Freitag, 25. September 2026

Die Widerspruchslösung: eine Orwellsche Verdrehung von Willensäußerungen

Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier Fastentagen: 77,6 Kilogramm. Nicht berauschend, aber die Richtung stimmt schon wieder. Ich habe letzte Woche an allen Nicht-Fastentagen meine erste Mahlzeit auf 13 Uhr plus x verschoben und werde das wohl bis auf weiteres beibehalten, weil ich die Wirkung sehr deutlich gemerkt habe, und das nicht nur auf der Waage, sondern auch an der Paßform meiner Hosen, und zwar schon vor Beginn des langen Fastenintervalls. Ausnahmen sind die Wochenenden und der Tag direkt nach einem vierstelligen Fastenintervall. Ich möchte nämlich am liebsten schon unter 80 Kilogramm vor dem Fasten liegen, wenn ich in drei Wochen mit Low Carb beginne. Vielleicht klappt es, vielleicht nicht - mal sehen. 

Ob ich auch in der LC-Phase so weitermache, habe ich noch nicht entschieden. 

Zum Glück ist jetzt die Zeit wieder vorbei, in der ich mehrmals das Fasten reisebedingt unterbrechen, lange Fastenintervalle verkürzen und während des Urlaubs meines Mannes ganz ausfallen lassen mußte, denn die letzten drei Monate haben mich dadurch locker vier Kilo plus gekostet, und ich hatte schon vor dem Sommer Unheil dieser Art geahnt, auch wenn ich natürlich gehofft hatte, so schlimm werde es doch nicht kommen. 

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Das Ärzteblatt berichtete am Freitag, 11.9., über eine Studie mit einem Ergebnis, das man im "wissenschaftlichen Mainstream" selten liest, nämlich daß eine ketogene Ernährung im Vergleich zu einer fettarmen pflanzenbasierten Diat und der Mittelmeerdiät bei gleicher Gewichtsabnahme den Leberstoffwechsel deutlicher verbessert hatte. Das ist schon fast ein Grund, das obige Datum im Kalender rot anzustreichen. 

Im Wortlaut, wie im Ärzteblatt zitiert: „Unsere Daten deuten darauf hin, dass bei Menschen mit einem hohen Leberfettgehalt und Prädiabetes eine Verringerung der Kohlenhydratzufuhr wichtige therapeutische Effekte auf den Stoffwechsel haben kann, die über die Effekte der Gewichtsabnahme allein hinausgehen.“ Ebenso ergab sich bei 50 % der ketogen Ernährten, daß sich der vorherige Prädiabetes zurückgebildet hatte, während es bei den beiden anderen Ernährungsweisen deutlich weniger waren. Am schlechtesten schnitt dabei die pflanzenbasierte Ernährung ab, bei der nur 7 Prozent den Prädiabetes losgeworden waren.  

Gemessen wurden bei allen drei Diätvarianten die Werte, nachdem eine Gewichtsabnahme von mindestens zehn Prozent des Körpergewichts erfolgt war (meistens lag die Abnahme ganz geringfügig höher). Da das Ausgangsgewicht zwischen 112 und 114 Kilogramm lag, sind 10 Prozent auch eine respektable Abnahme von jeweils zwischen 11 und 12 Kilogramm. Maßgeblich war übrigens nicht, wie lange es bis zu diesem Moment gedauert hatte, aber alle drei Gruppen schafften das in weniger als einem halben Jahr. Fürs Protokoll: Die Keto-Gruppe erreichte diese Abnahme durchschnittlich nach 4,6 Monaten, die Mediterran-Gruppe nach 5,4 und die Pflanzenbasiert-Gruppe nach 5,1 Monaten.

Ich möchte kein Urteil über die dauerhafte Anwendbarkeit der beiden anderen Ernährungsweisen fällen, aber die Keto-Variante fand ich mit nur 20 Gramm Kohlenhydrate deutlich zu radikal, um damit rechnen zu können, sie dauerhaft aufrechtzuerhalten. Keine Ahnung, was der Grund dafür war, dieses Modell zu wählen, denn ich gehe davon aus, daß bei Patienten mit einem BMI knapp unter 40 auch eine relaxtere Variante ähnlich erfolgreich gewesen wäre, da die Insulinresistenz als wichtigstes Hindernis einer Gewichtsabnahme auch bei 100 Gramm Kohlenhydraten schon beseitigt worden wäre. Es hätte allenfalls sein können, daß der zeitliche Vorteil der Keto-Gruppe im Vergleich zu den anderen dann nicht mehr bestanden hätte.

Der schwerwiegendste Haken an der Studie besteht wieder einmal darin, daß sie mit ca einem halben Jahr (auch die abschließende Wiederholung der Tests drei bis vier Wochen mit hinzugerechnet) viel zu kurz war, um irgendwelche Prognosen über die Chance darauf, das erreichte Gewicht zu halten, abgeben zu können. Erfreulicherweise fand ich aber in den Quellen dieser Studie noch eine andere, die erstaunlicherweise bereits aus dem Jahr 2008 stammt und die ebenfalls die drei verglichenen Ernährungsweisen zum Thema hatte und zumindest mal über zwei Jahre ging. Netterweise enthielt sie auch einen Gewichtsverlauf über diesen Zeitraum. 

 

Was hier erwähnt werden muß: Bei der Keto-Diät fingen die Patienten ebenfalls mit zwanzig Gramm Kohlenhydraten an, aber nach zwei Monaten wurde das sukzessive auf schließlich 120 Gramm gesteigert. Die Kalorienmenge war nur bei dieser Ernährungsform aber nicht begrenzt, im Gegensatz zur Low-fat- und der mediterranen Diät, bei der die Kalorienmenge bei 1500 bzw. 1800 Kalorien lag. Man beachte, daß die Gewichtsabnahme trotzdem bei den beiden anderen Varianten geringer war und die Ketos zwar im zweiten Jahre eine schnellere Gewichtswiederzunahmen hatte, die aber wegen der sich steigernden Kohlehydratmenge sehr wahrscheinlich zum Teil auf die sich wieder füllenden Glykogenspeicher in der Muskulatur, also auf Wasser, zurückzuführen war und außerdem nicht verhinderte, daß sie am Ende von Jahr 2 mit um die 5 Kilogramm mehr von ihrem Gewichtsverlust hatten halten können als die beiden anderen Gruppen. Bei einem Ausgangs-BMI von nur um die 31 (ca 91 kg) heißt das, daß von den Ketos nach zwei Jahren mehr als in den beiden anderen Gruppen weiterhin südlich des Adipositas-Äquators gewesen sein sollten.  Am schnellsten stabilisierte sich das Gewicht nach der Abnahme bei der mediterranen Diät. Die am schlechtesten über zwei Jahre hinweg wirksame war die Low-fat-Diät. 

Eigentlich das, was ich von vornherein erwartet hätte. Aber da sich das alles innerhalb von 18 Jahren irgendwie nie bis in den ernährungswissenschaftlichen Mainstream herumgesprochen hat und es außerdem einen Fingerzeig gibt, wie es mit den Patienten der oberen Studie in den folgenden 1,5 Jahren weitergegangen ist, fand ich es eine Erwähnung wert. 

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Der nächste Anlauf zur Durchsetzung der Widerspruchslösung steht an, und deren Befürworter trommeln wie verrückt, um ihre Mehrheit diesmal endlich zusammenzubekommen. Vielleicht gelingt es ihnen, aber es ist genausogut möglich, daß sie ein weiteres Mal abwarten müssen, um nach einer gewissen Frist einen neuen Anlauf zu nehmen. 

Situation wie die sind es, in denen auch ich immer mal wieder einen schwachen Moment habe und glaube, daß es vielleicht gar nicht so verkehrt wäre, wenn unsere aktuelle politische Welt in nächster Zeit mit einem solchen Karacho gegen die Wand fährt, daß alles erst mal wieder in Trümmern liegt. Ist der Spuk vorbei und ein Neuanfang möglich, kann man beim Wiederaufbau die gesellschaftlichen Fundamente neu gießen und kriegt sie vielleicht ein bißchen besser als vorher hin. Denn mit Fundamenten, die ein so inakzeptables Verständnis vom Menschen in der Gesellschaft enthalten, ist etwas Grundsätzliches verkehrt. Und da dieses Verständnis von so gut wie niemandem in Frage gestellt wird, scheint es unmöglich, daran etwas zu ändern, solange man das ächzende Räderwerk des aktuellen Systems noch weiter in Gang halten kann. Vielleicht wäre es ja doch für alle besser, würde man es aktiv sabotieren und das Ende mit Schrecken dann so gut es geht durchstehen. 

Das speziell Inakzeptable an der Widerspruchslösung habe ich schon wiederholt beschrieben. Ich gebe der Versuchung trotzdem nach, es noch einmal in anderen Worten aus einer anderen Richtung zu tun. Was juristisch wie ethisch meines Erachtens nämlich überhaupt nicht geht, ist, daß die Widerspruchslöung vom Einzelnen Leistungen als Voraussetzung für seine Rechtsfähigkeit im Falle der Frage, wie bei seinem Tod mit seinen Organen verfahren wird, abverlangt, die eine Menge Leute einfach nicht leisten können, und zwar deshalb, weil sie den Gedanken an ihren eigenen Tod so unterträglich finden,daß sie ihn so weit wie möglich von sich wegschieben. Wer dagegen einwendet, dann seien sie halt selber schuld, wenn ihnen Organe entnommen werden, obwohl sie das eigentlich nicht gewollt hätten, der argumentiert ähnlich wie jemand, der findet, jemand mit einer leichten geistigen Beeinträchtigung, aber noch oberhalb der Schwelle zu einer anerkannten geistigen Behinderung, hätte erkennen müssen, daß er von dem Versicherungsvertreter abgezockt wird, der ihm gerade ein Dutzend Versicherungsverträge angedreht hat, von denen er keinen einzigen wirklich braucht, anstatt sich ein paar Gedanken darüber zu machen, ob und aus welchen Gründen so etwas vielleicht sittenwidrig sein könnte. 

