Mein Gewicht heute früh: 74,9 Kilogramm. Verflixt nochmal. Das ist mehr, als ich erwartet hatte, auch mit Beton im Gedärm, der sich erst nachmittags löste. Es bedeutet, daß meine Abnahme im langen Fastenintervall gerade mal fünf Kilogramm betragen hat. Normal liegt außerhalb der Low-Carb-Phasen die Abnahme irgendwo zwischen "über fünf" und "unter sechs" Kilogramm, Ausreißer nach oben und unten gibt es zwar, aber sie sind eher selten. Heute hatte ich ein solches Ergebnis, und das leider in der falschen Richtung.
Nun ja. Da es nun einmal so ist, wie es ist, mache ich halt mit diesem unbefriedigenden Ergebnis weiter. Es sieht also immer mehr nach einem Endspurt im Anschluß an LC aus. Mein Mann weiß davon auch immer noch nichts - es hat sich irgendwie nicht ergeben. Er ist im Moment nicht so oft ansprechbar, wenn ich daran denke, weil er sich die meiste Zeit in der Werkstatt aufhält, um die Bretter für die selbstentworfene Küchenzeile zu sägen.
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Die Medien bringen Jubelberichte über die tollen Fortschritte bei den Krebstherapien, basierend auf der Krebsstatistik 2026 der American Cancer Society, und die Follow-the-Science-Fraktion auf Bluesky und Twitter jubelt mit. Sieben von zehn Krebspatienten, heißt es darin, überleben heute (gemeint sind die Jahre zwischen 2015 und 2021) fünf Jahre oder länger ihre Krebsdiagnose. Das sei eine gewaltige Verbesserung, denn in den 1970er-Jahren seien es nur fünfzig Prozent gewesen und Mitte der Neunziger 63 Prozent.
Ich erlaube mir, mich durch solchen Blödsinn nur veralbert zu fühlen. Die American Cancer Society spricht nämlich mit gespaltener Zunge.
Eine Menge Krebsarten werden heute in einem viel früheren Stadium als in den Siebzigern diagnostiziert. Früherkennung macht's möglich. In den Siebzigern begann die Uhr also vor allem bei den häufigsten Krebsarten - Brust und Prostata - oft ein, zwei, drei oder sogar noch mehr Jahre später zu ticken, an der diese fünf Jahre heruntergezählt werden. Wie groß die Differenz beim durchschnittlichen Diagnosezeitpunkt ist, kann ich natürlich nicht exakt sagen, weil ich gar nicht wüßte, wo ich die Daten dazu finden sollte. Aber ich gehe davon aus, daß die heutigen fünf Jahre im Durchschnitt höchstens drei Jahren entsprechen. Bei Anpassung an diesen Faktor ergibt sich zwangsläufig, daß die 70 Prozent nicht mehr stimmen können. Ob das Ergebnis ein "Außer Spesen nichts gewesen" ist, oder vielleicht doch ein kleiner Vorteil, darüber kann höchstens spekuliert werden, aber der Anstieg um 20 Prozentpunkte ist jedenfalls wegen der nicht vergleichbaren Fünf-Jahres-Zeiträume eine klare Luftbuchung.
Das durchschnittliche Sieben-Jahres-Überleben, das ich mit dem damaligen Fünf-Jahres-Überleben vergleichen würde, kennt aber keiner. Für das Zehn-Jahres-Überleben fand ich auf Anhieb keinen Durchschnittswert für alle Krebsarten in den USA. In Großbritannien wird er mit 50 Prozent angegeben. Interessanterweise ist bei Cancer UK wiederum das Fünf-Jahres-Überleben überhaupt nicht angegeben. Das deutet darauf hin, daß das Fünf-Jahres-Überleben heute erheblich weniger über die Chancen auf ein krebsfreies Weiterleben aussagt als noch 1975. Nehme ich an, daß die UK-Angaben realistisch sind, ist anzunehmen, daß die USA auch nicht erfolgreicher sein können, denn daß deren Gesundheitssystem dem in UK überlegen sein soll, kann ich mir kaum vorstellen. Das aber würde bedeuten, daß 40 Prozent aller Fünf-Jahres-Überlebenden in den USA innerhalb der darauffolgenden fünf Jahre doch noch sterben. Das ergibt auch einen Sinn Das Risiko eines erneuten Krebsausbruchs ist innerhalb der ersten fünf Jahre am höchsten, das war wohl - neben der Tatsache, daß ursprünglich nur eine Minderheit der Krebspatienten fünf Jahre überlebte - der damalige Grund, diesen Fünf-Jahres-Zeitraum zu wählen. Die fünf Jahre eines Patienten des Jahres 1975 sind aber im Jahre 2015 oft noch gar nicht rum.
