Mein Gewicht heute früh nach dem zweiten von vier aufeinanderfolgenden Fastentagen: 74,8 Kilogramm. Das ist nicht berauschend, aber auch kein Grund, sich zu entsetzen. Ich habe jetzt bis Ostern Urlaub (um mich im Garten auszutoben), in so einer Situation zu fasten, ist ziemlich ungewohnt, aber von Montag bis heute um die Mittagszeit, als es dann leider zu regnen begann, war ich praktisch den gesamten Tag im Garten, und an Essen habe ich nicht einmal gedacht.
Ab nächster Woche mache ich mit meinem gewohnten Fastenrhythmus weiter, also in meines Mannes Frühschichtwochen zwei nicht zusammenhängende und in seinen Spätschichtwochen drei oder vier zusammenhängende Fastentage - je nachdem, wie es sich am sinnvollsten einrichten läßt. Ob ich in der Woche nach Ostern mit nur vier Werktagen wirklich viermal fasten will, bin ich mir gerade noch nicht ganz schlüssig, aber das wird sich schon finden.
Mein Mann ist gerade dabei, die Unterzeile der neuen Küche einzubauen, und das Stadium, in dem wir in der Küche eine nahezu unbenutzbare Baustelle haben, was er anfangs auf "idealerweise zwei bis drei Tage" einschätzte, dauert inzwischen den zehnten Tag. Das liegt vor allem an der Spüle, auf deren Lieferung wir immer noch warten - für morgen wurde sie jetzt endlich angekündigt, und ich hoffe, sie kommt dann auch wirklich. Die alte Spüle provisorisch wieder einbauen wollte er nicht. Auch insofern war es nicht schlecht, daß ich einen so großen Teil der Zeit gefastet habe, denn auf diese Weise zu kochen hat nun wirklich einen Spaßfaktor unter dem Gefrierpunkt. Das Kochen ist im Moment also auch an Eßtagen ziemlich auf Sparflamme. Ein zweiter nicht erwarteter Faktor war, daß beim Gaskochfeldnach dem Anschließen Gasgeruch wahrnehmbar war. Also mußte ein neues Gaskochfeld her, aber das muß zunächst von einem Fachbetrieb auf Dichtigkeit geprüft werden. Das Kochfeld ist heute glücklich eingetroffen (vor der Spüle, die weit früher bestellt worden war, grummel), aber den Installateur erreicht man nachmittags kaum, also werde ich morgen früh bei ihm anrufen, und dann kommt es darauf an, wann er Zeit hat. Mit etwas Pech dauert das bis nächste Woche.
Tja, das kommt davon, wenn man sich keinen Fachmann leistet, weil der Göttergatte so wild darauf war, die Küche selbst zu bauen. Eine Arbeitsplatte hat er auch noch nicht bestellt, bis auf weiteres werden wir also mit einem Provisorium arbeiten müssen - sobald das Arbeiten in dieser Küche generell wieder möglich ist, denn im Moment habe ich keinerlei Arbeitsflächen übrig. Bis die Küche *wirklich* fertig ist - also auch die Oberschränke ersetzt wurden und auf der Gegenseite das von mir ersehnte schöne alte Küchenbuffet steht -, das wird noch geraume Zeit dauern. Fragt mich also lieber nicht nach meiner Laune. Ich zehre gerade von Durchhalteparolen, denn auch die längste Baustelle wird ja irgendwann ein Ende finden, und dann habe ich eine Küche, in der das Arbeiten viel mehr Spaß machen wird als in der alten.
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Schon klar: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Und zwei Studien, die sich mit den ungewollten Nebenwirkungen politischer Maßnahmen befassen, die den Menschen - mit besten Absichten - eigene Entscheidungsspielräume beschneiden und zu genau den betrüblichen Ergebnissen kommen, die ich qua gesundem Menschenverstand von vornherein erwartet hätte, bedeuten noch kein Umdenken in Wissenschaft und Politik. Trotzdem ist es eine Erwähnung wert, daß ein gewisser Patrick Bernau in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 22. März 26 so ausführlich über die Problematik berichtet hat, die sich aus diesen Studien ergab. Kein Link, sorry. Ich fand den Artikel seltsamerweise nicht online. Der Titel lautete "Ein bißchen Hilfe für die anderen."