Das Kernproblem besteht hier aber nicht beim unfreiwilligen "Organspender" (der in Wirklichkeit gar nichts gespendet hat, sondern vielmehr ausgeplündert wurde), sondern darin, daß gesellschaftlich weit und breit niemand etwas dabei zu finden scheint, bei Leuten, die implizit - nämlich durch Nichthandeln - Nein zur Organspende gesagt haben, so zu tun, als wären sie im Gegenteil gerade durch ihr Nichthandeln zu behandeln, als wären sie mit allem einverstanden. Das berührt, finde ich, den Kern der menschlichen Würde, wenn ein Nein einfach ignoriert oder, noch schlimmer, behauptet wird, man habe in Wirklichkeit Ja gesagt. Es gibt einen Bereich, in dem das nicht für zulässig gehalten wird, nämlich die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen. Absurde Vorstellung, daß dieselben Leute bei der Organspende oft genau entgegengesetzt argumentieren. 

Es ist eine gesellschaftliche Fehlsteuerung, daß diese Art von Orwellschen Verdrehungen der Bedeutung von Willensäußerungen für normal gehalten wird - und zwar sogar von den allermeisten Gegnern der Widerspruchslösung. Daß nicht einmal mehr erkannt wird, worin das Problem in Wirklichkeit besteht, zeigt, daß wir ein sehr grundsätzliches Problem mit dem Menschenbild nicht nur der Bundesregierung oder der Medien, sondern der gesamten Gesellschaft haben. 

Und das weltweit. Daß immer so viel damit herumargumentiert wird, daß in den meisten europäischen Ländern inzwischen die Widerspruchslösung gilt (also könne das doch nicht verkehrt sein), zeigt im Grunde ja nur, daß es sich bei diesem Menschenbild um ein globales Phänomen handelt. 

Genauso wie der Aufstieg des Rechtspopulismus, über den nun alle so entsetzt sind. Etwaige Zusammenhänge mit einem menschenverachtenden Menschenbild darf jeder, der darauf neugierig ist, selbst suchen. 

Daß der Zweck, also die Absichten im Fall der Organspende gut sind, stelle ich auch nicht in Frage, allerdings liegt den guten Absichten auch bei der Zielvorstellung ein fragwürdiges neoliberales Menschenbild zugrunde, das die gesamte heutige Medizin durchseucht, nämlich die unausgesprochene Grundannahme, daß alles, was einem Menschen sein Leben verlängert, allem zu bevorzugen ist, das diese Verlängerung nicht bewirkt, auch wenn es für den davon Betroffenen einen subjektiv höheren Wert hat oder man dafür anderen Menschen eine subjektiv wertvolle Sache wegnehmen muß. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob man selbst diese Sache für wertlos hält. Der subjektive Wert für die betreffende Person ist, zumal wenn es um Leben und Tod eines einzelnen Menschen geht, in Wirklichkeit da einzige, was wirklich zählt. Und was für diesen speziellen Menschen welchen Wert oder Nichtwert hat, darf niemand über den Kopf des Betroffenen hinweg entscheiden. 

Damit sich diese Einsicht durchsetzt, bräuchte man ein anderes Menschenbild. Das aber würde in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen grundlegende Dinge in Frage stellen, und deshalb scheint es mir unmöglich, daß es sich auf Basis der heutigen Gesellschaft irgendwie durchsetzen könnte. Offenbar brauchen wir also den großen Knall, um das, was grundlegend falsch ist an dem, was wir für wichtig und für unwichtig halten, von uns abschütteln zu können. Nein, ich würde ihn auch viel lieber nicht erleben. Aber vielleicht sollte ich mich langsam damit abfinden, daß er sowieso nicht mehr zu vermeiden ist, und mich daran festhalten, daß im Schlechten, das dadurch zu erwarten ist, immerhin auch das Potential zu etwas Besserem steckt, als wir sonst zu erwarten hätten. 

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Solange ich mich von der Politik fernhalte, bin ich längst nicht so deprimäßig drauf, wie das Obige vielleicht klingt. Deshalb zum Abschluß ein positives Erlebnis aus meinem Alltag.  

Bei Bluesky sah ich eine Zeitlang häufig Fotos vom Inhalt der Rettertüten von Lidl. Dort verkaufen sie nämlich auf diese Weise Obst und Gemüse, das nicht mehr allzu lange haltbar ist, zum Preis von 3 Euro für eine große und üppig gefüllte Papiertüte. Für Leute mit wenig Geld bietet das viel gesunde Ernährung für kleinen Einsatz, und es ist außerdem noch eine Art Wundertüte, weil in keiner dieser Tüten genau dasselbe enthalten ist. Deshalb auch die Fotos, die Inhalte unterschieden sich zum Teil sehr voneinander. Wenn man die Sache mit dem Kochen als eine Knobelaufgabe auffaßt und ein bißchen spontan ist, kann man mit so etwas seinen Kochplänen auch einen spielerischen Faktor hinzufügen. Und, wie gesagt, Obst und Gemüse ist ja auch gesund, und zu diesem Preis sollte sich das auch jeder leisten können. 

Letzte Woche habe ich solche Rettertüten zum ersten Mal selbst bei Lidl gesehen und weil bei einer ein Paket frische Champignons ganz oben lag, fühlte ich mich so getriggert, daß ich eine mitgenommen habe.Im Grunde war das eine Riesendummheit von mir, damit habe ich meine gesamte Wochenplanung beim Essen geschreddert. Aber ich konnte einfach nicht widerstehen, und ich habe es mir auch verkniffen, den Inhalt weiter zu inspizieren, bevor ich zu Hause angekommen war, und ich kam mir unterwegs wahrhaftig vor wie ein Kind, das auf die Weihnachtsbescherung wartet.

Ein Foto gemacht habe ich zwar nicht, aber meine Rettertüte enthielt folgendes: 

  • 2 x 400 Gramm frische Champignons, einmal weiß, einmal braun
  • 1 abgepackter Romana-Salat 
  • 2 Paprika, einmal gelb, einmal rot
  • 3 Karotten 
  • 1 Kilogramm Weinbergpfirsiche, abgepackt  
  •  3 Nektarinen

Es war kein einziges Stück dabei, das schon verdorben gewesen wäre, und die meisten sahen sogar noch genauso frisch aus wie das Zeug, das man normal zu bezahlen hat. Und mit drei Euro, den Kosten für die ganze Tüte, wären alleine schon die Weinbergpfirsiche normalerweise zu bezahlen gewesen. Das ist also ein richtiges Schnäppchen gewesen. Und wie es der Zufall wollte, Karotten waren mir sowieso gerade am Ausgehen. 

Die Weinbergpfirsiche waren übrigens besonders köstlich, gerade weil sie schon ein bißchen überreif waren. Den größten Teil habe ich wegen meines langen Fastenintervalls trotzdem zusammen mit einem Kilo Feigen aus meinem Garten zu Marmelade verkocht, und zwar mit Birkengelierzucker. In der Low-Carb-Phase möchte ich ja auch Marmelade beim Weihnachtsgebäck und dergleichen verarbeiten können. Ich habe das Ergebnis noch nicht probiert, aber ich werde dann berichten. 

Als ich diese Woche wieder bei Lidl war, fand ich keine Rettertüten vor, sondern an der Stelle, wo sie gewesen waren, wie sonst auch immer reduzierte Backwaren vom Vortag. Keine Ahnung, an welchen Tagen und Uhrzeiten man kommen muß, um sie vorzufinden. Vielleicht gibt es da auch gar kein Schema. Aber jedenfalls, das Konzept hat wirklich Charme.   

 

 

 

Donnerstag, 10. September 2026

Die ewige, flache mathematische Gegenwart der Epidemiologen und die üblichen vier Todsünden der Präventionsideologie

Mein Gewicht heute früh nach zwei von drei Fastentagen: 79,6 Kilogramm. Morgen werde ich wohl ungefähr wieder im gleichen Bereich sein wie nach drei Fastentagen vor zwei Wochen (77,8 Kilogramm). Vielleicht ein kleines bißchen höher. Das ist jetzt halt so. Übrigens habe ich es während meiner Reise bemerkt, daß die Hosen und engere Oberteile ein wenig strammer sitzen, also kann ich die Zunahme um den Bauch herum lokalisieren. Ob mir dazu eine vernünftige Idee kommt, darüber denke ich nach, sobald ich wieder Zeit habe, denn im Moment ist das nicht der Fall. Von morgen bis zum Sonntag wird es bei mir sehr hektisch, das ist auch der Grund, warum ich den Blogartikel heute schon schreibe. 

