Donnerstag, 29. Oktober 2026

Die Alles-oder-nichts-Logik der Ideologen und der Dollarzeichen-in-den-Augen-Bluescreen der Verbraucher

Mein Gewicht heute früh am zweiten von zwei nicht zusammenhängenden Fastentagen diese Woche: 79,7 Kilogramm. Das sind knapp über drei Kilo weniger als vor zwei Wochen am selben Tag. Zwei der drei Kilos minus sind nur Wasser, aber das dritte sollte ein echtes Minus sein. Bedenkt man, daß ich gestern schon das erste Mal mogeln mußte - Geburtstagskuchen bei Mama -, ist das absolut okay und läßt mich hoffen, daß auch der zweite 90. Geburtstag in der Nachbarschaft keine schwerwiegenderen Folgen haben wird. Kritischer wird freilich das Wochenende, wenn die große Familienfeier stattfindet und ich außerdem einmal bei meiner Mutter übernachte. Aber dafür werde ich ja ab Montag wieder ein langes Fastenintervall starten. Ich fürchte allerdings, ich werde am Montag doch noch einmal mit einem Gewicht oberhalb von 80 kg starten müssen, bevor ich die häßliche Acht jedenfalls bis zum Ende der LC-Phase vermutlich gar nicht mehr sehen werde.  

***

Unser Werkstattdach zieren seit ein paar Tagen nun sechs riesige Solarmodule. Diese Dinger sehen wirklich viel größer aus, als ich mir sie vorgestellt hatte, aber ich bin sehr zufrieden auch mit dem optischen Eindruck, es sieht ästhetisch absolut okay aus, was ich nicht von jedem mit Solarmodulen zugepflasterten Hausdach behaupten könnte, wenn um Dachfenster und Gauben drumherumgebaut werden mußte. 

Der Rest muß aber noch warten, zum einen, weil der Batteriespeicher, der noch fehlt, im Moment überall ausverkauft ist, zum anderen, weil die Montage eine Spontanaktion des Handwerkers war. Er hatte eine Lücke in seinem Zeitplan und kam auf den Gedanken, sie auf diese Weise zu füllen. Die Montage hat dreieinhalb Stunden gedauert. Wir haben außerdem Riesendusel gehabt, stellte sich heraus. Der Handwerker sagte, er werde die Umsetzung aller weiteren Auftragsanfragen, die nach unserer kamen, ins nächste Jahr verschieben oder teils auch ganz absagen müssen, und zwar wegen immer bedenklicherer Lieferengpässe beim Material. Offenbar ist die Nachfrage nach Solaranlagen gerade ähnlich extrem wie im Sommer die nach Split-Klimaanlagen. Und das, obwohl wir uns zu Beginn der Phase mit den wenigsten Tageslichtstunden im Jahr befnden. 

Glück für uns also, unser Projekt ist eines, das nur noch fertiggestellt werden muß, und das wird er wohl möglichst schnell erledigen wollen. 

Die extreme Nachfrage nach Solaranlagen, die es gerade gibt - obwohl gerade jetzt die Phase mit der geringsten Stromausbeute bevorsteht -  bestätigt mir, daß die Bundesregierung auf die Energiewende kaum noch einen dämpfenden Einfluß bewirken kann, indem sie sich darum bemüht, fossile Energien weniger unattraktiv zu machen und die erneuerbaren zu benachteiligen. Die Leute stimmen über ihre persönliche Energieversorgung gerade mit den Füßen ab. Es bestätigt mir aber außerdem, daß die von der Ampel gewählte Methode mit Druck und teils unsinnigen garnierenden gesetzlich vorgeschriebenen Pflichten gar nicht nötig gewesen wäre, sondern aus einer Art rot-grünem Reflexhandeln heraus geschehen sind. Niemand ist scharf darauf, mehr Geld als nötig fürs Heizen auszugeben. Aber wenn eine Umstellung von dem, was man schon hat, auf etwas anderes mit unnötigen Komplikationen und Fußangeln versehen wird, dann wird das halt im Zweifelsfall nicht gemacht. Das betraf vor allem WEGs in Mehrfamilienhäusern, die bislang mit Gas-Etagenheizungen beheizt wurden. 

