Mittwoch, 20. Juli 2022

Beim Abnehmen "Muskeln" statt Fett verloren? Gut so!

Mein Gewicht heute früh an Tag 3 von 4 des letzten langen Fastenintervalls vor dem Urlaub: 85,0 Kilogramm. Nachdem ich vorgestern früh etwas frustriert über ein Startgewicht von 88,5 Kilogramm gewesen war, ist das wieder zufriedenstellend. Trotz meiner Enttäuschung vorgestern waren es auch da zumindest 400 Gramm weniger als vor zwei Wochen (sowie 10,4 kg weniger als letztes Jahr um diese Zeit), also stimmte die Richtung trotz allem. Heute liege ich 700 Gramm niedriger als vor zwei Wochen. Meine Gewichtsschwankungen sind in letzter Zeit wirklich schwer vorherzusagen, also mal sehen, was morgen sein wird. Am Freitag hoffe ich aber schon auf ein Gewicht von 82,x Kilogramm - je niedriger x, desto besser natürlich.

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Ich stieß heute auf den Abstract einer Studie. Sie umfaßte eine Auswertung über den vermeintlich nicht gewollten Verlust von "fettfreier Körpermasse" (fat free mass, FFM) nach bariatrischer Chirurgie. Festgestellt wurde, daß dieser Verlust im Jahr nach der Operation ständig fortschreitet und nach Ablauf eines Jahres durchschnittlich mehr als acht Kilogramm ausmacht. 

Ich behaupte, das ist zu wenig und es wäre unklug, das womöglich noch weiter reduzieren zu wollen. Im Gegenteil wäre es viel besser, wenn in diesem Zeitraum noch mehr FFM verloren würde. 

Warum das?

Ganz einfach. Typischerweise haben Patienten, die sich einer Magenverkleinerungs-OP unterzogen haben, mit verunstaltenden herunterhängenden Hautlappen zu kämpfen. Viele von ihnen legen sich nach einiger Zeit deshalb noch einmal unter das Messer, um sie loszuwerden. 

So etwas passiert aber deshalb, weil zu wenig von der FFM verloren wird. FFM wird leider nicht nur von Körperanalysewaagen, sondern von fast jedem zu Unrecht mit "Muskeln" gleichgesetzt; darüber habe ich schon zu meinen EMS-Zeiten vergeblich mit meinen Trainer herumgestritten. Denn fettfreie Körpermasse sind natürlich nicht nur die Muskeln, sondern auch:

- Haut

- Blutgefäße

- Bindegewebe

Ich bin SEHR froh darüber, daß sich unter den knapp 60 Kilo, die ich abgenommen habe, genügend FFM befunden hat, um der Herausbildung von ekligen "Fettschürzen" entgangen zu sein. Denn natürlich mußte ich "Muskeln" verlieren, damit meine Haut brav mitschrumpft und nicht lose herumhängt, wie das so vielen geht, die stark abgenommen haben. Daß dies den Verlust von deutlich mehr FFM ausgemacht haben muß, als ich mir hätte vorstellen können - offenbar deutlich mehr als 20 % meiner gesamten Abnahme -, ist mir erst klargeworden, als ich diesen Abstract las. 8,34 Kilogramm Verlust fettfreier Masse bei wahrscheinlich im Durchschnitt geringerer als meiner eigenen Abnahme (die Höhe ist leider nicht genannt, aber typisch als Ergebnis solcher OPs wären um die 40 kg), wären ja bereits um die 20 %. 

Offenbar ist dieser Anteil trotz allem zu gering, um ein Mitschrumpfen der Haut in ausreichendem Umfang mit einzuschließen. Oder sollten die Operierten doch vorwiegend Muskeln verloren haben? Ich wüßte eigentlich keinen Grund, warum das so sein sollte - es ergibt auch evolutionsbiologisch betrachtet nicht viel Sinn, auch nicht bei einem chronischen Kaloriendefizit -, aber alle Welt behauptet, das sei so, und ausschließen kann ich es natürlich nicht. 

Wie auch immer, ich halte das Bestreben, beim Abnehmen möglichst nur Fettmasse zu verlieren, für ein verfehltes Ziel. 

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Zum ersten Mal fand ich - und das auch noch von einer Journalistin - eine Beschreibung des generellen Medienüberdrusses, der neben ihr - und offenbar in den USA 40 Prozent sowie in Deutschland einem knappen Drittel der Bevölkerung - auch mich plagt. In den letzten Jahren gibt es offenbar überall auf der Welt einen Anstieg dieser Art von Medienverdrossenheit. Die Autorin erklärt sich und uns das so, daß die Nachrichtenformate in der heutigen Form generell ungeeignet für die menschliche Psyche seien: Sie erzeugten Hoffnungslosigkeit, ein lähmendes Gefühl, nichts tun zu können, und verletzten damit die menschliche Würde.

