Mein Gewicht heute früh nach dem vierten von vier Fastentagen: 77,0 Kilogramm. Am Montag waren es 82,9, Grund zum Jubeln habe ich also nicht. Aber immerhin ging es von Montag auf Dienstag gleich mal wieder 3 Kilo runter, und das hatte ich, glaube ich, den ganzen Sommer kein einziges Mal. Die Gesamtabnahme war mit 5,9 Kilogramm auch überdurchschnittlich für ein viertägiges Fastenintervall. 6,0 Kilogramm oder mehr hatte ich im Lauf von sechs Jahren, seit ich damit begonnen habe, höchstens ein halbes Dutzend Mal.
Kaum anzunehmen, daß das folgende in meinem Fall so relevant ist, daß ich meine Abnahme wieder auf die richtige Spur damit bringe. Aber trotzdem gab es mir so zu denken, daß ich meine Vorratshaltung jetzt - nur für alle Fälle und weil es ja keine große Sache ist, das zu tun - möglichst polyethylenfrei bekommen möchte. Denn unter Umständen sind es nicht - oder nicht nur - die hochverarbeiteten Lebensmittel selbst, sondern die Verpackungsmaterialien, die das eigentliche Problem sind. Polyethylen, ein häufig verwendetes Material in Lebensmittelverpackungen, zerfällt im Lauf der Zeit und sondert Mikroplastik-Zerfallsprodukte ab die dann natürlich mit der Nahrung aufgenommen werden. In einer Tierversuchsstudie führte das bei Mäusen zu Gewichtszunahmen, ausgelöst durch eine Schädigung der Leber.
Bei der ersten Recherche dachte ich schon, auch meine Lock&Lock-Dosen, die ich als Schutz vor Mottenbefall verwende und auf die ich nicht verzichten könnte, seien aus Polyethylen - in Wirklichkeit ist es aber Polypropylen, und das ist zum Glück doch was anderes. Polyethylenverdacht besteht bei allen biegsamen Klarsichtverpackungenr.
Worauf ich künftig achten werde, ist, Verpackungen etwa von gemahlenen Mandeln nach dem Kauf zu entfernen und solche Dinge lose in den Lock&Lock-Dosen aufzubewahren. Beim Einfrieren sieht die Sache schon anders aus, denn Gefrierbeutel sind tatsächlich aus Polyethylen, und die habe ich bislang immer genutzt und werde sie künftig nicht mehr verwenden. Kürzlich habe ich schon ein paar wiederverwendbare Silikon-Gefrierbeutel gekauft, und da werde ich mir noch zusätzlich beschaffen. Das wird also künftig mein Einfrier-Standard werden. Seltener verwende ich Frischhaltefolie, ebenfalls aus Polyethylen, aber ich glaube, die ist weniger das Problem, weil es bei mir selten direkt mit den Lebensmitteln in Berührung kommt und ich jetzt natürlich darauf achten werde, daß das nicht passiert.
Bei was kann das wohl noch alles relevant sein? Das wird sich wohl im Lauf der Zeit noch herauskristallisieren. Wurst und Käse kaufe ich ohnehin selten im Discounter und damit meist auch ohne Verpackung. Inwieweit auch die Verpackungen von Milchprodukten betroffen sind, darauf muß ich mal achten. Genau wie bei den Carragenen werde ich das jetzt auch ohne jeden Fanatismus umsetzen, wenn es in bestimmten Fällen nicht vermeidbar ist, dann ist es halt nicht vermeidbar.
Wie gesagt, ich bezweifle, daß mir diese Maßnahmen einen Abnahmeschub verschaffen könnten, aber das ist ja noch lange kein Grund, diesen Kram nicht zu reduzieren. Dafür muß ich auch nicht darauf warten, bis die Wissenschaft™ es bestätigt, daß die Wirkung nicht nur bei Mäusen, sondern auch bei Menschen zu erwarten ist.
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Da erwähne ich mal wieder die Abnehmspritze und habe sofort einen Nachklapp hinterherzuschieben, nämlich ein Video von Jason Fung über die Frage, warum so viele Patienten damit aufhören, Ozempic zu nehmen. Tatsächlich ist es seinen Angaben nach nämlich nur eine Minderheit, die die Einnahme länger als ein Jahr fortsetzt, nach zwei Jahren seien es nur noch 20 Prozent. Schon nach einem halben Jahr habe fast die Hälfte damit aufgehört. Daß die Ausstiegsraten in der Tat sehr hoch sind, ergibt sich mittlerweile auch aus zahlreichen Studien (Beispiel 1, Beispiel 2).
Neu war mir, daß Jason Fung selbst Patienten Ozempic verschreibt. Es wäre interessant zu wissen, warum, da er doch Intervallfasten für das Nonplusultra hält. Was genau habe ich verpaßt? War es die Nachfrage durch die Patienten? Und was ist eigentlich mit den Konkurrenzprodukten, vor allem Mounjaro?
