Mittwoch, 10. Juni 2026

Tönendes Erz, klingende Schellen und Prokrustesbetten in der Medizin

Mein Gewicht heute früh nach dem ersten Fastentag von zwei nicht zusammenhängenden diese Woche: 76,4 Kilogramm.

Die Sache mit den Flohsamenschalen habe ich unterbrochen, weil ich einen Verstopfungsrückfall hatte, allerdings einen so seltsamen und unangenehmen, daß ich mir nicht sicher war, ob ich mit den Flohsamenschalen vielleicht alles nur noch schlimmer gemacht hätte, also hörte ich einstweilen damit auf. Ärgerlich, denn bis dahin ließ sich die Sache ja super an.. Ich vermute, ich hatte was Falsches gegessen, jedenfalls war es nicht nur das übliche Blockadegefühl einer Verstopfung, sondern wirklich schmerzhaft, erst einen Tag lang so fies, daß ich an diesem Tag mehr oder weniger ein Totalausfall war, dann erheblich weniger fies, aber doch tagelang gleichbleibend unangenehm, anstatt allmählich wieder besser zu werden. Erst habe ich, wie meistens, versucht, die Sache auszusitzen, vorgestern wurde es mir dann aber zu blöd und ich habe zur Gewaltmaßnahme eines Dulcolax-Zäpfchens gegriffen. Das hat gewirkt, aber wirklich in Ordnung kommt mir die Sache noch nicht vor. Ich schau mir das noch ein paar Tage an, und wenn sich das nicht weiter normalisiert, dann werde ich meine neue Hausärztin zum ersten Mal aufsuchen müssen. Nun ja, einmal ist immer das erste Mal. Ich hätte mir nur gewünscht, daß ich vor diesem ersten Mal die Unterlagen von meinem bisherigen Hausarzt bereits vorliegen hätte, und die fehlen dummerweise immer noch. 

Eigentlich hätte ich sie schon vor Wochen anfordern sollen, aber die Praxis erreicht man ja nicht telefonisch, und so kam ich auf die glorreiche Idee, lieber bei meiner Krankenkasse die EPA-Anmeldung durchzuführen, wofür ich mehrere Anläufe und entsprechend mehrere Wochen benötigte. Ich dachte, in der Elektronischen Patientenakte hätte ich dann sowieso alles, was meine neue Hausärztin braucht. Aber Pustekuchen! Da ist alles mögliche drauf, aber überhaupt nichts von meinem gewesenen Hausarzt. Wofür ist der Kram mit dieser Akte dann aber überhaupt gut? Wie auch immer, vor einer Woche habe ich meinen Hausarzt angemailt mit der Bitte, mir meine Akte zukommen zu lassen. Eine Antwort bekam ich bislang noch nicht, wie ich auch befürchtet hatte. Ich sehe es kommen, ich werde dort doch noch persönlich vorsprechen müssen. 

Zur Zeit ist das generell mal wieder ganz schrecklich. Gar niemand scheint mehr auf E-Mails zu reagieren, da habe ich inzwischen mehrere offene Baustellen, um die ich mich jetzt langsam mal auf andere Weise kümmern muß. Auch dieser Klimafritze hat sich nicht bei mir gemeldet, und langsam macht mich das ein bißchen sauer. Was ist das eigentlich für ein Umgang mit Kunden, einfach nicht auf Anfragen zu reagieren? Sogar wenn man in Aufträgen erstickt, bricht man sich jedenfalls nicht die Finger, wenn man kurz mailt, daß man so ausgelastet ist, daß man gerade keine weiteren Projekte annehmen kann. So was könnte man ja verstehen. Morgen versuche ich ihn ein weiteres Mal telefonisch zu erreichen, und falls das - wie im ersten telefonischen Versuch - wieder nicht klappt, probiere ich es vielleicht doch lieber woanders mit unserer Split-Klimaanlage. 

***

Ich gebe es zu, ich habe wirklich gedacht, die sonderbare Art, Nebenwirkungen von Krebsbehandlungen einzuschätzen, die mir in den Stellungnahmen zu Fasten und Keto wie auch in den neuen Leitlinien zur Ernährung bei Krebs so unangenehm auffielen, sei speziell dem offensichtlichen Herzensanliegen der Frau Professorin Jutta Hübner zuzuschreiben: nämlich dafür zu sorgen, daß keinesfalls irgendein Patient es zu riskieren wagt, eines von beidem begleitend zu einer Chemotherapie auszuprobieren. Zu meiner Verteidigung kann ich nur vorbringen, daß dies wirklich gut in das Bild gepaßt hätte, das ich von ihr gewonnen habe. Aber im Gegensatz zu ihr bin ich bereit, Irrtümer einzugestehen. Denn es war wohl ein Irrtum. Die Frau Professorin tat in speziell diesem Punkt lediglich das, was die Fachleute alle tun. Damit hatte ich zugegebenermaßen nicht gerechnet, weil es überhaupt keinen Sinn ergibt, Nebenwirkungen nach einer so realitätsfernen Methode einzuschätzen. 

Auf dem Fachkongress ASCO26 wurde nun nämlich eine Debatte zu dieser Frage losgetreten oder jedenfalls der Versuch dazu gemacht, denn ich weiß nicht, ob außer mir hier im Blog wirklich irgendwer in der Fachwelt darauf reagiert hat - außer natürlich denen, die von vornherein schon kritisch eingestellt waren, aber wenig Zugang zu den "inner circles" der Branche haben. Tatsächlich scheint es in einschlägigen Studien absolut üblich zu sein, die Dauer von Nebenwirkungen in die Beurteilung ihrer Erträglichkeit von vornherein nicht mit einzubeziehen. Auch die subjektive Einschätzung der Patienten spielt bei der Einordnung in die Schweregrade dieser Nebenwirkungen nur eine Nebenrolle, da sie zwar die Daten dazu liefern, aber die Interpretation unabhängig von ihrem subjektiven und objektiven Befinden stattfindet. 

Schweregrade von Nebenwirkungen gibt es vier, davon ist Grad 1 am harmlosesten und Grad 4 der schwerwiegendste mit Ausnahme des Tods des Patienten, der als Grad 5 bezeichnet wird. Und ja, Grad 5 passiert leider auch zuweilen. Die Art der Bewertung der Nebenwirkungen nach diesem Grad-System jedenfalls führt manchmal zu merkwürdigen Ergebnissen: Während einer Chemotherapie zusätzlich noch einen Schlaganfall mit schweren neurologischen Folgen zu erleiden, soll nur Grad 3 sein? Das sollte man den Patienten dann aber bitte vor Beginn der Chemotherapie sagen müssen. Ich riskiere die Behauptung, daß ein erhöhtes Risiko dieser speziellen Nebenwirkung dritten Grades zusätzlich zum Krebs die Bereitschaft, sich behandeln zu lassen, dramatisch verringern würde. 

Der Autor der Kritik an der Bestimmung des Schweregrads von Chemo-Nebenwirkungen weist zu Recht darauf hin, daß aber auch der Faktor Dauer der jeweiligen Nebenwirkung eine so große Rolle dabei spielen kann, daß es grob verfälschend ist, ihn nicht zu berücksichtigen. Zwei bis drei Tage Durchfall, der danach vorbei ist, damit beispielsweise kann man sich ja noch arrangieren, auch wenn er so heftig ausfällt, wie ich das bei Pertuzumab erlebt habe. Geht es um zwei bis drei Wochen oder sogar um zwei bis drei Monate oder womöglich die gesamte Behandlungsdauer, sieht die Sache schon anders aus. 

Wir Patienten bräuchten dringend mehr solche Onkologen wie Bishal Gyawali, die uns vor Schaden durch  Maßstäbe bewahren wollen, die offensichtlich nicht zum Ziel passen, uns nicht durch die Behandlung schlimmeren Schaden anzutun, als wir durch die Krankheit selbst erleiden, und weniger Jutta Hübners, die uns umgekehrt an dieses Prokrustesbett solcher vorgegebenen Maßstäbe anzupassen versuchen, egal, was das für uns bedeutet. Eigentlich unglaublich, daß auch im Jahre 2026 anscheinend niemand es für nötig hält, Patienten die Fragen zu stellen, die für sie ja eindeutig relevant wären. Aber da das bei Krebs absolut üblich zu sein scheint, wundere ich mich jetzt ein bißchen weniger über die Frau Professorin als zuvor. Sie ist Teil eines Systems, das zwar eigentlich nicht böse sein will, sich aber strukturell nicht für den einzelnen Patienten interessiert, was es in Betrachtung der Ergebnisse für den einzelnen Patienten, falls er deshalb tatsächlich einen Schaden erleidet, de facto böse macht. 

Es gereicht Jutta Hübner nicht zur Ehre, daß sie dies nicht hinterfragt. Aber das tun offenbar die allerwenigsten, also ist sie damit andererseits auch nichts Besonderes. Das Besondere sind vielmehr Ärzte wie Bishal Gyawali. Jutta Hübner repräsentiert etwas anderes. Ich bin ja nicht religiös (genaugenommen bin ich sogar ein ziemlich verstockter Heide), aber weil ich dennoch meine Bibel gelesen habe, kam mir Luthers wunderbare Übersetzung von 1 Korinther 13,1 in den Sinn: "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle." Das trifft die Sache genauso auf den Punkt wie Terry Pratchetts Feststellung, die einzige Sünde bestehe darin, Menschen wie Dinge zu behandeln, was mehr oder weniger dasselbe ausdrückt. 

Ein lesenswerter Blogbeitrag, über den ich auf Bluesky stolperte, brachte auf den Punkt, was am System nicht stimmt, zu dem die Frau Prof. Hübner so ausgezeichnet paßt, daß sie in der Position landete, in der sich sich gerade befindet. An sich war mir das alles sogar längst klar gewesen, aber nicht in dieser analytischen Schärfe: Unser Gesundheitssystem funktioniert offenbar generell bemerkenswert schlecht, wenn es um Leiden geht, deren Ursachen nach aktuellem Wissensstand schwierig zu diagnostizieren und/oder die kaum erfolgreich zu therapieren sind. Das, so die Autorin, ergibt sich aus dem Umgang mit Long Covid. Das Gesundheitssystem, schlußfolgert sie, ist optimiert für Patienten mit Krankheiten, die eine eindeutige und durch Tests überprüfbare Ursache haben, deren Behandlung einen voraussehbaren Verlauf nimmt - und: bei denen eine Heilung erwartet werden kann. 

Da ist in der Tat etwas dran - jeder kennt ja diese Krankheitsgeschichten, die damit beginnen, daß ein Patient eine monate- oder sogar jahrelange Odyssee hinter sich bringen muß, bis die Ursache seines Problems richtig erkannt und daraufhin auch die richtige Therapie verordnet wurde. Mich irritiert an solchen Beschreibungen immer, für wie normal das gehalten wird. Denn falls dies normal sein sollte, müßte das bedeuten, daß der weitaus häufigere Fall ist, daß Patienten, die ein solches Stehvermögen nicht aufbringen und deshalb falsch behandelt werden. Immerhin, wer krank zum Arzt geht, läuft ja sowieso schon auf halber Kraft, und nicht jeder hat neben der nötigen Energie auch genügend Widerspruchsgeist einem Halbgott in Weiß gegenüber, um eine solche Odyssee überhaupt anzufangen. Ich finde es geradezu eine Frechheit, das Aufbegehren gegen den Fachmann dem Patienten als eine Bringschuld aufzuerlegen. Vielen fehlen dazu ja von vornherein die Voraussetzungen. 

Das Ganze gilt außerdem nicht nur für schwere Erkrankungen, sondern auch für den Umgang mit Zipperlein, die dem Patienten nicht so wahnsinnig schwerwiegend vorkommen und für die sie vor allem eine Erklärung haben wollen - und natürlich wenn möglich eine Bestätigung, daß sie die Gefährlichkeit der Sache nicht etwa unterschätzen. Wenn auch der Arzt da nicht so recht weiter weiß und sich das aber um Gottes willen nicht vor dem Patienten anmerken lassen will, kann es sein, daß man sich unversehens in einer Behandlung wiederfindet, die einem nicht hilft oder sogar schadet, oder man bekommt eine dieser Verlegenheitsdiagnosen, wie ich sie auch schon bekommen habe. Vermutlich ist das jedem schon passiert. 

Über die beginnende Kniearthrose, ausgelöst angeblich durch mein Übergewicht (damals, 2015, ca. 125 Kilogramm), mit der zweimal innerhalb kürzerer Zeit akut aufgetretene Kniebeschwerden bei mir einmal erklärt wurden, hatte ich ja schon einmal geschrieben, und ebenso, daß der Orthopäde mir empfahl, abzunehmen, und mir Schwimmen dafür ans Herz legte. Er fragte nicht einmal, ob ich das mit dem Abnehmen vielleicht ja doch schon einmal versucht hätte und welche Erfahrungen ich damit gemacht hatte. Für ihn schien das offensichtlich zu sein, daß ich hohes Übergewicht hatte, weil ich hohes Übergewicht haben wollte, und so sah er seine Mission anscheinend darin, mich davon abzubringen. Die Kniebeschwerden ließen übrigens im Lauf der darauffolgenden Tage nach und kamen anschließend niemals wieder. Ich weiß immer noch nicht, was sie ausgelöst hatte, aber die beginnende Kniearthrose war es jedenfalls nicht, obwohl ich annehme, daß ich sie wirklich habe. Sie läßt sich aber bei Patienten meines Alters sowohl mit als auch bei solchen ohne einschlägige Symptome mit einer 50:50-Wahrscheinlichkeit diagnostizieren. Das ist für einen Orthopäden ähnlich bequem wie für einen HNO-Arzt, für jede Erkältung eines Rauchers sein Rauchen verantwortlich zu machen, und in beiden Fällen macht er es sich auf Kosten des Patienten bequem. 

