Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier Fastentagen: 73,6 Kilogramm. Mir ging heute morgen durch den Kopf, daß ich darüber eigentlich enttäuscht sein müßte, denn im Herbst war ich mir ja noch sicher gewesen, in einem halben Jahr dieses Gewicht schon zu Beginn des Fastens zu haben. Aber zu meinen Stärken gehört es, nicht sinnlos herumzuhadern, sondern Fakten als Fakten zu akzeptieren, und auf Basis meines Startgewichts am Montag von 80,3 Kilogramm kann ich wirklich zufrieden sein. Eine Abnahme von 6,7 Kilogramm ist so spektakulär - falls es nicht meine allerhöchste Abnahme in vier Tagen überhaupt sein sollte, zählt sie jedenfalls zu den Top 5 -, daß ich ja sehe, irgendein Sondereffekt hatte mir mein Gewicht am Montag weiter nach oben getrieben, als es normal war.
Nachdem die letzten Wochen und sogar Monate, mindestens seit Weihnachten, mir wenig Anlaß zur Euphorie geboten haben - immerhin stehe ich gerade, und das kam ziemlich unerwartet, bei einem Gewicht, das vor Fasten wie festgetackert bei 78 bis 79 Kilogramm stehengeblieben ist - habe ich aber netterweise auch mal wieder eine kleine Erfolgsmeldung zu berichten: Gestern habe ich damit begonnen, im Kleiderschrank auszusortieren, damit demnächst die Sommerkleidung wieder einsortiert werden kann. Einige Kleidungsstücke wollte ich noch anprobieren, bevor ich die Entscheidung traf, ob ich sie behalten wollte oder nicht. Dabei stellte sich heraus, daß das einzige Kleidungsstück, das mir vor einem halben Jahr noch zu klein war, eine buntgeblümte Hose in Größe 38 aus dünnerem Jeansstoff, jetzt auf einmal paßt. Nun gut, die Hose sitzt ziemlich knapp, aber ich bekomme jetzt immerhin den Knopf zu, und im Herbst ging das bei aller Anstrengung noch nicht. Ich hatte sie eine Stunde lang an, damit sie sich noch etwas dehnen konnte, und fand sie dann auch nicht mehr unbequem. Irgendwas läuft also doch in meinem Körper ab, das die Waage nicht zum Ausdruck bringt.
Der Hose hat das den Verbleib in meinem Kleiderschrank gerettet, denn eigentlich war ich entschlossen gewesen, sie auszusortieren. Weil es mit meinem Gewicht neuerdings so gar nicht mehr runtergehen will, hatte ich nämlich entschieden, daß ich keine Kleidungsstücke weiter aufheben werde, die mir zu klein sind. Kleidung zu kaufen, die mir zu klein ist, war sinnvoll, solange ich mit ausreichender Sicherheit und innerhalb absehbarer Zeit mit Gewichtsabnahmen rechnen konnte, und es war toll, daß das jahrelang so gut funktionierte und ich alle zu kleinen Klamotten früher oder später wirklich anziehen konnte. Denn eigentlich warnt ja jeder davor, und das normalerweise auch zu Recht, früher hat das bei mir auch nie funktioniert.
Und jetzt läuft da vermutlich auch nicht mehr viel. Bis zu meinem Zielgewicht fehlen mir ja nur noch um die fünf Kilogramm. Gut, bei meinem jetzigen Gewicht könnte das eine Kleidergröße hin oder her sein, aber ich muß außerdem erst herausfinden, warum diese fünf Kilos soviel hartnäckiger als die anderen knapp 70 sind, die sich nicht mehr auf meinen Rippen befinden, und wie ich sie trotzdem noch loskriege. Bis dahin lautet die strikte Regel: Nur Kleidung kaufen, die auch wirklich paßt.
Die Zeiten, in denen ich auf Flohmärkten auf Verdacht ein Kleidungsstück, das mir gefiel, ohne Anprobieren mitnehmen konnte, wie ich mir das zeitweise angewöhnt hatte, sind vorbei. Das ist mir in der Zeit vor meinem Umzug klargeworden, weil ich irre Mengen Kleidung teils auf eBay verscherbelt, teils in den Altkleidercontainer gebracht, teils in den Müll geworfen habe. Etwa die Hälfte war mir zu groß geworden, vom Rest konnte ich mich im Alltag irgendwie doch nicht an meinen Anblick im Spiegel gewöhnen oder ich hätte, um das Stück tragen zu können, andere Kleidungsstücke ergänzend kaufen müssen. Relativ häufig habe ich bei langärmligen Stücken auch mit zu kurzen Ärmeln zu tun - alleine das ist schon ein guter Grund, unbedingt jedes Kleidungsstück, das ich kaufe, zuvor auch anzuprobieren. Das mache ich schon seit fast zwei Jahren so, aber diese geblümte Hose war eine Ausnahme, Hosen anprobieren ist bei Flohmärkten ja immer besonders lästig. 38 paßt mir normalerweise außerdem. Aber auf Kleidergrößen kann man sich halt nicht verlassen, also war das nicht sonderlich intelligent von mir, sie ohne Anprobieren mitzunehmen. Zumal ich mir das ja eigentlich bereits abgewöhnt hatte.