Da ich die Zahlen für das Zehn-Jahres-Überleben im Jahr 1975 in den USA nicht ermitteln konnte, weiß ich nicht, ob 50 Prozent Überlebende im Vergleich zu 1975 - die ich jetzt einfach mal als gegeben annehme - überhaupt eine Verbesserung bedeuten. Vermutlich schon (speziell bei sehr früh erkannten Krebserkrankungen dürfte ein Überlebensvorteil schon tatsächlich gegeben sein), aber der Vorteil gegenüber 1975 wird natürlich sehr viel niedriger liegen als bei Betrachtung der Fünf-Jahres-Überlebenden. Vielleicht will die American Cancer Association ja mit den Zehn-Jahres-Werten deshalb nicht hausieren gehen, weil man mit ihnen nicht renommieren kann?
Die Epidemiologie hat bei Krebs überhaupt einen unschönen Hang zu verfälschenden Statistiktricks, mit denen die Entwicklung ein wenig aufgehübscht werden kann. Das fängt damit an, daß ein Durchschnittswert für alle Krebsarten im Grunde wenig Sinn ergibt, weil die Überlebensaussichten bei verschiedenen Krebsarten so unterschiedlich ausfallen. Speziell bei Brustkrebs und Prostatakrebs erfolgt die Diagnose oft sogar so früh, daß einiges darauf hindeutet, daß ein Teil der Diagnosen nie zu einem behandlungsbedürftigen Krankheitsausbruch geführt hätte. Das ist auch einer der Gründe, warum die Zahl der Krebsdiagnosen ständig steigt.
Der Bericht der American Cancer Society erweckt bei flüchtigen Lesern genau den entgegengesetzten Eindruck, etwa in dieser Grafik:

Klammern wir an dieser Stelle die Mortalität vorerst einmal aus, die für den flüchtigen Betrachter bestimmt ganz ansehnlich wirken wird. Die Inzidenz bietet von vornherein ein weniger positives Bild. Auch wenn der erste flüchtige Blick eine positive Entwicklung ab den neunziger Jahren zu zeigen scheint, gilt das jedoch nur für Männer - und auch bei ihnen liegt der Wert je 100.000 Einwohner höher als 1975. Aber bei Frauen ist die Rate in diesem Zeitraum immer nur zwar leicht, aber bis heute kontinuierlich angestiegen.
Da es sich um altersstandardisierte Werte handelt, muß das in einer alternden Gesellschaft aber ständig steigende absolute Zahlen bedeuten. Die wurden im Bericht nicht grafisch dargestellt, aber die Schätzwerte für das laufende Jahr (die zweifellos irgendwie auf den belegbaren tatsächlichen Werten der Vorjahre basieren) fanden sich im Text:
In total, there will be approximately 2,114,850 new cancer diagnoses, the equivalent of about 5800 cases each day. In addition, there will be about 122,680 new cases of melanoma in situ of the skin and 60,730 new cases of ductal carcinoma in situ diagnosed in women in 2026.
Um die Zahlen für das Jahr 1975 herauszufinden, habe ich zum ersten Mal auf die Google-KI zurückgegriffen und hoffe, sie sind zuverlässig, da immerhin eine Quellenangabe erfolgte, die zuverlässig aussah. 1975 waren es laut dieser Quelle zwischen 600.000 und 700.000 Fälle. Das scheint mir zwar etwas zu niedrig, denn laut der Grafik weiter unten starben 1975 380.000 Krebspatienten. Wenn die Hälfte aller Erkrankten fünf Jahre nicht überlebte, würde ich die Zahl der pro Jahr Erkrankten an sich für etwas höher halten - aber nur, wenn die Zahl einige Jahre lang konstant gewesen ist, denn es geht ja jedes Jahr um Todesfälle von Erkrankten aus einem Zeitraum von fünf Jahren (die den Löwenanteil aller Krebstoten ausmachen). Es scheint aber - wieder gemäß Google-KI -, daß die Zahl der Krebsfälle sich zwischen 1965 und 1975 ebenfalls ungefähr verdoppelt hatte. Bleiben wir also bei diesem Wert und wählen vorsichtshalber lieber gleich den niedrigeren, also 600.000. In absoluten Zahlen hat in den USA zwischen 1975 und 2026 also eine Vervierfachung der Krebsdiagnosen stattgefunden. Das wird durch die Altersstandardisierung vertuscht, in der man nur einen moderaten Anstieg erkennen kann.
