Mein Gewicht heute früh: 73,2 Kilogramm. Das ist, nun ja, total unbefriedigend, aber damit hatte ich leider auch rechnen müssen - wobei ich nicht erwartet hatte, noch nicht einmal die 73 Kilo zu unterbieten. Aber jetzt isses so, wie es ist, eine vernünftige Erklärung für die Entwicklung habe ich nicht, also gilt: neue Woche, neues Glück. Manchmal sind die Gewichtsschwankungen ja völlig unvorhersehbar, und womöglich geht es nächste Woche dafür steiler als erwartet nach unten. Denn am Sonntag ist unser letzter Low-Carb-Tag, und dann geht es mal wieder in den Endspurt. Das heißt konkret: vier Fastentage unter der Woche, und mit Ausnahme des ersten Tags nach viel aufeinanderfolgenden Fastentagen esse ich normal. Nächste Woche lege ich also los mit zwei Fastentagen Montag und Dienstag, am Mittwoch kriegen wir Besuch, also faste ich da nicht, aber dafür noch einmal am Donnerstag und Freitag. In der Woche drauf habe ich aber die Absicht, wirklich vier Tage am Stück zu fasten, wahrscheinlich von Montag bis Donnerstag, wie mir das am liebsten ist.
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Ich bin kein Fan von Autokratien, weder voll ausgebildeten noch solchen, die eine bisherige Demokratie mit zunehmende Erfolg in eine solche umzuwandeln anstreben, und so brachte mich der US-Gesundheitsminister in den letzten Monaten zuweilen in einen ernsthaften Zielkonflikt, weil er mit solcher Hemmungslosigkeit manchmal auch Dinge tut, von denen ihm das gesamte Gesundheitssystem der USA im Chor dringend abgeraten hätte, die ich aber für höchstwahrscheinlich richtig und potentielle Gamechanger halte. Wie löst man das Problem, daß man sich einerseits im Ernährungsbereich und ebenso im Fall von Krebs mehr davon wünschen würde, aber dies andererseits einen längeren Fortbestand einer ansonsten völlig untragbaren US-Regierung voraussetzen würde?
Etwas ähnliches ging mir jetzt bei dieser chinesischen Studie durch den Kopf, deren Volltext leider mal wieder hinter einer Bezahlschranke versteckt wurde, die aber herausgefunden haben will, daß Tumore es überhaupt nicht mögen, wenn man fastet, jedenfalls dann, wenn im Anschluß an dieses kurze Fastenintervall eine Immuntherapie erfolgt. Was wohl meine spezielle Freundin, die Frau Professorin Hübner, dazu meint? Oder meint sie gar nichts, weil sie bei diesem Thema generell auf Autopilot läuft? Hier wenigstens der Text des Abstacts:
Dietary interventions hold promise for cancer therapy but often require prolonged, poorly tolerated regimens. Furthermore, how transient nutrient deprivation affects the metabolic interplay between tumor and immune cells within the tumor microenvironment (TME) remains unknown. Here, we introduce a brief, 16-h fasting regimen that enhances immunotherapy efficacy in both mice and humans. We found that this transient nutrient stress alters tumor-cell nutrient preferences, creating a metabolic window that can be leveraged to augment treatment. Mechanistically, short-term fasting induces intratumoral accumulation of isoleucine, which reconfigures CD8+ T cell epigenetic programs and phospholipid remodeling, thereby licensing enhanced anti-tumor capacity. In patients receiving neoadjuvant immunotherapy, short-term fasting was able to enhance CD8+ clonal expansion and cytotoxic programs. These findings establish a clinically feasible, well-tolerated dietary regimen that counters nutrient competition in the TME and that provides a tractable path to strengthen existing immunotherapy regimens.
Und hier außerdem ein paar Details, die bei Twitter von einem gewissen David Sinclair angesprochen wurden. Die Diskussion im Thread erinnert mich zwar wieder daran, warum ich mich bei Twitter nicht mehr so viel aufhalte, aber ein paar zusätzliche Informationsschnipsel von jemandem, der die Studie im Volltext gelesen hat, sind ja besser als nichts.
Interessant, daß die Wirkung schon bei sechzehnstündigem Fasten meßbar war. Wobei ich ein bißchen verwirrt über dieses "in both mice and humans" bin. Mäuse haben ja einen wesentlich schnelleren Stoffwechsel als Menschen. Ich hab nicht mehr im Kopf, wie lange ein Mensch fasten müßte, damit es 16 Stunden bei einer Maus entspricht, aber es waren mindestens 36 Stunden, vielleicht sogar zwei volle Tage. Ich nehme an, die Forscher haben aber wirklich Mäuse wie Menschen über dieselbe Stundenzahl hinweg fasten lassen, sonst hätten sie das doch sicher erwähnt. Da wüßte man schon gerne, ob die Wirkung bei Menschen schwächer ausgefallen ist, oder ob der Effekt vergleichbar war.
Wie auch immer, mit zwei Fastentagen vor der Chemo, die ich mir geleistet habe, war ich mindestens auf Augenhöhe mit den Mäusen. Weil ich mich, als sich in den letzten vier Zyklen herausstellte, daß die Nebenwirkungen des Carboplatins doch unangenehmer waren, als ich das von Epirubicin und Cyclophosphamid gewohnt war, aber mehr auf die Nebenwirkungen fokussiert habe und den Eindruck hatte, daß es dafür sinnvoller ist, den Teil der viertägigen Fastenphase zu verlängern, der nach der Chemo stattfindet, habe ich die zwei Tage vorher auf einen verkürzt. Die Wirkung auf den Tumor habe ich damit unter Umständen ein wenig verringert, aber da ich auch so die erhoffte pathologische Komplettremission hatte, würde das ja keine Rolle spielen. Wobei der Tumor in der EC-Phase, als ich das noch andersrum machte, deutlich langsamer als später mit der Immuntherapie geschrumpft ist, also spielt die längere Dauer des Fastens vor der Chemo kaum eine Schlüsselrolle.