Aber tatsächlich erinnere ich mich, daß keineswegs alle seiner Patienten bereit sind, es mit dem Fasten auch nur auszuprobieren. Als Nephrologe wird er immer noch genügend Patienten mit Nierenproblemen als Auslöser der Konsultation eines Facharztes haben, aber als Autor von "The Obesity Code", "The Diabetes Code" und "The Hunger Code" natürlich auch viele, deren Nieren (noch) in Ordnung sind, die aber unter Adipositas und/oder Diabetes leiden und darauf hoffen, bei dem Autor dieser Bücher kompetente Hilfe in diesem Bereich zu finden. Die letzteren wissen in etwa, mit welchen Vorschlägen sie rechnen sollten, und ich nehme an, sie sind damit einverstanden. Die ersteren haben damit wohl häufiger Schwierigkeiten.
Ganz sicher bin ich mir nicht, ob ich die Zahl richtig im Kopf habe, aber in irgendeinem Podcast sprach er, glaube ich, von 40 Prozent seiner Patienten (in der Zeit, bevor er durch seine Bücher bekannt wurde, also vorwiegend Patienten der ersten Kategorie behandelte), die sich rundheraus weigerten, Intervallfasten überhaupt einmal zu probieren. Für solche Patienten muß man natürlich irgendwelche Alternativen zu bieten haben. Die logische zweite Wahl für jemanden wie Dr. Fung wäre Low Carb, zumal er das schon vor dem Intervallfasten angeboten hatte. Aber wenn ein Patient weder Intervallfasten noch Low Carb machen will oder damit nicht zurechtkommt, ist die Abnehmspritze jedenfalls noch vor allen anderen Optionen die dritte Wahl, da sie ja bei allen Bedenken und Zweifeln über die langfristige Wirkung offensichtlich funktioniert. Das könnte also die Erklärung sein.
Nach Meinung von Dr. Fung funktioniert die Abnehmspritze aber doch schlechter, als man das anzunehmen gewohnt ist. Das begründet er neben seinen Erfahrungen mit seinen eigenen Patienten vor allem mit einer Studie, die mir irgendwie durch die Lappen gegangen ist, sicherlich auch deshalb, weil ich zur Zeit ihres Erscheinens gerade im Clinch mit dem Vorbesitzer unseres Hauses gewesen bin (der uns zwischenzeitlich wieder absprang) und wenig Zeit für solche Dinge erübrigen konnte. Andernfalls hätte die Studie mich bestimmt interessiert, sie ist nämlich von Kevin Hall, der immer wieder interessante Dinge herausfindet.
Die Abbildung im Screenshot aus dem Video zeigt in der linken Spalte die Entwicklung von Körpergewicht insgesamt und speziell der Fettmasse und in der rechten Spalte, wie sich die Kalorienzufuhr sowie der Kalorienverbrauch im Laufe der Zeit (hier: 24 Monate) verändert.
Es ist die rechte Spalte, mit der Dr. Fung argumentiert. In ihr kann man nachverfolgen, in welchem Zeitraum der Stoffwechsel sich an die als Wirkung von Tirzepatid (oben) und Semaglutid (unten) drastisch verringerte Kalorienmenge anpaßt, indem er seinen Verbrauch parallel dazu zurückfährt. Nach drei bis sechs Monaten ist dieser Prozeß weitgehend abgeschlossen und der Kalorienverbrauch des Körpers liegt nun ungefähr 400 Kalorien niedriger als vor Beginn des Spritzens und dies verändert sich auch bis zum Ende des Zwei-Jahres-Zeitraums nicht mehr nennenswert. Nach ca. drei Monaten steigt allerdings die Kalorienzufuhr wieder an, und ungefähr zwei Jahre nach Beginn liegt sich ungefähr wieder in dem Bereich des (um 400 Kalorien verringerten) Bedarfs.
Das Problem ist, daß diese Kurve in Wirklichkeit nicht das ist, was sie zu sein scheint. Es handelt sich bei allen vier in der Abbildung enthaltenen Kurven nämlich um die Wiedergabe einer Simulation auf Basis eines mathematischen Modells. Mit anderen Worten, Kevin Hall orientierte sich bei dieser Simulation an vorgegebenen Annahmen, welche Abnahmewirkung bestimmte Kalorienreduktionen haben, wie sie für Tirzepatid (Mounjaro) und Semaglutid (Ozempic) realistischerweise angenommen werden können. Aus diesen Annahmen leitet er - auf Basis ebenfalls vorgegebener Modelle, von denen er glaubt, sie seien richtig - erstens das Ausmaß des Rückgangs der Fettmasse, zweitens den Rückgang des Energieverbrauchs und drittens eine langsame Steigerung der Kalorienaufnahme durch die Nutzer der Abnehmspritze ab. Dabei legt er selbstredend die Wirkungsweisen der Kalorienlogik zugrunde. Kein Wunder also, daß mir an diesen Kurven sofort das eine oder andere auffiel, das im Widerspruch zu anderen Studien steht, in denen die realen Daten realer Patienten wiedergegeben waren.