Das ist der Hauptgrund, warum ich Arztbesuche im Zweifelsfall lieber ein bißchen länger hinauszögere, da ich ja keine Krankschreibungen brauche. Alles, was sich auch ohne Medizinmann wieder hinkriegen läßt, bedeutet auch ein geringeres Risiko von Fehlbehandlungen, und als Raucher oder Übergewichtiger hat man darauf ein erhöhtes Risiko, weil beides so viele Allzweck-Erklärungen für eine Krankheit bietet, daß viele Ärzte es sich ähnlich einfach machen wie mein damaliger Orthopäde. Ratschläge dieser Qualität sind aber so nutzlos, daß ich auf sie auch ganz verzichten kann. Nicht immer, aber in vielen Fällen. Der Trick besteht darin, beide Arten von Krankheiten voneinander zu unterscheiden. 

Abhängig Beschäftigte können meistens gar nicht so wie ich vorgehen, weil sie eine Krankschreibung brauchen, wenn sie krank sind, aber das heißt wohl nicht, daß sie alle immer von dem überzeugt sind, was ihr Arzt mit ihnen macht. Es gibt meinem Eindruck nach eine Menge Leute, die verschriebene Medikamente dann nicht nehmen, teils von vornherein, teils dann, wenn die Wirkung ausbleibt und/oder Nebenwirkungen auftreten. Oft genug erfährt der Arzt davon überhaupt nichts. Dem gegenüber stehen mindestens ebenso häufig - vermutlich sogar noch um einiges häufiger - aber auch die Patienten, die willig alle Medikamente nehmen, die ihnen verordnet wurden, manchmal klaglos, manchmal schimpfend, weil sie ihrem Eindruck nach nicht wirken oder sogar neue Beschwerden hervorrufen. Man sollte echt einmal untersuchen, welche der beiden Gruppen die bessere weitere Lebenserwartung hat und unter dem Strich bei besserer Gesundheit ist. Ich bin mir nämlich nicht sicher, daß es die letztere Gruppe ist. 

Insofern, ja, die Autorin des Blogbeitrags hat mit ihrer Analyse wohl leider recht. Wir haben einerseits ein gutes bis sehr gutes Gesundheitssystem, aber in den genannten Teilbereichen funktioniert es so viel schlechter, daß das eigentlich Gegenstand einer Gesundheitsreform werden müßte. 

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Eine Ergänzung zu meinen diversen Beiträgen zur Frage, ob jüngere Leute sich Wohneigentum leisten können oder nicht. Ich stieß auf das LBS|empirica-Erschwinglichkeitsbarometer, das meine Einschätzung bestätigt, daß das eigentliche Problem das gerade von jüngeren Kaufinteressenten meistens kaum aufzubringende Eigenkapital ist. Interessanterweise war der Anteil derer, die ausreichend Eigenkapital aufgebracht hätten, mit zehn Prozent vor der Finanzkrise am höchsten, aber 2015 lag der Anteil derer, bei denen das Einkommen für eine Finanzierung eigentlich ausreichend gewesen wäre, auch wenn das Eigenkapital in der vorgegebenen Höhe nicht erbracht werden konnte, zehn Prozentpunkte höher und bei mehr als 60 Prozent. 

Daß der Anteil derer, die sich eine Immobilien vom Einkommen her im Prinzip leisten könnten, aktuell mehr als zwanzig Prozentpunkte niedriger liegt, ist die Wirkung der stark gestiegenen Immobilienpreise einerseits und der gestiegenen Zinsen andererseits. In diesem Bereich kam der große Absturz aus dem Möglichen ins Unmögliche im Jahr 2022, wie das deutlich in der Grafik erkennbar ist, und obwohl es seither wieder ein kleines bißchen besser geworden ist, ist das Verhältnis von (gesunkenen) Kaufpreisen und gestiegenen Zinsen weiterhin erheblich schlechter, als es das vorher gewesen war. 

Trotzdem: Daß, wenn man den Faktor Eigenkapital ausklammert, sogar 2022 mehr als ein Drittel der 30- bis 44-jährigen Mieterhaushalte sich Wohneigentum eigentlich hätte leisten können, ist eine Erwähnung wert. 20 Prozent des Kaufpreises plus die Kaufnebenkosten sind als Anforderung von Banken ja auch keineswegs in Stein gemeißelt. Je nach konkreter Situation werden auch heute noch sogar Vollfinanzierungen von Banken akzeptiert, aber am ehesten für kleinere Objekte und bei Leuten, die schon andere Immobilien besitzen. Aber die Banken sind gerade jetzt tatsächlich sehr restriktiv bei Hypothekendarlehen, und ich kenne mehrere Leute, denen es ganz oder teilweise wegen des Eigenkapitals nicht gelungen ist, eine Finanzierung zu bekommen, die sie sich eigentlich hätten leisten können. 

Meine Idee, wie das Problem zu lösen sein könnte, wären staatliche Bürgschaften als möglicher Ersatz für das Eigenkapital. Voraussetzung dafür müßte natürlich sein, daß die Finanzierbarkeit grundsätzlich realistisch ist. Ich fände es spannend, die Wirkung zu sehen, wenn eine solche Bürgschaft beantragt werden könnte, sofern die monatliche Belastung der Finanzierung maximal zehn Prozent höher als die bezahlte Miete liegt und nachgewiesen werden kann, daß die Mietzahlungen seit mindestens zwei Jahren pünktlich und vollständig erfolgt sind.

Wieso werden solche Dinge also nicht einmal diskutiert? Auch die Vorschläge der LBS enthalten so etwas nicht. Dabei würde es den Anteil der Haushalte im Alter zwischen 33 und 44 Jahren, die eine realistische Chance auf den Erwerb von Wohneigentum hätten, dramatisch erhöhen und ihnen damit auch die bestmögliche Altersversorgung verschaffen, die ich mir vorstellen kann.  

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Unsere Kartoffeln im Garten wachsen gerade wie Unkraut und an der ersten Pflanze bilden sich Blütenknospen. Das fällt mir immer wieder auf, daß es bei Pflanzen jeglicher Art immer eine "Pionierpflanze" gibt, die es mit dem Blühen eiliger hat als ihre Artgenossen. Womöglich wird sie ja von allen als Späher vorgeschickt, der erst mal testen soll, ob es sich überhaupt lohnt, Mühe in die Bildung von Blüten zu stecken. 

Auch sonst tobt in unserem Garten gerade das Leben. Zwei der drei Zucchinipflanzen, so klein sie noch sind, hatten bereits ihre erste Blüte. Und am alten Quittenbaum kann ich mittlerweile die ersten noch ziemlich kleinen Früchte erkennen. Zwiebeln und Knoblauch kommen jetzt auch langsam, und zu meinem Verdruß muß ich unter dem Kirschbaum neuerdings auf Zehenspitzen laufen, um keine Zwiebeln zu zertreten. Wie ist mein Mann nur auf die Idee gekommen, ausgerechnet unter den Obstbäumen Zwiebeln zu stecken? Die erste Erdbeere wurde reif und ist geerntet, und die leider nur exakt neun Kirschen vom Kirschbaum ebenfalls. Beides ist in einen leckeren Obstsalat mit Nektarinen und Aprikosen vom Wochenmarkt mit eingeflossen. Die Stachelbeeren brauchen aber noch ein Weilchen, und von den Mirabellen der Nachbarin, die sie mir zum Abschuß freigegeben hat, ist einstweilen noch nichts zu sehen, aber so, wie der Baum dieses Jahr geblüht hat, ist es sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis es dort auch losgeht. 

Daß das Leben bei uns unter dem Dach nicht auch wieder zu toben beginnt, dem steuere ich seit heute wieder mit einer Mausefalle entgegen, denn letzte Nacht wurde zum ersten Mal seit Monaten unser Mäusekino wieder aktiviert. Eine geradezu unverschämt wohlgenährt wirkende Maus (womöglich eine werdende Mäusemutter?) kam aus dem bekannten Loch spaziert und sah sich zwei Minuten lang in den Räumlichkeiten um, bevor sie wieder durch das Mauseloch verschwand. Das hätte mir gerade noch gefehlt, eine Mäuse-Wochenstube unter dem Dach. So niedlich sie sind, sie sollen bitte draußen im Garten niedlich sein. Ich bin gespannt, ob sie mir vielleicht schon heute Nacht in die Falle geht. 

 


 

Sonntag, 31. Mai 2026

Grußbotschaft zum Weltnichtrauchertag

 Mein Gewicht heute früh - 79,8 Kilogramm - ist nebensächlich. Traditionell für das heutige Datum ist schon seit Jahren meine Grußbotschaft zum Weltnichtrauchertag: Auch im Jahre 2026 habe ich nicht die Absicht, mit dem Rauchen aufzuhören. 

Was ich der Weltgesundheitsorganisation, der Gesundheitsministerin und selbstredend auch Herrn Streeck dieses Jahr außerdem noch zu sagen habe, dafür leihe ich mir die richtigen Worte diesmal sinnigerweise von den Ärzten: 

Ich bin dagegen, denn ihr seid dafür
Ich bin dagegen, ich bin nicht so wie ihr
Ich bin dagegen, egal, worum es geht
Ich bin dagegen, weil ihr nichts davon versteht

 

Eigentlich entpuppt sich das Lied, näher betrachtet, ja als Auseinandersetzung mit einem verbal und physisch gewalttätigen Vater - aber erst ab der zweiten Strophe. (Bis dahin spricht der Text von "ihr", erst dann wechselt er in die zweite Person Singular und wendet sich an ein "du". Im Refrain bleibt es aber bei "ihr".) In diesem zweiten Teil des Lieds ist der Text in etwa die zu erwartende Antwort der gleichen Person auf die Vorhaltungen, die ihr in "Junge" gemacht werden. Die Antwort ging den Fragen allerdings um etliche Jahre voraus. 

Aber  Vater Staat braucht sich vor dem hier skizzierten Vater auch nicht zu verstecken. Auch wenn er - jedenfalls bislang - niemanden prügelt, wird ja doch verboten, genudgt, verbal herabgewürdigt - teils implizit, teilweise aber auch ausdrücklich -, es wird gedroht und schikaniert. Das gilt auch nicht nur für Raucher, nur ist es bei ihnen besonders risikolos, weil es wohl nordkoreanische Mehrheitsverhältnisse ergäbe, würde man bei einer Umfrage danach fragen, ob Rauchen eine eher positive oder eher negative Sache sei. Raucher schikanieren ist  im Grundsatz mehrheitsfähig, und zwar bestätigen das in Umfragen mehrheitlich sogar die Raucher. Das ist der eigentliche Grund, warum sich die Politik ständig neue Schikanen einfallen läßt.

In Baden-Württemberg gilt als Beispiel für Schikanen ab morgen ein um einige weitere Bereiche ergänztes Rauchverbot (sogenanntes "Nichtraucherschutzgesetz"). Und zwar alle unter freiem Himmel, wo solche vermeintlichen Schutzmaßnahmen von vornherein völlig sinnlos sind, etwa in Freibädern, Freizeitparks oder Zoos. Nun kann man vielleicht als Nichtraucher sagen, man finde das prima, weil man sich durch Tabakrauch belästigt fühle. Gerne wird auch mit weggeworfenen Kippen argumentiert. Nur, um beides geht es beim Nichtraucherschutzgesetz gar nicht:

 § 1
Zweck des Gesetzes
Dieses Gesetz dient dem Schutz der Bevölkerung vor den gesundheitlichen
Gefahren
des Passivrauchens 

Gesundheitliche Gefahren des Passivrauchens im Freien sind in etwa eine so lächerliche Vorstellung wie gesundheitliche Gefahren des Passivrauchens durch E-Zigaretten (die samt einiger verwandter Produkte im Anschluß im zitierten Paragraphen noch aufgezählt werden). Die gesundheitsrelevante Wirkung eines versehentlich eingeatmeten Schwalls Tabakrauch im Freien in der Nähe einer Straße mit motorisiertem Verkehr (also überall, wo viele Leute hinkommen, und damit auch dort, wo die neuen Rauchverbote gelten sollen) fällt im Vergleich zu der gesundheitsgefährdenden Wirkung der eingeatmeten Autoabgase überhaupt nicht ins Gewicht, und das schon gar nicht, weil es ausreichend ist, zwei, drei Schritte zur Seite zu gehen, um weitere passivrauchgeschwängerte Atemzüge zu vermeiden. Die Autoabgase ließen sich, wo der Verkehr vorbeiströmt, allenfalls vermeiden, indem man eine Gasmaske trägt. In allen Freizeiteinrichtungen, in denen das Rauchen im Freien aus Gesundheitsschutzgründen verboten ist, sind insbesondere an Tagen mit vielen Besuchern die Parkplätze viel gesundheitsgefährlicher als ein Raucher, der sich neben einem einen Glimmstengel anzündet. 

