Montag, 29. Juni 2026

Selbstermächtigung zur Altersteilzeit oder Rente mit 65?

Mein Gewicht heute früh zum Beginn des viertägigen Fastenintervalls: 79,9 Kilogramm. Mehr, als ich gerne gehabt hätte, aber im Rahmen dessen, was ich erwarten mußte. Da die große Hitzewelle jetzt vorbei ist, nehme ich an, daß ich immerhin die paar hundert hitzebedingte Gramm zusätzlich verlieren werde. Und erstaunt stelle ich fest, daß es mit 3,5 Monaten gar nicht mehr so wahnsinnig lange bis zu meiner nächsten Low-Carb-Phase ist. Wollen wir hoffen, daß das dieses Jahr nicht wieder ein Fall von "Außer Spesen nichts gewesen" sein wird.  Immerhin, es hat den Anschein, als hätte sich seit meiner Dulcolax-Notbremse meine Verdauung von alleine halbwegs normalisiert. Deswegen habe ich einstweilen auch mit den Flohsamenschalen nicht weitergemacht, sondern beobachte und werde ggf. wieder damit anfangen, wenn die Sache erneut problematisch zu werden droht. Ob die normalisierte Verdauung aber auch einen Einfluß auf meine Körpergewichtsentwicklung hat und Low Carb wieder die gewohnte Wirkung haben wird, kann ich im Moment noch nicht einschätzen. 

Möglicherweise liegt es ja an unserem jetzigen Wohnort im Dorf statt in der Innenstadt, aber ich fand die aktuelle Hitzewelle eigentlich weniger schlimm, als es die Berichterstattung nahelegen würde. Für mich fühlte es sich nicht anders an als in früheren Hitzephasen auch, wenn ich zum Einkaufen oder aus sonstigen Gründen unterwegs war. Es war ja bis zum Samstag eine trockene Hitze, damit komme ich gut klar. Mein subjektiv empfunden heißester Sommer meines Lebens bleibt einstweilen der des Jahres 2003, aber da wog ich 25 Kilo mehr als heute, und das macht natürlich auch einen Unterschied. 

Die Vögel im Garten fanden das Wetter erheblich unangenehmer. Wir haben mehrere Vogeltränken an strategischen Plätzen aufgestellt, die lebhaft genutzt wurden. Mein Mann hat am Wochenende, als er mit dem Wasserschlauch im Garten war, um unsere Pflanzen zu wässern, von unserem Haus-und-Hof-Amselhahn eine Art Liebeserklärung bekommen. Herr Amsel war ihm nämlich durch den halben Garten gefolgt, und so hängte mein Mann zum Schluß den Schlauch über die Teppichstange und ließ das Wasser noch in einem dünnen Rinnsal weiterlaufen. Herr Amsel begab sich auf der Stelle unter das Rinnsal und nahm eine ausgiebige Dusche. Anschließend setzte er sich auf unsere Pflanzkästen mit den Radieschen direkt neben meinen Mann auf die Terrasse (keine zwanzig Zentimeter von ihm entfernt) und blieb dort ein Weilchen bei ihm sitzen. Mein Mann meint, er wollte damit seine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, und war sehr gerührt. Er sprach sogar davon, für seinen neuen allerbesten Freund einen solarbetriebenen Springbrunnen zu kaufen, aber davon ist er wieder abgekommen, weil sich das Wasser darin gerade an heißen Tagen wohl so sehr erwärmt, daß das für Vögel in Wirklichkeit gar nicht so toll ist. Bleiben wir also bei den Vogeltränken. 

Meine Geheimwaffe für einen erholsamen Nachtschlaf in sogenannten Tropennächten lautet: Alle Fenster und Zimmertüren aufreißen, denn schon der leiseste Durchzug hilft ein bißchen. Und vor dem Schlafengehen einmal kurz kalt abduschen und dann nicht abtrocknen, sondern im Bett am Körper trocknen lassen. Das hat mir über die gesamte Hitzewelle gut hinweggeholfen, nur gestern abend mußte ich es noch einmal wiederholen, weil ich zu früh geduscht und anschließend noch ein Stündchen gelesen hatte, und dann fing ich doch wieder an zu schwitzen. Eine zweite Dusche, nach der ich dann gleich schlafen gegangen bin, löste das Problem, obwohl die letzte Nacht noch ein paar Grad wärmer als die Nächte davor und die meiste Zeit komplett windstill war. Ich bin während der Hitzephase morgens nur ein einziges Mal verschwitzt aufgewacht, und das war, als ich am Sonntag zwei Stunden länger als gewohnt geschlafen hatte. Da waren die Raumtemperaturen bereits so angestiegen, daß es mich auch im Schlaf ins Schwitzen gebracht hat. 

Mein Mann dachte lange, bei ihm wirke meine Methode nicht, aber dann stellte sich heraus, daß er sich nach dem Duschen immer säuberlich abgetrocknet hatte. Als er das wegließ, klappte es bei ihm genauso. Bekanntlich glaube ich an Ursachen und Wirkungen. Wenn also diese Sache bei zwei Personen diese Wirkung hat, muß es dafür auch eine Ursache geben, auch wenn ich sie zugegebenermaßen nicht kenne. Überzeugende Erklärungen von Leuten, die zu wissen glauben, auf welchen Mechanismen das beruht, also gerne in den Kommentaren. :-)

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Bluesky spülte mir dieses Beispiel wissenschaftlicher Arroganz und Selbstüberschätzung in die Timeline:  

 

Ein Wissenschaftler, der eine solche Einlassung mit "Scientist here" einleitet, ist in meinen Augen ungefähr so vertrauenswürdig wie ein Schlangenölverkäufer. Als Erstes mußte ich mich deshalb vergewissern, daß Dr. Rasmussen hier wirklich richtig zitiert wurde. Dies ist der Fall. Nun sehe ich zwar ein, daß die Science-Community in den USA wenig Grund hat, ihren Gesundheitsminister zu mögen. Die an den Haaren herbeigezerrte Pointe mit den Masern finde ich aber schockierend armselig. Kennedys Meinung zur Masernschutzimpfung ist sowieso eher ambivalent als negativ, und wie auch immer man dazu stehen mag, sie hat überhaupt nichts mit dem zu tun, was Kennedy hier sagte. Wenn Rasmussen tatsächlich die amerikanische Wissenschaftselite repräsentieren sollte, dann braucht sich niemand darüber zu wundern, daß es so viele Leute gibt, die ihnen nicht vertrauen. 

Ist's außer mir jemandem aufgefallen? Frau Dr. Rasmussen hat in ihrer Antwort den entscheidenden Begriff kurzerhand unterschlagen, nämlich "inflammation". Mitochondrien sind gerade, zugegebenermaßen, so in Mode, das eine Menge seltsames Zeug über sie verbreitet wird. Trotzdem kann Frau Dr. Rasmussen ja weder abstreiten, daß Mitochondrien existieren, noch, daß sie geschädigt werden können und daß dies dann einen Einfluß auf die Gesundheit hat und daß es mit Entzündungsreaktionen in Verbindung gebracht wird. Einmal unabhängig von der Frage, ob man über RFKs Schlußfolgerungen aus seinen Beobachtungen vielleicht wirklich nur mitleidig den Kopf schütteln kann: Da Mitochondrien in jeder Körperzelle enthalten sind - sie dienen dazu, unter Zuhilfenahme von Sauerstoff aus Nährstoffen Energie zu erzeugen -, was genau ist dann daran lächerlich, anzunehmen, daß man es einem Menschen, auch einem Kind, ansehen kann, wenn ein nennenswert großer Teil seiner Körperzellen Schwierigkeiten hat, Energie zu erzeugen? 

Frau Dr. Rasmussen behauptet hier nicht lediglich, daß Kennedys Diagnosemethode fragwürdig ist - wogegen nichts einzuwenden wäre. Sie behauptet, daß es bei den von ihm erwähnten mutmaßlichen Symptomen auf Mitochondrien von vornherein nicht ankomme, daß es also ausgeschlossen ist, daß dieser Zusammenhang bestehen könne. Und was dazu die Wissenschaft in zwanzig oder fünfzig Jahren sagen wird ... ich wäre mir an ihrer Stelle nicht sicher, daß man dann vielleicht doch auch über sie mitleidig den Kopf schütteln wird. 

Rasmussen vermittelt hier außerdem implizit, daß aus ihrer Sicht - im Gegensatz zu Kennedys Meinung - alles im Grunde okay ist, wie es ist. Nur der Kinderschreck Kennedy müsse weg und eventuell ja zusätzlich noch eine Masernimpfpflicht her. Ansonsten ist offenbar aus ihrer Sicht alles in Ordnung. Nur, daß in den USA bezüglich der Gesundheit der Bevölkerung rein gar nichts in Ordnung ist und dies auch dann der Fall wäre, wenn restlos jeder US-Bürger gegen Masern, Covid und was auch immer alles an Schutzimpfungen angeboten wird, geimpft wäre. Die Lebenserwartung sinkt, Adipositas und Diabetes werden immer häufiger, immer mehr Amerikaner nehmen Psychopharmaka und gleichzeitig sind Krankheitskosten für einen beträchtlichen Teil der US-Bürger unbezahlbar, teils, weil sie nicht krankenversichert sind, teils, weil ihre Krankenversicherung erforderliche Behandlungen nicht übernimmt. Ist die Zahl der möglichen Todesfälle durch Masern - die kaum den zweistelligen Bereich übersteigen werden, solange Impfungen nicht gerade verboten werden und für jeden, der sie haben will, verfügbar sind - wirklich so viel vordringlicher als neue Lösungsansätze für das, was in den letzten Jahren zu einer sinkenden Lebenserwartung im reichsten Land der Welt geführt hat, da ja mit den alten Ansätzen das Problem ständig nur noch schlimmer geworden ist? Egal, was man von Kennedys Herangehensweise hält, das erklärte Ziel, das er dabei verfolgt, kann ich wirklich nicht falsch finden. Stattdessen finde ich es falsch, dieses Ziel ins Lächerliche zu ziehen, nur weil man eine Person, die es auf wie verdrehte Art auch immer verfolgen will, unbedingt ins Lächerliche ziehen möchte. 

Wäre ich ein Wissenschaftler, dann würde ich in jedem Satz des Gesundheitsministers, egal für wie blöd ich ihn halten mag, nach dem Punkt suchen, an dem ich andocken könnte, um die Schnittmenge zu finden, die wenigstens in Teilbereichen konstruktive Lösungen ermöglicht, durch die sich die Gesundheit der US-Bürger möglicherweise ja wirklich verbessern kann. Dafür muß man den Gesundheitsminister nicht mögen, es reicht völlig, sich seiner Verantwortung bewußt zu sein. Dr. Rasmussen findet es aber offenbar wichtiger, von ihrer Fanbase für Pointen bejubelt zu werden, die so dürftig ausfallen, daß man eine Fanbase, die darauf so ekstatisch reagiert, eigentlich eher ein bißchen peinlich finden sollte. 

Darmkrebs ist beispielsweise eine Sache, die auch Dr. Rasmussen Sorgen machen könnte und m. E. sollte. Es ist eine beunruhigende Entwicklung, daß er ausgerechnet bei jüngeren Leuten immer häufiger wird. Ob dabei nun geschädigte Mitochondrien mit im Spiel sind (was Prof. Seyfrieds Krebsentstehungstheorie entsprechen würde, die ich für richtig halte) oder vielleicht doch nicht, wie das vermutlich eher Dr. Rasmussens Annahmen entspricht, es ist eine neuere Entwicklung und deshalb wäre es angebracht, die Ursachen in Faktoren zu suchen, durch die sich das Leben jüngerer Leute von heute von dem meiner Generation unterscheidet. 

Die gute Nachricht für uns in Deutschland lautet: Darmkrebs bei unter 40jährigen nahm in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland nicht so stark zu wie in den USA. Die schlechte Nachricht: Die Inzidenz nahm auch in Deutschland zu. Daß das etwas mit der geringeren Adipositasrate in Deutschland im Vergleich zu den USA zu tun hat, darüber wird spekuliert, aber mit gehöriger Vorsicht: Die Übergewichtsrate scheine als alleiniger Grund zu vereinfacht. Mir scheint es jedenfalls keine allzu verwegene Annahme, daß es irgendetwas mit der Art der Ernährung zu tun haben könnte, und zwar mit Ernährungsbestandteilen jüngerer Leute, die in den USA noch verbreiteter als bei uns, aber auch hier üblicher als zu meiner Zeit geworden sind. 

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Bislang hält sich meine Begeisterung über die Reformen der Regierung Merz ja ziemlich in Grenzen. Die einzige Ausnahme ist das Gebäudemodernisierungsgesetz, und das beruhte sicherlich nicht auf Vorsatz von Frau Reiche, speziell die Sache, die mir am bislang geltenden Gesetz so falsch vorkam, zu verbessern. Wir WEGs hatten einfach das Glück, daß der Paragraph 71 Buchstabe l sich zwischen den anderen Buchstaben mitverbarg und nach dem Prinzip "Mitgefangen, mitgehangen" nun mit abgeschafft werden soll. Ich hoffe inständig, das neue Gesetz wird wirklich noch vor der Sommerpause verabschiedet, denn im August werden wir unseren letzten Wohnungsverkauf nun endgültig in Angriff nehmen, und es wäre ärgerlich, wenn wir in dieser Sache dann immer noch in der Luft hängen würden. 

Eines der nicht ganz so schlechten Konzepte dieser Bundesregierung scheint mir aber die angekündigte Rentenreform zu sein, auch wenn ich ihretwegen meine Pläne, in vier Jahren abschlagsfrei mit 65 in Rente zu gehen, möglicherweise in den Kamin schreiben kann. Das hatte ich ja auch schon befürchtet, wenn ich auch angesichts der CDU-Wahlversprechen zu diesem Punkt doch gehofft hatte, daß die Regelung diese Legislaturperiode noch übersteht und ich es dadurch noch über die Ziellinie schaffe. Aber unter den unzähligen gebrochenen Wahlversprechen dieser Bundesregierung ist der hoch und heilig versprochene Beibehalt der Möglichkeit des zwei Jahre früheren Ruhestands für "besonders langjährig" Versicherte - gemeint: mindestens 45 Jahre rentenversichert, bei mir wären es mit 65 bereits 49 Jahre - bestimmt nicht das schwerwiegendste. Da im Gesamtpaket neben der sofortigen und perspektivisch geplanten Aufnahme weiterer Versichertengruppen - von Selbständigen über Abgeordnete bis mittelfristig vielleicht sogar Beamte - auch eine unverzügliche Abschaffung der Minijobregelung enthalten ist, werde ich, statt nun in das übliche Mimimi auszubrechen, die Sache diesmal sportlich nehmen. Die Minijobregelung ist für einen großen Teil der weiblichen Altersarmut mitverantwortlich. Wenn die wirklich entsorgt wird, verzeihe ich der Bundesregierung ihren Wortbruch in der Angelegenheit, die mich etwas persönlich angeht und mir eigentlich auch ziemlich wichtig gewesen wäre. Sollten außerdem noch Selbständige, und, finanziell zu vernachlässigen, aber symbolisch nicht ganz unwichtig, die Bundestagsabgeordneten selbst künftig in die Rentenversicherung einzahlen, ist vermutlich eine gute Basis für ein Rentensystem geschaffen, das die kritische Phase des Ruhestandseintritts meiner Generation überstehen kann. 

Das heißt aber natürlich nicht, daß ich nicht im Rahmen meiner Möglichkeiten reagieren werde. 

Wie, das hängt davon ab, was genau gemäß den Empfehlungen der Alterssicherungskommission beschlossen wird und ab wann es gilt. Ich las irgendwo, daß die Rentenkommission fünf Jahre Vorlauf als Vertrauensschutz für die Altersgruppen, die schon nahe an der Rente sind, für geboten hielte, konnte das aber nicht verifizieren. Falls ich auf diese Weise mit meinen zu Beginn des nächsten Jahres noch dreieinhalb Jahren doch noch durchrutschen sollte, bin ich mit 65 natürlich weg, aber das glaube ich erst, wenn es dafür eine amtliche Bestätigung gibt. Denkbar wäre es ansonsten, eine Rente mit Abschlägen in Anspruch zu nehmen. Dagegen spricht aber, daß genau darauf von den Autoren des Papiers in aller Selbstverständlichkeit spekuliert wird. Man möchte, daß wir das tun, weil auch die geringeren Auszahlungen die Rentenkasse entlasten. Die 400 Euro weniger im Monat kann ich mir im Grunde ja leisten, und alleine das ist ja schon ein Luxus und Privileg, mit dem ich etlichen Gleichaltigen einiges voraus habe. Aber eigentlich sehe ich es nicht ein und habe auch nicht die Absicht, bis an mein Lebensende pro Jahr auf fast 5000 Euro Rente zu verzichten. Eleganter scheint es mir, da ich als sv-pflichtige Selbständige diese Möglichkeit habe, einfach meine Arbeitsmenge zurückzufahren und auf diese Weise eine Art selbstgehäkelte Altersteilzeit zu nutzen und am Ende trotzdem höchstwahrscheinlich nahezu meine vollen Rentenansprüche einkassieren zu können. 

