahrscheinlich noch ein bißchen höher. 

Die SPD täte gut daran, damit aufzuhören, sich die Sache schönzureden, indem von der Zuspitzung auf die Spitzenkandidaten von CDU und Grünen geschwafelt wird. Ja, das hat die SPD Stimmen gekostet, aber maximal 5,5 Prozentpunkte. Das ist weniger, als sie in BW zwischen 2001 und 2006 verloren hat, das waren nämlich mehr als 7 Prozentpunkte. Und von den 25 Prozent der Landtagswahl von 2006 - also nach dem Verlust dieser sieben Prozentpunkte - kann die BW-SPD seitdem nur noch träumen. 

Die SPD hat meiner Meinung mit der Agenda 2010 ihre einstigen Stammwähler politisch heimatlos und damit anfällig für die Parolen der AfD gemacht. 

Was mich an der Grafik irritiert: Wie Arbeitslose gewählt haben, hat bei der ARD wohl niemanden interessiert? Das ist schade, denn mich hätte es interessiert, ob bei ihnen die AfD noch stärker gewesen ist oder vielleicht doch die Linkspartei oder eine der Sonstigen häufiger gewählt wurden. 

Eine interessante Äußerung las ich in einem TAZ-Interview mit einem Soziologen: 

Als wir vor einigen Jahren bei Mercedes in Baden-Württemberg geforscht haben, war der Ehrverlust ein entscheidender Punkt: Die Arbeit als ehrwürdiges Tun – das gehört zur Industriearbeiterschaft immer ganz stark dazu. Das wird nicht mehr ausreichend gesellschaftlich, politisch respektiert – auch nicht seitens der SPD. Das führt nicht gleich nach rechts außen, aber kann von Rechtsradikalen instrumentalisiert werden, indem man es in Außenseiterstolz umwandelt.

AfD-Wähler aus verlorener Ehre also? 

"Ehrverlust", das klingt irgendwie anachronistisch, aber es trifft die Sache, glaube ich, trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ganz gut. Man hat schon öfter das Gefühl, der Mensch fängt erst mit dem Abitur oder besser noch dem Bachelor an. Leute, die sich bei der Arbeit die Hände schmutzig machen, zählen irgendwie nicht mehr. Umgekehrt hatte ich aber auch das Gefühl, als wir in unser gallisches Dorf gezogen sind, daß wir unter anderem auch deshalb dort so freundlich in die Mitte der Dorfgemeinschaft aufgenommen wurden, weil zumindest mein Mann einen total normalen Beruf hat wie andere Leute hier auch, und meiner damit wohl als normal ehrenhalber betrachtet wird. Ich glaube, einem Akademikerehepaar gegenüber wären die Leute reservierter, in Gesprächen klingt manchmal an, daß man diese oder jene Person mit einem entsprechenden Beruf für etwas abgehoben, wenn nicht gar dünkelhaft hält. 

Blöd-Zeitung hin, sozialen Medien her: Das Grundgefühl, mit dem der Neid auf Leute geschürt wird, die vermeintlich leistungslos alles bekommen, was sie selbst sich im Schweiße ihres Angesichts erarbeiten müssen, hat die Neoliberalisierung speziell der SPD seit Schröders Zeiten als eine der wichtigsten Ursachen. Das Gefühl des Ehrverlusts spielt dabei bestimmt eine Rolle, also der fehlende Respekt vor der Leistung von Leuten, die kein BWL- oder Politikstudium als Grundlage ihrer Erwerbsbiographie haben. 

Aber wo ist eine positive Perspektive für Arbeiter unter den demokratischen Parteien zu finden? Es scheint im Moment nirgends eine zu geben. 

*** 

In meiner ersten von voraussichtlich drei Miteigentümerversammlungen dieses Jahr war auch das Gebäudeenergiegesetz auf der Tagesordnung, und auch wenn angekündigt wurde, daß es abgeschafft wird, ist es im Moment ja noch Stand der Gesetzgebung. Wir haben also lange und ausführlich darüber gesprochen, aber Abstimmungen auf das nächste Jahr verschoben, ausgehend von der Rechtslage, die dann bestehen wird. 

Was ich aus dieser Diskussion mitnehme: Niemand hat die ernsthafte Absicht, dauerhaft bei Gas-Etagenheizung zu bleiben. Gleichzeitig sind alle strikt gegen einen Umstieg auf Zentralheizung, nicht nur, weil dieser Umstieg schweineteuer wäre, sondern auch, weil es bis auf weiteres nur die Möglichkeit gibt, auf Gas-Zentralheizung umzusteigen. Den Sinn einer solchen Umstellung versteht kein Mensch. Mittlerweile kristallisiert es sich auch heraus, daß auf Basis der bestehenden Fernwärmenetze in der Stadt wahrscheinlich ein Fernwärmeanschluß in unserem Stadtteil gar nicht möglich wäre, weil die Kapazitäten des Fernwärmenetzes damit gesprengt würden. Hinzu kommt, daß ein Fernwärmeanschluß, wie ich gerade erst gelesen habe, die WEG voraussichtlich einen sechsstelligen Betrag kosten würde, falls er in Frage käme. Dafür bekäme man dann aber eine Heizlösung, die bekanntermaßen aktuell erheblich teurer als Gas ist und dies auch bei steigenden Gaskosten vermutlich noch geraume Zeit bleiben würde. 

Alle werden deshalb aufatmen, sollte das Ende des Paragraphen 71l im Gebäudeenergiegesetz tatsächlich kommen, und viele sitzen längst in den Startlöchern, um die Heizung in ihrer Wohnung umzustellen, sobald es dafür realistische Möglichkeiten gibt. Die HeatPump23 wurde in diesem Zusammenhang auch besprochen. Als Speerspitze des Fortschritts stellte sich ausgerechnet der Senior unter den Miteigentümern heraus, der schon hoch in den Achtzigern ist. Er nutzt neben seinem uralten Gas-Einzelofen wahrhaftig schon seit zehn Jahren eine Split-Klimaanlage zum Heizen seines Wohnzimmers. Den Einzelofen will er vor allem deshalb weiter behalten, weil "es ja auch mal einen Stromausfall geben" könne. Ich soll nächstes Jahr in der Versammlung berichten, wie meine Erfahrungen mit der Split-Anlage über den nächsten Winter gewesen sind, und dann wird ggf. auch über eine Genehmigung der WEG für die erforderlichen Außengeräte in meinen beiden Wohnungen abgestimmt, und ebenso über eine Genehmigung für ein Balkonkraftwerk in der Dachgeschoßwohnung - wobei aber noch unklar ist, ob sich das überhaupt rechnen würde, wenn es am Balkon angebracht wird. Vermutlich bringt das nur etwas, wenn es auf dem Balkondach erfolgt. Die Frage ist, wie teuer die Installation dort dann wäre - vielleicht ist das so teuer, daß ich doch lieber die Finger davon lasse. 