Spannend ist es immerhin, daß diese Studie ausgerechnet aus China kam. Es ist schon ein Weilchen her, daß ich irgendwo hörte oder las, daß in Chinas Wissenschaft das Interesse an therapeutischer Ketose als Behandlungsmethode bei Krebs zunehme, obwohl ich nicht mehr genau weiß, woher ich das hatte. Ich erinnere mich jedenfalls noch, daß ich dachte, dann wäre Chinas autokratisches System womöglich doch mal für was gut - ebenso, wie die DDR in den Siebzigern das kleine Kunststück fertiggebracht hat, sich um das unbegründete Zögern der weltweiten Wissenschaft einfach nicht zu scheren und die Bauchlage in Kinderkrippen zu verbieten, weshalb in der DDR viel weniger plötzliche Kindstode vorkamen als in der BRD. Ob das denkbar ist, daß der Durchbruch von Seyfrieds Krebsentstehungstheorie gar nicht in den USA geschehen wird, sondern in China? Einfach deshalb, weil das dortige Wissenschaftssystem andere unwissenschaftliche Einflußvariablen hat, und es durchaus eine Ordre di Mufti geben könnte, der betreffenden Frage auf den Grund zu gehen? Das kann in manchen Fragen unangenehme Folgen haben, aber in diesem Fall würde es vielleicht den entscheidenden Schubs bedeuten.
Es gibt beim Krebs, wo ja gerade erfreulicherweise einiges in Bewegung ist, noch eine weitere interessante Nachricht: "Forscher in Texas und Portugal haben eine Methode entwickelt, mit der sich Tumorzellen gezielt mit Licht zerstören lassen – ganz ohne Chemo, Strahlung oder Operation. Statt teurer Laser nutzt das Verfahren gewöhnliche LED-Lampen und winzige Flocken aus Zinnoxid." So meldete das der Focus. Den Abstract der Studie (Volltext wurde hinter einer Bezahlschranke versteckt) findet man hier. Klingt echt vielversprechend. Der Haken daran ist, daß es sich erst um Laborversuche handelt. Auch wenn alles so funktionieren sollte wie erhofft (was noch keineswegs gesagt ist), wird das also niemandem helfen, der gerade eben eine Krebsdiagnose erhalten hat. Bis daraus eine Behandlung entstehen kann, das kann noch Jahre dauern.
Aber es lohnt sich bestimmt, das weiter im Auge zu behalten. Falls es zur Anwendungsreife kommen sollte und nur halb so gut wirken sollte, wie das einem hier weisgemacht wird, wäre das ein echter Gamechanger. Vor allem bei metastasierten Krebserkrankungen wäre das eine sensationelle Verbesserung der Therapie. Die Krankenkassenbeiträge würden vermutlich sinken, wenn bei den jährlich 500.000 Krebspatienten Chemotherapeutika, Bestrahlung und vielleicht sogar in manchen Fällen die OP nicht mehr erforderlich wären, denn im Moment machen Krebsbehandlungen immerhin zehn Prozent der Ausgaben der Krankenkassen aus. Den einzigen Schaden hätten diejenigen, die im Moment am meisten davon profitieren, daß Krebsbehandlungen so schweineteuer sind.
Wobei ich gewisse Zweifel habe, ob dies wirklich geeignet ist, den Krebs auch rückstandsfrei, also ohne überlebende Krebszellen, die dann auf der Stelle wieder zu wuchern beginnen, zu beseitigen, deshalb bin ich, was einen möglichen Wegfall der OP betrifft, eher skeptisch. Im Anschluß an die Behandlung wird außerdem wohl sehr viel engmaschiger und auch mit technologischem Einsatz überwacht werden müssen. Ich frage mich auch, ob und wenn ja welche Nebenwirkungen dieses Zinnoxid haben mag. Aber irgendwie fällt es mir schwer, mir vorzustellen, daß das schlimmer als die einer durchschnittlichen Chemotherapie sein könnte, und überhaupt sind meine Wenns und Abers weniger mäkelig gemeint, als sie vielleicht klingen. Ich frage mich nur, wo der Haken sein könnte, falls es einen geben sollte, um nicht zu enttäuscht zu sein, falls die Sache am Ende doch sang- und klanglos wieder eingestampft wird. Das gab es ja auch schon mehr als einmal, daß man sich von neuen Behandlungsmethoden bei Krebs mehr versprochen hat, als dann dabei herauskam.
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Sollte die Ankündigung, die bezüglich des GEG kam, umgesetzt werden, ist das eine sehr gute Nachricht für jeden, der eine Eigentumswohnung in einem Gebäude besitzt, in dem bislang die Wohnungen jeweils einzeln beheizt wurden, meist mit Gas-Etagenheizungen. Für solche Gebäude entfällt künftig neben anderem auch die absurde Pflicht für WEGs, sich nach Einbau einer neuen Gas-Etagenheizung in einer der Wohnungen im Gebäude gegen einen Umstieg auf Zentralheizung entscheiden zu müssen, also im anderen Fall dazu verpflichtet ist, dies zu tun. Dafür verzeihe ich der Bundesregierung so manches Ärgerliche in anderen Bereichen und auch die billigen Seitenhiebe auf Robert Habeck, die eigentlich nicht nötig gewesen wären.