Darüber könnte ich jetzt eine ganze Menge schreiben, aber ich will mich diesmal nicht hinreißen lassen. ;-) 

Was mich an den Medien am meisten nervt, ist diese nervige "Boulevardisierung", die neben einer ziemlich befremdlichen Gewichtung der Themen, über die überproportional berichtet wird, unter anderem dazu führt, daß Themen, die von erhöhtem Interessen sind oder bei denen das vermutet wird, bis zum Erbrechen ausgequetscht werden, oft über Wochen hinweg. Das hat mir schon vor über zwanzig Jahren Ereignisse wie die Sonnenfinsternis und das Erscheinen von Harry Potter Band 4 restlos verleidet, noch bevor es stattfand, und ich wünschte mir bloß noch, daß es endlich vorüber sein möge, damit auch die hysterische Berichterstattung wieder ein Ende nimmt.

Im Moment hat mein Überdruß gerade die Wirkung, daß ich, wenn ich könnte, jetzt auf der Stelle vorspulen würde bis zum nächsten Winter, zu dem Zeitpunkt, zu dem die von den Medien so lustvoll in allen schaurigen Farben ausgemalte Gaskrise entweder wirklich eingetreten ist oder eben nicht. 

Fürs Protokoll: Ich vermute, daß morgen nach dem Ende der Wartung von Nordstream I tatsächlich das Gas nicht sofort wieder fließen wird oder wenn, dann in geringerem Umfang als angekündigt. Putin spekuliert darauf, daß das Mediengeheul bei uns dann noch heftiger wird und in der Bevölkerung so massive Ängste auslöst, daß sich unsere Politik noch leichter weichkochen läßt als bislang. Schon jetzt ist diese Alarmsirene ja laut genug, um anderswo den Eindruck zu erwecken, gerade uns bedauernswerten Deutschen ginge es schon jetzt entsetzlich schlecht, was ich eigentlich eher peinlich finde, weil das erstens für den Moment jedenfalls keineswegs stimmt und zweitens Deutschland im Krisenmodus immer noch bequemer ist als viele andere Regionen der Welt im Normalszustand. 

Putins Drohkulisse ist meiner Meinung nach aber ein Potemkinsches Dorf. Uns den Gashahn wirklich ganz zuzudrehen, kann er sich gar nicht leisten - mehr als weitere ein, zwei Wochen Durchleitungsstopp, um bei uns Panik zu schüren, halte ich für ziemlich unwahrscheinlich. Aber auch wenn ich mich in diesem Punkt irren sollte: Ich sehe bei aktuell zu 65 Prozent gefüllten Gasspeichern in Deutschland (64,72 Prozent EU-weit - das ist wegen der gegenseitigen Hilfeverpflichtungen auch wichtig) keine Situation kommen, in der wir mit Kältetoten, Massenarbeitslosigkeit und Verelendung zu rechnen hätten. Auch im schlimmsten Fall sollte die Versorgung dort, wo sie lebens- und unternehmensrettend ist, über den Winter weiter gesichert sein.

Das eigentliche Problem wird im Anschluß sowieso Rußland bekommen. Der russische Staatshaushalt ist in so hohem Maße vom Verkauf von Öl und Gas an andere Länder abhängig und Europa ein so wichtiges Abnehmergebiet, daß es dort im Lauf der nächsten Jahre richtig wehtun wird, daß russisches Gas in Europa zunehmend substituiert werden wird. Und das wird passieren, egal wie der Ukrainekrieg ausgeht. (Mein Tipp weiterhin: Die Russen werden krachend verlieren.) Mir scheint, den wenigsten ist bereits klar, daß wir uns in diesem Punkt längst in einem voraussichtlich unumkehrbaren Prozeß befinden, weil die Wirkung erst zeitverzögert eintreten wird. Die Rolle anderer Gasanbieter aus aller Welt sehe ich dabei zum großen Teil nur als eine vorübergehende. Denn überall, wo gerade die Energieversorgung neu aufgestellt wird, sei es in Unternehmen oder in Wohngebäuden, werden natürlich andere Energiearten als ausgerechnet Gas gewählt werden. Das ist dann natürlich dauerhaft, und dabei werden höchstwahrscheinlich die erneuerbaren Energien eine größere Rolle spielen, als sie es andernfalls täten. 