Bei den Balkonkraftwerken wurden von der Ampel-Regierung einige Fußangeln beseitigt, deswegen sind sie auch seitdem ein solcher Renner geworden. Für die Heizung galt das leider nicht. Hier war die Änderung durch die aktuelle Bundesregierung, mit der ich sonst nicht sonderlich zufrieden bin, eine wirkliche Verbesserung. Daß sämtliche Klimaschützer Zeter und Mordio darüber schreien, ist m. E. wieder nur eine rot-grüne Reflexhandlung. Tatsächlich muß ich ihnen zugestehen, daß es auch auf mich ein bißchen so wirkt, als stünden hinter unserer Wirtschaftsministerin die Interessenvertreter der fossilen Energieerzeuger. Aber falls das so wäre, hätten sie sich als die üblichen Nieten in Nadelstreifen erwiesen. Und vielleicht tu ich der Katherina - nur echt mit dem falschen e in der Mitte - ja doch unrecht, und sie hatte von Anfang an den Hintergedanken, daß sinkende Zuschüsse Torschlußpanik auslösen und die Heizungsumstellungen stärker als jede gesetzliche Verpflichtung beschleunigen würden. Wie das jetzt gerade auch live und in Farbe beobachtet werden kann.  

Wie auch immer, jedenfalls ist die Nachfrage sowohl nach Wärmepumpen wie auch Solaranlagen offenbar gerade riesig. Und auch die Stromspeicherkapazitäten wachsen immer schneller. Wir steuern im Lauf des nächsten Monats bescheidene 5,025 kWh Kapazität zu dieser Gesamtkapazität bei. 

 

Im Moment wird vor allem viel über den Zuwachs bei den Großspeichern geschrieben, aber deutlich erkennbar ist auch, daß die Kurve bei den Heimspeichern dieses Jahr noch steiler geworden ist. Die Leute kaufen Batteriespeicher, als befürchteten sie, nächstes Jahr würden sie verboten werden. Vielleicht ist auch das ein unbesungener Verdienst von Frau Reiche, daß man ihr ein solches Verbot irgendwie beinahe zutrauen würde. 

Ich bin jedenfalls heilfroh, daß wir das noch 2026 in Angriff nehmen konnten. Und mit der Split-Anlage hatten wir in jedem Fall das richtige Timing:

 

Das sind immerhin um die 50 Prozent höhere Preise als irgendwann sonst innerhalb der letzten drei Jahre. Strom ist auch teurer geworden, aber längst nicht so viel. Und außerdem werden wir jetzt ja demnächst mit der Steckeranlage unseren eigenen Strom erzeugen. Wieviel das wird, darauf bin ich schon sehr gespannt. Im Sommer sollte die Anlage unseren Bedarf einschließlich Kühlen aber in jedem Fall locker abdecken. Auf Basis unserer aktuellen Strom- und Gaspreise und der Schätzungen des Handwerkers könnte sich eine Ersparnis von jährlich wirklich erstaunlichen 1400 Euro ergeben, aber das glaube ich erst, wenn ich es auf den Energierechnungen nächstes Jahr schwarz auf weiß vor mir sehe. 

Dem gegenüber steht eine Investition in Höhe von 11.600 Euro minus eventuell noch 1800 Euro Förderung (der Antrag läuft im Moment noch und ich plane das Geld deshalb noch nicht fest ein). In diesem Fall hätten wir die kompletten Anschaffungskosten innerhalb von acht bis neun Jahren wieder drin; den möglichen zusätzlichen Vorteil durch etwaige weitere Kostensteigerungen bei Strom und Gas in diesem Zeitraum habe ich außerdem auch nicht mit einberechnet. Falls wir das Heizen des Warmwasserkessels mittels eines Heizstabs zur Vermeidung von Überschüssen im Somer ebenfalls über die PV-Anlage vornehmen lassen wollen, entstünden um die 1000 Euro zusätzliche Anschaffungskosten. Ich glaube, das Warmwasser ist für den deutlich größeren Teil unseres Sommer-Gasverbrauchs verantwortlich, der diesen Sommer pro Tag zwischen 6 und 10 kWh ausmachte. Wir kochen zwar auch mit Gas, aber das dürfte weniger stark ins Gewicht fallen. 

