Donnerstag, 10. September 2026

Die ewige, flache mathematische Gegenwart der Epidemiologen und die üblichen vier Todsünden der Präventionsideologie

Mein Gewicht heute früh nach zwei von drei Fastentagen: 79,6 Kilogramm. Morgen werde ich wohl ungefähr wieder im gleichen Bereich sein wie nach drei Fastentagen vor zwei Wochen (77,8 Kilogramm). Vielleicht ein kleines bißchen höher. Das ist jetzt halt so. Übrigens habe ich es während meiner Reise bemerkt, daß die Hosen und engere Oberteile ein wenig strammer sitzen, also kann ich die Zunahme um den Bauch herum lokalisieren. Ob mir dazu eine vernünftige Idee kommt, darüber denke ich nach, sobald ich wieder Zeit habe, denn im Moment ist das nicht der Fall. Von morgen bis zum Sonntag wird es bei mir sehr hektisch, das ist auch der Grund, warum ich den Blogartikel heute schon schreibe. 

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Eli Lilly und Novo Nordisk, die Hersteller der beiden wichtigsten GLP1-Agonisten (vulgo: "Abnehmspritzen"), haben laut der Washington Post seit 2018 mehr als einer Viertelmillion (!) Ärzten mindestens einmal eine finanzielle Zuwendung zukommen lassen. Kann das wirklich USA-weit gemeint sein, nicht weltweit? Gibt es in den USA überhaupt 250.000 Ärzte? Freilich, damit sind nicht alleine Geld-Zuwendungen gemeint, sondern auch andere Arten von materiellen Vergünstigungen, etwa auch Einladungen in ein Restaurant für individuelle Ärzte. Erwähnen sollte man außerdem, daß die Abnehmspritzen damit zwar besonders engagiert promotet wurden, aber dasselbe auch bei anderen Arten von Medikamenten üblich ist, etwa bei Migräne-Medikamenten, von deren Herstellern 200.000 Ärzte Zuwendungen bekamen. Aber auch für Beiträge in wissenschaftlichen Zeitschriften über die Abnehmspritzen werden Ärzte von den Pharmakonzernen bezahlt. Kritische Stimmen sind in solchen Fällen natürlich eher nicht zu erwarten, also dürfte die gesamte wissenschaftliche Debatte eine Schlagseite haben, in der Erfolge eher übertrieben und Nebenwirkungen eher heruntergespielt werden. Die Zuwendungen sind in den letzten zwei, drei Jahren erheblich mehr geworden. Die Abnehmspritze als solche bräuchte eigentlich diese Art von Werbung längst nicht mehr. Das Zeug funktioniert bei den meisten ja erheblich besser als die sonst so beworbenen Abnehmmethoden und das macht sie zu einem Selbstläufer. Aber natürlich will jeder Pharmakonzern, daß Ärzte sein Mittel verschreiben, nicht das der Konkurrenz. Darauf zielen die Werbemaßnahmen bei den Ärzten augenscheinlich ab. 

Jedenfalls ist es kein Wunder, daß inzwischen jeder fünfte Amerikaner bereits Erfahrungen mit der Abnehmspritze hat. Aber weil 80 Prozent von ihnen innerhalb von maximal zwei Jahren mit der Verwendung wieder aufhören - was zwangsläufig eine Wiederzunahme bedeutet -, ist der Markt noch weit davon entfernt, gesättigt zu sein. An einer Stelle wird im Artikel erwähnt, daß nur 11 Prozent aller Amerikaner mit einem BMI über 40 aktuell mit der Abnehmspritze behandelt werden. Die restlichen 89 Prozent sind somit ein heiß umkämpfter Markt, auch wenn man mehr als genug Patienten hat, die von vornherein mit einem niedrigeren BMI beginnen. 

Neuerdings, nämlich seit Juli diesen Jahres, scheint in den USA Medicare, die dortige Krankenversicherung, die Kosten für die Abnehmspritze bei Diabetes-Patienten zu übernehmen (für privatzahlende Nichtdiabetiker zwischen 900 und 1200 Dollar im Monat, aber bestimmt bekommen Krankenversicherungen sie etwas günstiger). Da haben bei den Herstellerkonzernen bestimmt die Sektkorken geknallt, da immerhin zwölf Prozent der US-Bevölkerung Diabetes haben. Da werden die bislang vergleichsweise niedrigen Krankenversicherungsbeiträge auf Einkommen bestimmt ein Stück nach oben gehen. 

Stichwort "Selbstläufer": Meine Reise nach Tschechien bot mir als Gruppenreise mal wieder interessante Einblicke, daß jedenfalls unter Frauen nahezu jede in irgendeiner Weise aktiv darum bemüht ist, mindestens das Gewicht zu halten. Die Methoden sind dabei ganz verschieden, es gab auch Intervallfasten-Varianten und Kohlenhydrat- bzw. Zucker-Reduzierer darunter. Überwogen haben allerdings diejenigen, die über große Portionen stöhnten und sich vor dem Gang auf die Waage nach der Heimkehr fürchteten oder die Hälfte des Fleischs oder der Knödel liegenließen (was ein Jammer ist, denn beides war überall ausgezeichnet). In jedem Fall taten sich manche der Damen ausgesprochen schwer damit, sich selbst die Erlaubnis zu geben, das ausgezeichnete und alles andere als kalorienarme tschechische Essen wirklich zu genießen. Die etwas spannenden Hosen bei mir schon vor Beginn der Reise habe ich ja erwähnt, aber das hat mich natürlich nicht daran gehindert, nach dem Lustprinzip zu essen und zu trinken. Da ich das immer so mache, war ich auch nicht sonderlich überrascht darüber, daß ein etwaiger Einfluß auf mein Gewicht, als ich wieder daheim war, so gut wie gar nicht wahrnehmbar gewesen ist.

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Die anderen Damen repräsentierten das Übliche, ich bin eine Ausnahme. Das Körpergewicht und Bemühungen um dessen Kontrolle sind der rote Faden im Leben der meisten Frauen und immer mehr Männer. Trotzdem muß man nach Experten für Ernährung, die sich darauf einen Reim zu machen versuchen, warum all die gut gemeinten Ratschläge das statistisch gemessene Übergewicht ums Verrecken nicht reduzieren zu können scheinen, immer noch mit der Laterne suchen. Üblich ist es, daran zu glauben, daß die 90 Prozent aller Abnehmenden, denen es nicht gelingt, ein Wunschgewicht zu erreichen oder es dauerhaft zu halten, entweder selbst daran schuld sind oder Opfer der Heimtücke der Lebensmittelindustrie, die sie süchtig gemacht hätte. Eine dritte Variante des wissenschaftlichen Mainstreams zu dieser Frage, die Überzeugun, wir seien immer noch nicht aufgeklärt genug über die Gesundheitsrisiken des Übergewichts, sonst wären wir alle miteinander gertenschlank (merkt eigentlich niemand, daß sich diese drei Annahmen in Teilbereichen widersprechen?), repräsentiert auch ein Epidemiologe, der kürzlich in der TAZ seine Vorstellung davon zu Papier brachte, daß wir Deutschen etwas für unsere Lebenserwartung tun müßten und was das seiner Meinung nach wäre. Natürlich soll das durch Prävention geschehen, und natürlich bezog er sich dabei auf die üblichen vier Todsünden des Lebensstils nach Meinung der Präventionsreligion: Ernährung, Bewegung, Alkohol, Rauchen. Herr Professor Zeeb in einem TAZ-Interview

 Die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ist der Treiber dieser etwas geringeren Lebenserwartung. Da geht es ja im Vergleich nur um halbe oder einzelne Jahre. Aber auf die Gesamtbevölkerung bezogen ist das natürlich viel verlorene Lebenszeit.

Mit anderen Worten: Wer das Rauchen, Saufen und Fressen bleibenläßt und sich neben allen unvermeidbaren Aufgaben im Alltag, die um die Erwerbstätigkeit einerseits und die Familie andererseits kreisen, anstelle von dem, was man mit dem Rest seiner Zeit gerne anfangen würde, durch Bewegungsprogramme und sportliche Aktivitäten quält, gewinnt wenig für sich selbst, aber wenn alle das machen, poliert das mindestens die Statistik seines Vaterlandes auf. So jedenfalls könnte man das lesen. Aber gemeint war hier wohl eher (weil nämlich nur das einen Sinn ergibt), daß im internationalen Vergleich der Durchschnittswert der Lebenserwartung in Deutschland niedriger liegt als in anderen Ländern. Nur um ein paar Monate, und dem Herrn Prof. scheint bewußt zu sein, daß das auf viele Menschen harmlos wirken könnte. Tatsächlich sind die Unterschiede in den individuellen Fällen zwischen den Viel- und den Wenig-Sündern aber schon etwas größer. 

Daß es keine Gar-nicht-Sünder gibt, versteht sich eigentlich von selbst, aber unausgesprochen ist diese Annahme trotzdem immer mit im Spiel, wenn an unseren Lebensstil-Entscheidungen herumkritisiert wird. Das wird von Präventionsideologen offenbar für ziemlich praktisch gehalten. Ein chronisch schlechtes Gewissen sorgt für mehr Compliance, das ist dabei wohl der Grundgedanke. Ob es Menschen mit einem chronisch schlechten Gewissen gleichzeitig gutgehen kann, danach fragt keiner. Ich kann als Fazit meiner Reise bestätigen, daß es an der Compliance mindestens bei den Frauen nur bei wenigen stärker hapert (zum Beispiel bei mir, aber als verstockte Ernährungssünderin darf ich das auch), und daß sie sich pausenlos dafür entschuldigen, wenn sie doch mal nicht widerstehen können. Ich kann außerdem bestätigen, daß es sich bei diesen "Sünden" um Kleinigkeiten handelt, die eigentlich gar nicht ins Gewicht fallen sollten. Und es ärgert mich sehr, mit ansehen zu müssen, wie sehr das das Leben von Millionen Menschen alleine hierzulande pausenlos überschattet, obwohl das eigentlich gar nicht sein müßte. Denn auch wenn meine Methode gerade auch nicht die Wirkung zeigt, die ich haben möchte, bin ich doch immer noch weniger weit von einer Lösung entfernt als die meisten Experten. 

Klammern wir hier die Frage aus, daß bei der Ernährung falsche Grundannahmen über die Rolle der Nahrungsenergie vermutlich eine Schlüsselrolle dabei spielen, warum sich die Leute mit ihrem Körpergewicht so sehr quälen, weil ich darüber nicht nur ständig schriebe, sondern weil ich auch ein übergreifendes Problem mit sämtlichen aufs Korn genommenen Todsünden habe.  

Die Frage, die ich mir stelle, ist, warum andauernd so ein Theater um die möglichen Gründe für ein vorzeitiges Ableben gemacht wird, die man den Verstorbenen selbst in die Schuhe schieben kann, und warum so wenig über die meinem Eindruck nach nicht weniger häufigen Fälle gesprochen wird, in denen falsche Diagnosen und/oder falsche Behandlungen und/oder eine fehlerhafte wissenschaftliche Grundlage für Diagnosen und Therapien einen vorzeitig ins Grab bringen. 

Danach zu fragen ist auch kein Whataboutism. Ich finde es wirklich unheimlich, wie eisern diese von mir aufgezählten und meinem Eindruck nach nicht gerade seltenen Beschleuniger eines vorzeitigen Ablebens meistens beschwiegen werden, obwohl es sie tatsächlich gibt. Jeder kennt zum Beispiel Fälle im eigenen Umfeld, in denen jemand vom Arzt eine falsche Diagnose bekommen hat, die lebensgefährlich war, und die Mehrheit hat das sogar schon selbst erlebt. Mir ist das auch schon passiert, und zwar mehr als einmal. Böse ausgehen können hätte vor allem die freitägliche Fehldiagnose des Allgemeinmediziners, der eine Bauchhöhlenschwangerschaft bei mir für Streßsymptome gehalten hatte. Da ich ihm glaubte, unternahm ich anschließend ein Wochenende lang nichts, obwohl es nicht besser wurde (allerdings auch nicht schlimmer). Mein Gynäkologe raufte sich, als ich montags zu ihm hineinwankte, das spärliche Haupthaar und ich wurde noch am gleichen Tag notfallmäßig operiert. Als er nach der OP zu mir ins Zimmer kam, war er grün im Gesicht und sprach davon, daß das eine "haarige Sache" gewesen sei. 

Ich nehme an, meistens gehen solche Dinge am Ende, so wie bei mir, doch noch gut aus, aber wenn es durchschnittlich jeden im Lauf seines Lebens mindestens einmal trifft, daß also ein Fehldiagnose lebensbedrohlich gewesen ist (und das ist vermutlich noch konservativ gerechnet und umfaßt außerdem nur die Fehldiagnosen, die als solche überhaupt erkannt wurden), dann würde das bei 80 Millionen Einwohnern immerhin 800.000 potentielle vorzeitige Todesfälle im Lauf von deren Leben bedeuten. Gehen wir von einer Lebenserwartung von 80 Jahren aus, wären das also 10.000  pro Jahr. 

Diejenigen, bei denen die Sache nach der Fehldiagnose tödlich endete, können nicht mehr selbst darüber berichten. Man darf aber getrost davon ausgehen, daß ein Teil dessen, was Angehörige von Verstorbenen erzählen, die ihrer Meinung nach vom behandelnden Arzt unter die Erde gebracht wurden, durchaus berechtigte Kritik enthält, auch wenn man nicht alles und in jedem Detail für bare Münze nehmen kann und Ärzten außerdem zugestehen muß, daß sie wie alle Menschen fehlbar sind und deshalb Fehldiagnosen nie völlig vermeidbar sind. Trotzdem stimmt es mich sehr unzufrieden, daß man erstaunlích wenig über Bestrebungen hört und liest, die Zahl der solchermaßen ausgelösten vermeidbaren Todesfälle zu reduzieren, indem man die häufigsten Ursachen für Fehldiagnosen analysiert und ihnen mit geeigneten Mitteln gegenzusteuern versucht. Schlimmer noch, man hört ja schon wenig über das Phänomen als solches. 

Fehlbehandlungen bei richtiger Diagnose geraten noch am ehesten in den Fokus medialer Kritik, aber auch da darf man vermuten, daß die Dunkelziffer gewaltig ist. Denn ich kann mich an keinen Fall in meinem Umfeld erinnern, in dem nach einem Todesfall, in dem das mit im Spiel war, die trauernden Angehörigen eine Aufarbeitung verlangt hätten, die ja grundsätzlich möglich ist. Ich nehme an, die meisten Angehörigen, die den Verdacht einer Fehlbehandlung haben, würden es sich nicht zutrauen, sie gegenüber Fachleuten nachzuweisen, die ja außerdem als Angehörige derselben Zunft eher als Verbündete des Arztes betrachtet werden müssen. Aber neben diesen Fällen gibt es noch eine riesige Grauzone in denen die Behandlung dem State of the Art entspricht, aber dieser erkennbar verbesserungswürdig wäre. Das gilt für viele Bereiche aus den sogenannten nichtübertragbaren Krankheiten, und bei denen kommt noch hinzu, daß möglicherweise falsche Behandlungsmethoden einem auch dann aufgedrängt werden, wenn man selbst eigentlich das Risiko einer Nichtbehandlung auf sich zu nehmen bereit wäre. 

Tatsächlich will ich auch gar nicht deshalb länger leben, nur um diesem Herrn Professor nicht seine verdammte Statistik zu versauen, denn das ist ja das einzige, was ihn an einem etwaigen längeren Leben der bisherigen verstockten Lebensstil-Sünder interessiert. Dafür lebe ich mein Leben nicht. Wenn es nur um diese Sache ginge, hätte ich überhaupt kein Problem, morgen einen Spaten zu schultern, mir auf dem Gottesacker selbst mein Grab auszuheben und mich sofort hineinzulegen. Ich lebe gerne und möchte das noch zwei, drei Jahrzehnte lang weiter tun, aber halt nicht um jeden Preis. Wenn ich wählen könnte, dann würde ich ein kürzeres Leben, das wirklich lebenswert ist, allemal einem längeren Leben vorziehen, in dem ich dreiviertel der Zeit damit beschäftigt bin, Dinge zu tun, die ich hasse, und mir andere Dinge zu verkneifen, die nicht zu tun ich ebenfalls hasse, wenn die Belohnung dafür nur darin bestehen soll, diese Strafarbeit einige Monate oder Jahre länger als andernfalls ausüben zu müssen. Egal, wie viele Leute das anders sehen (was ebenfalls legitim ist): Das wäre mir die Mühe, die Verzichtleistungen und die Trübseligkeit einfach nicht wert. 

