Mein Gewicht heute früh nach dem dritten von vier viertägigen Fastenintervallen in vier Wochen: 72,8 Kilogramm. Das ist so na ja, aber erfreulich ist, daß ich vom Körpergefühl her tatsächlich weniger geworden sein muß. Mittlerweile ist es nämlich oft nicht mehr ganz leicht, hier Unterschiede festzustellen, weil meine Verdauung seit der Chemo häufig so langsam geworden ist, daß ich oft das Gefühl habe, um den Bauch herum mehr zu sein, als ich es in Wirklichkeit bin. Ich habe ja das Gefühl, daß es inzwischen wieder normaler wird, also für immer längere Phasen normal ist, aber dazwischen habe ich halt doch immer noch öfter, als es mir lieb ist, diese Beton-im-Gedärm-Phasen. Wie soll man damit ein normales Körpergefühl haben?
Nächste Woche ist das letzte der vier langen Fastenintervalle, die ich eigentlich wieder als Endspurt geplant hatte, mir das Erreichen des Zielgewichts dann aber - gegen jede Erwartung - doch wieder abschminken mußte. Grund ist, daß die Low-Carb-Phasen diesmal eine deutlich geringe Wirkung gezeigt haben. Ich werde mir also etwas Neues ausdenken müssen, um mein Zielgewicht doch noch zu erreichen, aber das habe ich jetzt, glaube ich, oft genug wiederholt und werde nun damit aufhören, es immer wieder vorzubeten. Was das sein soll, weiß ich im Moment noch nicht genau, aber das wird sich wohl früher oder später finden.
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So viel Neues gab es in meinen Interessenbereichen gar nicht.
Eine interessante Meldung fand ich aber den ntv-Bericht über eine Studie, nach der schwere Covid-Verläufe auch das Lungenkrebsrisiko erhöhen. Das ist ein Indiz dafür, daß mein Verdacht, daß Infektionen (aller Art) bei Krebserkrankungen (aller Art) nach wie vor unterschätzte Risikofaktoren sind, nicht so ganz unberechtigt ist. Für Grippe soll es ganz ähnlich sein - aber nur bei schweren Verläufen.
Aus Blickwinkel der Seyfriedschen Mitochondrien-Theorie ergibt beides sogar noch viel mehr Sinn als wenn man die aktuell für wahr gehaltenen Krebstheorien für richtig hält, da einfache Infektionen weniger Schäden innerhalb der Zelle an den Mitochondrien anrichten sollten als schwere Infektionen. Glaubt man an die aktuellen Krebsentstehungsmodelle, ist der Zusammenhang hingegen ein rein statistischer, einen naheliegenden Kausalzusammenhang gibt es für Mutationen des Zellkerns nicht, darauf wies auch der ntv-Bericht hin.
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Aber wenn ich schon gerade beim Lungenkrebs bin ... ein aktueller Anlaß legt es mir nahe, mal wieder das Thema Rauchen aufzugreifen, in einer Weise, die vermutlich ein bißchen überraschend ist.
Für einen Raucher wie mich ist das zwar kein allzu überraschendes Bekenntnis, auch wenn viele Raucher mittlerweile das Gegenteil behaupten: Ich habe das Rauchverbot in der Gastronomie seinerzeit - das ist nun auch schon wieder fast zwanzig Jahre her - für eine bemerkenswert schlechte Idee gehalten und bin dieser Meinung immer noch. Aber nicht deshalb, weil ich mich als Raucher damit diskriminiert oder unterdrückt fühlte.Obwohl ich Nichtrauchergastronomie nach wie vor meide, wenn es nicht die Höflichkeit gebietet, sie mit anderen zusammen aufzusuchen. Aber es gibt ja keine Gaststättenbesuchspflicht, und schon vorher galt ja das Prinzip: Wenn ich mich in einem Lokal nicht wohlfühle, dann gehe ich halt nicht hin. Die Gastronomie verdient an mir deshalb seit etlichen Jahren viel weniger als vor dem Rauchverbot, aber falls sie an meiner Stelle einen Haufen zusätzliche nichtrauchende Gäste gewonnen haben sollte, dann sei ihr das, was mich betrifft, von Herzen gegönnt. Ich muß ja nicht unbedingt dauernd auswärts essen. Immerhin koche ich ja selbst gut und gerne.
