Mein Gewicht heute früh zu Beginn des nächsten viertägigen Fastenintervalls: 79,1 Kilogramm. 1,2 Kilogramm weniger als vor zwei Wochen. Das hat - wenigstens zum Teil - vermutlich damit zu tun, daß die 80,3 Kilogramm vor dem letzten langen Fastenintervall nicht wörtlich zu nehmen waren, ein Indiz dafür war, daß im Anschluß die Abnahme eine der höchsten war, die ich in vier Fastentagen jemals erlebt habe. Ein anderer Teil könnte damit zusammenhängen, daß ich jetzt am Samstag endlich mit meinem Experiment mit den Flohsamenschalen beginnen konnte und tatsächlich den Eindruck habe, daß sich das erheblich auf meine Verdauung auswirkt. Ich habe den Eindruck, daß auch die 79,1 Kilogramm ganz ähnlich wie die 80,3 vor zwei Wochen zu werten sind, ich muß nämlich andauernd für kleine Bloggerinnen.
Jetzt mache ich das erst mal zwei Wochen lang so weiter, wie ich begonnen habe, nämlich täglich zwei Teelöffel Flohsamenschalen, auch an Fastentagen. An normalen Tagen mit etwas Joghurt, an Fastentagen mit Wasser, das schmeckt zwar nach gar nichts, aber es ist auch nicht unangenehm. Danach trinke ich einen halben Liter Sprudel, weil das Zeug ja ordentlich aufquillt und deshalb viel Flüssigkeit braucht. Und zwar nehme ich das Zeug vormittags, aber erst nachdem ich den Kaffee getrunken und mich angezogen habe. Gestern habe ich das nämlich andersherum gemacht und hatte den Eindruck, das bekam mir längst nicht so gut wie am Tag davor, als ich es "richtigherum" gemacht habe. Abends wird davon abgeraten, und das leuchtet mir auch ein. Nachts trinkt man ja nicht, und war die Trinkmenge vorher zu gering, verstopft man mit zunehmendem Aufquellen ja erst recht.
Nach zwei Wochen entscheide ich, ob ich es anschließend einmal für denselben Zeitraum mit Flohsamenschalen nicht täglich, sondern nur "bei Bedarf" ausprobieren will. Im Moment bin ich mir da noch unschlüssig. Vielleicht verlängere ich aber auch erst einmal um weitere zwei Wochen, falls ich dann noch nicht das Gefühl habe, sicher genug zu wissen, wie ich die Wirkung einschätzen muß.
Ob die Sache "nur" auf meine Verdauung oder auch auf die Entwicklung meines Körpergewichts Einfluß haben wird, kann ich jetzt natürlich auch noch nicht sagen. Ich beobachte und werde berichten.
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Bei der TAZ fand sich nun doch jemand, der die Zuckersteuer kritikwürdig findet, allerdings aus anderen Gründen als ich. Wie bei der TAZ-Kritik an der Tabaksteuer ist aber auch dieser Einwand durchaus berechtigt. Mir war das gar nicht so bewußt, daß es bei der geplanten Steuer nur um Zucker in Limonaden geht, die - und auch das war mir noch nicht vollständig klar gewesen - im Ruf eines "Unterschichtengetränks" stehen, so, wie Rauchen auch eine Zeitlang als "Unterschichtenverhalten" gelabelt wurde.
In Wirklichkeit steckt hinter dieser Sache eine andere Beobachten: Das Fehlen von Aufstiegsehrgeiz und der Bereitschaft, sich an das "gesellschaftlich Akzeptable" anzupassen. Das ist tatsächlich häufig dort zu finden, wo man sich bereits damit abgefunden hat, daß man einen Aufstieg sowieso nicht zu erwarten hat. Es kann aber auch bedeuten, daß man so weit aufgestiegen ist, daß einem die Dinge, die "man" tut oder läßt egal sein können - oder daß man es generell nicht einsieht, sich an solchen Vorgaben zu orientieren.
Das Gesundheitsverhalten ist übrigens eine recht interessante Art, den Aufstiegsehrgeiz zu testen. Wenn ich es beispielsweise für typisches vorauseilend devotes Aufsteigerverhalten halte, bei Interviewfragen nach dem Hobby irgendeine Freizeitsportart anzugeben, dann pflegen die meisten Manager und sogar Mitglieder von Konzernvorständen tatsächlich auch ein devotes Aufsteigerverhalten. Das fällt mir nämlich seit zwanzig Jahren auf, daß neue Führungskräfte beim ersten Interview praktisch immer behaupten, regelmäßig zu joggen, mit dem Rennrad zu fahren oder sonst irgendwelche langweiligen Leibesübungen zu machen. Auch wenn manche von ihnen das wirklich gerne tun, diese Art der Freizeitgestaltung ist in diesen Kreisen zu omnipräsent, um wahr zu sein.
