Mittwoch, 10. Juni 2026

Tönendes Erz, klingende Schellen und Prokrustesbetten in der Medizin

Mein Gewicht heute früh nach dem ersten Fastentag von zwei nicht zusammenhängenden diese Woche: 76,4 Kilogramm.

Die Sache mit den Flohsamenschalen habe ich unterbrochen, weil ich einen Verstopfungsrückfall hatte, allerdings einen so seltsamen und unangenehmen, daß ich mir nicht sicher war, ob ich mit den Flohsamenschalen vielleicht alles nur noch schlimmer gemacht hätte, also hörte ich einstweilen damit auf. Ärgerlich, denn bis dahin ließ sich die Sache ja super an.. Ich vermute, ich hatte was Falsches gegessen, jedenfalls war es nicht nur das übliche Blockadegefühl einer Verstopfung, sondern wirklich schmerzhaft, erst einen Tag lang so fies, daß ich an diesem Tag mehr oder weniger ein Totalausfall war, dann erheblich weniger fies, aber doch tagelang gleichbleibend unangenehm, anstatt allmählich wieder besser zu werden. Erst habe ich, wie meistens, versucht, die Sache auszusitzen, vorgestern wurde es mir dann aber zu blöd und ich habe zur Gewaltmaßnahme eines Dulcolax-Zäpfchens gegriffen. Das hat gewirkt, aber wirklich in Ordnung kommt mir die Sache noch nicht vor. Ich schau mir das noch ein paar Tage an, und wenn sich das nicht weiter normalisiert, dann werde ich meine neue Hausärztin zum ersten Mal aufsuchen müssen. Nun ja, einmal ist immer das erste Mal. Ich hätte mir nur gewünscht, daß ich vor diesem ersten Mal die Unterlagen von meinem bisherigen Hausarzt bereits vorliegen hätte, und die fehlen dummerweise immer noch. 

Eigentlich hätte ich sie schon vor Wochen anfordern sollen, aber die Praxis erreicht man ja nicht telefonisch, und so kam ich auf die glorreiche Idee, lieber bei meiner Krankenkasse die EPA-Anmeldung durchzuführen, wofür ich mehrere Anläufe und entsprechend mehrere Wochen benötigte. Ich dachte, in der Elektronischen Patientenakte hätte ich dann sowieso alles, was meine neue Hausärztin braucht. Aber Pustekuchen! Da ist alles mögliche drauf, aber überhaupt nichts von meinem gewesenen Hausarzt. Wofür ist der Kram mit dieser Akte dann aber überhaupt gut? Wie auch immer, vor einer Woche habe ich meinen Hausarzt angemailt mit der Bitte, mir meine Akte zukommen zu lassen. Eine Antwort bekam ich bislang noch nicht, wie ich auch befürchtet hatte. Ich sehe es kommen, ich werde dort doch noch persönlich vorsprechen müssen. 

Zur Zeit ist das generell mal wieder ganz schrecklich. Gar niemand scheint mehr auf E-Mails zu reagieren, da habe ich inzwischen mehrere offene Baustellen, um die ich mich jetzt langsam mal auf andere Weise kümmern muß. Auch dieser Klimafritze hat sich nicht bei mir gemeldet, und langsam macht mich das ein bißchen sauer. Was ist das eigentlich für ein Umgang mit Kunden, einfach nicht auf Anfragen zu reagieren? Sogar wenn man in Aufträgen erstickt, bricht man sich jedenfalls nicht die Finger, wenn man kurz mailt, daß man so ausgelastet ist, daß man gerade keine weiteren Projekte annehmen kann. So was könnte man ja verstehen. Morgen versuche ich ihn ein weiteres Mal telefonisch zu erreichen, und falls das - wie im ersten telefonischen Versuch - wieder nicht klappt, probiere ich es vielleicht doch lieber woanders mit unserer Split-Klimaanlage. 

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Ich gebe es zu, ich habe wirklich gedacht, die sonderbare Art, Nebenwirkungen von Krebsbehandlungen einzuschätzen, die mir in den Stellungnahmen zu Fasten und Keto wie auch in den neuen Leitlinien zur Ernährung bei Krebs so unangenehm auffielen, sei speziell dem offensichtlichen Herzensanliegen der Frau Professorin Jutta Hübner zuzuschreiben: nämlich dafür zu sorgen, daß keinesfalls irgendein Patient es zu riskieren wagt, eines von beidem begleitend zu einer Chemotherapie auszuprobieren. Zu meiner Verteidigung kann ich nur vorbringen, daß dies wirklich gut in das Bild gepaßt hätte, das ich von ihr gewonnen habe. Aber im Gegensatz zu ihr bin ich bereit, Irrtümer einzugestehen. Denn es war wohl ein Irrtum. Die Frau Professorin tat in speziell diesem Punkt lediglich das, was die Fachleute alle tun. Damit hatte ich zugegebenermaßen nicht gerechnet, weil es überhaupt keinen Sinn ergibt, Nebenwirkungen nach einer so realitätsfernen Methode einzuschätzen. 