Noch sind das aber alles nur Luftbuchungen. Die auf Basis von Schätzungen ermittelte Einsparung muß sich jetzt in der praktischen Anwendung erst noch in dieser Form wirklich materialisieren, und vielleicht erleben wir da ja doch noch eine kleine Enttäuschung, falls unser Handwerker zu optimistisch gerechnet hat und vielleicht doch bloß die Hälfte des von ihm angenommen Ertrags herauskommen sollte. Aber auch das würde eine Ersparnis von pi mal Daumen um die 700 Euro im Jahr bedeuten. Mit einer "normalen" Wärmepumpe, also die gerade so heftig beworbene Luft-Wasser-Wärmepumpe, ist trotz der viermal so hohen Anschaffungskosten der finanzielle Vorteil kaum höher. Deshalb erstaunt es mich immer wieder, daß die Luft-Luft-Wärmepumpe weiterhin ein Geheimtip zu sein scheint, den kaum jemand kennt.  

Vielleicht liegt es ja daran, daß die hohen Anschaffungskosten der Luft-Wasser-Wärmepumpe auch dazu führen, daß die staatliche Förderung so viel höher ausfällt. Wir bekommen an Förderung maximal 1800 Euro, und sicher können wir uns noch nicht sein, daß der Antrag nicht einfach abgelehnt wird - ein bißchen scheint das bei Luft-Luft auch Glückssache zu sein - nur, daß die Anschaffungskosten so viel niedriger sind, daß eine Ablehnung zu verschmerzen wäre. Wer aber eine "normale" Wärmepumpe kauft, kann auf zwischen 15.000 und 25.000 Euro Staatsknete hoffen. Staatliche Förderungen lassen bei den Leuten ja regelmäßig den Verstand aussetzen, ob nun bei der Riester-Rente oder der Auto-Abwrackprämie oder eben jetzt bei den Wärmepumpen. Wenn die Leute glauben, sie bekämen vom Staat Geld geschenkt, bekommen sie Dollarzeichen in den Augen und der Teil ihres Hirns, der für eine Kosten-Nutzen-Bilanz zuständig ist, verweigert seinen Dienst. 

Der WWF hat gerade eine Studie publiziert, in der die Kosten einer neuen Gasheizung mit denen einer Wärmepumpe (inkl. Folgekosten über zehn bzw. 15 Jahre, mit oder ohne einer PV-Anlage) verglichen wurden. Der entscheidende Faktor, damit die Wärmepumpe in diesem Zeitraum schon einen Vorteil bietet, ist eindeutig die staatliche Förderung. 

 

Freilich sind die Anschaffungskosten so hoch, daß sogar der Superduper-Zusatzbonus der Förderung bei niedrigem Einkommen immer noch einen selbst zu tragenden Anteil von mehr als 20.000 Euro bedeutet. Das sind immerhin zwei Drittel eines kompletten Jahreseinkommens dieser Zielgruppe. Da muß man schon geerbt haben, um sich die Sache leisten zu können. Oder einen Kredit aufnehmen  - was die Kosten aber erhöht und damit die Bilanz verschlechtert, weil die Zinsen im Moment ja auch nicht ohne sind. Erschwerend kommt noch hinzu, daß man bei den Gesamtkosten erst mal selbst in Vorleistung gehen muß, weil die Fördergelder erst nachträglich ausbezahlt werden. Und manchmal geht die Sache auch irgendwie schief und so ein Förderantrag wird doch abgelehnt, weil man irgendwelche Formalien nicht eingehalten hat. Also, ich würde so eine Anschaffung jedenfalls nicht tätigen, wenn ich das nötige Kleingeld für die Gesamtkosten nicht bereits in der Portokasse liegen hätte. 