Die einfachste Methode dafür dürfte nämlich sein, meine Honorarsätze so lange regelmäßig zum Jahreswechsel - und sehr viel deutlicher als bislang - anzuheben, und zwar so lange, bis die Arbeitsmenge durch den verbleibenden Rest der mir nicht davongelaufenen Kunden in etwa meiner Vorstellung entspricht. Damit würde ich aber nicht erst in vier Jahren, sondern unmittelbar nach Verabschiedung der Reform beginnen. Falls sie also im Herbst beschlossen wird, drehe ich zum ersten Januar kräftiger als geplant an meiner Honorarschraube. Was mich betrifft, wird die Bundesregierung das Ziel nicht erreichen, aus mir irgendwelche Mehrarbeit herauszukitzeln. Im Gegenteil werde ich gerade wegen der Reform weniger als bislang geplant arbeiten. Ich peile gegebenenfalls 6 Jahre mal ca. 50 Prozent meiner aktuellen Arbeitszeit an, was unter dem Strich so viel weniger Arbeit bedeutet, als wenn ich von heute ab nicht in vier, sondern in drei Jahren in den Ruhestand gehen würde. 

Ach ja, selbstverständlich würde das ab kommendem Jahr nicht nur die Höhe meiner Rentenversicherungsbeiträge, sondern auch die meiner Krankenversicherungsbeiträge verringern. Sorry wegen des Kollateralschadens für die Krankenversicherungsfinanzierung, aber das ist dann halt so. 

Ich nutze mein persönliches Schlupfloch, falls ich es brauchen sollte, ohne deshalb ein schlechtes Gewissen zu haben, wie das andere Generationen ja wegen ihrer jeweiligen anderen Privilegien ebenfalls nicht haben. Von dreißigjährigen Work-Life-Balance-Enthusiasten, die sich nach dem Abi und vor dem Politikwissenschaften- oder "Irgendwas mit Medien"-Studium ein Sabbatjahr für eine Backpacker-Reise gegönnt haben und im Jahr zweieinhalb Fernreisen für ihr gottgegebenes Menschenrecht halten, laß ich mich doch nicht zum Wohle der Wirtschaft™ so lange nutzbringend verwerten, bis ich von selbiger als nicht mehr weiter ausquetschbarer menschlicher Ausschuß betrachtet werde. Ich bin immerhin im Berufsleben, seit ich 16 Jahre alt war, und das ist mittlerweile 45 Jahre her. Irgendwann möchte ich gerne auch einmal genügend Zeit in Dinge stecken können, für die mich niemand bezahlt und die ich mache, weil ich sie einfach tun will. Falls ich mich selbst aktiv dazu zu ermächtigen muß, mache ich das auch. 

Insgesamt kann ich also - auch dank meiner persönlichen Reaktionsmöglichkeiten - mit dieser Rentenreform leben. Nicht gefallen hat mir allerdings diese verpflichtende Kapitalmarktrente, die ebenfalls Bestandteil werden soll. Ich bin nicht davon überzeugt, daß das ein sinnvoller Weg zur Alterssicherung ist. Als Kleinaktionärin mit einigen handverlesenen Aktien kenne ich die irrationalen Bestandteile des Aktienmarkts zu gut, um ihn mit dem tatsächlichen Wert des zugehörigen Unternehmens zu verwechseln. Der Kapitalmarkt ist zu undurchsichtig in den konkreten Werten, die dahinterstehen, und ich bin mir auch nicht sicher genug, daß es diesen Kapitalmarkt in der aktuellen Form in fünfzig Jahren überhaupt noch geben wird. Er wird so lange funktionieren, wie eine kritische Masse an Investoren jedenfalls daran glaubt, daß die in den Charts angegebenen Werte reale Werte repräsentieren. Hören zu viele auf, daran zu glauben - egal, ob zu Recht oder als sich selbsterfüllende Prophezeiung -, wird er vermutlich in der heutigen Form schneller Geschichte sein, als man ETF sagen kann. 

Bei der Alterssicherung kommt es nicht darauf an, über welche theoretisch existierenden und zum aktuellen Zeitpunkt leicht monetarisierbaren Werte man verfügt, sondern ob sie ab dem Ruhestandseintritt dauerhaft ausreichend dafür sind, die konkreten Alltagsbedürfnisse zu sichern. Dafür sind eigengenutzte Immobilien kategorial so viel besser (dazu habe ich an anderer Stelle, u. a. hier, schon mehr als genug geschrieben), daß es ein richtiger Jammer ist, daß diese Form der Alterssicherung in dem Papier nicht einmal am Rande erwähnt wurden. Das mag damit zusammenhängen, daß die Autoren der Empfehlungen allesamt der jungen Generation der Koalitionsparteien angehören und wohl die Annahme, von Angehörigen ihrer Generation werde sich sowieso niemand mehr eigengenutzte Immobilien leisten können, vollkommen verinnerlicht haben. 

Hinzu kommt aber außerdem noch etwas anderes: Die gravierendsten wirtschaftlichen Fehlsteuerungen der letzten Jahrzehnte waren auf die Durchsetzung der Interessen der Konzerne via Kapitalmärkte zurückzuführen. Je mehr Geld am Kapitalmarkt angelegt wird, desto besser kann er aber die Interessen durchsetzen, die seiner inneren Logik entsprechen, nicht aber derjenigen der Gesellschaft. Ein markantes Beispiel sind Wohnungskonzerne wie Vonovia, die wegen ihrer attraktiven Dividenden bei Fonds wie Privatanlegern beliebt sind. Ein Vonovia-Mieter kann also über die Kapitalmarktrente gleichzeitig Vonovia-Aktionär sein und in seiner zweiten Eigenschaft das Gewicht der Kapitaleigner-Seite mitverstärken, die wiederum dafür sorgt, daß er in seiner ersten Eigenschaft als Mieter so viel wie möglich an Miete für so wenig Leistung wie möglich seitens des Vermieters bezahlt. Weil ich diesen Faktor so problematisch finde, fehlt mir auch bei der Rentenreform ein großes Ganzes als Rahmen, innerhalb dessen sie eingeordnet werden kann. 

Interessiert man sich für einen übergeordneten Rahmen nicht, ist die Rentenreform rein für sich genommen akzeptabler als so manches andere, das gerade an Reformen in Arbeit ist. Sie wird im betreffenden Bereich meiner Einschätzung nach mehr Probleme lösen können als beispielsweise die Gesundheitsreform in ihrem Bereich. Was noch ein Bonus ist: Mindestens die Abschaffung der Mini- und Midijobregelung wird natürlich auch der Kranken- und Pflegeversicherung zugute kommen. Das geht also tatsächlich in Richtung übergreifender gesellschaftlicher Vorteile, obwohl niemand es für nötig hält, das zu erwähnen. 

Die TAZ brachte einen Podcast, in dem diese Rentenpläne diskutiert wurden, darunter sprach man ziemlich ausführlich die Minijobs. Was mich daran verwundert hat: Es wurde dort wie in anderen Meinungsäußerungen in den Medien so getan, als wäre es künftig nicht mehr möglich, Mitarbeiter geringfügig zu beschäftigen. Das ist aber einfach nicht wahr, es wird lediglich teurer, wenn dieselben Nettoeinkommen verlangt und bezahlt werden, oder schlechter bezahlt, wenn der Arbeitgeber dieselbe Entlohnung anbietet wie bisher. Gestaunt habe ich über eine Phantasiezahl, die ganz beiläufig in diesem Podcast als (keine Ahnung auf welcher gedanklichen Grundlage) imaginierte neue Belastung des Arbeitgebers durch die Änderung erwähnt wurde: 1800 Euro, das wäre im Vergleich zu 603 Euro plus 30 Prozent pauschale Abgaben (Gesamtkosten eines Minijobs also ca. 800 Euro), schon eine gewaltige Verteuerung. Mir kam diese aus irgendeinem Ärmel geschüttelte Zahl auch für den Fall, daß Arbeitgeber keine Wahl haben, als ihren bisherigen Minijob-Beschäftigten das gleiche Nettoeinkommen zu bieten, viel zu hoch vor, also habe ich mal im Web einen der üblichen Brutto-Netto-Rechner befragt. Hier das Ergebnis:

Wenn ich für einen vergleichbaren Halbtagsjob - also vom Stundenumfang zwei dieser Minijobs - einen auch für die Minijobs vorausgesetzten Netto-Stundenlohn von 15 Euro bekommen, also ein Nettogehalt von 1200 Euro erreichen will, muß ich brutto 1500 bis 1600 Euro im Monat verdienen. Weil das noch innerhalb der Midijob-Grenze liegt, sind die SV-Beiträge um ca. 20 Euro niedriger, als sie nach Wegfall der Midijob-Regelung wären, also sind eher 1600 Euro zu kalkulieren. Dazu Arbeitgeberbeiträge von ca. 25 Prozent entsprechen weiteren 400 Euro für den Arbeitgeber. Der zugehörige Arbeitgeber kommt also für zwei bisherige Minijobs auf um die 2000 Euro Kosten. 1000 anstelle von 800 Euro, also 200 Euro mehr im Monat, muß man als Arbeitgeber pro bisherigen Minijob bei gleichem Nettostundenlohn tatsächlich einkalkulieren, keineswegs die zusammenphantasierten 1800 Euro. Wenn auch nur zwei Minijobs zu einem 50-%-Job zusammengelegt werden, relativieren sich die Mehrkosten außerdem ein wenig, weil die Produktivität einer Halbtagskraft allemal höher ist als die von zwei Minijobbern. 

Allerdings zwingt natürlich niemand die Arbeitgeber, für Jobs in geringerem Stundenumfang einen besonders hohen Nettolohn zu bezahlen, im Gegenteil sollte wohl der Anreiz höher sein, mehrere Minijobs zu bündeln und als existenzsichernde Arbeitsverhältnisse anzubieten. Die Rechnung beruhte auf der nicht begründeten Annahme der TAZ, Arbeitgeber müßten diesen Nettolohn bezahlen. Lege ich aber den Mindestlohn zugrunde - ab 2027 14,60 Euro -, dann kommen anstelle der Mehrkosten für den Arbeitgeber bei demselben Halbtagsjob 1200 Euro plus 300 Euro Lohnnebenkosten heraus, also sogar einen Hunderter weniger als die Kosten für zwei Minijobs. Dafür verdient die zugehörige Halbtagskraft weder 15 noch 14,60 Euro netto pro Stunde, sondern nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge kommen noch zwischen 10 und 11 Euro die Stunde netto heraus. Da aber auch niemand Arbeitgeber dazu zwingt, sich auf den Mindestlohn zu beschränken, ist eher anzunehmen, daß das tatsächliche Lohnangebot irgendwo in der Mitte liegen wird - vermutlich so, daß es für den Arbeitgeber in etwa kostenneutral zur bisherigen Regelung ist. 

Warum ausgerechnet Schüler die einzige Gruppe sind, die weiterhin als Minijobber zum bestehenden Modell angestellt werden können sollen, leuchtet mir nicht ein. Wenn schon, dann sollte die Sache ohne Ausnahmen umgesetzt werden, und was wäre daran falsch, schon als Schüler ein bißchen Geld aufs Rentenkonto zu bekommen? Gerade die Generation, der in den letzten Jahren so viel Angst davor eingejagt wurde, im Alter gar keine Rente mehr zu bekommen, fände das bestimmt eher beruhigend, als sich über die Abzüge zu ärgern. Rentner wären noch eher eine einleuchtende Ausnahme, aber bei denen würde dann auch bei Jobs in geringem Stundenumfang ja die Aktivrente greifen, nach der für die ersten 2000 Euro keine Steuern bezahlt werden müssen und an Sozialabgaben nur die Krankenversicherung. Für die aktuell bestehenden Minijobs gilt diese Regelung nicht, das würde sich dann aber ändern. 

Natürlich leuchtet es mir ein, daß alle, die momentan einem Minijob nachgehen und dies nicht nur als Notbehelf tun, sondern als Bestandteil ihrer Lebensplanung, wenig begeistert von solchen Änderungen sind und befürchten, am Ende ganz ohne Job dazustehen oder viel weniger Geld als vorher dafür zu bekommen. Die Beschwerden der Arbeitgeberseite sind überwiegend (wenn auch nicht in jedem Fall) eher im Bereich Mimimi anzusiedeln. So wie ich beim Wegfall der Rente mit 65 (daß immer noch von der Rente mit 63 die Rede ist, die in Wirklichkeit schon jetzt niemand mehr bekommt, ärgert mich wahnsinnig) eine praktikable Umgangsweise finden kann, werden sie auch eine finden. Die Vorteile sowohl für den Arbeitsmarkt wie auch für den Schutz vor Altersarmut sind neben der angestrebten Sanierung der Sozialkassen so hoch, daß ich finde, das sollte in Kauf genommen werden. Jobs im Minijob-Umfang wird es in jedem Fall ja weiter geben, nur wird man jetzt sehen können, wieviele davon wirklich im Minijob-Stundenumfang sinnvoller sind als in anderen Varianten, also werden es weniger als vorher sein, wenn es für Unternehmen keinen Anreiz mehr gibt, Arbeitsplätze, die auch in Vollzeit besetzt werden könnten, in Minijobs zu verhackstücken. Für verheiratete Mütter gibt es dann den Fehlanreiz nicht mehr, auf den dauerhaften Fortbestand der Ehe zu pokern und sich in der Altersversorgung dabei auf Gedeih und Verderb davon abhängig zu machen. 

Man könnte aber darüber nachdenken, ob man eine Entlastung für Kleinbetriebe mit nur einem oder zwei Minijobbern  (beispielsweise für Betriebe bis zu einem Umsatz x, oder vielleicht auch für Vereine vergleichbarer Größe) nicht auf der SV-, sondern auf der steuerlichen Seite vornimmt. Auch für regelmäßig wiederkehrende kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse und maximal 50 Arbeitstage im Jahr, etwa im Tourismus in der Hochsaison oder bei Erntehelfern, fände ich es logischer, lieber auf der steuerlichen Ebene Vergünstigungen anzubieten, um Härten für kleinere Betriebe zu vermeiden. Warum speziell kleinere Betriebe? Weil die ohnehin einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den Großen ihrer jeweiligen Branche haben und ein Nachteilsausgleich für sie auch für uns gesellschaftlich wichtig wäre, denn die Zusammenballung von immer weniger und dafür immr größeren großen Wettbewerbern führt nur kurzfristig zu preislichen Vorteilen, ist aber langfristig mit einer Unzahl von Nachteilen verbunden. Eine solche Vergünstigung fände ich nicht nur vertretbar, sondern einen angemessenen Baustein, der vorzugsweise noch mit weiteren nachteilsausgleichenden Bausteinen kombiniert werden sollte. Speziell in der Landwirtschaft liegt es für mich auf der Hand, daß wir von weniger Branchenriesen und mehr kleinen und mittleren Betrieben profitieren würden, auch deshalb, weil es mehr Vielfalt in der Lebensmittelproduktion bedeuten würde. Ach ja, und ein praktikables Modell für Privathaushalte als Arbeitgeber sollte man sich auch ausdenken. Ich finde aber, hier wäre es sinnvoller, über ein Selbständigkeitsmodell nachzudenken - vor allem dann, wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, daß Selbständige, die sich neu anmelden, automatisch in die Sozialversicherung kommen. Nach der Minijobregelung ist es so kompliziert, für mehrere Haushalte zu arbeiten, daß sich niemand wundern sollte, wenn das überwiegend in Form von Schwarzarbeit geschieht. 

