Dienstag, 18. August 2026

Kollateralschaden der Abnehmspritze: Das Konzept der Body Positivity

Mein Gewicht heute früh: ... Na, es hilft ja nichts: 83 Kilogramm.  

Zum Glück kann ich davon ausgehen, daß das der traurige Höhepunkt gewesen ist. So ist das halt, wenn man eine Woche gar nicht fastet und danach ein langes Fastenintervall ausläßt. Die Hitze hat bestimmt auch eine Rolle gespielt. Trotzdem, ein bißchen ratlos macht es mich schon. Nächste Woche das lange Fastenintervall wird hoffentlich alles wieder ein bißchen zurückrücken, aber danach steht ja meine Fahrt nach Tschechien an, auf der ich auch nicht faste. Und was, wenn die Low-Carb-Phase ab Oktober wie letztes Jahr wieder ein Schuß in den Ofen wird? 

Das ist alles nicht wirklich erfreulich, aber daß dieser Sommer mir noch unangenehme Überraschungen bescheren kann, war mir von dem Moment an klar, als sich die LC-Phase im Januar und Februar als ein Fall von "Außer Spesen nichts gewesen" herausstellte. Trotzdem macht es mir zu schaffen. Neun Jahre lang war mit Ausnahme einer vierwöchigen Phase während der Chemo das Schlimmste, was mir passiert ist, die eine oder andere Plateauphase. Aber im Moment möchte mein Gewicht offenbar mit einigem Nachdruck nach oben. Dazu muß ich mir irgendeine Strategie überlegen, und zwar eine, die funktioniert. Das Ärgerliche ist, daß mir die Optionen ausgegangen sind, jedenfalls, was meine gewohnte Herangehensweise betrifft. Im Grunde kann ich gerade nur darauf hoffen, daß Low Carb dieses Jahr wieder funktionieren wird, oder daß ich andernfalls eine geniale Idee entwickle, die mir auf andere Weise weiterhilft. 

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Die Sache kommt auch in anderer Hinsicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn das Konzept Body Positivity scheint out zu sein. Das kann man gut oder schlecht finden, es ist nicht nur meinem Eindruck nach so und vermutlich eine Folge der Abnehmspritze. Für eine Menge Übergewichtige, die nach oft unzähligen erfolglosen Versuchen, normalgewichtig zu werden, glaubten, sie müßten sich mit ihrem Körpergewicht abfinden und für die Body Positivity die bestmögliche Lösung war, bot die Abnehmspritze erstmals eine wirksame Herangehensweise, um das insgeheim die ganze Zeit eigentlich bevorzugte und nur für unerreichbar gehaltene Ziel doch noch in Angriff zu nehmen.  

Des einen Freud, des anderen Leid: Bodyshaming wird nunmehr angeblich wieder salonfähig, Plus Size verschwindet von den Laufstegen, stattdessen sind die Magermodels wieder zurück. Angeblich vor allem im Luxusbereich, aber mir fiel schon letztes Jahr auf, daß auch die Discounter das Angebot an Plus-Size-Kleidung in den letzten zwei, drei Jahren merklich zurückgefahren haben. Das sollte freilich niemanden zu sehr grämen, denn meinem Eindruck nach hat die Qualität der Kleidung in Discountern, die zeitweise wirklich okay war, doch ziemlich nachgelassen. Nachdem ich in den letzten zwei Jahren mit mehreren Teilen reingefallen bin, habe ich mich entschieden, im Discounter künftig nichts mehr zum Anziehen zu kaufen, auch wenn mir etwas vom Aussehen her wirklich gut gefällt. 

Ob man dem Konzept Body Positivity nachtrauern sollte? Diejenigen, denen es ihren Alltag erleichtert und psychischen Druck verringert hat, tun das natürlich. Für mich hatte es aber etwas Zwiespältiges. Einerseits ist es genau das, was ich - ohne den Begriff zu kennen - zwanzig Jahre lang selbst praktiziert habe, aber es hat auch meine Reaktion verlangsamt, als ich mich einfach nicht mehr wohlfühlen konnte, weil mein Gewicht anfing, mich im Alltag zu behindern. Ich glaube es den wenigsten, die diesen Punkt erreichen und sich zu Body Positivity bekennen, daß sie wirklich so sind, wie sie gerne sein möchten. Seit es die Abnehmspritze gibt, sieht man, daß eine Menge angebliche Enthusiasten des Konzepts ohne langes Zögern desertiert sind, und das wundert mich nicht. Als meine Methode wirklich funktioniert hat, mußte ich ja auch nicht lange überlegen. 