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Eli Lilly und Novo Nordisk, die Hersteller der beiden wichtigsten GLP1-Agonisten (vulgo: "Abnehmspritzen"), haben laut der Washington Post seit 2018 mehr als einer Viertelmillion (!) Ärzten mindestens einmal eine finanzielle Zuwendung zukommen lassen. Kann das wirklich USA-weit gemeint sein, nicht weltweit? Gibt es in den USA überhaupt 250.000 Ärzte? Freilich, damit sind nicht alleine Geld-Zuwendungen gemeint, sondern auch andere Arten von materiellen Vergünstigungen, etwa auch Einladungen in ein Restaurant für individuelle Ärzte. Erwähnen sollte man außerdem, daß die Abnehmspritzen damit zwar besonders engagiert promotet wurden, aber dasselbe auch bei anderen Arten von Medikamenten üblich ist, etwa bei Migräne-Medikamenten, von deren Herstellern 200.000 Ärzte Zuwendungen bekamen. Aber auch für Beiträge in wissenschaftlichen Zeitschriften über die Abnehmspritzen werden Ärzte von den Pharmakonzernen bezahlt. Kritische Stimmen sind in solchen Fällen natürlich eher nicht zu erwarten, also dürfte die gesamte wissenschaftliche Debatte eine Schlagseite haben, in der Erfolge eher übertrieben und Nebenwirkungen eher heruntergespielt werden. Die Zuwendungen sind in den letzten zwei, drei Jahren erheblich mehr geworden. Die Abnehmspritze als solche bräuchte eigentlich diese Art von Werbung längst nicht mehr. Das Zeug funktioniert bei den meisten ja erheblich besser als die sonst so beworbenen Abnehmmethoden und das macht sie zu einem Selbstläufer. Aber natürlich will jeder Pharmakonzern, daß Ärzte sein Mittel verschreiben, nicht das der Konkurrenz. Darauf zielen die Werbemaßnahmen bei den Ärzten augenscheinlich ab. 

Jedenfalls ist es kein Wunder, daß inzwischen jeder fünfte Amerikaner bereits Erfahrungen mit der Abnehmspritze hat. Aber weil 80 Prozent von ihnen innerhalb von maximal zwei Jahren mit der Verwendung wieder aufhören - was zwangsläufig eine Wiederzunahme bedeutet -, ist der Markt noch weit davon entfernt, gesättigt zu sein. An einer Stelle wird im Artikel erwähnt, daß nur 11 Prozent aller Amerikaner mit einem BMI über 40 aktuell mit der Abnehmspritze behandelt werden. Die restlichen 89 Prozent sind somit ein heiß umkämpfter Markt, auch wenn man mehr als genug Patienten hat, die von vornherein mit einem niedrigeren BMI beginnen. 

Neuerdings, nämlich seit Juli diesen Jahres, scheint in den USA Medicare, die dortige Krankenversicherung, die Kosten für die Abnehmspritze bei Diabetes-Patienten zu übernehmen (für privatzahlende Nichtdiabetiker zwischen 900 und 1200 Dollar im Monat, aber bestimmt bekommen Krankenversicherungen sie etwas günstiger). Da haben bei den Herstellerkonzernen bestimmt die Sektkorken geknallt, da immerhin zwölf Prozent der US-Bevölkerung Diabetes haben. Da werden die bislang vergleichsweise niedrigen Krankenversicherungsbeiträge auf Einkommen bestimmt ein Stück nach oben gehen. 

Stichwort "Selbstläufer": Meine Reise nach Tschechien bot mir als Gruppenreise mal wieder interessante Einblicke, daß jedenfalls unter Frauen nahezu jede in irgendeiner Weise aktiv darum bemüht ist, mindestens das Gewicht zu halten. Die Methoden sind dabei ganz verschieden, es gab auch Intervallfasten-Varianten und Kohlenhydrat- bzw. Zucker-Reduzierer darunter. Überwogen haben allerdings diejenigen, die über große Portionen stöhnten und sich vor dem Gang auf die Waage nach der Heimkehr fürchteten oder die Hälfte des Fleischs oder der Knödel liegenließen (was ein Jammer ist, denn beides war überall ausgezeichnet). In jedem Fall taten sich manche der Damen ausgesprochen schwer damit, sich selbst die Erlaubnis zu geben, das ausgezeichnete und alles andere als kalorienarme tschechische Essen wirklich zu genießen. Die etwas spannenden Hosen bei mir schon vor Beginn der Reise habe ich ja erwähnt, aber das hat mich natürlich nicht daran gehindert, nach dem Lustprinzip zu essen und zu trinken. Da ich das immer so mache, war ich auch nicht sonderlich überrascht darüber, daß ein etwaiger Einfluß auf mein Gewicht, als ich wieder daheim war, so gut wie gar nicht wahrnehmbar gewesen ist.

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Die anderen Damen repräsentierten das Übliche, ich bin eine Ausnahme. Das Körpergewicht und Bemühungen um dessen Kontrolle sind der rote Faden im Leben der meisten Frauen und immer mehr Männer. Trotzdem muß man nach Experten für Ernährung, die sich darauf einen Reim zu machen versuchen, warum all die gut gemeinten Ratschläge das statistisch gemessene Übergewicht ums Verrecken nicht reduzieren zu können scheinen, immer noch mit der Laterne suchen. Üblich ist es, daran zu glauben, daß die 90 Prozent aller Abnehmenden, denen es nicht gelingt, ein Wunschgewicht zu erreichen oder es dauerhaft zu halten, entweder selbst daran schuld sind oder Opfer der Heimtücke der Lebensmittelindustrie, die sie süchtig gemacht hätte. Eine dritte Variante des wissenschaftlichen Mainstreams zu dieser Frage, die Überzeugun, wir seien immer noch nicht aufgeklärt genug über die Gesundheitsrisiken des Übergewichts, sonst wären wir alle miteinander gertenschlank (merkt eigentlich niemand, daß sich diese drei Annahmen in Teilbereichen widersprechen?), repräsentiert auch ein Epidemiologe, der kürzlich in der TAZ seine Vorstellung davon zu Papier brachte, daß wir Deutschen etwas für unsere Lebenserwartung tun müßten und was das seiner Meinung nach wäre. Natürlich soll das durch Prävention geschehen, und natürlich bezog er sich dabei auf die üblichen vier Todsünden des Lebensstils nach Meinung der Präventionsreligion: Ernährung, Bewegung, Alkohol, Rauchen. Herr Professor Zeeb in einem TAZ-Interview: 

 Die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit ist der Treiber dieser etwas geringeren Lebenserwartung. Da geht es ja im Vergleich nur um halbe oder einzelne Jahre. Aber auf die Gesamtbevölkerung bezogen ist das natürlich viel verlorene Lebenszeit.

Mit anderen Worten: Wer das Rauchen, Saufen und Fressen bleibenläßt und sich neben allen unvermeidbaren Aufgaben im Alltag, die um die Erwerbstätigkeit einerseits und die Familie andererseits kreisen, anstelle von dem, was man mit dem Rest seiner Zeit gerne anfangen würde, durch Bewegungsprogramme und sportliche Aktivitäten quält, gewinnt wenig für sich selbst, aber wenn alle das machen, poliert das mindestens die Statistik seines Vaterlandes auf. So jedenfalls könnte man das lesen. Aber gemeint war hier wohl eher (weil nämlich nur das einen Sinn ergibt), daß im internationalen Vergleich der Durchschnittswert der Lebenserwartung in Deutschland niedriger liegt als in anderen Ländern. Nur um ein paar Monate, und dem Herrn Prof. scheint bewußt zu sein, daß das auf viele Menschen harmlos wirken könnte. Tatsächlich sind die Unterschiede in den individuellen Fällen zwischen den Viel- und den Wenig-Sündern aber schon etwas größer. 

Daß es keine Gar-nicht-Sünder gibt, versteht sich eigentlich von selbst, aber unausgesprochen ist die Annahme, es sei anders, trotzdem immer mit im Spiel, wenn an unseren Lebensstil-Entscheidungen herumkritisiert wird. Das wird von Präventionsideologen offenbar für ziemlich praktisch gehalten. Ein chronisch schlechtes Gewissen sorgt für mehr Compliance, das ist dabei wohl der Grundgedanke. Ob es Menschen mit einem chronisch schlechten Gewissen gleichzeitig gutgehen kann, danach fragt keiner. Ich kann als Fazit meiner Reise bestätigen, daß es an der Compliance mindestens bei den Frauen nur bei wenigen stärker hapert (zum Beispiel bei mir, aber als verstockte Ernährungssünderin darf ich das auch), und daß sie sich pausenlos dafür entschuldigen, wenn sie doch mal nicht widerstehen können. Ich kann außerdem bestätigen, daß es sich bei diesen "Sünden" um Kleinigkeiten handelt, die eigentlich gar nicht ins Gewicht fallen sollten. Und es ärgert mich sehr, mit ansehen zu müssen, wie sehr das das Leben von Millionen Menschen alleine hierzulande pausenlos überschattet, obwohl das eigentlich gar nicht sein müßte. Denn auch wenn meine Methode gerade auch nicht die Wirkung zeigt, die ich haben möchte, bin ich doch immer noch weniger weit von einer Lösung entfernt als die meisten Experten. 

Klammern wir hier die Frage aus, daß bei der Ernährung falsche Grundannahmen über die Rolle der Nahrungsenergie vermutlich eine Schlüsselrolle dabei spielen, warum sich die Leute mit ihrem Körpergewicht so sehr quälen, weil ich darüber nicht nur ständig schriebe, sondern weil ich auch ein übergreifendes Problem mit sämtlichen aufs Korn genommenen Todsünden habe.  

