Montag, 20. Juni 2022

Perditax gibt Gas!

Mein Gewicht heute früh zu Beginn des nächsten viertägigen Fastenintervalls: 88,3 Kilogramm. 

So kann's gehen: Vor zwei Wochen ärgerte ich mich vor dem langen Fastenintervall noch über 90,6 Kilogramm, heute starte ich mit geradezu spektakulären 2,3 Kilogramm weniger. Das nehme ich als ein Indiz dafür, daß vor zwei Wochen tatsächlich irgendein Sondereffekt dafür verantwortlich war, daß ich nicht die erwarteten 89,x zu sehen bekam und auf Stoffwechselebene insgeheim trotz des anderen Anscheins alles so lief, wie es laufen sollte. Die ganze letzte Woche hatte ich schon das Gefühl, daß es wieder eine kleine physische Veränderung gegeben hat, diesmal vor allem den Oberkörper betreffend. Ich sehe, jedenfalls obenherum, fast schon normalgewichtig aus (der einzige Schönheitsfehler ist das noch bestehende Rest-Bäuchlein). Gestern war ich bei meiner Mutter, Kirschen ernten, und ich hatte das Gefühl, daß sich meine Körperform von der meiner Schwester kaum noch unterscheidet. Wir sind mitterweile, glaube ich, an dem Punkt, an dem wir Kleider tauschen könnten.

Mal sehen, bei welchem Gewicht ich am Freitag gelandet sein werde. Mit ein bißchen Glück könnte es sogar schon die 83 Kilo unterschreiten. Dafür hätte sich die nervtötend lange Wartezeit auf ein neues Niedrigstgewicht echt gelohnt.

Womit ich vorgestern noch nicht gerechnet hatte, war, daß meine Mutter ein Abendessen für uns Kirschenerntehelfer vorbereiten würde, eines, das der gestrigen Hitze angemessen war, nämlich einen Wurstsalat, aber zum Glück erwähnte meine Schwester es nebenbei, als wir wegen meiner Ankunftszeit telefonierten. Da wir damit unser geplantes Abendessen - den Rest von vorgestern - nicht benötigen würden, habe ich ihn kurzerhand mitgenommen: 



Für das obere Teil (mittleres Bild in Nahaufnahme die Schnittfläche, damit die Füllung besser zu erkennen ist) hat sich bei uns der Name "Schuppi" eingebürgert, wegen des schuppenartigen Zucchinischeiben-Belags. Unter den Schuppen ist es dieselbe gebackene Eier-Zucchini-Masse, die wir auch bei der Big-Mac-Rolle verwenden. Wegen der Hitze war es eine kalte Version, gefüllt mit Frischkäse, Champignons und Paprika, dazu habe ich noch einen Schinkenrest hineingeschnipselt, den ich vor dem Fasten noch weghaben wollte. Gewürzt habe ich es neben Salz und Pfeffer sowie ein bißchen Knoblauch mit Zwiebeln und einer "Grüne Soße"-Kräutermischung. Aber die Füllung kann man auch gut variieren. Ich glaube, auch eine einfache Frischkäse-Schnittlauch-Variante würde sehr gut schmecken. Mit Thunfisch hatte ich es auch schon mal.

Das Untere sind Kartoffel-Pfannenbrötchen. Ich hatte noch drei gekochte Kartoffeln übrig, die ich vor meinem langen Fastenintervall verwerten wollte. Außer diesen Kartoffeln enthält der Teig einen Becher Joghurt, zwei Eier, Salz, eine Kräutermischung, Backpulver und Weizenmehl - mehr Weizenmehl, als ich eigentlich beabsichtigt hatte, aber der Teig sollte relativ fest sein, bevor man ihn ausrollt und mit einem Glas Kreise aussticht, die dann in eine Deckelpfanne kommen. 

Ich hätte wohl weniger Joghurt nehmen sollen, dann wäre die Menge nicht so groß geworden. Aber dann hätte ich wieder das Problem gehabt, einen angefangenen Joghurt noch vor dem Fasten verbrauchen zu müssen! So wurden es verdammt viele und relativ weizenmehllastige Brötchen, und ich habe gestern genügend von ihnen übrig gehabt, daß es als Beilage für fünf Personen gereicht hat. Wir haben sie nochmal für zehn Minuten in den Backofen getan, weil Pfannenbrötchen, wenn sie nicht mehr frisch sind, so ein bißchen gummiartig werden, und danach schmeckten sie wieder, als wären sie gerade erst aus der Pfanne gekommen.

Auch der Schuppi wurde in fünf Teile aufgeteilt und zusätzlich zum Wurstsalat serviert. Ich vermerkte mit Interesse, daß meine Schwester vor allem von dem Schuppi total begeistert war und auch sofort registriert hatte, daß dieses Gericht Low Carb ist. (Im Gegensatz zu den Brötchen, wobei ich dann sagte, man könne die Kartoffeln anstelle des Weizenmehls auch mit Lein- oder Mandelmehl ergänzen, und dann seien die auch jedenfalls beinahe Low Carb. Kartoffeln finde ich bekanntlich bei Low Carb in relativ geringer Dosierung schon noch vertretbar.) Sieht ja fast so aus, als dächte sie gerade doch schon ernsthaft darüber nach, das mal auszuprobieren. Da ihre Zucchinipflanzen im Gegensatz zu meinen schon kleine Zucchinis tragen (ich gebe zu, ich bin neidisch geworden), wird sich voraussichtlich für sie auch noch viel Gelegenheit ergeben, Zucchini-Eier-Teig zu machen und nach Laune und Kühlschrankinhalt zu füllen.

Jetzt habe ich nur noch das Problem, was ich mit der Riesenmenge Kirschen machen soll. Sie sind dieses Jahr ziemlich klein ausgefallen, aber dafür sehr süß. Blöd, daß ich jetzt vier Tage lang nicht esse, deshalb habe ich mir gestern auch ziemlich den Bauch damit vollgeschlagen. Aber meiner Erfahrung nach halten sie sich ca. eine Woche lang, wenn man sie im Kühlschrank aufbewahrt, also hoffe ich doch mal, daß das auch diesmal wieder klappt. Einen Teil verschenke ich natürlich wieder im Haus, und auch mein Mann nimmt für seine Kollegen welche zur Arbeit mit, und selber wird er natürlich auch welche essen. Den großen Rest beobachte ich mit Argusaugen. Falls mir im Kühlschrank zu viele zu schnell verderben, friere ich sie vielleicht doch ein. 

***

Das Thema Gasversorgung dominierte die Samstagszeitung - die lese ich mittlerweile wieder relativ regelmäßig, wenn ich auch unter der Woche die Zeitung überhaupt nicht vermisse -, und das war mir, ehrlich gesagt, ein weiteres Mal zu viel Panikmacherei. Ich glaube nämlich nicht daran, daß wir im Winter ernsthafte Probleme mit der Gasversorgung bekommen werden. Denn auch wenn es zu einem Embargo nicht gekommen ist, haben meinem Eindruck nach die Konzerne längst verstanden, daß sie so viele Abläufe wie möglich kurzfristig vom Gas entkoppeln müssen, um nicht unkalkulierbare Risiken einzugehen, sollte Rußland uns den Gashahn ganz zudrehen - was jederzeit geschehen kann. 