Daß Ricarda Lang, die ebenfalls den Konzept der Body Positivity zu huldigen behauptete, nunmehr stolz darauf ist, 40 Kilogramm abgenommen zu haben, wundert mich also auch nicht. Angeblich gelang ihr das sogar ohne Hilfe der Abnehmspritze, was mich ebenfalls nicht wundert, falls es denn wahr sein sollte, denn hohes Übergewicht macht bei den meisten, die es ernsthaft versuchen und diszipliniert drannbleiben, hohe Abnahmen möglich. Ricarda Lang hatte, als sie nach dem Scheitern der Ampel und dem Ausscheiden als Grünen-Vorsitzende private Dinge anders priorisieren konnte, außerdem gute Voraussetzungen dafür, mit so einem Projekt erfolgreich zu sein, weil sie ihren Alltag sowieso neu ordnen mußte, und das ist günstig für ein solches Vorhaben. 

Das Problem besteht sowieso nicht in der Abnahme, sondern darin, sie anschließend zu halten. 

Ricarda Lang dürfte sich dem Punkt nähern, an dem das mit dem Weiterabnehmen bzw. Gewichthalten bei den meisten schwieriger wird. Genaugenommen wäre sie theoretisch sogar schon über diesen Punkt hinaus, ich tippe aber darauf, daß sie erst zeitverzögert damit begonnen hat, auch Sport zu treiben. Das verlängert das Zeitfenster, in dem alles gut funktioniert, um etliche Monate. Bei Nadja Hermanns Abnahme spielte eine solche Zeitverzögerung mit dem Beginn des Sporttreibens höchstwahrscheinlich auch eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Sie hat erst nach knapp zwei Jahren in ihrem damals noch öffentlichen Blog von ihren damals gerade einsetzenden Problemen, das Gewicht zu halten, geschrieben. Sie nahm an, sie hätte ihren Kalorienbedarf überschätzt, und wollte auf Basis dieser Annahme gegensteuern. Was dann weiter geschah, weiß ich nicht, weil ihr Blog in "privat" umgewandelt worden war, als ich das nächste Mal einen Blick darauf werfen wollte. Das wird irgendwann im Lauf des Jahres 2018 gewesen sein, aber genau sagen kann ich es nicht mehr. 

Es würde mich echt mal interessieren, wie es Nadja Hermann heute, zehn Jahre nach dem Erscheinen ihres Buches "Fettlogik überwinden" und elf Jahre nach dem Start ihrer Radikaldiät, geht. Falls es ihr wirklich gelungen sein sollte, ohne die Hilfe von Abnehmspritzen oder bariatrischer Chirurgie ihe Gewicht bis heute zu halten, dann sollte Ricarda Lang das eigentlich auch hinkriegen können. Daß ich gerne wissen würde, wie es mit Frau Dr. Hermann weiterging, ist mehr als bloße voyeuristische Neugier. Ich finde immer noch, daß eine Bestsellerautorin, die einen Haufen Geld mit einem Buch über ihre Gewichtsabnahme verdient hat, der Öffentlichkeit eigentlich eine Erfolgs- oder Mißerfolgsdarstellung einschließlich einer Gewichtskurve der letzten zehn Jahre schuldig wäre, denn immerhin hat sie damit ja andere dazu ermutigt, mit demselben Mindset an eine solche Sache heranzugehen. Dabei ging sie davon aus, daß man mit einem Kalorienüberschuß zunimmt, mit einem Defizit abnimmt und sein Gewicht halten kann, wenn man die dafür korrekte Kalorienmenge bestimmt hat. Daß diese Annahme richtig war, könnte sie aber nur überzeugend belegen, wenn sie in einem "Zehn Jahre danach"-Buch nachweisen kann, daß sie zehn Jahre lang so vorgegangen ist und im Großen und Ganzen damit erfolgreich ihr Gewicht gehalten hat. 

Da ich ihre Annahme für falsch halte, bezweifle ich, daß es auf diese Weise funktioniert hat. Und falls es nicht - oder jedenfalls nicht auf diese Weise - geklappt hat, bin ich der Meinung, sie wäre es ihren Lesern eigentlich schuldig, zu beschreiben, was stattdessen passiert und wie sie damit umgegangen ist. 

Joschka Fischers Bestseller "Mein langer Lauf zu mir selbst" relativierte sich von alleine, weil jeder öffentlich besichtigen konnte, wie sich Joschka Fischers Körpergewicht im Anschluß an das Buch veränderte. So sieht er heute aus. Nadja Hermann schrieb unter einem Pseudonym und hat sich, obwohl sie mit ihren Comics sporadisch immer noch auf Facebook aufgetaucht ist, über ihr Gewicht seit dem Schließen ihres Blogs nie wieder irgendwo öffentlich geäußert. Das könnte ich als privatsphärenbewußter Mensch respektieren, wenn es nicht um die Frage ginge, daß Frau Hermann nach wie vor Geld damit verdient, daß Leute ihre Empfehlungen lesen wollen, um sie anwenden zu können. Sollte sie selbst inzwischen die Erfahrung gemacht haben, daß es auf längere Sicht so doch nicht funktioniert, wäre es nicht gerade fair von ihr ihren Jüngern gegenüber, ihnen dies zu verschweigen.

