Freitag, 14. August 2020

Lob der Pizza

Mein Gewicht heute morgen: 100,9 Kilogramm, das liegt in etwa noch im Rahmen meiner Erwartungen, auch wenn es gerne noch ein bissel weniger hätte sein dürfen. Ich gehe davon aus, daß ich als "Belohnung" morgen überdurchschnittlich Gewicht verloren haben werde, da die Bullenhitze erst mal vorbei zu sein scheint. Die ganze Woche hatte ich merkwürdige Gewichtsentwicklungen, so habe ich nach meinem ersten Fastentag am Dienstag weniger als 2 Kilogramm abgenommen, womit ich nicht unbedingt gerechnet hatte, aber das ist wohl eine Folge der Hitze und des Schwitzens, durch die ich auch an Eßtagen leicht dehydriert war. 

Gestern früh wog ich 99,7 Kilogramm. Nachmittags war ich gestern im Baumarkt und unterwegs bekam ich, noch bevor ich angekommen war, auf einmal einen höllischen Durst. Eigentlich hatte ich gehofft, daß ich im Kassenbereich auch gekühlte Getränke vorfinden würde, aber es gab bloß Eis. Mangels Alternativen kaufte ich eines, mit dem Ergebnis, daß der Durst noch viel schlimmer wurde. Ich mußte die Versuchung niederkämpfen, auf dem Heimweg noch irgendwo ein Bierchen zu trinken, und vor einer Kneipe an strategisch günstiger Stelle in der Nähe der Bushaltestelle rettete mich nur noch das Schild, das mich darauf aufmerksam machte, daß ich mir meinen Platz erst zuweisen lassen müsse. Das war mir dann doch zuviel bürokratische Abschreckung, also ließ ich sie links liegen und ging gleich zum Bus, der erfreulicherweise auch gerade herangefahren kam.

Neugiershalber stellte ich mich daheim gleich auf die Waage, noch bevor ich mich über meinen dringend benötigten Sprudel hermachte, und ich wog tatsächlich hundert Gramm weniger als am Morgen. Soviel zu der Rolle, die Schwankungen im Wasserhaushalt bei Gewichtssprüngen spielen können. Ich habe nicht ernsthaft damit gerechnet, daß ich heute unter 100 Kilo davonkommen würde, also trage ich es mit Fassung, daß ich nur knapp an der 101 vorbeigeschrammt bin, und bin weiterhin entschlossen, mich für die nächsten beiden Wochenauf zwei Fastentage pro Woche zu beschränken. Auf diese Weise krieg ich jedenfalls ein realistisches Vorher-Gewicht angezeigt; mir ist ja klar, daß mein Gewicht in gewisser Weise "gemogelt" ist, wenn ich drei Tage die Woche faste und auch nach dem Wochenende noch nicht voll redhydriert bin. Ich hatte bloß gehofft, mit diesem Trick den Abflug des Uhus so lange verhindern zu können, bis er es eingesehen hat, daß er bei mir wirklich sein Zuhause hat.

Nach diesen nächsten zwei Wochen folgt dann aber wieder ein viertägiges Fastenintervall, und weil ich den August ausgelassen habe, hänge ich zwei Wochen später vermutlich gleich ein zweites mit an, und dann wollen wir doch mal sehen, ob das den verdammten Geier nicht endlich bei Fuß bleiben läßt. In der dazwischenliegenden Frühschichtwoche meines Mannes faste ich dafür bloß zwei Tage. Das einzig Doofe daran ist, daß ich diese zwei Tage nicht auf Dienstag und Donnerstag, wie gewohnt, legen kann, weil ich an mindestens einem dieser Tage den Wochenmarkt heimsuchen sollte. Ich glaube, ich entscheide mich dann für Montag und Mittwoch als Fastentage. Dann starte ich in die viertägigen Fastenintervalle nach vier Tagen Essen und habe damit ein realistisches Vorher-Gewicht.

Gestern vormittag war ich ebenfalls auf dem Wochenmarkt und habe mich mit allem eingedeckt, was man so braucht: Karotten, Paprika, eine Gurke, Rettiche natürlich, Kohlrabi und neugiershalber habe ich mir auch mal eine Fenchelknolle mitgenommen. Fenchel habe ich noch nie probiert, also wird es mal Zeit. Außerdem Eier, Mirabellen und die gerade erntereif gewordenen Gaishirtle-Birnen. Ich war blöd genug, die Mirabelle zuunterst einzupacken, aber die meisten sind unversehrt geblieben. Die drei zerquetschten habe ich den Wespen hingestellt, die sich mit großer Begeisterung auf den Mirabellenmatsch gestürzt haben und sich seither nicht mehr für die Apfelreste interessieren. Die Wespen-Prioritäten sind da ganz eindeutig.

Und jetzt muß ich mal was über meine eigenen Prioritäten, nämlich Pizza, schreiben, weil es mich wundert, warum ausgerechnet Pizza immer als Prototyp ungesunden und dickmachenden Essens herhalten muß, beispielsweise hier:

https://twitter.com/DoctorTro/status/1293912908187893761

3 Stück Pizza sollen 1200 Kalorien haben? 👀 Eine Pizza, die dieses Merkmal aufweist, würde ich für praktisch ungenießbar halten, weil sie entweder einen viel zu dicken Boden hat oder mit pfundweise  Käse bedeckt ist oder in Öl regelrecht schwimmt. Oder, gruseliger Gedanke, alles zusammen.

Normalerweise zähle ich keine Kalorien, aber jetzt habe ich einmal eine Ausnahme gemacht und mir den Brennwert meiner selbstgemachten Pizza ausgerechnet (Werte auf die nächste glatte Zahl auf- oder abgerundet). Diese Pizza mache ich öfter, und sie macht zwei Personen, die gerne, gut und viel essen, nämlich mich und meinen Mann, satt und glücklich.

Pizzateig aus 250 Gramm Weizenmehl, ½ Würfel Hefe, ½ Tl Salz, Wasser

Wasser: 0 Kalorien

Salz: = 0 Kalorien

Weizenmehl: (100g: 364 Kalorien mal 2,5 =) 910 Kalorien

20 Gramm Hefe: (83 Kalorien/100 Gramm geteilt durch 5 =) ca. 20 Kalorien

Summe Teig: 930 Kalorien

Belag

Passierte Tomaten, ca. 200 gr: (32 Kalorien/100 Gramm mal 2 =): 60 Kalorien

Salami (ca. 50 gr): (336 Kalorien/100 Gramm geteilt durch 2 =): 170 Kalorien

Schinken: (ca. 50 gr) (100 Kalorien/100 Gramm, geteilt durch 2 =): 50 Kalorien

Champignons (50 gr): (24 Kalorien/100 Gramm, geteilt durch 2 =) 10 Kalorien

Mozzarella (gerieben, 100 gr):  (254 Kalorien/100 Gramm =) 250 Kalorien

Olivenöl (2 EL): (90 Kalorien/Eßlöffel mal 2 =) 180 Kalorien

Summe Belag: 720 Kalorien

Gesamt: 1650 Kalorien

Geteilt durch zwei Personen: 825 Kalorien

Für ein Abendessen finde ich das auch für eingefleischte Kalorienzähler, deren Ziel in Gewichthalten besteht, absolut im Rahmen, da kann man gut auch noch einen Salat dazu machen - und es handelt sich außerdem um eine Portion, die eingefleischte Kalorienzähler vermutlich gar nicht schaffen würden. Vor ein paar Tagen war ich zum Beispiel mit einer Bekannten nett essen, die seit Jahren mit ihrem Gewicht ringt (allerdings auf niedrigerem Gewichtslevel als ich, sie liegt bei ca. 80 Kilo). Wir haben uns für dasselbe Gericht entschieden und wir haben es auch beide ganz aufgegessen. Ich fand die Portion aber genau richtig, während sie am Ende stöhnte, wie viel das doch gewesen und wie pappsatt sie nun sei. 