Aus schierem Selbstschutz wird sich da hinter den Kulissen schon manches bewegt haben. Was ich daran so spannend finde, ist, daß man sich nicht lange damit aufgehalten hat, das übliche Wehklagen anzustimmen, Taten dieser oder jener Art von der Bundesregierung zu fordern und ansonsten erst mal gar nichts zu tun. Das scheint mir überhaupt ein besonderes Kennzeichen echter Notfallsituationen zu sein - daß das ewige Herumgejammer aus der Wirtschaft aufhört und aus eigenem Antrieb etwas getan wird, um die Gefahr zu verringern bzw. das Problem zu lösen.

Das ist meinem Eindruck nach sogar schon in der Gasverbrauchsstatistik der Bundesnetzagentur sichtbar:


Der relativ zum Vorjahr geringere Gasverbauch im Januar und Februar dürfte noch mit den höheren Temperaturen im Vergleich zum Vorjahr zusammenhängen. Aber spätestens ab Mai nach dem Ende der Heizperiode spiegelt der Gasverbrauch kaum mehr die Außentemperaturen wider. Die Monate Juni bis September umfassen in Privathaushalten fast ausschließlich Gasverbräuche für Warmwasser und Kochen. Das machte bei mir in früheren Jahren zwischen 2 und 4 Kubikmeter Gas monatlich aus (ich nehme an, dieses Jahr wird es wegen der neuen Therme auch noch etwas weniger sein). 

Um das in Relation zu setzen: Im letzten Jahr lag mein gesamter Gasverbrauch bei 854 Kubikmetern. Davon habe ich ca 740 in den sechs Monaten Januar bis März und Oktober bis Dezember verbraucht. In den sechs Monaten April bis September verbrauche ich also nur zwischen 10 und 15 Prozent meines gesamten Jahresverbrauchs.

Interessanterweise sinkt der Gesamt-Gasverbrauch in Deutschland zwischen Januar und Juni aber nur auf ca. 25 Prozent des Januarverbrauchs. Die Differenz zu den ca. 2 Prozent, auf die mein privater Gasverbrauch im gleichen Zeitraum sinkt, spiegelt nicht nur den Einsatz von Gaskraftwerken zur Stromerzeugung wider, sondern auch industrielle Verbräuche. 

Den Verlauf der durch Gaskraftwerke erzeugten Strommenge kann man hier nachvollziehen. 

 Hier der März: 

Und hier im Vergleich dazu der Juni: 

 

 

Die Stromerzeugung aus Gas wurde mehr als halbiert, ist aber noch längst nicht bei Null. Ich nehme an, der Minderverbrauch an Gas insgesamt in Deutschland im Vergleich zum Juni im Vorjahr spiegelt längst auch schon "freiwillige" - das heißt, aus dem Gefühl der Notwendigkeit heraus aus Eigeninteresse der Industrie vorgenommene - Minderverbräuche der Industrie wider.  

Wieviel Gas im Moment weniger als sonst aus Rußland kommt, zeigt diese Grafik:

Normal waren zwischen März und Anfang Juni 2200 GWh pro Tag. In den letzten zwei, drei Wochen wurden nur noch ca. 900 geliefert. Das hat die Gesamtmenge, die importiert wird, reduziert, aber es sind dennoch weiterhin ungefähr 3500 GWh pro Tag. 

Diese Menge scheint auch nach wie vor auszureichen, um die Speicher weiter zu füllen: 

 

Das dürfte eine Menge mit dem geringeren Gasverbrauch der letzten Monate zu tun haben. Im letzten Juni waren es zum Beispiel deutlich über 40 TWh. Nach zwei Dritteln des Monats sind wir aktuell bei 20 TWh. 

Eine TWh (=Terawattstunde) sind 1000 GWh (=Gigwattstunden). Es wurden also im Juni 2022 bislang ungefähr 20.000 GWh verbraucht und sollten bis Monatsende mit ungefähr 30.000 rechnen. Angenommen, Rußland dreht den Gashahn vollständig zu, bekämen wir von unseren anderen Lieferanten nach dieser Grafik immer noch ca. 2500 GWh pro Tag, das entspricht in einem Monat ca. 75.000 GWh: 

Bedenkt man, daß nach wie vor eine Menge Gas zur Stromverzeugung benötigt wird, das künftig - laut Bundesregierung - durch mehr Kohleverstromung ersetzt werden soll, gehe ich schon davon aus, daß es möglich sein sollte, unsere Gasspeicher bis zum Spätherbst ausreichend gefüllt zu haben, und zwar auch dann, falls Putin uns den Gashahn komplett abdrehen sollte.

Das hat mich aber nicht daran gehindert, in meinem Haushalt auch noch einmal nach Einsparpotentialen zu suchen. Die zehn Prozent, die laut Robert Habeck angeblich jeder hinkriegen sollte, sehe ich bei mir - zusätzlich zum Minderverbrauch durch die neue Therme - zwar nicht mehr, aber ich bin letzte Woche mal unter die Spüle gekrochen und habe den Kaltwasserzulauf der Mischbatterie weiter aufgedreht, denn das Kaltwasser kam bei mir jahrelang nur als Rinnsal, das wurde, glaube ich, versehentlich von dem Handwerker verstellt, als ich das letzte Mal meine Waschmaschine ersetzen mußte. Da es immer ein bißchen dauert, bis die Therme anspringt, und ich deshalb meistens genügend Kaltwasser für meinen Sprudel bekam (und wenn nicht, mußte ich halt das Rinnsal nutzen), fehlte mir bislang immer der Leidensdruck, um das in Ordnung zu bringen, aber jetzt habe ich es endlich mal gemacht. Nun bekomme ich auch Kaltwasser in einem vernünftigen Strahl und kann damit rechnen, daß meine Therme wesentlich seltener anspringen wird, wenn ich den Wasserhahn betätige.

Keine Rieseneinsparung, aber Kleinvieh macht ja auch Mist. 

Und weil Strom zu sparen, natürlich auch sinnvoll ist und aus Gründen profanenen Geizes natürlich bei steigenden Strompreisen auch sonst sehr viel Sinn ergibt: Ich ziehe außerdem die Anschaffung einer neuen Kühl-Gefrier-Kombi in Erwägung. Meine alte war zwar, als ich sie angeschafft habe, ein supersparsames Gerät, aber das war im Jahre anno domini 2003.

Eigentlich bin ich kein Freund davon, noch tadellos funktionierende Elektrogeräte zu ersetzen. Aber neulich ist mit eine der Schubladen im Gefrierteil kaputtgegangen und ich habe festgestellt, daß der Hersteller keine Ersatzteile mehr anbietet. Ich habe die Schublade dann mit Gewebeband geflickt, aber als Dauerlösung ist das natürlich unbefriedigend. Wenn man dann außerdem noch die Chance hat, den Stromverbrauch beim Kühlen und Gefrieren auf weniger als die Hälfte zu reduzieren, wird es wohl wirklich langsam Zeit für ein Nachfolgegerät.

Mich ärgert diese Panik-Berichterstattung der sogenannten Qualitätsmedien zum Thema Energie ganz gewaltig, und am meisten ärgert mich daran, daß einerseits die berichteten Fakten schon stimmen, aber andererseits hinter einer nur vorgetäuschten Sachlichkeit die Absicht klar erkennbar ist, den Leuten Angst einzujagen. Vielleicht ist das ja ein Fall von "Gut gemeint", weil geglaubt wird, daß die Leute nur dann reagieren werden, wenn man sie in viel größere Ängste stürzt, als es sachlich eigentlich begründet werden kann. Könnte man nicht zur Abwechslung mal darauf vertrauen, daß steigende Stromkosten aus sich selbst heraus ja auch schon sehr zum Stromsparen motivieren können? Ich habe noch nie eingesehen, welchen Vorteil es mir brächte, wenn ich mehr für Energie bezahle, als ich bezahlen muß.