Das nötige Kleingeld für unsere Variante mit der Split-Anlage und dem Steckerkraftwerk beträgt weniger als 12.000 Euro und das gab unsere Portokasse her. Die ca. 55.000 Euro als Vorleistung vor Fördergeld-Auszahlung für eine Wärmepumpe plus eine große PV-Anlage hätten wir nicht gehabt. Aber auch 40.000 Euro, der Teil der Anschaffungskosten die wir nach Erhalt der Förderung selbst hätten stemmen müssen - wir liegen oberhalb der Einkommensgrenzen, unter denen es noch zusätzliche Förderung gibt - hätten wir nur mit Mühe aufbringen können. 

Außerdem fand ich einige Merkwürdigkeiten in der Berechnung der WWF-"Studie". Beispielsweise wurden die Anschaffungskosten für die PV-Anlage in der Studie nicht als zusätzliche Anschaffungskosten angegeben, sondern in sogenannte "Stromgestehungskosten" umgerechnet: 

 Stromgestehungskosten (englisch Levelized Cost of Electricity, LCOE) sind in der Energiewirtschaft eine Maßeinheit, die die Kosten für die Errichtung und den jährlichen Betrieb einer Anlage ins Verhältnis zur Stromerzeugungsmenge über die gesamte Lebensdauer der Anlage setzt.[2] Sie werden zum Beispiel in Euro oder Dollar je Megawattstunde angegeben.

Konkret bedeutet das, daß auf den Strompreis zum Wärmepumpentarif ungefähr 10 Cent pro kWh dazugerechnet werden, statt die Anschaffungskosten einfach als Anschaffungskosten anzugeben. Das führt dazu, daß der Stromverbrauch doch nicht in dem günstigen Wärmepumpentarif, sondern in etwa zum marktüblichen Strompreis kalkuliert wird. In der Realität entstehen diese Anschaffungskosten für die PV-Anlage aber sehr wohl und erhöhen den Kapitalbedarf für die anfängliche Investition. Das kapiert vermutlich kaum jemand von denen, die nur diese hübschen bunten Grafiken vergleichen. 

Ich habe mal überschlagen, für wieviele Jahre die PV-Anlage laufen muß, damit ihr Kaufpreis mit diesen "Stromgestehungskosten" voll abgedeckt ist. Eine wichtige Variable dafür ist der jährliche Stromverbrauch, auf den diese 10 Cent pro kWh aufgeschlagen wurden. Bei 5000 kWh wären es zwanzig Jahre, verbraucht man nur die Hälfte, ist der Zeitraum doppelt so lang, also vierzig Jahre. Ein beträchtlicher Teil der Komponenten einer PV-Anlage hat allerdings eine geringere Lebenserwartung, als dieser zweite Fall es vorgibt, und wird noch vor Ende des Zeitraums ausgetauscht werden müssen. Die Kosten, die daraus entstehen, wurden aber offenbar in der Kalkulation nicht mitberücksichtigt, also würde ich sie nur für relativ große Objekte mit entsprechend hohem Heizbedarf für maßgeblich halten. 

Nochmal zurück zu den Anschaffungskosten. Unsere knapp 12.000 Euro Anschaffungskosten, die ich den 55.000 Euro Anschaffungskosten gegenübergestellt habe, wenn man anstelle der Stromgestehungskosten die kalkulierten 10.000 Euro für eine Dach-PV-Anlage einbezieht, sind noch in einer weiteren Hinsicht nicht vergleichbar, denn in ihnen sind auch ca. 2500 Euro für einen Batteriespeicher mitenthalten. In der WWF-Modellrechnung fehlt ein solcher Speicher. Tatsächlich müßte ich also den 55.000 Euro 9500 Euro Anschaffungskosten gegenüberstellen. Aber das ist ein Faktor, der nur bei dem Vergleich der Anschaffungskosten relevant ist, und das halt deshalb, weil sie erst einmal selbst getragen werden müssen. 

Wäre unser Modell mit den Annahmen zum Stromertrag und -verbrauch wie weiter oben beschrieben in der obigen Grafik als weiteres Vergleichsbeispiel enthalten, würden alle anderen Lösungen bezüglich der Wirtschaftlichkeit auch dann ganz schön dagegen abstinken, wenn wir die Sache mit den Stromgestehungskosten einfach so beibehalten - das hat immerhin den Vorteil, daß die Stromkosten auch im Wärmepumpentarif in der Kalkulation vergleichbar hoch wie die normalen Stromkosten sind und damit unser Verbrauch zum Normaltarif  besser damit vergleichbar ist. 