Bei E-Zigaretten ist Passivrauchen wiederum von vornherein gar nicht möglich. Passivrauch, sofern er wegen besonders hoher Intensität und Dauer beim Einatmen gesundheitlichen Schaden anrichten sollte, tut dies bei Zigarettenrauch auf genau dieselbe Weise wie jede Art von Verbrennungsrauch aus verbrannten Pflanzenbestandteilen, etwa Holzfeuer. (Das Verbrennen von Öl oder anderer mineralischer Substanzen wiederum ist noch um einiges gesundheitsgefährdender.) E-Zigaretten können aber gar keinen Passivrauch erzeugen, weil mit ihnen kein Verbrennungsvorgang stattfindet. 

Kurz, die neuen Rauchverbote sind reine Schikanen. Niemand erwartet im Ernst, daß sich daraus für irgendwen irgendein noch so kleiner gesundheitlicher Vorteil ergeben kann, auch wenn das Gegenteil behauptet wird. Diese neuen Rauchverbote im Freien waren wahrscheinlich der politische Preis dafür, die Ausnahmeregelungen in der Gastronomie weiter beibehalten zu können. Der gewesene Gesundheitsminister hätte die Ausnahmeregelungen nämlich gar zu gerne vollständig eliminiert. Aber andere Teile der Landesregierung wollten das wohl nicht. Also mußte man ihm etwas anderes als Ersatz anbieten. Bei dem, was man ausgekaspert hat, konnte man außerdem darauf vertrauen, daß gegen solche "Schutzmaßnahmen" jedenfalls keine Proteste erwartet werden müssen und auch niemand den Rechtsweg einschlagen wird - bei dem man nicht sicher sein könnte, ob das Gesetz dies überstehen würde. Denn niemand muß Angst haben, durch die neuen Maßnahmen seine wirtschaftliche Existenz zu verlieren, wie das den Wirt einer Raucherkneipe selbstverständlich auf die Barrikaden getrieben hätte.  

Die meisten Verbote tangieren mich persönlich gar nicht oder so geringfügig, daß ich über die Verbote nur die Achseln zucke. Organisiertes Zeittotschlagen in Freizeitparks war sowieso noch nie mein Ding, und aus dem Alter, in dem man unbedingt Freibäder aufsuchen will, bin ich längst raus. In den Zoo wäre ich vielleicht irgendwann nach etlichen Jahren einmal wieder gegangen, aber für zwei Personen fast 50 Euro für den Eintritt hinblättern, das würde ich kaum besonders häufig machen und unter diesen Umständen nun halt gar nicht mehr. Das macht aber eigentlich nichts. Zoos sind ja ganz nett, aber in Wirklichkeit weitaus weniger unterhaltsam als das Beobachten der Tiere bei uns im Garten. 

Der interessanteste Fall sind die Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, soweit sie sich im Freien befinden (bei allen anderen ist das Rauchen ja schon die ganze Zeit verboten). Ich werde mich an speziell dieses neue Rauchverbot nämlich nicht halten. Und zwar, weil ich es einfach nicht einsehe. Der Unterschied speziell für mich zwischen den Haltestellen und den diversen Bespaßungs-Arealen unter freiem Himmel besteht darin, daß ich letztere einfach nicht aufsuche, wenn ich sie ohne Kippe im Mundwinkel nicht mehr verlockend genug finde. Aber als Nichtautobesitzer komme ich gar nicht umhin, Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel weiter zu nutzen. Mit zwei vollen Einkaufstaschen ein Stück entfernt vom Haltebereich des Busses auf ihn zu warten, um dort rauchen zu dürfen, bringt mich in folgende Situation: Beim Heranfahren des Busses muß ich erst meinen Taschenascher herauskramen, die Kippe dort entsorgen und dann meine auf dem Boden abgestellten Einkaufstaschen richtig zu fassen bekommen, damit mir der Bus nicht davonfährt, bevor ich herangesprintet bin. Alleine schon das Heransprintenmüssen als solches anstelle eines normalen Einsteigens ist schon ein Angriff auf meine Würde, aber zuvor muß außerdem jeder Handgriff blitzschnell erfolgen und richtig sitzen. Jeder Fehlversuch kann dazu führen, daß ich dem Bus nur noch hinterherwinken kann. 

Diese neue Regelung zielt augenscheinlich darauf ab, daß man sich in solchen Wartesituationen, die natürlich die meisten Raucher mit einer Zigarette überbrücken wollen, zwischen dem Rauchen und der Wahrung seiner Würde entscheiden müssen soll. Und genau das ist die Sache, der ich mich verweigere. Ich erhebe Anspruch auf beides, Rauchen und Würde. Ich finde, mir steht beides zu. 

Das ist das überhaupt erste Mal in meinem Leben, daß ich mich einer neuen gesetzlichen Regelung von vornherein verweigere, also ihr nicht ausweichen zu versuche, um mich ihrer Wirkung zu entziehen, sondern die Absicht habe, sie jederzeit und überall sowie ungeachtet der möglichen Folgen hocherhobenen Hauptes zu mißachten. Exakt so fühlt sich das diesmal für mich genau richtig an. Und auch darin finde ich mich bei den Ärzten wieder: 

 Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung, mit der ich euch gegenüberstehe.  

Meine Bußgeldbescheide, falls ich welche bekommen sollte, werde ich rahmen und in der Toilette aufhängen. Und zwar als

Symbol der Nicht-Identifikation mit euren Werten.

Die Neufassung des sogenannten Nichtraucherschutzgesetzes hat in ihrer Kleinlichkeit und sinnlosen Bösartigkeit trotz allem noch nicht einmal mehr erwähnenswerte Emotionen bei mir ausgelöst, nur rationale Überlegungen, wie ich damit aus welchen Gründen umgehen will. Das finde ich selbst bemerkenswert, weil ich mich über andere politische Beleidigungen ja immer noch ganz gut aufregen kann. Aber im Bereich Rauchen bin ich offenbar über diesen Punkt mittlerweile hinaus. Ich glaube, gerade das sollte die Urheber der Regelung ein wenig beunruhigen. Ich weiß nämlich noch, wie ich dem Vater meines Sohnes während eines Streits sagte, er solle froh sein, daß ich überhaupt mit ihm streite, denn wenn ich mir die Mühe einmal nicht mehr mache, dann wäre er mir gleichgültig geworden. Ich frage mich, ob er sich etwa ein Jahr später daran erinnert hat, als er alleine in der Wohnung zurückblieb. Wenn ja, hatte er dem Staat etwas voraus. Der merkt gar nichts davon, daß ich seit etlichen Jahren grundsätzlich nicht mehr zur Wahl gehe. Bemerkt wird von ihm nur, wer sich dazu entschließt, die AfD zu wählen, und daß das irgendetwas mit ihrem Umgang mit den Wählern zu tun hat, dämmert den Parteien zwar so langsam, aber sie kommen einfach nicht dahinter, wo ihr Hauptfehler liegt, nämlich in den pausenlosen Angriffen - aus allen möglichen Richtungen, Rauchen ist im Vergleich zu vielen anderen ja nur eine Marginalie - auf die Würde ihrer Wähler. 

Am Rande möchte ich noch erwähnen, daß die AfD für mich auch dann unwählbar bliebe, falls sie sich zum Thema Rauchen strategisch so positionieren würde, daß sie mich bei diesem Thema abholen würde (was im Moment aber nicht der Fall ist). Dafür gibt es zu viele andere Themen, zu denen ich keinesfalls von ihr regiert werden möchte. Ich brauche die AfD oder sonstwen außerdem sowieso nicht, um mich meiner Haut zu wehren, wenn man mir in dieser oder in anderen Fragen zu nah auf die Pelle rückt. Wenn ich eines in den nun schon über 60 Jahren meines Lebens gelernt habe, dann daß man sich niemals auf irgendjemanden verlassen kann außer auf sich selbst. 

Zum Stichwort AfD fiel mir aber noch etwas anderes ein:  

Es gibt einen auch von mir ziemlich lange total übersehenen Faktor, der die nächste Bundestagswahl sogar noch brisanter machen wird, als sie es wegen der Umfragewerte der AfD ohnehin sein wird: Der Niedergang der CSU in den Umfragen. Denn die bayerische CDU-Schwesterpartei tritt nur in Bayern an, aber ihre nur dort erworbenen Stimmen werden auf das Bundesergebnis umgelegt und müssen, bundesweit betrachtet, natürlich auch die Fünf-Prozent-Hürde übersteigen. Bei der Bundestagswahl dieses Jahr bekam die CSU, bundesweit betrachtet, 5,97 Prozent der Stimmen, das entspricht einem Wahlergebnis in Bayern von 37,2 Prozent. Bei der letzten Umfrage zur Bundestagswahl nur in Bayern lag sie aber nur noch bei 33 Prozent, und bei der Bundestagswahl 2021 mit 31,7 Prozent in Bayern sogar bundesweit nur bei 5,19 Prozent. Man braucht kein Mathematikstudium, um das Unterschreiten der Fünf-Prozent-Hürde überschlagsweise zu ermitteln: Falls die CSU das nächste Mal ein paar Zehntelprozentpunkte weniger als 30 Prozent der bayerischen Wählerstimmen bekommen sollte, muß sie sich voraussichtlich aus dem Bundestag verabschieden. Und man braucht nicht Politikwissenschaften studiert haben, um zu wissen: In diesem Fall wird die AfD, sollte ihr Wahlergebnis die aktuellen Umfragewerte widerspiegeln, die bei weitem stärkste Fraktion werden. 

Kein Wunder jedenfalls, daß Markus Söder gerade mal wieder versucht, sich neu zu erfinden, er möchte ja gerne im Bund auch weiter eine wichtige Rolle spielen, und dafür wäre es natürlich extrem ungünstig, wenn seine Partei aus dem Bundestag fliegt. Anscheinend ist bei ihm jetzt endlich der Groschen gefallen, daß die wenig konstruktive Rolle der CSU in der Bundespolitik auch in Bayern den Wählern nicht gefällt. Ein Gutes immerhin hat die Sache: Dieser Mann ist zwar nur Fassade - geradezu ein Potemkinsches Dorf auf zwei Beinen -, aber diese Fassade sieht jetzt wenigstens nicht mehr aus wie ein Strauchdieb, seit er nicht mehr in Räuberzivil herumläuft und diesen gruseligen Bart abrasiert hat. 

Mich würde übrigens mal interessieren, ob der Söder trotz aller anderslautenden Beteuerungen heute immer noch raucht. Ich meine mich nämlich zu erinnern, daß er es früher getan hat, und da bei Söder alles Fassade ist, kann es gut sein, daß er sich bloß nicht dabei erwischen läßt. 


Freitag, 22. Mai 2026

Frau Perditax, wo bleibt das Positive? Hier kommt es. :-)

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 73,7 Kilogramm. 200 Gramm weniger als vor zwei Wochen, das ist so lala und ein bißchen enttäuschend, zumal ich gestern früh noch auf ein heutiges Gewicht von 73 Kilo plusminus ein bißchen was hoffen konnte. Es kann aber sein, daß es etwas mit dem Temperaturanstieg zu tun hat, denn gestern abend wog ich - obwohl ich den ganzen Tag nichts gegessen hatte - ein volles Kilo mehr als am gestrigen Morgen. 

Mal sehen also, wie sich die Sache weiterentwickelt. Die Flohsamenschalen während mehrtägigen Fastenintervallen haben sich jedenfalls ein zweites Mal bewährt und schützen möglicherweise auch vor Muskelkrämpfen. Ein guter Grund, sie bei mehrtägigen Fastenintervallen beizubehalten. 

***

Es ist gerade ja keine Zeit, in der allzuviel Optimismus verbreitet wird. Aber genau deshalb sollte man gute Nachrichten nicht verschweigen, und das ganz besonders, wenn sie unerwartet sind. 

Wo steht es nämlich eigentlich geschrieben, daß menschengemachte Veränderungen immer unheilvolle Wirkungen haben müssen? Kann das nicht auch umgekehrt laufen? Dafür scheint es jetzt ein Beispiel zu geben. 

In China boomt ja neuerdings bekanntlich die Erzeugung von Solarstrom - das alleine ist ja schon eine gute Nachricht. Denn niemand hätte China zwingen können, das zu tun. Daß China es trotzdem tut, sollte all denen zu denken geben, die glauben, das Klima wäre nur zu retten, indem man hierzulande Leute dazu zwingt, Dinge zu tun oder zu unterlassen, die sie von alleine nicht täten. Gescheiter wäre es meiner Meinung nach, sich mal mit der Frage zu befassen, was genau China überzeugt hat, sich aus freien Stücken dafür zu entscheiden, und ob Chinas Gründe nicht hierzulande auch ein überzeugendes Argument für erneuerbare Energien wären, die man entsprechend verbreiten müßte.  

Die Sache hatte in mehr als nur einem der großen chinesischen Solarparks aber noch eine nicht erwartete positive Nebenwirkung: Das Wüstengebiet, in dem die Solarparks stehen, fängt plötzlich an, Vegetation zu entwickeln. Das hat zum einen mit dem Schatten durch die Solarpaneele zu tun, zum anderen mit dem heruntertropfenden Wasser, wenn sie gereinigt werden  Das finde ich richtig spannend, denn laut dem Bericht geht man zwar davon aus, daß die Herrlichkeit rasch ein Ende finden würde, sobald der Solarpark nicht mehr betrieben würde. Aber so ein Solarpark wird ja schon für längere Zeiträume eingerichtet und wird deshalb so schnell nicht verschwinden. Die Frage ist, wie sich das örtliche Mikroklima verändert haben wird, wenn der Solarpark einmal ein bis zwei Jahrzehnte Bestand gehabt haben sollte und vielleicht dann abgebaut wird. Das kann sogar dann dauerhafte Veränderungen bedeuten, wenn es keinen Plan gibt, auf welche Weise man die neu gewonnene Nicht-Wüste sich bewahren kann - und ich kann mir nicht vorstellen, daß es einen solchen Plan dann nicht ohnehin geben wird. 