Eine dieser Studien, aus Dänemark, untersuchte die Zufriedenheit junger Ehepaare mit der Arbeitsverteilung nach Geburt eines Kindes, nachdem qua Gesetz festgelegt worden war, daß ein Teil der Elternzeit - elf Wochen - verfällt, falls er nicht vom Vater des Kindes genommen wird. Obwohl alle anderen Ergebnisse der Veränderung (etwa die Verringerung von Ungleichheit der Geschlechter in beruflicher und finanzieller Hinsicht) zur Zufriedenheit derjenigen, die sich die Sache ausgedacht hatten, ausgefallen waren, ergab sich, daß im Vergleich zur vorherigen Regelung die Zufriedenheit beider Geschlechter überraschenderweise erheblich gesunken war, und zwar bei den Müttern noch stärker als bei den Vätern: von 90 auf nur noch 50 Prozent.
Es ehrt die Autoren der Studie, daß sie empfiehlt, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob dieser Preis für die angestrebten Ziele in Form von geringerer Zufriedenheit der Betroffenen die Sache wirklich wert ist, denn das ist gerade heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Ich jedenfalls rechne von vornherein nicht damit, daß irgendwer in der Wissenschaft meine Zufriedenheit für einen anzustrebenden Wert halten könnte.
Die zweite Studie ist noch interessanter, weil sie eine Frage untersucht, die ich sehr wichtig finde, nämlich ob und wenn ja wie hoch die Bedeutung der Möglichkeit ist, uneingeschränkt über eine Sache selbst entscheiden zu können. Dazu wurde eine Methode ausgetüftelt, in der sich dies in Euros und Cents ausdrückte, die man mehr zu bezahlen bereit war, wenn man dies nach eigenem Gutdünken tun konnte. Es ergab sich, daß dieser Wert bei 8,9 Prozent liegt - wobei es aber Unterschiede gibt: Etwa ein Fünftel möchte die Entscheidung am liebsten gar nicht selbst treffen, ebensovielen ist es egal, ob die Wahl selbst- oder fremdbestimmt ist, solange sie nur für vorteilhaft gehalten wird. Aber mehr als die Hälfte mißt der Möglichkeit, selbst entscheiden zu können, einen Eigenwert bei ("intrinsischer Wert"), der davon unabhängig ist. Das bedeutet, die eigene Wahlmöglichkeit ist ihnen ggf. höhere Kosten - oder höhere Unsicherheit bei den Kosten - wert.
Wahlmöglichkeiten zu haben ist meiner Überzeugung nach der am häufigsten noch nicht einmal unterschätzte, sondern sogar ganz übersehene wichtige Bestandteil der Menschenwürde. Wahlmöglichkeiten auf dem gesetzgeberischen Weg zu verringern, ist per se eine heikle Sache, aber unangenehmerweise gerade in der Politik schwer in Mode. Niemand findet etwas dabei, dieses Instrument auch dann einzusetzen, wenn man damit absehbar kaum etwas bewirken kann. Es wird davon ausgegangen, daß dies über die angestrebte positive Wirkung hinaus keine Nebenwirkungen hätte.Wie man an den beiden Studien sieht, wäre es aber ratsam, sich mit möglichen Nebenwirkungen zu befassen, die aus der beschnittenen Selbstbestimmung entsteht. Ich hoffe deshalb, das Thema findet wenigstens so viel Beachtung, daß es wissenschaftlich weiterverfolgt wird und politisch zu einer Anpassung der Entscheidungskriterien führt.
Irgendwann jedenfalls.
So schnell darf man damit nämlich wohl noch nicht rechnen, denn wenn es einen Kardinalfehler gibt, den alle Parteien teilen, dann ist es dieses dumpfbackige Ignorieren von Emotionen, die ihre Maßnahmen erzeugen, sowie mögliche eigentlich unerwünschte Wirkungen, die sich aus dieser Gefühlslage ergebem. Wahrscheinlich deshalb, weil sie sich nur schwer messen und zählen und insbesondere als Wirkung einer bestimmten Ursache zuordnen lassen und damit unter dem Radar der meisten Experten liegen - deshalb freute ich mich auch über diese Studien, denen es gelungen ist, sie einzufangen.