Falls jemand über die üblichen Basics hinaus (etwa, die Beleuchtung auf LED umstellen oder den Gefrierschrank regelmäßig abtauen, was aber bestimmt fast jeder sowieso längst gemacht hat) konkrete Tipps haben möchte, die ohne große Kosten und Mühe schnell umsetzbar sind, meine besten Maßnahmen der letzten Jahre waren folgende:

- Reflektionsfolie hinter den Heizkörpern anbringen. Das erbrachte bei mir eine Einsparung von rund fünf Prozent Heizenergie.

- Mein gesamtes Computerequipment hängt an einer Steckdosenleiste, die ich nach dem Herunterfahren komplett abschalte. Auf diese Weise kann kein heimliches Stromziehen der Geräte erfolgen. 

Ich habe geraume Zeit benötigt, um mich an diesen einen zusätzlichen Klick zu gewöhnen, das gebe ich offen zu. Aber seit das in meinem Hirn "sitzt", ist es ein Zusatzklick, den ich beim Herunterfahren automatisch und damit immer mache, ohne darüber nachzudenken. Wesentlich länger gebraucht habe ich dafür, meinen Rechner auch dann auszuschalten - und danach diesen Klick zu machen - wenn ich plane, für längere Zeit aus dem Haus zu gehen, aber das mache ich mittlerweile auch. Es ist letztlich nur eine Frage der Gewohnheit. Wer es geschafft hat, das lästige Zähneputzen als eine automatisierte Gewohnheit zu etablieren, der bringt das auch hin, wenn er es sich angewöhnen WILL. 

Das hat mir im Durchschnitt immerhin eine Kilowattstunde weniger Stromverbrauch pro Tag gebracht. Ich notiere mir ja immer zum 1. den Stand meiner Strom- und Gaszähler, und das hat beinahe so viel gebracht wie die Umstellung der Beleuchtung auf LED.

Der wichtigste Tipp lautet deshalb: 

- Herausfinden, wo der Strom oder das Gas nur aus Bequemlichkeit verläppert, und sich bewußt eine neue Routine ausdenken und sie sich angewöhnen, die das reduziert oder ganz verhindert.


Donnerstag, 16. Juni 2022

"Food Addiction", "Overeating", die Lust am Essen und ein Stück ausgleichende Gerechtigkeit

Mein Gewicht heute früh vor dem zweiten von zwei (nicht zusammenhängenden) Fastentagen diese Woche: 86,4 Kilogramm. Damit liegt mein Gewicht in diesem Stadium des "normalen" Zwei-Wochen-Zyklus (eine Woche mit zwei, eine mit vier Fastentagen) 2,4 Kilogramm niedriger als vor zwei Wochen und 1,5 Kilogramm niedriger als bei meinem bisher niedrigsten Gewicht vor dem zweiten Fastentag in einer zweitägigen Fastenwoche. Endlich mal wieder eine Überraschung der positiven Art, denn eigentlich hatte ich mit 87,5 Kilogramm oder so gerechnet und wäre damit auch - auf Basis der Entwicklung der letzten Wochen - völlig zufrieden gewesen, es wäre ja ein Kilo weniger als vor zwei Wochen gewesen. Aber diesen Gewichtsrutsch nehme ich doch gerne mit, zumal ich mich ja in letzter Zeit so häufig mit unerwarteten Pluskilos abfinden mußte.

Was mag der Grund dafür sein? Am Wochenende und sogar noch am Montagvormittag haben wir Low Carb gegessen, aber eigentlich nur, weil ich letzte Woche bis Freitag gefastet und deshalb am Samstag kohlenhydratarm essen wollte. Die Brötchen (sehr lecker übrigens, aus Leinmehl) waren halt für zwei Tage, und am Montagfrüh war noch eines übrig, also gab es das natürlich zum Frühstück. Auch die Low-Carb-"Big-Mac-Rolle" war so viel, daß es für zwei Tage reichte. Am Montagabend gab es panierten Blumenkohl (ganz normal mit Semmelbröseln) und Kartoffelbrei (nicht *völlig* normal, weil ich neben der obligatorischen Karotte für die schöne Farbe auch noch ein Kohlrabi, das verbraucht werden mußte, mit hineingegeben habe - man hat es übrigens überhaupt nicht herausgeschmeckt). Und schon am Samstag tranken wir dazu trotzdem ein Bier und es gab ein normales, gekauftes Eis zum Abendessen. - Kein Low Carb der orthodoxen Art also. Und gestern gab es für mich mittags zwei normale Laugenbrötchen, zum Kaffee Erdbeeren mit Schlagsahne und abends neue Kartoffeln mit Kräuter-Creme-fraiche, also gar kein Low Carb mehr, egal wie man diese Ernährungsweise nun auslegt.

Kann das also wirklich für diesen Gewichtsrutsch verantwortlich sein? Wahrscheinlicher kommt es mir eigentlich vor, daß die Pluskilos vor zwei Wochen, über die ich so frustriert war, auf irgendeinem verzerrenden Sondereffekt beruhten, der sich jetzt wieder ausgeglichen hat. Eine Art ausgleichende Gerechtigkeit, was ja auch etwas Nettes ist. Frage mich aber niemand, was das war und wie es funktioniert hat, denn ich weiß es nicht. 

Gut möglich ist es allerdings zusätzlich, daß ich wegen der Hitze über Nacht mehr Flüssigkeit als sonst verloren habe und deshalb damit rechnen sollte, daß ich am heutigen Fastentag weniger Gewicht als sonst verlieren werde. Aber wie auch immer, ich werde morgen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weniger als 86 Kilogramm wiegen. Das ist auch bei ungünstiger Wiederzunahme übers Wochenende eine sehr gute Voraussetzung, um nächste Woche dann endlich mit dem neuen Niedrigstgewicht am Freitag rechnen zu dürfen, auf das ich nun schon seit zwei Monaten warte.

Heute faste ich, obwohl Feiertag ist. Das hatte ich ursprünglich nicht so geplant, aber mein Mann hat morgen den Brückentag freinehmen müssen, und dann finde ich es besser, wenn wir drei aufeinanderfolgende Tage zusammen essen können. Außerdem gehen mir die vielen Verschiebungen in so kurzer Zeit langsam echt auf die Nerven. Ist ja kein Wunder, daß es meine Waage ständig so spannend macht, wenn die Zeiträume von Fasten und Essen so stark schwanken. Ich bin echt nicht unglücklich darüber, daß es mit den Feiertagen jetzt endlich mal wieder für ein paar Monate vorbei ist. ;-)

Wie ich mich heute beschäftigt halten werde, ist auch schon klar: Ich werde meine Steuererklärung vorbereiten. An Feiertagen wird man dabei weniger unterbrochen, also ist ein Tag, an dem ich - außer dem Nachmittagskaffee - keine gemeinsamen Mahlzeiten einplanen muß, genau das Richtige dafür. 