Eigentlich ist der Klamottenkauf bei Flohmärkten ja nur deshalb zu meiner bevorzugten Bezugsquelle geworden, weil ich in der Zeit, in der ich ständig kleinere Kleidergrößen benötigt habe, nicht eingesehen habe, für Teile, die mir vielleicht in einem Vierteljahr schon zu groß sein würden, einen Haufen Geld auszugeben. Aber so ein bißchen bin ich auf den Geschmack gekommen. Die Basic-Teile, die ich wirklich brauche, kaufe ich überwiegend neu, weil man das, was man wirklich benötigt, ja auf Flohmärkten grundsätzlich nie findet. (Erst nachdem man es angeschafft hat, sieht man es plötzlich ständig.) Aber Kleiderständer bei Flohmärkten schaue ich mir wirklich gerne an, seit ich wieder damit rechnen darf, dort etwas zu finden, das mir nicht nur gefällt, sondern auch paßt. Mit dem Einkaufen habe ich es deshalb zeitweise doch übertrieben, so kam es zu den Klamottenbergen in meinem Schrank. Aber ich bin ja lernfähig und möchte es künftig so weit nicht mehr kommen lassen. Da wir in der Nachbarschaft einen Altkleidercontainer haben, ist es auch kein Staatsakt mehr, ein einzelnes Stück spontan auszusortieren und aus dem Haus zu bekommen. Denn ich nehme an, daß auch künftig das eine oder andere Stück, das mir beim Kauf so gut gefallen hat, im Alltag dann doch nicht getragen wird. Das geht, glaube ich, fast allen so.
Aber zurück zur Frage, was sich da eigentlich gerade in meinem Innenleben abspielt. Bekanntlich glaube ich ja fest an Ursachen und Wirkungen. Ich erlebe also gerade an der Hartnäckigkeit, mit der mein Gewicht nicht weiter runtergehen will, eine Wirkung, deren Ursache ich nicht kenne. Das macht es natürlich schwierig, eine Herangehensweise zu finden, um die Ursache zu beseitigen. Ich werde dafür experimentieren müssen, und es kann durchaus sein, daß ich eine Weile brauche, bis ich die Lösung gefunden habe. Nachdem ich mir die Sache schon seit etlichen Wochen durch den Kopf gehen lasse, wird mein erster Versuch darin bestehen, daß ich mich mit der latenten Verstopftheit befasse, die seit der Antikörpertherapie mein unerwünschter Begleiter geworden ist und mal dezenter, mal aufdringlicher auftritt. Einfach wegen des zeitlichen Zusammenhangs - das ist etwas, das sich verändert hat, und vielleicht besteht ein Zusammenhang mit der Veränderung, daß mein Gewicht nicht mehr weiter runter will.
Zu wenige Ballaststoffe, zu wenig Trinken und zu wenig Bewegung können in meinem Fall kaum die Ursache sein, also bietet das auch keinen Ansatzpunkt für die Lösung. Aber ich werde es jetzt zunächst mal mit täglicher Einnahme von Flohsamenschalen oder Leinsamen probieren, denn die habe ich ja sowieso im Haus. Was ich noch auf mich zukommen lassen werde, ist, ob ich das, wenn ich mich verstopft fühle, auch an Fastentagen tun werde. Das entscheide ich nach Bauchgefühl und erkennbarer Wirkung auf die Verstopfung. Ob ich das dauerhaft beibehalte, hängt nicht davon ab, ob das dazu führt, daß ich wieder abnehmen kann (auch wenn dies der Auslöser für den Test war und als Wirkung freudig willkommen geheißen würde), sondern ob es das bewirkt, was es bewirken soll. Ich habe jetzt, glaube ich, lange genug abgewartet, ob die Trastuzumab/Pertuzumab-Verstopfung - das war meiner Meinung nach der Auslöser, und so schien es durchaus möglich, daß es mit zeitlichem Abstand nachlassen würde - von alleine wieder vergeht. Jetzt werde ich da aktiv, und vielleicht habe ich ja Glück und beseitige auch die Abnehm-Verstopfung.
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Als Nachklapp zu meiner Analyse dessen, was die neuen Leitlinien zur Ernährung bei Krebs über ketogene Ernährung und Fasten enthalten, habe ich in deren Quellen immerhin drei mir bislang nicht bekannte Studien zur Thematik der ketogenen Ernährung vorgefunden, von denen immerhin bei zweien der Volltext ohne Bezahlschranke zugänglich war, und fand nun Zeit, mal einen Blick auf sie zu werfen. Denn immerhin wurden sie deshalb als Quellen zitiert, weil die Autoren der Leitlinie, federführend dabei meine spezielle Freundin Jutta Hübner, sie als Beweis dafür betrachteten, daß ketogene Ernährung etwas ist, wovon abgeraten werden müsse.