Jetzt muß das Gesetz nur noch so kommen, wie es angekündigt wurde. Ich bin mir nach diesem Meinungsbild sehr unterschiedlicher Miteigentümer einer WEG jetzt ziemlich sicher, daß sich die Frage der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zum Heizen von alleine lösen wird. Das ist ähnlich wie bei der Beleuchtung. Energiesparlampen waren kein adäquater Ersatz für Glühbirnen. LED, das mit wenigen Jahren Zeitverzögerung den Markt eroberte, hat ziemlich schnell dazu geführt, daß heute kein Mensch mehr den Glühbirnen nachtrauert. Attraktive Lösungen für Einzelwohnungen werden Gasthermen ziemlich schnell an den Rand des Aussterbens bringen. Niemand will die bloß aus Prinzip behalten. 

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Die ältere Tochter unserer Nachbarn hat mir vor ein paar Tagen, als ich im Garten war, um die Äste vom Bäumeschneiden durch den Häcksler zu jagen, erzählt, daß sie am liebsten auch Kartoffeln in ihren Hochbeeten anbauen würde, weil sie so gerne Kartoffeln ißt. Ich sollte mal die Eltern fragen, ob das für sie okay wäre, wenn sie bei uns im Garten ein kleines Kartoffeläckerle zum Selbstbetreuen kriegt - zum Geburtstag oder so. Die haben nämlich auf ihrer Seite kaum Platz für Beete. Ihr Garten ist kleiner als unserer und eher als Erholungsgarten gedacht - mit einer großen Terrasse mit Sitzmöglichkeiten, darum Rasen und ein großes Trampolin. Ein bißchen Naschobst und -gemüse haben sie schon, aber der Platz dafür ist halt begrenzt. Wir haben viel mehr mögliche Anbaufläche. 

Mäuse haben wir seit meinem letzten Beitrag gar keine mehr gehabt. 



 

Freitag, 27. Februar 2026

GEG aka Heizungsgesetz, künftig: GMG: Kein russisches Roulette mehr für WEGs

Mein Gewicht heute früh: 73,2 Kilogramm. Das ist, nun ja, total unbefriedigend, aber damit hatte ich leider auch rechnen müssen - wobei ich nicht erwartet hatte, noch nicht einmal die 73 Kilo zu unterbieten. Aber jetzt isses so, wie es ist, eine vernünftige Erklärung für die Entwicklung habe ich nicht, also gilt: neue Woche, neues Glück. Manchmal sind die Gewichtsschwankungen ja völlig unvorhersehbar, und womöglich geht es nächste Woche dafür steiler als erwartet nach unten. Denn am Sonntag ist unser letzter Low-Carb-Tag, und dann geht es mal wieder in den Endspurt. Das heißt konkret: vier Fastentage unter der Woche, und mit Ausnahme des ersten Tags nach viel aufeinanderfolgenden Fastentagen esse ich normal. Nächste Woche lege ich also los mit zwei Fastentagen Montag und Dienstag, am Mittwoch kriegen wir Besuch, also faste ich da nicht, aber dafür noch einmal am Donnerstag und Freitag. In der Woche drauf habe ich aber die Absicht, wirklich vier Tage am Stück zu fasten, wahrscheinlich von Montag bis Donnerstag, wie mir das am liebsten ist. 

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Ich bin kein Fan von Autokratien, weder voll ausgebildeten noch solchen, die eine bisherige Demokratie mit zunehmende Erfolg in eine solche umzuwandeln anstreben, und so brachte mich der US-Gesundheitsminister in den letzten Monaten zuweilen in einen ernsthaften Zielkonflikt, weil er mit solcher Hemmungslosigkeit manchmal auch Dinge tut, von denen ihm das gesamte Gesundheitssystem der USA im Chor dringend abgeraten hätte, die ich aber für höchstwahrscheinlich richtig und potentielle Gamechanger halte. Wie löst man das Problem, daß man sich einerseits im Ernährungsbereich und ebenso im Fall von Krebs mehr davon wünschen würde, aber dies andererseits einen längeren Fortbestand einer ansonsten völlig untragbaren US-Regierung voraussetzen würde? 

Etwas ähnliches ging mir jetzt bei dieser chinesischen Studie durch den Kopf, deren Volltext leider mal wieder hinter einer Bezahlschranke versteckt wurde, die aber herausgefunden haben will, daß Tumore es überhaupt nicht mögen, wenn man fastet, jedenfalls dann, wenn im Anschluß an dieses kurze Fastenintervall eine Immuntherapie erfolgt. Was wohl meine spezielle Freundin, die Frau Professorin Hübner, dazu meint? Oder meint sie gar nichts, weil sie bei diesem Thema generell auf Autopilot läuft? Hier wenigstens der Text des Abstacts:  

Dietary interventions hold promise for cancer therapy but often require prolonged, poorly tolerated regimens. Furthermore, how transient nutrient deprivation affects the metabolic interplay between tumor and immune cells within the tumor microenvironment (TME) remains unknown. Here, we introduce a brief, 16-h fasting regimen that enhances immunotherapy efficacy in both mice and humans. We found that this transient nutrient stress alters tumor-cell nutrient preferences, creating a metabolic window that can be leveraged to augment treatment. Mechanistically, short-term fasting induces intratumoral accumulation of isoleucine, which reconfigures CD8+ T cell epigenetic programs and phospholipid remodeling, thereby licensing enhanced anti-tumor capacity. In patients receiving neoadjuvant immunotherapy, short-term fasting was able to enhance CD8+ clonal expansion and cytotoxic programs. These findings establish a clinically feasible, well-tolerated dietary regimen that counters nutrient competition in the TME and that provides a tractable path to strengthen existing immunotherapy regimens. 

Und hier außerdem ein paar Details, die bei Twitter von einem gewissen David Sinclair angesprochen wurden. Die Diskussion im Thread erinnert mich zwar wieder daran, warum ich mich bei Twitter nicht mehr so viel aufhalte, aber ein paar zusätzliche Informationsschnipsel von jemandem, der die Studie im Volltext gelesen hat, sind ja besser als nichts. 

Interessant, daß die Wirkung schon bei sechzehnstündigem Fasten meßbar war. Wobei ich ein bißchen verwirrt über dieses "in both mice and humans" bin. Mäuse haben ja einen wesentlich schnelleren Stoffwechsel als Menschen. Ich hab nicht mehr im Kopf, wie lange ein Mensch fasten müßte, damit es 16 Stunden bei einer Maus entspricht, aber es waren mindestens 36 Stunden, vielleicht sogar zwei volle Tage. Ich nehme an, die Forscher haben aber wirklich Mäuse wie Menschen über dieselbe Stundenzahl hinweg fasten lassen, sonst hätten sie das doch sicher erwähnt. Da wüßte man schon gerne, ob die Wirkung bei Menschen schwächer ausgefallen ist, oder ob der Effekt vergleichbar war. 