Ein weiterer Faktor, der bei uns nicht - oder jedenfalls nur unregelmäßig - anfallen wird, sind die Wartungskosten, die in der Modellberechnung im Laufe von zehn Jahren immerhin 5000 Euro ausmachen. Unser Kältetechniker hat nämlich bei der Frage nach der Wartung abgewinkt: Innen- wie Außengeräte sind problemlos und ohne Akrobatik für uns zugänglich und die Reinigung und Kontrolle können wir selbst vornehmen. Wir brauchen den Fachmann nur dann, wenn wirklich einmal ein Problem anliegt. 

Dafür haben wir aber im Gegenzug weiterhin Gaskosten, nämlich für Warmwasser und Kochen. Ich habe mal unseren Gasverbrauch außerhalb der Heizperiode zur Grundlage meiner Kalkulation genommen und meine, das könnte gerade diese 5000 Euro in zehn Jahren ausmachen - sofern wir nicht nach unserem ersten Jahr mit unserer Anlage beschließen, die Warmwasserbereitung auch an die PV-Anlage zu koppeln, eine Entscheidung, die wir frühestens in einem Jahr fällen werden. 

Es gibt noch einen weiteren Faktor in der WWF-Berechnung, der mich stutzig macht. Wenn es einen preisgünstigen Wärmepumpentarif für den Stromverbrauch gibt - für den man übrigens einen weiteren Zähler benötigt, dessen Anschaffung ebenfalls Geld kostet (um die 150 Euro) -, dann ist es extrem unwirtschaftlich, diesen Strom für den Betrieb der Wärmepumpe zu nutzen, solange damit noch weiterer Haushaltsstrom abgedeckt werden kann, für den der normale teurere Stromtarif bezahlt wird. Das wird dort nirgends erwähnt. Aber gerade im Winter ist die Stromerzeugung durch die PV-Anlage geringer und wahrscheinlich schon für den Haushaltsstrom von vornherein nicht ausreichend. Wenn die geringere Menge an selbst erzeugtem Strom trotzdem als Ersatz für den billigeren Wärmestrom genutzt wird, dann ist das zwar möglich und war wohl erforderlich, um die Rechnung besonders vorteilhaft erscheinen zu lassen, aber es bedeutet natürlich, daß man für den gesamten Strom, den man aus dem Netz für Haushalt und Wärme bezieht, viel mehr bezahlt, als man eigentlich bezahlen müßte. Eigentlich schafft man also eine Mogelpackung, wenn das Heizen aus dem Gesamtenergieverbrauch des zugrundegelegten Haushalts auf die hier vorgenommene Weise herausgelöst und isoliert betrachtet wird. Dann kann man den Anschein eines finanziellen Vorteils erwecken, der durch einen finanziellen Nachteil an einer anderen energetischen Stelle verringert oder schlimmstenfalls ganz aufgefressen wird. 

Der Vorteil der Luft-Wasser-Wärmepumpe gegenüber der Gasheizung ergibt sich aus den geringeren Verbrauchskosten plus CO2-Preis und Netzentgelt, die nur bei Gas anfallen - aber innerhalb von zehn Jahren besteht dieser Vorteil bei den Gesamtkosten aus Anschaffung plus Energieverbrauch plus sonstige Kosten nur durch die Fördergelder. Die haben wir übrigens alle auch selbst mitbezahlt, und zwar durch unsere Steuergelder - noch ein Faktor, den man eigentlich, wenn man seriös die finanzielle Wirkung der Anschaffung einer solchen Wärmepumpe berechnen wollte, irgendwie mitberücksichtigen sollte. 

