Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier Fastentagen: 77,6 Kilogramm. Nicht berauschend, aber die Richtung stimmt schon wieder. Ich habe letzte Woche an allen Nicht-Fastentagen meine erste Mahlzeit auf 13 Uhr plus x verschoben und werde das wohl bis auf weiteres beibehalten, weil ich die Wirkung sehr deutlich gemerkt habe, und das nicht nur auf der Waage, sondern auch an der Paßform meiner Hosen, und zwar schon vor Beginn des langen Fastenintervalls. Ausnahmen sind die Wochenenden und der Tag direkt nach einem vierstelligen Fastenintervall. Ich möchte nämlich am liebsten schon unter 80 Kilogramm vor dem Fasten liegen, wenn ich in drei Wochen mit Low Carb beginne. Vielleicht klappt es, vielleicht nicht - mal sehen.
Ob ich auch in der LC-Phase so weitermache, habe ich noch nicht entschieden.
Zum Glück ist jetzt die Zeit wieder vorbei, in der ich mehrmals das Fasten reisebedingt unterbrechen, lange Fastenintervalle verkürzen und während des Urlaubs meines Mannes ganz ausfallen lassen mußte, denn die letzten drei Monate haben mich dadurch locker vier Kilo plus gekostet, und ich hatte schon vor dem Sommer Unheil dieser Art geahnt, auch wenn ich natürlich gehofft hatte, so schlimm werde es doch nicht kommen.
***
Das Ärzteblatt berichtete am Freitag, 11.9., über eine Studie mit einem Ergebnis, das man im "wissenschaftlichen Mainstream" selten liest, nämlich daß eine ketogene Ernährung im Vergleich zu einer fettarmen pflanzenbasierten Diat und der Mittelmeerdiät bei gleicher Gewichtsabnahme den Leberstoffwechsel deutlicher verbessert hatte. Das ist schon fast ein Grund, das obige Datum im Kalender rot anzustreichen.
Im Wortlaut, wie im Ärzteblatt zitiert: „Unsere Daten deuten darauf hin, dass bei Menschen mit einem hohen Leberfettgehalt und Prädiabetes eine Verringerung der Kohlenhydratzufuhr wichtige therapeutische Effekte auf den Stoffwechsel haben kann, die über die Effekte der Gewichtsabnahme allein hinausgehen.“ Ebenso ergab sich bei 50 % der ketogen Ernährten, daß sich der vorherige Prädiabetes zurückgebildet hatte, während es bei den beiden anderen Ernährungsweisen deutlich weniger waren. Am schlechtesten schnitt dabei die pflanzenbasierte Ernährung ab, bei der nur 7 Prozent den Prädiabetes losgeworden waren.
Gemessen wurden bei allen drei Diätvarianten die Werte, nachdem eine Gewichtsabnahme von mindestens zehn Prozent des Körpergewichts erfolgt war (meistens lag die Abnahme ganz geringfügig höher). Da das Ausgangsgewicht zwischen 112 und 114 Kilogramm lag, sind 10 Prozent auch eine respektable Abnahme von jeweils zwischen 11 und 12 Kilogramm. Maßgeblich war übrigens nicht, wie lange es bis zu diesem Moment gedauert hatte, aber alle drei Gruppen schafften das in weniger als einem halben Jahr. Fürs Protokoll: Die Keto-Gruppe erreichte diese Abnahme durchschnittlich nach 4,6 Monaten, die Mediterran-Gruppe nach 5,4 und die Pflanzenbasiert-Gruppe nach 5,1 Monaten.
Ich möchte kein Urteil über die dauerhafte Anwendbarkeit der beiden anderen Ernährungsweisen fällen, aber die Keto-Variante fand ich mit nur 20 Gramm Kohlenhydrate deutlich zu radikal, um damit rechnen zu können, sie dauerhaft aufrechtzuerhalten. Keine Ahnung, was der Grund dafür war, dieses Modell zu wählen, denn ich gehe davon aus, daß bei Patienten mit einem BMI knapp unter 40 auch eine relaxtere Variante ähnlich erfolgreich gewesen wäre, da die Insulinresistenz als wichtigstes Hindernis einer Gewichtsabnahme auch bei 100 Gramm Kohlenhydraten schon beseitigt worden wäre. Es hätte allenfalls sein können, daß der zeitliche Vorteil der Keto-Gruppe im Vergleich zu den anderen dann nicht mehr bestanden hätte.