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Mit der Abnehmspritze geht das mit dem Abnehmen wie auch dem Gewichthalten, so viel muß man zugeben, erheblich leichter, wenn man nur bereit ist, sich mit Nebenwirkungen abzufinden und sich darauf gefaßt macht und es sich außerdem auch leisten kann, die Spritze dauerhaft weiterzunutzen. Zu Risiken und Nebenwirkungen frage man besser nicht seinen Arzt oder Apotheker, sondern mache sich auf mögliche Überraschungen gefaßt, denn Arzt wie Apotheker bewegen sich mit ihren Einschätzungen immer noch auf sehr unsicherem Terrain. Die Abnehmspritze gibt es einfach noch nicht lange genug, um Risiken auf längere Sicht seriös einschätzen zu können.   

150 Todesfälle und mehrere tausend schwere Nebenwirkungs-Fälle in Großbritannien (davon ein Fünftel im psychiatrischen Bereich), so wird neuerdings berichtet, stehen im Verdacht, durch Abnehmspritzen ausgelöst worden zu sein. So kann man das auch auf Deutsch neuerdings nachlesen. Es handelt sich um Meldungen über das "Yellow Card"-System an die Gesundheitsbehörde, das heißt, ein Zusammenhang mit Abnehmspritzen ist weder gesichert, noch muß der gemeldete Verdacht auch wirklich berechtigt sein. Trotzdem erinnert mich die Sache fatal an die Raucherentwöhnung mit Champix/Chantix, weil dabei ein Großteil der Nebenwirkungen psychiatrisch war. Champix hatte ja das Problem, daß es wirksamer als andere Raucherentwöhnungsmittel die Lust aufs Rauchen nehmen konnte, aber dies bei einem Teil der Patienten anscheinend gleichzeitig auch die Lust aufs Leben nahm und außerdem manchmal nicht nur zu unkontrollierbaren Aggressionen gegen sich selbst, sondern auch gegen andere führen konnte. 

Die Gemeinsamkeit zwischen Vareniclin, dem Wirkstoff von Champix,und Semaglutid und Konsorten als Wirkstoffe in den Abnehmspritzen besteht darin, daß ihre Wirkung neurologisch bedingt ist, indem auf die jeweils einschlägigen Rezeptoren Einfluß ausgeübt wird. So, wie Champix die Lust aufs Rauchen nimmt, nehmen die GLP1-Agonisten die Lust aufs Essen - Ernährung ist dann eben noch Nahrungsaufnahme, mehr nicht. Aber in beiden Fällen weiß man nicht allzu viel darüber, was genau mit der Einflußnahme auf die Rezeptoren noch alles mitbeeinflußt wird und welche unerwünschten Folgen das haben kann. Ob der in UK nun entdeckte mögliche Zusammenhang etwas damit zu tun hat oder nicht, kann man im Moment freilich noch nicht sagen, das sei zugestanden, auch wenn ich bei diesem Wirkstoff von Beginn an mißtrauisch gewesen bin. Aber das betraf noch mehr als diese Frage die Langzeitwirkungen, denn die kann man bei einem neuen Medikament natürlich erst mit einem größeren zeitlichen Abstand herausfinden. Ich wäre eingestandenermaßen aber nicht überrascht, wenn die GLP-1-Agonisten bei manchen Leuen auch ungute Wirkungen auf die Psyche haben könnten.  

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Sachsen-Anhalt wählt in vier Wochen, und daß die AfD mehr als 40 Prozent der Wählerstimmen bekommen wird, scheint mittlerweile ziemlich sicher, denn seit Mai hatte sie niemals niedrigere Stimmenanteile in den Umfragen. Worauf es aber fast noch mehr ankommt, das sind die Parteien, die um die Fünfprozenthürde herumkrebsen und mal knapp darüber und mal knapp darunter liegen. 

In der neuesten Umfrage vom 12.8. verzeichnet die AfD einen neuen Rekordwert von 43 Prozent der Wählerstimmen. Wäre dies das Ergebnis auch am Wahltag, könnte sie trotzdem auf der Oppositionsbank landen, denn CDU, SPD, Grüne und Linkspartei hätten zusammen 48 Prozent der Stimmen - sie müßten sich halt als gute Demokraten einig werden, daß ihnen gar nichts anderes übrigbleibt, als sich zusammenzuraufen. Aber Voraussetzung dafür ist, daß die Rinderwahnpartei wirklich an der Fünfprozenthürde scheitert. In der Umfrage davor wäre das nicht der Fall gewesen, sie wäre in den Landtag eingezogen und hätte zusammen mit der AfD 47 Prozent vs. 41 Prozent von CDU, SPD und Linkspartei gehabt. Die Grünen waren es in dieser Umfrage, die unter 5 Prozent geblieben wären. Angenommen, sowohl BSW als auch Grüne wären mit 5 Prozent drinnen und ansonsten entspräche alles der jüngsten Umfrage, dann gäbe es ein Patt zwischen einem AfD-BSW-Bündnis auf der einen und CDU, SPD, Grünen und Linkspartei auf der anderen Seite. Dasselbe Patt, nur mit niedrigerer Wählerzustimmung, ergäbe sich, wenn sowohl Grüne als auch BSW mit 4 Prozent an der Hürde scheitern würden. Dann stünde es 43 gegen 43. 

Kurz, die Partei, die es keinesfalls in den Landtag schaffen darf, ist das BSW. Dummerweise spricht viel dafür, daß sie es schaffen wird, falls sie es geschickt anstellt und die Medien so tölpelhaft berichten wie damals bei der Piratenpartei, die in zwei Wochen bis zur Wahl die Prognose, die sie da noch knapp unter der Fünfprozenthürde sah, verdoppeln konnte. Im Moment hat man freilich nicht den Eindruck, daß die AfD sonderlich scharf darauf wäre, das BSW als Königsmacher zu benötigen - vielleicht sorgt das am Ende ja doch noch dafür, daß der BSW nicht in den Landtag einzieht. Ich wäre echt nicht böse darüber. 

Irgendwer, ich glaube, es war Anne Rabe, sprach von einer Aufbruchstimmung unter den AfD-Wählern im Osten. Das seien keine Verzweifelnden, die ihrem Protest Ausdruck verleihen würden, sondern Leute, die von deren Programm überzeugt seien. Ohne jetzt zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Ich halte das für eine Fehlinterpretation, und falls ich damit richtig liegen sollte, werden wahrscheinlich eine Menge Wähler kein Problem damit haben, zum BSW zu switchen, wenn das der AfD nützt, auch wenn das dazu führt, daß der Juniorpartner BSW - und eine solche Koalition ist dann sehr wahrscheinlich - samt seinem Wahlprogramm ein höheres Gewicht innerhalb der Koalition hat, als er es andernfalls hätte. In diesem Fall geht es den AfD-Wählern primär darum, die von ihnen so genannten "Systemparteien" abzuwählen, und wichtig ist ihnen vor allem, dies zu erreichen. Aber falls den Wählern wirklich das AfD-Programm inhaltlich wichtig sein sollte, werden sie überwiegend keine andere Partei wählen wollen. Noch kann niemand seriös voraussagen, ob es bedeutendere Wählerwanderungen von AfD zu BSW geben wird. Aber je höher sie ausfallen, desto sicherer kann man sagen, daß die AfD-Wähler sie nicht wegen ihreres Programms wählen. 

Viel schlauer als die AfD ist die CDU in Sachsen-Anhalt allerdings auch nicht, denn sie hält es (noch) für völlig undenkbar, mit der Linkspartei in irgendeiner Form zusammenzuarbeiten, ganz schweigen davon, eine Koalition mit ihr einzugehen. Das ist Selbstmord aus Angst vor dem Tod, denn die CDU hat nicht den Hauch einer Chance, die Regierung anzuführen, es sei denn, sie akzeptiert ALLE anderen demokratischen Parteien als Partner. Idealerweise müßte sogar die FDP mit dabei sein, was allerdings aus sich selbst heraus ziemlich problematisch ist, auch wenn Christian Lindner inzwischen Geschichte ist. 

Im Moment sieht es in Sachsen-Anhalt leider danach aus, als ob die AfD am Wahltag nicht nur die meisten Stimmen bekommen wird, sondern vermutlich auch imstande sein wird, die Regierung zu bilden. So weit hätte das aber nicht kommen müssen. Seit Juni 2025 hat sie mehr als zehn Prozentpunkte bei den Umfragen hinzugewonnen, und in der CDU braucht niemand so zu tun, als hätte das überhaupt nichts mit ihrer Bundespolitik zu tun, die ja in weiten Teilen durch die Partei und alle möglichen Experten so begeistert von kropfunnötigen Publikumsbeschimpfungen begleitet wurde. Wozu sollen Brandmauern denn gut sein, wenn man sie regelmäßig mit Benzin übergießt?

Hatte ich jemals erwähnt, daß ich den Begriff der Brandmauer von Anfang an für verfehlt gehalten habe? Er drückt das Falsche aus, nämlich daß die Nicht-AfD-Parteienlandschaft sich selbst insgeheim für so anfällig für die Ideologie der AfD halten, daß sie eine Brandmauer benötigen, um zu verhindern, daß AfD-Gedankengut auch auf sie selbst übergreift. Wenn das aber so ist, dann stimmt an den derzeit vertretenen Inhalten dieser Parteien das eine oder andere nicht. Umgekehrt ist an denen der AfD das eine oder andere mehrheitsfähiger, als es uns lieb sein sollte, und deshalb eine Versuchung auch für eigentlich anständige Demokraten. Angenommen das wäre so, ist das Brandmauer-Gerede die ganze Zeit nur Pfeifen im dunklen Wald gewesen. Versuchungen haben es aber an sich, daß man ihnen früher oder später doch unterliegt. 

Etwas ähnliches ist anscheinend mit dem Klimabewußtsein passiert, denn warum sonst sollte die ZEIT ihren Lesern diese sonderbare Frage stellen?

 

Ich fühle mich eigentlich gar nicht mitgemeint. Erstens bin ich kein regelmäßiger ZEIT-Leser mehr, und zweitens war mein Lebensstil noch nie klimabewußt, auch wenn meine letzte Flugreise vor 19 Jahren gewesen ist und ich Kreuzfahrtreisen eher abschreckend finde und überhaupt keinen Grund wüßte, für so etwas Geld auszugeben. Ein Auto habe ich deshalb nie besessen, weil ich den Zusatznutzen nicht groß genug im Verhältnis zu den Zusatzkosten finde - was natürlich auch damit zu tun hat, daß mein Lebensstil seit Jahrzehnten an den Nichtbesitz eines Autos angepaßt ist. Ich hätte zum Beispiel nie im Leben dieses Haus gekauft, egal wie schön ich es finde, wenn ich hier keine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel vorgefunden hätte. 

Aber wenn ich das nicht aus Klimabewußtsein mache, zählt es ja irgendwie nicht. ;-)

Dazu, was mit dem klimabewußten Lebensstil passiert ist, habe ich allerdings eine Theorie. Die Medien, das wird ja auch vielfach angeprangert, berichten immer weniger über das Klima-Thema. Die Leute verhalten sich weniger klimabewußt, weil dies so ist. Sie hatten zuvor, als man täglich mit Ermahnungen überschüttet wurde, versucht, sich dem, was offensichtlich von ihnen erwartet wurde, anzupassen. Aber eigentlich hätten sie die ganze Zeit über viel lieber etwas anderes getan und haben sich das nur nicht getraut. Jetzt trauen sie sich wieder, und zwar deshalb, weil sie nicht mehr täglich verbal für das, was sie in Wirklichkeit tun wollen, Höllenstrafen angedroht bekommen. 

Die ZEIT, die uns nun in so gekränktem Ton fragt, warum wir nicht mehr tun, was sie zu wollen behauptet, hat das also selbst miterverursacht. Das liegt an der inneren Logik ihrer Betätigung. Ob die sinnvoll ist oder nicht, darüber läßt sich diskutieren, aber wir dürfen gerne das Konzept, das hinter der Propaganda für einen klimabewußten Lebensstil steckte, für gescheitert erklären. Denn so etwas funktioniert immer nur wenn und solange man den Druck dauerhaft auf sehr hohem Level hält. Sobald man nachläßt, läßt auch die Wirkung nach. Man hätte von vornherein wissen können, daß so etwas passieren würde, weil es passieren mußte. Die Medien konnten ja gar nicht anders, als ihre Hauptaufmerksamkeit Corona, der Ukraine, den leeren Gasspeichern und so weiter zuzuwenden, als dies die jeweils gerade unmittelbarste Bedrohung wurde. Da kann man sich noch so sehr darüber entsetzen, daß doch auf längere Sicht gesehen der Klimawandel noch viel schlimmer sei, wie schon John Maynard Keynes feststellte: Auf längere Sicht gesehen sind wir alle tot. Daß manche Leute, wenn man nicht heizen kann, trotz der Klimaerwärmung im Winter erfrieren werden, kann, falls wir Pech haben, schon im nächsten Winter passieren. Zum Glück werden mein Mann und ich im nächsten Winter nicht mehr vorranging auf Gas angewiesen sein. Aber im Interesse meiner Mieter hoffe ich, daß der nächste Winter so mild wird, daß die üblichen Verdächtigen darüber zu jammern haben werden, weil daran ja nur der Klimawandel schuld sein kann. Im Winter darauf kann es dann gerne wieder kalt werden. 