Und wie sieht es nun mit den Krebstodesfällen aus? Das läßt sich überschlagen: Von 600.000 Krebspatienten von 1975 überlebten 50 Prozent, also 300.000, die ersten fünf Jahre nach der Diagnose nicht. Von den 2,1 Millionen heute überlebten 30 Prozent die ersten fünf Jahre nicht, also 210.000. Knapp 1,9 Millionen überleben den Stichtag.
Sieht doch eigentlich ganz überzeugend aus, oder? Was paßt mir denn eigentlich an diesen 90.000 zusätzlichen Fünfjahresüberlebenden im Vergleich zu den Siebzigerjahren nicht?
Die Antwort habe ich schon weiter oben gegeben. Sie lautet, daß das Fünf-Jahres-Überleben heute etwas ganz anderes bedeutet als zu Zeiten, als es die Früherkennung nicht gab. Die 90.000 Überlebenden mehr erklären sich höchstwahrscheinlich vor allem daraus, daß es heute eher dem Drei-Jahres-Überleben im Jahr 1975 entspricht
Dazu ein paar weitere Zahlen.
Brust- und Prostatakrebs machen zusammengenommen knapp über 650.000 der 2,1 Millionen Krebsfälle aus, also fast ein Drittel. 91 Prozent aller Brustkrebspatientinnen (alle Stadien der Erkrankung mit eingeschlossen) überleben diese fünf Jahre heutzutage. Bei Prostatakrebs ist das Fünf-Jahres-Überleben sogar noch höher als bei Brustkrebs und liegt bei 97 %. Das bedeutet, von diesen 650.000 Patienten mit einer der beiden Diagnosen leben nach fünf Jahren noch ein bißchen über 600.000. Das ist ungefähr ein Drittel aller Krebsüberlebenden. Von den Verstorbenen machen die 50.000 Pechvögel ein knappes Viertel aus. Zwei Drittel der Krebsüberlebenden haben hingegen andere Krebs-Varianten. Bei den Verstorbenen umfassen die anderen Krebsarten aber mehr als drei Viertel. Es liegt also auf der Hand, daß sie durchschnittlich eine schlechtere Prognose haben müssen.
Betrachtet man die Sache aus einer anderen Richtung, wird noch deutlicher, daß die so stürmisch gefeierte Verbesserung mit guten Gründen für nicht so toll gehalten werden kann. Das gilt nämlich, wenn man nicht das Fünf-Jahres-Überleben und -Nichtüberleben, sondern die Entwicklung in absoluten Zahlen sieht.
In absoluten Zahlen sterben heute pro Jahr nämlich etwa 600.000 Amerikanerinnen und Amerikaner an Krebs. 1975 waren es der folgenden Grafik nach etwa 380.000 (bei zwischen 600.000 und 700.000 Diagnosen), also sind es heute pro Jahr 220.000 mehr. Das sind roundabout 600 Krebstote pro Tag, den es in den USA mehr gibt als 1975. Trotz der gesunkenen Mortalität, also der Krebstoten je 100.000 in einer altersstandardisierten Betrachtung.
Sehen so Erfolge aus?
Die blaue Linie ist in der Grafik übrigens die maßgebliche. Die rote Linie ist eine erneute reine Luftbuchung. Angeblich hätte sich die Zahl der Krebstoten ohne die supererfolgreichen Präventionsstrategien u.a. von der American Cancer Society so wie durch die rote Linie dargestellt entwickelt. Beweisen läßt sich das zwar nicht, aber es schien den Autoren wohl ausreichend, daß im Gegenzug auch niemand das Gegenteil beweisen kann.