So ganz sicher bin ich mir in solchen Situationen ja meistens nicht, ob das wirklich ernst gemeint ist, oder ob das vor allem eine psychisch entlastende Funktion hat. Ähnlich geht es mir bei Übergewichtigen, die, nach ihrem Lieblingsgericht gefragt, behaupten, ein bunter Salat sei das, was sie am allerliebsten essen. So gerne ich Salate selbst mag - und an manchen Tagen ist mir ein Rettichsalat mit Walnüssen oder ein Gurkensalat mit Feta oder eine Mischung aus Paprika, Karotten und Rettich als Salat lieber als jedes Fleisch- oder Pastagericht -, so etwas würde ich alleine schon deshalb niemals behaupten, weil das jemandem, der Übergewicht hat, sowieso niemand glauben würde. Damit bedient man doch nur die Vorurteile derjenigen, die jedem Übergewichtigen Selbstbetrug unterstellen. Es gibt ja auch Leute, die essen, wenn andere dabei sind, immer nur wie ein Spatz, Freßorgien gönnen sie sich nur heimlich. Andererseits kenne ich auch Leute, bei denen mir einleuchtet, warum sie kleine Portionen bevorzugen; sie essen von Haus aus meistens langsamer als andere und sind oft schon von ziemlich kleinen Mengen satt. 

Bei mir ist es unterschiedlich, welche Menge ich esse; beim Auswärtsessen spielt natürlich das Prinzip "Bezahlen muß ich alles, also esse ich es auch ganz" eine gewisse Rolle, obwohl ich mich selten so sehr überesse, daß ich mich unwohl deswegen fühle, aber daheim höre ich auf, wenn ich genug habe; Reste kann man ja am nächsten Tag noch essen oder einfrieren, oder mein Mann ißt ein Stück mehr, wenn ich meine Hälfte nicht ganz schaffe. Manchmal schaffen wir die Pizza nicht ganz, vor allem dann, wenn ich noch weiteres Mehl zugeben mußte, weil der Teig mir zu weich geraten ist. Wir mögen den Pizzaboden schön dünn, deshalb bemühe ich mich, das zu vermeiden, aber manchmal passiert es eben doch.

Wenn ich so darüber nachdenke: Das widerspricht einer oft gehörten Annahme, daß nämlich Kohlenhydrate angeblich nicht richtig sättigen und deshalb dazu führen, daß zu viel gegessen wird. Bei mir tun sie das schon. Das gilt auch für Brot und Brötchen, und nicht nur bei meinen selbstgebackenen. Manchmal ärgert mich das sogar, etwa, wenn ich in einem Hotel mit einem guten Frühstücksbüffet bin und so viele Brötchen essen könnte, wie ich will. Aber mehr als zwei schaffe ich nur in extremen Ausnahmefällen. Ein Mittagessen brauche ich auch nach einem Hotelfrühstück mit zwei Brötchen übrigens nicht. Ich habe es noch nie verstanden, wie manche Leute es fertigbringen, sich im Urlaub mit drei vollständigen Mahlzeiten am Tag zu verpflegen, obwohl sie genauso wie ich erst gegen 9 Uhr gefrühstückt haben. Bei uns gibt es dann als nächste Mahlzeit entweder einen Kuchen zum Nachmittagskaffee oder ein relativ zeitiges Abendessen. Zum richtigen Genuß beim Essen gehört meiner Meinung nach ein Hungergefühl, bevor man sich zum Essen hinsetzt, und mittags habe ich das nicht, wenn ich gegen 9 Uhr gefrühstückt habe. Zu essen, nur weil es gerade Essenszeit ist, mache ich zwar manchmal auch (wie vermutlich fast jeder), weil Essen nun einmal auch eine soziale Funktion hat, aber ich lege Wert darauf, das nicht zu tun, wenn es keinen äußeren Anlaß dafür gibt.

Genau dieser Genußfaktor ist auch der Grund, warum Low Carb für mich nicht in Frage käme, obwohl ich grundsätzlich davon ausgehe, daß es vergleichbar wirksam ist wie Intervallfasten. Ich fände es genauso trübselig, auf Dinge wie Pizza wegen der Kohlehydrate verzichten zu müssen, wie ich es wegen der Kalorien trübselig fände. Das Fasten hindert mich daran aber nicht; dem Fasten haftet keine Verzichtslogik an, so merkwürdig das vermutlich vielen vorkommt, in deren Augen Fasten der Gipfel des Verzichts ist. Aber beim Intervallfasten muß man nicht verzichten, nur aufschieben. Was ich heute nicht essen darf - weil ich gar nichts essen darf -, das esse ich eben morgen. Das ist etwas völlig anderes als die Forderung, sich für den Rest seines Lebens in dieser oder jener Sache dauerhaft zu disziplinieren. Sich einen Tag lang disziplinieren, das kann eigentlich jeder, es fällt wahrscheinlich denjenigen am schwersten, bei denen diese Disziplinierung eine weitere wäre, die zu anderen, bereits bestehenden Disziplinierungen hinzukommt, die man nebenbei weiterhin ständig im Auge behalten zu müssen glaubt: Kalorienzählen UND Verzicht auf bestimmte Lebensmittel UND regelmäßiges Training UND sämtliche Selbstdisziplinierungen in anderen Bereichen, die nichts mit Ernährung zu tun haben - da kann Intervallfasten natürlich wie der eine Ball zuviel erscheinen, den auch ein versierter Jongleur nicht dauerhaft zusätzlich in der Luft halten kann.

Wahrscheinlich war es mein eigentlicher Glücksfall, daß ich, bevor ich mit dem Intervallfasten begonnen habe, in vielen Bereichen eher undiszipliniert war, obwohl ich einige Maßnahmen, die zur Gewichtsreduktion gedacht waren, durchaus diszipliniert umgesetzt habe, und das über Jahre hinweg. Inzwischen habe ich jede einzelne dieser anderen Maßnahmen aufgegeben, zuletzt das EMS-Training, das ich sage und schreibe acht Jahre lang einmal die Woche durchgezogen hatte, mit maximal einem oder zwei ausgelassenen Termin pro Jahr, wenn ich im Urlaub war. Gemessen daran kann ich mich echt überhaupt nicht beschweren, nur weil meine Gewichtsabnahme sich mit jedem Jahr stärker verlangsamt. Daß nach dreieinhalb Jahren überhaupt noch eine weitere Abnahme erzielt wird, hat ja ausweislich von Studien echten Seltenheitswert.



Sonntag, 2. August 2020

Von der Fettleber zur Wespentaille

Mein Gewicht heute früh: 98,1 Kilogramm. Das ist okay, zumal nach einer eher unbefriedigend verlaufenen Woche, in der ich - man möchte es gar nicht aussprechen - zweimal über die 100 gelangt war. Das lag wohl an einer Kombination aus Blähungen der Kategorie "oberfies" und angeschwollenen Knöcheln, und ich war ziemlich erleichtert, als das, was mein Gedärm so blubbern ließ, sich am Freitag endlich verabschiedete und meine Waage gestern, nachdem ich die Woche bereits als "alles doof" abgeschrieben hatte, mit 97,1 Kilogramm ebenfalls ein Versöhnungszeichen gab. Nachdem es letzte Nacht erst verdammt warm war und gegen Morgen glücklicherweise deutlich abgekühlt hatte, ging das Gewicht auch nicht mehr dermaßen stark nach oben, wie das am Dienstag und am Donnerstag der Fall gewesen war.

Trotzdem muß ich mich darauf einstellen, daß ich in den nächsten Wochen wohl doch noch das eine oder andere Mal die 100 Kilogramm überschreiten könnte. Ich habe nämlich umdisponiert und werde mich in den nächsten vier Wochen auf zwei Fastentage pro Woche beschränken, weil mein Mann jetzt drei Wochen Urlaub hat und danach wieder mit Frühschicht anfängt. Gleichzeitig stehen ein paar Treffen mit Freundinnen an, um die ich auch irgendwie "herumfasten" muß. Mit mehr als zwei Fastentagen pro Woche wird mir das einfach zu kompliziert.

In der ersten Spätschichtwoche meines Mannes, also von morgen an gerechnet in vier Wochen, ist dann wieder ein viertägiges Fastenintervall fällig.

Mit dieser Entscheidung habe ich ziemlich gehadert, bevor ich mich schließlich doch noch zu ihr durchgerungen habe. Aber am Ende siegte die Einsicht, daß ich ja schließlich das mit dem Fasten deshalb mache, um nebenbei auch noch "ein Leben" zu haben und das Fasten diesem Leben flexibel anpassen zu können. Außerdem hob es meine Laune, als ich entdeckte, daß mein Brustumfang jetzt bei 112 Zentimetern liegt und mein Unterbrustumfang - den ich bislang nie gemessen hatte - bei 99. Ich hatte nämlich seit ein paar Tagen das Gefühl, daß meine Rippen irgendwie "tiefer gerutscht" seien. Da mein Brustumfang geschrumpft ist, trog dieses Gefühl offenbar nicht. Das dürfte eine Folge des viertägigen Fastenintervalls sein, ich hatte bei mehrtägigem Fasten ja schon wiederholt den Eindruck, daß die Wirkung vor allem am Oberkörper auftritt.

