Dienstag, 28. Juli 2026

Hitzefolgen, Suppenkasper und Äpfelklauen als Hobby

So, ich bin wieder da, und wie ich es geahnt hatte: Nach zehn Tage bei meiner Mutter ohne einen Fastentag lag mein Gewicht gestern natürlich ein wenig über 80 Kilogramm, nämlich bei 80,6. Heute morgen nach dem ersten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen wog ich 78,5. Da mein Mann ab nächste Woche drei Wochen Urlaub hat, fällt das nächste lange Fastenintervall aus, also brauche ich mich gar nicht der Hoffnung hingeben, die 80 demnächst mal wieder abschütteln zu können. Denn leider habe ich, nachdem die Beseitigung der Verstopfungsproblematik nichts verändert hat, gerade keine Idee, was ich zusätzlich zu dem machen sollte, das ich ohnehin mache. Also hoffe ich mal wieder auf die Low-Carb-Phase, bis zu der ist es ja nicht mehr so wahnsinnig lange hin.

Es war ein angenehmer Besuch bei meiner Mutter, sehr entspannt und lustig, und ich habe von ihr nebenbei etwas erfahren, worüber ich schmunzeln mußte. Denn auch meine Mutter - im Oktober wird sie 90 Jahre alt - zählt genau wie ich zu der Minderheit in dem Teil der Bevölkerung, der die mittleren Jahre hinter sich hat, die überhaupt keine Medikamente als Dauermedikation nimmt. Sie vermeidet es, Medikamente zu nehmen, wenn sie nicht durch Krankheitssymptome - vorübergehend! - erforderlich erscheinen. Wenn ich das noch richtig weiß, war das bei ihr aber nicht immer so, aber wann genau sie aufgehört hat, Pillen zu nehmen, weiß ich nicht so genau. Ich glaube, sie hat in den Wechseljahren damals ein Hormonpräparat bekommen und irgendwas gegen Osteoporose. Aber sie muß noch etwas anderes mal verschrieben bekommen haben, was genau erinnert sie sich nicht mehr, nur daß sie das nicht vertrug und vom Arzt deshalb ein Ausweichmedikament verschrieben bekam. Als sie in der Apotheke fragte, sagte man ihr aber, dieses andere Medikament enthalte genau dieselben Inhaltsstoffe wie das erste. Meine Mutter hat Sinn für ein bißchen Theatralik, und so zerriß sie das Rezept demonstrativ direkt an der Verkaufstheke und suchte den betreffenden Arzt von Stund an nicht mehr auf. Daraus schließe ich, daß es ein Facharzt gewesen sein muß, denn sie hat seit meiner Kindheit dieselbe Hausarztpraxis, mittlerweile in zweiter oder vielleicht sogar schon dritter Generation derselben Arztfamilie geführt. 

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Es gab eine interessante Einlassung des Science Media Centers zu den Hitzetoten, in der unter anderem auch darauf hingewiesen wurde, daß diese Wochendurchschnitte das Bild ein wenig verfälschen, weil es vor allem bestimmte Tage sind, an denen viele zusätzliche Todesfälle auftreten. Was ich aus dem Text mitnehme, ist, daß schon bei einem Tagesmittelwert über 20 Grad (also der Durchschnitt der gesamten 24 Stunden einschließlich der Nacht) ein Anstieg der Sterblichkeit meßbar sei und die Gesamtzahl deshalb eher unterschätzt wird. 

Dazu gab es eine Grafik, der ich entnehme, daß wir - jedenfalls einstweilen, das kann sich ja noch ändern - noch ein gutes Stück von den Hitzetoten des Gesamtjahres 2003 entfernt sein müssen, aber ebenso - und das war mir neu -, daß es 1994 vergleichbar viele Tote wie 2003 gegeben haben muß. Eine kurze Recherche ergab, daß das vor allem an der Gnade der richtigen Wohnregion lag, denn bei uns herum war es tatsächlich nur ein Sommer mit ziemlich normalen Sommertemperaturen. Wie es anderswo zuging, kann man hier nachlesen. 