Einstweilen hat ausgerechnet die SPD mit der Präzision eines falsch programmierten Computers auf die Wahlschlappe in BW und RLP reagiert. Künftig, so war nun zu lesen, wolle man sich auf Arbeitnehmer mit einem Einkommen zwischen 3000 und 4000 Euro fokussieren. Für sie wolle man das Leben besser machen. Als Reaktion auf die Wahrnehmung in großen Teilen der Öffentlichkeit - die sich bei beiden Wahlen auch in Umfragen ergabe -, die SPD kümmere sich vor allem noch um Transferleistungesempfänger.
Ich fürchte, wir können langsam anfangen, Nachrufe auf die gute alte Tante SPD zu schreiben. Klar, die SPD muß darauf reagieren, daß ihre Performance in der Bundesregierung sie ein weiteres Mal in der Wählergunst abrutschen lassen hat. Aber das ist noch lange kein Grund, es sich nun auch noch mit der letzten gesellschaftlichen Gruppe zu verscherzen, die der SPD weitergehend als alle anderen die Treue gehalten haben. Und das sind laut Tagesschau-Umfragen die Rentner. Die haben überhaupt kein Erwerbseinkommen und sehr selten eine Rente, die einem Nettoeinkommen aus 3000 brutto oder mehr entspricht.
![Umfrage, Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026, SPD-Stimmanteile in Altersgruppen im Vergleich zu 2021, in % | Alle 26,0 ([Vgl. 2021] 36,0) | 18 - 24 Jahre 19,0 ([Vgl. 2021] 24,0) | 25 - 34 Jahre 19,0 ([Vgl. 2021] 25,0) | 35 - 44 Jahre 20,0 ([Vgl. 2021] 31,0) | 45 - 59 Jahre 23,0 ([Vgl. 2021] 36,0) | 60 - 69 Jahre 31,0 ([Vgl. 2021] 40,0) | 70 und älter 34,0 ([Vgl. 2021] 45,0) | Infratest-dimap. 23.03.2026, 08:51 Uhr](https://images.tagesschau.de/image/345b8a4b-286c-4b19-a640-2397e306a3a8/AAABnRmwMgU/AAABmyZE0EA/16x9-big/electionchart-ts-ltw26rp-400.jpg?width=768)
Genau wie schon in Baden-Württemberg hat die Tagesschau darauf verzichtet, Arbeitslose zu befragen und leider ebenso auf eine Einkommensverteilung, deshalb hat es keinen Sinn, auch die Grafik zu den beruflichen Verteilungen zu posten. Das ist auch deshalb bedauerlich, weil es mich brennend interessiert hätte, was eigentlich diejenigen, die angeblich am meisten von SPD-Politik profitieren, nämlich die Bürgergeldempfänger, gewählt haben. Es würde mich nämlich sehr überraschen, wenn die SPD bei denen nicht noch mehr Wähler verloren haben würde als bei allen anderen Gruppen. Egal, wieviele Wähler die SPD irrtümlich für Wohltäter der Bezieher von leistungslosen Transfereinkommen halten, die Betroffenen sind in den letzten Monaten ständig von der SPD beleidigt worden. Es ist nämlich beleidigend, jemandem, der seine Arbeit verloren hat, zu unterstellen, wenn man ihn nicht pausenlos schurigelt, würde er nicht bereit sein, seinen Lebensunterhalt mit eigenen Händen zu verdienen. Eine Kommunikationskatastrophe fand ich vor allem den Satz von Bärbel Bas, die sich ja sogar noch damit brüstete, bei den geplanten Maßregelungen bis an die Grenze des verfassungsrechtlich Zulässigen gegangen zu sein. Vermutlich wollte sie damit ihre Bereitschaft ausdrücken, der CDU so weit wie möglich entgegenzukommen, also eine gute Kompromißbereitschaft und damit die Koalitionstauglichkeit der SPD bewiesen zu haben. Aber hat sich diese Frau gar nicht vorzustellen versucht, wie ihr Satz für jemanden klang, der gerade Bürgergeld bezieht? Denn selbstverständlich muß das so verstanden werden, als sei sie so scharf darauf, Arme zu sanktionieren, daß sie alles dafür tun würde, um dies möglichst häufig tun zu können.
Nein, ich glaube nicht, daß besonders viele Arbeitslose SPD gewählt haben. Aber warum interessiert das Wahlverhalten Arbeitsloser - insbesondere im Vergleich zur letzten Wahl - außer mir eigentlich niemanden? Ich verstehe das wirklich nicht.
Die neue Zielgruppe der SPD wird wegen ein paar steuerlicher Erleichterungen (sofern die SPD überhaupt imstande ist, sie durchzusetzen) kaum anfangen, SPD zu wählen, für die Ärmeren fühlt sie sich nach eigenem Bekunden nicht mehr zuständig und ihre letzte verbleibende Hauptwählergruppe interessiert sie dem Augenschein nach auch nicht mehr, und wird bestimmt nicht erfreut darauf reagieren. Aber sogar wenn sämtliche Arbeitnehmer mit dem passenden Einkommen SPD wählen würden (und dafür alle anderen es nicht täten), würde das unter dem Strich ziemlich genauso viele Wähler wie bei der letzten Bundestagswahl bedeuten, also was wäre damit gewonnen?
Tatsächlich macht die SPD sich gerade selbst bei fast allen unwählbar. Bei der nächsten Wahl wird sie noch ein weiteres Stück abrutschen, wenn sie die neue Strategie wirklich umsetzt.
Hätte die SPD sich die Daten etwas genauer angesehen, wäre ihr aufgefallen, daß die SPD dort besonders abgeschmiert ist, wo die AfD besonders erfolgreich war: Je kleiner der Ort, desto weniger SPD-Wähler. Jede Strategie, wieder in der Wählergunst zu steigen, müßte also eigentlich in den Dörfern anfangen. Erst einmal Präsenz zeigen und mit den Leuten sprechen und einen Eindruck zu gewinnen versuchen, was diese Leute umtreibt und wie man sie von der SPD überzeugen könnte. Erst in meinem letzten Blogartikel hatte ich darüber schon gesprochen.
Es wäre außerdem klug von der Bundes-SPD, sich die vergleichsweise seltenen Erfolge auf kommunaler Ebenen näher anzuschauen, da gab es nämlich einen in Schweinfurt, wo der SPD-Kandidat gewonnen hat. Wie er sich seinen Erfolg gegen den sonstigen Trend bei der SPD auf allen politischen Ebenen erklärt, das kann man in der TAZ nachlesen. Die Bundes-SPD sollte das ebenfalls tun, anstatt sich von irgendwelchen neunmalklugen Zahlenschubsern die Welt nach dem Prinzip "Malen nach Zahlen" erklären zu lassen - diese Erklärungen stimmen meiner Erfahrung nach sowieso so gut wie nie.
Mir ist schon klar, daß nichts dergleichen passieren wird. Aber dann hat die SPD den Abstieg zur Splitterpartei auch wirklich verdient.
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Neues aus meinem Garten, über den gerade der Frühling mit aller Macht hereinbricht, weshalb ich es eilig habe mit dem destruktiven Teil meiner Arbeit: Ich bin dabei, die allerletzten noch zu beseitigenden Baumwurzeln zu entfernen - jetzt sind nur noch drei oder vier Ahornwurzeln übrig, dann verbleiben nur noch die Stümpfe von den dicken Bäumen, die ich natürlich mit meinen Mitteln nicht rauskriegen kann. Mein Mann findet diese Aktion eigentlich überflüssig, aber vor allem Ahornbäume sind ziemlich renitente Gesellen und kommen immer wieder, wenn man sie nicht mit Stumpf und Stiel beseitigt. Und wie schnell der Efeu dabei ist, den kompletten Garten übernehmen zu wollen, sehe ich an dem einstweilen weiter geduldeten Efeu am Zaun neben dem Gartentor. Gestern hat er von mir den ca. alle halbes Jahr erforderlichen Haircut bekommen und das alleine war schon eine große Gartenabfall-Tasche voll.
Endlich haben wir außerdem den "hohlen Zahn" sowie einen zweiten abgestorbenen Baum sowie zwei überlebensgroße Zypressen gefällt. Nun ist neben der Eibe nur noch ein weiteres Nadelgehölz im Garten. Die Eibe werden wir wahrscheinlich stehen lassen, aber das andere Teil wird nächstes Jahr wohl auch gefällt. Dieses Jahr brauchen wir es aber noch, um an dieser Stelle Schatten zu haben. Bis nächstes Jahr wird der - ebenfalls ziemlich radikal gestutzte - Holunder wohl diese Funktion wieder erfüllen können.