Auf dem Fachkongress ASCO26 wurde nun nämlich eine Debatte zu dieser Frage losgetreten oder jedenfalls der Versuch dazu gemacht, denn ich weiß nicht, ob außer mir hier im Blog wirklich irgendwer in der Fachwelt darauf reagiert hat - außer natürlich denen, die von vornherein schon kritisch eingestellt waren, aber wenig Zugang zu den "inner circles" der Branche haben. Tatsächlich scheint es in einschlägigen Studien absolut üblich zu sein, die Dauer von Nebenwirkungen in die Beurteilung ihrer Erträglichkeit von vornherein nicht mit einzubeziehen. Auch die subjektive Einschätzung der Patienten spielt bei der Einordnung in die Schweregrade dieser Nebenwirkungen nur eine Nebenrolle, da sie zwar die Daten dazu liefern, aber die Interpretation unabhängig von ihrem subjektiven und objektiven Befinden stattfindet. 

Schweregrade von Nebenwirkungen gibt es vier, davon ist Grad 1 am harmlosesten und Grad 4 der schwerwiegendste mit Ausnahme des Tods des Patienten, der als Grad 5 bezeichnet wird. Und ja, Grad 5 passiert leider auch zuweilen. Die Art der Bewertung der Nebenwirkungen nach diesem Grad-System jedenfalls führt manchmal zu merkwürdigen Ergebnissen: Während einer Chemotherapie zusätzlich noch einen Schlaganfall mit schweren neurologischen Folgen zu erleiden, soll nur Grad 3 sein? Das sollte man den Patienten dann aber bitte vor Beginn der Chemotherapie sagen müssen. Ich riskiere die Behauptung, daß ein erhöhtes Risiko dieser speziellen Nebenwirkung dritten Grades zusätzlich zum Krebs die Bereitschaft, sich behandeln zu lassen, dramatisch verringern würde. 

Der Autor der Kritik an der Bestimmung des Schweregrads von Chemo-Nebenwirkungen weist zu Recht darauf hin, daß aber auch der Faktor Dauer der jeweiligen Nebenwirkung eine so große Rolle dabei spielen kann, daß es grob verfälschend ist, ihn nicht zu berücksichtigen. Zwei bis drei Tage Durchfall, der danach vorbei ist, damit beispielsweise kann man sich ja noch arrangieren, auch wenn er so heftig ausfällt, wie ich das bei Pertuzumab erlebt habe. Geht es um zwei bis drei Wochen oder sogar um zwei bis drei Monate oder womöglich die gesamte Behandlungsdauer, sieht die Sache schon anders aus. 

Wir Patienten bräuchten dringend mehr solche Onkologen wie Bishal Gyawali, die uns vor Schaden durch  Maßstäbe bewahren wollen, die offensichtlich nicht zum Ziel passen, uns nicht durch die Behandlung schlimmeren Schaden anzutun, als wir durch die Krankheit selbst erleiden, und weniger Jutta Hübners, die uns umgekehrt an dieses Prokrustesbett solcher vorgegebenen Maßstäbe anzupassen versuchen, egal, was das für uns bedeutet. Eigentlich unglaublich, daß auch im Jahre 2026 anscheinend niemand es für nötig hält, Patienten die Fragen zu stellen, die für sie ja eindeutig relevant wären. Aber da das bei Krebs absolut üblich zu sein scheint, wundere ich mich jetzt ein bißchen weniger über die Frau Professorin als zuvor. Sie ist Teil eines Systems, das zwar eigentlich nicht böse sein will, sich aber strukturell nicht für den einzelnen Patienten interessiert, was es in Betrachtung der Ergebnisse für den einzelnen Patienten, falls er deshalb tatsächlich einen Schaden erleidet, de facto böse macht. 