Ganz ehrlich: Das hätte ich Kevin Hall nicht zugetraut, etwas zu publizieren, von dem er eigentlich wissen müßte, daß es nicht mit Real-World-Daten übereinstimmt, ohne wenigstens ausführlich zu begründen, warum diese Abweichungen die Realität dennoch besser abbilden (vermutlich, weil sie das nun einmal nicht tun). Aber noch übler finde ich es, daß Dr. Fung, der es ebenso wissen müßte und eine Art Popstar des Intervallfastens ist, dies seinen Followern als angebliche wissenschaftliche Tatsache präsentiert.
Zum Glück habe ich die Studie recherchiert, denn anfangs habe ich natürlich geglaubt, es handle sich um die Wiedergabe einer Studie, die auf realen Patientendaten basiert. Deshalb fiel mir auch sofort auf, daß in Jahr 2 nicht nur ein leichter Rückgang des Körpergewichts verzeichnet war, sondern auch ein etwas stärkerer Rückgang der Fettmasse in Relation zur gesamten Abnahme. Das aber steht in krassem Widerspruch zu dem, was über die Körperzusammensetzung nach einer Abnahme mit Abnehmspritzen aus anderen Studien bekannt ist. Wäre das wahr gewesen, dann hätte ich das schon sensationell gefunden, und nur deshalb habe ich Kevin Halls Studie jetzt noch näher betrachtet und stellte fest, daß ich die Hälfte des Blogartikels wieder löschen mußte, weil meine darin enthaltene Kritik an Dr. Fung eine andere war - er ging nämlich nicht darauf ein, daß Halls Ergebnisse denen anderer Studien widersprechen -, was aber nicht bedeutet, daß ich nunmehr weniger zu kritisieren habe. Im Grunde fast schon im Gegenteil.
Da es sich bei den Ergebnissen von Kevin Halls Studie nur um eine Reißbrettkonstruktion handelt, ist klar, daß diese Konstruktion die Realität nicht gut genug abbildet. Damit würde ich an Dr. Fungs Stelle unter gar keinen Umständen mit einer Grafik aus dieser Studie irgendetwas zu beweisen versuchen. Denn ich weiß, daß Dr. Fung weiß, daß andere Studien nicht zu dem Ergebnis kamen, daß der Gewichtsverlust von Abnehmspritzen-Patienten mehr Fettmasse beseitigt als andere Abnehmmethoden. Die Low-Carb-Bubble auf Twitter hat dieses Thema mehr als einmal aufgegriffen und durchgekaut, wenn mal wieder eine Studie mit diesem Ergebnis durch die Medien ging. Unmöglich, daß er davon nichts mitbekommen hat.
Tatsächlich war ich zunächst vor allem irritiert darüber, daß er über den hier wiedergegebenen Abnahme- und Fettverlust-Verlauf kein weiteres Wort verlor, also dies nicht nur für wahr zu halten schien, sondern auch für einen Mißerfolg der Abnehmspritzen, daß man mit ihnen durchschnittlich nicht dauerhaft Gewicht verliert. Tatsächlich ist das aber nicht so. Low Carb hat in Jahr 2 im Durchschnitt nämlich nicht nur gar keine Abnahmewirkung mehr, sondern im Gegenteil eine Wiederzunahme zu verzeichnen. Für Intervallfasten kenne ich keine entsprechenden Studien, nehme aber an, daß es ähnlich aussieht wie in der folgenden Grafik zu Low Carb, weil beides ja insulinbasierte Methoden sind.
Daß die Abnehmspritze Ozempic zwar bis zum Ende des ersten Jahres in ihrer Abnahmewirkung gegen Low Carb abstinkt, aber im Langzeitvergleich bei der Abnahmewirkung in Wirklichkeit einen Vorteil in der Abnehmwirkung bietet, erwähnt Dr. Fung nicht. Die Grafik einer Studie über einen Zeitraum von vier Jahren (diesmal keine Simulation, sondern auf realen Patientendaten basierend) belegt aber beides eindeutig. Die Abnahme im ersten Jahr ist durchschnittlich erheblich geringer als bei Low Carb, kann aber im Gegensatz zu ihr gehalten werden. Nach vier Jahren sind die Patienten im Durchschnitt abnahmemäßig auf Augenhöhe, danach sind die Ozempic-Anwender im Vorteil.