Angestrebt werden sollte jedenfalls, daß die Sozialversicherungen sich möglichst vollständig alleine aus Beitragszahlungen tragen können. Zuschüsse aus Steuermitteln finde ich nur angebracht, wenn sie Leistungen abdecken sollen, die schlicht und einfach unverzichtbar sind,  für die aber nie Beiträge entrichtet wurden. Alles andere sollte sich möglichst direkt aus den Beitragszahlungen finanzieren lassen, und damit das gelingt, sollte man Ausnahmen meiner Meinung nach möglichst vermeiden. Das Ziel, daß sich alle Sozialversicherungen, Rente, Kranken, Pflege und Arbeitslosigkeit, aus ihren Beiträgen selbst tragen, ist eines, das ich für sehr vernünftig halte. Wenn das erreicht werden kann, ist meiner Meinung nach sehr viel gewonnen. Die richtigen Stellschrauben, um unbillige Härten zu vermeiden oder weitestmöglich zu verringern, befinden sich im Steuerrecht. 

Sollte diese Reform umgesetzt werden und Bestand haben, wird sie rückblickend in fünfzig Jahren bestimmt für eine wirklich sinnvolle Veränderung gehalten werden. Freilich, sollte sie als Einzelmaßnahme zusammen mit einem Bündel weiterer nicht zusammenhängender - und sich im dümmsten Fall gegenseitig aufhebenden Wirkungen - in die Welt gesetzt werden, bin ich pessimistisch, daß sie trotzdem dazu führen könnten, daß die nächsten Wahlen von der AfD gewonnen werden. Und was dann geschieht - und welche dauerhaften Wirkungen es haben wird -, kann niemand so genau voraussehen. 

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Vorletztes Wochenende sah ich den Nachbarn mit dem Kirschenbaum, an dem ich einige Tage zuvor einen kleinen Mundraub begangen hatte, und beichtete ihm die Sache. Seine Reaktion: Ich solle mich unbedingt auch noch an dem anderen (Sauer-)Kirschbaum bedienen, dessen Kirschen inzwischen auch reif geworden sind, soweit ich halt am Zaun rankomme. Er werde vielleicht für die Zukunft irgendwann mal einen Durchgang in den Zaun für uns machen, damit wir nächstes Jahr mehr davon ernten können. Solche Nachbarn haben wir hier! Mit solchen Nachbarn möchte man selbstverständlich auch seinen selbsterzeugten Strom teilen. Ich habe übrigens inzwischen recherchiert und tue kund und zu wissen, daß es innerhalb eines Gebäudes - zum Beispiel einem Doppelhaus - tatsächlich legal  ist, per Direktleitung dem Nachbarn Strom zu verkaufen oder zu schenken. Für diejenigen, die das interessiert: In Paragraphen gegossen wurde das im Energiewirtschaftsgesetz, Teil 4, Paragraph 42b. In allen anderen Fällen muß man beim Teilen des Stroms mit Nachbarn aber wirklich das Netz des Versorgers in Anspruch nehmen, der dafür auch seine Hand ziemlich weit aufhält. Blöd nur, daß der Nachbar an versteckter Stelle doch schon eine PV-Anlage hat also den Strom doch nicht braucht. 

Nun habe ich ein Pfund Sauerkirschen, die sich nahe genug am Zaun befanden, geerntet und entsteint, die ich vorerst mal einfrieren muß, aber nächstes Wochenende in einen leckeren Braunen Kirschkuchen verwandeln werde. Die Nachbarn sind dann zum Kaffee natürlich mit eingeladen. Außerdem habe ich zum zweiten Mal meinen Schnittlauch komplett abgeerntet, kleingeschnitten und eingefroren. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie lange es her ist, daß ich das zum ersten Mal im Jahr gemacht habe, aber das kann noch keine vier Wochen her sein. Ich glaube nicht, daß ich es jemals wieder nötig haben werde, Schnittlauch zu kaufen. Das Zeug wächst im Garten wie Unkraut.  

Unser Garten hört nicht auf, uns in Erstaunen zu versetzen. Eine Blume, die wir vor zwei Wochen erstmals sahen, wurde von der Pflanzenerkennungs-App als Schlafmohn erkannt. Wie ist das Opium nur in unseren harmlosen schwäbischen Garten hineingeraten? Nein, ich bin nicht in Versuchung, die Wirkung der Samenkapseln mal auszuprobieren. Opiate haben mich nicht einmal in dem Alter interessiert, in dem man besonders risiko- und experimentierfreudig ist, und das ist bei mir schon lange her. Aber die Blüte finde ich wirklich ausgesprochen hübsch. Sogar noch schöner als die vom Klatschmohn, den ich ja auch sehr liebe und der an einer anderen Stelle im Garten auch wächst. Ich bringe es nicht übers Herz, dieser gefährlichen Schönheit einfach den Garaus zu machen, obwohl sie inzwischen ihre Blütenblätter verloren hat und stattdessen eine eindrucksvolle Mohnkapsel entwickelt hat, also lasse ich sie in Ruhe und hoffe, mich nächstes Jahr wieder an ihrem Anblick erfreuen zu können. Gespannt bin ich außerdem, wieviele dieser Blumen wir nächstes Jahr haben werden. 

Letztes Jahr hatten wir die gar nicht, da bin ich mir hundertprozentig sicher. Aber wir haben dieses Jahr auch sonst eine ganze Menge Pflanzen im Garten, die wir letztes Jahr nicht hatten. Die hatten sich wohl in der Wildnis, die wir übernommen hatten, einfach nicht durchsetzen können, und freuen sich jetzt daran, daß der Efeu sie nicht mehr erstickt. 


 

 

 

 

Freitag, 19. Juni 2026

Zeckenalarm in der Pflegeversicherung?

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 74,7 Kilogramm. Ein klarer Fall von "Na ja", aber die Hitze aktuell hat mich sicherlich mindestens ein Pfund zusätzlich gekostet. Immerhin, meine Verdauung fühlt sich jetzt wieder halbwegs normal an, wobei das leichte Verstopfungsgefühl, das ich schon seit der Chemo habe, mir weiter erhalten geblieben ist. Immerhin, auch das hatte ich aber schon sehr viel heftiger als jetzt. 

Mit den Flohsamenschalen habe ich bis jetzt nicht wieder begonnen. Ich glaube zwar nicht, daß die Flohsamenschalen schuld an dem Problem waren, aber ich habe den Verdacht, daß sie die Wirkung des Wasauchimmer verschlimmert haben, das ich da hatte. Ich tippe tatsächlich darauf, daß es an irgendeinem Lebensmittel lag, das ich zu mir genommen hatte. Vermutlich war es der Rest Nudelsalat, vielleicht die Eier darin. Aber jedenfalls hat das meiner Meinung dazu geführt, daß die Darmpassage an einer spezifischen Stelle verengt war, denn genauso fühlte sich das an. Es führte neben dem unvermeidlichen Druckgefühl auch zu Schmerzen, und zwar relativ weit oben im mittleren Rückenbereich. Nach dem Befreiungsschlag mit dem Dulcolax wanderte das Druckgefühl deutlich tiefer, aber erst während des langen Fastenintervalls verringerte es sich auf das Level, das zuvor normal gewesen war. 

Keine Ahnung, ob ein Arzt zu einer anderen Schlußfolgerung wegen des Auslösers gelangt wäre, und ich werde es auch nie erfahren, da das Problem ja jetzt gelöst ist. Falls ich aber recht hatte, ist mehr Volumen beim Darminhalt natürlich nicht gerade hilfreich. Deshalb wollte ich mit den Flohsamenschalen in jedem Fall abwarten, bis ich wieder beim "Vorher-Zustand" bin, und das sollte jetzt in etwa wieder der Fall sein. Vermutlich fange ich nächste Woche wieder an, aber anstelle von zwei Teelöffeln beschränke ich mich künftig lieber - bis auf weiteres - auf einen. Nur für den Fall, daß die Sache doch noch nicht ganz in Ordnung ist. 

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Vorgestern habe ich auf Bluesky nach einigem Zögern den gefühlt am schärfsten formulierten Beitrag abgeschickt, den ich dort bislang geschrieben hatte, und ich habe tatsächlich mehr als nur kurz nachdenken müssen, bevor ich auf Senden ging. Das passiert mir eher selten, und generell bemühe ich mich, auf Bluesky meine polemischen Anwandlungen nicht zu weit zu treiben. Aber hier ging es um die Frage, wie man reagieren darf und sollte, wenn andere einen implizit am liebsten einfach sozialverträglich tot umfallen sehen würden. Ich finde, da darf man schon mal den Ton etwas verschärfen. 

 

Die gelassene Antwort ehrte den Adressierten dann wieder, denn die Threaderstellerin war offenbar über mich so schockiert, daß sie mich als Reaktion geblockt hat. Ich war auf mehr als eine aggressive Antwort von unterschiedlichen Boomer-Hassern gefaßt gewesen, aber das kam nicht. Leider. Denn ich hätte mich eigentlich ganz gerne mit solchen Reaktionen auseinandergesetzt, dabei mehr über den Blickwinkel, aus dem heraus so geurteilt wurde, erfahren, und vielleicht auch bei der Gegenseite den einen oder anderen Aha-Effekt erzeugt. Vermutlich ist es symptomatisch für unsere Zeit, sich solchen Auseinandersetzungen lieber von vornherein zu entziehen und sich im Kreise Gleichgesinnter für seine Meinungsäußerungen lieber im Chor beklatschen zu lassen. Ich bin davon ja auch nicht völlig frei. 

Ob der von mir Angesprochene erkannt hat, daß ich ihm einen Spiegel vorhalten wollte, ihn zwingen wollte, wahrzunehmen, was das, was er schrieb, für seine eigenen Eltern bedeuten würde, weiß ich natürlich nicht, aber wenn es so gewesen wäre, hätte er sich wohl für seinen Beitrag entschuldigt, also nehme ich an, das war nicht der Fall. Wie auch immer, ich habe bloß in gleicher Stärke zurückgehauen, als mir auf die linke Wange geschlagen wurde, und als alter Heide, der der christlichen Lehre sowieso nicht folgt, darf ich das auch. Also bleibt nur die Hoffnung, daß mein Satz ihm oder anderen, die ihn gelesen haben, bei dieser oder jener Gelegenheit wieder in den Sinn kommt und dort an den Überzeugungen an irgendeiner Stelle eine leicht bröckelnde Erosion auslöst. 

Tatsächlich trifft die geplante Änderung, falls sie wirklich kommen sollte, als erstes sowieso die Boomer in ihrer Eigenschaft als Angehörige von Pflegebedürftigen, und das häufig gleich unmittelbar nach Inkrafttreten. Denn im Moment sind wir noch zwei bis drei Jahrzehnte vom Eintreten der Pflegebedürftigkeit für einen größeren Anteil unserer Altersgruppe entfernt. Dafür haben viele von uns noch lebende Eltern bzw. Elternteile in der Altersgruppe Ü80, und da sieht die Sache schon anders aus. Achtzig Jahre ist heute ja kein Alter mehr. Vermutlich trifft man inzwischen auch auf dem Mount Everest Achtzigjährige an. Erst im Laufe des folgenden Jahrzehnts steigt der Anteil der Pflegebedürftigen ständig weiter an, und bei denen, die ihren neunzigsten Geburtstag hinter sich haben, liegt er dann fast bei 90 Prozent. Das gilt, obwohl das Durchschnittsalter bei Pflegeleistungen bei knapp unter 80 Jahren liegt. Das hat damit zu tun, daß die Zahlen Menschen vom Säuglings- bis zum Greisenalter enthalten. 

Bleiben wir an dieser Stelle trotzdem weiter bei alten und sehr alten Menschen, die aus der Pflegeversicherung Leistungen beziehen. Sie machen ja den größten Teil der Pflegebedürftigen aus, und die Eltern meiner Generation werden gerade nach und nach zu einem immer größeren Teil pflegebedürftig. 

Knapp 5,7 Millionen Menschen haben einen Pflegegrad. Davon beziehen ungefähr 432.000 Sozialhilfe, sei es ganz oder aufstockend. Weiter aufgeschlüsselt

  • Von  4,89 Millionen, die zu Hause gepflegt werden, beziehen 82.000 Sozialhilfe
  • Von 800.000, die in einem Pflegeheim sind, beziehen knapp 354.000 Sozialhilfe.

Denvon Pflegebedürftigen noch aus eigenen Mitteln zu stemmenden Kostenrahmen übertreffen also vor allem die Heimkosten.  

Es würde mich interessieren, wie stark in Pflegeheimen Kinderlose bereits jetzt überrepräsentiert sind. Denn häusliche Pflege kommt viel schneller an die Grenzen des Möglichen, wenn keine Angehörigen sich zusätzlich um den zu Pflegenden kümmern. Der Anteil der dauerhaft Kinderlosen in den Jahrgängen der zu Pflegenden, die typischerweise in den dreißiger und vierziger Jahren geboren sein müßten, war geringer als in meiner Generation, machte aber immerhin unter den Frauen ca. 20 Prozent aus. Es ist zu vermuten, daß sie in Pflegeeinrichtungen zu mehr als 20 % vertreten sind und dort wohl auch häufiger Sozialhilfe beziehen, da Frauen sowieso in Pflegeheimen überrepräsentiert sind und ihre Rentenansprüche meistens deutlich niedriger als die von gleichaltrigen Männern liegen. 

Dafür war es aber die Kindergeneration, die sie in die Welt gesetzt hat, in der immer mehr eine akademische Bildung erworben haben, mit der im Durchschnitt eine deutlich höhere berufliche Mobilität verbunden ist. Wessen Kind Elektriker oder Bankkauffrau wurde, bei dem kann man annehmen, daß die meisten ihrer Kinder in einem Radius von um die 50 Kilometer vom Elternhaus wohnen, und häufig wohnt eines mindestens im selben Ort oder sogar im gleichen Haus. Wer allen seinen Kindern den Bildungsaufstieg ermöglichen konnte, hat typischerweise, wenn die Pflegebedürftigkeit eintritt, lauter Kinder, die ziemlich weit weg wohnen. Auch dann führt eine Pflegebedürftigkeit schneller zu einer Aufnahme in eine stationäre Pflegeeinrichtung, vor allem, wenn die erwachsenen Kinder bei Eintritt der Pflegebedürftigkeit noch im Berufsleben stehen oder sich noch um ihre heranwachsenen Kinder kümmern müssen. 

Damit sind also die Gruppen schon einmal eingekreist, an die vermutlich der höchste Anteil an aufstockender Sozialhilfe fließt: 

  • Kinderlose, im Prinzip aller Altersgruppen, aber natürlich sind die Altersgruppen Ü85 besonders stark vertreten. 
  • Die Eltern der heutigen Boomer, deren Kinder aus beruflichen oder anderen Gründen nicht in ihrer Nähe bleiben konnten oder wollten. 

Bei den Kinderlosen gibt es im Falle von Sozialhilfebezug bei niemandem etwas zu holen, also will man sich an den Kindern der anderen Gruppe schadlos halten. Und das ist im Moment nun einmal nicht die Generation meines Sohnes, sondern meine Generation. Unsere Kinder sind natürlich indirekt trotzdem mitbetroffen. Denn die Beträge, die wir für die Pflege der Eltern trotz eines mittleren bis bescheidenen Einkommens aufbringen müssen, fehlen ja wieder uns bei der Altersvorsorge und können deshalb, wenn es blöd läuft, in dreißig Jahren dazu führen, daß unsere Kinder dann auch wieder die Differenz zwischen Pflegeheimkosten und Pflegegeld plus Rente bezahlen müssen, falls wir deshab keine oder deutlich niedrigere Rücklagen haben, die schnell aufgebraucht sind. 

Es ärgert mich wirklich sehr, wenn so getan wird, als würden hier Boomer der Generation ihrer Kinder und Enkel Geld "absaugen", weil das einfach nicht stimmt. Schon die Formulierung ist eine Frechheit. Als würden wir als Zecken betrachtet, die man am besten einfach totschlagen sollte.  Im Gegenteil sind erst einmal diejenigen Boomer, die Kinder bekommen haben - also auch für die wohlstandsverwahrloste Brut verantwortlich sind, die uns jetzt das Schwarze unter dem Fingernagel nicht gönnen will -, diejenigen, die die Kinderlosen ihrer Altersgruppe quersubventionieren müssen. Diejenigen unter uns, die nicht so reich geworden sind, wie die Jungen uns das dauernd unterstellen, und deren Pflege ihre Kinder einmal Geld kosten kann, wenn es dumm läuft, sind aber kaum Profiteure von irgendwelchen Ungerechtigkeiten zu Lasten der Jüngeren gewesen. Andernfalls brächte sie die Pflegebedürftigkeit kaum in Geldverlegenheiten. Der Vorwurf trifft also in jedem Fall die Falschen, auch wenn er höflicher umformuliert wird.  

