Sonntag, 31. Mai 2026

Grußbotschaft zum Weltnichtrauchertag

 Mein Gewicht heute früh - 79,8 Kilogramm - ist nebensächlich. Traditionell für das heutige Datum ist schon seit Jahren meine Grußbotschaft zum Weltnichtrauchertag: Auch im Jahre 2026 habe ich nicht die Absicht, mit dem Rauchen aufzuhören. 

Was ich der Weltgesundheitsorganisation, der Gesundheitsministerin und selbstredend auch Herrn Streeck dieses Jahr außerdem noch zu sagen habe, dafür leihe ich mir die richtigen Worte diesmal sinnigerweise von den Ärzten: 

Ich bin dagegen, denn ihr seid dafür
Ich bin dagegen, ich bin nicht so wie ihr
Ich bin dagegen, egal, worum es geht
Ich bin dagegen, weil ihr nichts davon versteht

 

Eigentlich entpuppt sich das Lied, näher betrachtet, ja als Auseinandersetzung mit einem verbal und physisch gewalttätigen Vater - aber erst ab der zweiten Strophe. (Bis dahin spricht der Text von "ihr", erst dann wechselt er in die zweite Person Singular und wendet sich an ein "du". Im Refrain bleibt es aber bei "ihr".) In diesem zweiten Teil des Lieds ist der Text in etwa die zu erwartende Antwort der gleichen Person auf die Vorhaltungen, die ihr in "Junge" gemacht werden. Die Antwort ging den Fragen allerdings um etliche Jahre voraus. 

Aber  Vater Staat braucht sich vor dem hier skizzierten Vater auch nicht zu verstecken. Auch wenn er - jedenfalls bislang - niemanden prügelt, wird ja doch verboten, genudgt, verbal herabgewürdigt - teils implizit, teilweise aber auch ausdrücklich -, es wird gedroht und schikaniert. Das gilt auch nicht nur für Raucher, nur ist es bei ihnen besonders risikolos, weil es wohl nordkoreanische Mehrheitsverhältnisse ergäbe, würde man bei einer Umfrage danach fragen, ob Rauchen eine eher positive oder eher negative Sache sei. Raucher schikanieren ist  im Grundsatz mehrheitsfähig, und zwar bestätigen das in Umfragen mehrheitlich sogar die Raucher. Das ist der eigentliche Grund, warum sich die Politik ständig neue Schikanen einfallen läßt.

In Baden-Württemberg gilt als Beispiel für Schikanen ab morgen ein um einige weitere Bereiche ergänztes Rauchverbot (sogenanntes "Nichtraucherschutzgesetz"). Und zwar alle unter freiem Himmel, wo solche vermeintlichen Schutzmaßnahmen von vornherein völlig sinnlos sind, etwa in Freibädern, Freizeitparks oder Zoos. Nun kann man vielleicht als Nichtraucher sagen, man finde das prima, weil man sich durch Tabakrauch belästigt fühle. Gerne wird auch mit weggeworfenen Kippen argumentiert. Nur, um beides geht es beim Nichtraucherschutzgesetz gar nicht:

 § 1
Zweck des Gesetzes
Dieses Gesetz dient dem Schutz der Bevölkerung vor den gesundheitlichen
Gefahren
des Passivrauchens 

Gesundheitliche Gefahren des Passivrauchens im Freien sind in etwa eine so lächerliche Vorstellung wie gesundheitliche Gefahren des Passivrauchens durch E-Zigaretten (die samt einiger verwandter Produkte im Anschluß im zitierten Paragraphen noch aufgezählt werden). Die gesundheitsrelevante Wirkung eines versehentlich eingeatmeten Schwalls Tabakrauch im Freien in der Nähe einer Straße mit motorisiertem Verkehr (also überall, wo viele Leute hinkommen, und damit auch dort, wo die neuen Rauchverbote gelten sollen) fällt im Vergleich zu der gesundheitsgefährdenden Wirkung der eingeatmeten Autoabgase überhaupt nicht ins Gewicht, und das schon gar nicht, weil es ausreichend ist, zwei, drei Schritte zur Seite zu gehen, um weitere passivrauchgeschwängerte Atemzüge zu vermeiden. Die Autoabgase ließen sich, wo der Verkehr vorbeiströmt, allenfalls vermeiden, indem man eine Gasmaske trägt. In allen Freizeiteinrichtungen, in denen das Rauchen im Freien aus Gesundheitsschutzgründen verboten ist, sind insbesondere an Tagen mit vielen Besuchern die Parkplätze viel gesundheitsgefährlicher als ein Raucher, der sich neben einem einen Glimmstengel anzündet. 

Bei E-Zigaretten ist Passivrauchen wiederum von vornherein gar nicht möglich. Passivrauch, sofern er wegen besonders hoher Intensität und Dauer beim Einatmen gesundheitlichen Schaden anrichten sollte, tut dies bei Zigarettenrauch auf genau dieselbe Weise wie jede Art von Verbrennungsrauch aus verbrannten Pflanzenbestandteilen, etwa Holzfeuer. (Das Verbrennen von Öl oder anderer mineralischer Substanzen wiederum ist noch um einiges gesundheitsgefährdender.) E-Zigaretten können aber gar keinen Passivrauch erzeugen, weil mit ihnen kein Verbrennungsvorgang stattfindet. 

Kurz, die neuen Rauchverbote sind reine Schikanen. Niemand erwartet im Ernst, daß sich daraus für irgendwen irgendein noch so kleiner gesundheitlicher Vorteil ergeben kann, auch wenn das Gegenteil behauptet wird. Diese neuen Rauchverbote im Freien waren wahrscheinlich der politische Preis dafür, die Ausnahmeregelungen in der Gastronomie weiter beibehalten zu können. Der gewesene Gesundheitsminister hätte die Ausnahmeregelungen nämlich gar zu gerne vollständig eliminiert. Aber andere Teile der Landesregierung wollten das wohl nicht. Also mußte man ihm etwas anderes als Ersatz anbieten. Bei dem, was man ausgekaspert hat, konnte man außerdem darauf vertrauen, daß gegen solche "Schutzmaßnahmen" jedenfalls keine Proteste erwartet werden müssen und auch niemand den Rechtsweg einschlagen wird - bei dem man nicht sicher sein könnte, ob das Gesetz dies überstehen würde. Denn niemand muß Angst haben, durch die neuen Maßnahmen seine wirtschaftliche Existenz zu verlieren, wie das den Wirt einer Raucherkneipe selbstverständlich auf die Barrikaden getrieben hätte.  

Die meisten Verbote tangieren mich persönlich gar nicht oder so geringfügig, daß ich über die Verbote nur die Achseln zucke. Organisiertes Zeittotschlagen in Freizeitparks war sowieso noch nie mein Ding, und aus dem Alter, in dem man unbedingt Freibäder aufsuchen will, bin ich längst raus. In den Zoo wäre ich vielleicht irgendwann nach etlichen Jahren einmal wieder gegangen, aber für zwei Personen fast 50 Euro für den Eintritt hinblättern, das würde ich kaum besonders häufig machen und unter diesen Umständen nun halt gar nicht mehr. Das macht aber eigentlich nichts. Zoos sind ja ganz nett, aber in Wirklichkeit weitaus weniger unterhaltsam als das Beobachten der Tiere bei uns im Garten. 

Der interessanteste Fall sind die Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, soweit sie sich im Freien befinden (bei allen anderen ist das Rauchen ja schon die ganze Zeit verboten). Ich werde mich an speziell dieses neue Rauchverbot nämlich nicht halten. Und zwar, weil ich es einfach nicht einsehe. Der Unterschied speziell für mich zwischen den Haltestellen und den diversen Bespaßungs-Arealen unter freiem Himmel besteht darin, daß ich letztere einfach nicht aufsuche, wenn ich sie ohne Kippe im Mundwinkel nicht mehr verlockend genug finde. Aber als Nichtautobesitzer komme ich gar nicht umhin, Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel weiter zu nutzen. Mit zwei vollen Einkaufstaschen ein Stück entfernt vom Haltebereich des Busses auf ihn zu warten, um dort rauchen zu dürfen, bringt mich in folgende Situation: Beim Heranfahren des Busses muß ich erst meinen Taschenascher herauskramen, die Kippe dort entsorgen und dann meine auf dem Boden abgestellten Einkaufstaschen richtig zu fassen bekommen, damit mir der Bus nicht davonfährt, bevor ich herangesprintet bin. Alleine schon das Heransprintenmüssen als solches anstelle eines normalen Einsteigens ist schon ein Angriff auf meine Würde, aber zuvor muß außerdem jeder Handgriff blitzschnell erfolgen und richtig sitzen. Jeder Fehlversuch kann dazu führen, daß ich dem Bus nur noch hinterherwinken kann. 

Diese neue Regelung zielt augenscheinlich darauf ab, daß man sich in solchen Wartesituationen, die natürlich die meisten Raucher mit einer Zigarette überbrücken wollen, zwischen dem Rauchen und der Wahrung seiner Würde entscheiden müssen soll. Und genau das ist die Sache, der ich mich verweigere. Ich erhebe Anspruch auf beides, Rauchen und Würde. Ich finde, mir steht beides zu. 

Das ist das überhaupt erste Mal in meinem Leben, daß ich mich einer neuen gesetzlichen Regelung von vornherein verweigere, also ihr nicht ausweichen zu versuche, um mich ihrer Wirkung zu entziehen, sondern die Absicht habe, sie jederzeit und überall sowie ungeachtet der möglichen Folgen hocherhobenen Hauptes zu mißachten. Exakt so fühlt sich das diesmal für mich genau richtig an. Und auch darin finde ich mich bei den Ärzten wieder: 

 Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung, mit der ich euch gegenüberstehe.  

Meine Bußgeldbescheide, falls ich welche bekommen sollte, werde ich rahmen und in der Toilette aufhängen. Und zwar als

Symbol der Nicht-Identifikation mit euren Werten.

Die Neufassung des sogenannten Nichtraucherschutzgesetzes hat in ihrer Kleinlichkeit und sinnlosen Bösartigkeit trotz allem noch nicht einmal mehr erwähnenswerte Emotionen bei mir ausgelöst, nur rationale Überlegungen, wie ich damit aus welchen Gründen umgehen will. Das finde ich selbst bemerkenswert, weil ich mich über andere politische Beleidigungen ja immer noch ganz gut aufregen kann. Aber im Bereich Rauchen bin ich offenbar über diesen Punkt mittlerweile hinaus. Ich glaube, gerade das sollte die Urheber der Regelung ein wenig beunruhigen. Ich weiß nämlich noch, wie ich dem Vater meines Sohnes während eines Streits sagte, er solle froh sein, daß ich überhaupt mit ihm streite, denn wenn ich mir die Mühe einmal nicht mehr mache, dann wäre er mir gleichgültig geworden. Ich frage mich, ob er sich etwa ein Jahr später daran erinnert hat, als er alleine in der Wohnung zurückblieb. Wenn ja, hatte er dem Staat etwas voraus. Der merkt gar nichts davon, daß ich seit etlichen Jahren grundsätzlich nicht mehr zur Wahl gehe. Bemerkt wird von ihm nur, wer sich dazu entschließt, die AfD zu wählen, und daß das irgendetwas mit ihrem Umgang mit den Wählern zu tun hat, dämmert den Parteien zwar so langsam, aber sie kommen einfach nicht dahinter, wo ihr Hauptfehler liegt, nämlich in den pausenlosen Angriffen - aus allen möglichen Richtungen, Rauchen ist im Vergleich zu vielen anderen ja nur eine Marginalie - auf die Würde ihrer Wähler. 

Am Rande möchte ich noch erwähnen, daß die AfD für mich auch dann unwählbar bliebe, falls sie sich zum Thema Rauchen strategisch so positionieren würde, daß sie mich bei diesem Thema abholen würde (was im Moment aber nicht der Fall ist). Dafür gibt es zu viele andere Themen, zu denen ich keinesfalls von ihr regiert werden möchte. Ich brauche die AfD oder sonstwen außerdem sowieso nicht, um mich meiner Haut zu wehren, wenn man mir in dieser oder in anderen Fragen zu nah auf die Pelle rückt. Wenn ich eines in den nun schon über 60 Jahren meines Lebens gelernt habe, dann daß man sich niemals auf irgendjemanden verlassen kann außer auf sich selbst. 

Zum Stichwort AfD fiel mir aber noch etwas anderes ein:  

Es gibt einen auch von mir ziemlich lange total übersehenen Faktor, der die nächste Bundestagswahl sogar noch brisanter machen wird, als sie es wegen der Umfragewerte der AfD ohnehin sein wird: Der Niedergang der CSU in den Umfragen. Denn die bayerische CDU-Schwesterpartei tritt nur in Bayern an, aber ihre nur dort erworbenen Stimmen werden auf das Bundesergebnis umgelegt und müssen, bundesweit betrachtet, natürlich auch die Fünf-Prozent-Hürde übersteigen. Bei der Bundestagswahl dieses Jahr bekam die CSU, bundesweit betrachtet, 5,97 Prozent der Stimmen, das entspricht einem Wahlergebnis in Bayern von 37,2 Prozent. Bei der letzten Umfrage zur Bundestagswahl nur in Bayern lag sie aber nur noch bei 33 Prozent, und bei der Bundestagswahl 2021 mit 31,7 Prozent in Bayern sogar bundesweit nur bei 5,19 Prozent. Man braucht kein Mathematikstudium, um das Unterschreiten der Fünf-Prozent-Hürde überschlagsweise zu ermitteln: Falls die CSU das nächste Mal ein paar Zehntelprozentpunkte weniger als 30 Prozent der bayerischen Wählerstimmen bekommen sollte, muß sie sich voraussichtlich aus dem Bundestag verabschieden. Und man braucht nicht Politikwissenschaften studiert haben, um zu wissen: In diesem Fall wird die AfD, sollte ihr Wahlergebnis die aktuellen Umfragewerte widerspiegeln, die bei weitem stärkste Fraktion werden. 

Kein Wunder jedenfalls, daß Markus Söder gerade mal wieder versucht, sich neu zu erfinden, er möchte ja gerne im Bund auch weiter eine wichtige Rolle spielen, und dafür wäre es natürlich extrem ungünstig, wenn seine Partei aus dem Bundestag fliegt. Anscheinend ist bei ihm jetzt endlich der Groschen gefallen, daß die wenig konstruktive Rolle der CSU in der Bundespolitik auch in Bayern den Wählern nicht gefällt. Ein Gutes immerhin hat die Sache: Dieser Mann ist zwar nur Fassade - geradezu ein Potemkinsches Dorf auf zwei Beinen -, aber diese Fassade sieht jetzt wenigstens nicht mehr aus wie ein Strauchdieb, seit er nicht mehr in Räuberzivil herumläuft und diesen gruseligen Bart abrasiert hat. 

Mich würde übrigens mal interessieren, ob der Söder trotz aller anderslautenden Beteuerungen heute immer noch raucht. Ich meine mich nämlich zu erinnern, daß er es früher getan hat, und da bei Söder alles Fassade ist, kann es gut sein, daß er sich bloß nicht dabei erwischen läßt. 