Eigentlich habe ich keinen vernünftigen Grund, diese Steuererklärung schon so früh einzureichen, denn es ist wegen der Corona-Delle im Herbst 2020 und der gewaltig anschwellenden Auftragswelle ab Beginn 2021 schon jetzt klar, daß ich nachzahlen werden muß. Aber da meine Vermietungs-Unterlagen, an denen es in den letzten Jahren immer bis zum frühen Herbst geklemmt hat, zu meiner Überraschung jetzt bereits vollständig sind, ist es gescheiter, ich kümmere mich jetzt gleich darum. Ob ich die Steuererklärung dann auch gleich abschicke, lasse ich mal offen, aber so spät wie letztes Jahr - als ich sie erst kurz vor Ultimo fertig hatte, weil eine Hausverwalterabrechnung erst ewig auf sich warten ließ und dann ausgerechnet in einer geschäftlichen Großkampfphase bei mir eintraf - soll es dieses Jahr definitiv nicht werden, denn der Bescheid kam dann erst nach dem Jahreswechsel. So was finde ich auch wieder lästig. 

***

Den Diet Doctor Podcast von Bret Scher höre ich gerne und meistens auch mit Gewinn. Diese Folge hier war so ziemlich die erste, bei der ich seiner Gesprächspartnerin ständig hätte widersprechen wollen und am Ende so sauer wurde, daß ich sie sogar vorzeitig abgebrochen habe. Es handelte sich um ein Gespräch mit Dr. Vera Tarman, und das Thema war "Food Addiction", sinngemäß "Eßsucht", ihr Spezialgebiet, auf dem sie arbeitet und worüber sie auch ein Buch geschrieben hat. Sie hat offenbar auch sich selbst erfolgreich auf Zuckersucht behandelt, oder jedenfalls ist sie der Meinung, es sei so.

Ob es so etwas wie "Food Addiction" aber wirklich gibt? Ich will es zwar nicht vollständig ausschließen, ziemlich sicher bin ich mir mittlerweile aber, daß wenn, dann nur ein vergleichsweise kleiner Teil derjenigen, die glauben, eßsüchtig (zuckersüchtig, carb-süchtig, "hochverarbeitete-Produkte-süchtig" ...) zu sein, es wirklich ist, und ganz bestimmt nicht die ca. 40 Prozent aller Menschen mit Adipositas, die Dr. Tarman auf Basis der wissenschaftlichen Literatur und deren Meßwerten, etwa bei Dopamin, identifiziert zu haben glaubt. 

Die Meßwerte zweifle ich übrigens nicht an, die Frage ist nur, ob sie eine Ursache bezeichnen oder eine Wirkung. In der Epidemiologie steckt der Teufel meinem Eindruck nach oft in den Details der Interpretation. Dr. Tarmans wichtigstes erwähntes Indiz besteht darin, daß die von ihr als eßsüchtig Betrachteten beim Dopamin auf Essen vergleichbar reagieren wie andere Süchtige auf ihren jeweiligen Suchtstoff. 

Ehrlich gesagt, mich brachte das jetzt eher darüber ins Grübeln, ob dann vielleicht auch andere vermeintlich Süchtige falsch diagnostiziert werden.

Der Begriff der Sucht ist ja in den letzten Jahrzehnten ja im Vergleich zu vorher weit ausgedehnt und meiner Meinung nach dabei ein wenig überdehnt worden. Früher wurde nämlich noch unterschieden zwischen "Sucht" und "Abhängigkeit"; Rauchen etwa galt als Abhängigkeit, nicht als Sucht, bis es aus gesundheitspolitischen Erwägungen opportuner schien, Raucher lieber mit dem angsterzeugenderen Begriff der Sucht zu etikettieren. Sachgründe gab es dafür eigentlich aber nicht, denn beim Rauchen fehlt eine ganze Reihe von Merkmalen, die die "klassischen" Süchte kennzeichnen, etwa der ständige Drang, immer noch mehr vom Suchtstoff zu kombinieren, wie das bei Alkohol- und Heroin/Opiatesüchtigen der Fall ist. 

Die meisten regelmäßigen (Zigaretten-)Raucher pendeln sich dagegen auf einer bestimmten Zahl von Zigaretten pro Tag ein, die hauptsächlich von ihren alltäglichen Gewohnheiten abhängt, und bleiben dann jahre- oder jahrzehntelang dabei, sofern sie nicht daran gehindert werden oder aus Besorgnis um ihre Gesundheit oder damit Druck aus ihrer Umgebung nachgebend aktiv deren Zahl zu reduzieren versuchen. Daneben kann ich aus persönlicher Erfahrung bestätigen, daß ich beispielsweise, wenn ich bei meiner Mutter bin, nur ungefähr halb so viel rauche wie im Alltag, und zwar ohne deshalb irgendwelche Entzugserscheinungen zu entwickeln, wie das im Fall einer substanzgebundenen Sucht (Nikotin) anzunehmen wäre. Ich finde das weder positiv noch negativ, es ist halt so. Würde ich versuchen, in meinem Alltag die Zahl meiner Zigaretten zu halbieren, wäre das eine andere Situation, weil ich dazu aktiv Gewohnheiten verändern müßte. Versuchungen widerstehen zu wollen, obwohl man es nicht muß, und es dann nicht zuwege zu bringen, weil es halt netter ist, sich sein Vergnügen zu gönnen als auf es zu verzichten, wird gerne als Sucht fehlinterpretiert.

Wie wenig Nichtraucher mittlerweile von Rauchern wissen, zeigte sich auch in diesem Podcast, als Bret Scher in einer Randbemerkung tatsächlich von einer suchtartigen ständigen Steigerung der Dosis beim Rauchen ausging. Das ist vermutlich eine Folge der "Denormalisierung" des Rauchens, die ja in den USA noch viel weiter fortgeschritten ist als bei uns. Sie hat zur Folge, daß die zunehmend fehlende persönliche Anschauung unter Nichtrauchern allerhand Märchen und Mythen über das Rauchen aufkommen läßt, und das gefällt mir nicht besonders. Es wäre nämlich damit vermutlich bald nicht mehr sonderlich schwierig, den Leuten alle möglichen abstrusen Horrorgeschichten über Raucher glaubhaft zu machen, sagen wir, daß sie Brunnen vergiften oder kleine Kinder fressen. 

Warum jemand solche Märchen in die Welt setzen sollte? Nun, ich würde sagen, aus dem gleichen Grund, aus dem etwa die angebliche, aber in Wirklichkeit kaum belegbare gesundheitliche Segenswirkung von Rauchverboten für Nichtraucher in der PR für deren erforderlichen Schutz so maßlos übertrieben wurde: Um noch mehr Druck auf die Raucher aufzubauen und damit noch mehr von ihnen dazu zu bewegen, das Rauchen aufzugeben.

Der Kampf gegen das Rauchen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten merklich von realen gesundheitlichen Zielen entkoppelt. Raucher vom Rauchen abzubringen, ist zu einer Art Wert an sich geworden, weil Rauchen als falsch gilt und Nichtrauchen als richtig. Rauchern absichtlich und wissentlich (zusätzlichen) gesundheitlichen Schaden zuzufügen (etwa, indem Verstöße gegen Rauchverbote in der eigenen Wohnung ausgerechnet Sozialmieter obdachlos machen können, was sehr viel gesundheitsgefährdender als das Rauchen selbst ist), sind in den USA längst gesellschaftlich akzeptiert. Bis zur gezielten Erzeugung von Haß gegen Raucher wegen nunmehr gänzlich frei erfundener Vorwürfe wäre es somit nur noch ein kleiner gedanklicher Schritt. Rechtfertigen ließe er sich genauo, wie schon die Heilige Inquisition das Foltern und Verbrennen von Hexen gerechtfertigt hatte: Wenn das, was verfolgt wird, absolut böse ist, kann alles, was dabei getan wird, nur als das wohlverstandene Beste der Verfolgten betrachtet werden.