Es gereicht Jutta Hübner nicht zur Ehre, daß sie dies nicht hinterfragt. Aber das tun offenbar die allerwenigsten, also ist sie damit andererseits auch nichts Besonderes. Das Besondere sind vielmehr Ärzte wie Bishal Gyawali. Jutta Hübner repräsentiert etwas anderes. Ich bin ja nicht religiös (genaugenommen bin ich sogar ein ziemlich verstockter Heide), aber weil ich dennoch meine Bibel gelesen habe, kam mir Luthers wunderbare Übersetzung von 1 Korinther 13,1 in den Sinn: "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle." Das trifft die Sache genauso auf den Punkt wie Terry Pratchetts Feststellung, die einzige Sünde bestehe darin, Menschen wie Dinge zu behandeln, was mehr oder weniger dasselbe ausdrückt. 

Ein lesenswerter Blogbeitrag, über den ich auf Bluesky stolperte, brachte auf den Punkt, was am System nicht stimmt, zu dem die Frau Prof. Hübner so ausgezeichnet paßt, daß sie in der Position landete, in der sich sich gerade befindet. An sich war mir das alles sogar längst klar gewesen, aber nicht in dieser analytischen Schärfe: Unser Gesundheitssystem funktioniert offenbar generell bemerkenswert schlecht, wenn es um Leiden geht, deren Ursachen nach aktuellem Wissensstand schwierig zu diagnostizieren und/oder die kaum erfolgreich zu therapieren sind. Das, so die Autorin, ergibt sich aus dem Umgang mit Long Covid. Das Gesundheitssystem, schlußfolgert sie, ist optimiert für Patienten mit Krankheiten, die eine eindeutige und durch Tests überprüfbare Ursache haben, deren Behandlung einen voraussehbaren Verlauf nimmt - und: bei denen eine Heilung erwartet werden kann. 

Da ist in der Tat etwas dran - jeder kennt ja diese Krankheitsgeschichten, die damit beginnen, daß ein Patient eine monate- oder sogar jahrelange Odyssee hinter sich bringen muß, bis die Ursache seines Problems richtig erkannt und daraufhin auch die richtige Therapie verordnet wurde. Mich irritiert an solchen Beschreibungen immer, für wie normal das gehalten wird. Denn falls dies normal sein sollte, müßte das bedeuten, daß der weitaus häufigere Fall ist, daß Patienten, die ein solches Stehvermögen nicht aufbringen und deshalb falsch behandelt werden. Immerhin, wer krank zum Arzt geht, läuft ja sowieso schon auf halber Kraft, und nicht jeder hat neben der nötigen Energie auch genügend Widerspruchsgeist einem Halbgott in Weiß gegenüber, um eine solche Odyssee überhaupt anzufangen. Ich finde es geradezu eine Frechheit, das Aufbegehren gegen den Fachmann dem Patienten als eine Bringschuld aufzuerlegen. Vielen fehlen dazu ja von vornherein die Voraussetzungen. 

Das Ganze gilt außerdem nicht nur für schwere Erkrankungen, sondern auch für den Umgang mit Zipperlein, die dem Patienten nicht so wahnsinnig schwerwiegend vorkommen und für die sie vor allem eine Erklärung haben wollen - und natürlich wenn möglich eine Bestätigung, daß sie die Gefährlichkeit der Sache nicht etwa unterschätzen. Wenn auch der Arzt da nicht so recht weiter weiß und sich das aber um Gottes willen nicht vor dem Patienten anmerken lassen will, kann es sein, daß man sich unversehens in einer Behandlung wiederfindet, die einem nicht hilft oder sogar schadet, oder man bekommt eine dieser Verlegenheitsdiagnosen, wie ich sie auch schon bekommen habe. Vermutlich ist das jedem schon passiert. 

Über die beginnende Kniearthrose, ausgelöst angeblich durch mein Übergewicht (damals, 2015, ca. 125 Kilogramm), mit der zweimal innerhalb kürzerer Zeit akut aufgetretene Kniebeschwerden bei mir einmal erklärt wurden, hatte ich ja schon einmal geschrieben, und ebenso, daß der Orthopäde mir empfahl, abzunehmen, und mir Schwimmen dafür ans Herz legte. Er fragte nicht einmal, ob ich das mit dem Abnehmen vielleicht ja doch schon einmal versucht hätte und welche Erfahrungen ich damit gemacht hatte. Für ihn schien das offensichtlich zu sein, daß ich hohes Übergewicht hatte, weil ich hohes Übergewicht haben wollte, und so sah er seine Mission anscheinend darin, mich davon abzubringen. Die Kniebeschwerden ließen übrigens im Lauf der darauffolgenden Tage nach und kamen anschließend niemals wieder. Ich weiß immer noch nicht, was sie ausgelöst hatte, aber die beginnende Kniearthrose war es jedenfalls nicht, obwohl ich annehme, daß ich sie wirklich habe. Sie läßt sich aber bei Patienten meines Alters sowohl mit als auch bei solchen ohne einschlägige Symptome mit einer 50:50-Wahrscheinlichkeit diagnostizieren. Das ist für einen Orthopäden ähnlich bequem wie für einen HNO-Arzt, für jede Erkältung eines Rauchers sein Rauchen verantwortlich zu machen, und in beiden Fällen macht er es sich auf Kosten des Patienten bequem. 

Das ist der Hauptgrund, warum ich Arztbesuche im Zweifelsfall lieber ein bißchen länger hinauszögere, da ich ja keine Krankschreibungen brauche. Alles, was sich auch ohne Medizinmann wieder hinkriegen läßt, bedeutet auch ein geringeres Risiko von Fehlbehandlungen, und als Raucher oder Übergewichtiger hat man darauf ein erhöhtes Risiko, weil beides so viele Allzweck-Erklärungen für eine Krankheit bietet, daß viele Ärzte es sich ähnlich einfach machen wie mein damaliger Orthopäde. Ratschläge dieser Qualität sind aber so nutzlos, daß ich auf sie auch ganz verzichten kann. Nicht immer, aber in vielen Fällen. Der Trick besteht darin, beide Arten von Krankheiten voneinander zu unterscheiden. 

Abhängig Beschäftigte können meistens gar nicht so wie ich vorgehen, weil sie eine Krankschreibung brauchen, wenn sie krank sind, aber das heißt wohl nicht, daß sie alle immer von dem überzeugt sind, was ihr Arzt mit ihnen macht. Es gibt meinem Eindruck nach eine Menge Leute, die verschriebene Medikamente dann nicht nehmen, teils von vornherein, teils dann, wenn die Wirkung ausbleibt und/oder Nebenwirkungen auftreten. Oft genug erfährt der Arzt davon überhaupt nichts. Dem gegenüber stehen mindestens ebenso häufig - vermutlich sogar noch um einiges häufiger - aber auch die Patienten, die willig alle Medikamente nehmen, die ihnen verordnet wurden, manchmal klaglos, manchmal schimpfend, weil sie ihrem Eindruck nach nicht wirken oder sogar neue Beschwerden hervorrufen. Man sollte echt einmal untersuchen, welche der beiden Gruppen die bessere weitere Lebenserwartung hat und unter dem Strich bei besserer Gesundheit ist. Ich bin mir nämlich nicht sicher, daß es die letztere Gruppe ist. 

Insofern, ja, die Autorin des Blogbeitrags hat mit ihrer Analyse wohl leider recht. Wir haben einerseits ein gutes bis sehr gutes Gesundheitssystem, aber in den genannten Teilbereichen funktioniert es so viel schlechter, daß das eigentlich Gegenstand einer Gesundheitsreform werden müßte. 

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Eine Ergänzung zu meinen diversen Beiträgen zur Frage, ob jüngere Leute sich Wohneigentum leisten können oder nicht. Ich stieß auf das LBS|empirica-Erschwinglichkeitsbarometer, das meine Einschätzung bestätigt, daß das eigentliche Problem das gerade von jüngeren Kaufinteressenten meistens kaum aufzubringende Eigenkapital ist. Interessanterweise war der Anteil derer, die ausreichend Eigenkapital aufgebracht hätten, mit zehn Prozent vor der Finanzkrise am höchsten, aber 2015 lag der Anteil derer, bei denen das Einkommen für eine Finanzierung eigentlich ausreichend gewesen wäre, auch wenn das Eigenkapital in der vorgegebenen Höhe nicht erbracht werden konnte, zehn Prozentpunkte höher und bei mehr als 60 Prozent. 

Daß der Anteil derer, die sich eine Immobilien vom Einkommen her im Prinzip leisten könnten, aktuell mehr als zwanzig Prozentpunkte niedriger liegt, ist die Wirkung der stark gestiegenen Immobilienpreise einerseits und der gestiegenen Zinsen andererseits. In diesem Bereich kam der große Absturz aus dem Möglichen ins Unmögliche im Jahr 2022, wie das deutlich in der Grafik erkennbar ist, und obwohl es seither wieder ein kleines bißchen besser geworden ist, ist das Verhältnis von (gesunkenen) Kaufpreisen und gestiegenen Zinsen weiterhin erheblich schlechter, als es das vorher gewesen war. 

