Dienstag, 18. August 2026

Kollateralschaden der Abnehmspritze: Das Konzept der Body Positivity

Mein Gewicht heute früh: ... Na, es hilft ja nichts: 83 Kilogramm.  

Zum Glück kann ich davon ausgehen, daß das der traurige Höhepunkt gewesen ist. So ist das halt, wenn man eine Woche gar nicht fastet und danach ein langes Fastenintervall ausläßt. Die Hitze hat bestimmt auch eine Rolle gespielt. Trotzdem, ein bißchen ratlos macht es mich schon. Nächste Woche das lange Fastenintervall wird hoffentlich alles wieder ein bißchen zurückrücken, aber danach steht ja meine Fahrt nach Tschechien an, auf der ich auch nicht faste. Und was, wenn die Low-Carb-Phase ab Oktober wie letztes Jahr wieder ein Schuß in den Ofen wird? 

Das ist alles nicht wirklich erfreulich, aber daß dieser Sommer mir noch unangenehme Überraschungen bescheren kann, war mir von dem Moment an klar, als sich die LC-Phase im Januar und Februar als ein Fall von "Außer Spesen nichts gewesen" herausstellte. Trotzdem macht es mir zu schaffen. Neun Jahre lang war mit Ausnahme einer vierwöchigen Phase während der Chemo das Schlimmste, was mir passiert ist, die eine oder andere Plateauphase. Aber im Moment möchte mein Gewicht offenbar mit einigem Nachdruck nach oben. Dazu muß ich mir irgendeine Strategie überlegen, und zwar eine, die funktioniert. Das Ärgerliche ist, daß mir die Optionen ausgegangen sind, jedenfalls, was meine gewohnte Herangehensweise betrifft. Im Grunde kann ich gerade nur darauf hoffen, daß Low Carb dieses Jahr wieder funktionieren wird, oder daß ich andernfalls eine geniale Idee entwickle, die mir auf andere Weise weiterhilft. 

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Die Sache kommt auch in anderer Hinsicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn das Konzept Body Positivity scheint out zu sein. Das kann man gut oder schlecht finden, es ist nicht nur meinem Eindruck nach so und vermutlich eine Folge der Abnehmspritze. Für eine Menge Übergewichtige, die nach oft unzähligen erfolglosen Versuchen, normalgewichtig zu werden, glaubten, sie müßten sich mit ihrem Körpergewicht abfinden und für die Body Positivity die bestmögliche Lösung war, bot die Abnehmspritze erstmals eine wirksame Herangehensweise, um das insgeheim die ganze Zeit eigentlich bevorzugte und nur für unerreichbar gehaltene Ziel doch noch in Angriff zu nehmen.  

Des einen Freud, des anderen Leid: Bodyshaming wird nunmehr angeblich wieder salonfähig, Plus Size verschwindet von den Laufstegen, stattdessen sind die Magermodels wieder zurück. Angeblich vor allem im Luxusbereich, aber mir fiel schon letztes Jahr auf, daß auch die Discounter das Angebot an Plus-Size-Kleidung in den letzten zwei, drei Jahren merklich zurückgefahren haben. Das sollte freilich niemanden zu sehr grämen, denn meinem Eindruck nach hat die Qualität der Kleidung in Discountern, die zeitweise wirklich okay war, doch ziemlich nachgelassen. Nachdem ich in den letzten zwei Jahren mit mehreren Teilen reingefallen bin, habe ich mich entschieden, im Discounter künftig nichts mehr zum Anziehen zu kaufen, auch wenn mir etwas vom Aussehen her wirklich gut gefällt. 

Ob man dem Konzept Body Positivity nachtrauern sollte? Diejenigen, denen es ihren Alltag erleichtert und psychischen Druck verringert hat, tun das natürlich. Für mich hatte es aber etwas Zwiespältiges. Einerseits ist es genau das, was ich - ohne den Begriff zu kennen - zwanzig Jahre lang selbst praktiziert habe, aber es hat auch meine Reaktion verlangsamt, als ich mich einfach nicht mehr wohlfühlen konnte, weil mein Gewicht anfing, mich im Alltag zu behindern. Ich glaube es den wenigsten, die diesen Punkt erreichen und sich zu Body Positivity bekennen, daß sie wirklich so sind, wie sie gerne sein möchten. Seit es die Abnehmspritze gibt, sieht man, daß eine Menge angebliche Enthusiasten des Konzepts ohne langes Zögern desertiert sind, und das wundert mich nicht. Als meine Methode wirklich funktioniert hat, mußte ich ja auch nicht lange überlegen. 

Daß Ricarda Lang, die ebenfalls den Konzept der Body Positivity zu huldigen behauptete, nunmehr stolz darauf ist, 40 Kilogramm abgenommen zu haben, wundert mich also auch nicht. Angeblich gelang ihr das sogar ohne Hilfe der Abnehmspritze, was mich ebenfalls nicht wundert, falls es denn wahr sein sollte, denn hohes Übergewicht macht bei den meisten, die es ernsthaft versuchen und diszipliniert drannbleiben, hohe Abnahmen möglich. Ricarda Lang hatte, als sie nach dem Scheitern der Ampel und dem Ausscheiden als Grünen-Vorsitzende private Dinge anders priorisieren konnte, außerdem gute Voraussetzungen dafür, mit so einem Projekt erfolgreich zu sein, weil sie ihren Alltag sowieso neu ordnen mußte, und das ist günstig für ein solches Vorhaben. 

Das Problem besteht sowieso nicht in der Abnahme, sondern darin, sie anschließend zu halten. 

Ricarda Lang dürfte sich dem Punkt nähern, an dem das mit dem Weiterabnehmen bzw. Gewichthalten bei den meisten schwieriger wird. Genaugenommen wäre sie theoretisch sogar schon über diesen Punkt hinaus, ich tippe aber darauf, daß sie erst zeitverzögert damit begonnen hat, auch Sport zu treiben. Das verlängert das Zeitfenster, in dem alles gut funktioniert, um etliche Monate. Bei Nadja Hermanns Abnahme spielte eine solche Zeitverzögerung mit dem Beginn des Sporttreibens höchstwahrscheinlich auch eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Sie hat erst nach knapp zwei Jahren in ihrem damals noch öffentlichen Blog von ihren damals gerade einsetzenden Problemen, das Gewicht zu halten, geschrieben. Sie nahm an, sie hätte ihren Kalorienbedarf überschätzt, und wollte auf Basis dieser Annahme gegensteuern. Was dann weiter geschah, weiß ich nicht, weil ihr Blog in "privat" umgewandelt worden war, als ich das nächste Mal einen Blick darauf werfen wollte. Das wird irgendwann im Lauf des Jahres 2018 gewesen sein, aber genau sagen kann ich es nicht mehr. 

Es würde mich echt mal interessieren, wie es Nadja Hermann heute, zehn Jahre nach dem Erscheinen ihres Buches "Fettlogik überwinden" und elf Jahre nach dem Start ihrer Radikaldiät, geht. Falls es ihr wirklich gelungen sein sollte, ohne die Hilfe von Abnehmspritzen oder bariatrischer Chirurgie ihe Gewicht bis heute zu halten, dann sollte Ricarda Lang das eigentlich auch hinkriegen können. Daß ich gerne wissen würde, wie es mit Frau Dr. Hermann weiterging, ist mehr als bloße voyeuristische Neugier. Ich finde immer noch, daß eine Bestsellerautorin, die einen Haufen Geld mit einem Buch über ihre Gewichtsabnahme verdient hat, der Öffentlichkeit eigentlich eine Erfolgs- oder Mißerfolgsdarstellung einschließlich einer Gewichtskurve der letzten zehn Jahre schuldig wäre, denn immerhin hat sie damit ja andere dazu ermutigt, mit demselben Mindset an eine solche Sache heranzugehen. Dabei ging sie davon aus, daß man mit einem Kalorienüberschuß zunimmt, mit einem Defizit abnimmt und sein Gewicht halten kann, wenn man die dafür korrekte Kalorienmenge bestimmt hat. Daß diese Annahme richtig war, könnte sie aber nur überzeugend belegen, wenn sie in einem "Zehn Jahre danach"-Buch nachweisen kann, daß sie zehn Jahre lang so vorgegangen ist und im Großen und Ganzen damit erfolgreich ihr Gewicht gehalten hat. 

Da ich ihre Annahme für falsch halte, bezweifle ich, daß es auf diese Weise funktioniert hat. Und falls es nicht - oder jedenfalls nicht auf diese Weise - geklappt hat, bin ich der Meinung, sie wäre es ihren Lesern eigentlich schuldig, zu beschreiben, was stattdessen passiert und wie sie damit umgegangen ist. 

Joschka Fischers Bestseller "Mein langer Lauf zu mir selbst" relativierte sich von alleine, weil jeder öffentlich besichtigen konnte, wie sich Joschka Fischers Körpergewicht im Anschluß an das Buch veränderte. So sieht er heute aus. Nadja Hermann schrieb unter einem Pseudonym und hat sich, obwohl sie mit ihren Comics sporadisch immer noch auf Facebook aufgetaucht ist, über ihr Gewicht seit dem Schließen ihres Blogs nie wieder irgendwo öffentlich geäußert. Das könnte ich als privatsphärenbewußter Mensch respektieren, wenn es nicht um die Frage ginge, daß Frau Hermann nach wie vor Geld damit verdient, daß Leute ihre Empfehlungen lesen wollen, um sie anwenden zu können. Sollte sie selbst inzwischen die Erfahrung gemacht haben, daß es auf längere Sicht so doch nicht funktioniert, wäre es nicht gerade fair von ihr ihren Jüngern gegenüber, ihnen dies zu verschweigen.

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Mit der Abnehmspritze geht das mit dem Abnehmen wie auch dem Gewichthalten, so viel muß man zugeben, erheblich leichter, wenn man nur bereit ist, sich mit Nebenwirkungen abzufinden und sich darauf gefaßt macht und es sich außerdem auch leisten kann, die Spritze dauerhaft weiterzunutzen. Zu Risiken und Nebenwirkungen frage man besser nicht seinen Arzt oder Apotheker, sondern mache sich auf mögliche Überraschungen gefaßt, denn Arzt wie Apotheker bewegen sich mit ihren Einschätzungen immer noch auf sehr unsicherem Terrain. Die Abnehmspritze gibt es einfach noch nicht lange genug, um Risiken auf längere Sicht seriös einschätzen zu können.   

150 Todesfälle und mehrere tausend schwere Nebenwirkungs-Fälle in Großbritannien (davon ein Fünftel im psychiatrischen Bereich), so wird neuerdings berichtet, stehen im Verdacht, durch Abnehmspritzen ausgelöst worden zu sein. So kann man das auch auf Deutsch neuerdings nachlesen. Es handelt sich um Meldungen über das "Yellow Card"-System an die Gesundheitsbehörde, das heißt, ein Zusammenhang mit Abnehmspritzen ist weder gesichert, noch muß der gemeldete Verdacht auch wirklich berechtigt sein. Trotzdem erinnert mich die Sache fatal an die Raucherentwöhnung mit Champix/Chantix, weil dabei ein Großteil der Nebenwirkungen psychiatrisch war. Champix hatte ja das Problem, daß es wirksamer als andere Raucherentwöhnungsmittel die Lust aufs Rauchen nehmen konnte, aber dies bei einem Teil der Patienten anscheinend gleichzeitig auch die Lust aufs Leben nahm und außerdem manchmal nicht nur zu unkontrollierbaren Aggressionen gegen sich selbst, sondern auch gegen andere führen konnte. 

Die Gemeinsamkeit zwischen Vareniclin, dem Wirkstoff von Champix,und Semaglutid und Konsorten als Wirkstoffe in den Abnehmspritzen besteht darin, daß ihre Wirkung neurologisch bedingt ist, indem auf die jeweils einschlägigen Rezeptoren Einfluß ausgeübt wird. So, wie Champix die Lust aufs Rauchen nimmt, nehmen die GLP1-Agonisten die Lust aufs Essen - Ernährung ist dann eben noch Nahrungsaufnahme, mehr nicht. Aber in beiden Fällen weiß man nicht allzu viel darüber, was genau mit der Einflußnahme auf die Rezeptoren noch alles mitbeeinflußt wird und welche unerwünschten Folgen das haben kann. Ob der in UK nun entdeckte mögliche Zusammenhang etwas damit zu tun hat oder nicht, kann man im Moment freilich noch nicht sagen, das sei zugestanden, auch wenn ich bei diesem Wirkstoff von Beginn an mißtrauisch gewesen bin. Aber das betraf noch mehr als diese Frage die Langzeitwirkungen, denn die kann man bei einem neuen Medikament natürlich erst mit einem größeren zeitlichen Abstand herausfinden. Ich wäre eingestandenermaßen aber nicht überrascht, wenn die GLP-1-Agonisten bei manchen Leuen auch ungute Wirkungen auf die Psyche haben könnten.  

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Sachsen-Anhalt wählt in vier Wochen, und daß die AfD mehr als 40 Prozent der Wählerstimmen bekommen wird, scheint mittlerweile ziemlich sicher, denn seit Mai hatte sie niemals niedrigere Stimmenanteile in den Umfragen. Worauf es aber fast noch mehr ankommt, das sind die Parteien, die um die Fünfprozenthürde herumkrebsen und mal knapp darüber und mal knapp darunter liegen. 

In der neuesten Umfrage vom 12.8. verzeichnet die AfD einen neuen Rekordwert von 43 Prozent der Wählerstimmen. Wäre dies das Ergebnis auch am Wahltag, könnte sie trotzdem auf der Oppositionsbank landen, denn CDU, SPD, Grüne und Linkspartei hätten zusammen 48 Prozent der Stimmen - sie müßten sich halt als gute Demokraten einig werden, daß ihnen gar nichts anderes übrigbleibt, als sich zusammenzuraufen. Aber Voraussetzung dafür ist, daß die Rinderwahnpartei wirklich an der Fünfprozenthürde scheitert. In der Umfrage davor wäre das nicht der Fall gewesen, sie wäre in den Landtag eingezogen und hätte zusammen mit der AfD 47 Prozent vs. 41 Prozent von CDU, SPD und Linkspartei gehabt. Die Grünen waren es in dieser Umfrage, die unter 5 Prozent geblieben wären. Angenommen, sowohl BSW als auch Grüne wären mit 5 Prozent drinnen und ansonsten entspräche alles der jüngsten Umfrage, dann gäbe es ein Patt zwischen einem AfD-BSW-Bündnis auf der einen und CDU, SPD, Grünen und Linkspartei auf der anderen Seite. Dasselbe Patt, nur mit niedrigerer Wählerzustimmung, ergäbe sich, wenn sowohl Grüne als auch BSW mit 4 Prozent an der Hürde scheitern würden. Dann stünde es 43 gegen 43. 

Kurz, die Partei, die es keinesfalls in den Landtag schaffen darf, ist das BSW. Dummerweise spricht viel dafür, daß sie es schaffen wird, falls sie es geschickt anstellt und die Medien so tölpelhaft berichten wie damals bei der Piratenpartei, die in zwei Wochen bis zur Wahl die Prognose, die sie da noch knapp unter der Fünfprozenthürde sah, verdoppeln konnte. Im Moment hat man freilich nicht den Eindruck, daß die AfD sonderlich scharf darauf wäre, das BSW als Königsmacher zu benötigen - vielleicht sorgt das am Ende ja doch noch dafür, daß der BSW nicht in den Landtag einzieht. Ich wäre echt nicht böse darüber. 