Der schwerwiegendste Haken an der Studie besteht wieder einmal darin, daß sie mit ca einem halben Jahr (auch die abschließende Wiederholung der Tests drei bis vier Wochen mit hinzugerechnet) viel zu kurz war, um irgendwelche Prognosen über die Chance darauf, das erreichte Gewicht zu halten, abgeben zu können. Erfreulicherweise fand ich aber in den Quellen dieser Studie noch eine andere, die erstaunlicherweise bereits aus dem Jahr 2008 stammt und die ebenfalls die drei verglichenen Ernährungsweisen zum Thema hatte und zumindest mal über zwei Jahre ging. Netterweise enthielt sie auch einen Gewichtsverlauf über diesen Zeitraum.

Was hier erwähnt werden muß: Bei der Keto-Diät fingen die Patienten ebenfalls mit zwanzig Gramm Kohlenhydraten an, aber nach zwei Monaten wurde das sukzessive auf schließlich 120 Gramm gesteigert. Die Kalorienmenge war nur bei dieser Ernährungsform aber nicht begrenzt, im Gegensatz zur Low-fat- und der mediterranen Diät, bei der die Kalorienmenge bei 1500 bzw. 1800 Kalorien lag. Man beachte, daß die Gewichtsabnahme trotzdem bei den beiden anderen Varianten geringer war und die Ketos zwar im zweiten Jahre eine schnellere Gewichtswiederzunahmen hatte, die aber wegen der sich steigernden Kohlehydratmenge sehr wahrscheinlich zum Teil auf die sich wieder füllenden Glykogenspeicher in der Muskulatur, also auf Wasser, zurückzuführen war und außerdem nicht verhinderte, daß sie am Ende von Jahr 2 mit um die 5 Kilogramm mehr von ihrem Gewichtsverlust hatten halten können als die beiden anderen Gruppen. Bei einem Ausgangs-BMI von nur um die 31 (ca 91 kg) heißt das, daß von den Ketos nach zwei Jahren mehr als in den beiden anderen Gruppen weiterhin südlich des Adipositas-Äquators gewesen sein sollten. Am schnellsten stabilisierte sich das Gewicht nach der Abnahme bei der mediterranen Diät. Die am schlechtesten über zwei Jahre hinweg wirksame war die Low-fat-Diät.
Eigentlich das, was ich von vornherein erwartet hätte. Aber da sich das alles innerhalb von 18 Jahren irgendwie nie bis in den ernährungswissenschaftlichen Mainstream herumgesprochen hat und es außerdem einen Fingerzeig gibt, wie es mit den Patienten der oberen Studie in den folgenden 1,5 Jahren weitergegangen ist, fand ich es eine Erwähnung wert.
***
Der nächste Anlauf zur Durchsetzung der Widerspruchslösung steht an, und deren Befürworter trommeln wie verrückt, um ihre Mehrheit diesmal endlich zusammenzubekommen. Vielleicht gelingt es ihnen, aber es ist genausogut möglich, daß sie ein weiteres Mal abwarten müssen, um nach einer gewissen Frist einen neuen Anlauf zu nehmen.
Situation wie die sind es, in denen auch ich immer mal wieder einen schwachen Moment habe und glaube, daß es vielleicht gar nicht so verkehrt wäre, wenn unsere aktuelle politische Welt in nächster Zeit mit einem solchen Karacho gegen die Wand fährt, daß alles erst mal wieder in Trümmern liegt. Ist der Spuk vorbei und ein Neuanfang möglich, kann man beim Wiederaufbau die gesellschaftlichen Fundamente neu gießen und kriegt sie vielleicht ein bißchen besser als vorher hin. Denn mit Fundamenten, die ein so inakzeptables Verständnis vom Menschen in der Gesellschaft enthalten, ist etwas Grundsätzliches verkehrt. Und da dieses Verständnis von so gut wie niemandem in Frage gestellt wird, scheint es unmöglich, daran etwas zu ändern, solange man das ächzende Räderwerk des aktuellen Systems noch weiter in Gang halten kann. Vielleicht wäre es ja doch für alle besser, würde man es aktiv sabotieren und das Ende mit Schrecken dann so gut es geht durchstehen.