Nun könnte man sagen, die Kinderlosen haben ihre Kosten-Nutzen-Bilanz in Bezug auf die Pflegeversicherung am besten optimiert, auch wenn ihre Pflegeversicherungsbeiträge höher ausfallen. Aber  im Fall der Pflegebedürftigkeit beneide ich sie auch nicht. Meine Mutter ging um die Jahrtausendwende heraum regelmäßig zwei- bis dreimal die Woche ins Heim, nicht nur, um meine Großmutter zu besuchen, sondern auch, um sich zu vergewissern, daß alles in Ordnung ist, ggf. die Pflegerinnen anzusprechen, wenn es irgendein Problem gab, um die Wäsche zu holen und wieder zu bringen und so weiter. Glücklicherweise klappte es überwiegend alles gut, aber vor einiger Zeit erzählte mir ein Bekannter, daß es im Pflegeheim, in dem seine hochbetagten Eltern waren, ständig Probleme mit nachlässiger und eben gleichgültiger Pflege gab, die durchaus manchmal auch gravierende Auswirkungen hatten, etwa Wundliegen. Wie soll das dann aber erst bei Pflegebedürftigen sein, bei denen keine Angehörigen ständig nachhaken und Versäumtes notfalls einfordern? Die Pflege von Kinderlosen, die die Kosten nicht komplett selbst aufbringen können, sollte theoretisch zwar ebensogut sein wie die der Pflegebedürftigen mit Kindern. In der Praxis kann man sich freilich nicht darauf verlassen, daß es ohne regelmäßige kritische Blicke von Angehörigen wirklich so ist. Je weniger der Gepflegte selbst die Möglichkeit hat, seine Rechte einzufordern, desto höher das Risiko, daß ihn wirklich beschissene letzte Lebensjahre erwarten. Auch wenn sie die Angehörigen - oder die Allgemeinheit - so viel Geld kostet, daß nur eine Minderheit sie aus eigenen Geldmitteln bezahlten könnte. 

Am Ende ist eine solche Kalkulation also auch eine Mogelpackung. 

Aus dem Pflegeheim am Ort ist kürzlich ein Bewohner "ins Wasser gegangen", so wurde mir das erzählt, in einer Formulierung, die so antiquiert klang, als hätte ich sie in einem Schundroman aus dem 19. Jahrhundert gelesen. Und doch trifft das, was in diesem Begriff alles an Assoziationen mitschwingt, die Sache verblüffend präzise. Man fand am Ufer seinen Rollator und einen Abschiedsbrief. Ich weiß nicht, was der Auslöser war, aber offenbar war er an einem Punkt angekommen, an dem das Weiterleben und die darin noch enthaltenen Perspektiven ihm ein Schicksal schlimmer als der Tod schienen. So, wie genau diese trübselig erscheinende Perspektive auch bei einem damaligen "gefallenen Mädchen" wohl der Auslöser gewesen ist, das Leben lieber gleich zu beenden, als es auf diese Weise weiterführen zu müssen. 

Unsere Gesellschaft leidet an einer Unzahl innerer Widersprüche. Niemand bezeichnet Pflegebedürftige als "unnütze Esser", und doch denken ihn die selbst davon Betroffenen wahrscheinlich gar nicht so selten über sich selbst. Vor allem dann, wenn sie während ihres Arbeitslebens selbst immer überzeugte Anhänger des Leistungsprinzips gewesen sind. Aber der Umgang mit denen, die unserer Wirtschaft nicht mehr so richtig nützlich sind, enthält das zwischen den Zeilen halt doch auch, und selbstverständlich wird das von den Betroffenen auch vielfach wahrgenommen, und es schmerzt dann auch. Das ist ein strukturelles Problem in einer Zeit, in der die meisten zwar von allem den Preis, aber von nichts mehr den Wert kennen. Bestenfalls kann man wohl erwarten, daß die Form gewahrt wird und niemandem seine Pflegebedürftigkeit offen zum Vorwurf gemacht wird. Aber gerade deshalb ist es mir ein Anliegen, wo nicht einmal das mehr für nötig gehalten wird, auch deutlichere Worte bei meinem Widerspruch zu finden. 

Die Pflegeversicherung muß wirklich so ausgestaltet werden, daß mit den Einnahmen die Ausgaben gedeckt werden können, auf welche Weise auch immer das geschehen soll. Die komplette Abschaffung der Einkommensfreigrenze für Angehörige von Pflegebedürftigen ist nicht wünschenswert und ich hoffe, dazu kommt es nicht. Aber eine Untergrenze von 100.000 Euro Haushaltseinkommen finde ich tatsächlich sehr großzügig. Das ist immerhin das Jahreseinkommen der bestverdienenden zehn bis 15 Prozent. Bei denen kann man ja in den allermeisten Fällen davon ausgehen, daß ein Einspringen der Kinder von vornherein gar nicht nötig wird, weil schon die Eltern genügend Geld haben, um den Teil der Kosten, der aus dem Einkommen nicht abgedeckt wird, für den gesamten Pflegezeitraum aus ihren Rücklagen tragen zu können. Ich würde eine Einkommensgrenze so setzen, daß die bestverdienenden 25 Prozent eine Eigenbeteiligung leisten müssen, wenn ihre Eltern Sozialhilfe benötigen. Damit wäre auch die Wirkung der Inflation von vornherein mitberücksichtigt, das Jahreseinkommen würde sich dann entsprechend anpassen. 

***

Inzwischen hat der Ortstermin unseres Klimatechnikers stattgefunden und wir haben das Gefühl, tatsächlich die richtige Person für unser Anliegen gefunden zu haben. Wir wurden ausgiebig zu allen Punkten beraten, die wir wissen wollten, und zu einigen, auf die wir von alleine gar nicht gekommen wären. Der Mann hat 17 Jahre Erfahrung in diesem Bereich und wirkt sehr kompetent. Er hat uns auch einige Detail erzählt, in denen die Realität von den Hochglanzprospekten der Hersteller abweicht. Nun warten wir auf das Angebot, das zwei Varianten enthalten wird, nämlich einmal Multisplit mit zwei Innengeräten und einmal zwei Monosplit-Anlagen. Ich tendiere zu letzterem, auch wenn es etwas mehr kosten wird. (Insgesamt rechne ich mit Kosten von unter 10.000 Euro, mit ein bißchen Glück deutlich darunter.) Erstens ist der Wirkungsgrad dann besser, zweitens kann man beide Anlagen vollumfänglich individuell einstellen. 

Mir scheint es naheliegend, statt des teureren Modells von Mitsubishi, mit dem er mehr als zehn Jahre Erfahrung hat, oder dem noch teureren von Bosch, das nicht mehr als technische Gleichwertigkeit zu bieten hat, das billigere von LG zu nehmen, mit dem er in bislang zwei Jahren keine typischen immer wieder auftauchenden gerätebedingten Probleme hatte, aber die Hand für längere Zeiträume mangels eigener Erfahrung nicht ins Feuer legen kann. Mir kam dazu nämlich das Langlebigkeits-Argument für Tupperware in den Sinn. In Wirklichkeit wirkten Tupper-Sachen aus den Siebzigern doch schon in den Neunzigern antiquiert und wurden genauso wie Billig-Kunststoffbehälter durch schickere neue Modelle ersetzt. Genauso geht es natürlich auch bei Klimaanlagen, die ein gewisses Alter überschritten haben. Muß man sie ersetzen, bekommt man Geräte, die besser sind, einen höheren Wirkungsgrad haben und deren Einbau weniger kostet, weil die Leitungen ja weitergenutzt werden können. Es kann aber auch sein, daß unser Gerät trotz aller Sorgfalt nicht optimal dimensioniert sein wird, und dann hat man früher die Gelegenheit, das zu korrigieren. Das heißt, der niedrigere Preis jetzt könnte in diesem Fall auch längérfristig vorteilhaft sein. 

Im Arbeitszimmer hat der Klimatechniker anstelle eines der üblichen Wandgeräte ein Truhengerät vorgeschlagen. Er sah nämlich sofort die perfekte Stelle, von der aus dieses Gerät bei offenen Tür auch das Schlafzimmer problemlos mitheizt und -kühlt. Wobei das Kühlen im Schlafzimmer sehr viel wichtiger als das dort sowieso nur wenig genutzte Heizen ist. Im Winter werde ich voraussichtlich die Verbindungstür beider Räume tagsüber geschlossen halten und lediglich am Abend für ein Stündchen auflassen. Im Moment steht an der Stelle für das Truhengerät ein kleiner Schiebentürenschrank, aber den stelle ich ohne Bedauern an eine andere Stelle. Überraschenderweise weiß sogar schon, welche. 

Vor Beginn der Arbeiten werden wir natürlich noch einen Förderantrag stellen, aber dann den Einbau unverzüglich vornehmen lassen. Ungewiß ist zwar, ob wir die Förderung auch bekommen, und es kann Monate dauern, bis wir darüber einen Bescheid bekommen (und bis Geld fließt, dauert es noch länger). Aber zum Glück ist die Förderung für uns ja auch nur ein Nebenaspekt. Wir nehmen das Geld, wenn wir es bewilligt bekommen - und für zwei Monosplitanlagen spricht, daß eines der Innengeräte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit förderfähig sein wird. Das Truhengerät ist eine wackligere Sache. Andernfalls nutzen wir eben die Möglichkeit, die Sache steuerlich geltend zu machen, was wohl in jedem Fall möglich ist. Im schlimmsten Fall kriegen wir bei einem oder beiden Geräten statt 30 Prozent Förderung 20 Prozent, die steuerlich geltend gemacht werden können. 

Unerwarteterweise hat sich dafür die Sache mit dem Balkonkraftwerk etwas verkompliziert, weil der Handwerker meines Vertrauens, der die Installation auf seiner Website auch anbietet, dieses Angebot leider eingestellt hat. Balkonkraftwerke, sagte er, hätten ihm nur Scherereien eingebracht. Ich nehme an, die Leute haben sich von ihm beraten lassen und dann Billigmodule im Baumarkt gekauft. Da ist es natürlich einzusehen, daß er keine Lust mehr hat, unbezahlte Arbeitszeit auf so etwas zu verschwenden. Aber Pech für uns, denn auf einen Monteur, den uns der Baumarkt heraussucht, greifen wir nur zurück, wenn wir wirklich keine andere Möglichkeit finden, weil das vermutlich ein längere Zusammenarbeit wird, bei der mindestens ein- oder zweimal die Anlage erweitert wird. Und bei Do-it-yourself kann man einfach zuviel falsch machen, wenn man, wie wir, das Balkonkraftwerk nur als Zwischenstation nutzen und in einem Zeitrahmen von zwei bis drei Jahren aufeine "erwachsene" Anlage erweitern will. Diese ganzen Renditeberechnungen, in denen die Ersparnis durch möglichst hohe Eigenleistungen immer so vorteilhaft dargestellt wird, berücksichtigen den Faktor "Anfängerfehler" natürlich nie. 

Also bin ich mal wieder auf Handwerkersuche. 

Einen Handwerker habe ich auf Empfehlung von privat angemailt und, Überraschung, bislang keine Antwort bekommen. Der Klimatechniker arbeitet aber, wie sich herausstellte, auch mit einem solchen zusammen und wird ihn mal direkt fragen. Mal sehen, ob einer der beiden sich bei uns meldet, und wenn ja, welcher von ihnen schneller reagiert. Falls es beide sind, möchte ich Angebote von beiden, wobei mir die Empfehlung des Klimatechnikers eigentlich die bessere Option zu sein scheint. Eine Empfehlung von jemandem, der regelmäßig mit dem Empfohlenen an Projekten arbeiten muß, ist, glaube ich, ein bißchen mehr wert als eine von jemandem, der nur einmal eine Anlage von ihm installiert bekommen hat. 

Es gibt da eine Website, auf der man die Sonneneinstrahlung für sein Haus überprüfen und den möglichen Ertrag berechnen kann. Das war ziemlich interessant, aber auch ein wenig ernüchternd, denn es stellte sich heraus, daß ich in den Sommermonaten mit einem komplett mit Solarmodulen ausgestatteten Werkstattdach wohl in jedem Fall  unerwartet viel an überschüssigem Strom haben werde, der auch die Kapazitäten eines großzügig dimensionierten Speichers übersteigt. Ich habe aber überhaupt keine Lust, diese Überschüsse ins Netz einzuspeisen. Das ist MEIN Strom. Ich will ihn selbst nutzen. Deshalb ist mir auch die gerade so lebhaft diskutierte Streichung der Einspeisevergütung im Prinzip egal. Ich würde nie Strom deshalb selbst erzeugen wollen, weil ich auf Einspeisevergütung scharf wäre.Wir werden deshalb, wenn wir von Balkonanlage auf eine "erwachsene" Solaranlage wechseln, wahrscheinlich den überschüssigen Strom, der in den Sommermonaten trotz Speicher wohl nicht vermieden werden kann, an unseren Nachbarn verschenken, sofern er ihn haben will. Bevor ich meinen Strom an die EnBW verschenken muß, finde ich es allemal besser, ihn dem netten Nachbarn zu schenken, der uns schon so viel geholfen hat. Eine Photovoltaikanlage hat er jedenfalls im Moment nicht, sondern eine Solarthermieanlage, und damit auch nur noch begrenzte Kapazitäten auf seinem Dach. Also hätte er für unsere zu erwartenden sommerlichen Überschüsse höchstwahrscheinlich Verwendung. Was mir an der Idee auch gefällt, ist, daß der Weg von unserer Haushälfte zu seiner so kurz ist, daß keine oder jedenfalls nur sehr geringe Übertragungsverluste entstehen. Das gefällt meiner schwäbischen Hausfrauenseele, die Verschwendung nun einmal nicht ausstehen kann. 

Unklar ist mir einstweilen noch, ob eine Direktleitung zulässig ist oder wir dafür wahrhaftig als zwei Teile einer Doppelhaushälfte auch das Netz nutzen müssen, das natürlich laufende Kosten erzeugt, die ich der EnBW nun einmal nicht gönnen mag. Unter dem Link im letzten Absatz hieß es, eine Direktleitung sei zulässig. Anderswo las ich aber, es ginge nicht. Nun gut, bis die Sache spruchreif wird, kann es ja noch zwei, drei Jahre dauern. Bis dahin kann sich an der Rechtslage alles mögliche geändert haben. Vielleicht finden wir in dieser Zeit ja auch einen anderen Dreh, nach dem die Nachbarn unseren Stromüberschuß legal nutzen können, ohne daß die EnBW dabei die Hand aufhalten darf.

***

Im Garten tobt, wie zu dieser Jahreszeit üblich, das Leben. Anders als letztes Mal haben uns die Schnecken diesmal etwas zu schaffen gemacht, und eine Woche lang sind wir nach Einbruch der Dunkelheit mit der Taschenlampe zum Schneckeneinsammeln rausgegangen, um sie daran zu hindern, an unseren Zucchinipflanzen einen Meuchelmord zu begehen. Da es jetzt heiß und trocken ist, dürfte das Problem sich erledigt haben. Vorsichtshalber haben wir aber die gefährdetsten unserer Pflanzen mit Schneckenkrägen geschützt. Merkwürdigerweise haben die Schnecken unsere Kartoffeln ganz ignoriert, die Pflanzen wachsen und gedeihen vortrefflich, und die hinter dem Hühnerstall haben inzwischen Blütenknospen. Die vorne an der Terrasse brauchen wohl noch ein Weilchen. 

An unseren Vogelfutterstellen findet sich inzwischen eine ganze Schar halbstarker Jung-Kohlmeisen samt einem Elternteil ein. Jetzt ist meine Welt wieder in Ordnung, ich hatte mich nämlich schon gewundert, daß bislang noch gar keine Jungvögel bei uns zu sehen waren. 

Wir haben Vogeltränken im Einsatz, aber bislang werden sie wohl nur ganz sporadisch genutzt, beobachtet habe ich das jedenfalls bislang nur einmal. Aber bei der jetzigen Hitze sind sie der Hit bei den Feldwespen, die natürlich auch dieses Jahr meinen Rolladenkasten besetzt haben und vermutlich noch weitere Nester in der Nähe haben. Sie brauchen das Wasser, um ihre Brut zu kühlen. 

Ach ja, und unter dem Dach haben wir das möglicherweise schwangere Besuchs-Mäuschen gefangen und zum Flußufer gebracht. Dreimal hat es uns besucht, dann ging es in die Falle. Seitdem sind im Mäusekino nur noch gelegentlich vorbeistelzende Spinnen zu sehen gewesen.  