Zu dem Geist, der in der Präventionsideologie verborgen ist, habe ich in dem Buch, das ich gerade gelesen habe - nämlich Hermann Hesses "Das Glasperlenspiel" (diese Lektüre hatte ich schon seit mehreren Jahrzehnten vor mir hergeschoben) - ein treffendes Zitat gefunden:

Ihr Mathematiker und Glasperlenspieler ... behandelt die Weltgeschichte wie ein Mathematiker, die Mathematik, wo es nur Gesetze und Formeln gibt, aber keine Wirklichkeit, kein Gut und Böse, keine Zeit, kein Gestern, kein Morgen, nur eine ewige, flache, mathematische Gegenwart. ... Jede Wissenshaft ist, unter anderem, ein Ordnen, ein Vereinfachen, ein Verdaulichmachen des Unverdaulichen für den Geist. ... Wenn der Anatom aber nur noch sein Schema sieht und die einmalige, individuelle Wirklichkeit seines Objekts darüber vernachlässigt, dann ist er ein Kastalier, ein Glasperlenspieler, er treibt Mathematik am ungeeigneten Objekt. 

(Hesse, GPS, S. 179/180 der Taschenbuchausgabe)

Dieses Zitat, in dem es um die Herangehensweise an das Fach Geschichte geht, paßt perfekt auch auf die Zahlenspielereien des Herrn Professor Zeeb. Das Erschütternde daran ist, daß solche Dinge in den Medien nicht einmal hinterfragt werden, wenn sie darüber berichten. Man findet dort nichts daran falsch, daß der Mensch nichts weiter ist als die ihm am besten (aber immer nur unvollkommen) entsprechende Nachkommastelle in einer Statistik. Und weil niemand es falsch zu finden scheint, glauben so viele ebenfalls, daß es nicht falsch sein könne. 

Aber es geht ja außerdem in der Epidemiologie immer um eine Statistik, die nur einen Teilaspekt der flachen mathematischen Gegenwart der Epidemiologen umfaßt. Da kann es dann aber passieren, daß die verschiedenen untersuchten Faktoren Ergebnisse erbringen, die nicht so recht zusammenpassen. 

Die Wirkung von Salz auf den Blutdruck und die Wirkung eines hohen Blutdrucks auf die Sterblichkeit lassen die Schlußfolgerung logisch erscheinen lassen, man könne folglich die Sterblichkeit durch möglichst geringen Salzkonsum reduzieren. Nur, warum gibt es dann auch Studien, in denen beispielsweise bei älteren Menschen die Sterblichkeit bei denen mit dem geringsten Salzkonsum am höchsten war? In der Salzfrage fehlt es augenscheinlich an der Kenntnis des einen oder anderen Einflußfaktors, die ebenfalls berücksichtigt werden müßten, um einem Patienten eine Empfehlung geben zu können, bei der man halbwegs sicher sein kann, daß der wohlmeinende Herr Doktor ihn nicht aus Versehen mit seinem Rat umbringt. Und ich bestehe darauf, daß es die Sache nicht besser macht, wenn derselbe Rat manchen anderen Patienten halt doch hilft, länger am Leben zu bleiben. Etwas mehr Demut vor der irrsinnigen Menge der Dinge, die die Epidemiologie nicht weiß und vielfach auch gar nicht wissen kann, fände ich im Umgang mit dem einzelnen Patienten wirklich angebracht. 

Etwas weniger Respektlosigkeit vor dem freien Willen gegenüber denjenigen, die sich aus Zeebs Perspektive gesundheitlich unvernünftig verhalten, wäre darüber hinaus auch angebracht. Es ist gut, richtig und wichtig, über Gesundheitsrisiken zu informieren. Ebenso ist es richtig, vermeidbare Risiken zu verringern, die außerhalb der Entscheidungsmöglichkeiten der Patienten liegen. Wenn diese Weißkittel aber ständig so tun, als wären wir eine beliebig formbare und auf einen fremddefinierten Pfad der Tugend zu schubsende Masse, die nicht imstande sei, selbst eine Abwägung zu treffen, welche gesundheitlichen Risiken man wissentlich eingehen will und welche nicht, dann ist das ein Frontalangriff auf die Würde jedes einzelnen Betroffenen - und da es kaum jemanden geben wird, der nicht von einem dieser Bereiche betroffen ist, ist es ein Angriff auf die Würde des Menschen generell. Wir werden mit diesen Angriffen aber tagtäglich dauerbeschallt, es gibt allenfalls punktuell in Einzelaspekten Widerspruch, und niemand scheint zu begreifen, daß am Grundgedanken etwas verkehrt sein könnte. 

Genau deshalb unterstütze ich es auch, daß mein Mann sich entschieden hat, diese absurde Menge an Medikamenten abzusetzen, obwohl ich nicht ausschließen kann, daß er damit sein Leben verkürzen wird. Er sagt, er lief, seit er das Zeug nahm, den ganzen Tag wie im Halbschlaf herum, schaffte es morgens kaum aus dem Bett, bekam mehrmals am Tag Nasenbluten und hatte nach hundert Metern Schmerzen beim Laufen. Er ist bereit, das Risiko eines eventuell verfrühten Todes zu akzeptieren, weil er jetzt endlich wieder das Gefühl hat, wirklich lebendig zu sein, das er anderthalb Jahre lang nicht hatte. Sich im Hier und Jetzt lebendig fühlen ist ein Wert, den man sehr wohl gegen die Möglichkeit abwägen kann und darf, länger zu existieren und dabei seine Existenz dauernd als wenig lebenswert zu empfinden.

In diesen mit Zahlen unterlegten Debatten läuft einiges ganz schrecklich falsch, und das gilt nicht nur für den Gesundheitsbereich. Man sagt von manchen Leuten, sie kennen von allem den Preis und von nichts den Wert, und dies hier geht in dieselbe Richtung. Meiner Meinung nach besteht der eigentliche Grund für die schwindende Bereitschaft, die Demokratie für eine Grundlage guten Lebens zu halten, darin, daß wir seit mindestens zwei oder drei Jahrzehnten immer von allen Seiten implizit vermittelt bekommen, es sei für uns ausreichend, überhaupt zu leben, Spaß, Genuß und Lebensqualität müßten wir dabei nicht auch noch haben. Weil auf diese Weise mittlerweile in allen Lebensbereichen argumentiert wird, steigt die Zahl derer, die in so vielen Bereichen betroffen sind, daß es unnatürlich wäre, wenn das bei ihnen keine Existenzängste auslösen würde, Ängste, in denen es nicht um das Überleben an sich, sondern um ein lebenswertes Weiterexistieren geht. 

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Am Wahlabend befand ich mich gerade auf der Abschiedsfeier der Reisegruppe in einem Lokal, als die Wahllokale schlossen. Ungefähr um 19 Uhr ging ich auf eine Zigarette hinaus und checkte nebenbei auf dem Handy, das ich ja mittlerweile doch angeschafft habe, wie es in Sachsen-Anhalt gerade mit den Hochrechnungen aussah. Danach ging ich wieder rein und bestellte mir erst mal einen Schnaps. Nicht, daß ich sonderlich optimistisch gewesen war - und sogar die optimistischsten Überlegungen aus meinem letzten Beitrag hätten eine sehr unangenehme Situation bedeutet -, aber das war noch übler, als ich es erwartet hatte. Lediglich der allerschlimmstmögliche Fall, nämlich eine AfD-Alleinregierung, ist ausgeblieben. Dafür reicht es jetzt AfD plus BSW locker, und ich würde mein letztes Hemd darauf verwetten, daß sich sich einigen werden. Jedenfalls dann, wenn Putin nicht inzwischen völlig pleite sein sollte. 

Umgekehrt kann nur ein Zusammenschluß aller Parteien einschließlich BSW gegen die AfD regieren. Nur, wie sollte das funktionieren, da ja die CDU sich weiterhin weigert, mit den Linken zusammen zu regieren? 

Vermutlich ist das letztere auch der Grund dafür, daß die CDU eine noch schlimmere Vollklatsche bekommen hat, als die Umfragen es befürchten ließen. Die AfD wollte sie halbieren, hatte Merz versprochen. Jetzt hat sie sich selbst mehr als halbiert. Die AfD hatte dafür in absoluten Zahlen (wenn auch nicht prozentual, wegen der hohen Wahlbeteiligung) fast dreimal so viele Wähler wie beim letzten Mal. Alleine durch den Anteil ihrer jetzigen Wähler, die bei der letzten Landtagswahl zu Hause geblieben waren, hätte sie ihren Stimmenanteil beinahe verdoppeln können. Aber es sind ja auch den Parteien des "Nicht-AfD-Blocks" (nicht meine Wortwahl, siehe Abbildung) Wähler davon- und zur AfD übergelaufen.  

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Eigentlich müßte sogar unsere vernagelte Politikerriege da doch endlich einmal begreifen, daß das, was sie verändern muß, um ihre Wähler zurückzugewinnen, etwas viel Grundsätzlicheres ist als sachpolitische Entscheidungen. Es muß endlich einmal Abschied genommen werden von einigen bislang immer bequemen Lebenslügen, wenn man das Land nicht endgültig gegen die Wand fahren will.Wir brauchen eine Grundsatzdebatte über die Rolle des Bürgers in der Gesellschaft. Und wir brauchen einen respektvollen Umgang mit ihm. Wir brauchen keine Gouvernanten, die einem immer mehr persönliche Entscheidungen qua Gesetz oder mittels Nudging abnehmen, wenn es darum geht, uns vor möglichen Fehlentscheidungen zu schützen, mit denen wir uns selbst schaden. Wir brauchen das auch nicht, wenn ein potentieller Schaden für andere nur marginal ist. Kein Pädagoge würde empfehlen, einem Kind möglichst alles, was es vielleicht noch nicht kann, aus der Hand zu nehmen und selbst zu machen. Irgendwann und irgendwo habe ich mal geschrieben, wenn man die Leute wie Kleinkinder behandelt, fangen sie ziemlich schnell auch an, sich wie Kleinkinder benehmen. Genau das können wir gerade auch besichtigen, und damit meine ich nicht nur die AfD-Wähler (die aber natürlich auch). Die Leute verlieren die Befähigung, eigene Entscheidungen zu treffen (analog zur "Käfigverblödung", die Konrad Lorenz einst bei Vögeln feststellte), aber nicht nur das. Sie entwickeln auch eine ungesunde Anspruchshaltung, und das nicht nur gegenüber dem Staat, weil sie auch immer weniger selbst entscheiden wollen und nach einer Mama rufen, die ihnen das abnimmt. 

Dieses Stimmungsbild aus einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt fand ich interessant, weil ich im Anschluß an diese Wahl tatsächlich schon zweimal in Debatten mit "normalen Leuten" kam, die es gut fanden, daß die AfD gewonnen hat, und sich dies auch anderswo bzw. auf Bundesebene wünschen würden. Beide Debatten verliefen dem Anlaß angemessen hitzig und kontrovers, aber am Ende haben wir uns trotzdem noch in die Augen sehen und die Hände schütteln können. Vermutlich ist es das, was es viel mehr geben müßte. Wo die AfD noch eine eindeutige Minderheit ist, haben diejenigen, die sie (zu Recht) für gefährlich halten, SO eine große Klappe und man wird schon angefeindet, wenn man zugibt, einen von "denen" auf der Straße freundlich zu grüßen. Aber genau dies führt dazu, daß die demokratische Mehrheit an den Rändern immer mehr abbröselt, weil es weltfremd, arrogant und selbstgerecht ist, und auf eine unangenehme Weise selbstbezogen außerdem, und weil es die Leute zu häufig dazu zwingt, zu heucheln, was dem menschlichen Charakter selten sonderlich guttut. 

Auf ein Stimmungsbild bei Bluesky kann ich hier, glaube ich, verzichten. Das Wehgeschrei ist ohrenbetäubend, die Schuldzuweisungen auch, die verlinkten Medienberichte bringen einen bei der eigentlich wichtigen Frage, nämlich wie mit der Sache jetzt umzugehen ist, überwiegend keinen Schritt weiter. Es spielt nämlich überhaupt keine Rolle, ob die AfD-Wähler alles Faschisten sind, wie der von mir eigentlich geschätzte Robert Misik in der TAZ schrieb, oder ob es anders ist. Viel wichtiger ist die Feststellung, daß ungefähr die Hälfte von ihnen noch vor fünf Jahren nicht die AfD gewählt hat, es aber jetzt tut. Vielleicht waren sie insgeheim ja schon immer verkappte Faschisten, aber auch das bringt einem einer Antwort auf die Frage nicht näher, was jetzt damit zu tun ist. Auch wenn sie Faschisten sein sollten, wie sehen dann eigentlich die zugehörigen Vorschläge aus? An die Wand stellen? Deportieren? (Nur, wohin?) Ins Umerziehungslager stecken? 

Etwaige Reparaturmaßnahmen, falls irgendwer sich zu diesen bequemen sollte, müssen an der Frage ansetzen, was in diesen fünf Jahren aus Nicht-AfD-Wählern AfD-Wählern gemacht hat. Egal, ob man dafür normale Bürger zur Vernunft bringen oder offene Faschisten wieder in verkappte Faschisten verwandeln muß oder wie auch immer man es sonst bezeichnen möchte, AfD-Wähler dazu zu bringen, ihr Kreuz nicht mehr bei der AfD zu setzen: Es ist völlig egal, wie man es nennt, solange es nur geschieht. Es hätte schon viel früher geschehen müssen, aber es lohnt sich nicht, sich darüber zu ereifern. Der richtige Zeitpunkt, um etwas zu tun, was früher versäumt wurde, ist immer genau jetzt. 

"Wer gestern diese AfD wählte, der will das Schiff untergehen sehen, weil er glaubt, dass er nicht darauf sitzt", faßte Christian Bangel in der ZEIT in einem ansonsten vorhersehbar mittelmäßigen Kommentar, wie er in der ZEIT so häufig ist, sehr prägnant zusammen. Das ist es, was man AfD-Wählern in diesen oder anderen Worten klarmachen muß. Die sind sich nämlich wirklich überwiegend sicher, daß es für sie selbst kein Risiko enthält, eine AfD-Regierung zu bekommen. Die meisten blicken nämlich keineswegs über den Tellerrand ihrer eigenen Befindlichkeiten hinaus. Mit Moral und dem, was die AfD für andere Leute, etwa den pakistanischen Nacharn, bedeuten würde, braucht man denen gar nicht zu kommen. Das ungute Bauchgefühl müssen sie schon aus Besorgnis um ihre eigene kostbare Person bekommen. 

Belegbare Risiken, die mir spontan einfallen, die man auch einem AfD-Wähler mal aufs Butterbrot schmieren kann: 

1)  Die ersten Gratulanten in Sachsen-Anhalt waren deren Fans Donald Trump und Elon Musk. Wer die Verhältnisse, wie sie gerade in den USA herrschen, nicht im eigenen Land haben möchte, der sollte die AfD nicht wählen. Und das trifft auf viele AfD-Wähler zu. Es herrscht ein naiver Glaube daran, daß die Demokratie eine Selbstverständlichkeit ist und daß man die AfD, wenn sie sich im Amt nicht bewährt, ja einfach wieder abwählen könne. Nun, Donald Trumps Regierung macht es live und in Farbe vor, daß man, wenn man sich das Ziel setzt, nicht mehr abgewählt werden zu können, erschreckend weit dabei kommen kann. Die Midterms werden es zeigen, ob man, um das Ziel zu erreichen, doch ein bißchen mehr Kreide hätte fressen müssen. 

2) Für Leute, die von "Putins billigem Gas" schwärmen (so ein Wundertier ist mir nämlich wahrhaftig auch über den Weg gelaufen): Putin ist auch nicht der Freund derer, die sich in Deutschland für ihn als nützliche Idioten einsetzen. Putins Gas ist außerdem keineswegs billig, sondern ein trojanisches Pferd: eine Waffe, die er bereits vor dem Krieg (und das nicht zum ersten Mal) gegen uns eingesetzt hat. In den zwölf Monaten, bevor Rußland die Ukraine überfallen hat, haben die Russen uns nachweislich schon im Frühjahr kein Gas mehr geliefert, augenscheinlich mit dem Ziel, uns mit möglichst wenig Gas in die Heizperiode starten zu lassen und uns dann, wenn der Angriff auf die Ukraine kommen würde, mit leergelaufenen Tanks leicht unter existenziellen Druck setzen zu können. Putin hatte lediglich das Pech, daß der Winter 21/22 ziemlich mild war, andernfalls wären wir durch ihn kinderleicht erpreßbar gewesen. 