Letzten Herbst sprach mein Hausarzt davon, daß ich eine Fettleber hätte, was ich schon damals angezweifelt habe, da man ja davon ausgehen kann, daß die Reserven in der Leber so ziemlich das erste ist, was verbraucht wird, wenn man fastet, also kann ich nach über zwei Jahren Fasten kaum noch eine Fettleber gehabt haben. Aber natürlich war mir klar, daß ich noch jede Menge Viszeralfett haben mußte, also Fett im Bauchraum um die Organe herum, und natürlich auch um die Leber herum. Ich nehme an, das war die Grundlage seiner Diagnose, und ich nehme an, sie war falsch; er ging von seinen Erfahrungswerten aus, nach denen eine Fettleber mit so viel Viszeralfett einfach ohne einen vernünftigen Zweifel zu erwarten sein mußte. Weil ich aber Wichtigeres hatte, worüber ich mit ihm noch zu streiten hatte, sagte ich bloß "Ja, ja" und ließ die Sache auf sich beruhen.

Zu jener Zeit wog ich ca. 104 Kilogramm - also nicht einmal so wahnsinnig viel mehr als jetzt -, hatte aber einen Brustumfang von 122 Zentimetern. Im Moment bin ich bei 98 Kilo und 112 Zentimetern. Da hat sich wahrscheinlich auch um die Leber herum einiges getan. Seit meiner Gallen-OP bin ich nicht mehr bei meinem Hausarzt gewesen, weil mir nie etwas gefehlt hat, aber ich bin guten Mutes, daß ich von ihm das mit der Fettleber das nächste Mal nicht wieder hören werde



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Wenn ich nach diesem Bild hier gehe, sitzt das Viszeralfett typischerweise eher unterhalb der Rippen. Der Körperform nach stellt das Bild allerdings einen Mann dar, für den der "Bierbauch" die klassische Ausprägung von Übergewicht ist. Bei Frauen ist das bekanntlich anders, aber neben dem als typisch geltenden Fett an den Hüften gibt es noch eine zweite meiner Meinung nach typische Ausprägung von Übergewicht, nämlich für Frauen nach den Wechseljahren.

Das ist schon eigenartig, denn eigentlich ist das eine Sache, die auch Ärzten bekannt sein müßte, aber erwähnt wird sie fast nirgends, nicht einmal bei Dr. Fung: Daß die Gewichtszunahme vieler Frauen nach den Wechseljahren sich häufig auf den Oberkörper verlagert und nicht in einem "Bierbauch" wie bei Männern, sondern in einem allgemein wuchtiger wirkenden Oberkörper resultiert, ist etwas, das sogar mir, wenn auch ziemlich vage, schon vor zwanzig oder dreißig Jahren bewußt war und mir am meisten dann auffiel, wenn es zuvor schlanken Frauen passierte. Meine Ex-Schwiegermutter hatte so eine Figur: Dünne Arme und Beine an ein wahres Faß von einem Rumpf montiert.

Aber auch bei Frauen, die ansonsten nicht explizit dünn  sind, ist das typisch, und zwar nicht erst seit der Erfindung des Fast Foods, sondern schon immer:
Datei:Queen Victoria 1887.jpg

Königin Victoria (1819-1901)


Katharina die Große (1729-1796)


Liselotte von der Pfalz (1652-1722)
(Quellen der Abbildungen: Wikipedia)


Ich vermute, bei diesen Frauen - und vermutlich auch bei mir - wurden die inneren Organe - Herz, Leber, Nieren, Magen - vom Fett im Bauchraum nach oben geschoben und das drückte die Rippen auseinander. Weil ich mir nicht ganz sicher war, welche Organe außerder Lunge sich normalerweise hinter der Rippen befinden, habe ich mal recherchiert und bin auf ein eindrucksvolles animiertes Modell gestoßen, auf dem man ganz gut erkennt, daß die Rippen der Form nach an die Lunge angepaßt sind, nicht erkennbar ist das Herz, das sich ebenfalls in diesem "Schutzkäfig" befindet. Leber, Nieren, Magen etc. befinden sich direkt unterhalb.

Daß die Rippen bei mir "tiefer sacken", müßte dann im Umkehrschluß bedeuten, daß die Organe wieder weiter in den Bauchraum herunterrutschen, weil sie in weniger Fett eingebettet sind. Das ist eine rundum gute Sache, der Haken dabei besteht allerdings darin, daß sich nun unterhalb der Rippen den Bauch wieder etwas stärker vorwölbt, womit ich wahrscheinlich keinem Arzt der Welt ein verringertes Gesundheitsrisiko plausibel machen könnte, weil ja der Bauchumfang das ist, was inzwischen als relevanter Faktor gilt, während der Brustumfang gar nicht beachtet wird.

Nun ja. Früher oder später wird der Bauch auch noch verschwinden, allerdings wird er mich vermutlich noch mindestens über die nächsten 10 Kilo Abnahme hinweg begleiten. Vielleicht erweist sich meine Gesundheit ja als so robust, daß ich bis dahin keinen Arzt mehr benötige und mir damit alle etwaigen Belehrungen über das Gesundheitsrisiko meines Bauchumfangs (109 cm) spare, bis kein Medizinmann der Welt mehr eines fehldiagnostizieren kann. Ich frage mich außerdem, mit welchem Brustumfang ich wohl enden werde, also welcher für mich "anatomisch normal" ist, so daß ich mit weniger nicht mehr zu rechnen brauche. Spätestens dann müßte der Bauch auch optisch weniger werden, wenn nichts mehr unterhalb der Rippen herausgequetscht wird.

Obwohl mir diese Abnahme im Bauchraum eigentlich wichtiger ist, hat mich die Entdeckung, daß auch an den Oberschenkeln seit meinem viertägigen Fastenintervall eine deutlich spürbare Veränderung geschehen ist, fast noch mehr gefreut, als ich sie bemerkt habe, nämlich auf der Treppe nach dem Einkaufen. Irgendwie krieg ich die Füße in den letzten Tagen nämlich viel höher als zuvor, der ganze Bewegungsablauf des Treppensteigens hat sich deshalb verändert.

Die Richtung stimmt also weiterhin, dessen bin ich mir sicher genug, um jetzt vier Wochen lang ein bißchen langsamer zu tun mit dem Fasten. Allerdings nicht sicher genug, um eine Fastenpause einzulegen - Ostern war mir da eine Warnung. Nächste Woche sind meine Fastentage der Montag und der Donnerstag.

Wir frühstücken jetzt wieder ziemlich oft auf dem Balkon, und seit etwa drei Wochen leisten uns dabei endlich wieder die Wespen Gesellschaft. Wir haben sie wie alte Freunde begrüßt. Ich sag ja immer, das sind alle meine Patenkinder und werden wahrscheinlich alle von vornherein auf den Namen Perditax getauft, weil sie alle mit meiner Wurst großgezogen werden sind.

Meine Liebe zu den Wespen habe ich erst vor drei Jahren entdeckt, vorher war ich genauso wespenfeindlich wie jeder andere auch. Aber eine erste Ahnung, daß man Wespen mögen kann, habe ich schon vor Jahren einmal bei einem Ausflug bekommen. Wir hatten ein leckeres Picknick gehabt, unter anderem mit Hackfleischbällchen. Von denen waren nach dem Essen ein paar Bröckchen auf dem Tisch liegengeblieben, und wir verfolgten ziemlich fasziniert, wie eine Wespe sie in für sie tragbare Teile zerlegte und abtransportierte. Manche dieser "tragbaren Teile" waren für Wespenverhältnisse riesig, und es sah urkomisch aus, sie mit solchen Teilen beim Abflug zu beobachten - ihre Flugbahn hatte nach dem Abheben immer eine ziemliche Delle nach unten, bevor es ihr gelang, die Flughöhe zu halten. Wir haben uns glänzend dabei unterhalten, ihr beim Arbeiten zuzuschauen.