Meine damaligen Einwände gegen ein gesetzliches Rauchverbot in der Gastronomie hatten etwas mit der erwähnten Freiwilligkeit von Gaststättenbesuchen zu tun, die ja für Raucher wie für Nichtraucher gleichermaßen gilt. Aus Perspektive des Geschäftsinhabers, der mit Leuten seinen Lebensunterhalt verdient, die (absolut freiwillig) seine Gaststätte aufsuchen und dort konsumieren, fand ich die Veränderung der zugehörigen Geschäftsgrundlage mit dem damit verbundenen Risiko eines Gästeschwunds eine ziemliche Zumutung, und zwar in meiner Eigenschaft als Selbständige, die das bei ihrer eigenen Geschäftsgrundlage auch nicht sonderlich angenehm fände. Der Gesetzgeber hätte außerdem eine Reihe anderer Möglichkeiten gehabt. Eine davon wäre ein Bestandsschutz für bestehende Lokale (und die Möglichkeit sowie ggf. Anreize, freiwillig selbst Nichtraucherbereiche einzurichten) und ein Rauchverbot als Regelfall für neu eröffnende Lokale gewesen. Das hätte die wirtschaftlichen Turbulenzen für die Gastronomie wegen der Umstellung erheblich verringert und damit auch die eine oder andere Pleite verhindert.
Die Gastronomie als Ganzes hatte sich natürlich innerhalb einiger Jahre gut an die Gegebenheiten angepaßt, und statistisch würde sich ein Gaststättensterben in der Breite nicht nachweisen lassen. Das liegt daran, daß die Fluktuation in der Gastronomie generell hoch ist und mit dem Rauchverbot unrentablere Geschäftsmodelle bei Betriebsaufgaben durch besser an diese Gegebenheit angepaßte ersetzt wurden.
Jedenfalls war das in Innenstädten und viel von Touristen frequentierten Gebieten so.
In (untouristischen) Dörfern und sogar schon in unscheinbareren Vorstädten - überall dort, wo ein Lokal nicht mit viel Laufkundschaft rechnen kann - ist es aber anders. Das Gaststättensterben auf dem Land, über das auch die Medien regelmäßig berichten, habe ich schon vor zehn Jahren beobachtet, wenn ich, wie ich das viele Jahre lang tat, auf mehrtägige Wanderungen ging, bei denen ich unterwegs zwei bis drei Übernachtungen einplante. Daß ich fast immer in gähnend leeren Lokalen mein Abendessen einnehmen mußte, fand ich schon auffallend. In einem Lokal war außer mir nur noch ein stark angetrunkener Mann anwesend, der am Tisch saß, der der Theke am nächsten lag, und die Bedienung entschuldigte sich ununterbrochen bei mir für diesen unpassenden Gast. Aber gerade dieser Mann zeigte mir, was in diesem Lokal nicht stimmte. Innerhalb einer fröhlichen Stammtischgruppe mit unterschiedlichem Alkoholpegel wäre er nämlich gar nicht weiter aufgefallen. Aber das Lokal war natürlich überhaupt nicht mehr auf Stammtische ausgelegt, sondern verstand sich als reines Speiselokal - am Essen war auch tatsächlich nichts auszusetzen. Aber wo findet man auf dem Dorf eine ausreichend große Zielgruppe, um ein solches Lokal rentabel zu führen? Ich sehe das bei uns am Ort, wo die letzte traditionelle Dorfwirtschaft vor acht Jahren aus Altersgründen der Inhaber geschlossen wurde. Jahrelang stand das Lokal leer, vor drei Jahre versuchte es dann ein Restaurant, mußte aber nach zwei Jahren wieder aufgeben. Vor ein paar Wochen hat jetzt ein Asiate aufgemacht. Ob er sich halten kann, wird man sehen.