Freitag, 22. Mai 2026

Frau Perditax, wo bleibt das Positive? Hier kommt es. :-)

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 73,7 Kilogramm. 200 Gramm weniger als vor zwei Wochen, das ist so lala und ein bißchen enttäuschend, zumal ich gestern früh noch auf ein heutiges Gewicht von 73 Kilo plusminus ein bißchen was hoffen konnte. Es kann aber sein, daß es etwas mit dem Temperaturanstieg zu tun hat, denn gestern abend wog ich - obwohl ich den ganzen Tag nichts gegessen hatte - ein volles Kilo mehr als am gestrigen Morgen. 

Mal sehen also, wie sich die Sache weiterentwickelt. Die Flohsamenschalen während mehrtägigen Fastenintervallen haben sich jedenfalls ein zweites Mal bewährt und schützen möglicherweise auch vor Muskelkrämpfen. Ein guter Grund, sie bei mehrtägigen Fastenintervallen beizubehalten. 

***

Es ist gerade ja keine Zeit, in der allzuviel Optimismus verbreitet wird. Aber genau deshalb sollte man gute Nachrichten nicht verschweigen, und das ganz besonders, wenn sie unerwartet sind. 

Wo steht es nämlich eigentlich geschrieben, daß menschengemachte Veränderungen immer unheilvolle Wirkungen haben müssen? Kann das nicht auch umgekehrt laufen? Dafür scheint es jetzt ein Beispiel zu geben. 

In China boomt ja neuerdings bekanntlich die Erzeugung von Solarstrom - das alleine ist ja schon eine gute Nachricht. Denn niemand hätte China zwingen können, das zu tun. Daß China es trotzdem tut, sollte all denen zu denken geben, die glauben, das Klima wäre nur zu retten, indem man hierzulande Leute dazu zwingt, Dinge zu tun oder zu unterlassen, die sie von alleine nicht täten. Gescheiter wäre es meiner Meinung nach, sich mal mit der Frage zu befassen, was genau China überzeugt hat, sich aus freien Stücken dafür zu entscheiden, und ob Chinas Gründe nicht hierzulande auch ein überzeugendes Argument für erneuerbare Energien wären, die man entsprechend verbreiten müßte.  

Die Sache hatte in mehr als nur einem der großen chinesischen Solarparks aber noch eine nicht erwartete positive Nebenwirkung: Das Wüstengebiet, in dem die Solarparks stehen, fängt plötzlich an, Vegetation zu entwickeln. Das hat zum einen mit dem Schatten durch die Solarpaneele zu tun, zum anderen mit dem heruntertropfenden Wasser, wenn sie gereinigt werden  Das finde ich richtig spannend, denn laut dem Bericht geht man zwar davon aus, daß die Herrlichkeit rasch ein Ende finden würde, sobald der Solarpark nicht mehr betrieben würde. Aber so ein Solarpark wird ja schon für längere Zeiträume eingerichtet und wird deshalb so schnell nicht verschwinden. Die Frage ist, wie sich das örtliche Mikroklima verändert haben wird, wenn der Solarpark einmal ein bis zwei Jahrzehnte Bestand gehabt haben sollte und vielleicht dann abgebaut wird. Das kann sogar dann dauerhafte Veränderungen bedeuten, wenn es keinen Plan gibt, auf welche Weise man die neu gewonnene Nicht-Wüste sich bewahren kann - und ich kann mir nicht vorstellen, daß es einen solchen Plan dann nicht ohnehin geben wird. 

Der zu üppige Bewuchs brachte die Betreiber sogar in Verlegenheit, weil die Solarpaneele zuzuwachsen drohten. Es ergab sich daraus als einfachere Lösung, als regelmäßig zu mähen, dort einfach Schafe weiden zu lassen, die nun natürlich auch den Boden kontinuierlich düngen und damit natürlich weiter verändern. 

In Deutschland wiederum gibt es erste Projekte, in denen eine Wiedernaturierung von Moorlandschaften mit Solarparks kombiniert werden. 

Das finde ich richtig spannend. Wer weiß, wie sich solche Gebiete innerhalb einiger weiterer Jahre noch entwickeln und welche neuen Möglichkeiten sich daraus ergeben, die den Risiken des Klimawandels unerwartete neue Chancen entgegensetzen können? 

***

Ob die neue baden-württembergische Landesregierung ebenfalls ein unerwarteter Lichtblick ist, muß sich in der Praxis erst noch erweisen. Ich bin ja bekennender Nichtwähler und bevor ich die Partei des neuen Ministerpräsidenten jemals wieder wähle, müssen noch viele bislang ungeschehene Dinge geschehen. Aber ich muß zugeben, Winfried Kretschmann hat im Lauf der Zeit meinen Respekt erworben, auch deshalb, weil er sich sozusagen als der Manfred Rommel unter den Grünen erwiesen hat: jemand, der ein eigenes Wertesystem mitbringt und danach handelt, auch wenn dies quer zur offiziellen Parteilinie steht. Boris Palmer, für den das an sich ebenfalls gilt, fiel mir im Vergleich zu Kretschmann aber meistens eher unangenehm auf, weil er von seinem verstorbenen Vater, Helmut Palmer, einen gar zu starken Hang zu Polemik geerbt zu haben scheint. So etwas ist genau wie sein Dickschädel auch etwas sehr Schwäbisches, und mir sind solche Leute allemal noch lieber als solche, die ihr Mäntelchen immer nach dem Wind hängen. Aber im Moment brauchen wir eher Leute, die durch ihr ausgleichendes Wesen befähigt sind, Mehrheiten zu überzeugen, als solche, die einen ununterdrückbaren Drang haben, wider den Stachel zu löcken.

Am Rande erwähnt: Der 95jährige Nachbar, der uns beim Schneiden unserer Obstbäume unterstützt hat, schwört heute noch auf die Helmut-Palmer-Methode beim Bäumeschneiden. Jetzt, wo unsere beiden alten Apfelbäume wieder voll belaubt sind, kann ich jedenfalls mindestens bestätigen, daß unsere Bäume für diese Art von Schnitt ziemlich dankbar wirken. 

Zurück zur neuen Landesregierung. Anfangs sah die Sache ja nicht sonderlich vielversprechend aus, als nach der Wahl die CDU sofort damit anfing, wieder herumzustänkern. Bei allem Verständnis für ihre Enttäuschung nach der knappen Wahlniederlage, ich habe erst einmal laut aufgelacht, als einige Verblendete in der CDU laut in den Medien darüber nachdachten, die Verhandlungen platzen zu lassen und damit Neuwahlen zu erzwingen. Denn wie vernagelt muß man eigentlich sein, um nicht zu begreifen, wie sehr die Wähler sich dadurch verarscht vorgekommen wären und wie wenig sich die CDU jetzt noch leisten kann, sie zu verarschen. Nach einer Neuwahl hätte die CDU nie im Leben den Ministerpräsidenten gestellt. Das einzige, was sie zu erwarten hatte, war eine ungünstigere Verhandlungsposition in den Koalitionsverhandlungen als nunmehr eindeutiger Juniorpartner. Und selbstverständlich hätten sie nebenbei auch der AfD ein paar zusätzliche Prozentpunkte verschafft. Die bloße öffentliche Gedankenspielerei war meiner Meinung nach deshalb verantwortungslos, aber man muß auch am machtpolitischen Verstand derer zweifeln, die auf diese Schnapsidee gekommen sind. 

Daß es die Verblendeten in der Ländle-CDU immer noch gibt, zeigte die Ministerpräsidentenwahl, in der Özdemir deutlich weniger Stimmen bekam, als sie Grüne und CDU zusammen hatten. Aber immerhin reichte die Verblendung nicht so weit, daß sich unter diesen Leuten auch welche gefunden hätten, die zusammen mit der AfD abstimmten, als die AfD ihnen mit dem Antrag, über einen Ministerpräsidenten Manuel Hagel abzustimmen, einen ziemlich verlockenden Köder hinwarfen. Es macht mir dann doch wieder ein bißchen Mut, daß in der CDU wenigstens niemand dieser Versuchung nachgegeben hat. Mögen tun diese Verblendeten die AfD dann doch nicht, sie mögen nur die Grünen auch nicht. Aber sie sollen die Grünen ja auch nicht heiraten, sondern nur eine Koalition mit ihnen eingehen. 

Es gibt da seit einiger Zeit einen Podcast, Machtwechsel, von Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander über die aktuelle Bundesregierung und ihre Politik, und an ihm finde ich besonders interessant, daß er so gut auseinanderfitzelt, welche von außen gar nicht erkennbaren Kräfte innerhalb der Parteien wirksam werden, wenn über Regierungsfragen verhandelt, gestritten und wie am Ende die Kompromisse ausgeknobelt wurden. Ich höre das momentan regelmäßig und mit Interesse, finde es aber immer wieder bizarr, wie weit weg von der gesellschaftlichen Realität solche parteiinternen Querelen wirken, in denen es vor allem um innerparteiliche - oder in einer Koalitionsregierung um zwischenparteiliche - Machtspielchen geht, bei denen es vor allem darum geht, innerhalb der Partei die Fliehkräfte unterschiedlicher Richtungen auszubalancieren. Denn, Überraschung, Parteien bestehen nicht aus lauter Parteisoldaten, die alle dieselbe Meinung haben. In allen Parteien gibt es verschiedene Flügel, deren Vorstellungen von guter Politik sich beträchtlich unterscheiden können. Einen gemeinsamen Nenner zu finden - innerhalb einer Partei wie auch zwischen den Parteien einer Koalitionsregierung - mag unvermeidbar sein. Was mich daran so stört, ist, daß Parteitaktik offenbar einen weitaus höheren Einfluß auf Gesetzesvorhaben hat als das Interesse der Gesellschaft, und auch die Kommunikation, die über die Medien stattfindet, vor allem das Ziel hat, für sein jeweiliges Lager möglichst viele Vorteile zu bekommen. Und wenn man dafür vorher erst noch einen Bürgerkrieg oder den Sieg einer faschistischen Partei auslösen muß! Die Gruppendynamik innerhalb der bestehenden politischen Parteien bietet nur Anreize zu verantwortungslosem Verhalten, und das zu unser aller Schaden. 

Jedenfalls, an das, was ich aus diesem Podcast mitgenommen habe, mußte ich denken, als die ersten Stimmen in BW aufkamen, die das Platzen der Koalitionsverhandlungen in Kauf genommen hätten. Da spielte offensichtlich nur innerparteiliches Gedöns in der CDU-Echokammer eine Rolle, obwohl es doch an sich nichts als Beobachtung des Wählerverhaltens früherer Jahre plus etwas logisches Denken gebraucht hätte, um sofort zu begreifen, daß die CDU sich, würde sie Neuwahlen provozieren, nur ins eigene Knie schießen konnte. Wieso erkannten die Verfechter dieser Lösung das nicht selbst? Warum konnten Vernünftigere in der Partei sie nicht überzeugen? Diese Art von Betriebsblindheit wirkt sich jedenfalls verheerend aus, was die Herangehensweise an die Probleme betrifft, weil sie - für jeden Bürger erkennbar - gar nichts mit ihrem eigenen Wohl und Wehe zu tun hat. Sie weckt den Anschein, daß man sich kaum noch verschlechtern würde, wenn man die AfD wählt. Das ist zwar ein Irrtum, aber es ist auch eine Folge der Erkenntnis, wie egal wir alle den etablierten Partei geworden sind. Wir sind im Zweifelsfall immer unwichtiger als der Hinterbänkler, den man unbedingt im Boot halten muß (und der sich um uns natürlich auch nicht weiter schert). 

Wie auch immer, als man in Baden-Württemberg dann endlich soweit gewesen war, die Koalitionsverhandlungen aufzunehmen, ging auf einmal alles ganz schnell, und die ersten Absichtserklärungen nach deren Abschluß ließen mich sogar aufhorchen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir zu viele Hoffnungen mache, aber mir schien da ein neuer Ton enthalten zu sein, und so kam es, daß ich mir während des Fensterputzens auch die Regierungserklärung von Ministerpräsident Özdemir anhörte, um herauszufinden, ob ich diesen neuen Ton darin wiederfinden würde. 

Das meiste, was Özdemir sagte, klang dann zwar recht konventionell - wie es ein routinierter Redenschreiber eben immer fabriziert -, aber das Ende fand ich recht interessant und zitiere jetzt mal einen Teil daraus:  

 ... die neue Landesregierung steht für eine neue bürgerliche Politik. Der Begriff „bürgerlich“ steht dabei nicht für das Einkommen, für den Lebensstil oder für Äußerlichkeiten. Er steht für die richtige Balance zwischen Eigensinn und Gemeinwohl. Denn wir sind beides: Individuen, die ihren eigenen Kopf haben, eigene Ideen und eigene Interessen, und gleichzeitig sind wir Teil einer Gemeinschaft. Wir sind aufeinander angewiesen, und mehr noch: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Der Begriff „bürgerlich“ steht für die Einsicht, dass Freiheit und Verantwortung zusammengehören, dass wir Bürgerrechte und Bürgerpflichten haben. Er steht für den Respekt gegenüber Mitmenschen und Institutionen. Er steht für den Wert der Eigeninitiative. An manchen Stellen brauchen wir weniger Anspruchsdenken und mehr Verantwortungsbereitschaft: anpacken, mitmachen, Verantwortung für sich selbst und für andere übernehmen – so wie es in Baden-Württemberg jeden Tag geschieht.

Für uns als politisch Verantwortliche heißt das: Zu oft haben wir versprochen, was wir nicht halten können – und den Eindruck erweckt, der Staat könne vor allem und jedem schützen. Aber der Staat kann uns nicht jedes Risiko abnehmen. ... Unsere Demokratie lebt von Bürgerinnen und Bürgern, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen. Sie zieht ihre Kraft aus dem gemeinsamen Handeln. Damit staatliches Handeln wirksam ist, braucht es aktive Bürger als Gegenstück.

Dieser Zusammenhang ist uns als Landesregierung wichtig. Und ich spreche ihn aus, weil leichtfertige Versprechen der Politik am Ende immer das Gleiche bewirken: Sie zerstören Vertrauen. Vertrauen aber ist die wichtigste Ressource einer Demokratie – gerade in Zeiten wie diesen. Wir brauchen dieses Vertrauen – zwischen Regierung und Bevölkerung, aber auch untereinander. Denn was vor uns liegt, gelingt nur gemeinsam. ...

Die beiden fett markierten Passagen sind Schlüsselpassagen, allerdings muß ich zugeben, ich bin mir nicht sicher, wie neu und originell sie sind, weil ich jetzt natürlich nicht alle Regierungserklärungen der letzten Jahre durchlesen kann. Vielleicht sind es ja nur die üblichen Lippenbekenntnisse, auch wenn die neue Landesregierung in manchen Bereichen einen neuen Ton gesetzt hat, und ich das mit diesem Wissen im Hinterkopf las. Ich weiß auch nicht, was Özdemir vor dem geistigen Auge hatte, aber ich jedenfalls hatte für beide Passagen ein sehr konkretes Bild: 

Zum Ersten die Verbindung der individuellen Interessen mit denen einer Gemeinschaft. Ich glaube, ich weiß nämlich, warum das Bewußtsein für dies so stark erodiert ist. Es ist ja das von allen Seiten einschließlich der Politik als Selbstverständlichkeit unausgesprochen vorausgesetzte Ideal, daß jeder Bürger in jeder Lebenslage alleine zurechtzukommen können muß, also ohne Hilfe von anderen. Wo für jemanden dieses Ideal nicht erreichbar ist, soll er niemanden um Hilfe bitten müssen, wie das noch vor ein paar Jahrzehnten für normal gehalten wurde, sondern hat Ansprüche an den Staat. Das ist einerseits gut gedacht, es soll die Würde des Betroffenen wahren. Aber wenn man sich die aktuellen Debatten um die Grundsicherung anschaut, ist klar, daß der Staat gerade an diesem Anspruch, die Würde von Hilfeempfängern zu wahren, eindeutig scheitert. Denn stattdessen wird man ja von den Ansprechpartnern bei den Ämtern abhängig. Und da gibt es zwar wirklich auch fähige und faire Menschen, aber es ist reine Glückssache, ob man bei so jemandem landet, wenn man Hilfe vom Staat braucht. Das Gegenüber kann stattdessen ein bösartiger kleiner König sein der seine Macht gegenüber den ihm Ausgelieferten auskostet - und ausgeliefert ist man seinem Fallmanager erst einmal auf Gedeih und Verderb. Ein erbsenzählender Paragraphenreiter, der es bestimmt nicht einmal böse meint, kann ebensoviel Unheil anrichten.

Ich breche die Analyse an dieser Stelle ab, obwohl es noch viel dazu zu sagen gäbe.  

Wir brauchen aber tatsächlich wieder mehr Gemeinschaften, die Gelegenheiten geben, sich auf Augenhöhe bei Bedarf in manchen Lebenslagen gegenseitig unterstützen zu können, ohne dies als Primärzweck zu verfolgen. Das Ideal "Ich will mir immer alleine helfen können" - dem ich sehr wohl lange Zeit auch gehuldigt habe - ist nämlich eine Mogelpackung. Sie funktioniert auf Kosten von sozialen Beziehungen, in denen man sich gegenseitig immer auch allerhand Freundschaftsdienste leistet, und ersetzt diese durch bezahlte Dienstleistungen, also wieder: Ansprüche statt freiwilliges Entgegenkommen. Es hat mich erstaunt und auch betrübt, wieviele Freundschaften sich lockerten und irgendwann ganz versackten, als ich nicht mehr andauernd alle möglichen Leute um Hilfe bitten mußte - und meinerseits von ihnen um Hilfe gebeten wurde, wie das bei Alleinerziehenden bis zu einem gewissen Alter ihrer Kinder ja kaum vermeidbar ist. Als ich wirtschaftlich halbwegs autark geworden war, also mich dem Ideal ziemlich weit angenähert hatte, stellte ich fest, daß ich immer weniger und immer losere soziale Beziehungen hatte.

Es ist vernünftig, sich in Gemeinschaften zu bewegen, in denen man Hilfe bekommen und Hilfe geben kann, und zwar auf freiwilliger Basis und aus einem Bewußtsein der Verbundenheit heraus. Das alles ersetzt keine staatlichen Hilfen, aber es kann auch helfen, nicht in die Hilfsbedürftigkeit gegenüber dem Staat hinein- oder schneller wieder aus ihr herauszukommen, es kann moralisch unterstützen und kleine Erleichterungen mit sich bringen - und es fühlt sich auch gut an, wenn man trotz der eigenen Situation auch anderen in dieser oder jener Sache hilfreich ist. Aber vor allem wäre es ein Mittel gegen dieses Gefühl des Ausgeliefertseins irgendwelcher merkwürdiger Mechanismen, staatlicher oder wirtschaflticher, und natürlich auch gegen die Einsamkeit, die - wenig überraschend - als Folge des langjährigen Ideals des "sich immer alleine Helfens" neuerdings zur Volkskrankheit erklärt wird. Es bringt Menschen außerdem dazu, sich anderen Meinungen auszusetzen, die sie nicht mögen, und auch das wirkt psychisch stabilisieren und stabiliert damit auch politisch. 

Zum Zweiten bin ich schon seit Jahrzehnten der Meinung, der Staat ist einerseits zu übergriffig geworden, und das gerade im Bereich der persönlichen Risiken, etwa im Bereich Gesundheit. Aber andererseits hat jeder neue staatliche Schutz in diesem Bereich den Menschen nicht etwa das Gefühl vermittelt, besser geschützt zu sein, sondern sofort mindestens ein halbes Dutzend Forderungen nach sich gezogen, wo man sonst überall noch geschützt werden müsse, meistens solche, die strukturell ähnliche Dinge betrafen. Mit jeder Sache, die ihrer eigenen Entscheidung entzogen wird, scheinen Menschen auch ihre Befähigung zu verlieren, sich um ihre Angelegenheiten selbst zu kümmern. Und weil sie sich subjektiv unfähig dazu fühlen, soll es dann halt der Staat richten. Da der Staat aber schon jetzt mit seinen selbstauferlegten Aufgaben überfordert ist, möchte er natürlich nicht noch weitere übernehmen müssen.

Diesen Geist hat er selbst aus der Flasche gelassen, und so wäre es sein Job in diesem Spannungsfeld, neu zu definieren, was seine Aufgaben sind und was nicht, und dies mit einem roten Faden zu versehen, der einer Mehrheit einleuchtet und an dem man sich bei künftigen Rufen nach staatlichem Eingreifen orientieren kann, um zu beurteilen, ob dies zu Recht gefordert wird oder man verlangen könnte, daß die Leute sich selbst helfen. 

Wieviel von meinen Gedanken in Özdemirs Forderungen stecken - vielleicht viel, vielleicht wenig, vielleicht gar nichts -, wird sich zeigen. Mein Eindruck war aber immerhin, daß die Regierung Özdemir/Hagel sich das Ziel gesetzt hat, ein Gegenentwurf zur Bundesregierung und deren Art, ihre Aufgaben anzugehen, zu werden und damit vorzumachen, wie man konstruktive Politik macht und miteinander als Koalitionspartner anständig umgeht. Ob das durchgehalten werden kann, bleibt abzuwarten, ebenso, ob das auch für die Fokussierung auf Landesinteressen anstelle von Parteiinteressen gilt. Sie bemühten sich jedenfalls im Moment, eine entsprechende Haltung zu vermitteln, und das überzeugend genug, daß ich ihnen die gute Absicht jedenfalls einmal abkaufe. Wenn sie jetzt noch eine überzeugende Vision liefern, wo wir als Gesellschaft hinwollen, kann das mit etwas Glück der Befreiungsschlag der bürgerlichen Mitte werden, den die Bundesregierung nicht liefern kann, weil sie gar nicht kapiert, wo ihre Hauptfehler liegen. Ich bin mir auch ziemlich sicher, daß man auch finanzielle Einschnitte den Leuten vermitteln kann, wenn sie als Teil eines Gesamtkonzepts erkennbar sind, mit dessen Zukunftsvisionen sie sich grundsätzlich identifizieren können. 

Übrigens, auch als Nichtwähler hätte ich in einer direkten Entscheidung Cem Özdemir Manuel Hagel vorgezogen, weil er viel mehr politische Erfahrung mitbringt, nicht nur in der Sachpolitik, sondern auch im Umgang mit den unvermeidlichen innerparteilichen Fliehkräften. Daß der Hagel seinen Partei-(Sau-)Laden viel weniger im Griff hat, war angesichts seines Alters anzunehmen und man konnte es dann ja nach der Wahl auch live besichtigen, daß dieser Verdacht richtig war. Was die CDU da für ein Bild abgegeben hat, fällt natürlich auch auf Hagel zurück. Jetzt hat er fünf Jahre Zeit, im Amt zu wachsen und sich zu profilieren, danach sieht man weiter. Daneben finde ich es aber auch ziemlich schick, daß ausgerechnet das in großen Teilen ländlich geprägte Baden-Württemberg so wenig Probleme mit Özdemirs türkischen Wurzeln hatte, daß es als erstes Bundesland einem solchen Spitzenkandidaten zum Amt verholfen hat. Eigentlich hätte man ja eher vermutet, daß dies in einem der Stadtstaaten passieren würde, also Berlin, Hamburg oder Bremen. 

Ich bin der Meinung, die Band Füenf sollte ihren Song "Mir im Süden" um eine neue Strophe ergänzen, die dies thematisiert. Denn mir im Süden sind zwar vielleicht weniger dick aufgetragen progressiv und tolerant, als das in Berlin die einschlägigen Kreise immer so demonstrativ zelebrieren, und deshalb wollen wir auch einen Ministerpräsidenten, der so schwätzt wie onseroiner au. Da Özdemir das tut, ist er von hier und ist auch für bodenständige Dörfler in jedem Fall wählbarer als irgendein Kandidat, der gestochenes Hochdeutsch redet. Der Gedanke, jemanden, der Schwäisch schwätzen kann, für aus irgendwelchen verschwurbelten rassistischen Theorien heraus irgendwie genetisch problematisch zu halten, hat sich hierzulande bei der letzten Landtagswahl somit als nicht mehrheitsfähig herausgestellt. Und das ist in jedem Fall positiv. 

Diese Landesregierung hat eine große Chance, nämlich sich so vorteilhaft von der Entscheidungsfindung innerhalb der Bundesregierung abzuheben und vielleicht sogar - etwa mit den kühnen Plänen zum Bürokratieabbau - mit zukunftsweisenden Weichenstellungen bundesweit Maßstäbe zu setzen. Ob sie diesem Anspruch gerecht wird, werden wir sehen. 

***

Die Sache mit den Split-Klimaanlagen wird langsam konkret. Die letzten Tage habe ich mich noch einmal intensiver mit den auf dem Markt erhältlichen Geräten befaßt und stieß bei einem Hersteller, dessen Gerät in unserer engeren Wahl ist, auf einen Nachweis der Kältetechnik-Unternehmen in unserer Region, die dessen Anlagen verbauen. Eigentlich wollte ich ja eines direkt bei uns im Teilort beauftragen, aber dieses gehört leider nicht dazu. Dafür fand ich in dieser Liste aber eines, das ausschließlich Klimaanlagen verbaut - und ausdrücklich mit deren Heizmöglichkeiten wirbt. Das war nämlich der eine Punkt, der mir ein bißchen Sorgen gemacht hatte: Alle anderen Unternehmen, die ich gecheckt habe, bieten nicht nur Klimaanlagen, sondern alle möglichen haustechnischen Leistungen, darunter auch alle möglichen Heizlösungen an. Nirgends wurde aber das Heizen mit Klimaanlagen auch nur erwähnt, und so fragte ich mich schon, ob so ein Unternehmen uns vielleicht als Heizung nur widerstrebend ein Klimagerät einbauen würde, da wir uns weder für Solarthermie noch für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe begeistern lassen würden, und ob es überhaupt genügend Erfahrungen mit dieser Nutzungsart mitbringt, nicht nur technisch, sondern auch, was die Förderung betrifft. Denn heizen mit Klimaanlagen bedient ja weiterhin eine Nische. 

Hinzu kommt aber außerdem, daß dieser Nischenstatus vermutlich dafür sorgt, daß dieses spezialisierte Unternehmen etwas weniger überlaufen ist als diejenigen, bei denen man von Öl über Gas bis Wärmepumpe alles mögliche an Heizlösungen bekommen kann. Nun gut, jetzt ist natürlich die Jahreszeit, in der man auch wegen der Kühlung auf solche Unternehmen bereits zukommen könnte, aber mit ein bißchen Glück fällt das dem durchschnittlichen Klimaanlagen-Auftraggeber erst ein, wenn die Situation da ist, also die Innentemperaturen sich den 30 Grad nähern. 

Einstweilen habe ich den Kältetechniker noch nicht erreicht, womöglich ist er im Pfingsturlaub. Aber ich bin jetzt soweit, diese Sache aktiv in Angriff zu nehmen. Dafür haben wir den letzten Wohnungsverkauf auf August verschoben, in der Hoffnung, daß das Gebäudemodernisierungsgesetz bis dahin durch ist. 

Seit gestern besitze ich erstmals ein eigenes Smartphone, das ich im Herbst auf eine knapp einwöchige Reise mitnehmen will, eigentlich nicht so sehr zum Telefonieren, sondern eher, um Fotos machen und direkt verschicken zu können. Es geht nämlich an den Geburtsort meiner Mutter. Aber ich habe bereits festgestellt, daß dieses Gerät sehr nützlich ist, um herauszufinden, welche der in letzter Zeit aus dem Boden gekommenen Pflanzen bei uns im Garten die von uns freudig erwarteten Gemüsepflanzen sind und welche Unkraut. Ohne das Smartphone wüßte ich beispielsweise nicht, daß meine Alexandra-Kartoffeln - die letzten, schon arg verschrumpelten hatte ich kurzerhand neben der Terrasse eingepflanzt - tatsächlich kommen. Wir haben aber auch noch an anderer Stelle die kleinsten der im letzten Herbst ausgebuddelten Kartoffeln reingesetzt, und die kommen auch. Aber als dritte Kartoffel-Stelle kamen auch noch drei Überraschungs-Pflanzen, wohl aus Kartoffeln, die ich letzten Herbst beim Ernten übersehen hatte - etwas entfernt von der Stelle, wo ich gegraben hatte; daß da auch noch Kartoffeln sein könnten, hatte ich nicht erwartet. Mein Anfängerglück setzt sich also fort. Letztes Jahr wuchsen die Kartoffeln unerwartet zwischen allen möglichen anderen Pflanzen, vulgo Unkraut. Dieses Jahr will ich meinen Kartoffelpflanzen etwas mehr Freiraum verschaffen, und nebenbei lerne ich dann dank der Pflanzenbestimmungs-App auf meinem Smartphone auch endlich die Namen all dieser Unkräuter, die sich bei uns breitmachen. 


 

 

 

 

 

Montag, 18. Mai 2026

Flexitarier und Fleischersatzprodukte: Sie kommen aus der Mode

Mein Gewicht heute früh zum Start des viertägigen Fastenintervalls: 78,4 Kilogramm. 700 Gramm weniger als vor zwei Wochen - als ich die ersten beiden Tage mit Flohsamenschalen hinter mir hatte -, weshalb dieses Minus wahrscheinlich nicht einem geringeren Magen-Darm-Inhalt in die Schuhe geschoben werden kann. Wenn ich richtiges Glück habe, könnte das bedeuten, daß wirklich ein Zusammenhang zwischen der Verstopfung und dem hartnäckig nicht mehr runtergehenden Gewicht bestanden hat - aber natürlich ist es im Moment noch viel zu früh, um das sicher sagen zu können. 

Unabhängig von dieser Frage finde ich es wirklich angenehm, endlich wieder regelmäßig morgens nach dem Kaffee ein "menschliches Rühren" zu verspüren (von den 16 Tagen, die ich das mit den Flohsamenschalen jetzt mache, ist es bislang nur an einem einzigen Tag ausgeblieben), und alleine das schon ist ein guter Grund, diesen Effekt weiter zu nutzen. Sollte zusätzlich nun auch wieder eine vernünftige Gewichtsabnahme einsetzen, wäre das ein erfreulicher Bonus. Erfreulich natürlich auch deshalb, weil ich dann nicht weiter nach anderen Ursachen und deren Beseitigung suchen müßte, aber vor allem, weil ich dann endlich darauf hoffen kann, die letzten ärgerlichen 5 Kilogramm auch noch loszuwerden, die sich als besonders anhänglich erwiesen haben. 

Ich werde berichten. Aber schon jetzt bin ich heilfroh, daß ich keinen Arzt um Rat gefragt, sondern die richtige Lösung für die Verstopfung alleine gefunden habe. Andernfalls wäre mir bloß irgendein Medikament verschrieben worden, das a) nicht besser oder vielleicht sogar schlechter als meine Lösung gewirkt, b) teurer gewesen wäre und c) vielleicht ja irgendwelche Nebenwirkungen gehabt hätte. 

Etwas mehr als drei Jahre nach der OP hatte ich heute wieder eine Mammographie, deren Ergebnis auch voll und ganz zufriedenstellend war. Überrascht war ich aber, weil die Ärztin in meiner rechten Brust immer noch eine leichte Schwellung wahrnehmen konnte. Ich hätte jeden Eid darauf geleistet, daß das jetzt alles wieder völlig normal sei. Es sieht für mich halt normal aus und fühlt sich auch normal an. Um das zu erkennen, benötigt man wohl doch eine Spezialausbildung plus viele Jahre Routine. Immerhin, das zeigt, wie lange die Nachwirkungen so einer Behandlung offenbar für Fachleute noch erkennbar sind. Witzigerweise hat die Ärztin dafür die OP-Narbe erst nach einigem Suchen finden können. Sie ist wirklich schön unauffällig, aber ich kann sie sehen. 

 ***

Wenn sogar die TAZ das behauptet, wird es wohl zutreffen: Der Boom von industriell gefertigten Fleischersatzprodukten ist offenbar vorbei. Sechs Jahre lang nahm das Produktionsvolumen ständig zu. Im letzten Jahr ist es laut Statistischem Bundesamt erstmals wieder gesunken. Im Gegenzug wurde wieder mehr Fleisch verzehrt - tatsächlich setzte dieser Anstieg aber bereits im Vorjahr wieder ein. Dies wird darauf zurückgeführt, daß die Fleischpreise im Vergleich zu anderen Lebensmittelkosten kaum gestiegen sind. Jetzt hat mich natürlich auch interessiert, ob der Trendreport Ernährung dies ebenfalls widerspiegelt. Merkwürdigerweise gab es dieses Jahr aber bislang noch keinen. 

Überrascht bin ich darüber aber keineswegs, dafür habe ich schon zu viele andere Ernährungs-Hypes in den Supermarktregalen mit viel Trara kommen und ganz leise wieder verschwinden sehen. Zum zweiten kam der Fleischersatz-Hype mit ein paar Jahren Zeitverzögerung aus den USA herübergeschwappt, und dort ist der Trend schon ein Weilchen vorbei. Aber als dritter Faktor kommt natürlich auch noch dazu, daß der aktuelle Bundesminister für Landwirtschaft, ein gelernter Metzger, einen solchen Trend kaum aktiv vorantreiben wird. Und als vierter Faktor, und dafür kann man den Herrn Reiner wieder nicht verantwortlich machen, hat auch die Hurra-Medienberichterstattung erheblich nachgelassen. Die Wirkung dieses Faktors schlägt sich dann in solchen Umfrage-Ergebnissen nieder:  

Ich meine hier speziell die Entwicklung derjenigen, die angeben, sich "flexitarisch" zu ernähren. Was diese Leute damit jeweils meinen, sei dahingestellt - es sind jedenfalls alle diejenigen, die glauben, sie wären irgendwie moralisch verpflichtet, möglichst wenig Fleisch zu essen. Sich als Flexitarier zu bezeichnen, ist eine reine Absichtserklärung. Daß auch ein verblüffend großer Teil der selbsterklärten Veganer und Vegetarier in der Praxis anders ißt, als es ihr ernährungstechnisches Selbstbild eigentlich erlauben würde, habe ich an anderer Stelle ja schon einmal erwähnt. Es liegt also nahe, dies auch für die selbsterklärten Flexitarier anzunehmen. 

 Neu ist es, daß nach dieser Umfrage vor allem die selbsterklärten Flexitarier immer weniger zu werden scheinen. Vor zwei Jahren machten Flexitarier, Vegetarier und Veganer 56 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Inzwischen sind es zehn Prozentpunkte weniger. Ich glaube noch nicht einmal, daß dies Veränderungen im tatsächlichen Ernährungsverhalten widerspiegelt. Es spiegelt wider, daß eine soziale Erwünschtheit dieser drei Ernährungsweisen von vielen Befragten nicht mehr wahrgenommen wird, und dann fehlt der Druck, so zu antworten, daß man damit moralisch untadelig rüberkommt. 

Die Detailergebnisse finde ich interessant. Daß Vegetarisch/Vegan bei unter Dreißigjährigen um einiges verbreiteter als bei Älteren, aber dafür die Flexitarier bei den älteren Altersgruppen deutlich häufiger sind, war zu erwarten, ebenso, daß die Größe des Wohnorts einen Einfluß hat. Der Trend, vegetarisch oder vegan zu essen, ist ein Lifestyle junger gebildeter Großstädter im Westen, und dabei sind Großstädterinnen überrepräsentiert. Womit ich aber nicht gerechnet hatte, ist, daß das Merkmal "kinderlos" ebenfalls eine Rolle spielt. Sind Kinder im Haushalt, geben lediglich 39 Prozent an, entweder vegetarisch, vegan oder flexitarisch zu essen, und ausgerechnet die flexitarische Lebensweise ist auch als reine Absichtserklärung, wenig Fleisch essen zu wollen, bei Eltern fast so unbeliebt wie im Osten der Republik und der Anteil liegt sogar drei Prozentpunkte niedriger als bei den am wenigsten Gebildeten. Ich habe hin- und herüberlegt, was der Grund dafür sein könnte, und das einzige, was mir einfallen würde, ist, daß die Kinder das Zeug vielleicht ja häufig nicht mögen. Dafür könnte diese Entwicklung sprechen: 

 

Basis dieser Antworten waren allerdings nur die Befragten, die von sich selbst sagen, sie ernährten sich vegetarisch oder vegan. Die meisten Schwankungen bei den Antworten deuten nicht auf große Änderungen hin, aber mit einer Ausnahme: Der Anteil derjenigen, die angeben, diese Ernährung schmecke ihnen, ist von 2022 bis 2025 kontinuierlich, und das um immerhin zwölf Prozentpunkte gesunken. Das scheint mir tatsächlich ein Trend zu sein. Möglicherweise erklärt sich der starke Rückgang bei denjenigen, die ihre Ernährungsweise wohlschmeckend finden, ja darin, daß jeder, der eine Zeitlang auf zuvor gewohnte Ernährungsbestandteile verzichtet, diese irgendwann vermißt. Ich stürze mich ja auch nach jeder Low-Carb-Phase sehr enthusiastisch auf Weizenmischbrot, Bratkartoffeln und Heidelbeermuffins. Ein Teil des Reizes meiner vorübergehenden Low-Carb-Phasen besteht ja darin, daß ich keinem besonders geliebten Lebensmittel nachtrauern muß, weil ich sie ja wieder bekommen werde. Dafür koche ich außerhalb der LC-Phasen keines meiner zugehörigen Lieblingsrezepte - dann habe ich etwas, worauf ich mich bei LC freuen kann. Sechs Wochen sind übrigens gerade der richtige Zeitraum, um nichts zu vermissen. Bis dahin habe ich alle LC-Lieblingsrezepte durch und eine Reihe von neuen ausprobieren können. Die interessanteste Neuerung des letzten Winters waren diese Milchpulver-Brötchen. Im Herbst werde ich höchstwahrscheinlich einen größeren Eimer Milchpulver kaufen, um die öfter machen zu können. Ich bin allerdings noch unschlüssig, ob ich nicht doch lieber Magermilchpulver nehmen sollte. Nicht, weil ich Kalorien sparen möchte, sondern weil das Vollmilchpulver süßer schmeckt, und das trifft beim Frühstücken dann doch nicht ganz meinen Geschmack. 

Mit dem Sinkflug des Absatzes der Fleischersatzprodukte hat der Überdruß der Vegetarier am Geschmack ihres Essens aber kaum etwas zu tun. Für eine vegetarische oder vegane Ernährung - von flexitarisch ganz zu schweigen - sind solche Produkte ja sowieso nicht nötig. Wer sich ernsthaft vegan oder vegetarisch ernähren oder dies wenigstens relativ häufig tun will, der macht es vermutlich genauso wie ich, wenn ich Low Carb esse: Er tüftelt sich die passende Rezepte aus und kocht selbst, und das so, daß es einem wirklich schmeckt. Die Zielgruppe für Fleischersatzprodukte sind meiner Meinung nach weniger die Überzeugungstäter, sondern diejenigen, die sich gerne als Flexitarier sehen möchten und sich mit dem Griff zum ethisch korrekten Produkt vor allem ein weniger schlechtes Gewissen erkaufen. Würde das Zeug ihnen wirklich schmecken, könnte niemand sie daran hindern, sie weiter zu konsumieren, es muß dann ja auch nicht jeden Tag sein. Aber wenn nichtvegane Fertiggerichte schon nicht so besonders schmecken, warum sollte das bei veganen denn anders sein? 

 

Donnerstag, 14. Mai 2026

Flohsamenschalen, Wärmepumpen und gefiederte Terroristen

Mein Gewicht heute, feiertagsbedingt einen Tag vor dem zweiten von zwei Fastentagen diese Woche: 77,1 Kilogramm. Daran gibt es nichts zu meckern. Mein Gewicht ist seit der mißlungenen zweiten Endspurtphase in etwa stabil mit leichter (wäre ich Wissenschaftler, würde ich wohl schreiben: nicht signifikanter) Tendenz nach unten. 

Am Samstag ist es zwei Wochen her, daß ich mit den Flohsamenschalen begonnen habe, und ich muß sagen, ich bin recht beeindruckt von der Wirkung auf meine Verdauung. Nach zwei, drei Übergangstagen war es tatsächlich so, daß sich alles wieder ungefähr so anfühlt wie vor der Chemotherapie, seit der ich ja mal mehr, mal etwas weniger lästige Symptome von Verstopfung hatte. Ich bin bei so was ja langmütig und hatte der Sache Zeit gegeben, wieder von alleine normal zu werden, und es gab immer wieder Phasen, in denen es so viel besser war, daß ich dachte, es käme von alleine wieder an den Punkt des Status quo ante. Aber es sind jetzt mehr als zwei Jahre, seit ich meine letzte Trastuzumab-Infusion bekam, und nach einer ruhigeren Phase schlich sich die Sache nicht etwa aus, sondern wurde wieder intensiver. Da wurde es doch langsam mal Zeit, etwas zu tun. Die Flohsamenschalen wurden vor allem deshalb zu meinem Mittel der Wahl, weil ich sie sowieswo in meinen Low-Carb-Utensilien habe. Hätte mich die Wirkung nicht überzeugt, hätte ich etwas anders ausprobiert. Aber nach momentanem Stand scheint das nicht nötig zu werden. Das Zeug tut tatsächlich das, was es tun soll.  

Es klingt kontraintutiv, aber Flohsamenschalen wirken sowohl gegen Verstopfung als auch gegen Durchfall, weil sie die Konsistenz des Darminhalts in beiden Fällen in Richtung normal bringen können. Es ist also zwar möglich, daß der in ca. 70 Prozent der Fälle mit Pauken und Trompeten erfolgende "Abmarsch der Darmflora" am letzten Fastentag oder einen Tag darauf nur deshalb unterblieben ist, weil es eben ein Fall aus den dreißig anderen Prozent war, aber es kann natürlich auch sein, daß die Flohsamenschalen das bewirkt haben. Alleine das ist schon ein guter Grund, es bei langen Fastenintervallen beizubehalten und zu beobachten, wie es weitergeht. Aber ich finde die Wirkung auch magentechnisch recht angenehm und könnte mir sogar vorstellen, daß es manchen Leuten das Fasten erleichtern kann, die sich damit schwerer als ich tun, weil es das Gefühl eines vollen Magens vermittelt, ohne dafür irgendetwas zu sich genommen zu haben, das auch nur den geringsten Nährwert hat. 

Die Frage, ob man diese Dinger auch während des Fastens nehmen kann, halte ich damit für beantwortet. Falls die Wirkung so ausfällt wie bei mir, ist es ausdrücklich zu empfehlen. Also, ausprobieren. Damit wieder aufhören, falls es nicht überzeugt, kann man ja jederzeit.  

Im Web wurden zwischen einem und drei Teelöffel Flohsamenschalen empfohlen, und ich habe qua Bauchgefühl den Mittelweg, nämlich zwei, gewählt, weil ich nicht mit der niedrigstmöglichen Menge beginnen wollte. Bei diesen zwei TL werde ich bis auf weiteres wohl auch bleiben. Mit einem Schluck Wasser verrührt, quellen sie sehr rasch auf, und wenn man zu wenig Wasser nimmt, bekommt man eine zähe Masse, die im Mund kleben bleibt, während ich es eher ein bißchen unangenehm finde, wenn das Zeug in so viel Wasser ist, daß es noch getrunken werden kann. Mit etwas Übung bekommt man eine breiartige Masse, die man löffeln kann. Anschließend trinke ich einen halben Liter Sprudel, und ich merke es relativ schnell, wenn ich noch mehr trinken sollte, weil ich dann schnell wieder Durst bekomme. Abends sollte man das deshalb nicht nehmen, weil man über Nacht natürlich nicht trinkt und man dann eher zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen hat. Das könnte allerdings die Verstopfungssymptome sogar noch verschlimmern. Also empfehle ich eher eine Einnahme irgendwann zwischen morgens und mittags, anschließend direkt zwei 0,25-Gläser Wasser zu trinken und danach auf seinen Durst zu hören.  

Ob es auch einen Einfluß auf die Wirkung des Fastens hat, kann ich jetzt aber noch nicht sicher sagen. Das Kilo hin oder her, das ich im Vergleich zu vor zwei Wochen zu verzeichnen habe, könnte an sich alleine auf einen geringeren Magen-Darm-Inhalt zurückzuführen sein. Aber ich mache jetzt in jedem Fall noch zwei Wochen lang damit weiter, es täglich zu nehmen. Danach mache ich vier Wochen lang Einnahme nur während der langen Fastenintervalle sowie bei konkretem Anlaß - also, erneute Verstopfungssymptome -, und dann kann ich wohl auf Basis meiner Erlebnisse entscheiden, mit welcher der beiden Methoden ich bis auf weiteres weitermachen möchte.  

***

Die nächste mediale Attacke zur Durchsetzung der Widerspruchslösung bei der Organspende scheint angelaufen zu sein, jedenfalls fand ich bei der ZEIT sogar zwei Meinungsartikel (Nr. 1, Nr. 2), die interessanterweise auch nicht hinter einer Paywall versteckt wurden, also von möglichst vielen gelesen werden sollen. Wäre ich Verschwörungstheoretiker, wäre das für mich ein Beleg dafür, daß irgendeine "interessierte Seite" für die Freischaltung bezahlt hat. Wahrscheinlich jemand, dem es ein dringendes Bedürfnis ist, diese Sache endlich einmal durchzusetzen. An diesem Thema währt die Wühlarbeit der Befürworter ja schon eine halbe Ewigkeit. Ich nehme allerdings eher an, daß in der Redaktion jemand sitzt, dem es aus rein ideologischen Gründen ein Anliegen war, die Sache zu promoten. 

So gut ich verstehen kann, daß Zeitungen mit ihren Online-Ausgaben ja nicht umsonst hergeben können, was sie in der Printausgabe verkaufen, aber diese Paywalls haben ungute Nebenwirkungen, was die Art der Informationen betrifft, die der durchschnittliche Online-User zu lesen bekommt. Die haben nämlich eine Schlagseite in Richtung von Meinungsmache. Volltexte bekommt man typischerweise von Populisten und Ideologen oder auch von bezahlten Meinungssteuerern mit anderm, etwa kommerziellem Interesse. Meinungen, die besonders aggressiv promotet werden, sind aber für gewöhnlich weniger geeignet, Probleme zu lösen und manche von ihnen können auch alles noch viel schlimmer machen, wenn sie an Zustimmung gewinnen - wie das wahrscheinlich ist, wenn mehr Leute sie zu lesen bekommen als die Gegenmeinungen.Außerdem bekommt man ziemlich häufig auf Twitter oder Bluesky kleinere Textschnipsel aus Paywall-Artikeln, und es ist dann nicht möglich, zu überprüfen, ob sie im Rahmen des Kontexts wirklich den Sinn haben, der behauptet wird. Auf diese Weise tragen die Medien aktiv zur Zuspitzung und damit zur Desinformation mit bei, über die sie sich dann so entsetzen.

Ich begreife, ehrlich gesagt, nicht, warum es nirgends möglich ist einzelne Artikel gegen Vergütung freizuschalten. In Zeiten, in denen man sogar Briefmarken online einzeln kaufen und einzeln bezahlen kann, ergibt es nicht viel Sinn, einem ein Abo aufzunötigen, nur weil man einen einzelnen Bericht oder ein bestimmtes Interview im Spiegel etc. gerne lesen möchte. Für mich kann ich jedenfalls sagen, gelegentlich würde ich davon in jedem Fall Gebrauch machen, wenn es diese Möglichkeit gäbe. Aber für einen einzelnen Artikel schließe ich nicht gleich ein komplettes Abo ab. 

Zurück zur Widerspruchslösung. 

Was ich an der Widerspruchslösung grundsätzlich falsch finde, weshalb ich sie auch strikt ablehne, habe ich an anderer Stelle schon oft genug auseinandergedröselt. Ach ja, meine Nierenwerte sind übrigens so gut, daß mein Hausarzt bei Durchsicht der Blutwerte dazu eine freudig überraschte Bemerkung machte. In meinem Alter ist das offenbar nicht mehr so selbstverständlich. Was auch immer man von meiner Art des Intervallfastens halten mag, meinen Organfunktionen hat es jedenfalls nicht geschadet und wahrscheinlich ganz im Gegenteil einiges genützt. Aber die Nieren einer gewesenen Krebspatientin will sowieso niemand mehr transplantieren, egal, in welchem hervorragenden Zustand sie sind, also ist die Widerspruchslösung kein Problem, mit dem ich jemals persönlich konfrontiert würde. Trotzdem, der Organspendeausweis mit dem Nein bleibt vorsichtshalber in meinem Geldbeutel. 

Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, daß die Widerspruchslösung kommen wird. Vermutlich schaffen sie es schon in diesem neuen Anlauf, denn der Druck, sich als großer wohltätiger Zampano zu betätigen, ohne daß das viel kosten darf, war ja noch nie so hoch wie gerade jetzt, also bietet sich das für die Bundesregierung ja an. Aber falls es doch nicht in dieser Legislaturperiode geschieht, dann eben irgendwann später. Es sei denn natürlich, die Lage in Deutschland und der Welt spitzt sich so dramatisch zu, daß die Leute, die Geld oder ideologische Überzeugung investieren, um die Zustimmung zur Widerspruchslösung im n-ten Anlauf nun endlich erfolgreich durch das Parlament zu bringen, auf einmal genügend andere und dringlichere Sorgen haben. Oder sie haben als Nebeneffekt auch kein Geld mehr, was sie ihrer meinungssteuernden Möglichkeiten entheben würde. 

Wenn ich mir jetzt nur nicht so verdammt sicher wäre, daß mir deren dringliche Sorgen wahrscheinlich ebenfalls eigene dringliche Sorgen verschaffen werden, die ich wirklich nicht haben möchte, könnte man fast in Versuchung kommen, sich so etwas herbeizuwünschen. Ich nehme an, dieser letzte gedankliche Schritt ist es auch, den die meisten AfD-Wähler nicht vollziehen. Sie glauben ernsthaft, etwas Schlimmeres als die aktuelle Regierung könne ihnen gar nicht passieren. Mann, werden die sich noch wundern. Auch wenn ich den Frust an der aktuellen Bundesregierung durchaus teile. 

***

Das Gebäudemodernisierungsgesetz, das das derzeit gültige Gebäudeenergiegesetz ersetzen soll (beides in den Medien gerne auch "Heizungsgesetz" genannt), wurde im Kabinett beschlossen und soll noch vor der Sommerpause durch den Bundestag gehen. Nachdem schon die Fans des alten Gesetzes deshalb den Untergang des Abendlands (durch Untergang des Klimas) heraufbeschworen haben, kommen nun auch die Fachleute mit einiger Kritik. Also warten wir mit dem nun schon so lange verschobenen Wohnungsverkauf, bis endlich feststeht, wie das Gesetz wirklich aussehen wird, das dann hoffentlich bis spätestens Juli beschlossen wird. Nur um ganz sicherzugehen. Das ist mir ein bißchen lästig - und meinem Mann sogar noch mehr -, aber auf die zwei Monate kommt es uns im Grunde auch nicht mehr an. 

Sollte es so kommen, wie es geplant ist, dann halte ich zwar einen großen Teil der Änderungen für überflüssig und kann mir gut vorstellen, daß manches auch nicht ohne weiteres in der Praxis umsetzbar ist. Aber ich sehe wenig Schaden, der dadurch angerichtet werden kann. Meiner Meinung nach ist der Zug in Richtung Wärmepumpe (ob nun die bislang hauptsächlich promotete Luft-Wasser-Wärmepumpe oder die Luft-Luft-Wärmepumpe, aka Split-Klimaanlage) längst abgefahren. Denn die Nachfrage nach fossilen Heizungen ist jedenfalls bei Ein- und Zweifamilienhäusern, die in der Debatte immer unausgesprochen zugrunde gelegt werden, ja  kaum noch vorhanden

Aus dem verlinkten Bericht:  

 "Das alte Gesetz war technisch gut gemacht. Für die Ein- und Zweifamilienhäuser konnten wir es gut umsetzen."Mundle ist der Ansicht: Es wäre besser gewesen, Kleinigkeiten im bisherigen Gesetz anzupassen - wie etwa die Regelung für Fälle, in denen eine Wärmepumpe technisch keinen Sinn ergibt. Das trifft Mundle zufolge zum Beispiel auf Mehrfamilienhäuser mit vielen Wohnungen zu. Er sagt: "Da ist es oft schwierig, dass wir eine Wärmepumpe platzmäßig gar nicht oder technisch nicht unterbekommen."

Daß das Gesetz auf Mehrfamilienhäuser bezogen, technisch nicht gut gemacht war, finde ich im Gegensatz zu dem Heizungsbauer - der wohl wesentlich mehr mit Ein- und Zweifamilienhäusern zu tun hat und sie vor allem deshalb für wichtiger hält - überhaupt keine Kleinigkeit und ich finde es hochgradig irritierend, daß die Tagesschau das gar nicht hinterfragt. Dabei gibt es in Deutschland 43,9 Millionen Wohnungen, darunter befinden sich gerade mal 13,5 Millionen Einfamilienhäuser und 2,7 Millionen Zweifamilienhäuser. Wieso wird dann aber die Qualität des Gesetzes daran gemessen, wie gut es auf diese Ein- und Zweifamilienhäuser paßt, und das Nichtpassen auf Mehrfamilienhäuser, in denen sich die Mehrheit des Wohnraums befindet, wird unwidersprochen zu einer Kleinigkeit erklärt? 

Typisch ist es aber auch mal wieder, daß die Sonderproblematik der Wohnungseigentümergemeinschaften gar nicht erwähnt wird, in der das alte Gesetz in etlichen Fällen dazu führte, daß sie zu unwirtschaftlichen und auch in puncto Klimaschutz kontraproduktiven Weichenstellungen gezwungen werden konnten. Ich habe übrigens keinen Grund, mich der Illusion hinzugeben, daß die Frau Reiche in diesem Punkt der WEGs irgendwie kompetenter ist. WEGs interessieren in dieser Debatte schlichtweg niemanden, weder die Fans des alten Gesetzes noch diejenigen, die es ablehnten. Es war schieres Glück, daß der für WEGs besonders problematische Paragraph 71, Buchstabe L, sich zwischen 71a und 71p mitversteckte und deshalb bei der Streichung des Paragraphen einschließlich aller Unterparagraphen einfach miterschlagen wurde. Wäre er irgendwo anders gestanden, hätte nach den Besitzern von Eigentumswohnungen auch in dieser Regierung kein Hahn gekräht. 

Ärgerlich fand ich es, daß der von der Tagesschau zitierte Installateur offenbar die für WEGs besonders häufig relevante Etagen-Wärmepumpen entweder nicht kennt oder nicht für erwähnenswert hält, aber noch mehr, daß auch der Interviewer seine Hausaufgaben so schlecht gemacht hatte, daß er nicht nach ihnen fragte. So neu diese Lösung auch ist: Mein Installateur kennt sie bereits, zwei von drei Hausverwaltungen, mit denen ich zu tun habe, kennen sie ebenfalls. Daß der Mann Split-Klimaanlagen gar nicht erwähnt, ist begreiflicher, die werden ja nicht von solchen Betrieben eingebaut, sondern von Klimatechnikern. Aber auch das hätte die Tagesschau ruhig erwähnen können. Wie soll man denn von den Leuten erwarten, daß sie solche Möglichkeiten kennen, wenn sie totgeschwiegen werden? Aber die Medien werden es nicht verhindern können, daß sich solche Dinge herumsprechen und sich in absehbarer Zeit auch durchsetzen, falls sich die jetzt verfügbaren Lösungen bei denen, die sie einsetzen, in der Praxis bewähren - nur wird das dann halt ein bißchen länger dauern. 

Es mag also zwar sein, daß das GMG mehr dummes Zeug enthält als das GEG, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß die Wirkung dieses dummen Zeugs weniger negativ ausfallen wird als die des dummen Zeug aus dem GEG. Einfach deshalb, weil die Zielgruppe des GMG-Blödsinns sich sowieso in der deutlichen Mehrheit auch ohne Zwang für die kostengünstigere Lösung entscheiden wird, und das wären Wärmepumpen. Ich sehe keinen Grund, warum man auch die letzten zwei, drei Prozent der Immobilieneigentümer, die lieber Mehrkosten tragen als das Heizungssystem ändern würden, zu etwas zwingen muß. Das hat mehr mit irrationalen Bestrafungsphantasien zu tun, wie sie der heutige Zeitgeist immer so gerne ausleben möchte, als mit realen Erfordernissen. 

Als Projektionsfläche für solche Bestrafungsphantasien bieten sich Vermieter natürlich perfekt an, da sie in Wohnungsmangelzeiten sowieso für viele ein Feindbild sind. Tatsächlich  hatten die gesetzlichen Zwänge des bislang gültigen GEG aber das Ziel, Mehrfamilienhäuser eher in Richtung Wärmenetze zu führen. Es ist aber gerade nicht so, daß Fernwärme eine kostengünstige Art des Heizens ist, also war das GEG in dieser Hinsicht auch nicht sonderlich mieterfreundlich. Die Gesetzesänderung in Kombination mit den neuen Möglichkeiten, Gasthermen ohne viel Umbauaufwand durch Etagen-Wärmepumpen zu ersetzen, ist für Mieter viel vorteilhafter. 

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Unsere Küchenbaustelle macht Fortschritte, wenn auch langsamer, als es mir lieb wäre. Dafür habe ich andere Dinge, die ich schon ewig vor mir hergeschoben hatte, in Angriff genommen: Die Wanduhr ist zur Reparatur gegeben und wir haben einen Vorhangstoff entdeckt und gekauft, der sich jetzt bei der Schneiderin befindet. Mein Mann phantasierte davon, die Vorhänge für unser seit anderthalb Jahren vorhangloses Wohnzimmer selbst zu nähen, aber erstens haben wir weiß Gott genug anderes zu tun ,und zweitens war mir das Risiko zu groß. Ich habe vor Jahren schon einmal Vorhänge genäht und war mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden. Besser ist es, das jemandem zu überlassen, der sich auskennt. Außerdem habe ich endlich den Sperrmüll bestellt, nun kann ich allerdings nur noch beten, daß mein Göttergatte bis zur zweiten Juniwoche in der Küche so weit ist, daß wir die alten Oberschränke auch noch zu diesem Zeitpunkt entsorgen lassen können. 

Bislang habe ich das erste Gespräch mit dem Klimatechniker wegen der Splitanlage noch vor mir hergeschoben, weil ich gehofft hatte, daß wir die Küche zuvor noch fertigstellen können und dann nicht mehr das gesamte Haus wie eine Baustelle aussieht - weil überall Werkzeug, Material und herausgeräumtes Zeug aus den Küchenschränken herumliegt, das man im Moment nirgendwohin aufräumen kann -, aber das muß ich mir wohl abschminken. Also werde ich in der Woche nach dem Pfingstmontag wohl mal dort anrufen und einen Termin vereinbaren. 

Im Garten sind die ersten Rosen aufgeblüht, an den beiden Apfelbäumen verfolge ich voller Vorfreude die Entwicklung der kleinen Äpfel, und nachdem es noch einmal nachts ziemlich kalt geworden ist, werden wir wohl nächste Woche endlich die letzten Gemüsepflanzen einsetzen können. Leider sind wir aber aller Kohlrabipflanzen verlustig gegangen. Sie standen in ihren Töpfen in einem Folientunnel, den wir tagsüber aufgeklappt haben, und entwickelten sich wirklich gut. Ein Elsternpärchen fand es vor ein paar Tagen aber offenbar unterhaltsam, in diesen Töpfen zu graben. Sie haben keine einzige der Pflanzen verschont, diese verdammten Terroristen. 

 

Montag, 4. Mai 2026

Devote Aufsteigerangepaßtheiten, die renitente Unterschicht und die Zuckersteuer

Mein Gewicht heute früh zu Beginn des nächsten viertägigen Fastenintervalls: 79,1 Kilogramm. 1,2 Kilogramm weniger als vor zwei Wochen. Das hat - wenigstens zum Teil - vermutlich damit zu tun, daß die 80,3 Kilogramm vor dem letzten langen Fastenintervall nicht wörtlich zu nehmen waren, ein Indiz dafür war, daß im Anschluß die Abnahme eine der höchsten war, die ich in vier Fastentagen jemals erlebt habe. Ein anderer Teil könnte damit zusammenhängen, daß ich jetzt am Samstag endlich mit meinem Experiment mit den Flohsamenschalen beginnen konnte und tatsächlich den Eindruck habe, daß sich das erheblich auf meine Verdauung auswirkt. Ich habe den Eindruck, daß auch die 79,1 Kilogramm ganz ähnlich wie die 80,3 vor zwei Wochen zu werten sind, ich muß nämlich andauernd für kleine Bloggerinnen. 