 

 

Mittwoch, 10. Juni 2026

Tönendes Erz, klingende Schellen und Prokrustesbetten in der Medizin

Mein Gewicht heute früh nach dem ersten Fastentag von zwei nicht zusammenhängenden diese Woche: 76,4 Kilogramm.

Die Sache mit den Flohsamenschalen habe ich unterbrochen, weil ich einen Verstopfungsrückfall hatte, allerdings einen so seltsamen und unangenehmen, daß ich mir nicht sicher war, ob ich mit den Flohsamenschalen vielleicht alles nur noch schlimmer gemacht hätte, also hörte ich einstweilen damit auf. Ärgerlich, denn bis dahin ließ sich die Sache ja super an.. Ich vermute, ich hatte was Falsches gegessen, jedenfalls war es nicht nur das übliche Blockadegefühl einer Verstopfung, sondern wirklich schmerzhaft, erst einen Tag lang so fies, daß ich an diesem Tag mehr oder weniger ein Totalausfall war, dann erheblich weniger fies, aber doch tagelang gleichbleibend unangenehm, anstatt allmählich wieder besser zu werden. Erst habe ich, wie meistens, versucht, die Sache auszusitzen, vorgestern wurde es mir dann aber zu blöd und ich habe zur Gewaltmaßnahme eines Dulcolax-Zäpfchens gegriffen. Das hat gewirkt, aber wirklich in Ordnung kommt mir die Sache noch nicht vor. Ich schau mir das noch ein paar Tage an, und wenn sich das nicht weiter normalisiert, dann werde ich meine neue Hausärztin zum ersten Mal aufsuchen müssen. Nun ja, einmal ist immer das erste Mal. Ich hätte mir nur gewünscht, daß ich vor diesem ersten Mal die Unterlagen von meinem bisherigen Hausarzt bereits vorliegen hätte, und die fehlen dummerweise immer noch. 

Eigentlich hätte ich sie schon vor Wochen anfordern sollen, aber die Praxis erreicht man ja nicht telefonisch, und so kam ich auf die glorreiche Idee, lieber bei meiner Krankenkasse die EPA-Anmeldung durchzuführen, wofür ich mehrere Anläufe und entsprechend mehrere Wochen benötigte. Ich dachte, in der Elektronischen Patientenakte hätte ich dann sowieso alles, was meine neue Hausärztin braucht. Aber Pustekuchen! Da ist alles mögliche drauf, aber überhaupt nichts von meinem gewesenen Hausarzt. Wofür ist der Kram mit dieser Akte dann aber überhaupt gut? Wie auch immer, vor einer Woche habe ich meinen Hausarzt angemailt mit der Bitte, mir meine Akte zukommen zu lassen. Eine Antwort bekam ich bislang noch nicht, wie ich auch befürchtet hatte. Ich sehe es kommen, ich werde dort doch noch persönlich vorsprechen müssen. 

Zur Zeit ist das generell mal wieder ganz schrecklich. Gar niemand scheint mehr auf E-Mails zu reagieren, da habe ich inzwischen mehrere offene Baustellen, um die ich mich jetzt langsam mal auf andere Weise kümmern muß. Auch dieser Klimafritze hat sich nicht bei mir gemeldet, und langsam macht mich das ein bißchen sauer. Was ist das eigentlich für ein Umgang mit Kunden, einfach nicht auf Anfragen zu reagieren? Sogar wenn man in Aufträgen erstickt, bricht man sich jedenfalls nicht die Finger, wenn man kurz mailt, daß man so ausgelastet ist, daß man gerade keine weiteren Projekte annehmen kann. So was könnte man ja verstehen. Morgen versuche ich ihn ein weiteres Mal telefonisch zu erreichen, und falls das - wie im ersten telefonischen Versuch - wieder nicht klappt, probiere ich es vielleicht doch lieber woanders mit unserer Split-Klimaanlage. 

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Ich gebe es zu, ich habe wirklich gedacht, die sonderbare Art, Nebenwirkungen von Krebsbehandlungen einzuschätzen, die mir in den Stellungnahmen zu Fasten und Keto wie auch in den neuen Leitlinien zur Ernährung bei Krebs so unangenehm auffielen, sei speziell dem offensichtlichen Herzensanliegen der Frau Professorin Jutta Hübner zuzuschreiben: nämlich dafür zu sorgen, daß keinesfalls irgendein Patient es zu riskieren wagt, eines von beidem begleitend zu einer Chemotherapie auszuprobieren. Zu meiner Verteidigung kann ich nur vorbringen, daß dies wirklich gut in das Bild gepaßt hätte, das ich von ihr gewonnen habe. Aber im Gegensatz zu ihr bin ich bereit, Irrtümer einzugestehen. Denn es war wohl ein Irrtum. Die Frau Professorin tat in speziell diesem Punkt lediglich das, was die Fachleute alle tun. Damit hatte ich zugegebenermaßen nicht gerechnet, weil es überhaupt keinen Sinn ergibt, Nebenwirkungen nach einer so realitätsfernen Methode einzuschätzen. 

Auf dem Fachkongress ASCO26 wurde nun nämlich eine Debatte zu dieser Frage losgetreten oder jedenfalls der Versuch dazu gemacht, denn ich weiß nicht, ob außer mir hier im Blog wirklich irgendwer in der Fachwelt darauf reagiert hat - außer natürlich denen, die von vornherein schon kritisch eingestellt waren, aber wenig Zugang zu den "inner circles" der Branche haben. Tatsächlich scheint es in einschlägigen Studien absolut üblich zu sein, die Dauer von Nebenwirkungen in die Beurteilung ihrer Erträglichkeit von vornherein nicht mit einzubeziehen. Auch die subjektive Einschätzung der Patienten spielt bei der Einordnung in die Schweregrade dieser Nebenwirkungen nur eine Nebenrolle, da sie zwar die Daten dazu liefern, aber die Interpretation unabhängig von ihrem subjektiven und objektiven Befinden stattfindet. 

Schweregrade von Nebenwirkungen gibt es vier, davon ist Grad 1 am harmlosesten und Grad 4 der schwerwiegendste mit Ausnahme des Tods des Patienten, der als Grad 5 bezeichnet wird. Und ja, Grad 5 passiert leider auch zuweilen. Die Art der Bewertung der Nebenwirkungen nach diesem Grad-System jedenfalls führt manchmal zu merkwürdigen Ergebnissen: Während einer Chemotherapie zusätzlich noch einen Schlaganfall mit schweren neurologischen Folgen zu erleiden, soll nur Grad 3 sein? Das sollte man den Patienten dann aber bitte vor Beginn der Chemotherapie sagen müssen. Ich riskiere die Behauptung, daß ein erhöhtes Risiko dieser speziellen Nebenwirkung dritten Grades zusätzlich zum Krebs die Bereitschaft, sich behandeln zu lassen, dramatisch verringern würde. 

Der Autor der Kritik an der Bestimmung des Schweregrads von Chemo-Nebenwirkungen weist zu Recht darauf hin, daß aber auch der Faktor Dauer der jeweiligen Nebenwirkung eine so große Rolle dabei spielen kann, daß es grob verfälschend ist, ihn nicht zu berücksichtigen. Zwei bis drei Tage Durchfall, der danach vorbei ist, damit beispielsweise kann man sich ja noch arrangieren, auch wenn er so heftig ausfällt, wie ich das bei Pertuzumab erlebt habe. Geht es um zwei bis drei Wochen oder sogar um zwei bis drei Monate oder womöglich die gesamte Behandlungsdauer, sieht die Sache schon anders aus. 

Wir Patienten bräuchten dringend mehr solche Onkologen wie Bishal Gyawali, die uns vor Schaden durch  Maßstäbe bewahren wollen, die offensichtlich nicht zum Ziel passen, uns nicht durch die Behandlung schlimmeren Schaden anzutun, als wir durch die Krankheit selbst erleiden, und weniger Jutta Hübners, die uns umgekehrt an dieses Prokrustesbett solcher vorgegebenen Maßstäbe anzupassen versuchen, egal, was das für uns bedeutet. Eigentlich unglaublich, daß auch im Jahre 2026 anscheinend niemand es für nötig hält, Patienten die Fragen zu stellen, die für sie ja eindeutig relevant wären. Aber da das bei Krebs absolut üblich zu sein scheint, wundere ich mich jetzt ein bißchen weniger über die Frau Professorin als zuvor. Sie ist Teil eines Systems, das zwar eigentlich nicht böse sein will, sich aber strukturell nicht für den einzelnen Patienten interessiert, was es in Betrachtung der Ergebnisse für den einzelnen Patienten, falls er deshalb tatsächlich einen Schaden erleidet, de facto böse macht. 

Es gereicht Jutta Hübner nicht zur Ehre, daß sie dies nicht hinterfragt. Aber das tun offenbar die allerwenigsten, also ist sie damit andererseits auch nichts Besonderes. Das Besondere sind vielmehr Ärzte wie Bishal Gyawali. Jutta Hübner repräsentiert etwas anderes. Ich bin ja nicht religiös (genaugenommen bin ich sogar ein ziemlich verstockter Heide), aber weil ich dennoch meine Bibel gelesen habe, kam mir Luthers wunderbare Übersetzung von 1 Korinther 13,1 in den Sinn: "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle." Das trifft die Sache genauso auf den Punkt wie Terry Pratchetts Feststellung, die einzige Sünde bestehe darin, Menschen wie Dinge zu behandeln, was mehr oder weniger dasselbe ausdrückt. 

Ein lesenswerter Blogbeitrag, über den ich auf Bluesky stolperte, brachte auf den Punkt, was am System nicht stimmt, zu dem die Frau Prof. Hübner so ausgezeichnet paßt, daß sie in der Position landete, in der sich sich gerade befindet. An sich war mir das alles sogar längst klar gewesen, aber nicht in dieser analytischen Schärfe: Unser Gesundheitssystem funktioniert offenbar generell bemerkenswert schlecht, wenn es um Leiden geht, deren Ursachen nach aktuellem Wissensstand schwierig zu diagnostizieren und/oder die kaum erfolgreich zu therapieren sind. Das, so die Autorin, ergibt sich aus dem Umgang mit Long Covid. Das Gesundheitssystem, schlußfolgert sie, ist optimiert für Patienten mit Krankheiten, die eine eindeutige und durch Tests überprüfbare Ursache haben, deren Behandlung einen voraussehbaren Verlauf nimmt - und: bei denen eine Heilung erwartet werden kann. 

Da ist in der Tat etwas dran - jeder kennt ja diese Krankheitsgeschichten, die damit beginnen, daß ein Patient eine monate- oder sogar jahrelange Odyssee hinter sich bringen muß, bis die Ursache seines Problems richtig erkannt und daraufhin auch die richtige Therapie verordnet wurde. Mich irritiert an solchen Beschreibungen immer, für wie normal das gehalten wird. Denn falls dies normal sein sollte, müßte das bedeuten, daß der weitaus häufigere Fall ist, daß Patienten, die ein solches Stehvermögen nicht aufbringen und deshalb falsch behandelt werden. Immerhin, wer krank zum Arzt geht, läuft ja sowieso schon auf halber Kraft, und nicht jeder hat neben der nötigen Energie auch genügend Widerspruchsgeist einem Halbgott in Weiß gegenüber, um eine solche Odyssee überhaupt anzufangen. Ich finde es geradezu eine Frechheit, das Aufbegehren gegen den Fachmann dem Patienten als eine Bringschuld aufzuerlegen. Vielen fehlen dazu ja von vornherein die Voraussetzungen. 

Das Ganze gilt außerdem nicht nur für schwere Erkrankungen, sondern auch für den Umgang mit Zipperlein, die dem Patienten nicht so wahnsinnig schwerwiegend vorkommen und für die sie vor allem eine Erklärung haben wollen - und natürlich wenn möglich eine Bestätigung, daß sie die Gefährlichkeit der Sache nicht etwa unterschätzen. Wenn auch der Arzt da nicht so recht weiter weiß und sich das aber um Gottes willen nicht vor dem Patienten anmerken lassen will, kann es sein, daß man sich unversehens in einer Behandlung wiederfindet, die einem nicht hilft oder sogar schadet, oder man bekommt eine dieser Verlegenheitsdiagnosen, wie ich sie auch schon bekommen habe. Vermutlich ist das jedem schon passiert. 

Über die beginnende Kniearthrose, ausgelöst angeblich durch mein Übergewicht (damals, 2015, ca. 125 Kilogramm), mit der zweimal innerhalb kürzerer Zeit akut aufgetretene Kniebeschwerden bei mir einmal erklärt wurden, hatte ich ja schon einmal geschrieben, und ebenso, daß der Orthopäde mir empfahl, abzunehmen, und mir Schwimmen dafür ans Herz legte. Er fragte nicht einmal, ob ich das mit dem Abnehmen vielleicht ja doch schon einmal versucht hätte und welche Erfahrungen ich damit gemacht hatte. Für ihn schien das offensichtlich zu sein, daß ich hohes Übergewicht hatte, weil ich hohes Übergewicht haben wollte, und so sah er seine Mission anscheinend darin, mich davon abzubringen. Die Kniebeschwerden ließen übrigens im Lauf der darauffolgenden Tage nach und kamen anschließend niemals wieder. Ich weiß immer noch nicht, was sie ausgelöst hatte, aber die beginnende Kniearthrose war es jedenfalls nicht, obwohl ich annehme, daß ich sie wirklich habe. Sie läßt sich aber bei Patienten meines Alters sowohl mit als auch bei solchen ohne einschlägige Symptome mit einer 50:50-Wahrscheinlichkeit diagnostizieren. Das ist für einen Orthopäden ähnlich bequem wie für einen HNO-Arzt, für jede Erkältung eines Rauchers sein Rauchen verantwortlich zu machen, und in beiden Fällen macht er es sich auf Kosten des Patienten bequem. 

Das ist der Hauptgrund, warum ich Arztbesuche im Zweifelsfall lieber ein bißchen länger hinauszögere, da ich ja keine Krankschreibungen brauche. Alles, was sich auch ohne Medizinmann wieder hinkriegen läßt, bedeutet auch ein geringeres Risiko von Fehlbehandlungen, und als Raucher oder Übergewichtiger hat man darauf ein erhöhtes Risiko, weil beides so viele Allzweck-Erklärungen für eine Krankheit bietet, daß viele Ärzte es sich ähnlich einfach machen wie mein damaliger Orthopäde. Ratschläge dieser Qualität sind aber so nutzlos, daß ich auf sie auch ganz verzichten kann. Nicht immer, aber in vielen Fällen. Der Trick besteht darin, beide Arten von Krankheiten voneinander zu unterscheiden. 

Abhängig Beschäftigte können meistens gar nicht so wie ich vorgehen, weil sie eine Krankschreibung brauchen, wenn sie krank sind, aber das heißt wohl nicht, daß sie alle immer von dem überzeugt sind, was ihr Arzt mit ihnen macht. Es gibt meinem Eindruck nach eine Menge Leute, die verschriebene Medikamente dann nicht nehmen, teils von vornherein, teils dann, wenn die Wirkung ausbleibt und/oder Nebenwirkungen auftreten. Oft genug erfährt der Arzt davon überhaupt nichts. Dem gegenüber stehen mindestens ebenso häufig - vermutlich sogar noch um einiges häufiger - aber auch die Patienten, die willig alle Medikamente nehmen, die ihnen verordnet wurden, manchmal klaglos, manchmal schimpfend, weil sie ihrem Eindruck nach nicht wirken oder sogar neue Beschwerden hervorrufen. Man sollte echt einmal untersuchen, welche der beiden Gruppen die bessere weitere Lebenserwartung hat und unter dem Strich bei besserer Gesundheit ist. Ich bin mir nämlich nicht sicher, daß es die letztere Gruppe ist. 

Insofern, ja, die Autorin des Blogbeitrags hat mit ihrer Analyse wohl leider recht. Wir haben einerseits ein gutes bis sehr gutes Gesundheitssystem, aber in den genannten Teilbereichen funktioniert es so viel schlechter, daß das eigentlich Gegenstand einer Gesundheitsreform werden müßte. 

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Eine Ergänzung zu meinen diversen Beiträgen zur Frage, ob jüngere Leute sich Wohneigentum leisten können oder nicht. Ich stieß auf das LBS|empirica-Erschwinglichkeitsbarometer, das meine Einschätzung bestätigt, daß das eigentliche Problem das gerade von jüngeren Kaufinteressenten meistens kaum aufzubringende Eigenkapital ist. Interessanterweise war der Anteil derer, die ausreichend Eigenkapital aufgebracht hätten, mit zehn Prozent vor der Finanzkrise am höchsten, aber 2015 lag der Anteil derer, bei denen das Einkommen für eine Finanzierung eigentlich ausreichend gewesen wäre, auch wenn das Eigenkapital in der vorgegebenen Höhe nicht erbracht werden konnte, zehn Prozentpunkte höher und bei mehr als 60 Prozent. 