Die Abnahmewirkung von Mounjaro liegt nochmal ein gutes Stück höher als die von Ozempic, hängt also Low Carb noch schneller ab, was die Wirkung betrifft.
Diese Kurven in der unteren Abbildung beziehen sich allerdings nur auf Patienten, die tatsächlich vier Jahre lang Semaglutid/Ozempic genommen haben, und worum es in dem Video eigentlich geht, ist, daß nur ein Bruchteil der Patienten, die mit ihr begonnen haben, sie über einen so langen Zeitraum anwenden. Schon nach zwei Jahren haben 60 bis 80 Prozent der Anwender es wieder aufgegeben, und in diesem Fall ist fast immer mit einer rasanten Wiederzunahme zu rechnen. Ein Jahr nach dem Ende des Spritzens haben die Patienten eine Gewichtszunahme in einer Höhe zu verzeichnen, die höher liegt als bei Low Carb zum Ende des fünften Jahres.
Nicht abzustreiten ist aber, daß die Patienten, die beim Spritzen bleiben, im Vergleich zu den Abnahmeerfolgen mit allen anderen Methoden einschließlich der insulinabsierten statistisch ziemlich gut dastehen. Wer das nicht tun will oder nicht tun kann, der steht erheblich schlechter da.
Die Wirkung kann aber auch bei den dem Augenschein nach Erfolgreichen unter den Abnehmspritzen-Anwendern sehr unbefriedigend sein, vor allem dann, wenn man mit einem BMI über 40 angefangen hat. In meinem Fall hätten die zehn Prozent Gewichtsabnahme, die der Durchschnittspatient in der Grafik der Studie bei Ozempic mit realen Patienten erwarten konnte, eine Gewichtsabnahme von ungefähr 15 Kilogramm bedeutet und das Dauerplateau hätte bereits bei einem Körpergewicht von 132 Kilogramm eingesetzt, falls ich dem Durchschnitts-Abnehmspritzennutzer entsprochen hätte. Fürs Protokoll: Mit Intervallfasten hatte ich eine Abnahme von 15 Kilogramm nicht erst nach einem Jahr, sondern nach 116 Tagen erreicht, also weniger als vier Monaten. Aber auch wenn Mounjaro bei mir eine Abnahme von 25 % meines Körpergewichts bewirkt hätte, wäre ich mit meinen realen Abnahmedaten nach 24 Monaten fast exakt auf Augenhöhe gewesen.
Nur, bei mir kam es anschließend im Gegensatz zu Mounjaro nicht zu einem Plateau, sondern ich nahm auch in Jahr 3 weiter ab, und zwar weitere zehn Kilogramm. Erst danach verlangsamte sich die Sache und fing an zäher zu werden, und erst daraus habe ich gelernt, daß meine ursprüngliche Annahme, DIE Methode gefunden zu haben, die mich zuverlässig zu jedem beliebigen Wunschgewicht führen würde, falsch gewesen ist. Heute bin ich der Meinung, sie bietet den perfekten Einstieg vor allem bei besonders hohem Übergewicht, und, besonders wichtig, sie sollte nicht nach dem Prinzip "Viel hilft viel" so radikal wie möglich gestaltet werden, sondern in der Intensität noch viel Luft nach oben haben. Denn es ist viel einfacher, nach einem halben Jahr von 18:6 oder OMAD auf 36stündige Fastenintervalle zu switchen, als von vornherein mit ganzen Fastentagen zu starten. Wichtig zu wissen finde ich, daß klar sein sollte, daß nichts, was man anfängt, dauerhaft weiter funktionieren wird, sofern man nicht bei Nachlassen der Wirkung - die Waage wird einem signalisieren, wann es soweit ist - etwas daran verändert.
Ich hatte mit meiner Herangehensweise überhaupt mehr Glück als Verstand. Oder vielleicht ja eher umgekehrt: Ich hatte mehr Glück, weil ich meinen eigenen Verstand zum Einsatz gebracht habe, anstatt mich auf irgendwelche theoretischen Annahmen zu verlassen. Denn daß man eine stagnierende Abnahme wieder auf Trab bringen kann, indem man an seiner Herangehensweise etwas verändert, weil der Stoffwechsel sich ständig an alles anpaßt, was man in seinem Ernährungs/Bewegungs-Verhalten verändert (und zwar in jeweils beide Richtungen), erfährt man nirgends und niemand empfiehlt einem, so vorzugehen, auch die Gurus der Fasten- und Low-Carb-Szene nicht. Das ist meiner Meinung nach auch der Grund dafür, daß auch so viele Virta-Patienten ab Jahr 2 wieder zunehmen. Das ist außerdem der Grund, warum ich sämtliche anderen ärztlichen Anbieter von Low Carb und Intervallfasten unter den Generalverdacht gestellt habe, daß dasselbe bei ihren Patienten ebenfalls passiert und sie dies lediglich verschweigen. Ich bin außerdem der Meinung, dies ließe sich verhindern, indem man Veränderungen nach einer gewissen Zeit oder zum Zeitpunkt einer deutlichen Verlangsamung der Abnahme von vornherein mit einplanen würde.
Ich bin nun echt kein Genie oder so, sondern bemühe mich nur darum, zu beobachten, was in Wirklichkeit passiert, wenn ich dies oder jenes tue oder unterlasse, um daraus mögliche Problemlösungen zu entwickeln, wenn die Sache nicht mehr so läuft, wie sie eigentlich laufen sollte. Daß ich kein Genie bin, ist leicht daran zu erkennen, daß ich die aktuelle Rätselaufgabe in meinem eigenen Fall bislang nicht lösen konnte. Deshalb verstört es mich aber so sehr, daß weder Dr. Fung noch Dr. Tro und genausowenig Dr. Unwin es zugeben, daß bei ihren Patienten genau dasselbe zu beobachten ist wie bei Virtra, nämlich daß sie ein genauso kurzes Zeitfenster für ihre Abnehmerfolge haben wie mit anderen Methoden (allerdings in diesem Zeitfenster leichter und erheblich mehr abnehmen) und daß mit ihren Methoden danach bei der deutlichen Mehrheit ihrer Patienten erstens nicht weiter abgenommen wird und zweitens bei einem großen Teil von ihnen Wiederzunahmen zu befürchten sind.
Ich bin mir so sicher, daß ich damit das, was sich hinter den Kulissen der Low-Carb- und Intermittent-Fasting-Arztpraxen verbirgt, präzise beschrieben habe, daß ich Haus und Hof darauf verwetten würde.
Es ist aber unredlich, die längerfristigen Erfolge, die sie natürlich alle auch unter ihren Patienten in einem Teil der Fälle haben, als angeblich typische Beispiele darzustellen. Aber es ist außerdem auch wissenschaftliche Selbstsabotage, wenn sie dies nicht nur als PR machen, um die Fassade zu schönen (was ich schon falsch genug fände), während insgeheim mit Nachdruck nach einer Lösung gesucht wird. Und ich glaube bis zum Beweis des Gegenteils, daß dies nicht passiert, sondern daß man sich auf die gute alte Methode des Victim Blaming beschränkt, also annimmt, schuld an den Wiederzunahmen sei lediglich der Rückfall der Patienten in die berüchtigten "alten Verhaltensmuster". Das allein hindert aber schon daran, herausfinden zu wollen, was genau bei den erfolgreichen Patienten anders sein könnte als bei den nicht erfolgreichen. Bestimmt gibt es eine Menge Patienten, die irgendwann einfach mit Fasten bzw. Low Carb aufhören, genauso wie auch bei der Abnehmspritze. Aber es gibt auch diejenigen, die diszipliniert dranbleiben und dennoch eine Wiederzunahme erleben, und denen wird ein persönliches Versagen zu Unrecht in die Schuhe geschoben.
Und daneben spielt es bestimmt bei denen, die vom Wagen gefallen sind, eine wichtige Rolle, daß sie sich für das, was sie tun, zu sehr disziplinieren müssen, als daß man ernsthaft damit rechnen dürfte, daß sie dauerhaft dieses Ausmaß an Disziplin aufbringen können. Bildet sich irgendwer im Ernst ein, ich wäre nur deshalb so lange nicht von Wiederzunahmen betroffen gewesen, weil ich so diszipliniert gewesen sei? Oder daß ich jetzt wieder zunehme, weil ich undisziplinierter geworden bin? Mein Erfolgsrezept bestand von Anfang an darin, daß ich nie etwas angefangen habe, von dem ich mir nicht sicher gewesen wäre, daß ich damit weitermachen können würde, bis ich achtzig Jahre alt bin. Ich habe es immer abgelehnt, mein Leben bestmöglich an die Abnehmroutine anzupassen, sondern es genau umgekehrt gemacht, also das, was ich tat, bestmöglich an meine Lebensgewohnheiten angepaßt.
Für beide Ursachen von Mißerfolg wäre es also eigentlich möglich, Lösungen zu finden, wenn man sie nur suchen würde. Nur, sie scheinen nicht danach zu suchen, weder Dr. Fung noch die beiden anderen, genausowenig Virta. Der einzige, der suchte, war Dr. Eenfeldt mit seinem Satiety-per-Calorie-Ansatz, und der suchte dummerweise in der falschen Richtung und ist mittlerweile pleite gegangen.
Zurück zur Abnehmspritze. Übrigens weiß ich vom Abnehm-Forum, daß auch dabei manchmal ein Wechsel des Wirkstoffs die Abnahmewirkung wiederherstellen kann, und ich frage mich, warum Dr. Fung das seinen Patienten nicht empfiehlt, wenn sie vor allem das Gefühl der Erfolglosigkeit entmutigt, nicht etwa als belastend empfundene Nebenwirkungen. Oder die Sache, wenn das Plateau erreicht ist, nachträglich noch mit Intervallfasten oder Low Carb zu kombinieren. Vermutlich würde dies einen großen Teil der entmutigten Patienten wieder neue Erfolge erleben lassen. Jedenfalls wieder für einen mehrmonatigen Zeitraum.
Dr. Fung nennt drei Hauptgründe, warum die meisten seiner Patienten damit aufhören, die Abnehmspritze zu nehmen. Erstens, man verliert zu viel Lebensfreude nicht nur dann, wenn man von schwerwiegenderen Nebenwirkungen belastet wird, sondern auch, weil viele schöne Moment im Leben mit gutem Essen verbunden sind, etwa Geburts- und Feiertage, und dann vor allem der Genuß der anderen, mit denen man am Tisch sitzt, einen selbstmitleidig werden lassen kann. Zweitens kommt der Moment, in dem man keinerlei Verbesserungen der Lebensqualität mehr wahrnehmen kann, die man diesen Minuspunkten bei der Lebensqualität gegenrechnen kann. Vor allem dann, wenn es drittens aufhört zu wirken, also man nicht weiter abnimmt, obwohl man eigentlich von seinem Ziel immer noch mehr oder weniger weit entfernt ist. Was Dr Fung irritierenderweise aber gar nicht erwähnt, sind die Kosten der Abnehmspritze. Die spielen nicht nur deshalb eine Rolle, weil nicht jeder sich die 5000 Euro pro Jahr, die zum Beispiel Dagmar Stöckle vom SWR dafür bezahlt hat, leisten kann, sondern weil diese Kosten auch dann, wenn man sie bezahlen könnte, umso schwerer (vor sich selbst und vor Angehörigen) zu rechtfertigen sind, je weniger abgenommene Kilos damit finanziert werden. Da es schon im zweiten Jahr nahe null Kilos minus geht und das im Lauf der nächsten Jahre auch nicht besser wird, wird auch der Druck, sich diese Ausgabe zu sparen, immer höher.
Was Fung auch nicht erwähnt, ist, daß viele - vermutlich fast alle -, insgeheim hoffen, wenn sie mit der Abnehmspritze aufhören, eine Ausnahme zu sein, also doch nicht wieder zuzunehmen. Im Abnehmforum ist das ein Riesenthema, in das ich jetzt mal reingelesen habe. Allzu viele scheinen es aber auch dort, wo der Optimismus und die Euphorie bei vielenso besonders groß sind, nicht zu sein, die imstande sind, ganz auf eine reduzierte "Erhaltungsdosis" der Spritze zu verzichten, ohne zuzunehmen. Ich habe das Thema nicht vollständig durchgeackert, aber ich fand nur eine Person, bei der das Absetzen der Spritze nach eigenen Angaben länger als ein Jahr nicht zu einer Gewichtszunahme oder erheblichen Problemen mit Hungerattacken geführt hat, gegen die nun - mit oder ohne Erfolg - verzweifelt angekämpft wird.
Wie viele Anwender von Low Carb oder Intervallfasten nach einiger Zeit wieder abspringen, ist unklar, aber im Gegensatz zur Abnehmspritze bekommen diejenigen, die nicht abspringen, in den Augen ihrer behandelnden Ärzte ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn ihre Abnahme sich nicht weiter fortsetzt. Es würde mich deshalb nicht überraschen, wenn sich auch bei Intervallfasten und Low Carb wie bei der Abnehmspritze herausstellen würde, daß nach zwei Jahren nur noch ungefähr ein Fünftel bei der Stange geblieben ist. Nicht nur, weil das Mißerfolgserlebnis in Jahr 2 wegen der Gewichtszunahmen unangenehmer ist als bei der Abnehmspritze, sondern auch, weil man in diesen üblichen Teufelskreis aus offenen oder versteckten Vorwürfen, etwas falsch zu machen, hineingerät, in dem man häufig mit sich selbst gnadenloser als jeder Außenstehende ins Gericht geht, weil man ja selbst keine andere Erklärung für den Mißerfolg hat, als irgendein eigenes Versagen. Wenn einen der Erfolg nicht mehr tragen kann, weil es keinen mehr gibt, dann hängt aber alles davon ab, ob einem leicht fällt, was man tut, oder ob man ständig Versuchungen niederkämpfen muß. Verzichtleistungen, denen ein Erfolg gegenübsteht, fallen viel leichter als solche, für die man im Gegenzug keine Belohnung mehr zu erwarten hat. Eine Zeitlang halten die Disziplinierteren das vielleicht durch, aber nicht dauerhaft. Was mich vor so etwas schützt, ist, daß mir leicht fällt, was ich tue, weil ich von Anfang an nur Dinge tat, die mir leichtfielen. Ich mache das Intervallfasten jetzt seit über neun Jahren, aber ich habe in dieser ganzen Zeit noch nie (!) ein Fastenintervall vorzeitig abgebrochen, und die Situationen, in denen ich eine entsprechende Versuchung niederringen mußte, kann an den Fingern einer Hand abzählen. Am deutlichsten im Gedächtnis geblieben ist mir dabei mein Wohnungsverkauf im Herbst 2019. Als ich da die Zusage des Käufers hatte, hätte ich gerne noch am selben Tag ein bißchen gefeiert, aber dann habe ich es halt doch auf dem nächsten Tag verschoben.