Die Frage, die ich mir stelle, ist, warum andauernd so ein Theater um die möglichen Gründe für ein vorzeitiges Ableben gemacht wird, die man den Verstorbenen selbst in die Schuhe schieben kann, und warum so wenig über die meinem Eindruck nach nicht weniger häufigen Fälle gesprochen wird, in denen falsche Diagnosen und/oder falsche Behandlungen und/oder eine fehlerhafte wissenschaftliche Grundlage für Diagnosen und Therapien einen vorzeitig ins Grab bringen. 

Danach zu fragen ist auch kein Whataboutism. Ich finde es wirklich unheimlich, wie eisern diese von mir aufgezählten und meinem Eindruck nach nicht gerade seltenen Beschleuniger eines vorzeitigen Ablebens meistens beschwiegen werden, obwohl es sie tatsächlich gibt. Jeder kennt zum Beispiel Fälle im eigenen Umfeld, in denen jemand vom Arzt eine falsche Diagnose bekommen hat, die lebensgefährlich war, und die Mehrheit hat das sogar schon selbst erlebt. Mir ist das auch schon passiert, und zwar mehr als einmal. Böse ausgehen können hätte vor allem die freitägliche Fehldiagnose des Allgemeinmediziners, der eine Bauchhöhlenschwangerschaft bei mir für Streßsymptome gehalten hatte. Da ich ihm glaubte, unternahm ich anschließend ein Wochenende lang nichts, obwohl es nicht besser wurde (allerdings auch nicht schlimmer). Mein Gynäkologe raufte sich, als ich montags zu ihm hineinwankte, das spärliche Haupthaar und ich wurde noch am gleichen Tag notfallmäßig operiert. Als er nach der OP zu mir ins Zimmer kam, war er grün im Gesicht und sprach davon, daß das eine "haarige Sache" gewesen sei. 

Ich nehme an, meistens gehen solche Dinge am Ende, so wie bei mir, doch noch gut aus, aber wenn es durchschnittlich jeden im Lauf seines Lebens mindestens einmal trifft, daß also ein Fehldiagnose lebensbedrohlich gewesen ist (und das ist vermutlich noch konservativ gerechnet und umfaßt außerdem nur die Fehldiagnosen, die als solche überhaupt erkannt wurden), dann würde das bei 80 Millionen Einwohnern immerhin 800.000 potentielle vorzeitige Todesfälle im Lauf von deren Leben bedeuten. Gehen wir von einer Lebenserwartung von 80 Jahren aus, wären das also 10.000  pro Jahr. 

Diejenigen, bei denen die Sache nach der Fehldiagnose tödlich endete, können nicht mehr selbst darüber berichten. Man darf aber getrost davon ausgehen, daß ein Teil dessen, was Angehörige von Verstorbenen erzählen, die ihrer Meinung nach vom behandelnden Arzt unter die Erde gebracht wurden, durchaus berechtigte Kritik enthält, auch wenn man nicht alles und in jedem Detail für bare Münze nehmen kann und Ärzten außerdem zugestehen muß, daß sie wie alle Menschen fehlbar sind und deshalb Fehldiagnosen nie völlig vermeidbar sind. Trotzdem stimmt es mich sehr unzufrieden, daß man erstaunlích wenig über Bestrebungen hört und liest, die Zahl der solchermaßen ausgelösten vermeidbaren Todesfälle zu reduzieren, indem man die häufigsten Ursachen für Fehldiagnosen analysiert und ihnen mit geeigneten Mitteln gegenzusteuern versucht. Schlimmer noch, man hört ja schon wenig über das Phänomen als solches. 

Fehlbehandlungen bei richtiger Diagnose geraten noch am ehesten in den Fokus medialer Kritik, aber auch da darf man vermuten, daß die Dunkelziffer gewaltig ist. Denn ich kann mich an keinen Fall in meinem Umfeld erinnern, in dem nach einem Todesfall, in dem das mit im Spiel war, die trauernden Angehörigen eine Aufarbeitung verlangt hätten, die ja grundsätzlich möglich ist. Ich nehme an, die meisten Angehörigen, die den Verdacht einer Fehlbehandlung haben, würden es sich nicht zutrauen, sie gegenüber Fachleuten nachzuweisen, die ja außerdem als Angehörige derselben Zunft eher als Verbündete des Arztes betrachtet werden müssen. Aber neben diesen Fällen gibt es noch eine riesige Grauzone in denen die Behandlung dem State of the Art entspricht, aber dieser erkennbar verbesserungswürdig wäre. Das gilt für viele Bereiche aus den sogenannten nichtübertragbaren Krankheiten, und bei denen kommt noch hinzu, daß möglicherweise falsche Behandlungsmethoden einem auch dann aufgedrängt werden, wenn man selbst eigentlich das Risiko einer Nichtbehandlung auf sich zu nehmen bereit wäre. 

Tatsächlich will ich auch gar nicht deshalb länger leben, nur um diesem Herrn Professor nicht seine verdammte Statistik zu versauen, denn das ist ja das einzige, was ihn an einem etwaigen längeren Leben der bisherigen verstockten Lebensstil-Sünder interessiert. Dafür lebe ich mein Leben nicht. Wenn es nur um diese Sache ginge, hätte ich überhaupt kein Problem, morgen einen Spaten zu schultern, mir auf dem Gottesacker selbst mein Grab auszuheben und mich sofort hineinzulegen. Ich lebe gerne und möchte das noch zwei, drei Jahrzehnte lang weiter tun, aber halt nicht um jeden Preis. Wenn ich wählen könnte, dann würde ich ein kürzeres Leben, das wirklich lebenswert ist, allemal einem längeren Leben vorziehen, in dem ich dreiviertel der Zeit damit beschäftigt bin, Dinge zu tun, die ich hasse, und mir andere Dinge zu verkneifen, die nicht zu tun ich ebenfalls hasse, wenn die Belohnung dafür darin bestehen soll, diese Strafarbeit einige Monate oder Jahre länger als andernfalls ausüben zu müssen. Egal, wie viele Leute das anders sehen (was ebenfalls legitim ist): Das wäre mir die Mühe, die Verzichtleistungen und die Trübseligkeit einfach nicht wert. 

Zu dem Geist, der in der Präventionsideologie verborgen ist, habe ich in dem Buch, das ich gerade gelesen habe - nämlich Hermann Hesses "Das Glasperlenspiel" (diese Lektüre hatte ich schon seit mehreren Jahrzehnten vor mir hergeschoben) - ein treffendes Zitat gefunden:

Ihr Mathematiker und Glasperlenspieler ... behandelt die Weltgeschichte wie ein Mathematiker, die Mathematik, wo es nur Gesetze und Formeln gibt, aber keine Wirklichkeit, kein Gut und Böse, keine Zeit, kein Gestern, kein Morgen, nur eine ewige, flache, mathematische Gegenwart. ... Jede Wissenscxhaft ist, unter anderem, ein Ordnen, ein Vereinfachen, ein Verdaulichmachen des Unverdaulichen für den Geist. ... Wenn der Anatom aber nur noch sein Schema sieht und die einmalige, individuelle Wirklichkeit seines Objekts darüber vernachlässigt, dann ist er ein Kastalier, ein Glasperlenspieler, er treibt Mathematik am ungeeigneten Objekt. 

(Hesse, GPS, S. 179/180 der Taschenbuchausgabe)

Dieses Zitat, in dem es um die Herangehensweise an das Fach Geschichte geht, paßt perfekt auch auf die Zahlenspielereien des Herrn Professor Zeeb. Das Erschütternde daran ist, daß solche Dinge in den Medien nicht einmal hinterfragt werden, wenn sie darüber berichten. Man findet dort nichts daran falsch, daß der Mensch nichts weiter ist als die ihm am besten (aber immer nur unvollkommen) entsprechende Nachkommastelle in einer Statistik. Und weil niemand es falsch zu finden scheint, glauben so viele ebenfalls, daß es nicht falsch sein könne. 

Aber es geht ja außerdem in der Epidemiologie immer um eine Statistik, die nur einen Teilaspekt der flachen mathematischen Gegenwart der Epidemiologen umfaßt. Da kann es dann aber passieren, daß die verschiedenen untersuchten Faktoren Ergebnisse erbringen, die nicht so recht zusammenpassen. 

Die Wirkung von Salz auf den Blutdruck und die Wirkung eines hohen Blutdrucks auf die Sterblichkeit lassen die Schlußfolgerung logisch erscheinen lassen, man könne folglich die Sterblichkeit durch möglichst geringen Salzkonsum reduzieren. Nur, warum gibt es dann auch Studien, in denen beispielsweise bei älteren Menschen die Sterblichkeit bei denen mit dem geringsten Salzkonsum am höchsten war? In der Salzfrage fehlt es augenscheinlich an der Kenntnis des einen oder anderen Einflußfaktors, die ebenfalls berücksichtigt werden müßten, um einem Patienten eine Empfehlung geben zu können, bei der man halbwegs sicher sein kann, daß der wohlmeinende Herr Doktor ihn nicht aus Versehen mit seinem Rat umbringt. Und ich bestehe darauf, daß es die Sache nicht besser macht, wenn derselbe Rat manchen anderen Patienten halt doch hilft, länger am Leben zu bleiben. Etwas mehr Demut vor der irrsinnigen Menge der Dinge, die die Epidemiologie nicht weiß und vielfach auch gar nicht wissen kann, fände ich im Umgang mit dem einzelnen Patienten wirklich angebracht. 