Es könnte also sehr wohl sein, daß Putin versehentlich der Energiewende einen entscheidenden Anstoß gegeben hat und in zehn, zwanzig Jahren kein Hahn mehr nach russischem Öl oder Gas kräht, weil das bis dahin eine veraltete Technologie sein wird, die kein Mensch mehr braucht. Das würde ihm ganz recht geschehen.

Für den Bestand an Gebäuden, die für die nächsten Jahre oder Jahrzehnte weiter auf Gas angewiesen sind, bietet sich neben dem noch ungenutzten Biogas-Potential als eine besonders interessante Zukunftsoption für die verbleibenden Gasheizungen mittelfristig E-LNG, Gas, das aus grünem Wasserstoff sowie Kohlendioxid aus der Luft hergestellt wird. Die Herstellung von grünem Wasserstoff unter Verwendung von überschüssigem Strom durch Photovoltaik scheint mir eine ganz besonders reizvolle Zukunftsvision, denn an sonnigen Tagen wird bei zunehmender Photovoltaiknutzung garantiert mehr Solarstrom erzeugt, als für den direkten Verbrauch benötigt wird. 

Ich sehe in der aktuellen Situation, Krise hin oder her, weniger Grund zur Panik als zum Ausloten der Möglichkeiten, die sich aus ihr ergeben. Gas war ja vor allem deshalb so attraktiv und wurde so viel genutzt, weil es billig war. Damit ist es jetzt wohl vorbei, und plötzlich werden erneuerbare Lösungen auch aus preislichen Gründen interessant. Ich bin unheimlich neugierig, wie sich das im Laufe der nächsten Jahre auswirken wird, und es wundert mich immer ein bißchen, daß andere Leute sich so widerstandslos von der medialen Panik anstecken lassen. Das hat möglicherweise wirklich etwas damit zu tun, daß die Berichterstattung mit ihrem täglichen Hin und Her zwischen "Das Gas fließt noch", "Können wir auf das Gas verzichten?" und "Putin kann uns den Gashahn abdrehen" den Eindruck einer unkontrollierbaren Situation erzeugt, wie in obigem Artikel beschrieben.

Der Grund, warum ich dagegen immun zu sein scheine, besteht darin, daß ich den Medien schon lange nicht mehr vertraue, sondern mich zu den Fragen, die mich interessieren, meistens direkt an der Quelle informiere, aber auch, daß ich eigentlich in jeder irgendwie kritischen Situation als Erstes die Frage: Was mach ich jetzt? stelle und dadurch meistens jeden Anflug von Panik vermeiden kann, weil ich gedanklich mit konkreten Handlungsoptionen beschäftigt bin. Bezüglich des Gases sehe ich vieles, was getan werden kann, kurz-, mittel- und langfristig, und einiges, das sich von alleine im Lauf der nächsten Jahr zurechtrücken wird.

Auf eine der in bezug auf die erneuerbaren Energien vergleichbare Schlüsselsituation in Sachen Adipositas müssen wir leider weiterhin noch warten. In einem Blogbeitrag vor kurzem schrieb ich über den Arzt Dr. Michael Albert, der auf bariatrische Chirurgie und Semaglutid schwört und laut einem neueren Tweet überzeugt ist, daß "keine Ernährungsintervention vergleichbar gute Ergebnisse" erzeuge. 

Ich dachte zunächst daran, sein Tweet zu beantworten, aber dann kam mir das sinnlos vor, also widerspreche ich ihm hier: Den wenigsten Patienten, die mit Operationen und Medikamenten behandelt werden, gelingt das, was mir mittels einer wenn auch unorthodoxen Ernährungsintervention, in Gestalt von Intervallfasten und zeitweise Low Carb, gelungen ist, nämlich nicht nur 60 Kilogramm abzunehmen, sondern in mehr als fünf Jahren immer noch weiter abnehmen zu können. Alberts Patienten nehmen zum allergrößten Teil vermutlich spätestens nach einem Jahr wieder zu. Weniger als nach einer "klassischen" Diät, aber dennoch. Außerdem haben sie das oben erwähnte Problem mit den Fettschürzen und ich nicht. 

Ich kann verstehen, daß Ernährungsmediziner, die gewohnt sind, in der klassischen Kalorienlogik zu denken, OPs für ein Geschenk des Himmels halten müssen. Aber im Vergleich mit anderen hormonbasierten Gewichtsreduktionsmethoden sehe ich für OPs keinen Vorteil und für die Medikamente, siehe den betreffenden Blogbeitrag, sogar ganz erhebliche Nachteile.

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Meine erste Gurke dürfte demnächst erntereif sein! :-) 



 

 

 

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