Das erste Mal gehört habe ich von Prof. Seyfried, daß die Zahl der Krebserkrankungen in den USA ständig steige. Gemeint ist bei ihm die absolute Zahl, die natürlich bei einer Alterskrankheit auch das steigende Durchschnittsalter widerspiegelt, weshalb ich anfangs diesen Punkt gar nicht für stichhaltig hielt. Überzeugt hat es mich aber, als er in einem der Podcasts oder Vorträge außerdem anmerkte, einen Durchbruch bei der Krebsbekämpfung würde man an einem Rückgang der Krebstodesfälle in absoluten Zahlen erkennen. Das brachte mich zum Nachdenken. Auch unter den Pestärzten des 15. Jahrhunderts gab es bestimmt Fortschritte, wenn sie Maßnahmen, die nichts besser machten, sondern alles verschlimmerten, wegließen und kleinere Anpassungen in der Behandlungsmethodik oder den hygienischen Bedingungen das Leiden etwas lindern konnten. Alle diese Fortschritte zusammengenommen, die es zweifellos gegeben hat und vielleicht ja ebenfalls bestimmten Personenkreisen mehr als anderen zugute kamen, werden aber zu einem Nichts, wenn man sie mit denen vergleicht, die mit der Entdeckung des Pesterregers und der Entwicklung von Antibiotika verbunden waren. Erst dies brachte einen wirklichen Durchbruch und führte dazu, daß der Schrecken einer Pestepidemie nur noch als ein historisches Ereignis gesehen wird, vor dem sich heutzutage niemand mehr fürchten muß. Vorher mühte man sich auf einer unzureichenden Wissensbasis ab, weil die Ursachen der Erkrankung an der falschen Stelle gesucht wurden.
Genau dasselbe gilt auch für Krebs. Ein wirklicher Durchbruch müßte auch bei Krebs ganz anders aussehen als die Erfolge, für die die American Cancer Society sich so selbstgefällig selbst auf die Schulter klopft. Wir werden ihn auch bestimmt rasch sogar als Laien mit bloßem Auge erkennen, wenn er einmal eintritt.
Bei Krebs im metastasierten Stadium rühmt die amerikanische Krebsgesellschaft sich besonders spektakulärer Erfolge: Das Fünf-Jahres-Überleben sei bei Patienten in diesem Stadium am stärksten überhaupt gestiegen, nämlich von 16 auf 35 Prozent. Die schlechte Nachricht in der guten bekommen Sie jetzt von mir, da niemand sonst sie ausspricht oder auch nur wahrzunehmen scheint: Dies bedeutet, daß immer noch knapp zwei Drittel aller Patienten mit metasasiertem Krebs weniger als fünf weitere Lebensjahre zu erwarten haben. Das Ziel, für das seit den siebziger Jahren Unsummen in die Krebsforschung hineingesteckt wurden, hatte eigentlich eine bedeutend höhere Meßlatte.
Ich will nicht abstreiten, daß der Gewinn von ein, zwei, drei zusätzlichen Lebensjahren für einen todkranken Patienten eine Menge ausmacht. Aber ich bezweifle, daß Patienten eine erfolgreiche Behandlung so definieren würden, wie das die Wissenschaft gerade tut, um eigentlich enttäuschende Zahlen mit einer erfreulicher wirkenden Girlande zu versehen. (Übrigens erinnert mich das sehr an die "Erfolge" bei der Adipositasbekämpfung, die vor allem auf einer Umdefinierung dessen beruhen, was als Erfolg zu betrachten sei - ebenfalls in völligem Gegensatz zu dem, was die Patienten erreichen wollen.) Eine erfolgreiche Behandlung aus Sicht des Patienten würde dazu führen, daß er an seiner Krankheit nicht stirbt, weil sie geheilt werden kann. Dem gleichzusetzen aus dieser Perspektive ist es - jedenfalls beinahe -, wenn sie über einen so langen Zeitraum gemanagt werden kann, daß es nicht einem baldigen Todesurteil gleichgesetzt werden muß - auch dann, falls sie am Ende dennoch seine Todesursache sein sollte. Eine Menge Menschen sterben ja auch an Herz- und Kreislauferkrankungen oder Diabetes. Diese Diagnosen lösen aber längst kein solches Entsetzen und keine Todesängste aus wie eine Krebsdiagnose. Warum? Weil man als Patient guten Grund hat, zu erwarten, trotzdem noch viele gute Lebensjahre vor sich zu haben.
Das wäre also das Ziel, das man erreichen wollen müßte. Aber da die American Cancer Society so zufrieden mit ihren viel bescheideneren Erfolgen zu sein scheint, habe ich nicht den Eindruck, daß es von ihr überhaupt angestrebt wird.
Zufälligerweise sah ich nach längerer Zeit mal wieder eines von Thomas Seyfrieds Videos. Weil er darin sehr leicht verständlich erklärt, wie seiner Forschung nach eine Metastasierung abläuft und wie sie wegen dieses Ablaufs behandelt werden sollte, hier der Link zu dem mit 22 Minuten relativ kurzen Video. Für mich klingt das absolut plausibel, aber ich bin bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen, falls es fundierte Einwände geben sollte. Bislang habe ich aber noch keine gehört. Falls Seyfrieds Forschungsergebnisse irgendwo einen Haken haben sollten, dann würde ich aber vor allem von einer Organisation wie der American Cancer Society erwarten, daß sie sich mit der Sache befaßt und ihre Einwände zu Papier bringt, falls sie welche haben sollte, damit man sich damit auseinandersetzen kann. Immerhin handelt es sich ja nicht um die Ausgeburten der Phantasie eines selbsternannten Wunderheilers, bei dem das Zeitverschwendung wäre, sondern die Sache wird ja wissenschaftlich untermauert. Sollte sie aber keine schwachen Punkte finden, dann wäre es ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die Theorie samt der bisher daraus entwickelten Therapieansätze aufzugreifen und herauszufinden zu versuchen, was ein praktischer Einsatz für ein Verbesserungspotential bietet. Genau das wäre im Interesse der Patienten, in deren Interesse zu arbeiten diese Institution behauptet. Stattdessen ignoriert sie sie aber einfach und klopft sich stattdessen pausenlos selbst auf die Schulter, weil sie ja mit allem, was sie tut, so sagenhaft erfolgreich sei.
Donald Trump macht das genauso, nebenbei bemerkt.
Käme die American Cancer Society ihren Aufgaben wirklich nach, dann hätte vielleicht auch Scott Adams, der Autor der weltweit populären Dilbert-Cartoons, der vor wenigen Tagen an metastasiertem Prostatakrebs gestorben ist, eine echte Chance gehabt. Daß er keine Berührungsängste gegenüber den Methoden hatte, die auf Basis von Seyfrieds Theorie entwickelt wurde, zeigt sich, weil er erwähnte, er hätte Fenbendazol und Ivermectin genommen - es hätte bei ihm aber nicht gewirkt. Da er auch erwähnte, bestrahlt worden zu sein, kann ich mir nicht recht vorstellen, daß die Therapie bei ihm dem Seyfriedschen Press-Pulse-Konzept wirklich ähnlich war. Es ist also wahrscheinlicher, daß er konventionell behandelt wurde und seine Hoffnungen in ein vermeintliches Wundermittel setzte, das er parallel einsetzte (ob mit oder ohne Mitwirkung seines Onkologen), das aber freilich für sich alleine genommen natürlich keine Wunder wirken kann. Keines der Elemente der Press-Pulse-Therapie kann das alleine, auch nicht die ketogene Ernährung, jedenfalls nicht bei so weit fortgeschrittener Erkrankung. Das Konzept ist ein Gesamtkunstwerk, aber gleichzeitig auch ein Work in Progress. Es kann noch gar nicht perfekt sein, dazu gibt es zu wenige Gelegenheiten, es einzusetzen, weil viele Onkologen es entweder nicht kennen oder davor zurückschrecken. Wo es eingesetzt wird, dann meiste in Form einer Kompromißlösung. Das alles erschwert die Feinjustierung der einzelnen Komponenten. Das Press-Pulse-Verfahren ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber das sind die konventionellen Krebstherapien ja auch nicht. Wäre es anders, gäbe es auch die kleinen Fortschritte nicht, auf die die American Cancer Society so stolz ist. Ein Fortschritt bedeutet ja, daß das vorherige Verfahren verbessert werden konnte, also davor schlechter war, als es eigentlich hätte sein können. Es kann ja eigentlich nicht sein, daß von jedem Verfahren, daß auf einer Theorie fußt, die die aktuellen Grundlagen der Krebsbehandlung in Frage stellt, von Vornherein Perfektion verlangt wird.
Es gibt also gar keinen Grund zur Überheblichkeit gegenüber den von Adams eingesetzten Medikamente, wie ich das Twitter rauf und Bluesky runter überall lese. Adams' Tod beweist keineswegs ihre Untauglichkeit im Einsatz gegen Krebs. Wäre es anders, dann müßte man schließlich auch sämtliche Chemo-Präparate von Epirubicin aufwärts auf den Kehricht werfen, weil sie den Tod jedes zweiten Behandelten innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren ja auch nicht verhindern können.