Aber zurück zur "Unterschicht", der solche Anforderungen an einem gewissen Körperteil vorbeigehen, was immerhin ein Stück persönliche Autonomie verleiht.
Wieder einmal bekommen „die da unten“ das Signal mitgegeben, dass ihre Lebensart falsch ist, während die Gebildeten angeblich alles richtig machen.
Die Erkenntnis, daß Fruchtsäfte insgeheim ungefähr genauso ungesund sind wie Limonaden, ist zwar bei dem TAZ-Autor offenbar angekommen, aber sonst noch nicht so richtig verbreitet, vor allem unter gesundheitsbewußten Mittelschichtmüttern nicht.
Ich gebe dem TAZ-Autor im Grundsatz recht, und zwar deshalb, weil ich genau weiß, wie sich diese permanente Grundstimmung der Gereiztheit anfühlt, wenn sich bei einem der Eindruck verfestigt hat, daß man ein Leben führt, für das einen die Gesellschaft ablehnen zu dürfen glaubt, und wie zusätzliche neue Belehrungen und Schikanen wie eine Verteuerung dessen, was man weiter konsumieren möchte, wirken, die einen in dieser Grundstimmung treffen. Das konditioniert im Laufe der Zeit so sehr, daß man die Wände ebenfalls hochgeht, wenn einen eine dieser Belehrungen überhaupt nicht selbst betrifft. Da kann es durchaus sein, daß man sich als Biertrinker mit den Limotrinkern solidarisiert. Und sollte man auf eine gesellschaftliche Kraft stoßen, die einem das Gefühl gibt, das was man tut und auch tun will, sei völlig in Ordnung, mag man sie natürlich auch mehr als diejenigen, die einem andauernd mit dem Zeigefinger winken.
Die Kommentare bei Bluesky zu dem TAZ-Meinungsartikel sind ein wahres Gruselkabinett der unterschiedlichsten Bretter, die Leute vor dem Kopf haben können, wenn sie völlig überzeugt davon sind, das Richtige zu wissen und zu tun. Wäre ich ein Lehrer, bekämen sie von mir alle eine Fünf für "Thema verfehlt". Der TAZ-Autor macht sich ja erkennbar viel größere Sorgen um die Umfragewerte der AfD als um gesundheitspolitische Fragen. Die Kommentatoren bei Bluesky haben nicht einmal die Fragestellung kapiert, vermutlich, weil sich ihnen der Zusammenhang nicht erschlossen hat.
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Dieses verlängerte Wochenende haben wir damit verbracht, das wild wuchernde Unkraut im Garten zu dezimieren, alle möglichen Pflanzen einzusetzen und einige neue Jungpflanzen zu kaufen, bei denen die Anzucht dieses Jahr leider nicht geklappt hat, etwa - ausgerechnet - die Zucchini. Außerdem haben wir überall, wo wir nichts anpflanzen, sondern halbwegs trockenen Fußes durchlaufen wollten, mit Häcksel bestreut, damit es bei Regen nicht so glitschig ist. Mein Mann hat außerdem einen Teil des Holzstapels in der Feuerschale verbrannt und nebenbei zu meinem Entsetzen die Blätter an den äußersten Zweigen unseres Apfelbaums in der aufsteigenden Hitze zum Welken gebracht, weil die Feuerschale zu nahe am Baum stand. Wir hoffen, daß sich die Blätter wieder berappeln.
Im Häckselhaufen fanden wir riesige Ungetüme von Engerlingen, sicherlich 10 cm lang, die ich so unheimlich fand, daß ich Google befragte. Nun weiß ich, daß wir Nashornkäferlarven (und vielleicht auch ein paar ausgewachsene Exemplare?) bei uns im Garten. Das ist gut, denn das sind keine Schädlinge, sondern Nützlinge. Sie ernähren sich vom Holzresten. Kein Wunder, wenn man es bedenkt. Im Garten waren ja jahrelang diese zwei abgestorbenen Bäume. Ein bißchen Altholz sollten wir unseren Nashörnern wohl weiter lassen. Da werde ich meinen feuerschalenbegeisterten Göttergatten wohl ein bißchen in seinem Eifer bremsen müssen.
Mein Mann hatte ja den abfallenden hinteren Teil des Gartens terrassiert und mit selbstgeflochtenen Haselzäunen befestigt. Jetzt haben wir festgestellt, daß der Zaun lebendig geworden ist. Die Haselpflöcke im Boden treiben nämlich aus. Die Eichhörnchen und die Mäuse werden sich freuen.