Aber ich schweife ab. Back to topic:

Ein interessanter Hinweis auf die eigentliche Wurzel des Übels ergab sich aus einer Bemerkung von Dr. Tarman selbst. Sie erwähnte nämlich, Untergewichtige seien wie Adipöse auffallend häufiger als Normalgewichtige in irgendeiner Form eßsüchtig. Das ist ein Fingerzeig, der in die Richtung deutet, in der ich das eigentliche Problem suchen würde.

Die Probe aufs Exempel, ob das "süchtige" Verhalten wirklich an Essen bzw. einer bestimmten Art von Lebensmitteln liegt oder womöglich doch daran, daß die süchtig erscheinende Person schon zu lange darauf verzichtet hat, sich während ihrer Hauptmahlzeiten richtig satt zu essen (meistens wegen der Bemühungen, ein Kaloriendefizit zu erzielen), könnte man mit einem zeitlich begrenzten Low-Carb-Versuch machen, während dem die Vorgabe lautet: "Drei Low-Carb-Mahlzeiten am Tag. Bei jeder dieser geplanten Mahlzeit so lange essen, bis man richtig satt ist. Zwischenmahlzeiten sind erlaubt, sofern gewünscht, und müssen dann auch nicht Low Carb sein." 

Eigentlich müßte es nicht zwangsläufig Low Carb sein, aber damit funktioniert es wahrscheinlich bei Leuten mit einer längeren Diätvorgeschichte und chronischem Energiedefizit am besten, weil der Sättigungseffekt bei dieser Ernährungsform so besonders durchschlagend ist. Ich kenne das Phänomen aber auch von den tollen Brunchs, die ich zusammen mit meinem Mann ein-, zweimal im Jahr gerne aufsuche und bei denen Kohlenhydrate, auch in Form von Süßem, natürlich ebenfalls mit zum Repertoire gehören. Dabei schlagen wir uns immer hemmungslos den Bauch voll, bis wir wirklich nicht mehr können, aber es bleibt dann auch unsere einzige Mahlzeit des Tages. Ich habe es noch nie erlebt, daß wir bis zum Abend eines solchen Brunch-Tages schon wieder das Bedürfnis nach Essen entwickelt hätten. Und Zwischenmahlzeiten? Gott bewahre. Mit vollem Bauch hat man auf so was doch echt keine Lust.

Für Nichtsüchtige ist es meines Erachtens nahezu unmöglich, sich bei einer Low-Carb-Hauptmahlzeit ernsthaft zu überfressen. Das Verlangen nach Zwischenmahlzeiten haben sie vielleicht anfangs noch aus reflexhaften Gewohnheiten heraus, aber es zu befriedigen ist, wenn man ernsthaft gesättigt ist, so reizlos, daß diejenigen, bei denen das auch nach vier Wochen immer noch reflexhaft versucht wird, wohl wirklich eine Art von Suchtverhalten zeigen - ob das dann eine "substanzgebundene" Sucht ist, sei dahingestellt -, aber falls ich glauben soll, daß das ein größerer Anteil ist, möchte ich vorher erst einmal einen Beweis dafür sehen. Denn ich bin überzeugt davon, das wäre eine möglicherweise sogar ziemlich kleine Minderheit.

Die Vorstellung, Sucht müsse mit im Spiel sein, wenn man ständig ißt, obwohl man eigentlich die feste Absicht hatte, nicht zu essen, ist meiner Meinung nach nur dann plausibel, wenn andere, nämlich physiologisch erklärbare Gründe dafür nicht bestehen. Was für ein irrationales Verlangen nach Essen ein chronifiziertes Energiedefizit auslösen kann, habe ich ja selbst schon erlebt. Es wirkte auch auf mich wie eine Sucht, war es aber nicht. Und es hörte bei mir sofort wieder auf, als ich meinen Fastenrhythmus so veränderte, daß ich kein Energiedefizit mehr aufbaute. Und es kam danach niemals wieder. 

So schnell kann man ein vermeintliches Suchtverhalten loswerden, wenn in Wirklichkeit gar keine Sucht dahintersteckt! Frau Dr. Tarmans Ausführungen enthalten nicht den kleinsten Hinweis darauf, daß sie sich bei ihren Patienten zunächst vergewissert hat, ob die vermeintliche Sucht wirklich eine ist, und deshalb glaube ich nicht daran, daß es sich bei ihnen allen oder auch nur mehrheitlich um eine Sucht handelt.

Das Problem bei vielen vermeintlich Eßsüchtigen besteht meiner Vermutung nach darin, daß "Aufhören, wenn man nicht mehr hungrig ist" - wie das beim Essen meistens empfohlen wird -, nicht dasselbe ist wie "Aufhören, wenn man wirklich satt ist". Das Ende des Magenknurrens bedeutet nämlich nicht zwangsläufig, daß man so viel Energie zu sich genommen hat, wie sie der Körper bis zur nächsten eingeplanten Mahlzeit eigentlich haben möchte. Das Magenknurren ist vielmehr ein höchst unzuverlässiger Hinweis. Der Magen knurrt ja vor allem aus Gewohnheit zu den Zeiten, an denen er Nachschub gewöhnt ist. Beim Fasten habe ich gelernt, daß ich das aussitzen kann, weil es nach ein paar Minuten wieder aufhört. Aber auch bei Diäten gewöhnt der Magen sich meiner Erfahrung nach rasch an zu wenig Input und man hat dann den Eindruck, ihn mit seinem frugalen Mahl zufriedengestellt zu haben, da er erst wieder knurrt, wenn laut Uhrzeit die nächste eingeplante Mahlzeit fällig ist.

Menschen mit langen Diät-und-Jojo-Karrieren kennen das Gefühl, sich satt zu essen, wahrscheinlich häufig schon lange nicht mehr. Sie kalkulieren ihren vermuteten Energiebedarf auf Basis ihrer Zu- und Abnahmehistorie, und deshalb fast zwangsläufig zu niedrig. Da dies physiologisch nicht als Dauerzustand vorgesehen ist und der Körper sich dagegen zur Wehr setzt, führt es zu unkontrollierbaren Heißhungerattacken, die tatsächlich etwas ziemlich Beängstigendes haben können. Sie sind so ziemlich das Gegenteil vom Essen aus Lust, obwohl man keinen wirklichen Hunger hat. 

Aus meiner Sicht spricht überhaupt nichts dagegen, über die nackte Befriedigung der physischen Bedürfnisse hinaus einfach aus Lust weiterzuessen. Ich mache das meistens so: Ich höre dann auf, wenn es mir entweder nicht mehr schmeckt oder ich das unmißverständliche physische Sättigungssignal bekomme, das einem jede Lust am Weiteressen auch der verlockendsten Speise nimmt. Das erfolgt bei jemandem, der sich wie ich gewohnheitsmäßig immer satt ißt, auch nicht erst, wenn es mir fast schon anfängt, schlecht zu werden, sondern es ist von einem normalen, angenehmen Sättigungsgefühl begleitet.

Diese Gewohnheit hat mich jetzt fünf Jahre lang nicht am Abnehmen gehindert. Je nachdem, wie jemand "Overeating" definiert, würde es aber bei vielen Fachleuten wahrscheinlich als "Overeating" gewertet werden und sie würden versuchen, es mir wegzutherapieren.