Man könnte ja einwenden, diese Verpflichtung ließe sich doch ganz leicht abwenden, wenn sie nicht sinnvoll umgesetzt werden kann und deshalb in einer WEG sich die Miteigentümer weitgehend einig seien, daß man das bleiben lassen solle. Aber ganz so einfach ist das nicht. Man kann nicht einfach einmal entscheiden, und dann ist der Pflicht Genüge getan. Bei der nächsten neu eingebauten Gastherme, weil in einer der anderen Wohnungen im Gebäude die alte Therme irreparabel ausgefallen ist, ist dasselbe Prozedere, also eine Abstimmung der WEG, nämlich wieder fällig, und das Spielchen ist theoretisch nie zu Ende, bis auch die letzte Wohnung im Haus dann nicht mehr mit einer Gastherme ausgestattet ist.
Wer schon öfter versucht hat, seinen Strom- oder Gasanbieter zu wechseln, hat damit Erfahrung: So was kann nicht nur schiefgehen, es geht viel häufiger schief, als man sich das zuvor hätte vorstellen können. Ich bin schon zweimal am Ende eines solchen Bestellprozesses wieder in der Grundversorgung gelandet, und nur einmal war ein Versäumnis von mir daran schuld - das Prozedere war zu komplex und die Informationen des Anbieters, zu dem ich wollte, waren so spärlich, daß es kein großes Wunder war, daß die Sache schiefging. Aus diesem Grund finde ich das Energieanbieter-Hopping auch nicht eine sonderlich gute Methode, um Geld zu sparen, und suchte mir daraufhin einen Anbieter, bei dem ich dauerhaft zu bleiben gedachte, und nachdem es bei dem schließlich klappte mit der Anmeldung, tat ich das dann auch.
Genau das ist auch das Problem bei diesem Zwang, immer wieder aufs neue abzustimmen - und zwar vor allem wegen der vorgeschriebenen Mehrheitsverhältnisse, daß also nicht eine einfache Mehrheit der Abstimmenden ausreicht, sondern zwei Drittel aller Miteigentümer ausdrücklich gegen den Wechsel auf eine Zentralheizung stimmen müssen. Dabei kann so vieles schiefgehen, daß völlig klar ist, daß eine Menge WEGs unabsichtlich und gegen ihren Willen in die Zentralheizungspflicht hineinrutschen. Im Falle des Hauses, in dem ich vor meinem Umzug gewohnt habe, wäre es ausreichend, wenn vier Miteigentümer aus welchen Gründen auch immer bei der Abstimmung einfach nicht anwesend oder durch Vollmacht vertreten sind, damit alle zehn zu dieser Umstellung verpflichtet sind. Das heißt, wenn man das verhindern will, muß man wie ein Schießhund aufpassen, daß niemand zur Unzeit in Urlaub fährt oder krank wird, ohne wenigstens eine Vollmacht für die Abstimmung erteilt zu haben. Daß die Hausverwaltung sich auch darum noch kümmert, kann man realistischerweise aber nicht annehmen. Alle Hausverwaltungen, die ich kenne, sind auch so schon heillos überlastet, was auch mit den umfangreichen Berichtspflichten aus dem GEG zu tun hat, die nun glücklicherweise auch bald Geschichte sein werden. Die werden deshalb den Teufel tun, den Miteigentümern hinterherzurennen, womöglich nicht einmal gegen Extravergütung. Daneben gibt es außerdem auch nicht nur kompetente Hausverwaltungen, und eine, die verschnarcht oder unfähig ist, kann die Sache auch aus Verschnarchtheit oder Inkompetenz vermasseln. Es kann auch passieren, daß niemand etwas falsch gemacht hat, und die Sache durch einen unglücklichen Zufall schieflief.
Ist die Sache aber einmal vermasselt, ist das wie beim Russischen Roulette: eine Wiederholung ist dann nicht mehr möglich, mit der man alles wieder rückgängig machen könnte. Alle müssen die Umstellung dann mitbezahlen - und der Pechvogel, dessen kaputte Therme die Sache ausgelöst hatte, muß dies zusätzlich zu den Kosten seiner neuen Therme. Alleine schon, daß einer der Miteigentümer roundabout 10.000 Euro einfach in den Sand hat setzen müssen, falls eine Zweidrittelmehrheit aus irgendwelchen Gründen nicht zustande kommen sollte, ist aber mehr als nur eine Zumutung, es ist eine krasse Benachteiligung durch den Gesetzgeber. Noch dazu ist es ja so, daß eine neue Therme nun einmal zügig eingebaut werden muß, wenn die vorhandene den Löffel abgibt, und je tiefer in der Heizperiode, desto schneller. Da hat man keine Zeit, noch lange Feldforschungen zu möglichen Alternativen zu betreiben, und ebensowenig Zeit, dafür lange Umbauzeiten in Kauf zu nehmen. Das gilt auch und sogar ganz besonders für vermietete Wohnungen. Neben diesem besonderen Pechvogel sind aber auch die Miteigentümer um so stärker benachteiligt, je neuer und damit effizienter ihre Thermen sind. Noch übler sind allenfalls diejenigen Miteigentümer dran, die noch mit Einzelöfen heizen, denn denen blühen dann in ihrem Sondereigentum natürlich auch noch die Kosten für die benötigten Leitungen und Heizkörper. Aber für die Besitzer von Etagenheizungen gilt: Je älter die Heizung, desto länger haben sie in die Heizung nicht mehr investiert und desto weniger hart sind sie deshalb von den entstehenden Umstellungskosten getroffen.
Und dieses Damoklesschwert hängt über jeder WEG mit einzelnen Beheizungslösungen pro Wohnung, und das so lange, bis die letzte Gasetagenheizung aus dem gesamten Gebäude verschwunden ist.
All dies ist meiner Meinung nach eine unzumutbare Benachteiligung von Miteigentümern in WEGs gewesen, deshalb ist es gut, daß das abgeschafft wird. Ich weiß wirklich nicht, was Robert Habeck gebissen hat, so etwas federführend zu verantworten. Denn diese Vorgehensweise beruht auf dem Prinzip, die Dummen und Leichtsinnigen erwischen und zu etwas verpflichten zu können, was sie normalerweise nie tun würden. Die ständig von bestimmten Gruppen geforderte Widerspruchslösung bei der Organspende beruht auf demselben Prinzip. So etwas tut man als anständige Regierung einfach nicht, es ist schlicht unanständig - genau so funktioniert nämlich auch das Abofallenprinzip. Mit so einem Vorgehen drückt man außerdem auch aus, daß man von vornherein weiß, daß man etwas anstrebt, für das sich niemand aus eigenem Entschluß entscheiden würde. Die gefundene Lösung ist scheinheilig, weil sie nur so tut, als ginge es um Freiwilligkeit. Es geht in Wirklichkeit aber nur darum, die Leute unfreiwillig in eine Falle laufen zu lassen.
Dafür, keinesfalls freiwillig auf Zentralheizung umzusteigen, gibt es mindestens im Moment auch für viele betroffene WEGs sehr plausible Gründe. Denn zu dem Wohngebiet, in dem ich meine vermieteten Wohnungen habe, lese ich in der kommunalen Wärmeplanung folgendes:
Klimaneutrale Wärmeversorgung besonders herausfordernd (Rot): In diesen Gebieten ist eine Versorgung über Einzellösungen besonders schwierig, die erneuerbaren Potenziale für eine zentrale Versorgung sind aber auch sehr begrenzt.
Geheizt wird zu 91 Prozent mit Gas, 76 % der Gebäude stehen unter Denkmalschutz, und 48 % sind im Besitz von WEGs. Und liest man den zugehörigen Quartierssteckbrief, klingen die Pläne der Stadt eher ein bißchen hilflos, denn es ist auch nicht so richtig klar, wie man das bislang in diesem Gebiet nicht existente kommunale Wärmenetz dort überhaupt herstellen soll.
Mit anderen Worten, eine Zentralheizungslösung müßte bis auf weiteres ebenfalls auf Basis von Gas erfolgen. Bis auf weiteres meint hier: Mindestens noch bis zum Jahr 2035. Falls das, was man als zu untersuchende eventuelle Lösungsmöglichkeiten aufgeschrieben hat, sich nicht doch noch als nicht umsetzbar erweisen wird - und bis man das weiß, werden noch mehrere Jahre vergehen.
Bis dahin könnten aber alle Wohnungen längst mit Etagen-Wärmepumpen ausgestattet sein. Die sind im Moment zwar noch dreimal so teuer wie Gasthermen, aber das ist ja immer so, wenn ein Produkt ganz neu ist. Es kann ja nur eine Frage der Zeit sein, bis weitere Hersteller mit vergleichbaren Produkten auf den Markt kommen, sofern sich die erste Generation dieser Geräte in der Praxis bewährt. Photovoltaikanlagen waren auch mal sehr viel teurer, als sie es jetzt sind. Wer würde aber, Förderung hin oder her, die aktuell noch verlangten 30.000 Euro (mit Förderung trotzdem gerade so noch einigermaßen konkurrenzfähig in den Anschaffungskosten) für so ein Gerät investieren, wenn er sich nie so ganz sicher sein kann, daß er sich demnächst zusätzlich doch noch an den Kosten der Umstellung auf Zentralheizung fürs ganze Haus beteiligen muß, weil halt ein anderer Nachbar seine alte Gastherme durch eine neue Gastherme ersetzt und damit die Zentralheizungsfrage erneut auf den WEG-Tisch bringt?
Die zwangsläufige Folge dieser Zwickmühle, in die das GEG speziell WEGs mit Etagenheizunen bringt, lautet: Niemand investiert auch nur einen Cent mehr als zwingend erforderlich in die Heizung seines eigenen Sondereigentums, solange dieser idiotische Paragraph 71l keine Planungssicherheit zuläßt. Und das wiederum bedeutet, daß niemand alte Thermen ersetzt, solange sie noch laufen oder repariert werden können - und mein Installateur hat mir glaubhaft versichert, daß gerade die alten Thermen meist problemlos repariert werden können. Sie wurden vor dem GEG trotzdem häufig ersetzt, wenn ein Neugerät energieeffizienter und weniger reparaturanfällig war. Aber mit dem GEG bietet sich das wegen des hohen finanziellen Risikos, das man damit eingeht, nicht mehr an.
All das Geschwafel von Technologieoffenheit, von Biogas und was auch immer, das im Moment in allen Medien durchgekaut (und meist verworfen) wird, ist im Grunde Pipifax, ein Nebenkriegsschauplatz, sobald die Frage, wie man all die neuen Zentralheizungen in WEG-Mehrfamilienhäuser, die das alte Gesetz erzwungen hat, eigentlich ohne Erdgas über städtische Wärmenetze beheizen soll, sich nicht mehr stellt, wie das durch die Gesetzesänderung nun geschehen wird. Ich weiß nicht, ob der CDU bewußt ist, wie bedeutungslos das, worum sie so ein Theater macht, für die Heizgewohnheiten in Mehrfamilienhäusern wird, sobald es einen vernünftigen Ersatz auch für die Beheizung von einzelnen Wohnungen mit Gas gibt. Und da gibt es mittlerweile zwei ganz brauchbar wirkende Lösungen, die "Etagen-Wärmepumpe", die besonders einfach als Ersatz für Gasthermen eingesetzt werden kann, und die Split-Klimaanlagen. Bestimmt kommen noch weitere Neuentwicklungen in den nächsten Jahren hinzu. Anstatt Zeter und Mordio zu schreien, täte man seitens der Klimabeflissenen meiner Meinung nach besser, sich eine Strategie zu überlegen, auf welche Weise man dazu beitragen kann, daß diese Geräte möglichst schnell möglichst vielen WEG-Verwaltern und -Miteigentümern bekannt werden.
In Ein- bis Zweifamilienhäusern ist die Wärmepumpe - in Neubauten sowieso, aber allmählich auch in Altbauten - aber längst dabei, sich durchzusetzen. Es muß sich nur noch ein bißchen weiter herumsprechen, daß man dafür nicht gleich sein komplettes Altbau-Haus für sechsstellige Beträge rundumsanieren muß, die eine Menge Häuslesbesitzer nicht ausgeben können oder ausgeben wollen. Daß hier ständig so getan wurde, als wäre die Fassadendämmung und die Fußbodenheizung und alles mögliche sonst noch eine zwingend Vorbedingung, ohne die ein Wechsel der Beheizungsform gar nicht angefangen werden könne, hat die Wechselbereitschaft natürlich kaum erhöht - und dies ist auch mit dafür verantwortlich, daß die Leute mit solcher Panik auf das GEG reagiert haben. Außer diesem einen komplett mißratenen Paragraphen 71l für WEGs ist mir nämlich kaum etwas aufgefallen, das ansonsten bei Hausbesitzern einen wirklichen Grund zur Panik geboten hätte - es sei denn, ich habe einen anderen Sonderfall übersehen, weil er außerhalb meines Erfahrungshorizonts liegt. Den gefühlten Grund für die unbegründete massenhafte Panik unter Hausbesitzern haben die Klimabeflissenen aber selbst mit ihren ständigen Forderungen nach hundertfünfzigprozentigen Maximallösungen miterzeugt, obwohl in Wirklichkeit weit weniger als dies erforderlich wäre. Das ist jetzt kein Vorwurf, nur eine Feststellung.
Die Leute wollen an sich immer die Heizungen, die sich für sie, Umbauaufwand und spätere Einsparungen zueinander ins Verhältnis gesetzt, am besten rechnen, vorausgesetzt, sie müssen sich selbst dafür nicht erst an den Bettelstab bringen, weil ihre Kosten jenseits ihrer finanziellen Möglichkeiten liegen. Es ist doch so gut wie niemand scharf darauf, aus reiner Prinzipienreiterei Gas weiter zu behalten, wenn man dabei im Vergleich zu anderen Lösungen draufzahlen muß. Hätte es die Etagen-Wärmepumpe im März 2022, als meine Gastherme den Löffel abgab, bereits gegeben, hätte ich mich vermutlich für sie entschieden, nicht für eine Brennwerttherme. Meiner Meinung nach wird der Abschied von den fossilen Energien zum Heizen in den nächsten Jahren, da nunmehr erste Lösungen für Einzelheizungen bestehen, sehr unkompliziert weiter fortschreiten, auch wenn niemand mehr mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen wird. Je kleiner die Minderheit wird, die aus irgendwelchen Gründen lieber bei Gas oder Öl bleiben will, desto weniger fällt sie aber ins Gewicht. Es ist geradezu idiotisch, sich an ihr mit solcher Hingabe abzuarbeiten, wie das manche tun.
Hier kann ich nur an den gesunden Menschenverstand appellieren: Eine freiwillige 90-Prozent-Compliance ist allemal besser als eine 96-prozentige, die auf Zwang basiert. 100 Prozent erreicht man sowieso nicht, und sollte jemals der Fortbestand der Welt wirklich davon abhängen, daß 100 Prozent eine bestimmte Sache tun oder unterlassen, dann ist ihr unausweichliches Ende gekommen. Aber zum Glück sind solche Behauptungen immer dramatisierende Übertreibungen, die man getrost ignorieren kann. Die restlichen 10 Prozent werden halt irgendwann später hinterherziehen. So, wie meine Wohnung Ende der Achtziger, die noch mit Holz und Kohle beheizt wurde, irgendwann in den Neunzigern doch noch mit einer Gas-Etagenheizung ausgestattet wurde. Oder wie eine Wohnung, die ich vor roundabout 15 Jahren besichtigte, die noch über kein Badezimmer verfügte, weil der langjährige Mieter völlig zufrieden war, wie es war, unter Garantie beim nächsten Mieterwechsel vor dem Neubezug mit einem Bad ausgestattet wurde oder werden wird. Einen Anteil von sagen wir zehn Prozent verspäteten Umstellungen kann und muß unsere Gesellschaft und auch das Klima verkraften.
Das Ziel Klimaschutz wird in dem Fall aber nicht als Hauptzweck verfolgt, wenn jemand sich eine Wärmepumpe, ob nun Luft/Wasser oder - wie wir das planen - Luft/Luft, deshalb anschafft, weil diese Heizlösung einfach überzeugend ist. Und das ist es wohl, was die einschlägigen Organisationen sosehr daran so stört. Dieser nur notdürftig bemäntelte Wunsch, die vermeintlichen Sünder unbedingt auch unangenehme Bußübungen verrichten zu lassen, ist der rote Faden in allen moralisch unterfütterten Debatten.
Das gilt natürlich noch mehr für Vermieter, die viele Leute ja ganz generell und überhaupt ständig dafür bestrafen wollen, daß sie halt Vermieter sind. Nur deshalb wird jetzt überall die Not der unschuldigen Mieter heraufbeschworen, die ja gar keine Chance haben, hohen Heizkosten zu entgehen, wenn ihre Vermieter aus reinem Geiz die Achseln zucken und sie auf ihrer alten Gasheizung sitzenlassen, wie sie das ja immer täten, wenn nicht der Gesetzgeber sie mit vorgehaltener Waffe dazu zwingt, es anders zu machen. Das halte ich für Unsinn, denn tatsächlich - wie weiter oben beschrieben - waren mit dem Habeckschen Gesetz die Anreize, alte Thermen weiterlaufen zu lassen, sehr viel höher als jetzt. Und was die großen Gesellschaften betrifft, warum sollte so etwas für sie lukrativer sein, als die Förderungen und die Abschreibemöglichkeiten zu nutzen? Das sieht man ja alleine schon daran, daß vor allem Mieter großer Gesellschaften in den letzten Jahren mit energetischen Sanierungen von deren Gebäuden mit allen Problemen, die damit verbunden waren, konfrontiert waren. Von Baustellen bis zur anschließenden Mieterhöhung.
Private Vermieter, wie sie in WEGs der Regelfall sind, können aber auch rechnen. Wenn eine Maßnahme in ihrem Sondereigentum für sie selbst vorteilhaft ist, dann machen sie sie auch. Das bisherige GEG hat wirksam dafür gesorgt, daß alles, was sie bei der Heizung getan hätten, für sie mit ein bißchen Pech in einen gravierenden Nachteil umschlagen konnte, siehe weiter oben. Natürlich tun sie das dann lieber nicht. Aber tatsächlich ist eine zukunftsfeste und möglichst effiziente Heizungslösung auch beim Vermieten vorteilhaft. Das gilt vielleicht ein bißchen weniger in Großstädten mit Wohnungsmangel, aber überall sonst sind günstige Heizkosten ein Faktor, mit dem man sich positiv abheben kann. Und die Kosten, soweit sie die Förderung übersteigen, kann man ja gerade als Vermieter in voller Höhe steuerlich geltend machen.
Freilich, nicht jeder Mieter wird uneingeschränkt davon begeistert sein, wenn sein Vermieter nun natürlich auch nicht mehr bereit ist, sich mit der bescheideneren Kaltmiete für das zuvor unsanierte Objekt zu begnügen, sondern seine Investitionskosten in die Miete mit einpreist.
Diese ganze Debatte um das Gebäudeenergiegesetz alias Heizungsgesetz alias Gebäudemodernisierungsgesetz wird ziemlich scheinheilig geführt, und zwar von beiden Seiten.
Es ist doch Hybris, wenn ständig so getan wird, als könne ausgerechnet nur am deutschen Wesen das Weltklima genesen, und deshalb müßte man alle Widerstrebenden unter den wohnungs- oder hausbesitzenden Bürgern dazu zwingen, mindestens mit 110 Prozent Planerfüllung buchstabengetreu das zu tun, was die Fachleute im Moment für richtig halten. Deutschlands Industrie mag uns auch wirklich zu einem der großen CO2-Ausstoßer machen, aber unsere Privathaushalte sind kaum energieintensiver als in vergleichbaren anderen westlichen Ländern. Es ergibt also nicht viel Sinn, sich bei den Verboten und Zwangsmaßnahmen ausgerechnet auf die Privathaushalte zu konzentrieren. Nur: An die Unternehmen traut sich keine Regierung so richtig ran.
In Wirklichkeit waren es außerdem immer die überzeugenden technischen Entwicklungen, auf die es vor allem ankam. Die brauchen für den Anfang Erfindergeist und mutige Pioniere, die die Erfindungen praktisch einsetzen. In dieser Phase läßt sich die Entwicklung auch tatsächlich verstärken, indem man Anreize dafür setzt. An irgendeinem Punkt erweist sich aber dieses oder jenes der ausgetüftelten Dinge als Selbstläufer. Spätestens seit China anfängt, von fossil auf erneuerbar umzusteuern, darf man annehmen, daß dies mittlerweile auch geschehen ist, und diese Entwicklung sollte für das Klima eine so gute Nachricht sein, daß es doch Pipifax ist, wenn das Ende der Gasheizungen in Deutschland etwas langsamer erfolgt als eigentlich geplant - ich gehe, wie gesagt, aber sowieso davon aus, daß man den Unterschied kaum bemerken wird. Es ist viel besser, wenn sich so etwas deshalb durchsetzt, weil es eine überzeugende Lösung ist. China oder Indien hätte nun einmal niemand zu irgendwas zwingen können, also ist der Effekt einer überzeugenden Lösung global gesehen weitaus höher, als er durch Zwangsmaßnahmen in Deutschland je erzielt werden könnte.
Seit Afrika anfängt, von China entsprechende Anlagen zu kaufen, ist spätestens klar, daß die wirtschaftlichen Kalkulationen dazu einfach überzeugender sein müssen, als sich von den Amis oder womöglich Rußland Öl liefern zu lassen. Im winzigen afrikanischen Ländchen Gambia hatten noch vor zehn Jahren die Kosten für dieses Öl mindestens zwei Drittel des Staatshaushalts aufgezehrt. Das weiß ich nur, weil ich zur Zeit der Flüchtlingskrise auffallend fand, wieviele Gambier nach Deutschland kamen, und mal den Wikipedia-Artikel über das Land durchgelesen habe. Dort stand das. Inzwischen finde ich es nicht mehr, also hat es sich offenbar mittlerweile auch verändert. Wenn Deutschland schlau ist, dann bilden wir hier am besten massenhaft afrikanischstämmige Solartechniker aus mit der Perspektive, später im Herkunftsland die Ausbildung in diesem Beruf vorzunehmen. Erstens dürfte es keine bessere Methode geben, um mittelfristig die Zuwanderung speziell aus Gründen der Perspektivlosigkeit in Afrika zu verringern, die dort besonders häufig der Grund für Migration nach Europa ist. Und zweitens, wenn wir es nicht tun, dann machen das vermutlich auch die Chinesen. Im Ergebnis wäre das letztere natürlich die zweitbeste Lösung, aber man wünscht sich ja doch immer, daß die eigenen Leute Chancen erkennen, wenn sie sie direkt vor der Nase haben.
Um aber nochmal auf die deutschen Privathaushalte zurückzukommen: Der Stuttgarter Architekt und Ingenieur Werner Sobek schreibt gerade an einem dreiteiligen Fachbuch zum Thema Klimawandel, das er bewußt allgemeinverständlich zu halten versucht, und von dem zwei Bände bereits erschienen sind. Darin tut er offenbar etwas, das so selten geworden ist, daß ich darüber nachdenke, mir das gesamte Werk zu kaufen, obwohl ich eigentlich nicht vorhatte, mich tiefgreifender mit diesem Thema zu befassen: Er untersucht darin Zusammenhänge. Solche, die seiner Meinung nach in der Klimafrage zu kurz kommen. Und das interessiert mich wirklich, weil ich bei allen Themen, bei denen ich in diesem oder jenem Teilbereich gut genug im Bilde bin, um mitreden zu können, genau dasselbe festgestellt habe.
In dem Buch stellt Sobek unter anderem folgendes fest:
"Bei heutigen Neubauten entstehen, auf eine Lebensspanne von 50 Jahren bezogen, etwa 50% aller Emissionen bereits in der Herstellphase, also bevor das Gebäude zum ersten Mal benutzt wird."
Nun mag man einwenden, das läge hauptsächlich daran, daß die Emissionen während der Wohnnutzung ja bei den energieeffizienteren Neubauten so niedrig seien. Aber bei Null liegen sie auch wieder nicht.

Das Interessante daran ist, daß diese Neubauten typischerweise mehr Quadratmeter pro darin wohnende Person vorsehen, als das in älteren Wohngebäuden der Fall war. Wieder Zitat Sobek:
"Man hat es tatsächlich geschafft, den Energiebedarf pro Quadratmeter Wohnfläche innerhalb von 40 Jahren zu halbieren. In der gleichen Zeit hat sich aber die Wohnfläche pro Kopf verdoppelt: Der Bedarf pro Mensch blieb der gleiche."Das relativiert die Sache mit der eingesparten Energie und der Emissionen doch ganz beträchtlich. Was ich nicht weiß, ist, ob die Emissionen der Herstellung früher ebenso hoch oder noch höher oder niedriger als heute waren, aber ich tippe auf das letztere. Alleine die Wege werden schon geringer gewesen sein, die Baustoffe waren weniger anspruchsvoll in der Herstellung und erforderten somit wohl auch weniger Energie in der Erzeugung. Es gibt eine ganze Menge Faktoren, wo beim Bauen heute mehr Aufwand als früher getrieben wird. Ich gebe zu, da kann ich mich aber auch irren und bin bereit, mich mittels Belegen vom Gegenteil überzeugen zu lassen.
Daß wir im Jahr 2076 eine deutlich geschrumpfte deutsche Bevölkerung haben werden, ist ebenfalls eine angesichts der demographischen Entwicklung sehr naheliegende Annahme. Wieviel Zuwanderung daran ändern kann, sei dahingestellt, aber die Wahrscheinlichkeit, daß in fünfzig Jahren eher Häuser abgerissen als neu gebaut werden müssen, ist schon ziemlich hoch. Die Frage ist, ob es nicht gescheiter wäre, weniger neu zu bauen, sondern primär Altbauten zu sanieren und mit etwas geringeren Wohnflächen pro Kopf in Wohnraum aufzuteilen. Saniert man speziell bisherige Bürogebäude - für Bürojobs wird ja in Zeiten von Homeoffice weniger Platz benötigt -, dann sollte das besonders leicht funktionieren. Und daß beim Sanieren von Altbauten die Energiebilanz um einiges günstiger ist, weiß man ja. Die Frage ist nämlich, wieviele supertolle energieeffiziente Neubauten heute hingestellt werden, die in fünfzig Jahren energetisch genauso veraltet sein werden wie heute ein Haus mit Baujahr 1976. Aber in Zeiten knappen Wohnraums wohnen die Leute auch in solchen Häusern. Wenn in fünfzig Jahren kein Wohnungsmangel, sondern Wohnraumleerstand - je nach Standort - häufiger das Problem sein wird, wieviele der Bauten von heute wird man dann wohl nach fünfzig Jahren Nutzungsdauer wieder abreißen? Ich halte es für ausgeschlossen, daß die Emissionsbilanz dieser Gebäude über ihre gesamte Nutzungsdauer betrachtet, besonders überzeugend ausfallen wird. Denn ihr Abriß wird ja ebenfalls nochmal Emissionen bedeuten.
Welche anderen Zusammenhänge nicht nur, aber auch im Bereich Bauen mir selbst noch nicht bewußt sind, das kann ich vielleicht aus Sobeks Buch besser als irgendwo anders erfahren. Und das macht mich neugierig auf das Buch. Ich bin immer wieder fasziniert davon, an was für unerwarteten Stellen plötzlich ein halbes Dutzend neue Schachtelteufelchen aufpoppen, wenn man an einer Strippe zieht und sich eingebildet hat, zu wissen, was danach passieren wird.
Es ist halt immer ein bißchen deprimierend, daß die tagesaktuellen Debatten irgendwie nie über das Niveau von "Vier Beine gut, zwei Beine schlecht" hinausgelangen. Ich merke das auch daran, daß meine Einlassungen zu der GEG-Problematik bei Bluesky die Leute immer so verwirren, daß sie es vorziehen, sich gar nicht dazu zu äußern. Viele würden mir vermutlich gerne widersprechen, wissen aber nicht, wie, weil das, was ich vertrete, nicht in die gewohnten Schemata (und die zugehörigen Freund/Feind-Kategorien) einzuordnen ist. Ich freu mich immer, wenn tatsächlich mal eine Diskussion zustandekommt, in der man seine Ansichten einem Härtetest aussetzen muß. Am Ende gehen dann für gewöhnlich beide Seiten klüger aus der Diskussion heraus, als sie hineingegangen sind, also auch ich.
Ich riskiere jetzt mal einen Tipp: In fünfzig Jahren sind die Erneuerbaren von niemandem mehr hinterfragter Alltag und Gasheizungen stehen längst im Museum. Die Welt wird in einem neuen Normal leben, wie auch immer es im Detail aussehen mag, und das wird den Leuten dann ebenso normal vorkommen wie uns unser heutiges Normal. Vielleicht ist es noch nicht einmal schlechter als das heutige Normal, und fast schon amüsant fände ich es, wenn es entgegen allen heute heraufbeschworenen apokalyptischen Visionen sogar besser sein sollte. Selbstverständlich wird man aber auch in fünfzig Jahren Probleme haben, entweder schwerwiegende oder solche, die eher geringfügig sind, aber subjektiv schwerwiegend erscheinen. Denn es gibt ja immer ein aktuell schlimmstes Problem. Und mit diesem schlimmsten Problem wird man sich genauso intensiv befassen wie heute mit dem Klimawandel, und vor allem junge Leute werden wegen dieses Problems überzeugt davon sein, die benachteiligtste Generation zu sein, die je auf Erden gelebt hat. So, wie das alle Generationen vor ihnen im gleichen Alter auch gedacht haben. Meine eigene mit eingeschlossen, und ja, ich habe damals auch ehrlich daran geglaubt.
Um das alles noch selbst mitzuerleben, muß ich 111 Jahre alt werden, und das kommt mir bei allem grundsätzlichen Optimismus doch ein bißchen arg sportlich vor, also plane ich das lieber nicht in meine Biographie mit ein. Aber vielleicht hab ich ja Glück, und irgendwer Jüngeres erinnert sich in fünfzig Jahren daran, daß dies von mir im Jahre 2026 prophezeit worden ist.
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Unsere eigenen Pläne bezüglich Split-Klimaanlage und Balkonkraftwerk konkretisieren sich allmählich. Sobald der untere Teil der Küchenzeile fertiggestellt ist (was hoffentlich noch vor dem ersten April geschehen sein wird), werden wir mal von den zwei einschlägigen Fachbetrieben am Ort Angebote einholen. Ich hätte vor allem die Klimaanlage nämlich gerne noch vor dem Hochsommer, denn die Kühlfunktion ist mir ja auch nicht unwichtig. Vor allem wegen meines Mannes, ich komme mit Hitze besser klar als er. Bis auf weiteres ist die Sache als Zusatzheizung geplant, aber falls sich das gut bewähren sollte, wir also die Therme nur noch für Warmwasser und den Gasherd benötigen, kann es auch sein, daß die Heizkörper dauerhaft kalt bleiben. Einstweilen will ich sie aber weiter behalten, um erforderlichenfalls auch darauf weiter zurückgreifen zu können.
Wegen des Gasherds kommen wir natürlich dauerhaft nicht ohne wenigstens diese Gasleitung aus, also belassen wir es auch beim Warmwasser einstweilen beim Gas. Das muß das Klima eben aushalten, und ich glaube, die 20 bis 30 Kilowattstunden pro Monat, die Kochen und Warmwasser zusammen ausmachen, sollte das Klima auch dauerhaft verkraften können. Falls die ja immerhin erst knapp drei Jahre alte Therme eines unschönen Tages den Löffel abgeben sollte, werden wir vermutlich auch beim Warmwasser umsteigen, auf Durchlauferhitzer oder was auch immer es als noch interessantere Alternativen bis dahin geben mag.
Meine Mieter müssen wegen Heizungs-Initiativen von mir leider noch bis nächstes Jahr warten, denn ich will erst die Ein-Jahres-Ergebnisse von unserem Haus vorliegen haben, bevor ich in meinen vermieteten Wohnungen meinen Mietern anbiete, das einbauen zu lassen. - Außerdem wäre es mir auch ein bißchen zu viel, vier Aktionen gleichzeitig finanziell zu stemmen, Förderung hin, Abschreibungen her. Und natürlich muß ich zuvor noch mit den WEGs und in zwei Fällen auch mit dem Denkmalamt abklären, ob die das Außengerät überhaupt genehmigen. Den Betrieb, der das bei uns einbauen wird, möchte ich dann auch in diesen Wohnungen damit beauftragen. Außerdem interessieren sich bereits mehrere Freunde und Bekannte für unsere Erfahrungen mit der Split-Klimaanlage, teils am Ort, teils in der näheren Umgebung, aber jedenfalls nahe genug, um seine Arbeit weiterzuempfehlen. Er hat also gute Gründe, uns so zu beraten und die Sache so umzusetzen, daß wir mit dem Ergebnis möglichst zufrieden sind.
Das sind immer meine liebsten Momente, wenn sich aus vagen Ideen endlich ein konkreter Plan herauskristallisiert.
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Am heutigen 27. Februar - also acht Tage nach der letzten - habe ich wieder mal eine Maus zum Flußufer getragen. Das war diesmal eine Maus, von der ich schwören könnte, daß ich sie zum ersten Mal gesehen habe. Sie war mittelgroß, hatte aber im Verhältnis zu einem ziemlich ausladenden Hinterteil einen recht zierlichen Oberkörper. Ob das ein Weibchen war? War sie womöglich schwanger? Ich habe sie gestern abend schon in der Falle rumoren gehört, als ich bereits im Bett war, und weil ich heute morgen nicht sofort Zeit für den Fußweg zum Fluß hatte, bekam sie erst einmal eine Haselnuß, damit sie während der Wartezeit nicht länger hungern mußte. Bis wir am Fluß waren, war nur noch ein kleines Stück von der Nuß übrig. Ich wünsche dem Mäuschen und ggf. allen ihren Kindern und Kindeskindern ein schönes Mäuseleben am Flußufer. :-)
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