Wie auch immer, mit zwei Fastentagen vor der Chemo, die ich mir geleistet habe, war ich mindestens auf Augenhöhe mit den Mäusen. Weil ich mich, als sich in den letzten vier Zyklen herausstellte, daß die Nebenwirkungen des Carboplatins doch unangenehmer waren, als ich das von Epirubicin und Cyclophosphamid gewohnt war, aber mehr auf die Nebenwirkungen fokussiert habe und den Eindruck hatte, daß es dafür sinnvoller ist, den Teil der viertägigen Fastenphase zu verlängern, der nach der Chemo stattfindet, habe ich die zwei Tage vorher auf einen verkürzt. Die Wirkung auf den Tumor habe ich damit unter Umständen ein wenig verringert, aber da ich auch so die erhoffte pathologische Komplettremission hatte, würde das ja keine Rolle spielen. Wobei der Tumor in der EC-Phase, als ich das noch andersrum machte, deutlich langsamer als später mit der Immuntherapie geschrumpft ist, also spielt die längere Dauer des Fastens vor der Chemo kaum eine Schlüsselrolle.  

Spannend ist es immerhin, daß diese Studie ausgerechnet aus China kam. Es ist schon ein Weilchen her, daß ich irgendwo hörte oder las, daß in Chinas Wissenschaft das Interesse an therapeutischer Ketose als Behandlungsmethode bei Krebs zunehme, obwohl ich nicht mehr genau weiß, woher ich das hatte. Ich erinnere mich jedenfalls noch, daß ich dachte, dann wäre Chinas autokratisches System womöglich doch mal für was gut - ebenso, wie die DDR in den Siebzigern das kleine Kunststück fertiggebracht hat, sich um das unbegründete Zögern der weltweiten Wissenschaft einfach nicht zu scheren und die Bauchlage in Kinderkrippen zu verbieten, weshalb in der DDR viel weniger plötzliche Kindstode vorkamen als in der BRD. Ob das denkbar ist, daß der Durchbruch von Seyfrieds Krebsentstehungstheorie gar nicht in den USA geschehen wird, sondern in China? Einfach deshalb, weil das dortige Wissenschaftssystem andere unwissenschaftliche Einflußvariablen hat, und es durchaus eine Ordre di Mufti geben könnte, der betreffenden Frage auf den Grund zu gehen? Das kann in manchen Fragen unangenehme Folgen haben, aber in diesem Fall würde es vielleicht den entscheidenden Schubs bedeuten. 

Es gibt beim Krebs, wo ja gerade erfreulicherweise einiges in Bewegung ist, noch eine weitere interessante Nachricht: "Forscher in Texas und Portugal haben eine Methode entwickelt, mit der sich Tumorzellen gezielt mit Licht zerstören lassen – ganz ohne Chemo, Strahlung oder Operation. Statt teurer Laser nutzt das Verfahren gewöhnliche LED-Lampen und winzige Flocken aus Zinnoxid." So meldete das der Focus. Den Abstract der Studie (Volltext wurde hinter einer Bezahlschranke versteckt) findet man hier. Klingt echt vielversprechend. Der Haken daran ist, daß es sich erst um Laborversuche handelt. Auch wenn alles so funktionieren sollte wie erhofft (was noch keineswegs gesagt ist), wird das also niemandem helfen, der gerade eben eine Krebsdiagnose erhalten hat. Bis daraus eine Behandlung entstehen kann, das kann noch Jahre dauern. 

Aber es lohnt sich bestimmt, das weiter im Auge zu behalten. Falls es zur Anwendungsreife kommen sollte und nur halb so gut wirken sollte, wie das einem hier weisgemacht wird, wäre das ein echter Gamechanger. Vor allem bei metastasierten Krebserkrankungen wäre das eine sensationelle Verbesserung der Therapie. Die Krankenkassenbeiträge würden vermutlich sinken, wenn bei den jährlich 500.000 Krebspatienten Chemotherapeutika, Bestrahlung und vielleicht sogar in manchen Fällen die OP nicht mehr erforderlich wären, denn im Moment machen Krebsbehandlungen immerhin zehn Prozent der Ausgaben der Krankenkassen aus. Den einzigen Schaden hätten diejenigen, die im Moment am meisten davon profitieren, daß Krebsbehandlungen so schweineteuer sind. 

Wobei ich gewisse Zweifel habe, ob dies wirklich geeignet ist, den Krebs auch rückstandsfrei, also ohne überlebende Krebszellen, die dann auf der Stelle wieder zu wuchern beginnen, zu beseitigen, deshalb bin ich, was einen möglichen Wegfall der OP betrifft, eher skeptisch. Im Anschluß an die Behandlung wird außerdem wohl sehr viel engmaschiger und auch mit technologischem Einsatz überwacht werden müssen. Ich frage mich auch, ob und wenn ja welche Nebenwirkungen dieses Zinnoxid haben mag. Aber irgendwie fällt es mir schwer, mir vorzustellen, daß das schlimmer als die einer durchschnittlichen Chemotherapie sein könnte, und überhaupt sind meine Wenns und Abers weniger mäkelig gemeint, als sie vielleicht klingen. Ich frage mich nur, wo der Haken sein könnte, falls es einen geben sollte, um nicht zu enttäuscht zu sein, falls die Sache am Ende doch sang- und klanglos wieder eingestampft wird. Das gab es ja auch schon mehr als einmal, daß man sich von neuen Behandlungsmethoden bei Krebs mehr versprochen hat, als dann dabei herauskam. 

***

Sollte die Ankündigung, die bezüglich des GEG kam, umgesetzt werden, ist das eine sehr gute Nachricht für jeden, der eine Eigentumswohnung in einem Gebäude besitzt, in dem bislang die Wohnungen jeweils einzeln beheizt wurden, meist mit Gas-Etagenheizungen. Für solche Gebäude entfällt künftig neben anderem auch die absurde Pflicht für WEGs, sich nach Einbau einer neuen Gas-Etagenheizung in einer der Wohnungen im Gebäude gegen einen Umstieg auf Zentralheizung entscheiden zu müssen, also im anderen Fall dazu verpflichtet ist, dies zu tun. Dafür verzeihe ich der Bundesregierung so manches Ärgerliche in anderen Bereichen und auch die billigen Seitenhiebe auf Robert Habeck, die eigentlich nicht nötig gewesen wären. 

Man könnte ja einwenden, diese Verpflichtung ließe sich doch ganz leicht abwenden, wenn sie nicht sinnvoll umgesetzt werden kann und deshalb in einer WEG sich die Miteigentümer weitgehend einig seien, daß man das bleiben lassen solle. Aber ganz so einfach ist das nicht. Man kann nicht einfach einmal entscheiden, und dann ist der Pflicht Genüge getan. Bei der nächsten neu eingebauten Gastherme, weil in einer der anderen Wohnungen im Gebäude die alte Therme irreparabel ausgefallen ist, ist dasselbe Prozedere, also eine Abstimmung der WEG, nämlich wieder fällig, und das Spielchen ist theoretisch nie zu Ende, bis auch die letzte Wohnung im Haus dann nicht mehr mit einer Gastherme ausgestattet ist. 