Meine Arbeitshypothese - und zwar bis zu dem Moment, an dem ich überzeugende Gründe zu sehen bekomme, etwas anderes anzunehmen: Etwaiges Suchtverhalten ist fast immer ein Sekundärproblem, hervorgerufen beispielsweise durch chronische Energiedefizite. Ich glaube deshalb aber auch nicht daran, daß die Lösung für das unbestreitbar reale Adipositasproblem in der Bekämpfung von Eßsucht liegen kann. 

Dafür habe ich auch noch weitere Gründe: 

Zuckersüchtig bin ich, das habe ich ja schon oft genug beschrieben, nie gewesen, weil ich eine sonderbare physische Sperre habe, die mich am Genuß von zu viel Süßem hindert, obwohl ich dieses Zeug eigentlich sehr gerne mag. Das hat mir aber gar nicht dabei geholfen, schlank zu bleiben, im Gegenteil habe ich, ohne in meinem Eßverhalten dafür irgendeinen plausiblen Grund zu finden, erst schleichend und am Ende sogar dramatisch zugenommen. Umgekehrt hatte ich aber auch keinerlei Schwierigkeiten, abzunehmen, obwohl ich zeitweise für meine Verhältnisse ungewöhnlich viele Süßigkeiten gegessen habe, nachdem ich die Methode Intervallfasten entdeckt hatte und damit unerwartet erfolgreich war.

Frau Dr. Tarmans Ansatz ist meiner Meinung nach ein Holzweg. Daß es Patienten gibt, die sich selbst für süchtig halten und sich dagegen therapieren lassen wollen, ist für mich noch kein hinreichender Grund, daran zu glauben, daß sie richtig damit liegen. Die von mir beschriebenen Gründe für unkontrollierbare Eßattacken müßten zuvor erst einmal ausgeschlossen worden sein. Da dies aber bei Dr. Tarman nicht geschieht, therapiert sie mindestens bei einem Teil - und ich vermute: einem großen Teil - ihrer Patienten an Symptomen herum, deren Ursache in Wirklichkeit eine andere ist. Was die Sache so vertrackt macht: Gleichzeitig bietet die Annahme, der Patient leide an Eßsucht, für den Therapeuten den komfortablen Notausgang, jeden Mißerfolg der Therapie nach dem Prinzip der Hexenprobe erklären zu können ("Die Sucht ist schuld"). Das Problem der Patienten kann man auf diese Weise natürlich teils gar nicht, teils nur mit viel mehr Mühe und Verzichtleistung als nötig lösen.

Genau deshalb finde ich aber auch den Fanatismus, mit dem die Ärztin mit den zugehörigen vermeintlichen Suchtstoffen umzugehen empfiehlt, so beunruhigend. Als sie gegen Ende des Podcasts sogar so weit ging, zu fordern, den Zuckergenuß auf dieselbe Weise wie das Rauchen vor die Türen zu verbannen, habe ich den Podcast vor lauter Ärger abgebrochen. Vorher bekam ich aber noch mit, daß Dr. Scher ihr zustimmte. Das führte dazu, daß ich spontan beschloß, daß ich künftig keine seiner Videos mehr ansehen würde. Ich hatte Scher eigentlich für einen vernünftigen, pragmatischen und empathischen Menschen gehalten. Wenn jemand wie er nicht spontan begreift, was an den Forderungen dieser Frau in einer grundlegenden Weise falsch ist, stimmt auch etwas Grundsätzliches nicht mit seinem Mindset - und damit stellt er in meinen Augen den Sinn und Nutzen aller seiner weiteren Empfehlungen gleich mit in Frage. 

Nun gut, vielleicht sollte ich jetzt nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten. Immerhin habe ich aus vielen seiner Videos eine Menge gelernt. Das war das erste, das ich inhaltlich so total daneben fand, daß ich mir gewünscht hätte, er hätte dies auch erkannt.

Was ich von Frau Dr. Tarman als Therapeutin wie als Mensch zu halten habe, ergab sich aus einer aufschlußreichen Randbemerkung kurz vor dem Moment, als ich den Podcast abschaltete. In der äußerte sie sich nämlich sehr verächtlich über Raucher, die nicht den Wunsch oder die Absicht haben, das Rauchen aufzugeben. Über "bußfertige" Raucher - auch dann, wenn ihnen der Rauchstopp nicht gelingt - fand sie vergleichsweise auffallend wohlwollende Worte. Das wirft ein bestimmtes und, wie ich finde, besonders negatives Licht auf die Fundamente ihrer Überzeugungen: Sie unterlegt die Sache mit der quasireligiösen Vorstellung, es ging um sündhaftes Verhalten, das angesichts der Versuchung durch einen Teufel (Tabakindustrie hier, Lebensmittelindustrie dort) dem der Versuchung Erlegenen durchaus verziehen werden könne, aber nur, wenn sie bußfertig sind und nach Erlösung streben. Wenn aber jemand absichtlich weitersündigen will, ist das aus ihrer Sicht absolut inakzeptabel. Solchen Menschen kann sie nur Verachtung entgegenbringen.

Das ist erstens ein bißchen viel selbstempfundenes Sendungsbewußtsein für eine meiner Meinung nach von vornherein falsche Grundannahme, auf deren Basis sie herumtherapiert. Zweitens ist es übergriffig. Nicht einmal dann, wenn sie recht hätte - was anzuzweifeln ich, siehe oben, gute Gründe habe -, hätte sie damit auch das Recht erworben, Moralurteile zu fällen. Drittens beweist es die möglicherweise unbewußt einfließenden unwissenschaftlichen Bestandteile in ihre vermeintlich wissenschaftlich begründete Therapie. 

Daß ich eine verstockte Ernährungssünderin bin, hat in Wirklichkeit mehr wissenschaftliche Begründung als ihre Behandlung der bußfertigen und nach Erlösung von ihrer Sünde lechzenden Ernährungssünder. Denn das, was ich mache, funktioniert - jedenfalls für mich - einfacher und besser als das, was sie mit ihren Patienten macht. Auch wenn ich nicht immer durchschaue, wann und warum es wie funktionieren wird, und mit Prognosen oft genug falsch gelegen bin, bin ich doch mental flexibel genug, um jede Theorie kritisch zu hinterfragen, egal wie plausibel sie wirkt, sofern sie in der Praxis doch nicht die Wirkung erbringt, die sie theoretisch hätte haben müssen. 

Worauf es mir ankommt, ist die angestrebte Wirkung, und ich würde bereitwillig auch Dinge tun, von denen ich nicht kapiere, warum sie funktionieren, sofern sie nur funktionieren. Denn irgendeinen Grund wird es dafür dann ja auch geben, und theoretisch müßte es möglich sein, ihn herauszufinden - auch dann, wenn mir die Mittel nicht gegeben sind, ihn selbst herauszufinden. Gibt es aber etwas Wissenschaftlicheres, als in einer Gesundheitsfrage weder an Teufel und Hexen noch an Schuld, Buße und Erlösung zu glauben, sondern an eine Ursache A, die eine Wirkung B nach sich zieht (oder viele Ursachen A bis Z, die dabei zusammenspielen), auch wenn die Gleichung einstweilen noch nicht aufgelöst werden kann?




Samstag, 11. Juni 2022

Mein Stoffwechsel, das unbekannte Wesen

Mein Gewicht heute früh nach vier Fastentagen: 84,4 Kilogramm. Ein versöhnlicher Abschluß: Mein Startgewicht lag 300 Gramm über dem des letzten Fastenintervalls, das Ergebnis nach vier Tagen liegt nun 200 Gramm niedriger als vor zwei Wochen. Da waren wohl irgendwelche merkwürdigen Sondereffekte mit im Spiel, die ich nicht kenne und wohl auch nicht herausfinden kann. - Mein Stoffwechsel, das unbekannte Wesen! 