Vor Selbstvorwürfen und Vorwürfen von außen ist man mit der Abnehmspritze um einiges sicherer, weil man voraussichtlich nicht wieder zunimmt, wenn man sie weiter verwendet Interessant fände ich es aber, zu wissen, wie hoch der Anteil bei diesem Teil der Nutzer ist, also den zwanzig Prozent, die nach zwei Jahren immer noch spritzen und von denen sicherlich die meisten dauerhaft dabeibleiben wollen, bei denen das Plateau irgendwann doch wieder in eine Wiederzunahme übergeht.
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Ein kleiner Nachklapp auch zur sogenannten "Rente mit 63", die jemand, der sie heute beantragen wollte, aber keineswegs mit 63 bekommen würde. Mich hat das nämlich etwas erstaunt, daß das im Osten der Republik ein solches Thema sein soll, daß dortige CDU-Ministerpräsidenten ihre Abschaffung gerne verhindern möchten. Tatsächlich hat der Osten nämlich ein komplett anderes Rentenproblem, und das gilt umso mehr, je mehr Jahre im erwerbsfähigen Alter ein Rentner in der Phase zwischen Mauerfall und Einführung des Mindestlohns verbracht hat.
Vermutlich traf es diejenigen am härtesten, die zur Zeit der Maueröffnung männlich und um die 30 waren und sich nicht dazu entschließen konnten, den Osten zu verlassen. Die rutschen momentan nach und nach in die Rente. Beispiel: Wer 1958 geboren ist, der erlebte die Wiedervereinigung mit 31 Jahren, war 2024 66 Jahre alt und konnte Rente beantragen. Ausweislich der verlinkten Quelle hat so jemand im Durchschnitt einen Rentenanspruch von sage und schreibe 1271 Euro erworben. Das sind fast 200 Euro weniger, als der durchschnittliche Rentner im Osten (also der Durchschnitt aus allen Rentnern, die vor und während 2024 in Rente gegangen sind) bezieht. Eine Rente in dieser Höhe ist aber auch im Osten für eine Einzelperson in Miete nicht existenzsichernd, deshalb werden auch Rentner, die eine Rente in dieser Höhe zu erwarten haben, im Zweifelsfall wohl lieber bis zum regulären Renteneintrittsalter weiterarbeiten (sofern sie es noch können) und bis dahin noch genügend Geld verdienen.
Dies ist die Folge von Arbeitslosigkeit im Wechsel mit Niedriglohnjobs, und letztere waren bis zur Einführung des Mindestlohns im Osten üblich. Wir reden hier von Stundenlöhnen von 5 oder 6 Euro ab der Zeit, als die Agenda 2010 beschlossen wird, und das teilweise, bis 2015 der Mindestlohn eingeführt wurde. Welche Geburtsjahrgänge die volle Breitseite von 25 Jahren Niedriglohn im Wechsel mit Arbeitslosigkeit zwischen 1990 und 2015 abbekommen haben, läßt sich ungefähr überschlagen: Die zwischen 1950 und 1970 Geborenen haben, sofern sie den Osten nicht verlassen haben, zum großen Teil ein Vierteljahrhundert lang häufig eine löchrige Erwerbsbiographie und in diesem Fall meistens nur mickrige Rentenansprüche erwerben können. Das hat die Konsequenz, daß das Problem frühestens nach 2037 nachlassen kann, und auch das nur ganz langsam. Ich sehe das an den Rentenberechnungen meines Mannes, der immerhin seit Ende 2005 im Westen erwerbstätig war, aber davor 15 Jahre lang das ganze Theater auch mitmachen mußte. Er hat, Stand dieses Jahr, noch elf Berufsjahre vor sich und laut der letzten Renteninfo eine Altersrente von knapp 1600 Euro zu erwarten. Vor zwanzig Jahren, als er noch weniger als ein Jahr hier beschäftigt war, lag die Vorausberechnung noch bei 695 Euro monatlich. Wäre er im Osten geblieben, hätte sich das bis zur Einführung des Mindestlohns nur geringfügig erhöht und wäre erst danach halbwegs vernünftig gestiegen. Vermutlich läge er dann bei der Vorausberechnung auch bei der heutigen ostdeutschen Durchschnittsrente.