Trotzdem: Daß, wenn man den Faktor Eigenkapital ausklammert, sogar 2022 mehr als ein Drittel der 30- bis 44-jährigen Mieterhaushalte sich Wohneigentum eigentlich hätte leisten können, ist eine Erwähnung wert. 20 Prozent des Kaufpreises plus die Kaufnebenkosten sind als Anforderung von Banken ja auch keineswegs in Stein gemeißelt. Je nach konkreter Situation werden auch heute noch sogar Vollfinanzierungen von Banken akzeptiert, aber am ehesten für kleinere Objekte und bei Leuten, die schon andere Immobilien besitzen. Aber die Banken sind gerade jetzt tatsächlich sehr restriktiv bei Hypothekendarlehen, und ich kenne mehrere Leute, denen es ganz oder teilweise wegen des Eigenkapitals nicht gelungen ist, eine Finanzierung zu bekommen, die sie sich eigentlich hätten leisten können. 

Meine Idee, wie das Problem zu lösen sein könnte, wären staatliche Bürgschaften als möglicher Ersatz für das Eigenkapital. Voraussetzung dafür müßte natürlich sein, daß die Finanzierbarkeit grundsätzlich realistisch ist. Ich fände es spannend, die Wirkung zu sehen, wenn eine solche Bürgschaft beantragt werden könnte, sofern die monatliche Belastung der Finanzierung maximal zehn Prozent höher als die bezahlte Miete liegt und nachgewiesen werden kann, daß die Mietzahlungen seit mindestens zwei Jahren pünktlich und vollständig erfolgt sind.

Wieso werden solche Dinge also nicht einmal diskutiert? Auch die Vorschläge der LBS enthalten so etwas nicht. Dabei würde es den Anteil der Haushalte im Alter zwischen 33 und 44 Jahren, die eine realistische Chance auf den Erwerb von Wohneigentum hätten, dramatisch erhöhen und ihnen damit auch die bestmögliche Altersversorgung verschaffen, die ich mir vorstellen kann.  

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Unsere Kartoffeln im Garten wachsen gerade wie Unkraut und an der ersten Pflanze bilden sich Blütenknospen. Das fällt mir immer wieder auf, daß es bei Pflanzen jeglicher Art immer eine "Pionierpflanze" gibt, die es mit dem Blühen eiliger hat als ihre Artgenossen. Womöglich wird sie ja von allen als Späher vorgeschickt, der erst mal testen soll, ob es sich überhaupt lohnt, Mühe in die Bildung von Blüten zu stecken. 

Auch sonst tobt in unserem Garten gerade das Leben. Zwei der drei Zucchinipflanzen, so klein sie noch sind, hatten bereits ihre erste Blüte. Und am alten Quittenbaum kann ich mittlerweile die ersten noch ziemlich kleinen Früchte erkennen. Zwiebeln und Knoblauch kommen jetzt auch langsam, und zu meinem Verdruß muß ich unter dem Kirschbaum neuerdings auf Zehenspitzen laufen, um keine Zwiebeln zu zertreten. Wie ist mein Mann nur auf die Idee gekommen, ausgerechnet unter den Obstbäumen Zwiebeln zu stecken? Die erste Erdbeere wurde reif und ist geerntet, und die leider nur exakt neun Kirschen vom Kirschbaum ebenfalls. Beides ist in einen leckeren Obstsalat mit Nektarinen und Aprikosen vom Wochenmarkt mit eingeflossen. Die Stachelbeeren brauchen aber noch ein Weilchen, und von den Mirabellen der Nachbarin, die sie mir zum Abschuß freigegeben hat, ist einstweilen noch nichts zu sehen, aber so, wie der Baum dieses Jahr geblüht hat, ist es sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis es dort auch losgeht. 

Daß das Leben bei uns unter dem Dach nicht auch wieder zu toben beginnt, dem steuere ich seit heute wieder mit einer Mausefalle entgegen, denn letzte Nacht wurde zum ersten Mal seit Monaten unser Mäusekino wieder aktiviert. Eine geradezu unverschämt wohlgenährt wirkende Maus (womöglich eine werdende Mäusemutter?) kam aus dem bekannten Loch spaziert und sah sich zwei Minuten lang in den Räumlichkeiten um, bevor sie wieder durch das Mauseloch verschwand. Das hätte mir gerade noch gefehlt, eine Mäuse-Wochenstube unter dem Dach. So niedlich sie sind, sie sollen bitte draußen im Garten niedlich sein. Ich bin gespannt, ob sie mir vielleicht schon heute Nacht in die Falle geht. 

 


 

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