So etwas ähnliches ist uns dann 2017 wieder passiert, als wir beim Abendessen auf dem Balkon waren und es zufälligerweise Fleischküchle gab. Dort haben wir nur eine ziemlich kleinen Tisch, und wir konnten uns der Wespen zunächst kaum erwehren. Bis wir uns daran erinnerten, daß uns damals bei diesem Ausflug aufgefallen war, wie zielgenau die Wespe immer wieder exakt die Stelle am Tisch angeflogen hatte, wo die Hackfleischbrösel gelegen waren. Also nahm ich ein Hackfleischbröckchen und plazierte es in der Mitte des Tisches. Und wahrhaftig, nun konnten wir in Ruhe fertigessen, weil die Wespen sich rasch darauf konzentrierten, diesen "Hackfleischberg" abzubauen, von dem niemand sie verscheuchte. Obwohl unsere Teller nur ein paar Zentimeter entfernt waren, interessierten sie sich auf einmal nicht mehr für deren Inhalt.

Das war unser Aha-Erlebnis.

Ich stelle seitdem "unseren" Wespen auf einer Ablage zum Einhängen am Geländer immer ein Schälchen mit Wurst- und eines mit Obstresten hin ... nur kleine Mengen natürlich, und ich wechsle sie regelmäßig alle ein, zwei Tage aus. Diese Futterstationen fliegen sie direkt an, und für das, was wir so auf dem Tisch haben, interessieren sie sich dann nicht mehr. Dabei kann man erkennen, wann sie arbeiten und wann sie gerade frei haben: Wenn sie sich vor allem für die Wurst interessieren, sind sie "im Dienst"; so wie Jungvögel benötigten die Wespenlarven Proteine. Wenn sie sich selbst stärken wollen, ist Obst das Richtige. Und dabei mögen sie das, was bei mir ohnehin übrigbleibt: Die Apfelschalen vom Apfelkuchen ebenso wie das abgeschnittene Teil mit der matschigen Stelle von einem Pfirsich. Wenn schon was Angefaultes dabei ist, macht das nichts (sie halten sich an das, was sie für gut befinden), nur Schimmel ist für sie ein klares No-go.

Ein einziges Mal habe ich ihnen Honig hingestellt, weil mein Mann das für noch besser hielt. Das haben wir kein zweites Mal versucht, denn davon wurden sie aggressiv, es war das einzige Mal, daß wir ein ungemütliches Abendessen auf dem Balkon hatten.

Angeblich soll dasselbe auch bei Zuckerwasser passieren, aber ausprobiert habe ich das nie. Ich halte mich an Obstreste, da fällt ohnehin immer etwas an, das andernfalls im Abfall landen würde.

Gestern zum Beispiel habe ich eine Biskuitrolle mit Zwetschgen-Mascarpone-Creme gemacht und die Zwetschgensteine, an denen noch Fruchtfleisch-Reste klebten, hinausgestellt, darauf haben sie sich förmlich gestürzt. Ich glaube, mein spektakulärster Erfolg bislang waren Weintrauben. Ein paar waren schon überreif, die habe ich abgeklaubt und den Wespen hingestellt. Wir haben mindestens ein Dutzend Wespen gezählt, alle fröhlich an ihrem Extra-Tischchen zugange, während wir auf demselben Balkon nicht minder fröhlich unser Abendessen zu uns genommen haben. So friedlich können Menschen und Wespen mit ein bißchen gutem Willen koexistieren!

Manchmal passiert es aber doch, daß eine Wespe lästig wird, das ist dann vermutlich eine "Fremdwespe" aus einem anderen Nest, die sich bei uns noch nicht auskennt. Wenn es gar zu nervig wird, nutze ich meine elektrische Fliegenklatsche, aber meistens schalte ich sie dabei nicht an.

 Mückenschläger: PEARL Elektrische Fliegenklatsche mit Akku, ladbar per USB, orange/schwarz


Einmal habe ich nämlich eine Wespe mit einer vollen Breitseite erwischt, als ich den An-Knopf gerade gedrückt hielt. Sie fiel zu Boden wie ein Stein, streckte die Beine in die Luft und rührte sich nicht mehr. Mein Mann und ich starrten betroffen zu ihr herunter. "Ist sie tot?", fragte ich beklommen. Als dann nach ein, zwei Minuten ihre Lebensgeister wieder zurückkehrten, sie sich aufrappelte und, noch ein bißchen in Schlangenlinien, ihrer Wege flog, atmeten wir beide auf. So merkte ich, daß wir uns für unsere Wespen mittlerweile auch verantwortlich fühlen. Es hätte mir unheimlich leidgetan, wenn der Elektroschock sie getötet hätte, und so drücke ich meistens den Knopf von vornherein nicht, sondern verwende den Schläger nur, um sie in hohem Bogen nach draußen zu schleudern; das sollte eine Wespe ja abkönnen. Wespenfallen, mit denen man die Wespen tötet, kämen mir nicht mehr ins Haus.

Wenn ich morgens zum Blumengießen auf den Balkon gehe, werfe ich immer auch einen Blick auf die Wespenfutterstation und begrüße meine dortigen Essensgäste mit "Na, ihr Nagetiere?", weil das immer auf eine rührende Weise so geschäftig aussieht, wie sie, oft ein halbes Dutzend gleichzeitig, an einer Scheibe Wurst herumnagen. Dabei sieht man verblüffend schnell die Ergebnisse ihrer Arbeit. Je nachdem, wie viele Wespen unterwegs sind, hat so eine Scheibe Wurst innerhalb von einer halben Stunde schon eindrucksvoll große Löcher.

Es ist manchmal gar nicht so einfach, diese Futterschälchen auszutauschen, weil das, was für mich längst vertrocknet und ungenießbar aussieht, immer noch Wespen anzieht. Am einfachsten ist es, den Austausch vorzunehmen, wenn es regnet oder wenn es schon dunkel ist. 

Auf den Gedanken, mal etwas über "meine" Wespen zu schreiben, brachte mich übrigens ein Artikel in der FAZ. Irgendwann einmal muß ich mich über diese Tiere einmal tiefgehender informieren. Ein paar Bücher dazu gibt es, besonders interessant sieht dieses hier aus:





Freitag, 24. Juli 2020

Jim Knopf wird gottseidank noch oft gelesen

Mein Gewicht heute früh: 94,8 Kilogramm - neuer Tiefststand. Damit habe ich nach vier Fastentagen 5,7 Kilogramm weniger, liege gewichtstechnisch um 1,1 Kilogramm niedriger als beim Fünf-Tage-Fasten nach Tag 4, sowie 300 Gramm niedriger als nach Tag 5.

Da ich das letzte Mal am fünften Tag im Prinzip immer noch gefastet und erst am Abend eine Bouillon mit Ei zu mir genommen hatte, nahm ich am fünften Tag noch einmal ab, womit ich eigentlich gar nicht gerechnet hatte. Nur 800 Gramm, aber immerhin. Diesmal wird das aber wohl nicht passieren, weil ich zwar nicht "normal" esse, sondern möglichst darmfloraschonend und gleichzeitig kohlehydratarm, aber eben doch vorhabe, mir heute meine drei Mahlzeiten zu gönnen. Wenn ich viel Glück habe, werde ich morgen ungefähr genauso viel wiegen wie heute, vielleicht wiege ich dann aber auch mehr. Da fehlt mir im Moment noch die Erfahrung, um das voraussagen zu können.

Was mir diesmal (bis jetzt) nicht passiert ist, war der Durchfall am Morgen von Tag 4, nach dem ich dann wirklich gar nichts mehr im Magen-Darm-Trakt hatte. Diesmal fange ich also immerhin nicht vom "absoluten Nullpunkt" an. So gesehen, müßte das erreichte Niedrigstgewicht diesmal ein bißchen mehr "wert" sein als letztes Mal. Also spekuliere ich jetzt wenigstens mal darauf, daß meine Wiederzunahme etwas moderater ausfallen wird.


Auffällig fand ich, daß ich diesmal viel mehr Hunger hatte als beim letzten Mal. Nicht dauernd, aber immer mal wieder knurrte mir doch der Magen. Das hatte ich beim letzten Mal nicht, wie es überhaupt bei mehrtägigem Fasten bei mir eine Seltenheit ist. In Versuchung, etwas zu essen, war ich trotzdem nicht. Keine Ahnung, warum das so vielen anderen zu passieren scheint, bei mir ist das jedenfalls nicht so. Ich kann auch Rezepte lesen oder in den Kühlschrank schauen, ohne daß ein Drang bestünde, etwas zu essen. Trotzdem bin ich froh, daß ich jetzt wieder essen darf.

Mir hat schon wieder ein Zeitungsbericht zwar nicht den Appetit, aber die Laune verdorben. Diesmal geht es um die Tugendwächter über die Kinderbücher. 

ZEIT ONLINE: Welche Bücher sind es in den Kitas, die ins Altpapier müssen?

Christiane Kassama

Christiane Kassama, 52, Pädagogin © privat

Kassama:Jim Knopf wird leider noch oft gelesen. Jim Knopf reproduziert viele Klischees, zum angeblich typischen Wesen und Äußeren von Schwarzen. Jim Knopf ist so, wie sich Weiße ein lustiges, freches, schwarzes Kind vorstellen. Auch Pippi Langstrumpf liegt als Buch fast in jeder Kita.






Ich weiß nicht, worüber ich mich am meisten ärgern soll, über die Respektlosigkeit gegenüber Büchern, zumal solchen, die von Kindern jahrzehntelang geliebt wurden, die in der Suggestivfrage des Interviewers* steckt, oder über die betonköpfige Verbohrtheit, die aus der zitierten Antwort der Kita-Leiterin Christiane Kassama spricht.

* Sein Name lautet Moritz Hermann und er ist so alt wie mein Sohn, was vielleicht erklärt, warum ich den Drang verspüre, ihn übers Knie zu legen. Ich frage mich, in was für Familienverhältnissen er groß geworden sein muß, um es ernsthaft für eine Option zu halten, Kinderbücher im Altpapier zu entsorgen. Hat diesem armen Tropf in seiner Kindheit nie jemand abends Bücher vorgelesen, die er geliebt hat und bis heute liebt?

Eines steht fest, in die Kita, die von dieser Frau geleitet wird, würde ich meine Kinder nicht schicken. Zum Glück ist mein Sohn aber sowieso bereits erwachsen.

Kinderbücher stecken immer voller Klischees, und es ist bezeichnend, daß Frau Kassama sich ausschließlich auf den dunkelhäutigen Jim Knopf fokussiert, um die Klischees, durch die sich sich gestört fühlt, zu "entlarven". Was ist mit Klischees über Chinesen, die ebenfalls vorkommen? Oder, da die wichtigste Chinesin eine Prinzessin ist, mit Klischees über Königshäuser, über Mädchen, über alles mögliche? Vom König über Frau Waas und Herrn Ärmel bis zu dem Lokomotivführer Lukas, das sind doch alles Klischees.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch, daß ihr Einwand gegen Pippi Langstrumpf darin besteht, daß sie ein "lustiges freches weißes Kind ist", womit also lustige und freche Kinder generell in ihren Augen keine Gnade fänden. Die Frage ist allerdings, wie ein Kinderbuch, dessen Hauptperson ein trauriges und von mir aus schwarzes Kind ist, bei den kleinen Lesern ankommen würde. Ein lustiges freches Kind welcher Hautfarbe und welchen Geschlechts (und sogar welcher Spezies, es gibt ja auch freche kleine Bärenkinder oder Schweinchen) auch immer ist ja Routinebestandteil vieler guter und zu Recht beliebter Kinderbücher. Ich würde ja spontan vermuten, die frechen Kinder seien in Kinderbüchern jetzt nicht mehr ganz so wichtig wie zu meiner Zeit, da Kinder im richtigen Leben nicht mehr so sehr spuren müssen und bei Widerworten als pädagogische Maßnahme übers Knie gelegt werden. Aber solange solche Bücher so beliebt sind, bieten sie offenbar Rollenmodelle, die Kindern beim Aufwachsen eine Hilfe sind.

Es ist eine geradezu armselig verengte Sichtweise, bei Kinderbüchern immer nur darauf zu lauern, daß bloß kein falsches Wort über Schwarze fällt - alleine schon, weil sämtliche Wörter, die bis vor ca. dreißig Jahren über Schwarze fielen, falsch waren und somit die Literatur von etlichen Generationen aus ihrer Sicht von vornherein ein Fall fürs Altpapier sein müßten.

Falls das bislang niemandem außer mir aufgefallen ist: Um andere Rassen als Schwarze geht es bei solchen Beschwerden übrigens nie, obwohl in Kinderbüchern ja auch Asiaten, Indianer oder diverse Zuwandererethnien, von Italienern über Türken bis Griechen (etwa bei Christine Nöstlinger), vorkommen.

Klischeefiguren, die umso häufiger vorkommen, je kleiner die Kinder sind, an die sich ein Buch richtet, sind etwas Widererkennbares, das, was die Kinder in ihrem eigenen Alltag ebenfalls schon erlebt haben und womit sie sich identifizieren können. Das gilt jedenfalls für neu erschienene Kinderbücher.  Kinderbücher, die alt geworden sind, erkennt man daran, daß ihre Leser diese Klischees nicht mehr aus dem eigenen Alltag kennen. Das macht aber nichts, denn Kinder spüren es, ob die dargestellten Charaktere und Plots grundsätzlich stimmig sind oder nicht. Ein Kinderbuch, bei dem sie in sich unstimmig sind, verliert im Lauf der Zeit seine kleinen Leser, ohne daß irgendein Erwachsener mahnend den Zeigefinger erheben muß, und dann wird es auch kein Kinderbuchklassiker.

Kinderbuchklassiker widersprechen dem jeweils gerade gültigen Zeitgeist immer, alleine schon, weil sie zu anderen Zeiten geschrieben wurden, und unweigerlich finden sich dann immer diese vermeintlichen Superpädagogen, die sie bekämpfen. Als ich ins Erstlesealter kam, schwappte gerade die antiautoritäre Welle über das Land. Kritisiert wurden Kinderbücher wie der "Struwwelpeter", Autoren wie Wilhelm Busch und Grimms Märchen wegen ihrer vermeintlich die zarten Kinderseelen verletzende Brutalität. Das ging von Erwachsenen aus - ich kann mich nicht erinnern, daß sich je ein Kind über diese Bücher beklagt hätte -, und ich fand das schon als Kind übergriffig (auch wenn ich den Begriff damals noch nicht kannte). Wie kamen die Großen eigentlich dazu, mir vorzuschreiben, was mir gefallen durfte und was nicht?

Damals kamen all diese antiautoritären Kinderbücher im Beltz & Gelberg Verlag heraus, darunter auch Jahrbücher der Kinderliteratur, die bewußt diesen - heute würde man sagen "empowernden" - Ansatz verfolgten. "Geh und spiel mit dem Riesen" hieß eines davon. Auch diese Bücher habe ich gelesen, manche sogar mehrmals, und manche davon gefielen mir sogar wirklich, etwa die "Greuliche Griselda", die ich mir später als Erwachsene nachgekauft habe und immer noch mochte, als ich das Buch wiedergelesen habe. Andere gaben mir immerhin Stoff zum Nachdenken. Ich merkte nämlich, daß mit vielen dieser mit bestimmten pädagogischen Hintergedanken geschriebenen Geschichten irgendetwas nicht stimmte, obwohl ich nicht hätte sagen können, was es war. Sie "fühlten" sich anders "an" als die Bücher, die ich wirklich liebte und die ich wieder und wieder lesen konnte. Dazu gehörte so ziemlich alles von Astrid Lindgren, von Otfried Preußler, von Michael Ende, aber auch die weniger angesehenen Werke von Vielschreiberinnen wie Enid Blyton, von den "fünf Freunden" bis zu "Hanni und Nanni". Alle diese aufgezählten Bücher enthielten etwas, das mir etwas bedeutete, auch wenn ich nicht hätte erklären können, was es war. Rückblickend ist mir natürlich klar, was es ist: Es ist der Respekt vor den kleinen Lesern, denen eine Geschichte erzählt wurde, die sie spannend finden sollten, anstatt ihnen insgeheim irgendeine Moral unterzujubeln.

Und natürlich las ich auch die damals zeitweise so verpönten Märchen, wobei ich Volksmärchen wie die der Brüder Grimm Kunstmärchen wie denen von Hans Christian Andersen vorzog. Andersens Märchen waren viel zu vielschichtig, um sich in erster Linie an Kinder zu richten, und er tat damit genau das, womit ein Autor Klischees aller Art, auch rassistische, vermeiden könnte, wenn er das anstrebt. Aber damit bewirkt er wahrscheinlich bei Kindern genau dasselbe, was Andersen bei mir bewirkte: Mir waren diese Märchen irgendwie unangenehm. Ihnen fehlte meistens das Happy End, und ihre Charaktere waren häufig zweideutig. Da lobte ich mir die Brüder Grimm, bei denen immer eindeutig erkennbar war, worauf die Sache hinauslief.