Jetzt mache ich das erst mal zwei Wochen lang so weiter, wie ich begonnen habe, nämlich täglich zwei Teelöffel Flohsamenschalen, auch an Fastentagen. An normalen Tagen mit etwas Joghurt, an Fastentagen mit Wasser, das schmeckt zwar nach gar nichts, aber es ist auch nicht unangenehm. Danach trinke ich einen halben Liter Sprudel, weil das Zeug ja ordentlich aufquillt und deshalb viel Flüssigkeit braucht. Und zwar nehme ich das Zeug vormittags, aber erst nachdem ich den Kaffee getrunken und mich angezogen habe. Gestern habe ich das nämlich andersherum gemacht und hatte den Eindruck, das bekam mir längst nicht so gut wie am Tag davor, als ich es "richtigherum" gemacht habe. Abends wird davon abgeraten, und das leuchtet mir auch ein. Nachts trinkt man ja nicht, und war die Trinkmenge vorher zu gering, verstopft man mit zunehmendem Aufquellen ja erst recht. 

Nach zwei Wochen entscheide ich, ob ich es anschließend einmal für denselben Zeitraum mit Flohsamenschalen nicht täglich, sondern nur "bei Bedarf" ausprobieren will. Im Moment bin ich mir da noch unschlüssig. Vielleicht verlängere ich aber auch erst einmal um weitere zwei Wochen, falls ich dann noch nicht das Gefühl habe, sicher genug zu wissen, wie ich die Wirkung einschätzen muß. 

Ob die Sache "nur" auf meine Verdauung oder auch auf die Entwicklung meines Körpergewichts Einfluß haben wird, kann ich jetzt natürlich auch noch nicht sagen. Ich beobachte und werde berichten. 

***

Bei der TAZ fand sich nun doch jemand, der die Zuckersteuer kritikwürdig findet, allerdings aus anderen Gründen als ich. Wie bei der TAZ-Kritik an der Tabaksteuer ist aber auch dieser Einwand durchaus berechtigt. Mir war das gar nicht so bewußt, daß es bei der geplanten Steuer nur um Zucker in Limonaden geht, die - und auch das war mir noch nicht vollständig klar gewesen - im Ruf eines "Unterschichtengetränks" stehen, so, wie Rauchen auch eine Zeitlang als "Unterschichtenverhalten" gelabelt wurde. 

In Wirklichkeit steckt hinter dieser Sache eine andere Beobachten: Das Fehlen von Aufstiegsehrgeiz und der Bereitschaft, sich an das "gesellschaftlich Akzeptable" anzupassen. Das ist tatsächlich häufig dort zu finden, wo man sich bereits damit abgefunden hat, daß man einen Aufstieg sowieso nicht zu erwarten hat. Es kann aber auch bedeuten, daß man so weit aufgestiegen ist, daß einem die Dinge, die "man" tut oder läßt egal sein können - oder daß man es generell nicht einsieht, sich an solchen Vorgaben zu orientieren. 

Das Gesundheitsverhalten ist übrigens eine recht interessante Art, den Aufstiegsehrgeiz zu testen. Wenn ich es beispielsweise für typisches vorauseilend devotes Aufsteigerverhalten halte, bei Interviewfragen nach dem Hobby irgendeine Freizeitsportart anzugeben, dann pflegen die meisten Manager und sogar Mitglieder von Konzernvorständen tatsächlich auch ein devotes Aufsteigerverhalten. Das fällt mir nämlich seit zwanzig Jahren auf, daß neue Führungskräfte beim ersten Interview praktisch immer behaupten, regelmäßig zu joggen, mit dem Rennrad zu fahren oder sonst irgendwelche langweiligen Leibesübungen zu machen. Auch wenn manche von ihnen das wirklich gerne tun, diese Art der Freizeitgestaltung ist in diesen Kreisen zu omnipräsent, um wahr zu sein. 

Aber zurück zur "Unterschicht", der solche Anforderungen an einem gewissen Körperteil vorbeigehen, was immerhin ein Stück persönliche Autonomie verleiht. 

Wieder einmal bekommen „die da unten“ das Signal mitgegeben, dass ihre Lebensart falsch ist, während die Gebildeten angeblich alles richtig machen. 

Die Erkenntnis, daß Fruchtsäfte insgeheim ungefähr genauso ungesund sind wie Limonaden, ist zwar bei dem TAZ-Autor offenbar angekommen, aber sonst noch nicht so richtig verbreitet, vor allem unter gesundheitsbewußten Mittelschichtmüttern nicht. 

Ich gebe dem TAZ-Autor im Grundsatz recht, und zwar deshalb, weil ich genau weiß, wie sich diese permanente Grundstimmung der Gereiztheit anfühlt, wenn sich bei einem der Eindruck verfestigt hat, daß man ein Leben führt, für das einen die Gesellschaft ablehnen zu dürfen glaubt, und wie zusätzliche neue Belehrungen und Schikanen wie eine Verteuerung dessen, was man weiter konsumieren möchte, wirken, die einen in dieser Grundstimmung treffen. Das konditioniert  im Laufe der Zeit so sehr, daß man die Wände ebenfalls hochgeht, wenn einen eine dieser Belehrungen überhaupt nicht selbst betrifft. Da kann es durchaus sein, daß man sich als Biertrinker mit den Limotrinkern solidarisiert. Und sollte man auf eine gesellschaftliche Kraft stoßen, die einem das Gefühl gibt, das was man tut und auch tun will, sei völlig in Ordnung, mag man sie natürlich auch mehr als diejenigen, die einem andauernd mit dem Zeigefinger winken. 

Die Kommentare bei Bluesky zu dem TAZ-Meinungsartikel sind ein wahres Gruselkabinett der unterschiedlichsten Bretter, die Leute vor dem Kopf haben können, wenn sie völlig überzeugt davon sind, das Richtige zu wissen und zu tun. Wäre ich ein Lehrer, bekämen sie von mir alle eine Fünf für "Thema verfehlt". Der TAZ-Autor macht sich ja erkennbar viel größere Sorgen um die Umfragewerte der AfD als um gesundheitspolitische Fragen. Die Kommentatoren bei Bluesky haben nicht einmal die Fragestellung kapiert, vermutlich, weil sich ihnen der Zusammenhang nicht erschlossen hat. 

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Dieses verlängerte Wochenende haben wir damit verbracht, das wild wuchernde Unkraut im Garten zu dezimieren, alle möglichen Pflanzen einzusetzen und einige neue Jungpflanzen zu kaufen, bei denen die Anzucht dieses Jahr leider nicht geklappt hat, etwa - ausgerechnet - die Zucchini. Außerdem haben wir überall, wo wir nichts anpflanzen, sondern halbwegs trockenen Fußes durchlaufen wollten, mit Häcksel bestreut, damit es bei Regen nicht so glitschig ist. Mein Mann hat außerdem einen Teil des Holzstapels in der Feuerschale verbrannt und nebenbei zu meinem Entsetzen die Blätter an den äußersten Zweigen unseres Apfelbaums in der aufsteigenden Hitze zum Welken gebracht, weil die Feuerschale zu nahe am Baum stand. Wir hoffen, daß sich die Blätter wieder berappeln. 

Im Häckselhaufen fanden wir riesige Ungetüme von Engerlingen, sicherlich 10 cm lang, die ich so unheimlich fand, daß ich Google befragte. Nun weiß ich, daß wir Nashornkäferlarven (und vielleicht auch ein paar ausgewachsene Exemplare?) bei uns im Garten. Das ist gut, denn das sind keine Schädlinge, sondern Nützlinge. Sie ernähren sich vom Holzresten. Kein Wunder, wenn man es bedenkt. Im Garten waren ja jahrelang diese zwei abgestorbenen Bäume. Ein bißchen Altholz sollten wir unseren Nashörnern wohl weiter lassen. Da werde ich meinen feuerschalenbegeisterten Göttergatten wohl ein bißchen in seinem Eifer bremsen müssen. 

Mein Mann hatte ja den abfallenden hinteren Teil des Gartens terrassiert und mit selbstgeflochtenen Haselzäunen befestigt. Jetzt haben wir festgestellt, daß der Zaun lebendig geworden ist. Die Haselpflöcke im Boden treiben nämlich aus. Die Eichhörnchen und die Mäuse werden sich freuen. 

Donnerstag, 30. April 2026

Große Äpfel und kleine Birnen im Vergleich. Oder: Bullshitting für Kapitalanleger

Mein Gewicht heute früh nach dem zweiten von zwei nicht zusammenhängenden Fastentagen diese Woche: 75 Kilogramm exakt. Das ist okay und wäre sogar sehr gut, wenn ich nicht meine beiden Fastentage diese Woche um jeweils einen Tag vorverlegt hätte, weil ich heute zu einer Veranstaltung muß, bei der es Essen gibt und bei der ich essen möchte. Und morgen ist ja Feiertag, also konnte ich auch nicht in die andere Richtung verlegen, wenn ich an Feiertagen nur im äußersten Notfall einen Fastentag einlegen will. So habe ich natürlich aber vor Beginn des nächsten langen Fastenintervalls entsprechend einen Eßtag mehr, also muß ich am Montag mit einem Startgewicht von um die 79 Kilogramm rechnen, wie gehabt. 

Wegen meiner Küchenbaustelle habe ich bislang nicht mit dem Flohsamenexperiment begonnen. Es ist mir ja fast peinlich, aber das passiert mir in letzter Zeit mit vielen Dingen, die gerade noch nicht so aufgeräumt werden können, daß man eine Chance hat, sich zu merken, wo sie sind, und die außerdem zum Teil nur durch aufwendiges Ausräumen und Wegschieben von davorgestelltem Zeug zugänglich wären: Ich finde die nach dem Ende der Low-Carb-Phase zu gut aufgeräumten Flohsamenschalen gerade nicht und bin zu "schwäbisch", um mir deswegen kurzerhand neue zu kaufen. Da meine Verdauung im Moment aber zufriedenstellend ist, ist das auch nicht weiter tragisch. Ich hoffe zuversichtlich, nach dem Ende des langen Fastenintervalls nächste Woche damit loslegen zu können. 

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Die Gesundheitsreform scheint nun zu stehen, und sie soll sowohl die Zuckersteuer als auch die Erhöhung der Tabaksteuer enthalten, und angesichts der vielen Punkte, über die man wie die Kesselflicker gestritten hat, waren natürlich beide Maßnahmen viel zu unstrittig, um sie nicht zu beschließen. Das war mir auch von Beginn an klar, obwohl ich das erste für wirkungslos, aber immerhin ohne gravierende schädliche Nebenwirkungen halte und das zweite sogar für eine besonders schlechte Idee mit vielen Nebenwirkungen, die sich niemand im Ernst wünschen kann.

Das sollte ich wohl begründen, also hier eine Erläuterung:  

Die steuernde Wirkung von künstlichen Verteuerungen führt, wenn man es damit übertreibt, zu Nebenwirkungen, die jeden positiven Effekt übertreffen können. Im vorliegenden Fall wird sie die Gewinne des organisierten Verbrechens, das schon jetzt mit Tabakprodukten besser verdient als mit Heroin, unnötig in die Höhe treiben und damit ihre Handlungsmöglichkeiten weiter verbessern. Wenn an anderer Stelle darüber gerätselt wird, wie man der steigenden Kriminalität nur Herr werden soll: eine Steuerlast von 75 Prozent für ein eigentlich sehr billig herzustellendes Produkt (eine Schachtel Zigaretten läßt sich für 50 Cent herstellen) ist natürlich ein enormer Anreiz, dieses Produkt an der Steuer vorbei herzustellen und pro Schachtel das Drei- bis Vierfache der Kosten für Herstellung und Vertrieb als Gewinn einzustreichen. Daß mit diesem Gewinn Dinge finanziert werden, über die kein Grund zum Frohlocken besteht, darf man getrost voraussetzen. 

Die TAZ überraschte mich damit, daß sie mich bezüglich des Zuckers zur Verschwörungstheoretikerin erklärte, obwohl die Zahlen zur Entwicklung der Adipositas in Ländern mit Zuckersteuer doch frei im Web zugänglich sind und eindeutiger nicht ausfallen könnten, vor allem in Großbritannien, aber dafür Bedenken gegen die Tabaksteuer anmeldete, die in eine andere Richtung als mein obiger Einwand zielen, aber genauso berechtigt sind. 

Ich erinnere mich noch dunkel daran, daß ich schon vor zwanzig Jahren stutzte, als das DKFZ davon schrieb, daß Studien zufolge bei einer Erhöhung der Tabaksteuer um einen Betrag x, den ich nicht mehr genau weiß, zehn Prozent der armen Raucher mit dem Rauchen aufhören würden, und deshalb sei dies zu empfehlen. Anders ausgedrückt: Zwingt man arme Raucher, sich zwischen Rauchen und Essen zu entscheiden, dann entscheiden sich zehn Prozent, aufs Rauchen zu verzichten. Was aber essen dann eigentlich die anderen 90 Prozent? Und wieso findet das DKFZ diese Frage unwichtig? 

Die Sache ist halt die, und auch das habe ich irgendwann schon einmal im Blog ausführlicher beschrieben, daß es in Politik, Medizin und Gesellschaft eine unausgesprochene Einigkeit darüber zu geben scheint, daß arme Raucher gar nicht arm genug sein können. Das ist keine Fehlsteuerung, sondern wohl - allerdings höchstens halb bewußt - tatsächlich so gewollt. Niemanden juckt es außerdem, ob Raucher durch eine Maßnahme gesünder oder kranker werden, solange sie so verstockt sind, nicht mit dem Rauchen aufzuhören. Jedem von uns ist ja seit Jahrzehnten ständig eingehämmert worden, daß Raucher sowieso alle eines vorzeitigen und gräßlichen Todes sterben werden, wenn sie nicht aufhören, zu sündigen. Und da kommt es für die verstockten Sünder, die nicht aufhören wollen zu sündigen, auf ein paar Jährchen hin oder her anscheinend in den Augen vieler auch nicht mehr an. Das ist auch der eigentliche Grund dafür, warum nahezu jeder Raucher ständig ungefragt davon anfängt, daß er eigentlich gerne mit dem Rauchen aufhören würde. 

Der Einwand des einsamen Rufers in der gesundheitspolitischen Wüstenei ist also ehrenwert und durchaus realistisch, wird aber natürlich unbeachtet bleiben. 

Die Gesundheitsreform hat freilich auch gar nicht den Sinn, irgendwen gesünder zu machen, sie soll nur die Krankenkassenfinanzen in Ordnung bringen, und das ist an sich ja ein unterstützenswertes Ziel, sogar wenn man Raucher ist und weiß, daß man in den Augen von Gesundheitspolitikern eigentlich am besten sofort tot umfallen sollte, damit sie einen Raucher weniger in der Statistik haben. Dabei flüchtete man sich aber leider in die üblichen Flickschustereien, anstatt sich endlich einmal an einen systemischen Umbau zu wagen. Für ein paar Jahre wird es jetzt möglicherweise wieder halbwegs funktionieren. Aber wir dürfen sicher sein: Die nächste Gesundheitsreform ist nur um die zehn Jahre herum von uns entfernt. 