Diejenige, die mich am meisten interessiert hätte, weil es bei ihr immerhin um Brustkrebs geht (lokal fortgeschrittener oder metastasierter Brustkrebs in diesem Fall), war dummerweise die eine, von der ich nur den Abstract zu Gesichte bekam. In der Leitlinie wird sie als Beleg für eine kalorienunabhängige Gewichtsabnahme durch ketogene Ernährung präsentiert, und in der Tat haben die 30 Patientinnen in der Interventionsgruppe nach Aussage der Autoren tatsächlich Gewicht verloren, was die Autoren - anders als die Frau Prof. - aber offenbar nicht alarmierend fanden, sondern im Gegenteil eine verbesserte Körperszusammensetzung und niedrigere Blutzuckerwerte als positiv erachteten. Sie befürworten den Einsatz ketogener Ernährung, weil a) keine gravierenden Nebenwirkungen auftraten und b) das Gesamtüberleben der Patientinnen das der normal ernährten Kontrollgruppe übertroffen hat. Warum Jutta Hübner sich in dieser Studie auf den von ihr für negativ gehaltenen Faktor der Gewichtsabnahme stützt, aber ein verbessertes Überleben für unbedeutend hält, bleibt wohl weiter ihr Geheimnis.
Studie Nummer 2 betraf Frauen mit Krebserkrankungen der Eierstöcke und Gebärmutterschleimhaut, und untersucht wurde dabei die Lebensqualität der Patientinnen, die im Anschluß an eine Operation zwölf Wochen lang einer sehr strikten ketogenen Ernährung (unter 20 Gramm KH/Tag - meiner Erfahrung nach relativ leicht machbar, wenn auch durchaus einschränkend, aber dafür ohne Kalorienvorgabe) folgen sollten und entsprechend angeleitet wurden. Das heißt, hier war die Frage des längeren Überlebens nicht das Thema. Am Rande wurde erwähnt, daß zwei Patientinnen während des Zwölf-Wochen-Zeitraums starben, aber nicht, welcher der beiden Gruppen (Intervention und Kontrollgruppe) sie angehörten. Auch las ich nichts darüber, in welchem Stadium der Erkrankung sie waren, aber ich habe die Sache auch nur flüchtig überflogen. Zwei Todesfälle innerhalb von zwölf Wochen sprechen aber eher für Krebserkrankungen in einem fortgeschrittenen Stadium.
Von 73 Patientinnen, die die Studie beginnen, streckten sage und schreibe 16 sofort die Waffen, weil sich die Zeitpläne ihrer konventionellen Behandlung nicht mit denen der Studie in Deckung bringen ließen. Sowohl in der Interventions- wie auch in der Kontrollgruppe brachen sechs Patientinnen während der zwölf Wochen die Sache wieder ab, darunter waren drei, die die Ernährungsweise nicht fortsetzen wollten, also augenscheinlich der Interventionsgruppe angehörten. Beendet haben sie 20 Patientinnen in der Interventions- und 25 in der Kontrollgruppe.
Die Ergebnisse sprechen bezüglich der subjektiv empfundenen Lebensqualität jedenfalls nicht gegen eine ketogene Ernährung, denn tatsächlich hatten die Patientinnen in der Keto-Gruppe weniger Hunger als die in der Kontrollgruppe, und das Verlangen nach bestimmten Arten von Essen war in etwa gleich wie bei der Kontrollgruppe, obwohl die Kontrollgruppe ja keine Ernährungsvorschriften bekam. Ob auch diese Patientinnen abgenommen haben, wurde nicht dokumentiert, ist aber nicht ganz unwahrscheinlich.
Studie Nummer 3 befaßte sich mit Männern mit Prostatakrebs, die im Anschluß an die konventionelle Behandlung (OP und Bestrahlung) sechs Monate lang eine ebenfalls sehr kohlenhydratarme (unter 20 Gramm pro Tag) ketogene Ernährung einhalten sollten. 57 Patienten wurden in eine Interventionsgruppe (30 Personen) und eine Kontrollgruppe unterteilt, allerdings beendet, nachdem 45 von ihnen die Studie durchlaufen hatten, weil sich keine signifikanten Vorteile durch die ketogene Ernährung ergeben hatten. Bemerkenswert fand ich, daß es in der Kontrollgruppe mehr Dropouts als in der Interventionsgruppe gegeben hatte (8 vs. 4).
Auch an dieser Studie erschreckte die Autoren der Leitlinien vor allem die hohe Gewichtsabnahme der Patienten in der Interventionsgruppe, 12,3 Kilogramm innerhalb von sechs Monaten. Nicht erwähnt wurde von ihnen, daß der durchschnittliche BMI dieser Patienten vor Beginn bei 29,3 gelegen hatte und im Mittel nach den sechs Monaten bei zwischen 25 und 26 lag, also unter anderen Umständen für eine erfreuliche Verbesserung gehalten worden wäre. Was sich aus der Studie nicht ergibt, aber aufgrund von Erfahrungswerten anzunehmen wäre, ist, daß die Abnahme von durchschnittlich ungefähr zwei Kilogramm im Monat sich wahrscheinlich bereits erheblich verlangsamt hatte und sich auch nicht mehr allzu stark erhöht hätte. Ungefähr zwei Kilo sofortig Wasser-Wiederzunahme haben die Patienten außerdem unmittelbar nach der Rückkehr zur Normalernährung sowieso zu erwarten.