Wer schon öfter versucht hat, seinen Strom- oder Gasanbieter zu wechseln, hat damit Erfahrung: So was kann nicht nur schiefgehen, es geht viel häufiger schief, als man sich das zuvor hätte vorstellen können. Ich bin schon zweimal am Ende eines solchen Bestellprozesses wieder in der Grundversorgung gelandet, und nur einmal war ein Versäumnis von mir daran schuld - das Prozedere war zu komplex und die Informationen des Anbieters, zu dem ich wollte, waren so spärlich, daß es kein großes Wunder war, daß die Sache schiefging. Aus diesem Grund finde ich das Energieanbieter-Hopping auch nicht eine sonderlich gute Methode, um Geld zu sparen, und suchte mir daraufhin einen Anbieter, bei dem ich dauerhaft zu bleiben gedachte, und nachdem es bei dem schließlich klappte mit der Anmeldung, tat ich das dann auch. 

Genau das ist auch das Problem bei diesem Zwang, immer wieder aufs neue abzustimmen - und zwar vor allem wegen der vorgeschriebenen Mehrheitsverhältnisse, daß also nicht eine einfache Mehrheit der Abstimmenden ausreicht, sondern zwei Drittel aller Miteigentümer ausdrücklich gegen den Wechsel auf eine Zentralheizung stimmen müssen. Dabei kann so vieles schiefgehen, daß völlig klar ist, daß eine Menge WEGs unabsichtlich und gegen ihren Willen in die Zentralheizungspflicht hineinrutschen. Im Falle des Hauses, in dem ich vor meinem Umzug gewohnt habe, wäre es ausreichend, wenn vier Miteigentümer aus welchen Gründen auch immer bei der Abstimmung einfach nicht anwesend oder durch Vollmacht vertreten sind, damit alle zehn zu dieser Umstellung verpflichtet sind. Das heißt, wenn man das verhindern will, muß man wie ein Schießhund aufpassen, daß niemand zur Unzeit in Urlaub fährt oder krank wird, ohne wenigstens eine Vollmacht für die Abstimmung erteilt zu haben. Daß die Hausverwaltung sich auch darum noch kümmert, kann man realistischerweise aber nicht annehmen. Alle Hausverwaltungen, die ich kenne, sind auch so schon heillos überlastet, was auch mit den umfangreichen Berichtspflichten aus dem GEG zu tun hat, die nun glücklicherweise auch bald Geschichte sein werden. Die werden deshalb den Teufel tun, den Miteigentümern hinterherzurennen, womöglich nicht einmal gegen Extravergütung. Daneben gibt es außerdem auch nicht nur kompetente Hausverwaltungen, und eine, die verschnarcht oder unfähig ist, kann die Sache auch aus Verschnarchtheit oder Inkompetenz vermasseln. Es kann auch passieren, daß niemand etwas falsch gemacht hat, und die Sache durch einen unglücklichen Zufall schieflief. 

Ist die Sache aber einmal vermasselt, ist das wie beim Russischen Roulette: eine Wiederholung ist dann nicht mehr möglich, mit der man alles wieder rückgängig machen könnte. Alle müssen die Umstellung dann mitbezahlen - und der Pechvogel, dessen kaputte Therme die Sache ausgelöst hatte, muß dies zusätzlich zu den Kosten seiner neuen Therme. Alleine schon, daß einer der Miteigentümer roundabout 10.000 Euro einfach in den Sand hat setzen müssen, falls eine Zweidrittelmehrheit aus irgendwelchen Gründen nicht zustande kommen sollte, ist aber mehr als nur eine Zumutung, es ist eine krasse Benachteiligung durch den Gesetzgeber. Noch dazu ist es ja so, daß eine neue Therme nun einmal zügig eingebaut werden muß, wenn die vorhandene den Löffel abgibt, und je tiefer in der Heizperiode, desto schneller. Da hat man keine Zeit, noch lange Feldforschungen zu möglichen Alternativen zu betreiben, und ebensowenig Zeit, dafür lange Umbauzeiten in Kauf zu nehmen. Das gilt auch und sogar ganz besonders für vermietete Wohnungen. Neben diesem besonderen Pechvogel sind aber auch die Miteigentümer um so stärker benachteiligt, je neuer und damit effizienter ihre Thermen sind. Noch übler sind allenfalls diejenigen Miteigentümer dran, die noch mit Einzelöfen heizen, denn denen blühen dann in ihrem Sondereigentum natürlich auch noch die Kosten für die benötigten Leitungen und Heizkörper. Aber für die Besitzer von Etagenheizungen gilt: Je älter die Heizung, desto länger haben sie in die Heizung nicht mehr investiert und desto weniger hart sind sie deshalb von den entstehenden Umstellungskosten getroffen.

Und dieses Damoklesschwert hängt über jeder WEG mit einzelnen Beheizungslösungen pro Wohnung, und das so lange, bis die letzte Gasetagenheizung aus dem gesamten Gebäude verschwunden ist. 

All dies ist meiner Meinung nach eine unzumutbare Benachteiligung von Miteigentümern in WEGs gewesen, deshalb ist es gut, daß das abgeschafft wird. Ich weiß wirklich nicht, was Robert Habeck gebissen hat, so etwas federführend zu verantworten. Denn diese Vorgehensweise beruht auf dem Prinzip, die Dummen und Leichtsinnigen erwischen und zu etwas verpflichten zu können, was sie normalerweise nie tun würden. Die ständig von bestimmten Gruppen geforderte Widerspruchslösung bei der Organspende beruht auf demselben Prinzip. So etwas tut man als anständige Regierung einfach nicht, es ist schlicht unanständig - genau so funktioniert nämlich auch das Abofallenprinzip. Mit so einem Vorgehen drückt man außerdem auch aus, daß man von vornherein weiß, daß man etwas anstrebt, für das sich niemand aus eigenem Entschluß entscheiden würde. Die gefundene Lösung ist scheinheilig, weil sie nur so tut, als ginge es um Freiwilligkeit. Es geht in Wirklichkeit aber nur darum, die Leute unfreiwillig in eine Falle laufen zu lassen. 

Dafür, keinesfalls freiwillig auf Zentralheizung umzusteigen, gibt es mindestens im Moment auch für viele betroffene WEGs sehr plausible Gründe. Denn zu dem Wohngebiet, in dem ich meine vermieteten Wohnungen habe, lese ich in der kommunalen Wärmeplanung folgendes: 

 Klimaneutrale Wärmeversorgung besonders herausfordernd (Rot): In diesen Gebieten ist eine Versorgung über Einzellösungen besonders schwierig, die erneuerbaren Potenziale für eine zentrale Versorgung sind aber auch sehr begrenzt. 