Etwas weniger Respektlosigkeit vor dem freien Willen gegenüber denjenigen, die sich aus Zeebs Perspektive gesundheitlich unvernünftig verhalten, wäre darüber hinaus auch angebracht. Es ist gut, richtig und wichtig, über Gesundheitsrisiken zu informieren. Ebenso ist es richtig, vermeidbare Risiken zu verringern, die außerhalb der Entscheidungsmöglichkeiten der Patienten liegen. Wenn diese Weißkittel aber ständig so tun, als wären wir eine beliebig formbare und auf einen fremddefinierten Pfad der Tugend zu schubsende Masse, die nicht imstande sei, selbst eine Abwägung zu treffen, welche gesundheitlichen Risiken man wissentlich eingehen will und welche nicht, dann ist das ein Frontalangriff auf die Würde jedes einzelnen Betroffenen - und da es kaum jemanden geben wird, der nicht von einem dieser Bereiche betroffen ist, ist es ein Angriff auf die Würde des Menschen generell. Wir werden mit diesen Angriffen aber tagtäglich dauerbeschallt, es gibt allenfalls punktuell in Einzelaspekten Widerspruch, und niemand scheint zu begreifen, daß am Grundgedanken etwas verkehrt sein könnte. 

Genau deshalb unterstütze ich es auch, daß mein Mann sich entschieden hat, diese absurde Menge an Medikamenten abzusetzen, obwohl ich nicht ausschließen kann, daß er damit sein Leben verkürzen wird. Er sagt, er lief, seit er das Zeug nahm, den ganzen Tag wie im Halbschlaf herum, schaffte es morgens kaum aus dem Bett, bekam mehrmals am Tag Nasenbluten und hatte nach hundert Metern Schmerzen beim Laufen. Er ist bereit, das Risiko eines eventuell verfrühten Todes zu akzeptieren, weil er jetzt endlich wieder das Gefühl hat, wirklich lebendig zu sein, das er anderthalb Jahre lang nicht hatte. Sich im Hier und Jetzt lebendig fühlen ist ein Wert, den man sehr wohl gegen die Möglichkeit abwägen kann und darf, länger zu existieren und dabei seine Existenz dauernd als wenig lebenswert zu empfinden.

In diesen mit Zahlen unterlegten Debatten läuft einiges ganz schrecklich falsch, und das gilt nicht nur für den Gesundheitsbereich. Man sagt von manchen Leuten, sie kennen von allem den Preis und von nichts den Wert, und dies hier geht in dieselbe Richtung. Meiner Meinung nach besteht der eigentliche Grund für die schwindende Bereitschaft, die Demokratie für eine Grundlage guten Lebens zu halten, darin, daß wir seit mindestens zwei oder drei Jahrzehnten immer von allen Seiten implizit vermittelt bekommen, es sei für uns ausreichend, überhaupt zu leben, Spaß, Genuß und Lebensqualität müßten wir dabei nicht auch noch haben. Weil auf diese Weise mittlerweile in allen Lebensbereichen argumentiert wird, steigt die Zahl derer, die in so vielen Bereichen betroffen sind, daß es unnatürlich wäre, wenn das bei ihnen keine Existenzängste auslösen würde, Ängste, in denen es nicht um das Überleben an sich, sondern um ein lebenswertes Weiterexistieren geht. 

***

Am Wahlabend befand ich mich gerade auf der Abschiedsfeier der Reisegruppe in einem Lokal, als die Wahllokale schlossen. Ungefähr um 19 Uhr ging ich auf eine Zigarette hinaus und checkte nebenbei auf dem Handy, das ich ja mittlerweile doch angeschafft habe, wie es in Sachsen-Anhalt gerade mit den Hochrechnungen aussah. Danach ging ich wieder rein und bestellte mir erst mal einen Schnaps. Nicht, daß ich sonderlich optimistisch gewesen war - und sogar die optimistischsten Überlegungen aus meinem letzten Beitrag hätten eine sehr unangenehme Situation bedeutet -, aber das war noch übler, als ich es erwartet hatte. Lediglich der allerschlimmstmögliche Fall, nämlich eine AfD-Alleinregierung, ist ausgeblieben. Dafür reicht es jetzt AfD plus BSW locker, und ich würde mein letztes Hemd darauf verwetten, daß sie sich einigen werden. Jedenfalls dann, wenn Putin nicht inzwischen völlig pleite sein sollte. 

Umgekehrt kann nur ein Zusammenschluß aller Parteien einschließlich BSW gegen die AfD regieren. Nur, wie sollte das funktionieren, da ja die CDU sich weiterhin weigert, mit den Linken zusammen zu regieren? 

Vermutlich ist das letztere auch der Grund dafür, daß die CDU eine noch schlimmere Vollklatsche bekommen hat, als die Umfragen es befürchten ließen. Die AfD wollte sie halbieren, hatte Merz versprochen. Jetzt hat sie sich selbst mehr als halbiert. Die AfD hatte dafür in absoluten Zahlen (wenn auch nicht prozentual, wegen der hohen Wahlbeteiligung) fast dreimal so viele Wähler wie beim letzten Mal. Alleine durch den Anteil ihrer jetzigen Wähler, die bei der letzten Landtagswahl zu Hause geblieben waren, hätte sie ihren Stimmenanteil beinahe verdoppeln können. Aber es sind ja auch den Parteien des "Nicht-AfD-Blocks" (nicht meine Wortwahl, siehe Abbildung) Wähler davon- und zur AfD übergelaufen.  

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Eigentlich müßte sogar unsere vernagelte Politikerriege da doch endlich einmal begreifen, daß das, was sie verändern muß, um ihre Wähler zurückzugewinnen, etwas viel Grundsätzlicheres ist als sachpolitische Entscheidungen. Es muß endlich einmal Abschied genommen werden von einigen bislang immer bequemen Lebenslügen, wenn man das Land nicht endgültig gegen die Wand fahren will.Wir brauchen eine Grundsatzdebatte über die Rolle des Bürgers in der Gesellschaft. Und wir brauchen einen respektvollen Umgang mit ihm. Wir brauchen keine Gouvernanten, die einem immer mehr persönliche Entscheidungen qua Gesetz oder mittels Nudging abnehmen, wenn es darum geht, uns vor möglichen Fehlentscheidungen zu schützen, mit denen wir uns selbst schaden. Wir brauchen das auch nicht, wenn ein potentieller Schaden für andere nur marginal ist. Kein Pädagoge würde empfehlen, einem Kind möglichst alles, was es vielleicht noch nicht kann, aus der Hand zu nehmen und selbst zu machen. Irgendwann und irgendwo habe ich mal geschrieben, wenn man die Leute wie Kleinkinder behandelt, fangen sie ziemlich schnell auch an, sich wie Kleinkinder benehmen. Genau das können wir gerade auch besichtigen, und damit meine ich nicht nur die AfD-Wähler (die aber natürlich auch). Die Leute verlieren die Befähigung, eigene Entscheidungen zu treffen (analog zur "Käfigverblödung", die Konrad Lorenz einst bei Vögeln feststellte), aber nicht nur das. Sie entwickeln auch eine ungesunde Anspruchshaltung, und das nicht nur gegenüber dem Staat, weil sie auch immer weniger selbst entscheiden wollen und nach einer Mama rufen, die ihnen das abnimmt. 

Dieses Stimmungsbild aus einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt fand ich interessant, weil ich im Anschluß an diese Wahl tatsächlich schon zweimal in Debatten mit "normalen Leuten" kam, die es gut fanden, daß die AfD gewonnen hat, und sich dies auch anderswo bzw. auf Bundesebene wünschen würden. Beide Debatten verliefen dem Anlaß angemessen hitzig und kontrovers, aber am Ende haben wir uns trotzdem noch in die Augen sehen und die Hände schütteln können. Vermutlich ist es das, was es viel mehr geben müßte. Wo die AfD noch eine eindeutige Minderheit ist, haben diejenigen, die sie (zu Recht) für gefährlich halten, SO eine große Klappe und man wird schon angefeindet, wenn man zugibt, einen von "denen" auf der Straße freundlich zu grüßen. Aber genau dies führt dazu, daß die demokratische Mehrheit an den Rändern immer mehr abbröselt, weil es weltfremd, arrogant und selbstgerecht ist, und auf eine unangenehme Weise selbstbezogen außerdem, und weil es die Leute zu häufig dazu zwingt, zu heucheln, was dem menschlichen Charakter selten sonderlich guttut. 

Auf ein Stimmungsbild bei Bluesky kann ich hier, glaube ich, verzichten. Das Wehgeschrei ist ohrenbetäubend, die Schuldzuweisungen auch, die verlinkten Medienberichte bringen einen bei der eigentlich wichtigen Frage, nämlich wie mit der Sache jetzt umzugehen ist, überwiegend keinen Schritt weiter. Es spielt nämlich überhaupt keine Rolle, ob die AfD-Wähler alles Faschisten sind, wie der von mir eigentlich geschätzte Robert Misik in der TAZ schrieb, oder ob es anders ist. Viel wichtiger ist die Feststellung, daß ungefähr die Hälfte von ihnen noch vor fünf Jahren nicht die AfD gewählt hat, es aber jetzt tut. Vielleicht waren sie insgeheim ja schon immer verkappte Faschisten, aber auch das bringt einem einer Antwort auf die Frage nicht näher, was jetzt damit zu tun ist. Auch wenn sie Faschisten sein sollten, wie sehen dann eigentlich die zugehörigen Vorschläge aus? An die Wand stellen? Deportieren? (Nur, wohin?) Ins Umerziehungslager stecken? 