Daß der Anteil derer, die sich eine Immobilien vom Einkommen her im Prinzip leisten könnten, aktuell mehr als zwanzig Prozentpunkte niedriger liegt, ist die Wirkung der stark gestiegenen Immobilienpreise einerseits und der gestiegenen Zinsen andererseits. In diesem Bereich kam der große Absturz aus dem Möglichen ins Unmögliche im Jahr 2022, wie das deutlich in der Grafik erkennbar ist, und obwohl es seither wieder ein kleines bißchen besser geworden ist, ist das Verhältnis von (gesunkenen) Kaufpreisen und gestiegenen Zinsen weiterhin erheblich schlechter, als es das vorher gewesen war. 

Trotzdem: Daß, wenn man den Faktor Eigenkapital ausklammert, sogar 2022 mehr als ein Drittel der 30- bis 44-jährigen Mieterhaushalte sich Wohneigentum eigentlich hätte leisten können, ist eine Erwähnung wert. 20 Prozent des Kaufpreises plus die Kaufnebenkosten sind als Anforderung von Banken ja auch keineswegs in Stein gemeißelt. Je nach konkreter Situation werden auch heute noch sogar Vollfinanzierungen von Banken akzeptiert, aber am ehesten für kleinere Objekte und bei Leuten, die schon andere Immobilien besitzen. Aber die Banken sind gerade jetzt tatsächlich sehr restriktiv bei Hypothekendarlehen, und ich kenne mehrere Leute, denen es ganz oder teilweise wegen des Eigenkapitals nicht gelungen ist, eine Finanzierung zu bekommen, die sie sich eigentlich hätten leisten können. 

Meine Idee, wie das Problem zu lösen sein könnte, wären staatliche Bürgschaften als möglicher Ersatz für das Eigenkapital. Voraussetzung dafür müßte natürlich sein, daß die Finanzierbarkeit grundsätzlich realistisch ist. Ich fände es spannend, die Wirkung zu sehen, wenn eine solche Bürgschaft beantragt werden könnte, sofern die monatliche Belastung der Finanzierung maximal zehn Prozent höher als die bezahlte Miete liegt und nachgewiesen werden kann, daß die Mietzahlungen seit mindestens zwei Jahren pünktlich und vollständig erfolgt sind.

Wieso werden solche Dinge also nicht einmal diskutiert? Auch die Vorschläge der LBS enthalten so etwas nicht. Dabei würde es den Anteil der Haushalte im Alter zwischen 33 und 44 Jahren, die eine realistische Chance auf den Erwerb von Wohneigentum hätten, dramatisch erhöhen und ihnen damit auch die bestmögliche Altersversorgung verschaffen, die ich mir vorstellen kann.  

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Unsere Kartoffeln im Garten wachsen gerade wie Unkraut und an der ersten Pflanze bilden sich Blütenknospen. Das fällt mir immer wieder auf, daß es bei Pflanzen jeglicher Art immer eine "Pionierpflanze" gibt, die es mit dem Blühen eiliger hat als ihre Artgenossen. Womöglich wird sie ja von allen als Späher vorgeschickt, der erst mal testen soll, ob es sich überhaupt lohnt, Mühe in die Bildung von Blüten zu stecken. 

Auch sonst tobt in unserem Garten gerade das Leben. Zwei der drei Zucchinipflanzen, so klein sie noch sind, hatten bereits ihre erste Blüte. Und am alten Quittenbaum kann ich mittlerweile die ersten noch ziemlich kleinen Früchte erkennen. Zwiebeln und Knoblauch kommen jetzt auch langsam, und zu meinem Verdruß muß ich unter dem Kirschbaum neuerdings auf Zehenspitzen laufen, um keine Zwiebeln zu zertreten. Wie ist mein Mann nur auf die Idee gekommen, ausgerechnet unter den Obstbäumen Zwiebeln zu stecken? Die erste Erdbeere wurde reif und ist geerntet, und die leider nur exakt neun Kirschen vom Kirschbaum ebenfalls. Beides ist in einen leckeren Obstsalat mit Nektarinen und Aprikosen vom Wochenmarkt mit eingeflossen. Die Stachelbeeren brauchen aber noch ein Weilchen, und von den Mirabellen der Nachbarin, die sie mir zum Abschuß freigegeben hat, ist einstweilen noch nichts zu sehen, aber so, wie der Baum dieses Jahr geblüht hat, ist es sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis es dort auch losgeht. 

Daß das Leben bei uns unter dem Dach nicht auch wieder zu toben beginnt, dem steuere ich seit heute wieder mit einer Mausefalle entgegen, denn letzte Nacht wurde zum ersten Mal seit Monaten unser Mäusekino wieder aktiviert. Eine geradezu unverschämt wohlgenährt wirkende Maus (womöglich eine werdende Mäusemutter?) kam aus dem bekannten Loch spaziert und sah sich zwei Minuten lang in den Räumlichkeiten um, bevor sie wieder durch das Mauseloch verschwand. Das hätte mir gerade noch gefehlt, eine Mäuse-Wochenstube unter dem Dach. So niedlich sie sind, sie sollen bitte draußen im Garten niedlich sein. Ich bin gespannt, ob sie mir vielleicht schon heute Nacht in die Falle geht. 

 


 

Sonntag, 31. Mai 2026

Grußbotschaft zum Weltnichtrauchertag

 Mein Gewicht heute früh - 79,8 Kilogramm - ist nebensächlich. Traditionell für das heutige Datum ist schon seit Jahren meine Grußbotschaft zum Weltnichtrauchertag: Auch im Jahre 2026 habe ich nicht die Absicht, mit dem Rauchen aufzuhören. 

Was ich der Weltgesundheitsorganisation, der Gesundheitsministerin und selbstredend auch Herrn Streeck dieses Jahr außerdem noch zu sagen habe, dafür leihe ich mir die richtigen Worte diesmal sinnigerweise von den Ärzten: 

Ich bin dagegen, denn ihr seid dafür
Ich bin dagegen, ich bin nicht so wie ihr
Ich bin dagegen, egal, worum es geht
Ich bin dagegen, weil ihr nichts davon versteht

 

Eigentlich entpuppt sich das Lied, näher betrachtet, ja als Auseinandersetzung mit einem verbal und physisch gewalttätigen Vater - aber erst ab der zweiten Strophe. (Bis dahin spricht der Text von "ihr", erst dann wechselt er in die zweite Person Singular und wendet sich an ein "du". Im Refrain bleibt es aber bei "ihr".) In diesem zweiten Teil des Lieds ist der Text in etwa die zu erwartende Antwort der gleichen Person auf die Vorhaltungen, die ihr in "Junge" gemacht werden. Die Antwort ging den Fragen allerdings um etliche Jahre voraus. 

Aber  Vater Staat braucht sich vor dem hier skizzierten Vater auch nicht zu verstecken. Auch wenn er - jedenfalls bislang - niemanden prügelt, wird ja doch verboten, genudgt, verbal herabgewürdigt - teils implizit, teilweise aber auch ausdrücklich -, es wird gedroht und schikaniert. Das gilt auch nicht nur für Raucher, nur ist es bei ihnen besonders risikolos, weil es wohl nordkoreanische Mehrheitsverhältnisse ergäbe, würde man bei einer Umfrage danach fragen, ob Rauchen eine eher positive oder eher negative Sache sei. Raucher schikanieren ist  im Grundsatz mehrheitsfähig, und zwar bestätigen das in Umfragen mehrheitlich sogar die Raucher. Das ist der eigentliche Grund, warum sich die Politik ständig neue Schikanen einfallen läßt.

In Baden-Württemberg gilt als Beispiel für Schikanen ab morgen ein um einige weitere Bereiche ergänztes Rauchverbot (sogenanntes "Nichtraucherschutzgesetz"). Und zwar alle unter freiem Himmel, wo solche vermeintlichen Schutzmaßnahmen von vornherein völlig sinnlos sind, etwa in Freibädern, Freizeitparks oder Zoos. Nun kann man vielleicht als Nichtraucher sagen, man finde das prima, weil man sich durch Tabakrauch belästigt fühle. Gerne wird auch mit weggeworfenen Kippen argumentiert. Nur, um beides geht es beim Nichtraucherschutzgesetz gar nicht:

 § 1
Zweck des Gesetzes
Dieses Gesetz dient dem Schutz der Bevölkerung vor den gesundheitlichen
Gefahren
des Passivrauchens 

Gesundheitliche Gefahren des Passivrauchens im Freien sind in etwa eine so lächerliche Vorstellung wie gesundheitliche Gefahren des Passivrauchens durch E-Zigaretten (die samt einiger verwandter Produkte im Anschluß im zitierten Paragraphen noch aufgezählt werden). Die gesundheitsrelevante Wirkung eines versehentlich eingeatmeten Schwalls Tabakrauch im Freien in der Nähe einer Straße mit motorisiertem Verkehr (also überall, wo viele Leute hinkommen, und damit auch dort, wo die neuen Rauchverbote gelten sollen) fällt im Vergleich zu der gesundheitsgefährdenden Wirkung der eingeatmeten Autoabgase überhaupt nicht ins Gewicht, und das schon gar nicht, weil es ausreichend ist, zwei, drei Schritte zur Seite zu gehen, um weitere passivrauchgeschwängerte Atemzüge zu vermeiden. Die Autoabgase ließen sich, wo der Verkehr vorbeiströmt, allenfalls vermeiden, indem man eine Gasmaske trägt. In allen Freizeiteinrichtungen, in denen das Rauchen im Freien aus Gesundheitsschutzgründen verboten ist, sind insbesondere an Tagen mit vielen Besuchern die Parkplätze viel gesundheitsgefährlicher als ein Raucher, der sich neben einem einen Glimmstengel anzündet. 

Bei E-Zigaretten ist Passivrauchen wiederum von vornherein gar nicht möglich. Passivrauch, sofern er wegen besonders hoher Intensität und Dauer beim Einatmen gesundheitlichen Schaden anrichten sollte, tut dies bei Zigarettenrauch auf genau dieselbe Weise wie jede Art von Verbrennungsrauch aus verbrannten Pflanzenbestandteilen, etwa Holzfeuer. (Das Verbrennen von Öl oder anderer mineralischer Substanzen wiederum ist noch um einiges gesundheitsgefährdender.) E-Zigaretten können aber gar keinen Passivrauch erzeugen, weil mit ihnen kein Verbrennungsvorgang stattfindet. 

Kurz, die neuen Rauchverbote sind reine Schikanen. Niemand erwartet im Ernst, daß sich daraus für irgendwen irgendein noch so kleiner gesundheitlicher Vorteil ergeben kann, auch wenn das Gegenteil behauptet wird. Diese neuen Rauchverbote im Freien waren wahrscheinlich der politische Preis dafür, die Ausnahmeregelungen in der Gastronomie weiter beibehalten zu können. Der gewesene Gesundheitsminister hätte die Ausnahmeregelungen nämlich gar zu gerne vollständig eliminiert. Aber andere Teile der Landesregierung wollten das wohl nicht. Also mußte man ihm etwas anderes als Ersatz anbieten. Bei dem, was man ausgekaspert hat, konnte man außerdem darauf vertrauen, daß gegen solche "Schutzmaßnahmen" jedenfalls keine Proteste erwartet werden müssen und auch niemand den Rechtsweg einschlagen wird - bei dem man nicht sicher sein könnte, ob das Gesetz dies überstehen würde. Denn niemand muß Angst haben, durch die neuen Maßnahmen seine wirtschaftliche Existenz zu verlieren, wie das den Wirt einer Raucherkneipe selbstverständlich auf die Barrikaden getrieben hätte.  

Die meisten Verbote tangieren mich persönlich gar nicht oder so geringfügig, daß ich über die Verbote nur die Achseln zucke. Organisiertes Zeittotschlagen in Freizeitparks war sowieso noch nie mein Ding, und aus dem Alter, in dem man unbedingt Freibäder aufsuchen will, bin ich längst raus. In den Zoo wäre ich vielleicht irgendwann nach etlichen Jahren einmal wieder gegangen, aber für zwei Personen fast 50 Euro für den Eintritt hinblättern, das würde ich kaum besonders häufig machen und unter diesen Umständen nun halt gar nicht mehr. Das macht aber eigentlich nichts. Zoos sind ja ganz nett, aber in Wirklichkeit weitaus weniger unterhaltsam als das Beobachten der Tiere bei uns im Garten. 

Der interessanteste Fall sind die Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, soweit sie sich im Freien befinden (bei allen anderen ist das Rauchen ja schon die ganze Zeit verboten). Ich werde mich an speziell dieses neue Rauchverbot nämlich nicht halten. Und zwar, weil ich es einfach nicht einsehe. Der Unterschied speziell für mich zwischen den Haltestellen und den diversen Bespaßungs-Arealen unter freiem Himmel besteht darin, daß ich letztere einfach nicht aufsuche, wenn ich sie ohne Kippe im Mundwinkel nicht mehr verlockend genug finde. Aber als Nichtautobesitzer komme ich gar nicht umhin, Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel weiter zu nutzen. Mit zwei vollen Einkaufstaschen ein Stück entfernt vom Haltebereich des Busses auf ihn zu warten, um dort rauchen zu dürfen, bringt mich in folgende Situation: Beim Heranfahren des Busses muß ich erst meinen Taschenascher herauskramen, die Kippe dort entsorgen und dann meine auf dem Boden abgestellten Einkaufstaschen richtig zu fassen bekommen, damit mir der Bus nicht davonfährt, bevor ich herangesprintet bin. Alleine schon das Heransprintenmüssen als solches anstelle eines normalen Einsteigens ist schon ein Angriff auf meine Würde, aber zuvor muß außerdem jeder Handgriff blitzschnell erfolgen und richtig sitzen. Jeder Fehlversuch kann dazu führen, daß ich dem Bus nur noch hinterherwinken kann. 

Diese neue Regelung zielt augenscheinlich darauf ab, daß man sich in solchen Wartesituationen, die natürlich die meisten Raucher mit einer Zigarette überbrücken wollen, zwischen dem Rauchen und der Wahrung seiner Würde entscheiden müssen soll. Und genau das ist die Sache, der ich mich verweigere. Ich erhebe Anspruch auf beides, Rauchen und Würde. Ich finde, mir steht beides zu. 

Das ist das überhaupt erste Mal in meinem Leben, daß ich mich einer neuen gesetzlichen Regelung von vornherein verweigere, also ihr nicht ausweichen zu versuche, um mich ihrer Wirkung zu entziehen, sondern die Absicht habe, sie jederzeit und überall sowie ungeachtet der möglichen Folgen hocherhobenen Hauptes zu mißachten. Exakt so fühlt sich das diesmal für mich genau richtig an. Und auch darin finde ich mich bei den Ärzten wieder: 

 Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung, mit der ich euch gegenüberstehe.  

Meine Bußgeldbescheide, falls ich welche bekommen sollte, werde ich rahmen und in der Toilette aufhängen. Und zwar als

Symbol der Nicht-Identifikation mit euren Werten.

Die Neufassung des sogenannten Nichtraucherschutzgesetzes hat in ihrer Kleinlichkeit und sinnlosen Bösartigkeit trotz allem noch nicht einmal mehr erwähnenswerte Emotionen bei mir ausgelöst, nur rationale Überlegungen, wie ich damit aus welchen Gründen umgehen will. Das finde ich selbst bemerkenswert, weil ich mich über andere politische Beleidigungen ja immer noch ganz gut aufregen kann. Aber im Bereich Rauchen bin ich offenbar über diesen Punkt mittlerweile hinaus. Ich glaube, gerade das sollte die Urheber der Regelung ein wenig beunruhigen. Ich weiß nämlich noch, wie ich dem Vater meines Sohnes während eines Streits sagte, er solle froh sein, daß ich überhaupt mit ihm streite, denn wenn ich mir die Mühe einmal nicht mehr mache, dann wäre er mir gleichgültig geworden. Ich frage mich, ob er sich etwa ein Jahr später daran erinnert hat, als er alleine in der Wohnung zurückblieb. Wenn ja, hatte er dem Staat etwas voraus. Der merkt gar nichts davon, daß ich seit etlichen Jahren grundsätzlich nicht mehr zur Wahl gehe. Bemerkt wird von ihm nur, wer sich dazu entschließt, die AfD zu wählen, und daß das irgendetwas mit ihrem Umgang mit den Wählern zu tun hat, dämmert den Parteien zwar so langsam, aber sie kommen einfach nicht dahinter, wo ihr Hauptfehler liegt, nämlich in den pausenlosen Angriffen - aus allen möglichen Richtungen, Rauchen ist im Vergleich zu vielen anderen ja nur eine Marginalie - auf die Würde ihrer Wähler. 