Tatsächlich sind beide Mittel sogar ohnehin nur eine Ausweichmöglichkeit, weil dasjenigen mit den besten Erfolgsaussichten, DON, bislang gar nicht eingesetzt werden darf, und daß sich das ändert, ist so schnell wohl nicht zu erwarten. Also das populärste unter mehreren vergleichsweise unzureichenden Ersatzmitteln für DON hat bei Adams nicht gewirkt. Aber hat es das wirklich nicht? Immerhin, Adams hatte letzten Mai damit gerechnet, nicht länger als bis zum Sommer zu überleben. Vielleicht war dieses halbe Jahr ja doch dem unzureichenden Ersatzmittel zu verdanken. Und warum sollte dieses halbe Jahr weniger wert sein als eines, das man mit Hilfe von für den Patienten extrem strapaziösen Chemotherapien und Bestrahlungen herausgeschunden hat und wofür man dann natürlich gerne gelobt werden möchte.
Wer herausfinden will, ob Seyfrieds neu entwickeltes Verfahren vielleicht tatsächlich der Gamechanger ist, auf den alle Krebskranken warten, und wie man ihn bestmöglich einsetzt, der bräuchte vor allem mehr Daten. Mehr Daten müßte man aber haben wollen. Die American Cancer Society will das offensichtlich nicht. Sie scheint völlig zufrieden damit zu sein, daß jetzt nicht mehr jeder sechste, sondern nur noch jeder dritte Krebspatient den fünften Jahrestag seiner Diagnose nicht mehr erlebt, und sogar dabei ist viel statistische Schummmelei mit im Spiel. Man würde sich von so einer Organisation wirklich nicht nur mehr Klartext statt Selbstbeweihräucherung, sondern auch ein bißchen mehr fachlichen Ehrgeiz wünschen. Und vielleicht ja auch ein bißchen Bewußtsein für ethische Verantwortung.
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Ab Montag essen wir wieder sechs Wochen lang Low Carb, und die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Gestern war ich einkaufen und habe mich mit diversen Basics bevorratet und ein paar vereinzelte, die ich nirgends fand, online bestellt. Eines davon waren Kartoffelfasern, die gehen mir langsam zur Neige, und obwohl sie vorübergehend wenigstens in den größten Supermärkten erhältlich waren, fand ich sie jetzt nicht mehr vor. Das zweite ist das Süßungsmittel Allulose. Gehört hatte ich davon schon länger, aber als ich zuletzt darüber las, war es noch nicht zugelassen. Daß sich das geändert hat, leitete ich daraus ab, daß sie plötzlich Low-Carb-Rezeptvideos vorkamen. Also habe ich das auch mal bestellt und lasse mich überraschen, ob es mir mehr zusagt als die bisherige Xylit-Erythrit-Stevia-Mischung, die ich bislang verwende.
Die Videos gehörten natürlich auch zu den Vorbereitungen, ich habe nach neuen Rezepten gesucht, um mich davon zu kulinarischen Neuentdeckungen inspirieren zu lassen.
Einen YouTube-Fund habe ich gleich heute getestet und muß sagen: ein voller Erfolg. Und zwar "Carnivore-Brötchen", die nur aus 3 Eiern, ca. 160 Gramm Milchpulver, einem Eßlöffel Backpulver und ein bißchen Salz bestehen. Daß das funktioniert, leuchtete mir spontan ein, denn die Keto-Waffeln aus Eiern und Käse funktionieren ja auch, und Käse ist nun mal ein Milchprodukt. Milchpulver ist aber gar nicht so leicht zu bekommen. Im größten Supermarkt in der Nähe hatten sie es glücklicherweise, allerdings nur Magermilchpulver. Eigentlich hätte ich lieber Vollmilchpulver genommen. Da ich nur eine 250-Gramm-Packung gekauft habe, werde ich jetzt online Vollmilchpulver bestellen. Damit dürfte der Kauf von Milch im Discounter für mich Geschichte sein. Für alles, was Milch erfordert, vom Pudding bis zum Kartoffelbrei, finde ich Milchpulver ideal. Und natürlich auch für diese erstaunlichen Brötchen.