Von den vier gefällten Bäumen (zwei aus dem Ruder gelaufene Koniferen und zwei tote Bäume, die schon vor zehn Jahren nur noch als Efeu-Unterlage dienten, was die Vor-Vorgängerin offenbar pittoresk fand), sind bis auf die Stämme die meisten Äste und Zweige gehäckselt und werden teils zum Auffüllen des Bodens mitverwendet. Die Äste, die zum Häckseln zu dick waren, werden wir in einem Ungetüm von Feuerschale in Rauch aufgehen lassen, die sich mein Mann letzte Woche in den Kopf gesetzt und sofort bestellt hatte. Nun ja, noch ein Teil, das wir irgendwo unterstellen müssen, und kein Platz, um dies zu tun. Aber nächstes Wochenende gibt es zur Feier der Feuerschale bei uns jedenfalls Stockbrot. ;-) Und die Stämme dienen dazu, das abfallende Gelände hinter der Gartenhütte zu terrassieren. So findet alles noch seine Verwendung.
Unser im letzten Herbst umgestürzter und wieder aufgerichteter hundertjähriger Quittenbaum soll allerdings leben -und das tut er auch unübersehbar: Er bekommt gerade viele, viele Blätter, und wir freuen uns mordsmäßig darüber. Ob wir auch Blüten bekommen werden, bleibt einstweilen noch abzuwarten. Unter dem gestutzten Haselstrauch kommt dafür gerade der Bärlauch heraus - eigentlich mag Bärlauch es aber schattig, und so haben wir ihm wohl keinen Gefallen getan, als wir den Hasel so radikal gestutzt haben. Ich bin deshalb am Überlegen, ob ich nicht einen Teil ausgraben und an die nunmehr geeignetere Stelle beim Feigenbaum umsiedeln sollte. Aber einstweilen warte ich noch darauf, daß die Blätter noch ein bißchen größer werden, damit ich anfangen kann, zu pflücken.
Ansonsten haben wir - nachdem die Winterlinge, die Schneeglöckchen, die Alpenveilchen und der einzelne Krokus, der sich zu uns verirrt hatte, bereits abgeblüht sind - Tulpen, Osterglocken, Veilchen und eine Menge Traubenhyazinthen, die gerade blühen. Die Pfingstrose, die letztes Jahr sehr zeitige im Frühjahr nur eine einzelne riesige Blüte mit duftigen weißen Blättern um eine gelbe Mitte herum bekam - wir nannten sie deshalb "Spiegeleiblume" -, wirkt dieses Jahr entschlossen, erheblich mehr Blüten zu produzieren, die Knospen sind riesig und können jetzt jeden Tag aufgehen. Auch der Kirschbaum steht in den Startlöchern, das erste Weiß blitzt aus den Knospen heraus. Bei den Apfelbäumen wiederum kommen bereits die ersten Blätter, was mich ein bißchen wundert, ich dachte eigentlich, das beginne erst, wenn die Kirschblüten schon da sind. Sie wachsen jedenfalls schnell, und es sieht so aus, als würden beide Bäume auch mit viel Nachdruck blühen wollen. Im Moment sehen sie aus wie auf dem Foto des "Grünknospenstadiums". In den nächsten Tagen soll es nachts ja Minusgrade geben, aber vorhergesagt sind aktuell als niedrigster Wert minus zwei Grad - das müßten die Blüten eigentlich aushalten. Trotzdem, jetzt wünsche ich mir natürlich doch, daß der Kirschbaum sich noch bis Anfang nächster Woche Zeit läßt mit dem Aufblühen. Die Apfelblüten kommen, wenn ich nach der verlinkten Quelle gehe, sowieso erst in ca. zwei Wochen.