Schade, daß ich dennoch immer noch über meinem Tiefstgewicht von 84,2 Kilogramm liege, das ich  noch in der Low-Carb-Phase erreicht hatte. Das ist jetzt immerhin schon fast zwei Monate her. Eigentlich bin ich - trotz meiner düsteren Gedanken über Plateaus im letzten Beitrag - immer noch der Meinung, daß es eigentlich schon wieder abwärts gehen wird, aber es zerrt halt an den Nerven, wenn man so lange auf einen neuen Erfolg warten muß, der einem auch von der Waage angezeigt wird.

Ganz ehrlich? Langsam glaube ich nicht mehr daran, daß ich es schaffen werde, bis zum nächsten Sommer mein Zielgewicht zu erreichen. Dafür haben seit Jahresbeginn zu viele Dinge schlechter als erwartet funktioniert: zwei Monate EMS-Training mit einem Effekt von exakt null, sieben Wochen Low-Carb-Phase nur mit einem Minus von 2,5 Kilo, danach zwei Monate lang überhaupt keine Abnahme mehr ... So kann das eigentlich nicht klappen. Spätestens diese Woche hätte ich ein deutliches neues Tiefstgewicht gebraucht. Hätte ich heute endlich auf der Waage die 83 gesehen, würde ich meinen Zeitplan vielleicht noch für einhaltbar halten.

Aber wenn's so sein sollte, daß es bis zum nächsten Sommer doch nicht klappt, muß ich eben in die Verlängerung gehen. Vielleicht liegt mein Endspurt dann halt im Herbst oder im Winter.

Auf der positiven Seite habe ich auch, wenn ich totalen Frust schiebe und mir sogar mal Dinge wie "Ist doch eh alles sinnlos" durch den Kopf gehen, gar keine Probleme, das Fasten trotzdem wie geplant durchzuziehen. Ich frag mich echt, warum das so vielen anderen dermaßen schwer zu fallen scheint. Zum Teil mag es an einem chronischen Energiedefizit liegen. Denn Fasten mit einer kalorienreduzierten Diät in den Eßphasen zu kombinieren, halte ich tatsächlich für einen großen Fehler, weil es nach den üblichen ca. sechs Monaten, in denen man noch mit viel Willenskraft dem ständigen Hunger standhält, dann dazu führt, daß man dann, wenn die Erfolge spärlicher werden oder ganz ausbleiben, schon so zermürbt ist, daß der Gedanke ans Aufgeben gar zu verführerisch wird. - Selbstverständlich ist man aber mit dieser Kombination, Intervallfasten plus kalorienreduziertes Essen, am Anfang meistens sehr erfolgreich, sofern man halbwegs konsequent dabeibleibt. Will man viel Gewicht loswerden, ist es aber fast schon ein Garant fürs Scheitern.

Wahrscheinlich spielt bei vielen Abnehmenden auch eine Rolle, daß sie bewußt oder unbewußt die Vorstellung verinnerlicht haben, daß das, was sie tun, eine Strafe ist, die ihnen für falsches Verhalten auferlegt wurde und sich deshalb auch wie eine richtige Strafe anfühlen sollte. Das führt dazu, daß solche Leute sich die Sache schwerer als nötig machen. Ich habe eigentlich noch nie verstanden, warum man während des Fastens Essenseinladungen annehmen oder Events besuchen sollte, bei denen man jedes Mal seine Selbstkontrolle riskiert und ständig anderen erklären muß, daß man gerade faste oder eine Diät halte und dies oder jenes nicht essen dürfe. Ganz ehrlich: Auf solche Gäste könnte ich verzichten, wenn ich mich schon in die Küche stelle und versuche, eine Essen zu zaubern, das meine Besucher glücklich machen soll. Nach dem Prinzip "Was du nicht willst, das man dir tu ..." mute ich das anderen auch nicht gerne zu und vermeide es, so weit es mir möglich ist. Das ist auch ganz leicht, wenn man zwei oder drei Tage in der Woche fastet, man kann einen Fastentag einfach verschieben oder in manchen Fällen auch mal einen auslassen.

Klar, seinen Fastenrhythmus auf Gedeih und Verderb unabhängig von allen äußeren Einflüssen durchzuziehen, hat auch positive Seiten, weil es einen motivierenden Effekt hat, wenn es funktioniert und man sich selbst seine Willensstärke beweisen konnte. Sogar dem Gastgeber erklären müssen, warum man gar nicht oder nur selektiv und spärlich zugreift, kann dann eine Genugtuung sein. Ich selbst finde so was allerdings aus obigen Gründen unhöflich und passiv-aggressiv, die Botschaft lautet ja "Ich bin tugendhafter als du". 

Der eindeutige Haken bei der Sache ist aber, daß es eben solche Gelegenheiten sind, bei denen man dann zuweilen doch der Versuchung nicht mehr widerstehen kann. Und wenn sich das dann zu häufen beginnt, ist oft der Dammbruch nicht mehr fern.

Ich würde immer empfehlen, wenigstens in den ersten Monaten Fastentage zu verschieben, wenn sie mit solchen Gelegenheiten kollidieren. Anfangs habe ich es sogar vermieden, einkaufen zu gehen, aber mittlerweile hat sich das verloren. Nur in die Markthalle traue ich mich nicht so recht, weil einem da so häufig Kostproben angeboten werden. Ich finde es auch unangenehm, wenn ich so etwas ablehnen muß.

Mal sehen, wie es weitergeht. Nächste Woche ist glücklicherweise der letzte der Feiertage, die mir in den letzten Wochen eine Art Fasten-Slalom um die Feiertage herum aufgenötigt haben, und dann geht es endlich mal ein paar Wochen lang wieder normal weiter ... bis dann im August der Urlaub mich zum Zurückfahren des Fastens nötigen wird, das ärgerlicherweise wieder fünf Wochen lang anhalten wird, weil der Urlaub meines Mannes genauso ungeschickt liegt wie letztes Jahr.

Natürlich KÖNNTE ich auch lange Fastenintervalle einlegen, solange mein Mann daheim ist. Aber wenn wir mal gemeinsam Zeit verbringen können - normalerweise ist das wegen seiner Schichtarbeit ja immer ein bißchen eingeschränkt -, will ich das auch genießen können.

***

Auf Twitter las ich eine Diskussion zwischen einem der seriösesten Forscher zum Thema Adipositas, Kevin Hall, und einem der vehementesten Verfechter von Keto aus der ernährungsmedizinschen Praxis, Dr. Tro. Interessant ist vor allem der Post von Dr. Tro, der diesen Schlagabtausch ausgelöst hat, denn in ihm begeht der Arzt eine Art Sündenfall: Er baut die Kalorientheorie in seine Ernährungstheorie mit ein. Adipositas bezeichnet er als "Hungerproblem", nicht ein "Energieproblem", der Energieüberschuß sei Ergebnis eines "multifaktoriellen Prozesses". In diesen Prozeß einzugreifen, sei die Aufgabe der Adipositasbehandlung. 

Das deute ich so, daß er mit seiner ketobasierten Herangehensweise bei seinen eigenen Patienten mittlerweile ziemlich vielen von ihnen - und sich selbst - Mißerfolge zu erklären hat. Und prompt, wie an der Schnur gezogen, kommen auch bei ihm durch die Hintertür wieder die Kalorien mit ins Spiel. 

Früher oder später erwischt die lebenslange Indoktrinierung offenbar jeden. Außer mir 😜.

Die Sache, die er geäußert hat, hat aber einen Kern, der mir sehr wohl richtig erscheint. Ich bin, wenn ich Low Carb esse, immer wieder beeindruckt davon, wie anders der Sättigungsprozeß dann abläuft - und wie schnell das geht. Vom ersten Gefühl, langsam satt zu sein, bis zur Entwicklung eines Widerwillens, noch weiterzuessen, braucht man höchstens zwei, drei Bissen. Auf diese Weise ist es praktisch unmöglich, sich zu überfressen. Das macht Low Carb für Leute, die nach jahrelangem exzessiven Diäthalten überhaupt kein Sättigungsgefühl mehr zu haben glauben, tatsächlich einfacher als Intervallfasten. Das ist ja auch der rote Faden bei den Low-Carb-Enthusiasten, das niemals endende Staunen darüber, daß sie sich nun wahrhaftig einfach satt essen können. Ich bin ein Sonderfall, weil ich zwar vor dem Intervallfasten auch jahrelang abzunehmen versucht habe, aber extreme Kalorienreduktion nicht für sinnvoll gehalten habe. Deshalb hatte ich dieses Heißhungerproblem nicht, das vielen Diät-Routiniers das Leben so sauer macht. Mir fiel Intervallfasten von Beginn an leicht, aber jemand mit Heißhungerattacken findet Low Carb bestimmt einfacher.

So blöd ist der Umkehrschluß aber auch wieder nicht, daß es die Kohlenhydrate sind, die einen dazu verlocken, mehr zu essen, als der Körper verarbeiten kann. Nur, er steht im Widerspruch zu dem, was ich selbst erlebt habe.

Ich habe, kombiniert mit Intervallfasten, trotz Kohlenhydraten und obwohl ich mir von Beginn an außerhalb der Fastenphasen nie irgendwelche Beschränkungen beim Essen auferlegt habe, meine ersten fast fünfzig Kilo abgenommen, einen großen Teil davon erstaunlich schnell und völlig mühelos. Man glaubt nämlich gar nicht, wie einfach Fasten sein kann, sofern man weiß, daß alles, worauf man während des Fastens Lust hätte, dann eben morgen gegessen werden kann. 

Die verblüffende Beschleunigung meiner Abnahme im letzten Herbst mit Low Carb erfolgte außerdem, obwohl ich mehr Kalorien als im Monat vorher mit normaler Ernährung zu mir genommen habe. Es ergibt deshalb keinen Sinn, zu vermuten, die Abnahme müsse daran liegen, daß Low Carb es ermöglicht, weniger Kalorien zu sich zu nehmen.

Dr. Tros Annahme steht also in klarem Widerspruch zu dem, was ich selbst erlebt habe. Und das ist ein K.O.-Kriterium. Auf mich trifft diese Theorie definitiv nicht zu.

Glücklicherweise ist Dr. Tro selbst einmal stark übergewichtig gewesen und die Wirkung von Keto auf ihn selbst war für ihn eine Art Offenbarungserlebnis, ähnlich wie für mich das Intervallfasten. Daß er seinen Patienten unbedingt auch solche Offenbarungen verschaffen möchte, ist ihm ohne weiteres zu glauben. Das sollte ihnen jedenfalls einen Schutz davor bieten, von ihm wider besseres Wissen auf sinnlose Irrwege geschickt zu werden, wie das bei den Ärzten denen seine persönliche Erfahrung fehlt und oft auch der Problematik gleichgültig gegenüberstehen, leider normal ist. Sobald er einen Irrweg als solchen erkennt, wird er ihn ohne Zögern wieder verlassen. 

Genau deshalb habe ich ihn, obwohl er mir manchmal fürchterlich auf den Zeiger geht, nie entfolgt. Ärzte, die es so ernst meinen mit der Heilung, die sie ihren Patienten angedeihen lassen wollen, daß für sie die individuelle Heilung mehr zählt als dafür eine vermeintliche wissenschaftliche "Faktengrundlage" vorweisen zu können, daß dies bei jedem anderen auch funktionieren würde, sind ja selten genug. Das wiegt sein Heilsprediger-Gehabe dann doch wieder auf.

Eigentlich sollte man es zu einer Zugangsvoraussetzung für Adipositasbehandlung machen, daß der Behandler (ob nun Arzt oder Ernährungsberater) selbst Adipositas gehabt und sie erfolgreich und dauerhaft besiegen konnte. Alle anderen reden schließlich wie die Blinden von der Farbe. 

Das Problem bei der Suche nach dem richtigen Mittel gegen Adipositas wird sich aber leider nicht lösen lassen, solange alle nur nach dem einen Mittel, das immer und bei jedem hilft, suchen, und noch dazu erwarten, daß dieses Mittel sich dann auch dauerhaft erfolgreich anwenden läßt. Die Daten von Virta, die ich im letzten Beitrag verlinkt hatte, bestätigen mir, daß man auch mit Low Carb auf längere Sicht voraussichtlich keinen Erfolg hat, wenn man sein einmal gewähltes Programm über fünf Jahre hinweg unverändert anzuwenden versucht. 

Daß ich jetzt schon zweimal erfolgreich zeitlich begrenzte Low-Carb-Phasen als Ergänzung zum Intervallfasten nutzen konnte (obwohl ich mir von der zweiten vorher noch mehr versprochen hatte), zeigt aber auch, daß es völlig falsch wäre, Low Carb wegen der enttäuschenden Ergebnisse bei Virta kurzerhand abzuschreiben.

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Normalerweise liegt mein Übergangstag nach einem langen Fastenintervall auf einem Freitag. Da ich wegen Pfingsten diesmal erst am Dienstag begonnen hatte, ist es der Samstag, an dem mein Mann und ich es uns traditionell mit einem opulenten gemeinsamen Frühstück um 12 Uhr, gefolgt von der zweiten Runde Kaffee, nur diesmal kombiniert mit Kuchen, gut gehen lassen. Diesmal habe ich Brötchen aus Kartoffelfasern, Leinmehl, Flohsamenschalen, Quark und Eiern gebacken, die geschmacklich und optisch auf Augenhöhe mit jedem Weizenmehlbrötchen waren (nur knusprig waren sie nicht), und außerdem einen Pseudo-Biskuit mit Mandelmehl, gefüllt mit einer Mascarpone-Erdbeer-Creme, die trotz einer Gelatine-Zugabe leider noch rechtzeitig steif genug geworden war, als ich sie der Form zu entnehmen versuchte. Deshalb auch kein Foto; geschmeckt hat es hervorragend, aber optisch hat es leider nicht viel hergemacht. Den Rest, den wir morgen essen werden, habe ich noch einmal in Form zu bringen versucht und er steht jetzt im Kühlschrank. Mal sehen, ob er morgen "fotogener" sein wird als heute.

Und jetzt mache ich gleich für das Abendessen nach längerer Zeit mal wieder eine Big-Mac-Rolle, auf die ich mich jetzt schon freue wie blöd. Und als ich meinem Mann meine Abendessen-Pläne verkündete, strahlte er so sehr, daß er sich jetzt wohl auch schon wie blöd darauf freut. 

So muß das sein. Essen muß weder gesund noch schlank noch fit, sondern es muß Spaß machen.