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Man muß sich schon wundern, mit welcher Vehemenz Experten Menschen mit Warnungen erschrecken zu müssen glauben, wo dies nicht oder zumindest nicht in dieser Absolutheit gerechtfertigt ist, und warum dies teils mit Begründungen tun, die von denjenigen, die Erfahrung mit dem haben, wovor gewarnt wird, leicht als absurd erkannt werden können. So ganz sicher bin ich mir auch nicht, ob solche Leute das, was sie sagen, wirklich selbst glauben. Zum Glück bin ich ambiguitätstolerant genug, um keinen Druck zu spüren, dies zweifelsfrei mit einem Ja oder einem Nein beantworten zu müssen. Anders als der Durchschnittsverschwörungstheoretiker kann ich mir schon vorstellen, daß es auch einfach ein Ausdruck von Zahlengläubigkeit aus ehrlicher Überzeugung ist, die sich zwar für wissenschaftlich fundiert hält, es aber nicht ist. Meistens geht es ja um Zahlenspielereien, die in sich logisch sind und deshalb, wenn keine persönliche Erfahrung hinzukommt, erst mal plausibel wirken. Weil sie aber am Kern der Frage vorbeizielen, bekommt man auf diese Weise aber trotzdem Antworten, die, wenn man Glück hat, nur irrelevant sind, im ungünstigen Fall aber auch Schaden anrichten können.  

Das beschränkt sich nicht nur auf Gesundheitsfragen, obwohl die Kritik in diesem Themenbereich bei mir am häufigsten vorkommt. Ich habe längst aufgehört, irgendetwas ungeprüft zu glauben, wenn mit Statistiken oder modellhaften Annahmen argumentiert wird, allerdings ist es natürlich unmöglich, alles selbst zu überprüfen, wenn man sich bei einem Thema nicht auskennt. Und vieles interessiert mich dann doch nicht so dringend, daß ich dafür eine Ausnahme machen würde. Deshalb enthält die innere Landkarte meines Wissens mehr weiße Flächen als eine Afrikakarte des 16. Jahrhunderts. 

Aber mit Immobilien kenn ich mich nun wirklich gut genug aus, also habe ich eine ziemlich klare Meinung zu der Antwort, die auf der Tagesschau-Website am 22.2.26 auf die Frage "Ist es besser, Wohnraum zu kaufen oder zu mieten?" gefunden wurde. Im Wortlaut: 

Die Kosten, die für die Zahlung der Miete aufgewendet werden müssen, sind in aller Regel geringer als das, was der Käufer monatlich für Kredit und Instandhaltung aufwenden muss. 

Dabei wird auf den "Finanztipp-Rechner" verwiesen, der von folgender Modellberechnung ausgeht: 

Der Käufer zahlt monatlich 2.181 Euro für Kredit und Instandhaltung. Und der Mieter, der monatlich nur eine Belastung von 1.000 Euro für die Miete hat, investiert die übrigen 1.181 Euro. Das Ergebnis fällt bei diesem Beispiel zugunsten des Mieters aus: Der ist nach 25 Jahren rund 200.000 Euro reicher als der Käufer.

Das ist Bullshit von so spektakulären Ausmaßen, daß man erst mal gar nicht so recht weiß, wo man mit der Kritik überhaupt anfangen soll. 

Klammern wir zunächst aber mal einige Variablen aus, die in der Realität eigentlich wichtig wären, aber hier von der Frage wegführen würden, auf die ich eine Antwort geben möchte. Setzen wir also voraus, daß der Mieter in dem Vergleich diszipliniert jeden Monat den genannten Betrag spart (was in Wirklichkeit die wenigsten tun würden, auch, weil die wenigsten in der Lage sind, jeden Monat für Miete, Nebenkosten und Sparleistung 2500 Euro einzuplanen) und daß er dabei tatsächlich im Durchschnitt eine Rendite von 6 Prozent voraussetzen kann (was durchaus auch anders laufen kann). Setzen wir außerdem voraus, daß der Eigentümer das nötige Eigenkapital für einen Immobilienerwerb aufbringt und von seiner Bank eine Finanzierungszusage bekommt, obwohl mir klar ist, daß diese beiden Punkte die eigentlichen Hürden sind, wenn jemand ein Haus oder eine Eigentumswohnung kaufen will.  

Vielleicht wäre es in so einem Fall, wenn man glaubt oder erlebt hat, daß man an dieser Hürde nur scheitern kann, dann ja sogar ein kleiner Trost, wenn man glauben könnte, als Mieter sei man sowieso besser dran, also müsse man sich nicht grämen, wenn man sich Wohneigentum von vornherein nicht leisten kann. Bloß, diese zitierte Berechnung ist Kokolores, völliger und ziemlich haarsträubender Blödsinn. Das kann ich auch beweisen. 

Bullshit verbreitet die Tagesschau unter obigem Link erstens deshalb, weil der Vermögensstand nach 25 Jahren ein willkürlich gewählter Endpunkt des Vergleichs ist, obwohl das Leben des Käufers wie des Mieters danach ja noch weitergehen wird. Und zwar ist es noch dazu ein Endpunkt, in dem der Mieter in dem obigen Vergleich gerade den Moment erlebt, in dem er den maximalen Vorteil genießt, während die angenehmsten Zeiten des Eigentümers jetzt erst kommen werden. 

Angenommen, die beiden Vergleichspersonen waren zu Beginn des Vergleichs 40 Jahre alt, dann sind sie nun nämlich 65, stehen also kurz vor dem Ruhestand, und der Eigentümer hat sein Objekt wahrscheinlich gerade  abbezahlt. Gemäß der Beispielberechnung würden bei ihm nun also 1781 Euro Finanzierungskosten im Monat wegfallen. Der Mieter hingegen müßte bei Renteneintritt von seinem halbierten Einkommen weiterhin eine Miete von 1000 Euro plus 25 Jahre mal 2,2 Prozent Mietsteigerung aufbringen, das wären 1550 Euro laufende Kosten nur für die Kaltmiete, also zusammen mit den Nebenkosten an die 2000 Euro. Damit wäre nicht einmal mit einer Maximalrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung (ca. 2500 Euro netto) der laufende Bedarf gedeckt. Gut also, daß Vermögen vorhanden ist! Es wird aber von nun an nicht mehr weiter steigen, sondern stagnieren oder sinken, je nachdem, wie sich die Märkte entwickeln und was für einen Lebensstil man im Ruhestand pflegen will, denn nun ist eine weitere Kapitalanlage nicht mehr möglich. Das alles ist aber nicht weiter tragisch, denn das Vermögen bleibt voraussichtlich dauerhaft hoch genug, um dem Mieter einen sorgenfreien Lebensabend zu bieten. 

Theoretisch könnte der Eigentümer nun aber anfangen, auch Geld anzulegen, um den Mieter doch noch zu übertrumpfen. Nur, warum sollte er das eigentlich tun, wenn er stattdessen sich auch seinen Ruhestand einfach nur angenehm und komfortabel machen kann? Sowohl der Mieter als auch der Eigentümer haben unter Annahme der im Zitat vorgegebenen Bedingungen im Alter ein Vermögen in sechsstelliger Höhe, womit sie zu den reichsten zwanzig Prozent der Bevölkerung gehören. Einen inneren Drang zu dieser Art von finanziellem "Schwänzemessen", wie er solchen Vergleichen als vermeintliche Selbstverständlichkeit zugrunde liegt, würde ich eher für ein alarmierendes Signal falsch gesetzter Lebensprioritäten halten. Es gibt eine unausgesprochene Grundannahme in diesem Berechnungsmodell, und die lautet, daß derjenige, der am Ende mehr Geld hat, es auch besser hat als der andere. Daß der endgültige Endpunkt nicht so gesetzt werden kann, wie es im Beispielfall geschieht, ist das eine, daß der Tod diesen Endpunkt setzen wird und beide nichts von ihrem Vermögen mitnehmen können, das andere. Das gilt noch mehr, falls keine Nachkommen da sind, was ja heute keine Seltenheit mehr ist. Dann fließt bei beiden halt das, was am Ende noch übrig ist, an den Fiskus. Dafür muß man nun wirklich nicht den Ehrgeiz entwickeln, einen noch Reicheren, als man es selbst sowieso auch ist, noch übertrumpfen zu wollen. 

Daneben würde eine Bewertung über die rein monetären Faktoren hinaus, quasi das "Bruttosozialglück", im Vergleich zwischen Eigentümer und Mieter deutliche lebenspraktische Nachteile für den Mieter ergeben. Er ist es, den weiterhin die Eigenbedarfskündigung mit allen damit verbundenen Streßfaktoren erwischen kann - und je älter man ist, desto geringer der Spaßfaktor daran. Er ist es auch, der weiter Mieterhöhungen bekommen wird oder sich vielleicht mit einem unkooperativen Vermieter über Reparaturbedarf herumärgern muß. Der Eigentümer kann einfach die Maßnahme in Auftrag geben und aus seinem nach 25 Jahren vermutlich gut gefüllten Rücklagenkonto für Instandhaltungen (siehe weiter unten) bezahlen, und zwar in der Qualität und in dem Zeitrahmen und bei dem Handwerker, der ihm selbst am besten in den Kram paßt. Finanzielle oder geldwerte Vorzüge gegenüber dem Mietobjekt hat Wohneigentum außerdem dann, wenn man beim Erwerb genau wußte, was man brauchen würde, und nicht einfach das erstbeste Objekt nehmen mußte, das man bekommen konnte, wie das bei Mietwohnungen ja nicht selten unvermeidlich ist. Größere Nähe zum Arbeitsplatz bedeutet einen Gewinn an Lebenszeit, niedrigere Fahrtkosten und je nachdem ist sogar ein Verzicht aufs Auto möglich, womit man die damit verbundenen Kosten und Kostenrisiken auch noch vermeiden kann. Auch in Sachen Energieeffizienz hat man als Eigentümer größere eigene Handlungsspielräume, wenn sie auch je nach Art des Objekts (Eigentumswohnung vs. Einfamilienhaus) begrenzter oder weniger begrenzt sein können. Das alles müßte in einem Vergleich zu einem bezifferbaren Vorteil für den Eigentümer führen, der ebenfalls mehrere hundert Euro pro Monat ausmachen kann. Ich sehe allerdings ein, daß der möglichen Variablen hier zu viele sind, um dies auch in eine solche Berechnungsformel einfließen lassen zu können. 

Das, wie gesagt, ist die Analyse, wenn man die Vorgaben des Beispielfalls als richtig akzeptiert. Aber das mache ich nicht, denn der Vergleich ist so falsch wie der zwischen einer zwischen einem großen Boskoop-Apfel und einer Gaishirtle-Birne.  

Zum zweiten ist es nämlich Bullshit, eine Mietwohnung, für die 1.000 Euro Kaltmiete bezahlt werden, mit einer Eigentumswohnung zu vergleichen, für die ein Kaufpreis von 400.000 Euro bezahlt wird. Das ist, als würde man so tun, als wären die Kosten für eine 60-qm-Wohnung typischerweise dieselben wie die für eine 90-qm-Wohnung - in meiner Stadt würde ich bei der Miethöhe einerseits und dem Kaufpreis andererseits nämlich diese beiden Wohnungsgrößen vermuten. Es mag regionale Unterschiede bei Miethöhen und Kaufpreisen geben, aber den Fall, daß dieses Beispiel zwei gleichwertige Wohnungen vergleicht, gibt es im Jahre 2026 meiner Meinung nach nirgends in Deutschland. Für eine Wohnung mit einem solchen Kaufpreis blättert man als Mieter in meiner Stadt jedenfalls aktuell Minimum 1500 Euro Kaltmiete hin, wenn man Pech hat, können es auch 2000 sein. Umgekehrt betrachtet: 1000 Euro, das wird in meinem hochpreisigen früheren Stadtteil typischerweise für Wohnungen mit um die 60 Quadratmetern bezahlt, und für die ist ein Kaufpreis von 400.000 Euro wiederum völlig utopisch. Wohnungen, die für 1000 Euro kalt vermietet werden, kosten bei durchschnittlicher Ausstattung und ohne Sanierungsstau in einem guten Wohnviertel um die 300.000 Euro, Tendenz eher ein bißchen weniger. 

Ich könnte mich mit der Tagesschau noch darauf einigen, daß ein Mieter, der 1.000 Euro Kaltmiete bezahlt, unbedingt abwinken sollte, falls sein Vermieter ihm seine Wohnung für einen Kaufpreis von 400.000 Euro zum Kauf anbieten sollte, denn das wäre für ihn ein sehr unvorteilhaftes Geschäft. Aber das gibt keine Antwort auf die Frage, welche Preise zur Debatte stünden, wenn der Mieter stattdessen selbst auf die Suche ginge und eine seiner Mietwohnung vergleichbare Wohnung zu einem marktüblichen Preis erwerben würde. Tut der Mieter das und wird mit einem Objekt, das 300.000 Euro zzgl. Kaufnebenkosten kostet, zum Wohnungseigentümer - eine durchaus realistische Option und leichter zu finden als eine Mietwohnung für 1.000 Euro kalt -, dann ist es aber laut dem Finanztipp-Rechner von vornherein der Käufer, der bereits nach 25 Jahren eindeutig finanziell die Nase vorn hat. Dasselbe gilt in noch sehr viel höherem Maße, wenn man dem Kaufpreis von 400.000 Euro eine realistische Kaltmiete von 1500 Euro gegenüberstellt. 

Bullshit, zum dritten, sind auch die im Rechner voreingestellten Kosten für Instandhaltung. Bei dem utopischen Kaufpreis werden 400 Euro monatlich dafür angenommen, bei dem realistischen, den ich gegenübergestellt habe, sind es 300. Diese Kosten sind natürlich nicht vom Kaufpreis abhängig, sondern von der Wohnungsgröße 

Aber auch den niedrigeren Wert finde ich noch überhöht. 

Unterscheiden muß man hier die Instandhaltungskosten für das Gemeinschaftseigentum. Dafür ist im Hausgeld eine Instandhaltungsrücklage vorgesehen. Die macht bei meinen vermieteten Wohnungen, Größe zwischen 40 und 85qm, zwischen knapp 40 und ca. 80 Euro monatlich aus. Für unvorhergesehene hohe Ausgaben für Instandhaltungsarbeiten im Sondereigentum, also innerhalb der Wohnung, fände ich bei einer 60-qm-Wohnung eine Rücklage von 80 Euro monatlich völlig ausreichend. Für kleinere Reparaturen - sagen wir, mindestens für alles bis zum mittleren dreistelligen Bereich - muß man nämlich nicht unbedingt diese Rücklage einsetzen, sondern so etwas kann man auch aus dem laufenden Einkommen bezahlen. Die Rücklage ist eine notwendige finanzielle Reserve für kostspielige Instandhaltungen, die den Rahmen dessen sprengen, was man im Monat für allerhand Sonderausgaben im privaten Bereich übrig hat, also den vier- und fünfstelligen Bereich. Sagen wir: Neue Fenster, Einbau einer Fußbodenheizung ... whatever. Dafür braucht man selbstverständlich eine Rücklage, um nicht ins Schleudern zu kommen. Es könnte zwar seinen Sinn haben, für den Anfang ein oder zwei Jahre lang etwas mehr anzusparen, weil hohe Ausgaben ja unerwartet früh auf einen zukommen können, aber ansonsten sind die meisten Großausgaben planbar und lassen sich auch erforderlichenfalls ein oder zwei Jahre verschieben. Hat man einmal 3000 bis 4000 Euro in Reserve, dann reicht es völlig, pro Jahr einen Tausender zu ergänzen. Es braucht schon gewaltiges Pech, um dann jemals in die Verlegenheit zu geraten, die gesamte Rücklage verbraten zu müssen. 

Hinzu kommen aber natürlich noch die Verwaltungskosten des Gemeinschaftseigentums, die gar nicht erwähnt werden. Dafür muß man um die 30 Euro dazurechnen. Aufgerundet komme ich also auf 200 Euro monatlich für Instandhaltung plus Hausverwaltung. Der Nutzen von noch mehr jahrelang brachliegendem Kapital leuchtet mir gerade dann nicht ein, wenn man dieses Geld stattdessen auch dazu nutzen könnte, seine Finanzierung schneller voranzubringen und dadurch Zinsausgaben zu sparen. 

Bullshit Nr. 4 ist dies hier: 

Wer ein Haus kauft und einen Kredit abbezahlen muss, kann das nicht einfach pausieren wie einen ETF-Sparplan. Die Kreditrate wird jeden Monat abgebucht, über 20, 25, oder 30 Jahre. Ob man will oder nicht: Man spart - und hat am Ende der Laufzeit ein abbezahltes Haus, das einen Vermögenswert darstellt.
Klammern wir hier mal aus, daß mit Selbstverständlichkeit ein Einfamilienhaus zur Grundlage wird, was eigentlich nicht der häufigste Fall ist. In Städten wird es fast immer eine Eigentumswohnung sein. Abgesehen davon ist ein Einfamilienhaus auch nur in bestimmten Familienkonstellationen einer Eigentumswohnung vorzuziehen. Warum sollte etwa ein Single gleich ein ganzes Haus kaufen wollen? 

Aber sei's drum. Argumentieren wir trotzdem am zitierten Beispielfall. 

Niemand wird auch beim Erwerb eines Einfamilienhauses gezwungen, eine Darlehenslaufzeit von 25 Jahren zu wählen, und das ist in dem Rechner außerdem auch gar nicht vorgesehen. Vielmehr wird eine zehnjährige anfängliche Zinsbindung vorausgesetzt, das heißt, das Beispiel setzt voraus, daß für das Restdarlehen noch zweimal Anschlußfinanzierungen benötigt werden, die dann zu dem dann geltenden Zinssatz sein werden - und niemand kann sicher sagen, in welche Richtung sich die Höhe der Zinsen entwickeln wird. Das ist im Beispielfall also nicht gerade planungssicher gelöst worden. Der im Beispielfall voreingestellte Zinssatz ist für ein Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung aber außerdem zu hoch, typischer sind 3,8 Prozent. 4 Prozent werden in etwa bei 15jähriger Zinsbindung verlangt. 

Aber diese 15jährige Variante fände ich sowieso besser. Dann ist der Zinssatz zwar ein wenig höher, bietet einem aber durch die Möglichkeit von Sondertilgungen die m. E. bestmöglichen Gestaltungsspielräume bei gleichzeitig hoher Planungssicherheit, deshalb würde ich das jederzeit einer Finanzierung mit 3 oder 4 Prozent jährlicher Tilgung anstelle der üblichen 2 Prozent vorziehen, denn dann muß man wirklich diese höheren Kosten Monat für Monat aufbringen. Pro Jahr kann man bei fast allen Anbietern von Baufinanzierungen bis zu 5 Prozent des Darlehensbetrags pro Jahr an Sondertilgungen leisten. Wenn man kann und wenn man will. In diesem Teil  ist man also genauso flexibel wie der Mieter mit seinen ETFs oder anderen Geldanlagen, mit denen er pausieren oder den Betrag verringern kann, wenn ihm andere Kosten in die Quere kommen. Es ist also möglich, eine beliebige Zahl von Sondertilgungen pro Jahr bis zur Obergrenze von 5 Prozent der Darlehenssumme leisten. Im günstigsten Fall, wenn man jedes Jahr das maximal Mögliche an Sondertilgungen leistet, ist das Darlehen bereits vor Ablauf der 15 Jahre vollständig getilgt und der Zinsanteil ist unter dem Strich besonders niedrig. Aber das dürfte nicht gar so häufig vorkommen. Falls der Zufall es fügen sollte, daß man es doch könnte, sollte man es tun, denn dann spart man eine Menge Zinskosten und könnte dem Mieter samt seinen ETFs außerdem schon nach 15 Jahren aus einem belastungsfreien Eigenheim zuwinken. 

Natürlich sind auch Sondertilgungen in niedrigerer Höhe und in unregelmäßigen Abständen möglich und empfehlenswert, wenn die Einkommenssituation es zuläßt. Alle Sondertilgungen verringeren den Restbetrag, für den man nach 15 Jahren noch einmal eine Anschlußfinanzierung zum in 15 Jahren dann geltenden Zinssatz vereinbaren muß. Das erhöht die Planungssicherheit im Vergleich zu zehnjährigen Zinsbindung, denn je höher das Restdarlehen, desto stärker würde ein kräftigerer Zinsanstieg zu Buche schlagen. Das, glaube ich, unterschätzen viele. Wie viele, das wird sich in vier bis fünf Jahren aufgrund der Entwicklung von Quadratmeterpreisen und Zinssätzen herausstellen. Dann nämlich enden die zehnjährigen Zinsbindungen der Jahre 2020 und 2021, in denen Niedrigstzinsen mit Höchstpreisen verbunden waren, und ich stelle mich schon jetzt darauf ein, daß Anfang der Dreißiger sehr wahrscheinlich darob ein großes Heulen und Zähneklappern anheben wird, gefolgt ein paar Jahre später von einer Zwangsversteigerungswelle, weil diejenigen, die zu leichtsinnig finanziert haben, die Mehrkosten für das Anschlußdarlehen nicht mehr stemmen können werden, während die seinerzeit bezahlten Preise bei einem Verkauf aber natürlich auch nicht mehr erzielbar sind. Wer begriffen hat, was da auf ihn zurollt, wird wahrscheinlich täglich auf Knien um ein Sinken der Hypothekenzinsen beten, was gleichzeitig auch dazu führen würde, daß die Kaufpreise wieder steigen. 

Im umgekehrten Fall, wenn also die Zinsen sinken sollten und es absehbar ist, daß die Anschlußfinanzierung günstigere Konditionen aufweisen wird als das ursprüngliche Darlehen, kann man auch die Sondertilgungen bleiben lassen und einfach die Anschlußfinanzierung zu günstigeren Kosten wählen. Oder man kann den Betrag, den man für Sondertilgungen verwendet hätte, anderweitig anlegen.  

So ein Darlehen kann mal also sehr wohl so ausgestalten, daß es einem gute Spielräume bietet, um auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. 

Bullshit Nr. 5 besteht darin, daß der Online-Rechner den Anlagebetrag des Mieters je nach den Vorgaben der beim Käufer eingestellten Eckwerte erhöht oder verringert. So flexibel ist man als Mieter allerdings auch wieder nicht, daß man die Höhe seiner Sparleistung von der Darlehenshöhe und den Darlehensbedingungen seines Nachbarn abhängig machen kann, nur weil der die Wohnung nebenan nicht gemietet, sondern gekauft hat. Überhaupt fehlten mir in der Modellberechnung auch ein paar Eckdaten zu den angenommenen Käufern, Familiengröße, Einkommen, Perspektiven der Einkommensentwicklung und so weiter. Im Beispielfall finde ich eine regelmäßige Sparleistung von 1181 Euro jeden Monat 25 Jahre lang ziemlich ambitioniert, wenn man Wohnkosten von 1000 Euro kalt sowie die Nebenkosten dazurechnet. Alleine für Wohnen und Sparen muß dieser Mieter anfangs monatlich 2500 Euro übrig haben, und gegen Ende des Vierteljahrhunderts wird er dafür wegen der vorausgesetzten Mieterhöhungen 3000 Euro aufbringen müssen. Was für eine Berufslaufbahn muß man bei diesem Mieter denn voraussetzen? Bankräuber? 

Daß der Eigentümer vor dem Erwerb Eigenkapital hatte und der Mieter erst in dem Moment, in dem der Eigentümer den Kauf abschließt mit Geldanlagen begonnen hat, ist Bullshit Nr. 6. Anzunehmen wäre, daß der Eigentümer in den Jahren davor ebenfalls das nötige Vermögen mittels Geldanlagen geschaffen hat. Hat der Mieter das nicht getan, sind die beiden Fälle von vornherein nicht vergleichbar. 

Was in dem Tagesschau-Bericht gänzlich fehlt, ist eine Antwort auf die Frage, wie man sich überhaupt in den Stand setzen kann, Wohneigentum erwerben zu können, wenn man nicht gerade geerbt hat oder aus einem vermögenden Elternhaus kommt. Das ist bedauerlich, denn es bedeutet, daß implizit genau diese Botschaft vermittelt wird, die so viele heute verbreiten und die von den meisten Leuten - außer mir natürlich - auch geglaubt wird: Daß junge Leute ohne reiche Familie sich heutzutage kein Wohneigentum mehr leisten könnten. Das stimmt natürlich nicht, denn wie könnte der Mieter in der Modellberechnung am Ende ein höheres Vermögen als der Eigentümer haben, wenn er sich Wohneigentum nicht ab einem gewissen Punkt auch hätte leisten können? Das nur mal als Denkanstoß für alle, die überzeugt davon sind, ihr ganzes Leben lang Mieter bleiben zu müssen. 

Richtig ist, daß ein reiches Elternhaus oder eine größere Erbschaft (im mindestens hohen fünfstelligen Bereich) sehr hilfreich ist, um sofort Wohneigentum zu erwerben, wenn einem spontan der Gedanke gekommen ist, dies tun zu wollen. Für alle, die einen längeren Planungshorizont ertragen können, ist es kein Fehler, einfach selbst die Voraussetzungen zu schaffen, um in einem Zeitraum von, sagen wir, zehn Jahren eine Wohnung kaufen zu können, falls man das dann wollen sollte. Dies lohnt sich auch dann, wenn man sich am Ende doch dagegen entscheidet - dann muß man nämlich nicht, wie der Mieter im Beispiel, mit der Kapitalanlage komplett von vorne anfangen, sondern hat schon eine Grundlage und etliche Jahre an Erfahrungswerten. 

Es mag eine Menge Gründe geben, sich mit Wohneigentum nicht abgeben zu wollen, und die sind auch alle legitim und tatsächlich gibt es Konstellationen, in denen ich selbst vom Erwerb einer Immobilie abraten würde, aber ein finanzieller Vorteil, wenn man Mieter bleibt, zählt nicht dazu. Trotzdem ist diese Behauptung wie ein roter Faden Bestandteil meiner eigenen Immobiliengeschichte gewesen. Ich weiß noch, wie ich 2009 wieder und wieder mein Vorhaben durchrechnete, nachdem die Bank mir bestätigt hatte, daß sie bereit war, mir ein Darlehen zu geben, und schließlich entschied, meinen Berechnungen mehr zu trauen als den Warnungen der Experten vor Immobilienerwerb, die damals mal wieder im Chor zu hören waren.  

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Inzwischen habe ich erfahren, daß unser Haus, das wir als "Baujahr 1820" erworben haben, sogar noch wesentlich älter zu sein scheint. Wie alt die Bausubstanz ist, kann ich zwar nicht sagen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg etwa stand im Ort kaum noch ein intaktes Haus, und das Haus kann auch wegen Baufälligkeit ein- oder mehrmals erneuert worden sein. Aber schon davor, um 1550 herum, stand laut den alten örtlichen Grundbüchern an der Stelle, wo heute unser Haus sich befindet, auch schon ein Haus, Eigentümer war bereits damals dieselbe Familie, der unser jetziges Haus bis 1989 gehörte. Ich nehme an, mindestens der imposante und sehr hohe Gewölbekeller unter unserem Haus (das in den Wohnräumen nur knapp über 2 Meter Raumhöhe aufweist) ist auch in der Bausubstanz wirklich um einiges älter als 1820, und er kann sogar noch wesentlich älter als von Mitte 16. Jahrhundert sein, denn da fing man bloß zum ersten Mal damit an, die hiesigen Grundbesitzverhältnisse in Grundbüchern zu dokumentieren. Das heißt also nicht, daß die Leute vorher nicht auch schon in Häusern gewohnt hatten. Die Familie, der das Haus jahrhundertelang gehörte, ist jedenfalls bereits im Jahr 1353 erstmals als Bewohner des Orts genannt worden. Das ist schon ein ganz besonderes Gefühl, als nunmehrige Besitzer dieses Hauses an eine so lange Geschichte anknüpfen zu können. 

Nachdem lange Zeit nichts mehr von der Reform des Gebäudeenergiegesetzes gehört ward, scheint sich da nun endlich wieder etwas zu bewegen. Das wird aber auch Zeit, denn wir warten auf den Gesetzentwurf als Startschuß, um endlich unseren letzten Wohnungsverkauf erneut in Angriff zu nehmen, da nun die Verhältnisse in der Hausverwaltung geordnet sind. Ich bin allerdings skeptisch, ob der Kaufpreis, den mein Mann sich immer noch vorstellt und von dem er auch nicht abrücken möchte, erzielbar sein wird. Meiner Einschätzung nach liegt er nach aktuellen Marktpreisen um etwa 20.000 Euro zu hoch. An solchen Dingen merke ich, wie unterschiedlich Männer und Frauen in Geldangelegenheiten ticken. Ich finde es zwar schade, daß die Marktpreise gesunken sind, aber meine Ehre hängt nicht an dem ursprünglich erwarteten Kaufpreis, da er nun einmal im Moment nicht mit vertretbarem Aufwand erzielbar ist. Es war halt Pech, daß wir nicht schon im ersten Anlauf einen Käufer gefunden haben, der Mieter dann eine halbe Ewigkeit abwesend war und dann auf einmal eine Hausverwaltungskrise sich so zuspitzte, daß es besser war, den Verkauf zu verschieben. 

Da sich die Koalition jetzt darauf geeinigt zu haben scheint, Vermieter an den Energiekosten zu beteiligen, falls sie eine neue fossil betriebene Heizung einbauen, wäre es vielleicht sogar sinnvoll, noch ein Jahr länger abzuwarten und die Wohnung vor dem Verkauf noch mit einer Split-Klimaanlage auszustatten und dazu die Verbrauchsdaten eines Winters vorweisen zu können. Eigentlich haben wir den Verkaufserlös ja längst anderweitig verplant, also ist das erst mal nur unser Plan B, falls es diesen Sommer mit dem Verkauf ebenfalls nicht klappen sollte. Das kann dummerweise wirklich passieren, wenn der Kaufpreis den Marktwert zu weit übersteigt. Also, mal sehen, wie das weitergeht.