Irgendwer, ich glaube, es war Anne Rabe, sprach von einer Aufbruchstimmung unter den AfD-Wählern im Osten. Das seien keine Verzweifelnden, die ihrem Protest Ausdruck verleihen würden, sondern Leute, die von deren Programm überzeugt seien. Ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Ich halte das für eine Fehlinterpretation, und falls ich damit richtig liegen sollte, werden wahrscheinlich eine Menge Wähler kein Problem damit haben, zum BSW zu switchen, wenn das der AfD nützt, auch wenn das dazu führt, daß der Juniorpartner BSW - und eine solche Koalition ist dann sehr wahrscheinlich - samt seinem Wahlprogramm ein höheres Gewicht innerhalb der Koalition hat, als er es andernfalls hätte. In diesem Fall geht es den AfD-Wählern primär darum, die von ihnen so genannten "Systemparteien" abzuwählen, und wichtig ist ihnen vor allem, dies zu erreichen. Aber falls den Wählern wirklich das AfD-Programm inhaltlich wichtig sein sollte, werden sie überwiegend keine andere Partei wählen wollen. Noch kann niemand seriös voraussagen, ob es bedeutendere Wählerwanderungen von AfD zu BSW geben wird. Aber je höher sie ausfallen, desto sicherer kann man sagen, daß die AfD-Wähler sie nicht wegen ihreres Programms wählen. 

Viel schlauer als die AfD ist die CDU in Sachsen-Anhalt allerdings auch nicht, denn sie hält es (noch) für völlig undenkbar, mit der Linkspartei in irgendeiner Form zusammenzuarbeiten, ganz schweigen davon, eine Koalition mit ihr einzugehen. Das ist Selbstmord aus Angst vor dem Tod, denn die CDU hat nicht den Hauch einer Chance, die Regierung anzuführen, es sei denn, sie akzeptiert ALLE anderen demokratischen Parteien als Partner. Idealerweise müßte sogar die FDP mit dabei sein, was allerdings aus sich selbst heraus ziemlich problematisch ist, auch wenn Christian Lindner inzwischen Geschichte ist. 

Im Moment sieht es in Sachsen-Anhalt leider danach aus, als ob die AfD am Wahltag nicht nur die meisten Stimmen bekommen wird, sondern vermutlich auch imstande sein wird, die Regierung zu bilden. So weit hätte das aber nicht kommen müssen. Seit Juni 2025 hat sie mehr als zehn Prozentpunkte bei den Umfragen hinzugewonnen, und in der CDU braucht niemand so zu tun, als hätte das überhaupt nichts mit ihrer Bundespolitik zu tun, die ja in weiten Teilen durch die Partei und alle möglichen Experten so begeistert von kropfunnötigen Publikumsbeschimpfungen begleitet wurde. Wozu sollen Brandmauern denn gut sein, wenn man sie regelmäßig mit Benzin übergießt?

Hatte ich jemals erwähnt, daß ich den Begriff der Brandmauer von Anfang an für verfehlt gehalten habe? Er drückt das Falsche aus, nämlich daß die Nicht-AfD-Parteienlandschaft sich selbst insgeheim für so anfällig für die Ideologie der AfD halten, daß sie eine Brandmauer benötigen, um zu verhindern, daß AfD-Gedankengut auch auf sie selbst übergreift. Wenn das aber so ist, dann stimmt an den derzeit vertretenen Inhalten dieser Parteien das eine oder andere nicht. Umgekehrt ist an denen der AfD das eine oder andere mehrheitsfähiger, als es uns lieb sein sollte, und deshalb eine Versuchung auch für eigentlich anständige Demokraten. Angenommen das wäre so, ist das Brandmauer-Gerede die ganze Zeit nur Pfeifen im dunklen Wald gewesen. Versuchungen haben es aber an sich, daß man ihnen früher oder später doch unterliegt. 

Etwas ähnliches ist anscheinend mit dem Klimabewußtsein passiert, denn warum sonst sollte die ZEIT ihren Lesern diese sonderbare Frage stellen?

 

Ich fühle mich eigentlich gar nicht mitgemeint. Erstens bin ich kein regelmäßiger ZEIT-Leser mehr, und zweitens war mein Lebensstil noch nie klimabewußt, auch wenn meine letzte Flugreise vor 19 Jahren gewesen ist und ich Kreuzfahrtreisen eher abschreckend finde und überhaupt keinen Grund wüßte, für so etwas Geld auszugeben. Ein Auto habe ich deshalb nie besessen, weil ich den Zusatznutzen nicht groß genug im Verhältnis zu den Zusatzkosten finde - was natürlich auch damit zu tun hat, daß mein Lebensstil seit Jahrzehnten an den Nichtbesitz eines Autos angepaßt ist. Ich hätte zum Beispiel nie im Leben dieses Haus gekauft, egal wie schön ich es finde, wenn ich hier keine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel vorgefunden hätte. 

Aber wenn ich das nicht aus Klimabewußtsein mache, zählt es ja irgendwie nicht. ;-)

Dazu, was mit dem klimabewußten Lebensstil passiert ist, habe ich allerdings eine Theorie. Die Medien, das wird ja auch vielfach angeprangert, berichten immer weniger über das Klima-Thema. Die Leute verhalten sich weniger klimabewußt, weil dies so ist. Sie hatten zuvor, als man täglich mit Ermahnungen überschüttet wurde, versucht, sich dem, was offensichtlich von ihnen erwartet wurde, anzupassen. Aber eigentlich hätten sie die ganze Zeit über viel lieber etwas anderes getan und haben sich das nur nicht getraut. Jetzt trauen sie sich wieder, und zwar deshalb, weil sie nicht mehr täglich verbal für das, was sie in Wirklichkeit tun wollen, Höllenstrafen angedroht bekommen. 

Die ZEIT, die uns nun in so gekränktem Ton fragt, warum wir nicht mehr tun, was sie zu wollen behauptet, hat das also selbst miterverursacht. Das liegt an der inneren Logik ihrer Betätigung. Ob die sinnvoll ist oder nicht, darüber läßt sich diskutieren, aber wir dürfen gerne das Konzept, das hinter der Propaganda für einen klimabewußten Lebensstil steckte, für gescheitert erklären. Denn so etwas funktioniert immer nur wenn und solange man den Druck dauerhaft auf sehr hohem Level hält. Sobald man nachläßt, läßt auch die Wirkung nach. Man hätte von vornherein wissen können, daß so etwas passieren würde, weil es passieren mußte. Die Medien konnten ja gar nicht anders, als ihre Hauptaufmerksamkeit Corona, der Ukraine, den leeren Gasspeichern und so weiter zuzuwenden, als dies die jeweils gerade unmittelbarste Bedrohung wurde. Da kann man sich noch so sehr darüber entsetzen, daß doch auf längere Sicht gesehen der Klimawandel noch viel schlimmer sei, wie schon John Maynard Keynes feststellte: Auf längere Sicht gesehen sind wir alle tot. Daß manche Leute, wenn man nicht heizen kann, trotz der Klimaerwärmung im Winter erfrieren werden, kann, falls wir Pech haben, schon im nächsten Winter passieren. Zum Glück werden mein Mann und ich im nächsten Winter nicht mehr vorranging auf Gas angewiesen sein. Aber im Interesse meiner Mieter hoffe ich, daß der nächste Winter so mild wird, daß die üblichen Verdächtigen darüber zu jammern haben werden, weil daran ja nur der Klimawandel schuld sein kann. Im Winter darauf kann es dann gerne wieder kalt werden. 

Die Frage erinnerte mich immerhin daran, daß ich vor Jahren einmal meinen CO2-Fußabdruck online errechnet hatte, aber ich hatte die Werte nicht mehr so genau im Kopf. Das war außerdem noch in der alten Wohnung. Also nahm ich mir die Berechnung noch einmal vor. 

So also sieht die Sache im Moment nach dem Rechner des Umweltbundeamts aus: 

 

Mit den Angaben unter "Sonstiger Konsum" bin ich allerdings nicht einverstanden, denn er wurde pauschal auf Basis unseres Einkommens errechnet in der Annahme, daß wir mit diesem Geld ja schließlich irgendwas tun müssen. Tatsächlich wurde aber mindestens die Hälfte dieses Geldes bislang auf dem Konto einfach liegengelassen. Zum einen, weil ich es mir als Selbständige und als Vermieterin nicht leisten kann, meine Rücklage so niedrig zu belassen, wie sie es nach unserem Umzug und all den damit verbundenen Kosten nun einmal gewesen ist. Es kann ja immer mal eine Auftragsflaute geben, und es können unerwartete Ausgaben in einer vermieteten Wohnung entstehen. Ich brauche mindestens 20.000 Euro schnell verfügbare Rücklage auf dem Tagesgeldkonto. Dafür muß man aber 15.000 Euro, die man eingenommen hat, nicht ausgeben, wenn die vorhandene Rücklage bis auf 5000 Euro abgeschmolzen wurde. 

Zum zweiten aber, weil sich die Split-Klimaanlage und das Balkonkraftwerk ja auch nicht von alleine bezahlen. Auch dafür haben wir Geld auf dem Konto gelassen. 

Halbiere ich in der Vorlage unser Einkommen, um das tatsächliche Konsumverhalten besser abzubilden, kommt folgendes Ergebnis heraus: 

 

 

Das sieht schon realistischer aus, auch wenn die pauschalen Annahmen nicht nur bei Sonstiges ziemlich, nun ja, unterkomplex sind und nicht zwangsläufig unsere tatsächlichen Verbräuche abbilden. Wieviel Strom wir verbrauchen, wurde ja überhaupt nicht erfragt, nur die Heizung. Offenbar wurde auch da ein Pauschalverbrauch angenommen.

Noch nicht eingerechnet sind in der Berechnung: 

  • Stromverbrauch der Klimaanlage beim Kühlen (läuft ja erst seit Anfang des Monats)
  • Stromverbrauch der Klimaanlage beim Heizen (den weiß ich erst, wenn die Heizperiode einsetzt)
  • Einsparung beim Gasverbrauch durch Klimaanlage in der Heizperiode
  • Stromerzeugung durch das Balkonkraftwerk (da im Moment noch nicht vorhanden) 

Im Bereich Wohnen schlägt außerdem zu Buche, daß wir noch ein Weilchen brauchen werden, bis die Einrichtung unseres Hauses komplett abgeschlossen ist.  

Daß unsere CO2-Bilanz trotzdem schon jetzt so deutlich unterdurchschnittlich ausfällt, liegt vor allem am Punkt Mobilität. Kein Auto, keine Flugreisen und all so Gedöns. Aber, wie gesagt, nichts von dem, was wir machen, beruht auf  Klimabewußtsein, sondern wir führen das Leben, das wir genauso führen würden, wenn das Klima kein Thema wäre, weil es das Leben ist, das wir führen möchten. Weniger oder kein Fleisch zu essen, ist eine Sache, der wir uns rundheraus verweigern würden, wenn es von uns verlangt würde, weil das nicht dem Leben entspricht, das wir führen möchten. Egal, wie oft und intensiv mir die Medien darüber die Ohren vollheulen, damit entlocken sie mir sowieso nur ein genervtes Augenverdrehen. 

Ein Verhalten, das die Leute nicht mögen, kann man ihnen mehrheitlich allenfalls - und selten wirklich gut - durch dauerhaften Druck abringen. Das geht praktisch immer auf Dauer schief, siehe oben, und neben der relativ kleinen Minderheit, die sich dem aktiv und ausdrücklich verweigert - so, wie ich oder der durchschnittliche AfD-Wähler - muß man damit rechnen, daß es viele Lippenbekenntnisse gibt, die nicht zu entsprechenden Taten führen. Das ist dann möglicherweise noch nicht einmal mehr eine Minderheit, sondern kann die Mehrheit betreffen. 

Gescheiter fände ich es, sich mit der Frage zu befassen, was diejenigen, die ein Leben führen, das ganz nebenbei noch klimafreundlicher ist, dazu verlockt, dies aus eigenem Antrieb zu tun.Und dasselbe gilt auch für die Frage, warum sich der Anteil der AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt seit der letzten Wahl verdoppelt hat und es so schwierig geworden ist, an ihr nach der nächsten Wahl bei der Regierungsbildung noch vorbeizukommen. Irgendwas wollen sie damit erreichen, und ich bezweifle ernsthaft, daß es sich dabei um das AfD-Parteiprogramm handelt. 

Dazu fällt mir ein Gespräch mit einer Händlerin am Wochenmarkt ein. Von der weiß ich, daß sie tendenziell eher zum "Rechtsdrehen" neigt und nicht nur zum Klimathema allerhand merkwürdige Dinge zum Besten gibt, wenn sich dafür eine Gelegenheit bietet - was ich für gewöhnlich zu vermeiden versuche. Irgendwie kamen wir aber auf die Split-Anlage und das Balkonkraftwerk und dadurch kamen wir irgendwie auch auf die Vergütung des Stroms bei Netzeinspeisung, über deren Senkung sie sich empörte. Ich sagte ihr, wenn ich Strom erzeuge, dann möchte ich den doch selbst verbrauchen. Genauso, wie ich Gurken im Garten ja nicht verkaufen, sondern selbst essen will. Warum sollte ich mich dann aber dafür interessieren, wieviel andere mir für diese Gurken bezahlen würden? Deshalb sei für mich die Förderung von Solarstrom nie ein ernsthafter Anreiz gewesen, um mir so eine Anlage zuzulegen. Erst als Speicher für den selbsterzeugten Strom erschwinglich wurden, wurde die Sache für mich interessant. Mein Ziel bestehe darin, so wenig Strom wie möglich ins Netz einzuspeisen, weil ich meinem Netzbetreiber im Grunde keine einzige Kilowattstunde von diesem Strom gönne. Die Frau sah mich an, als wäre in ihrem Kopf gerade ein ganzer Hagel an Groschen heruntergeprasselt. Dieser Gedanke war ihr noch nie gekommen. Und sie fand ihn einleuchtend. 

Die Förderungen zielen irgendwie auf die falschen Instinkte der Leute ab, Instinkte, die ich aus irgendwelchen Gründen nicht habe, denn obwohl ich nichts dagegen habe, Fördergelder mitzunehmen, wo sie mir geboten werden, sind sie für mich nicht die Basis meiner Entscheidung. Womöglich ist es ja gar nicht so schlecht, wenn das reduziert wird. Dann werden die Leute nicht mehr von den Dollarzeichen in ihren Augen geblendet und können sich mit der Frage befassen, ob die Sache für sie bei Eigennutzung einen Nutzen hat, der von der Förderung unabhängig ist. Spoiler: Ja, es hat einen. 

Was könnte man dann wohl über die AfD sagen, das eine ähnlich überzeugende Wirkung hätte - ohne irgendwelches Moraldgedöns, das solche Leute sowieso nicht interessiert? Einmal - das hatte ich irgendwann schon mal erwähnt -, sagte ich einem AfD-Fan, Trump und Musk unterstützten die AfD, und wer das, was in den USA unter Trump gerade abläuft, nicht so toll findet, der sollte vielleicht nicht gerade AfD wählen, wenn er das nicht bei uns auch bekommen will. Ob es die Wirkung hatte, daß der AfD-Fan dann sein Kreuzchen doch nicht dort gemacht hat, weiß ich allerdings nicht. Sicher bin ich mir aber, daß es um keine "harten" Faktoren geht, bei denen es um finanzielle Vor- und Nachteile geht. Die AfD ist vor allem für Leute attraktiv, die den gesamten Politikbetrieb als eine einzige große Kränkung erleben, also gewissermaßen für das ständig von Politiker und Experten beschimpfte Publikum. 