Die Frage erinnerte mich immerhin daran, daß ich vor Jahren einmal meinen CO2-Fußabdruck online errechnet hatte, aber ich hatte die Werte nicht mehr so genau im Kopf. Das war außerdem noch in der alten Wohnung. Also nahm ich mir die Berechnung noch einmal vor. 

So also sieht die Sache im Moment nach dem Rechner des Umweltbundeamts aus: 

 

Mit den Angaben unter "Sonstiger Konsum" bin ich allerdings nicht einverstanden, denn er wurde pauschal auf Basis unseres Einkommens errechnet in der Annahme, daß wir mit diesem Geld ja schließlich irgendwas tun müssen. Tatsächlich wurde aber mindestens die Hälfte dieses Geldes bislang auf dem Konto einfach liegengelassen. Zum einen, weil ich es mir als Selbständige und als Vermieterin nicht leisten kann, meine Rücklage so niedrig zu belassen, wie sie es nach unserem Umzug und all den damit verbundenen Kosten nun einmal gewesen ist. Es kann ja immer mal eine Auftragsflaute geben, und es können unerwartete Ausgaben in einer vermieteten Wohnung entstehen. Ich brauche mindestens 20.000 Euro schnell verfügbare Rücklage auf dem Tagesgeldkonto. Dafür muß man aber 15.000 Euro, die man eingenommen hat, nicht ausgeben, wenn die vorhandene Rücklage bis auf 5000 Euro abgeschmolzen wurde. 

Zum zweiten aber, weil sich die Split-Klimaanlage und das Balkonkraftwerk ja auch nicht von alleine bezahlen. Auch dafür haben wir Geld auf dem Konto gelassen. 

Halbiere ich in der Vorlage unser Einkommen, um das tatsächliche Konsumverhalten besser abzubilden, kommt folgendes Ergebnis heraus: 

 

 

Das sieht schon realistischer aus, auch wenn die pauschalen Annahmen nicht nur bei Sonstiges ziemlich, nun ja, unterkomplex sind und nicht zwangsläufig unsere tatsächlichen Verbräuche abbilden. Wieviel Strom wir verbrauchen, wurde ja überhaupt nicht erfragt, nur die Heizung. Offenbar wurde auch da ein Pauschalverbrauch angenommen.

Noch nicht eingerechnet sind in der Berechnung: 

  • Stromverbrauch der Klimaanlage beim Kühlen (läuft ja erst seit Anfang des Monats)
  • Stromverbrauch der Klimaanlage beim Heizen (den weiß ich erst, wenn die Heizperiode einsetzt)
  • Einsparung beim Gasverbrauch durch Klimaanlage in der Heizperiode
  • Stromerzeugung durch das Balkonkraftwerk (da im Moment noch nicht vorhanden) 

Im Bereich Wohnen schlägt außerdem zu Buche, daß wir noch ein Weilchen brauchen werden, bis die Einrichtung unseres Hauses komplett abgeschlossen ist.  

Daß unsere CO2-Bilanz trotzdem schon jetzt so deutlich unterdurchschnittlich ausfällt, liegt vor allem am Punkt Mobilität. Kein Auto, keine Flugreisen und all so Gedöns. Aber, wie gesagt, nichts von dem, was wir machen, beruht auf  Klimabewußtsein, sondern wir führen das Leben, das wir genauso führen würden, wenn das Klima kein Thema wäre, weil es das Leben ist, das wir führen möchten. Weniger oder kein Fleisch zu essen, ist eine Sache, der wir uns rundheraus verweigern würden, wenn es von uns verlangt würde, weil das nicht dem Leben entspricht, das wir führen möchten. Egal, wie oft und intensiv mir die Medien darüber die Ohren vollheulen, damit entlocken sie mir sowieso nur ein genervtes Augenverdrehen. 

Ein Verhalten, das die Leute nicht mögen, kann man ihnen mehrheitlich allenfalls - und selten wirklich gut - durch dauerhaften Druck abringen. Das geht praktisch immer auf Dauer schief, siehe oben, und neben der relativ kleinen Minderheit, die sich dem aktiv und ausdrücklich verweigert - so, wie ich oder der durchschnittliche AfD-Wähler - muß man damit rechnen, daß es viele Lippenbekenntnisse gibt, die nicht zu entsprechenden Taten führen. Das ist dann möglicherweise noch nicht einmal mehr eine Minderheit, sondern kann die Mehrheit betreffen. 

Gescheiter fände ich es, sich mit der Frage zu befassen, was diejenigen, die ein Leben führen, das ganz nebenbei noch klimafreundlicher ist, dazu verlockt, dies aus eigenem Antrieb zu tun.Und dasselbe gilt auch für die Frage, warum sich der Anteil der AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt seit der letzten Wahl verdoppelt hat und es so schwierig geworden ist, an ihr nach der nächsten Wahl bei der Regierungsbildung noch vorbeizukommen. Irgendwas wollen sie damit erreichen, und ich bezweifle ernsthaft, daß es sich dabei um das AfD-Parteiprogramm handelt. 