Darüber wird in der öffentlichen Debatte merkwürdig wenig gesprochen, und das ist ein Fehler. Wer uns alle wissentlich so etwas auszusetzen bereit ist, dem wäre es ganz recht geschehen, wenn er im Februar 2022 in seiner Wohnung erfroren wäre, wie das ja in Putins Plan allermindestens billigend in Kauf genommen wurde. Aber ich bin mir ziemlich sicher, die wenigsten AfD-Fans wissen das, da es von den Wählern des "Nicht-AfD-Blocks" ja ebenfalls nur wenige wissen. Und außerdem hätten die AfD-Fans, wenn ihnen das klar gewesen wäre, schon vor 2022 allesamt ihre Häuser auf Wärmepumpe umgestellt. Die wollen nicht erfrieren. Sie sind einfach nur blöd. Aber in diesem Punkt urteilen sie auch wegen eines Informationsdefizits falsch.  

Die Liste ist beliebig erweiterbar und sollte nach nachweisbarer Faktenlage erweitert werden, und zwar nicht durch dystopische Szenarien, sondern durch Fakten, die sich als bereits geschehen nachweisen lassen.

Erreicht man damit alle AfD-Wähler? Nein. Natürlich nicht. Aber diejenigen, denen die AfD vor fünf Jahren noch kein Kreuzchen auf dem Stimmzettel wert war, die sollten zu einem großen Teil erreichbar sein. Unter ihnen sind eine Menge, die deshalb die AfD wählen, weil die Bundesregierung genauso inkompetent ist wie die AfD auch, aber anders als sie keine Ahnung davon hat, wie man die Aufgabe angeht, einer verunsicherten Bevölkerung ein Gefühl zu geben, man sei bei ihr in guten Händen. 

 

Dienstag, 1. September 2026

"Er hat sich bemüht ..."

Mein Gewicht am Tag nach dem einzigen Fastentag der Woche: 78,9 Kilogramm. Das ist beruhigend weit unter dem, was ich letzte und vorletzte Woche nach einem Fastentag hatte. Einen einzigen Fastentag gibt es deshalb, weil ich morgen für eine Woche verreise. Ich werde auch den Wahlausgang in Sachsen-Anhalt nur aus der Ferne mitbekommen, und zwar bei einem Abendessen mit Leuten, die ich frühestens morgen kennenlernen werde und die eine andere Muttersprache haben. Ich nehme aber an, sie werden sich für diese Wahl auch interessieren, also werden die Hochrechnungen bestimmt mit einem halben Augen mitverfolgt. In Tschechien hat man keine guten Erinnerungen an das letzte faschistische Regime in Deutschland und wird sich Sorgen machen, daß so etwas vielleicht wieder heraufzieht. 

Im Anschluß an meine Rückkehr gibt es ein verkürztes langes Fastenintervall mit nur drei Tagen von Dienstag bis Donnerstag, weil ich am Samstag einen anstrengenden Tag vor mir habe und mir etwaige Wadenkrämpfe und dergleichen nicht leisten könnte, wie sie direkt nach vier Tagen Fasten nicht auszuschließen wären.  

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Vor einiger Zeit schrieb ich über die aussterbenden Dorfgasthäuser, die Ursachen und unnötigen Brandbeschleuniger, die dafür verantwortlich waren und sind, über die gesellschaftlichen Nebenwirkungen, die das hat, und wie die AfD sich gerade in manchen Bundesländern darum bemüht, die entstandenen Lücken im dörflichen Gefüge zu füllen, was uns doch ein kleines bißchen beunruhigen sollte. Deshalb ein Ausschnitt aus einem aktuellen Bericht zu diesem Thema speziell in Baden-Württemberg:

138 von den 1101 baden-württembergischen Städten und Gemeinden gelten nach einer Auflistung des Branchenverbands Dehoga als „gastronomisch unterversorgt“. Das ist nach Dehoga-Rechnung der Fall, wenn weniger als ein vollwertiger Gastronomie-Betrieb auf 1000 Einwohner kommt. Und in 48 baden-württembergischen Gemeinden gibt es gar kein Angebot, weder ein Dorfcafé noch einen Schnellimbiss, und schon gar keinen Rostbraten. 

In Wirklichkeit ist die Sache aber noch um einiges schlimmer. Denn ein "vollwertiger Gastronomiebetrieb" ist nicht dasselbe wie ein Dorfgasthaus. Er muß Speisen und Getränke vor Ort anbieten, dabei eine Küche haben und die Speisen selbst herstellen. Jeder Ort, der über ein Restaurant verfügt, ist also nach Dehoga-Maßstäben nicht unterversorgt. Das muß aber noch lange nicht heißen, daß dieser Gastronomiebetrieb die soziale Rolle eines Dorfgasthauses erfüllen kann. Meine eigenen Beobachtungen dazu hatte ich auch in meinem verlinkten früheren Blogartikel beschrieben. 

Es ist ein trauriger Witz, daß die baden-württembergische SPD gar nicht auf den Gedanken käme, daß das, was man in wirtshauslosen Dörfern zur gesellschaftlichen Stabilisierung beitragen könnte, vielleicht ja auch von ihr selbst kommen könnte, sondern bloß wieder Forderungen an die Landesregierung erhebt. 

Vielleicht bekomme ich in Tschechien ja die Gelegenheit, etwas über die Auswirkungen des Rauchverbots auf die dortige Gastronomie zu erfahren. Tschechien war ja lange das kleine gallische Dorf beim Rauchen. Es gab eine Kennzeichnungspflicht, mehr nicht. Jeder Gastro-Betrieb durfte selbst entscheiden, wie er es mit dem Rauchen halten wollte. Trotzdem war die Verteilung Raucher/Nichtrauchergastro ungefähr so wie in Baden-Württemberg, allenfalls mit etwas mehr Lokalen, die sich für Raucher- und Nichtraucherbereiche entschieden hatten. Das ist jetzt schon seit einigen Jahren vorbei, und weil ich seitdem nicht mehr dort war, werde ich es mir zum ersten Mal aus der Nähe ansehen. 

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Zurück zur Wahl in Sachsen-Anhalt.  

Jüngst ist mir auf Bluesky etwas passiert, das mir eine Ahnung davon gab, wo die meist so entrüstet zurückgewiesenen Behauptungen herkommen, man dürfte manche Dinge nicht mehr sagen. Da gab es nämlich ein RTL-Talkformat, in dem sich unser aller Bundeskanzler den Fragen einiger vom Sender ausgewählten Bürger stellte, die nicht sonderlich gut auf die aktuelle Bundespolitik zu sprechen sind. Und die Meinung über die Performance von Merz in dieser Sendung war so einhellig, daß jeder noch so geringfügige Einwand dazu führte, daß der Einwender kurzerhand niedergebrüllt wurde. 

Ob es sonderlich klug von Friedrich Merz war, sich auf so eine Sache einzulassen, sei dahingestellt, Mut bewiesen hat er damit angesichts seiner Umfragewerte aber durchaus. Man kann ihm also alles mögliche vorwerfen, aber Feigheit vor dem Feind jedenfalls nicht in diesem Fall. Daß er auf Feindseligkeit stoßen würde, muß Merz ja schon vorher klargewesen sein. Womit er freilich kaum gerechnet haben kann, ist die Art, mit der einer der eingeladenen Gäste, eine Kinderärztin, ihre Attacke fuhr. "Warum brechen Sie Ihnen Amtseid ... und erlassen solche menschenverachtenden, zerstörerischen Gesetze?", lautete die Frage dieser Frau. Das Problem, das ich mit diesem Satz habe, sind nicht die Begriffe "menschenverachtend" und "zerstörerisch". Es handelt sich um eine Wertung, die man nicht teilen muß, und der erste wertet außerdem die Haltung der Bundesregierung beim Abfassen dieser Gesetze gegenüber den Betroffenen, was schon eher grenzwertig ist, aber meinem Empfinden nach gerade noch diesseits der Grenze. Wofür das meiner Meinung nach aber nicht gilt, ist die Unterstellung an Merz, seinen Amtseid zu brechen, was ja nichts anderes bedeuten kann, als daß er persönlich (nicht die Bundesregierung) bewußt und gezielt Menschenverachtung und Zerstörung als politisches Mittel einsetzt, um den Bürgern zu schaden. Anders ergibt dieser Vorwurf nämlich trotz aller semantischen Spielchen um die Frage, ob auch ein versehentlicher Bruch des Amtsseids hätte gemeint sein können, überhaupt keinen Sinn. 

"Warum brechen Sie aus Versehen Ihren Amtseid?" ist eine Frage, die niemand in dieser Form stellen würde. Nur, das hindert augenscheinlich in den sozialen Medien niemanden daran, sich unbedingt lächerlich machen zu wollen, wenn es um eine Haßfigur wie Friedrich Merz geht. Es führt außerdem dazu, daß man sich plötzlich einem geifernden Online-Mob gegenübersieht, der einen selbst mit Hohn und Haß und dem dazugehörigen Unflat überschüttet, wenn man darauf hinweist. Mir blieb nichts anderes übrig, als ein paar Stummschaltungen vorzunehmen, um nicht mehr Zeit als nötig für diesen Schlagabtausch zu vergeuden, der nirgendwo hinführte und für niemanden neue Erkenntnisse erbrachte. 

Ich nehme solche Dinge zum Glück nicht weiter tragisch. Einen Versuch war die Sache wert, mir bricht nicht das Herz, wenn ich von solchen Leuten nicht gemocht werde, und ich lege außerdem Wert darauf, mein Unbehagen überwunden und meine Meinung artikuliert zu haben, damit andere Leute, die sich unbehaglich fühlen, sehen können, daß sie mit ihrem Unbehagen nicht alleine sind. Und zwar gerade deshalb, weil ich dieses Unbehagen empfand. Wie komme ich denn dazu, mich durch eine im Chor gebrüllte Einheitsmeinung irgendwelcher anonymer geifernder Eiferer einschüchtern zu lassen? Das sollte ich jetzt schon üben für den Fall, daß meine Zivilcourage eines Tages wirklich einmal in wichtigeren Dingen auf die Probe gestellt wird. Daß andere Leute - und vor allem diejenigen, die in Zeiten, wenn sie dafür Beifall zu erwarten haben, so gerne Lichterketten bilden oder andere theatralische Bekundungen gegen den Faschismus vornehmen - daran absehbar in der überwältigen Mehrheit kläglich versagen werden, heißt ja noch lange nicht, daß ich selbst dann ebenfalls versagen will. 

Es wäre auch anderen Leuten, die solche Dinge ernst nehmen, anzuraten, in dieser Hinsicht ein bißchen zu trainieren. Einen Vorgeschmack, wie das ist, wenn sich plötzlich große Teile der Menschen und Institutionen vorsichtshalber wegducken, erleben gerade regionale Medien in Sachsen-Anhalt.  

 Sehr viele Leute machen gerade gar nichts mehr und warten erst mal ab, was mit den Wahlen passiert. Das merken wir direkt in der Arbeit: Wir können viele Geschichten gerade nicht machen, weil Leute sagen, sie möchten jetzt nicht erscheinen und nichts sagen – selbst bei völlig unpolitischen Themen. Keiner will gerade den Kopf aus der Deckung heben.

Jedenfalls, Merz blieb kaum etwas anderes übrig, als diese Anschuldigung zurückzuweisen. Hätte er das nicht getan, dann hätten Übelwollende die Sache so interpretiert, daß die Anschuldigung berechtigt sei, da er sie ja nicht bestritten habe. Kurz, wie er es machte, es war so oder so verkehrt, und taktvoll über die Beschuldigung hinweggehen zu wollen, hätte nichts besser gemacht - und außerdem geht ihm das ja sowieso gegen seine Natur. Allenfalls ging mir durch den Kopf, ob Frau Merkel womöglich eine diplomatisch verklausulierte Sprache gefunden hätte, die inhaltlich genau dasselbe ausgesagt hätte wie bei Merz, aber trotzdem einen verbindlichen Klang gehabt und damit das Ausmaß der Häme verringert hätte. 

Eine andere Sache gibt mir aber mehr zu denken. Die Anschuldigung der Kinderärztin erfolgte nämlich nicht in einer Live-Gegenüberstellung mit Merz, sondern in einem Einspieler, den der Sender, RTL, vorab mit ihr gedreht hatte. RTL wußte also vorab von der Art und dem Inhalt des Vorwurfs und hatte anscheinend damit kein Problem. Am Ende überwand ich mich tatsächlich noch dazu, mir die gesamte Sendung anzuhören, nur um überhaupt den Kontext richtig zu verstehen. Mitgenommen habe ich daraus, daß die Dame, als ihr Lieblingsfeind ihr leibhaftig gegenübersaß, durchaus imstande war, sich scharf in der Sache, aber ohne Ausfälligkeiten ihm gegenüber inhaltlich zu positionieren. In dem Einspieler hat sie offenbar ganz bewußt polemisiert und zwar bis hart an die Grenze des Justiziablen. Und das mit Einverständnis und Billigung des Senders RTL, der ja andernfalls ggf. noch auf sie hätte einwirken können. Vielleicht mutiere ich ja langsam doch auch zum Verschwörungstheoretiker, aber: Hat das am Ende irgendetwas damit zu tun, daß Merz innerhalb der CDU seit einiger Zeit angezählt ist? Steckte jemand aus diesem Bereich hinter der Sache? Wollte man ihn durch die oben beschriebene Zwickmühle vielleicht zu einer Äußerung verleiten, die er später bereuen würde? Richtig ist natürlich, daß Friedrich Merz eine wandelnde Kommunikationskatastrophe ist, aber unter Umständen hat irgendwer genau das für irgendwelche innerparteilichen oder persönlichen Ziele zu nutzen versucht. 

Vielleicht irre ich mich in diesem Punkt aber, und es war der Sender RTL, dem es gelegen kam, durch eine Zuspitzung der Debatte, die um die Person Friedrich Merz kreiste, seine Reichweite zu erhöhen. Die Sendung selbst haben nämlich nicht so wahnsinnig viele Menschen gesehen. Die Kinderärztin machte in dieser Sendung live Werbung für ihre Online-Petition, die seit etwa einem Monat läuft und nach ihren eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt bereits 330.000 Unterschriften bekommen hatte (daß es dafür einen ganzen Monat gebraucht hatte, erwähnte sie nicht). Ich habe gestern, mehrere Tage nach der Sendung, die Petition aufgerufen. Der aktuelle Stand der Unterzeichnungen lautet 371.873. Nur 42.000 zusätzliche Unterschriften nach so viel medialer Aufmerksamkeit speziell für die Kinderärztin, das setzt schon etwas in Erstaunen. Also suchte ich nach der Einschaltquote, die diese Sendung hatte, und sah, daß sie  890.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zum Einschalten gebracht hatte. Ein richtiger Straßenfeger war das also nicht, aber 42.000 Unterzeichner entsprechen immerhin zwischen 4 und 5 Prozent der Zuschauer, die die Sendung hatte. So schlecht ist das auch wieder nicht. 

Hätte die Dame aber nicht wirksam dafür gesorgt, daß fast jeder, der sie nicht live sah, nur Friedrich Merz' Antwort auf ihre persönlichen Vorwürfe zu sehen bekommen hat, wäre vielleicht die Aufmerksamkeit für ihr gesundheitspolitisches Anliegen noch um einiges stärker beachtet worden. Immerhin machen sich mehr als drei Viertel der Deutschen Sorgen, daß ihnen durch die Gesundheitsreform Nachteile entstehen. Die Ärztin hat also ziemlich viel Potential verschenkt, ihrer Petition mehr Gewicht zu verleihen, nur um die Gelegenheit nutzen zu können, den Bundeskanzler einmal so richtig anzupissen, was ihr offenbar ein Herzensbedürfnis war. Nun ja, ein Gefühl für Prioritäten hat wohl nicht jeder. 