Unter dem Vorbehalt, daß ich den Volltext der ersten Studie nicht gesehen habe: Keine dieser drei Studien ergab irgendwelche echten (nicht nur behaupteten) gesundheitlichen Nachteile für die Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe, tendenziell waren es sogar eher leichte Vorteile, wenn auch nicht im sogenannten "signifikanten" Bereich. Das könnte bedeuten, daß der Vorteil bei allen geringfügig war (aber was spricht gegen geringfügige Vorteile, die man nahezu kostenlos mitnehmen kann?), für wahrscheinlicher halte ich es aber (weil das auch bei dem Einsatz bei Diabetes so ist), daß die Vorteile ungleich verteilt waren und man also bei den Ergebnissen näher hinsehen müßte, um herauszufinden, ob es Patientengruppen gibt, denen man das besonders empfehlen oder bei denen man von vornherein darauf hinweisen könnte, daß es vermutlich nur geringe oder keine Wirkung zeigen wird - was aber nicht davon abhalten muß, es dennoch zu versuchen, weil das Zusammenspiel der Stoffwechseleinflußfaktoren so komplex ist, daß es im individuellen Fall doch anders sein wird. Keine dieser Studien enthält eine nachvollziehbare Begründung, warum von ketogener Ernährung pauschal abgeraten werden sollte. Außer natürlich diese komischen kabbalistischen Zahlenmagiespielchen mit der Waage, die manche Leute mit Wissenschaft verwechseln.
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Wer hier schaut sich auch - manchmal oder regelmäßig - die Sendung "Bares für Rares" an, in der normale Leute Wertsachen, Kuriositäten und sonstige möglicherweise gut verkäufliche Sachen von einem Experten schätzen und, sofern es sich nicht als wertlos oder gefälscht herausstellt, meistbietend an einen von fünf bis sechs teilnehmenden Händlern verkaufen können? Ich kenne das von den Besuchen bei meiner Mutter, die das gerne sieht, und so hat es sich ergeben, daß ich auch auf YouTube gelegentlich darauf klicke und mich dann manchmal auch durch mehrere Folgen hangle - oder einzelne herausgeschnittene Geschäfte -, aber das hält selten allzu lange an, weil sich ja doch die Situationen, in die man als Verkäufer und Händler gelangen kann, schnell zu wiederholen beginnen und man anfängt, bestimmte Muster zu erkennen, worauf die Sache für mich an Reiz verliert.
Bei den erstaunlich wenigen Fällen, in denen Verkäufer in der Sendung etwas verkaufen wollen, das sie einmal selbst erworben haben, fiel mir immer wieder auf, daß es Leute gibt, bei denen der Geldbeutel auch bei hochpreisigen Objekten wie Schmuck oder Antiquitäten sehr locker sitzt. Das sind Leute, die sich an den Gedanken gewöhnt haben, sich um Geld keine ernsthaften Sorgen machen zu müssen. Diese Fälle sind es aber auch häufig, in denen die Preisvorstellung des Verkäufers nicht erreicht werden kann, der beim Verkauf natürlich seinen damaligen Kaufpreis in Erinnerung hat und vielleicht auch noch auf eine Wertsteigerung hofft, und dann erweisen sich gerade diese Leute häufiger als eher kleinlich; aus diesem Teil kommt die Mehrheit derjenigen, die am Ende ihr gutes Stück wieder nach Hause tragen, weil die Angebote ihnen zu niedrig waren. Der Marktwert kann zum Verkaufszeitpunkt aber auch niedriger liegen als zum Zeitpunkt des Erwerbs. Das kann passieren, denn Moden kommen und gehen und das hat selbstverständlich Auswirkungen auf den Marktpreis. Möglich ist es aber auch, daß der Verkäufer von vornherein einen überhöhten Preis bezahlt hat oder zusätzlich sogar falsche Informationen über das Alter, die Herkunft und den Wert bekam.
Der typischste Fall ist der Verkauf eines Erbstücks, meistens aus der Familie. Irgendwo las ich, die Sendung sei ein Ausdruck unserer Erbengesellschaft, und da ist in der Tat etwas dran. Erben sind heutzutage meistens schon um das Renteneintrittsalter herum, sie haben sich in ihrem Leben und ihrer Behausung längst eingerichtet und fangen mit den meisten Einrichtigungsgegenständen des Erblassers nicht viel an, auch nicht mit Gemälden oder Schmuck oder anderen Wertsachen. Es liegt deshalb nahe, sie zu versilbern, und sei es, nachdem das Erbstück zehn Jahre im Keller oder Dachboden stand, weil man es dem Erblasser schuldig zu sein glaubte, sie nicht einfach zu verscherbeln. Nur, wenn es wertvolle Dinge sind, dann ist es natürlich andererseits auch eine Mißachtung des Erblassers, sie im Keller verschimmeln zu lassen. Insofern ist der Verkauf in diesen Fällen am häufigsten nachvollziehbar die bestmögliche Entscheidung.
Das Nächsthäufigste sind Geschenke, und das ist schon heikler, jedenfalls wenn der Schenker noch lebt und womöglich ebenfalls gerne Bares für Rares schaut. Aber zu der Sendung kommen auch Leute mit Sachen vom Sperrmüll oder Flohmarkt, und nur die wenigsten geben, meist etwas verklausuliert, zu, daß die Jagd nach einem unerkannten Wertgegenstand, den man für einen Appel und ein Ei bekommt und zu Geld machen kann, der Grund ist, warum sie überhaupt Flohmärkte besuchen. Das ist natürlich legitim, hat aber schon etwas leicht Anrüchiges, da ja die Unkenntnis oder die Gutmütigkeit des Flohmarktverkäufers ausgenutzt wurde, um selbst einen Reibach machen zu können. Wenn in solchen Fällen der Wunschpreis deutlich unterschritten wird, verspüre ich immer so eine kleine Genugtuung, sozusagen in Solidarität mit dem unbekannten Flohmarktverkäufer.
Beim Sperrmüll oder Verschenkkisten ist die Sache unkomplizierter, ebenso, wenn man Freunden beim Entrümpeln hilft oder mit Gebäudesanierungen zu tun hat und dabei etwas vor der Entsorgung bewahrt hat. Es fliegt sowieso viel zu viel in den Müll, da spielt es keine Rolle, ob jemand das Teil, das er davor bewahrt, selbst brauchen kann oder hofft, es zu Geld machen zu können.
Manchmal zielen die Gründe, warum es abgegeben wird, oder der Zweck, für den der Erlös bestimmt ist, ersichtlich darauf ab, noch ein paar Euro mehr, als andernfalls geboten würden, bei den Händlern herauszuschinden, und das funktioniert auch recht häufig. Komischerweise kann ich mich aber an keinen einzigen Verkäufer bei Bares für Rares erinnern, der offen zugab, daß er seinen Wertgegenstand verkauft, weil er das Geld dringend braucht. Für mich wäre dies in vielen Fällen aber der einzige Grund, den ich für einen Verkauf nachvollziehen könnte. Das gilt etwa in den Fällen, in denen der Verkäufer sich am Ende nur erkennbar widerstrebend von dem verkauften Gegenstand trennt. Warum sollte man denn etwas verkaufen, das man eigentlich nicht gerne hergeben will, wenn man nicht das Geld nötig braucht?
Pi mal Augenmaß in jedem zehnten Fall kommt das Geschäft nicht zustande. Meistens deshalb, weil der Wunschpreis zu weit unterboten wurde, aber es ist auch schon passiert, daß ein Käufer sich plötzlich doch nicht mehr dazu überwinden konnte, sein Objekt herzugeben, auch nicht zu einem angemessenen oder sogar überdurchschnittlichen Preis. Beeindruckt war ich von einem außergewöhnlichen Fall. Ein Mann erfuhr, daß das Objekt, das er geerbt hatte, von einer Freimaurerloge stammt, die heute noch existiert. Schon von dem Moment an, als er das erfahren hatte, merkte man, daß er anfing, sich unwohl zu fühlen. Aus seiner Sicht war damit sein Eigentumsrecht in Frage gestellt, obwohl er sich natürlich nichts vorzuwerfen hatte. Von den Ursprüngen des Objekts hatte er ja keine Ahnung gehabt.
Die Expertenschätzung von um die 2000 Euro führte doch noch dazu, daß der zu erwartende Erlös verlockend genug war, daß er das Objekt den Händlern anbot. Der Schätzpreis war bereits übertroffen und wäre vermutlich noch sehr viel deutlicher übertroffen worden. Aber dann brach er die Sache auf einmal ab. Er haben sich anders entschieden und wolle nicht mehr verkaufen. Er werde die Loge anrufen, der das Objekt ja in Wirklichkeit gehöre, und sie könne es bei ihm abholen. Die Händler brauchten einen Moment und zwei, drei Rückfragen, bis sie begriffen hatten, daß er keineswegs selbst direkt an die Loge verkaufen (und noch mehr Geld herausschlagen) wollte, sondern der früheren und seiner Meinung nach rechtmäßige Besitzer es vielmehr kostenlos zurückerhalten sollte. Und wie hätten sie das auch sofort kapieren sollen, da sie sich ja während des Bietergefechts auch darüber unterhalten hatten, daß die Loge sicherlich interessiert sein würde, es vom Meistbietenden zurückzubekommen? Eine solche Transaktion schien ihnen ganz normal. Aber dem Verkäufer offenbar nicht, denn genau dieses Gespräch zwischen den Händlern hat wohl dazu geführt, daß der moralische Kompaß des Verkäufers ihm deutlich signalisierte, daß das, was er tat, seinen Vorstellungen von Richtig und Falsch widersprach. Und das bedeutete ihm mehr als ein Erlös von 2500 Euro aufwärts.
Interessant an dieser kleinen Szene finde ich vor allem, weil es sehr schön illustriert, wie auch das Verhalten von "Mitläufern" in Diktaturen von einem Moment zum nächsten umschlagen kann. Jeder Mensch hat irgendwo eine persönliche Schmerzgrenze beim "Mitschwimmen im Strom" und Mittragen von Dingen, die eigentlich seinem Gerechtigkeitsgefühl widersprechen. Sogar dann, wenn man vieles mit gemischten Gefühlen hinnimmt, das einem eigentlich nicht gefällt, kann das beim Überschreiten dieser Grenze auf einmal in aktiven Widerstand umschlagen. Bei den meisten Leuten ist freilich das persönliche Gerechtigkeitsgefühl um einiges flexibler. Mir gefiel es, daß dieser Schwabe im Berliner Exil zu der Minderheit der anderen gehörte und lieber auf den vierstelligen Betrag verzichtete, den er andernfalls hätte bekommen können, als sich seinem Empfinden nach unberechtigt zu bereichern.
Vermutlich ist das, worüber ich bei Bares für Rares so nachdenke, nicht das, was dazu führte, daß die Sendung schon seit fast anderthalb Jahrzehnten läuft und sich nach wie vor nicht totgelaufen zu haben scheint, denn mit meiner Motivation wäre schon längst eine Übersättigung eingetreten und die Einschaltquoten würden die Sache für den Sender immer weniger rentabel machen. Vermutlich ist es der Kitzel, daß man gefahrlos bei anderen Leuten miterleben kann, wie sie Erfolg haben und manchmal auch scheitern, ohne sich selbst dabei einem Risiko (aber auch nicht der Gewinnmöglichkeit) auszusetzen, der die Leute an den Fernseher treibt, wenn diese Sendung kommt. Es ist, so betrachtet, die perfekte Mischung aus Gameshow, Wrestling und Lottozahlen.
Ich sehe das Konzept der Sendung auch deshalb etwas zwiespältig, weil ich den Leuten nicht immer ihre Geschichten abkaufe, vor allem, wenn es um die Begründung für den Verkauf geht, und weil sie nicht nur dadurch etwas ziemlich Voyeuristisches hat. Auch das oberflächliche Süßholzgeraspel von Horst Lichter wird mir manchmal zuviel. Und dann, wie erwähnt, wiederholen sich halt bestimmte Konstellationen immer wieder, und so verliert für mich auch der Spannungsfaktor, wenn es um die Gebote der Händler geht, seinen Reiz. Das Salz in der Suppe und was mich dann doch, meist nach Monaten, doch wieder neu verlockt, sind die Kuriositäten, also Dinge, die man noch nie gesehen hat und sich oft nicht einmal vorstellen kann, wofür sie gut sein sollen, nicht die Sachen, die jeder auf Anhieb als wertvoll erkennt, und die sind auch der Grund, warum ich immer mal wieder doch einen Bares-für-Rares-Anfall bekomme. Derselbe Faktor triggert mich auf Flohmärkten genauso, diese "Was zum Teufel soll das das sein und wofür ist es gut?"-Momente. Meine Wohnung ist voll mit Objekten, die ich gekauft habe, weil ich sie einfach ungewöhnlich und deshalb reizvoll fand. Das führt leider auch dazu, daß bei mir Dinge nur sinnlos herumfahren, und deshalb ist es gut, daß ich einmal im Jahr einen Flohmarktstand habe, dem ich das, was jahrelang nur in Schubladen herumlag, wieder zuführen kann. Das können Sachen sein, von denen ich irrtümlich glaubte, sie würden sich als nützlich erweisen, solche, an denen ich mich sattgesehen habe, aber eben auch Kuriositäten, die für mich weder nützlich sind noch irgendwo dekorativ zur Geltung kommen, die ich aber in einem Moment der Kauflust unbedingt haben zu müssen glaubte. Es dauert übrigens für gewöhnlich ein paar Jahre, bis ich das eingesehen habe und das Objekt in die Flohmarktkiste wandert.
Aber ein Fall für Bares für Rares ist bei mir sehr wahrscheinlich nicht dabei, und falls es beim Kauf unerkannt doch einer wäre, dann bleibt er das vermutlich nicht. Was ich kaufe, muß für mich nämlich alltags- oder dekorationstauglich sein, sprich: Es wird benutzt, es wird staubig und wird gelegentlich - viel zu selten - gesäubert, es bekommt Gebrauchsspuren oder fällt mal herunter und wird dann geklebt. Das ist in Ordnung für mich, so etwas müssen die Dinge, die ich kaufe, abkönnen, denn ich kaufe nichts als Wertanlage oder Sammlerobjekt. Ich verfüge über kein Sammler-Gen, und ich fände es eher unangenehm, teuren Schmuck zu tragen oder ein Objekt zu besitzen, das so wertvoll ist, daß ich es von vornherein nicht riskieren dürfte, daß es versehentlich beschädigt wird. Von all den Schutzmaßnahmen, mit denen ich mich vor Diebstahl oder Beschädigung schützen müßte, würde ich mich viel zu sehr in meiner Handlungsfreiheit eingeschränkt fühlen.
Außerdem sind Billigkopien oft genauso schön wie die Originale. Ich besitze zum Beispiel eine goldfarbene Kaminuhr, die auf unserem Wohnzimmerbüffet steht, im Empire-Stil, aber mit einem chinesischen Batterie-Uhrwerk, also in jedem Fall eine Replik aus jüngerer Zeit. Außerdem hatte sie schon eine reparierte Beschädigung, als ich sie für einen Euro auf dem Flohmarkt kaufte, und das unmögliche Umzugsunternehmen, das unseren Hausstand transportierte, hat dem noch eine weitere hinzugefügt, die aber glücklicherweise ebenfalls nach Reparatur nur noch zu sehen ist, wenn man ganz genau hinschaut. Ich mag diese Uhr, weil ich sie schön finde. Sie zeigt eine entrückt lächelnde junge Frau in einem langen, faltenreichen Kleid vor zwei antiken Säulen, die das Uhrgehäuse tragen, als antikisierendes Requisit. Das Gehäuse wird von zwei Putten rechts und links gestützt. Die Frau spielt auf einer Laute, zwei nackte Kinder begleiten sie auf einer Flöte und einer Trompete.