Ein Dorf bräuchte halt eine Dorfwirtschaft, und eine Dorfwirtschaft braucht alle Arten von Gästen, von den Essensgästen von innerhalb und außerhalb des Orts über die Stammtische und Kartenspielrunden bis zu denen, die nur an der Theke ein Feierabendbier trinken wollen. Dann reicht es auch, um von so einem Lokal leben zu können. Dieses Konzept hat bis zum Rauchverbot auch noch funktioniert. Jetzt tut es das aber nicht mehr. Bis so etwas zu Schließungen führt, das dauert auf dem Dorf aber viel länger als in Städten. Viele Dorfwirtschaften waren etwa in der Hand der Besitzer des betreffenden Gebäudes, manchmal immer noch in Verbindung mit einer Metzgerei und häufig in Kombination mit einfachen Übernachtungsgelegenheiten. Da geht man so schnell nicht pleite. Daß sich die Sache eigentlich schon lange nicht mehr gerechnet hatte, zeigt sich oft erst, wenn aus Alters- oder Gesundheitsgründen ein Nachfolger gefunden werden müßte, aber wegen der fehlenden Rentabilität nicht zu finden ist. Also sind mittlerweile nicht mehr allzu viele Dorfwirtschaften zu finden, und denjenigen, die es noch gibt, haben seitdem zusätzlich noch Corona, steigende Lebensmittelpreise, gestiegene Energiekosten und fehlendes Personal zugesetzt, was den Prozeß weiter beschleunigt hat. Schon vor dem Rauchverbot eingesetzt hatten außerdem veränderte Ausgehgewohnheiten und generell sinkender Alkoholkonsum. Das Rauchverbot ist also nur einer von zahlreichen Faktoren, die zu dieser Entwicklung geführt haben.
Wenn bei einem komplexen System wie den typischerweise ebenfalls zahlreichen Auslösern einer Krebserkrankung die Prävention bei der Vermeidung aller einigermaßen leicht vermeidbaren Risikofaktoren ansetzt, dann hätte man einem Gaststättensterben auf dieselbe Weise entgegenwirken können, wenn man es nur für wichtig gehalten hätte, so etwas zu verhindern. Corona ließ sich nicht verhindern. Die Preisanstiege für Lebensmittel und Getränke auch oder jedenfalls nur bedingt. Beim Rauchverbot hätte man aber auch das Überleben der betroffenen Gastronomie mit zu einer der Zielstellungen machen können (und, siehe oben, dafür auch praktikable Lösungen finden können), und hat dies unterlassen. Ob man gar nicht auf die Idee kam, eine Gefährdung zu vermuten, oder ob es der Politik einfach egal und als Kollateralschaden einkalkuliert war, kann ich nicht sagen. Was ich aber weiß, ist, daß dies zur Destabilisierung des Gefüges der Gesellschaft mit beigetragen hat, und das finde ich schon ein bißchen fahrlässig.
Natürlich hat es Folgen, wenn ein Dorf seine Mitte verliert. In Zeiten, in denen die Kirche kaum noch eine Rolle spielt, ist dies typischerweise das Wirtshaus. Gibt es das nicht, zerfasert die Dorfgemeinschaft und dies wiederum bewirkt eine Radikalisierung der isolierteren Menschen.
Das ist kein Witz. Es gibt wissenschaftliche Ergebnisse, die dies belegen können.
In Frankreich nämlich wurde ein Zusammenhang zwischen schließenden sogenannten "Bar-Tabac"-Kneipen und einer Zunahme von Wählern rechtspopulistischer Parteien in einer Studie ermittelt. Die Stammtische mit ihrem notorisch schlechten Ruf waren wohl insgeheim doch ein ganz gutes Korrektiv - man mußte die Meinungen anderer Leute am Tisch aushalten und sich mit ihnen auseinandersetzen. Die neuen Online-Stammtische in den sozialen Medien hingegen kann man mit lauter Gleichgesinnten bestücken und alle anderen blockieren. Wir haben mit unserem Dorf noch Glück gehabt: Ein Verein ist eingesprungen und dort trifft man sich einmal die Woche, um Neues zu erzählen und zu hören - und nebenbei anderer Leute Meinungen zu ertragen, die man nicht teilt. Aber ein Verein muß auch keine Gewinne machen, die einem Wirt die Existenz sichern. Auf diese Weise geht die Sache dann doch wieder, jedenfalls solange man ehrenamtlich Engagierte findet, die bereit sind, Zeit und Energie in diese Tätigkeit zu stecken.
Nun stellt sich aber außerdem heraus, daß das Wirtshaussterben für die AfD zu einem strategischen Faktor geworden ist. Denn es wurde jedenfalls in der AfD Rheinland-Pfalz mittlerweile die Strategie entwickelt, sich in leerstehende Wirtshaus- und vergleichbare Gebäude einzumieten und sie wieder zum - nunmehr AfD-geführten - dörflichen Dreh- und Angelpunkt zu machen, der sie früher einmal gewesen sind. Die TAZ berichtete im Zusammenhang mit dem Wahlkampf in Rheinland-Pfalz darüber. Als Normalisierungsstrategie ist dieses Vorgehen der AfD geradezu genial, wenn und wo sie aufgeht, sie also nicht an Protesten scheitert, wie sie in den beschriebenen Beispielfall am Ende zur Kündigung des Mietverhältnisses führten. Damit füllt die AfD eine Lücke im dörflichen Gefüge, die zu ihrem Erfolg selbst mit beigetragen hatte und die man alleine schon deshalb niemals hätte aufreißen lassen dürfen.
Ob dort geraucht werden darf oder nicht, spielt übrigens gar keine Rolle mehr, denn erstens ist das Thema Rauchen sowieso schon lange gegessen - ich bin nahezu die einzige, die nachtragend genug ist, um immer noch darüber zu sprechen -, und zweitens muß eine parteistrategische Maßnahme sich ja genau wie ein Vereinsangebot auch nicht nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten rentieren. Jedenfalls nicht vor der Machtergreifung, danach werden die AfDler genauso die Sau rauslassen wie alle, die sich in den USA durch Donald Trump bereichern können, an der Spitze Trump selbst und seine verkommene Familie.
Mit dem Rauchverbot ist es wie mit der neuen Rechtschreibung: Es wäre sinnlos, es wieder rückgängig zu machen, obwohl die konkrete Ausgestaltung in beiden Fällen echt keine Glanzleistung gewesen ist. Aber es spräche nichts dagegen, von dieser Initiative der AfD etwas zu lernen: Die haben die Bedeutung der Dorfgaststätten erkannt. Niemand würde die anderen Parteien daran hindern, dies ebenfalls zu erkennen und sich ein paar eigene Weichenstellungen zu überlegen. Gerade die mittlerweile ja aus dem vorletzten Loch pfeifende SPD hätte außerdem allen Grund, den "normalen Leuten" wieder häufiger aus der Nähe zu begegnen, zu hören, was für Themen sie umtreiben, und daraus zu lernen, anstatt sich nur noch im eigenen Biotop zu tummeln und dort den guten alten Zeiten nachzutrauern. In diesen guten alten Zeiten haben die Sozialdemokraten Vergleichbares ja auch gemacht, von Arbeitersportvereinen bis zu Arbeiterbildungsstätten. Kneipen gab es damals hingegen genug. Heute ist es umgekehrt, wer sich bilden will, braucht keine SPD. Aber vielleicht würde man bei ihr ja ein Feierabendbier trinken, wenn es dieses Angebot gäbe?
Ich bin nun wirklich kein Fan der SPD. Aber einer feindlichen Übernahme der wegen mangelnder Rentabilität geschlossenen Gastronomie durch die AfD wäre sie allemal noch vorzuziehen.
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