Insgesamt fand ich die Diskussion ziemlich langweilig, weil keiner der eingeladenen Gäste - ein Familienvater, eine Pfarrerin, ein Unternehmer und eben die besagte Kinderärztin, irgendetwas anderes vorzubringen hatte als das, womit man in so einer Konstellation von vornherein rechnen konnte, nämlich den verengten Blickwinkel seiner eigenen Interessenlage, und weil auch der Bundeskanzler über seine üblichen Textbausteine nicht hinauskam. Man hatte das Gefühl, daß ständig aneinander vorbeigeredet wurde, und das ist vielleicht ja niemandes Schuld, aber es ist jedenfalls das zu lösende Problem, sowohl für die beschwerdeführenden Bürger wie auch die Bundesregierung, deren Arbeit hier ja zur Debatte stand und die für ihre Arbeit dringend mehr Zustimmung benötigen würde. 

Daß Merz nicht die richtige Person ist, um daran etwas zu ändern, versteht sich mittlerweile fast von selbst, er schafft es jedes Mal, irgendwen durch eine instinktlose Wortwahl zu beleidigen, so auch diesmal. Unter denjenigen, die mehr als diese Amtseid-Sache überhaupt mitgekriegt haben, stieß Ärzten jedenfalls ganz besonders übel auf, daß er Ärzte als Nutznießer des Gesundheitssystems bezeichnet hat. Angesichts dessen, was mit der Gesundheitsreform an Zumutungen auch auf Ärzte zukommt, war das keine diplomatische Glanzleistung. Ich nehme aber nicht an, daß Merz das bewußt war, ich glaube insgesamt nach seinem Auftritt, daß er seine Sache eigentlich wahnsinnig gerne gut machen würde, aber dazu einfach nicht imstande ist. Mehr als ein "Er hat sich bemüht" werden ihm künftige Historiker wohl nicht ins Zeugnis schreiben können. 

Die AfD hat in Sachsen-Anhalt im Endspurt den Slogan "Alles ist möglich!". Das ist genau die Sorte Botschaft, die von den anderen Parteien keine mehr hinkriegt. Sie wirkt motivierend, aktivierend, weckt Aufbruchsstimmung und gute Laune bei denen, die sie gut finden. Warum die AfD so erfolgreich ist und warum im Osten stärker als im Westen, ist in dem verlinkten Interview gut analysiert. Aber zum Teil sehe ich die Sache anders als dieser Experte, der übrigens wirklich wie jemand klingt, der Ahnung hat. 

Falls diejenigen recht haben sollten, die in den AfD-Wählern überwiegend Freunde des Faschismus erkennen, wird der Optimismus des Slogans der AfD am Ende noch ein paar zusätzliche Prozentpunkte verschaffen können, und dann ist die Situation da, eine alleinregierende AfD in einem deutschen Bundesland. Falls sie aber falsch liegen sollten, wird es die AfD meiner Meinung nach Wählerstimmen kosten. Denn wer sie ganz oder teilweise aus Protest wählt, kriegt bei so viel triumphierender freudiger Erwartung vermutlich eher kalte Füße und denkt noch einmal darüber nach, ob er das wirklich will, eine womöglich mit absoluter Mehrheit triumphierende AfD. Wahrscheinlich haben eine Menge AfD-Wähler das nämlich keineswegs im Sinn, sie in absoluter Mehrheit regieren zu sehen. Sie wollen deren Normalisierung erzwingen, und das bedeutet, sie wollen, daß andere Parteien sie mit ins Boot nehmen müssen. Worauf sie dabei hoffen, ist vermutlich nicht eine Eins-zu-Eins-Umsetzung des AfD-Wahlprogramms. 

Einen Hinweis darauf findet man auch in dem weiter oben verlinkten Interview mit dem Redaktionsleiter einer Zeitung in Sachsen-Anhalt, als er über die Aktivitäten der AfD in dörflichen Bereichen spricht: 

Über Politik wollen die Leute bei der AfD nicht reden, das interessiert sie nicht. Es gibt keine klassische Wahlkampfrede mit anschließender Diskussion, sondern einen Grill, Becher und Zollstöcke mit AfD-Logo zum Mitnehmen und für ein paar Euro sogar ein T-Shirt „Heimattreue Altmark“ in Frakturschrift. Wer redet, lädt vor allem Frust ab – und die AfD muss nur dastehen und sagen: „Ihr habt recht.“ Niemand will Lösungen, alle wollen Emotionen loswerden, und genau das saugt die AfD auf und verstärkt es. Andere Parteien versuchen, zu erklären und Lösungen anzubieten – kognitiv der falscheste Ansatz in einer rein emotionalen Situation. Das hat die AfD perfektioniert.

Nach diesem Stimmungsbild von jemandem, der nahe dran ist am Geschehen, geht es den Wählern der AfD kaum um den Wunsch nach möglichst unveränderter Umsetzung ihres Wahlprogramms. Aus dem anderen, dem Tagesschau-Interview: 

Die Annahme, Menschen würden Parteien vor allem nach ihrem materiellen Eigeninteresse wählen, ist verkürzt. Wahlentscheidungen organisieren sich auch an Identität, Anerkennung und Emotionen. Bei Teilen der AfD-Wählerschaft sind Gefühle von Kontrollverlust, Kränkung, Angst, Wut, Trotz und eine starke Wir-gegen-die-Identität wahlentscheidend.

Die Partei bietet dafür eine autoritäre Auflösung an: Komplexe Probleme bekommen eindeutige Schuldige, widersprüchliche Entwicklungen werden moralisch sortiert und individuelle Ohnmacht wird in kollektive Wirksamkeit übersetzt. Wer mit einer Wahlentscheidung Zugehörigkeit, Protest, Identität und Selbstwirksamkeit ausdrückt, verrechnet das nicht einfach als finanzielle Kosten-Nutzen-Rechnung. 

Diese Emotionen können sich aber auch gegen die AfD wenden, falls sie nach den Umfragen auf eine Alleinregierung hoffen kann und dies nicht das erwünschte Ergebnis eines Wählers und damit ebenfalls ein Fall von Kontrollverlust sein sollte. Vielleicht wird das in Sachsen-Anhalt ja gerade so wahrgenommen, daß eine AfD-Alleinregierung bevorstehe, weil so viel über diese Möglichkeit berichtet wird und die Partei selbst mit ihrem Slogan auch darauf anspielt. In Wirklichkeit hat die AfD aber in der letzten Wahlumfrage zwei Prozentpunkte weniger als in der vorletzten gehabt. Gut, das können Zufallsschwankungen sein, aber es könnte auch eine solche Entwicklung abbilden. Natürlich heißt das ja nicht, daß die AfD auf einen Schlag ihre Wählerschaft halbieren wird. Mit nahe an bzw. um die 40 Prozent sollte man schon rechnen, aber mit ein bißchen Glück wird es zumindest nicht mehr als das. 

Mit einem Bundeskanzler Friedrich Merz wird es allerdings kaum gelingen, irgendwie die emotionale Komponente in Richtung der "etablierten" Parteien zu verlagern. Vermutlich geht ein beträchtlicher Teil der Zuwächse der AfD seit seinem Regierungsantritt auf das Konto seiner höchstpersönlichen Unfähigkeit, mit Menschen umzugehen. Also kann es in Sachsen-Anhalt jetzt eigentlich nur noch darum gehen, eine Katastrophe für diesmal noch abzuwenden. Und es ist gut möglich, daß sich die CDU anschließend an die Landtagswahlen im September schon im Oktober neu sortieren und personelle Konsequenzen aus der Sache ziehen wollen wird. Falls sie das vorhaben sollte, wird sie das nämlich schnell tun müssen, denn ein Wechsel im Amt ist zwar immer dramatisch, aber je näher an der nächsten Bundestagswahl, umso heftiger kann das ins Auge gehen. 

Das wäre ein Hoffnungsschimmer, wenn ich mir nur vorstellen könnte, welche Personalie in der CDU imstande wäre, die Wähler emotional zu verlocken, und wenn ich mir außerdem vorstellen könnte, daß man es der CDU begreiflich machen kann, daß sie genau so eine Persönlichkeit jetzt braucht und alle innerparteilichen Vorstellungen, wen man gerne hätte, im Vergleich dazu bedeutungslos sind. Wenn die CDU den Bundeskanzler Friedrich Merz durch einen Kanzler ersetzt, der ihr selbst besonders gut gefällt, hilft das niemandem, auch ihr selbst nicht. Und ich fürchte, genau das wird in so einem Fall geschehen. 

 

 

Freitag, 28. August 2026

Von Mäusen und Menschen und wissenschaftlicher Selbstsabotage

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier Fastentagen: 77,0 Kilogramm. Am Montag waren es 82,9, Grund zum Jubeln habe ich also nicht. Aber immerhin ging es von Montag auf Dienstag gleich mal wieder 3 Kilo runter, und das hatte ich, glaube ich, den ganzen Sommer kein einziges Mal. Die Gesamtabnahme war mit 5,9 Kilogramm auch überdurchschnittlich für ein viertägiges Fastenintervall. 6,0 Kilogramm oder mehr hatte ich im Lauf von sechs Jahren, seit ich damit begonnen habe, höchstens ein halbes Dutzend Mal. 

Kaum anzunehmen, daß das folgende in meinem Fall so relevant ist, daß ich meine Abnahme wieder auf die richtige Spur damit bringe. Aber trotzdem gab es mir so zu denken, daß ich meine Vorratshaltung jetzt - nur für alle Fälle und weil es ja keine große Sache ist, das zu tun - möglichst polyethylenfrei bekommen möchte. Denn unter Umständen sind es nicht - oder nicht nur - die hochverarbeiteten Lebensmittel selbst, sondern die Verpackungsmaterialien, die das eigentliche Problem sind. Polyethylen, ein häufig verwendetes Material  in Lebensmittelverpackungen, zerfällt im Lauf der Zeit und sondert Mikroplastik-Zerfallsprodukte ab die dann natürlich mit der Nahrung aufgenommen werden. In einer Tierversuchsstudie führte das bei Mäusen zu Gewichtszunahmen, ausgelöst durch eine Schädigung der Leber. 

Bei der ersten Recherche dachte ich schon, auch meine Lock&Lock-Dosen, die ich als Schutz vor Mottenbefall verwende und auf die ich nicht verzichten könnte, seien aus Polyethylen - in Wirklichkeit ist es aber Polypropylen, und das ist zum Glück doch was anderes. Polyethylenverdacht besteht bei allen biegsamen Klarsichtverpackungenr. 

Worauf ich künftig achten werde, ist, Verpackungen etwa von gemahlenen Mandeln nach dem Kauf zu entfernen und solche Dinge lose in den Lock&Lock-Dosen aufzubewahren. Beim Einfrieren sieht die Sache schon anders aus, denn Gefrierbeutel sind tatsächlich aus Polyethylen, und die habe ich bislang immer genutzt und werde sie künftig nicht mehr verwenden. Kürzlich habe ich schon ein paar wiederverwendbare Silikon-Gefrierbeutel gekauft, und da werde ich mir noch zusätzlich beschaffen. Das wird also künftig mein Einfrier-Standard werden. Seltener verwende ich Frischhaltefolie, ebenfalls aus Polyethylen, aber ich glaube, die ist weniger das Problem, weil es bei mir selten direkt mit den Lebensmitteln in Berührung kommt und ich jetzt natürlich darauf achten werde, daß das nicht passiert. 

Bei was kann das wohl noch alles relevant sein? Das wird sich wohl im Lauf der Zeit noch herauskristallisieren. Wurst und Käse kaufe ich ohnehin selten im Discounter und damit meist auch ohne Verpackung. Inwieweit auch die Verpackungen von Milchprodukten betroffen sind, darauf muß ich mal achten. Genau wie bei den Carragenen werde ich das jetzt auch ohne jeden Fanatismus umsetzen, wenn es in bestimmten Fällen nicht vermeidbar ist, dann ist es halt nicht vermeidbar. 

Wie gesagt, ich bezweifle, daß mir diese Maßnahmen einen Abnahmeschub verschaffen könnten, aber das ist ja noch lange kein Grund, diesen Kram nicht zu reduzieren. Dafür muß ich auch nicht darauf warten, bis die Wissenschaft™ es bestätigt, daß die Wirkung nicht nur bei Mäusen, sondern auch bei Menschen zu erwarten ist.  

***

Da erwähne ich mal wieder die Abnehmspritze und habe sofort einen Nachklapp hinterherzuschieben, nämlich ein Video von Jason Fung über die Frage, warum so viele Patienten damit aufhören, Ozempic zu nehmen. Tatsächlich ist es seinen Angaben nach nämlich nur eine Minderheit, die die Einnahme länger als ein Jahr fortsetzt, nach zwei Jahren seien es nur noch 20 Prozent. Schon nach einem halben Jahr habe fast die Hälfte damit aufgehört. Daß die Ausstiegsraten in der Tat sehr hoch sind, ergibt sich mittlerweile auch aus zahlreichen Studien (Beispiel 1, Beispiel 2).

Neu war mir, daß Jason Fung selbst Patienten Ozempic verschreibt. Es wäre interessant zu wissen, warum, da er doch Intervallfasten für das Nonplusultra hält. Was genau habe ich verpaßt? War es die Nachfrage durch die Patienten? Und was ist eigentlich mit den Konkurrenzprodukten, vor allem Mounjaro?  

Aber tatsächlich erinnere ich mich, daß keineswegs alle seiner Patienten bereit sind, es mit dem Fasten auch nur auszuprobieren. Als Nephrologe wird er immer noch genügend Patienten mit Nierenproblemen als Auslöser der Konsultation eines Facharztes haben, aber als Autor von "The Obesity Code", "The Diabetes Code" und "The Hunger Code" natürlich auch viele, deren Nieren (noch) in Ordnung sind, die aber unter Adipositas und/oder Diabetes leiden und darauf hoffen, bei dem Autor dieser Bücher kompetente Hilfe in diesem Bereich zu finden. Die letzteren wissen in etwa, mit welchen Vorschlägen sie rechnen sollten, und ich nehme an, sie sind damit einverstanden. Die ersteren haben damit wohl häufiger Schwierigkeiten. 

Ganz sicher bin ich mir nicht, ob ich die Zahl richtig im Kopf habe, aber in irgendeinem Podcast sprach er, glaube ich, von 40 Prozent seiner Patienten (in der Zeit, bevor er durch seine Bücher bekannt wurde, also vorwiegend Patienten der ersten Kategorie behandelte), die sich rundheraus weigerten, Intervallfasten überhaupt einmal zu probieren. Für solche Patienten muß man natürlich irgendwelche Alternativen zu bieten haben. Die logische zweite Wahl für jemanden wie Dr. Fung wäre Low Carb, zumal er das schon vor dem Intervallfasten angeboten hatte. Aber wenn ein Patient weder Intervallfasten noch Low Carb machen will oder damit nicht zurechtkommt, ist die Abnehmspritze jedenfalls noch vor allen anderen Optionen die dritte Wahl, da sie ja bei allen Bedenken und Zweifeln über die langfristige Wirkung offensichtlich funktioniert. Das könnte also die Erklärung sein. 

Nach Meinung von Dr. Fung funktioniert die Abnehmspritze aber doch schlechter, als man das anzunehmen gewohnt ist. Das begründet er neben seinen Erfahrungen mit seinen eigenen Patienten vor allem mit einer Studie, die mir irgendwie durch die Lappen gegangen ist, sicherlich auch deshalb, weil ich zur Zeit ihres Erscheinens gerade im Clinch mit dem Vorbesitzer unseres Hauses gewesen bin (der uns zwischenzeitlich wieder absprang) und wenig Zeit für solche Dinge erübrigen konnte. Andernfalls hätte die Studie mich bestimmt interessiert, sie ist nämlich von Kevin Hall, der immer wieder interessante Dinge herausfindet.  

Die Abbildung im Screenshot aus dem Video zeigt in der linken Spalte die Entwicklung von Körpergewicht insgesamt und speziell der Fettmasse und in der rechten Spalte, wie sich die Kalorienzufuhr sowie der Kalorienverbrauch im Laufe der Zeit (hier: 24 Monate) verändert.



Es ist die rechte Spalte, mit der Dr. Fung argumentiert. In ihr kann man nachverfolgen, in welchem Zeitraum der Stoffwechsel sich an die als Wirkung von Tirzepatid (oben) und Semaglutid (unten) drastisch verringerte Kalorienmenge anpaßt, indem er seinen Verbrauch parallel dazu zurückfährt. Nach drei bis sechs Monaten ist dieser Prozeß weitgehend abgeschlossen und der Kalorienverbrauch des Körpers liegt nun ungefähr 400 Kalorien niedriger als vor Beginn des Spritzens und dies verändert sich auch bis zum Ende des Zwei-Jahres-Zeitraums nicht mehr nennenswert. Nach ca. drei Monaten steigt allerdings die Kalorienzufuhr wieder an, und ungefähr zwei Jahre nach Beginn liegt sich ungefähr wieder in dem Bereich des (um 400 Kalorien verringerten) Bedarfs.