Was ich löblich finde, ist, daß endlich einmal auch auf die durch Kälte verursachten oder beschleunigten Todesfälle eingangen wurde. 

„Insgesamt schätzte eine Studie aus 2023 für die Studienperiode 2000 bis 2019 über 854 städtische Gebiete Europas hinweg die jährliche Übersterblichkeit durch Hitze und Kälte: 130.228 Todesfälle (95-Prozent-Konfidenzintervall: 115.893 bis 143.929), waren auf Kälte, und 13.589 Todesfällen (95-Prozent-Konfidenzintervall: 11.530 bis 15.475), auf Hitze zurückzuführen 

Es wurde auf eine weitere Studie verwiesen, die sich mit der Entwicklung dieser Hitze- und Kältetoten befaßt hatte und in ihren Modellberechnungen auf eine Nettozunahme der Temperaturtoten in weiten Teilen Europas - ausgenommen die Staaten weiter im Norden - gekommen sei. Auch in Deutschland werde es unter dem Strich mehr Tote geben. Mir kommt es freilich nicht sonderlich sinnvoll vor, als Vergleichszeitraum für die Jahre 2050–2054 und 2095–2099 den Zeitraum 2000 bis 2014 zu wählen. Da hätte ich es sinnvoller gefunden, mit dem Zeitraum 1950-1954 und 1995-1999 zu vergleichen. 

Was ich aber auch vermißt habe und was einen solchen Vergleich dann noch mehr beeinflußt hätte, ist eine angemessene Berücksichtigung der stark alternden Bevölkerung, die natürlich auf die Ergebnisse Auswirkungen hat. Hochbetagte sind um einiges anfälliger sowohl bei Hitze als auch bei Kälte, und mindestens 2050 bis 2054 wird diese Altersgruppe deutlich mehr Menschen als heute - ganz zu schweigen von 1950 - umfassen. Auch ohne Klimawandel - gemeint sind also: Temperaturen, die dem in der Studie gewählten Vergleichszeitraum 2000 bis 2014 entsprechen - führt das zwangsläufig zu mehr temperaturbedingten Todesfällen als bei einer Bevölkerung mit weniger Hochbetagten. Ich hätte mir gewünscht, daß das wenigstens erwähnt worden wäre, denn es verzerrt die Sache doch ein wenig. Angenommen, die Modelle erweisen sich als treffsicher, müßte die Zahl der Toten deshalb noch höher als errechnet ausfallen. 

Wäre es aber nicht langsam Zeit, sich einmal in der öffentlichen Debatte mit der unbestreitbaren Tatsache auseinanderzusetzen, daß es die ständig steigende Lebenserwartung nun einmal nicht zum Nulltarif gibt? Das gilt nicht nur für die finanzielle Seite, also die in hohem Alter durchschnittlich höheren Krankheitskosten. Das gesamte biologische System ist bei Menschen, die ein hohes Alter erreicht haben, sehr viel fragiler und von allen von außen kommenden Gefahren sehr viel stärker bedroht als in den jüngeren Altersgruppen. Es gibt aber Grenzen dessen, was man tun kann, um diese höheren Todesfallrisiken zu verringern. Man kann beispielsweise ältere Menschen kaum in derselben Weise schützen, wie man das bei Gefahren, die Kinder bedrohen, gewöhnt ist, weil sie natürlich ein viel umfassenderes Recht haben, über das, was sie tun und nicht tun, selbst zu entscheiden, und zwar auch dann, wenn es zu ihrem eigenen Schaden sein kann. Schon Corona, als die Altenpflegeeinrichtungen in Quarantäne mußten, war ein Grenzfall und wäre mit der damaligen Argumentation alleine, die den Schutz des jeweils einzelnen Bewohners und Pflegers als Begründung wählte, meiner Meinung nach noch nicht akzeptabel gewesen. Richtig war es aber wegen der zu befürchtenden exponentiellen Zunahme der Infektionen und der möglichen dramatischen Auswirkungen auf das gesamte gesellschaftliche Leben. 

