Mein Gewicht heute früh zum Start des viertägigen Fastenintervalls: 78,4 Kilogramm. 700 Gramm weniger als vor zwei Wochen - als ich die ersten beiden Tage mit Flohsamenschalen hinter mir hatte -, weshalb dieses Minus wahrscheinlich nicht einem geringeren Magen-Darm-Inhalt in die Schuhe geschoben werden kann. Wenn ich richtiges Glück habe, könnte das bedeuten, daß wirklich ein Zusammenhang zwischen der Verstopfung und dem hartnäckig nicht mehr runtergehenden Gewicht bestanden hat - aber natürlich ist es im Moment noch viel zu früh, um das sicher sagen zu können.
Unabhängig von dieser Frage finde ich es wirklich angenehm, endlich wieder regelmäßig morgens nach dem Kaffee ein "menschliches Rühren" zu verspüren (von den 16 Tagen, die ich das mit den Flohsamenschalen jetzt mache, ist es bislang nur an einem einzigen Tag ausgeblieben), und alleine das schon ist ein guter Grund, diesen Effekt weiter zu nutzen. Sollte zusätzlich nun auch wieder eine vernünftige Gewichtsabnahme einsetzen, wäre das ein erfreulicher Bonus. Erfreulich natürlich auch deshalb, weil ich dann nicht weiter nach anderen Ursachen und deren Beseitigung suchen müßte, aber vor allem, weil ich dann endlich darauf hoffen kann, die letzten ärgerlichen 5 Kilogramm auch noch loszuwerden, die sich als besonders anhänglich erwiesen haben.
Ich werde berichten. Aber schon jetzt bin ich heilfroh, daß ich keinen Arzt um Rat gefragt, sondern die richtige Lösung für die Verstopfung alleine gefunden habe. Andernfalls wäre mir bloß irgendein Medikament verschrieben worden, das a) nicht besser oder vielleicht sogar schlechter als meine Lösung gewirkt, b) teurer gewesen wäre und c) vielleicht ja irgendwelche Nebenwirkungen gehabt hätte.
Etwas mehr als drei Jahre nach der OP hatte ich heute wieder eine Mammographie, deren Ergebnis auch voll und ganz zufriedenstellend war. Überrascht war ich aber, weil die Ärztin in meiner rechten Brust immer noch eine leichte Schwellung wahrnehmen konnte. Ich hätte jeden Eid darauf geleistet, daß das jetzt alles wieder völlig normal sei. Es sieht für mich halt normal aus und fühlt sich auch normal an. Um das zu erkennen, benötigt man wohl doch eine Spezialausbildung plus viele Jahre Routine. Immerhin, das zeigt, wie lange die Nachwirkungen so einer Behandlung offenbar für Fachleute noch erkennbar sind. Witzigerweise hat die Ärztin dafür die OP-Narbe erst nach einigem Suchen finden können. Sie ist wirklich schön unauffällig, aber ich kann sie sehen.
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Wenn sogar die TAZ das behauptet, wird es wohl zutreffen: Der Boom von industriell gefertigten Fleischersatzprodukten ist offenbar vorbei. Sechs Jahre lang nahm das Produktionsvolumen ständig zu. Im letzten Jahr ist es laut Statistischem Bundesamt erstmals wieder gesunken. Im Gegenzug wurde wieder mehr Fleisch verzehrt - tatsächlich setzte dieser Anstieg aber bereits im Vorjahr wieder ein. Dies wird darauf zurückgeführt, daß die Fleischpreise im Vergleich zu anderen Lebensmittelkosten kaum gestiegen sind. Jetzt hat mich natürlich auch interessiert, ob der Trendreport Ernährung dies ebenfalls widerspiegelt. Merkwürdigerweise gab es dieses Jahr aber bislang noch keinen.
Überrascht bin ich darüber aber keineswegs, dafür habe ich schon zu viele andere Ernährungs-Hypes in den Supermarktregalen mit viel Trara kommen und ganz leise wieder verschwinden sehen. Zum zweiten kam der Fleischersatz-Hype mit ein paar Jahren Zeitverzögerung aus den USA herübergeschwappt, und dort ist der Trend schon ein Weilchen vorbei. Aber als dritter Faktor kommt natürlich auch noch dazu, daß der aktuelle Bundesminister für Landwirtschaft, ein gelernter Metzger, einen solchen Trend kaum aktiv vorantreiben wird. Und als vierter Faktor, und dafür kann man den Herrn Reiner wieder nicht verantwortlich machen, hat auch die Hurra-Medienberichterstattung erheblich nachgelassen. Die Wirkung dieses Faktors schlägt sich dann in solchen Umfrage-Ergebnissen nieder:
Ich meine hier speziell die Entwicklung derjenigen, die angeben, sich "flexitarisch" zu ernähren. Was diese Leute damit jeweils meinen, sei dahingestellt - es sind jedenfalls alle diejenigen, die glauben, sie wären irgendwie moralisch verpflichtet, möglichst wenig Fleisch zu essen. Sich als Flexitarier zu bezeichnen, ist eine reine Absichtserklärung. Daß auch ein verblüffend großer Teil der selbsterklärten Veganer und Vegetarier in der Praxis anders ißt, als es ihr ernährungstechnisches Selbstbild eigentlich erlauben würde, habe ich an anderer Stelle ja schon einmal erwähnt. Es liegt also nahe, dies auch für die selbsterklärten Flexitarier anzunehmen.