Nur eine Kleinigkeit, aber ich habe mich total darüber gefreut: Letzten Herbst habe ich sämtlichen Schnittlauch geerntet, der bis dahin noch übrig war, und eingefroren. Den Topfinhalt habe ich im Garten einfach aus dem Topf herausgenommen und lose auf den Boden aufgesetzt, weil ich dachte, nun ja, schlimmstenfalls passiert eben gar nichts, dann habe ich nicht viel verloren. Jetzt habe ich an dieser Stelle einen kleinen Erdhügel, aus dem gerade sehr munter eine Menge neuer Schnittlauch herauskommt. Wegen des Hügels ist eine Verwechslung mit Unkraut nicht möglich. Das finde ich super, ich glaube, das probiere ich künftig mit allen Topfkräutern. Rieseneinsparungen bringt das beim Einkaufen zwar nicht, aber trotzdem.
Am Sonntag setzte sich ein - meinem Empfinden nach - riesiger Greifvogel auf den Hühnerstall und ließ sich ein Weilchen von mir anschauen, obwohl ich ihn gleich diplomatisch darauf hinwies, daß er in dem Hühnerstall keine Hühner finden würde, nur Gartengeräte. Ich glaube, das war ein Rotmilan, die haben wir hier nämlich massenhaft. Für einen Mäusebussard, den wir ebenfalls ständig sehen (und vor allem hören), war dieser Vogel nämlich viel zu groß. Mäusebussarde sind kleiner als Krähen, das weiß ich, weil ich einmal mitverfolgt habe, wie ein halbes Dutzend Krähen einen Mäusebussard attackierten. Anscheinend brütet in Ortsnähe auch ein Wanderfalkenpärchen, aber das wird vermutlich eher nicht direkt in den Ort kommen. Also war es wohl wirklich der rote Milan. Sonst sehe ich die immer nur im Flug, dann leicht erkennbar an dem gegabelten Schwanz. Ich war begeistert über diesen seltenen Besucher auf unserer bescheidenen Hütte. Der darf gerne wiederkommen.
Ansonsten sind unsere Nistkästen leider wieder nicht angenommen worden. Das lag vermutlich daran, daß wir in der kritischen Phase zu aktiv im Garten waren und die Meisen verschreckt haben. Einmal haben wir ein Kohlmeisenpärchen beobachtet, wie es einen der Kästen inspizierte. Das war am Tag, bevor wir unser Bäume geschnitten haben - womöglich haben sie den Baum nicht mehr wiedererkannt. Hübsch ist es aber, daß manche der Meisen - eine Kohlmeise und eine Blaumeise - ans Futterhaus kommen, auch wenn ich gerade auf der Terrasse sitzen - jedenfalls, wenn ich ganz still sitze und möglichst noch das Atmen einstelle. Sie setzt sich dann immer auf unsere Teppichstange und wirkt ein bißchen mit sich uneins, ob sie es riskieren soll oder nicht, manchmal schimpft sie mich auch aus. Ab und und zu fliegt sie dann doch wieder weg, aber meistens kommt sie jetzt heran, um sich am Futterhaus eine Erdnuß oder einen Sonnenblumenkern zu holen. Mal sehen, wieviele Sonnenblumen uns die Meisenbesuche bescheren werden.
Das Rotschwänzchenmännchen - seine Allerliebste habe ich bis jetzt freilich noch nicht gesehen - ist auch aus seinem Winterdomizil zurückgekommen und ständig zu hören und manchmal auch zu sehen. Vermutlich ist es derselbe wie letztes Jahr, denn er ist sehr unerschrocken. Heute vormittag hat er unsere Terrasse inspiziert und sich nicht durch meine Anwesenheit dabei stören lassen.
Das Amselpärchen - mindestens das Männchen ist ein anderes als letztes Jahr, es singt nämlich anders - hat uns heute auch im Garten beehrt. Der Amselhahn inspizierte den Rand des Gartenwegs, wo ich gerade das Unkraut entfernt hatte, und die Menge der Insekten und Würmer fiel offenbar zu seiner Zufriedenheit aus, denn später kam er samt Gattin noch einmal, und sie machten eine kleine Runde zu Fuß durch den vorderen Garten.
Die Mausefallen habe ich jetzt weggeräumt, da wir nun seit fast vier Wochen keine Mäuse mehr gehabt haben. Die fühlen sich jetzt alle im Freien so wohl, daß sie wohl vor dem späteren Herbst nicht mehr nach einem Dach über dem Kopf suchen werden. An unserem Dachspitz ist für so ein Mäuschen ja nur der Schutz vor Kälte interessant. Im Herbst werden die Fallen dann wieder scharfgestellt.