Was würde diese Uhr besser geeignet machen, auf unserem Büffet zu stehen, wenn sie ein Original wäre und mich, sagen wir, dreitausend Euro gekostet hätte? Genießt man den Dekorationswert dieses Stücks während seines normalen Aufenthalts im Wohnzimmer, fällt der Unterschied gar nicht auf, auch wenn man, hätte man Original und Imitation direkt nebeneinander, vermutlich Unterschiede erkennen würde. Wenn ich mir vorstelle, ein Kenner käme bei mir ins Wohnzimmer herein und würde bei dieser Uhr als erstes checken, ob sie "echt" ist, und sie anschließend keines Blickes mehr würdigen, weil sie halt aus seiner Sicht Schrott ist, dann hat er meiner Meinung nach auch keine Originale verdient, die ja auch schön sind, weil der Gestalter eine schöne Uhr gestalten wollte, nicht, damit sie einen möglichst hohen Sammlerwert bekommt - was am besten gelingt, indem man sie von vornherein nicht auspackt und sich damit auch nicht an ihr erfreuen kann.
Wie der typische Bares-für-Rares-Verkäufer habe ich versucht, mich im Internet über meine Uhr schlau zu machen, aber ich fand kein Gegenstück, weder vom wahrscheinlich teuren Original noch von der chinesischen Billigkopie, die ich habe. Vermutlich läge mir die Sendung "Kunst und Krempel" mehr als "Bares für Rares", bei der geht es nur darum, sich ein Objekt aus dem eigenen Besitz von einem Experten erklären zu lassen, nicht um einen meistbietenden Verkauf. Und eigentlich wüßte ich tatsächlich gerne mehr - über die Billigkopie wie auch über das Original, das ihr als Vorlage diente. Aber sogar dann, wenn ich das billige nachgemachte Objekt, das ja anscheinend auch nicht mehr am Markt aufzutreiben ist, wenn man danach sucht, mit Gewinn verkaufen könnte - und bei einem Euro Kaufpreis gehört dazu ja auch nicht viel - würde ich es halt nicht hergeben wollen. Ich suche auf dem Flohmarkt keine Wertanlagen, sondern Dinge, die praktisch einsetzbar sind oder mein Auge erfreuen ... und manchmal kann ich auch dem nicht widerstehen, was ich kurios oder skurril finde.
Was mir noch zu "Bares für Rares" in den Sinn kam: Es handelt sich meistens um Objekte, die schon den Erstbesitzer eine ziemliche Stange Geld gekostet hatten. In den meisten Familien würde man kein einziges vorfinden, das ein Fall für diese Sendung sein könnte. Das gilt sogar für viele dieser Kursiositäten oder Spielzeug. Die meisten Spielsachen in einem durchschnittlichen Kinderzimmer würde man nie im Leben für mehr als ein paar Euro verkaufen können. Altes Spielzeug, das heute etwas wert ist, war schon damals teuer. Die Sammlerlogik führt zu der Absurdität, daß ein Spielzeug, mit dem wirklich gespielt wurde und das dabei die eine oder andere Schramme abgekriegt hat, drastisch an Wert verliert, während "unbespielte" Spielsachen, die womöglich nie ihrer Originalverpackung entnommen wurden, den höchsten Sammlerwert haben. Das hat schon etwas Perverses. Ein Spielzeug, mit dem nicht gespielt wird, verfehlt seinen Sinn. Eine Puppe in einer Vitrine hat weniger echten Wert als eine, deren Anblick einen noch mit sechzig daran erinnert, wie man als Kind einst mit ihr gespielt hat.
Meine alten Puppen liegen in einem Wandschrank in meinem früheren Kinderzimmer im Haus meiner Mutter. Aber mein Teddybär Hansi hat mich bis heute begleitet und sitzt jetzt in meinem Arbeitszimmer im Regal. Er ist vielfach repariert, hat abgeschabte Stellen im Fell und einmal mußte ich ihn gegen Motten behandeln. Man kann es nicht abstreiten, ein Sammlerstück ist er nicht, obwohl er um die sechzig Jahre alt ist. Dafür ist er viel zu ramponiert. Wahrscheinlich wird er im Müll landen, wenn ich einmal gestorben bin, es sei denn, ich ergänze in meinem Testament, daß er mit mir ins Grab mitgegeben werden soll. Und vielleicht sollte ich das wirklich machen, denn ich finde, das hat mein Hansi nicht verdient. Wenn ich einmal im Sarg liege, werde ich ja auch einigermaßen ramponiert sein, also passen wir dann gut zusammen. Außerdem gefällt mir der Gedanke, künftigen Archäologen damit eine Rätselaufgabe zu stellen.
Schade, daß es bestattungsrechtlich nicht zulässig ist, zu verfügen, daß aus der persönlichen Habe ein Scheiterhaufen errichtet werden solle, der mit einem verbrannt wird. Das, finde ich, hätte Stil. Mir ist nämlich schon klar, daß all diese Sachen, die ich auf Flohmärkten zusammengekauft habe, weil ich sie schön fand, und die ich immer noch so schön finde, daß sie weiter meine Wohnräume zieren, ohne den inneren Zusammenhang zwischen ihnen und mit meinem Leben in den Augen anderer einmal ziemlich glanz- und reiz- sowie natürlich auch ziemlich wertlos erscheinen werden. Und nach meinem Tod wird dieser Zusammenhang halt wegfallen, dann kommt vermutlich der Entrümpler, und der wird auch nur einen Bruchteil davon noch für verkäuflich halten. Aber dieser Teil landet dann eher wieder auf den Flohmarkt als im Antiquitätengeschäft, und das finde ich eigentlich ganz tröstlich, denn da kam vieles davon ja auch her, also tritt es wieder in einen Kreislauf ein.