Das Problem ist, daß diese Kurve in Wirklichkeit nicht das ist, was sie zu sein scheint. Es handelt sich bei allen vier in der Abbildung enthaltenen Kurven nämlich um die Wiedergabe einer Simulation auf Basis eines mathematischen Modells. Mit anderen Worten, Kevin Hall orientierte sich bei dieser Simulation an vorgegebenen Annahmen, welche Abnahmewirkung bestimmte Kalorienreduktionen haben, wie sie für Tirzepatid (Mounjaro) und Semaglutid (Ozempic) realistischerweise angenommen werden können. Aus diesen Annahmen leitet er - auf Basis ebenfalls vorgegebener Modelle, von denen er glaubt, sie seien richtig - erstens das Ausmaß des Rückgangs der Fettmasse, zweitens den Rückgang des Energieverbrauchs und drittens eine langsame Steigerung der Kalorienaufnahme durch die Nutzer der Abnehmspritze ab. Dabei legt er selbstredend die Wirkungsweisen der Kalorienlogik zugrunde. Kein Wunder also, daß mir an diesen Kurven sofort das eine oder andere auffiel, das im Widerspruch zu anderen Studien steht, in denen die realen Daten realer Patienten wiedergegeben waren. 

Ganz ehrlich: Das hätte ich Kevin Hall nicht zugetraut, etwas zu publizieren, von dem er eigentlich wissen müßte, daß es nicht mit Real-World-Daten übereinstimmt, ohne wenigstens ausführlich zu begründen, warum diese Abweichungen die Realität dennoch besser abbilden (vermutlich, weil sie das nun einmal nicht tun). Aber noch übler finde ich es, daß Dr. Fung, der es ebenso wissen müßte und eine Art Popstar des Intervallfastens ist, dies seinen Followern als angebliche wissenschaftliche Tatsache präsentiert. 

Zum Glück habe ich die Studie recherchiert, denn anfangs habe ich natürlich geglaubt, es handle sich um die Wiedergabe einer Studie, die auf realen Patientendaten basiert. Deshalb fiel mir auch sofort auf, daß in Jahr 2 nicht nur ein leichter Rückgang des Körpergewichts verzeichnet war, sondern auch ein etwas stärkerer Rückgang der Fettmasse in Relation zur gesamten Abnahme. Das aber steht in krassem Widerspruch zu dem, was über die Körperzusammensetzung nach einer Abnahme mit Abnehmspritzen aus anderen Studien bekannt ist. Wäre das wahr gewesen, dann hätte ich das schon sensationell gefunden, und nur deshalb habe ich Kevin Halls Studie jetzt noch näher betrachtet und stellte fest, daß ich die Hälfte des Blogartikels wieder löschen mußte, weil meine darin enthaltene Kritik an Dr. Fung eine andere war - er ging nämlich nicht darauf ein, daß Halls Ergebnisse denen anderer Studien widersprechen -, was aber nicht bedeutet, daß ich nunmehr weniger zu kritisieren habe. Im Grunde fast schon im Gegenteil. 

Da es sich bei den Ergebnissen von Kevin Halls Studie nur um eine Reißbrettkonstruktion handelt, ist klar, daß diese Konstruktion die Realität nicht gut genug abbildet. Damit würde ich an Dr. Fungs Stelle unter gar keinen Umständen mit einer Grafik aus dieser Studie irgendetwas zu beweisen versuchen. Denn ich weiß, daß Dr. Fung weiß, daß andere Studien nicht zu dem Ergebnis kamen, daß der Gewichtsverlust von Abnehmspritzen-Patienten mehr Fettmasse beseitigt als andere Abnehmmethoden. Die Low-Carb-Bubble auf Twitter hat dieses Thema mehr als einmal aufgegriffen und durchgekaut, wenn mal wieder eine Studie mit diesem Ergebnis durch die Medien ging. Unmöglich, daß er davon nichts mitbekommen hat. 

Tatsächlich war ich zunächst vor allem irritiert darüber, daß er über den hier wiedergegebenen Abnahme- und Fettverlust-Verlauf kein weiteres Wort verlor, also dies nicht nur für wahr zu halten schien, sondern auch für einen Mißerfolg der Abnehmspritzen, daß man mit ihnen durchschnittlich nicht dauerhaft Gewicht verliert. Tatsächlich ist das aber nicht so. Low Carb hat in Jahr 2 im Durchschnitt nämlich nicht nur gar keine Abnahmewirkung mehr, sondern im Gegenteil eine Wiederzunahme zu verzeichnen. Für Intervallfasten kenne ich keine entsprechenden Studien, nehme aber an, daß es ähnlich aussieht wie in der folgenden Grafik zu Low Carb, weil beides ja insulinbasierte Methoden sind.  

 

Daß die Abnehmspritze Ozempic zwar bis zum Ende des ersten Jahres in ihrer Abnahmewirkung gegen Low Carb abstinkt, aber im Langzeitvergleich bei der Abnahmewirkung in Wirklichkeit einen Vorteil in der Abnehmwirkung bietet, erwähnt Dr. Fung nicht. Die Grafik einer Studie über einen Zeitraum von vier Jahren (diesmal keine Simulation, sondern auf realen Patientendaten basierend) belegt aber beides eindeutig. Die Abnahme im ersten Jahr ist durchschnittlich erheblich geringer als bei Low Carb, kann aber im Gegensatz zu ihr gehalten werden. Nach vier Jahren sind die Patienten im Durchschnitt abnahmemäßig auf Augenhöhe, danach sind die Ozempic-Anwender im Vorteil. 

 

Die Abnahmewirkung von Mounjaro liegt nochmal ein gutes Stück höher als die von Ozempic, hängt also Low Carb noch schneller ab, was die Wirkung betrifft. 

Diese Kurven in der unteren Abbildung beziehen sich allerdings nur auf Patienten, die tatsächlich vier Jahre lang Semaglutid/Ozempic genommen haben, und worum es in dem Video eigentlich geht, ist, daß nur ein Bruchteil der Patienten, die mit ihr begonnen haben, sie über einen so langen Zeitraum anwenden. Schon nach zwei Jahren haben 60 bis 80 Prozent der Anwender es wieder aufgegeben, und in diesem Fall ist fast immer mit einer rasanten Wiederzunahme zu rechnen. Ein Jahr nach dem Ende des Spritzens haben die Patienten eine Gewichtszunahme in einer Höhe zu verzeichnen, die höher liegt als bei Low Carb zum Ende des fünften Jahres. 

 

Nicht abzustreiten ist aber, daß die Patienten, die beim Spritzen bleiben, im Vergleich zu den Abnahmeerfolgen mit allen anderen Methoden einschließlich der insulinabsierten statistisch ziemlich gut dastehen. Wer das nicht tun will oder nicht tun kann, der steht erheblich schlechter da. 

Die Wirkung kann aber auch bei den dem Augenschein nach Erfolgreichen unter den Abnehmspritzen-Anwendern sehr unbefriedigend sein, vor allem dann, wenn man mit einem BMI über 40 angefangen hat. In meinem Fall hätten die zehn Prozent Gewichtsabnahme, die der Durchschnittspatient in der Grafik der Studie bei Ozempic mit realen Patienten erwarten konnte, eine Gewichtsabnahme von ungefähr 15 Kilogramm bedeutet und das Dauerplateau hätte bereits bei einem Körpergewicht von 132 Kilogramm eingesetzt, falls ich dem Durchschnitts-Abnehmspritzennutzer entsprochen hätte. Fürs Protokoll: Mit Intervallfasten hatte ich eine Abnahme von 15 Kilogramm nicht erst nach einem Jahr, sondern nach 116 Tagen erreicht, also weniger als vier Monaten. Aber auch wenn Mounjaro bei mir eine Abnahme von 25 % meines Körpergewichts bewirkt hätte, wäre ich mit meinen realen Abnahmedaten nach 24 Monaten fast exakt auf Augenhöhe gewesen. 

Nur, bei mir kam es anschließend im Gegensatz zu Mounjaro nicht zu einem Plateau, sondern ich nahm auch in Jahr 3 weiter ab, und zwar weitere zehn Kilogramm. Erst danach verlangsamte sich die Sache und fing an zäher zu werden, und erst daraus habe ich gelernt, daß meine ursprüngliche Annahme, DIE Methode gefunden zu haben, die mich zuverlässig zu jedem beliebigen Wunschgewicht führen würde, falsch gewesen ist. Heute bin ich der Meinung, sie bietet den perfekten Einstieg vor allem bei besonders hohem Übergewicht, und, besonders wichtig, sie sollte nicht nach dem Prinzip "Viel hilft viel" so radikal wie möglich gestaltet werden, sondern in der Intensität noch viel Luft nach oben haben. Denn es ist viel einfacher, nach einem halben Jahr von 18:6 oder OMAD auf 36stündige Fastenintervalle zu switchen, als von vornherein mit ganzen Fastentagen zu starten. Wichtig zu wissen finde ich, daß klar sein sollte, daß nichts, was man anfängt, dauerhaft weiter funktionieren wird, sofern man nicht bei Nachlassen der Wirkung - die Waage wird einem signalisieren, wann es soweit ist - etwas daran verändert. 

Ich hatte mit meiner Herangehensweise überhaupt mehr Glück als Verstand. Oder vielleicht ja eher umgekehrt: Ich hatte mehr Glück, weil ich meinen eigenen Verstand zum Einsatz gebracht habe, anstatt mich auf irgendwelche theoretischen Annahmen zu verlassen. Denn daß man eine stagnierende Abnahme wieder auf Trab bringen kann, indem man an seiner Herangehensweise etwas verändert, weil der Stoffwechsel sich ständig an alles anpaßt, was man in seinem Ernährungs/Bewegungs-Verhalten verändert (und zwar in jeweils beide Richtungen), erfährt man nirgends und niemand empfiehlt einem, so vorzugehen, auch die Gurus der Fasten- und Low-Carb-Szene nicht. Das ist meiner Meinung nach auch der Grund dafür, daß auch so viele Virta-Patienten ab Jahr 2 wieder zunehmen. Das ist außerdem der Grund, warum ich sämtliche anderen ärztlichen Anbieter von Low Carb und Intervallfasten unter den Generalverdacht gestellt habe, daß dasselbe bei ihren Patienten ebenfalls passiert und sie dies lediglich verschweigen. Ich bin außerdem der Meinung, dies ließe sich verhindern, indem man Veränderungen nach einer gewissen Zeit oder zum Zeitpunkt einer deutlichen Verlangsamung der Abnahme von vornherein mit einplanen würde. 

Ich bin nun echt kein Genie oder so, sondern bemühe mich nur darum, zu beobachten, was in Wirklichkeit passiert, wenn ich dies oder jenes tue oder unterlasse, um daraus mögliche Problemlösungen zu entwickeln, wenn die Sache nicht mehr so läuft, wie sie eigentlich laufen sollte. Daß ich kein Genie bin, ist leicht daran zu erkennen, daß ich die aktuelle Rätselaufgabe in meinem eigenen Fall bislang nicht lösen konnte. Deshalb verstört es mich aber so sehr, daß weder Dr. Fung noch Dr. Tro und genausowenig Dr. Unwin es zugeben, daß bei ihren Patienten genau dasselbe zu beobachten ist wie bei Virtra, nämlich daß sie ein genauso kurzes Zeitfenster für ihre Abnehmerfolge haben wie mit anderen Methoden (allerdings in diesem Zeitfenster leichter und erheblich mehr abnehmen) und daß mit ihren Methoden danach bei der deutlichen Mehrheit ihrer Patienten erstens nicht weiter abgenommen wird und zweitens bei einem großen Teil von ihnen Wiederzunahmen zu befürchten sind. 

Ich bin mir so sicher, daß ich damit das, was sich hinter den Kulissen der Low-Carb- und Intermittent-Fasting-Arztpraxen verbirgt, präzise beschrieben habe, daß ich Haus und Hof darauf verwetten würde. 

Es ist aber unredlich, die längerfristigen Erfolge, die sie natürlich alle auch unter ihren Patienten in einem Teil der Fälle haben, als angeblich typische Beispiele darzustellen. Aber es ist außerdem auch wissenschaftliche Selbstsabotage, wenn sie dies nicht nur als PR machen, um die Fassade zu schönen (was ich schon falsch genug fände), während insgeheim mit Nachdruck nach einer Lösung gesucht wird. Und ich glaube bis zum Beweis des Gegenteils, daß dies nicht passiert, sondern daß man sich auf die gute alte Methode des Victim Blaming beschränkt, also annimmt, schuld an den Wiederzunahmen sei lediglich der Rückfall der Patienten in die berüchtigten "alten Verhaltensmuster". Das allein hindert aber schon daran, herausfinden zu wollen, was genau bei den erfolgreichen Patienten anders sein könnte als bei den nicht erfolgreichen. Bestimmt gibt es eine Menge Patienten, die irgendwann einfach mit Fasten bzw. Low Carb aufhören, genauso wie auch bei der Abnehmspritze. Aber es gibt auch diejenigen, die diszipliniert dranbleiben und dennoch eine Wiederzunahme erleben, und denen wird ein persönliches Versagen zu Unrecht in die Schuhe geschoben. 

Und daneben spielt es bestimmt bei denen, die vom Wagen gefallen sind, eine wichtige Rolle, daß sie sich für das, was sie tun, zu sehr disziplinieren müssen, als daß man ernsthaft damit rechnen dürfte, daß sie dauerhaft dieses Ausmaß an Disziplin aufbringen können. Bildet sich irgendwer im Ernst ein, ich wäre nur deshalb so lange nicht von Wiederzunahmen betroffen gewesen, weil ich so diszipliniert gewesen sei? Oder daß ich jetzt wieder zunehme, weil ich undisziplinierter geworden bin? Mein Erfolgsrezept bestand von Anfang an darin, daß ich nie etwas angefangen habe, von dem ich mir nicht sicher gewesen wäre, daß ich damit weitermachen können würde, bis ich achtzig Jahre alt bin. Ich habe es immer abgelehnt, mein Leben bestmöglich an die Abnehmroutine anzupassen, sondern es genau umgekehrt gemacht, also das, was ich tat, bestmöglich an meine Lebensgewohnheiten angepaßt. 

Für beide Ursachen von Mißerfolg wäre es also eigentlich möglich, Lösungen zu finden, wenn man sie nur suchen würde. Nur, sie scheinen nicht danach zu suchen, weder Dr. Fung noch die beiden anderen, genausowenig Virta. Der einzige, der suchte, war Dr. Eenfeldt mit seinem Satiety-per-Calorie-Ansatz, und der suchte dummerweise in der falschen Richtung und ist mittlerweile pleite gegangen. 

Zurück zur Abnehmspritze. Übrigens weiß ich vom Abnehm-Forum, daß auch dabei manchmal ein Wechsel des Wirkstoffs die Abnahmewirkung wiederherstellen kann, und ich frage mich, warum Dr. Fung das seinen Patienten nicht empfiehlt, wenn sie vor allem das Gefühl der Erfolglosigkeit entmutigt, nicht etwa als belastend empfundene Nebenwirkungen. Oder die Sache, wenn das Plateau erreicht ist, nachträglich noch mit Intervallfasten oder Low Carb zu kombinieren. Vermutlich würde dies einen großen Teil der entmutigten Patienten wieder neue Erfolge erleben lassen. Jedenfalls wieder für einen mehrmonatigen Zeitraum. 

Dr. Fung nennt drei Hauptgründe, warum die meisten seiner Patienten damit aufhören, die Abnehmspritze zu nehmen. Erstens, man verliert zu viel Lebensfreude nicht nur dann, wenn man von schwerwiegenderen Nebenwirkungen belastet wird, sondern auch, weil viele schöne Moment im Leben mit gutem Essen verbunden sind, etwa Geburts- und Feiertage, und dann vor allem der Genuß der anderen, mit denen man am Tisch sitzt, einen selbstmitleidig werden lassen kann. Zweitens kommt der Moment, in dem man keinerlei Verbesserungen der Lebensqualität mehr wahrnehmen kann, die man diesen Minuspunkten bei der Lebensqualität gegenrechnen kann. Vor allem dann, wenn es drittens aufhört zu wirken, also man nicht weiter abnimmt, obwohl man eigentlich von seinem Ziel immer noch mehr oder weniger weit entfernt ist. Was Dr Fung irritierenderweise aber gar nicht erwähnt, sind die Kosten der Abnehmspritze. Die spielen nicht nur deshalb eine Rolle, weil nicht jeder sich die 5000 Euro pro Jahr, die zum Beispiel Dagmar Stöckle vom SWR dafür bezahlt hat, leisten kann, sondern weil diese Kosten auch dann, wenn man sie bezahlen könnte, umso schwerer (vor sich selbst und vor Angehörigen) zu rechtfertigen sind, je weniger abgenommene Kilos damit finanziert werden. Da es schon im zweiten Jahr nahe null Kilos minus geht und das im Lauf der nächsten Jahre auch nicht besser wird, wird auch der Druck, sich diese Ausgabe zu sparen, immer höher. 

Was Fung auch nicht erwähnt, ist, daß viele - vermutlich fast alle -, insgeheim hoffen, wenn sie mit der Abnehmspritze aufhören, eine Ausnahme zu sein, also doch nicht wieder zuzunehmen. Im Abnehmforum ist das ein Riesenthema, in das ich jetzt mal reingelesen habe. Allzu viele scheinen es aber auch dort, wo der Optimismus und die Euphorie bei vielenso besonders groß sind, nicht zu sein, die imstande sind, ganz auf eine reduzierte "Erhaltungsdosis" der Spritze zu verzichten, ohne zuzunehmen. Ich habe das Thema nicht vollständig durchgeackert, aber ich fand nur eine Person, bei der das Absetzen der Spritze nach eigenen Angaben länger als ein Jahr nicht zu einer Gewichtszunahme oder erheblichen Problemen mit Hungerattacken geführt hat, gegen die nun - mit oder ohne Erfolg - verzweifelt angekämpft wird. 

Wie viele Anwender von Low Carb oder Intervallfasten nach einiger Zeit wieder abspringen, ist unklar, aber im Gegensatz zur Abnehmspritze bekommen diejenigen, die nicht abspringen, in den Augen ihrer behandelnden Ärzte ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn ihre Abnahme sich nicht weiter fortsetzt. Es würde mich deshalb nicht überraschen, wenn sich auch bei Intervallfasten und Low Carb wie bei der Abnehmspritze herausstellen würde, daß nach zwei Jahren nur noch ungefähr ein Fünftel bei der Stange geblieben ist. Nicht nur, weil das Mißerfolgserlebnis in Jahr 2 wegen der Gewichtszunahmen unangenehmer ist als bei der Abnehmspritze, sondern auch, weil man in diesen üblichen Teufelskreis aus offenen oder versteckten Vorwürfen, etwas falsch zu machen, hineingerät, in dem man häufig mit sich selbst gnadenloser als jeder Außenstehende ins Gericht geht, weil man ja selbst keine andere Erklärung für den Mißerfolg hat, als irgendein eigenes Versagen. Wenn einen der Erfolg nicht mehr tragen kann, weil es keinen mehr gibt, dann hängt aber alles davon ab, ob einem leicht fällt, was man tut, oder ob man ständig Versuchungen niederkämpfen muß. Verzichtleistungen, denen ein Erfolg gegenübsteht, fallen viel leichter als solche, für die man im Gegenzug keine Belohnung mehr zu erwarten hat. Eine Zeitlang halten die Disziplinierteren das vielleicht durch, aber nicht dauerhaft. Was mich vor so etwas schützt, ist, daß mir leicht fällt, was ich tue, weil ich von Anfang an nur Dinge tat, die mir leichtfielen. Ich mache das Intervallfasten jetzt seit über neun Jahren, aber ich habe in dieser ganzen Zeit noch nie (!) ein Fastenintervall vorzeitig abgebrochen, und die Situationen, in denen ich eine entsprechende Versuchung niederringen mußte, kann an den Fingern einer Hand abzählen. Am deutlichsten im Gedächtnis geblieben ist mir dabei mein Wohnungsverkauf im Herbst 2019. Als ich da die Zusage des Käufers hatte, hätte ich gerne noch am selben Tag ein bißchen gefeiert, aber dann habe ich es halt doch auf dem nächsten Tag verschoben. 

Vor Selbstvorwürfen und Vorwürfen von außen ist man mit der Abnehmspritze um einiges sicherer, weil man voraussichtlich nicht wieder zunimmt, wenn man sie weiter verwendet Interessant fände ich es aber, zu wissen, wie hoch der Anteil bei diesem Teil der Nutzer ist, also den zwanzig Prozent, die nach zwei Jahren immer noch spritzen und von denen sicherlich die meisten dauerhaft dabeibleiben wollen, bei denen das Plateau irgendwann doch wieder in eine Wiederzunahme übergeht. 

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Ein kleiner Nachklapp auch zur sogenannten "Rente mit 63", die jemand, der sie heute beantragen wollte, aber keineswegs mit 63 bekommen würde. Mich hat das nämlich etwas erstaunt, daß das im Osten der Republik ein solches Thema sein soll, daß dortige CDU-Ministerpräsidenten ihre Abschaffung gerne verhindern möchten. Tatsächlich hat der Osten nämlich ein komplett anderes Rentenproblem, und das gilt umso mehr, je mehr Jahre im erwerbsfähigen Alter ein Rentner in der Phase zwischen Mauerfall und Einführung des Mindestlohns verbracht hat. 

Vermutlich traf es diejenigen am härtesten, die zur Zeit der Maueröffnung männlich und um die 30 waren und sich nicht dazu entschließen konnten, den Osten zu verlassen. Die rutschen momentan nach und nach in die Rente. Beispiel: Wer 1958 geboren ist, der erlebte die Wiedervereinigung mit 31 Jahren, war 2024 66 Jahre alt und konnte Rente beantragen. Ausweislich der verlinkten Quelle hat so jemand im Durchschnitt einen Rentenanspruch von sage und schreibe 1271 Euro erworben. Das sind fast 200 Euro weniger, als der durchschnittliche Rentner im Osten (also der Durchschnitt aus allen Rentnern, die vor und während 2024 in Rente gegangen sind) bezieht. Eine Rente in dieser Höhe ist aber auch im Osten für eine Einzelperson in Miete nicht existenzsichernd, deshalb werden auch Rentner, die eine Rente in dieser Höhe zu erwarten haben, im Zweifelsfall wohl lieber bis zum regulären Renteneintrittsalter weiterarbeiten (sofern sie es noch können) und bis dahin noch genügend Geld verdienen. 

Dies ist die Folge von Arbeitslosigkeit im Wechsel mit Niedriglohnjobs, und letztere waren bis zur Einführung des Mindestlohns im Osten üblich. Wir reden hier von Stundenlöhnen von 5 oder 6 Euro ab der Zeit, als die Agenda 2010 beschlossen wird, und das teilweise, bis 2015 der Mindestlohn eingeführt wurde. Welche Geburtsjahrgänge die volle Breitseite von 25 Jahren Niedriglohn im Wechsel mit Arbeitslosigkeit zwischen 1990 und 2015 abbekommen haben, läßt sich ungefähr überschlagen: Die zwischen 1950 und 1970 Geborenen haben, sofern sie den Osten nicht verlassen haben, zum großen Teil ein Vierteljahrhundert lang häufig eine löchrige Erwerbsbiographie und in diesem Fall meistens nur mickrige Rentenansprüche erwerben können. Das hat die Konsequenz, daß das Problem frühestens nach 2037 nachlassen kann, und auch das nur ganz langsam. Ich sehe das an den Rentenberechnungen meines Mannes, der immerhin seit Ende 2005 im Westen erwerbstätig war, aber davor 15 Jahre lang das ganze Theater auch mitmachen mußte. Er hat, Stand dieses Jahr, noch elf Berufsjahre vor sich und laut der letzten Renteninfo eine Altersrente von knapp 1600 Euro zu erwarten. Vor zwanzig Jahren, als er noch weniger als ein Jahr hier beschäftigt war, lag die Vorausberechnung noch bei 695 Euro monatlich. Wäre er im Osten geblieben, hätte sich das bis zur Einführung des Mindestlohns nur geringfügig erhöht und wäre erst danach halbwegs vernünftig gestiegen. Vermutlich läge er dann bei der Vorausberechnung auch bei der heutigen ostdeutschen Durchschnittsrente. 

Unter den Bestandsrentnern mit den Geburtsjahrgängen zwischen 1950 und 1957 waren aber absehbar so viele zu finden, deren Rente von der Nachwendezeit erheblich negativ beeinflußt wurde, und in nachlassendem Maße im Prinzip sogar alle Jahrgänge vor 1950, die ab der Jahrtausendwende in Rente gegangen sind. Und das wiederum bedeutet, daß dies auch die Durchschnitts-Bestandsrente - im Vergleich zum Westen - negativ beeinflußt hat. Das heißt, schon der Vergleichswert, gegen den die Rentenhöhen der aktuell in Rente Gehenden so abstinken, ist zum Teil auf das Vierteljahrhundert Hungerlöhne und Arbeitsosigkeit im Osten zurückzuführen, über das merkwürdig wenig gesprochen wird, nicht einmal von der AfD. 

So weit, so unschön. Wieso aber machen die CDU-Ministerpräsidenten im Osten dann ausgerechnet dieses Faß mit der "Rente ab 63" auf? Ehrlich gesagt, ich verstehe es nicht. Die Rente mit 65 (in meinem Fall, da 1965 geboren) ist nur für diejenigen attraktiv, deren Rentenansprüche hoch genug sind, um zu wissen, man wird von den Rentenzahlungen halbwegs auskömmlich leben können. Von denen gibt es im Osten aber wahrscheinlich sehr viel weniger als im Westen, auch weil dort im Durchschnitt viel weniger Vermögen besteht, auf das man zusätzlich zur Altersrente zurückgreifen könnte. Um mit Rentenzahlungen im Osten halbwegs auskömmlich leben zu können, muß sie schon deutlich über dem Durchschnitt der aktuellen Einstiegsrenten liegen, oder man muß einen Ehepartner haben, der Einkommen oder Rente in ungefähr gleicher Höhe bezieht. 

Da liegt es doch viel näher, zu vermuten, daß im Osten viele es von vornherein vorziehen, lieber noch die zwei Jahre weiterzuarbeiten (sofern nicht gesundheitliche Probleme sie daran hindern) und in dieser Zeit erstens ein Einkommen mindestens zum heutigen Mindestlohn zu haben und zweitens diese zwei Jahre lang auch noch Rentenansprüche aus diesem Einkommen zusätzlich zu erwerben. Jemand, der von, nur zum Beispiel, 45 Berufsjahren 25 Niedriglohnjahre und 20 mit Mindestlohneinkommen hat, für den macht es bei der Rente selbstverständlich einen finanziellen Unterschied, wenn er zusätzlich noch zwei normal bezahlte Arbeitsjahre mit entsprechenden Rentenansprüchen anhängen kann, bevor er dann seinen wohlverdienten Ruhestand antritt. 

Die Frage, die ich mir stelle: Wissen das die Ost-Ministerpräsidenten ganz einfach nicht? Oder ist es ihnen bekannt und sie verfolgen mit ihrem eigenartigen Vorstoß irgendwelche anderen Ziele? Ist das vielleicht ein machtpolitischer Sabotageversuch innerhalb der Union mit dem Ziel, den Bundeskanzler zu beschädigen? In letzter Zeit war ja erstaunlich viel davon die Rede, daß Merz' Machtbasis in seiner Partei bröckelt und immer mehr in der CDU ihn gerne loswerden würden. 

Nicht, daß ich nicht selbst gut und gerne auf Friedrich Merz als Bundeskanzler verzichten könnte, dieser Mensch ist für sein Amt kommunikationsmäßig einfach nicht qualifiziert und eine Lernkurve ist bei ihm in diesem Bereich auch nicht wahrzunehmen. Aber die jetzige Bundesregierung ist möglicherweise die letzte, bevor eine AfD-Beteiligung unausweichlich wird, und man muß schon Lack gesoffen haben, um sich ihr vorzeitiges Ende zu wünschen, geschweige denn, es sehenden Auges wahrscheinlicher zu machen. Das gilt aber noch viel mehr, wenn ein Sachgrund für das Manöver sowieso nicht besteht. 

Einer von denen, die anscheinend Lack gesoffen haben, ist in Sachsen-Anhalt der CDU-Gegenkandidat der AfD. Die Leute dort sind um ihre Auswahl bei der Wahlentscheidung wirklich nicht zu beneiden.  

 

 

 

 

Dienstag, 18. August 2026

Kollateralschaden der Abnehmspritze: Das Konzept der Body Positivity

Mein Gewicht heute früh: ... Na, es hilft ja nichts: 83 Kilogramm.  

Zum Glück kann ich davon ausgehen, daß das der traurige Höhepunkt gewesen ist. So ist das halt, wenn man eine Woche gar nicht fastet und danach ein langes Fastenintervall ausläßt. Die Hitze hat bestimmt auch eine Rolle gespielt. Trotzdem, ein bißchen ratlos macht es mich schon. Nächste Woche das lange Fastenintervall wird hoffentlich alles wieder ein bißchen zurückrücken, aber danach steht ja meine Fahrt nach Tschechien an, auf der ich auch nicht faste. Und was, wenn die Low-Carb-Phase ab Oktober wie letztes Jahr wieder ein Schuß in den Ofen wird? 

Das ist alles nicht wirklich erfreulich, aber daß dieser Sommer mir noch unangenehme Überraschungen bescheren kann, war mir von dem Moment an klar, als sich die LC-Phase im Januar und Februar als ein Fall von "Außer Spesen nichts gewesen" herausstellte. Trotzdem macht es mir zu schaffen. Neun Jahre lang war mit Ausnahme einer vierwöchigen Phase während der Chemo das Schlimmste, was mir passiert ist, die eine oder andere Plateauphase. Aber im Moment möchte mein Gewicht offenbar mit einigem Nachdruck nach oben. Dazu muß ich mir irgendeine Strategie überlegen, und zwar eine, die funktioniert. Das Ärgerliche ist, daß mir die Optionen ausgegangen sind, jedenfalls, was meine gewohnte Herangehensweise betrifft. Im Grunde kann ich gerade nur darauf hoffen, daß Low Carb dieses Jahr wieder funktionieren wird, oder daß ich andernfalls eine geniale Idee entwickle, die mir auf andere Weise weiterhilft. 

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Die Sache kommt auch in anderer Hinsicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn das Konzept Body Positivity scheint out zu sein. Das kann man gut oder schlecht finden, es ist nicht nur meinem Eindruck nach so und vermutlich eine Folge der Abnehmspritze. Für eine Menge Übergewichtige, die nach oft unzähligen erfolglosen Versuchen, normalgewichtig zu werden, glaubten, sie müßten sich mit ihrem Körpergewicht abfinden und für die Body Positivity die bestmögliche Lösung war, bot die Abnehmspritze erstmals eine wirksame Herangehensweise, um das insgeheim die ganze Zeit eigentlich bevorzugte und nur für unerreichbar gehaltene Ziel doch noch in Angriff zu nehmen.  

Des einen Freud, des anderen Leid: Bodyshaming wird nunmehr angeblich wieder salonfähig, Plus Size verschwindet von den Laufstegen, stattdessen sind die Magermodels wieder zurück. Angeblich vor allem im Luxusbereich, aber mir fiel schon letztes Jahr auf, daß auch die Discounter das Angebot an Plus-Size-Kleidung in den letzten zwei, drei Jahren merklich zurückgefahren haben. Das sollte freilich niemanden zu sehr grämen, denn meinem Eindruck nach hat die Qualität der Kleidung in Discountern, die zeitweise wirklich okay war, doch ziemlich nachgelassen. Nachdem ich in den letzten zwei Jahren mit mehreren Teilen reingefallen bin, habe ich mich entschieden, im Discounter künftig nichts mehr zum Anziehen zu kaufen, auch wenn mir etwas vom Aussehen her wirklich gut gefällt. 

Ob man dem Konzept Body Positivity nachtrauern sollte? Diejenigen, denen es ihren Alltag erleichtert und psychischen Druck verringert hat, tun das natürlich. Für mich hatte es aber etwas Zwiespältiges. Einerseits ist es genau das, was ich - ohne den Begriff zu kennen - zwanzig Jahre lang selbst praktiziert habe, aber es hat auch meine Reaktion verlangsamt, als ich mich einfach nicht mehr wohlfühlen konnte, weil mein Gewicht anfing, mich im Alltag zu behindern. Ich glaube es den wenigsten, die diesen Punkt erreichen und sich zu Body Positivity bekennen, daß sie wirklich so sind, wie sie gerne sein möchten. Seit es die Abnehmspritze gibt, sieht man, daß eine Menge angebliche Enthusiasten des Konzepts ohne langes Zögern desertiert sind, und das wundert mich nicht. Als meine Methode wirklich funktioniert hat, mußte ich ja auch nicht lange überlegen. 

Daß Ricarda Lang, die ebenfalls den Konzept der Body Positivity zu huldigen behauptete, nunmehr stolz darauf ist, 40 Kilogramm abgenommen zu haben, wundert mich also auch nicht. Angeblich gelang ihr das sogar ohne Hilfe der Abnehmspritze, was mich ebenfalls nicht wundert, falls es denn wahr sein sollte, denn hohes Übergewicht macht bei den meisten, die es ernsthaft versuchen und diszipliniert drannbleiben, hohe Abnahmen möglich. Ricarda Lang hatte, als sie nach dem Scheitern der Ampel und dem Ausscheiden als Grünen-Vorsitzende private Dinge anders priorisieren konnte, außerdem gute Voraussetzungen dafür, mit so einem Projekt erfolgreich zu sein, weil sie ihren Alltag sowieso neu ordnen mußte, und das ist günstig für ein solches Vorhaben. 

Das Problem besteht sowieso nicht in der Abnahme, sondern darin, sie anschließend zu halten. 

Ricarda Lang dürfte sich dem Punkt nähern, an dem das mit dem Weiterabnehmen bzw. Gewichthalten bei den meisten schwieriger wird. Genaugenommen wäre sie theoretisch sogar schon über diesen Punkt hinaus, ich tippe aber darauf, daß sie erst zeitverzögert damit begonnen hat, auch Sport zu treiben. Das verlängert das Zeitfenster, in dem alles gut funktioniert, um etliche Monate. Bei Nadja Hermanns Abnahme spielte eine solche Zeitverzögerung mit dem Beginn des Sporttreibens höchstwahrscheinlich auch eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Sie hat erst nach knapp zwei Jahren in ihrem damals noch öffentlichen Blog von ihren damals gerade einsetzenden Problemen, das Gewicht zu halten, geschrieben. Sie nahm an, sie hätte ihren Kalorienbedarf überschätzt, und wollte auf Basis dieser Annahme gegensteuern. Was dann weiter geschah, weiß ich nicht, weil ihr Blog in "privat" umgewandelt worden war, als ich das nächste Mal einen Blick darauf werfen wollte. Das wird irgendwann im Lauf des Jahres 2018 gewesen sein, aber genau sagen kann ich es nicht mehr. 

Es würde mich echt mal interessieren, wie es Nadja Hermann heute, zehn Jahre nach dem Erscheinen ihres Buches "Fettlogik überwinden" und elf Jahre nach dem Start ihrer Radikaldiät, geht. Falls es ihr wirklich gelungen sein sollte, ohne die Hilfe von Abnehmspritzen oder bariatrischer Chirurgie ihe Gewicht bis heute zu halten, dann sollte Ricarda Lang das eigentlich auch hinkriegen können. Daß ich gerne wissen würde, wie es mit Frau Dr. Hermann weiterging, ist mehr als bloße voyeuristische Neugier. Ich finde immer noch, daß eine Bestsellerautorin, die einen Haufen Geld mit einem Buch über ihre Gewichtsabnahme verdient hat, der Öffentlichkeit eigentlich eine Erfolgs- oder Mißerfolgsdarstellung einschließlich einer Gewichtskurve der letzten zehn Jahre schuldig wäre, denn immerhin hat sie damit ja andere dazu ermutigt, mit demselben Mindset an eine solche Sache heranzugehen. Dabei ging sie davon aus, daß man mit einem Kalorienüberschuß zunimmt, mit einem Defizit abnimmt und sein Gewicht halten kann, wenn man die dafür korrekte Kalorienmenge bestimmt hat. Daß diese Annahme richtig war, könnte sie aber nur überzeugend belegen, wenn sie in einem "Zehn Jahre danach"-Buch nachweisen kann, daß sie zehn Jahre lang so vorgegangen ist und im Großen und Ganzen damit erfolgreich ihr Gewicht gehalten hat. 

Da ich ihre Annahme für falsch halte, bezweifle ich, daß es auf diese Weise funktioniert hat. Und falls es nicht - oder jedenfalls nicht auf diese Weise - geklappt hat, bin ich der Meinung, sie wäre es ihren Lesern eigentlich schuldig, zu beschreiben, was stattdessen passiert und wie sie damit umgegangen ist. 

Joschka Fischers Bestseller "Mein langer Lauf zu mir selbst" relativierte sich von alleine, weil jeder öffentlich besichtigen konnte, wie sich Joschka Fischers Körpergewicht im Anschluß an das Buch veränderte. So sieht er heute aus. Nadja Hermann schrieb unter einem Pseudonym und hat sich, obwohl sie mit ihren Comics sporadisch immer noch auf Facebook aufgetaucht ist, über ihr Gewicht seit dem Schließen ihres Blogs nie wieder irgendwo öffentlich geäußert. Das könnte ich als privatsphärenbewußter Mensch respektieren, wenn es nicht um die Frage ginge, daß Frau Hermann nach wie vor Geld damit verdient, daß Leute ihre Empfehlungen lesen wollen, um sie anwenden zu können. Sollte sie selbst inzwischen die Erfahrung gemacht haben, daß es auf längere Sicht so doch nicht funktioniert, wäre es nicht gerade fair von ihr ihren Jüngern gegenüber, ihnen dies zu verschweigen.

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Mit der Abnehmspritze geht das mit dem Abnehmen wie auch dem Gewichthalten, so viel muß man zugeben, erheblich leichter, wenn man nur bereit ist, sich mit Nebenwirkungen abzufinden und sich darauf gefaßt macht und es sich außerdem auch leisten kann, die Spritze dauerhaft weiterzunutzen. Zu Risiken und Nebenwirkungen frage man besser nicht seinen Arzt oder Apotheker, sondern mache sich auf mögliche Überraschungen gefaßt, denn Arzt wie Apotheker bewegen sich mit ihren Einschätzungen immer noch auf sehr unsicherem Terrain. Die Abnehmspritze gibt es einfach noch nicht lange genug, um Risiken auf längere Sicht seriös einschätzen zu können.   

150 Todesfälle und mehrere tausend schwere Nebenwirkungs-Fälle in Großbritannien (davon ein Fünftel im psychiatrischen Bereich), so wird neuerdings berichtet, stehen im Verdacht, durch Abnehmspritzen ausgelöst worden zu sein. So kann man das auch auf Deutsch neuerdings nachlesen. Es handelt sich um Meldungen über das "Yellow Card"-System an die Gesundheitsbehörde, das heißt, ein Zusammenhang mit Abnehmspritzen ist weder gesichert, noch muß der gemeldete Verdacht auch wirklich berechtigt sein. Trotzdem erinnert mich die Sache fatal an die Raucherentwöhnung mit Champix/Chantix, weil dabei ein Großteil der Nebenwirkungen psychiatrisch war. Champix hatte ja das Problem, daß es wirksamer als andere Raucherentwöhnungsmittel die Lust aufs Rauchen nehmen konnte, aber dies bei einem Teil der Patienten anscheinend gleichzeitig auch die Lust aufs Leben nahm und außerdem manchmal nicht nur zu unkontrollierbaren Aggressionen gegen sich selbst, sondern auch gegen andere führen konnte. 

Die Gemeinsamkeit zwischen Vareniclin, dem Wirkstoff von Champix,und Semaglutid und Konsorten als Wirkstoffe in den Abnehmspritzen besteht darin, daß ihre Wirkung neurologisch bedingt ist, indem auf die jeweils einschlägigen Rezeptoren Einfluß ausgeübt wird. So, wie Champix die Lust aufs Rauchen nimmt, nehmen die GLP1-Agonisten die Lust aufs Essen - Ernährung ist dann eben noch Nahrungsaufnahme, mehr nicht. Aber in beiden Fällen weiß man nicht allzu viel darüber, was genau mit der Einflußnahme auf die Rezeptoren noch alles mitbeeinflußt wird und welche unerwünschten Folgen das haben kann. Ob der in UK nun entdeckte mögliche Zusammenhang etwas damit zu tun hat oder nicht, kann man im Moment freilich noch nicht sagen, das sei zugestanden, auch wenn ich bei diesem Wirkstoff von Beginn an mißtrauisch gewesen bin. Aber das betraf noch mehr als diese Frage die Langzeitwirkungen, denn die kann man bei einem neuen Medikament natürlich erst mit einem größeren zeitlichen Abstand herausfinden. Ich wäre eingestandenermaßen aber nicht überrascht, wenn die GLP-1-Agonisten bei manchen Leuen auch ungute Wirkungen auf die Psyche haben könnten.  

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Sachsen-Anhalt wählt in vier Wochen, und daß die AfD mehr als 40 Prozent der Wählerstimmen bekommen wird, scheint mittlerweile ziemlich sicher, denn seit Mai hatte sie niemals niedrigere Stimmenanteile in den Umfragen. Worauf es aber fast noch mehr ankommt, das sind die Parteien, die um die Fünfprozenthürde herumkrebsen und mal knapp darüber und mal knapp darunter liegen. 

In der neuesten Umfrage vom 12.8. verzeichnet die AfD einen neuen Rekordwert von 43 Prozent der Wählerstimmen. Wäre dies das Ergebnis auch am Wahltag, könnte sie trotzdem auf der Oppositionsbank landen, denn CDU, SPD, Grüne und Linkspartei hätten zusammen 48 Prozent der Stimmen - sie müßten sich halt als gute Demokraten einig werden, daß ihnen gar nichts anderes übrigbleibt, als sich zusammenzuraufen. Aber Voraussetzung dafür ist, daß die Rinderwahnpartei wirklich an der Fünfprozenthürde scheitert. In der Umfrage davor wäre das nicht der Fall gewesen, sie wäre in den Landtag eingezogen und hätte zusammen mit der AfD 47 Prozent vs. 41 Prozent von CDU, SPD und Linkspartei gehabt. Die Grünen waren es in dieser Umfrage, die unter 5 Prozent geblieben wären. Angenommen, sowohl BSW als auch Grüne wären mit 5 Prozent drinnen und ansonsten entspräche alles der jüngsten Umfrage, dann gäbe es ein Patt zwischen einem AfD-BSW-Bündnis auf der einen und CDU, SPD, Grünen und Linkspartei auf der anderen Seite. Dasselbe Patt, nur mit niedrigerer Wählerzustimmung, ergäbe sich, wenn sowohl Grüne als auch BSW mit 4 Prozent an der Hürde scheitern würden. Dann stünde es 43 gegen 43. 

Kurz, die Partei, die es keinesfalls in den Landtag schaffen darf, ist das BSW. Dummerweise spricht viel dafür, daß sie es schaffen wird, falls sie es geschickt anstellt und die Medien so tölpelhaft berichten wie damals bei der Piratenpartei, die in zwei Wochen bis zur Wahl die Prognose, die sie da noch knapp unter der Fünfprozenthürde sah, verdoppeln konnte. Im Moment hat man freilich nicht den Eindruck, daß die AfD sonderlich scharf darauf wäre, das BSW als Königsmacher zu benötigen - vielleicht sorgt das am Ende ja doch noch dafür, daß der BSW nicht in den Landtag einzieht. Ich wäre echt nicht böse darüber. 

Irgendwer, ich glaube, es war Anne Rabe, sprach von einer Aufbruchstimmung unter den AfD-Wählern im Osten. Das seien keine Verzweifelnden, die ihrem Protest Ausdruck verleihen würden, sondern Leute, die von deren Programm überzeugt seien. Ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Ich halte das für eine Fehlinterpretation, und falls ich damit richtig liegen sollte, werden wahrscheinlich eine Menge Wähler kein Problem damit haben, zum BSW zu switchen, wenn das der AfD nützt, auch wenn das dazu führt, daß der Juniorpartner BSW - und eine solche Koalition ist dann sehr wahrscheinlich - samt seinem Wahlprogramm ein höheres Gewicht innerhalb der Koalition hat, als er es andernfalls hätte. In diesem Fall geht es den AfD-Wählern primär darum, die von ihnen so genannten "Systemparteien" abzuwählen, und wichtig ist ihnen vor allem, dies zu erreichen. Aber falls den Wählern wirklich das AfD-Programm inhaltlich wichtig sein sollte, werden sie überwiegend keine andere Partei wählen wollen. Noch kann niemand seriös voraussagen, ob es bedeutendere Wählerwanderungen von AfD zu BSW geben wird. Aber je höher sie ausfallen, desto sicherer kann man sagen, daß die AfD-Wähler sie nicht wegen ihreres Programms wählen. 

Viel schlauer als die AfD ist die CDU in Sachsen-Anhalt allerdings auch nicht, denn sie hält es (noch) für völlig undenkbar, mit der Linkspartei in irgendeiner Form zusammenzuarbeiten, ganz schweigen davon, eine Koalition mit ihr einzugehen. Das ist Selbstmord aus Angst vor dem Tod, denn die CDU hat nicht den Hauch einer Chance, die Regierung anzuführen, es sei denn, sie akzeptiert ALLE anderen demokratischen Parteien als Partner. Idealerweise müßte sogar die FDP mit dabei sein, was allerdings aus sich selbst heraus ziemlich problematisch ist, auch wenn Christian Lindner inzwischen Geschichte ist. 

Im Moment sieht es in Sachsen-Anhalt leider danach aus, als ob die AfD am Wahltag nicht nur die meisten Stimmen bekommen wird, sondern vermutlich auch imstande sein wird, die Regierung zu bilden. So weit hätte das aber nicht kommen müssen. Seit Juni 2025 hat sie mehr als zehn Prozentpunkte bei den Umfragen hinzugewonnen, und in der CDU braucht niemand so zu tun, als hätte das überhaupt nichts mit ihrer Bundespolitik zu tun, die ja in weiten Teilen durch die Partei und alle möglichen Experten so begeistert von kropfunnötigen Publikumsbeschimpfungen begleitet wurde. Wozu sollen Brandmauern denn gut sein, wenn man sie regelmäßig mit Benzin übergießt?

Hatte ich jemals erwähnt, daß ich den Begriff der Brandmauer von Anfang an für verfehlt gehalten habe? Er drückt das Falsche aus, nämlich daß die Nicht-AfD-Parteienlandschaft sich selbst insgeheim für so anfällig für die Ideologie der AfD halten, daß sie eine Brandmauer benötigen, um zu verhindern, daß AfD-Gedankengut auch auf sie selbst übergreift. Wenn das aber so ist, dann stimmt an den derzeit vertretenen Inhalten dieser Parteien das eine oder andere nicht. Umgekehrt ist an denen der AfD das eine oder andere mehrheitsfähiger, als es uns lieb sein sollte, und deshalb eine Versuchung auch für eigentlich anständige Demokraten. Angenommen das wäre so, ist das Brandmauer-Gerede die ganze Zeit nur Pfeifen im dunklen Wald gewesen. Versuchungen haben es aber an sich, daß man ihnen früher oder später doch unterliegt. 

Etwas ähnliches ist anscheinend mit dem Klimabewußtsein passiert, denn warum sonst sollte die ZEIT ihren Lesern diese sonderbare Frage stellen?

 

Ich fühle mich eigentlich gar nicht mitgemeint. Erstens bin ich kein regelmäßiger ZEIT-Leser mehr, und zweitens war mein Lebensstil noch nie klimabewußt, auch wenn meine letzte Flugreise vor 19 Jahren gewesen ist und ich Kreuzfahrtreisen eher abschreckend finde und überhaupt keinen Grund wüßte, für so etwas Geld auszugeben. Ein Auto habe ich deshalb nie besessen, weil ich den Zusatznutzen nicht groß genug im Verhältnis zu den Zusatzkosten finde - was natürlich auch damit zu tun hat, daß mein Lebensstil seit Jahrzehnten an den Nichtbesitz eines Autos angepaßt ist. Ich hätte zum Beispiel nie im Leben dieses Haus gekauft, egal wie schön ich es finde, wenn ich hier keine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel vorgefunden hätte. 

Aber wenn ich das nicht aus Klimabewußtsein mache, zählt es ja irgendwie nicht. ;-)

Dazu, was mit dem klimabewußten Lebensstil passiert ist, habe ich allerdings eine Theorie. Die Medien, das wird ja auch vielfach angeprangert, berichten immer weniger über das Klima-Thema. Die Leute verhalten sich weniger klimabewußt, weil dies so ist. Sie hatten zuvor, als man täglich mit Ermahnungen überschüttet wurde, versucht, sich dem, was offensichtlich von ihnen erwartet wurde, anzupassen. Aber eigentlich hätten sie die ganze Zeit über viel lieber etwas anderes getan und haben sich das nur nicht getraut. Jetzt trauen sie sich wieder, und zwar deshalb, weil sie nicht mehr täglich verbal für das, was sie in Wirklichkeit tun wollen, Höllenstrafen angedroht bekommen. 

Die ZEIT, die uns nun in so gekränktem Ton fragt, warum wir nicht mehr tun, was sie zu wollen behauptet, hat das also selbst miterverursacht. Das liegt an der inneren Logik ihrer Betätigung. Ob die sinnvoll ist oder nicht, darüber läßt sich diskutieren, aber wir dürfen gerne das Konzept, das hinter der Propaganda für einen klimabewußten Lebensstil steckte, für gescheitert erklären. Denn so etwas funktioniert immer nur wenn und solange man den Druck dauerhaft auf sehr hohem Level hält. Sobald man nachläßt, läßt auch die Wirkung nach. Man hätte von vornherein wissen können, daß so etwas passieren würde, weil es passieren mußte. Die Medien konnten ja gar nicht anders, als ihre Hauptaufmerksamkeit Corona, der Ukraine, den leeren Gasspeichern und so weiter zuzuwenden, als dies die jeweils gerade unmittelbarste Bedrohung wurde. Da kann man sich noch so sehr darüber entsetzen, daß doch auf längere Sicht gesehen der Klimawandel noch viel schlimmer sei, wie schon John Maynard Keynes feststellte: Auf längere Sicht gesehen sind wir alle tot. Daß manche Leute, wenn man nicht heizen kann, trotz der Klimaerwärmung im Winter erfrieren werden, kann, falls wir Pech haben, schon im nächsten Winter passieren. Zum Glück werden mein Mann und ich im nächsten Winter nicht mehr vorranging auf Gas angewiesen sein. Aber im Interesse meiner Mieter hoffe ich, daß der nächste Winter so mild wird, daß die üblichen Verdächtigen darüber zu jammern haben werden, weil daran ja nur der Klimawandel schuld sein kann. Im Winter darauf kann es dann gerne wieder kalt werden. 

Die Frage erinnerte mich immerhin daran, daß ich vor Jahren einmal meinen CO2-Fußabdruck online errechnet hatte, aber ich hatte die Werte nicht mehr so genau im Kopf. Das war außerdem noch in der alten Wohnung. Also nahm ich mir die Berechnung noch einmal vor. 

So also sieht die Sache im Moment nach dem Rechner des Umweltbundeamts aus: 

 

Mit den Angaben unter "Sonstiger Konsum" bin ich allerdings nicht einverstanden, denn er wurde pauschal auf Basis unseres Einkommens errechnet in der Annahme, daß wir mit diesem Geld ja schließlich irgendwas tun müssen. Tatsächlich wurde aber mindestens die Hälfte dieses Geldes bislang auf dem Konto einfach liegengelassen. Zum einen, weil ich es mir als Selbständige und als Vermieterin nicht leisten kann, meine Rücklage so niedrig zu belassen, wie sie es nach unserem Umzug und all den damit verbundenen Kosten nun einmal gewesen ist. Es kann ja immer mal eine Auftragsflaute geben, und es können unerwartete Ausgaben in einer vermieteten Wohnung entstehen. Ich brauche mindestens 20.000 Euro schnell verfügbare Rücklage auf dem Tagesgeldkonto. Dafür muß man aber 15.000 Euro, die man eingenommen hat, nicht ausgeben, wenn die vorhandene Rücklage bis auf 5000 Euro abgeschmolzen wurde. 

Zum zweiten aber, weil sich die Split-Klimaanlage und das Balkonkraftwerk ja auch nicht von alleine bezahlen. Auch dafür haben wir Geld auf dem Konto gelassen. 

Halbiere ich in der Vorlage unser Einkommen, um das tatsächliche Konsumverhalten besser abzubilden, kommt folgendes Ergebnis heraus: 

 

 

Das sieht schon realistischer aus, auch wenn die pauschalen Annahmen nicht nur bei Sonstiges ziemlich, nun ja, unterkomplex sind und nicht zwangsläufig unsere tatsächlichen Verbräuche abbilden. Wieviel Strom wir verbrauchen, wurde ja überhaupt nicht erfragt, nur die Heizung. Offenbar wurde auch da ein Pauschalverbrauch angenommen.

Noch nicht eingerechnet sind in der Berechnung: 

  • Stromverbrauch der Klimaanlage beim Kühlen (läuft ja erst seit Anfang des Monats)
  • Stromverbrauch der Klimaanlage beim Heizen (den weiß ich erst, wenn die Heizperiode einsetzt)
  • Einsparung beim Gasverbrauch durch Klimaanlage in der Heizperiode
  • Stromerzeugung durch das Balkonkraftwerk (da im Moment noch nicht vorhanden) 

Im Bereich Wohnen schlägt außerdem zu Buche, daß wir noch ein Weilchen brauchen werden, bis die Einrichtung unseres Hauses komplett abgeschlossen ist.  

Daß unsere CO2-Bilanz trotzdem schon jetzt so deutlich unterdurchschnittlich ausfällt, liegt vor allem am Punkt Mobilität. Kein Auto, keine Flugreisen und all so Gedöns. Aber, wie gesagt, nichts von dem, was wir machen, beruht auf  Klimabewußtsein, sondern wir führen das Leben, das wir genauso führen würden, wenn das Klima kein Thema wäre, weil es das Leben ist, das wir führen möchten. Weniger oder kein Fleisch zu essen, ist eine Sache, der wir uns rundheraus verweigern würden, wenn es von uns verlangt würde, weil das nicht dem Leben entspricht, das wir führen möchten. Egal, wie oft und intensiv mir die Medien darüber die Ohren vollheulen, damit entlocken sie mir sowieso nur ein genervtes Augenverdrehen. 

Ein Verhalten, das die Leute nicht mögen, kann man ihnen mehrheitlich allenfalls - und selten wirklich gut - durch dauerhaften Druck abringen. Das geht praktisch immer auf Dauer schief, siehe oben, und neben der relativ kleinen Minderheit, die sich dem aktiv und ausdrücklich verweigert - so, wie ich oder der durchschnittliche AfD-Wähler - muß man damit rechnen, daß es viele Lippenbekenntnisse gibt, die nicht zu entsprechenden Taten führen. Das ist dann möglicherweise noch nicht einmal mehr eine Minderheit, sondern kann die Mehrheit betreffen. 

Gescheiter fände ich es, sich mit der Frage zu befassen, was diejenigen, die ein Leben führen, das ganz nebenbei noch klimafreundlicher ist, dazu verlockt, dies aus eigenem Antrieb zu tun.Und dasselbe gilt auch für die Frage, warum sich der Anteil der AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt seit der letzten Wahl verdoppelt hat und es so schwierig geworden ist, an ihr nach der nächsten Wahl bei der Regierungsbildung noch vorbeizukommen. Irgendwas wollen sie damit erreichen, und ich bezweifle ernsthaft, daß es sich dabei um das AfD-Parteiprogramm handelt. 

Dazu fällt mir ein Gespräch mit einer Händlerin am Wochenmarkt ein. Von der weiß ich, daß sie tendenziell eher zum "Rechtsdrehen" neigt und nicht nur zum Klimathema allerhand merkwürdige Dinge zum Besten gibt, wenn sich dafür eine Gelegenheit bietet - was ich für gewöhnlich zu vermeiden versuche. Irgendwie kamen wir aber auf die Split-Anlage und das Balkonkraftwerk und dadurch kamen wir irgendwie auch auf die Vergütung des Stroms bei Netzeinspeisung, über deren Senkung sie sich empörte. Ich sagte ihr, wenn ich Strom erzeuge, dann möchte ich den doch selbst verbrauchen. Genauso, wie ich Gurken im Garten ja nicht verkaufen, sondern selbst essen will. Warum sollte ich mich dann aber dafür interessieren, wieviel andere mir für diese Gurken bezahlen würden? Deshalb sei für mich die Förderung von Solarstrom nie ein ernsthafter Anreiz gewesen, um mir so eine Anlage zuzulegen. Erst als Speicher für den selbsterzeugten Strom erschwinglich wurden, wurde die Sache für mich interessant. Mein Ziel bestehe darin, so wenig Strom wie möglich ins Netz einzuspeisen, weil ich meinem Netzbetreiber im Grunde keine einzige Kilowattstunde von diesem Strom gönne. Die Frau sah mich an, als wäre in ihrem Kopf gerade ein ganzer Hagel an Groschen heruntergeprasselt. Dieser Gedanke war ihr noch nie gekommen. Und sie fand ihn einleuchtend. 

Die Förderungen zielen irgendwie auf die falschen Instinkte der Leute ab, Instinkte, die ich aus irgendwelchen Gründen nicht habe, denn obwohl ich nichts dagegen habe, Fördergelder mitzunehmen, wo sie mir geboten werden, sind sie für mich nicht die Basis meiner Entscheidung. Womöglich ist es ja gar nicht so schlecht, wenn das reduziert wird. Dann werden die Leute nicht mehr von den Dollarzeichen in ihren Augen geblendet und können sich mit der Frage befassen, ob die Sache für sie bei Eigennutzung einen Nutzen hat, der von der Förderung unabhängig ist. Spoiler: Ja, es hat einen. 

Was könnte man dann wohl über die AfD sagen, das eine ähnlich überzeugende Wirkung hätte - ohne irgendwelches Moraldgedöns, das solche Leute sowieso nicht interessiert? Einmal - das hatte ich irgendwann schon mal erwähnt -, sagte ich einem AfD-Fan, Trump und Musk unterstützten die AfD, und wer das, was in den USA unter Trump gerade abläuft, nicht so toll findet, der sollte vielleicht nicht gerade AfD wählen, wenn er das nicht bei uns auch bekommen will. Ob es die Wirkung hatte, daß der AfD-Fan dann sein Kreuzchen doch nicht dort gemacht hat, weiß ich allerdings nicht. Sicher bin ich mir aber, daß es um keine "harten" Faktoren geht, bei denen es um finanzielle Vor- und Nachteile geht. Die AfD ist vor allem für Leute attraktiv, die den gesamten Politikbetrieb als eine einzige große Kränkung erleben, also gewissermaßen für das ständig von Politiker und Experten beschimpfte Publikum. 

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 Aus der Reihe "Perditax' Tier- und Pflanzenleben":  

Sage und schreibe 18 Tage hat es gedauert, bis ich das letzte junge Mäuschen aus der Population, die sich unter dem Dach bei uns breitgemacht hat, zum Fluß tragen konnte. Das müssen zwei Würfe gewesen sein, von denen einer später als der andere war, anders kann ich es mir nicht erklären, daß auch das letzte Mäuschen noch so winzig war wie die Maus Nr. 1 17 Tage vorher. Immerhin werden Waldmäuse nur drei Wochen lang gesäugt und werden danach rasch selbständig. Schon nach drei Monaten sind sie geschlechtsreif. 

Zwei der Mäuse - beide gingen in den allerersten Tagen nach meiner Rückkehr von meiner Mutter in die Falle - waren eindeutig erwachsen. Zwei Mütter oder eine Mutti und ein Vati? Keine Ahnung. Jedenfalls waren es außerdem noch sage und schreibe 16 Jungmäuse. Die ersten ließ ich im Garten frei, aber weil es so gar nicht enden wollte, war ich mir irgendwann nicht mehr sicher, ob ich schon Wiederholungstäter haben könnte, und brachte die letzten drei oder vier wie die Erwachsenen zum Flußufer. Ich hoffe, es geht ihnen dort auch gut. 

Im Garten sehen wir immer noch viele Mäuse, oft sogar live, wenn wir auf der Terrasse essen. Meistens beim Abendessen, aber manchmal huscht auch untertags ein Mäuschen herum. Aber im Garten stört das nicht. Gespannt bin ich freilich, ob das Mauseloch direkt an der Kartoffelpflanze bedeuten wird, daß ich mir bei speziell dieser Pflanze keine zu großen Erwartungen machen sollte, wenn ich die Kartoffeln ausbuddle. Angesichts der Hitze sind meine Erwartungen an die Kartoffelpflanzen vorne bei der Terrasse sowieso niedrig. Mit einer Ausnahme sind alle schon welk, aber mit dem Buddeln warte ich noch, bis auch die letzte keine Lust mehr hat. Die Kartoffelpflanzen im hinteren Teil des Gartens dagegen wirken noch sehr lebensfreudig, was vermutlich zum einen etwas mit dem Standort zu tun hat - schon letztes Jahr liebten alle Pflanzen diesen hinteren Gartenteil besonders. Zum zweiten werden die dortigen Pflanzen mit Hilfe eines Perlschlauchs gewässert. Das war ein Experiment, das sehr überzeugend verlaufen ist. Nächstes Jahr wollen wir das auf den ganzen Garten ausdehnen. 

Aktuell ernten wir nach wie vor Zucchini und Gurken, neu hinzugekommen sind seit letzter Woche Tomaten und seit gestern grüne Bohnen. 

Unsere Mäuse sehen wir auch auf unserer Außenkamera, die wir kürzlich erst auf unseren Springbrunnen gerichtet haben, um zu sehen, ob die Vögel ihn zum Trinken und Baden nutzen. Das tun sie, und wie! Vor allem die Amseln gönnen sich morgens, meistens so gegen acht Uhr, ausgiebige Vollbäder. Vier Amseln sind es insgesamt, und ich meine, drei davon sind die Jungtiere von diesem Jahr, die vierte Amsel kommt mir aber ausgewachsen vor, weil ihr Schwanz länger ist. Die Meisen baden manchmal auch, aber längst nicht so häufig. Sie kommen eher zum Trinken. 

In der Nacht sind zwar keine Vögel da, aber ansonsten steppt auf unserer Terrasse buchstäblich der Bär. Letzte Nacht latschte nämlich ein wohlgenährter Waschbär ganz gemütlich durch unsere Radieschen. Kein Wunder, daß die nie etwas werden! Wir hatten zwar geahnt, daß auch wir Waschbärbesuch haben könnten, weil alle Welt sich hier über die Viecher beschwert, aber gesehen haben wir ihn zum ersten Mal. Er hatte einen auffallend kurzen Schwanz, deshalb haben wir ihn Oskar getauft. Als wir vor vielen Jahren immer die Zoogeschichten auf ARD aufgenommen hatten, um sie abends als Betthupferl anzuschauen, kam nämlich in ein paar Folgen auch ein Waschbär namens Oskar vor, der unter seinen Artgenossen zum Mobbingopfer wurde und wegen ihrer Aggressionen auch ein Stück seines Schwanzes einbüßte. Noch betrachte ich unseren Oskar Nr. 2 nicht als Ärgernis, und falls er sich benimmt, muß sich daran von mir aus auch nichts ändern und er ist mir weiterhin willkommen. 

Noch mehr gefreut habe ich mich aber über den - ebenfalls sehr wohlgenährten - Igel, der ganz manierlich an den Radieschen vorbeizottelte, im Boden einen Engerling oder dergleichen fand und sich einverleibte, und dann in Richtung Holzstapel verschwand. Dort muß er sich länger aufgehalten haben, denn immer wieder löste er den Bewegungsmelder der Beleuchtung aus. Gut, daß mein Mann nicht den kompletten Holzstapel in der Feuerschale in Rauch aufgehen gelassen hat, wie er das anfangs vorhatte. Jetzt braucht er sich das nicht mehr einfallen lassen, denn das Zuhauses unseres Igels werde ich notfalls bis zum letzten Blutstropfen verteidigen. Genauso, wie ich ihn daran gehindert habe, die lose verlegten Treppenstufen vor unserem Gartentor durch etwas Solideres zu ersetzen, nachdem ich entdeckt hatte, daß da drunter Eidechsen wohnen. 

Ansonsten sehen wir auch in den Videos aus der Nacht immer wieder Mäuse und gelegentlich auch die Nachbarskatze. Auf unserer Terrasse ist echt was los.