Etwaige Reparaturmaßnahmen, falls irgendwer sich zu diesen bequemen sollte, müssen an der Frage ansetzen, was in diesen fünf Jahren aus Nicht-AfD-Wählern AfD-Wählern gemacht hat. Egal, ob man dafür normale Bürger zur Vernunft bringen oder offene Faschisten wieder in verkappte Faschisten verwandeln muß oder wie auch immer man es sonst bezeichnen möchte, AfD-Wähler dazu zu bringen, ihr Kreuz nicht mehr bei der AfD zu setzen: Es ist völlig egal, wie man es nennt, solange es nur geschieht. Es hätte schon viel früher geschehen müssen, aber es lohnt sich nicht, sich darüber zu ereifern. Der richtige Zeitpunkt, um etwas zu tun, was früher versäumt wurde, ist immer genau jetzt. 

"Wer gestern diese AfD wählte, der will das Schiff untergehen sehen, weil er glaubt, dass er nicht darauf sitzt", faßte Christian Bangel in der ZEIT in einem ansonsten vorhersehbar mittelmäßigen Kommentar, wie er in der ZEIT so häufig ist, sehr prägnant zusammen. Das ist es, was man AfD-Wählern in diesen oder anderen Worten klarmachen muß. Die sind sich nämlich wirklich überwiegend sicher, daß es für sie selbst kein Risiko enthält, eine AfD-Regierung zu bekommen. Die meisten blicken nämlich keineswegs über den Tellerrand ihrer eigenen Befindlichkeiten hinaus. Mit Moral und dem, was die AfD für andere Leute, etwa den pakistanischen Nacharn, bedeuten würde, braucht man denen gar nicht zu kommen. Das ungute Bauchgefühl müssen sie schon aus Besorgnis um ihre eigene kostbare Person bekommen. 

Belegbare Risiken, die mir spontan einfallen, die man auch einem AfD-Wähler mal aufs Butterbrot schmieren kann: 

1)  Die ersten Gratulanten in Sachsen-Anhalt waren deren Fans Donald Trump und Elon Musk. Wer die Verhältnisse, wie sie gerade in den USA herrschen, nicht im eigenen Land haben möchte, der sollte die AfD nicht wählen. Es herrscht ausgerechnet unter Wählern populistischer Parteien oder Kandidaten ein naiver Glaube daran, daß die Demokratie eine Selbstverständlichkeit ist und daß man die AfD, wenn sie sich im Amt nicht bewährt, ja einfach wieder abwählen könne. Nun, Donald Trumps Regierung macht es live und in Farbe vor, daß man, wenn man sich das Ziel setzt, nicht mehr abgewählt werden zu können, erschreckend weit dabei kommen kann. Die Midterms werden es zeigen, ob man, um das Ziel zu erreichen, doch ein bißchen mehr Kreide hätte fressen müssen. Wie auch immer, wenn man nach der Wahl feststellt, daß man die Geister, die man rief, nun doch nicht mehr loswird, dann wird es zu spät sein. 

2) Für Leute, die von "Putins billigem Gas" schwärmen (so ein Wundertier ist mir nämlich wahrhaftig auch über den Weg gelaufen): Putin ist auch nicht der Freund derer, die sich in Deutschland für ihn als nützliche Idioten einsetzen. Putins Gas ist außerdem keineswegs billig, sondern ein trojanisches Pferd: eine Waffe, die er bereits vor dem Krieg (und das nicht zum ersten Mal) gegen uns eingesetzt hat. In den zwölf Monaten, bevor Rußland die Ukraine überfallen hat, haben die Russen uns nachweislich schon im Frühjahr kein Gas mehr geliefert, augenscheinlich mit dem Ziel, uns mit möglichst wenig Gas in die Heizperiode starten zu lassen und uns dann, wenn der Angriff auf die Ukraine kommen würde, mit leergelaufenen Tanks leicht unter existenziellen Druck setzen zu können. Putin hatte lediglich das Pech, daß der Winter 21/22 ziemlich mild war, andernfalls wären wir durch ihn kinderleicht erpreßbar gewesen. 

Darüber wird in der öffentlichen Debatte merkwürdig wenig gesprochen, und das ist ein Fehler. Wer uns alle wissentlich so etwas auszusetzen bereit ist, dem wäre es ganz recht geschehen, wenn er im Februar 2022 in seiner Wohnung erfroren wäre, wie das ja in Putins Plan allermindestens billigend in Kauf genommen wurde. Aber ich bin mir ziemlich sicher, die wenigsten AfD-Fans wissen das, da es von den Wählern des "Nicht-AfD-Blocks" ja ebenfalls nur wenige wissen. Und außerdem hätten die AfD-Fans, wenn ihnen das klar gewesen wäre, schon vor 2022 allesamt ihre Häuser auf Wärmepumpe umgestellt. Die wollen nicht erfrieren. Sie sind einfach nur blöd. Aber in diesem Punkt urteilen sie auch wegen eines Informationsdefizits falsch.  

Die Liste ist beliebig erweiterbar und sollte nach nachweisbarer Faktenlage erweitert werden, und zwar nicht durch dystopische Szenarien, sondern durch Fakten, die sich als bereits geschehen nachweisen lassen.

Erreicht man damit alle AfD-Wähler? Nein. Natürlich nicht. Aber diejenigen, denen die AfD vor fünf Jahren noch kein Kreuzchen auf dem Stimmzettel wert war, die sollten zu einem großen Teil erreichbar sein. Unter ihnen sind eine Menge, die deshalb die AfD wählen, weil die Bundesregierung genauso inkompetent ist wie die AfD auch, aber anders als sie keine Ahnung davon hat, wie man die Aufgabe angeht, einer verunsicherten Bevölkerung ein Gefühl zu geben, man sei bei ihr in guten Händen. 

 

Dienstag, 1. September 2026

"Er hat sich bemüht ..."

Mein Gewicht am Tag nach dem einzigen Fastentag der Woche: 78,9 Kilogramm. Das ist beruhigend weit unter dem, was ich letzte und vorletzte Woche nach einem Fastentag hatte. Einen einzigen Fastentag gibt es deshalb, weil ich morgen für eine Woche verreise. Ich werde auch den Wahlausgang in Sachsen-Anhalt nur aus der Ferne mitbekommen, und zwar bei einem Abendessen mit Leuten, die ich frühestens morgen kennenlernen werde und die eine andere Muttersprache haben. Ich nehme aber an, sie werden sich für diese Wahl auch interessieren, also werden die Hochrechnungen bestimmt mit einem halben Augen mitverfolgt. In Tschechien hat man keine guten Erinnerungen an das letzte faschistische Regime in Deutschland und wird sich Sorgen machen, daß so etwas vielleicht wieder heraufzieht. 

Im Anschluß an meine Rückkehr gibt es ein verkürztes langes Fastenintervall mit nur drei Tagen von Dienstag bis Donnerstag, weil ich am Samstag einen anstrengenden Tag vor mir habe und mir etwaige Wadenkrämpfe und dergleichen nicht leisten könnte, wie sie direkt nach vier Tagen Fasten nicht auszuschließen wären.  

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Vor einiger Zeit schrieb ich über die aussterbenden Dorfgasthäuser, die Ursachen und unnötigen Brandbeschleuniger, die dafür verantwortlich waren und sind, über die gesellschaftlichen Nebenwirkungen, die das hat, und wie die AfD sich gerade in manchen Bundesländern darum bemüht, die entstandenen Lücken im dörflichen Gefüge zu füllen, was uns doch ein kleines bißchen beunruhigen sollte. Deshalb ein Ausschnitt aus einem aktuellen Bericht zu diesem Thema speziell in Baden-Württemberg:

138 von den 1101 baden-württembergischen Städten und Gemeinden gelten nach einer Auflistung des Branchenverbands Dehoga als „gastronomisch unterversorgt“. Das ist nach Dehoga-Rechnung der Fall, wenn weniger als ein vollwertiger Gastronomie-Betrieb auf 1000 Einwohner kommt. Und in 48 baden-württembergischen Gemeinden gibt es gar kein Angebot, weder ein Dorfcafé noch einen Schnellimbiss, und schon gar keinen Rostbraten. 

In Wirklichkeit ist die Sache aber noch um einiges schlimmer. Denn ein "vollwertiger Gastronomiebetrieb" ist nicht dasselbe wie ein Dorfgasthaus. Er muß Speisen und Getränke vor Ort anbieten, dabei eine Küche haben und die Speisen selbst herstellen. Jeder Ort, der über ein Restaurant verfügt, ist also nach Dehoga-Maßstäben nicht unterversorgt. Das muß aber noch lange nicht heißen, daß dieser Gastronomiebetrieb die soziale Rolle eines Dorfgasthauses erfüllen kann. Meine eigenen Beobachtungen dazu hatte ich auch in meinem verlinkten früheren Blogartikel beschrieben. 

Es ist ein trauriger Witz, daß die baden-württembergische SPD gar nicht auf den Gedanken käme, daß das, was man in wirtshauslosen Dörfern zur gesellschaftlichen Stabilisierung beitragen könnte, vielleicht ja auch von ihr selbst kommen könnte, sondern bloß wieder Forderungen an die Landesregierung erhebt. 