Damit bin ich, auch wenn ich keine Rohmilch im Haus habe, jederzeit mit Milch versorgt. Ich kaufe zwar gelegentlich auch die normale Vollmilch im Hofladen, aber ich habe bislang auch immer eine Packung haltbare Milch aus dem Discounter im Haus gehabt, denn weil wir diese Milch nicht trinken (ich bekomme von Vollmilch, anders als von Rohmilch, ziemlich fiese Blähungen, und zwar auch von der nicht haltbaren frischen) muß ich immer aufpassen wie ein Schießhund, daß sie mir nicht verdirbt, weil ich sie doch weniger einsetze als z. B. Creme fraiche oder andere Milchprodukte.
Der Preis des Produkts, das ich bestellen will, ist zwar doppelt so hoch wie für einen Liter Vollmilch im Discounter, wenn man den Kaufpreis auf einen Liter mit dem Pulver angerührte Vollmilch herunterbricht, aber der Vorteil besteht auch in der nahezu unbegrenzten Haltbarkeit von Milchpulver. Im Sommer ist mir zu meinem Verdruß tatsächlich mehrere Male ein mehr oder weniger großer Rest Milch auch von der haltbaren Discountermilch trotz Kühlung in der angebrochenen Packung verdorben. Das wird mir künftig nicht mehr passieren. Und natürlich kaufe ich weiter gelegentlich auch meine Rohmilch direkt aus dem Milchtank beim Bauern zum Trinken.
Sieht man einmal davon ab, daß ich das nächste Mal den Backofen nur auf 170 statt auf 180 Grad einstellen werde, damit sie nicht gar so dunkel werden, war ich vom Ergebnis dieses Brötchenbackens nämlich richtig beeindruckt. Aus der angegebenen Menge konnte ich sechs Brötchen machen, die mir zwar arg klein vorkamen, als ich sie in den Backofen schob, aber als sie fertig waren, war ich mit ihrer nunmehrigen Brötchen-Normalgröße sehr zufrieden. Auch der Geschmack und die Konsistenz sind verblüffend brötchenartig - nicht aber die Farbe, denn bei der dachte ich spontan an Maismehl - ein recht intensives Gelb. Ich habe experimenthalber drei der sechs Brötchen noch mit geraspeltem Gouda vermengt, und erst sahen diese Brötchen genauso perfekt aus wie die anderen, sind dann aber deutlich in sich zusammengesunken, während die anderen ihre Brötchenform behielten. Dafür fand ich sie geschmacklich sogar noch etwas besser, also werde ich beim nächsten Mal vielleicht einfach ein bißchen Gouda obendrüberstreuen und hoffe, dann behalten die Brötchen ihre Form.
Es ist mal wieder eine Brötchenart, die superschnell zu machen ist: Backofen anschalten, drei Eier verquirlen, die restliche Zutaten nach und nach zugeben, Brötchen formen, und in den aufgeheizten Backofen geben. Das dauert mit ein bißchen Übung - der Teig ist nämlich sehr klebrig, was mir am Anfang etwas Schwierigkeiten machte - keine zehn Minuten. Die Backzeit war bei mir 14 Minuten.
Weil ich ein Weilchen suchte, um online das passende Produkt zu finden, stieß ich zufällig darauf, daß es auch Sahnepulver gibt. Das ist ein völlig andersartiges Produkt. Als ich die Liste der Zusatzstoffe las ("Getrockneter Glukosesirup, gehärtetes pflanzliches Öl, Zucker, Emulgatoren (Essigessenz Ester von Ölsäure Monound Diglycerid E472 a, Mono und Diglycerid von Ölsäure E471), Natrium-Caseinat, Stabilisator (Dikaliumphosphat E340), Konsistenzerhöher (Hydroxy Propyl Cellulose)"), war mir klar, das gehört zu der Art von Lebensmitteln, vor denen ich meine Leser schon immer gewarnt habe. Das Milchpulver enthält dagegen nichts als Milch, der das Wasser entzogen wurde, ein Verfahren, das schon seit 150 Jahren angewandt wird und nichts mit dem zu tun hat, was in den letzten Jahrzehnten in der Industrie an komplexen Verfahren entwickelt wurde, um Geschmack, Konsistenz und Farbe frischer Lebensmittel imitieren zu können sowie die Haltbarkeit zu verlängern.
Unglaublich eigentlich, daß man nach Jahren in jeder Low-Carb-Phase nicht nur neue Gerichte entdeckt, sondern auch neue Zutaten.
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