Neu ist es, daß nach dieser Umfrage vor allem die selbsterklärten Flexitarier immer weniger zu werden scheinen. Vor zwei Jahren machten Flexitarier, Vegetarier und Veganer 56 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Inzwischen sind es zehn Prozentpunkte weniger. Ich glaube noch nicht einmal, daß dies Veränderungen im tatsächlichen Ernährungsverhalten widerspiegelt. Es spiegelt wider, daß eine soziale Erwünschtheit dieser drei Ernährungsweisen von vielen Befragten nicht mehr wahrgenommen wird, und dann fehlt der Druck, so zu antworten, daß man damit moralisch untadelig rüberkommt.
Die Detailergebnisse finde ich interessant. Daß Vegetarisch/Vegan bei unter Dreißigjährigen um einiges verbreiteter als bei Älteren, aber dafür die Flexitarier bei den älteren Altersgruppen deutlich häufiger sind, war zu erwarten, ebenso, daß die Größe des Wohnorts einen Einfluß hat. Der Trend, vegetarisch oder vegan zu essen, ist ein Lifestyle junger gebildeter Großstädter im Westen, und dabei sind Großstädterinnen überrepräsentiert. Womit ich aber nicht gerechnet hatte, ist, daß das Merkmal "kinderlos" ebenfalls eine Rolle spielt. Sind Kinder im Haushalt, geben lediglich 39 Prozent an, entweder vegetarisch, vegan oder flexitarisch zu essen, und ausgerechnet die flexitarische Lebensweise ist auch als reine Absichtserklärung, wenig Fleisch essen zu wollen, bei Eltern fast so unbeliebt wie im Osten der Republik und der Anteil liegt sogar drei Prozentpunkte niedriger als bei den am wenigsten Gebildeten. Ich habe hin- und herüberlegt, was der Grund dafür sein könnte, und das einzige, was mir einfallen würde, ist, daß die Kinder das Zeug vielleicht ja häufig nicht mögen. Dafür könnte diese Entwicklung sprechen:
Basis dieser Antworten waren allerdings nur die Befragten, die von sich selbst sagen, sie ernährten sich vegetarisch oder vegan. Die meisten Schwankungen bei den Antworten deuten nicht auf große Änderungen hin, aber mit einer Ausnahme: Der Anteil derjenigen, die angeben, diese Ernährung schmecke ihnen, ist von 2022 bis 2025 kontinuierlich, und das um immerhin zwölf Prozentpunkte gesunken. Das scheint mir tatsächlich ein Trend zu sein. Möglicherweise erklärt sich der starke Rückgang bei denjenigen, die ihre Ernährungsweise wohlschmeckend finden, ja darin, daß jeder, der eine Zeitlang auf zuvor gewohnte Ernährungsbestandteile verzichtet, diese irgendwann vermißt. Ich stürze mich ja auch nach jeder Low-Carb-Phase sehr enthusiastisch auf Weizenmischbrot, Bratkartoffeln und Heidelbeermuffins. Ein Teil des Reizes meiner vorübergehenden Low-Carb-Phasen besteht ja darin, daß ich keinem besonders geliebten Lebensmittel nachtrauern muß, weil ich sie ja wieder bekommen werde. Dafür koche ich außerhalb der LC-Phasen keines meiner zugehörigen Lieblingsrezepte - dann habe ich etwas, worauf ich mich bei LC freuen kann. Sechs Wochen sind übrigens gerade der richtige Zeitraum, um nichts zu vermissen. Bis dahin habe ich alle LC-Lieblingsrezepte durch und eine Reihe von neuen ausprobieren können. Die interessanteste Neuerung des letzten Winters waren diese Milchpulver-Brötchen. Im Herbst werde ich höchstwahrscheinlich einen größeren Eimer Milchpulver kaufen, um die öfter machen zu können. Ich bin allerdings noch unschlüssig, ob ich nicht doch lieber Magermilchpulver nehmen sollte. Nicht, weil ich Kalorien sparen möchte, sondern weil das Vollmilchpulver süßer schmeckt, und das trifft beim Frühstücken dann doch nicht ganz meinen Geschmack.
Mit dem Sinkflug des Absatzes der Fleischersatzprodukte hat der Überdruß der Vegetarier am Geschmack ihres Essens aber kaum etwas zu tun. Für eine vegetarische oder vegane Ernährung - von flexitarisch ganz zu schweigen - sind solche Produkte ja sowieso nicht nötig. Wer sich ernsthaft vegan oder vegetarisch ernähren oder dies wenigstens relativ häufig tun will, der macht es vermutlich genauso wie ich, wenn ich Low Carb esse: Er tüftelt sich die passende Rezepte aus und kocht selbst, und das so, daß es einem wirklich schmeckt. Die Zielgruppe für Fleischersatzprodukte sind meiner Meinung nach weniger die Überzeugungstäter, sondern diejenigen, die sich gerne als Flexitarier sehen möchten und sich mit dem Griff zum ethisch korrekten Produkt vor allem ein weniger schlechtes Gewissen erkaufen. Würde das Zeug ihnen wirklich schmecken, könnte niemand sie daran hindern, sie weiter zu konsumieren, es muß dann ja auch nicht jeden Tag sein. Aber wenn nichtvegane Fertiggerichte schon nicht so besonders schmecken, warum sollte das bei veganen denn anders sein?
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