Das alles spricht natürlich nicht gegen Hitzschutzmaßnahmen. Wie man an dem Jahr 1994 sieht, wäre dies schon vor dreißig und sicherlich auch schon vor fünfzig Jahren sinnvoll gewesen. Ich halte es aber für eine gefährliche Illusion, wenn zwischen den Zeilen immer der Eindruck erweckt wird, die richtigen Hitzeschutzmaßnahmen würden dafür sorgen können, daß es an heißen Tagen keinen Anstieg der Todesfallzahlen gibt, und wenn es gar nicht erst erwähnt wird, daß Kältewellen - und überhaupt alle starken Temperaturschwankungen in kurzer Zeit, egal in welche Richtung - zu mehr Todesfällen führen. Ich kann das an den Todesanzeigen in meiner Zeitung nämlich auch im Frühjahr oder Herbst ablesen. Übersterblichkeiten wird es auch bei den bestmöglichen Schutzmaßnahmen weiter geben, und wir sollten uns sowieso darauf einstellen, allenfalls mittelmäßige Schutzmaßnahmen zu bekommen und uns ansonsten selbst bestmöglich um unseren Schutz zu kümmern. Das aber bedeutet bei einer weiter alternden Bevölkerung zwangsläufig steigende Zahlen von Temperaturtoten, ob nun durch Hitze oder durch Kälte. 

Gut, daß ich 1994 eine klimabegünstigte Region bewohnte, in der die Hitzewelle nicht voll durchschlug. Damals arbeitete ich nämlich in einem nicht klimatisierten Büro in einem Siebziger-Jahre-Bau, das von morgens um acht Uhr bis zum Feierabend die volle Sonnenbreitseite abbekam, und es gab nur auf einer Seite einen Rollo, der sich über die gesamte Außenfläche dieses Gebäudeteils erstreckte und den man vom Büro nebenan herunterlassen mußte - die Kollegen dort waren aber längst nicht so geplagt von der Sonneneinstrahlung wie wir in unserem und hätten häufig selbst viel lieber nicht das Licht anschalten müssen. An Hitzetagen erhitzte sich der Raum extrem. Es dauerte Jahre, bis wir es durchsetzen konnten, zusätzlich noch mit Vorhängen verschatten zu können, und das von allen Seiten. Wir mußten sogar den Bildschirm unseres ersten Büro-PCs noch ziemlich lange mit selbstgebastelten Pappkarton-Verschattungen versehen, sonst hätten wir den Text auf dem Bildschirm gar nicht lesen können - also können die Vorhänge frühestens Ende der neunziger Jahre angebracht worden sein, denn wir bekamen diesen Rechner fast zeitgleich mit meinem ersten privaten PC, und den hatte ich ab 1997. Bis dahin, von 1993 an, war das Beschriebene also der Normalzustand an heißen Sommertagen. Ich erinnere mich noch, einmal an einem heißen Tag kam der Hausmeister und verlangte von mir, meinen privaten Ventilator auszuschalten, weil private Geräte nicht zulässig seien. Daraufhin drohte ich ihm, in diesem Fall auf der Stelle nach Haus zu gehen und erst dann wiederzukommen, wenn mir ein Dienst-Ventilator zur Verfügung gestellt wurde. Er verließ den Raum und kam nie wieder auf das Thema zurück. Vielleicht bin ich ja deshalb in den heutigen Hitzephasen vergleichsweise entspannt, ich habe da wirklich schon Schlimmeres hinter mir. Immerhin habe ich in meinem Arbeitszimmer im Sommer nur morgens für eine kurze Phase ein wenig Sonneneinstrahlung, erst wenn die Sonne tiefer steht, also ab dem Herbst, verlängert sich das. Die Temperaturen, mit denen ich damals viele Jahre lang bei der Arbeit zurechtkommen mußte, werden hier trotz Klimawandel garantiert nicht erreicht. 