Geheizt wird zu 91 Prozent mit Gas, 76 % der Gebäude stehen unter Denkmalschutz, und 48 % sind im Besitz von WEGs. Und liest man den zugehörigen Quartierssteckbrief, klingen die Pläne der Stadt eher ein bißchen hilflos, denn es ist auch nicht so richtig klar, wie man das bislang in diesem Gebiet nicht existente kommunale Wärmenetz dort überhaupt herstellen soll. 

Mit anderen Worten, eine Zentralheizungslösung müßte bis auf weiteres ebenfalls auf Basis von Gas erfolgen. Bis auf weiteres meint hier: Mindestens noch bis zum Jahr 2035. Falls das, was man als zu untersuchende eventuelle Lösungsmöglichkeiten aufgeschrieben hat, sich nicht doch noch als nicht umsetzbar erweisen wird - und bis man das weiß, werden noch mehrere Jahre vergehen. 

Bis dahin könnten aber alle Wohnungen längst mit Etagen-Wärmepumpen ausgestattet sein. Die sind im Moment zwar noch dreimal so teuer wie Gasthermen, aber das ist ja immer so, wenn ein Produkt ganz neu ist. Es kann ja nur eine Frage der Zeit sein, bis weitere Hersteller mit vergleichbaren Produkten auf den Markt kommen, sofern sich die erste Generation dieser Geräte in der Praxis bewährt. Photovoltaikanlagen waren auch mal sehr viel teurer, als sie es jetzt sind. Wer würde aber, Förderung hin oder her, die aktuell noch verlangten 30.000 Euro (mit Förderung trotzdem gerade so noch einigermaßen konkurrenzfähig in den Anschaffungskosten) für so ein Gerät investieren, wenn er sich nie so ganz sicher sein kann, daß er sich demnächst zusätzlich doch noch an den Kosten der Umstellung auf Zentralheizung fürs ganze Haus beteiligen muß, weil halt ein anderer Nachbar seine alte Gastherme durch eine neue Gastherme ersetzt und damit die Zentralheizungsfrage erneut auf den WEG-Tisch bringt? 

Die zwangsläufige Folge dieser Zwickmühle, in die das GEG speziell WEGs mit Etagenheizunen bringt, lautet: Niemand investiert auch nur einen Cent mehr als zwingend erforderlich in die Heizung seines eigenen Sondereigentums, solange dieser idiotische Paragraph 71l keine Planungssicherheit zuläßt. Und das wiederum bedeutet, daß niemand alte Thermen ersetzt, solange sie noch laufen oder repariert werden können - und mein Installateur hat mir glaubhaft versichert, daß gerade die alten Thermen meist problemlos repariert werden können. Sie wurden vor dem GEG trotzdem häufig ersetzt, wenn ein Neugerät energieeffizienter und weniger reparaturanfällig war. Aber mit dem GEG bietet sich das wegen des hohen finanziellen Risikos, das man damit eingeht, nicht mehr an. 

All das Geschwafel von Technologieoffenheit, von Biogas und was auch immer, das im Moment in allen Medien durchgekaut (und meist verworfen) wird, ist im Grunde Pipifax, ein Nebenkriegsschauplatz, sobald die Frage, wie man all die neuen Zentralheizungen in WEG-Mehrfamilienhäuser, die das alte Gesetz erzwungen hat, eigentlich ohne Erdgas über städtische Wärmenetze beheizen soll, sich nicht mehr stellt, wie das durch die Gesetzesänderung nun geschehen wird. Ich weiß nicht, ob der CDU bewußt ist, wie bedeutungslos das, worum sie so ein Theater macht, für die Heizgewohnheiten in Mehrfamilienhäusern wird, sobald es einen vernünftigen Ersatz auch für die Beheizung von einzelnen Wohnungen mit Gas gibt. Und da gibt es mittlerweile zwei ganz brauchbar wirkende Lösungen, die "Etagen-Wärmepumpe", die besonders einfach als Ersatz für Gasthermen eingesetzt werden kann, und die Split-Klimaanlagen. Bestimmt kommen noch weitere Neuentwicklungen in den nächsten Jahren hinzu. Anstatt Zeter und Mordio zu schreien, täte man seitens der Klimabeflissenen meiner Meinung nach besser, sich eine Strategie zu überlegen, auf welche Weise man dazu beitragen kann, daß diese Geräte möglichst schnell möglichst vielen WEG-Verwaltern und -Miteigentümern bekannt werden. 

In Ein- bis Zweifamilienhäusern ist die Wärmepumpe - in Neubauten sowieso, aber allmählich auch in Altbauten - aber längst dabei, sich durchzusetzen. Es muß sich nur noch ein bißchen weiter herumsprechen, daß man dafür nicht gleich sein komplettes Altbau-Haus für sechsstellige Beträge rundumsanieren muß, die eine Menge Häuslesbesitzer nicht ausgeben können oder ausgeben wollen. Daß hier ständig so getan wurde, als wäre die Fassadendämmung und die Fußbodenheizung und alles mögliche sonst noch eine zwingend Vorbedingung, ohne die ein Wechsel der Beheizungsform gar nicht angefangen werden könne, hat die Wechselbereitschaft natürlich kaum erhöht - und dies ist auch mit dafür verantwortlich, daß die Leute mit solcher Panik auf das GEG reagiert haben. Außer diesem einen komplett mißratenen Paragraphen 71l für WEGs ist mir nämlich kaum etwas aufgefallen, das ansonsten bei Hausbesitzern einen wirklichen Grund zur Panik geboten hätte - es sei denn, ich habe einen anderen Sonderfall übersehen, weil er außerhalb meines Erfahrungshorizonts liegt. Den gefühlten Grund für die unbegründete massenhafte Panik unter Hausbesitzern haben die Klimabeflissenen aber selbst mit ihren ständigen Forderungen nach hundertfünfzigprozentigen Maximallösungen miterzeugt, obwohl in Wirklichkeit weit weniger als dies erforderlich wäre. Das ist jetzt kein Vorwurf, nur eine Feststellung. 

Die Leute wollen an sich immer die Heizungen, die sich für sie, Umbauaufwand und spätere Einsparungen zueinander ins Verhältnis gesetzt, am besten rechnen, vorausgesetzt, sie müssen sich selbst dafür nicht erst an den Bettelstab bringen, weil ihre Kosten jenseits ihrer finanziellen Möglichkeiten liegen. Es ist doch so gut wie niemand scharf darauf, aus reiner Prinzipienreiterei Gas weiter zu behalten, wenn man dabei im Vergleich zu anderen Lösungen draufzahlen muß. Hätte es die Etagen-Wärmepumpe im März 2022, als meine Gastherme den Löffel abgab, bereits gegeben, hätte ich mich vermutlich für sie entschieden, nicht für eine Brennwerttherme. Meiner Meinung nach wird der Abschied von den fossilen Energien zum Heizen in den nächsten Jahren, da nunmehr erste Lösungen für Einzelheizungen bestehen, sehr unkompliziert weiter fortschreiten, auch wenn niemand mehr mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen wird. Je kleiner die Minderheit wird, die aus irgendwelchen Gründen lieber bei Gas oder Öl bleiben will, desto weniger fällt sie aber ins Gewicht. Es ist geradezu idiotisch, sich an ihr mit solcher Hingabe abzuarbeiten, wie das manche tun. 

Hier kann ich nur an den gesunden Menschenverstand appellieren: Eine freiwillige 90-Prozent-Compliance ist allemal besser als eine 96-prozentige, die auf Zwang basiert. 100 Prozent erreicht man sowieso nicht, und sollte jemals der Fortbestand der Welt wirklich davon abhängen, daß 100 Prozent eine bestimmte Sache tun oder unterlassen, dann ist ihr unausweichliches Ende gekommen. Aber zum Glück sind solche Behauptungen immer dramatisierende Übertreibungen, die man getrost ignorieren kann. Die restlichen 10 Prozent werden halt irgendwann später hinterherziehen. So, wie meine Wohnung Ende der Achtziger, die noch mit Holz und Kohle beheizt wurde, irgendwann in den Neunzigern doch noch mit einer Gas-Etagenheizung ausgestattet wurde. Oder wie eine Wohnung, die ich vor roundabout 15 Jahren besichtigte, die noch über kein Badezimmer verfügte, weil der langjährige Mieter völlig zufrieden war, wie es war, unter Garantie beim nächsten Mieterwechsel vor dem Neubezug mit einem Bad ausgestattet wurde oder werden wird. Einen Anteil von sagen wir zehn Prozent verspäteten Umstellungen kann und muß unsere Gesellschaft und auch das Klima verkraften.  

Das Ziel Klimaschutz wird in dem Fall aber nicht als Hauptzweck verfolgt, wenn jemand sich eine Wärmepumpe, ob nun Luft/Wasser oder - wie wir das planen - Luft/Luft, deshalb anschafft, weil diese Heizlösung einfach überzeugend ist. Und das ist es wohl, was die einschlägigen Organisationen sosehr daran so stört. Dieser nur notdürftig bemäntelte Wunsch, die vermeintlichen Sünder unbedingt auch unangenehme Bußübungen verrichten zu lassen, ist der rote Faden in allen moralisch unterfütterten Debatten. 

Das gilt natürlich noch mehr für Vermieter, die viele Leute ja ganz generell und überhaupt ständig dafür bestrafen wollen, daß sie halt Vermieter sind. Nur deshalb wird jetzt überall die Not der unschuldigen Mieter heraufbeschworen, die ja gar keine Chance haben, hohen Heizkosten zu entgehen, wenn ihre Vermieter aus reinem Geiz die Achseln zucken und sie auf ihrer alten Gasheizung sitzenlassen, wie sie das ja immer täten, wenn nicht der Gesetzgeber sie mit vorgehaltener Waffe dazu zwingt, es anders zu machen. Das halte ich für Unsinn, denn tatsächlich - wie weiter oben beschrieben - waren mit dem Habeckschen Gesetz die Anreize, alte Thermen weiterlaufen zu lassen, sehr viel höher als jetzt. Und was die großen Gesellschaften betrifft, warum sollte so etwas für sie lukrativer sein, als die Förderungen und die Abschreibemöglichkeiten zu nutzen? Das sieht man ja alleine schon daran, daß vor allem Mieter großer Gesellschaften in den letzten Jahren mit energetischen Sanierungen von deren Gebäuden mit allen Problemen, die damit verbunden waren, konfrontiert waren. Von Baustellen bis zur anschließenden Mieterhöhung. 

Private Vermieter, wie sie in WEGs der Regelfall sind, können aber auch rechnen. Wenn eine Maßnahme in ihrem Sondereigentum für sie selbst vorteilhaft ist, dann machen sie sie auch. Das bisherige GEG hat wirksam dafür gesorgt, daß alles, was sie bei der Heizung getan hätten, für sie mit ein bißchen Pech in einen gravierenden Nachteil umschlagen konnte, siehe weiter oben. Natürlich tun sie das dann lieber nicht. Aber tatsächlich ist eine zukunftsfeste und möglichst effiziente Heizungslösung auch beim Vermieten vorteilhaft. Das gilt vielleicht ein bißchen weniger in Großstädten mit Wohnungsmangel, aber überall sonst sind günstige Heizkosten ein Faktor, mit dem man sich positiv abheben kann. Und die Kosten, soweit sie die Förderung übersteigen, kann man ja gerade als Vermieter in voller Höhe steuerlich geltend machen. 

Freilich, nicht jeder Mieter wird uneingeschränkt davon begeistert sein, wenn sein Vermieter nun natürlich auch nicht mehr bereit ist, sich mit der bescheideneren Kaltmiete für das zuvor unsanierte Objekt zu begnügen, sondern seine Investitionskosten in die Miete mit einpreist. 

Diese ganze Debatte um das Gebäudeenergiegesetz alias Heizungsgesetz alias Gebäudemodernisierungsgesetz wird ziemlich scheinheilig geführt, und zwar von beiden Seiten. 

Es ist doch Hybris, wenn ständig so getan wird, als könne ausgerechnet nur am deutschen Wesen das Weltklima genesen, und deshalb müßte man alle Widerstrebenden unter den wohnungs- oder hausbesitzenden Bürgern dazu zwingen, mindestens mit 110 Prozent Planerfüllung buchstabengetreu das zu tun, was die Fachleute im Moment für richtig halten. Deutschlands Industrie mag uns auch wirklich zu einem der großen CO2-Ausstoßer machen, aber unsere Privathaushalte sind kaum energieintensiver als in vergleichbaren anderen westlichen Ländern. Es ergibt also nicht viel Sinn, sich bei den Verboten und Zwangsmaßnahmen ausgerechnet auf die Privathaushalte zu konzentrieren. Nur: An die Unternehmen traut sich keine Regierung so richtig ran. 

In Wirklichkeit waren es außerdem immer die überzeugenden technischen Entwicklungen, auf die es vor allem ankam. Die brauchen für den Anfang Erfindergeist und mutige Pioniere, die die Erfindungen praktisch einsetzen. In dieser Phase läßt sich die Entwicklung auch tatsächlich verstärken, indem man Anreize dafür setzt. An irgendeinem Punkt erweist sich aber dieses oder jenes der ausgetüftelten Dinge als Selbstläufer. Spätestens seit China anfängt, von fossil auf erneuerbar umzusteuern, darf man annehmen, daß dies mittlerweile auch geschehen ist, und diese Entwicklung sollte für das Klima eine so gute Nachricht sein, daß es doch Pipifax ist, wenn das Ende der Gasheizungen in Deutschland etwas langsamer erfolgt als eigentlich geplant - ich gehe, wie gesagt, aber sowieso davon aus, daß man den Unterschied kaum bemerken wird. Es ist viel besser, wenn sich so etwas deshalb durchsetzt, weil es eine überzeugende Lösung ist. China oder Indien hätte nun einmal niemand zu irgendwas zwingen können, also ist der Effekt einer überzeugenden Lösung global gesehen weitaus höher, als er durch Zwangsmaßnahmen in Deutschland je erzielt werden könnte. 

Seit Afrika anfängt, von China entsprechende Anlagen zu kaufen, ist spätestens klar, daß die wirtschaftlichen Kalkulationen dazu einfach überzeugender sein müssen, als sich von den Amis oder womöglich Rußland Öl liefern zu lassen. Im winzigen afrikanischen Ländchen Gambia hatten noch vor zehn Jahren die Kosten für dieses Öl  mindestens zwei Drittel des Staatshaushalts aufgezehrt. Das weiß ich nur, weil ich zur Zeit der Flüchtlingskrise auffallend fand, wieviele Gambier nach Deutschland kamen, und mal den Wikipedia-Artikel über das Land durchgelesen habe. Dort stand das. Inzwischen finde ich es nicht mehr, also hat es sich offenbar mittlerweile auch verändert. Wenn Deutschland schlau ist, dann bilden wir hier am besten massenhaft afrikanischstämmige Solartechniker aus mit der Perspektive, später im Herkunftsland die Ausbildung in diesem Beruf vorzunehmen. Erstens dürfte es keine bessere Methode geben, um mittelfristig die Zuwanderung speziell aus Gründen der Perspektivlosigkeit in Afrika zu verringern, die dort besonders häufig der Grund für Migration nach Europa ist. Und zweitens, wenn wir es nicht tun, dann machen das vermutlich auch die Chinesen. Im Ergebnis wäre das letztere natürlich die zweitbeste Lösung, aber man wünscht sich ja doch immer, daß die eigenen Leute Chancen erkennen, wenn sie sie direkt vor der Nase haben. 

Um aber nochmal auf die deutschen Privathaushalte zurückzukommen: Der Stuttgarter Architekt und Ingenieur Werner Sobek schreibt gerade an einem dreiteiligen Fachbuch zum Thema Klimawandel, das er bewußt allgemeinverständlich zu halten versucht, und von dem zwei Bände bereits erschienen sind. Darin tut er offenbar etwas, das so selten geworden ist, daß ich darüber nachdenke, mir das gesamte Werk zu kaufen, obwohl ich eigentlich nicht vorhatte, mich tiefgreifender mit diesem Thema zu befassen: Er untersucht darin Zusammenhänge. Solche, die seiner Meinung nach in der Klimafrage zu kurz kommen. Und das interessiert mich wirklich, weil ich bei allen Themen, bei denen ich in diesem oder jenem Teilbereich gut genug im Bilde bin, um mitreden zu können, genau dasselbe festgestellt habe. 

In dem Buch stellt Sobek unter anderem folgendes fest: 

 "Bei heutigen Neubauten entstehen, auf eine Lebensspanne von 50 Jahren bezogen, etwa 50% aller Emissionen bereits in der Herstellphase, also bevor das Gebäude zum ersten Mal benutzt wird." 

Nun mag man einwenden, das läge hauptsächlich daran, daß die Emissionen während der Wohnnutzung ja bei den energieeffizienteren Neubauten so niedrig seien. Aber bei Null liegen sie auch wieder nicht

 

Das Interessante daran ist, daß diese Neubauten typischerweise mehr Quadratmeter pro darin wohnende Person vorsehen, als das in älteren Wohngebäuden der Fall war. Wieder Zitat Sobek:

"Man hat es tatsächlich geschafft, den Energiebedarf pro Quadratmeter Wohnfläche innerhalb von 40 Jahren zu halbieren. In der gleichen Zeit hat sich aber die Wohnfläche pro Kopf verdoppelt: Der Bedarf pro Mensch blieb der gleiche." 

Das relativiert die Sache mit der eingesparten Energie und der Emissionen doch ganz beträchtlich. Was ich nicht weiß, ist, ob die Emissionen der Herstellung früher ebenso hoch oder noch höher oder niedriger als heute waren, aber ich tippe auf das letztere. Alleine die Wege werden schon geringer gewesen sein, die Baustoffe waren weniger anspruchsvoll in der Herstellung und erforderten somit wohl auch weniger Energie in der Erzeugung. Es gibt eine ganze Menge Faktoren, wo beim Bauen heute mehr Aufwand als früher getrieben wird. Ich gebe zu, da kann ich mich aber auch irren und bin bereit, mich mittels Belegen vom Gegenteil überzeugen zu lassen.   

Daß wir im Jahr 2076 eine deutlich geschrumpfte deutsche Bevölkerung haben werden, ist ebenfalls eine angesichts der demographischen Entwicklung sehr naheliegende Annahme. Wieviel Zuwanderung daran ändern kann, sei dahingestellt, aber die Wahrscheinlichkeit, daß in fünfzig Jahren eher Häuser abgerissen als neu gebaut werden müssen, ist schon ziemlich hoch. Die Frage ist, ob es nicht gescheiter wäre, weniger neu zu bauen, sondern primär Altbauten zu sanieren und mit etwas geringeren Wohnflächen pro Kopf in Wohnraum aufzuteilen. Saniert man speziell bisherige Bürogebäude - für Bürojobs wird ja in Zeiten von Homeoffice weniger Platz benötigt -, dann sollte das besonders leicht funktionieren. Und daß beim Sanieren von Altbauten die Energiebilanz um einiges günstiger ist, weiß man ja. Die Frage ist nämlich, wieviele supertolle energieeffiziente Neubauten heute hingestellt werden, die in fünfzig Jahren energetisch genauso veraltet sein werden wie heute ein Haus mit Baujahr 1976. Aber in Zeiten knappen Wohnraums wohnen die Leute auch in solchen Häusern. Wenn in fünfzig Jahren kein Wohnungsmangel, sondern Wohnraumleerstand - je nach Standort - häufiger das Problem sein wird, wieviele der Bauten von heute wird man dann wohl nach fünfzig Jahren Nutzungsdauer wieder abreißen? Ich halte es für ausgeschlossen, daß die Emissionsbilanz dieser Gebäude über ihre gesamte Nutzungsdauer betrachtet, besonders überzeugend ausfallen wird. Denn ihr Abriß wird ja ebenfalls nochmal Emissionen bedeuten. 

Welche anderen Zusammenhänge nicht nur, aber auch im Bereich Bauen mir selbst noch nicht bewußt sind, das kann ich vielleicht aus Sobeks Buch besser als irgendwo anders erfahren. Und das macht mich neugierig auf das Buch. Ich bin immer wieder fasziniert davon, an was für unerwarteten Stellen plötzlich ein halbes Dutzend neue Schachtelteufelchen aufpoppen, wenn man an einer Strippe zieht und sich eingebildet hat, zu wissen, was danach passieren wird. 

Es ist halt immer ein bißchen deprimierend, daß die tagesaktuellen Debatten irgendwie nie über das Niveau von "Vier Beine gut, zwei Beine schlecht" hinausgelangen. Ich merke das auch daran, daß meine Einlassungen zu der GEG-Problematik bei Bluesky die Leute immer so verwirren, daß sie es vorziehen, sich gar nicht dazu zu äußern. Viele würden mir vermutlich gerne widersprechen, wissen aber nicht, wie, weil das, was ich vertrete, nicht in die gewohnten Schemata (und die zugehörigen Freund/Feind-Kategorien) einzuordnen ist. Ich freu mich immer, wenn tatsächlich mal eine Diskussion zustandekommt, in der man seine Ansichten einem Härtetest aussetzen muß. Am Ende gehen dann für gewöhnlich beide Seiten klüger aus der Diskussion heraus, als sie hineingegangen sind, also auch ich.

Ich riskiere jetzt mal einen Tipp: In fünfzig Jahren sind die Erneuerbaren von niemandem mehr hinterfragter Alltag und Gasheizungen stehen längst im Museum. Die Welt wird in einem neuen Normal leben, wie auch immer es im Detail aussehen mag, und das wird den Leuten dann ebenso normal vorkommen wie uns unser heutiges Normal. Vielleicht ist es noch nicht einmal schlechter als das heutige Normal, und fast schon amüsant fände ich es, wenn es entgegen allen heute heraufbeschworenen apokalyptischen Visionen sogar besser sein sollte. Selbstverständlich wird man aber auch in fünfzig Jahren Probleme haben, entweder schwerwiegende oder solche, die eher geringfügig sind, aber subjektiv schwerwiegend erscheinen. Denn es gibt ja immer ein aktuell schlimmstes Problem. Und mit diesem schlimmsten Problem wird man sich genauso intensiv befassen wie heute mit dem Klimawandel, und vor allem junge Leute werden wegen dieses Problems überzeugt davon sein, die benachteiligtste Generation zu sein, die je auf Erden gelebt hat. So, wie das alle Generationen vor ihnen im gleichen Alter auch gedacht haben. Meine eigene mit eingeschlossen, und ja, ich habe damals auch ehrlich daran geglaubt.

Um das alles noch selbst mitzuerleben, muß ich 111 Jahre alt werden, und das kommt mir bei allem grundsätzlichen Optimismus doch ein bißchen arg sportlich vor, also plane ich das lieber nicht in meine Biographie mit ein. Aber vielleicht hab ich ja Glück, und irgendwer Jüngeres erinnert sich in fünfzig Jahren daran, daß dies von mir im Jahre 2026 prophezeit worden ist.  

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Unsere eigenen Pläne bezüglich Split-Klimaanlage und Balkonkraftwerk konkretisieren sich allmählich. Sobald der untere Teil der Küchenzeile fertiggestellt ist (was hoffentlich noch vor dem ersten April geschehen sein wird), werden wir mal von den zwei einschlägigen Fachbetrieben am Ort Angebote einholen. Ich hätte vor allem die Klimaanlage nämlich gerne noch vor dem Hochsommer, denn die Kühlfunktion ist mir ja auch nicht unwichtig. Vor allem wegen meines Mannes, ich komme mit Hitze besser klar als er. Bis auf weiteres ist die Sache als Zusatzheizung geplant, aber falls sich das gut bewähren sollte, wir also die Therme nur noch für Warmwasser und den Gasherd benötigen, kann es auch sein, daß die Heizkörper dauerhaft kalt bleiben. Einstweilen will ich sie aber weiter behalten, um erforderlichenfalls auch darauf weiter zurückgreifen zu können. 

Wegen des Gasherds kommen wir natürlich dauerhaft nicht ohne wenigstens diese Gasleitung aus, also belassen wir es auch beim Warmwasser einstweilen beim Gas. Das muß das Klima eben aushalten, und ich glaube, die 20 bis 30 Kilowattstunden pro Monat, die Kochen und Warmwasser zusammen ausmachen, sollte das Klima auch dauerhaft verkraften können. Falls die ja immerhin erst knapp drei Jahre alte Therme eines unschönen Tages den Löffel abgeben sollte, werden wir vermutlich auch beim Warmwasser umsteigen, auf Durchlauferhitzer oder was auch immer es als noch interessantere Alternativen bis dahin geben mag. 

Meine Mieter müssen wegen Heizungs-Initiativen von mir leider noch bis nächstes Jahr warten, denn ich will erst die Ein-Jahres-Ergebnisse von unserem Haus vorliegen haben, bevor ich in meinen vermieteten Wohnungen meinen Mietern anbiete, das einbauen zu lassen. - Außerdem wäre es mir auch ein bißchen zu viel, vier Aktionen gleichzeitig finanziell zu stemmen, Förderung hin, Abschreibungen her. Und natürlich muß ich zuvor noch mit den WEGs und in zwei Fällen auch mit dem Denkmalamt abklären, ob die das Außengerät überhaupt genehmigen. Den Betrieb, der das bei uns einbauen wird, möchte ich dann auch in diesen Wohnungen damit beauftragen. Außerdem interessieren sich bereits mehrere Freunde und Bekannte für unsere Erfahrungen mit der Split-Klimaanlage, teils am Ort, teils in der näheren Umgebung, aber jedenfalls nahe genug, um seine Arbeit weiterzuempfehlen. Er hat also gute Gründe, uns so zu beraten und die Sache so umzusetzen, daß wir mit dem Ergebnis möglichst zufrieden sind. 

Das sind immer meine liebsten Momente, wenn sich aus vagen Ideen endlich ein konkreter Plan herauskristallisiert. 

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Am heutigen 27. Februar - also acht Tage nach der letzten - habe ich wieder mal eine Maus zum Flußufer getragen.  Das war diesmal eine Maus, von der ich schwören könnte, daß ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Sie war mittelgroß, hatte aber im Verhältnis zu einem ziemlich ausladenden Hinterteil einen recht zierlichen Oberkörper. Ob das ein Weibchen war? War sie womöglich schwanger? Ich habe sie gestern abend schon in der Falle rumoren gehört, als ich bereits im Bett war, und weil ich heute morgen nicht sofort Zeit für den Fußweg zum Fluß hatte, bekam sie erst einmal eine Haselnuß, damit sie während der Wartezeit nicht länger hungern mußte. Bis wir am Fluß waren, war nur noch ein kleines Stück von der Nuß übrig. Ich wünsche dem Mäuschen und ggf. allen ihren Kindern und Kindeskindern ein schönes Mäuseleben am Flußufer. :-)