Vielleicht bekomme ich in Tschechien ja die Gelegenheit, etwas über die Auswirkungen des Rauchverbots auf die dortige Gastronomie zu erfahren. Tschechien war ja lange das kleine gallische Dorf beim Rauchen. Es gab eine Kennzeichnungspflicht, mehr nicht. Jeder Gastro-Betrieb durfte selbst entscheiden, wie er es mit dem Rauchen halten wollte. Trotzdem war die Verteilung Raucher/Nichtrauchergastro ungefähr so wie in Baden-Württemberg, allenfalls mit etwas mehr Lokalen, die sich für Raucher- und Nichtraucherbereiche entschieden hatten. Das ist jetzt schon seit einigen Jahren vorbei, und weil ich seitdem nicht mehr dort war, werde ich es mir zum ersten Mal aus der Nähe ansehen. 

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Zurück zur Wahl in Sachsen-Anhalt.  

Jüngst ist mir auf Bluesky etwas passiert, das mir eine Ahnung davon gab, wo die meist so entrüstet zurückgewiesenen Behauptungen herkommen, man dürfte manche Dinge nicht mehr sagen. Da gab es nämlich ein RTL-Talkformat, in dem sich unser aller Bundeskanzler den Fragen einiger vom Sender ausgewählten Bürger stellte, die nicht sonderlich gut auf die aktuelle Bundespolitik zu sprechen sind. Und die Meinung über die Performance von Merz in dieser Sendung war so einhellig, daß jeder noch so geringfügige Einwand dazu führte, daß der Einwender kurzerhand niedergebrüllt wurde. 

Ob es sonderlich klug von Friedrich Merz war, sich auf so eine Sache einzulassen, sei dahingestellt, Mut bewiesen hat er damit angesichts seiner Umfragewerte aber durchaus. Man kann ihm also alles mögliche vorwerfen, aber Feigheit vor dem Feind jedenfalls nicht in diesem Fall. Daß er auf Feindseligkeit stoßen würde, muß Merz ja schon vorher klargewesen sein. Womit er freilich kaum gerechnet haben kann, ist die Art, mit der einer der eingeladenen Gäste, eine Kinderärztin, ihre Attacke fuhr. "Warum brechen Sie Ihnen Amtseid ... und erlassen solche menschenverachtenden, zerstörerischen Gesetze?", lautete die Frage dieser Frau. Das Problem, das ich mit diesem Satz habe, sind nicht die Begriffe "menschenverachtend" und "zerstörerisch". Es handelt sich um eine Wertung, die man nicht teilen muß, und der erste wertet außerdem die Haltung der Bundesregierung beim Abfassen dieser Gesetze gegenüber den Betroffenen, was schon eher grenzwertig ist, aber meinem Empfinden nach gerade noch diesseits der Grenze. Wofür das meiner Meinung nach aber nicht gilt, ist die Unterstellung an Merz, seinen Amtseid zu brechen, was ja nichts anderes bedeuten kann, als daß er persönlich (nicht die Bundesregierung) bewußt und gezielt Menschenverachtung und Zerstörung als politisches Mittel einsetzt, um den Bürgern zu schaden. Anders ergibt dieser Vorwurf nämlich trotz aller semantischen Spielchen um die Frage, ob auch ein versehentlicher Bruch des Amtsseids hätte gemeint sein können, überhaupt keinen Sinn. 

"Warum brechen Sie aus Versehen Ihren Amtseid?" ist eine Frage, die niemand in dieser Form stellen würde. Nur, das hindert augenscheinlich in den sozialen Medien niemanden daran, sich unbedingt lächerlich machen zu wollen, wenn es um eine Haßfigur wie Friedrich Merz geht. Es führt außerdem dazu, daß man sich plötzlich einem geifernden Online-Mob gegenübersieht, der einen selbst mit Hohn und Haß und dem dazugehörigen Unflat überschüttet, wenn man darauf hinweist. Mir blieb nichts anderes übrig, als ein paar Stummschaltungen vorzunehmen, um nicht mehr Zeit als nötig für diesen Schlagabtausch zu vergeuden, der nirgendwo hinführte und für niemanden neue Erkenntnisse erbrachte. 

Ich nehme solche Dinge zum Glück nicht weiter tragisch. Einen Versuch war die Sache wert, mir bricht nicht das Herz, wenn ich von solchen Leuten nicht gemocht werde, und ich lege außerdem Wert darauf, mein Unbehagen überwunden und meine Meinung artikuliert zu haben, damit andere Leute, die sich unbehaglich fühlen, sehen können, daß sie mit ihrem Unbehagen nicht alleine sind. Und zwar gerade deshalb, weil ich dieses Unbehagen empfand. Wie komme ich denn dazu, mich durch eine im Chor gebrüllte Einheitsmeinung irgendwelcher anonymer geifernder Eiferer einschüchtern zu lassen? Das sollte ich jetzt schon üben für den Fall, daß meine Zivilcourage eines Tages wirklich einmal in wichtigeren Dingen auf die Probe gestellt wird. Daß andere Leute - und vor allem diejenigen, die in Zeiten, wenn sie dafür Beifall zu erwarten haben, so gerne Lichterketten bilden oder andere theatralische Bekundungen gegen den Faschismus vornehmen - daran absehbar in der überwältigen Mehrheit kläglich versagen werden, heißt ja noch lange nicht, daß ich selbst dann ebenfalls versagen will. 

Es wäre auch anderen Leuten, die solche Dinge ernst nehmen, anzuraten, in dieser Hinsicht ein bißchen zu trainieren. Einen Vorgeschmack, wie das ist, wenn sich plötzlich große Teile der Menschen und Institutionen vorsichtshalber wegducken, erleben gerade regionale Medien in Sachsen-Anhalt.  

 Sehr viele Leute machen gerade gar nichts mehr und warten erst mal ab, was mit den Wahlen passiert. Das merken wir direkt in der Arbeit: Wir können viele Geschichten gerade nicht machen, weil Leute sagen, sie möchten jetzt nicht erscheinen und nichts sagen – selbst bei völlig unpolitischen Themen. Keiner will gerade den Kopf aus der Deckung heben.

Jedenfalls, Merz blieb kaum etwas anderes übrig, als diese Anschuldigung zurückzuweisen. Hätte er das nicht getan, dann hätten Übelwollende die Sache so interpretiert, daß die Anschuldigung berechtigt sei, da er sie ja nicht bestritten habe. Kurz, wie er es machte, es war so oder so verkehrt, und taktvoll über die Beschuldigung hinweggehen zu wollen, hätte nichts besser gemacht - und außerdem geht ihm das ja sowieso gegen seine Natur. Allenfalls ging mir durch den Kopf, ob Frau Merkel womöglich eine diplomatisch verklausulierte Sprache gefunden hätte, die inhaltlich genau dasselbe ausgesagt hätte wie bei Merz, aber trotzdem einen verbindlichen Klang gehabt und damit das Ausmaß der Häme verringert hätte. 

Eine andere Sache gibt mir aber mehr zu denken. Die Anschuldigung der Kinderärztin erfolgte nämlich nicht in einer Live-Gegenüberstellung mit Merz, sondern in einem Einspieler, den der Sender, RTL, vorab mit ihr gedreht hatte. RTL wußte also vorab von der Art und dem Inhalt des Vorwurfs und hatte anscheinend damit kein Problem. Am Ende überwand ich mich tatsächlich noch dazu, mir die gesamte Sendung anzuhören, nur um überhaupt den Kontext richtig zu verstehen. Mitgenommen habe ich daraus, daß die Dame, als ihr Lieblingsfeind ihr leibhaftig gegenübersaß, durchaus imstande war, sich scharf in der Sache, aber ohne Ausfälligkeiten ihm gegenüber inhaltlich zu positionieren. In dem Einspieler hat sie offenbar ganz bewußt polemisiert und zwar bis hart an die Grenze des Justiziablen. Und das mit Einverständnis und Billigung des Senders RTL, der ja andernfalls ggf. noch auf sie hätte einwirken können. Vielleicht mutiere ich ja langsam doch auch zum Verschwörungstheoretiker, aber: Hat das am Ende irgendetwas damit zu tun, daß Merz innerhalb der CDU seit einiger Zeit angezählt ist? Steckte jemand aus diesem Bereich hinter der Sache? Wollte man ihn durch die oben beschriebene Zwickmühle vielleicht zu einer Äußerung verleiten, die er später bereuen würde? Richtig ist natürlich, daß Friedrich Merz eine wandelnde Kommunikationskatastrophe ist, aber unter Umständen hat irgendwer genau das für irgendwelche innerparteilichen oder persönlichen Ziele zu nutzen versucht. 

Vielleicht irre ich mich in diesem Punkt aber, und es war der Sender RTL, dem es gelegen kam, durch eine Zuspitzung der Debatte, die um die Person Friedrich Merz kreiste, seine Reichweite zu erhöhen. Die Sendung selbst haben nämlich nicht so wahnsinnig viele Menschen gesehen. Die Kinderärztin machte in dieser Sendung live Werbung für ihre Online-Petition, die seit etwa einem Monat läuft und nach ihren eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt bereits 330.000 Unterschriften bekommen hatte (daß es dafür einen ganzen Monat gebraucht hatte, erwähnte sie nicht). Ich habe gestern, mehrere Tage nach der Sendung, die Petition aufgerufen. Der aktuelle Stand der Unterzeichnungen lautet 371.873. Nur 42.000 zusätzliche Unterschriften nach so viel medialer Aufmerksamkeit speziell für die Kinderärztin, das setzt schon etwas in Erstaunen. Also suchte ich nach der Einschaltquote, die diese Sendung hatte, und sah, daß sie  890.000 Zuschauerinnen und Zuschauer zum Einschalten gebracht hatte. Ein richtiger Straßenfeger war das also nicht, aber 42.000 Unterzeichner entsprechen immerhin zwischen 4 und 5 Prozent der Zuschauer, die die Sendung hatte. So schlecht ist das auch wieder nicht. 