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Während meines Urlaubs hat sich eine Personalie in der CDU, die mir von Anfang an nicht gefallen hatte, hoffentlich endgültig erledigt, nämlich Jens Spahn an der Fraktionsspitze. Spahns Fehler ist es nicht, schwul und mit einem Mann verheiratet zu sein, so was machte etwaige Kritiker ja im Gegenteil eher ein bißchen zögerlich mit der Kritik. Auch daß die beiden eine Familie gründeten, war nicht das Problem. Letztlich war es noch nicht einmal die Leihmutter, die von den beiden beauftragt wurde und das bestellte Kind lieferte. Es war vielmehr die Chuzpe, mit der Spahn mit schönster Selbstverständlichkeit davon ausging, daß die deutsche Gesetzeslage zur Leihmutterschaft für ihn selbst natürlich nicht gelte. Das fügte sich ja auch in das Bild, das man von ihm gewonnen hatte, von dem Moment an, als sich herauskristallisierte, daß Spahn nicht nur anno Corona beim Maskenkauf einen Haufen Geld in den Sand gesetzt hatte (was ich persönlich angesichts der Plötzlichkeit, mit der das Problem auftrat, durchaus verzeihlich gefunden hätte), sondern daß davon auch eine Menge Leute aus seinem Umfeld finanziell profitierten. Und die diversen anderen Skandale, in die er seither verwickelt war, waren ja kaum noch zu zählen. Spahn ist eine Art Neofeudalist, der sich selbst offenbar schon jetzt in der Rolle des Feudalherren sah und meint, Regeln gelten für ihn selbst nicht. Daß er zum Dunstkreis von Peter Thiel gehört, erhärtet diese Annahme. 

Ich hoffe, Jens Spahn ist nun endgültig politisch Geschichte. Aber von Friedrich Merz habe ich das auch einmal geglaubt, das macht mich vorsichtig mit Prognosen. Immerhin, wäre der Autor verschwörungstheoretischer Kriminalromane Wolfgang Schorlau, der zur aktuellen Bundesregierung eine ebenso verschwörungstheoretische Satire geschrieben hat, mit seinen Mutmaßungen richtig gelegen, dann wäre es nicht Jens Spahn, sondern Friedrich Merz gewesen, der zurückgetreten wäre. Im Buch geht es zwar nicht um Jens Spahn, sondern um einen Karsten Richter, der Wirtschaftsminister ist (die Initialen stimmen mit der aktuellen Ministerin überein), aber an die Dummdreistigkeit dieses fiktiven Karsten Richter könnte eigentlich nur Jens Spahn heranreichen. Trotzdem oder gerade deshalb wird Richter am Ende des Buches dem aus nicht näher erklärten Gründen zurückgetretenen Bundeskanzler als neuer Bundeskanzler nachfolgen. 

Womöglich hat Jens Spahn dieses Buch ja sogar gelesen und sich von ihm inspiriert gefühlt? Nun ja, ausschließen kann man nicht, daß er es noch einmal zurückschafft in die Politik, aber in dieser Legislaturperiode bestimmt nicht mehr. Und in der nächsten dürfte der Bundeskanzler nicht mehr Friedrich Merz sein. 

Das Buch hatte mir meine Schwester auf dem Nachttisch bereitgelegt, und ich habe sofort geahnt, daß mich diese  Lektüre sehr viel weniger als sie erheitern würde. Als Satire ist es allenfalls tauglich für wenig anspruchsvolle Leser mit einem Rochus auf die Bundesregierung, die Vergnügen an leicht zu lösenden Rätseln in Schlüsselromanen haben, oder eingefleischte Schorlau-Fans, die das morastige und verschwörungstheorienverseuchte Biotop seiner Krimis für eine realistische Beschreibung dieses Landes halten. Ich bin mir unschlüssig, wo ich da meine Schwester und ihren Mann einordnen sollte, die sich königlich amüsieren konnten, wo ich nur Gähnkrämpfe bekam. Das Buch wird in zehn Jahren kein Mensch mehr verstehen, da bin ich mir ganz sicher. Es wird alleine von den tagesaktuellen politischen und gesellschaftlichen Bezügen am Leben gehalten, und an die erinnert sich in zehn Jahren niemand mehr, weil wir da neue tagesaktuelle Aufregerthemen haben werden. 

Ich gebe mal ein Beispiel, wie schnell die Zeit über solche Dinge hinweggeht, und zwar anhand eines Witzes, über den ich mich noch vor 13 Jahren schiefgelacht hatte, weil ich ihn wirklich gelungen fand: Eine kleine dicke Frau, ein Schwuler, ein Vietnamese und ein Rollstuhlfahrer gehen in eine Bar. Der Wirt schaut sie an und sagt: "Na, wer seid denn ihr?" Die kleine dicke Frau antwortet etwas pikiert: "Die Bundesregierung." Der komische Effekt entsteht aus einer typischen Konstellation eines absurden Witzes, aber die Personen, die beschrieben werden, sind, obwohl sie so typisch für diese Art von Witz wirken, die damals wirklich bestehende Bundesregierung: Angela Merkel, Guido Westerwelle, Philipp Rösler, Wolfgang Schäuble. Idealerweise imitierte man in der Schlußpointe noch Frau Merkels Redeweise. Bloß, wer erinnert sich heute noch spontan an diese spezielle Regierungskonstellation? Der Witz hat nur in der CDU-FDP-Regierung von 2009 bis 2013 funktioniert, als jeder das aufgezählte Personal täglich in den Nachrichten sah.  Eigentlich schade, ich finde ihn nämlich immer noch gut. Für das Buch gilt das nicht, es hat kaum Überraschungen enthalten, sondern all das, was man bei einem Wolfgang Schorlau halt erwartet hätte. Bei Schorlau ist es immer so, daß diejenigen, die uns regieren, insgeheim finstere Pläne verfolgen, und zwar in der Regel mit Erfolg. Ich finde, damit tut er ihnen viel zu viel Ehre an. Die finsteren Pläne mögen ja sogar noch stimmen, aber die CDU ist ja kein einheitlicher Verschwörerkreis, sondern alle versuchen, ihre jeweils eigenen Süppchen zu kochen, die natürlich immer nur zu einem gewissen Teil mit denen der anderen Player kompatibel sind. Außerdem fallen diejenigen, die in der Öffentlichkeit als mutmaßliche Verschwörer auffallen, sowieso eher durch ihr Ungeschick auf. Dazu muß man sich nur Spahn anschauen, der seine eigene Unentbehrlichkeit offenbar überschätzt hatte und sich irrtümlich deshalb für unantastbar hielt. 

Neuerdings gilt ja sogar der Bundeskanzler wegen seines kommunikativen Ungeschicks als innerhalb seiner Partei angezählt. Aber der geschieht vielleicht nicht mir recht, denn ich habe ihn ja nicht gewählt, aber sehr wohl der CDU, die ihn gewollt und bejubelt hatte. Jetzt müssen sie diese Suppe halt auslöffeln oder alternativ den Topf umkippen und alles verschütten. Was von beiden uns sicherer in eine AfD-geführte Regierung führen wird, wage ich inzwischen nicht mehr einzuschätzen. 

Zurück zu Schorlaus Buch. Die Parallelhandlung zu Richters Hoffen auf die Ernennung und anschließend den Einstieg als Minister ist die Entführung seiner Mutter, einer altgedienten Hardcore-Klima- und Öko-Aktivistin, die eigentlich gerade eine Pressekonferenz mit dem Titel "Kasten Richter, die korrupte Umweltsau" halten wollte, und so macht er die Entführer mit einer Hinhaltetaktik mürbe genug, daß sie vor den ökobewegten Ernährungs- und Lebensführungs-Forderungen der Entführten am Ende in die Knie gehen und sie freilassen, ohne einen Cent des Lösegelds gesehen zu haben. Dieser Handlungsstrang ist eine Mischung aus der Indiana-Horst-Folge mit dem kleinen Prinzen (ab Minute 27) und dem Film "Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone" mit Bette Midler. Bloß längst nicht so komisch, und so richtig glaubwürdig außerdem auch nicht - gerade bei einem Korruptions-Strategen, der angeblich die Strippen so perfekt ziehen kann, wirkt diese hilflose Herumimprovisiererei so wenig überzeugend wie jede andere Verschwörungstheorie auch, in der einerseits gefährlich raffinierte Meiststrategen am Werk sind, die aber andererseits zu blöd sind, um nicht ständig eine knietiefe Spur ihrer Untaten hinter sich herzuziehen. 

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Da ich das Gemüsefach im Kühlschrank bei meiner Rückkehr bis zum Anschlag voll mit Gurken vorgefunden habe, bin ich gerade dabei, nach interessanten Rezepten mit Gurken zu suchen. Ich fand unter anderem dieses Rezept, und so werde ich wohl am Freitag nicht meinen üblichen Rettich-Karotte-Apfel-Salat essen, sondern einen Gurkensalat mit Ei und vielleicht auch noch Thunfisch. Ich habe nämlich viel zu viele Thunfischdosen im Haus. Ich würde viel häufiger Thunfisch essen, wenn mein Mann nicht eher mäßig begeistert davon wäre. Auch zwei Zucchini sollte ich möglichst schon morgen ernten. Ob ich noch Mirabellen ernten kann, schaue ich mir erst an, wenn ich sie nicht mehr so lange lagern muß, also vermutlich am Donnerstag. 

Zusammen mit meiner Mutter habe ich letzte Woche auf öffentlichem Gelände bei ihr nicht weit weg mehrere Mirabellenbäume entdeckt, die voller wunderbarer reifer Mirabellen waren, und zufälligerweise zwei Tage, nachdem die mitgebrachten Mirabellen verzehrt waren. Das war ganz nach dem Geschmack meiner Mutter, die ja auch immer noch gerne Pilze suchen geht. Sie war von der Entdeckung der Mirabellen so begeistert, daß sie mir unbedingt am selben Tag noch das verwilderte Grundstück zeigen mußte, in das sie letzten Herbst widerrechtlich eingedrungen war, um die am Boden liegenden Äpfel aufzuklauben. Inzwischen ist es schwieriger zugänglich, weil sich die Brombeeren bis zum nicht verschlossenen Eingang hin ausgebreitet haben. Dafür fanden wir außerhalb des Tores einige Weinreben und auch Bohnenpflanzen waren durch den Zaun hindurchgedrungen. Aber das alles ist noch nicht soweit. Aber wunderbar süße Brombeeren wuchsen das natürlich auch. Meine Mutter hat selbst Brombeeren im Garten, aber die wilden sind doch um einiges aromatischer. 

Weder der Freund meiner Mutter noch meine Schwester haben viel Sinn für solche kriminellen Eskapaden. Aber mir gefällt es, daß sich meine Mutter mit knapp neunzig Jahren noch ein neues Hobby zugelegt hat, das sie so auf Trab bringt: Äpfel klauen. Vielleicht begleite ich sie beim nächsten Mal. Aber vielleicht frage ich vorher doch mal meine Schwester, ob sie herausfinden kann, wem das Grundstück gehört. Wer weiß, vielleicht ist ja eine Art Gentleman's Agreement mit den Eigentümern möglich. 


 

 

 

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