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 Aus der Reihe "Perditax' Tier- und Pflanzenleben":  

Sage und schreibe 18 Tage hat es gedauert, bis ich das letzte junge Mäuschen aus der Population, die sich unter dem Dach bei uns breitgemacht hat, zum Fluß tragen konnte. Das müssen zwei Würfe gewesen sein, von denen einer später als der andere war, anders kann ich es mir nicht erklären, daß auch das letzte Mäuschen noch so winzig war wie die Maus Nr. 1 17 Tage vorher. Immerhin werden Waldmäuse nur drei Wochen lang gesäugt und werden danach rasch selbständig. Schon nach drei Monaten sind sie geschlechtsreif. 

Zwei der Mäuse - beide gingen in den allerersten Tagen nach meiner Rückkehr von meiner Mutter in die Falle - waren eindeutig erwachsen. Zwei Mütter oder eine Mutti und ein Vati? Keine Ahnung. Jedenfalls waren es außerdem noch sage und schreibe 16 Jungmäuse. Die ersten ließ ich im Garten frei, aber weil es so gar nicht enden wollte, war ich mir irgendwann nicht mehr sicher, ob ich schon Wiederholungstäter haben könnte, und brachte die letzten drei oder vier wie die Erwachsenen zum Flußufer. Ich hoffe, es geht ihnen dort auch gut. 

Im Garten sehen wir immer noch viele Mäuse, oft sogar live, wenn wir auf der Terrasse essen. Meistens beim Abendessen, aber manchmal huscht auch untertags ein Mäuschen herum. Aber im Garten stört das nicht. Gespannt bin ich freilich, ob das Mauseloch direkt an der Kartoffelpflanze bedeuten wird, daß ich mir bei speziell dieser Pflanze keine zu großen Erwartungen machen sollte, wenn ich die Kartoffeln ausbuddle. Angesichts der Hitze sind meine Erwartungen an die Kartoffelpflanzen vorne bei der Terrasse sowieso niedrig. Mit einer Ausnahme sind alle schon welk, aber mit dem Buddeln warte ich noch, bis auch die letzte keine Lust mehr hat. Die Kartoffelpflanzen im hinteren Teil des Gartens dagegen wirken noch sehr lebensfreudig, was vermutlich zum einen etwas mit dem Standort zu tun hat - schon letztes Jahr liebten alle Pflanzen diesen hinteren Gartenteil besonders. Zum zweiten werden die dortigen Pflanzen mit Hilfe eines Perlschlauchs gewässert. Das war ein Experiment, das sehr überzeugend verlaufen ist. Nächstes Jahr wollen wir das auf den ganzen Garten ausdehnen. 

Aktuell ernten wir nach wie vor Zucchini und Gurken, neu hinzugekommen sind seit letzter Woche Tomaten und seit gestern grüne Bohnen. 

Unsere Mäuse sehen wir auch auf unserer Außenkamera, die wir kürzlich erst auf unseren Springbrunnen gerichtet haben, um zu sehen, ob die Vögel ihn zum Trinken und Baden nutzen. Das tun sie, und wie! Vor allem die Amseln gönnen sich morgens, meistens so gegen acht Uhr, ausgiebige Vollbäder. Vier Amseln sind es insgesamt, und ich meine, drei davon sind die Jungtiere von diesem Jahr, die vierte Amsel kommt mir aber ausgewachsen vor, weil ihr Schwanz länger ist. Die Meisen baden manchmal auch, aber längst nicht so häufig. Sie kommen eher zum Trinken. 

In der Nacht sind zwar keine Vögel da, aber ansonsten steppt auf unserer Terrasse buchstäblich der Bär. Letzte Nacht latschte nämlich ein wohlgenährter Waschbär ganz gemütlich durch unsere Radieschen. Kein Wunder, daß die nie etwas werden! Wir hatten zwar geahnt, daß auch wir Waschbärbesuch haben könnten, weil alle Welt sich hier über die Viecher beschwert, aber gesehen haben wir ihn zum ersten Mal. Er hatte einen auffallend kurzen Schwanz, deshalb haben wir ihn Oskar getauft. Als wir vor vielen Jahren immer die Zoogeschichten auf ARD aufgenommen hatten, um sie abends als Betthupferl anzuschauen, kam nämlich in ein paar Folgen auch ein Waschbär namens Oskar vor, der unter seinen Artgenossen zum Mobbingopfer wurde und wegen ihrer Aggressionen auch ein Stück seines Schwanzes einbüßte. Noch betrachte ich unseren Oskar Nr. 2 nicht als Ärgernis, und falls er sich benimmt, muß sich daran von mir aus auch nichts ändern und er ist mir weiterhin willkommen. 

Noch mehr gefreut habe ich mich aber über den - ebenfalls sehr wohlgenährten - Igel, der ganz manierlich an den Radieschen vorbeizottelte, im Boden einen Engerling oder dergleichen fand und sich einverleibte, und dann in Richtung Holzstapel verschwand. Dort muß er sich länger aufgehalten haben, denn immer wieder löste er den Bewegungsmelder der Beleuchtung aus. Gut, daß mein Mann nicht den kompletten Holzstapel in der Feuerschale in Rauch aufgehen gelassen hat, wie er das anfangs vorhatte. Jetzt braucht er sich das nicht mehr einfallen lassen, denn das Zuhauses unseres Igels werde ich notfalls bis zum letzten Blutstropfen verteidigen. Genauso, wie ich ihn daran gehindert habe, die lose verlegten Treppenstufen vor unserem Gartentor durch etwas Solideres zu ersetzen, nachdem ich entdeckt hatte, daß da drunter Eidechsen wohnen. 

Ansonsten sehen wir auch in den Videos aus der Nacht immer wieder Mäuse und gelegentlich auch die Nachbarskatze. Auf unserer Terrasse ist echt was los. 

Dienstag, 4. August 2026

Fünf Säulen für ein Halleluja

Mein Gewicht heute früh zu Beginn des ersten von zwei nicht zusammenhängenden Fastentagen diese Woche: 79,3 Kilogramm. Das ist besser als erwartet - am Sonntagmorgen sah es noch so aus, als würde ich bereits am Montag die 80-Kilo-Marke überklettern - und offensichtlich die Wirkung davon, daß ich die letzten beiden Tage erst ab dem frühen Nachmittag dazu gekommen bin, etwas zu essen - das war so nicht geplant, sondern hat sich aus dem, was wir am Sonntag und Montag gemacht haben, spontan ergeben. Jetzt überlege ich aber, ob ich das nicht einfach bis zum Ende des Urlaubs meines Mannes ungefähr so beibehalten soll. Offenbar habe ich es damit ja endlich mal wieder geschafft, meinen Stoffwechsel so zu überrumpeln, daß er jedenfalls für den Moment gar nicht mehr auf die Idee kam, durch Gegensteuern sein "Sparguthaben" zu erhalten. 

Wenn mein Mann Urlaub hat, verzichte ich ja auf lange Fastenintervalle, faste aber zwei einzelne Tage in der Woche. Aber wie in der Woche bei meiner Mutter werde ich noch ein weiteres langes Fasteintervall ersatzlos ausfallen lassen, weil ich Anfang September eine knappe Woche lang verreist bin. Wenn es mir gelingt, trotzdem mein Gewicht weiter stabil zu halten oder vielleicht sogar ein bis zwei Kilo tiefer zu bringen, bis ab Mitte September bei mir wieder Alltag beim Fasten einkehrt, ist schon einiges gewonnen. Daß ich in letzter Zeit immer damit rechnen mußte, die achtzig Kilo doch wieder zu überklettern, hat mir nicht sonderlich gefallen. 

Mitte September ist es dann außerdem noch noch ein Monat, bis wir wieder in die Low-Carb-Phase gehen. Vielleicht probiere ich es dann ja aus, zusätzlich erst am Mittag meine erste Mahlzeit zu mir zu nehmen. Ich will bis zum März endlich bei meinem Zielgewicht ankommen und diese Sache endgültig abhaken können. 

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Die TAZ brachte eine lange Hymne auf Immuntherapien als inzwischen etablierte vierte therapeutische Säule bei der Krebsbehandlung, an der ich nicht viel Falsches finden konnte. Interessant war vor allem diese Bemerkung:  „Vor 20 Jahren wurde man ausgelacht, wenn man etwas mit dem Immunsystem in der Krebstherapie machen wollte.“ Genauso war es - noch ein Weilchen früher - auch mit der Rolle von Infektionen bei der Krebsentstehung, aber bei bestimmten Krebsarten ist dies heute längst der anerkannte Schlüssel zur Krebsprävention. Neben der HPV-Impfung als Schutz vor Gebärmutterhalskrebs gilt das auch für die Rolle des Helicobacter bei Magengeschwüren und dadurch indirekt auch der Entstehung von Magenkrebs. Jüngere Leute haben dieses Quatsch mit der vermeintlichen Managerkrankheit gar nicht mehr mitbekommen, mit der Streß und beruflicher Druck für Magengeschwüre verantwortlich gemacht wurde. Dabei hätten die Patienten nie autogenes Training und Schonkost benötigt, sondern Antibiotika. Ich bin überzeugt davon, Infektionen anderer Art spielen auch eine Rolle, nur halt nicht so eindeutig als Ursache der Wirkung Krebs zuordenbar. 

Wofür man aber immer noch ausgelacht wird, ist die Annahme, Krebs sei eine Stoffwechselerkrankung, ausgelöst durch Entzündungsprozesse innerhalb der Zellen, durch die die Mitochondrien beschädigt werden, und sowohl die Prävention wie auch die Therapie lasse sich durch die Art der Ernährung beeinflussen. Aber sprechen wir uns dazu auch mal in zwanzig Jahren wieder. Ich hoffe, dann hat sich dies als Grundlage einer fünften Säule durchgesetzt. Ich bin mir ziemlich sicher, die Krebsentstehungs-Grundannahmen gemäß Prof. Seyfrieds Annahmen vom Kopf auf die Füße zu stellen wird ein Durchbruch, der noch viel weitreichender Wirkung zeigen wird als die Immuntherapie. Nicht, daß ich die Immuntherapie kleinreden möchte, ich war von ihr sehr beeindruckt. Aber das Rätsel, warum sie bei manchen Leuten einfach nicht wirken will, und die Tatsache, daß auch sie Patienten oft für den Rest ihres Lebens mit Nebenwirkungen zurückläßt sowie, daß Patienten zwar länger leben, aber eben auch nicht geheilt im eigentlichen Sinne des Wortes werden, ist natürlich unter den aktuellen Grundannahmen unlösbar. Vielleicht ist das aber anders, wenn die Therapie auf Seyfrieds Grundannahmen basiert. Beeindruckt war ich beispielsweise davon, daß die immer als Verschwörungstheorie abgetane mögliche Rolle von Handys bei Gehirntumoren, die nach der aktuellen Theorie überhaupt keinen Sinn ergibt, jedenfalls in der Mitochondrien-Theorie jedenfalls nicht von vornherein total unsinnig ist. Vielleicht ist ja dies der Grund, warum niemand sich mit der Sache befassen mag, daß auf einmal so viele Details einer Neubewertung unterzogen werden müßten und man vielleicht auch den einen oder anderen Irrtum eingestehen müßte. 

Es schadet bestimmt nichts, Thomas Seyfrieds Unterseite auf der Website seiner Hochschule, dem Boston College, mal wieder zu verlinken, damit Zweifler nicht glauben, ich würde hier die abseitigen Behauptungen eines bauernschlauen Abzockers ohne echtes Fachwissen nachbeten. Die Seriosität Seyfrieds ist über jeden Verdacht erhaben, was natürlich nicht heißt, daß er zwangsläufig recht haben muß. Aber eine wissenschaftliche Debatte anstelle des langjährigen Grillenzirpens in der Fachwelt hätte jemand von seinem Kaliber eigentlich schon verdient. Manchmal kommt es mir vor, als liefe das Wissenschaftssystem auf Schienen und wäre einfach nicht imstande, sich aus einem vorgefertigten Gleisbett herauszubewegen, solange niemand es absichtlich entgleisen läßt. 

Eigentlich hätte ich diesen Blogartikel auch mit "Es fährt ein Zug nach Nirgendwo" übertiteln können. Aber das wäre doch wieder ungerecht, denn bei Säule Nr. 4 hat sich ja wirklich viel getan. Das ändert freilich nichts daran, daß ich mich als Patient ungerecht behandelt fühle, wenn eine so plausibel wirkende Theorie wie die Seyfrieds mit solcher Sturheit noch nicht einmal abgestritten, sondern einfach ignoriert wird.  

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Ebenfalls aus der TAZ stammt eine sehr naive journalistische Meinungsäußerung darüber, wie man vorgehen müßte, um der Pflegekosten Herr zu werden. Prävention soll es richten. Joggen, uns gesund ernähren und all dieser Kram, dies, glaubt die Autorin, werde dazu führen, daß weniger Menschen Pflege benötigen. 

Die Dame hat sich mit den einschlägigen Statistiken zur Pflege 

 

wohl noch nicht befaßt. Anderfalls wäre ihr hoffentlich aufgefallen, daß es bei der Pflegequote ein sonderbares Phänomen gibt: In allen Altersgruppen ab 70 ist der prozentuale Anteil der Frauen unter den Pflegebedürftigen höher als der der gleichaltrigen Männer. Und das, obwohl Männer doch so viel ungesünder leben - oder jedenfalls wird angenommen, sie täten das. In der Pflegequote schlägt sich das aber nicht nieder. Es mag also sein, daß ihr ungesunder Lebenswandel Männer früher unter die Erde bringt als Frauen, aber trotzdem sind sie seltener pflegebedüftig als sie.  

Nur mal zum Nachdenken. 

Natürlich weiß ich, wie die logischste Erklärung aussieht: Pflegegrade müssen beantragt werden, und nicht jeder pflegende Angehörige stellt diesen Antrag so früh, wie es nach geltender Rechtslage möglich wäre. Ich nehme an, Ehefrauen kümmern sich um ihren hilfsbedürftigen Mann mit aller Selbstverständlichkeit und ohne über so etwas auch nur nachzudenken, während im umgekehrten Fall Ehemänner häufiger von vornherein überfordert sind und rascher auf Pflegeleistungen zurückgreifen. 

Ist es also vielleicht doch so, daß insgeheim Männer häufiger pflegebedürftig sind? Falls ja, ist dies aber kaum dieser Faktor, der unser Pflegesystem sprengen könnte, denn es ist ja nicht die Pflegebedürftigkeit als solche, die es belastet, sondern ausschließlich die Kosten der Pflegeleistungen. Wenn keine Leistungen in Anspruch genommen werden, entstehen aber auch die Kosten nicht. 

Die einzige Altersgruppe, in der der Anteil der Männer (und Jungen) unter den Pflegeleistungen Beziehenden höher liegt als der der Frauen, sind die unter 60jährigen. Die machen allerdings nur 1,5 (Frauen) bzw. 1,8 Prozent (Männer) der Altersgruppe von Null bis 59 Jahre aus. In den Altersgruppen ab 85 ist mehr als die Hälfte pflegebedürftig. Diese Altersgruppe ist es deshalb auch, in der die meisten Pflegekosten entstehen. Es ergäbe wenig Sinn, zu vermuten, große Teile dieser Altersgruppen hätten hartnäckig ungesund gelebt und könnten immer noch fit und munter sein und sich alleine versorgen können, wenn sie nur in jüngeren Jahren entsprechend gesünder gelebt hätten. Ich sehe das an meiner Mutter, die übrigens keinen Pflegegrad hat. Aber wäre sie Single ohne Angehörige, dann hätte sie längst einen, denn komplett alleine würde es jetzt nicht mehr gehen. Sie kommt deshalb weitgehend immer noch ohne Hilfe zurecht, weil Familienangehörige mit im Haus leben für den Teil, in dem es andernfalls nicht mehr alleine ginge. 

Tatsächlich sind die eigentlichen Kostentreiber der wachsende Anteil an Menschen, die keine Angehörigen haben oder deren Angehörige zu weit weg leben oder aus sonstigen Gründen für regelmäßige Unterstützungen nicht zur Verfügung stehen. Denn bei ihnen ist viel häufiger und viel früher das Pflegeheim die einzige in Frage kommende Lösung. Darüber habe ich vor einiger Zeit schon einmal geschrieben, ebenso daß der Anteil der älteren Menschen ohne Nachkommen oder nahe Angehörige voraussichtlich noch erheblich ansteigen wird. Wer ernsthaft nach einer Lösung sucht, der müßte sich mit dieser Frage befassen, nicht mit Albernheiten wie Ernährung und Bewegung, den klassischen "So tun, als ob"-Scheinlösungen, für deren unausweichliches Scheitern man bloß bequemerweise immer die Betroffenen selbst verantwortlich machen kann. 

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Die Monosplit-Klimaanlage in meinem Arbeitszimmer ist mittlerweile eingebaut und hat uns in der letzten Nacht brav auch das Schlafzimmer auf angenehme Temperaturen heruntergekühlt. Aktuell sitze ich bei 25 Grad Raumtemperatur am Schreibtisch. Die unter der Hitze Ächzenden mögen mir verzeihen, daß ich mich gefreut habe, sie gleich am Anfang einmal einem richtigen Belastungstest aussetzen zu können. Die Wirkung ist schon eindrucksvoll. Das zweite Gerät hätte eigentlich heute eingebaut werden sollen, allerdings war sie dem Klimatechniker vom Großhandel bis heute noch nicht geliefert worden. Im Wohnzimmer dauert es also doch noch ein paar Tage. Aber dort sind die Temperaturen sowieso immer ein paar Grad niedriger. Jetzt werde ich in den nächsten Tagen auch mal ein bißchen mit den Voreinstellungen herumspielen. Was ich heute schon geändert habe, war die Zieltemperatur von 23 Grad, die voreingestellt war. Die habe ich 24 Stunden lang belassen, damit Arbeits- und Schlafzimmer ordentlich herunterkühlen, auch die Innenwände, und jetzt sollte es m. E. ausreichen, wenn das Übersteigen von 25 Grad die Anlage anspringen läßt. 

Seither hatten wir ja immer alle Türen und Fenster offen, das wäre jetzt natürlich kontraproduktiv, nur die Tür zwischen Arbeits- und Schlafzimmer bleibt offen, und nachts stellen wir das Schlafzimmerfenster auf Kipp. Es ist eine ganz neue Erfahrung, die Schlafzimmertür zu öffnen und gegen eine Wand aus Hitze zu laufen. Sonst war es immer richtig angenehm, die Treppe zum Erdgeschoß hinunterzulaufen, weil man sofort ein, zwei Grad kühlere Temperaturen als oben hatte. Den Effekt haben wir jedenfalls im Moment nicht, aber gut möglich, daß er sich nach der Installation des Wohnzimmer-Klimageräts doch wieder einstellt. 

Auf der Terrasse war das an der Wohnzimmer-Außenwand hinter dem Gartentor angebrachte Außengerät hörbar, aber in einer Lautstärke, die man rasch nur noch dann wahrnahm, wenn man darauf achtete. Daneben lief es anfangs natürlich auch volle Pulle, da mein Arbeitszimmer sich zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme auf mehr als 30 Grad aufgeheizt hatte. Später wurde es sehr viel leiser. Was ich zwar grundsätzlich gewußt, aber mittlerweile nicht mehr so richtig auf dem Schirm gehabt hatte: Aus dem Außengerät kommt Kondenswasser heraus, das destilliertem Wasser entspricht. Zum Gießen ist das wohl nicht so richtig geeignet, also lassen wir es einfach auf den Boden tropfen, jedenfalls jetzt im Sommer. Zum Gartentor hin hat es ein leichtes Gefälle, und wie bei starkem Regen läuft es dann halt einfach nach draußen, falls es nicht sowieso komplett verdunstet, wie das bei dieser Hitze natürlich schnell geschieht. Wir haben unter dem Gerät nur eine kleine etwas feuchte Stelle, die nicht weiter stört. Im Winter würde dieses Verfahren aber wohl eine schöne Schlitterbahn erzeugen, also werde ich dann wohl einen Eimer darunterstellen. 

Wenn man sich vor das Außengerät stellt, bekommt man ordentlich heiße Luft um die Ohren geblasen, und drinnen zieht es tatsächlich wie die Hechtsuppe, wenn man sich direkt vor das Gerät stellt. Es gibt Mittel und Wege, um das Gerät so einzustellen, daß die Luftbewegungen weniger spürbar sind, aber effizienter ist das Gerät, wenn man das nicht tut. Am Schreibtisch bekomme ich von den Luftbewegungen nichts direkt ab, also spricht für mich nichts dagegen, es einfach so laufen zu lassen. 

Der eigentlich wichtige Test kommt aber natürlich erst im Herbst, wenn es frischer wird und wir mit dem Gerät heizen wollen. Dann werde ich natürlich die Tür zwischen Arbeits- und Schlafzimmer geschlossen halten und nur gegen Abend ein Stündchen öffnen. Wir haben im Schlafzimmer in den beiden Wintern, die wir hinter uns haben, kaum geheizt und außer bei tieferen Minusgraden immer bei gekipptem Fenster geschlafen. Mein Mann wird die Stromverbräuche - im Sommer wie im Winter - tracken. Wir werden vielleicht nächstes Jahr in unserem Verein einen Informationsabend über unsere Erfahrungen machen, weil sich ein paar Leute schon nach Einzelheiten erkundigt haben, die wir jetzt natürlich noch nicht aus eigener Erfahrung wissen können, deshalb wollen wir die hard facts über unsere Verbräuche kennen. 

Ein zweiter spannender Faktor wird das Gegenrechnen der Erträge unseres Balkonkraftwerks. Der Techniker wird irgendwann diese Woche noch vorbeikommen, um die Gegebenheiten hier zu besichtigen und ein Angebot zu erstellen. 

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Die Mäuse müssen es gerochen haben, daß ich aus dem Haus war, denn bei meiner Mutter konnte ich schon Tag für Tag im Mäusekino die Aufnahmen von einem herumspazierenden Mäuslein im Dachspitz verfolgen. Meine Mutter war von diesen Videos so hingerissen, daß sie wahrhaftig den Wunsch bekam, auch Mäuse im Haus zu haben. Zu meinem Verdruß kam mein Göttergatte nicht auf den eigentlich naheliegenden Gedanken, eine Mausefalle aufzustellen. Also tanzten die Mäuse auf dem Tisch, solange ich nicht daheim war. 

Aber es war nicht nur eine Einzelmaus, sondern in meinem Haus wurde eine Mäusefamilie gegründet. Seit meiner Rückkehr habe ich sage und schreibe acht Mäusen die fristlose Kündigung samt sofortiger Zwangsräumung erteilt. Sechs davon waren erkennbar noch sehr jung (sehr klein, Ohren im Verhältnis zum Körper so groß wie bei einem Häschen und so furchtlos wie ein männlicher Teenager im hormonellen Ausnahmezustand), bei denen brachte ich es nicht übers Herz, sie ans Flußufer zu bringen, sondern beschränkte mich auf Verbannung in den Garten. Aber zwei waren voll ausgewachsen und wurden deshalb umgesiedelt. Zwei der sehr kleinen Mäuse brachten das Kunststück fertig, die Haselnuß aus der Falle zu holen, ohne daß sie zuschnappte; vermutlich reichte ihr Körpergewicht nicht aus, um den Mechanismus auszulösen. Zum Verhängnis wurde es der ersten, daß sie später noch einmal wiederkam und die Falle ein weiteres Mal inspizierte, und dabei verließ sie ihr Glück. Die zweite konnte ich live dabei beobachten, wie sie die Nuß herausholte und mit ihr das Weite suchte. Ich ersetzte die Haselnuß durch eine ziemlich große Walnußhälfte, weil ich vermutete, daß sie schwieriger aus der Falle herauszutragen sein würde, und richtig, ich konnte zehn Minuten danach mitverfolgen, wie die winzige Maus wiederkam und wie diesmal die Falle zuschnappte. 

Es wird wirklich höchste Zeit, daß dieser fest ingebaute Schrank wegkommt, der uns den Weg zum Loch blockiert. Die paar Kleidungsstücke, die dort Platz finden, bekommen wir auch im Schlafzimmer in den Schränken unter. Aber vorher müssen diese Mäuse-Teenager erst noch alle raus, sie sollen mir ja nicht verhungern müssen, falls es tatsächlich für sie keinen anderen Ausgang geben sollte. Mal sehen, wieviele winzigkleine Mäuschen das noch werden. Waldmäuse können pro Wurf anscheinend bis zu neun Jungtiere bekommen. 

 

Freitag, 31. Juli 2026

Die Angst des Vermieters vor der roten Karte nach einer Schwalbe

Mein Gewicht nach dem vierten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 75,9 Kilogramm. Mal wieder ein klarer Fall von "Na ja", aber gemessen daran, daß ich vor dem Fastenintervall zehn Tage lang mit dem Fasten ganz ausgesetzt habe, im Rahmen des Erwartbaren. Neue Ideen habe ich im Moment zu der Frage nicht, wie ich von diesem Plateau wieder herunterkomme, aber ich habe im Moment auch eine Menge anderes zu tun. 

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Meine alte Freundin, die WHO, möchte, daß wir mindestens zweimal die Woche Krafttraining durchführen. So berichtete das Ärzteblatt. Ich wollte mal genauer wissen, was die WHO damit eigentlich meint, und suchte danach im Volltext.  

 

Warum ich so einen langweiligen Schrott machen sollte, da ich doch mindestens zweimal die Woche schwere Einkaufstaschen schleppe und nebenbei noch längere Fußwege zurücklege, und mehrmals die Woche im Garten Tätigkeiten habe, die mit sich Strecken und Bücken und manchmal auch Schippen und Buddeln zu tun haben, erschließt sich mir beim besten Willen nicht. Hinzu kommen natürlich noch mit Schleppen, Hochwuchten, sich Strecken und Bücken verbundene Tätigkeit innerhalb des Hauses. Hausarbeit nennt sich das. Verglichen mit dem Zeitumfang und der Intensität, die dabei manchmal erreicht werden kann, ist das aufgelistete Zeugs außerdem Pipifax, ein reiner Zeitfresser ohne einen Nutzen, der nur der Entlastung des Gewissens dient. Das ist ja bei den meisten Leuten schlecht, weil einem dauernd eingehämmert wird, daß wir alle zu wenig Sport treiben. Mein Mann hatte mal einen Kollegen, der war dünn wie ein Strich in der Landschaft, obwohl er dreimal soviel aß wie andere Leute, der körperlich anstrengende Arbeit leistete und mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr, und trotzdem ließ er sich von seinem Arzt weismachen, er müsse zum Schutz seiner Gesundheit zusätzlich auch noch ins Fitnessstudio. 

Drei Männer und eine Frau haben an dieser Studie gearbeitet, drei von ihnen arbeiten beim DKFZ in Heidelberg. Ich vermute, sie beschäftigen alle miteinander für ihren privaten Haushalt Reinigungskräfte und lassen sich außerdem Lebensmittel nach Hause liefern. In so einem Fall sind solche Leibesübungen natürlich die angemessene Strafe für diese geldverschwenderische Faulheit. Ich würde sogar noch weitergehen und ihnen die Zusatzkosten von Fitnesscenterbesuchen aufs Auge drücken wollen. ;-)

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Es ist schon ein Weilchen her, daß die ZEIT titelte: "Nie wieder würde ich in Immobilien investieren." Inzwischen habe ich den Volltext zu sehen bekommen und bin doch ein bißchen enttäuscht, wie dürftig er ausgefallen ist. Hätte ich, wie ich das getan hätte, falls es die Möglichkeit gäbe, den Zugang zu diesem einzelnen Artikel käuflich erworben, hätte ich mich bestimmt geärgert. Die Autorin Celine Schäfer hat augenscheinlich keine Ahnung von Immobilien, was für sich genommen ja noch keine Schande ist. Journalisten sind, wie ich mal in einem Interview über journalistische Arbeit sehr treffend las, Universaldilettanten und es wäre übertriebenes Anspruchsdenken, Fachwissen zu verlangen, wenn ihre Aufgabe lautet, ohne Fachwissen einen interessanten Artikel über ein Thema zu schreiben. Aber sie hatte eben auch kein Gespür für in sich widersprüchliche Behauptungen, was schon eher zu den erwartbaren journalistischen Tugenden zählt, und sie hielt es auch nicht für nötig, jemanden zu fragen, der von der Sache genügend Ahnung hat, um zu erkennen, wo sie vor der Veröffentlichung noch einmal nachhaken sollte. 

Worauf die ZEIT hier Bezug nimmt, sind Umfragen des Verbands Haus und Grund sowie Price Waterhouse Cooper, und aus denen ergibt sich, daß tatsächlich 60 Prozent der Vermieter über den Verkauf ihrer Objekte nachdenken oder dies jedenfalls behaupten. Das ist immerhin belegbar zutreffend und es wurden in der verlinkten Umfrage auch die Gründe für solche Erwägungen untersucht. Die beiden Beispielfälle finde ich allerdings bemerkenswert schlecht begründet. Das muß nicht heißen, daß die beiden Vermieter, mit denen Frau Schäfer gesprochen hat, sie nicht dennoch so begründet haben. Vor allem im ersten Fall halte ich das aber für vorgeschoben, im zweiten fällt es eher unter "Jammern auf hohem Niveau".

Im ersten Fall ging es um einen Vermieter von drei Wohnungen in Berlin-Kreuzberg, der 2011 seine erste Wohnung erworben hatte. 2011 lagen die Angebotskaufpreise in Kreuzberg, wo der Mann gekauft hatte, zwischen 1800 und 2800 Euro pro Quadratmeter. 2026 kann er das Doppelte oder mehr beim Verkaufserlös erzielen. Hinzu kommt noch, daß er die Wohnungen vermietet erworben hat, was immer billiger ist, und die erste dieser drei Wohnungen verkaufte, als die Mieter auszogen, also auch ohne gestiegene Angebotspreise von vornherein einen Gewinn erzielt hätte. Das halte ich für den Hauptgrund, warum er verkaufen und sein Geld lieber auf eine bequemere Weise, etwa ETFs, anlegen will. 

Eigentlich müßte jemand, der vor 15 Jahren vermietete Eigentumswohnungen erworben hat, eine vernünftige Rendite auf das eingesetzte Kapital bekommen. Aber legt jemand den aktuellen Marktwert seiner Wohnungen zugrunde, geht diese Rechnung natürlich nicht auf. Auch wenn die vermuteten erzielbaren Kaufpreise im Falle eines Verkaufs, solange der nicht erfolgt, reine Luftbuchungen sind, fühlt sich das für manche Leute wohl wirklich so an, als entginge ihnen Geld, das ihnen eigentlich zustehen würde. Wegen des Wertzuwachses seiner Immobilien, der keineswegs sein Verdienst ist, sondern ein Glücksfall, macht er bei einem Verkauf schlicht einen wesentlich besseren Schnitt, als wenn er weiter vermieten würde, und hat nebenbei auch weniger Aufwand, wenn er den Verkaufserlös so anlegt, daß er wenig Umstände mit der Verwaltung seiner Anlage hat.

Dagegen ist im Grunde auch nichts einzuwenden, ich mag es bloß nicht, wenn man mich für dumm zu verkaufen versucht. Und das tut dieser Mann. Die Einzelheiten seiner Geschichte passen nämlich hinten und vorne nicht zusammen. 

"Jemand sitzt in einer halben Million Euro von mir und kann machen, was er will", behauptet er an einer Stelle und begründet diesen Eindruck unter anderem damit, daß der Mieter einer seiner Wohnungen von seinem Recht Gebrauch machte, sich gegen eine Eigenbedarfskündigungen juristisch zur Wehr zu setzen. Der Mieter bekam vor Gericht Recht, die Kündigung war also unwirksam. Frau Schäfer hat nicht nachgehakt, warum das Gericht zu dieser Auffassung kam. Ich kann nur spekulieren, aber nach eigenen Angaben wollte er das Objekt als Zweitwohnung nutzen, und so fand das Gericht die zu erwartende Nutzungsintensität wohl nicht ausreichend, um einem Menschen sein vielleicht langjähriges Zuhause nehmen zu dürfen. Vielleicht gab es aber auch Verdachtsmomente dafür, daß in Wirklichkeit das Objekt einfach nur rentabler vermietet werden sollte. 

Der Mieter konnte in diesem Fall also keineswegs machen, was er wollte. Hätte der Käufer seiner Wohnung aus einer Mietwohnung ganz in diese Wohnung umziehen wollen, dann hätte seine Klage gegen die Kündigung keine Chance auf Erfolg gehabt, und ihm wären gerade mal neun Monate geblieben, um eine neue Wohnung zu finden. Es gibt Grund zur Annahme, daß es sich um eine langjährig vermietete Wohnung gehandelt hat - ich komme in den nächsten Absätzen noch einmal darauf zurück -, und das hätte dazu geführt, daß er für eine neue Wohnung eine drastisch höhere Miete hätte bezahlen müssen. Solche langjährig vermieteten Wohnungen mit Miethöhen, die aus heutiger Sicht fast schon lächerlich sind, sind für Kapitalanleger ohne erhebliche kriminelle Energie unattraktiv, aber für Eigennutzer mit ungefähr einem Jahr Zeit bis zum Einzug sowie gering ausgeprägtem Gefühl für Anstand sehr interessant, weil sie viel weniger kosten als Wohnungen, in die sie gleich einziehen können. Meistens geht das gut, weil nur ein Bruchteil der auf Eigenbedarf Gekündigten sich gegen die Kündigung zur Wehr setzen. Der Käufer der Wohnung über mir im Haus, wo ich bis vor zwei Jahren wohnte, ist sogar mit einem vorgetäuschten Eigenbedarf davongekommen, weil der ausgezogene Hauptmieter der Wohnung, noch bevor das klar geworden war, schwer erkrankte, deshalb andere Sorgen hatte und auch kurz darauf starb. Es ist nur eine Minderheit der Eigenbedarfs-Betroffenen, die sich zur Wehr setzt. Aber riskant ist die Methode trotzdem. Der Gesprächspartner von Frau Schäfer war entweder ziemlich blauäugig an die Sache herangegangen oder hatte wissentlich auf Risiko gespielt und verloren. In beiden Fällen sehe ich keinen Grund, ihn zu bemitleiden. Anfänger machen halt Anfängerfehler, aber aus denen kann man ja lernen. Das geht uns allen so, willkommen im Club also. Und sich über einen verlorenen Zock zu entsetzen, beweist so wenig Sportsgeist wie das Jammern über eine rote Karte nach einer Schwalbe beim Fußball. Aber dies ist folgerichtig, denn schon mit der Schwalbe als solcher beweist man ja keinen Sportsgeist.  

Anrüchig macht die Sache von vornherein aber folgendes: Eigenbedarf anmelden ist legitim, aber eine vermietete Wohnung nur zu kaufen, um sofort Eigenbedarf anmelden zu können, ist zwar legal, aber auch in den Fällen, die nicht als Härtefälle gelten, einfach unethisch: Man erwirbt den unter Umständen langjährigen Lebensmittelpunkt eines anderen Menschen, um ihn ihm wegnehmen und ihn selbst vereinnahmen zu können, und setzt ihn dabei einem aktuell schlecht funktionierenden Mietwohnungsmarkt aus. Damit kann man einem Menschen schlimmstenfalls die Existenz ruinieren. Zum Glück kenne ich niemanden, der auf diese Weise sein Wohneigentum erworben hat, denn das wäre für mich ein Grund, ihm die Freundschaft aufzukündigen. Niemand muß vermietete Wohnungen kaufen, um sie selbst zu beziehen. Die Mehrkosten für eine leerstehende Wohnung sollte einem der eigene Anspruch an sich selbst wert sein. 

Es hat seinen Grund, daß solche Wohnungen weniger kosten als bezugsfreie, denn nur eine Minderheit derjenigen, die eine Wohnung zum Selbstbezug suchen, macht von dieser Kostenspar-Möglichkeit Gebrauch und beweist damit, daß ihr Anspruch an sich selbst nicht besonders hoch ist. Es ist aber falsch, sich ausgerechnet in einem Bereich, in dem es um das Zuhause eines Menschen geht, nur auf das Anstandsgefühl der Käufer zu verlassen. Das ist eine besonders wichtige Lücke, die man im Mieterschutz schließen sollte, aber niemand scheint sie auch nur wahrzunehmen. Niemand ist existenziell darauf angewiesen, sich mit solchen miesen Methoden Wohneigentum zu verschaffen, also sollte es unattraktiver gemacht werden, es zu tun. Beispielsweise mit einer Unterscheidung von Eigenbedarf an einer Wohnung, die man schon länger als fünf Jahre besitzt, und Eigenbedarf im Zeitraum vorher. Ich finde, im zweiten Fall reicht eine Kündigungsfrist von maximal neun Monaten bei weitem nicht aus. Die Kündigungsfrist sollte auf mindestens fünf Jahre angehoben werden. Noch besser wäre eine Sperrfrist von fünf Jahren für mit Eigenbedarf begründeten Kündigungen, daß also der Mieter erst danach eine Kündigung mit den üblichen Kündigungsfristen bekommen darf. 

Aus Mieterperspektive ist es natürlich von der realen Wirkung her genauso dramatisch, wenn ein langjähriger Vermieter Eigenbedarf anmeldet, aber hier hat meiner Meinung nach das Interesse des Vermieters ein wesentlich höheres Gewicht als im zweiten Fall und muß deshalb anders mit den Interessen des Mieters abgewogen werden: Die Wohnung wurde regulär als Kapitalanlage erworben und auch genutzt, dann trat der Eigenbedarf auf, und der Vermieter braucht die Wohnung selbst. Das ist etwas qualitativ anderes, als sich eine vermietete Wohnung zu kaufen und dabei von vornherein zu beabsichtigen, dem Mieter umgehend zu kündigen. Auch ein Vermieter kann zur Miete wohnen und gekündigt werden oder den Wohnort wechseln müssen oder andere nachvollziehbare Gründe haben, die Wohnung selbst zu nutzen, und dann muß es ihm auch möglich sein, auf eine vermietete Wohnung, die ihm gehört, bei Bedarf zurückgreifen zu können. Wenn von Eigenbedarfskündigungen die Rede ist, werden diese zwei grundlegend verschiedenen Fälle nie voneinander unterschieden, und das führt dazu, daß die Vertreter beider Seiten ständig aneinander vorbeireden und sich die Konflikte unnötig zuspitzen, wenn beide Seiten der Meinung sind, ihre jeweiligen berechtigten Interessen würden mit Füßen getreten.   

Würde die sofortige Eigenbedarfskündigung nach dem Kauf einer Immobilie erschwert, hätte das den Nebeneffekt, daß vermietete Objekte nur noch mit größeren Preisabschlägen als heute verkauft werden können, aber dann kann immerhin auch die Kalkulation eines Kapitalanlegers als Käufer auch bei einer niedrigeren Miete wieder aufgehen; wer dann weniger bekommt, ist der Verkäufer der Wohnung. Auch das hätte für Mieter gewisse Nebenwirkungen, so nämlich wären Vermieter motivierter, möglichst regelmäßig die Miete zu erhöhen, um im Falle eines Verkaufs nicht ein von vornherein uninteressantes Objekt zu haben, das nur mit drastischen Preisabschlägen verkäuflich ist. 

Aber im Moment ist die Eigenbedarfsregelung nun einmal so, wie sie ist, und ich kann nur jedem Mieter, der für heutige Verhältnisse und gemessen an seinem Einkommen eine so niedrige Miete bezahlt, daß ihm finanziell Luft für Rücklagen bleibt, dringend dazu raten, präventiv möglichst viel Kapital zu bilden, um nicht im Falle einer Eigenbedarfskündigung finanziell ins Schleudern zu geraten. Wer Glück hat und viele Jahre lang von dem Eigenbedarf des Vermieters verschont bleibt, dem gelingt es vielleicht sogar, das nötige Eigenkapital für eine eigene Eigentumswohnung zusammenzukriegen. Die Frage, warum sich Mieter preisgünstiger Wohnungen nicht bewußt sind, daß auftretender Eigenbedarf ihr ganzes Leben versauen kann, wenn sie nicht selbst ein bißchen vorsorgen, wird mir auch zu wenig diskutiert. Ich habe das selbst schon wiederholt selbst miterlebt, wie wenig ein Mieter meistens auf so eine Entwicklung gefaßt ist und sich nie Gedanken um seine eigene Sicherheit gemacht hat, bis die Situation auf einmal doch da war. Auch wenn nicht jeder dieser Mieter imstande ist, größere Rücklagen zu bilden, ist es jedenfalls nicht verkehrt, sich für den Fall der Fälle einen Plan B zu entwickeln. 

Daß es sich beim zweiten erwähnten Objekt in Frau Schäfers Artikel in Wirklichkeit um dieselbe Wohnung handelt, ist nicht eindeutig angegeben, aber ich halte es für sehr wahrscheinlich und werde dies auch begründen. Diese Wohnung soll 65 qm groß und für sage und schreibe 350 Euro kalt vermietet sein. Falls es so wäre, ist der angegebene Wert von einer halben Million oben im Zitat aber maßlos übertrieben. Eine halbe Million wird in Kreuzberg für superdupersanierte Luxusobjekte in dieser Größe verlangt. Daß eine langjährig vermietete Wohnung diesen Kriterien entspricht, halte ich für extrem unwahrscheinlich. Eher möglich ist es, daß sie im Preisbereich um die oder - je nach Zustand und Mietsituation - unter 300.000 Euro verkauft werden könnte, oder bei mittlerer Ausstattung ein paar Zehntausend drüber.  

"Für 65 Quadratmeter nimmt er rund 350 Euro kalt, ein guter Preis für die Gegend", schreibt Celine Schäfer. Das ist eine Untertreibung von spektakulären Ausmaßen. Es entspricht einer Kaltmiete von 5,38 Euro, das liegt unter der Mietspiegel-Untergrenze für die billigsten Wohnungen in einfachster Lage (Ausnahme: DDR-Wohnungsbau, aber der kann ja in Kreuzberg nicht vorliegen). Es liegt so weit unter der durchschnittlichen Angebotsmiete von 8 Euro im Berlin des Jahres 2011, von späteren Jahren - falls speziell dieses Objekt später erworben wurde - ganz zu schweigen, daß ich nicht daran zweifle, daß es sich um ein Mietverhältnis handeln muß, das schon zum Zeitpunkt des Erwerbs der Wohnung jahrelang bestanden hatte. Vermutlich lag damals die Miethöhe auch noch im Rahmen des Üblichen. Aus irgendwelchen Gründen hat aber der Käufer dieser Wohnung anscheinend während der gesamten Dauer des Mietverhältnisses die Miete nicht erhöht. Bedenkt man, daß er damit, wenn die Miete unter die Mietspiegel-Untergrenze sinkt - was ja augenscheinlich geschehen ist - das Risiko eingeht, daß das Finanzamt seine Ausgaben für das Mietobjekt nicht anerkennt, weil die Vermietung zu einer so geringen Miete als Liebhaberei eingestuft werden kann, weil unterstellt wird, daß eine Gewinnerzielungsabsicht bei einer solchen Miethöhe von vornherein nicht besteht (ich kenne einen Fall, in dem das tatsächlich passiert ist), ist das ein gelinde gesagt merkwürdiges Gebaren. 

Ich nehme an, diese Merkwürdigkeiten bedeuten, daß es sich tatsächlich um diejenige Wohnung handelt, in die der Mann selbst einziehen wollte und dabei vor Gericht damit eine Bruchlandung gemacht hat. Ich nehme außerdem an, daß es bedeutet, daß er die Wohnung wirklich schon seit mindestens zehn Jahren, vermutlich die kompletten angegeben anderthalb Jahrzehnte besitzt. Man müßte nämlich schon Lack gesoffen haben, um zu den heutigen Kaufpreisen eine Wohnung mit dieser niedrigen Miete zu erwerben, noch dazu, ohne umgehend von dem Mittel einer Mieterhöhung Gebrauch zu machen, das ja im Rahmen der Vorschriften, Mietpreisbremse und so, möglich und auch legitim gewesen wäre - nach geltender Rechtslage wäre spätestens nach drei Jahren ein Mieterhöhung auf 400 Euro kalt nachvollziehbar und auch für den Mieter keine Zumutung gewesen. Eine Kapitalanlage, die eine Minusrendite bringt, bringt den Käufer früher oder später ja an den Bettelstab. Daß der neue Vermieter die aktuell bezahlte Miete nicht auf Dauer beibehalten kann, muß seinem Mieter nicht gefallen, aber einsehen sollte er es schon. Wenn das in diesem Fall nicht geschehen ist, ist der Grund aber bestimmt nicht Herzensgüte gewesen, denn Menschen mit Herzensgüte kämen gar nicht auf die Idee einer Eigenbedarfskündigung. 

Aber es kommt sogar noch besser, denn angeblich zahlt ausgerechnet dieser Mieter seine Miete außerdem nur unregelmäßig. Aus Mitleid habe er ihn bislang nicht herausgeklagt, behauptet der Interviewte. Falls es sich bei dieser Wohnung doch nicht um die Eigenbedarfs-Wohnung handeln sollte, fragt sich, warum er dann eigentlich mit dem Mieter dieser anderen Wohnung nicht auch Mitleid gehabt hat - aber ich bin mir ziemlich sicher, daß es dieselbe Wohnung ist. Ich nehme an, der Käufer der Wohnung hatte sich einfach verkalkuliert und die Möglichkeit der Mieterhöhung oder auch der Kündigung wegen der unregelmäßigen Mietzahlungen nur deshalb nicht genutzt, weil er glaubte, mit dem Eigenbedarf werde er besser fahren. Also auch hier ist es nicht so, daß der Mieter machen konnte, was er wollte, sondern daß sein Vermieter ihn machen ließ, was er wollte. Dafür kann der Vermieter aber niemanden außer sich selbst verantwortlich machen. 

Daß er diese Wohnung nun einfach nur noch loswerden will, kann man ja verstehen. Dafür, daß der Vermieter -  aus welchen Gründen auch immer - trotz der unregelmäßigen Mietzahlungen von seinem Recht KEINEN GEBRAUCH gemacht hat, kann das Mietrecht aber gar nichts. Niemand verlangt von einem Vermieter, so etwas dauerhaft hinzunehmen. Wäre das meine Wohnung gewesen, hätte ich dem Mieter maximal drei bis vier Monate Zeit gegeben, eine Lösung zu finden, und dann hätte ich den Rechtsweg beschritten, denn der dauert ja trotz einiger Verbesserungen im Mietrecht immer noch lange genug. Mitleid? Daß ich nicht lache. Irgendetwas an dieser Geschichte stinkt. Was es genau ist, könnte nur der interviewte Vermieter sagen, aber das wird er wohl nicht tun. 

Noch ein Zitat aus dem Text zu diesem Vermieter, der eine seltsame Mischung aus Mutter Teresa und Miethai sein müßte, wenn das wirklich alles stimmen sollte:  

"Eine andere Wohnung hat er bereits im vergangenen Jahr verkauft, direkt nachdem die Mieter ausgezogen waren. (Anmerkung: Man beachte, daß er in diese Wohnung offenbar nicht selbst einziehen wollte. So dringend kann sein Eigenbedarf an der anderen Wohnung also nicht gewesen sein.) Seine dritte Wohnung vermietet er an eine alleinerziehende Mutter. Mit dieser Mieterin komme er sehr gut zurecht. »Ihr erhöhe ich auch nicht die Miete«, sagt Voss. »Das fände ich unethisch.« Zöge die Frau allerdings eines Tages ebenfalls aus, will Voss auch diese Wohnung verkaufen."

Eigenbedarfskündigungen direkt nach dem Wohnungskauf sind so unethisch, daß ich ihm diese Tränendrüsen-Story jetzt natürlich auch nicht mehr abkaufe. Ethische Gründe für den Beibehalt einer Miete unter Mietspiegelniveau sind nicht einmal mit der Lupe zu erkennen, also behandelt er die Alleinerziehende weder besser noch schlechter als seinen unzuverlässigen männlichen Mieter. Wer hat's außerdem gemerkt? Die bereits verkaufte Wohnung  ist schwerlich die mit dem Eigenbedarf, denn bei jener war von einem einzelnen Mieter die Rede, hier sind es aber mehrere Mieter. Das ist eine Textaufgabe auf dem Niveau von Viertklässlern: Wenn ein Mann drei Eigentumswohnungen besitzt, eine mit mehreren Mietern, eine mit einer alleinerziehenden Mutter mit Kind(ern) und eine mit einem augenscheinlich männlichen Mieter, dann sind die zwei Wohnungen, bei denen er von einem "Mieter" sprach, wahrscheinlich identisch. 

So schlau wird er wohl immerhin gewesen sein, bei der letztes Jahr verkauften Wohnung (die, in der es mehrere Mieter gab) die zehn Jahre abzuwarten, bis keine Spekulationssteuer mehr droht. Ergo hat er sie vor 2015 erworben. 2014 lagen die Kaufpreise in Kreuzberg pro qm bei 2800 bis 3800 Euro, für 2025 konnte ich leider für Kreuzberg keine Zahlen finden, aber der Berliner Durchschnitt liegt derzeit bei 5400 Euro herum. Also hat er bei diesem Verkauf einen ansehnlichen Gewinn gemacht. 

Mal ganz langsam zum Mitmeißeln: Mieterhöhungen sind nicht per se unethisch. Wer wie Frau Schäfer solchen Bullshit, der ja zwischen den Zeilen mitschwingt, wenn er Mieterhöhungen für Alleinerziehende von vornherein ausschließt, unhinterfragt weiterverbreitet, weckt bei Mietern unerfüllbare Erwartungen und unterstützt die Sichtweise auf den Vermieter als Feindbild, denn natürlich kann niemand sich leisten, eine Wohnung so billig zu vermieten, daß nicht wenigstens eine kleine Rendite dabei herausspringt. Wie groß die betreffende Wohnung ist und wieviel Miete diese Mieterin bezahlt, wurde von Frau Schäfer leider auch nicht erfragt, aber es wäre beispielsweise überhaupt nicht unethisch, falls auch sie nur eine Miete von 350 Euro für 65qm bezahlt, sie im gesetzlich vorgeschriebenen Zeitrahmen zu erhöhen, bis wenigstens die Untergrenze des Mietspiegel-Rahmens überschritten ist. Denn immerhin, auch alleinerziehende Mütter bekommen allermindestens den Mindestlohn, und der hat sich zwischen 2015 und 2025 von 8,50 Euro pro Stunde auf 12,82 Euro erhöht. Das Kind oder die Kinder sind in den letzten zehn Jahren auch nicht zehn Jahre jünger, sondern zehn Jahre älter geworden, also kann man annehmen, daß ein Vollzeitjob inzwischen möglich und zumutbar ist und vermutlich auch ausgeübt wird. Bei einem Vollzeit-Erwerbseinkommen zum Mindestlohn hätte sie 2025 um die 2200 Euro brutto verdient, minus Abzüge roundabout um die 1700 Euro zuzüglich Kindergeld von 259 Euro sowie Kindesunterhalt oder Unterhaltsvorschuß - Gesamthöhe hängt natürlich von der Zahl und dem Alter der Kinder ab. Im Worst Case wären es pro Kind 299 Euro Unterhaltsvorschuß, nämlich dann, wenn die Kinder auch zehn Jahre nach dem Kauf der Wohnung durch den Vermieter immer noch jünger als zwölf Jahre sein sollten. Für über Zwölfjährige gibt es 394 Euro. 

Ich meine, von einem Gesamteinkommen für zwei Personen von mindestens um die 2300 Euro netto müßte man sich eine Kaltmiete von mehr als 350 Euro, sie entspäche ungefähr 15 Prozent des Nettoeinkommens, eigentlich leisten können. Also wäre eine Mieterhöhung auch nicht unethisch, sofern sich die neue Miethöhe im Rahmen der Mietpreisbremse sowie des Mietspiegels bewegt. 

Verstehen könnte ich es, wenn dieser Vermieter deshalb verkaufen will, weil Vermieten mit einem gewissen Aufwand verbunden ist und ihm vielleicht ja einfach nicht viel Spaß macht, da er seine Wohnungen ja stattdessen nach dem Aussitzen der Zehn-Jahres-Frist, nach der keine Spekulationssteuer mehr fällig wird, auch einfach mit einem beträchtlichen Gewinn weiterverkaufen kann. Verstehen könnte ich außerdem eine Verunsicherung über die Zukunftsperspektive in Berlin, wo Vermieter viel stärker als Feindbild gelten als anderswo, und auch die Politik sie eher feindselig behandelt. Aber was er Frau Schäfer erzählt hat, ergibt so wenig Sinn, daß ich behaupte, an dieser Geschichte muß einiges oberfaul sein. Vermutlich habe ich davon nur die Spitze des Eisbergs zu sehen bekommen. Und die Journalistin hat es überhaupt nicht gemerkt. Leider werden es die meisten Leser auch nicht bemerken. 

Ein anderer Vermieter, mit dem sie sprach, ein Mann aus Düsseldorf, stöhnt, die Vermietung sei nur schwer mit einem regulären Vollzeit-Arbeitsverhältnis zu vereinen. "Wenn das Klingelschild kaputt ist oder im Keller eine Glühbirne ausfällt, muss ich mich da eben schnell drum kümmern", sagt dieser Vermieter. "Ich bin für den Mieter ein Vertragspartner, und da habe ich auch gewisse Pflichten." Oft kämen die Probleme, seien sie auch noch so klein, ausgerechnet dann, wenn er eigentlich keine Zeit habe. Im Vergleich zu anderen Investitionsformen erfordere das Vermieten ständige Erreichbarkeit. "Das ist nicht wie bei einem ETF-Verkauf, ich kann nicht einfach verkaufen und wieder neu kaufen, wann ich Lust habe", sagt er.

Recht hat er damit, daß der Aufwand selbstverständlich höher als bei einem ETF ist. Die beiden genannten Beispiele für seine Vermieterpflichten sind aber Aufgaben der Hausverwaltung, nicht seine. Warum der Vermieter kommen müssen sollte, um im mitgemieteten Kellerraum des Mieters Glühbirnen zu wechseln, falls es doch nicht um das Gemeinschaftseigentum im Keller geht, leuchtet mir auch nicht ein. Niemand ruft ja seinen Vermieter, wenn der Glühbirnenwechsel in der Wohnung nötig ist. Bestätigen kann ich aber, daß die Vermieteraufgaben, wie von Murphys Gesetz vorgeschrieben, immer über einen hereinbrechen, wenn man sie gerade ums Verrecken nicht gebrauchen kann. Aber das tun meine Aufträge häufig auch. Wer mit so was nicht umgehen kann, ist in der Selbständigkeit falsch, und da ich es als Freiberuflerin kann, kann ich es natürlich auch als Vermieterin. 

Mit zwei Wohnungen wie im Beispielfall ist der Aufwand einer Vermietung meiner Erfahrung nach locker neben einer normalen Berufstätigkeit zu bewältigen. Ich komme mit den vier Wohnungen inklusive der meines Mannes, die jetzt verkauft werden soll (ja, inzwischen stehen erste Besichtigungen an), jedenfalls ganz gut klar, und wenn die letztere mal verkauft ist und ich nur noch drei habe, ist der durchschnittliche Aufwand nicht mehr der Rede wert. Wenn mal was richtig schiefgeht, muß man aber tatsächlich Zeit investieren, die auch mal wehtun kann. Dafür fällt dazwischen bei einer einzelnen Wohnung jahrelang überhaupt nichts an außer der jährlichen Miteigentümerversammlung und natürlich die Steuererklärung. Aufwendigerer Kram wie Neuvermietung, Probleme mit dem Mieter oder der Hausverwaltung oder anderen Leuten im Haus, einen Wasserrohrbruch hatte ich außerdem auch schon einmal (in 26 Jahren Vermieten), das fällt bei mir durchschnittlich alles zusammengenommen etwa alle fünf bis sechs Jahre einmal an, und dann muß man da eben durch. Reparaturen sind häufiger nötig, vielleicht durchschnittlich einmal im Jahr in einer von vier Wohnungen, aber meistens reicht es, wenn ich dem jeweiligen Mieter sage, er solle einen Termin mit meinen Stamm-Handwerkern machen. Und dann ist halt noch die Rechnung zu bezahlen. Ich habe überwiegend zuverlässige  Handwerker, die ich teils schon seit drei Jahrzehnten beauftrage, und kann mich darauf verlassen, daß die alles ordentlich machen. Bei neuen Handwerkern werfe ich natürlich doch lieber noch selbst einen Blick auf die Sache. 

Was ich eher nachvollziehen kann, ist, daß die gesetzlichen Regularien einen überfordern können, aber daß dann von diesen Vermietern ausgerechnet über das neue Gebäudemodernisierungsgesetz lamentiert wird, vermittelt mir das irritierende Gefühl, daß kein Mensch kapiert, wieviel einfacher es jetzt für die Besitzer von Eigentumswohnungen geworden ist. Daran sind die Autoren des Gesetzes selbst schuld, sie haben es mit so viel Zeug überfrachtet, das in der Praxis gar keine Rolle spielen wird, daß natürlich jemand, für den Heizungen immer ein Problem waren, mit dem man erforderlichenfalls Dritte beauftragte, vergeblich nach einem roten Faden sucht. Die Spreu vom Weizen trennen kann nur, der schon vor diesem Gesetz in etwa wußte, was er wollte. 

Niemand muß doch eine Heizung mit fossilem Energieträger neu einbauen - jetzt nicht mehr, da das Zentralheizungs-Damoklesschwert weg ist. Der gesamte Kram mit Biotreppe und so Zeug ist meiner Meinung nach nichts als ein Feigenblatt, hinter dem verborgen ist, daß die Bundesregierung letztlich bei den Änderungen viel weniger Spielraum hatte, als sie im Wahlkampf behauptet hat. EU-Richtlinien und so. In der Praxis wird das alles höchstwahrscheinlich wegen ausbleibender Nutzung der betreffenden Lösungen nie eine größere Rolle spielen. Es macht lediglich das Gesetz unübersichtlicher für diejenigen Vermieter, die nicht so genau wissen, was sie eigentlich heizungsmäßig wollen. Aber die vorherige Fokussierung auf Zentralheizungen mit perspektivischem Blick vor allem auf die sauteuren Fernwärmeheizungen war ja auch in fast allen WEGs, die nicht schon vorher einen Fernwärmeanschluß hatten, mit viel Erklärungsaufwand verbunden. Vor allem dort, wo ein Fernwärmeanschluß weder aktuell möglich ist noch in absehbarer Zeit möglich werden wird und man eine Zentralheizung sowieso nur mit Gas betreiben kann, weil der Einbau einer Wärmepumpe fürs ganze Haus oft nicht wirtschaftlich darstellbar und in vielen Fällen wegen baulicher Gegebenheiten von vornherein unmöglich gewesen wäre. 

Meine Wohnungen hätte ich in jedem Fall behalten, weil ich gerne Vermieter bin und deshalb gerne ein wenig von meiner Lebenszeit dafür einsetze. Aber so, wie es nach Inkrafttreten des GMG  ist, ist es mir natürlich sehr viel lieber. Wer unbedingt eine neue Öl- oder Gasheizung einbauen will, der kann das ja tun, allerdings ist das perspektivisch auch ohne die beschriebenen Auflagen keine sonderlich kluge Entscheidung. In zwanzig Jahren wird die Wohnungsnot wohl - ähnlich wie die Massenarbeitslosigkeit vor zwanzig Jahren heute - nur noch eine Horrorgeschichte aus alten Zeiten sein. Die Bevölkerung wird schrumpfen und der Wohnungsmarkt wird sich entspannen. In den weniger gefragten Wohnorten werden Leerstände einsetzen. Und dann wird eine fossile Heizung natürlich zum wertmindernden Faktor oder sogar zum Vermietungshindernis werden. 

In dem Gründerzeithaus, in dem ich fast ein Vierteljahrhundert lang gewohnt habe, gab es ursprünglich keine Bäder. In Wohnungsnotzeiten bis in die sechziger Jahre hinein fanden sich trotzdem immer Mieter, aber als sich der Markt in den Siebzigern halbwegs entspannte, rangen sich die Vermieter einer nach dem anderen dazu durch, entweder ein Bad oder mindestens eine Dusche in der Küche einzubauen, weil sie zu große Schwierigkeiten bekamen, ihre Objekte vermietet zu bekommen. Dusche in Küche gab es in preisgünstigeren Gründerzeit-Altbauwohnungen noch in den achtziger Jahren häufig (der Knaller bei einer Wohnungsbesichtigung damals war für mich eine Badewanne unter der verschiebbaren Spüle, die man also nur nutzen konnte, wenn man das Geschirr gespült und abgetrocknet hatte - das war dermaßen schräg, daß ich es schon wieder witzig fand), mittlerweile findet man sie aber nur noch in Einzelfällen vor, denn auch das ist mittlerweile ein Faktor, der Mieter abschreckt, vor allem die mit den besseren Einkommen, die ja viele Vermieter am liebsten haben möchten. Ich habe übrigens eine dieser selten gewordenen Wohnungen mit Dusche in Küche in einer Wohnung, die seit über zwanzig Jahren an denselben Mieter vermietet ist, dem der günstige Mietpreis wichtiger war als dieses Ausstattungsdetail. Als ich kurz nach dem Wohnungskauf den Mieter fragte, ob ich ihm ein vernünftiges Bad einbauen solle, hat er aber nur abgewinkt, obwohl ich ihm versicherte, ich würde die Miete deswegen nicht erhöhen. Sollte er einmal ausziehen, ist der Badeinbau aber meine erste Amtshandlung. Auch wenn Dusche in Küche womöglich inzwischen eine Art Kuriositätswert gewonnen haben sollte und merkwürdigerweise noch nicht einmal im Mietspiegel als wertmindernder Faktor gilt (dafür gibt es Pluspunkte für ein wandhängendes Klo, aus welchen Gründen auch immer), es kostet ja nicht die Welt, die Wand zwischen dem Klo und der Dusche zu entfernen und stattdessen eine neben der Dusche hochziehen zu lassen. Der Aufwand ist auch überschaubar. 

Öl- oder Gasheizung wird in einem entspannteren Mietwohnungsmarkt natürlich künftig genauso wertmindernd wirken, und daß diese Entspannung kommen wird, wenn auch nicht gleich nächste Woche, ist ja längst genauso absehbar, wie es auch 2005, auf dem Höhepunkt der Massenarbeitslosigkeit, längst absehbar gewesen ist, daß ein Fachkräftemangel - und zwar nicht bei Akademikern, sondern bei den mittleren Qualifikationen, also den Ausbildungsberufen - sich bereits am Horizont abzeichnete. Der Unternehmenslobby kann man nur dazu gratulieren, daß es ihr gelungen ist, diese Entwicklung - die in den Konzernen natürlich längst bekannt gewesen sein muß - durch politische Weichenstellungen zu ihren Gunsten so weit wie möglich hinauszuzögern. Auch damals ist die 20-Jahres-Perspektive in allen damals aktuellen Debatten praktisch nie mit eingeflossen. Die Leute bilden sich immer ein, das, was man gerade live miterlebt, werde dauerhaft so bleiben. Daran kann ich nichts ändern, aber ich kann mich jedenfalls selbst darauf vorbereiten, wenn ich in diesem speziellen Bereich ein bißchen weitblickender als die meisten anderen bin. 

Was auch immer in den nächsten zwei Jahrzehnten für neue und noch bessere Lösungen entwickelt werden, als sie aktuell aus Erneuerbaren zur Verfügung stehen, mit Split-Klimaanlagen bin ich vermutlich für die nächsten zwanzig Jahre besser positioniert als mit einer neuen Öl- oder Gasheizung, unter anderem auch deshalb, weil ich wesentlich weniger dafür bezahlt haben werde als der Käufer solcher Heizungen. Falls in zwanzig Jahren neue und noch bessere Heizvarianten existieren sollten, sind die Kosten für die Splitanlagen längst abgeschrieben und es wäre für mich kein Problem, auf ein anderes Heizmodell zu switchen, falls es dafür gute Argumente gäbe. 

***

Wie weiter oben erwähnt, haben wir den dritten und letzten Wohnungsverkauf jetzt anzuleiern begonnen und am Sonntag erste Besichtigungstermine vereinbart. Erste Beobachtungen: Die Anfragen sind immer noch ziemlich spärlich, aber was mir besonders auffiel: Alle Anfragen kamen von Privatpersonen, die einen seriösen Eindruck machen. Diese ganzen windigen Geschäftlesmacher, die letztes Jahr, als wir den zweiten Versuch vorzeitig abbrachen und ich mich lieber auf den Verkauf der kleinsten Wohnung konzentrierte, weiter ein gewisses Interesse zeigten, sind im Moment offenbar nicht so aktiv. Das ist auch für uns nicht negativ. Wir hätten ja gerne einen seriösen Käufer und die verdächtigen kosten vor allem unnötig viel Zeit. Interessanterweise haben alle bisherigen Interessenten einen akademischen naturwissenschaftlich-technischen Background. Es hat sich offenbar gelohnt, bei der Heizung en passant auf die Möglichkeit einer Heizungsumstellung auf Luft-Luft-Wärmepumpe hinzuweisen und die zu erwartenden Kosten dafür zu beziffern. 

Sicherheitshalber habe ich die Anzeige für ein volles Vierteljahr gebucht. Falls wir Glück haben und schon in der ersten Besichtungsrunde einen Volltreffer landen, verschmerzen wir diese zusätzlichen Kosten gerne. Mir ist nach den Vorerfahrungen aber schon klar, daß es diesmal ein bißchen länger dauern kann als bei den beiden anderen Wohnungsverkäufen. Das Problem ist, daß Vergleichsobjekte in ähnlichem Zustand und ähnlicher Größe wenige Straßen weiter günstiger angeboten werden, aber wegen der besseren Lage unserer Wohnung eigentlich nicht wirklich vergleichbar sind. Der Bodenrichtwert ist bei unserem Objekt um 50 % höher als bei diesen anderen Objekten. Den Vorteil einer ruhigeren und grüneren Umgebung muß der Käufer schon erkennen und schätzen und er muß ihm ein paar zusätzliche Euros wert sein. Ich habe meinen Mann bereits schonend darauf vorbereitet, daß es möglich ist, für jeden Besichtigungsinteressenten einzeln Termine ausmachen zu müssen, was natürlich viel zeitaufwendiger ist. Bislang waren wir in dieser Hinsicht aber schon ein bißchen verwöhnt. Bei den beiden vorherigen Wohnungsverkäufen war es kein Problem, immer mehrere Besichtigungen auf ein Datum zu bündeln. 

Mein Mann jammert, aber da muß er durch. Diesmal werden wir den Verkauf durchziehen, mag es dauern, so lange es will. Beim ersten Versuch hätte es schnell gehen müssen, weil anschließend ja unser Umzug anstand und sich außerdem kurz danach Probleme mit der Hausverwaltung abzeichneten (inzwischen sind sie durch Hausverwaltungswechsel gelöst). Und im ersten Anlauf klappte es nun einmal nicht, in erster Linie, weil mein Mann auf einen Angebotspreis bestanden hatte, den ich für zu hoch hielt. Beim zweiten Versuch war einfach der Zeitpunkt verkehrt für ein Objekt, von dem wir schon ahnten, daß es kein Selbstläufer sein wird. 

Am Montag beginnt die Montage unserer Split-Klimaanlage im Haus. Murphys Gesetz wollte die nächsten beiden richtig heißen Tage bereits diese Woche, aber mit den hohen Temperaturen kam ich gut klar, weil die Luftfeuchtigkeit erst anstieg, als es geregnet und auf unter 30 Grad abgekühlt hatte. 

Wegen der PV-Anlage erwarte ich heute den nötigen Rückruf. Natürlich traf ich den empfohlenen Handwerker gerade an der Baustelle an, und da war es vernünftig, das Gespräch nochmal zu verschieben, bis er sich genügend Zeit für eine telefonische Vorbesprechung nehmen kann. Es gibt ja einige Besonderheiten bei unserem Projekt, beginnend damit, daß wir keinen Balkon für ein Balkonkraftwerk haben, sondern das Werkstattdach nutzen wollen. Die Frage ist, ob es überhaupt stabil genug ist für eine Flächenlast von ca 15 Kilo pro Quadratmeter bzw. wenn nicht, auf welche Weise wir es ausreichend stabilisieren können. Dann wollen wir die Anlage erweiterungsfähig, wir wollen, daß sie auch bei Stromausfall funktioniert (Überraschung, das ist normalerweise nicht der Fall, läßt sich aber einrichten) und wir benötigen ausreichend Speicher, gerne eher ein bißchen zu viel als zu wenig. Wir würden auch gerne wissen, wieviel Strom herumkommen wird, falls wir einmal das gesamte Werkstattdach mit Solarzellen bepflastern, das heißt, er sollte uns berechnen, wieviele Solarzellen Platz haben und mit welchem Ertrag wir dann rechnen können. Ich fände es nämlich nicht schlecht, wenn wir ganz darauf verzichten könnten, auch das Hausdach zu belegen. Und selbstverständlich möchten wir von ihm auch eine Empfehlung, was für Solarmodule wir am besten anbringen lassen. 

Das heißt, in jedem Fall muß der Handwerker sich die Sache bei uns vor Ort erst einmal anschauen.  

Glücklicherweise hat mein Mann ab Montag Urlaub, wenn es mit der Split-Anlage losgeht, denn ausgerechnet am Montag habe ich einen Zahnarzttermin. Ein paar Häuser weiter von meinem alten Zuhause, und weil ich weiß, daß daheim alles funktionieren wird, habe ich einen meiner Mieter, den mit der Dusche in der Küche, angemailt und gefragt, ob er, wenn ich aus dem Folterstuhl wieder raus darf, Lust auf eine Runde Hausklatsch, mindestens eine Gurke, mindestens eine Zucchini und ein paar Mirabellen im Tausch gegen ein Täßchen Kaffee habe. Er hatte Lust. Auch zur Wohnungsbesichtigung am Sonntag nehmen wir für den zugehörigen Mieter Gurken, Zucchini und Mirabellen mit - wir wissen, daß der sich in jedem Fall darüber freut. So funktionieren gute Mietverhältnisse. ;-) 


Dienstag, 28. Juli 2026

Hitzefolgen, Suppenkasper und Äpfelklauen als Hobby

So, ich bin wieder da, und wie ich es geahnt hatte: Nach zehn Tage bei meiner Mutter ohne einen Fastentag lag mein Gewicht gestern natürlich ein wenig über 80 Kilogramm, nämlich bei 80,6. Heute morgen nach dem ersten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen wog ich 78,5. Da mein Mann ab nächste Woche drei Wochen Urlaub hat, fällt das nächste lange Fastenintervall aus, also brauche ich mich gar nicht der Hoffnung hingeben, die 80 demnächst mal wieder abschütteln zu können. Denn leider habe ich, nachdem die Beseitigung der Verstopfungsproblematik nichts verändert hat, gerade keine Idee, was ich zusätzlich zu dem machen sollte, das ich ohnehin mache. Also hoffe ich mal wieder auf die Low-Carb-Phase, bis zu der ist es ja nicht mehr so wahnsinnig lange hin.

Es war ein angenehmer Besuch bei meiner Mutter, sehr entspannt und lustig, und ich habe von ihr nebenbei etwas erfahren, worüber ich schmunzeln mußte. Denn auch meine Mutter - im Oktober wird sie 90 Jahre alt - zählt genau wie ich zu der Minderheit in dem Teil der Bevölkerung, der die mittleren Jahre hinter sich hat, die überhaupt keine Medikamente als Dauermedikation nimmt. Sie vermeidet es, Medikamente zu nehmen, wenn sie nicht durch Krankheitssymptome - vorübergehend! - erforderlich erscheinen. Wenn ich das noch richtig weiß, war das bei ihr aber nicht immer so, aber wann genau sie aufgehört hat, Pillen zu nehmen, weiß ich nicht so genau. Ich glaube, sie hat in den Wechseljahren damals ein Hormonpräparat bekommen und irgendwas gegen Osteoporose. Aber sie muß noch etwas anderes mal verschrieben bekommen haben, was genau erinnert sie sich nicht mehr, nur daß sie das nicht vertrug und vom Arzt deshalb ein Ausweichmedikament verschrieben bekam. Als sie in der Apotheke fragte, sagte man ihr aber, dieses andere Medikament enthalte genau dieselben Inhaltsstoffe wie das erste. Meine Mutter hat Sinn für ein bißchen Theatralik, und so zerriß sie das Rezept demonstrativ direkt an der Verkaufstheke und suchte den betreffenden Arzt von Stund an nicht mehr auf. Daraus schließe ich, daß es ein Facharzt gewesen sein muß, denn sie hat seit meiner Kindheit dieselbe Hausarztpraxis, mittlerweile in zweiter oder vielleicht sogar schon dritter Generation derselben Arztfamilie geführt. 

***

Es gab eine interessante Einlassung des Science Media Centers zu den Hitzetoten, in der unter anderem auch darauf hingewiesen wurde, daß diese Wochendurchschnitte das Bild ein wenig verfälschen, weil es vor allem bestimmte Tage sind, an denen viele zusätzliche Todesfälle auftreten. Was ich aus dem Text mitnehme, ist, daß schon bei einem Tagesmittelwert über 20 Grad (also der Durchschnitt der gesamten 24 Stunden einschließlich der Nacht) ein Anstieg der Sterblichkeit meßbar sei und die Gesamtzahl deshalb eher unterschätzt wird. 

Dazu gab es eine Grafik, der ich entnehme, daß wir - jedenfalls einstweilen, das kann sich ja noch ändern - noch ein gutes Stück von den Hitzetoten des Gesamtjahres 2003 entfernt sein müssen, aber ebenso - und das war mir neu -, daß es 1994 vergleichbar viele Tote wie 2003 gegeben haben muß. Eine kurze Recherche ergab, daß das vor allem an der Gnade der richtigen Wohnregion lag, denn bei uns herum war es tatsächlich nur ein Sommer mit ziemlich normalen Sommertemperaturen. Wie es anderswo zuging, kann man hier nachlesen. 

Was ich löblich finde, ist, daß endlich einmal auch auf die durch Kälte verursachten oder beschleunigten Todesfälle eingangen wurde. 

„Insgesamt schätzte eine Studie aus 2023 für die Studienperiode 2000 bis 2019 über 854 städtische Gebiete Europas hinweg die jährliche Übersterblichkeit durch Hitze und Kälte: 130.228 Todesfälle (95-Prozent-Konfidenzintervall: 115.893 bis 143.929), waren auf Kälte, und 13.589 Todesfällen (95-Prozent-Konfidenzintervall: 11.530 bis 15.475), auf Hitze zurückzuführen 

Es wurde auf eine weitere Studie verwiesen, die sich mit der Entwicklung dieser Hitze- und Kältetoten befaßt hatte und in ihren Modellberechnungen auf eine Nettozunahme der Temperaturtoten in weiten Teilen Europas - ausgenommen die Staaten weiter im Norden - gekommen sei. Auch in Deutschland werde es unter dem Strich mehr Tote geben. Mir kommt es freilich nicht sonderlich sinnvoll vor, als Vergleichszeitraum für die Jahre 2050–2054 und 2095–2099 den Zeitraum 2000 bis 2014 zu wählen. Da hätte ich es sinnvoller gefunden, mit dem Zeitraum 1950-1954 und 1995-1999 zu vergleichen. 

Was ich aber auch vermißt habe und was einen solchen Vergleich dann noch mehr beeinflußt hätte, ist eine angemessene Berücksichtigung der stark alternden Bevölkerung, die natürlich auf die Ergebnisse Auswirkungen hat. Hochbetagte sind um einiges anfälliger sowohl bei Hitze als auch bei Kälte, und mindestens 2050 bis 2054 wird diese Altersgruppe deutlich mehr Menschen als heute - ganz zu schweigen von 1950 - umfassen. Auch ohne Klimawandel - gemeint sind also: Temperaturen, die dem in der Studie gewählten Vergleichszeitraum 2000 bis 2014 entsprechen - führt das zwangsläufig zu mehr temperaturbedingten Todesfällen als bei einer Bevölkerung mit weniger Hochbetagten. Ich hätte mir gewünscht, daß das wenigstens erwähnt worden wäre, denn es verzerrt die Sache doch ein wenig. Angenommen, die Modelle erweisen sich als treffsicher, müßte die Zahl der Toten deshalb noch höher als errechnet ausfallen. 

Wäre es aber nicht langsam Zeit, sich einmal in der öffentlichen Debatte mit der unbestreitbaren Tatsache auseinanderzusetzen, daß es die ständig steigende Lebenserwartung nun einmal nicht zum Nulltarif gibt? Das gilt nicht nur für die finanzielle Seite, also die in hohem Alter durchschnittlich höheren Krankheitskosten. Das gesamte biologische System ist bei Menschen, die ein hohes Alter erreicht haben, sehr viel fragiler und von allen von außen kommenden Gefahren sehr viel stärker bedroht als in den jüngeren Altersgruppen. Es gibt aber Grenzen dessen, was man tun kann, um diese höheren Todesfallrisiken zu verringern. Man kann beispielsweise ältere Menschen kaum in derselben Weise schützen, wie man das bei Gefahren, die Kinder bedrohen, gewöhnt ist, weil sie natürlich ein viel umfassenderes Recht haben, über das, was sie tun und nicht tun, selbst zu entscheiden, und zwar auch dann, wenn es zu ihrem eigenen Schaden sein kann. Schon Corona, als die Altenpflegeeinrichtungen in Quarantäne mußten, war ein Grenzfall und wäre mit der damaligen Argumentation alleine, die den Schutz des jeweils einzelnen Bewohners und Pflegers als Begründung wählte, meiner Meinung nach noch nicht akzeptabel gewesen. Richtig war es aber wegen der zu befürchtenden exponentiellen Zunahme der Infektionen und der möglichen dramatischen Auswirkungen auf das gesamte gesellschaftliche Leben. 

Das alles spricht natürlich nicht gegen Hitzschutzmaßnahmen. Wie man an dem Jahr 1994 sieht, wäre dies schon vor dreißig und sicherlich auch schon vor fünfzig Jahren sinnvoll gewesen. Ich halte es aber für eine gefährliche Illusion, wenn zwischen den Zeilen immer der Eindruck erweckt wird, die richtigen Hitzeschutzmaßnahmen würden dafür sorgen können, daß es an heißen Tagen keinen Anstieg der Todesfallzahlen gibt, und wenn es gar nicht erst erwähnt wird, daß Kältewellen - und überhaupt alle starken Temperaturschwankungen in kurzer Zeit, egal in welche Richtung - zu mehr Todesfällen führen. Ich kann das an den Todesanzeigen in meiner Zeitung nämlich auch im Frühjahr oder Herbst ablesen. Übersterblichkeiten wird es auch bei den bestmöglichen Schutzmaßnahmen weiter geben, und wir sollten uns sowieso darauf einstellen, allenfalls mittelmäßige Schutzmaßnahmen zu bekommen und uns ansonsten selbst bestmöglich um unseren Schutz zu kümmern. Das aber bedeutet bei einer weiter alternden Bevölkerung zwangsläufig steigende Zahlen von Temperaturtoten, ob nun durch Hitze oder durch Kälte. 

Gut, daß ich 1994 eine klimabegünstigte Region bewohnte, in der die Hitzewelle nicht voll durchschlug. Damals arbeitete ich nämlich in einem nicht klimatisierten Büro in einem Siebziger-Jahre-Bau, das von morgens um acht Uhr bis zum Feierabend die volle Sonnenbreitseite abbekam, und es gab nur auf einer Seite einen Rollo, der sich über die gesamte Außenfläche dieses Gebäudeteils erstreckte und den man vom Büro nebenan herunterlassen mußte - die Kollegen dort waren aber längst nicht so geplagt von der Sonneneinstrahlung wie wir in unserem und hätten häufig selbst viel lieber nicht das Licht anschalten müssen. An Hitzetagen erhitzte sich der Raum extrem. Es dauerte Jahre, bis wir es durchsetzen konnten, zusätzlich noch mit Vorhängen verschatten zu können, und das von allen Seiten. Wir mußten sogar den Bildschirm unseres ersten Büro-PCs noch ziemlich lange mit selbstgebastelten Pappkarton-Verschattungen versehen, sonst hätten wir den Text auf dem Bildschirm gar nicht lesen können - also können die Vorhänge frühestens Ende der neunziger Jahre angebracht worden sein, denn wir bekamen diesen Rechner fast zeitgleich mit meinem ersten privaten PC, und den hatte ich ab 1997. Bis dahin, von 1993 an, war das Beschriebene also der Normalzustand an heißen Sommertagen. Ich erinnere mich noch, einmal an einem heißen Tag kam der Hausmeister und verlangte von mir, meinen privaten Ventilator auszuschalten, weil private Geräte nicht zulässig seien. Daraufhin drohte ich ihm, in diesem Fall auf der Stelle nach Haus zu gehen und erst dann wiederzukommen, wenn mir ein Dienst-Ventilator zur Verfügung gestellt wurde. Er verließ den Raum und kam nie wieder auf das Thema zurück. Vielleicht bin ich ja deshalb in den heutigen Hitzephasen vergleichsweise entspannt, ich habe da wirklich schon Schlimmeres hinter mir. Immerhin habe ich in meinem Arbeitszimmer im Sommer nur morgens für eine kurze Phase ein wenig Sonneneinstrahlung, erst wenn die Sonne tiefer steht, also ab dem Herbst, verlängert sich das. Die Temperaturen, mit denen ich damals viele Jahre lang bei der Arbeit zurechtkommen mußte, werden hier trotz Klimawandel garantiert nicht erreicht. 

***

Während meines Urlaubs hat sich eine Personalie in der CDU, die mir von Anfang an nicht gefallen hatte, hoffentlich endgültig erledigt, nämlich Jens Spahn an der Fraktionsspitze. Spahns Fehler ist es nicht, schwul und mit einem Mann verheiratet zu sein, so was machte etwaige Kritiker ja im Gegenteil eher ein bißchen zögerlich mit der Kritik. Auch daß die beiden eine Familie gründeten, war nicht das Problem. Letztlich war es noch nicht einmal die Leihmutter, die von den beiden beauftragt wurde und das bestellte Kind lieferte. Es war vielmehr die Chuzpe, mit der Spahn mit schönster Selbstverständlichkeit davon ausging, daß die deutsche Gesetzeslage zur Leihmutterschaft für ihn selbst natürlich nicht gelte. Das fügte sich ja auch in das Bild, das man von ihm gewonnen hatte, von dem Moment an, als sich herauskristallisierte, daß Spahn nicht nur anno Corona beim Maskenkauf einen Haufen Geld in den Sand gesetzt hatte (was ich persönlich angesichts der Plötzlichkeit, mit der das Problem auftrat, durchaus verzeihlich gefunden hätte), sondern daß davon auch eine Menge Leute aus seinem Umfeld finanziell profitierten. Und die diversen anderen Skandale, in die er seither verwickelt war, waren ja kaum noch zu zählen. Spahn ist eine Art Neofeudalist, der sich selbst offenbar schon jetzt in der Rolle des Feudalherren sah und meint, Regeln gelten für ihn selbst nicht. Daß er zum Dunstkreis von Peter Thiel gehört, erhärtet diese Annahme. 

Ich hoffe, Jens Spahn ist nun endgültig politisch Geschichte. Aber von Friedrich Merz habe ich das auch einmal geglaubt, das macht mich vorsichtig mit Prognosen. Immerhin, wäre der Autor verschwörungstheoretischer Kriminalromane Wolfgang Schorlau, der zur aktuellen Bundesregierung eine ebenso verschwörungstheoretische Satire geschrieben hat, mit seinen Mutmaßungen richtig gelegen, dann wäre es nicht Jens Spahn, sondern Friedrich Merz gewesen, der zurückgetreten wäre. Im Buch geht es zwar nicht um Jens Spahn, sondern um einen Karsten Richter, der Wirtschaftsminister ist (die Initialen stimmen mit der aktuellen Ministerin überein), aber an die Dummdreistigkeit dieses fiktiven Karsten Richter könnte eigentlich nur Jens Spahn heranreichen. Trotzdem oder gerade deshalb wird Richter am Ende des Buches dem aus nicht näher erklärten Gründen zurückgetretenen Bundeskanzler als neuer Bundeskanzler nachfolgen. 

Womöglich hat Jens Spahn dieses Buch ja sogar gelesen und sich von ihm inspiriert gefühlt? Nun ja, ausschließen kann man nicht, daß er es noch einmal zurückschafft in die Politik, aber in dieser Legislaturperiode bestimmt nicht mehr. Und in der nächsten dürfte der Bundeskanzler nicht mehr Friedrich Merz sein. 

Das Buch hatte mir meine Schwester auf dem Nachttisch bereitgelegt, und ich habe sofort geahnt, daß mich diese  Lektüre sehr viel weniger als sie erheitern würde. Als Satire ist es allenfalls tauglich für wenig anspruchsvolle Leser mit einem Rochus auf die Bundesregierung, die Vergnügen an leicht zu lösenden Rätseln in Schlüsselromanen haben, oder eingefleischte Schorlau-Fans, die das morastige und verschwörungstheorienverseuchte Biotop seiner Krimis für eine realistische Beschreibung dieses Landes halten. Ich bin mir unschlüssig, wo ich da meine Schwester und ihren Mann einordnen sollte, die sich königlich amüsieren konnten, wo ich nur Gähnkrämpfe bekam. Das Buch wird in zehn Jahren kein Mensch mehr verstehen, da bin ich mir ganz sicher. Es wird alleine von den tagesaktuellen politischen und gesellschaftlichen Bezügen am Leben gehalten, und an die erinnert sich in zehn Jahren niemand mehr, weil wir da neue tagesaktuelle Aufregerthemen haben werden. 

Ich gebe mal ein Beispiel, wie schnell die Zeit über solche Dinge hinweggeht, und zwar anhand eines Witzes, über den ich mich noch vor 13 Jahren schiefgelacht hatte, weil ich ihn wirklich gelungen fand: Eine kleine dicke Frau, ein Schwuler, ein Vietnamese und ein Rollstuhlfahrer gehen in eine Bar. Der Wirt schaut sie an und sagt: "Na, wer seid denn ihr?" Die kleine dicke Frau antwortet etwas pikiert: "Die Bundesregierung." Der komische Effekt entsteht aus einer typischen Konstellation eines absurden Witzes, aber die Personen, die beschrieben werden, sind, obwohl sie so typisch für diese Art von Witz wirken, die damals wirklich bestehende Bundesregierung: Angela Merkel, Guido Westerwelle, Philipp Rösler, Wolfgang Schäuble. Idealerweise imitierte man in der Schlußpointe noch Frau Merkels Redeweise. Bloß, wer erinnert sich heute noch spontan an diese spezielle Regierungskonstellation? Der Witz hat nur in der CDU-FDP-Regierung von 2009 bis 2013 funktioniert, als jeder das aufgezählte Personal täglich in den Nachrichten sah.  Eigentlich schade, ich finde ihn nämlich immer noch gut. Für das Buch gilt das nicht, es hat kaum Überraschungen enthalten, sondern all das, was man bei einem Wolfgang Schorlau halt erwartet hätte. Bei Schorlau ist es immer so, daß diejenigen, die uns regieren, insgeheim finstere Pläne verfolgen, und zwar in der Regel mit Erfolg. Ich finde, damit tut er ihnen viel zu viel Ehre an. Die finsteren Pläne mögen ja sogar noch stimmen, aber die CDU ist ja kein einheitlicher Verschwörerkreis, sondern alle versuchen, ihre jeweils eigenen Süppchen zu kochen, die natürlich immer nur zu einem gewissen Teil mit denen der anderen Player kompatibel sind. Außerdem fallen diejenigen, die in der Öffentlichkeit als mutmaßliche Verschwörer auffallen, sowieso eher durch ihr Ungeschick auf. Dazu muß man sich nur Spahn anschauen, der seine eigene Unentbehrlichkeit offenbar überschätzt hatte und sich irrtümlich deshalb für unantastbar hielt. 

Neuerdings gilt ja sogar der Bundeskanzler wegen seines kommunikativen Ungeschicks als innerhalb seiner Partei angezählt. Aber der geschieht vielleicht nicht mir recht, denn ich habe ihn ja nicht gewählt, aber sehr wohl der CDU, die ihn gewollt und bejubelt hatte. Jetzt müssen sie diese Suppe halt auslöffeln oder alternativ den Topf umkippen und alles verschütten. Was von beiden uns sicherer in eine AfD-geführte Regierung führen wird, wage ich inzwischen nicht mehr einzuschätzen. 

Zurück zu Schorlaus Buch. Die Parallelhandlung zu Richters Hoffen auf die Ernennung und anschließend den Einstieg als Minister ist die Entführung seiner Mutter, einer altgedienten Hardcore-Klima- und Öko-Aktivistin, die eigentlich gerade eine Pressekonferenz mit dem Titel "Kasten Richter, die korrupte Umweltsau" halten wollte, und so macht er die Entführer mit einer Hinhaltetaktik mürbe genug, daß sie vor den ökobewegten Ernährungs- und Lebensführungs-Forderungen der Entführten am Ende in die Knie gehen und sie freilassen, ohne einen Cent des Lösegelds gesehen zu haben. Dieser Handlungsstrang ist eine Mischung aus der Indiana-Horst-Folge mit dem kleinen Prinzen (ab Minute 27) und dem Film "Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone" mit Bette Midler. Bloß längst nicht so komisch, und so richtig glaubwürdig außerdem auch nicht - gerade bei einem Korruptions-Strategen, der angeblich die Strippen so perfekt ziehen kann, wirkt diese hilflose Herumimprovisiererei so wenig überzeugend wie jede andere Verschwörungstheorie auch, in der einerseits gefährlich raffinierte Meiststrategen am Werk sind, die aber andererseits zu blöd sind, um nicht ständig eine knietiefe Spur ihrer Untaten hinter sich herzuziehen. 

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Da ich das Gemüsefach im Kühlschrank bei meiner Rückkehr bis zum Anschlag voll mit Gurken vorgefunden habe, bin ich gerade dabei, nach interessanten Rezepten mit Gurken zu suchen. Ich fand unter anderem dieses Rezept, und so werde ich wohl am Freitag nicht meinen üblichen Rettich-Karotte-Apfel-Salat essen, sondern einen Gurkensalat mit Ei und vielleicht auch noch Thunfisch. Ich habe nämlich viel zu viele Thunfischdosen im Haus. Ich würde viel häufiger Thunfisch essen, wenn mein Mann nicht eher mäßig begeistert davon wäre. Auch zwei Zucchini sollte ich möglichst schon morgen ernten. Ob ich noch Mirabellen ernten kann, schaue ich mir erst an, wenn ich sie nicht mehr so lange lagern muß, also vermutlich am Donnerstag. 

Zusammen mit meiner Mutter habe ich letzte Woche auf öffentlichem Gelände bei ihr nicht weit weg mehrere Mirabellenbäume entdeckt, die voller wunderbarer reifer Mirabellen waren, und zufälligerweise zwei Tage, nachdem die mitgebrachten Mirabellen verzehrt waren. Das war ganz nach dem Geschmack meiner Mutter, die ja auch immer noch gerne Pilze suchen geht. Sie war von der Entdeckung der Mirabellen so begeistert, daß sie mir unbedingt am selben Tag noch das verwilderte Grundstück zeigen mußte, in das sie letzten Herbst widerrechtlich eingedrungen war, um die am Boden liegenden Äpfel aufzuklauben. Inzwischen ist es schwieriger zugänglich, weil sich die Brombeeren bis zum nicht verschlossenen Eingang hin ausgebreitet haben. Dafür fanden wir außerhalb des Tores einige Weinreben und auch Bohnenpflanzen waren durch den Zaun hindurchgedrungen. Aber das alles ist noch nicht soweit. Aber wunderbar süße Brombeeren wuchsen das natürlich auch. Meine Mutter hat selbst Brombeeren im Garten, aber die wilden sind doch um einiges aromatischer. 

Weder der Freund meiner Mutter noch meine Schwester haben viel Sinn für solche kriminellen Eskapaden. Aber mir gefällt es, daß sich meine Mutter mit knapp neunzig Jahren noch ein neues Hobby zugelegt hat, das sie so auf Trab bringt: Äpfel klauen. Vielleicht begleite ich sie beim nächsten Mal. Aber vielleicht frage ich vorher doch mal meine Schwester, ob sie herausfinden kann, wem das Grundstück gehört. Wer weiß, vielleicht ist ja eine Art Gentleman's Agreement mit den Eigentümern möglich.