Am Rande möchte ich noch erwähnen, daß die AfD für mich auch dann unwählbar bliebe, falls sie sich zum Thema Rauchen strategisch so positionieren würde, daß sie mich bei diesem Thema abholen würde (was im Moment aber nicht der Fall ist). Dafür gibt es zu viele andere Themen, zu denen ich keinesfalls von ihr regiert werden möchte. Ich brauche die AfD oder sonstwen außerdem sowieso nicht, um mich meiner Haut zu wehren, wenn man mir in dieser oder in anderen Fragen zu nah auf die Pelle rückt. Wenn ich eines in den nun schon über 60 Jahren meines Lebens gelernt habe, dann daß man sich niemals auf irgendjemanden verlassen kann außer auf sich selbst. 

Zum Stichwort AfD fiel mir aber noch etwas anderes ein:  

Es gibt einen auch von mir ziemlich lange total übersehenen Faktor, der die nächste Bundestagswahl sogar noch brisanter machen wird, als sie es wegen der Umfragewerte der AfD ohnehin sein wird: Der Niedergang der CSU in den Umfragen. Denn die bayerische CDU-Schwesterpartei tritt nur in Bayern an, aber ihre nur dort erworbenen Stimmen werden auf das Bundesergebnis umgelegt und müssen, bundesweit betrachtet, natürlich auch die Fünf-Prozent-Hürde übersteigen. Bei der Bundestagswahl dieses Jahr bekam die CSU, bundesweit betrachtet, 5,97 Prozent der Stimmen, das entspricht einem Wahlergebnis in Bayern von 37,2 Prozent. Bei der letzten Umfrage zur Bundestagswahl nur in Bayern lag sie aber nur noch bei 33 Prozent, und bei der Bundestagswahl 2021 mit 31,7 Prozent in Bayern sogar bundesweit nur bei 5,19 Prozent. Man braucht kein Mathematikstudium, um das Unterschreiten der Fünf-Prozent-Hürde überschlagsweise zu ermitteln: Falls die CSU das nächste Mal ein paar Zehntelprozentpunkte weniger als 30 Prozent der bayerischen Wählerstimmen bekommen sollte, muß sie sich voraussichtlich aus dem Bundestag verabschieden. Und man braucht nicht Politikwissenschaften studiert haben, um zu wissen: In diesem Fall wird die AfD, sollte ihr Wahlergebnis die aktuellen Umfragewerte widerspiegeln, die bei weitem stärkste Fraktion werden. 

Kein Wunder jedenfalls, daß Markus Söder gerade mal wieder versucht, sich neu zu erfinden, er möchte ja gerne im Bund auch weiter eine wichtige Rolle spielen, und dafür wäre es natürlich extrem ungünstig, wenn seine Partei aus dem Bundestag fliegt. Anscheinend ist bei ihm jetzt endlich der Groschen gefallen, daß die wenig konstruktive Rolle der CSU in der Bundespolitik auch in Bayern den Wählern nicht gefällt. Ein Gutes immerhin hat die Sache: Dieser Mann ist zwar nur Fassade - geradezu ein Potemkinsches Dorf auf zwei Beinen -, aber diese Fassade sieht jetzt wenigstens nicht mehr aus wie ein Strauchdieb, seit er nicht mehr in Räuberzivil herumläuft und diesen gruseligen Bart abrasiert hat. 

Mich würde übrigens mal interessieren, ob der Söder trotz aller anderslautenden Beteuerungen heute immer noch raucht. Ich meine mich nämlich zu erinnern, daß er es früher getan hat, und da bei Söder alles Fassade ist, kann es gut sein, daß er sich bloß nicht dabei erwischen läßt. 


Freitag, 22. Mai 2026

Frau Perditax, wo bleibt das Positive? Hier kommt es. :-)

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 73,7 Kilogramm. 200 Gramm weniger als vor zwei Wochen, das ist so lala und ein bißchen enttäuschend, zumal ich gestern früh noch auf ein heutiges Gewicht von 73 Kilo plusminus ein bißchen was hoffen konnte. Es kann aber sein, daß es etwas mit dem Temperaturanstieg zu tun hat, denn gestern abend wog ich - obwohl ich den ganzen Tag nichts gegessen hatte - ein volles Kilo mehr als am gestrigen Morgen. 

Mal sehen also, wie sich die Sache weiterentwickelt. Die Flohsamenschalen während mehrtägigen Fastenintervallen haben sich jedenfalls ein zweites Mal bewährt und schützen möglicherweise auch vor Muskelkrämpfen. Ein guter Grund, sie bei mehrtägigen Fastenintervallen beizubehalten. 

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Es ist gerade ja keine Zeit, in der allzuviel Optimismus verbreitet wird. Aber genau deshalb sollte man gute Nachrichten nicht verschweigen, und das ganz besonders, wenn sie unerwartet sind. 

Wo steht es nämlich eigentlich geschrieben, daß menschengemachte Veränderungen immer unheilvolle Wirkungen haben müssen? Kann das nicht auch umgekehrt laufen? Dafür scheint es jetzt ein Beispiel zu geben. 

In China boomt ja neuerdings bekanntlich die Erzeugung von Solarstrom - das alleine ist ja schon eine gute Nachricht. Denn niemand hätte China zwingen können, das zu tun. Daß China es trotzdem tut, sollte all denen zu denken geben, die glauben, das Klima wäre nur zu retten, indem man hierzulande Leute dazu zwingt, Dinge zu tun oder zu unterlassen, die sie von alleine nicht täten. Gescheiter wäre es meiner Meinung nach, sich mal mit der Frage zu befassen, was genau China überzeugt hat, sich aus freien Stücken dafür zu entscheiden, und ob Chinas Gründe nicht hierzulande auch ein überzeugendes Argument für erneuerbare Energien wären, die man entsprechend verbreiten müßte.  

Die Sache hatte in mehr als nur einem der großen chinesischen Solarparks aber noch eine nicht erwartete positive Nebenwirkung: Das Wüstengebiet, in dem die Solarparks stehen, fängt plötzlich an, Vegetation zu entwickeln. Das hat zum einen mit dem Schatten durch die Solarpaneele zu tun, zum anderen mit dem heruntertropfenden Wasser, wenn sie gereinigt werden  Das finde ich richtig spannend, denn laut dem Bericht geht man zwar davon aus, daß die Herrlichkeit rasch ein Ende finden würde, sobald der Solarpark nicht mehr betrieben würde. Aber so ein Solarpark wird ja schon für längere Zeiträume eingerichtet und wird deshalb so schnell nicht verschwinden. Die Frage ist, wie sich das örtliche Mikroklima verändert haben wird, wenn der Solarpark einmal ein bis zwei Jahrzehnte Bestand gehabt haben sollte und vielleicht dann abgebaut wird. Das kann sogar dann dauerhafte Veränderungen bedeuten, wenn es keinen Plan gibt, auf welche Weise man die neu gewonnene Nicht-Wüste sich bewahren kann - und ich kann mir nicht vorstellen, daß es einen solchen Plan dann nicht ohnehin geben wird. 

Der zu üppige Bewuchs brachte die Betreiber sogar in Verlegenheit, weil die Solarpaneele zuzuwachsen drohten. Es ergab sich daraus als einfachere Lösung, als regelmäßig zu mähen, dort einfach Schafe weiden zu lassen, die nun natürlich auch den Boden kontinuierlich düngen und damit natürlich weiter verändern. 

In Deutschland wiederum gibt es erste Projekte, in denen eine Wiedernaturierung von Moorlandschaften mit Solarparks kombiniert werden. 

Das finde ich richtig spannend. Wer weiß, wie sich solche Gebiete innerhalb einiger weiterer Jahre noch entwickeln und welche neuen Möglichkeiten sich daraus ergeben, die den Risiken des Klimawandels unerwartete neue Chancen entgegensetzen können? 

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Ob die neue baden-württembergische Landesregierung ebenfalls ein unerwarteter Lichtblick ist, muß sich in der Praxis erst noch erweisen. Ich bin ja bekennender Nichtwähler und bevor ich die Partei des neuen Ministerpräsidenten jemals wieder wähle, müssen noch viele bislang ungeschehene Dinge geschehen. Aber ich muß zugeben, Winfried Kretschmann hat im Lauf der Zeit meinen Respekt erworben, auch deshalb, weil er sich sozusagen als der Manfred Rommel unter den Grünen erwiesen hat: jemand, der ein eigenes Wertesystem mitbringt und danach handelt, auch wenn dies quer zur offiziellen Parteilinie steht. Boris Palmer, für den das an sich ebenfalls gilt, fiel mir im Vergleich zu Kretschmann aber meistens eher unangenehm auf, weil er von seinem verstorbenen Vater, Helmut Palmer, einen gar zu starken Hang zu Polemik geerbt zu haben scheint. So etwas ist genau wie sein Dickschädel auch etwas sehr Schwäbisches, und mir sind solche Leute allemal noch lieber als solche, die ihr Mäntelchen immer nach dem Wind hängen. Aber im Moment brauchen wir eher Leute, die durch ihr ausgleichendes Wesen befähigt sind, Mehrheiten zu überzeugen, als solche, die einen ununterdrückbaren Drang haben, wider den Stachel zu löcken.

Am Rande erwähnt: Der 95jährige Nachbar, der uns beim Schneiden unserer Obstbäume unterstützt hat, schwört heute noch auf die Helmut-Palmer-Methode beim Bäumeschneiden. Jetzt, wo unsere beiden alten Apfelbäume wieder voll belaubt sind, kann ich jedenfalls mindestens bestätigen, daß unsere Bäume für diese Art von Schnitt ziemlich dankbar wirken. 

Zurück zur neuen Landesregierung. Anfangs sah die Sache ja nicht sonderlich vielversprechend aus, als nach der Wahl die CDU sofort damit anfing, wieder herumzustänkern. Bei allem Verständnis für ihre Enttäuschung nach der knappen Wahlniederlage, ich habe erst einmal laut aufgelacht, als einige Verblendete in der CDU laut in den Medien darüber nachdachten, die Verhandlungen platzen zu lassen und damit Neuwahlen zu erzwingen. Denn wie vernagelt muß man eigentlich sein, um nicht zu begreifen, wie sehr die Wähler sich dadurch verarscht vorgekommen wären und wie wenig sich die CDU jetzt noch leisten kann, sie zu verarschen. Nach einer Neuwahl hätte die CDU nie im Leben den Ministerpräsidenten gestellt. Das einzige, was sie zu erwarten hatte, war eine ungünstigere Verhandlungsposition in den Koalitionsverhandlungen als nunmehr eindeutiger Juniorpartner. Und selbstverständlich hätten sie nebenbei auch der AfD ein paar zusätzliche Prozentpunkte verschafft. Die bloße öffentliche Gedankenspielerei war meiner Meinung nach deshalb verantwortungslos, aber man muß auch am machtpolitischen Verstand derer zweifeln, die auf diese Schnapsidee gekommen sind. 

Daß es die Verblendeten in der Ländle-CDU immer noch gibt, zeigte die Ministerpräsidentenwahl, in der Özdemir deutlich weniger Stimmen bekam, als sie Grüne und CDU zusammen hatten. Aber immerhin reichte die Verblendung nicht so weit, daß sich unter diesen Leuten auch welche gefunden hätten, die zusammen mit der AfD abstimmten, als die AfD ihnen mit dem Antrag, über einen Ministerpräsidenten Manuel Hagel abzustimmen, einen ziemlich verlockenden Köder hinwarfen. Es macht mir dann doch wieder ein bißchen Mut, daß in der CDU wenigstens niemand dieser Versuchung nachgegeben hat. Mögen tun diese Verblendeten die AfD dann doch nicht, sie mögen nur die Grünen auch nicht. Aber sie sollen die Grünen ja auch nicht heiraten, sondern nur eine Koalition mit ihnen eingehen. 

Es gibt da seit einiger Zeit einen Podcast, Machtwechsel, von Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander über die aktuelle Bundesregierung und ihre Politik, und an ihm finde ich besonders interessant, daß er so gut auseinanderfitzelt, welche von außen gar nicht erkennbaren Kräfte innerhalb der Parteien wirksam werden, wenn über Regierungsfragen verhandelt, gestritten und wie am Ende die Kompromisse ausgeknobelt wurden. Ich höre das momentan regelmäßig und mit Interesse, finde es aber immer wieder bizarr, wie weit weg von der gesellschaftlichen Realität solche parteiinternen Querelen wirken, in denen es vor allem um innerparteiliche - oder in einer Koalitionsregierung um zwischenparteiliche - Machtspielchen geht, bei denen es vor allem darum geht, innerhalb der Partei die Fliehkräfte unterschiedlicher Richtungen auszubalancieren. Denn, Überraschung, Parteien bestehen nicht aus lauter Parteisoldaten, die alle dieselbe Meinung haben. In allen Parteien gibt es verschiedene Flügel, deren Vorstellungen von guter Politik sich beträchtlich unterscheiden können. Einen gemeinsamen Nenner zu finden - innerhalb einer Partei wie auch zwischen den Parteien einer Koalitionsregierung - mag unvermeidbar sein. Was mich daran so stört, ist, daß Parteitaktik offenbar einen weitaus höheren Einfluß auf Gesetzesvorhaben hat als das Interesse der Gesellschaft, und auch die Kommunikation, die über die Medien stattfindet, vor allem das Ziel hat, für sein jeweiliges Lager möglichst viele Vorteile zu bekommen. Und wenn man dafür vorher erst noch einen Bürgerkrieg oder den Sieg einer faschistischen Partei auslösen muß! Die Gruppendynamik innerhalb der bestehenden politischen Parteien bietet nur Anreize zu verantwortungslosem Verhalten, und das zu unser aller Schaden. 

Jedenfalls, an das, was ich aus diesem Podcast mitgenommen habe, mußte ich denken, als die ersten Stimmen in BW aufkamen, die das Platzen der Koalitionsverhandlungen in Kauf genommen hätten. Da spielte offensichtlich nur innerparteiliches Gedöns in der CDU-Echokammer eine Rolle, obwohl es doch an sich nichts als Beobachtung des Wählerverhaltens früherer Jahre plus etwas logisches Denken gebraucht hätte, um sofort zu begreifen, daß die CDU sich, würde sie Neuwahlen provozieren, nur ins eigene Knie schießen konnte. Wieso erkannten die Verfechter dieser Lösung das nicht selbst? Warum konnten Vernünftigere in der Partei sie nicht überzeugen? Diese Art von Betriebsblindheit wirkt sich jedenfalls verheerend aus, was die Herangehensweise an die Probleme betrifft, weil sie - für jeden Bürger erkennbar - gar nichts mit ihrem eigenen Wohl und Wehe zu tun hat. Sie weckt den Anschein, daß man sich kaum noch verschlechtern würde, wenn man die AfD wählt. Das ist zwar ein Irrtum, aber es ist auch eine Folge der Erkenntnis, wie egal wir alle den etablierten Partei geworden sind. Wir sind im Zweifelsfall immer unwichtiger als der Hinterbänkler, den man unbedingt im Boot halten muß (und der sich um uns natürlich auch nicht weiter schert). 

Wie auch immer, als man in Baden-Württemberg dann endlich soweit gewesen war, die Koalitionsverhandlungen aufzunehmen, ging auf einmal alles ganz schnell, und die ersten Absichtserklärungen nach deren Abschluß ließen mich sogar aufhorchen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir zu viele Hoffnungen mache, aber mir schien da ein neuer Ton enthalten zu sein, und so kam es, daß ich mir während des Fensterputzens auch die Regierungserklärung von Ministerpräsident Özdemir anhörte, um herauszufinden, ob ich diesen neuen Ton darin wiederfinden würde. 