Unter den Bestandsrentnern mit den Geburtsjahrgängen zwischen 1950 und 1957 waren aber absehbar so viele zu finden, deren Rente von der Nachwendezeit erheblich negativ beeinflußt wurde, und in nachlassendem Maße im Prinzip sogar alle Jahrgänge vor 1950, die ab der Jahrtausendwende in Rente gegangen sind. Und das wiederum bedeutet, daß dies auch die Durchschnitts-Bestandsrente - im Vergleich zum Westen - negativ beeinflußt hat. Das heißt, schon der Vergleichswert, gegen den die Rentenhöhen der aktuell in Rente Gehenden so abstinken, ist zum Teil auf das Vierteljahrhundert Hungerlöhne und Arbeitsosigkeit im Osten zurückzuführen, über das merkwürdig wenig gesprochen wird, nicht einmal von der AfD.
So weit, so unschön. Wieso aber machen die CDU-Ministerpräsidenten im Osten dann ausgerechnet dieses Faß mit der "Rente ab 63" auf? Ehrlich gesagt, ich verstehe es nicht. Die Rente mit 65 (in meinem Fall, da 1965 geboren) ist nur für diejenigen attraktiv, deren Rentenansprüche hoch genug sind, um zu wissen, man wird von den Rentenzahlungen halbwegs auskömmlich leben können. Von denen gibt es im Osten aber wahrscheinlich sehr viel weniger als im Westen, auch weil dort im Durchschnitt viel weniger Vermögen besteht, auf das man zusätzlich zur Altersrente zurückgreifen könnte. Um mit Rentenzahlungen im Osten halbwegs auskömmlich leben zu können, muß sie schon deutlich über dem Durchschnitt der aktuellen Einstiegsrenten liegen, oder man muß einen Ehepartner haben, der Einkommen oder Rente in ungefähr gleicher Höhe bezieht.
Da liegt es doch viel näher, zu vermuten, daß im Osten viele es von vornherein vorziehen, lieber noch die zwei Jahre weiterzuarbeiten (sofern nicht gesundheitliche Probleme sie daran hindern) und in dieser Zeit erstens ein Einkommen mindestens zum heutigen Mindestlohn zu haben und zweitens diese zwei Jahre lang auch noch Rentenansprüche aus diesem Einkommen zusätzlich zu erwerben. Jemand, der von, nur zum Beispiel, 45 Berufsjahren 25 Niedriglohnjahre und 20 mit Mindestlohneinkommen hat, für den macht es bei der Rente selbstverständlich einen finanziellen Unterschied, wenn er zusätzlich noch zwei normal bezahlte Arbeitsjahre mit entsprechenden Rentenansprüchen anhängen kann, bevor er dann seinen wohlverdienten Ruhestand antritt.
Die Frage, die ich mir stelle: Wissen das die Ost-Ministerpräsidenten ganz einfach nicht? Oder ist es ihnen bekannt und sie verfolgen mit ihrem eigenartigen Vorstoß irgendwelche anderen Ziele? Ist das vielleicht ein machtpolitischer Sabotageversuch innerhalb der Union mit dem Ziel, den Bundeskanzler zu beschädigen? In letzter Zeit war ja erstaunlich viel davon die Rede, daß Merz' Machtbasis in seiner Partei bröckelt und immer mehr in der CDU ihn gerne loswerden würden.
Nicht, daß ich nicht selbst gut und gerne auf Friedrich Merz als Bundeskanzler verzichten könnte, dieser Mensch ist für sein Amt kommunikationsmäßig einfach nicht qualifiziert und eine Lernkurve ist bei ihm in diesem Bereich auch nicht wahrzunehmen. Aber die jetzige Bundesregierung ist möglicherweise die letzte, bevor eine AfD-Beteiligung unausweichlich wird, und man muß schon Lack gesoffen haben, um sich ihr vorzeitiges Ende zu wünschen, geschweige denn, es sehenden Auges wahrscheinlicher zu machen. Das gilt aber noch viel mehr, wenn ein Sachgrund für das Manöver sowieso nicht besteht.
Einer von denen, die anscheinend Lack gesoffen haben, ist in Sachsen-Anhalt der CDU-Gegenkandidat der AfD. Die Leute dort sind um ihre Auswahl bei der Wahlentscheidung wirklich nicht zu beneiden.

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