Freitag, 27. Februar 2026

GEG aka Heizungsgesetz, künftig: GMG: Kein russisches Roulette mehr für WEGs

Mein Gewicht heute früh: 73,2 Kilogramm. Das ist, nun ja, total unbefriedigend, aber damit hatte ich leider auch rechnen müssen - wobei ich nicht erwartet hatte, noch nicht einmal die 73 Kilo zu unterbieten. Aber jetzt isses so, wie es ist, eine vernünftige Erklärung für die Entwicklung habe ich nicht, also gilt: neue Woche, neues Glück. Manchmal sind die Gewichtsschwankungen ja völlig unvorhersehbar, und womöglich geht es nächste Woche dafür steiler als erwartet nach unten. Denn am Sonntag ist unser letzter Low-Carb-Tag, und dann geht es mal wieder in den Endspurt. Das heißt konkret: vier Fastentage unter der Woche, und mit Ausnahme des ersten Tags nach viel aufeinanderfolgenden Fastentagen esse ich normal. Nächste Woche lege ich also los mit zwei Fastentagen Montag und Dienstag, am Mittwoch kriegen wir Besuch, also faste ich da nicht, aber dafür noch einmal am Donnerstag und Freitag. In der Woche drauf habe ich aber die Absicht, wirklich vier Tage am Stück zu fasten, wahrscheinlich von Montag bis Donnerstag, wie mir das am liebsten ist. 

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Ich bin kein Fan von Autokratien, weder voll ausgebildeten noch solchen, die eine bisherige Demokratie mit zunehmende Erfolg in eine solche umzuwandeln anstreben, und so brachte mich der US-Gesundheitsminister in den letzten Monaten zuweilen in einen ernsthaften Zielkonflikt, weil er mit solcher Hemmungslosigkeit manchmal auch Dinge tut, von denen ihm das gesamte Gesundheitssystem der USA im Chor dringend abgeraten hätte, die ich aber für höchstwahrscheinlich richtig und potentielle Gamechanger halte. Wie löst man das Problem, daß man sich einerseits im Ernährungsbereich und ebenso im Fall von Krebs mehr davon wünschen würde, aber dies andererseits einen längeren Fortbestand einer ansonsten völlig untragbaren US-Regierung voraussetzen würde? 

Etwas ähnliches ging mir jetzt bei dieser chinesischen Studie durch den Kopf, deren Volltext leider mal wieder hinter einer Bezahlschranke versteckt wurde, die aber herausgefunden haben will, daß Tumore es überhaupt nicht mögen, wenn man fastet, jedenfalls dann, wenn im Anschluß an dieses kurze Fastenintervall eine Immuntherapie erfolgt. Was wohl meine spezielle Freundin, die Frau Professorin Hübner, dazu meint? Oder meint sie gar nichts, weil sie bei diesem Thema generell auf Autopilot läuft? Hier wenigstens der Text des Abstacts:  

Dietary interventions hold promise for cancer therapy but often require prolonged, poorly tolerated regimens. Furthermore, how transient nutrient deprivation affects the metabolic interplay between tumor and immune cells within the tumor microenvironment (TME) remains unknown. Here, we introduce a brief, 16-h fasting regimen that enhances immunotherapy efficacy in both mice and humans. We found that this transient nutrient stress alters tumor-cell nutrient preferences, creating a metabolic window that can be leveraged to augment treatment. Mechanistically, short-term fasting induces intratumoral accumulation of isoleucine, which reconfigures CD8+ T cell epigenetic programs and phospholipid remodeling, thereby licensing enhanced anti-tumor capacity. In patients receiving neoadjuvant immunotherapy, short-term fasting was able to enhance CD8+ clonal expansion and cytotoxic programs. These findings establish a clinically feasible, well-tolerated dietary regimen that counters nutrient competition in the TME and that provides a tractable path to strengthen existing immunotherapy regimens. 

Und hier außerdem ein paar Details, die bei Twitter von einem gewissen David Sinclair angesprochen wurden. Die Diskussion im Thread erinnert mich zwar wieder daran, warum ich mich bei Twitter nicht mehr so viel aufhalte, aber ein paar zusätzliche Informationsschnipsel von jemandem, der die Studie im Volltext gelesen hat, sind ja besser als nichts. 

Interessant, daß die Wirkung schon bei sechzehnstündigem Fasten meßbar war. Wobei ich ein bißchen verwirrt über dieses "in both mice and humans" bin. Mäuse haben ja einen wesentlich schnelleren Stoffwechsel als Menschen. Ich hab nicht mehr im Kopf, wie lange ein Mensch fasten müßte, damit es 16 Stunden bei einer Maus entspricht, aber es waren mindestens 36 Stunden, vielleicht sogar zwei volle Tage. Ich nehme an, die Forscher haben aber wirklich Mäuse wie Menschen über dieselbe Stundenzahl hinweg fasten lassen, sonst hätten sie das doch sicher erwähnt. Da wüßte man schon gerne, ob die Wirkung bei Menschen schwächer ausgefallen ist, oder ob der Effekt vergleichbar war. 

Wie auch immer, mit zwei Fastentagen vor der Chemo, die ich mir geleistet habe, war ich mindestens auf Augenhöhe mit den Mäusen. Weil ich mich, als sich in den letzten vier Zyklen herausstellte, daß die Nebenwirkungen des Carboplatins doch unangenehmer waren, als ich das von Epirubicin und Cyclophosphamid gewohnt war, aber mehr auf die Nebenwirkungen fokussiert habe und den Eindruck hatte, daß es dafür sinnvoller ist, den Teil der viertägigen Fastenphase zu verlängern, der nach der Chemo stattfindet, habe ich die zwei Tage vorher auf einen verkürzt. Die Wirkung auf den Tumor habe ich damit unter Umständen ein wenig verringert, aber da ich auch so die erhoffte pathologische Komplettremission hatte, würde das ja keine Rolle spielen. Wobei der Tumor in der EC-Phase, als ich das noch andersrum machte, deutlich langsamer als später mit der Immuntherapie geschrumpft ist, also spielt die längere Dauer des Fastens vor der Chemo kaum eine Schlüsselrolle.  

Spannend ist es immerhin, daß diese Studie ausgerechnet aus China kam. Es ist schon ein Weilchen her, daß ich irgendwo hörte oder las, daß in Chinas Wissenschaft das Interesse an therapeutischer Ketose als Behandlungsmethode bei Krebs zunehme, obwohl ich nicht mehr genau weiß, woher ich das hatte. Ich erinnere mich jedenfalls noch, daß ich dachte, dann wäre Chinas autokratisches System womöglich doch mal für was gut - ebenso, wie die DDR in den Siebzigern das kleine Kunststück fertiggebracht hat, sich um das unbegründete Zögern der weltweiten Wissenschaft einfach nicht zu scheren und die Bauchlage in Kinderkrippen zu verbieten, weshalb in der DDR viel weniger plötzliche Kindstode vorkamen als in der BRD. Ob das denkbar ist, daß der Durchbruch von Seyfrieds Krebsentstehungstheorie gar nicht in den USA geschehen wird, sondern in China? Einfach deshalb, weil das dortige Wissenschaftssystem andere unwissenschaftliche Einflußvariablen hat, und es durchaus eine Ordre di Mufti geben könnte, der betreffenden Frage auf den Grund zu gehen? Das kann in manchen Fragen unangenehme Folgen haben, aber in diesem Fall würde es vielleicht den entscheidenden Schubs bedeuten. 

Es gibt beim Krebs, wo ja gerade erfreulicherweise einiges in Bewegung ist, noch eine weitere interessante Nachricht: "Forscher in Texas und Portugal haben eine Methode entwickelt, mit der sich Tumorzellen gezielt mit Licht zerstören lassen – ganz ohne Chemo, Strahlung oder Operation. Statt teurer Laser nutzt das Verfahren gewöhnliche LED-Lampen und winzige Flocken aus Zinnoxid." So meldete das der Focus. Den Abstract der Studie (Volltext wurde hinter einer Bezahlschranke versteckt) findet man hier. Klingt echt vielversprechend. Der Haken daran ist, daß es sich erst um Laborversuche handelt. Auch wenn alles so funktionieren sollte wie erhofft (was noch keineswegs gesagt ist), wird das also niemandem helfen, der gerade eben eine Krebsdiagnose erhalten hat. Bis daraus eine Behandlung entstehen kann, das kann noch Jahre dauern. 

Aber es lohnt sich bestimmt, das weiter im Auge zu behalten. Falls es zur Anwendungsreife kommen sollte und nur halb so gut wirken sollte, wie das einem hier weisgemacht wird, wäre das ein echter Gamechanger. Vor allem bei metastasierten Krebserkrankungen wäre das eine sensationelle Verbesserung der Therapie. Die Krankenkassenbeiträge würden vermutlich sinken, wenn bei den jährlich 500.000 Krebspatienten Chemotherapeutika, Bestrahlung und vielleicht sogar in manchen Fällen die OP nicht mehr erforderlich wären, denn im Moment machen Krebsbehandlungen immerhin zehn Prozent der Ausgaben der Krankenkassen aus. Den einzigen Schaden hätten diejenigen, die im Moment am meisten davon profitieren, daß Krebsbehandlungen so schweineteuer sind. 

Wobei ich gewisse Zweifel habe, ob dies wirklich geeignet ist, den Krebs auch rückstandsfrei, also ohne überlebende Krebszellen, die dann auf der Stelle wieder zu wuchern beginnen, zu beseitigen, deshalb bin ich, was einen möglichen Wegfall der OP betrifft, eher skeptisch. Im Anschluß an die Behandlung wird außerdem wohl sehr viel engmaschiger und auch mit technologischem Einsatz überwacht werden müssen. Ich frage mich auch, ob und wenn ja welche Nebenwirkungen dieses Zinnoxid haben mag. Aber irgendwie fällt es mir schwer, mir vorzustellen, daß das schlimmer als die einer durchschnittlichen Chemotherapie sein könnte, und überhaupt sind meine Wenns und Abers weniger mäkelig gemeint, als sie vielleicht klingen. Ich frage mich nur, wo der Haken sein könnte, falls es einen geben sollte, um nicht zu enttäuscht zu sein, falls die Sache am Ende doch sang- und klanglos wieder eingestampft wird. Das gab es ja auch schon mehr als einmal, daß man sich von neuen Behandlungsmethoden bei Krebs mehr versprochen hat, als dann dabei herauskam. 

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Sollte die Ankündigung, die bezüglich des GEG kam, umgesetzt werden, ist das eine sehr gute Nachricht für jeden, der eine Eigentumswohnung in einem Gebäude besitzt, in dem bislang die Wohnungen jeweils einzeln beheizt wurden, meist mit Gas-Etagenheizungen. Für solche Gebäude entfällt künftig neben anderem auch die absurde Pflicht für WEGs, sich nach Einbau einer neuen Gas-Etagenheizung in einer der Wohnungen im Gebäude gegen einen Umstieg auf Zentralheizung entscheiden zu müssen, also im anderen Fall dazu verpflichtet ist, dies zu tun. Dafür verzeihe ich der Bundesregierung so manches Ärgerliche in anderen Bereichen und auch die billigen Seitenhiebe auf Robert Habeck, die eigentlich nicht nötig gewesen wären. 

Man könnte ja einwenden, diese Verpflichtung ließe sich doch ganz leicht abwenden, wenn sie nicht sinnvoll umgesetzt werden kann und deshalb in einer WEG sich die Miteigentümer weitgehend einig seien, daß man das bleiben lassen solle. Aber ganz so einfach ist das nicht. Man kann nicht einfach einmal entscheiden, und dann ist der Pflicht Genüge getan. Bei der nächsten neu eingebauten Gastherme, weil in einer der anderen Wohnungen im Gebäude die alte Therme irreparabel ausgefallen ist, ist dasselbe Prozedere, also eine Abstimmung der WEG, nämlich wieder fällig, und das Spielchen ist theoretisch nie zu Ende, bis auch die letzte Wohnung im Haus dann nicht mehr mit einer Gastherme ausgestattet ist. 

Wer schon öfter versucht hat, seinen Strom- oder Gasanbieter zu wechseln, hat damit Erfahrung: So was kann nicht nur schiefgehen, es geht viel häufiger schief, als man sich das zuvor hätte vorstellen können. Ich bin schon zweimal am Ende eines solchen Bestellprozesses wieder in der Grundversorgung gelandet, und nur einmal war ein Versäumnis von mir daran schuld - das Prozedere war zu komplex und die Informationen des Anbieters, zu dem ich wollte, waren so spärlich, daß es kein großes Wunder war, daß die Sache schiefging. Aus diesem Grund finde ich das Energieanbieter-Hopping auch nicht eine sonderlich gute Methode, um Geld zu sparen, und suchte mir daraufhin einen Anbieter, bei dem ich dauerhaft zu bleiben gedachte, und nachdem es bei dem schließlich klappte mit der Anmeldung, tat ich das dann auch. 

Genau das ist auch das Problem bei diesem Zwang, immer wieder aufs neue abzustimmen - und zwar vor allem wegen der vorgeschriebenen Mehrheitsverhältnisse, daß also nicht eine einfache Mehrheit der Abstimmenden ausreicht, sondern zwei Drittel aller Miteigentümer ausdrücklich gegen den Wechsel auf eine Zentralheizung stimmen müssen. Dabei kann so vieles schiefgehen, daß völlig klar ist, daß eine Menge WEGs unabsichtlich und gegen ihren Willen in die Zentralheizungspflicht hineinrutschen. Im Falle des Hauses, in dem ich vor meinem Umzug gewohnt habe, wäre es ausreichend, wenn vier Miteigentümer aus welchen Gründen auch immer bei der Abstimmung einfach nicht anwesend oder durch Vollmacht vertreten sind, damit alle zehn zu dieser Umstellung verpflichtet sind. Das heißt, wenn man das verhindern will, muß man wie ein Schießhund aufpassen, daß niemand zur Unzeit in Urlaub fährt oder krank wird, ohne wenigstens eine Vollmacht für die Abstimmung erteilt zu haben. Daß die Hausverwaltung sich auch darum noch kümmert, kann man realistischerweise aber nicht annehmen. Alle Hausverwaltungen, die ich kenne, sind auch so schon heillos überlastet, was auch mit den umfangreichen Berichtspflichten aus dem GEG zu tun hat, die nun glücklicherweise auch bald Geschichte sein werden. Die werden deshalb den Teufel tun, den Miteigentümern hinterherzurennen, womöglich nicht einmal gegen Extravergütung. Daneben gibt es außerdem auch nicht nur kompetente Hausverwaltungen, und eine, die verschnarcht oder unfähig ist, kann die Sache auch aus Verschnarchtheit oder Inkompetenz vermasseln. Es kann auch passieren, daß niemand etwas falsch gemacht hat, und die Sache durch einen unglücklichen Zufall schieflief. 

Ist die Sache aber einmal vermasselt, ist das wie beim Russischen Roulette: eine Wiederholung ist dann nicht mehr möglich, mit der man alles wieder rückgängig machen könnte. Alle müssen die Umstellung dann mitbezahlen - und der Pechvogel, dessen kaputte Therme die Sache ausgelöst hatte, muß dies zusätzlich zu den Kosten seiner neuen Therme. Alleine schon, daß einer der Miteigentümer roundabout 10.000 Euro einfach in den Sand hat setzen müssen, falls eine Zweidrittelmehrheit aus irgendwelchen Gründen nicht zustande kommen sollte, ist aber mehr als nur eine Zumutung, es ist eine krasse Benachteiligung durch den Gesetzgeber. Noch dazu ist es ja so, daß eine neue Therme nun einmal zügig eingebaut werden muß, wenn die vorhandene den Löffel abgibt, und je tiefer in der Heizperiode, desto schneller. Da hat man keine Zeit, noch lange Feldforschungen zu möglichen Alternativen zu betreiben, und ebensowenig Zeit, dafür lange Umbauzeiten in Kauf zu nehmen. Das gilt auch und sogar ganz besonders für vermietete Wohnungen. Neben diesem besonderen Pechvogel sind aber auch die Miteigentümer um so stärker benachteiligt, je neuer und damit effizienter ihre Thermen sind. Noch übler sind allenfalls diejenigen Miteigentümer dran, die noch mit Einzelöfen heizen, denn denen blühen dann in ihrem Sondereigentum natürlich auch noch die Kosten für die benötigten Leitungen und Heizkörper. Aber für die Besitzer von Etagenheizungen gilt: Je älter die Heizung, desto länger haben sie in die Heizung nicht mehr investiert und desto weniger hart sind sie deshalb von den entstehenden Umstellungskosten getroffen.

Und dieses Damoklesschwert hängt über jeder WEG mit einzelnen Beheizungslösungen pro Wohnung, und das so lange, bis die letzte Gasetagenheizung aus dem gesamten Gebäude verschwunden ist. 

All dies ist meiner Meinung nach eine unzumutbare Benachteiligung von Miteigentümern in WEGs gewesen, deshalb ist es gut, daß das abgeschafft wird. Ich weiß wirklich nicht, was Robert Habeck gebissen hat, so etwas federführend zu verantworten. Denn diese Vorgehensweise beruht auf dem Prinzip, die Dummen und Leichtsinnigen erwischen und zu etwas verpflichten zu können, was sie normalerweise nie tun würden. Die ständig von bestimmten Gruppen geforderte Widerspruchslösung bei der Organspende beruht auf demselben Prinzip. So etwas tut man als anständige Regierung einfach nicht, es ist schlicht unanständig - genau so funktioniert nämlich auch das Abofallenprinzip. Mit so einem Vorgehen drückt man außerdem auch aus, daß man von vornherein weiß, daß man etwas anstrebt, für das sich niemand aus eigenem Entschluß entscheiden würde. Die gefundene Lösung ist scheinheilig, weil sie nur so tut, als ginge es um Freiwilligkeit. Es geht in Wirklichkeit aber nur darum, die Leute unfreiwillig in eine Falle laufen zu lassen. 

Dafür, keinesfalls freiwillig auf Zentralheizung umzusteigen, gibt es mindestens im Moment auch für viele betroffene WEGs sehr plausible Gründe. Denn zu dem Wohngebiet, in dem ich meine vermieteten Wohnungen habe, lese ich in der kommunalen Wärmeplanung folgendes: 

 Klimaneutrale Wärmeversorgung besonders herausfordernd (Rot): In diesen Gebieten ist eine Versorgung über Einzellösungen besonders schwierig, die erneuerbaren Potenziale für eine zentrale Versorgung sind aber auch sehr begrenzt. 

Geheizt wird zu 91 Prozent mit Gas, 76 % der Gebäude stehen unter Denkmalschutz, und 48 % sind im Besitz von WEGs. Und liest man den zugehörigen Quartierssteckbrief, klingen die Pläne der Stadt eher ein bißchen hilflos, denn es ist auch nicht so richtig klar, wie man das bislang in diesem Gebiet nicht existente kommunale Wärmenetz dort überhaupt herstellen soll. 

Mit anderen Worten, eine Zentralheizungslösung müßte bis auf weiteres ebenfalls auf Basis von Gas erfolgen. Bis auf weiteres meint hier: Mindestens noch bis zum Jahr 2035. Falls das, was man als zu untersuchende eventuelle Lösungsmöglichkeiten aufgeschrieben hat, sich nicht doch noch als nicht umsetzbar erweisen wird - und bis man das weiß, werden noch mehrere Jahre vergehen. 

Bis dahin könnten aber alle Wohnungen längst mit Etagen-Wärmepumpen ausgestattet sein. Die sind im Moment zwar noch dreimal so teuer wie Gasthermen, aber das ist ja immer so, wenn ein Produkt ganz neu ist. Es kann ja nur eine Frage der Zeit sein, bis weitere Hersteller mit vergleichbaren Produkten auf den Markt kommen, sofern sich die erste Generation dieser Geräte in der Praxis bewährt. Photovoltaikanlagen waren auch mal sehr viel teurer, als sie es jetzt sind. Wer würde aber, Förderung hin oder her, die aktuell noch verlangten 30.000 Euro (mit Förderung trotzdem gerade so noch einigermaßen konkurrenzfähig in den Anschaffungskosten) für so ein Gerät investieren, wenn er sich nie so ganz sicher sein kann, daß er sich demnächst zusätzlich doch noch an den Kosten der Umstellung auf Zentralheizung fürs ganze Haus beteiligen muß, weil halt ein anderer Nachbar seine alte Gastherme durch eine neue Gastherme ersetzt und damit die Zentralheizungsfrage erneut auf den WEG-Tisch bringt? 

Die zwangsläufige Folge dieser Zwickmühle, in die das GEG speziell WEGs mit Etagenheizunen bringt, lautet: Niemand investiert auch nur einen Cent mehr als zwingend erforderlich in die Heizung seines eigenen Sondereigentums, solange dieser idiotische Paragraph 71l keine Planungssicherheit zuläßt. Und das wiederum bedeutet, daß niemand alte Thermen ersetzt, solange sie noch laufen oder repariert werden können - und mein Installateur hat mir glaubhaft versichert, daß gerade die alten Thermen meist problemlos repariert werden können. Sie wurden vor dem GEG trotzdem häufig ersetzt, wenn ein Neugerät energieeffizienter und weniger reparaturanfällig war. Aber mit dem GEG bietet sich das wegen des hohen finanziellen Risikos, das man damit eingeht, nicht mehr an. 

All das Geschwafel von Technologieoffenheit, von Biogas und was auch immer, das im Moment in allen Medien durchgekaut (und meist verworfen) wird, ist im Grunde Pipifax, ein Nebenkriegsschauplatz, sobald die Frage, wie man all die neuen Zentralheizungen in WEG-Mehrfamilienhäuser, die das alte Gesetz erzwungen hat, eigentlich ohne Erdgas über städtische Wärmenetze beheizen soll, sich nicht mehr stellt, wie das durch die Gesetzesänderung nun geschehen wird. Ich weiß nicht, ob der CDU bewußt ist, wie bedeutungslos das, worum sie so ein Theater macht, für die Heizgewohnheiten in Mehrfamilienhäusern wird, sobald es einen vernünftigen Ersatz auch für die Beheizung von einzelnen Wohnungen mit Gas gibt. Und da gibt es mittlerweile zwei ganz brauchbar wirkende Lösungen, die "Etagen-Wärmepumpe", die besonders einfach als Ersatz für Gasthermen eingesetzt werden kann, und die Split-Klimaanlagen. Bestimmt kommen noch weitere Neuentwicklungen in den nächsten Jahren hinzu. Anstatt Zeter und Mordio zu schreien, täte man seitens der Klimabeflissenen meiner Meinung nach besser, sich eine Strategie zu überlegen, auf welche Weise man dazu beitragen kann, daß diese Geräte möglichst schnell möglichst vielen WEG-Verwaltern und -Miteigentümern bekannt werden. 

In Ein- bis Zweifamilienhäusern ist die Wärmepumpe - in Neubauten sowieso, aber allmählich auch in Altbauten - aber längst dabei, sich durchzusetzen. Es muß sich nur noch ein bißchen weiter herumsprechen, daß man dafür nicht gleich sein komplettes Altbau-Haus für sechsstellige Beträge rundumsanieren muß, die eine Menge Häuslesbesitzer nicht ausgeben können oder ausgeben wollen. Daß hier ständig so getan wurde, als wäre die Fassadendämmung und die Fußbodenheizung und alles mögliche sonst noch eine zwingend Vorbedingung, ohne die ein Wechsel der Beheizungsform gar nicht angefangen werden könne, hat die Wechselbereitschaft natürlich kaum erhöht - und dies ist auch mit dafür verantwortlich, daß die Leute mit solcher Panik auf das GEG reagiert haben. Außer diesem einen komplett mißratenen Paragraphen 71l für WEGs ist mir nämlich kaum etwas aufgefallen, das ansonsten bei Hausbesitzern einen wirklichen Grund zur Panik geboten hätte - es sei denn, ich habe einen anderen Sonderfall übersehen, weil er außerhalb meines Erfahrungshorizonts liegt. Den gefühlten Grund für die unbegründete massenhafte Panik unter Hausbesitzern haben die Klimabeflissenen aber selbst mit ihren ständigen Forderungen nach hundertfünfzigprozentigen Maximallösungen miterzeugt, obwohl in Wirklichkeit weit weniger als dies erforderlich wäre. Das ist jetzt kein Vorwurf, nur eine Feststellung. 

Die Leute wollen an sich immer die Heizungen, die sich für sie, Umbauaufwand und spätere Einsparungen zueinander ins Verhältnis gesetzt, am besten rechnen, vorausgesetzt, sie müssen sich selbst dafür nicht erst an den Bettelstab bringen, weil ihre Kosten jenseits ihrer finanziellen Möglichkeiten liegen. Es ist doch so gut wie niemand scharf darauf, aus reiner Prinzipienreiterei Gas weiter zu behalten, wenn man dabei im Vergleich zu anderen Lösungen draufzahlen muß. Hätte es die Etagen-Wärmepumpe im März 2022, als meine Gastherme den Löffel abgab, bereits gegeben, hätte ich mich vermutlich für sie entschieden, nicht für eine Brennwerttherme. Meiner Meinung nach wird der Abschied von den fossilen Energien zum Heizen in den nächsten Jahren, da nunmehr erste Lösungen für Einzelheizungen bestehen, sehr unkompliziert weiter fortschreiten, auch wenn niemand mehr mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen wird. Je kleiner die Minderheit wird, die aus irgendwelchen Gründen lieber bei Gas oder Öl bleiben will, desto weniger fällt sie aber ins Gewicht. Es ist geradezu idiotisch, sich an ihr mit solcher Hingabe abzuarbeiten, wie das manche tun. 

Hier kann ich nur an den gesunden Menschenverstand appellieren: Eine freiwillige 90-Prozent-Compliance ist allemal besser als eine 96-prozentige, die auf Zwang basiert. 100 Prozent erreicht man sowieso nicht, und sollte jemals der Fortbestand der Welt wirklich davon abhängen, daß 100 Prozent eine bestimmte Sache tun oder unterlassen, dann ist ihr unausweichliches Ende gekommen. Aber zum Glück sind solche Behauptungen immer dramatisierende Übertreibungen, die man getrost ignorieren kann. Die restlichen 10 Prozent werden halt irgendwann später hinterherziehen. So, wie meine Wohnung Ende der Achtziger, die noch mit Holz und Kohle beheizt wurde, irgendwann in den Neunzigern doch noch mit einer Gas-Etagenheizung ausgestattet wurde. Oder wie eine Wohnung, die ich vor roundabout 15 Jahren besichtigte, die noch über kein Badezimmer verfügte, weil der langjährige Mieter völlig zufrieden war, wie es war, unter Garantie beim nächsten Mieterwechsel vor dem Neubezug mit einem Bad ausgestattet wurde oder werden wird. Einen Anteil von sagen wir zehn Prozent verspäteten Umstellungen kann und muß unsere Gesellschaft und auch das Klima verkraften.  

Das Ziel Klimaschutz wird in dem Fall aber nicht als Hauptzweck verfolgt, wenn jemand sich eine Wärmepumpe, ob nun Luft/Wasser oder - wie wir das planen - Luft/Luft, deshalb anschafft, weil diese Heizlösung einfach überzeugend ist. Und das ist es wohl, was die einschlägigen Organisationen sosehr daran so stört. Dieser nur notdürftig bemäntelte Wunsch, die vermeintlichen Sünder unbedingt auch unangenehme Bußübungen verrichten zu lassen, ist der rote Faden in allen moralisch unterfütterten Debatten. 

Das gilt natürlich noch mehr für Vermieter, die viele Leute ja ganz generell und überhaupt ständig dafür bestrafen wollen, daß sie halt Vermieter sind. Nur deshalb wird jetzt überall die Not der unschuldigen Mieter heraufbeschworen, die ja gar keine Chance haben, hohen Heizkosten zu entgehen, wenn ihre Vermieter aus reinem Geiz die Achseln zucken und sie auf ihrer alten Gasheizung sitzenlassen, wie sie das ja immer täten, wenn nicht der Gesetzgeber sie mit vorgehaltener Waffe dazu zwingt, es anders zu machen. Das halte ich für Unsinn, denn tatsächlich - wie weiter oben beschrieben - waren mit dem Habeckschen Gesetz die Anreize, alte Thermen weiterlaufen zu lassen, sehr viel höher als jetzt. Und was die großen Gesellschaften betrifft, warum sollte so etwas für sie lukrativer sein, als die Förderungen und die Abschreibemöglichkeiten zu nutzen? Das sieht man ja alleine schon daran, daß vor allem Mieter großer Gesellschaften in den letzten Jahren mit energetischen Sanierungen von deren Gebäuden mit allen Problemen, die damit verbunden waren, konfrontiert waren. Von Baustellen bis zur anschließenden Mieterhöhung. 

Private Vermieter, wie sie in WEGs der Regelfall sind, können aber auch rechnen. Wenn eine Maßnahme in ihrem Sondereigentum für sie selbst vorteilhaft ist, dann machen sie sie auch. Das bisherige GEG hat wirksam dafür gesorgt, daß alles, was sie bei der Heizung getan hätten, für sie mit ein bißchen Pech in einen gravierenden Nachteil umschlagen konnte, siehe weiter oben. Natürlich tun sie das dann lieber nicht. Aber tatsächlich ist eine zukunftsfeste und möglichst effiziente Heizungslösung auch beim Vermieten vorteilhaft. Das gilt vielleicht ein bißchen weniger in Großstädten mit Wohnungsmangel, aber überall sonst sind günstige Heizkosten ein Faktor, mit dem man sich positiv abheben kann. Und die Kosten, soweit sie die Förderung übersteigen, kann man ja gerade als Vermieter in voller Höhe steuerlich geltend machen. 

Freilich, nicht jeder Mieter wird uneingeschränkt davon begeistert sein, wenn sein Vermieter nun natürlich auch nicht mehr bereit ist, sich mit der bescheideneren Kaltmiete für das zuvor unsanierte Objekt zu begnügen, sondern seine Investitionskosten in die Miete mit einpreist. 

Diese ganze Debatte um das Gebäudeenergiegesetz alias Heizungsgesetz alias Gebäudemodernisierungsgesetz wird ziemlich scheinheilig geführt, und zwar von beiden Seiten. 

Es ist doch Hybris, wenn ständig so getan wird, als könne ausgerechnet nur am deutschen Wesen das Weltklima genesen, und deshalb müßte man alle Widerstrebenden unter den wohnungs- oder hausbesitzenden Bürgern dazu zwingen, mindestens mit 110 Prozent Planerfüllung buchstabengetreu das zu tun, was die Fachleute im Moment für richtig halten. Deutschlands Industrie mag uns auch wirklich zu einem der großen CO2-Ausstoßer machen, aber unsere Privathaushalte sind kaum energieintensiver als in vergleichbaren anderen westlichen Ländern. Es ergibt also nicht viel Sinn, sich bei den Verboten und Zwangsmaßnahmen ausgerechnet auf die Privathaushalte zu konzentrieren. Nur: An die Unternehmen traut sich keine Regierung so richtig ran. 

In Wirklichkeit waren es außerdem immer die überzeugenden technischen Entwicklungen, auf die es vor allem ankam. Die brauchen für den Anfang Erfindergeist und mutige Pioniere, die die Erfindungen praktisch einsetzen. In dieser Phase läßt sich die Entwicklung auch tatsächlich verstärken, indem man Anreize dafür setzt. An irgendeinem Punkt erweist sich aber dieses oder jenes der ausgetüftelten Dinge als Selbstläufer. Spätestens seit China anfängt, von fossil auf erneuerbar umzusteuern, darf man annehmen, daß dies mittlerweile auch geschehen ist, und diese Entwicklung sollte für das Klima eine so gute Nachricht sein, daß es doch Pipifax ist, wenn das Ende der Gasheizungen in Deutschland etwas langsamer erfolgt als eigentlich geplant - ich gehe, wie gesagt, aber sowieso davon aus, daß man den Unterschied kaum bemerken wird. Es ist viel besser, wenn sich so etwas deshalb durchsetzt, weil es eine überzeugende Lösung ist. China oder Indien hätte nun einmal niemand zu irgendwas zwingen können, also ist der Effekt einer überzeugenden Lösung global gesehen weitaus höher, als er durch Zwangsmaßnahmen in Deutschland je erzielt werden könnte. 

Seit Afrika anfängt, von China entsprechende Anlagen zu kaufen, ist spätestens klar, daß die wirtschaftlichen Kalkulationen dazu einfach überzeugender sein müssen, als sich von den Amis oder womöglich Rußland Öl liefern zu lassen. Im winzigen afrikanischen Ländchen Gambia hatten noch vor zehn Jahren die Kosten für dieses Öl  mindestens zwei Drittel des Staatshaushalts aufgezehrt. Das weiß ich nur, weil ich zur Zeit der Flüchtlingskrise auffallend fand, wieviele Gambier nach Deutschland kamen, und mal den Wikipedia-Artikel über das Land durchgelesen habe. Dort stand das. Inzwischen finde ich es nicht mehr, also hat es sich offenbar mittlerweile auch verändert. Wenn Deutschland schlau ist, dann bilden wir hier am besten massenhaft afrikanischstämmige Solartechniker aus mit der Perspektive, später im Herkunftsland die Ausbildung in diesem Beruf vorzunehmen. Erstens dürfte es keine bessere Methode geben, um mittelfristig die Zuwanderung speziell aus Gründen der Perspektivlosigkeit in Afrika zu verringern, die dort besonders häufig der Grund für Migration nach Europa ist. Und zweitens, wenn wir es nicht tun, dann machen das vermutlich auch die Chinesen. Im Ergebnis wäre das letztere natürlich die zweitbeste Lösung, aber man wünscht sich ja doch immer, daß die eigenen Leute Chancen erkennen, wenn sie sie direkt vor der Nase haben. 

Um aber nochmal auf die deutschen Privathaushalte zurückzukommen: Der Stuttgarter Architekt und Ingenieur Werner Sobek schreibt gerade an einem dreiteiligen Fachbuch zum Thema Klimawandel, das er bewußt allgemeinverständlich zu halten versucht, und von dem zwei Bände bereits erschienen sind. Darin tut er offenbar etwas, das so selten geworden ist, daß ich darüber nachdenke, mir das gesamte Werk zu kaufen, obwohl ich eigentlich nicht vorhatte, mich tiefgreifender mit diesem Thema zu befassen: Er untersucht darin Zusammenhänge. Solche, die seiner Meinung nach in der Klimafrage zu kurz kommen. Und das interessiert mich wirklich, weil ich bei allen Themen, bei denen ich in diesem oder jenem Teilbereich gut genug im Bilde bin, um mitreden zu können, genau dasselbe festgestellt habe. 

In dem Buch stellt Sobek unter anderem folgendes fest: 

 "Bei heutigen Neubauten entstehen, auf eine Lebensspanne von 50 Jahren bezogen, etwa 50% aller Emissionen bereits in der Herstellphase, also bevor das Gebäude zum ersten Mal benutzt wird." 

Nun mag man einwenden, das läge hauptsächlich daran, daß die Emissionen während der Wohnnutzung ja bei den energieeffizienteren Neubauten so niedrig seien. Aber bei Null liegen sie auch wieder nicht

 

Das Interessante daran ist, daß diese Neubauten typischerweise mehr Quadratmeter pro darin wohnende Person vorsehen, als das in älteren Wohngebäuden der Fall war. Wieder Zitat Sobek:

"Man hat es tatsächlich geschafft, den Energiebedarf pro Quadratmeter Wohnfläche innerhalb von 40 Jahren zu halbieren. In der gleichen Zeit hat sich aber die Wohnfläche pro Kopf verdoppelt: Der Bedarf pro Mensch blieb der gleiche." 

Das relativiert die Sache mit der eingesparten Energie und der Emissionen doch ganz beträchtlich. Was ich nicht weiß, ist, ob die Emissionen der Herstellung früher ebenso hoch oder noch höher oder niedriger als heute waren, aber ich tippe auf das letztere. Alleine die Wege werden schon geringer gewesen sein, die Baustoffe waren weniger anspruchsvoll in der Herstellung und erforderten somit wohl auch weniger Energie in der Erzeugung. Es gibt eine ganze Menge Faktoren, wo beim Bauen heute mehr Aufwand als früher getrieben wird. Ich gebe zu, da kann ich mich aber auch irren und bin bereit, mich mittels Belegen vom Gegenteil überzeugen zu lassen.   

Daß wir im Jahr 2076 eine deutlich geschrumpfte deutsche Bevölkerung haben werden, ist ebenfalls eine angesichts der demographischen Entwicklung sehr naheliegende Annahme. Wieviel Zuwanderung daran ändern kann, sei dahingestellt, aber die Wahrscheinlichkeit, daß in fünfzig Jahren eher Häuser abgerissen als neu gebaut werden müssen, ist schon ziemlich hoch. Die Frage ist, ob es nicht gescheiter wäre, weniger neu zu bauen, sondern primär Altbauten zu sanieren und mit etwas geringeren Wohnflächen pro Kopf in Wohnraum aufzuteilen. Saniert man speziell bisherige Bürogebäude - für Bürojobs wird ja in Zeiten von Homeoffice weniger Platz benötigt -, dann sollte das besonders leicht funktionieren. Und daß beim Sanieren von Altbauten die Energiebilanz um einiges günstiger ist, weiß man ja. Die Frage ist nämlich, wieviele supertolle energieeffiziente Neubauten heute hingestellt werden, die in fünfzig Jahren energetisch genauso veraltet sein werden wie heute ein Haus mit Baujahr 1976. Aber in Zeiten knappen Wohnraums wohnen die Leute auch in solchen Häusern. Wenn in fünfzig Jahren kein Wohnungsmangel, sondern Wohnraumleerstand - je nach Standort - häufiger das Problem sein wird, wieviele der Bauten von heute wird man dann wohl nach fünfzig Jahren Nutzungsdauer wieder abreißen? Ich halte es für ausgeschlossen, daß die Emissionsbilanz dieser Gebäude über ihre gesamte Nutzungsdauer betrachtet, besonders überzeugend ausfallen wird. Denn ihr Abriß wird ja ebenfalls nochmal Emissionen bedeuten. 

Welche anderen Zusammenhänge nicht nur, aber auch im Bereich Bauen mir selbst noch nicht bewußt sind, das kann ich vielleicht aus Sobeks Buch besser als irgendwo anders erfahren. Und das macht mich neugierig auf das Buch. Ich bin immer wieder fasziniert davon, an was für unerwarteten Stellen plötzlich ein halbes Dutzend neue Schachtelteufelchen aufpoppen, wenn man an einer Strippe zieht und sich eingebildet hat, zu wissen, was danach passieren wird. 

Es ist halt immer ein bißchen deprimierend, daß die tagesaktuellen Debatten irgendwie nie über das Niveau von "Vier Beine gut, zwei Beine schlecht" hinausgelangen. Ich merke das auch daran, daß meine Einlassungen zu der GEG-Problematik bei Bluesky die Leute immer so verwirren, daß sie es vorziehen, sich gar nicht dazu zu äußern. Viele würden mir vermutlich gerne widersprechen, wissen aber nicht, wie, weil das, was ich vertrete, nicht in die gewohnten Schemata (und die zugehörigen Freund/Feind-Kategorien) einzuordnen ist. Ich freu mich immer, wenn tatsächlich mal eine Diskussion zustandekommt, in der man seine Ansichten einem Härtetest aussetzen muß. Am Ende gehen dann für gewöhnlich beide Seiten klüger aus der Diskussion heraus, als sie hineingegangen sind, also auch ich.

Ich riskiere jetzt mal einen Tipp: In fünfzig Jahren sind die Erneuerbaren von niemandem mehr hinterfragter Alltag und Gasheizungen stehen längst im Museum. Die Welt wird in einem neuen Normal leben, wie auch immer es im Detail aussehen mag, und das wird den Leuten dann ebenso normal vorkommen wie uns unser heutiges Normal. Vielleicht ist es noch nicht einmal schlechter als das heutige Normal, und fast schon amüsant fände ich es, wenn es entgegen allen heute heraufbeschworenen apokalyptischen Visionen sogar besser sein sollte. Selbstverständlich wird man aber auch in fünfzig Jahren Probleme haben, entweder schwerwiegende oder solche, die eher geringfügig sind, aber subjektiv schwerwiegend erscheinen. Denn es gibt ja immer ein aktuell schlimmstes Problem. Und mit diesem schlimmsten Problem wird man sich genauso intensiv befassen wie heute mit dem Klimawandel, und vor allem junge Leute werden wegen dieses Problems überzeugt davon sein, die benachteiligtste Generation zu sein, die je auf Erden gelebt hat. So, wie das alle Generationen vor ihnen im gleichen Alter auch gedacht haben. Meine eigene mit eingeschlossen, und ja, ich habe damals auch ehrlich daran geglaubt.

Um das alles noch selbst mitzuerleben, muß ich 111 Jahre alt werden, und das kommt mir bei allem grundsätzlichen Optimismus doch ein bißchen arg sportlich vor, also plane ich das lieber nicht in meine Biographie mit ein. Aber vielleicht hab ich ja Glück, und irgendwer Jüngeres erinnert sich in fünfzig Jahren daran, daß dies von mir im Jahre 2026 prophezeit worden ist.  

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Unsere eigenen Pläne bezüglich Split-Klimaanlage und Balkonkraftwerk konkretisieren sich allmählich. Sobald der untere Teil der Küchenzeile fertiggestellt ist (was hoffentlich noch vor dem ersten April geschehen sein wird), werden wir mal von den zwei einschlägigen Fachbetrieben am Ort Angebote einholen. Ich hätte vor allem die Klimaanlage nämlich gerne noch vor dem Hochsommer, denn die Kühlfunktion ist mir ja auch nicht unwichtig. Vor allem wegen meines Mannes, ich komme mit Hitze besser klar als er. Bis auf weiteres ist die Sache als Zusatzheizung geplant, aber falls sich das gut bewähren sollte, wir also die Therme nur noch für Warmwasser und den Gasherd benötigen, kann es auch sein, daß die Heizkörper dauerhaft kalt bleiben. Einstweilen will ich sie aber weiter behalten, um erforderlichenfalls auch darauf weiter zurückgreifen zu können. 

Wegen des Gasherds kommen wir natürlich dauerhaft nicht ohne wenigstens diese Gasleitung aus, also belassen wir es auch beim Warmwasser einstweilen beim Gas. Das muß das Klima eben aushalten, und ich glaube, die 20 bis 30 Kilowattstunden pro Monat, die Kochen und Warmwasser zusammen ausmachen, sollte das Klima auch dauerhaft verkraften können. Falls die ja immerhin erst knapp drei Jahre alte Therme eines unschönen Tages den Löffel abgeben sollte, werden wir vermutlich auch beim Warmwasser umsteigen, auf Durchlauferhitzer oder was auch immer es als noch interessantere Alternativen bis dahin geben mag. 

Meine Mieter müssen wegen Heizungs-Initiativen von mir leider noch bis nächstes Jahr warten, denn ich will erst die Ein-Jahres-Ergebnisse von unserem Haus vorliegen haben, bevor ich in meinen vermieteten Wohnungen meinen Mietern anbiete, das einbauen zu lassen. - Außerdem wäre es mir auch ein bißchen zu viel, vier Aktionen gleichzeitig finanziell zu stemmen, Förderung hin, Abschreibungen her. Und natürlich muß ich zuvor noch mit den WEGs und in zwei Fällen auch mit dem Denkmalamt abklären, ob die das Außengerät überhaupt genehmigen. Den Betrieb, der das bei uns einbauen wird, möchte ich dann auch in diesen Wohnungen damit beauftragen. Außerdem interessieren sich bereits mehrere Freunde und Bekannte für unsere Erfahrungen mit der Split-Klimaanlage, teils am Ort, teils in der näheren Umgebung, aber jedenfalls nahe genug, um seine Arbeit weiterzuempfehlen. Er hat also gute Gründe, uns so zu beraten und die Sache so umzusetzen, daß wir mit dem Ergebnis möglichst zufrieden sind. 

Das sind immer meine liebsten Momente, wenn sich aus vagen Ideen endlich ein konkreter Plan herauskristallisiert. 

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Am heutigen 27. Februar - also acht Tage nach der letzten - habe ich wieder mal eine Maus zum Flußufer getragen.  Das war diesmal eine Maus, von der ich schwören könnte, daß ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Sie war mittelgroß, hatte aber im Verhältnis zu einem ziemlich ausladenden Hinterteil einen recht zierlichen Oberkörper. Ob das ein Weibchen war? War sie womöglich schwanger? Ich habe sie gestern abend schon in der Falle rumoren gehört, als ich bereits im Bett war, und weil ich heute morgen nicht sofort Zeit für den Fußweg zum Fluß hatte, bekam sie erst einmal eine Haselnuß, damit sie während der Wartezeit nicht länger hungern mußte. Bis wir am Fluß waren, war nur noch ein kleines Stück von der Nuß übrig. Ich wünsche dem Mäuschen und ggf. allen ihren Kindern und Kindeskindern ein schönes Mäuseleben am Flußufer. :-) 

 

 

Montag, 23. Februar 2026

Kopflose Hühner und andere Untote

Mein Gewicht heute früh zu Beginn des viertägigen Fastenintervalls: 77,7 Kilogramm. Damit bin ich definitiv unzufrieden, das sind mindestens zwei Kilo mehr, als ich vor Beginn dieser Low-Carb-Phase erwartet hatte. Aber es hatte sich ja schon abgezeichnet, daß mein Gewichtsverlauf in dieser Low-Carb-Phase unter meinen Erwartungen bleiben würde. Die letzten paar Kilos, die ich loswerden will - Stand heute geht es um exakt 4,2 Kilogramm hin oder her -, sind offenbar diejenigen, die sich als am anhänglichsten erweisen. Aber das werden wir ja sehen, wer sich am Ende als sturer erweist, sie oder ich. Daß meine bisherigen Methoden ihnen nicht beikommen, habe ich inzwischen eingesehen. Wieviel der neue "Endspurt" bringt, bleibt abzuwarten. 4,2 Kilogramm werde ich damit wohl leider nicht abschütteln können, aber ich hoffe mal, ich gelange wenigstens in die Nähe des Zielgewichts. 

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Einsicht in Veränderungsbedarf erfordert die Bereitschaft, Ursachen und Wirkungen zu hinterfragen, vor allem, wenn die Anwendung der zugehörigen Mittel nicht die erwarteten Ergebnisse zeigt. Es ergibt keinen Sinn, wieder und wieder dasselbe zu versuchen, wenn es offensichtlich nicht die gewünschte Wirkung hat. Warum weiß ich das eigentlich als Laie, aber all den Experten für Adipositas geht das trotz ihres Fachwissens offensichtlich über den Horizont? Denn nur so läßt sich manches erklären, das als angeblich wissenschaftliches Ergebnis in diesem Bereich durch die Medien geht. Etwa dieses hier: 

Intervallfasten funktioniert nicht besser als andere Abnahmemethoden auch! Es bietet gleichzeitig auch keine bessere Lebensqualität! Aber es ist zumindest besser, als gar nichts zu machen! So deutet die Tagesschau einen Review der Cochrane Library. Leider hat man mal wieder keinen Zugriff auf den Volltext, sonst hätte ich noch detaillierter sagen können, wo der Hund bei diesem merkwürdigen Urteil begraben liegt. Schleierhaft ist mir zum Beispiel, nach welchen Kriterien die enthaltenen 22 Studien ausgewählt wurden, bestimmt nur ein Bruchteil dessen, was verfügbar gewesen wäre. Die Erklärung: 

 We included randomised controlled trials (RCTs) and cluster‐RCTs that compared intermittent fasting (including time‐restricted feeding, periodic fasting, alternate‐day fasting, and modified alternate‐day fasting) with regular dietary advice, no intervention or waiting list in men and women with overweight or obesity, with or without associated comorbid conditions. The minimum duration of the intervention was four weeks, and the minimum duration of follow‐up was six months. We excluded cross‐over and quasi‐RCTs.

finde ich nicht überzeugend. Ich halte es für schwer vorstellbar, daß es im Zeitraum 2016 bis 2024 nur 22 Studien gegeben haben soll, die geeignet waren, sich einen Eindruck zu verschaffen. Einen vernünftigen Grund, sich auf diesen Zeítraum zu beschränken, sehe ich außerdem auch nicht, falls es wirklich so gewesen sein sollte. Welchen geringeren Erkenntniswert sollen denn Studien, die aus der Zeit vor 2016 stammen, gehabt haben, sofern sie den zitierten Einschlußkriterien entsprochen haben? 

Daß man eine Einheitlichkeit der gewählten Definition von "Intervallfasten" herstellen wollte, lag der spärlichen Auswahl jedenfalls nicht zugrunde, denn die gewählten Fastenmodelle waren extrem uneinheitlich und es hat den Anschein, als wäre ein Teil davon überhaupt nicht unter die übliche Definition von "Intervallfasten" gefallen, das mit 16 Stunden Fasten beginnen sollte, wenn es eine Abnahmewirkung haben soll. Laut Tagesschau reichte die Spanne aber von 14 Stunden Fasten am Tag bis hin zum "Alternate Day Fasting", also Fasten jeden zweiten Tag. Unklar ist mir, wie Fasten definiert wurde, also ob ein Teil der Studien eine relativ geringe Kalorienmenge an sogenannten "Fastentagen" zuließ, ob Elemente des Heilfastens eingeflossen sind, bei dem ja viel mit Süppchen und Säftchen gearbeitet wird, oder ob es um wirkliches Null-Kalorien-Fasten ging. Vermutlich war alles davon enthalten. Noch dazu betrug die Dauer bei einigen dieser Studien nur vier Wochen. 

Und von dieser sonderbaren Mischung aus Methoden und Anwendungsdauern, die, jede für sich genommen, sehr unterschiedliche Abnehmwirkungen gehabt haben dürften, ermittelte man dann nach strengstmöglichen wissenschaftlichen Kriterien und ausgefeilten Formeln einen Durchschnittswert. Klingt das wirklich nach einer Methode, die allzu viel Erkenntniswert verspricht? Für mich hört sich das eher nach einem Patentrezept für "Garbage in, Garbage out" an. 

Aber das ist noch längst nicht das Hauptproblem mit dieser Übersichtsarbeit von Cochrane. Ein Fall für die Tonne ist sie vor allem wegen des Zeitraums, nach dem über Erfolg oder Mißerfolg geschlußfolgert werden sollte. Denn ausgewertet wurde wieder einmal das Zeitfenster zwischen mindestens Monat 6 und spätestens Monat 12 nach Beginn der Maßnahme. 

Jedes Mal, wenn ich solche Studien sehe, bekomme ich eine grundsätzliche Glaubenskrise, was den Sinn und Nutzen von wissenschaftlicher Arbeit in einem generellen Sinne betrifft. Alternativ könnte ich mich ja nur noch fragen, ob ich nun an dem Verstand der beteiligten Wissenschaftler zweifeln müsse oder an ihrer wissenschaftlichen Integrität. Denn jeder Wissenschaftler in diesem Bereich sollte ja eigentlich wissen, daß in jeder Studie, die länger als zwölf Monate dauert, nach diesen zwölf Monaten Wiederzunahmen die Regel sind. Ernsthaft, wer sich wissenschaftlich mit der Frage nach Gewichtszu- und -abnahmen befaßt und davon noch nie etwas gehört zu haben behauptet (was implizit der Fall ist, wenn man so treudoof kürzere Zeiträume als 12 Monate als vermeintlich maßgeblich behandelt), dem spreche ich jegliche Kompetenz ab. Sechs bis zwölf Monate sind aber eindeutig kein Zeitraum, der für irgendwen interessant sein könnte, der nicht nur abnehmen, sondern das dadurch erreichte Gewicht auch halten können möchte - was in meinen Augen die einzige realitätsgerechte Definition einer erfolgreichen Gewichtsabnahme sein kann. 

Im Umkehrschluß heißt das, Cochrane interessiert sich gar nicht ernsthaft für gelingende Gewichtsreduktion. Und das macht mich gerade richtig sauer. Was bilden die sich eigentlich ein, sich auf idiotische Zahlenspielereien ohne praktischen Nutzwert zu beschränken? Alle Welt heult ständig herum über die horrenden Folgekosten einer sogenannten Adipositasepidemie und schiebt die Schuld daran gar nicht so selten den Betroffenen selbst und ihrer vermeintlichen Undiszipliniertheit in die Schuhe, und die bei Cochrane treiben alberne Sandkastenspielchen ohne irgendwelchen zu erwartenden Nutzwert und plärren anschließend noch dazu irgendwelche offensichtlich hanebüchenen Schlußfolgerungen in die mediale Welt hinaus? Das ist doch einfach nicht zu fassen. 

Die Haare raufen könnte man sich ganz besonders, wenn der Direktor von Cochrane Deutschland dann mit dem klassischen Armutszeugnis an militantem Nichtwissenwollen zu brillieren versucht: 

"Der Review legt nahe, dass Intervallfastende über sechs bis zwölf Monate wahrscheinlich mehr Gewicht verlieren im Vergleich zu Menschen, die ihre Ernährung nicht aktiv ändern - nämlich im Mittel drei bis vier Prozent", erklärt Jörg Meerpohl, Direktor von Cochrane Deutschland. Allerdings empfehlen klinische Leitlinien für Menschen mit Übergewicht und Adipositas einen Gewichtsverlust von mindestens fünf Prozent.

Was er nicht sagt, der Herr Meerpohl. Kennt der gute Mann eigentlich viele Gewichtsreduktionsmethoden, mit denen man innerhalb von vier Wochen (um die es ja in einem Teil der 22 enthaltenen Studien ging) einen Gewichtsverlust von mindestens fünf Prozent zu verzeichnen hat? Wenn ja, ersuche ich ihn hiermit höflich, mir ein paar Links zu einschlägigen Studien zukommen zu lassen. Ich halte solche Gewichtsabnahmen in einem so kurzen Zeitraum für absolute Ausnahmefälle - auch wenn ich selbst seinerzeit zu diesen Ausnahmefällen gezählt habe. Falls Meerpohl gerne wissen möchte, wie ich das angestellt habe, sei er hiermit höflich auf die Lektüre meines Blogs verwiesen. 

Und sagen die klinischen Leitlinien eigentlich auch irgendwas über die Frage des Gewichthaltens? Wenn nicht, sind sie nämlich sowieso ebenfalls ein Fall für die Tonne. Wiederzunahmen haben die unangenehme Eigenschaft, einen niedrigeren Anteil fettfreier Masse, aber einen höheren an Fettmasse zu umfassen. Wenn ein Gewichtsverlust von fünf Prozent erzielt werden sollte, dann muß er auch gehalten werden können, andernfalls liegt doch auf der Hand, daß man alles nur noch schlimmer macht. Ich habe zehn Jahre gebraucht, um ohne Hilfe solcher Institutionen herauszubekommen, mit welcher Methode das nicht passiert, und das hätte erheblich schneller gehen können, wenn die Wissenschaft™ eine vergleichbare Lernkurve wie ich hätte, denn dann wäre ihr schon vor Jahrzehnten aufgefallen, daß sie nur unbrauchbaren Datenschrott produziert, solange sie sich nicht dazu bequemt, endlich einmal eine Zieldefinition ihrer Arbeit zu finden, die dazu führt, daß man in der wirklichen Welt außerhalb ihres papiernen Paralleluniversums mit ihren Ergebnissen auch etwas anfangen kann. 

Dr. Jason Fung hatte gegen dieselbe Studie übrigens einen ganz anderen, aber ebenfalls stichhaltigen Einwand:  

 

 

Das ist natürlich ebenfalls richtig, die Autoren kamen in Wirklichkeit nur zu der Schlußfolgerung "Nichts Genaues weiß man nicht". Wie sie dann aber auf das schmale Brett gekommen sind, das Ergebnis ihrer Arbeit stattdessen als "Intervallfasten wirkt allenfalls besser als gar nichts tun" zu promoten, dafür hätte ich gerne mal eine nachvollziehbare Begründung. Hat das aus ihrer Sicht tatsächlich irgendeinen Sinn und wenn ja, welchen? Und hat der dann irgendetwas mit real existierenden Übergewichtigen zu tun? Oder ist das als bloße Reflexhandlung von Zahlenjongleuren zu betrachten, die Zusammenhänge mit der realen Welt für bedeutungslos halten? Ist das vielleicht wie bei einem geköpften Huhn, das trotzdem noch eine Weile herumrennt, bevor es merkt, daß es längst tot ist und umfällt? Und wie lange kann das eigentlich noch dauern, bis die seit Jahrzehnten als kopfloser Untoter herumtaumelnde Adipositasforschung endlich auch umfällt und sich nicht mehr rührt, so daß vielleicht mal wenigstens ein Bewußtsein dafür entsteht, daß man an ihrer Stelle etwas anderes entwickeln müßte? 

Denn, alles was recht ist: Wer braucht diese Art von Forschung denn, da sie für Menschen mit Adipositas überhaupt nicht von Nutzen ist? 

Ich habe übrigens mal Google nach diesem Jörg Meerpohl befragt, dem zitierten deutschen Cochrane-Leiter, nur um auch noch zu sehen, was das eigentlich für einer ist. Irgendwie ist meine Wut speziell auf ihn dabei erloschen. Dieser Mann ist nämlich acht Jahre jünger als ich, aber irgendwie wirkt er erheblich älter und ich möchte sagen, allzuviel Lebensfreude strahlt er nicht aus. Vielleicht bin ich in diesem Eindruck ja voreingenommen, weil ich mich so sehr über ihn geärgert habe. Aber in jedem Fall bin ich ganz froh, daß ich ich sein darf und nicht er sein muß. 

***  

Apropos Dr. Fung: Ich glaube, ich hatte noch gar nicht erwähnt, daß von ihm Anfang März ein neues Buch zu erwarten ist, nämlich "The Hunger Code", und er ist schon fleißig in Podcasts unterwegs, um auf es aufmerksam zu machen. Erst dachte ich ja eigentlich, ich könne darauf verzichten, es zu kaufen. Nachdem ich den "Obesity Code", den "Diabetes Code" und den "Cancer Code" gelesen habe, brauche ich da wirklich noch ein weiteres Buch, das vermutlich einige Überschneidungen zu den Vorgängern enthält, aber den Anpassungsprozeß des Stoffwechsels auch beim Intervallfasten und Low Carb aller Voraussicht nach wieder nicht thematisiert, den ich für einen von allen bislang übersehenen Schlüsselfaktor halte? Was ich aber ganz interessant fand, ist, daß er in einem Podcast erwähnte, daß auch die Abnehmspritzen - trotz all der anderen Bedenken, die man gegen sie haben kann und die er auch tatsächlich hat - so erfolgreich sind, weil sie nicht die Kalorienaufnahme zu regulieren versuchen, sondern weil sie erfolgreich den Hunger regulieren können. 

Dieser Ansatz, also den Hunger zu regulieren, ist also der rote Faden in seinem neuen Buch. Daß er die Abnehmspritzen erwähnte, bringt mich jetzt aber erst mal zu einem kleinen Schlenker zu einer neuen Studie zu diesem Thema: 

Daß Abnehmspritzen häufig wieder abgesetzt werden, ist ja bekannt. Welche Gründe dahinterstecken, untersuchte diese Studie. Ergebnis: Aus einer Gesamtzahl von 8184 Patienten, die Abnehmspritzen verschrieben bekamen, brachen 4492 die Behandlung noch während des ersten Behandlungsjahrs wieder ab. Unter diesen 4492 wurden 288 ausgesucht und Gründe, die sich aus der Patientenakte ergaben, ausgewertet. Erwartungsgemäß wurden die hohen Kosten mit fast 50 Prozent am häufigsten genannt. Etwa 15 Prozent gaben Nebenwirkungen an, erstaunliche 11,8 Prozent nannten Lieferschwierigkeiten des Medikaments. Nur ein geringer Teil, 1,7 Prozent, nannte ein unbefriedigende Abnahme, und fast ebenso niedrig war der Wechsel auf ein anderes Präparat mit vergleichbarer Wirkung (2,4 Prozent) - was mich ein bißchen erstaunt, weil ich den Eindruck hatte, solche Wechsel seien relativ häufig, wenn die Wirkung der Abnehmspritze niedriger als erwartet ausfällt. Aber gut, bei diesem Thema bin ich ja nur Zaungast. 

Bislang gibt es zu Abnehmspritzen noch keine Studie, die einen Fünfjahreszeitraum umfaßt. Die längste dauerte aber immerhin vier Jahre. Ich meine, ich habe mich auch schon in einem früheren Blogbeitrag darüber geäußert. Trotzdem hier nochmal die Grafik mit dem durchschnittlichen Gewichtsverlauf über 221 Wochen hinweg:

 figure 1

Wie man sieht, erfolgt auch bei Semaglutid der größte Teil der Abnahme innerhalb des ersten halben Jahres (26 Wochen), aber sie dauert trotz der Verlangsamung noch ein weiteres halbes Jahr an, bevor sie zum Stillstand kommt. Die eigentliche Besonderheit ist aber, daß es anschließend - jedenfalls als Durchschnittswert - nicht zu einer Wiederzunahme kommt, wie das sonst bei nahezu jeder Gewichtsreduktionsmethode geschieht. Dr. Fung hat also sicherlich recht damit, sich mit der Frage zu befassen, was der Grund dafür ist. Allerdings nehme ich an, daß er mit seinem Hauptverdächtigen, dem Hunger, auf dem Holzweg ist. Die Abnehmspritze muß noch irgendwas anderes machen, das bei anderen Gewichtsabnahmewegen nicht passiert - und speziell bei Low Carb kann man sich ja zum Beispiel problemlos sättigen, so daß dieses Problem überhaupt nicht entstehen sollte. Trotzdem zeigte die Virta-Studie mit den Fünfjahresergebnissen, daß es auch dabei zu Wiederzunahmen kam. Ich möchte außerdem wetten, daß sich Dr. Fung selbst bei seinen Patienten an diesem Problem insgeheim auch häufig die Zähne ausbeißt. 

Es hat aber schon seine Ironie, daß ausgerechnet bei dem einen der neueren Mittel zur Gewichtsabnahme, das erfolgreicher Wiederzunahmen verhindern kann als sogar Low Carb und Intervallfasten, trotzdem der Beginn der Wiederzunahme für mehr als die Hälfte der Patienten ebenfalls schon innerhalb der ersten zwölf Monate kommt, nämlich wegen des häufigen Abbruchs der kostspieligen Behandlung. Denn der Haken bei der Sache besteht darin, daß man dazu verdammt ist, die Spritze für den Rest seines Lebens weiterzunutzen. Andernfalls nimmt man wieder zu, und zwar sogar besonders schnell. Interessant wäre es deshalb auch, zu wissen, wieviele der Nutzer ab dem zweiten Jahr die Abnehmspritze beenden, da es mit der Abnahme nicht mehr weitergeht, und nur eine Minderheit von 12 Prozent ist bis dahin in den Normalgewichtsbereich gelangt. Damit wird die gefühlte Kosten-Nutzen-Rechnung der Abnehmspritze für viele bestimmt immer schlechter. Dagmar Stoeckle hat in ihrer Fernsehreportage ausgerechnet, daß jedes abgenommene Kilo sie mit der Abnehmspritze 300 Euro gekostet hatte. Ab dem zweiten Jahr muß man denselben Gesamtbetrag ohne die geringste Abnahme blechen. Sogar dann, wenn man das Geld mühelos aufbringt, liegt es nahe, daß man dann anfängt, die Sinnfrage zu stellen. 

Gut möglich, daß man bei der Abnehmspritze nach fünf Jahren ebenso wie bei den meisten anderen Abnehmmethoden auch nur bei weniger als zehn Prozent aller Patienten landet, die dauerhaft erfolgreich waren. Nur haben die mehr als 90 Prozent Scheiternden mehr Geld als die meisten anderen für ihr Scheitern ausgegeben. Dies könnte man natürlich ändern, indem man die Abnehmspritze zur Kassenleistung macht. Damit würde man die immensen Kosten allerdings nur auf mehr Personen verteilen, und da die Abnehmspritze es sowieso nicht verhindern kann, daß jemand Adipositas entwickelt (da sie ja erst eingesetzt wird, wenn dies bereits geschehen ist), werden diese Kosten zu Lasten der Krankenversicherung natürlich künftig ständig höher werden. Besser wäre es also, herauszufinden, was genau an der Abnehmspritze das Gewichthalten nach zwölf Monaten bewirkt, und andere Möglichkeiten sucht, diesen unbekannten Faktor nutzen zu können. 

Dr. Fung sieht als den gemeinsamen Faktor seiner Herangehensweise, Intervallfasten, und der von Low Carb (mit dem er einmal angefangen hatte) und der Abnehmspritze in der Regulierung des Hungers. Ich glaube daran nicht so recht. Möglich ist es aber immerhin, daß der ausbleibende Hunger bei allen drei Maßnahmen auf dieselbe Ursache zurückgeführt werden kann. Der ausbleibende Hunger ist außerdem immer dann, wenn er stattfindet, die Wirkung einer tendenziell richtigeren Herangehensweise als die anderen, die durch ständigen Hunger unnötig erschwert werden. Insofern ist der Ansatz bei Dr. Fung jedenfalls lösungsorientiert, auch wenn er mit den theoretischen Grundannahmen vielleicht doch zu sehr der Versuchung nachgegeben hat, Unpassendes für seine Theorie passend zu machen. 

Warum die Abnehmspritze - solange man sie nimmt - diese Wirkung hat, daß man nicht hungert, werde ich in Dr. Fungs Buch noch einmal nachlesen, denn er begründet fast immer nachvollziehbar, was er behauptet, also suche ich jetzt nicht anderswo nach den Wirkmechanismen. Aber was mich im Podcast irritiert hatte, war, daß er behauptete, die Wiederzunahme sei im Verlauf von ebenfalls um die fünf Jahren nach einer Magenverkleinerung ebenso ein typisches Ergebnis, wie es dies bei der Abnehmspritze nicht sei. Das halte ich nämlich für falsch. Meines Wissens ist jedenfalls im Durchschnitt aller Patienten ein Wiederzunahme in erheblichen Umfang nach bariatrischer Chirurgie gerade nicht typisch. Tatsächlich war die Wiederzunahme im Lauf von sogar zehn Jahren in der verlinkten Studie zwar vorhanden, aber doch so gering, daß es angesichts der üblicherweise hohen Abnahmen (die sich durch das typischerweise extrem hohe Ausgangsewicht der Patienten erklären lassen, denn der typische Kandidat für bariatrische Chirurgie  wiegt erheblich mehr als der typische Abnehmspritzen-Patient) gar nicht weiter ins Gewicht fällt. 

 Mir kommt dieser vermeintliche Gegensatz zwischen Magenverkleinerung als kalorienbasierte und Abnehmspritze als hungerbasierte Methode auch ziemlich konstruiert vor, denn beide Methoden werden ja kalorienbasiert begründet, aber bei beiden fiel schon auf, daß ein Teil der Abnahme nicht mit den eingesparten Kalorien erklärt werden kann. 

Aber was ist das überhaupt, Hunger? Es wird ja meistens so getan, als sei das etwas Eindeutiges, aber das stimmt in Wirklichkeit gar nicht, und das wußte ich schon, bevor ich Dr. Fungs Namen jemals gelesen hatte. Denn was einen von einer Diät abkommen läßt, ist ja weniger der Hunger an sich, sondern eher das Kopfkino, das einem verbotene Genüsse vorgaukelt, denen man nicht nachgeben zu dürfen glaubt - was aber umso schwieriger durchzuhalten ist, je mehr die Erfolge der Diät nachlassen und dieses Kopfkino immer mehr von den Einflüsterungen des kleinen Versuchungsteufelchens begleitet wird: "Nur einmal ...!" und wenn man dem nachgegeben hat "Jetzt hat es doch sowieso keinen Sinn mehr!" - und ähnliche Dinge. 

Jason Fung unterscheidet drei Arten von Hunger, den physiologischen, den hedonistischen und den konditionierten. Alle drei von Fung genannten Arten überschneiden sich natürlich beim einen mehr und beim anderen etwas weniger, aber je nachdem, welche Art dominiert, liegt es eigentlich auf der Hand, daß unterschiedliche Lösungsansätze erfolgversprechend sind, wie das offenbar in seinem Buch beschrieben wird.  

Der physiologische Hunger ist das, was den Magen knurren läßt, ein körperliches Signal, mit dem signalisiert wird, daß der Körper der Meinung ist, eigentlich wäre zum jeweiligen Zeitpunkt mal wieder eine Zufuhr an Nahrung zu erwarten gewesen. Es bedeutet aber nicht, daß diese Zufuhr nun unbedingt erforderlich ist. Wer regelmäßig fastet, kennt das Phänomen, daß man einen knurrenden Magen einfach aussitzen kann. Das Knurren hört ja ziemlich schnell wieder auf und kommt zwar in gewissen Zeitabständen wieder, verschlimmert sich aber nicht und hört immer von alleine wieder auf. Je länger man fastet, desto seltener entsteht es außerdem. Diese Sorte Hunger kann man außerdem bei einer Diät ganz gut vermeiden, indem man seinen Magen mit kalorienarmen Dingen füllt. Meiner persönlichen Diät-Erfahrung nach paßt sich der physiologische Hunger außerdem dem Rhythmus und Umfang der Diät-Mahlzeiten an. Der Magen knurrt dann brav erst dann, wenn die nächste Karotte geknabbert werden darf, und hört damit auf, nachdem die gemäß Erfahrung der letzten Zeit zu erwartende Menge verzehrt worden ist. 

Physiologischer Hunger bei einer Diät ist am ehesten das Hauptproblem, wenn jemand seinen Stoffwechsel schon jahrelang mit einer unzureichenden Ernährung (zu wenig Nahrungsenergie generell oder evtl. auch zu wenig von einem bestimmten Nährstoff) drangsaliert hat. Dann kann es passieren, daß man wirklich ständig von physiologischem Hunger gequält wird. Die Besonderheit bei dieser Art von Hunger bei Diäten liegt darin, daß man diesen Hunger an sich jederzeit stillen könnte. Aber in jeder anderen Hinsicht ist es, wenn physiologischer Hunger das Problem ist, dieselbe Art von Hunger, die man hätte, wenn es die erforderliche Nahrung einfach nicht gäbe. Das heißt, es liegt ein Mangel zugrunde. Wer physiologischem Hunger nachgibt, tut meines Erachtens eigentlich das Richtige, auch wenn damit sein Abnehmerfolg nicht zustande kommt. Ich habe Leute noch nie verstanden, die glauben, die Nahrungsrationen des Hungerwinters 1945/46 seien das physiologische Optimum, mit dem man besonders lange gesund bleiben werde. 

Was einen bei einer Diät viel häufiger schwach werden läßt, ist, siehe oben, aber der hedonistische Hunger, der als Eßlust eigentlich besser bezeichnet wäre: Man hat Lust, etwas mit einem ganz bestimmten Geschmack zu essen. Ist das nicht verfügbar, befriedigt es einen nicht, einfach irgendetwas anderes zu essen. Man phantasiert von diesem speziellen Essen, und falls man es zufälligerweise im Kühlschrank haben sollte, reicht dafür die Willenskraft nicht immer aus. Das unterscheidet ihn von dem "kulinarischen Kopfkino", das ich beim Fasten - meistens abends, wenn ich zu Bett gehe - öfter mal habe. Den Drang, das Zusammenphantasierte sofort haben zu müssen, habe ich dann nicht. Es ist mehr eine Art Vorfreude auf den bevorstehenden Genuß, wenn das Fastenintervall beendet ist. 

Der Umgang mit dem hedonistischen Hunger ist bei nahezu jeder Methode, mit der das Körpergewicht kontrolliert oder reduziert werden soll, offen oder versteckt der weitaus wichtigere als der mit dem physiologischen Hunger. Für gewöhnlich bestehen die Lösungsvorstellungen bei konventionellen wie auch bei unorthodoxen Methoden der Gewichtsregulierung darin, einem diese Eßlust auf unerwünschte Arten von Essen möglichst abzugewöhnen. Das stieß mir auch bei dem vor einigen Jahren von Dr. Eenfeldt entwickelten Satiety-Index so unangenehm auf. In Ansätzen, die das Essen weniger lustvoll machen, steckt mir zu viel quasireligiöse Vorstellung von Sünde, Buße und Erlösung. Tatsächlich ist es mit dem Essen genau wie mit dem Sex: Es soll, verdammt nochmal, Spaß machen, nicht lediglich das Minimum an Nahrungsenergie zuführen, das benötigt wird, um zu funktionieren. 

Theresia von Avila wird der Satz zugeschrieben: "Man soll dem Leib etwas Gutes gönnen, damit die Seele Lust hat, in ihm zu wohnen", und ich bin jetzt viele Jahre lang gut damit gefahren, dies auch so umzusetzen. 

Tatsächlich wird der hedonistische Hunger aber meiner Meinung nach häufig mit der Art von Hunger verwechselt, der entsteht, wenn man seinem Leib zu lange zu wenig von dem gegönnt hat, was er für "etwas Gutes" hält, also ein Mangel an Nahrungsenergie oder bestimmten Nährstoffen besteht, mit dem sich der Stoffwechsel nicht abzufinden gedenkt - und der Stoffwechsel hat Mittel und Wege, um einen zu zwingen, ihm das zu geben, wonach es ihm verlangt. Der Hunger, der daraus entsteht, hat etwas Suchtartiges, besonderes Kennzeichen: Man kann nicht aufhören, nicht einmal, wenn es einem längst nicht mehr schmeckt und vielleicht sogar der Magen schon übervoll ist. So etwas hat aber gar nichts mit Hedonismus oder Lust zu tun, obwohl es oft dieselben Arten von Lebensmitteln betrifft. Es ist eher eine Zwangshandlung. Mir ist das bislang nur einmal passiert, daß ich diese Art von Hungergefühl erlebt habe, und ich war selbst daran schuld, weil ich damals über einen zu langen Zeitraum zu viele lange Fastenintervalle mit zu kurzen Eßphasen kombiniert hatte. Nachdem ich das korrigiert hatte, habe ich es in dieser intensiven Form nie wieder erlebt. Und weil nichts so schlecht ist, daß es nicht für irgendetwas gut wäre, weiß ich nun immerhin, wovon die Leute sprechen, die überzeugt davon sind, daß ihre Ernährung sie süchtig (nach Zucker oder was auch immer) gemacht hat. 

Normale Eßlust - also: etwas Bestimmtes essen wollen, obwohl man gerade eigentlich gar keinen Hunger hat - bekommt man meiner Erfahrung nach nur äußerst selten, wenn man sich bei seinen Hauptmahlzeiten richtig satt ißt. Also: so lange ißt, bis man keine Lust mehr hat, weiterzuessen, also nicht nur der physiologische, sondern auch der hedonistische Hunger bei einer Mahlzeit vollständig befriedigt wurde. Das merke ich vor allem an Wochenenden, an denen wir ja erst um die Mittagszeit frühstücken, was später ist, als ich es aus eigenem Antrieb tun würde. Zwischen diesem Frühstück und dem Abendessen entwickle ich nur in Ausnahmefällen Lust auf irgendeinen Snack oder eine Süßigkeit. Oft genug könnte ich sogar das Abendessen ganz ausfallen lassen, aber das mache ich grundsätzlich nicht, wenn danach ein Fastentag folgt, und auch sonst eher selten, weil ich meistens schon das eine oder andere fürs Abendessen vorbereitet habe, und dann sollte ich es natürlich auch kochen. Ich merke dann aber, daß ich an solchen Tagen beim Abendessen viel schneller satt bin als sonst. 

So ganz glücklich bin ich ja mit dem Rhythmus unserer gemeinsamen Mahlzeiten nicht, aber sie sind der beste Kompromiß, den wir finden konnten, also bleiben wir auch dabei, bis Gott ein Wunder tut und meinem Mann vielleicht doch noch die zwei Stunden früher Hungergefühle schenkt, die mir zu einem ausreichenden zeitlichen Abstand zwischen Frühstück und Abendessen verhelfen würden. Das jedenfalls führt bei mir dazu, daß ich gar nicht so selten esse, obwohl ich nicht hungrig bin, was eine Menge Leute, Laien wie Experten, für absolut des Teufels halten und fest davon überzeugt sind, dies sei der sicherste Weg ins Übergewicht. Da ich dieses Essen ohne Hungergefühl aber eigentlich immer gemacht habe, weiß ich es besser. Bevor ich mit dem Intervallfasten begonnen habe, habe ich damit zugenommen, und danach habe ich damit abgenommen. Es machte schlicht keinen Unterschied. 

Der konditionierte Hunger hat mit Gewohnheiten zu tun. Wer es gewohnt ist, Punkt 12 Uhr zu essen, wird um diese Zeit Hunger bekommen. Oder man verbindet bestimmte Situationen mit dem Bedürfnis, meist auch bestimmte Dinge zu essen, etwa nachmittags zum Kaffee ein Stück Kuchen. Dieses Bedürfnis konnte ich früher nie nachvollziehen. Den Kuchen zum Nachmittagskaffee gibt es bei uns eigentlich erst, seit mein Mann um diese Zeit von seiner Frühschicht kommt und dann meistens den ganzen Tag noch nichts gegessen hatte. Und so verbinde ich unseren gemeinsamen Nachmittagskaffee auch mit dem Wunsch nach Kuchen. Hat er aber Spätschicht, trinke ich meinen Kaffee "trocken" und brauche keinen Kuchen dazu. 

Im Podcast erwähnte Dr. Fung, das Hauptproblem in den USA bestünde darin, daß praktisch jede Situation dort mittlerweile mit Essen verknüpft sei, also der konditionierte Hunger eine bedeutende Rolle spiele.  

Ich habe eine ziemlich kuriose Variante von konditioniertem Hunger an mir bemerkt: Normalerweise bekomme ich vormittags erst zwischen 9 und 10 Uhr Hunger. Außer, wenn ich bei meiner Mutter bin, dann habe ich tatsächlich sofort nach dem Aufstehen das Bedürfnis zu essen. Sobald ich wieder daheim bin, ist dieses Bedürfnis sofort wieder weg. Das finde ich schon interessant. Der Stoffwechsel merkt sich offenbar bestimmte Ernährungsmuster in auch spezielleren und seltener vorkommenden Situationen. Kein Wunder, daß es so schwierig ist, sich immer neue Methoden auszudenken, mit denen man doch nochmal zwei, drei Kilo loswerden kann, wenn er den Output mal wieder an den Input des Ernährungsmusters angepaßt hat.  

Das sind also die Inhalte des demnächst erscheinenden Buches "The Hunger Code", die ich dem oben verlinkten Podcast entnommen habe, weil mir dazu das eine oder andere einfiel. Falls das Buch selbst mir noch weitere interessante Erkenntnisse bringen oder mich in anderen zum Widerspruch reizen sollte, schreibe ich nach der Lektüre noch eine richtige Rezension. 

***

Am 19. Februar hatte ich zum ersten Mal seit dem 31. Januar wieder eine Maus in der Falle, eine ziemlich große, die aber deutlich weniger pummelig war als andere Mäuse ihrer Größe, die ich schon hatte. Sie wohnt jetzt wie ihre Kolleginnen am Flußufer, und ich hoffe, es geht ihr dort gut. Seither waren die Mausefallen wieder jeden Tag leer. 

Den Garten habe ich jetzt seit Wochen nur betreten, wenn es unumgänglich war, weil ich unter der Woche extrem mit Arbeit ausgelastet war und es an den Wochenenden immer entweder lausig kalt war oder geregnet hat. Aber der Sonntag machte es dann endlich möglich, erst alleine und dann zusammen mit meinem Mann einen Rundgang durch den Garten zu machen und die Arbeiten zu besprechen, die in den nächsten Wochen dort anstehen. Eine dieser Arbeiten hat sich freilich schon bei dem Rundgang erledigt, denn der efeubewachsene tote Baum, den wir immer nur den "hohlen Zahn" nannten, weil er schon so arg wackelte, hatte sich über den Winter dermaßen extrem geneigt, daß er jeden Moment umkrachen konnte. Er wurde nur noch von einem Nadelgehölz gestützt, und da wir das sowieso loswerden wollten, hat mein Mann kurzerhand am heiligen Sonntag zur Säge gegriffen und es abgesäbelt. Den hohlen Zahn legte er dann um, indem er ihm einfach die Hände auflegte und kurz in die gewünschte Fallrichtung drückte. Da liegt er jetzt, und ich bin froh darüber, denn ich hatte mir echt Sorgen gemacht, daß er ausgerechnet auf die Gartenhütte fallen könnte. 

So geht es jetzt also draußen endlich in die nächste Runde. Erst jetzt merke ich, wie sehr ich das vermißt hatte. 


Freitag, 13. Februar 2026

Ich bin die Leute, vor denen die ZEIT uns immer gewarnt hat

Mein Gewicht heute früh, nach dem vierten von vier aufeinanderfolgenen Fastentagen: 73,0 Kilogramm - und da ist es passiert: Das sind 200 Gramm mehr als vor zwei Wochen. Auch wenn ich diesmal keinen restentleerten Magen-Darm-Bereich mit einkalkulieren kann - im Gegensatz zum letzten Mal - ist das doch eine Enttäuschung. Allerdings ist es andererseits kein Grund zur Panik, denn das letzte lange Fastenintervall war schon atypisch, weil ich am Wochenende davor unpäßlich gewesen bin. 

Trotzdem, vor der Low-Carb-Phase im Herbst hätte ich eigentlich damit gerechnet, daß ich jetzt schon sehr nahe an meinem Zielgewicht sein oder es vielleicht sogar schon erreicht haben würde. Das folgte einem Frühjahr/Sommer, in dem ich ebenfalls nicht in der Lage gewesen bin, die eigentlich erwartete geringfügige Abnahme zu realisieren. Also läuft es bei mir seit etwa einem Jahr ständig anders als vorher und schlechter als erwartet. Das muß ich zur Kenntnis nehmen, wenn ich am Ende doch noch bei meinem Zielgewicht aufschlagen möchte. Und das täte ich halt doch gerne auch noch. Es sind ja jetzt eigentlich nur noch diese paar wenigen Kilos, man sollte meinen, daß das kein großes Problem mehr sein sollte. Aber tatsächlich finde ich es seit meinem Umzug um einiges komplizierter, neue Ideen konsequent durchzuziehen. Irgendwie bin ich jetzt doch geselliger geworden, und damit muß ich wohl meine Methode, bei Einladungen zu unterbrechen, doch mal überdenken. 

Kommt Zeit, kommt Rat. Irgendeine Lösung finde ich bestimmt noch. Bislang habe ich ja früher oder später immer eine gefunden. 

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Chinesische Krebsforscher wiederum haben eine Sache herausgefunden, die gerade durch die Medien geht: 

Eine mögliche Ursache für den starken Gewichtsverlust im Zuge fortgeschrittener Krebserkrankungen hat ein chinesisches Forschungsteam ausfindig gemacht. Erhöhte Laktatwerte könnten der Grund sein, berichtet die Gruppe um Xinli Hu und Rui-Ping Xiao von der Universität Peking im Fachjournal "Nature Metabolism". Möglicherweise biete diese Erkenntnis künftig Ansatzpunkte für eine Therapie.

Anfangs fand ich es kurios, daß dem Laktat die Schuld an der Tumorkachexie gegeben wird, und dachte, hier würde irgendwie Ursache und Wirkung verwechselt. Nach etwas Nachdenken glaube ich, zu ahnen, wie die Zusammenhänge sein müssen. Sind die erhöhten Laktatwerte die Ursache des Gewichtsverlusts oder nur deren Symptom? Geht man nach Professor Seyfried, wäre das letztere der Fall. Die Autoren scheinen das Gegenteil anzunehmen, und dafür haben sie sogar einen recht vernünftigen Grund. Bei krebsfreien Mäusen trat eine Kachexie nämlich auch dann auf, wenn man ihnen eine Laktatinfusion verpaßte. 

Dieses letztere Teilergebnis ist tatsächlich sehr interessant. Bislang dachte ich immer, dieses Abfallprodukt Laktat sei halt eine Meßgröße, die auf Krebs hinweist und die eine oder andere eher unangenehme Nebenwirkung hat - bei Dr. Fung las ich etwa, daß es die Bekämpfung der Krebszellen behindert -, aber keine aktive Rolle bei dessen Verbreitung spielt. Wenn Laktat bei Mäusen Kachexie auslöst, klingt das aber schon, als spiele es auch eine Rolle bei der Metastasierung.  Da sich erhöhte Laktatwerte auch bei Krebserkrankungen in einem früheren Stadium messen lassen (bei metastasiertem Krebs werden aber sicherlich erheblich höhere gemessen, weil es dann natürlich viel mehr Krebszellen im Körper gibt), könnte es durchaus auch sein, daß Laktat eine bislang unterschätzte Rolle bei dem Übergang vom lokal begrenzten Tumor zu einer metastasierten Krebserkrankung spielt. Falls das so wäre, hoffe ich sehr, daß es bei den Folgeforschungen zu dieser Studie vielleicht entdeckt wird.

Laktat müßte dann aber auch irgendeine Rolle dabei spielen, daß die Krebszellen plötzlich so gierig auf Glutamin werden, das sie nicht nur den Nahrungsproteinen, sondern auch der Muskulatur entnehmen können. Glutamin ist ja bekanntlich neben Glukose der zweite Stoff, der zur Energieerzeugung nicht unbedingt Sauerstoff benötigt, sondern auch fermentiert werden kann, und es spielt bei metastasiertem Krebs häufig sogar eine wichtigere Rolle als Glukose. Deswegen ist eine ketogene Ernährung in diesem Fall auch nur begrenzt wirksam, denn Glutamin läßt sich durch Ernährungsumstellung nun einmal nicht vergleichbar begrenzen wie Glukose.

Je mehr ich über diese Sache nachdenke, desto interessanter finde ich sie. Angenommen, die Metastasierung hängt teilweise oder ganz von der Menge des Laktats ab, die ein Tumor im lokalen Stadium ausstößt, dann ist das wohl der Grund dafür, daß schnell wachsende Tumoren - die natürlich immer mehr Laktat von sich geben - auch schneller metastasieren, während dieses Risiko bei langsam wachsenden sowie bei früh erkannten und bekämpften geringer ist. Ich muß mich mal schlau machen, was Professor Seyfried zu dieser Sache so einfällt. Letztlich ließe sie sich gut mit seinen Grundannahmen kombinieren. Falls also die "Mainstream"-Seite sich jetzt intensiver mit dem Laktat befaßt, sie aber ebenso in das Press-Pulse-Verfahren integriert wird, wird die Kluft zwischen beidem vielleicht ein bißchen kleiner. Bislang hat man ja das Gefühl, zwischen beiden Verfahren bestünde ein Abgrund, über den von der anderen Seite her niemand zu springen riskieren will. 

Vielleicht ändert sich das gerade, denn ich las, daß das das US-National Cancer Institute nunmehr dieWirkung eines berüchtigten "Alternativ-Medikaments" namens Ivermectin auf Krebs in einer Studie untersuchen will. Was genau spricht eigentlich aus Sicht der Wissenschaft dagegen? Ivermectin enthält den Wirkstoff Fenbendazol, ich schrieb schon darüber, und wird als eines der besten verfügbaren Mittel, um den Glutamin-Stoffwechsel zu verschlechtern, auch im Press-Pulse-Verfahren eingesetzt. Auch wenn es dabei nur als eine Art Notnagel eingesetzt wird - das eigentlich bevorzugte, weil wirksamere Mittel, DON, darf man nicht einsetzen -, hat es in diesem Rahmen offenbar doch einen Nutzen gezeigt. 

Ivermectin hat im wissenschaftlichen und medizinischen Mainstream nicht nur deshalb einen schlechten Ruf, weil es sich eigentlich um ein Mittel zur Bekämpfung von Parasiten handelt, sondern auch, weil es während der Coronapandemie schon einmal allem Haareraufen der Wissenschaft zum Trotz in den Ruf eines Wundermittels gelangte. Ganz ehrlich - mit diesem Aspekt habe ich mich nicht befaßt, deswegen kann ich auch nicht sagen, ob dieses Haareraufen damals berechtigt war. Aber Seyfried ist Biologe am Boston College, und das schon so lange, daß die dort von der Qualität seiner wissenschaftlichen Arbeit überzeugt sein müssen, und hat Unmengen von Studien und anderen Arbeiten publiziert. Seine Thesen sind das Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit, nicht etwa göttlicher Eingebungen oder vager Bauchgefühle. Wenn es bei dem von ihm mitentwickelten Verfahren eingesetzt wird und er dies befürwortet, dann hat das aus seiner Sicht seinen Grund, und auch wenn sich herausstellen sollte, daß er damit falsch liegt, ist es doch gut, richtig und vernünftig, dies nicht einfach mit einem "Das haben wir schon immer so gemacht, das haben wir noch nie so gemacht, da könnte ja jeder kommen" zu begründen, sondern hieb- und stichfeste Argumente zu erarbeiten. 

In diesem Sinne, alles Gute dieser Ivermectin-Studie, was auch immer aus ihr herauskommen mag.  

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Ich hörte einen Podcast von Bayern 2, in dem das "Sanesplaining", über das ich schon in einem frühen Blogartikel geschrieben hatte - dort unter dem Begriff "Sanewashing" (den ich freilich nicht ganz so treffende finde) -, das Thema war. Positiv war, daß sich hier eine Diskussionsrunde einmal als Medien ein wenig selbst hinterfragte, also, wie es zu diesem Phänomen eigentlich kommt, obwohl den Medien eigentlich ja auch nichts daran liegt, Trumps irrationales Verhalten zu normalisieren. Negativ war, daß die eigentlich sonst ganz gescheite Sachen erzählenden Herrschaften sich selbst in ihrer Rolle als Medienakteure mehr oder weniger für außerstande erklärt haben, daran etwas zu ändern. Es hat damit zu tun, sagen sie, daß Journalisten auch aus dem irrationalsten Ausfall des US-Präsidenten "die Nachricht", sprich den sachlichen Gehalt und dessen mögliche Konsequenzen herauszufiltern versuchen müssen. Es sei nicht ihr Job, dem jedesmal eine Präambel voranzustellen, in der sie darauf hinweisen, daß Trump die eine oder andere Schraube locker hat, denn es widerspricht dem Schema, nach dem sie arbeiten, denn dies stelle ja per se schon eine Wertung dar, die man eigentlich vermeiden wolle. 

So hart das klingen mag, aber wenn die sonst gültigen Berichterstattungsschemata bei Trump nun einmal nicht passen, um das wiederzugeben, worauf es bei ihm in Wirklichkeit ankommt (nämlich daß bei ihm die eigentlich Nachricht nicht der spärliche Sachgehalt, sondern die gehässigen Ausfälligkeiten sind, mit denen er sie immer begleitet), dann müssen die Medien eben andere entwickeln - und zwar subito. Andernfalls sind sie schlimmer als überflüssig, denn sie informieren uns dann falsch. Niemand braucht aber Medien, die falsch informieren. Falls sie das also nicht gebacken kriegen, schreib ich ihnen gerne einen Nachruf, denn dann haben sie sich - in der heutigen Form - offenbar überlebt. 

Aber das Medienversagen hat ja nicht mit Trump angefangen. Ich verlinke jetzt mal nichts aus meinem Blog, aber die ständigen Beschwerden über die Medien sind hier ja einer der roten Fäden. Das, was heute als gute Medienpraxis gilt, funktioniert schon länger nicht mehr vernünftig, und in vielen Bereichen fehlt mir dafür eine vergleichbar überzeugende Erklärung - es sei denn, ich setze voraus, daß journalistische Arbeit klassischer Prägung heute schlicht für die meisten Medien so unbezahlbar geworden ist, daß sie sie nur noch in homöopathischer Dosierung einsetzen. 

Woran mich speziell die Trump-Berichterstattung erinnert, ist die über Putin, denn die wies schon 2014, nach der Krim-Annexion, genau dieselbe Art von Fehlern auf. Ich bin der Meinung, kein Medium sollte mehr vorrangig über das berichten, was Leute wie Putin oder Trump sagen/schreiben. Ergänzen kann man das allenfalls als Anhängsel zur Berichterstattung über das, was sie tun, denn beides hat schlicht zu wenig miteinander zu tun. Wer jeden verbalen Pups eines dieser beiden aufgreift, der müllt die mediale Welt mit so viel Vernebelung zu, daß die Dinge, die tatsächlich passieren und wirklich wichtig wären, im Wust gar nicht mehr erkannt weren. 

Das ist aber nur ein Bruchteil dessen, was in den Medien schon seit Jahren schiefläuft, und das störte mich in dem Podcast, daß der Eindruck erweckt wurde, das Problem sei neu und sonst gäbe es keine. Ich glaube, es ist schon um die zwanzig Jahre her, daß ich angefangen habe, von allem, was ich wirklich wissen will, die Quelle zu suchen, weil man sich auf rein gar nichts mehr in Medienberichten verlassen konnte. 

Deshalb bin ich auch nur mäßig überrascht, daß Richard Edelman, Autor des "Trust Barometer", in einem interessanten Interview mit der ZEIT voller Entsetzen feststellt, daß jüngere Leute aufgehört haben, den Medien zu vertrauen. Es verlief seiner Darstellung nach in mehreren Schüben und Covid brachte wohl einen ausgeprägteren Shift hin zu den sozialen Medien als wichtigster Informationsquelle. Es ist als Meinungsbildungsverfahren üblich geworden, erst die Schlagzeile, dann die Meinung anderer Leser in den Kommentaren und erst dann den Artikel zu lesen. Was Edelman merkwürdigerweise aber nicht erwähnt, ist, daß dieser dritte Teil zwangsläufig entfällt, wenn besagter Artikel sich hinter einer Bezahlschranke befindet. Diese Veränderung kann meiner Meinung nach durchaus etwas damit zu tun haben, daß man sich daran gewöhnt hat, Berichte meistens nicht mehr vollständig lesen zu können, sondern nur noch die Schlagzeite und einen Teaser. Ich jedenfalls finde es nachvollziehbar, in so einem Fall dann erst mal herausfinden zu wollen, ob irgendwer den Volltext doch gelesen und was er darüber zu sagen hat. 

Das hier aus dem Interview: 

Junge Menschen setzen keine Hoffnung mehr in die Zukunft. Wenn man sich Deutschland, die USA oder Frankreich ansieht, findet man überall die gleiche Desillusionierung: Nur wenige glauben noch, dass sie mal einen festen Job, ein höheres Einkommen als ihre Eltern oder gar ein eigenes Haus besitzen werden. Das hat zu einem Vertrauensverlust in die Institutionen und auch die Verantwortlichen geführt. Wenn zwei Drittel der jungen Menschen sagen, dass Journalisten, Regierungs- oder Wirtschaftsführer sie belügen, ist das ein echtes Problem.

habe ich auch schon am Rande thematisiert, und zwar hier. Ich kann diesen jungen Menschen weiterhin nur eines sagen: Willkommen im Club. Meine Altersgruppe ist diejenige, aus der heraus der Slogan "No Future" geboren wurde. Da die jungen Menschen von heute uns so glühend beneiden, nehme ich an, in vierzig Jahren wird es ihnen ganz ordentlich gehen, so, wie man das von meiner Altersgruppe im Großen und Ganzen ja auch sagen kann. Und dann wünsche ich ihnen viel Spaß dabei, sich gegen die Neider aus ihrer Enkelgeneration zur Wehr setzen zu müssen. ;-)

Ob ich das, sagen wir im Jahre 2056, auch noch miterleben werde? Dafür müßte ich immerhin 91 Jahre alt werden. Aber man sollte sich seine Ziele ja immer ein bißchen ehrgeizig setzen - und beim zu erreichenden Alter gerade als Raucher, noch dazu mit überstandener Krebserkrankung, sowieso. Inzwischen kenne ich aber sage und schreibe vier noch rüstige Mittneunziger, die entweder hier im Dorf leben oder von hier irgendwann in einen Nachbarort gezogen sind. Wir haben unser Häuschen offenbar in einer langlebigen Gegend ausgesucht. Also, vielleicht erlebe ich es ja doch noch. 

Noch ein abschließendes Zitat, weil ich darüber in schallendes Gelächter ausgebrochen bin: 

 In unserem jüngsten Barometer beobachten wir Anzeichen dafür, dass ein paralleles Ökosystem für Gesundheitsfragen entstanden ist. Zum Beispiel glauben junge Menschen, dass sie durch die Suche im Netz Informationen finden können, die qualitativ genauso gut sind wie die von einem Arzt.

ZEIT: Das ist ziemlich schockierend.

Daß ich diesen Tag noch erleben darf! Ich bin mit meinem Blog, der zweifelsfrei besagtem Ökosystem angehört, auf einmal die "Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben". Dafür war ich meiner Lebtag nie unangepaßt genug. Aber jetzt in meinem gesetzten Alter hat es doch endlich mal dafür gereicht, die gute alte Tante ZEIT auf einmal zu schockieren. Noch dazu, ohne mir dafür erst mal einen lilagefärbten Iro und Zungenpiercings zulegen zu müssen. 

Das mit dem Zungenpiercing wäre mir zu eklig, aber den Iro hole ich vielleicht noch nach - an meinem 91. Geburtstag. Ja, ihr dürft in diesem Fall auf diesen Blogbeitrag zurückkommen, falls ich nicht freiwillig ein Foto poste. ;-) 

 

Dienstag, 10. Februar 2026

Mein persönlicher Donald-Trump-Moment

Mein Gewicht heute früh nach dem ersten Tag des viertägigen Fastenintervalls: 75,7 Kilogramm. Gestern bin ich mit unvorstellbaren 78,3 Kilogramm gestartet - 1,6 Kilogramm Differenz zum Gewicht vom Sonntag. Alles, was ich am Sonntag im Laufe des Tages gegessen habe, hat zusammengenommen höchstens halb so viel gewogen. Mit anderen Worten: Das war irgendein komischer Sondereffekt, der nichts mit einer "echten" Zunahme zu tun hatte und vermutlich ausschließlich aus Wasser bestand. Das zeigte sich jetzt auch in einer Low-Carb-untypisch hohen Abnahme von gestern auf heute. Eine Ursache für die Wassereinlagerungen kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, aber was die Waage anzeigt, ist nun mal ein Faktum. Noch bin ich nicht beruhigt, dafür müßte ich am Freitag mein Gewicht von vor zwei Wochen unterbieten, und das bedeutet mindestens ein Kilo minus pro weiteren Fastentag. Schauen wir also mal, wie die Sache am Freitag aussehen wird.

Auf der positiven Seite habe ich jetzt endlich meinen Mann darüber informiert, daß ich im Anschluß an Low Carb einen maximal vierwöchigen Endspurt plane. Sonderlich begeistert darüber war er nicht, aber da muß er jetzt halt durch. Damit gehe ich also ab dem 2. März in die Verlängerung, indem ich jede Woche vier Tage faste. Eigentlich hatte ich dabei vorgehabt, wieder vier Tage am Stück zu fasten, aber jetzt findet sich fast in jeder Märzwoche ein Termin, zu dem ich vermutlich unterbrechen muß, meistens am Mittwoch. Also wird es wohl überwiegend auf zwei Tage Fasten, einen Tag essen, zwei Tage Fasten hinauslaufen. 

Ziel ist, noch vor dem April erstmals vor dem Fasten ein Gewicht von 73,5 Kilogramm oder weniger zu haben. Ist das mal erreicht, habe ich meinen Seelenfrieden und kann mein Abnahmeprojekt endlich mal für erledigt erklären.  

Und wie geht es dann hier weiter? Nun ja. Natürlich will ich mein Gewicht dann - in etwa - halten. Es bleibt also auch dann weiterhin spannend. 

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Ich habe einen interessanten Nachtrag zu meinem Blogbeitrag zum Thema Rente: 

Daß "Bestandsrentner" jedenfalls im Moment tatsächlich keine niedrigere Rente als Neurentner haben - im verlinkten Beitrag stellte ich mir ja diese Frage - ergibt sich aus einer Grafik, über die ich heute stolperte. Es ist sogar umgekehrt, jedenfalls bei Männern: Die Zugangsrenten sind niedriger als die Bestandsrenten, wenn man die Neurentner von 2024 mit dem Durchschnitt aller Rentner vergleicht. Am höchsten ist die Differenz mit einem Minus, das fast zweihundert Euro monatlich ausmacht, bei Männern im Osten. Die einzigen, bei denen es statt Einbußen geringfügige Verbesserungen im Vergleich zu den Bestandsrentnerinnen gab, sind Frauen im Westen. Aber bei denen liegt die Eingangsrente 2024 trotzdem im Durchschnitt immer noch niedriger als 1000 Euro. Schuld daran ist die Minijobfalle. 

Die bestürzend stark eingebrochenen Renten bei ostdeutschen Männern (etwas weniger ausgeprägt ist die Differenz bei ostdeutschen Frauen), die jetzt ins Ruhestandsalter kommen (die Ende der Fünfziger Geborenen), im Vergleich zum Durchschnitt aller ostdeutschen Rentner sind das Erbe der zwei Jahrzehnte andauernden Niedriglohnphase nach der Wende für diejenigen, die nicht sowieso arbeitslos waren. Im Westen hat erst mit Zeitverzögerung die Agenda 2010 ihre nicht ganz so tiefen Spuren hinterlassen. Aber erkennbar sind sie auch. Dafür dürfen wir uns bei Gerhard Schröder bedanken. 

Angesichts dessen halte ich es aber vor allem für ausgeschlossen, daß die Neurentner von 2024 bei der Rente im Durchschnitt günstiger dran sind, als die Berufseinsteiger desselben Jahres es einmal sein werden. Das sollte irgendwer mal diesen wirtschaftswissenschaftlichen Wichtigtuern schonend beibringen, wenn sie mit ihren Renditeberechnungen daherkommen. 

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Der Bundesregierung mißlingt es weiterhin mit atemberaubender Zuverlässigkeit, irgendjemandem in diesem Land eine Art Sicherheitsgefühl zu geben oder wenigstens den Teil der Sicherheit, der noch gefühlt wird, nicht zu beschädigen. Die Kakophonie der von diversen Seiten vorgeschlagenen Abbauarbeiten an der sozialen Sicherheit hört einfach nicht auf. Dabei spielt es übrigens keine Rolle, wenn solche Vorschläge nicht von innerhalb der Politik kommen, sondern von irgendwelchen Interessengruppen von außen via Medien an sie herangetragen werden. Sobald so was in den Radionachrichten war, bekomme ich das, wann immer es gesprächsweise erwähnt wird, unter der Formel "Weißt du, was DIE jetzt schon wieder vorhaben?" als mehr oder weniger beschlossene Sache präsentiert. Es spielt keine Rolle, ob es diese "DIE" als vermeintliche Einheit in Wirklichkeit gibt oder nicht. Wenn etwa laut einer Schlagzeile in der Wirtschaftswoche empfohlen wurde, den Kündigungsschutz zu lockern, dann verbucht der typische Leser das sofort auf dem ohnehin schon ellenlangen Sündenkonto der Bundesregierung.

Sollte die Bundesregierung so dämlich sein, daß ihr das gar nicht bewußt ist, fehlt es ihr an Kompetenz. Sollte sie es wissen und ignorieren, anstatt sich irgendwas Schlaues dazu einfallen zu lassen, wie sie so etwas wieder einfangen kann, dann spielt sie Hasard mit dem Fortbestand der Demokratie. Denn mittlerweile habe ich den Eindruck, schlichtweg jeder ist in tausend Ängsten vor dem, was ihm in Zukunft durch "DIE" angetan werden soll. Vermutlich wäre ich selbst längst in Panik, wenn ich mir nicht sicher wäre, daß ich mit allem klarkommen kann, was die sich an Grausamkeiten einfallen lassen mögen. Daß die Staatsfinanzen besser geordnet werden müssen, finde ich ja eigentlich einzusehen, und natürlich ist mir klar, daß ich von dieser Neuordnung am einen oder anderen Punkt im Vergleich zu jetzt einen Nachteil haben werde. Aber da dazu ein erkennbarer Rahmen fehlt, innerhalb dessen man sich selbst und seine jeweilige Lebenssituation wiederfinden kann, wird es aber natürlich von denen, die in gefühlt oder real weniger stabilen Verhältnissen leben, als Bedrohung der eigenen Person empfunden, und was besonders problematisch ist, ist, daß dann in der Regel auch noch mit unfairen Unterstellungen und Beleidigungen verbunden wird. Daß alle Reformvorschläge den einen roten Faden enthalten, daß sie auf Kosten von Menschen mit niedrigem bis mittleren Einkommen erfolgen sollen, während Besserbetuchte offenbar ungeschoren davonkommen und vielleicht sogar profitieren sollen, macht die Sache natürlich auch nicht besser. 

Die unfähige Wirtschaftsministerin hat, als wäre die Stimmung nicht ohnehin beschissen genug, wirksam dafür gesorgt, daß sich die Deutschen nun auch noch darum sorgen, ob ihre Heizung vielleicht bald kalt bleiben wird. 

Man könnte geradezu den Verdacht bekommen, Merz erfülle als Bundeskanzler einen Auftrag, nämlich die deutsche Gesellschaft populistenreif zu schießen, und die öffentlich-rechtlichen Sender unterstützten ihn dabei, damit es schneller geht. "Ist Donald Trump ein Vorbild für Deutschland, Herr Chrupalla?", fragte Caren Miosga im NDR etwa allen Ernstes. Meine einzige Rückfrage an Frau Miosgas Sender lautet: "Wer hat euch eigentlich ins Hirn geschissen, so was allen Ernstes zu senden?" Frau Miosga irgendetwas zu fragen, erübrigt sich wohl. Als langjährige routinierte Talk-Tante versucht sie, die Quoten ihrer schwächelnden Talksendung zu pushen, und hat offenbar kein moralisches Problem damit, dies auf eine Weise zu tun, mit der sich meiner Meinung nach der Verfassungsschutz befassen sollte. Muß ich das noch begründen? Ein Blick auf die USA-bezogenen Nachrichten sollte eigentlich ausreichen, um diesen Punkt zu klären. Donald Trump tut dort so manches, was hier wie dort verfassungswidrig ist, und einstweilen sehe ich noch nicht, daß dort irgendwer imstande ist, ihn daran zu hindern. Die bloße Frage, ob Trump für uns eine Vorbildfunktion haben könnte, verbietet sich da ja wohl von selbst. 

Auch dann, falls es eine rhetorische Frage gewesen sein sollte, was ich nicht weiß. Ich habe diese Talksendung nicht gesehen und werde das auch nicht nachholen, aber mir ist natürlich klar, daß dieser Talk unter dem Vorwand geschah, die AfD "inhaltlich stellen" zu wollen. Und weil ich Caren Miosga schon verabscheut habe, als sie noch bei den Tagesthemen war, habe ich davon, wie das geschehen sollte, auch eine ungefähre Vorstellung. Hier aber erst einmal dies: damit wird man keinen AfD-Fan irgendwie beeindrucken. Der Zufall hat es nämlich gefügt, daß ich gestern mit jemandem, der diese Sendung gesehen hat, ins Gespräch kam. Ja, ein AfD-Wähler, jedenfalls einer, der sie künftig wählen will. Diese Person hat sich über die inquisitorische, als unverschämt empfundene Art, wie Miosga Chrupalla befragte, nicht weniger empört als ich über diese Fragestellung, mit der dieses Gespräch übertitelt worden ist. Wenn überhaupt, dann hat es ihren Entschluß gefestigt, daß ihr, so wörtlich, "gar nichts anderes übrigbleibe", als AfD zu wählen. 

Diese Reaktion wundert mich noch nicht einmal. Was habe ich schon vor fast zwanzig Jahren, als ich noch regelmäßig die Tagesthemen angesehen habe, ihren "investigativen" Interviewstil gehaßt, dieses mokante Lächeln, das gegenüber jedem Interviewpartner ausdrückte "Du lügst, aber ich krieg die Wahrheit schon aus dir raus", dieses Ins-Wort-Fallen, dieses Von-oben-Herab - ja, ich habe es auch als unverschämt empfunden, sogar dann, wenn ich den Interviewpartner selbst nicht leiden konnte. Denn so muß man solche Interviews nicht führen, jede "Zur Person"-Sendung mit Günter Gaus beweist das, in der Adenauer, Brandt, Schmidt und Strauß die unangenehmsten Fragen gestellt wurden, ohne daß durch Mimik, Gestik und Art der Fragestellung die Wertung des Interviewers von vornherein feststand, ohne daß er ihnen ins Wort fiel - und weil sie ausreden durften, legten sie sich auch keine Strategien dafür fest, sondern man bekam ein recht gutes Bild davon, wie sie ticken - sogar dann, wenn man ihnen kein einziges Wort glaubte. Das half dabei, die Antwort einzuordnen. 

Dabei ist dieser Interviewstil völlig sinnlos, meistens jedenfalls. Die gewohnheitsmäßigen Lügner aus Politik und Wirtschaft, die dieses Spiel beherrschen, sind durch so etwas kaum zu beeindrucken. Auftrumpfen kann man damit bei medienungewohnten Personen, die wohl mit einem Interview gar nicht einverstanden gewesen wären, wenn sie nicht bei der im Ruf der Seriosität stehenden Tagesthemen selbstverständlich von einer fairen Behandlung im Interview ausgegangen wären. Mit etwas Pech landete man dann in einer hochnotpeinlichen Befragung, und das hatte bestimmt nicht jeder von denen verdient, die sich dem in der Zeit aussetzten, als ich noch Tagesthemen anschaute. 

Bis Miosga eines Tagesthemen-Abends dann auf Uwe Hück traf, damals Betriebsratsvorsitzender bei Porsche. Der verpaßte ihr nämlich die Klatsche ihres Lebens. Am Ende des Interviews sah sie aus, als wäre sie von einem Panzer überfahren worden. Leider finde ich diesen Interview nicht auf YouTube, nur eines mit Marietta Slomka, die für das ZDF den Poltergeist vom Porsche ebenfalls interviewte. Das mit Miosga gefiel mir allerdings noch um einiges mehr, weil sie so viel mehr Federn dabei lassen mußte. 

Caren Miosgas Tagesthemen-Interview mit Uwe Hück im Jahr 2009 war mein persönlicher Donald-Trump-Moment. Denn eigentlich redete Hück brüllenden Blödsinn (das brüllend ist in diesem Fall außerdem wörtlich zu nehmen), und das habe ich sehr wohl gemerkt. Nur, es war mir egal. Für dieses Interview habe ich Uwe Hück jahrelang geliebt, weil es mir so eine aus der tiefsten Seele aufsteigende Genugtuung war, daß er es dieser unangenehmen und hinterhältigen Tagesthemen-Dame mal "so richtig gezeigt" hatte. Im Gegenteil, sein Verhalten schien ja seine Medienungeübtheit zu beweisen, und daß er trotzdem das Interview - ich kann es nicht anders ausdrücken - "gewonnen" hatte, das war irgendwie die verdiente Rache für all die früheren inquisitorischen Befragungen, über die ich mich so geärgert hatte. 

Jahre später ist mir erst aufgegangen, was da überhaupt mit mir passiert ist: Ich wurde von einem Populisten geködert. Genau so hat auch Donald Trump seine Wähler gewonnen, und erst als ich das mitbekam, fiel bei mir dieser Groschen. Vermutlich können wir alle von Glück sagen, daß Uwe Hück damals nicht zum Spitzenkandidaten der SPD geworden ist. 

Daß Miosga sich heute damit profilieren will, einen US-Präsidenten, der ein mieser Charakter, unzuverlässig, verlogen, ohne Skrupel, brutal und egoistisch ist sowie bedenkliche Anzeichen zunehmender Demenz zeigt, als grundsätzlich mögliches Vorbild für Deutschland zu präsentieren, fügt sich perfekt in das, was ich sowieso von ihr dachte. Dasselbe gilt dafür, daß sie diese Frage ausgerechnet einem Vertreter der AfD stellt und ihm eine Menge Sendezeit für seine Meinung zu dieser Frage bietet. Und dann verhält sie sich ihm gegenüber noch auf eine Weise, die garantiert dafür sorgen wird, daß eine Menge Zuschauer das als unangemessen empfunden haben werden - womit sie der AfD genützt hat, nicht geschadet. Gar nicht davon anzufangen, daß jede Minute Sendezeit und jede Zeile, die sich mit der AfD befaßt, egal wie negativ, ihr ausweislich der Entwicklung der Wahlumfragen auch nützt. 

Mir geht dieses gestrige Gespräch mit dem AfD-Wähler auch deshalb noch im Kopf herum, weil es sich als unmöglich erwiesen hat, mit ihm einen richtigen Dialog zu führen, obwohl wir in unserer Unzufriedenheit mit dem, was die anderen Parteien tun, eigentlich eine große inhaltliche Schnittmenge hatten und uns in diesem Bereich auch einig waren. Nach eigenem Bekunden handelt es sich bei ihm um einen sogenannten Protestwähler - im Verlauf des Gesprächs hat er gefühlt zwanzigmal wiederholt, daß er ja gar keine AfD-Regierung haben will. Es ist mir nicht gelungen, ihn dazu zu bewegen, sich auch nur einen Satz vollständig anzuhören, in dem ich darauf hinweisen wollte, daß er sie aber trotzdem bekommen kann, wenn er sie wählt, und dann gar nicht glücklich darüber sein wird. Er hat mich aber jedes Mal unterbrochen und wie eine gesprungene Schallplatte denselben Text wieder von vorn begonnen. 

Er will AfD wählen, weil er glaubt, keine andere Wahl zu haben, weil, wie er sagt - und da kann ich ihm, siehe oben, kaum widersprechen - die anderen Parteien im Bundestag ja sowieso nur Mist machen. Er will, daß sie in eine Koalition mit der AfD gezwungen werden, denn er glaubt für diesen Fall etwas sehr Merkwürdiges: einerseits, daß der oder die Koalitionspartner der AfD sie mühelos im Griff behalten würden (nicht sehr logisch, da es ja dieselben Parteien sind, die er gleichzeitig für unfähig hält), aber gleichzeitig auch durch diesen Koalitionspartner gezwungen wären, endlich vernünftiger zu werden. Ich gebe das jetzt mal so wieder, wie sich das in dem ansonsten fruchtlosen Gespräch nach und nach herauskristallisiert hat. Erwähnen sollte ich auch, daß ich den Eindruck hatte, daß dieser Wähler sich enorm anstrengt, nur keinerlei Zweifel an sich heranzulassen, deswegen auch die ständigen Unterbrechungen. Er steht erkennbar unter hohem inneren Druck. Das Ergebnis seiner eigenen inneren Bilanz lautet, daß ihm nichts anderes übrigbleibt, als AfD zu wählen, aber offenbar muß er auch Einwände seiner eigenen inneren Stimme bekämpfen. 

Was mich beschäftigt: Implizit drückte er ja ein großes Vertrauen in die Stabilität unserer staatlichen Ordnung aus - ein Vertrauen, wie es die Trump-Wähler in den USA auch gehabt haben dürften. Falls ich ihn überhaupt mit irgendeinem Argument doch erreicht habe, dann war es der Verweis auf das, was in den USA seit Trumps Amtübernahme vor einem Jahr tatsächlich geschehen ist, obwohl die US-Demokratie keineswegs instabil war. Und daß die AfD außerdem von Trump und Konsorten unterstützt wird und wir damit rechnen müßten, daß wir mit einer AfD-Regierung solche Dinge, wie sie die Amis gerade im eigenen Land erleben, ebenfalls bekommen werden. 

Die gute Nachricht, die ich aus dem Gespräch mitnehme, ist, daß es grundsätzlich schon möglich sein müßte, durch veränderte politische Angebote - ggf. eine neue Partei, die alten sind wohl längst zu abgewirtschaftet, um sich noch einmal entsprechend neu erfinden zu können - Wähler mit diesem Mindset von der AfD wieder abzubringen. Und daß im Osten bei Wahlen im regionalen und lokalen Bereich Parteilose der AfD vorgezogen werden, spricht dafür, daß sie einen bedeutenden Anteil der AfD-Wähler ausmachen. 

Die schlechte Nachricht lautet, daß es solche Angebote außer im lokalen/regionalen Bereich im Moment gar nicht gibt. Entweder also es bildet sich bald eine wählbare und glaubwürdige neue Partei (oder etwas, das die Rolle einer Partei bei der nächsten Bundestagswahl ausfüllen kann) oder ich sehe dieses Land in nicht allzu ferner Zeit mit viel Karacho gegen die Wand fahren. Niemand traut dieser Bundesregierung ja noch über den Weg, und das gilt auch für diejenigen, die die CDU oder SPD trotzdem immer noch wählen würden. Das liegt nicht nur daran, daß sie gar nichts tut, um vielleicht ja doch noch "die Köpfe und Herzen" zu gewinnen (offenbar hält sie das für unnötig), sondern auch daran, daß ihre Lösungsvorstellungen keinen roten Faden enthalten und deshalb wie ein Haufen beliebige und wahllos zusammengestellte Grausamkeiten aussehen, die nur deshalb ausgewählt wurden, weil sie halt die Chance bieten, zu denjenigen, die sich am wenigsten wehren können, grausam sein zu dürfen. 

Das Problem ist nur, sie können sich sehr wohl wehren, nämlich an der Wahlurne. Und wie soll man denen, die sich vor diesen Grausamkeiten fürchten, denn vermitteln, daß das verglichen mit dem, was uns mit der AfD blühen würde, noch der reinste Kindergeburtstag ist? Deren Grausamkeiten müssen sich offenbar erst materialisieren. 

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Jetzt ist es wahrhaftig zehn Tage her, daß ich das letzte Mal ein Mäuschen unter dem Dach vorgefunden hatte. Offenbar haben wir jetzt zwar noch "Garten-Mäuse", aber keine mehr, die unser Haus als gewohnten Teil ihres Lebensraums betrachten. Das ist doch mal ein Fortschritt - obwohl ich gestehen muß, irgendwie fehlt mir jetzt doch was. Meine Mutter beschwert sich auch schon, weil ich gar keine Mäusegeschichten mehr zu erzählen habe.