Hätte die Dame aber nicht wirksam dafür gesorgt, daß fast jeder, der sie nicht live sah, nur Friedrich Merz' Antwort auf ihre persönlichen Vorwürfe zu sehen bekommen hat, wäre vielleicht die Aufmerksamkeit für ihr gesundheitspolitisches Anliegen noch um einiges stärker beachtet worden. Immerhin machen sich mehr als drei Viertel der Deutschen Sorgen, daß ihnen durch die Gesundheitsreform Nachteile entstehen. Die Ärztin hat also ziemlich viel Potential verschenkt, ihrer Petition mehr Gewicht zu verleihen, nur um die Gelegenheit nutzen zu können, den Bundeskanzler einmal so richtig anzupissen, was ihr offenbar ein Herzensbedürfnis war. Nun ja, ein Gefühl für Prioritäten hat wohl nicht jeder. 

Insgesamt fand ich die Diskussion ziemlich langweilig, weil keiner der eingeladenen Gäste - ein Familienvater, eine Pfarrerin, ein Unternehmer und eben die besagte Kinderärztin, irgendetwas anderes vorzubringen hatte als das, womit man in so einer Konstellation von vornherein rechnen konnte, nämlich den verengten Blickwinkel seiner eigenen Interessenlage, und weil auch der Bundeskanzler über seine üblichen Textbausteine nicht hinauskam. Man hatte das Gefühl, daß ständig aneinander vorbeigeredet wurde, und das ist vielleicht ja niemandes Schuld, aber es ist jedenfalls das zu lösende Problem, sowohl für die beschwerdeführenden Bürger wie auch die Bundesregierung, deren Arbeit hier ja zur Debatte stand und die für ihre Arbeit dringend mehr Zustimmung benötigen würde. 

Daß Merz nicht die richtige Person ist, um daran etwas zu ändern, versteht sich mittlerweile fast von selbst, er schafft es jedes Mal, irgendwen durch eine instinktlose Wortwahl zu beleidigen, so auch diesmal. Unter denjenigen, die mehr als diese Amtseid-Sache überhaupt mitgekriegt haben, stieß Ärzten jedenfalls ganz besonders übel auf, daß er Ärzte als Nutznießer des Gesundheitssystems bezeichnet hat. Angesichts dessen, was mit der Gesundheitsreform an Zumutungen auch auf Ärzte zukommt, war das keine diplomatische Glanzleistung. Ich nehme aber nicht an, daß Merz das bewußt war, ich glaube insgesamt nach seinem Auftritt, daß er seine Sache eigentlich wahnsinnig gerne gut machen würde, aber dazu einfach nicht imstande ist. Mehr als ein "Er hat sich bemüht" werden ihm künftige Historiker wohl nicht ins Zeugnis schreiben können. 

Die AfD hat in Sachsen-Anhalt im Endspurt den Slogan "Alles ist möglich!". Das ist genau die Sorte Botschaft, die von den anderen Parteien keine mehr hinkriegt. Sie wirkt motivierend, aktivierend, weckt Aufbruchsstimmung und gute Laune bei denen, die sie gut finden. Warum die AfD so erfolgreich ist und warum im Osten stärker als im Westen, ist in dem verlinkten Interview gut analysiert. Aber zum Teil sehe ich die Sache anders als dieser Experte, der übrigens wirklich wie jemand klingt, der Ahnung hat. 

Falls diejenigen recht haben sollten, die in den AfD-Wählern überwiegend Freunde des Faschismus erkennen, wird der Optimismus des Slogans der AfD am Ende noch ein paar zusätzliche Prozentpunkte verschaffen können, und dann ist die Situation da, eine alleinregierende AfD in einem deutschen Bundesland. Falls sie aber falsch liegen sollten, wird es die AfD meiner Meinung nach Wählerstimmen kosten. Denn wer sie ganz oder teilweise aus Protest wählt, kriegt bei so viel triumphierender freudiger Erwartung vermutlich eher kalte Füße und denkt noch einmal darüber nach, ob er das wirklich will, eine womöglich mit absoluter Mehrheit triumphierende AfD. Wahrscheinlich haben eine Menge AfD-Wähler das nämlich keineswegs im Sinn, sie in absoluter Mehrheit regieren zu sehen. Sie wollen deren Normalisierung erzwingen, und das bedeutet, sie wollen, daß andere Parteien sie mit ins Boot nehmen müssen. Worauf sie dabei hoffen, ist vermutlich nicht eine Eins-zu-Eins-Umsetzung des AfD-Wahlprogramms. 

Einen Hinweis darauf findet man auch in dem weiter oben verlinkten Interview mit dem Redaktionsleiter einer Zeitung in Sachsen-Anhalt, als er über die Aktivitäten der AfD in dörflichen Bereichen spricht: 

Über Politik wollen die Leute bei der AfD nicht reden, das interessiert sie nicht. Es gibt keine klassische Wahlkampfrede mit anschließender Diskussion, sondern einen Grill, Becher und Zollstöcke mit AfD-Logo zum Mitnehmen und für ein paar Euro sogar ein T-Shirt „Heimattreue Altmark“ in Frakturschrift. Wer redet, lädt vor allem Frust ab – und die AfD muss nur dastehen und sagen: „Ihr habt recht.“ Niemand will Lösungen, alle wollen Emotionen loswerden, und genau das saugt die AfD auf und verstärkt es. Andere Parteien versuchen, zu erklären und Lösungen anzubieten – kognitiv der falscheste Ansatz in einer rein emotionalen Situation. Das hat die AfD perfektioniert.

Nach diesem Stimmungsbild von jemandem, der nahe dran ist am Geschehen, geht es den Wählern der AfD kaum um den Wunsch nach möglichst unveränderter Umsetzung ihres Wahlprogramms. Aus dem anderen, dem Tagesschau-Interview: 

Die Annahme, Menschen würden Parteien vor allem nach ihrem materiellen Eigeninteresse wählen, ist verkürzt. Wahlentscheidungen organisieren sich auch an Identität, Anerkennung und Emotionen. Bei Teilen der AfD-Wählerschaft sind Gefühle von Kontrollverlust, Kränkung, Angst, Wut, Trotz und eine starke Wir-gegen-die-Identität wahlentscheidend.

Die Partei bietet dafür eine autoritäre Auflösung an: Komplexe Probleme bekommen eindeutige Schuldige, widersprüchliche Entwicklungen werden moralisch sortiert und individuelle Ohnmacht wird in kollektive Wirksamkeit übersetzt. Wer mit einer Wahlentscheidung Zugehörigkeit, Protest, Identität und Selbstwirksamkeit ausdrückt, verrechnet das nicht einfach als finanzielle Kosten-Nutzen-Rechnung. 

Diese Emotionen können sich aber auch gegen die AfD wenden, falls sie nach den Umfragen auf eine Alleinregierung hoffen kann und dies nicht das erwünschte Ergebnis eines Wählers und damit ebenfalls ein Fall von Kontrollverlust sein sollte. Vielleicht wird das in Sachsen-Anhalt ja gerade so wahrgenommen, daß eine AfD-Alleinregierung bevorstehe, weil so viel über diese Möglichkeit berichtet wird und die Partei selbst mit ihrem Slogan auch darauf anspielt. In Wirklichkeit hat die AfD aber in der letzten Wahlumfrage zwei Prozentpunkte weniger als in der vorletzten gehabt. Gut, das können Zufallsschwankungen sein, aber es könnte auch eine solche Entwicklung abbilden. Natürlich heißt das ja nicht, daß die AfD auf einen Schlag ihre Wählerschaft halbieren wird. Mit nahe an bzw. um die 40 Prozent sollte man schon rechnen, aber mit ein bißchen Glück wird es zumindest nicht mehr als das. 

Mit einem Bundeskanzler Friedrich Merz wird es allerdings kaum gelingen, irgendwie die emotionale Komponente in Richtung der "etablierten" Parteien zu verlagern. Vermutlich geht ein beträchtlicher Teil der Zuwächse der AfD seit seinem Regierungsantritt auf das Konto seiner höchstpersönlichen Unfähigkeit, mit Menschen umzugehen. Also kann es in Sachsen-Anhalt jetzt eigentlich nur noch darum gehen, eine Katastrophe für diesmal noch abzuwenden. Und es ist gut möglich, daß sich die CDU anschließend an die Landtagswahlen im September schon im Oktober neu sortieren und personelle Konsequenzen aus der Sache ziehen wollen wird. Falls sie das vorhaben sollte, wird sie das nämlich schnell tun müssen, denn ein Wechsel im Amt ist zwar immer dramatisch, aber je näher an der nächsten Bundestagswahl, umso heftiger kann das ins Auge gehen. 

Das wäre ein Hoffnungsschimmer, wenn ich mir nur vorstellen könnte, welche Personalie in der CDU imstande wäre, die Wähler emotional zu verlocken, und wenn ich mir außerdem vorstellen könnte, daß man es der CDU begreiflich machen kann, daß sie genau so eine Persönlichkeit jetzt braucht und alle innerparteilichen Vorstellungen, wen man gerne hätte, im Vergleich dazu bedeutungslos sind. Wenn die CDU den Bundeskanzler Friedrich Merz durch einen Kanzler ersetzt, der ihr selbst besonders gut gefällt, hilft das niemandem, auch ihr selbst nicht. Und ich fürchte, genau das wird in so einem Fall geschehen.