Das meiste, was Özdemir sagte, klang dann zwar recht konventionell - wie es ein routinierter Redenschreiber eben immer fabriziert -, aber das Ende fand ich recht interessant und zitiere jetzt mal einen Teil daraus:  

 ... die neue Landesregierung steht für eine neue bürgerliche Politik. Der Begriff „bürgerlich“ steht dabei nicht für das Einkommen, für den Lebensstil oder für Äußerlichkeiten. Er steht für die richtige Balance zwischen Eigensinn und Gemeinwohl. Denn wir sind beides: Individuen, die ihren eigenen Kopf haben, eigene Ideen und eigene Interessen, und gleichzeitig sind wir Teil einer Gemeinschaft. Wir sind aufeinander angewiesen, und mehr noch: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Der Begriff „bürgerlich“ steht für die Einsicht, dass Freiheit und Verantwortung zusammengehören, dass wir Bürgerrechte und Bürgerpflichten haben. Er steht für den Respekt gegenüber Mitmenschen und Institutionen. Er steht für den Wert der Eigeninitiative. An manchen Stellen brauchen wir weniger Anspruchsdenken und mehr Verantwortungsbereitschaft: anpacken, mitmachen, Verantwortung für sich selbst und für andere übernehmen – so wie es in Baden-Württemberg jeden Tag geschieht.

Für uns als politisch Verantwortliche heißt das: Zu oft haben wir versprochen, was wir nicht halten können – und den Eindruck erweckt, der Staat könne vor allem und jedem schützen. Aber der Staat kann uns nicht jedes Risiko abnehmen. ... Unsere Demokratie lebt von Bürgerinnen und Bürgern, die sich einbringen und Verantwortung übernehmen. Sie zieht ihre Kraft aus dem gemeinsamen Handeln. Damit staatliches Handeln wirksam ist, braucht es aktive Bürger als Gegenstück.

Dieser Zusammenhang ist uns als Landesregierung wichtig. Und ich spreche ihn aus, weil leichtfertige Versprechen der Politik am Ende immer das Gleiche bewirken: Sie zerstören Vertrauen. Vertrauen aber ist die wichtigste Ressource einer Demokratie – gerade in Zeiten wie diesen. Wir brauchen dieses Vertrauen – zwischen Regierung und Bevölkerung, aber auch untereinander. Denn was vor uns liegt, gelingt nur gemeinsam. ...

Die beiden fett markierten Passagen sind Schlüsselpassagen, allerdings muß ich zugeben, ich bin mir nicht sicher, wie neu und originell sie sind, weil ich jetzt natürlich nicht alle Regierungserklärungen der letzten Jahre durchlesen kann. Vielleicht sind es ja nur die üblichen Lippenbekenntnisse, auch wenn die neue Landesregierung in manchen Bereichen einen neuen Ton gesetzt hat, und ich das mit diesem Wissen im Hinterkopf las. Ich weiß auch nicht, was Özdemir vor dem geistigen Auge hatte, aber ich jedenfalls hatte für beide Passagen ein sehr konkretes Bild: 

Zum Ersten die Verbindung der individuellen Interessen mit denen einer Gemeinschaft. Ich glaube, ich weiß nämlich, warum das Bewußtsein für dies so stark erodiert ist. Es ist ja das von allen Seiten einschließlich der Politik als Selbstverständlichkeit unausgesprochen vorausgesetzte Ideal, daß jeder Bürger in jeder Lebenslage alleine zurechtzukommen können muß, also ohne Hilfe von anderen. Wo für jemanden dieses Ideal nicht erreichbar ist, soll er niemanden um Hilfe bitten müssen, wie das noch vor ein paar Jahrzehnten für normal gehalten wurde, sondern hat Ansprüche an den Staat. Das ist einerseits gut gedacht, es soll die Würde des Betroffenen wahren. Aber wenn man sich die aktuellen Debatten um die Grundsicherung anschaut, ist klar, daß der Staat gerade an diesem Anspruch, die Würde von Hilfeempfängern zu wahren, eindeutig scheitert. Denn stattdessen wird man ja von den Ansprechpartnern bei den Ämtern abhängig. Und da gibt es zwar wirklich auch fähige und faire Menschen, aber es ist reine Glückssache, ob man bei so jemandem landet, wenn man Hilfe vom Staat braucht. Das Gegenüber kann stattdessen ein bösartiger kleiner König sein der seine Macht gegenüber den ihm Ausgelieferten auskostet - und ausgeliefert ist man seinem Fallmanager erst einmal auf Gedeih und Verderb. Ein erbsenzählender Paragraphenreiter, der es bestimmt nicht einmal böse meint, kann ebensoviel Unheil anrichten.

Ich breche die Analyse an dieser Stelle ab, obwohl es noch viel dazu zu sagen gäbe.  

Wir brauchen aber tatsächlich wieder mehr Gemeinschaften, die Gelegenheiten geben, sich auf Augenhöhe bei Bedarf in manchen Lebenslagen gegenseitig unterstützen zu können, ohne dies als Primärzweck zu verfolgen. Das Ideal "Ich will mir immer alleine helfen können" - dem ich sehr wohl lange Zeit auch gehuldigt habe - ist nämlich eine Mogelpackung. Sie funktioniert auf Kosten von sozialen Beziehungen, in denen man sich gegenseitig immer auch allerhand Freundschaftsdienste leistet, und ersetzt diese durch bezahlte Dienstleistungen, also wieder: Ansprüche statt freiwilliges Entgegenkommen. Es hat mich erstaunt und auch betrübt, wieviele Freundschaften sich lockerten und irgendwann ganz versackten, als ich nicht mehr andauernd alle möglichen Leute um Hilfe bitten mußte - und meinerseits von ihnen um Hilfe gebeten wurde, wie das bei Alleinerziehenden bis zu einem gewissen Alter ihrer Kinder ja kaum vermeidbar ist. Als ich wirtschaftlich halbwegs autark geworden war, also mich dem Ideal ziemlich weit angenähert hatte, stellte ich fest, daß ich immer weniger und immer losere soziale Beziehungen hatte.

Es ist vernünftig, sich in Gemeinschaften zu bewegen, in denen man Hilfe bekommen und Hilfe geben kann, und zwar auf freiwilliger Basis und aus einem Bewußtsein der Verbundenheit heraus. Das alles ersetzt keine staatlichen Hilfen, aber es kann auch helfen, nicht in die Hilfsbedürftigkeit gegenüber dem Staat hinein- oder schneller wieder aus ihr herauszukommen, es kann moralisch unterstützen und kleine Erleichterungen mit sich bringen - und es fühlt sich auch gut an, wenn man trotz der eigenen Situation auch anderen in dieser oder jener Sache hilfreich ist. Aber vor allem wäre es ein Mittel gegen dieses Gefühl des Ausgeliefertseins irgendwelcher merkwürdiger Mechanismen, staatlicher oder wirtschaflticher, und natürlich auch gegen die Einsamkeit, die - wenig überraschend - als Folge des langjährigen Ideals des "sich immer alleine Helfens" neuerdings zur Volkskrankheit erklärt wird. Es bringt Menschen außerdem dazu, sich anderen Meinungen auszusetzen, die sie nicht mögen, und auch das wirkt psychisch stabilisieren und stabiliert damit auch politisch. 

Zum Zweiten bin ich schon seit Jahrzehnten der Meinung, der Staat ist einerseits zu übergriffig geworden, und das gerade im Bereich der persönlichen Risiken, etwa im Bereich Gesundheit. Aber andererseits hat jeder neue staatliche Schutz in diesem Bereich den Menschen nicht etwa das Gefühl vermittelt, besser geschützt zu sein, sondern sofort mindestens ein halbes Dutzend Forderungen nach sich gezogen, wo man sonst überall noch geschützt werden müsse, meistens solche, die strukturell ähnliche Dinge betrafen. Mit jeder Sache, die ihrer eigenen Entscheidung entzogen wird, scheinen Menschen auch ihre Befähigung zu verlieren, sich um ihre Angelegenheiten selbst zu kümmern. Und weil sie sich subjektiv unfähig dazu fühlen, soll es dann halt der Staat richten. Da der Staat aber schon jetzt mit seinen selbstauferlegten Aufgaben überfordert ist, möchte er natürlich nicht noch weitere übernehmen müssen.

Diesen Geist hat er selbst aus der Flasche gelassen, und so wäre es sein Job in diesem Spannungsfeld, neu zu definieren, was seine Aufgaben sind und was nicht, und dies mit einem roten Faden zu versehen, der einer Mehrheit einleuchtet und an dem man sich bei künftigen Rufen nach staatlichem Eingreifen orientieren kann, um zu beurteilen, ob dies zu Recht gefordert wird oder man verlangen könnte, daß die Leute sich selbst helfen. 

Wieviel von meinen Gedanken in Özdemirs Forderungen stecken - vielleicht viel, vielleicht wenig, vielleicht gar nichts -, wird sich zeigen. Mein Eindruck war aber immerhin, daß die Regierung Özdemir/Hagel sich das Ziel gesetzt hat, ein Gegenentwurf zur Bundesregierung und deren Art, ihre Aufgaben anzugehen, zu werden und damit vorzumachen, wie man konstruktive Politik macht und miteinander als Koalitionspartner anständig umgeht. Ob das durchgehalten werden kann, bleibt abzuwarten, ebenso, ob das auch für die Fokussierung auf Landesinteressen anstelle von Parteiinteressen gilt. Sie bemühten sich jedenfalls im Moment, eine entsprechende Haltung zu vermitteln, und das überzeugend genug, daß ich ihnen die gute Absicht jedenfalls einmal abkaufe. Wenn sie jetzt noch eine überzeugende Vision liefern, wo wir als Gesellschaft hinwollen, kann das mit etwas Glück der Befreiungsschlag der bürgerlichen Mitte werden, den die Bundesregierung nicht liefern kann, weil sie gar nicht kapiert, wo ihre Hauptfehler liegen. Ich bin mir auch ziemlich sicher, daß man auch finanzielle Einschnitte den Leuten vermitteln kann, wenn sie als Teil eines Gesamtkonzepts erkennbar sind, mit dessen Zukunftsvisionen sie sich grundsätzlich identifizieren können. 

Übrigens, auch als Nichtwähler hätte ich in einer direkten Entscheidung Cem Özdemir Manuel Hagel vorgezogen, weil er viel mehr politische Erfahrung mitbringt, nicht nur in der Sachpolitik, sondern auch im Umgang mit den unvermeidlichen innerparteilichen Fliehkräften. Daß der Hagel seinen Partei-(Sau-)Laden viel weniger im Griff hat, war angesichts seines Alters anzunehmen und man konnte es dann ja nach der Wahl auch live besichtigen, daß dieser Verdacht richtig war. Was die CDU da für ein Bild abgegeben hat, fällt natürlich auch auf Hagel zurück. Jetzt hat er fünf Jahre Zeit, im Amt zu wachsen und sich zu profilieren, danach sieht man weiter. Daneben finde ich es aber auch ziemlich schick, daß ausgerechnet das in großen Teilen ländlich geprägte Baden-Württemberg so wenig Probleme mit Özdemirs türkischen Wurzeln hatte, daß es als erstes Bundesland einem solchen Spitzenkandidaten zum Amt verholfen hat. Eigentlich hätte man ja eher vermutet, daß dies in einem der Stadtstaaten passieren würde, also Berlin, Hamburg oder Bremen. 

Ich bin der Meinung, die Band Füenf sollte ihren Song "Mir im Süden" um eine neue Strophe ergänzen, die dies thematisiert. Denn mir im Süden sind zwar vielleicht weniger dick aufgetragen progressiv und tolerant, als das in Berlin die einschlägigen Kreise immer so demonstrativ zelebrieren, und deshalb wollen wir auch einen Ministerpräsidenten, der so schwätzt wie onseroiner au. Da Özdemir das tut, ist er von hier und ist auch für bodenständige Dörfler in jedem Fall wählbarer als irgendein Kandidat, der gestochenes Hochdeutsch redet. Der Gedanke, jemanden, der Schwäisch schwätzen kann, für aus irgendwelchen verschwurbelten rassistischen Theorien heraus irgendwie genetisch problematisch zu halten, hat sich hierzulande bei der letzten Landtagswahl somit als nicht mehrheitsfähig herausgestellt. Und das ist in jedem Fall positiv. 

Diese Landesregierung hat eine große Chance, nämlich sich so vorteilhaft von der Entscheidungsfindung innerhalb der Bundesregierung abzuheben und vielleicht sogar - etwa mit den kühnen Plänen zum Bürokratieabbau - mit zukunftsweisenden Weichenstellungen bundesweit Maßstäbe zu setzen. Ob sie diesem Anspruch gerecht wird, werden wir sehen. 

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Die Sache mit den Split-Klimaanlagen wird langsam konkret. Die letzten Tage habe ich mich noch einmal intensiver mit den auf dem Markt erhältlichen Geräten befaßt und stieß bei einem Hersteller, dessen Gerät in unserer engeren Wahl ist, auf einen Nachweis der Kältetechnik-Unternehmen in unserer Region, die dessen Anlagen verbauen. Eigentlich wollte ich ja eines direkt bei uns im Teilort beauftragen, aber dieses gehört leider nicht dazu. Dafür fand ich in dieser Liste aber eines, das ausschließlich Klimaanlagen verbaut - und ausdrücklich mit deren Heizmöglichkeiten wirbt. Das war nämlich der eine Punkt, der mir ein bißchen Sorgen gemacht hatte: Alle anderen Unternehmen, die ich gecheckt habe, bieten nicht nur Klimaanlagen, sondern alle möglichen haustechnischen Leistungen, darunter auch alle möglichen Heizlösungen an. Nirgends wurde aber das Heizen mit Klimaanlagen auch nur erwähnt, und so fragte ich mich schon, ob so ein Unternehmen uns vielleicht als Heizung nur widerstrebend ein Klimagerät einbauen würde, da wir uns weder für Solarthermie noch für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe begeistern lassen würden, und ob es überhaupt genügend Erfahrungen mit dieser Nutzungsart mitbringt, nicht nur technisch, sondern auch, was die Förderung betrifft. Denn heizen mit Klimaanlagen bedient ja weiterhin eine Nische. 

Hinzu kommt aber außerdem, daß dieser Nischenstatus vermutlich dafür sorgt, daß dieses spezialisierte Unternehmen etwas weniger überlaufen ist als diejenigen, bei denen man von Öl über Gas bis Wärmepumpe alles mögliche an Heizlösungen bekommen kann. Nun gut, jetzt ist natürlich die Jahreszeit, in der man auch wegen der Kühlung auf solche Unternehmen bereits zukommen könnte, aber mit ein bißchen Glück fällt das dem durchschnittlichen Klimaanlagen-Auftraggeber erst ein, wenn die Situation da ist, also die Innentemperaturen sich den 30 Grad nähern. 

Einstweilen habe ich den Kältetechniker noch nicht erreicht, womöglich ist er im Pfingsturlaub. Aber ich bin jetzt soweit, diese Sache aktiv in Angriff zu nehmen. Dafür haben wir den letzten Wohnungsverkauf auf August verschoben, in der Hoffnung, daß das Gebäudemodernisierungsgesetz bis dahin durch ist. 

Seit gestern besitze ich erstmals ein eigenes Smartphone, das ich im Herbst auf eine knapp einwöchige Reise mitnehmen will, eigentlich nicht so sehr zum Telefonieren, sondern eher, um Fotos machen und direkt verschicken zu können. Es geht nämlich an den Geburtsort meiner Mutter. Aber ich habe bereits festgestellt, daß dieses Gerät sehr nützlich ist, um herauszufinden, welche der in letzter Zeit aus dem Boden gekommenen Pflanzen bei uns im Garten die von uns freudig erwarteten Gemüsepflanzen sind und welche Unkraut. Ohne das Smartphone wüßte ich beispielsweise nicht, daß meine Alexandra-Kartoffeln - die letzten, schon arg verschrumpelten hatte ich kurzerhand neben der Terrasse eingepflanzt - tatsächlich kommen. Wir haben aber auch noch an anderer Stelle die kleinsten der im letzten Herbst ausgebuddelten Kartoffeln reingesetzt, und die kommen auch. Aber als dritte Kartoffel-Stelle kamen auch noch drei Überraschungs-Pflanzen, wohl aus Kartoffeln, die ich letzten Herbst beim Ernten übersehen hatte - etwas entfernt von der Stelle, wo ich gegraben hatte; daß da auch noch Kartoffeln sein könnten, hatte ich nicht erwartet. Mein Anfängerglück setzt sich also fort. Letztes Jahr wuchsen die Kartoffeln unerwartet zwischen allen möglichen anderen Pflanzen, vulgo Unkraut. Dieses Jahr will ich meinen Kartoffelpflanzen etwas mehr Freiraum verschaffen, und nebenbei lerne ich dann dank der Pflanzenbestimmungs-App auf meinem Smartphone auch endlich die Namen all dieser Unkräuter, die sich bei uns breitmachen.