Ich habe übrigens nie mit dem Gedanken gespielt, alte Frauen in einen Ofen zu stoßen, und wenn ich durch den Wald ging (was ich häufig tat, weil ich in der Nähe des Walds wohnte), rechnete ich weder mit bösen Räubern oder Wölfen noch mit sprechenden Rehen und Quellen, die einen verzauberten. Bei uns im Wald mußte man eher mit entsorgten Waschmaschinen und anderem Sperrmüll rechnen; ich erinnere mich, daß eine Zeitlang sogar ein altes Autowrack zwischen den Bäumen an einem Abhang steckte. Ich konnte gut zwischen meiner Lebenswirklichkeit und bloßen Geschichten unterscheiden, obwohl ich tatsächlich einmal einen Frosch geküßt habe, als ich - eine Seltenheit - einen fangen konnte. Meine innere Fünfjährige findet es stellvertretend ziemlich beleidigend, daß dieses eigene Urteil - und das immer von denen, die sich im Besitz irgendwelcher Wahrheiten wähnen -, Kindern nicht zugetraut wird. Warum sollte ich heutige Fünfjährige für dümmer als mich mit fünf Jahren halten?

Zum eigenen Urteil von Kindern fällt mir ein weiteres berühmtes Kinderbuch ein, das ich als Kind im Grundschulalter ebenfalls mit ziemlich gemischten Gefühlen nach dem Lesen zuklappte und erst wiederlas, als mein Sohn es in der Schule durchnahm, nämlich die "rote Zora" von Kurt Held - und erst dann konnte ich mit diesem Buch wirklich etwas anfangen. Mein Problem bestand nämlich darin, daß dieses Buch einerseits nach meinem damaligen Begriffsvermögen eine "märchenhafte" Geschichte war, wie ich sie gerne las, aber niemals erwartete, in meiner persönlichen Umgebung etwas Vergleichbares zu erleben (etwa einer Pippi Langstrumpf oder einer kleinen Hexe zu begegnen). Daß diese Geschichte gegen Schluß immer mehr  "realistisch" wurde - wie ich das auch von vielen "modernen" Kinderbüchern kannte -, hatte natürlich damit zu tun, daß die Geschichte vom Autor "realistisch" gedacht war. Nur, Kinder, die in Burgruinen eine Bande bildeten und den Erwachsenen zeigten, was eine Harke ist, so etwas gab es meiner Meinung nach nur in Büchern, nicht in echt. Eigentlich hatte ich gar nichts gegen "realistische" Bücher, nur die Vermischung zweier Genres, die meinem damaligen Empfinden nach nichts miteinander zu tun hatten, mochte ich nicht. Es "stimmte" auf diese Weise einfach nicht. Und genau das war es auch, was mich bei den ach so gut gemeinten antiautoritären Kinderbüchern auch störte. Sie gaben vor, meine Lebensumwelt widerzuspiegeln, taten das aber in Wirklichkeit nicht, was nur zum Teil die Schuld der Autoren war. Ich lebte als Kind auf dem Dorf, da waren wir auch in pädagogischer Hinsicht mindestens zwanzig Jahre hinterher. Erwachsene, die sich so benahmen, wie die Erwachsenen in solchen Büchern, kannte ich gar nicht, und die emanzipatorischen Lösungen für Konflikte glaubte ich den Autoren nicht, weil sie in meiner Realität nicht vorkamen.

Trotzdem, anders als die "rote Zora" las ich manche dieser Bücher mehrmals. Sie gaben mir, siehe oben, immerhin zu denken. Außerdem beneidete ich die Kinder in den Städten heftig, deren Lebenswelt sich offenbar von meiner deutlich unterschied und die oft in Hochhäusern wohnten, wo man mit dem Aufzug fahren konnte. Deshalb las ich gerne über das Leben, das sie in der Stadt führten. Daß diese Kinder wiederum mich beneidet hätten, weil wir auf dem Lande im eigenen Haus wohnten, auf diese Idee wäre ich nie gekommen.

Was sich in dem kurzen Interviewausschnitt aus der ZEIT über Kinderbücher, die angeblich ins Altpapier gehören, vor allem widerspiegelt, ist meinem Eindruck nach kein Kampf gegen Rassismus, sondern einer gegen alles, wodurch sich Frau Kassama persönlich gekränkt fühlen könnte, und sie scheint grimmig entschlossen, jedes ihr mißfallende Wort über Menschen ihrer Hautfarbe als Kränkung zu betrachten. Ob sie mit ihrem inquisitorischen Gehabe vielleicht die ihr anvertrauten Kinder verletzen bzw. ihnen für ihre Entwicklung Wichtiges vorenthalten könnte, ist ihr damit ziemlich egal. Das Gekränktsein zweifle ich bei ihr auch nicht an, und ich würde es für übergriffig halten, sie damit abzuspeisen, sie solle sich doch bitte nicht so anstellen. Nur scheint mir, sie führt zu vieles an ihrem Gefühl der Kränkung auf ihre Hautfarbe zurück. Angenommen, sie würde morgen als eine brünette Frau Schmidt aufwachen, die in der n-ten Generation deutsche Vorfahren hat, aber ansonsten dieselbe Person bleiben, würde sie bald feststellen, daß sie bei dieser Transformation mindestens drei Viertel ihrer Empfindlichkeiten mitgenommen hätte, nur müßte sie sich dafür andere Projektionsflächen suchen. Etwas ähnliches kennt man ja auch von nicht gerade wenigen Leuten, die nach einer Schönheits-OP oder einer starken Abnahme oder auch nach einem Lottogewinn wider Erwarten genauso unglücklich wie vorher sind. Ich vorheriges Problem war also nicht, wie gedacht, ihre Nase, ihr Gewicht oder das fehlende Geld gewesen. Genauso meine ich, die Hautfarbe ist nicht das eigentliche Problem, wenn jemand sein Kränkungsgefühl auf reinen Pipifax fokussiert. Da schiene es mir angebracht, einmal in sich zu gehen und sich zu fragen, worin das eigentliche Problem besteht.

Anmerkung: Das gerade Gesagte gilt, wohlgemerkt, nicht für das, was jemand über Situationen sagen könnte, in denen man tatsächlich schon erkennbar rassistisch benachteiligt bzw. verbal oder gar physisch deswegen angegriffen wurde. Mir geht es hier nur um das, was ich für Pipifax halte, und das ist Gejammer über das Lesen von Büchern, die vor langer Zeit geschrieben wurden und die zwangsläufig widerspiegeln, was damalige Gesellschaften über Schwarze wußten oder wenigstens zu wissen glaubten, einschließlich etwaiger Vorurteile. Konsequenterweise müßte man dann ja alle Bücher, die älter als ca. 30 Jahre sind, wegschmeißen oder umschreiben.

Ich bin strikt dagegen, Kindern diese Bücher vorzuenthalten, solange sie sie mögen. Wo es nötig erscheint, kann man dazu ja Erklärungen einschieben. Aber meiner Meinung nach ist das gar nicht nötig.

Als mein Sohn anfing, das Tagheim zu besuchen, sagte er anfangs nämlich immer mal wieder, im Tagheim werde dies und jenes aber so und so gemacht, wenn ich es abends so machte, wie ich es schon immer getan hatte. Mein Antwort lautete: Im Tagheim gelten die Regeln des Tagheims und daheim meine. Ich habe das allerhöchstens ein halbes Dutzend Mal erklären müssen, danach war es akzeptiert, und er nahm meinem Eindruck nach auch keinen Schaden an Leib und Seele. Warum also sollten Kinder nicht in derselben Weise akzeptieren können, daß die Leute "früher" auch andere Regeln hatten? Ich habe es als Mädchen schließlich auch ausgehalten, zu wissen, daß man meinesgleichen früher mit aller Selbstverständlichkeit für minderwertig gehalten hat. Daß mich das minderwertig machen könne, auf diesen Gedanken bin ich nie gekommen.

Was ich mich auch immer wieder frage, wenn die Bilderstürmer und Bücherverbrenner wieder einmal umgehen und ihre Predigten halten, im hohen moralischen Ton und im Namen ihrer "gerechten Sache": Angenommen, die Heilige Antirassismus-Inquisition setzt sich mit ihren Maximalforderungen durch und schwarze Kinder werden erst als Erwachsene, sagen wir, während des Studiums, mit der Realität konfrontiert, kann das wirklich gut für sie sein oder sind sie dann wegen einstürzender Weltbilder erst mal ein Fall für die Couch?

Die beiden Jim-Knopf-Bücher zählen für mich zu den Büchern, die dabei helfen, Kinder stark zu machen, sollten also auch dagegen vorbeugend wirken können. Egal, wieviele Klischees sie enthalten. Gut also, daß sie nach wie vor gelesen werden.

Mittwoch, 22. Juli 2020

Lieber gar keine Ratschläge als solche

Mein Gewicht heute früh nach zwei Fastentagen: 96,9 Kilogramm. Nicht übel, aber mit 3,6 Kilogramm eine geringere Abnahme als beim letzten Mal. Es ist dennoch ein wirklich befriedigendes Gefühl, die 50-Kilo-Schwelle bei der Abnahme zum zweiten Mal übersprungen zu haben. Ich hoffe, am Freitag knacke ich erstmals die 95 Kilo Lebendgewicht, aber sicher ist das noch nicht. Heute und morgen muß ich ja mit einer deutlich geringeren Abnahme rechnen als in den letzten zwei Tagen.


Das letzte Mal hatte ich nach vier Tagen eine Abnahme von exakt 6,1 Kilogramm, verteilt auf 2 + 2 + 1 +1,1 Kilogramm. Falls ich diesmal wieder um die 6 Kilogramm Abnahme - in der Verteilung 2 + 1,6 + 1,4 + y - zu verzeichnen hätte, müßte ich um 94,5 Kilogramm plusminus herum herauskommen. Aber die Höhe der Abnahme beim letzten Mal hat mich (angenehm) überrascht; ich hatte zuvor mit weniger gerechnet. Vielleicht sollte ich nicht gar zu fest darauf vertrauen, daß ich diesmal wieder so eine Überraschung erlebe?


Wie auch immer, es wäre schön, wenn ich am Freitag unter meinem Niedrigstgewicht vom letzten Mal läge, also weniger als 95,1 Kilogramm auf die Waage brächte. Auch wenn ich dieses Gewicht nicht mit vier, sondern mit fünf Fastentagen erzielt hatte.

Update 23.7.: Heute morgen wog ich 95,5 Kilogramm, damit deckt sich meine Gesamtabnahme nach drei Tagen wahrhaftig exakt mit der vom letzten Mal. :-)

Wie sich der Aufbautag am Freitag auswirken wird, lasse ich mich überraschen. Ideal wäre es, wenn ich das Gewicht vom Freitagmorgen auch am Samstagmorgen noch hätte. Mit einer weiteren Abnahme an diesem Tag sollte ich nicht rechnen, obwohl ich meine erste (bescheidene) Mahlzeit nicht vor der Mittagszeit zu mir nehmen werde.

So ganz sicher bin ich mir noch nicht, was ich am Freitag essen werde. Ich habe ein bißchen rumgegoogelt, war aber von den Empfehlungen, die ich las, nicht so richtig überzeugt. Die bezogen sich alle auf Heilfasten, hinter dem eine völlig andere Philosophie steckt, und von dem Vollwertgedöns, auf das dabei so viel Wert gelegt wird, halte ich sowieso nicht viel. Meine Schwester, die schon einmal Heilfasten gemacht hat, wollte mich unbedingt davon überzeugen, daß ich mit einem Apfel beginnen solle, aber ich kann mich mit dem Gedanken an Fruchtsäure auf nüchternen Magen nicht so recht anfreunden. Dagegen könnte ich eine relativ salzarme Kost an diesem ersten Tag nach dem Fasten tatsächlich einmal ausprobieren, um zu sehen, ob das meine "Wasserpumpe" ein bißchen bremst.

Die Bouillon mit Ei beim letzten Mal bekam mir gut, damit fange ich wohl mal an. Vielleicht schnipsle ich noch eine Karotte rein, und natürlich viiiiel Schnittlauch. Abends kämen Kartoffeln mit Käuterquark in Frage. Vielleicht teile ich den Becher Quark dabei auf ... einen Teil mit Kräutern zu den Kartoffeln, einen Teil mit Honig und Nüssen als Nachtisch.

Aus der Rubrik "Wissenschaft zum Abgewöhnen" verdarb mir gestern dies hier die Laune:





Wie ich diese Kakophonie von einander widersprechenden Neuigkeiten aus der Wissenschaft hasse, insbesondere wenn sie mit Vokabeln wie "könnte" versteckt alles doch wieder für ganz unverbindlich erklären. Meine Mutter läßt sich von Radiomeldungen dieser Art extrem beeinflussen, und so werde ich bei jedem Besuch mit anderen Ernährungsregeln konfrontiert, die sie gerade erfahren hat, und sie glaubt daran immer so fest, als hätte es ihr der Pfarrer von der Kanzel herunter gepredigt ... jedenfalls für ein paar Tage, bis neue Meldungen die alte zu überlagern beginnen. Ich weiß nicht, was diese Leute sich vorstellen, welche Wirkung sie damit erzielen könnten, wenn sie die Leute durch ständige widersprüchliche Verhaltensempfehlungen in einen solchen Ernährungs-Zickzack bringen.

Speziell diese Meldung hätte meiner Mutter aber sicherlich eingeleuchtet, denn das Frühstück war bei uns - wie in vielen Familien - eine heilige Kuh. Noch dazu wurde von mir ziemlich lange auch noch erwartet, morgens ein Marmeladebrot zu essen, jedenfalls so lange, bis ich alt genug war, um wenigstens ein Wurstbrot durchzusetzen. Rückblickend schaudert es mir bei der Vorstellung, wieviele Jahre lang ich morgens Marmeladebrot gegessen habe. Süß am hellen Morgen, igittigitt. Ich trinke auch meinen Kaffee schwarz. Mein Pech, daß meine Mutter immer so viel Marmelade kocht. Ich wünschte manchmal - ganz ehrlich -, ich wüßte das mehr zu würdigen. Aber Marmelade hat in meiner Ernährung irgendwie keinen vernünftigen Platz. Nachmittags zum Kaffee ein Stück Hefezopf mit Marmelade, das könnte ich mir gerade noch vorstellen, und eine Zeitlang gab es das bei uns auch wirklich, nachdem mein Schwager einmal einer Kollegin den Computer repariert hatte und sie sich mit einem Dutzend Gläsern Marmelade revanchierte, die natürlich irgendwie verbraucht werden mußten. Aber seit die weg sind, mach ich zum Kaffee lieber ein paar Muffins oder am Wochenende einen Kuchen. Zitronenkuchen war es letzte Woche, davor Erdbeer-Tiramisu ... das wechselt.

Daß ich morgens in Wirklichkeit gar kein Bedürfnis nach Essen habe, ist mir nach dem Ende meiner Schulzeit klargeworden, als ich mit dem Zug zur Arbeit fuhr und dafür so früh aufstehen mußte, daß ich noch kaum ansprechbar war und nur schwarzen Kaffee als "Augenöffner" gebrauchen konnte. Nachdem ich dann ein paar Jahre später daheim ausgezogen war, habe ich nie wieder gleich nach dem Aufstehen gefrühstückt - es sei denn bei Besuchen bei meiner Mutter oder im Urlaub beim Hotelbüffet, aber das ist dann meistens auch schon zu einer Uhrzeit, zu der ich auch daheim langsam Hunger bekommen würde.

Aber wie kommen die "Experten" eigentlich auf das schmale Brett, mir weismachen zu wollen, um abzunehmen, bräuchte man ein Frühstück? Ich habe also mal den Link in dem Tweet angeklickt und las dies hier: Viele übergewichtige Menschen versuchen abzunehmen, indem sie auf das Frühstück verzichten und tagsüber weniger essen. Am Abend überwältigt sie dann der Hunger und/oder sie belohnen sich für ihre Tapferkeit am Tag mit einem reichhaltigen Abendessen. 

So, so. Es geht also in Wirklichkeit gar nicht um das Frühstück, sondern darum, sich krampfhaft beim Essen zurückzuhalten, und das den ganzen Tag über? Das ist allerdings eine ganz andere Baustelle.

Warum diese Strategie selten aufgeht, zeigt eine Studie von Lübecker Psychoneurobiologen.

Spoiler: Nein, das zeigt sie nicht. Hier die zugehörige Inhaltsangabe:

Die Forscher luden 16 normalgewichtige Männer ein, im Abstand von 2 Wochen jeweils 3 Tage im Labor zu verbringen. Nach einer ausgeschlafenen Nacht erhielten sie bei einem Besuch ein reichhaltiges Frühstück, das 69 % der Tageskalorien enthielt. Dafür fiel nach einem normalen Mittagessen (20 % der Kalorien) das Abendessen mit einem Anteil von 11 % der täglichen Kalorien spärlich aus. Beim 2. Besuch gab es nur 11 % der Kalorien am Morgen, 20 % am Mittag, dafür aber ein hoch-kalorisches Dinner (69 %) am Abend. ... Das Team um Kerstin Oltmanns von der Sektion für Psychoneurobiologie an der Universität Lübeck fand heraus, dass die nahrungsinduzierte Thermogenese (DIT) am Morgen deutlich höher ausfällt. Über den Tag verbrauchten die Teilnehmer 2,5 Mal so viel Energie, wenn sie morgens reichhaltig gefrühstückt hatten, als wenn sie die gleiche Kalorienmenge am Abend zu sich nahmen.

Der Grund für die erhöhte DIT am Morgen ist nicht ganz klar. Die Untersuchung des Glukosestoffwechsels ergab, dass der Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels nach dem Frühstück im Vergleich zum Abendessen deutlich geringer war. Hinzu kommt, dass das niederkalorische Frühstück über den Tag hinweg zu stärkeren Hungergefühlen führte.
Die Neigung, sich über den Tag nebenbei mit Süßigkeiten zusätzliche Kalorien zuzuführen, dürfte deshalb größer sein, als wenn man am Abend mit leerem Magen ins Bett geht.

Diese Beweisführung kann ich nicht nachvollziehen.

Punkt 1: Die Probanden der Studie benötigten keine Diät, da sie normalgewichtig waren. Ob derselbe Effekt, der bei Normalgewichtigen auftritt, auch bei Übergewichtigen aufträte, müßte erst noch untersucht werden, und ebenso, ob sie dann tatsächlich abnehmen würden.

Punkt 2: Ebenso ist nicht klar, ob der Effekt bei beiden Geschlechtern auftritt.

Punkt 3: Noch weniger ist bekannt, ob und wie weit sich dieser Effekt verändert, wenn man seine Ernährung nicht nur drei Tage lang, sondern dauerhaft so verändert. Der menschliche Stoffwechsel huldigt immerhin dem Prinzip der "Homöostase" und paßt sich Veränderungen an. Eine Ernährungsweise, die nicht der gewohnten entspricht, aber nur drei Tage lang umgesetzt wurde, verändert so schnell natürlich noch nichts. Die Wirkung kann somit eine ganz andere sein, wenn man das nicht nur drei Tage lang, sondern dauerhaft so macht.

Punkt 4: Angenommen aber, alle drei Punkte träfen zu, dann hätte man damit nur herausgefunden, daß ein frugales Frühstück diesen Effekt hat. Darüber, welchen Effekt gar kein Frühstück hat, wäre damit überhaupt nichts ausgesagt.

Punkt 5: In der Studie mit ihrer kurzen Dauer von nur zweimal drei Tagen sollte es eigentlich möglich gewesen sein, jede Nahrungsaufnahme über die Mahlzeiten hinaus zu verhindern. Über einen möglichen Einfluß von Süßigkeitenkonsum herumzuspekulieren, wenn dieser in der Studie nicht stattgefunden hat, finde ich nicht unbedingt wissenschaftlich.

Punkt 6: In dem Experiment fiel nicht nur das Frühstück, sondern auch das Mittagessen frugal aus. Was herausgekommen wäre, wenn das Mittagessen die üppigste Mahlzeit des Tages gewesen wäre, wurde nicht untersucht.

Ich glaube, ich weiß aber, was dann herausgekommen wäre. Alle paar Monate gehen mein Mann und ich nämlich sonntags zum Brunchen, und zwar in der Regel zwischen 13 und 13.30 Uhr, und selbstverständlich, ohne zuvor gefrühstückt zu haben, denn am Wochenende frühstücken wir nie vor 12 Uhr. Da wir der Kalorienlogik nicht huldigen, schlagen wir uns bei dem Brunch traditionell immer den Bauch voll, bis wir nicht mehr können. (Das hört sich schlimmer an, als es ist. Es geht in der Regel um einen Teller vom kalten Büffet, einen vom warmen und einen Teller mit Nachtisch. Das sind gut gefüllte Teller, aber es ist uns beiden schlicht unmöglich, uns nach dem Nachtisch noch einmal von einem der anderen Büffets zu bedienen ... die Mitarbeiter kommen vor dem Abräumen, so gegen 14.30 Uhr, noch einmal vorbei, um das anzubieten.) Danach haben wir abends keinen Hunger und verzichten ganz auf das Abendessen. Weil das an Brunch-Sonntagen IMMER passiert, kalkulieren wir das inzwischen von vornherein mit ein und planen von vornherein gar kein Abendessen mehr ein, weder ein üppiges noch ein frugales. Wir haben nicht einmal das Bedürfnis zu naschen.


Das ist also in etwa derselbe Effekt. Nur, er hat gar nichts mit der Uhrzeit der üppigen Mahlzeit zu tun, sondern damit, daß die erste Mahlzeit des Tages nicht frugal, sondern üppig ist. Das muß also kein Frühstück sein. Wer das Frühstück ganz ausfallen läßt, etwa beim 16:8-Fasten, der verdirbt sich diesen Effekt nicht, im Gegensatz zu dem, der sich morgens zu kalorienarmer Kost zwingt.

Eine Zeitlang haben wir unser spätes Wochenendfrühstück, das nicht ganz so üppig, aber dennoch keineswegs frugal ausfällt, ebenfalls erst gegen 13 Uhr gemacht. Das ging eigentlich problemlos, nur hatte ich dann abends auch keinen so richtigen Hunger, und das mißfiel mir, weil unsere gemeinsamen Mahlzeiten mir heilig sind, und dann sollen sie auch einen hohen Spaßfaktor haben, der mir fehlt, wenn ich bloß ein bißchen im Essen herumstochere. Also haben wir es auf 12 Uhr verschoben. 

In einer Folgestudie wollen die Forscher jetzt prüfen, ob sie die Beobachtung in eine effektive Diät ummünzen können.

Das wäre somit der vergebliche Versuch Nummer wieviel, so etwas wie eine "effektive Diät" zu erfinden? 

Alles, was die Forscher herausgefunden haben, kann im Prinzip richtig sein, nur wird es in der Praxis keinen Nutzen bringen, weil nach dem Prinzip "Garbage in, garbage out" der entscheidende Erfolgsfaktor fehlt, nämlich sich vor der Studie zu fragen, welche Fragen, auf die man Antworten suchen könnte, sich in der praktischen Anwendung als relevant erweisen könnten. Wer durch die Untersuchung von Normalgewichtigen herausfinden will, wie man Übergewicht bekämpft, dem kaufe ich von vornherein nicht ab, daß er ein ernsthaftes Interesse an der untersuchten Thematik hat. Dabei wäre dieses Thema wirklich wichtig, für den einzelnen Abnehmwilligen persönlich wie auch gesellschaftlich und gesundheitspolitisch. Wenn ich dann so einen Pipifax lesen muß, ein Glasperlenspiel ohne Erkenntniswert, das vortäuscht, Wissenschaft zu sein, weiß ich manchmal nicht mehr, ob ich lachen oder heulen soll. 

Zum Glück kann ich mir selbst helfen, denn wer auf solche Leute als Ratgeber angewiesen ist, der ist doch von Gott und der Welt verlassen. Lieber gar keine Ratschläge als solche, kann ich da nur sagen.


Ich hätte mir die Studie selbst ja auch noch im Volltext durchgelesen, um zu vergleichen, ob die Wiedergabe im Ärzteblatt wenigstens ihren Inhalt korrekt wiedergibt (denn darauf kann man sich ja ebenfalls nicht verlassen), wenn sie schon Schlußfolgerungen zieht, die dermaßen neben der Sache sind, allerdings liegt sie hinter einer Bezahlschranke, und für so einen offensichtlich unbrauchbaren Stuß gebe ich natürlich kein Geld aus, also kenne ich nur den Abstract, der die Grundlage für diesen nutzlosen Bericht gewesen ist.