Der zu üppige Bewuchs brachte die Betreiber sogar in Verlegenheit, weil die Solarpaneele zuzuwachsen drohten. Es ergab sich daraus als einfachere Lösung, als regelmäßig zu mähen, dort einfach Schafe weiden zu lassen, die nun natürlich auch den Boden kontinuierlich düngen und damit natürlich weiter verändern. 

In Deutschland wiederum gibt es erste Projekte, in denen eine Wiedernaturierung von Moorlandschaften mit Solarparks kombiniert werden. 

Das finde ich richtig spannend. Wer weiß, wie sich solche Gebiete innerhalb einiger weiterer Jahre noch entwickeln und welche neuen Möglichkeiten sich daraus ergeben, die den Risiken des Klimawandels unerwartete neue Chancen entgegensetzen können? 

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Ob die neue baden-württembergische Landesregierung ebenfalls ein unerwarteter Lichtblick ist, muß sich in der Praxis erst noch erweisen. Ich bin ja bekennender Nichtwähler und bevor ich die Partei des neuen Ministerpräsidenten jemals wieder wähle, müssen noch viele bislang ungeschehene Dinge geschehen. Aber ich muß zugeben, Winfried Kretschmann hat im Lauf der Zeit meinen Respekt erworben, auch deshalb, weil er sich sozusagen als der Manfred Rommel unter den Grünen erwiesen hat: jemand, der ein eigenes Wertesystem mitbringt und danach handelt, auch wenn dies quer zur offiziellen Parteilinie steht. Boris Palmer, für den das an sich ebenfalls gilt, fiel mir im Vergleich zu Kretschmann aber meistens eher unangenehm auf, weil er von seinem verstorbenen Vater, Helmut Palmer, einen gar zu starken Hang zu Polemik geerbt zu haben scheint. So etwas ist genau wie sein Dickschädel auch etwas sehr Schwäbisches, und mir sind solche Leute allemal noch lieber als solche, die ihr Mäntelchen immer nach dem Wind hängen. Aber im Moment brauchen wir eher Leute, die durch ihr ausgleichendes Wesen befähigt sind, Mehrheiten zu überzeugen, als solche, die einen ununterdrückbaren Drang haben, wider den Stachel zu löcken.

Am Rande erwähnt: Der 95jährige Nachbar, der uns beim Schneiden unserer Obstbäume unterstützt hat, schwört heute noch auf die Helmut-Palmer-Methode beim Bäumeschneiden. Jetzt, wo unsere beiden alten Apfelbäume wieder voll belaubt sind, kann ich jedenfalls mindestens bestätigen, daß unsere Bäume für diese Art von Schnitt ziemlich dankbar wirken. 

Zurück zur neuen Landesregierung. Anfangs sah die Sache ja nicht sonderlich vielversprechend aus, als nach der Wahl die CDU sofort damit anfing, wieder herumzustänkern. Bei allem Verständnis für ihre Enttäuschung nach der knappen Wahlniederlage, ich habe erst einmal laut aufgelacht, als einige Verblendete in der CDU laut in den Medien darüber nachdachten, die Verhandlungen platzen zu lassen und damit Neuwahlen zu erzwingen. Denn wie vernagelt muß man eigentlich sein, um nicht zu begreifen, wie sehr die Wähler sich dadurch verarscht vorgekommen wären und wie wenig sich die CDU jetzt noch leisten kann, sie zu verarschen. Nach einer Neuwahl hätte die CDU nie im Leben den Ministerpräsidenten gestellt. Das einzige, was sie zu erwarten hatte, war eine ungünstigere Verhandlungsposition in den Koalitionsverhandlungen als nunmehr eindeutiger Juniorpartner. Und selbstverständlich hätten sie nebenbei auch der AfD ein paar zusätzliche Prozentpunkte verschafft. Die bloße öffentliche Gedankenspielerei war meiner Meinung nach deshalb verantwortungslos, aber man muß auch am machtpolitischen Verstand derer zweifeln, die auf diese Schnapsidee gekommen sind. 

Daß es die Verblendeten in der Ländle-CDU immer noch gibt, zeigte die Ministerpräsidentenwahl, in der Özdemir deutlich weniger Stimmen bekam, als sie Grüne und CDU zusammen hatten. Aber immerhin reichte die Verblendung nicht so weit, daß sich unter diesen Leuten auch welche gefunden hätten, die zusammen mit der AfD abstimmten, als die AfD ihnen mit dem Antrag, über einen Ministerpräsidenten Manuel Hagel abzustimmen, einen ziemlich verlockenden Köder hinwarfen. Es macht mir dann doch wieder ein bißchen Mut, daß in der CDU wenigstens niemand dieser Versuchung nachgegeben hat. Mögen tun diese Verblendeten die AfD dann doch nicht, sie mögen nur die Grünen auch nicht. Aber sie sollen die Grünen ja auch nicht heiraten, sondern nur eine Koalition mit ihnen eingehen. 

Es gibt da seit einiger Zeit einen Podcast, Machtwechsel, von Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander über die aktuelle Bundesregierung und ihre Politik, und an ihm finde ich besonders interessant, daß er so gut auseinanderfitzelt, welche von außen gar nicht erkennbaren Kräfte innerhalb der Parteien wirksam werden, wenn über Regierungsfragen verhandelt, gestritten und wie am Ende die Kompromisse ausgeknobelt wurden. Ich höre das momentan regelmäßig und mit Interesse, finde es aber immer wieder bizarr, wie weit weg von der gesellschaftlichen Realität solche parteiinternen Querelen wirken, in denen es vor allem um innerparteiliche - oder in einer Koalitionsregierung um zwischenparteiliche - Machtspielchen geht, bei denen es vor allem darum geht, innerhalb der Partei die Fliehkräfte unterschiedlicher Richtungen auszubalancieren. Denn, Überraschung, Parteien bestehen nicht aus lauter Parteisoldaten, die alle dieselbe Meinung haben. In allen Parteien gibt es verschiedene Flügel, deren Vorstellungen von guter Politik sich beträchtlich unterscheiden können. Einen gemeinsamen Nenner zu finden - innerhalb einer Partei wie auch zwischen den Parteien einer Koalitionsregierung - mag unvermeidbar sein. Was mich daran so stört, ist, daß Parteitaktik offenbar einen weitaus höheren Einfluß auf Gesetzesvorhaben hat als das Interesse der Gesellschaft, und auch die Kommunikation, die über die Medien stattfindet, vor allem das Ziel hat, für sein jeweiliges Lager möglichst viele Vorteile zu bekommen. Und wenn man dafür vorher erst noch einen Bürgerkrieg oder den Sieg einer faschistischen Partei auslösen muß! Die Gruppendynamik innerhalb der bestehenden politischen Parteien bietet nur Anreize zu verantwortungslosem Verhalten, und das zu unser aller Schaden. 

Jedenfalls, an das, was ich aus diesem Podcast mitgenommen habe, mußte ich denken, als die ersten Stimmen in BW aufkamen, die das Platzen der Koalitionsverhandlungen in Kauf genommen hätten. Da spielte offensichtlich nur innerparteiliches Gedöns in der CDU-Echokammer eine Rolle, obwohl es doch an sich nichts als Beobachtung des Wählerverhaltens früherer Jahre plus etwas logisches Denken gebraucht hätte, um sofort zu begreifen, daß die CDU sich, würde sie Neuwahlen provozieren, nur ins eigene Knie schießen konnte. Wieso erkannten die Verfechter dieser Lösung das nicht selbst? Warum konnten Vernünftigere in der Partei sie nicht überzeugen? Diese Art von Betriebsblindheit wirkt sich jedenfalls verheerend aus, was die Herangehensweise an die Probleme betrifft, weil sie - für jeden Bürger erkennbar - gar nichts mit ihrem eigenen Wohl und Wehe zu tun hat. Sie weckt den Anschein, daß man sich kaum noch verschlechtern würde, wenn man die AfD wählt. Das ist zwar ein Irrtum, aber es ist auch eine Folge der Erkenntnis, wie egal wir alle den etablierten Partei geworden sind. Wir sind im Zweifelsfall immer unwichtiger als der Hinterbänkler, den man unbedingt im Boot halten muß (und der sich um uns natürlich auch nicht weiter schert). 

Wie auch immer, als man in Baden-Württemberg dann endlich soweit gewesen war, die Koalitionsverhandlungen aufzunehmen, ging auf einmal alles ganz schnell, und die ersten Absichtserklärungen nach deren Abschluß ließen mich sogar aufhorchen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir zu viele Hoffnungen mache, aber mir schien da ein neuer Ton enthalten zu sein, und so kam es, daß ich mir während des Fensterputzens auch die Regierungserklärung von Ministerpräsident Özdemir anhörte, um herauszufinden, ob ich diesen neuen Ton darin wiederfinden würde. 

Das meiste, was Özdemir sagte, klang dann zwar recht konventionell - wie es ein routinierter Redenschreiber eben immer fabriziert -, aber das Ende fand ich recht interessant und zitiere jetzt mal einen Teil daraus:  

 ... die neue Landesregierung steht für eine neue bürgerliche Politik. Der Begriff „bürgerlich“ steht dabei nicht für das Einkommen, für den Lebensstil oder für Äußerlichkeiten. Er steht für die richtige Balance zwischen Eigensinn und Gemeinwohl. Denn wir sind beides: Individuen, die ihren eigenen Kopf haben, eigene Ideen und eigene Interessen, und gleichzeitig sind wir Teil einer Gemeinschaft. Wir sind aufeinander angewiesen, und mehr noch: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Der Begriff „bürgerlich“ steht für die Einsicht, dass Freiheit und Verantwortung zusammengehören, dass wir Bürgerrechte und Bürgerpflichten haben. Er steht für den Respekt gegenüber Mitmenschen und Institutionen. Er steht für den Wert der Eigeninitiative. An manchen Stellen brauchen wir weniger Anspruchsdenken und mehr Verantwortungsbereitschaft: anpacken, mitmachen, Verantwortung für sich selbst und für andere übernehmen – so wie es in Baden-Württemberg jeden Tag geschieht.

Für uns als politisch Verantwortliche heißt das: Zu oft haben wir versprochen, was wir nicht halten können – und den Eindruck erweckt, der Staat könne vor allem und jedem schützen. Aber der Staat kann uns nicht jedes Risiko abnehmen. ... Unsere Demokratie lebt von Bürgerinnen und Bürgern, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen. Sie zieht ihre Kraft aus dem gemeinsamen Handeln. Damit staatliches Handeln wirksam ist, braucht es aktive Bürger als Gegenstück.

Dieser Zusammenhang ist uns als Landesregierung wichtig. Und ich spreche ihn aus, weil leichtfertige Versprechen der Politik am Ende immer das Gleiche bewirken: Sie zerstören Vertrauen. Vertrauen aber ist die wichtigste Ressource einer Demokratie – gerade in Zeiten wie diesen. Wir brauchen dieses Vertrauen – zwischen Regierung und Bevölkerung, aber auch untereinander. Denn was vor uns liegt, gelingt nur gemeinsam. ...

Die beiden fett markierten Passagen sind Schlüsselpassagen, allerdings muß ich zugeben, ich bin mir nicht sicher, wie neu und originell sie sind, weil ich jetzt natürlich nicht alle Regierungserklärungen der letzten Jahre durchlesen kann. Vielleicht sind es ja nur die üblichen Lippenbekenntnisse, auch wenn die neue Landesregierung in manchen Bereichen einen neuen Ton gesetzt hat, und ich das mit diesem Wissen im Hinterkopf las. Ich weiß auch nicht, was Özdemir vor dem geistigen Auge hatte, aber ich jedenfalls hatte für beide Passagen ein sehr konkretes Bild: 

Zum Ersten die Verbindung der individuellen Interessen mit denen einer Gemeinschaft. Ich glaube, ich weiß nämlich, warum das Bewußtsein für dies so stark erodiert ist. Es ist ja das von allen Seiten einschließlich der Politik als Selbstverständlichkeit unausgesprochen vorausgesetzte Ideal, daß jeder Bürger in jeder Lebenslage alleine zurechtzukommen können muß, also ohne Hilfe von anderen. Wo für jemanden dieses Ideal nicht erreichbar ist, soll er niemanden um Hilfe bitten müssen, wie das noch vor ein paar Jahrzehnten für normal gehalten wurde, sondern hat Ansprüche an den Staat. Das ist einerseits gut gedacht, es soll die Würde des Betroffenen wahren. Aber wenn man sich die aktuellen Debatten um die Grundsicherung anschaut, ist klar, daß der Staat gerade an diesem Anspruch, die Würde von Hilfeempfängern zu wahren, eindeutig scheitert. Denn stattdessen wird man ja von den Ansprechpartnern bei den Ämtern abhängig. Und da gibt es zwar wirklich auch fähige und faire Menschen, aber es ist reine Glückssache, ob man bei so jemandem landet, wenn man Hilfe vom Staat braucht. Das Gegenüber kann stattdessen ein bösartiger kleiner König sein der seine Macht gegenüber den ihm Ausgelieferten auskostet - und ausgeliefert ist man seinem Fallmanager erst einmal auf Gedeih und Verderb. Ein erbsenzählender Paragraphenreiter, der es bestimmt nicht einmal böse meint, kann ebensoviel Unheil anrichten.