Dazu fällt mir ein Gespräch mit einer Händlerin am Wochenmarkt ein. Von der weiß ich, daß sie tendenziell eher zum "Rechtsdrehen" neigt und nicht nur zum Klimathema allerhand merkwürdige Dinge zum Besten gibt, wenn sich dafür eine Gelegenheit bietet - was ich für gewöhnlich zu vermeiden versuche. Irgendwie kamen wir aber auf die Split-Anlage und das Balkonkraftwerk und dadurch kamen wir irgendwie auch auf die Vergütung des Stroms bei Netzeinspeisung, über deren Senkung sie sich empörte. Ich sagte ihr, wenn ich Strom erzeuge, dann möchte ich den doch selbst verbrauchen. Genauso, wie ich Gurken im Garten ja nicht verkaufen, sondern selbst essen will. Warum sollte ich mich dann aber dafür interessieren, wieviel andere mir für diese Gurken bezahlen würden? Deshalb sei für mich die Förderung von Solarstrom nie ein ernsthafter Anreiz gewesen, um mir so eine Anlage zuzulegen. Erst als Speicher für den selbsterzeugten Strom erschwinglich wurden, wurde die Sache für mich interessant. Mein Ziel bestehe darin, so wenig Strom wie möglich ins Netz einzuspeisen, weil ich meinem Netzbetreiber im Grunde keine einzige Kilowattstunde von diesem Strom gönne. Die Frau sah mich an, als wäre in ihrem Kopf gerade ein ganzer Hagel an Groschen heruntergeprasselt. Dieser Gedanke war ihr noch nie gekommen. Und sie fand ihn einleuchtend. 

Die Förderungen zielen irgendwie auf die falschen Instinkte der Leute ab, Instinkte, die ich aus irgendwelchen Gründen nicht habe, denn obwohl ich nichts dagegen habe, Fördergelder mitzunehmen, wo sie mir geboten werden, sind sie für mich nicht die Basis meiner Entscheidung. Womöglich ist es ja gar nicht so schlecht, wenn das reduziert wird. Dann werden die Leute nicht mehr von den Dollarzeichen in ihren Augen geblendet und können sich mit der Frage befassen, ob die Sache für sie bei Eigennutzung einen Nutzen hat, der von der Förderung unabhängig ist. Spoiler: Ja, es hat einen. 

Was könnte man dann wohl über die AfD sagen, das eine ähnlich überzeugende Wirkung hätte - ohne irgendwelches Moraldgedöns, das solche Leute sowieso nicht interessiert? Einmal - das hatte ich irgendwann schon mal erwähnt -, sagte ich einem AfD-Fan, Trump und Musk unterstützten die AfD, und wer das, was in den USA unter Trump gerade abläuft, nicht so toll findet, der sollte vielleicht nicht gerade AfD wählen, wenn er das nicht bei uns auch bekommen will. Ob es die Wirkung hatte, daß der AfD-Fan dann sein Kreuzchen doch nicht dort gemacht hat, weiß ich allerdings nicht. Sicher bin ich mir aber, daß es um keine "harten" Faktoren geht, bei denen es um finanzielle Vor- und Nachteile geht. Die AfD ist vor allem für Leute attraktiv, die den gesamten Politikbetrieb als eine einzige große Kränkung erleben, also gewissermaßen für das ständig von Politiker und Experten beschimpfte Publikum. 

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 Aus der Reihe "Perditax' Tier- und Pflanzenleben":  

Sage und schreibe 18 Tage hat es gedauert, bis ich das letzte junge Mäuschen aus der Population, die sich unter dem Dach bei uns breitgemacht hat, zum Fluß tragen konnte. Das müssen zwei Würfe gewesen sein, von denen einer später als der andere war, anders kann ich es mir nicht erklären, daß auch das letzte Mäuschen noch so winzig war wie die Maus Nr. 1 17 Tage vorher. Immerhin werden Waldmäuse nur drei Wochen lang gesäugt und werden danach rasch selbständig. Schon nach drei Monaten sind sie geschlechtsreif. 

Zwei der Mäuse - beide gingen in den allerersten Tagen nach meiner Rückkehr von meiner Mutter in die Falle - waren eindeutig erwachsen. Zwei Mütter oder eine Mutti und ein Vati? Keine Ahnung. Jedenfalls waren es außerdem noch sage und schreibe 16 Jungmäuse. Die ersten ließ ich im Garten frei, aber weil es so gar nicht enden wollte, war ich mir irgendwann nicht mehr sicher, ob ich schon Wiederholungstäter haben könnte, und brachte die letzten drei oder vier wie die Erwachsenen zum Flußufer. Ich hoffe, es geht ihnen dort auch gut. 