Das speziell Inakzeptable an der Widerspruchslösung habe ich schon wiederholt beschrieben. Ich gebe der Versuchung trotzdem nach, es noch einmal in anderen Worten aus einer anderen Richtung zu tun. Was juristisch wie ethisch meines Erachtens nämlich überhaupt nicht geht, ist, daß die Widerspruchslöung vom Einzelnen Leistungen als Voraussetzung für seine Rechtsfähigkeit im Falle der Frage, wie bei seinem Tod mit seinen Organen verfahren wird, abverlangt, die eine Menge Leute einfach nicht leisten können, und zwar deshalb, weil sie den Gedanken an ihren eigenen Tod so unterträglich finden,daß sie ihn so weit wie möglich von sich wegschieben. Wer dagegen einwendet, dann seien sie halt selber schuld, wenn ihnen Organe entnommen werden, obwohl sie das eigentlich nicht gewollt hätten, der argumentiert ähnlich wie jemand, der findet, jemand mit einer leichten geistigen Beeinträchtigung, aber noch oberhalb der Schwelle zu einer anerkannten geistigen Behinderung, hätte erkennen müssen, daß er von dem Versicherungsvertreter abgezockt wird, der ihm gerade ein Dutzend Versicherungsverträge angedreht hat, von denen er keinen einzigen wirklich braucht, anstatt sich ein paar Gedanken darüber zu machen, ob und aus welchen Gründen so etwas vielleicht sittenwidrig sein könnte.
Das Kernproblem besteht hier aber nicht beim unfreiwilligen "Organspender" (der in Wirklichkeit gar nichts gespendet hat, sondern vielmehr ausgeplündert wurde), sondern darin, daß gesellschaftlich weit und breit niemand etwas dabei zu finden scheint, bei Leuten, die implizit - nämlich durch Nichthandeln - Nein zur Organspende gesagt haben, so zu tun, als wären sie im Gegenteil gerade durch ihr Nichthandeln zu behandeln, als wären sie mit allem einverstanden. Das berührt, finde ich, den Kern der menschlichen Würde, wenn ein Nein einfach ignoriert oder, noch schlimmer, behauptet wird, man habe in Wirklichkeit Ja gesagt. Es gibt einen Bereich, in dem das nicht für zulässig gehalten wird, nämlich die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen. Absurde Vorstellung, daß dieselben Leute bei der Organspende oft genau entgegengesetzt argumentieren.
Es ist eine gesellschaftliche Fehlsteuerung, daß diese Art von Orwellschen Verdrehungen der Bedeutung von Willensäußerungen für normal gehalten wird - und zwar sogar von den allermeisten Gegnern der Widerspruchslösung. Daß nicht einmal mehr erkannt wird, worin das Problem in Wirklichkeit besteht, zeigt, daß wir ein sehr grundsätzliches Problem mit dem Menschenbild nicht nur der Bundesregierung oder der Medien, sondern der gesamten Gesellschaft haben.
Und das weltweit. Daß immer so viel damit herumargumentiert wird, daß in den meisten europäischen Ländern inzwischen die Widerspruchslösung gilt (also könne das doch nicht verkehrt sein), zeigt im Grunde ja nur, daß es sich bei diesem Menschenbild um ein globales Phänomen handelt.
Genauso wie der Aufstieg des Rechtspopulismus, über den nun alle so entsetzt sind. Etwaige Zusammenhänge mit einem menschenverachtenden Menschenbild darf jeder, der darauf neugierig ist, selbst suchen.
Daß der Zweck, also die Absichten im Fall der Organspende gut sind, stelle ich auch nicht in Frage, allerdings liegt den guten Absichten auch bei der Zielvorstellung ein fragwürdiges neoliberales Menschenbild zugrunde, das die gesamte heutige Medizin durchseucht, nämlich die unausgesprochene Grundannahme, daß alles, was einem Menschen sein Leben verlängert, allem zu bevorzugen ist, das diese Verlängerung nicht bewirkt, auch wenn es für den davon Betroffenen einen subjektiv höheren Wert hat oder man dafür anderen Menschen eine subjektiv wertvolle Sache wegnehmen muß. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob man selbst diese Sache für wertlos hält. Der subjektive Wert für die betreffende Person ist, zumal wenn es um Leben und Tod eines einzelnen Menschen geht, in Wirklichkeit da einzige, was wirklich zählt. Und was für diesen speziellen Menschen welchen Wert oder Nichtwert hat, darf niemand über den Kopf des Betroffenen hinweg entscheiden.
Damit sich diese Einsicht durchsetzt, bräuchte man ein anderes Menschenbild. Das aber würde in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen grundlegende Dinge in Frage stellen, und deshalb scheint es mir unmöglich, daß es sich auf Basis der heutigen Gesellschaft irgendwie durchsetzen könnte. Offenbar brauchen wir also den großen Knall, um das, was grundlegend falsch ist an dem, was wir für wichtig und für unwichtig halten, von uns abschütteln zu können. Nein, ich würde ihn auch viel lieber nicht erleben. Aber vielleicht sollte ich mich langsam damit abfinden, daß er sowieso nicht mehr zu vermeiden ist, und mich daran festhalten, daß im Schlechten, das dadurch zu erwarten ist, immerhin auch das Potential zu etwas Besserem steckt, als wir sonst zu erwarten hätten.
***
Solange ich mich von der Politik fernhalte, bin ich längst nicht so deprimäßig drauf, wie das Obige vielleicht klingt. Deshalb zum Abschluß ein positives Erlebnis aus meinem Alltag.
Bei Bluesky sah ich eine Zeitlang häufig Fotos vom Inhalt der Rettertüten von Lidl. Dort verkaufen sie nämlich auf diese Weise Obst und Gemüse, das nicht mehr allzu lange haltbar ist, zum Preis von 3 Euro für eine große und üppig gefüllte Papiertüte. Für Leute mit wenig Geld bietet das viel gesunde Ernährung für kleinen Einsatz, und es ist außerdem noch eine Art Wundertüte, weil in keiner dieser Tüten genau dasselbe enthalten ist. Deshalb auch die Fotos, die Inhalte unterschieden sich zum Teil sehr voneinander. Wenn man die Sache mit dem Kochen als eine Knobelaufgabe auffaßt und ein bißchen spontan ist, kann man mit so etwas seinen Kochplänen auch einen spielerischen Faktor hinzufügen. Und, wie gesagt, Obst und Gemüse ist ja auch gesund, und zu diesem Preis sollte sich das auch jeder leisten können.
Letzte Woche habe ich solche Rettertüten zum ersten Mal selbst bei Lidl gesehen und weil bei einer ein Paket frische Champignons ganz oben lag, fühlte ich mich so getriggert, daß ich eine mitgenommen habe.Im Grunde war das eine Riesendummheit von mir, damit habe ich meine gesamte Wochenplanung beim Essen geschreddert. Aber ich konnte einfach nicht widerstehen, und ich habe es mir auch verkniffen, den Inhalt weiter zu inspizieren, bevor ich zu Hause angekommen war, und ich kam mir unterwegs wahrhaftig vor wie ein Kind, das auf die Weihnachtsbescherung wartet.
Ein Foto gemacht habe ich zwar nicht, aber meine Rettertüte enthielt folgendes:
- 2 x 400 Gramm frische Champignons, einmal weiß, einmal braun
- 1 abgepackter Romana-Salat
- 2 Paprika, einmal gelb, einmal rot
- 3 Karotten
- 1 Kilogramm Weinbergpfirsiche, abgepackt
- 3 Nektarinen
Es war kein einziges Stück dabei, das schon verdorben gewesen wäre, und die meisten sahen sogar noch genauso frisch aus wie das Zeug, das man normal zu bezahlen hat. Und mit drei Euro, den Kosten für die ganze Tüte, wären alleine schon die Weinbergpfirsiche normalerweise zu bezahlen gewesen. Das ist also ein richtiges Schnäppchen gewesen. Und wie es der Zufall wollte, Karotten waren mir sowieso gerade am Ausgehen.
Die Weinbergpfirsiche waren übrigens besonders köstlich, gerade weil sie schon ein bißchen überreif waren. Den größten Teil habe ich wegen meines langen Fastenintervalls trotzdem zusammen mit einem Kilo Feigen aus meinem Garten zu Marmelade verkocht, und zwar mit Birkengelierzucker. In der Low-Carb-Phase möchte ich ja auch Marmelade beim Weihnachtsgebäck und dergleichen verarbeiten können. Ich habe das Ergebnis noch nicht probiert, aber ich werde dann berichten.
Als ich diese Woche wieder bei Lidl war, fand ich keine Rettertüten vor, sondern an der Stelle, wo sie gewesen waren, wie sonst auch immer reduzierte Backwaren vom Vortag. Keine Ahnung, an welchen Tagen und Uhrzeiten man kommen muß, um sie vorzufinden. Vielleicht gibt es da auch gar kein Schema. Aber jedenfalls, das Konzept hat wirklich Charme.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen