Mein Gewicht heute früh, nach dem vierten von vier aufeinanderfolgenen Fastentagen: 73,0 Kilogramm - und da ist es passiert: Das sind 200 Gramm mehr als vor zwei Wochen. Auch wenn ich diesmal keinen restentleerten Magen-Darm-Bereich mit einkalkulieren kann - im Gegensatz zum letzten Mal - ist das doch eine Enttäuschung. Allerdings ist es andererseits kein Grund zur Panik, denn das letzte lange Fastenintervall war schon atypisch, weil ich am Wochenende davor unpäßlich gewesen bin.
Trotzdem, vor der Low-Carb-Phase im Herbst hätte ich eigentlich damit gerechnet, daß ich jetzt schon sehr nahe an meinem Zielgewicht sein oder es vielleicht sogar schon erreicht haben würde. Das folgte einem Frühjahr/Sommer, in dem ich ebenfalls nicht in der Lage gewesen bin, die eigentlich erwartete geringfügige Abnahme zu realisieren. Also läuft es bei mir seit etwa einem Jahr ständig anders als vorher und schlechter als erwartet. Das muß ich zur Kenntnis nehmen, wenn ich am Ende doch noch bei meinem Zielgewicht aufschlagen möchte. Und das täte ich halt doch gerne auch noch. Es sind ja jetzt eigentlich nur noch diese paar wenigen Kilos, man sollte meinen, daß das kein großes Problem mehr sein sollte. Aber tatsächlich finde ich es seit meinem Umzug um einiges komplizierter, neue Ideen konsequent durchzuziehen. Irgendwie bin ich jetzt doch geselliger geworden, und damit muß ich wohl meine Methode, bei Einladungen zu unterbrechen, doch mal überdenken.
Kommt Zeit, kommt Rat. Irgendeine Lösung finde ich bestimmt noch. Bislang habe ich ja früher oder später immer eine gefunden.
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Chinesische Krebsforscher wiederum haben eine Sache herausgefunden, die gerade durch die Medien geht:
Eine mögliche Ursache für den starken Gewichtsverlust im Zuge fortgeschrittener Krebserkrankungen hat ein chinesisches Forschungsteam ausfindig gemacht. Erhöhte Laktatwerte könnten der Grund sein, berichtet die Gruppe um Xinli Hu und Rui-Ping Xiao von der Universität Peking im Fachjournal "Nature Metabolism". Möglicherweise biete diese Erkenntnis künftig Ansatzpunkte für eine Therapie.
Anfangs fand ich es kurios, daß dem Laktat die Schuld an der Tumorkachexie gegeben wird, und dachte, hier würde irgendwie Ursache und Wirkung verwechselt. Nach etwas Nachdenken glaube ich, zu ahnen, wie die Zusammenhänge sein müssen. Sind die erhöhten Laktatwerte die Ursache des Gewichtsverlusts oder nur deren Symptom? Geht man nach Professor Seyfried, wäre das letztere der Fall. Die Autoren scheinen das Gegenteil anzunehmen, und dafür haben sie sogar einen recht vernünftigen Grund. Bei krebsfreien Mäusen trat eine Kachexie nämlich auch dann auf, wenn man ihnen eine Laktatinfusion verpaßte.
Dieses letztere Teilergebnis ist tatsächlich sehr interessant. Bislang dachte ich immer, dieses Abfallprodukt Laktat sei halt eine Meßgröße, die auf Krebs hinweist und die eine oder andere eher unangenehme Nebenwirkung hat - bei Dr. Fung las ich etwa, daß es die Bekämpfung der Krebszellen behindert -, aber keine aktive Rolle bei dessen Verbreitung spielt. Wenn Laktat bei Mäusen Kachexie auslöst, klingt das aber schon, als spiele es auch eine Rolle bei der Metastasierung. Da sich erhöhte Laktatwerte auch bei Krebserkrankungen in einem früheren Stadium messen lassen (bei metastasiertem Krebs werden aber sicherlich erheblich höhere gemessen, weil es dann natürlich viel mehr Krebszellen im Körper gibt), könnte es durchaus auch sein, daß Laktat eine bislang unterschätzte Rolle bei dem Übergang vom lokal begrenzten Tumor zu einer metastasierten Krebserkrankung spielt. Falls das so wäre, hoffe ich sehr, daß es bei den Folgeforschungen zu dieser Studie vielleicht entdeckt wird.
Laktat müßte dann aber auch irgendeine Rolle dabei spielen, daß die Krebszellen plötzlich so gierig auf Glutamin werden, das sie nicht nur den Nahrungsproteinen, sondern auch der Muskulatur entnehmen können. Glutamin ist ja bekanntlich neben Glukose der zweite Stoff, der zur Energieerzeugung nicht unbedingt Sauerstoff benötigt, sondern auch fermentiert werden kann, und es spielt bei metastasiertem Krebs häufig sogar eine wichtigere Rolle als Glukose. Deswegen ist eine ketogene Ernährung in diesem Fall auch nur begrenzt wirksam, denn Glutamin läßt sich durch Ernährungsumstellung nun einmal nicht vergleichbar begrenzen wie Glukose.
Je mehr ich über diese Sache nachdenke, desto interessanter finde ich sie. Angenommen, die Metastasierung hängt teilweise oder ganz von der Menge des Laktats ab, die ein Tumor im lokalen Stadium ausstößt, dann ist das wohl der Grund dafür, daß schnell wachsende Tumoren - die natürlich immer mehr Laktat von sich geben - auch schneller metastasieren, während dieses Risiko bei langsam wachsenden sowie bei früh erkannten und bekämpften geringer ist. Ich muß mich mal schlau machen, was Professor Seyfried zu dieser Sache so einfällt. Letztlich ließe sie sich gut mit seinen Grundannahmen kombinieren. Falls also die "Mainstream"-Seite sich jetzt intensiver mit dem Laktat befaßt, sie aber ebenso in das Press-Pulse-Verfahren integriert wird, wird die Kluft zwischen beidem vielleicht ein bißchen kleiner. Bislang hat man ja das Gefühl, zwischen beiden Verfahren bestünde ein Abgrund, über den von der anderen Seite her niemand zu springen riskieren will.
Vielleicht ändert sich das gerade, denn ich las, daß das das US-National Cancer Institute nunmehr dieWirkung eines berüchtigten "Alternativ-Medikaments" namens Ivermectin auf Krebs in einer Studie untersuchen will. Was genau spricht eigentlich aus Sicht der Wissenschaft dagegen? Ivermectin enthält den Wirkstoff Fenbendazol, ich schrieb schon darüber, und wird als eines der besten verfügbaren Mittel, um den Glutamin-Stoffwechsel zu verschlechtern, auch im Press-Pulse-Verfahren eingesetzt. Auch wenn es dabei nur als eine Art Notnagel eingesetzt wird - das eigentlich bevorzugte, weil wirksamere Mittel, DON, darf man nicht einsetzen -, hat es in diesem Rahmen offenbar doch einen Nutzen gezeigt.
Ivermectin hat im wissenschaftlichen und medizinischen Mainstream nicht nur deshalb einen schlechten Ruf, weil es sich eigentlich um ein Mittel zur Bekämpfung von Parasiten handelt, sondern auch, weil es während der Coronapandemie schon einmal allem Haareraufen der Wissenschaft zum Trotz in den Ruf eines Wundermittels gelangte. Ganz ehrlich - mit diesem Aspekt habe ich mich nicht befaßt, deswegen kann ich auch nicht sagen, ob dieses Haareraufen damals berechtigt war. Aber Seyfried ist Biologe am Boston College, und das schon so lange, daß die dort von der Qualität seiner wissenschaftlichen Arbeit überzeugt sein müssen, und hat Unmengen von Studien und anderen Arbeiten publiziert. Seine Thesen sind das Ergebnis wissenschaftlicher Arbeit, nicht etwa göttlicher Eingebungen oder vager Bauchgefühle. Wenn es bei dem von ihm mitentwickelten Verfahren eingesetzt wird und er dies befürwortet, dann hat das aus seiner Sicht seinen Grund, und auch wenn sich herausstellen sollte, daß er damit falsch liegt, ist es doch gut, richtig und vernünftig, dies nicht einfach mit einem "Das haben wir schon immer so gemacht, das haben wir noch nie so gemacht, da könnte ja jeder kommen" zu begründen, sondern hieb- und stichfeste Argumente zu erarbeiten.
In diesem Sinne, alles Gute dieser Ivermectin-Studie, was auch immer aus ihr herauskommen mag.
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Ich hörte einen Podcast von Bayern 2, in dem das "Sanesplaining", über das ich schon in einem frühen Blogartikel geschrieben hatte - dort unter dem Begriff "Sanewashing" (den ich freilich nicht ganz so treffende finde) -, das Thema war. Positiv war, daß sich hier eine Diskussionsrunde einmal als Medien ein wenig selbst hinterfragte, also, wie es zu diesem Phänomen eigentlich kommt, obwohl den Medien eigentlich ja auch nichts daran liegt, Trumps irrationales Verhalten zu normalisieren. Negativ war, daß die eigentlich sonst ganz gescheite Sachen erzählenden Herrschaften sich selbst in ihrer Rolle als Medienakteure mehr oder weniger für außerstande erklärt haben, daran etwas zu ändern. Es hat damit zu tun, sagen sie, daß Journalisten auch aus dem irrationalsten Ausfall des US-Präsidenten "die Nachricht", sprich den sachlichen Gehalt und dessen mögliche Konsequenzen herauszufiltern versuchen müssen. Es sei nicht ihr Job, dem jedesmal eine Präambel voranzustellen, in der sie darauf hinweisen, daß Trump die eine oder andere Schraube locker hat, denn es widerspricht dem Schema, nach dem sie arbeiten, denn dies stelle ja per se schon eine Wertung dar, die man eigentlich vermeiden wolle.
So hart das klingen mag, aber wenn die sonst gültigen Berichterstattungsschemata bei Trump nun einmal nicht passen, um das wiederzugeben, worauf es bei ihm in Wirklichkeit ankommt (nämlich daß bei ihm die eigentlich Nachricht nicht der spärliche Sachgehalt, sondern die gehässigen Ausfälligkeiten sind, mit denen er sie immer begleitet), dann müssen die Medien eben andere entwickeln - und zwar subito. Andernfalls sind sie schlimmer als überflüssig, denn sie informieren uns dann falsch. Niemand braucht aber Medien, die falsch informieren. Falls sie das also nicht gebacken kriegen, schreib ich ihnen gerne einen Nachruf, denn dann haben sie sich - in der heutigen Form - offenbar überlebt.
Aber das Medienversagen hat ja nicht mit Trump angefangen. Ich verlinke jetzt mal nichts aus meinem Blog, aber die ständigen Beschwerden über die Medien sind hier ja einer der roten Fäden. Das, was heute als gute Medienpraxis gilt, funktioniert schon länger nicht mehr vernünftig, und in vielen Bereichen fehlt mir dafür eine vergleichbar überzeugende Erklärung - es sei denn, ich setze voraus, daß journalistische Arbeit klassischer Prägung heute schlicht für die meisten Medien so unbezahlbar geworden ist, daß sie sie nur noch in homöopathischer Dosierung einsetzen.
Woran mich speziell die Trump-Berichterstattung erinnert, ist die über Putin, denn die wies schon 2014, nach der Krim-Annexion, genau dieselbe Art von Fehlern auf. Ich bin der Meinung, kein Medium sollte mehr vorrangig über das berichten, was Leute wie Putin oder Trump sagen/schreiben. Ergänzen kann man das allenfalls als Anhängsel zur Berichterstattung über das, was sie tun, denn beides hat schlicht zu wenig miteinander zu tun. Wer jeden verbalen Pups eines dieser beiden aufgreift, der müllt die mediale Welt mit so viel Vernebelung zu, daß die Dinge, die tatsächlich passieren und wirklich wichtig wären, im Wust gar nicht mehr erkannt weren.
Das ist aber nur ein Bruchteil dessen, was in den Medien schon seit Jahren schiefläuft, und das störte mich in dem Podcast, daß der Eindruck erweckt wurde, das Problem sei neu und sonst gäbe es keine. Ich glaube, es ist schon um die zwanzig Jahre her, daß ich angefangen habe, von allem, was ich wirklich wissen will, die Quelle zu suchen, weil man sich auf rein gar nichts mehr in Medienberichten verlassen konnte.
Deshalb bin ich auch nur mäßig überrascht, daß Richard Edelman, Autor des "Trust Barometer", in einem interessanten Interview mit der ZEIT voller Entsetzen feststellt, daß jüngere Leute aufgehört haben, den Medien zu vertrauen. Es verlief seiner Darstellung nach in mehreren Schüben und Covid brachte wohl einen ausgeprägteren Shift hin zu den sozialen Medien als wichtigster Informationsquelle. Es ist als Meinungsbildungsverfahren üblich geworden, erst die Schlagzeile, dann die Meinung anderer Leser in den Kommentaren und erst dann den Artikel zu lesen. Was Edelman merkwürdigerweise aber nicht erwähnt, ist, daß dieser dritte Teil zwangsläufig entfällt, wenn besagter Artikel sich hinter einer Bezahlschranke befindet. Diese Veränderung kann meiner Meinung nach durchaus etwas damit zu tun haben, daß man sich daran gewöhnt hat, Berichte meistens nicht mehr vollständig lesen zu können, sondern nur noch die Schlagzeite und einen Teaser. Ich jedenfalls finde es nachvollziehbar, in so einem Fall dann erst mal herausfinden zu wollen, ob irgendwer den Volltext doch gelesen und was er darüber zu sagen hat.
Das hier aus dem Interview:
Junge Menschen setzen keine Hoffnung mehr in die Zukunft. Wenn man sich Deutschland, die USA oder Frankreich ansieht, findet man überall die gleiche Desillusionierung: Nur wenige glauben noch, dass sie mal einen festen Job, ein höheres Einkommen als ihre Eltern oder gar ein eigenes Haus besitzen werden. Das hat zu einem Vertrauensverlust in die Institutionen und auch die Verantwortlichen geführt. Wenn zwei Drittel der jungen Menschen sagen, dass Journalisten, Regierungs- oder Wirtschaftsführer sie belügen, ist das ein echtes Problem.
habe ich auch schon am Rande thematisiert, und zwar hier. Ich kann diesen jungen Menschen weiterhin nur eines sagen: Willkommen im Club. Meine Altersgruppe ist diejenige, aus der heraus der Slogan "No Future" geboren wurde. Da die jungen Menschen von heute uns so glühend beneiden, nehme ich an, in vierzig Jahren wird es ihnen ganz ordentlich gehen, so, wie man das von meiner Altersgruppe im Großen und Ganzen ja auch sagen kann. Und dann wünsche ich ihnen viel Spaß dabei, sich gegen die Neider aus ihrer Enkelgeneration zur Wehr setzen zu müssen. ;-)
Ob ich das, sagen wir im Jahre 2056, auch noch miterleben werde? Dafür müßte ich immerhin 91 Jahre alt werden. Aber man sollte sich seine Ziele ja immer ein bißchen ehrgeizig setzen - und beim zu erreichenden Alter gerade als Raucher, noch dazu mit überstandener Krebserkrankung, sowieso. Inzwischen kenne ich aber sage und schreibe vier noch rüstige Mittneunziger, die entweder hier im Dorf leben oder von hier irgendwann in einen Nachbarort gezogen sind. Wir haben unser Häuschen offenbar in einer langlebigen Gegend ausgesucht. Also, vielleicht erlebe ich es ja doch noch.
Noch ein abschließendes Zitat, weil ich darüber in schallendes Gelächter ausgebrochen bin:
In unserem jüngsten Barometer beobachten wir Anzeichen dafür, dass ein paralleles Ökosystem für Gesundheitsfragen entstanden ist. Zum Beispiel glauben junge Menschen, dass sie durch die Suche im Netz Informationen finden können, die qualitativ genauso gut sind wie die von einem Arzt.
ZEIT: Das ist ziemlich schockierend.
Daß ich diesen Tag noch erleben darf! Ich bin mit meinem Blog, der zweifelsfrei besagtem Ökosystem angehört, auf einmal die "Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben". Dafür war ich meiner Lebtag nie unangepaßt genug. Aber jetzt in meinem gesetzten Alter hat es doch endlich mal dafür gereicht, die gute alte Tante ZEIT auf einmal zu schockieren. Noch dazu, ohne mir dafür erst mal einen lilagefärbten Iro und Zungenpiercings zulegen zu müssen.
Das mit dem Zungenpiercing wäre mir zu eklig, aber den Iro hole ich vielleicht noch nach - an meinem 91. Geburtstag. Ja, ihr dürft in diesem Fall auf diesen Blogbeitrag zurückkommen, falls ich nicht freiwillig ein Foto poste. ;-)
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