Zurück zu Bares für Rares: Die Leute, die ein Objekt aus Familienbesitz anbieten, müssen also aus Familien kommen, die bereits mindestens wohlhabend waren, als es angeschafft wurde. Jeder leistet sich ja zuweilen Dinge, die er sich eigentlich gar nicht leisten kann, aber die Spielräume, innerhalb derer man das tun kann, hängen halt doch sehr von den Lebensverhältnissen ab. Wenn zum Beispiel ein Arbeiter der sechziger Jahre sich für ein Objekt der Begierde finanziell zu übernehmen bereit war, hat er vielleicht von einem Ferrari oder Porsche geträumt, aber dabei heraus kam am Ende ein Opel, der eine Klasse besser war, als es seine finaziellen Verhältnisse zuließen, oder im höchsten Fall eine der günstigeren Daimler-Varianten. Die meisten der bei Bares für Rares angebotenen Dinge hätten diese Spielräume für die meisten Menschen zum Angebotszeitpunkt gesprengt. Mir geht es öfter durch den Kopf, wenn ich die Sendung sehe, daß dann auch unter den Verkäufern in der Sendung eine gewisse Ungleichverteilung bestehen müßte, daß nämlich Leute, die aus reichen Familien stammen, überrepräsentiert sind, auch dann, wenn sie selbst es nicht mehr sein sollten.
Ich bin gespannt, wie lange es noch dauern wird, bis das Konzept von Bares für Rares nicht mehr funktionieren wird. Denn die heutige Erbengesellschaft ist ja noch gar nichts gegen das, was in dieser Hinsicht noch auf uns zukommt. Die Erben der geburtenstarken Jahrgänge werden es einmal viel schwerer haben, die Hinterlassenschaft ihrer Eltern zu versilbern, wenn sie das versuchen wollen, weil ihr Abtreten nicht nur bei Immobilien, sondern auch bei den Dingen, die sich darin befinden, zu einem Überangebot führen wird. Ähnlich, wie heute Bauernschränke und anderes historisches Mobiliar - von bestimmten Stücken abgesehen - nicht mehr die Preise der achtziger und neunziger Jahre erzielen (dasselbe gilt für Klaviere, bemalte Milchkannen, alte Nähmaschinen und noch so manches andere, die früher teuer waren, einem heute aber mehr oder weniger nachgeworfen werden), wird wohl auch für die meisten andere Arten von Antiquitäten und Sammlerstücken aller Art ein Überangebot entstehen. Da muß ein Objekt schon sehr bedeutend und sehr selten sein, daß es davon die Ausnahme ist. Bares für Rares würde dann wohl so, wie es heute ist, nicht mehr funktionieren.
Aber wer weiß, welche anderen Variablen sich außerdem noch verändern werden. Ich staune ja immer wieder, wie billig Dinge auf Flohmärkten angeboten werden, die ich selbst einmal neu gekauft und für sie den vielfachen Preis bezahlt habe. Nimmt man an, daß das Gesetz von Angebot und Nachfrage hier eine Rolle spielt, dann muß man festhalten, daß es für gebrauchte Artikel nur im tiefsten Niedrigpreissektor überhaupt eine Nachfrage gibt - es sei denn, es handelt sich um Sammlerobjekte oder andere Dinge, die eine speziell interessierte Zielgruppe haben. Diese Relationen können sich aber dann wieder verändern, wenn irgendetwas dazu führen sollte, daß der Überfluß an Waren aller Art sich verknappt. Für den Moment spart man jedenfalls einen Haufen Geld, wenn man Dinge, die man im Alltag benötigt, auf Flohmärkten kauft, falls es sich ergibt, daß man dort genau das Passende findet. Dafür braucht man freilich den Genossen Zufall als Verbündeten, denn meiner Erfahrung nach ist es sinnlos, sich den Kauf eines bestimmten Artikels auf dem Flohmarkt vorzunehmen, weil man ihn dann sowieso nicht findet.
![Umfrage, Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026, SPD-Stimmanteile in Altersgruppen im Vergleich zu 2021, in % | Alle 26,0 ([Vgl. 2021] 36,0) | 18 - 24 Jahre 19,0 ([Vgl. 2021] 24,0) | 25 - 34 Jahre 19,0 ([Vgl. 2021] 25,0) | 35 - 44 Jahre 20,0 ([Vgl. 2021] 31,0) | 45 - 59 Jahre 23,0 ([Vgl. 2021] 36,0) | 60 - 69 Jahre 31,0 ([Vgl. 2021] 40,0) | 70 und älter 34,0 ([Vgl. 2021] 45,0) | Infratest-dimap. 23.03.2026, 08:51 Uhr](https://images.tagesschau.de/image/345b8a4b-286c-4b19-a640-2397e306a3a8/AAABnRmwMgU/AAABmyZE0EA/16x9-big/electionchart-ts-ltw26rp-400.jpg?width=768)