Im Garten sehen wir immer noch viele Mäuse, oft sogar live, wenn wir auf der Terrasse essen. Meistens beim Abendessen, aber manchmal huscht auch untertags ein Mäuschen herum. Aber im Garten stört das nicht. Gespannt bin ich freilich, ob das Mauseloch direkt an der Kartoffelpflanze bedeuten wird, daß ich mir bei speziell dieser Pflanze keine zu großen Erwartungen machen sollte, wenn ich die Kartoffeln ausbuddle. Angesichts der Hitze sind meine Erwartungen an die Kartoffelpflanzen vorne bei der Terrasse sowieso niedrig. Mit einer Ausnahme sind alle schon welk, aber mit dem Buddeln warte ich noch, bis auch die letzte keine Lust mehr hat. Die Kartoffelpflanzen im hinteren Teil des Gartens dagegen wirken noch sehr lebensfreudig, was vermutlich zum einen etwas mit dem Standort zu tun hat - schon letztes Jahr liebten alle Pflanzen diesen hinteren Gartenteil besonders. Zum zweiten werden die dortigen Pflanzen mit Hilfe eines Perlschlauchs gewässert. Das war ein Experiment, das sehr überzeugend verlaufen ist. Nächstes Jahr wollen wir das auf den ganzen Garten ausdehnen. 

Aktuell ernten wir nach wie vor Zucchini und Gurken, neu hinzugekommen sind seit letzter Woche Tomaten und seit gestern grüne Bohnen. 

Unsere Mäuse sehen wir auch auf unserer Außenkamera, die wir kürzlich erst auf unseren Springbrunnen gerichtet haben, um zu sehen, ob die Vögel ihn zum Trinken und Baden nutzen. Das tun sie, und wie! Vor allem die Amseln gönnen sich morgens, meistens so gegen acht Uhr, ausgiebige Vollbäder. Vier Amseln sind es insgesamt, und ich meine, drei davon sind die Jungtiere von diesem Jahr, die vierte Amsel kommt mir aber ausgewachsen vor, weil ihr Schwanz länger ist. Die Meisen baden manchmal auch, aber längst nicht so häufig. Sie kommen eher zum Trinken. 

In der Nacht sind zwar keine Vögel da, aber ansonsten steppt auf unserer Terrasse buchstäblich der Bär. Letzte Nacht latschte nämlich ein wohlgenährter Waschbär ganz gemütlich durch unsere Radieschen. Kein Wunder, daß die nie etwas werden! Wir hatten zwar geahnt, daß auch wir Waschbärbesuch haben könnten, weil alle Welt sich hier über die Viecher beschwert, aber gesehen haben wir ihn zum ersten Mal. Er hatte einen auffallend kurzen Schwanz, deshalb haben wir ihn Oskar getauft. Als wir vor vielen Jahren immer die Zoogeschichten auf ARD aufgenommen hatten, um sie abends als Betthupferl anzuschauen, kam nämlich in ein paar Folgen auch ein Waschbär namens Oskar vor, der unter seinen Artgenossen zum Mobbingopfer wurde und wegen ihrer Aggressionen auch ein Stück seines Schwanzes einbüßte. Noch betrachte ich unseren Oskar Nr. 2 nicht als Ärgernis, und falls er sich benimmt, muß sich daran von mir aus auch nichts ändern und er ist mir weiterhin willkommen. 

Noch mehr gefreut habe ich mich aber über den - ebenfalls sehr wohlgenährten - Igel, der ganz manierlich an den Radieschen vorbeizottelte, im Boden einen Engerling oder dergleichen fand und sich einverleibte, und dann in Richtung Holzstapel verschwand. Dort muß er sich länger aufgehalten haben, denn immer wieder löste er den Bewegungsmelder der Beleuchtung aus. Gut, daß mein Mann nicht den kompletten Holzstapel in der Feuerschale in Rauch aufgehen gelassen hat, wie er das anfangs vorhatte. Jetzt braucht er sich das nicht mehr einfallen lassen, denn das Zuhauses unseres Igels werde ich notfalls bis zum letzten Blutstropfen verteidigen. Genauso, wie ich ihn daran gehindert habe, die lose verlegten Treppenstufen vor unserem Gartentor durch etwas Solideres zu ersetzen, nachdem ich entdeckt hatte, daß da drunter Eidechsen wohnen. 

Ansonsten sehen wir auch in den Videos aus der Nacht immer wieder Mäuse und gelegentlich auch die Nachbarskatze. Auf unserer Terrasse ist echt was los. 

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