Ich breche die Analyse an dieser Stelle ab, obwohl es noch viel dazu zu sagen gäbe.  

Wir brauchen aber tatsächlich wieder mehr Gemeinschaften, die Gelegenheiten geben, sich auf Augenhöhe bei Bedarf in manchen Lebenslagen gegenseitig unterstützen zu können, ohne dies als Primärzweck zu verfolgen. Das Ideal "Ich will mir immer alleine helfen können" - dem ich sehr wohl lange Zeit auch gehuldigt habe - ist nämlich eine Mogelpackung. Sie funktioniert auf Kosten von sozialen Beziehungen, in denen man sich gegenseitig immer auch allerhand Freundschaftsdienste leistet, und ersetzt diese durch bezahlte Dienstleistungen, also wieder: Ansprüche statt freiwilliges Entgegenkommen. Es hat mich erstaunt und auch betrübt, wieviele Freundschaften sich lockerten und irgendwann ganz versackten, als ich nicht mehr andauernd alle möglichen Leute um Hilfe bitten mußte - und meinerseits von ihnen um Hilfe gebeten wurde, wie das bei Alleinerziehenden bis zu einem gewissen Alter ihrer Kinder ja kaum vermeidbar ist. Als ich wirtschaftlich halbwegs autark geworden war, also mich dem Ideal ziemlich weit angenähert hatte, stellte ich fest, daß ich immer weniger und immer losere soziale Beziehungen hatte.

Es ist vernünftig, sich in Gemeinschaften zu bewegen, in denen man Hilfe bekommen und Hilfe geben kann, und zwar auf freiwilliger Basis und aus einem Bewußtsein der Verbundenheit heraus. Das alles ersetzt keine staatlichen Hilfen, aber es kann auch helfen, nicht in die Hilfsbedürftigkeit gegenüber dem Staat hinein- oder schneller wieder aus ihr herauszukommen, es kann moralisch unterstützen und kleine Erleichterungen mit sich bringen - und es fühlt sich auch gut an, wenn man trotz der eigenen Situation auch anderen in dieser oder jener Sache hilfreich ist. Aber vor allem wäre es ein Mittel gegen dieses Gefühl des Ausgeliefertseins irgendwelcher merkwürdiger Mechanismen, staatlicher oder wirtschaflticher, und natürlich auch gegen die Einsamkeit, die - wenig überraschend - als Folge des langjährigen Ideals des "sich immer alleine Helfens" neuerdings zur Volkskrankheit erklärt wird. Es bringt Menschen außerdem dazu, sich anderen Meinungen auszusetzen, die sie nicht mögen, und auch das wirkt psychisch stabilisieren und stabiliert damit auch politisch. 

Zum Zweiten bin ich schon seit Jahrzehnten der Meinung, der Staat ist einerseits zu übergriffig geworden, und das gerade im Bereich der persönlichen Risiken, etwa im Bereich Gesundheit. Aber andererseits hat jeder neue staatliche Schutz in diesem Bereich den Menschen nicht etwa das Gefühl vermittelt, besser geschützt zu sein, sondern sofort mindestens ein halbes Dutzend Forderungen nach sich gezogen, wo man sonst überall noch geschützt werden müsse, meistens solche, die strukturell ähnliche Dinge betrafen. Mit jeder Sache, die ihrer eigenen Entscheidung entzogen wird, scheinen Menschen auch ihre Befähigung zu verlieren, sich um ihre Angelegenheiten selbst zu kümmern. Und weil sie sich subjektiv unfähig dazu fühlen, soll es dann halt der Staat richten. Da der Staat aber schon jetzt mit seinen selbstauferlegten Aufgaben überfordert ist, möchte er natürlich nicht noch weitere übernehmen müssen.

Diesen Geist hat er selbst aus der Flasche gelassen, und so wäre es sein Job in diesem Spannungsfeld, neu zu definieren, was seine Aufgaben sind und was nicht, und dies mit einem roten Faden zu versehen, der einer Mehrheit einleuchtet und an dem man sich bei künftigen Rufen nach staatlichem Eingreifen orientieren kann, um zu beurteilen, ob dies zu Recht gefordert wird oder man verlangen könnte, daß die Leute sich selbst helfen. 

Wieviel von meinen Gedanken in Özdemirs Forderungen stecken - vielleicht viel, vielleicht wenig, vielleicht gar nichts -, wird sich zeigen. Mein Eindruck war aber immerhin, daß die Regierung Özdemir/Hagel sich das Ziel gesetzt hat, ein Gegenentwurf zur Bundesregierung und deren Art, ihre Aufgaben anzugehen, zu werden und damit vorzumachen, wie man konstruktive Politik macht und miteinander als Koalitionspartner anständig umgeht. Ob das durchgehalten werden kann, bleibt abzuwarten, ebenso, ob das auch für die Fokussierung auf Landesinteressen anstelle von Parteiinteressen gilt. Sie bemühten sich jedenfalls im Moment, eine entsprechende Haltung zu vermitteln, und das überzeugend genug, daß ich ihnen die gute Absicht jedenfalls einmal abkaufe. Wenn sie jetzt noch eine überzeugende Vision liefern, wo wir als Gesellschaft hinwollen, kann das mit etwas Glück der Befreiungsschlag der bürgerlichen Mitte werden, den die Bundesregierung nicht liefern kann, weil sie gar nicht kapiert, wo ihre Hauptfehler liegen. Ich bin mir auch ziemlich sicher, daß man auch finanzielle Einschnitte den Leuten vermitteln kann, wenn sie als Teil eines Gesamtkonzepts erkennbar sind, mit dessen Zukunftsvisionen sie sich grundsätzlich identifizieren können. 

Übrigens, auch als Nichtwähler hätte ich in einer direkten Entscheidung Cem Özdemir Manuel Hagel vorgezogen, weil er viel mehr politische Erfahrung mitbringt, nicht nur in der Sachpolitik, sondern auch im Umgang mit den unvermeidlichen innerparteilichen Fliehkräften. Daß der Hagel seinen Partei-(Sau-)Laden viel weniger im Griff hat, war angesichts seines Alters anzunehmen und man konnte es dann ja nach der Wahl auch live besichtigen, daß dieser Verdacht richtig war. Was die CDU da für ein Bild abgegeben hat, fällt natürlich auch auf Hagel zurück. Jetzt hat er fünf Jahre Zeit, im Amt zu wachsen und sich zu profilieren, danach sieht man weiter. Daneben finde ich es aber auch ziemlich schick, daß ausgerechnet das in großen Teilen ländlich geprägte Baden-Württemberg so wenig Probleme mit Özdemirs türkischen Wurzeln hatte, daß es als erstes Bundesland einem solchen Spitzenkandidaten zum Amt verholfen hat. Eigentlich hätte man ja eher vermutet, daß dies in einem der Stadtstaaten passieren würde, also Berlin, Hamburg oder Bremen. 

Ich bin der Meinung, die Band Füenf sollte ihren Song "Mir im Süden" um eine neue Strophe ergänzen, die dies thematisiert. Denn mir im Süden sind zwar vielleicht weniger dick aufgetragen progressiv und tolerant, als das in Berlin die einschlägigen Kreise immer so demonstrativ zelebrieren, und deshalb wollen wir auch einen Ministerpräsidenten, der so schwätzt wie onseroiner au. Da Özdemir das tut, ist er von hier und ist auch für bodenständige Dörfler in jedem Fall wählbarer als irgendein Kandidat, der gestochenes Hochdeutsch redet. Der Gedanke, jemanden, der Schwäisch schwätzen kann, für aus irgendwelchen verschwurbelten rassistischen Theorien heraus irgendwie genetisch problematisch zu halten, hat sich hierzulande bei der letzten Landtagswahl somit als nicht mehrheitsfähig herausgestellt. Und das ist in jedem Fall positiv. 

Diese Landesregierung hat eine große Chance, nämlich sich so vorteilhaft von der Entscheidungsfindung innerhalb der Bundesregierung abzuheben und vielleicht sogar - etwa mit den kühnen Plänen zum Bürokratieabbau - mit zukunftsweisenden Weichenstellungen bundesweit Maßstäbe zu setzen. Ob sie diesem Anspruch gerecht wird, werden wir sehen. 

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Die Sache mit den Split-Klimaanlagen wird langsam konkret. Die letzten Tage habe ich mich noch einmal intensiver mit den auf dem Markt erhältlichen Geräten befaßt und stieß bei einem Hersteller, dessen Gerät in unserer engeren Wahl ist, auf einen Nachweis der Kältetechnik-Unternehmen in unserer Region, die dessen Anlagen verbauen. Eigentlich wollte ich ja eines direkt bei uns im Teilort beauftragen, aber dieses gehört leider nicht dazu. Dafür fand ich in dieser Liste aber eines, das ausschließlich Klimaanlagen verbaut - und ausdrücklich mit deren Heizmöglichkeiten wirbt. Das war nämlich der eine Punkt, der mir ein bißchen Sorgen gemacht hatte: Alle anderen Unternehmen, die ich gecheckt habe, bieten nicht nur Klimaanlagen, sondern alle möglichen haustechnischen Leistungen, darunter auch alle möglichen Heizlösungen an. Nirgends wurde aber das Heizen mit Klimaanlagen auch nur erwähnt, und so fragte ich mich schon, ob so ein Unternehmen uns vielleicht als Heizung nur widerstrebend ein Klimagerät einbauen würde, da wir uns weder für Solarthermie noch für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe begeistern lassen würden, und ob es überhaupt genügend Erfahrungen mit dieser Nutzungsart mitbringt, nicht nur technisch, sondern auch, was die Förderung betrifft. Denn heizen mit Klimaanlagen bedient ja weiterhin eine Nische. 

Hinzu kommt aber außerdem, daß dieser Nischenstatus vermutlich dafür sorgt, daß dieses spezialisierte Unternehmen etwas weniger überlaufen ist als diejenigen, bei denen man von Öl über Gas bis Wärmepumpe alles mögliche an Heizlösungen bekommen kann. Nun gut, jetzt ist natürlich die Jahreszeit, in der man auch wegen der Kühlung auf solche Unternehmen bereits zukommen könnte, aber mit ein bißchen Glück fällt das dem durchschnittlichen Klimaanlagen-Auftraggeber erst ein, wenn die Situation da ist, also die Innentemperaturen sich den 30 Grad nähern. 

Einstweilen habe ich den Kältetechniker noch nicht erreicht, womöglich ist er im Pfingsturlaub. Aber ich bin jetzt soweit, diese Sache aktiv in Angriff zu nehmen. Dafür haben wir den letzten Wohnungsverkauf auf August verschoben, in der Hoffnung, daß das Gebäudemodernisierungsgesetz bis dahin durch ist. 

Seit gestern besitze ich erstmals ein eigenes Smartphone, das ich im Herbst auf eine knapp einwöchige Reise mitnehmen will, eigentlich nicht so sehr zum Telefonieren, sondern eher, um Fotos machen und direkt verschicken zu können. Es geht nämlich an den Geburtsort meiner Mutter. Aber ich habe bereits festgestellt, daß dieses Gerät sehr nützlich ist, um herauszufinden, welche der in letzter Zeit aus dem Boden gekommenen Pflanzen bei uns im Garten die von uns freudig erwarteten Gemüsepflanzen sind und welche Unkraut. Ohne das Smartphone wüßte ich beispielsweise nicht, daß meine Alexandra-Kartoffeln - die letzten, schon arg verschrumpelten hatte ich kurzerhand neben der Terrasse eingepflanzt - tatsächlich kommen. Wir haben aber auch noch an anderer Stelle die kleinsten der im letzten Herbst ausgebuddelten Kartoffeln reingesetzt, und die kommen auch. Aber als dritte Kartoffel-Stelle kamen auch noch drei Überraschungs-Pflanzen, wohl aus Kartoffeln, die ich letzten Herbst beim Ernten übersehen hatte - etwas entfernt von der Stelle, wo ich gegraben hatte; daß da auch noch Kartoffeln sein könnten, hatte ich nicht erwartet. Mein Anfängerglück setzt sich also fort. Letztes Jahr wuchsen die Kartoffeln unerwartet zwischen allen möglichen anderen Pflanzen, vulgo Unkraut. Dieses Jahr will ich meinen Kartoffelpflanzen etwas mehr Freiraum verschaffen, und nebenbei lerne ich dann dank der Pflanzenbestimmungs-App auf meinem Smartphone auch endlich die Namen all dieser Unkräuter, die sich bei uns breitmachen. 


 

 

 

 

 

Montag, 18. Mai 2026

Flexitarier und Fleischersatzprodukte: Sie kommen aus der Mode

Mein Gewicht heute früh zum Start des viertägigen Fastenintervalls: 78,4 Kilogramm. 700 Gramm weniger als vor zwei Wochen - als ich die ersten beiden Tage mit Flohsamenschalen hinter mir hatte -, weshalb dieses Minus wahrscheinlich nicht einem geringeren Magen-Darm-Inhalt in die Schuhe geschoben werden kann. Wenn ich richtiges Glück habe, könnte das bedeuten, daß wirklich ein Zusammenhang zwischen der Verstopfung und dem hartnäckig nicht mehr runtergehenden Gewicht bestanden hat - aber natürlich ist es im Moment noch viel zu früh, um das sicher sagen zu können. 

Unabhängig von dieser Frage finde ich es wirklich angenehm, endlich wieder regelmäßig morgens nach dem Kaffee ein "menschliches Rühren" zu verspüren (von den 16 Tagen, die ich das mit den Flohsamenschalen jetzt mache, ist es bislang nur an einem einzigen Tag ausgeblieben), und alleine das schon ist ein guter Grund, diesen Effekt weiter zu nutzen. Sollte zusätzlich nun auch wieder eine vernünftige Gewichtsabnahme einsetzen, wäre das ein erfreulicher Bonus. Erfreulich natürlich auch deshalb, weil ich dann nicht weiter nach anderen Ursachen und deren Beseitigung suchen müßte, aber vor allem, weil ich dann endlich darauf hoffen kann, die letzten ärgerlichen 5 Kilogramm auch noch loszuwerden, die sich als besonders anhänglich erwiesen haben. 

Ich werde berichten. Aber schon jetzt bin ich heilfroh, daß ich keinen Arzt um Rat gefragt, sondern die richtige Lösung für die Verstopfung alleine gefunden habe. Andernfalls wäre mir bloß irgendein Medikament verschrieben worden, das a) nicht besser oder vielleicht sogar schlechter als meine Lösung gewirkt, b) teurer gewesen wäre und c) vielleicht ja irgendwelche Nebenwirkungen gehabt hätte. 

Etwas mehr als drei Jahre nach der OP hatte ich heute wieder eine Mammographie, deren Ergebnis auch voll und ganz zufriedenstellend war. Überrascht war ich aber, weil die Ärztin in meiner rechten Brust immer noch eine leichte Schwellung wahrnehmen konnte. Ich hätte jeden Eid darauf geleistet, daß das jetzt alles wieder völlig normal sei. Es sieht für mich halt normal aus und fühlt sich auch normal an. Um das zu erkennen, benötigt man wohl doch eine Spezialausbildung plus viele Jahre Routine. Immerhin, das zeigt, wie lange die Nachwirkungen so einer Behandlung offenbar für Fachleute noch erkennbar sind. Witzigerweise hat die Ärztin dafür die OP-Narbe erst nach einigem Suchen finden können. Sie ist wirklich schön unauffällig, aber ich kann sie sehen. 

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Wenn sogar die TAZ das behauptet, wird es wohl zutreffen: Der Boom von industriell gefertigten Fleischersatzprodukten ist offenbar vorbei. Sechs Jahre lang nahm das Produktionsvolumen ständig zu. Im letzten Jahr ist es laut Statistischem Bundesamt erstmals wieder gesunken. Im Gegenzug wurde wieder mehr Fleisch verzehrt - tatsächlich setzte dieser Anstieg aber bereits im Vorjahr wieder ein. Dies wird darauf zurückgeführt, daß die Fleischpreise im Vergleich zu anderen Lebensmittelkosten kaum gestiegen sind. Jetzt hat mich natürlich auch interessiert, ob der Trendreport Ernährung dies ebenfalls widerspiegelt. Merkwürdigerweise gab es dieses Jahr aber bislang noch keinen. 

Überrascht bin ich darüber aber keineswegs, dafür habe ich schon zu viele andere Ernährungs-Hypes in den Supermarktregalen mit viel Trara kommen und ganz leise wieder verschwinden sehen. Zum zweiten kam der Fleischersatz-Hype mit ein paar Jahren Zeitverzögerung aus den USA herübergeschwappt, und dort ist der Trend schon ein Weilchen vorbei. Aber als dritter Faktor kommt natürlich auch noch dazu, daß der aktuelle Bundesminister für Landwirtschaft, ein gelernter Metzger, einen solchen Trend kaum aktiv vorantreiben wird. Und als vierter Faktor, und dafür kann man den Herrn Reiner wieder nicht verantwortlich machen, hat auch die Hurra-Medienberichterstattung erheblich nachgelassen. Die Wirkung dieses Faktors schlägt sich dann in solchen Umfrage-Ergebnissen nieder:  

Ich meine hier speziell die Entwicklung derjenigen, die angeben, sich "flexitarisch" zu ernähren. Was diese Leute damit jeweils meinen, sei dahingestellt - es sind jedenfalls alle diejenigen, die glauben, sie wären irgendwie moralisch verpflichtet, möglichst wenig Fleisch zu essen. Sich als Flexitarier zu bezeichnen, ist eine reine Absichtserklärung. Daß auch ein verblüffend großer Teil der selbsterklärten Veganer und Vegetarier in der Praxis anders ißt, als es ihr ernährungstechnisches Selbstbild eigentlich erlauben würde, habe ich an anderer Stelle ja schon einmal erwähnt. Es liegt also nahe, dies auch für die selbsterklärten Flexitarier anzunehmen. 

 Neu ist es, daß nach dieser Umfrage vor allem die selbsterklärten Flexitarier immer weniger zu werden scheinen. Vor zwei Jahren machten Flexitarier, Vegetarier und Veganer 56 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Inzwischen sind es zehn Prozentpunkte weniger. Ich glaube noch nicht einmal, daß dies Veränderungen im tatsächlichen Ernährungsverhalten widerspiegelt. Es spiegelt wider, daß eine soziale Erwünschtheit dieser drei Ernährungsweisen von vielen Befragten nicht mehr wahrgenommen wird, und dann fehlt der Druck, so zu antworten, daß man damit moralisch untadelig rüberkommt. 

Die Detailergebnisse finde ich interessant. Daß Vegetarisch/Vegan bei unter Dreißigjährigen um einiges verbreiteter als bei Älteren, aber dafür die Flexitarier bei den älteren Altersgruppen deutlich häufiger sind, war zu erwarten, ebenso, daß die Größe des Wohnorts einen Einfluß hat. Der Trend, vegetarisch oder vegan zu essen, ist ein Lifestyle junger gebildeter Großstädter im Westen, und dabei sind Großstädterinnen überrepräsentiert. Womit ich aber nicht gerechnet hatte, ist, daß das Merkmal "kinderlos" ebenfalls eine Rolle spielt. Sind Kinder im Haushalt, geben lediglich 39 Prozent an, entweder vegetarisch, vegan oder flexitarisch zu essen, und ausgerechnet die flexitarische Lebensweise ist auch als reine Absichtserklärung, wenig Fleisch essen zu wollen, bei Eltern fast so unbeliebt wie im Osten der Republik und der Anteil liegt sogar drei Prozentpunkte niedriger als bei den am wenigsten Gebildeten. Ich habe hin- und herüberlegt, was der Grund dafür sein könnte, und das einzige, was mir einfallen würde, ist, daß die Kinder das Zeug vielleicht ja häufig nicht mögen. Dafür könnte diese Entwicklung sprechen: 

 

Basis dieser Antworten waren allerdings nur die Befragten, die von sich selbst sagen, sie ernährten sich vegetarisch oder vegan. Die meisten Schwankungen bei den Antworten deuten nicht auf große Änderungen hin, aber mit einer Ausnahme: Der Anteil derjenigen, die angeben, diese Ernährung schmecke ihnen, ist von 2022 bis 2025 kontinuierlich, und das um immerhin zwölf Prozentpunkte gesunken. Das scheint mir tatsächlich ein Trend zu sein. Möglicherweise erklärt sich der starke Rückgang bei denjenigen, die ihre Ernährungsweise wohlschmeckend finden, ja darin, daß jeder, der eine Zeitlang auf zuvor gewohnte Ernährungsbestandteile verzichtet, diese irgendwann vermißt. Ich stürze mich ja auch nach jeder Low-Carb-Phase sehr enthusiastisch auf Weizenmischbrot, Bratkartoffeln und Heidelbeermuffins. Ein Teil des Reizes meiner vorübergehenden Low-Carb-Phasen besteht ja darin, daß ich keinem besonders geliebten Lebensmittel nachtrauern muß, weil ich sie ja wieder bekommen werde. Dafür koche ich außerhalb der LC-Phasen keines meiner zugehörigen Lieblingsrezepte - dann habe ich etwas, worauf ich mich bei LC freuen kann. Sechs Wochen sind übrigens gerade der richtige Zeitraum, um nichts zu vermissen. Bis dahin habe ich alle LC-Lieblingsrezepte durch und eine Reihe von neuen ausprobieren können. Die interessanteste Neuerung des letzten Winters waren diese Milchpulver-Brötchen. Im Herbst werde ich höchstwahrscheinlich einen größeren Eimer Milchpulver kaufen, um die öfter machen zu können. Ich bin allerdings noch unschlüssig, ob ich nicht doch lieber Magermilchpulver nehmen sollte. Nicht, weil ich Kalorien sparen möchte, sondern weil das Vollmilchpulver süßer schmeckt, und das trifft beim Frühstücken dann doch nicht ganz meinen Geschmack. 

Mit dem Sinkflug des Absatzes der Fleischersatzprodukte hat der Überdruß der Vegetarier am Geschmack ihres Essens aber kaum etwas zu tun. Für eine vegetarische oder vegane Ernährung - von flexitarisch ganz zu schweigen - sind solche Produkte ja sowieso nicht nötig. Wer sich ernsthaft vegan oder vegetarisch ernähren oder dies wenigstens relativ häufig tun will, der macht es vermutlich genauso wie ich, wenn ich Low Carb esse: Er tüftelt sich die passende Rezepte aus und kocht selbst, und das so, daß es einem wirklich schmeckt. Die Zielgruppe für Fleischersatzprodukte sind meiner Meinung nach weniger die Überzeugungstäter, sondern diejenigen, die sich gerne als Flexitarier sehen möchten und sich mit dem Griff zum ethisch korrekten Produkt vor allem ein weniger schlechtes Gewissen erkaufen. Würde das Zeug ihnen wirklich schmecken, könnte niemand sie daran hindern, sie weiter zu konsumieren, es muß dann ja auch nicht jeden Tag sein. Aber wenn nichtvegane Fertiggerichte schon nicht so besonders schmecken, warum sollte das bei veganen denn anders sein? 

 

Donnerstag, 14. Mai 2026

Flohsamenschalen, Wärmepumpen und gefiederte Terroristen

Mein Gewicht heute, feiertagsbedingt einen Tag vor dem zweiten von zwei Fastentagen diese Woche: 77,1 Kilogramm. Daran gibt es nichts zu meckern. Mein Gewicht ist seit der mißlungenen zweiten Endspurtphase in etwa stabil mit leichter (wäre ich Wissenschaftler, würde ich wohl schreiben: nicht signifikanter) Tendenz nach unten. 

Am Samstag ist es zwei Wochen her, daß ich mit den Flohsamenschalen begonnen habe, und ich muß sagen, ich bin recht beeindruckt von der Wirkung auf meine Verdauung. Nach zwei, drei Übergangstagen war es tatsächlich so, daß sich alles wieder ungefähr so anfühlt wie vor der Chemotherapie, seit der ich ja mal mehr, mal etwas weniger lästige Symptome von Verstopfung hatte. Ich bin bei so was ja langmütig und hatte der Sache Zeit gegeben, wieder von alleine normal zu werden, und es gab immer wieder Phasen, in denen es so viel besser war, daß ich dachte, es käme von alleine wieder an den Punkt des Status quo ante. Aber es sind jetzt mehr als zwei Jahre, seit ich meine letzte Trastuzumab-Infusion bekam, und nach einer ruhigeren Phase schlich sich die Sache nicht etwa aus, sondern wurde wieder intensiver. Da wurde es doch langsam mal Zeit, etwas zu tun. Die Flohsamenschalen wurden vor allem deshalb zu meinem Mittel der Wahl, weil ich sie sowieswo in meinen Low-Carb-Utensilien habe. Hätte mich die Wirkung nicht überzeugt, hätte ich etwas anders ausprobiert. Aber nach momentanem Stand scheint das nicht nötig zu werden. Das Zeug tut tatsächlich das, was es tun soll.  

Es klingt kontraintutiv, aber Flohsamenschalen wirken sowohl gegen Verstopfung als auch gegen Durchfall, weil sie die Konsistenz des Darminhalts in beiden Fällen in Richtung normal bringen können. Es ist also zwar möglich, daß der in ca. 70 Prozent der Fälle mit Pauken und Trompeten erfolgende "Abmarsch der Darmflora" am letzten Fastentag oder einen Tag darauf nur deshalb unterblieben ist, weil es eben ein Fall aus den dreißig anderen Prozent war, aber es kann natürlich auch sein, daß die Flohsamenschalen das bewirkt haben. Alleine das ist schon ein guter Grund, es bei langen Fastenintervallen beizubehalten und zu beobachten, wie es weitergeht. Aber ich finde die Wirkung auch magentechnisch recht angenehm und könnte mir sogar vorstellen, daß es manchen Leuten das Fasten erleichtern kann, die sich damit schwerer als ich tun, weil es das Gefühl eines vollen Magens vermittelt, ohne dafür irgendetwas zu sich genommen zu haben, das auch nur den geringsten Nährwert hat. 

Die Frage, ob man diese Dinger auch während des Fastens nehmen kann, halte ich damit für beantwortet. Falls die Wirkung so ausfällt wie bei mir, ist es ausdrücklich zu empfehlen. Also, ausprobieren. Damit wieder aufhören, falls es nicht überzeugt, kann man ja jederzeit.  

Im Web wurden zwischen einem und drei Teelöffel Flohsamenschalen empfohlen, und ich habe qua Bauchgefühl den Mittelweg, nämlich zwei, gewählt, weil ich nicht mit der niedrigstmöglichen Menge beginnen wollte. Bei diesen zwei TL werde ich bis auf weiteres wohl auch bleiben. Mit einem Schluck Wasser verrührt, quellen sie sehr rasch auf, und wenn man zu wenig Wasser nimmt, bekommt man eine zähe Masse, die im Mund kleben bleibt, während ich es eher ein bißchen unangenehm finde, wenn das Zeug in so viel Wasser ist, daß es noch getrunken werden kann. Mit etwas Übung bekommt man eine breiartige Masse, die man löffeln kann. Anschließend trinke ich einen halben Liter Sprudel, und ich merke es relativ schnell, wenn ich noch mehr trinken sollte, weil ich dann schnell wieder Durst bekomme. Abends sollte man das deshalb nicht nehmen, weil man über Nacht natürlich nicht trinkt und man dann eher zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen hat. Das könnte allerdings die Verstopfungssymptome sogar noch verschlimmern. Also empfehle ich eher eine Einnahme irgendwann zwischen morgens und mittags, anschließend direkt zwei 0,25-Gläser Wasser zu trinken und danach auf seinen Durst zu hören.  

Ob es auch einen Einfluß auf die Wirkung des Fastens hat, kann ich jetzt aber noch nicht sicher sagen. Das Kilo hin oder her, das ich im Vergleich zu vor zwei Wochen zu verzeichnen habe, könnte an sich alleine auf einen geringeren Magen-Darm-Inhalt zurückzuführen sein. Aber ich mache jetzt in jedem Fall noch zwei Wochen lang damit weiter, es täglich zu nehmen. Danach mache ich vier Wochen lang Einnahme nur während der langen Fastenintervalle sowie bei konkretem Anlaß - also, erneute Verstopfungssymptome -, und dann kann ich wohl auf Basis meiner Erlebnisse entscheiden, mit welcher der beiden Methoden ich bis auf weiteres weitermachen möchte.  

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Die nächste mediale Attacke zur Durchsetzung der Widerspruchslösung bei der Organspende scheint angelaufen zu sein, jedenfalls fand ich bei der ZEIT sogar zwei Meinungsartikel (Nr. 1, Nr. 2), die interessanterweise auch nicht hinter einer Paywall versteckt wurden, also von möglichst vielen gelesen werden sollen. Wäre ich Verschwörungstheoretiker, wäre das für mich ein Beleg dafür, daß irgendeine "interessierte Seite" für die Freischaltung bezahlt hat. Wahrscheinlich jemand, dem es ein dringendes Bedürfnis ist, diese Sache endlich einmal durchzusetzen. An diesem Thema währt die Wühlarbeit der Befürworter ja schon eine halbe Ewigkeit. Ich nehme allerdings eher an, daß in der Redaktion jemand sitzt, dem es aus rein ideologischen Gründen ein Anliegen war, die Sache zu promoten. 

So gut ich verstehen kann, daß Zeitungen mit ihren Online-Ausgaben ja nicht umsonst hergeben können, was sie in der Printausgabe verkaufen, aber diese Paywalls haben ungute Nebenwirkungen, was die Art der Informationen betrifft, die der durchschnittliche Online-User zu lesen bekommt. Die haben nämlich eine Schlagseite in Richtung von Meinungsmache. Volltexte bekommt man typischerweise von Populisten und Ideologen oder auch von bezahlten Meinungssteuerern mit anderm, etwa kommerziellem Interesse. Meinungen, die besonders aggressiv promotet werden, sind aber für gewöhnlich weniger geeignet, Probleme zu lösen und manche von ihnen können auch alles noch viel schlimmer machen, wenn sie an Zustimmung gewinnen - wie das wahrscheinlich ist, wenn mehr Leute sie zu lesen bekommen als die Gegenmeinungen.Außerdem bekommt man ziemlich häufig auf Twitter oder Bluesky kleinere Textschnipsel aus Paywall-Artikeln, und es ist dann nicht möglich, zu überprüfen, ob sie im Rahmen des Kontexts wirklich den Sinn haben, der behauptet wird. Auf diese Weise tragen die Medien aktiv zur Zuspitzung und damit zur Desinformation mit bei, über die sie sich dann so entsetzen.

Ich begreife, ehrlich gesagt, nicht, warum es nirgends möglich ist einzelne Artikel gegen Vergütung freizuschalten. In Zeiten, in denen man sogar Briefmarken online einzeln kaufen und einzeln bezahlen kann, ergibt es nicht viel Sinn, einem ein Abo aufzunötigen, nur weil man einen einzelnen Bericht oder ein bestimmtes Interview im Spiegel etc. gerne lesen möchte. Für mich kann ich jedenfalls sagen, gelegentlich würde ich davon in jedem Fall Gebrauch machen, wenn es diese Möglichkeit gäbe. Aber für einen einzelnen Artikel schließe ich nicht gleich ein komplettes Abo ab. 

Zurück zur Widerspruchslösung. 

Was ich an der Widerspruchslösung grundsätzlich falsch finde, weshalb ich sie auch strikt ablehne, habe ich an anderer Stelle schon oft genug auseinandergedröselt. Ach ja, meine Nierenwerte sind übrigens so gut, daß mein Hausarzt bei Durchsicht der Blutwerte dazu eine freudig überraschte Bemerkung machte. In meinem Alter ist das offenbar nicht mehr so selbstverständlich. Was auch immer man von meiner Art des Intervallfastens halten mag, meinen Organfunktionen hat es jedenfalls nicht geschadet und wahrscheinlich ganz im Gegenteil einiges genützt. Aber die Nieren einer gewesenen Krebspatientin will sowieso niemand mehr transplantieren, egal, in welchem hervorragenden Zustand sie sind, also ist die Widerspruchslösung kein Problem, mit dem ich jemals persönlich konfrontiert würde. Trotzdem, der Organspendeausweis mit dem Nein bleibt vorsichtshalber in meinem Geldbeutel. 

Ich bin mir nämlich ziemlich sicher, daß die Widerspruchslösung kommen wird. Vermutlich schaffen sie es schon in diesem neuen Anlauf, denn der Druck, sich als großer wohltätiger Zampano zu betätigen, ohne daß das viel kosten darf, war ja noch nie so hoch wie gerade jetzt, also bietet sich das für die Bundesregierung ja an. Aber falls es doch nicht in dieser Legislaturperiode geschieht, dann eben irgendwann später. Es sei denn natürlich, die Lage in Deutschland und der Welt spitzt sich so dramatisch zu, daß die Leute, die Geld oder ideologische Überzeugung investieren, um die Zustimmung zur Widerspruchslösung im n-ten Anlauf nun endlich erfolgreich durch das Parlament zu bringen, auf einmal genügend andere und dringlichere Sorgen haben. Oder sie haben als Nebeneffekt auch kein Geld mehr, was sie ihrer meinungssteuernden Möglichkeiten entheben würde. 

Wenn ich mir jetzt nur nicht so verdammt sicher wäre, daß mir deren dringliche Sorgen wahrscheinlich ebenfalls eigene dringliche Sorgen verschaffen werden, die ich wirklich nicht haben möchte, könnte man fast in Versuchung kommen, sich so etwas herbeizuwünschen. Ich nehme an, dieser letzte gedankliche Schritt ist es auch, den die meisten AfD-Wähler nicht vollziehen. Sie glauben ernsthaft, etwas Schlimmeres als die aktuelle Regierung könne ihnen gar nicht passieren. Mann, werden die sich noch wundern. Auch wenn ich den Frust an der aktuellen Bundesregierung durchaus teile. 

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Das Gebäudemodernisierungsgesetz, das das derzeit gültige Gebäudeenergiegesetz ersetzen soll (beides in den Medien gerne auch "Heizungsgesetz" genannt), wurde im Kabinett beschlossen und soll noch vor der Sommerpause durch den Bundestag gehen. Nachdem schon die Fans des alten Gesetzes deshalb den Untergang des Abendlands (durch Untergang des Klimas) heraufbeschworen haben, kommen nun auch die Fachleute mit einiger Kritik. Also warten wir mit dem nun schon so lange verschobenen Wohnungsverkauf, bis endlich feststeht, wie das Gesetz wirklich aussehen wird, das dann hoffentlich bis spätestens Juli beschlossen wird. Nur um ganz sicherzugehen. Das ist mir ein bißchen lästig - und meinem Mann sogar noch mehr -, aber auf die zwei Monate kommt es uns im Grunde auch nicht mehr an. 

Sollte es so kommen, wie es geplant ist, dann halte ich zwar einen großen Teil der Änderungen für überflüssig und kann mir gut vorstellen, daß manches auch nicht ohne weiteres in der Praxis umsetzbar ist. Aber ich sehe wenig Schaden, der dadurch angerichtet werden kann. Meiner Meinung nach ist der Zug in Richtung Wärmepumpe (ob nun die bislang hauptsächlich promotete Luft-Wasser-Wärmepumpe oder die Luft-Luft-Wärmepumpe, aka Split-Klimaanlage) längst abgefahren. Denn die Nachfrage nach fossilen Heizungen ist jedenfalls bei Ein- und Zweifamilienhäusern, die in der Debatte immer unausgesprochen zugrunde gelegt werden, ja  kaum noch vorhanden

Aus dem verlinkten Bericht:  

 "Das alte Gesetz war technisch gut gemacht. Für die Ein- und Zweifamilienhäuser konnten wir es gut umsetzen."Mundle ist der Ansicht: Es wäre besser gewesen, Kleinigkeiten im bisherigen Gesetz anzupassen - wie etwa die Regelung für Fälle, in denen eine Wärmepumpe technisch keinen Sinn ergibt. Das trifft Mundle zufolge zum Beispiel auf Mehrfamilienhäuser mit vielen Wohnungen zu. Er sagt: "Da ist es oft schwierig, dass wir eine Wärmepumpe platzmäßig gar nicht oder technisch nicht unterbekommen."

Daß das Gesetz auf Mehrfamilienhäuser bezogen, technisch nicht gut gemacht war, finde ich im Gegensatz zu dem Heizungsbauer - der wohl wesentlich mehr mit Ein- und Zweifamilienhäusern zu tun hat und sie vor allem deshalb für wichtiger hält - überhaupt keine Kleinigkeit und ich finde es hochgradig irritierend, daß die Tagesschau das gar nicht hinterfragt. Dabei gibt es in Deutschland 43,9 Millionen Wohnungen, darunter befinden sich gerade mal 13,5 Millionen Einfamilienhäuser und 2,7 Millionen Zweifamilienhäuser. Wieso wird dann aber die Qualität des Gesetzes daran gemessen, wie gut es auf diese Ein- und Zweifamilienhäuser paßt, und das Nichtpassen auf Mehrfamilienhäuser, in denen sich die Mehrheit des Wohnraums befindet, wird unwidersprochen zu einer Kleinigkeit erklärt? 

Typisch ist es aber auch mal wieder, daß die Sonderproblematik der Wohnungseigentümergemeinschaften gar nicht erwähnt wird, in der das alte Gesetz in etlichen Fällen dazu führte, daß sie zu unwirtschaftlichen und auch in puncto Klimaschutz kontraproduktiven Weichenstellungen gezwungen werden konnten. Ich habe übrigens keinen Grund, mich der Illusion hinzugeben, daß die Frau Reiche in diesem Punkt der WEGs irgendwie kompetenter ist. WEGs interessieren in dieser Debatte schlichtweg niemanden, weder die Fans des alten Gesetzes noch diejenigen, die es ablehnten. Es war schieres Glück, daß der für WEGs besonders problematische Paragraph 71, Buchstabe L, sich zwischen 71a und 71p mitversteckte und deshalb bei der Streichung des Paragraphen einschließlich aller Unterparagraphen einfach miterschlagen wurde. Wäre er irgendwo anders gestanden, hätte nach den Besitzern von Eigentumswohnungen auch in dieser Regierung kein Hahn gekräht. 

Ärgerlich fand ich es, daß der von der Tagesschau zitierte Installateur offenbar die für WEGs besonders häufig relevante Etagen-Wärmepumpen entweder nicht kennt oder nicht für erwähnenswert hält, aber noch mehr, daß auch der Interviewer seine Hausaufgaben so schlecht gemacht hatte, daß er nicht nach ihnen fragte. So neu diese Lösung auch ist: Mein Installateur kennt sie bereits, zwei von drei Hausverwaltungen, mit denen ich zu tun habe, kennen sie ebenfalls. Daß der Mann Split-Klimaanlagen gar nicht erwähnt, ist begreiflicher, die werden ja nicht von solchen Betrieben eingebaut, sondern von Klimatechnikern. Aber auch das hätte die Tagesschau ruhig erwähnen können. Wie soll man denn von den Leuten erwarten, daß sie solche Möglichkeiten kennen, wenn sie totgeschwiegen werden? Aber die Medien werden es nicht verhindern können, daß sich solche Dinge herumsprechen und sich in absehbarer Zeit auch durchsetzen, falls sich die jetzt verfügbaren Lösungen bei denen, die sie einsetzen, in der Praxis bewähren - nur wird das dann halt ein bißchen länger dauern. 

Es mag also zwar sein, daß das GMG mehr dummes Zeug enthält als das GEG, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß die Wirkung dieses dummen Zeugs weniger negativ ausfallen wird als die des dummen Zeug aus dem GEG. Einfach deshalb, weil die Zielgruppe des GMG-Blödsinns sich sowieso in der deutlichen Mehrheit auch ohne Zwang für die kostengünstigere Lösung entscheiden wird, und das wären Wärmepumpen. Ich sehe keinen Grund, warum man auch die letzten zwei, drei Prozent der Immobilieneigentümer, die lieber Mehrkosten tragen als das Heizungssystem ändern würden, zu etwas zwingen muß. Das hat mehr mit irrationalen Bestrafungsphantasien zu tun, wie sie der heutige Zeitgeist immer so gerne ausleben möchte, als mit realen Erfordernissen. 

Als Projektionsfläche für solche Bestrafungsphantasien bieten sich Vermieter natürlich perfekt an, da sie in Wohnungsmangelzeiten sowieso für viele ein Feindbild sind. Tatsächlich  hatten die gesetzlichen Zwänge des bislang gültigen GEG aber das Ziel, Mehrfamilienhäuser eher in Richtung Wärmenetze zu führen. Es ist aber gerade nicht so, daß Fernwärme eine kostengünstige Art des Heizens ist, also war das GEG in dieser Hinsicht auch nicht sonderlich mieterfreundlich. Die Gesetzesänderung in Kombination mit den neuen Möglichkeiten, Gasthermen ohne viel Umbauaufwand durch Etagen-Wärmepumpen zu ersetzen, ist für Mieter viel vorteilhafter. 

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Unsere Küchenbaustelle macht Fortschritte, wenn auch langsamer, als es mir lieb wäre. Dafür habe ich andere Dinge, die ich schon ewig vor mir hergeschoben hatte, in Angriff genommen: Die Wanduhr ist zur Reparatur gegeben und wir haben einen Vorhangstoff entdeckt und gekauft, der sich jetzt bei der Schneiderin befindet. Mein Mann phantasierte davon, die Vorhänge für unser seit anderthalb Jahren vorhangloses Wohnzimmer selbst zu nähen, aber erstens haben wir weiß Gott genug anderes zu tun ,und zweitens war mir das Risiko zu groß. Ich habe vor Jahren schon einmal Vorhänge genäht und war mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden. Besser ist es, das jemandem zu überlassen, der sich auskennt. Außerdem habe ich endlich den Sperrmüll bestellt, nun kann ich allerdings nur noch beten, daß mein Göttergatte bis zur zweiten Juniwoche in der Küche so weit ist, daß wir die alten Oberschränke auch noch zu diesem Zeitpunkt entsorgen lassen können. 

Bislang habe ich das erste Gespräch mit dem Klimatechniker wegen der Splitanlage noch vor mir hergeschoben, weil ich gehofft hatte, daß wir die Küche zuvor noch fertigstellen können und dann nicht mehr das gesamte Haus wie eine Baustelle aussieht - weil überall Werkzeug, Material und herausgeräumtes Zeug aus den Küchenschränken herumliegt, das man im Moment nirgendwohin aufräumen kann -, aber das muß ich mir wohl abschminken. Also werde ich in der Woche nach dem Pfingstmontag wohl mal dort anrufen und einen Termin vereinbaren. 

Im Garten sind die ersten Rosen aufgeblüht, an den beiden Apfelbäumen verfolge ich voller Vorfreude die Entwicklung der kleinen Äpfel, und nachdem es noch einmal nachts ziemlich kalt geworden ist, werden wir wohl nächste Woche endlich die letzten Gemüsepflanzen einsetzen können. Leider sind wir aber aller Kohlrabipflanzen verlustig gegangen. Sie standen in ihren Töpfen in einem Folientunnel, den wir tagsüber aufgeklappt haben, und entwickelten sich wirklich gut. Ein Elsternpärchen fand es vor ein paar Tagen aber offenbar unterhaltsam, in diesen Töpfen zu graben. Sie haben keine einzige der Pflanzen verschont, diese verdammten Terroristen. 

 

Montag, 4. Mai 2026

Devote Aufsteigerangepaßtheiten, die renitente Unterschicht und die Zuckersteuer

Mein Gewicht heute früh zu Beginn des nächsten viertägigen Fastenintervalls: 79,1 Kilogramm. 1,2 Kilogramm weniger als vor zwei Wochen. Das hat - wenigstens zum Teil - vermutlich damit zu tun, daß die 80,3 Kilogramm vor dem letzten langen Fastenintervall nicht wörtlich zu nehmen waren, ein Indiz dafür war, daß im Anschluß die Abnahme eine der höchsten war, die ich in vier Fastentagen jemals erlebt habe. Ein anderer Teil könnte damit zusammenhängen, daß ich jetzt am Samstag endlich mit meinem Experiment mit den Flohsamenschalen beginnen konnte und tatsächlich den Eindruck habe, daß sich das erheblich auf meine Verdauung auswirkt. Ich habe den Eindruck, daß auch die 79,1 Kilogramm ganz ähnlich wie die 80,3 vor zwei Wochen zu werten sind, ich muß nämlich andauernd für kleine Bloggerinnen. 

Jetzt mache ich das erst mal zwei Wochen lang so weiter, wie ich begonnen habe, nämlich täglich zwei Teelöffel Flohsamenschalen, auch an Fastentagen. An normalen Tagen mit etwas Joghurt, an Fastentagen mit Wasser, das schmeckt zwar nach gar nichts, aber es ist auch nicht unangenehm. Danach trinke ich einen halben Liter Sprudel, weil das Zeug ja ordentlich aufquillt und deshalb viel Flüssigkeit braucht. Und zwar nehme ich das Zeug vormittags, aber erst nachdem ich den Kaffee getrunken und mich angezogen habe. Gestern habe ich das nämlich andersherum gemacht und hatte den Eindruck, das bekam mir längst nicht so gut wie am Tag davor, als ich es "richtigherum" gemacht habe. Abends wird davon abgeraten, und das leuchtet mir auch ein. Nachts trinkt man ja nicht, und war die Trinkmenge vorher zu gering, verstopft man mit zunehmendem Aufquellen ja erst recht. 

Nach zwei Wochen entscheide ich, ob ich es anschließend einmal für denselben Zeitraum mit Flohsamenschalen nicht täglich, sondern nur "bei Bedarf" ausprobieren will. Im Moment bin ich mir da noch unschlüssig. Vielleicht verlängere ich aber auch erst einmal um weitere zwei Wochen, falls ich dann noch nicht das Gefühl habe, sicher genug zu wissen, wie ich die Wirkung einschätzen muß. 

Ob die Sache "nur" auf meine Verdauung oder auch auf die Entwicklung meines Körpergewichts Einfluß haben wird, kann ich jetzt natürlich auch noch nicht sagen. Ich beobachte und werde berichten. 

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Bei der TAZ fand sich nun doch jemand, der die Zuckersteuer kritikwürdig findet, allerdings aus anderen Gründen als ich. Wie bei der TAZ-Kritik an der Tabaksteuer ist aber auch dieser Einwand durchaus berechtigt. Mir war das gar nicht so bewußt, daß es bei der geplanten Steuer nur um Zucker in Limonaden geht, die - und auch das war mir noch nicht vollständig klar gewesen - im Ruf eines "Unterschichtengetränks" stehen, so, wie Rauchen auch eine Zeitlang als "Unterschichtenverhalten" gelabelt wurde. 

In Wirklichkeit steckt hinter dieser Sache eine andere Beobachten: Das Fehlen von Aufstiegsehrgeiz und der Bereitschaft, sich an das "gesellschaftlich Akzeptable" anzupassen. Das ist tatsächlich häufig dort zu finden, wo man sich bereits damit abgefunden hat, daß man einen Aufstieg sowieso nicht zu erwarten hat. Es kann aber auch bedeuten, daß man so weit aufgestiegen ist, daß einem die Dinge, die "man" tut oder läßt egal sein können - oder daß man es generell nicht einsieht, sich an solchen Vorgaben zu orientieren. 

Das Gesundheitsverhalten ist übrigens eine recht interessante Art, den Aufstiegsehrgeiz zu testen. Wenn ich es beispielsweise für typisches vorauseilend devotes Aufsteigerverhalten halte, bei Interviewfragen nach dem Hobby irgendeine Freizeitsportart anzugeben, dann pflegen die meisten Manager und sogar Mitglieder von Konzernvorständen tatsächlich auch ein devotes Aufsteigerverhalten. Das fällt mir nämlich seit zwanzig Jahren auf, daß neue Führungskräfte beim ersten Interview praktisch immer behaupten, regelmäßig zu joggen, mit dem Rennrad zu fahren oder sonst irgendwelche langweiligen Leibesübungen zu machen. Auch wenn manche von ihnen das wirklich gerne tun, diese Art der Freizeitgestaltung ist in diesen Kreisen zu omnipräsent, um wahr zu sein. 

Aber zurück zur "Unterschicht", der solche Anforderungen an einem gewissen Körperteil vorbeigehen, was immerhin ein Stück persönliche Autonomie verleiht. 

Wieder einmal bekommen „die da unten“ das Signal mitgegeben, dass ihre Lebensart falsch ist, während die Gebildeten angeblich alles richtig machen. 

Die Erkenntnis, daß Fruchtsäfte insgeheim ungefähr genauso ungesund sind wie Limonaden, ist zwar bei dem TAZ-Autor offenbar angekommen, aber sonst noch nicht so richtig verbreitet, vor allem unter gesundheitsbewußten Mittelschichtmüttern nicht. 

Ich gebe dem TAZ-Autor im Grundsatz recht, und zwar deshalb, weil ich genau weiß, wie sich diese permanente Grundstimmung der Gereiztheit anfühlt, wenn sich bei einem der Eindruck verfestigt hat, daß man ein Leben führt, für das einen die Gesellschaft ablehnen zu dürfen glaubt, und wie zusätzliche neue Belehrungen und Schikanen wie eine Verteuerung dessen, was man weiter konsumieren möchte, wirken, die einen in dieser Grundstimmung treffen. Das konditioniert  im Laufe der Zeit so sehr, daß man die Wände ebenfalls hochgeht, wenn einen eine dieser Belehrungen überhaupt nicht selbst betrifft. Da kann es durchaus sein, daß man sich als Biertrinker mit den Limotrinkern solidarisiert. Und sollte man auf eine gesellschaftliche Kraft stoßen, die einem das Gefühl gibt, das was man tut und auch tun will, sei völlig in Ordnung, mag man sie natürlich auch mehr als diejenigen, die einem andauernd mit dem Zeigefinger winken. 

Die Kommentare bei Bluesky zu dem TAZ-Meinungsartikel sind ein wahres Gruselkabinett der unterschiedlichsten Bretter, die Leute vor dem Kopf haben können, wenn sie völlig überzeugt davon sind, das Richtige zu wissen und zu tun. Wäre ich ein Lehrer, bekämen sie von mir alle eine Fünf für "Thema verfehlt". Der TAZ-Autor macht sich ja erkennbar viel größere Sorgen um die Umfragewerte der AfD als um gesundheitspolitische Fragen. Die Kommentatoren bei Bluesky haben nicht einmal die Fragestellung kapiert, vermutlich, weil sich ihnen der Zusammenhang nicht erschlossen hat. 

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Dieses verlängerte Wochenende haben wir damit verbracht, das wild wuchernde Unkraut im Garten zu dezimieren, alle möglichen Pflanzen einzusetzen und einige neue Jungpflanzen zu kaufen, bei denen die Anzucht dieses Jahr leider nicht geklappt hat, etwa - ausgerechnet - die Zucchini. Außerdem haben wir überall, wo wir nichts anpflanzen, sondern halbwegs trockenen Fußes durchlaufen wollten, mit Häcksel bestreut, damit es bei Regen nicht so glitschig ist. Mein Mann hat außerdem einen Teil des Holzstapels in der Feuerschale verbrannt und nebenbei zu meinem Entsetzen die Blätter an den äußersten Zweigen unseres Apfelbaums in der aufsteigenden Hitze zum Welken gebracht, weil die Feuerschale zu nahe am Baum stand. Wir hoffen, daß sich die Blätter wieder berappeln. 

Im Häckselhaufen fanden wir riesige Ungetüme von Engerlingen, sicherlich 10 cm lang, die ich so unheimlich fand, daß ich Google befragte. Nun weiß ich, daß wir Nashornkäferlarven (und vielleicht auch ein paar ausgewachsene Exemplare?) bei uns im Garten. Das ist gut, denn das sind keine Schädlinge, sondern Nützlinge. Sie ernähren sich vom Holzresten. Kein Wunder, wenn man es bedenkt. Im Garten waren ja jahrelang diese zwei abgestorbenen Bäume. Ein bißchen Altholz sollten wir unseren Nashörnern wohl weiter lassen. Da werde ich meinen feuerschalenbegeisterten Göttergatten wohl ein bißchen in seinem Eifer bremsen müssen. 

Mein Mann hatte ja den abfallenden hinteren Teil des Gartens terrassiert und mit selbstgeflochtenen Haselzäunen befestigt. Jetzt haben wir festgestellt, daß der Zaun lebendig geworden ist. Die Haselpflöcke im Boden treiben nämlich aus. Die Eichhörnchen und die Mäuse werden sich freuen.