Was in der Kalkulation ebenfalls unberücksichtigt blieb, sind etwaige Vergütungen für den Teil des selbsterzeugten Stroms, der ins Netz fließt. Das spielt bei "großen" Anlagen noch viel mehr als bei unserer kleinen Steckeranlage  eine Rolle. Ich habe mal für unser Haus die Sache hier modellhaft durchgerechnet. Unsere tatsächlich gewählte Lösung mit der Steckeranlage ließ sich dummerweise nicht darstellen, aber wähle ich die Variante "Möglichst hohe Autarkie" bei den Voreinstellungen, komme ich bei 13 Solarmodulen heraus und dann sieht die Sache so aus: 

 

Bei sechs Solarmodulen nehme ich an, daß sich die Einspeisung auf deutlich weniger als die Hälfte des hier angegebenen Werts reduzieren läßt, vor allem, wenn wir mindestens zwischen Mai und September das Warmwasser durch die PV-Anlage erwärmen lassen und ich im Hochsommer notfalls die Klimaanlage nonstop bei offenem Fenster laufen lasse, sofern die Temperaturen das zulassen. 

Ohne Speicher sähe die Sache aber so aus: 

 

Ohne Batteriespeicher ergibt eine große Solaranlage also so wenig Sinn, daß es kein Wunder ist, daß Speicher inzwischen Standard geworden ist. Sie hätten folglich auch in dem WWF-Vergleich mit einbezogen werden sollen. Das ist deshalb unterblieben, weil sich dort niemand für den Gesamtenergieverbrauch eines Haushalts interessiert hat, nur für die Heizkosten. Ohne Speicher könnte man also nach diesem Modell damit rechnen, daß pro Jahr 187 Euro Einnahmen aus Stromeinspeisung entstehen, aber dafür fast 1200 kWh zusätzlich aus dem Netz bezogen werden müssen, und zwar zu Kosten von um die 36 Cent pro kWh, das entspräche um die 430 Euro. Außerdem würde von den 270 kWh für die Wärmepumpe vermutlich ein größerer Teil dazu führen, daß andere Stromverbräuche zum teureren Normalpreis für Strom aus dem Netz bezogen werden müssen. 

Ich meine, es ist angesichts dessen nachvollziehbar, warum ich das große mediale Echo auf diese WWF-"Studie" mit eher gemischten Gefühlen sehe. Positiv sehe ich es, daß endlich mit dem Mythos aufgeräumt wird, Wärmepumpen lohnten sich nur bei umfassend sanierten Altbauten, den man denen, die an ihn glauben, freilich nicht vorwerfen kann, denn genau so wurde es uns ja die ganze Zeit eingehämmert, um uns zu vermeintlich optimalen Sanierungsvorhaben zu verlocken. Was dabei nie bedacht wurde, ist die Frage, wo ein Durchschnittshausbesitzer eines Altbaus die dafür nötigen sechsstelligen Beträge eigentlich hernehmen soll. Wenn nun endlich das unterbleibt, ist das in jedem Fall ein Fortschritt. Aber das Propagieren der Luft-Wasser-Wärmepumpe hat letzten Endes doch wieder denselben Alles-oder-nichts-Beigeschmack. Die Luft-Luft-Wärmepumpe kann man nämlich auch erst einmal für einen Raum zusätzlich zur Gasheizung einsetzen. Aber dann wird der Gasverbrauch nicht auf der Stelle um hundert Prozent heruntergefahren, und ich glaube, das ist es, was Ideologen an solchen Lösungen stört.

Ich möchte übrigens wirklich nicht wissen, wie viele Split-Klimaanlagen diesen Sommer in Wohnungen installiert worden sind, ohne daß irgendwer den Hitzegeplagten verraten hat, daß sie mit den Dingern auch effizient heizen können. Vermutlich sind schon eine Menge Wohnungen insgeheim mit Luft-Luft-Wärmepumpen ausgestattet, die nur im Sommer zum Kühlen eingesetzt werden. Es wäre ein interessantes Experiment, jeden, der so was hat, mal für einen Tag im Winter - sagen wir, an Neujahr - dazu zu motivieren, in den so ausgestatteten Räumen den Heizkörper auszumachen und 24 Stunden lang nur mit der Klimaanlage zu heizen. Ich würde echt gerne sehen, ob man im Vergleich zum Vortag einen Unterschied beim bundesweiten Gasverbrauch sehen würde. 

 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen